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Alderaan

Dieses Thema im Forum "Projekt Star Wars Rollenspiel" wurde erstellt von CK-2587, 20. September 2006.

  1. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    Alderaan
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    [ Infos zum Planeten: Alderaan (engl.) | Alderaan (dt.) ]

    [ Zugehörigkeit: Neue Republik ]


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    [Hyperraum, Yacht „Queen of Blades“, Cockpit]- Akemi, Selby, Cris

    Auf Akemis Äußerung, einen Ort zu suchen, an dem niemand sich für sie interessierte, schenkte Selby auch ihr sein optimistisches Lächeln, das auf Cris bereits beruhigend gewirkt hatte.

    „Glaub mir, Akemi... dort interessiert sich niemand für uns, wenn wir uns korrekt verhalten. Es kann gar nichts schief gehen....“

    Ein Pfeifen des Navigationscomputers lenkte die Aufmerksamkeit des Piloten wieder auf seine lädierte Queen.

    „Na also... da wären wir...“

    Er betätigte den Hebel, den Cris vor kurzem noch mit aller Gewalt heruntergerissen hatte, und ließ sie so den Hyperraum verlassen. Sofort erschien vor ihnen ein grüner Ball, der Cris frappierend an Naboo erinnerte. Schiffe befanden sich im Orbit, doch ein kurzer Blick auf die Sensoren verriet, dass keines von ihnen stärker bewaffnet war als für Handelsschiffe üblich – die meisten sogar bedeutend schwächer.

    „Alderaan...“ Selby seufzte. „Vielleicht werden euch die Menschen hier wundern... aber ich habe sie und ihre Art zu schätzen gelernt...“

    Cris runzelte die Stirn. Selbys Andeutungen machten die ganze Sache noch mysteriöser, wobei bereits der Umstand, dass Alderaan als souveräner Planet scheinbar keine Raumstreitkräfte, nicht einmal Golan-Verteidigungsstationen besaß, ihn misstrauisch werden ließ.
    Das Com der Queen knackte und eine melodische Frauenstimme ertönte.


    „Yacht Queen of Blades, hier spricht Alderaan Verkehrskontrolle. Legen Sie bitte Ihre Absichten dar.“

    Selby formte seine Lippen zu einem lautlosen Pfiff, ehe er antwortete.

    „Alderaan Verkehrskontrolle, hier Yacht Queen of Blades. Erbitten Landeerlaubnis auf dem Raumhafen von Aldera, um dort einige Reparaturen durchführen zu können.“

    „Ihr Schiff macht einen beschädigten Eindruck. Sind Sie in ein Gefecht verwickelt worden?“

    „Das, Verkehrskontrolle, kann man so sagen...“, erwiderte Selby. „Wir waren geschäftlich auf Corellia unterwegs, als der Planet vom Imperium angegriffen wurde. Es gelang uns nur knapp, zu fliehen. Das Imperium machte sich nicht die Mühe, zwischen Republikanern und Neutralen zu differenzieren.“

    „Verstanden“

    Eine Kurze Pause entstand.

    „Queen of Blades, Landeerlaubnis erteilt. Seien Sie jedoch daran erinnert, dass die Waffensysteme Ihres Schiffes vollkommen deaktiviert werden müssen. Auch ist der Gebrauch von Handfeuerwaffen auf Alderaan nicht gestattet, ebenso wenig wie das Mitführen selbiger. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“

    „Verstanden Kontrolle, und danke.“

    Der Pilot drehte sich halb zu Akemi und Cris um, während er die Yacht langsam näher an den Planeten heransteuerte, der – wie Cris nun erkannte – hauptsächlich von saftig grünen Wiesen mit kleinen, blauen Seen dazwischen dominiert zu sein schien. Wieder wurde Cris an Naboo erinnert, doch mit einem kurzen Seitenblick auf Akemi verdrängte er diese Assoziation.

    „Da seht ihr es... sie haben ihre Prinzipien. Ich fürchte, der Captain muss für die Dauer unseres Aufenthaltes auf seine Waffe verzichten.“

    Cris lächelte schwach.

    “Glauben Sie mir Selby, nichts würde ich momentan lieber tun...“

    „Gut. Wisst ihr, Alderaan wird häufig als leuchtendes Zentrum der Zivilisation empfunden, zumindest unter Kennern. Tatsächlich ist es in mancher Hinsicht mehr ein Zentrum als Coruscant oder Bastion es sein könnten.“

    “Und trotzdem interessiert sich das Imperium nicht dafür?“

    „Nein. Die Hinsichten, von denen ich spreche, sind für imperiale Zahlenschieber nicht von Belang...“

    Mittlerweile waren sie in die Atmosphäre eingetaucht. Cris erkannte, dass sie sich einer größeren Stadt näherten, die aus den sie umgebenden Grasflächen deutlich hervortrat. Je näher sie kamen, desto besser waren die Details zu erkennen: schneeweiße Gebäude, hoch und majestätisch, doch ohne klobig und kalt zu wirken wie die Hochhäuser Coruscants. Diese Wolkenkratzer zeichneten sich durch runde, geschwungene Architektur aus, die mit ihrer natürlichen Umgebung eine optische Symbiose einzugehen schien. Cris hörte sich selbst tief Luft holen, überwältigt vom Anblick. Und er hatte gedacht, bereits alles auf diesem Planeten gesehen zu haben...

    „Das ist Aldera, die Hauptstadt...“, erklärte Selby schmunzelnd. „Ein schöner Ort. Nicht ganz so kitschig wie Theed, weniger hektisch als Coronet, und nicht so versucht wie Cloud City... man könnte fast meinen, dass sich hier die positiven Eigenschaften aller Metropolen dieser Galaxis vereinen.“

    Am Rande Alderas steuerte die Queen of Blades den nicht minder sauber und friedvoll wirkenden Raumhafen der Stadt an. Sanft setzte die elegante Yacht, die in Höchstform perfekt in diese Umgebung passen musste, in einer der Landebuchten auf. Fast feierlich fuhr Selby die Generatoren des Schiffes herunter.

    „Da wären wir – in Sicherheit, wie ich es versprochen habe. Und machen Sie sich wegen des Geldes keine Sorge, Captain, auch wenn wir keine Spesenkonten des Geheimdienstes anzapfen können... die Preise auf Alderaan sind zivil und ich habe noch ein wenig auf der hohen Kante.“

    Cris antwortete nicht sofort. Er konnte immer noch nicht so recht glauben, wie rasch sich wieder alles verändert hatte. Eben noch hatten sie sich gegen imperiale Sturmtruppen, TIEs und das Sperrfeuer eines Supersternzerstörers zur Wehr setzen müssen, jetzt befanden sie sich auf einen Planeten, der all dies wie einen bösen, aber vollkommen unrealistischen Alptraum erschienen ließ. Sie waren in Sicherheit...
    Erneut fiel sein Blick auf Akemi und dieses Mal konnte er ein erleichtertes Lächeln nicht verbergen.


    “Ja, Selby... wir haben es geschafft...“

    [Alderaan, Aldera, Raumhafen, Yacht „Queen of Blades“, Cockpit]- Akemi, Cris, Selby
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. November 2013
  2. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Aldera - Raumhafen - Queen Of Blades - Mit Cris, Selby -

    Schon der Anflug auf Alderaan gab einen Teil der Schönheit des Planeten preis. Neben einer wunderschönen Landschaft - weite Wiesen, großflächige Seen und Bergen so hoch, dass ihre Gipfel mit Schnee bedeckt waren - imponierte die Hauptstadt Aldera durch ihre flüssige Architektur, die sowie elegant als auch erhaben war. Dass dies ein Ort des Friedens war, konnte Akemi gerne glauben und doch war es ein seltsam irritierendes Gefühl hier zu sein, wo das Leben noch in Ordnung schien, nachdem sie gerade erst dem Krieg entkommen waren. Nein, keine Gedanken mehr an Corellia - vorerst nicht.

    Es brauchte nicht lange, bis Cris und Akemi erkannt hatten, dass Selby schon mehr als nur ein paar Mal hier gewesen sein mochte. Er schien sich gut auszukennen und erklärte sogleich seine Pläne für das nächste Vorgehen. Sie wollten drei Zimmer in einem einfachen Hotel - und davon gab es viele - mieten, nicht direkt in Aldera, aber irgendwo am Rande der Stadt, am besten am Fuße der Berge, dort wo es ruhig war, so wie Akemi es sich gewünscht hatte. Er wies Cris und Akemi an, Gepäck zusammen zu stellen. Die Queen konnte gegen Platzgebühr im Raumhafen bleiben. Dann schleppte er die beiden hinter sich her zu einem Reise-Info-Center, ließ sich Adressen einiger Hotels geben und fuhr mit dem Finger über die auf einem Datenblock erscheinende Liste entlang.


    "Ruhiges Ambiente, Vollpension..."

    Murmelte er und machte ein angestrengtes Gesicht.

    "Einzelzimmer mit Terrasse, Blick auf den Mount Ingle, Holo-TV..."

    Akemi stellte sich auf die Zehenspitzen, um einen Blick auf den Datenblock zu erhaschen.

    Ist was für uns dabei?

    "Mhhhh...mhhhh..."

    Machte Selby unschlüssig. Anscheinend gefiel er sich in der Rolle des Reiseführers.

    "Wir wollen ja auch genau das Richtige für uns finden. Nicht zu einfach, nicht zu luxuriös... schließlich wollen wir keine unnötige Aufmerksamkeit erregen."

    Akemi nickte. Im Reise-Info-Center hatte es Aushänge über die Nobelferienorte Alderaans gegeben, dort wo sich Prominenz und andere reiche Vertreter der Oberschicht einfanden. Es waren vermutlich die gleichen Leute, die sie auch auf Bespin in dem vornehmen Casino gesehen hatten. Doch diesmal wäre eine solche Tarnung vielleicht nicht die klügste.

    "Ja, das ist es!"

    Wie wild tippte Selbys Finger auf den Datenblock. Stolz auf seine Leistung, eine geeignete Unterkunft gefunden zu haben, hielt er das kleine Gerät vor Cris' Nase.

    "Ist nicht weit entfernt, Captain, und alles vorhanden, was wir brauchen. Genau richtig. Wir brauchen nur einen Gleiter."

    Vielleicht lag es daran, dass er selbst nicht durch die Straßen Corellias marschiert war, sondern "nur" auf der Queen gewartet hatte, aber Selby schien sich mühelos gefangen zu haben und über die Bilder, die man auf Corellia gesehen hatte, hinweg zu sein. Cris und Akemi erging es da anders und Cris schien auch nicht in der Laune zu sein, Selbys Auswahl eines Hotels zu widersprechen. Der Pilot mietete einen Gleiter, Gepäck und Fahrgäste wurden eingeladen und kurz darauf ging es quer durch Aldera. Akemi konnte ihre Augen nicht von der Stadt wenden. Selby grintse.

    "Na, hab ich zuviel versprochen?"

    Akemi schüttelte den Kopf.

    Nein, es ist wunderschön.

    Sie passierten hohe Gebäude mit glänzenden Kuppeln und mächtigen Säulen. Statuen glänzten im Licht der untergehenden Sonne, deren Strahlen sich auf dem Wasser der umliegenden Seen brachen, als sie den Kern des Zentrums verließen...

    - Alderaan - Aldera - Gleiter - Mit Cris, Selby -
     
  3. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, Aldera, Raumhafen, Yacht „Queen of Blades“, Cockpit]- Akemi, Cris, Selby

    Die Stadt Aldera sauste an ihnen vorbei, während Selby den gemieteten Mittelklassegleiter mit sicherer Hand aus dem Zentrum heraus steuerte, selbstverständlich darauf bedacht, die alderaanischen Verkehrsregeln zu beachten, deren Hauptaugenmerk auf der Verkehrsberuhigung zu liegen schien.
    Gedankenverloren ließ Cris die optischen Impressionen an sich vorbeirauschen. Er hatte nicht einmal richtig hingesehen, als Cris ihm den Datenblock unter die Nase gehalten hatte, auf dem er ihr nächstes Ziel hätte begutachten können. Nicht nur vertraute er darauf, dass Selby sich auf Alderaan bedeutend besser auskannte als er selbst oder Akemi, zusätzlich bezweifelte der ehemalige Sturmtruppler, dass er in seiner momentanen Verfassung überhaupt eine nachvollziehbare und schlüssige Entscheidung hätte treffen können. Zwar begann Aldera langsam, auf ihn einzuwirken, doch zu viele Gedanken geisterten noch durch seinen Kopf – was wurde aus der Republik, was aus dem Geheimdienst? Wie sollte er ohne dessen Rückendeckung sein Versprechen an Akemi einlösen? Was würde dann aus ihr werden, was aus ihm? Und wie lange würde es dauern, bis das Imperium jeden Winkel der Galaxis kontrollierte oder zumindest in totale Abhängigkeit getrieben hatte? Dann, das wusste Cris, würde ihn seine Vergangenheit wieder einholen. Es würde wie auf Esseles werden – nur schlimmer.


