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Rhen Var (Tobali-System)

Dieses Thema im Forum "Projekt Star Wars Rollenspiel" wurde erstellt von Wonto Sluuk, 11. Dezember 2013.

  1. Wonto Sluuk

    Wonto Sluuk Rollenspieler Premium

    Rhen Var
    _________________________________


    [ Infos zum Planeten: Rhen Var (engl.) | Rhen Var (dt.) ]

    [ Zugehörigkeit: Neue Republik ]​

    Lage: Tobali-Sektor, Outer Rim

    Landschaft: Eiswüste, schneebedeckte Berge, Gletscher

    Bevölkerung: Menschen und andere, beschränkt auf wenige kleine Außenposten

    Besonderheiten: Ruinen einer untergegangenen Kultur einschließlich alten Jedi-Heiligtümern​
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Dezember 2013
  2. Wonto Sluuk

    Wonto Sluuk Rollenspieler Premium

    [Tobali-System | Rhen Var | Eislandschaft] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg

    Wonto Sluuk mochte die Raumfahrt noch immer nicht. Zugegeben, sie war nützlich, sogar unabdingbar für die Zivilisation. Aber das bedeutete nicht, dass er gerne mitflog. Insbesondere dann nicht, wenn man von Utapau bis in den Thanium-Sektor flog, also im Grunde von einem Ende der kartographierten Galaxis zum anderen. Die gesamte Triellus Trade Route entlang durch den Outer Rim, wo Reisen nicht sicher waren und an jedem Sprungpunkt Piraten, Hutts oder Schlimmeres lauern konnten. Und am allerwenigsten dann, wenn man im Zielsystem, wo man sich bereits am Ende der Reise glaubte, erst noch ein breites Asteroidenfeld durchfliegen musste, um zum Zielplaneten zu gelangen. Wonto fragte sich, warum das Schiff nicht drum herum geflogen war: Es konnte doch nicht so schwierig sein, ein wenig über die ohnehin nur imaginäre Ebene des Tobali-Systems oder darunter zu lenken, um das Asteroidenband, das die Sonne Tor ringförmig umgab, entweder oben oder unten zu umgehen. Doch er war nicht der Pilot. Zum Glück. Denn er wäre mit Sicherheit wahnsinnig geworden, wenn er durch den Fels- und Eisenbrocken hindurch manövrieren müsste. Es war schon schlimm genug, das im Bauch eines Truppentransporters ertragen zu müssen. In jeder Minute hatte er auf eine Kollision mit einem tödlichen astronomischen Geschoss gewartet und den Moment herbeigefleht, an dem sie endlich ihre Füße auf festen Boden setzen konnten.

    Doch mittlerweile sehnte er sich fast wieder in das Raumschiff zurück. Denn dort herrschten geregelte Umweltbedingungen. Ganz anders als auf Rhen Var. Die schneebedeckte, von Gletschern überzogene Welt erinnerte Wonto an Orto. Doch auch dort hatte er sich nicht wohl gefühlt: Es mochte die Heimat seines Volkes sein, aber nicht seine. Er hätte nicht gedacht, dass man ihn so schnell wieder auf einen Schneeball stecken würde. Doch man hatte es getan. Der Marschbefehl nach Rhen Var war sogar der erste, den er nach seiner Beförderung zum Corporal erhalten hatte. Nicht an die Front, wie gedacht, sondern auf eine Mitgliedswelt der Neuen Republik. Zu einer Mission, die eher den Eindruck einer weiteren Übung machte als eines wirklichen Einsatzes - wären da nicht die Strapazen gewesen, die der Planet seinen Besuchern abverlangte.

    Mit hoher Geschwindigkeit rasten die vier Overracer-Speederbikes über die schneebedeckte Ebene. Die viele Kilometer breite und noch längere Fläche war früher einmal ein Flusstal gewesen, doch flüssiges Wasser war mittlerweile selten auf Rhen Var. An Niederschlag mangelte es dennoch nicht. Ein böiger Wind blies den Scouts entgegen und aufgewirbelter Schnee erschwerte die Sicht. Das Tal war von eisbedeckten Bergen umgeben, doch sehen konnte man davon derzeit nichts: Sie orientierten sich größtenteils elektronisch anhand von Satellitensignalen und Kartenmaterial, das auf den kleinen Displays ihrer Bikes wiedergegeben wurde. Es war nicht mehr weit bis zu ihrem Ziel. Wonto Sluuk warf einen Blick über die Schulter, wobei ihm der dicke Kragen seiner gut isolierten Jacke ebenso die Sicht versperrte wie die Schneewoken, um sich zu versichern, dass seine Kameraden noch hinter ihm waren. Das war der Fall: Sie hielten sein Tempo und auch die rautenförmige Formation.

