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[Literarisches Review] Dave Duncan: The King's Blades (Des Königs Klingen)

Dieses Thema im Forum "Sonstiges" wurde erstellt von Wraith Five, 20. Februar 2002.

  1. Wraith Five

    Wraith Five - Mitarbeiter

    "Der hört wohl nie auf", was? Tja, ich mach das so lange, bis einer von euch eins meiner Bücher gelesen und seine Meinung gepostet hat :D...

    Heute geht es um eine Trilogie, deren letzten Band ich gestern Nacht noch fertig gelesen hatte. Insgesamt hat's drei Tage gedauert, was - angesichts der Länge von knapp 500 Seiten und kaum Zeit meinerseits - nicht schlecht ist.

    Aber zuerst ein klein wenig Geschichte: Die drei Bücher kann man auch gut einzeln lesen; man braucht die jeweils anderen nicht, um Alles zu verstehen. Ein paar Gemeinsamheiten gibt es allerdings schon:

    Ständig präsent sind die - ja auch titelgebenden - 'Klingen des Königs': eine Elite-Einheit, die besten Kämpfer der (jener) Welt. Von Kindheit an werden sie darauf trainiert; wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werden sie an den König (oder einen seiner Vasallen) 'gebunden'. Diese 'Bindung' ist eine magische Beschwörung, nach der das oberste Ziel der Klinge immer das Überleben seines 'Meisters' ist - ohne Rücksicht auf Verluste, einschließlich des eigenen Lebens des Ritters. 'Nebenwirkungen' der Zeremonie sind u.A., dass eine Klinge nie schläft, schneller reagieren kann als jeder normale Mensch und einen sehr ausgeprägten Sinn für Gefahr hat.

    Keines der Bücher schildert jedoch die Ausbildung zur Klinge (dafür ist eine - ebenfalls dreibändige - Kinderbuchreihe zuständig). Jedes hat eine andere Story. Alle drei spielen zur gleichen Zeit auf dem gleichen Kontinent mit einem wichtigen gleichen Ereignis.

    The Gilded Chain (Die vergoldete Kette):
    Im Buch geht's um Sir Durendal, den perfekten Ritter (Galahad ist eine Null dagegen ;)), der unglücklicherweise nicht an den König gebunden wird, wo er in der Reihen der Wache wohl schnell aufgestiegen wäre, sondern an einen kleinen, unwichtigen Höfling, der selbst nicht so recht weiß, warum man ihm diese Ehre zu Teil hat werden lassen. Doch der König hat so seine Pläne, und statt des langweiligen Lebens bei Hofe sieht sich Durendal bald mit einer Fülle von Intrigen konfrontiert, die Palpatine alle Ehre gemacht hätte...
    Das Buch endet mit dem Tod eines scheinbar nicht wichtigen Charakters durch Magie.

    Lord of the Fire Lands (Der Herr des Feuerlandes):
    Der Ausgangspunkt ist wieder Eisernhall, die Festung der Klingen, einige Zeit nach Durendals Binden. Und genau damit fängt es auch wieder an: Der König kommt und will sich neue Kämpfer abholen. Die Kandidaten werden der Reihe nach gefragt - eine reine Formalität - und natürlich führt sich auch keiner auf...
    Bis Plündrer an der Reihe ist. Er sagt 'Nein', ein undenkbares Sakrileg, und wird sofort in den Kerker geworfen. Was keiner weiß: er hatte guten Grund dazu. In Wirklichkeit ist er nämlich Radgar Aeleding, der Erbe des mit Chivial verfeindeten Königshauses von Bael, und sich da dem Erzfeind zu verpflichten wäre etwas töricht.
    Doch davon hat Wespe, Radgars bester Freund, keine Ahnung, in der Nacht befreit er ihn, und sie fliehen nach Norden, die besten Soldaten des Reiches auf ihren Fersen...
    Das Buch endet mit dem Tod der gleichen scheinbar nicht so wichtigen Person... durch einen Armbrustbolzen.