    „Captain?“

    Cris blinzelte überrascht. Er hatte nicht einmal gemerkt, dass Selby ihn angesprochen hatte.

    “Äh... ja?“

    „Ich meinte nur, dass wir unser Ziel in Kürze erreichen...“

    Tatsächlich war die Bebauungsdichte um die herum bereits schwächer geworden. Die Randbezirke Alderas schienen fast in ihrer Umgebung zu verschwinden – nur wenig wies noch darauf hin, dass auch hier Menschenhand am Werk gewesen war, die sich ihr eigenes Paradies geschaffen hatte. Das Paradies. In den meisten menschlichen Allegorien und denen der überwältigenden Mehrheit intelligenter Lebewesen ein Ort, aus dem man früher oder später vertrieben wurde. Eine Utopie, der nachzueifern fruchtlos bleiben würde, doch dem Geist ein Ziel gab, auf welches er sich konzentrieren konnte.
    Cris riskierte einen Blick über die Schulter des Piloten, um zu erkennen, worauf sie zuhielten. Offenbar war einer der größeren Seen ihr Ziel – doch dieser war ein Gebirgssee, der sich an den Fuß eines steinernen Riesen schmiegte, auf dessen Gipfel weißer Schnee in der Sonne blitzte, umgeben lediglich von hauchfeinen Wolkenschwaden. Das himmelfarbene Blau des Wassers schien perfekt mit dem saftigen Grün der Wiesen zu harmonieren, während das ganz und gar nicht trist wirkende Grau des Berges dem ganzen eine ganz besondere Note verlieh. Um den See herum gruppierten sich nur sehr wenige Gebäude in einigem Abstand voneinander – Cris verwunderte diese Beobachtung. Findige Tourismusmanager hätten aus diesem Ort bereits längst eine Goldgrube gemacht...


    „Die Alderaaner haben Respekt vor der Natur und ihrem Planeten“, erläuterte Selby, als hätte er die Gedanken des Captain gelesen. „Die Regierung hat die Nutzung dieser Kleinode durch den Tourismus drastisch eingeschränkt und intergalaktisch agierende Touristikkonzerne gleich ganz vor die Tür gesetzt. Dieser See hier ist eine Art Geheimtipp... nicht billig, aber trotzdem glaube ich kaum, dass wir großartig auffallen werden. Das würden wir nur in Einrichtungen wie den Nobelresidenzen am Lake Toluka...“

    Cris nickte abwesend. Er glaubte so langsam, dass das Imperium in dieser Gegend so gut wie keine Augen besitzen konnte... und solange sie ohne Waffen und dem Wunsch nach Gewalt kamen, würden Alderaans Bürger sie mit offenen Armen und ohne Argwohn empfangen.

    „Außerdem vermeiden wir so allzu aufdringlichen Service...“

    Mittlerweile hatten sie an Geschwindigkeit verloren und Cris steuerte ein weißes, zweistöckiges Gebäude an, das sich in ein Waldstück am Rande des Sees, gegenüberliegend vom majestätischen Berg, kuschelte. Vor dem unauffälligen Eingang, der immerhin keinerlei überflüssigen Luxus vermuten ließ, stoppte der Pilot den Gleiter.

    „Also, checken wir ein...“

    Liebenswürdig sah er Cris an. Zu liebenswürdig.

    „Captain, tragen Sie das Gepäck?“

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Pension]- Akemi, Cris, Selby
     
  4. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan ? Vor Hotel ? Mit Cris und Selby ?

    Von außen machte das Hotel bereits einen guten Eindruck und nachdem, was Akemi bisher von Alderaan gesehen hatte, zweifelte sie nicht daran, dass auch die Räumlichkeiten angenehm und sauber sein würden. Selby versuchte Cris das Gepäck aufzubrummen. Letztendlich mussten sie jedoch alle beim Tragen helfen ? Akemi hatte sich nicht nur auf einen kleinen Koffer beschränkt. Sie checkten ein und buchten drei Einzelzimmer, die alle auf demselben Gang lagen, mit Blick auf den beeindruckenden Berg, an dessen Fuß das Hotel lag. Die Hoteliers brachten das Gepäck hinauf in die Zimmer, während Cris, Selby und Akemi ihnen mit dem Gästelift folgten. Die Zimmert selbst waren modern eingerichtet, wirkten aber durch die weichen Teppiche dennoch gemütlich. Cris? und Akemis Zimmer lagen nebeneinander und waren durch eine schmale Terrasse miteinander verbunden. Selby hatte das Zimmer auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges für sich in Anspruch genommen.

    Akemis Gepäck stand mitten im Raum, als Akemi ihr Hotelzimmer betrat und sich umsah. Die Einrichtung gefiel ihr auf Anhieb und erinnerte sogleich an all das, was sie draußen in Aldera gesehen hatte. Dieser Planet hatte sein ganz eigenes Flair - und das gefiel ihr. Dennoch dachte sie sich fast trotzig, dass Alderaan keinesfalls schöner war als Naboo, das Selby als "kitschig" bezeichnet hatte. Lächelnd trat Akemi auf den Balkon hinaus. Der Ausblick war fantastisch, die Berge ragten wie majestätische Riesen in den Himmel. In einiger Entfernung konnte sie den regelmäßigen Verkehr von Speedern sehen, der bergauf und bergab in Bewegung war. Von ganz dort oben musste man einen fantastischen Ausblick haben - mitten im Schnee zu stehen und hinunter zu schauen auf saftige grüne Wiesen. Akemi wandte sich zu Cris' Balkontür herum, die dieser noch nicht geöffnet hatte und klopfte gegen die Glasscheibe.


    Wie findest du's?

    Fragte sie, als er die Tür aufmachte und wies auf die Landschaft.

    Ich kann gar nicht glauben, dass es hier unten so warm ist und da oben Schnee liegt!
    Mit dem Kopf deutete sie in Richtung Bergspitzen. Vom Flur her erklang Selbys triumphierende Stimme "Ich habs euch ja gesagt, dass der Laden gut ist" und "Hier lässt es sich aushalten". Als er keine Antwort erhielt, kam er durch Cris' Zimmer hindurch ebenfalls auf den Balkon hinaus.

    "Klasse Aussicht, was? Und man kann Ausflüge nach dort oben machen, das wird euch gefallen."

    Uns?

    Erwiderte Akemi fragend, weil die Stimme des Piloten irgendwie klang, als wolle er sich ausschließen.

    "Die Queen, Akemi, ich muss mich jetzt um sie kümmern. Wird ein Haufen Arbeit, sie wieder ansehlich und vor allem auch technisch wieder perfekt herzurichten. Einige Teile werden nicht so einfach zu kriegen sein. Das wird mich eine Weile beschäftigen."

    Trotz der ihm bevorstehenden Arbeit klang Selby nicht niedergeschlagen. Er war optimistisch und wirkte eher so, als freue er sich auf die Reparaturarbeiten an der Queen, die wahrhaftig sein Hobby war. Akemi ahnte, dass sie den Piloten in den nächsten Tagen nicht viel zu Gesicht bekommen würden. Aber vielleicht war das auch gar nicht das schlechteste. Nicht, dass sie ihn nicht um sich haben wollte. Doch würde ihr und Cris gut tun, ein wenig Zeit miteinander zu verbringen und gemeinsam über das hinweg zu kommen, was sie auf Corellia erlebt und was sie dort gesehen hatten.

    - Alderaan - Randort - Hotel - Balkon - Mit Cris und Selby -
     
  5. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Balkon]- Akemi, Cris, Selby

    Cris warf Selby einen leicht überraschten Blick zu, als dieser ankündigte, sich hauptsächlich um die Reparaturen an der Queen zu kümmern. Natürlich, er kannte dieses Schiff länger als Cris und Akemi, und in gewisser Hinsicht war es zu seiner Lebensaufgabe geworden, doch nichtsdestotrotz verwunderte es Cris, wie schnell Selby sich wieder auf seine Aufgaben vorbereitete und wie voller Vorfreude er dabei klang.
    Andererseits – er hatte nicht durch die dunklen Gänge des verlassenen Geheimdiensthauptquartiers wandern und sich gegen imperiale Elitesoldaten wehren müssen... und zudem war er aus seinem Leben bereits einiges gewohnt. Das war Cris zwar auch – doch beim ehemaligen Sturmtruppler griffen andere Komponenten, die ihn nach etwas Ruhe lechzen ließen.


    „Und ich werde auch gleich anfangen... nur die Waffensysteme, die werden wir woanders instandsetzen lassen müssen...“

    Ein letztes fröhliches Grinsen, dann war der Pilot durch Cris’ Zimmer auf den Flur verschwunden. Cris stand mit Akemi und der atemberaubenden Ausblick auf jenen bisher namenlosen Berg alleine auf dem Balkon. Dieser Szenenwechsel schien sie ein wenig abgelenkt zu haben – von den Tränen, die sie nach den Nachrichten von Bothawui vergossen haben musste, war nichts mehr zu sehen. Doch das alleine machte sie nicht ungeschehen...
    Seufzend lehnte Cris sich auf die Brüstung und ließ das Schweigen andauern, lediglich untermalen vom leisen Rauschen des warm über sein Gesicht streifenden Windes, der sanft an Akemis Haaren zupfte und sie sich kaum erkennbar bewegen ließ. Einen Augenblick lang bedauerte Cris, dass zwischen ihnen fast ein halber Meter freier Raum zu sein schien. Es wäre ihm alles viel realer vorgekommen, hätte er sie berühren können, ihren zerbrechlichen Körper in seinen Armen gespürt... Fast schämte er sich seiner Gedanken. Er schuldete ihr mehr als das...


    “Es kommt einem etwas seltsam vor, nicht wahr?“, sagte er leise.

    “Dieser Szenenwechsel... ich hätte nicht gedacht, so etwas noch einmal zu Gesicht zu bekommen...“

    Eine Welt ohne Waffen. Eine Welt, auf der er seines Daseinszweckes beraubt war? Oder eine Welt, auf der sein wahres Ich endlich ohne Verzerrungen ans Tageslicht treten würde?

    Akemi, ich...“ Er senkte seinen Blick. “Ich habe nachgedacht... über uns...“ Ein verlegenes Räuspern. “Ich... äh... ich meine, über uns und den Geheimdienst. Und darüber, was wir nun tun sollten... weißt du...“

    Hilflos zuckte er mit den Achseln und gab es schließlich seufzend auf.

    “Reden wir später darüber...“

    Sein Blick fiel auf die schneebedeckte Spitze des Berges, der das Panorama vor ihrem Hotel eindeutig beherrschte.

    “Möchtest du da rauf?“

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Balkon]- Akemi, Cris
     
  6. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderran - Gebirgsseeufer - Hotel - Balkon - Mit Cris -

    Kaum das Selby fort war, fühlte Akemi, wie die Stimmung ihre schwerelose Friedlichkeit verlor. Alleine mit Cris fühlte sie sich wieder in die Straßen Coronets zurück versetzt und in ihrer Nase klebte der verbrannte Geruch der totalen Zerstörung. Aber es war auch nicht nur das. Sie glaubte, irgendetwas sagen zu müssen, das Schweigen wirkte beinahe unangenehm. Als Cris' diesen ihren Gedanken in die Tat ansetzte und anfing zu sprechen, zuckte sie beinahe unmerklich zusammen. Für Cris war es ebenfalls schwer zu begreifen, plötzlich hier auf Alderaan zu sein, wo es nie Krieg gegeben zu haben schien. Nachdenklich fragte Akemi sich, ob sie nicht vielleicht darüber sprechen sollten - über das, was auf Corellia geschehen war. Sie hatten es zusammen erlebt, also konnten sie es vielleicht auch gemeinsam bewältigen? Nein. Schnell verwarf sie diesen Gedanken wieder. Sie wollte nicht noch einmal all diese Bilder sehen und die donnernden Geräusche von Explosionen hören. Das einzige was sie wollte war, diese Stunden der Grausamkeit aus ihrem Gedächtnis zu verbannen und zu vergessen. Nie mehr daran denken...