    Links hinter ihm flog Benji Ross, der kräftige, groß gewachsene Mensch. Wonto konnte sein Gesicht nicht erkennen, vermutete aber, dass wie immer ein breites Grinsen darauf lag - im Moment aber wohl eher ein grimmiges als ein fröhliches. Benji war schwer aus der Ruhe zu bringen, aber Kälte konnte er nicht besonders leiden. Dennoch würde er sich nach ihrer Ankunft am Ziel den Schnee von der Jacke klopfen, einen dummen Witz machen und über die Strapazen lachen, da war der Ortolaner ziemlich sicher. Medhi Varn, die rechts hinter Wonto fuhr, war etwas anders veranlagt. Sie beschönigte nichts, sondern sagte normalerweise deutlich, wenn ihr etwas nicht passte. Was jetzt sicherlich der Fall war. Rein äußerlich machte die schlanke Devaronianerin mit ihrem weißen Fell den Eindruck, als wäre sie perfekt an diese Umwelt angepasst, aber wie sie seit ihrer Ankunft auf dem Planeten schon mindestens fünfmal betont hatte, stammte sie aus einem besonders warmen Teil ihrer Heimatwelt. Der einzige, auf den der Frost überhaupt keinen Einfluss zu haben schien, war Dribiteg, der das Schlusslicht der Gruppe bildete. Möglicherweise lag das an seiner völlig anderen Körperchemie. Der Parwan war das exotischste Wesen, dem Wonto je begegnet war, und unterschied sich äußerlich und emotional radikal vom Rest der Gruppe. Manchmal regte er sich scheinbar grundlos über irgendwelche Kleinigkeiten auf; doch genauso oft konnte er nicht nachvollziehen, wieso seine humanoiden Kameraden sich an etwas störten, das für ihn überhaupt kein Problem war. Das Wetter zum Beispiel. Auch diesbezüglich schien sein Körper irgendwie anders zu funktionieren, und das war gut so, denn sonst wären ihm längst einer oder zwei seiner langen Tentakel abgefroren, deren Enden unverhüllt im eisigen Wind flatterten.

    Wonto Sluuk mochte alle drei. Er war der Meinung, dass sie sich gut ergänzten. Allerdings war es nach wie vor ein merkwürdiges Gefühl, drei Personen anzuführen, mit denen er vorher schon befreundet gewesen war.


    »Wir sind gleich da - das Ziel liegt vor uns!« rief Wonto. Obwohl das Komlink-Headset seine Stimme zu den anderen Bike-Piloten übertrug, musste er laut sprechen, um den Fahrtwind zu übertönen, denn diesen filterte das Mikrofon nur unzureichend heraus.

    »Sehen Sie etwas, Corporal?« fragte Benji.

    »Nein. Aber ich rieche etwas.«

    Und zwar den Duft von zubereiteter Nahrung, der ihnen entgegen wehte. Als Ortolaner konnte Wonto die Gerüche von Essbarem selbst in feinsten Nuancen erkennen, unterscheiden und verfolgen. Er hätte sein Navigationssystem ausschalten und das Ziel alleine anhand seines Geruchssinns finden können. Doch das versuchte er natürlich nicht.

    Eine Minute später kam die Station in Sicht. Sie war nicht viel mehr als ein zylinderförmiges Bauwerk mit Kuppeldach, neben dem ein hoher stählerner Mast mit Antennen und Schüsseln stand, die zu Kommunikations- und Sensorsystemen gehörten. Es war die dritte Station dieser Bauweise, die sie in den letzten drei Tagen besuchten. Teil eines Netzwerks von Überwachungsanlagen, mit denen das Militär der Neuen Republik Feindbewegungen im nahen imperialen Territorium um Elom und Korriban überwachte, um Invasionsabsichten oder ähnliche Gemeinheiten rechtzeitig zu erkennen. Und zudem die überlebensnotwendigen Übernachtungsquartiere für Scouts, die in regelmäßigen Abständen in die Schneewüste von Rhen Var geschickt wurden, um dort Ausschau nach ungewöhnlichen Aktivitäten wie Schmugglernestern, feindlichen Spähern oder illegalen Einwanderern zu halten. Ein undankbarer und unbeliebter Job, der diesmal an die Scoutkompanie gefallen war, zu der auch Wonto und seine drei Kameraden gehörten.