    Nun werden aufmerksame Leser schon etwas festgestellt haben: Das Ende widerspricht sich jeweils. Ich versuche gar nicht, das abzustreiten, so ist's nämlich nun mal. Aber: Im dritten Band wird die Lösung geliefert, wie im Vorwort zum zweiten vom Autor versprochen.

    Sky of Swords (Schwur der Schwerter):
    Das Buch startet in dem Augenblick, als Band 2 aufhörte (die Rückblenden nicht mitgerechnet). Der Tod dieser scheinbar nicht so wichtigen Figur verursacht einige Probleme. Und fertig werden muss damit Malina, Hauptcharakter hier und Erbin des Throns von Chivial, sollte ihr kränklicher Bruder bald sterben, wie prophezeit wurde. Um das zu tun, reist sie kurzerhand nach Eisernhall, um sich ein paar eigene Klingen zu schnappen (entgegen dem Willen ihres ungeliebten Vaters, des Königs). Dessen letzte 'Ernte' liegt leider noch nicht so weit zurück, womit es keine wirklichen Kandidaten gibt. Stur wie sie ist, besteht die Prinzessin allerdings darauf, und bindet die vier vielversprechendsten Jungen. Die auch bald unter Beweis stellen müssen, was sie drauf haben, denn eine Frau als Thronerbe ist vielen Lords zuwider, und wie besser loswerden als durch ein Attentat?
    Doch auch Malinda hat Freunde in hohen Kreisen... Bürgerkrieg droht...
    Das Buch endet übrigens mit der Lösung zu dem Diskrepanzen-Problem, die vielleicht nicht unheimlich kreativ, aber sehr originell und überraschend ist.

    Es ist hier leichter als sonst, die Romane einzeln zu bewerten, ich werd's aber trotzdem nicht tun. Wenn jemandem der erste Band gefällt, wird das bei allen der Fall sein, und wenn nicht, dann ist das eben nicht so Seins und er sollte die Finger von den anderen beiden lassen.

    Dave Duncan ist schon seit der brillanten Trilogie um Das Große Spiel in meinem Autoren-Pantheon vertreten, Des Königs Klingen aber haben dafür gesorgt, dass sein Anspruch auf diese Ehre nicht mehr anzufechten ist.
    Danach dürfte klar sein, dass ich nicht unbedingt negativ gestimmt bin der Trilogie gegenüber ;)...

    Auf amazon.de gab es ein Review (weiß nicht mehr, welcher Band; dt. Ausgabe aber auf jeden Fall), das den Schreibstil des Autors bemängelte. Das kann ich so irgendwie nicht nachvollziehen... imho sehr gut lesbar (besser als Tolkien sicherlich). Natürlich kenne ich die Übersetzung nicht, da der Übersetzer aber auch schon für Das Große Spiel zuständig war (was es damals schon nicht mehr auf Englisch gab und ich somit auf Deutsch lesen musste) und das wunderbar gemeistert hat, zweifle ich immer noch...

    Die amerikanischen 'Kritiker' weisen die Reihe als 'Sword&Sorcery' aus. Nun, oberflächlich gesehen ist es das, doch auch nicht mehr als andere Fantasy, die so nicht betitelt wird (der HdR z.B.; wenn auch natürlich King's Blades nicht so episch angelegt ist). Tatsächlich gibt es reichlich wenig 'Sorcery' (hat, abgesehen vom Binden, kaum einen Auftritt) und auch nicht so viel 'Swords', wie man vermuten könnte. Der Schwerpunkt ist eindeutig die Story, und die ist hervorragend (nicht so politisch wie Feists Kelewan-Saga, aber doch genügend, um evtl. für jemanden wie Aaron interessant zu sein).

    So, jetzt doch mal schauen, ob das überhaupt jemand bis zu Ende liest: Hat's jemand oder habt ihr alle in der Mitte oder gar gleich am Anfang aufgegeben?
     

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