    Ihr Magen zog sich zusammen, als Cris weiter sprach. "... nachgedacht... über uns...“ ...Vollkommene Leere schien Akemis Körper zu besitzen, während gleichzeitig ein glühender Funke versuchte sie in Brand zu stecken. Hitze stieg ihr in die Wangen und sie setzte schon an, irgendetwas zu entgegen, ihn zu unterbrechen... ihn aufzuhalten. Doch sie brachte kein Wort zu stande, und im nächsten Augenblick fiel das Wort "Geheimdienst". Natürlich. Sie waren Agenten und sie hatten keinen Kontakt zu der Institution, in der sie beschäftigt waren. Weder wussten sie wo Eryell Raistlin sich aufhielt, noch hatten sie irgendetwas von Majere gehört. Wie sollten sie den Anschluss überhaupt je wieder finden, jetzt wo sie nicht mehr nach Corellia zurück konnten?
    So aprubt Cris dieses Thema jedoch angeschnitten hatte, so unerwartet schnell beendete er es auch. Erleichtert und verwirrt nickte Akemi, als er resignierend einlenkte, dies später fortzuführen. Sie hatte keine Ahnung, was er damit meinte, er hätte nachgedacht. Hatte er ihre nächsten Schritte gemeint, die sie gehen mussten, um heraus zu finden, wo sich der Rest des Geheimdienstes aufhielt? Genau genommen wussten sie noch nicht einmal, ob ihre Vorgesetzten überhaupt noch am Leben waren - und wenn nicht, wer dann für sie verantwortlich war. Vielleicht gab es den Begriff der Verantwortung in ihrer jetzigen Situation aber auch gar nicht mehr. Viel mehr waren sie einfach nur noch auf sich selbst gestellt - was sie tun oder nicht tun würden, lag ganz allein in ihren Händen. Der Möglichkeit, ihren Dienst zu leisen, waren sie beraubt worden - aber war dies unbedingt schlecht? Ein wenig bedrohlich wirkten die Berge in der Ferne mit einemmal, so als wollten sie Akemi dazu ermahnen, die Situation nicht für sich zu nutzen. Die junge Schauspielerin schluckte. War es falsch, dass sie nicht bedauerte, von der Republik und ihrem Arbeitgeber abgeschnitten zu sein? Eigentlich, so glaubte sie, wäre es richtig, sich sofort zusammen zu setzen und zu überlegen, wohin die anderen Überlebenden des Geheimdienstes geflüchtet sein könnten: welche Stützpunkte gab es? Von welchem geheimen Zentralen aus war das Netzwerk der Republik in den letzten Jahren gesteuert worden? Aber diese Gedanken ließen Akemi das Herz schwer werden. Sie hatte soviel erlebt in der letzten Zeit und sie war es müde, das Geräusch von Laserkanonen zu hören und die grellen Blitze von Blasterpistolen knapp an sich selbst vorbei ziehen zu sehen. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war - und in diesem Moment, wo die untergehende Sonne goldene Farbtupfer auf den Bergen Alderaans verteilte war sie ehrlich zu sich selbst - wollte sie die neu gewonnene Freiheit genießen, wenn auch die Umstände, unter denen sie zu eben dieser gelangt war, nicht die glücklichsten gewesen waren. Akemi hatte sich viel zugemutet, im letzten Jahr. Sie hatte geglaubt, vieles verkraften zu können und vieles zu schaffen, obwohl sie noch lange nicht allem gewachsen war. In vielerlei Hinsicht war sie zu jung für den Geheimdienst gewesen und so manches mal hatte sie schneller reifen müssen, als ihr lieb war. Dennoch - oder gerade deshalb - steckte noch sehr viel von dem kindlichen Freiheitsdrang in ihr und der Abenteuerlust, die sie schon damals auf Bothawui verspürt hatte. Die Abenteuer, zu denen es sie drängte, waren mittlerweile jedoch andere und hatten nichts mehr mit kriminellen Machenschaften und heldenhaften Taten zu tun.


    Ich würde sehr gerne dort hinauf.

    Akemis Stimme klang ein wenig sehnsüchtig, als sie Cris antwortete. Wer wusste schon, wieviel Zeit ihnen hier blieb, bis ihr gewohntes Leben plötzlich und unverhofft zurück kehrte? Es begann schon damit, dass Selby die Queen wieder in Schuss brachte. Je mehr Akemi darüber nachsann, desto klarer wurde ihr, dass sie sich zwischen den Vorschriften und Regeln des Geheimdienstes eingezwengt fühlte. Sie war nicht nur einfach erleichtert, vorerst dem Krieg entkommen zu sein. Nein, sie war vielmehr unendlich froh, ihr Leben endlich noch einmal in der eigenen Hand zu haben. Dies war die Ironie des Schicksals, denn war sie nicht ihrem alten Leben entflohen, um selbst entscheiden zu können?

    Wir könnten morgen früh einen Ausflug machen. Gleich nach dem Frühstück...

    Sie hatte den Blick nicht von ihrem möglichen Reiseziel gewandt. Neben sich spürte sie Cris so überdeutlich, als berührten sich ihre Arme, obwohl sie der normale Abstand zwischen Zweien, die nebeneinander standen, trennte. Akemi schaute vorsichtig zu ihm hinüber.

    Natürlich nur, wenn du auch Lust hast.

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Balkon - Mit Cris -
     
  7. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Balkon]- Akemi, Cris

    Fast lächelte Cris, als der den Unterton der Antwort Akemis vernahm. Dieser im Licht der schwindenden Sonne glänzende Berggipfel schien nicht nur wie ein lohnenswertes Ausflugsziel, sondern vielmehr wie ein Ort, eine Idee jenseits aller Ängste und Sorgen, die den ehemaligen Sturmtruppler in diesem Moment eigentlich hätten plagen sollen. Ängste um die Zukunft der Republik, Sorgen darum, dem Geheimdienst auch weiterhin treue Dienste zu leisten.
    Doch waren Akemi, Selby und er aus der Hölle Corellias entkommen, nur um sich bereitwillig erneut in den Schlund des wartenden Drachen zu stürzen, ohne einen Moment innezuhalten? Zwar hatte er ihr versprochen, Bothawui aufzusuchen – doch vorerst waren sie hier. Hier, wo sein alltäglicher Lebensinhalt so weit entfernt schien, dass Cris gar nicht anders konnte, als eine Verlängerung dieses Zustandes herbeizusehnen.
    Und Akemi. Wie mochte es für sie sein, nachdem sie fast von einer imperialen Granate getötet worden wäre, nach der Hiobsbotschaft Selbys, der ihr vom Schicksal der Bothans berichtet hatte? Nein, allein um ihretwillen musste Cris – trotz seiner aufgezwungenen Funktion als nunmehr ranghöchster Offizier der Geheimdienst“zelle“, welche die Queen of Blades nunmehr formal darstellte – weitere Planungen vorerst vergessen, aufhören, Captain Sheldon zu sein. Er war Cris... und auch sie war nicht länger 2nd Lieutenant Akanato, wenngleich sie das für ihn wahrscheinlich nie wirklich gewesen war... sie war Akemi. Die Akemi, die er auf Naboo getroffen hatte. Die Akemi, der er im Seenland so nahe gekommen war... und die Akemi, deren leblosen Körper verzweifelt durch Chaos und Zerstörung getragen hatte...
    So verwandelte ihr nahezu schüchterner Zusatz der Frage, ob er selbst überhaupt Lust hätte hätte, sein angedeutetes Lächeln in ein Echtes.


    “Ja, ich habe Lust...“

    Die letzten Sonnenstrahlen des Tages fielen auf ihr Gesicht, erhellten ihre ebenmäßigen Wangen. Der Wind schien Spaß daran zu haben, ihre Haare zu umgarnen, vorsichtig emporzuheben und in sanfte Bewegung zu versetzen, sodass sich Cris fast zwangsläufig die Erinnerung daran aufdrängte, wie seidig es sich unter seinen Fingern angefühlt hatte, wann immer er tröstend, beruhigend oder einfach nur aus Zuneigung ihren Kopf gestreichelt hatte. Wie oft hatten ihn diese braunen Augen mit derselben Wärme angesehen, die er in diesem Moment in sich spürbare Wellen schlagen fühlte? Gingen seine Gedanken mit ihm durch? War es der Einfluss dieses Ortes, dieses Momentes, die Nachwirkung der Adrenalinschübe vielleicht, die ihm dieses seltsame Gefühl bescherte? Sein Mund wirkte eigenartig trocken...

    “Du brauchst dir keine Sorgen zu machen...“

    Aus einem unerklärlichen Impuls überwand er die Distanz zwischen ihnen mit einem Schritt und legte ihr eine Hand auf die Schulter.

    “Um gar nichts...“

    Der Wind schien die Aufforderung zu säuseln, die schönen Erinnerungen wieder Wirklichkeit werden zu lassen, die Erinnerungen an das Gefühl ihrer Haare, ihren Geruch, ihre weiche Haut, ihre bezaubernd lächelnden, süßen...
    Nein... bereits einmal war er an diesem Punkt angelangt. Er spürte sein Herz in seinem Brustkorb hämmern, doch er verbot sich, dem Säuseln weiter zuzuhören. Es durfte nicht... nicht wieder... so war es beschlossen worden. Doch hatte er je von ganzem Herzen zugestimmt?
    Die Sekunden dehnten sich und mit ihnen das Schweigen, der Moment... doch unfähig war er, sich zu rühren, auch nicht zurück, Gefangener eines inneren Patts...


    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Balkon]- Akemi, Cris
     
  8. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Balkon - Mit Cris -

    Ohne dass sie sich darüber bewusst war, hatte Akemi die Luft angehalten. Cris' Hand lag auf ihrer Schulter und er war ihr plötzlich so nah, dass sie nicht einmal mehr einen ganzen Schritt hätte machen müssen, um sich an ihn zu lehnen. Der Wunsch, genau dies zu tun, überwältigte sie mit einer solchen Intensität, dass es ihr den Brustkorb abschnürte. Wie auf weichen Wolken glaubte sie zu gehen, während sich die Erde um sie drehte. Ein Innehalten war nicht abzusehen. Im Schnelldurchlauf zog die Welt an ihr vorbei. Wo?! Wo war der Ausgang? So nah stand er vor ihr... Cris. So nah. So erreichbar - und doch wieder nicht. Ihr Blick haftete auf seinem, der stumme Austausch eines Wissens, das keines war. Existierte es? Existierten sie selbst überhaupt noch? Oder lebten sie in einem Traum, der in der nächsten Sekunde zerplatzen würde wie die Vergänglichkeit einer Seifenblase? Immer wieder hatten stumme Fragen nach Antworten verlangt, die Akemi ihnen nicht hatte geben können. Und wenn es morgen vorbei war, was würde dann aus ihr?

    Wenn es möglich war, dass die Zeit anhielt, dann hier. Jetzt. Schweigend schaute Akemi Cris an. Duro hatte ihn fast das Leben gekostet. Corellia hatte sie nahe an die Gefahr des Todes gebracht. Beides hatten sie überstanden. Sie waren hier, gemeinsam. Bisher hatte sie nichts trennen und nichts hatte sich zwischen sie stellen können, bis auf ein kleines Detail, das zum Leben erweckt worden war, um es gleich darauf in den tiefen Ozeanen des Vergessen zu ertränken. Ein Kuss, eine einzige winzige Berührung, an die sich Akemi trotz aller Anstrengungen noch immer erinnern konnte, als hätte sie sie erst gestern auf ihren Lippen gespürt. Dabei wollte sie gar nicht mehr daran denken, hatte versucht es nicht wichtig zu nehmen - und beinahe hätte es funktioniert. Doch die Mühe war vergebens. Es ging nicht. Sie konnte nicht ignorieren, was vorgefallen war.

    Auf den Gipfeln der Berge zeichnete die untergehende Sonne ein Spektakel aus glühenden warmen Farben, die wie heiße Glut schimmerten. Es war still um sie herum, nur irgendwo unter ihnen ertönten gedämpfte Geräusche von klirrendem Besteck, als der Speisesaal des Hotels für das Abendessen hergerichtet wurde. In der Ferne war der Verkehr zwischen Berg und Tal ruhiger geworden und am Himmel, direkt über ihnen, zog ein Schwarm Vögel vorbei, der seine letzten Runden drehte, bevor die Dunkelheit herein brach.

    Sie hatte den Kampf verloren: den Kampf gegen ihre Gefühle. Hier, in der Abenddämmerung Alderaans begriff Akemi endlich, was sie so lange nicht hatte sehen wollen. Sie liebte Cris.


    Nathaniel.

    Akemis Stimme war nur ein Flüstern, eine Erkenntnis, die die Wahrheit in dem verstand, was Nathaniel ihr schon auf Bespin gesagt hatte. Er hatte es gewusst, er hatte es kommen sehen. Sie...Akemi...liebte Cris.