    Der Ortolaner setzte eine vorbereitete Nachricht ab, mit der die Scouts ihr Kommen ankündigten und sich identifizierten. Mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit fuhren sie an den Spähposten heran. Erst unmittelbar vor dem Eingangstor hielten sie an und kletterten von ihren Maschinen. Wonto fühlte sich vom langen Sitzen und der Kälte steif, die dicke Kleidung tat ihr übriges dazu. So wirkte es ziemlich tolpatschig, wie er auf seinen kurzen Beinen durch den hohen Schnee stapfte. Mit den Handschuhen rieb er das Eis von dem kleinen Bildschirm neben der breiten Tür.


    »Private Wonto Sluuk«, stellte er sich vor. »Machen Sie bitte auf. Wir frieren uns hier draußen alle möglichen Teile ab!«

    [Tobali-System | Rhen Var | Eislandschaft | Horchposten] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Dezember 2013
  3. Wonto Sluuk

    Wonto Sluuk Rollenspieler Premium

    [Tobali-System | Rhen Var | Eislandschaft | Horchposten Neunzehn] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg

    Die Tür öffnete sich und die vier republikanischen Scouts traten hastig ein. Sofort standen sie vor einer zweiten Tür, die als eine Art Luftschleuse fungierte, um zu verhindern, dass die kostbare Wärme nach draußen entwich. Erst als sie die Außentür wieder geschlossen hatten, ließ auch diese sich öffnen und sie kamen ins Warme. Der Horchposten Neunzehn unterschied sich in keiner Weise von den anderen, die in den letzten Tagen auf ihrer Route gelegen hatten. Ein großer, runder Raum war gleichzeitg Wohnbereich der hier stationierten Soldaten und beinhaltete deren technische Ausrüstung: Eine Vielzahl von kompliziert aussehenden Gerätschaften, Monitoren und Holokarten. In kleinen Nebenräumen waren ihre Schlafquartiere, ein Hygienebereich, eine Küchenzelle und kleine Lagerräume untergebracht. Das einzige Fahrzeug, das ihnen zur Verfügung stand - ein zweisitziger, geschlossener Gleiter - stand in einem Nebengebäude. Üblicherweise lebten und arbeiteten drei Personen hier auf engem Raum zusammen, umgeben von hunderten Kilometern Eiswüste. Wenn, so wie heute, eine Patrouille vorbeikam, stellte das eine Unterbrechung ihrer tristen Routine dar - aber natürlich wurde es auch noch enger.

    Derzeit hielten sich zwei der Bewohner im Wohn- und Arbeitsraum auf. Beide waren menschlich, ein Mann und eine Frau, beide schätzungsweise zwischen zweiundzwanzig und sechsundzwanzig Jahren alt. Sie trugen keine Uniform, sondern etwas Bequemeres. Und auch dem Raum sah man durchaus an, dass hier Leute in einer Art WG wohnten, denn Kleidungsstücke, Essgeschirr und andere Gegenstände standen und lagen zwischen dem technischen Equipment herum. Das dritte Besatzungsmitglied musste sich in einem der kleinen Nebenräume oder draußen befinden.


    »Ich bin Sergeant Coom, das ist Private Trancian«, sagte die Frau. »Willkommen im Horchposten Neunzehn!«

    »Vielen Dank«, antwortete Wonto. »Corporal Wonto Sluuk und die Privates Varn, Ross und Dribiteg

    Die Scouts pellten sich aus ihren Thermoanzügen. Coom bot ihnen die Hygienezelle an und Medhi war die erste aus der Gruppe, die dorthin ging, um zu duschen. Wie Wonto prophezeit hatte, machte Benji in der Zwischenzeit einen anstößigen und wenig unterhaltsamen Witz über Eiszapfen, der nur dem ortsansässigen Corporal ein breites Grinsen entlockte.

    »Was gibt es zu vermelden?« fragte Sergeant Coom, die nicht auf die Bemerkung einging.

    »Außer unserer Ankunft - nichts«, sagte der Ortolaner. »Die Fahrt verlief ungestört. Keine ungewöhnlichen Begegnungen oder Phänomene. Allerdings war die Sicht eingeschränkt.«

    Er überreichte ihr ein kleines Aufzeichnungsgerät, das die unterwegs gemessenen Gelände-, Lebenszeichen- und Wetterdaten enthielt. Sie schloss es an den Stationscomputer an, überspielte die Daten und vermerkte auch Wontos kurzen Bericht.

    »Da haben Sie aber Glück gehabt«, sagte sie. »Das letzte Team, das hierher gekommen ist, hat unterwegs ein abgestürztes Raumschiff mit fast vierhundert zerschmetterten oder erfrorenen Flüchtlingen von Elom entdeckt.«

    »Wir haben auf Station 20 davon gehört«, antwortete Wonto und schüttelte sich. Er hoffte, dass sie das gruselige Thema nun auf sich beruhen ließ.

    »Die Überlebenden haben sich gegenseitig aufgefressen«, fuhr sie jedoch fort, offenbar schaurig fasziniert - oder froh, überhaupt mal jemanden zum Reden zu haben, und zu unsensibel um zu merken, dass die Gäste so etwas nicht gerne hörten. »Natürlich nur, bis auch sie gestorben sind. Und es war nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist. Unten auf der Südhalbkugel halten sie angeblich den Rekord mit über 1.600 Toten. Und in der Nähe von Station 140 haben sie einen uralten Sternenjäger entdeckt, der fast 1000 Jahre in einem Gletscher gesteckt haben soll. Ein Scoutteam wurde mal von einem Rudel Schneemarder angegriffen...«

    »Wo ist das dritte Mitglied Ihres Teams?« fiel Corporal Sluuk ihr ins Wort. Er hatte nun wirklich genug solcher Schauergeschichten gehört.

    »Private Norris. Er ist draußen und überprüft die Empfangsmasten.«

    Sie unterhielten sich nun weiter über weniger besorgniserregende Themen. Die beiden Bewohner boten ihnen eine heiße Brühe und frischen Caf an, der erstaunlich gut schmeckte, wenn man bedachte, wo sie hier waren. Nach etwa einer Stunde - mittlerweile hatten alle Teammitglieder eine Gelegenheit gehabt, sich zu waschen - kam auch der letzte Mitarbeiter von Posten 19 von seinem Erkundungsgang zurück. Es handelte sich nicht um einen Menschen, sondern um einen violetthäutigen Humanoiden. Im Verlauf des Abends stellte sich heraus, dass er ein Faust war.

    Sie tauschten sich noch eine Weile aus. Alle sieben kamen gut miteinander zurecht, auch wenn die Zeit zu kurz war, um Freundschaften zu schließen. Die Scouts waren froh im Warmen zu sein und die Bewohner freuten sich über Gesellschaft, also war es eine Win-Win-Situation, und da sie nicht lange bleiben würden, war auch die räumliche Enge kein echtes Problem. Im Gegensatz zu Station Siebzehn, wo ein Besatzungsmitglied offenbar gar nicht gut mit der Isolation zurechtkam und schon vor ihrer Ankunft kurz vor dem Koller gestanden hatte, gab es keinerlei Probleme. Irgendwann zogen sich Coon, Norris und Trancian in ihre Schlafnischen zurück. Wonto und sein Team schoben die Möbel beiseite, um sich mit ihren Schlafsäcken auf dem Boden auszubreiten. Schon am frühen Morgen mussten sie aufstehen, um die nächste Etappe zu wagen, doch daran wollte er jetzt noch nicht denken.


    [Tobali-System | Rhen Var | Eislandschaft | Horchposten Neunzehn] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg, Bewohner
     
  4. Wonto Sluuk

    Wonto Sluuk Rollenspieler Premium

    [Tobali-System | Rhen Var | Eislandschaft | Horchposten Neunzehn] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg, Bewohner

    »Guten Morgen, Corporal!«

    Das war die Stimme von Medhi Varn. Wonto schlug die schwarzen Knopfaugen auf.