    Ganz plötzlich lief die Zeit weiter und von einem Moment auf den anderen wusste sie wieder genau, wo sie war. Sie zuckte leicht zusammen, als sie begriff, dass sie Cris noch immer ansah und wandte ruckartig den Blick ab. Zarte Röte stieg ihr in die Wangen.


    Ja. Danke! Ich meine... schön!

    Ihr Kopf fühlte sich heiß an und mit einem Mal wünschte sie sich im Boden zu versinken. Da stand sie, beschämt und peinlich berührt, während ihr klar plötzlich klar wurde, warum sie damals Naboo verlassen hatte. Hastig trat sie einen Schritt zurück und strich sich mit einer fahrigen Bewegung eine Haarsträhne hinters Ohr.

    Dann also morgen.

    Wiederholte sie den Plan für den nächsten Tag, nickte sich selbst zur Bestätigung zu und machte ein paar Schritte rückwärts, in den Schutz der Balkontür, die zu ihrem eigenen Zimmer führte.

    Morgen nach dem Frühstück... gute Nacht!

    Und damit flüchtete sie vollends, warf die Balkontür hinter sich zu, verriegelte sie und zog die Vorhänge vor. Die Zimmertür zum Flur stand noch offen, weil sie sie nach dem ersten Betreten ihres Zimmers nicht geschlossen hatte. Im Eiltempo holte Akemis dieses nun nach und lehnte sich dann erschöpft an die Wand. Heftig atmend schloss sie die Augen.

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Akemis Zimmer -
     
  9. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Balkon]- Akemi, Cris

    Nur eine Bewegung und Cris Arm baumelte wieder kraftlos an der Seite seines Körpers. Akemi war zurückgewichen und was in ihren Zügen geschrieben stand, vermochte er in seinem benebelten Zustand nicht zu lesen. War es ein Name, den sie geflüstert hatte? Doch nicht seiner... Bespin. Natürlich.
    Sie wich zurück, stotterte. Die Situation war ihr unangenehm, soviel meinte der ehemalige Sturmtruppler zu erkennen. Nur warum? Wegen dieses Namens? Weil sie ihn – Nathaniel – nicht aus freien Stücken auf Bespin zurückgelassen hatte? In Cris schien etwas mit lautem Poltern zusammenzustürzen. Er hätte es wissen müssen... von Anfang an.


    “Ja... bis morgen...“, murmelte er, nachdem sie sich fluchtartig in ihr nunmehr einer uneinnehmbaren Festung gleichendes Zimmer zurückgezogen hatte, doch wahrscheinlich erreichten diese Worte ihre Ohren schon nicht mehr.
    Die Sonne war endgültig am Horizont verschwunden, der Wind wurde kühler, fast unangenehm, und frischte zudem auf. In Cris herrschte eine unbeschreibbare Leere – sämtliche Empfindungen waren hinfort gespült, Gedanken zur Bedeutungslosigkeit verdammt, nur dieses warme Pulsieren verblieb.
    Langsam wandte er sich zur Balkonbrüstung, stützte sich auf und bot dem Abendwind seine Stirn, dass dieser langsam die Hitze aus seinem Körper vertreiben konnte. Je länger er es zuließ, desto deutlicher erkannte er, dass dieses Gefühl anders war als jedes, das er seit dem Beginn seines neuen Lebens hatte kennen lernen dürfen. Plötzlich ergaben so viele Dinge Sinn... warum er sich auf Naboo vom Rausch des Momentes hatte hinreißen lassen, warum er diesen nicht vergessen hatte, wie es sein Versprechen an sie gewesen war. Doch wie damals war sie auch heute zurückgewichen, eingeschüchtert, verängstigt. Warum? Musste sein erster Schluss automatisch der richtige gewesen sein? Sie hatten so vieles hinter sich – ihre Reaktion konnte Tausende Gründe haben, das gemurmelte Wort Tausende Bedeutungen. Einerlei... was zählte war, dass sie sich nun in ihrem Zimmer befand, verborgen hinter verschlossenen Türen und undurchsichtigem Tuch, anstatt hier, bei ihm. Die Erinnerungen blieben Erinnerungen, Erinnerung, die von nun an in der Lage sein würden, ihn mit ungeahnter Intensität zu quälen, Fragen zu stellen nach Möglichkeiten, die er verpasst hatte, nach Antworten, die er nicht mehr geben konnte. Und dann war da noch der kalte verstand, der ihm höhnisch einredete, dass es besser so war... Cris ignorierte ihn.


    “Akemi...“

    Es tat gut, diesen Namen mit seinen Lippen zu formen und in die klare Luft Alderaans hinauszuflüstern, obwohl es zeitgleich schmerzte. Es war der Name, der ihn am Leben gehalten hatte, und endlich wusste er warum. Die Frage nach der Zukunft stellte sich ihm nur zögerlich... Morgen. Was würde morgen sein? Würde er sich ihr gegenüber verhalten wie immer, zum Trott zurückzukehren, wie er es bereits nach Naboo getan hatte? Und was würde sie tun? Ein wenig fürchtete er sich vor der Antwort auf diese Frage...
    Er fröstelte. Mittlerweile grüßten die Sterne der Galaxis bereits glitzernd am Firmament und verrieten Cris, dass er lange hier an der Brüstung gelehnt haben musste, während die Kälte langsam seine Glieder heraufgekrochen war. Er sollte jetzt reingehen, schlafen, im Bewusstsein, dass sie nur eine Wand trennte... eine Wand, die in diesem Moment Welten bedeutete.
    Halb blind tastete er nach dem Türgriff des Eingangs zu seinem Zimmer, öffnete die Balkontür und schloss sie behutsam hinter sich. Hier lockte ein weiches Bett, allen Komfort bietend, den ein Gast Alderaans sich wünschen konnte. Doch Cris setzte sich nur, ohne Anstalten zu machen, seine Straßenkleidung abzulegen oder sich gar zum Schlafen zu betten.
    Die weiße Wand hinter ihm war kalt und dick, kein Laut konnte sie durchdringen.
    Doch trotzdem meinte Cris, Akemis Atemzüge zu hören... und das Schlagen ihres Herzens.
    Die einzigen Geräusche, die es sich derzeit zu hören lohnte...


    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Zimmer]- Akemi, Cris
     
  10. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Akemis Zimmer -

    Sie erwachte früh, es schien noch dämmrig zu sein. Mühsam richtete Akemi sich auf. Irgendwann am Abend war sie einfach eingeschlafen, nicht einmal ausgezogen hatte sie sich. Schlecht gelegen hatte sie auch noch. Ihr Nacken fühlte sich ein wenig verspannt an. Langsam stand sie auf, rieb sich die Augen, löste das Haarband aus ihrem halb auseinander gefallenen Zopf und tappste zur Balkontür, um die Vorhänge aufzuziehen. Die Sonne blinzelte gerade eben über die Berge. Es war tatsächlich noch sehr früh. Einen Moment verharrte Akemi, um die Schönheit der Aussicht zu genießen. Tief in sich drin verspürte sie ein wohliges Gefühl des Glücks. Eine schwerwiegende Last war von ihr abgefallen, seit sie wusste, dass sie Cris liebte. Ein langer Seufzer entwich ihr und ihre Lippen formten seinen Namen. Ein leises Flüstern im Morgengrauen.

    Cris

    Warum hatte sie es erst jetzt verstanden? Hätte sie es nicht viel früher bemerken müssen? Und da war es wieder, das Wissen um die Tatsache, dass es unmöglich war... dass es zu spät war. Dabei hatte er ihr immer so viel bedeutet, von Anfang an. Sie hatte gewusst, dass sie bei ihm sein musste, dass sein Schicksal mit dem ihren verknüpft war. Der ware Grund hatte sich ihr jedoch erst jetzt offenbart... hätte sie es doch bereits auf Naboo geahnt, im Seenland... nein. Selbst das hätte zu nichts geführt. Unzählige Anzeichen, die ihre Zuneigung bewiesen, riefen sich selbstständig in Akemis Erinnerung. Plötzlich ergab einfach alles einen Sinn - und sie hätte sich gut gefühlt, wäre da nicht das Wissen gewesen, dass nur sie selbst so empfand. Als sie Cris auf Naboo zurück gewiesen hatte, hatte er zugegeben, selbst nicht genau zu wissen, warum er sie geküsst hatte. Es war eine Handlung gewesen, die dem Moment entsprungen war, der romantischen Umgebung, der zufriedenen Stimmung. Ohne Einwände zu erheben war er einverstanden damit gewesen, dieses Erlebnis zu vergessen. Wahrscheinlich war er im Nachhinein sogar sehr froh darüber gewesen, dass Akemi der Sache keine romantische Bedeutung beimaß. Danach war es nicht wieder zu einem Vorfall dieser Art gekommen - jedenfalls nichts von Cris' Seite aus. Auf Bespin, als Akemi ihm gesagt hatte, dass es ihr ernst war mit Nathaniel, hatte sie für einen winzigen Augenblick gehofft, Cris würde ihr widersprechen. Rückblickend erfasste sie die Klarheit dieser Situation. Aber er hatte ihr nicht widersprochen, hatte sie nicht aufgehalten. Nichts dergleichen. Warum hätte er das auch tun sollen? Für ihn war sie die kleine Akemi, die behütet und beschützt werden musste. Er sah nur das Mädchen in ihr, nicht die Frau. Wie sollte sie ihm jemals wieder vernünftig gegenüber treten? Alleine bei dem Gedanken, sich in seiner Nähe aufzuhalten, wurde Akemi ganz flau.

    In gemächlichem Tempo hatte sie sich gewaschen und ihre Koffer auf warme Kleidung überprüft, die sie vermutlich brauchen würde, wenn sie einen Ausflug zu den kalten Berggipfeln machen wollten. Schon bei dem Gedanken daran wurde Akemi nervös und sie ertappte sich dabei, wie sie gedanklich eine Liste von Gesprächsthemen erstellte, über die sie sich mit Cris unterhalten konnte. Dabei war dies doch Unsinn. Sie hatten immer völlig frei miteinander sprechen können, hatten nie eine Anleitung gebraucht. Der Grund war einfach, dass sie sich miteinander wohl fühlten. Dies musste doch auch in Zukunft möglich sein - sie musste sich eben damit abfinden, dass ihre Gefühle nicht erwidert wurden und ihr bestes geben, wenigstens ihre Freundschaft nicht dadurch zu gefährden, dass sie an gebrochenem Herzen litt.

    Bisher hatte Akemi noch niemals Gebrauch von der Kleidung gemacht, die der Geheimdienst einem jeden Mitarbeiter zur Verfügung stellte. Es gab jedoch ein Kleidungsstück, dass sie zumindest als so praktisch eingestuft hatte, dass es den Weg in einen ihrer Koffer gefunden hatte: eine Thermohose, die warm hielt ohne dass man ausgestopft oder gar dick wirkte. Sinn und Zweck hatte der Geheimdienst darin gesehen, dass sich die Agentin auch bei Kälte normal bewegen konnten, ohne durch hunderte von Kleidungsschichten eingeschränkt zu werden. Akemi jedoch sah den größten Vorteil in dieser Hose darin, nicht wie ein aufgeplusterter Schneehase herumlaufen zu müssen. Somit zog sie diese Hose an und steckte ihre Füße in ein kuscheliges Paar Fellstiefel, während ihr Oberkörper in einen Pullover gehüllt war, den sie mit Bedacht gewählt hatte. Farblich passte er perfekt zu ihrer Hose. Vor dem Spiegel stehend betrachtete Akemi sich. Ihre dunklen Haare schimmerten in einem Zwischending aus Braun und Schwarz und fielen ihr weich über die Schultern. Sie sah hübsch aus, wie sie sich selbst zugestand. Nicht aufgestylt, nicht erotisch weiblich, aber hübsch. Resignierend schloss sie die Augen. Solche Gedanken durfte sie nicht zulassen. Es war selbstzerstörerisch, sich irgendwelche Hoffnungen zu machen und wenn sie noch so klein waren. Eines der wohl teuersten Stücke ihrer mitgeführten Garderobe bildete eine echte Pelzjacke, die sich so wärmend an Akemis Körper schmiegte, dass sie dafür prädesteniert war, an einem Ausflug in den Schnee getragen zu werden. Akemi hatte keine Ahnung, aus welchen Tieren der Pelz gefertigt war - der Farbton variierte zwischen Caramel und Mahagoni - nur, dass er sehr wertvoll war, war ihr bewusst. Sie zog die Jacke an und packte ihre wichtigsten Sachen in eine ausgewählte Tasche, - nein! Sie war nicht darauf aus, gut auszusehen. Sie tat dies einfach nur für sich! - darunter neben etwas Geld, und ihren Vitamintabletten, die sie immer bei sich führte auch ein Schal, eine Mütze und ein paar feiner Wildlederhandschuhe. Dann war sie fertig. Eigentlich konnte sie hinaus gehen. Ob Cris überhaupt schon wach war? Sie hatte versucht nicht daran zu denken. Auf keinen Fall wollte sie an seiner Zimmertür anklopfen und riskieren, ihn in einer noch nicht ganz präsentablen Situation zu überraschen... wie beispielsweise kurz nach dem Duschen, nur mit einem... Handtuch. Hitze stieg Akemis ins Gesicht. Nein. Sie würde einfach hinunter gehen, in den Frühstückssaal. Dort würde sie etwas zu sich nehmen und auf ihn warten. Ganz normal, ganz einfach und ohne unvorhergesehene Ereignisse. Entschlossen ging sie zur Tür, entschlossen ihre Gefühle zu unterdrücken und ihre Freundschaft zu retten. Doch dann machte sie noch einmal kehrt und trug ein wenig farblosen Lipgloss auf, bevor sie tatsächlich hinunter eilte.