    »Morg'n«, murmelte er. Ob er gut war, musste sich noch herausstellen. Auf jeden Fall war er viel zu früh gekommen. Sonderlich gut hatte der Ortolaner nicht geschlafen und der Gedanke, dass sie bald wieder hinaus in die Eiseskälte und in die halb gefrorenen Sättel ihrer Overracers mussten, half ihm nicht dabei, sich auf den jungen Tag zu freuen. Wirklich erholt und den neuen Strapazen gewachsen fühlte er sich eigentlich nicht und sein Hirn drehte sich um die Frage, ob es irgendeine Möglichkeit gab, noch eine Weile im Schlafsack zu bleiben.

    Doch Wonto Sluuk wusste, dass es dafür keine richtige Ausrede gab. Schon gar nicht, seit er Corporal und damit gezwungen war, den Mitgliedern seiner Gruppe mit gutem Beispiel voranzugehen. Also raffte er sich auf und gab dem laut schnarchenden Benji Ross einen leichten Stoß, damit dieser ebenfalls erwachte. Er fand es nett von Medhi, dass sie ihm die Gelegenheit dazu gelassen hatte. So konnte er seiner Rolle als Anführer eher gerecht werden, als wenn er der letzte gewesen wäre, der noch schlief.


    »Aufstehen, Private!« sagte er. »Nach dem Frühstück geht's wieder auf die Piste. Letzte Gelegenheit für eine heiße Dusche und ein ordentliches Klo, bevor wir den nächsten Posten erreichen. Wo ist Dribiteg

    »Der nutzt diese Gelegenheiten gerade«, antwortete die Devaronianerin. »Übrigens ist er mal wieder wegen irgendwas schlecht gelaunt. Keine Ahnung warum.«

    Wonto zuckte mit den Schultern. Längst kannte er das leicht erregbare Gemüt des Parwan. Am schnellsten beruhigte er sich, wenn man ihn einfach in Ruhe ließ. Jedenfalls hatte der Ortolaner nicht vor, sich davon ebenfalls die Laune verderben zu lassen. Die war zwar auch so schon nicht gerade blendend, aber der intensive Geruch von frischem Caf und einer fetten Brühe in seinem Rüssel wirkte stark motivationsfördernd. Es war gut, dass das heiße, kalorienreiche Frühstück vor allem aus Flüssigkeit bestand. Denn draußen in der Eiswüste mit ihren Temperaturen, die häufig deutlich unter die -20 Grad sanken, war auch das Trinken gar nicht so angenehm. Das Wasserlassen war allerdings noch übler, aber daran wollte Wonto noch gar nicht denken.

    Auch er gönnte sich noch eine Dusche, dann packten die vier Soldaten ihre Ausrüstung. Sie verabschiedeten sich von ihren Gastgebern und verließen Horchposten Neunzehn. Sie holten die Speederbikes aus dem kleinen, spärlich beheizten Unterstand, führten einen raschen Check von Navigationssystem, Funkgeräten, Lichtern und Bremsen durch und fuhren dann los. Nummer Zweiundzwanzig lag als nächstes auf ihrer Route.

    Über Nacht hatte der Wind nachgelassen und der aufgewirbelte Schnee hatte sich gelegt. Die Landschaft stellte sich nun völlig anders dar. In der klaren, klirrend kalten Luft konnte man kilometerweit blicken. Allerdings musste man aufpassen, dass man dies stets mit geschützten Augen tat, denn kaum eine Wolke dämpfte das Sonnenlicht, das grell von den Schneefeldern reflektiert wurde. Es war zwar kein Grad Wärmer als am Vortag, aber dank der Sonne konnte man es sich wenigstens einreden. So waren Wonto und sein Team einigermaßen guter Dinge, als sie sich auf den Weg machten. Dank der guten Sicht konnten sie ihre Kontrollaufgaben besser erfüllen und zugleich bei höherer Geschwindigkeit fahren, was sie auch ausnutzten, um diese Etappe möglichst schnell hinter sich zu bringen.

    Gegen Mittag machten sie eine Pause und aßen etwas. Das musste schnell gehen, denn die selbsterhitzenden Rationen kamen kaum gegen die Umgebungskälte an und wurden schnell noch ungenießbarer, als sie sowieso schon waren. Dribiteg schien es zu schmecken, aber für Wontos feine Geschmacksnerven war die Militärkost noch immer gewöhnungsbedürftig. Allerdings war keiner so glücklich über jede Kalorie wie er. Sobald sie aufgegessen hatten und ihnen aufgrund der Tatenlosigkeit trotz der dicken Isolierkleidung kalt zu werden begann, schwangen sie sich wieder auf die Böcke.

    Eine Stunde später legten sie einen weiteren Halt ein, da sie ein paar positive Signale auf dem Lebenszeichenscanner hatten. Von einer hartgefrorenen Scheedüne aus beobachteten sie in der Ferne eine Herde aus vierzig bis fünfzig großen Tieren. Es handelte sich um Pflanzenfresser, die unter dem Schnee nach Moosen und Flechten suchten, die ebenso wie sie robust genug waren, dem lebensfeindlichen Klima von Rhen Var zu trotzen. Wo es Beutetiere gab, da waren auch Jäger nicht weit, und so wurden sie Zeugen einer packenden Szene. Den Kampf ums Überleben entschied das kleine Rudel struppiger Laufvögel für sich, während die vierbeinigen Pflanzenfresser eines ihrer jüngeren Familienmitglieder zurücklassen mussten. Dribiteg gewann damit fünf Credits von Benji, der gegen die Raubtiere gewettet hatte.

    Wonto vermerkte die Beobachtung in ihrem Patrouillenlogbuch, dann setzten sie ihre Fahrt zu Station 22 fort.


    [Tobali-System | Rhen Var | Eislandschaft | unterwegs von Horchposten 19 zu 22] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg
     
  5. Wonto Sluuk

    Wonto Sluuk Rollenspieler Premium

    [Tobali-System | Rhen Var | Eislandschaft | unterwegs von Horchposten 19 zu 22] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg

    Dank des guten Wetters, das den vier Scouts ein schnelles Vorankommen ermöglichte, erreichten sie Horchposten 22 eine Stunde vor ihrem Zeitplan. Abgesehen von einem Blick auf die spärliche einheimische Fauna hatte die Fahrt nichts Interessantes für sie bereit gehalten und der Anblick des Postens, der sich in keiner Weise von Nummer Neunzehn unterschied, war einer der Höhepunkte des Tages. Doch obwohl die dreiköpfige Besatzung der Horchstation gastfreundlich und der Abend noch lang war, fühlte Wonto Sluuk sich nicht sehr unternehmungslustig. Die letzten Tage waren anstrengend gewesen und das spürte er in allen Knochen. Das harte Klima forderte den republikanischen Soldaten trotz ihrer modernen Ausrüstung einiges ab, und auch wenn der Ortolaner mittlerweile das höchstrangige Mitglied des vierklöpfigen Teams war, stand außer Frage, dass er die schlechteste Fitness mitbrachte. Seine Ausdauer schien von Tag zu Tag kürzer zu werden. Daher sprach er zwar dem Abendessen reichlich zu, doch an den anschließenden Gesprächen beteiligte er sich nicht und als die Bewohner um Unterstützung baten, um kurz vor Einbruch der Nacht noch eine etwas abgelegene Sensorantenne zu überprüfen, schickte er Benji, anstatt sich selbst zu melden. Wonto löste sich zeitig aus der Gruppe und suchte sich einen Winkel, in dem er seinen Schlafsack ausrollen konnte. Obwohl die anderen sechs sich laut unterhielten und später am Abend sogar noch mehrere Lieder sangen, ließ er sich nicht stören und schlief rasch ein.