    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Frühstückssaal -
     
  11. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Zimmer]- Cris


    Ein nervtötendes Drücken in seinem Nackenbereich veranlasste Cris dazu, seine sich wie zugeschwollen anfühlenden Augen zu öffnen. Zugeschwollen waren sie zwar nicht – doch er musste sie einige Male reiben, ehe seine Sicht sich halbwegs geklärt hatte und er wieder erkannte, wo er sich befand. Er saß immer noch auf dem Bett, mit dem Rücken zur Wand, wie er auch hier gesessen haben musste, als der Schlaf seinen entkräfteten Körper endgültig zu sich geholt hatte. Die ganze Zeit über musste er diese mittlerweile zerknautschte Straßenkombination getragen haben, und genau so fühlte er sich auch. Vorsichtig rieb er sein Kinn, die – stoppelbedeckt, wie sie waren – ihm neben einer Dusche auch eine Rasur nahe legten. Doch vorerst rührte Cris sich nicht, obwohl die ersten Sonnenstrahlen bereits durch einen Spalt im Vorhang fielen und das Zimmer erhellten. Seine Gedanken machten dort weiter, wo sie am gestrigen Abend aufgehört hatten... bei Akemi.
    Heute würde er mit ihr den Berg am Ufer des Sees bereisen, seinen Gipfel erklimmen und stets diese Gewissheit, diese Wahrheit in seinem Herzen tragen, ohne dass sie sich würde erfüllen können, während er gezwungen war, mit seiner üblichen Verhaltensart als Maske zu agieren. So würde es einfacher für sie – unbedachtes Handeln konnte noch viel mehr zerstören. Doch je intensiver er sich dies einredete, desto weniger glaubte er daran... desto weniger konnte er seinen analysierenden Verstand zwingen, die Situation nüchtern zu betrachten. Nüchtern, rational. Was war an dieser Situation noch rational? Er fühlte sich zu ihr stärker denn je hingezogen – der einzig rationale Schluss daraus war, dass mehr dahinter steckte, als bloße Schwärmerei, als bloße Freundschaft. Viel mehr. Eine Empfindung, deren Schönheit er bisher nur hatte erahnen können – und von deren Grausamkeit er bisher nur aus melancholischen Liedtexten gewusst hatte. Liebe.
    Langsam quälte er sich und seine Steifen Gliedmaßen aus dem Bett, schnurstracks auf das einladende Badezimmer zu. Er wusste, dass er sich im Grunde Gedanken darüber machen musste, wie all das sein weiteres Verhalten beeinflussen würde, inwieweit es seine Professionalität beeinflussen könnte. Doch all diese Effizienzabwägungen interessierten ihn nicht – zu stark beschäftigte er sich mit ihrer letzten Reaktion auf diese zaghafte Annäherung seinerseits, diese Flucht, die ihm nun, im Nachhinein, einen Dolch ins Herz trieb. Zu spät... warum nur war er immer zu spät?
    Das warme Wasser aus der Dusche rann teilnahmslos seine Körper herunter, diesen zwar reinigend, nicht jedoch all diese Gedanken hinfort spülend. Auch, als er vor dem Spiegel die kratzigen Stoppeln beseitigte, kreisten seine Gedanken immer noch. Und kreisten. Ohne an ein Ziel zu gelangen...
    Fast schon kritisch musterte er sein Spiegelbild. Was sah sie in ihm? Einen Beschützer? Einen Menschen, den man sich ohne Waffe in der Hand kaum vorstellen konnte? Jemanden, vor dem man sich genau so gut fürchten konnte?
    Und trotzdem hatte sie diesen Kuss auf Naboo zugelassen... hatte sie? Nein... sie war fast umgehend zurückgewichen. Was nur hatte all das zu bedeuten?


    “Du wirst es nie herausfinden, Idiot...“

    Kopfschüttelnd verließ Cris das Bad und sammelte sich aus den noch nicht ausgepackten Koffern die Kleidung für den Tag zusammen. Wie immer war es nichts spektakuläres, Standardfabrikate des Geheimdienstes, die es einem Agenten erlaubten, in der Menge unterzutauchen. Vielleicht lag es ja daran... Cris zögerte. Welch törichter Gedankengang... und trotzdem bedauerte er, dass sich nichts ausgefalleneres in seinem Koffer fand.
    Da er wusste, dass es in den oberen Regionen des Berges kalt sein würde, erweiterte er seine Garderobe um die praktische Thermoausstattung sowie einen gewöhnlichen Mantel, ehe er sich anschickte, sein Zimmer zu verlassen. Er würde jetzt ganz einfach runter zum Frühstück gehen, schauen, ob Akemi bereits dort war, sich zu ihr setzen und etwas belangloses sagen... Das hatte er schon häufig getan und häufig genau aus dem Grund, dass er seine wahren Gefühle hatte verbergen wollen – um sie nicht damit zu behelligen. Doch wie änderte diese Situation das?
    Nachdenklich fuhr er sich über den Kopf. Was für ein langweiliger Haarschnitt...
    Doch jetzt war Schluss. Bemüht schwungvoll öffnete Cris die Tür und trat auf den Gang, sich fast dazu zwingend, irgendein fröhliches Lied vor sich herzupfeifen, so wie es wohl jeder Tourist tun würde, der einen schönen Tag vor sich hatte.
    Die Treppenstufen führten ihn wie alleine in den Frühstückssaal, der sich bereits ein wenig gefüllt hatte. Früher war Akemi dank ihrer leuchtenden Haarfarben in jeder Menge trotz ihrer verhältnismäßig geringen Körpergröße problemlos auszumachen gewesen. Heute jedoch, nachdem sie sich ihre Haare gefärbt hatte, war sie unauffälliger – doch Cris erkannte sie sofort im Speisesaal, fast so, als wäre sein Blick von ihr wie ein Metallspan von einem Elektromagneten angezogen worden. Unwillkürlich hielt er die Luft an. Die ganze Details ihres Gesichts kehrten in sein Gedächtnis zurück, die Art, wie ihre Haarsträhnen ihre Wangen umspielten, wie sie lächelte...
    Automatisch griff er nach einem Becher und füllte sich diesen an der vorgesehenen Apparatur mit dampfend heißem Kaffee, bevor er sich ihrem Tisch mit gemessenen Schritten näherte.
    Sie sah genau so schön aus wie im schwindenden Licht des vergangenen Tages...
    Etwas heftiger als nötig setzte Cris sich, sodass etwas Kaffee aus seinem übervollen Becher über seine Finger schwappte, den er zähneknirschend ignorierte. Was für ein Einstand...
    Durch Konzentration konnte Schmerz verdrängt werden. Doch wie sollte er sich in unmittelbarer Nähe Akemis je wieder wirklich konzentrieren können?


    “Hey...“, presste er schließlich mühsam hervor und studierte dabei aufmerksam die Wellen, die sein Kaffee immer noch schlug. Verdammt, er hatte Milch und Zucker vergessen...

    “Gut geschlafen?“

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Speisesaal]- Akemi, Cris, andere
     
  12. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Frühstückssaal -

    Gerade war sie dabei gewesen den letzten Teil ihres Frühstücks - Obstmüsli - zu verzehren, als Cris im allgemeinen Frühstückssaal aufgetaucht war. Obwohl Akemi damit hatte rechnen müssen, ihn schon ziemlich bald zu sehen, kam sein Auftauchen doch überraschend. Sie versuchte so unbekümmert wie möglich auszusehen, als er sich ihr gegenüber an den Tisch setzte. Kaffee schwappte aus seiner Tasse, aber sie ignorierte es geflissentlich. Auf seine Frage hin, ob sie gut geschlafen hätte, nickte sie ohne den Blick zu heben.

    Ja, gut. Danke.

    Erwiderte sie und zögerte einen Moment, ehe sie fortfuhr.

    War sehr bequem... und bei dir?

    Es war nicht ganz so einfach ihre Stimme möglichst locker klingen zu lassen, aber genau das war es, was sie tun musste. Sie durfte sich nichts anmerken lassen. Wieder und wieder hatte sie darüber nachgedacht. Ihre Freundschaft war zu wertvoll. Sie durfte sie nicht zerstören... ansatzweise schielte Akemi zu Cris hinüber. Er hatte seine Tasse Kaffee in der Hand und sah zum Fenster hinaus. Ihr Magen zog sich zusammen und das Obst schmeckte plötzlich fad. Wie sollte sie das schaffen, bei ihm zu sein, aber doch Distanz wahren zu müssen? Jeden Tag. Immer wieder. Nein, sie musste sich gefälligst zusammen reißen!

    Ich bin gleich fertig. Wollen wir dann direkt aufbrechen?

    Hastig kratzte sie die letzten Reste aus ihrer Schüssel. Wenn sie erst einmal unterwegs und somit beschäftigt waren, kam sie vielleicht auf andere Gedanken.

    Selby ist mit dem geliehenen Gleiter unterwegs, aber das Hotel stellt auch noch einige für seine Gäste bereit. Wenn man durch die Haupttür nach draußen geht, müsste gleich rechts um die Ecke ein Abstellplatz für die Gleiter sein. An der Rezeption kann man sich für das Ausleihen der Fahrzeuge anmelden.

    Bevor sie in den Frühstücksraum gekommen war, hatte ein Mitarbeiter des Hotels Akemi über die vorhandenen Gleiter informiert. Dieses Wissen war ihnen jetzt nützlich, wenn sie nicht den ganzen Berg zu Fuß erklimmen wollten. So aber konnten sie sich in den Verkehr der anderen Gleiter und Speeder einreihen, die Berggipfel auf praktische Weise erreichen und dort noch ein wenig wandern gehen, wenn ihnen danach war.

    Ich glaube nicht, dass wir auf Selby Rücksicht nehmen müssen. Wenn überhaupt kommt er bestimmt erst heute Abend wieder...

    Mit Absicht vermied Akemi es, Cris anzusehen. Er sollte nicht aus ihren Augen lesen, was sie wirklich dachte. Wären die Umstände anders, würde sie sich über die Möglichkeit der Zweisamkeit freuen. Und auch, wenn sie sich erlaubte ganz frei zu träumen... aber so war es nicht. Die Realität war, dass sie sich wünschte, Selby könnte dabei sein, damit ihr eigenes Verlangen gedämpft würde. Die momentan größte Gefahr für sie ging von ihren eigenen Gefühlen aus.

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Frühstückssaal - Mit Cris -
     
  13. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, Speisesaal]- Akemi, Cris, andere

    Sie hatte es also in ihrem Bett bequem gehabt... fast war es lächerlich, etwas anderes in Erwägung gezogen zu haben.

    “Bei mir? Oh ja, ich bin zufrieden...“, log Cris und verschwieg somit die tatsächliche Art und Weise, mit der er seine Nacht verbracht hatte.
    Sein Blick wanderte aus dem Fenster, doch auch das Bergpanorama hinter den großen Glasscheiben wollte ihm nicht die Zerstreuung liefern, die er jetzt brauchte. Er spürte, wie eine Hitze seine Wangen hinaufkroch, die dem vergossenen Kaffee in nichts nachstand. Blieb nur zu hoffen, dass diese Veränderung rein äußerlich unbemerkt blieb.
    Doch Akemi schien sich ohnehin eher für ihr Frühstück, als für Cris zu interessieren – ein Umstand, der ihn nicht unbedingt glücklicher stimmte.
    Sofort kam sie auf den vor ihnen liegenden Ausflug zu sprechen – natürlich, schließlich hatte sie sich sehr darauf gefreut – und informierte Cris darüber, dass an der Rezeption die Möglichkeit bestand, einen Gleiter zu mieten.