    Dafür war er am nächsten Morgen der erste, der erwachte. Ein Geräusch hatte ihn aus dem Schlaf geschreckt: Ein Scharren an der Tür, so als wollte sich ein großes Tier Zutritt verschaffen. Erschrocken lag er eine Weile still da und lauschte, doch der Laut wiederholte sich nicht. Die einzigen Geräusche kamen von einem Menschen namens Jacob, der die Nachtschicht an den Überwachungsstationen hatte. Schließlich stand Wonto auf und ging zu ihm, um sich zu erkundigen, was für ein Tier die Geräusche gemacht haben könnte, doch Jacob hatte nichts gehört. Die Außenkamera zeigte eine dichte Schneewehe vor der Eingangstür, in der es keine Fußspüren oder sonstige Unregelmäßigkeiten gab, und der Lebenszeichenscanner bestätigte, dass es kein tierisches Leben im näheren Umkreis gab - in dem Fall, dass sich etwas dem Posten genähert hätte, müsste sowieso ein Alarm die Bewohner warnen. Der Ortolaner kam zu dem Schluss, dass er wohl nur geträumt hatte. Er hätte noch etwa eine dreiviertel Stunde schlafen können, doch er entschied sich dagegen und suchte sich lieber einen kleinen Snack (als Vor-Frühstück), bevor er Medhi, Dribiteg und Benji weckte.

    Eine knappe Stunde später waren sie wieder unterwegs. Horchposten 25 lag nun auf ihrer Zickzackroute durch die Eiswüste. Doch ihrem Weg folgten sie nur eine Viertelstunde lang, dann signalisierten Wontos Helmkopfhörer ihm einen eingehenden Funkspruch.


    »Corporal Sluuk hier, was gibt's?« antwortete er und gab zugleich seinen Teammitgliedern das Zeichen um Anhalten. Während der Fahrt verstand er die Stimme im Kom nur schlecht, da der Helm nicht perfekt auf seine nichtmenschliche Kopf- und Ohrform angepasst war.

    »Hier spricht Sergeant Weather. Ihre Befehle haben sich geändert: Kehren Sie sofort zu Posten Eins zurück!«

    »Zur Basis, verstanden. Äh, Sir, was wird mit unserer Patrouille?«

    »Wir passen die Routen der anderen Teams an. Alles weitere soll nicht Ihre Sorge sein. Sie haben Ihren Befehl, Corporal! Weather, Ende!«

    »Zu Befehl. Sluuk, Ende!«

    Der Ortolaner teilte seinen Kameraden die geänderten Anweisungen mit und gemeinsam sichteten sie das Kartenmaterial, um die beste Route zum Hauptquartier der Systemüberwachung und dem Ausgangspunkt ihres Patrouillenkurses zu ermitteln. Die Entfernung war kürzer als gedacht: Wenn sie keine langen Pausen machten und das Wetter auf ihrer Seite blieb, konnten sie die Station am späten Abend erreichen. Vermutlich war kein anderes Team so nah und das war wohl auch der Grund dafür, dass man sich für sie entschieden hatte. Sie hatten keine Ahnung worum es ging und vertrieben sich die Zeit während der Fahrt mit wilden Spekulationen, von denen manche plausibel, andere unwahrscheinlich und einige einfach nur absurd waren, doch etwas anderes hatten sie ja nicht zu tun.

    Sie brauchten etwas länger als erhofft. Als sie das ehemalige Hafengelände am Ufer eines zu Eis erstarrten Meeres erreichten, welches das Hauptquartier der republikanischen Präsenz auf dieser frostigen Welt beinhaltete, war es längst Nacht. Doch viel zu sehen gab es sowieso nicht: Sie kannten diesen Ort bereits und auch wenn die steinernen Bauwerke, Hinterlassenschaften einer untergegangenen Kultur, auf den ersten Blick recht faszinierend waren, gab es an ihnen wenig Außergewöhnliches zu entdecken. Einige der besser erhaltenen Gebäude waren vom Militär instandgesetzt, mit einer vernünftigen Isolierung und Energieversorgung versehen worden, andere dienten als Fundament für große Sensor- und Kommunikationsschüsseln. Das Hauptgebäude der Anlage bestand jedoch nicht aus alten Steinquadern, sondern aus Fertigbauteilen. Nachdem sie sich ausgewiesen hatten und in das Militärgelände eingelassen wurden, hielten die Soldaten dort an. Sie waren durchgefrorener denn je und Wonto war heilfroh darüber, dass er für diesen Tag vorgeschlafen hatte.