    “Okay... ich kümmere mich gleich darum...“

    Er nahm einen kräftigen Schluck des nur unbedeutend abgekühlten, bitteren Kaffees und bemühte sich, nicht das Gesicht zu verziehen. Dieses „Gleich“ sollte besser sehr bald sein...

    “Es wird wahrscheinlich ein sehr schöner Tag werden...“

    Cris zwang sich zu einem Lächeln.

    Selby wird was verpassen...“

    Tatsächlich ertappte er sich dabei, den stets gut gelaunten Piloten der Queen of Blades herbeizuwünschen. Zwar wäre er dann nicht mehr mit Akemi alleine, doch genau darin lag auch der Vorteil – Selby würde sie von Cris ablenken und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie sich wirklich erholte.
    Doch der Pilot war mit Reparaturen an der Queen beschäftigt und Cris würde sich etwas anderes einfallen lassen müssen...


    “Na ja, er hat auf der Queen wohl einiges zu tun...“

    Hastig leerte Cris seinen Becher und erhob sich ruckartig. Er durfte seine Gedanken nicht weiter abdriften lassen, ehe sie mit seinen gesamten Hoffnungen mit dem kalten Felsen Realität kollidierten.

    “Ich besorge uns den Gleiter... triff mich vor dem Ausgang, wenn du fertig bist.“

    Mit eiligen Schritten entfernte er sich, gleichzeitig erleichtert und zutiefst bekümmert. Sollten von nun an Widersprüche sein Gefühlsleben bestimmen? Die Seite, die er offen zeigte, und jene, die verzweifelt versuchte, ans Tageslicht zu dringen?
    Glücklicherweise war die Rezeption besetzt und ein lächelnder Mann begrüßte Cris.


    „Einen wunderschönen Morgen, Sir. Was kann ich für Sie tun?“

    “Danke... ich... äh... ich möchte einen Gleiter mieten...“

    Warum hatte er sich nur nicht viel früher erlaubt, auf das zu hören, was ihn bereits aus den Fängen der Sturmtruppen befreit hatte? Warum hatte er es zugelassen, Chance um Chance verstreichen zu lassen?

    „Ah, ein Ausflug in die Berge, nehme ich an.“

    “Was?“ Cris blinzelte irritiert. “Ach so, ja ja... geben Sie mir irgendeinen, zwei Personen...“

    Jetzt war es am Hotelangestellten, irritiert dreinzublicken. Mit lässiger Professionalität fing er sich jedoch wieder und reichte Cris eine Codekarte.

    „Es ist der schwarze SoroSuub ST-35, nicht zu verfehlen...“

    “Danke...“, murmelte Cris abwesend. “Setzen Sie es... ähm... auf die Rechnung...“

    „Sehr wohl, Sir. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag.“

    Cris nickte konfus und verließ die Lobby des Hotels, hin zum Abstellplatz, den Akemi beschrieben hatte. Ohne Probleme erkannte er das schnittige, schwarze Modell, von dem der Hotelangestellte gesprochen hatte, und stieg ein, ohne jedoch Anstalten zu machen, den Motor zu starten. Angestrengt seufzend schloss er die Augen. Wenn ihre kurze Begegnung im Speisesaal ein Test gewesen war, dann war er gnadenlos durchgefallen... wie sollte er eine Wanderung durch die Berglandschaften überstehen, mit keinem menschlichen Wesen in der Nähe außer ihr? Sollte er die ganze Zeit über in die Luft starren, weil jeder Moment, in dem er ihr Gesicht betrachtete, sein Herz in Flammen aufgehen ließ?
    Seine Hände legten sich verkrampft um das Steuer des Gleiters. Zur Not würde er das wohl tun müssen... irgendwie.
    Er startete das Fahrzeug und ließ es gemächlich gen Eingang des Hotels schweben...


    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, vor dem Eingang, Gleiter]- Cris
     
  14. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Hotel - Frühstückssaal - Mit Cris -

    Enttäuscht und frustriert blieb Akemi alleine im Speisesaal zurück. Das Gespräch mit Cris' hatte sich hingezogen wie Kaugummi. Sie hatte nicht gewusst was sie sagen oder wie sie ihm begegnen sollte - und Cris hatte auch nicht gerade begeistert gewirkt, weder was ihre einfache Unterhaltung noch den Ausflug an sich betraf. Vielleicht hatte er nur ihr zum Gefallen zugestimmt und hätte den Tag eigentlich viel lieber anders verbracht. Möglicherweise empfand er es als falsch sich zu amüsieren, während auf Corellia noch immer Krieg tobte - dem sie nur knapp entkommen waren. Er war immer von Grund auf pflichtbewusst und wahrscheinlich nagte es an ihm, dass er der Republik zu dieser Stunde nicht weiter helfen konnte. Aber wegen Akemi hatte er von Corellia fliehen müssen, aus seiner Sicht hatte er wohl den Geheimdienst im Stich gelassen. Angewidert schob Akemi ihre Müslischüssel von sich fort und lehnte sich zurück. Es war alles ihre Schuld. Cris sah es als seine Verantwortung an, sie zu beschützen. Ja, sie war eben noch immer das kleine Mädchen für ihn. Wie dumm von ihr zu glauben, dass sich dies jemals ändern könnte. Und das, so glaubte sie nun zu verstehen, wusste auch Cris selbst - er bereute es, hier auf Alderaan zu sein. Vielleicht sogar empfand er Akemis Gegenwart mittlerweile als störend. Nervte sie ihn? Schien er deswegen so desinteressiert, so gelangweilt? Dass er schon voraus gegangen war um einen der Gleiter auszuleihen, war ein typisches Beispiel für sein Verhalten und gleichzeitig Beweisstück von Akemis Gedankengängen. Er hatte es nicht mehr ausgehalten hier bei ihr zu sitzen, war es leid gewesen und hatte sich noch ein wenig Zeit nehmen wollen, bevor er für den Rest des Tages wieder ihren Babysitter spielen musste. Auf den Gedanken, dass auch Akemi den Gleiter hätte reservieren können, war er gar nicht gekommen. Traute er ihr das nicht zu? Es ärgerte Akemi, derart herunter gestuft zu werden. Sie wollte auch nicht mehr beschützt werden. Nein, in Zukunft brauchte sie keinen Aufpasser mehr. Sie war jetzt lange genug beim Geheimdienst, hatte viel gelernt in der letzten Zeit. Hätte man ihr den Rang als 2nd Lieutenant gegeben, wenn man ihr nichts zutraute? Oh nein, sie war längst kein Kind mehr. Doch scheinbar war Cris der einzige, der dies nicht sah.

    Aufgebracht stand sie auf, sodass ihr Stuhl unsanft zurück geschoben wurde und geräuschvoll über den Boden schleifte. Einige Köpfe wandten sich in ihre Richtung. Mit dem professionellen Verhalten einer Schauspielerin, die den Kameras nie direkt ins Auge blickt, griff Akemi nach ihrer Pelzjacke, die neben ihr auf einem Stuhl gelegen hatte, warf sie sich über die Schultern und schlüpfte mit den Armen durch die Ärmel. Ihre Tasche baumelte beinahe trotzig in ihrer Hand, als sie durch die Tür nach draußen rauschte. Ein schwarzer Gleiter stand genau vor der Eingangstür, nach dem zweiten Hinsehen erkannte Akemi, dass Cris hinter dem Steuer saß. Ein wenig erschien die Szenerie wie in einem Film: Akemis wütender, dank der teuren Pelzjacke beinahe divenhafter Abgang aus dem Frühstückssaal, während hier draußen ihre Limousine auf sie wartete. Doch nein, in Wirklichkeit empfand sie den Gleiter nicht als Möglichkeit zur Flucht. Erst wenn sie eingestiegen war, würde der Albtraum erst richtig beginnen. Hatte er eigentlich genau vor der Tür warten müssen? Noch war Akemi wohl sehr gut in der Lage, drei Meter zu Fuß zu gehen! Sich mühsam beherrschend öffnete sie die Tür und stieg ein. Warum um alles in der Galaxis hatte sie sich bloß in Cris verliebt? Es war törricht! Hatte sie jemals ernsthaft geglaubt, er könnte mehr in ihr sehen als... als ein kleines dummes Ding, auf das man achtgeben musste? Akemi schluckte und wandte ihren Blick nach rechts, starr aus dem Fenster. Es war so dumm von ihr, so dumm, mehr für Cris zu empfinden als Freundschaft. Und dennoch tat sie es. Sie durfte ihn nicht ansehen. Ein einziger Blick und sie würde sich verlieren.


    Also, fahren wir los?

    Der betonte Gleichmut in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Auf ihrem Schoß lag ihre Tasche, die Hände hatte sie darüber gefaltet. Sie klammerte sich an sich selbst, damit sie nicht zitterte.

    - Alderaan - Gebirgsseeufer - Vor dem Hotel - Gleiter - Mit Cris -
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. September 2006
  15. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, Gebirgsseeufer, Hotel, vor dem Eingang, Gleiter]- Cris

    Mittlerweile hatte Cris herausgefunden, dass sich die Gleiter SoroSuubs in einem ausgezeichneten Zustand befinden mussten – ihre Steuerwerkzeuge jedenfalls schienen äußerst belastbar. Als Akemi das Hotel verließ, verkrampften sich seine Finger, wie fast sein gesamter Körper. Etwas an ihrer Haltung schien sonderbar, doch Cris achtete nicht darauf, da er zu sehr damit beschäftigt war, interessiert die Energiereservenauflistung ihres Fahrzeuges zu mustern. Voll aufgeladen – natürlich.
    Sie setzte sich neben ihn auf den Beifahrersitz, aus dem Fenster blickend, ohne auch nur ansatzweise in seine Richtung zu schauen. War er bereits zum Chauffeur dieser kleinen Unternehmung degradiert worden? Cris schluckte. Er durfte mit solchen Gedanken keine zeit verschwenden – vielleicht war es ganz gut so, dass sie ihn nicht ansah. So würde er, selbst wenn sein Blick zufällig abschweifte, nicht ihr Gesicht und ihre Augen sehen, nicht Gefahr laufen, etwas vollkommen irrationales zu tun... Bereits jetzt hatte sich Schweiß unter seinen Fingern gebildet.


    “Ja... wir können...“

    Behutsam beschleunigte er den Gleiter weg vom Hotel, gen Gebirge. Er hatte keine Ahnung, wo er es versuchen sollte – wo die besten Routen zu finden waren, wo die schönsten Aussichten. Immerhin gab ihm diese Orientierungslosigkeit etwas, worauf er sich konzentrieren konnte – so hoffte er zumindest.
    Alderaans Landschaften zogen an ihnen vorbei, während das Terrain langsam anstieg. Zu ihrer rechten funkelte der Gebirgssee im Licht der Morgensonne. Zu schön, um wahr zu sein... genau wie Akemi, die direkt neben ihm saß. Ein gehauchtes Versprechen, unmöglich einzulösen. Keine Zukunft. Nur die Vergangenheit... ein im Nachhinein viel zu flüchtiger Kuss, eine entfleuchende Berührung, für eine herrliche Sekunde das Gefühl, die richtige Antwort gefunden zu haben... nur Narren ließen es sich wieder aus den Händen reißen.
    Mühsam riss Cris sich zusammen und starrte stur aus der Frontscheibe, das Steuer des Gleiters unnötig malträtierend. Blieb nur zu hoffen, dass Akemi seine verspannte Muskulatur nicht bemerkte... doch sie sah ja aus dem Fenster. Wenn sie ihn doch nur kurz ansehen würde... nein. Es war besser so, wie es war. Wie immer. Doch konnte es so je wieder sein?
    Cris bemerkte rasch, dass er sein ursprüngliches Ziel – eine recht vielversprechende Anfangsstation eines gemächlichen Bergaufstieges, die von Touristen reich frequentiert wurde, nicht erreichen konnte. Tatsächlich schien es ihm, als führte ihn seine Route weiter in Bereiche, die von Touristen eher unberührt geblieben waren. Doch umkehren konnte er nicht – wie sollte er Akemi auch das erklären? Vielleicht wünschte sie sich die Abgeschiedenheit... er würde sie sich ebenfalls wünschen, stünden die Dinge anders. Gäbe es noch eine Hoffnung... wie viel würde er in diesem Moment dafür bereit sein abzuleisten!
    Sie erreichten unwegsameres Gelände... langsam wurde es Zeit, den Gleiter zu stoppen. Vielleicht würde so die unangenehme Stille zumindest durch die Geräusche der Natur ersetzt. Ein solches Schweigen hatte es noch nie zwischen ihnen gegeben...
    Lang und tief ausatmend, fuhr Cris den Motor des Gleiters herunter. An der Energieanzeige hatte sich nichts geändert...


    “So... hier sieht es ganz gut aus...“

    Eine glatte Untertreibung. Die Landschaft war malerisch und vielversprechend – doch Cris hatte keine Augen für sie. Und wofür er Augen hätte, erlaubte er sich nicht, anzusehen... so verharrte er bei der Energieanzeige, im Bewusstsein, sich langsam lächerlich zu machen. Sie saß neben ihm! Er brauchte lediglich seine Hand auszustrecken...
    Cris stieg aus. Frische Luft umgab ihn, bereits merklich kühler als am Fuße des Berges.
    Sein Blick wanderte empor zum Gipfel.


    “Dann wollen wir mal...“

    [Alderaan, irgendwo am Berg]- Akemi, Cris
     
  16. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Irgendwo am Berg - Mit Cris -

    Zu Akemis Überraschung - und gleichzeitig zu ihrer Bestürzung - ordnete Cris ihren Gleiter nicht in den fließenden Verkehr der Touristengruppen ein, die die populärsten Orte des Berges anstrebten. Er war einer eigenen Route gefolgt und schon bald hatten sie sich von der allgemeinen Masse an Ausflüglern entfernt. Cris lenkte den Gleiter über unwegsames Gelände und in abgeschiedene Bereiche, die jedoch schon sehr bald eine malerische Umgebung offenbarten, da sie selten aufgesucht wurden und unberührte Natur boten. Während sie in steifer Haltung in ihrem Sitz saß und die winterliche Landschaft an ihr vorbei zog, wandte Akemi ihren Kopf nicht ein einziges Mal in Cris' Richtung. Was hätte sie schon davon gehabt? Am Ende würde es ihr doch nur Kummer bereiten. Schließlich jedoch musste sie ihre teilnahmslose Haltung aufgeben, denn sie hatten angehalten und Cris machte Anstalten auszusteigen. Für ein paar Sekunden alleine im Gleiter, atmete Akemi tief ein und aus, ehe sie ebenfalls die Tür auf ihrer Seite öffnete und dem Gefährt entstieg. Ungewohnt kalte Luft schlug ihr entgegen und sie nestelte an ihrer Tasche um ihre Handschuhe heraus zu holen und anzuziehen. Ihre Fellstiefel steckten in tiefem Schnee, der unter jedem Schritt melancholisch knirschte, als Akemi den Gleiter umrundete und sich dem Tal zuwandte - der Richtung, aus der sie gekommen waren. Weit unter ihnen erstreckten sich grüne Wiesen und weite Seen. Der Ausblick überwältigte sie und im Angesicht der gewaltigen Dimensionen der Berge fühlte Akemi sich plötzlich entsetzlich klein und unbedeutend. Da stand sie, hoch oben im Schnee, der von der Sonne berührt wurde und all ihre Probleme, Sorgen und Ängste erschienen so winzig. Cris stand direkt neben ihr und schaute ebenfalls hinab. Der Abstand zwischen ihnen war nicht groß, vielleicht sogar überwindbar.

    Doch dieser Gedanke überlebte nur einen kurzen Moment. Als ein schwacher Windhauch den Schnee zu ihren Füßen wie Puder aufwirbelte, schien er auch den kurzen Anflug von Mut und Hoffnung hinfort fliegen zu lassen und Akemi befand sich wieder an ihrem Ausgangspunkt. Sie wandte sich ab, so als habe sie genug gesehen, den Bilck nun wieder zu dem Berg gerichtet, den sie noch längst nicht an seinem höchsten Punkt erreicht hatten. Es drängte sie, sich durch den Schnee zu kämpfen, der Kälte zu trotzen und die Felsen zu erklimmen - ganz gleich, wie anstrengend es sein mochte, aber ein solcher Kampf wäre dennoch einfacher zu ertragen als der, der tief in ihrem Inneren tobte. Die junge Agentin machte ein paar Schritte in die entgegen gesetzte Richtung des Felsabhangs. Wären die Umstände andere, hätte sie sich schon längst ausgelassen in den Schnee geworden, Schneebälle geformt und neugierig an der weißen Substanz geleckt, als ob es Puderzucker wäre. Für all diese Dinge hatte sie jetzt nichts übrig. Sie wollte hinauf, dort zum höchsten Punkt des Berges, wo sich die Spitze in Nebel hüllte und wo die Wolken nicht mehr über, sondern unter ihr waren. Das Verlangen nach diesem Ort wurde beinahe übermächtig, ebenso wie der Glaube, nur dort ganz für sich sein und den Rest ihres Lebens für ein paar Augenblicke vergessen zu können. Den Rest... Cris. Doch was würde es ihr bringen? Noch mehr Einsichten und Erkenntnisse, die ihr den Abstieg schließlich noch schwerer machten als der Aufstieg jemals hätte sein können? Auch dort oben stand die Zeit nicht still. Es gab keinen Ort, an den sie fliehen konnte, keinen zu dem aufzubrechen sich lohnen würde, wenn sie Cris zurück lassen musste.


    Du hast gestern gesagt, du hättest nachgedacht.

    Akemis Stimme erklang ganz plötzlich in der ewigen Stille des schweigenden Berges. Sie hatte Cris den Rücken zugewandt, doch nun drehte sie sich zu ihm um und zum ersten Mal an diesem Tag sah sie ihn direkt an. Jedes noch so kleine Detail an ihm nahm sie innerhalb einer einzigen Sekunde in sich auf. Sie sah alles an ihm und alles war so, wie sie ihn kannte. Seine Züge waren ernst, aber in ihrer Vorstellung wusste sie, wie er aussah, wenn sich seine Lippen zu einem Lächeln formten und sich schmale Lachfalten an seinen Augen bildeten. Er trug einfache Handschuhe, aber es brauchte nicht viel um sich in Erinnerung zu rufen, wie zärtlich sich seine Hände anfühlten, wenn er die ihren ergriff oder wenn er ihr über die Haare strich... eine liebevolle Berührung, die doch nicht mehr war als...

    Über den Geheimdienst.

    Angestrengt ließ Akemi Leichtigkeit in ihre Stimme einfließen. Es gelang ihr nur kläglich. Bloß nicht daran denken, was sein könnte. Der Geheimdienst war ihr gegenwärtiges, gemeinsames Problem. Ja, gemeinsam...
    Nun bückte sie sich doch, um Schnee aufzuheben und zu ihrer eigenen Ablenkung in ihren Händen zu formen.


    Also... bist du zu irgendeinem Ergebnis gekommen?

    Sie ließ den Schnee fallen. Das war nicht die Richtung, die sie hatte einschlagen wollen. Hätte sie doch auf ihren Drang nach Flucht hören sollen? Machte es überhaupt noch Sinn, sich in zwanghaften Versuchen ihrem Schicksal zu stellen? Ihr war doch längst klar, dass sie es nicht akzeptieren konnte. Die Frage war bloß, was die Alternative war, wenn sie scheiterte.

    - Alderaan - Irgendwo am Berg - Mit Cris -
     
  17. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, irgendwo am Berg]- Akemi, Cris

    Den knirschenden Schnee unter seinen einfachen Schuhen hatte Cris sich zum Tal gewandt und einen kurzen Blick auf das Panorama geworfen, für dass einige Dokumentarfilmer von Coruscant bis hierhin, nach Alderaan, reisen würden, wenn sie davon wüssten. Die friedliche Atmosphäre, ausgehend von den weiten Wiesen, den blauen Seen, die frische Luft, so kühl, dass seine Atemzüge in weißen Wölkchen kondensierte. Was konnte er sich mehr wünschen? Frieden – weitab von den Schlachten dieser Galaxis, weitab vom Krieg, vom grölenden Geschrei einander tötender Männer, die sich nie zuvor im Leben gesehen hatten. Was wollte er mehr? Er wusste, was... endlich wusste er es.
    Aus dem Augenwinkel wagte er, verstohlen zu Akemi hinüberzublicken, die sich mittlerweile abgewandt und ein paar ziellose Schritte gemacht hatte. Er drehte sich ebenfalls um, wagte es jedoch nicht, seinerseits zu ihr aufzuschließen. Es würde nichts lösen, nur in Konfusion enden, in unbehaglichem Schweigen und der Erkenntnis, dass nicht alle Dinge, die einfach erschienen, möglich waren.
    Als sie sich plötzlich doch zu ihm umwandte, traf diese Entwicklung Cris unvorbereitet. Zeitgleich formten ihre Lippen Worte, deren Sinn er mühsam entschlüsseln musste – zu sehr versank er kurzzeitig in ihren nunmehr sichtbaren Zügen, den braunen Augen, die ihn ihrerseits musterten...
    Er hatte nachgedacht? Worüber? Sie lenkte das Gesprächsthema also auf den Geheimdienst... warum? Er spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. Der Geheimdienst, das war das letzte, worüber er momentan reden wollte. Doch vielleicht das Einzige, was momentan zwischen ihnen verblieb? Nur noch ein verbindender Faden, eine Gemeinsamkeit?
    Schließlich hatte er das Thema angeschnitten, am gestrigen Abend, auf dem in schwindendes Sonnenlicht getauchten Balkon... es war gefährlich, sich zu lange an diesen Moment zu erinnern. Tatsächlich hatte er damals einfach etwas sagen wollen und nichts anderes war ihm eingefallen. Nur der Geheimdienst.
    War er zu einem Ergebnis gekommen? Ja... in gewisser Hinsicht war er das. Doch die hatte nichts mit dem Geheimdienst zu tun... höchstens mit der Art, wie ihr Blick ihn gefangen hielt...
    Der Geheimdienst... er spielte längst eine untergeordnete Rolle...


    “Der Geheimdienst...“ Er schaffte es nicht, den Widerwillen aus seinem Tonfall zu verdrängen. Wollte er sich darüber Gedanken machen? Musste er das nicht sogar, um sich vom offensichtlichen abzulenken?

    “Weißt du, eigentlich... habe ich nicht viel über den Geheimdienst nachgedacht.“ Die perfekte Wahrheit. “Theoretisch bin ich ranghöchster Offizier dieser kleinen Gruppe und allein verantwortlich, solange keine Anweisungen aus der Basis kommen. Ich kann alles anordnen... auch...“ Er zögerte und kurz schlich sich eine Spur Schmerz auf seine Züge. “Auch eine Mission nach Bothawui...“

    Er senkte den Blick. Eine Mission, nach deren Ende ein endgültiger Schlussstrich gezogen würde, ein Schlussstrich, der alles ausradierte, was er sich erhofft hatte...

    “Natürlich würde ich dafür plädieren, noch eine Weile auf Alderaan zu bleiben, bis sich der Sturm gelegt hat...“

    Abwesend scharrte er mit seinen Füßen im Schnee.

    “Was dich betrifft...“

    Seine Stimme erstarb. Wie kalt und nüchtern diese Formulierung sich doch anhörte in Anbetracht der Hitze, die in ihm loderte und sich dennoch nicht manifestieren durfte...

    “Ich verstehe, dass du viel durchgemacht hast... aber...“

    Hilflos zuckte er mit den Achseln. Er konnte es nicht. Keine leeren Phrasen wollten ihm mehr einfallen, kein hohles Herumreden ohne Inhalt, gar nichts.
    Der kalte Wind berührte hart seine leicht geröteten Wangen und wirbelte etwas Pulverschnee auf.
    Es gab kein Leugnen mehr. Keinen Ausweg. Und doch konnte er es nicht... wovor hatte er Angst? Vor Zurückweisung? Vor ihrer Reaktion?
    Er drehte sich wieder von ihr weg, gen Horizont starrend, und wusste, dass es schon wieder vorbei war. Die Kälte schien nun noch unerbittlicher zu werden.


    “Ich habe tatsächlich nachgedacht... aber nicht über den Geheimdienst. Über...“ Naboo! Dich! Den gestrigen Abend, diesen plötzlichen Moment, als alles Sinn ergab...
    Verzweifelt starrte er auf seine in Handschuhen steckenden Hände, als würde er dort Inspiration finden. Sein Herz hämmerte – und trotzdem wollte kein weiteres Wort seine Lippen verlassen, kein Wort, das alles Eis mit einem Ruck zum Schmelzen bringen, all die Zweifel verbannen würde...
    Er schwieg.
    Doch innerlich schrie er.


    [Alderaan, irgendwo am Berg]- Akemi, Cris
     
  18. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Irgendwo am Berg - Mit Cris -

    So war das also. Akemis Finger verkrampften sich ineinander. Sie hatte mit vielem gerechnet und sogar begonnen sich damit abzufinden, dass sie Cris auf die Nerven ging. Dass es aber so schlimm war, hätte sie nicht gedacht. Es tat weh. Es traf sie wie ein Schlag in die Magengrube, wie ein Stromschlag, der ihren ganzen Körper innerhalb einer einzigen kurzen Sekunde mit einer solchen Wucht erzittern ließ, dass sie die Balance verlor. Ihre Lippen pressten sich aufeinander. Was sollte sie darauf schon sagen? Er wollte sie loswerden, sie abschieben, sie aus dem Geheimdienst entlassen. Wie er bereits gesagt hatte, war er hier der ranghöchste Offizier. Dass er dies erwähnt hatte, unterstrich den Inhalt seiner Worte noch und sollte ihr wohl zeigen, wie ernst es ihm war. Aber warum? Oft genug waren sie in schwierigen Situationen gewesen und er hatte sich deswegen Vorwürfe darüber gemacht. Also hatte er noch immer nicht verstanden, dass sie freiwillig hier, bei ihm... beim Geheimdienst war. So manches Mal hatte sie versucht ihm zu erklären, dass es ihre freie Entscheidung gewesen war und dass nicht der Hauch einer Schuld auf ihm lastete. Aber vielleicht hatte dies auch gar nichts mit seiner jüngsten Entscheidung zu tun. Vielleicht wollte er einfach nicht mehr... was auch immer. Resignierend gab Akemi es auf. Es hatte keinen Sinn nach Gründen zu suchen. Ihr fehlte die Kraft dazu. In ihrem Herzen war ein Schmerz erwachsen, der ihre Gedanken überschattete. Eine dichte Wolkendecke hatte sich über ihrem Horizont zu einer undurchdringlichen Mauer erhoben. Es gab keinen Weg, sie zu umgehen. Es gab nur den direkten Weg... gerade auf sie zu.

    Zitternd wandte Akemi sich ab, drehte Cris den Rücken zu. Sie würde fallen, noch tiefer als sowieso schon. Bisher hatte Cris sie immer aufgefangen. Diesmal nicht. Es würde niemanden geben und kein schützendes Netz würde sie halten.

    Aber galt es nicht, zu riskieren? Wie konnte sie ein Leben leben, ohne ihn? Wie konnte sie seinen Entschluss einfach so hinnehmen, ohne sich aufzulehnen? Hatte sie dies nicht immer getan? Hatte sie nicht immer für ihre Träume und für ihre Zukunft gekämpft um mehr zu erreichen als das, was ihr bestimmt war? Bothawui. Sollte dies tatsächlich die Alternative sein?

    Sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen, die sich nicht weg blinzeln ließen. Unter ihrer warmen Pelzjacke fror ihr Körper. Es gab nichts, was sie tun konnte. Sie würde nicht versuchen ihn umzustimmen. Wenn es das war, was er wollte, dann konnte sie nichts daran ändern. Ihr blieb nur es hinzunehmen, es zu akzeptieren und zu lernen, damit zu leben.

    Schweigend drehte sie sich wieder zu ihm um. Ihre Wangen waren benetzt mit Tränen, eine dumpfe Leere flackerte in ihren Augen wie eine Kerze, die zu erlöschen drohte.


    Ich gehe nicht zurück nach Bothawui.

    Sprach Akemi leise.

    Aber keine Sorge... ich werde dich nicht länger belästigen. Du bekommst deine Ruhe. Ich... ich werde einfach irgendwo...

    Ihre brüchige Stimme verebbte. Ja, was würde sie? Was würde sie tun, ohne ihn?

    Ich werde...

    Es gab nichts das sich lohnen würde. Es gab nichts das sie wollte. Außer Cris. Akemis Unterlippe bebte. Zitternd zog sie einen Handschuh aus und wischte sich über die Augen, während sich der Schmerz in ihr von neuem aufrollte und über sie herfiel. Sie hasste ihn. Sie hasste ihn dafür, dass er sie zum Weinen brachte, dafür, dass er sie alleine ließ und noch viel mehr hasste sie ihn dafür, dass sie ihn liebte.

    Verdammt!

    Mit einer einzigen wütenden Bewegung warf Akemi ihren Handschuh in den Schnee. Sie fluchte nie. Unaufhaltsam rannen ihr Tränen über die Wangen. Wütend, verletzt, traurig und hoffnungslos blickte sie ihn an. Wenn er es so wollte, würde sie gehen und aus seinem Leben verschwinden. Aber vorher würde sie ihm sagen, was sie empfand. Er sollte es wissen. Und dann würden sie sich nie mehr wieder sehen.

    Erneut wischte sie sich über die Augen. Ein Abstand von guten zwei Metern trennte sie. Mit ein paar kleinen Schritten überwand sie ihn, bis sie direkt vor ihm stand, am Randes des Abgrundes.


    Willst du wissen, was Nathaniel zu mir gesagt hat und warum er mich verlassen hat, an jenem Abend auf Bespin?

    Sie schluckte, doch sie schaute Cris in die Augen.

    Es war wegen dir. Weil ich dich liebe und niemanden sonst.

    - Alderaan - Irgendwo am Berg - Mit Cris -
     
  19. CK-2587

    CK-2587 The Lone Gunman

    [Alderaan, irgendwo am Berg]- Akemi, Cris

    Das Schweigen hielt an. Keine Reaktion kam aus Akemis Richtung, jedenfalls keine, die Cris hören konnte. Sie verstand nicht... oder sie wollte nicht verstehen. Trostlos war sein Blick ins Tal gerichtet, der anklagenden Stille ausgesetzt, die ihm nur zu deutlich verriet, dass er die letzte Chance vertan hatte – und warum? Was hatte ihn daran gehindert?
    Plötzlich hörte er ihre Stimme – doch sie klang ganz anders, als er es erwartet hätte. Voll Schmerz, peinigender Erkenntnis...
    Er drehte sich zu ihr um und erkannte, dass im Sonnenlicht glitzernde Tränen ihre Wangen herunterliefen. Der Ausdruck ihrer ansonsten so lebendigen und frohen Augen traf ihn wie ein physischer Schlag in die Magengrube. Er wollte etwas sagen , doch sie sprach bereits weiter. Worte, die er nicht verstehen wollte... die keinen Sinn ergaben...
    Sie würde ihn nicht länger belästigen? Cris spürte, wie ihm schwindlig wurde – die Realität schien sich zu einer Absurdität zu verschieben, die er nicht länger erfassen wollte. Sie hatte das Gefühl, ihn nur zu belästigen?
    Er wollte irgendetwas tun, ihr widersprechen – doch er konnte nicht, sondern musste ihr – wie zu einer Eissäule erstarrt – zuhören. Zuhören, wie schrecklicher Schmerz aus ihr sprach, dem er sie niemals hatte aussetzen sollen... hatte er sich wirklich so falsch verhalten? Anscheinend schon...
    Ihren plötzlichen Ausbruch nahm er nur noch halb zur Kenntnis, verkennend, dass er so etwas zuvor noch nie von ihr gesehen hatte. Was dann folgte, übertraf alles vorherige...
    Sie sprach von Nathaniel. Vom Grund, aus dem er sie damals tränenüberströmt in Cloud City zurückgelassen hatte. Seinetwegen... weil sie in ihrem tiefsten Herzen nicht für Nathaniel bestimmt gewesen war. Sondern für ihn. Für Cris.
    Das Atmen fiel ihm schwer. Er hatte es nicht bemerkt... die ganze Zeit über hatte er seine eigenen Gefühle sorgsam verborgen, aus Furcht vor den Konsequenzen, hatte Dinge getan, die rückblickend nur falsch hätten interpretiert werden können und es auch waren. Und nun stand Akemi hier direkt vor ihm – doch alles schien zu spät... Er hatte sie unbewusst tiefer verletzt, als es je ein anderer Mensch hätte tun können... Und jetzt würde sie sich von ihm abwenden, unglücklich bis ans Ende ihres Lebens. So wie er.
    Nein! So durfte es nicht enden! Er musste es ihr erklären... nur wie? In Worten, die wieder nur wie Ausflüchte klangen, die sie ihm niemals glauben würde, die jene Kluft zwischen ihnen nur noch größer und unüberwindbarer machen würde?


    “Akemi...“

    Wie von selbst hatte ihr Name seinen Mund verlassen, zwei Silben, die all seine Verzweiflung urplötzlich mit einem Funken Hoffnung erhellten...
    Die gedehnte Zeit schien sich urplötzlich zusammenzuziehen und all ihre Energie in einer einzigen verwischten Bewegung zu entladen...
    Plötzlich hielt er sie in seinen Armen und spürte ihr tränenverschmiertes Gesicht nur Millimeter vor seinem, roch sie, fühlte sie...


    “Du... du hast das alles falsch verstanden... so wie ich...“

    Und dann küsste er sie – doch dieses Mal war es keine zaghafte Annäherung wie auf Naboo, nun schien seine gesamte Verzweiflung, seine gesamte Hoffnung in diesem einen Kuss zu liegen, der ihn die Süße ihrer Lippen ebenso schmecken ließ wie das Salz der Tränen, die auf sie heruntergelaufen waren...
    Wie ein Blinder fuhr er durch ihre Haare, ihr Gesicht, im Bewusstsein, dass dies womöglich das letzte Mal sein mochte, dass er sie so würde berühren können.
    Er bemerkte gar nicht, wie sie das Gleichgewicht verloren und auf die weiche Schneedecke plumpsten...


    [Alderaan, irgendwo am Berg]- Akemi, Cris
     
  20. Akemi

    Akemi Queen Of Rain

    - Alderaan - Irgendwo am Berg - Mit Cris -

    Er küsste sie. Sie spürte seine Lippen auf den ihren, so wie damals auf Naboo, fühlte seinen Körper, der sich drängend an sie presste. Die Luft roch nach Verzweiflung und Sehnsucht, nach unerfüllten Wünschen und heißem Verlangen. Nach dem allerersten Augenblick des Überraschens, der Akemi gefasst hatte, als Cris sie so stürmisch an sich gezogen hatte, warf sie sich ihm beinahe entgegen. Für Gedanken gab es keinen Raum mehr, Fragen waren verstummt, Ängste geschmolzen wie Schneeflocken auf warmer Haut.

    Vom Sturm ihrer Gefühle umgeworfen lagen sie im Schnee, einander suchend und fordernd. Akemi spürte Cris' Hände, die ihr Gesicht umschlossen, sie streichelten, berührten, liebkosten und festhielten, während sie ihre Arme fest um ihn gelegt hatte, so als versuche sie, ihn noch näher zu sich zu holen. Es gab nichts, nach dem sie mehr verlangte, niemanden, den sie heftiger begehrte. Heiß und kalt durchlief es sie, mächtig wie eine Flutwelle, erschütternd wie ein Erdbeben und schneidend wie ein Orkan. Wenn es überhaupt möglich war, so war dies der Moment, indem die Zeit still stand: hier bei Cris, in seinen Armen und nicht auf einer einsamen Bergspitze, die Zuflucht vor etwas bot, das nicht dazu erschaffen war, das man davor fort lief.

    Erst als die Besinnung irgendwann langsam zurück kehrte, lösten sie sich sanft voneinander. Schnell und laut schlug Akemis Herz in ihrer Brust, sie atmete heftig, erschöpft und überwältigt von dieser unerwarteten Wendung und den flehenden Bitten, die sie sich gegenseitig gestellt hatten. Ihr Kopf ruhte im weichen Schnee, der ihr Haar durchnässte. Cris war genau über ihr, sie konnte ihm direkt in die Augen schauen. Doch noch war keiner von ihnen in der Lage zu sprechen. Erst nach einer langen Weile des einvernehmlichen Schweigens, einer Zeit, in der der Verstand Gelegenheit hatte wieder an die Oberfläche zu dringen, keimte der Wunsch auf, irgendetwas zu sagen und dieses Erlebnis mit Worten zu begleiten, die gleichzeitig neue Fragen offenbarten.


    War das deine Antwort?

    Fragte sie flüsternd, ohne ihn loszulassen. Eine neue Empfindung hatte sich in ihr gezeigt, ein Glücksgefühl, das wie Feuer loderte, sie in Flammen setzte und von innen heraus leuchten ließ. Konnte es wirklich wahr sein, dass sie alles falsch verstanden hatte? All diese Dinge, die Cris gesagt oder nicht gesagt hatte, die er getan hatte oder nicht... war sie geblendet gewesen von der Angst ihn zu verlieren oder zurückgewiesen zu werden? Hatte sie so vieles falsch aufgefasst und Beweggründe verdreht? Wenn dies so war, konnte es dann nun ganz einfach sein?

    Sag mir ehrlich, was du denkst.

    Bat sie und leugnete vor sich selbst nicht, was sie sich zu hören wünschte.

    - Alderaan - Irgendwo am Berg - Mit Cris -
     

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