    Er erkundigte sich nach Sergeant Weather, um von diesem nähere Informationen zu erhalten, wurde stattdessen aber ins Büro von Lieutenant Yarize Poll geführt. Die fast zwei Meter große Arcona mit dem ambossförmigen Schädel musterte Wonto aus grünen Facettenaugen. Er war ihrer Einheit kurz nach der Ausbildung auf Utapau zugeteilt worden und kannte sie kaum, hatte aber schon vom ersten Moment an den Eindruck gehabt, dass sie keine großen Stücke auf ihn hielt - woran auch immer das liegen mochte, vielleicht bildete er es sich auch ein.


    »Melde mich wie befohlen, Ma'am!« meldete Wonto und hob zum Gruß die vor Kälte steife Hand an die Schläfe.

    »Corporal Sluuk, dem Kommando ist aus dem Felucia-System eine Anfrage auf Unterstützung zugegangen und da wir der nächstgelegene republikanische Posten sind, wurde uns aufgegeben, dem nachzukommen. Es geht um eine Suche nach Vermissten, also je nachdem was die Suche ergibt eine Rettungs- oder Bergungsmission. Wir entsenden Sie zu diesem Zweck.«

    Dass die Offizierin von sich meistens in der Wir-Form sprach, war eine kulturelle Besonderheit, an die sich Wonto bereits gewöhnt hatte, deshalb wunderte er sich nicht darüber. Es fiel ihm kaum noch auf. Bei ihrer ersten Begegnung war er ziemlich irritiert darüber gewesen und hatte sich etwas aus dem Konzept bringen lassen - vielleicht hatte er dabei keinen sehr intelligenten Eindruck gemacht.

    »Verstanden, Ma'am. Wie groß ist die entsendete Einheit?«

    »Nur Sie und Ihr Team. Wir können hier nicht mehr Soldaten entbehren, wenn wir unseren normalen Aufgaben weiter nachkommen sollen.«

    »Nur wir? Äh... heißt das, dass ich den Einsatz leite, Lieutenant Poll

    Die Arcona leitete ihre Antwort mit einem ziemlich unfreundlichen Lachen ein.

    »Keineswegs, Corporal Sluuk! Sie werden das höchstrangige Mitglied des Militärs bei diesem Einsatz sein, aber weder Ihre Erfahrung noch Ihr Rang befähigen Sie zu leitenden Aufgaben. Der Jediorden hat um Unterstützung durch das Militär gebeten und Sie werden für die Dauer des Einsatzes diesen Jedi unterstellt sein und sie nach Kräften unterstützen. Sie halten sich an die Dienstvorschriften, aber solange diese nicht klar den Anweisungen widersprechen, werden Sie diese befolgen. Klar soweit?«

    Nein, eigentlich nicht. Das war eine völlig unerwartete Situation für Wonto, der es gewohnt war, Teil einer klar strukturierten militärischen Rangordnung zu sein. Dass man von ihm erwartete, sich völlig Fremden unterzuordnen, die dieser Hierarchie nicht angehörten, kam ihm befremdlich vor. Aber andererseits... wo war der Unterschied dazu, Befehle von Offizieren entgegenzunehmen, die er ebenfalls nur vom Sehen oder dem Namen nach kannte?

    »Mhm, alles klar, Ma'am. Wann brechen wir auf?«

    »Um fünf Uhr dreißig Ortszeit startet Ihr Shuttle. Sie haben also noch genug Zeit, um Ihre Ausrüstung zu überprüfen und sich mit den Besonderheiten von Felucia vertraut zu machen. Auf diesen Datenblöcken steht alles Nötige. Details zur Situation und dem Auftrag werden Sie dann vor Ort von den Jedi erhalten. Ihr Kommen wurde bereits angekündigt. Weitere Fragen? ...Dann wegtreten, Corporal: Ich denke, Sie haben genug zu tun!«

    Mit einem weiteren militärischen Gruß verabschiedete Wonto sich und verließ dann eilig den winzigen Raum. Er kehrte zu seinen Soldaten zurück, die es sich in dem Vier-Bett-Quartier, das man ihnen zur Verfügung gestellt hatte, bereits bequem gemacht hatten.

    »Tut mir leid, keine Zeit für Schlaf«, musste er sie enttäuschen. »In sieben Stunden geht unser Flug und bis dahin haben wir noch einen vollen Zeitplan...«

    Das war in der Tat der Fall. Aus ihrer Ausbildung und insbesondere den abschließenden Übungen wussten sie, wie wichtig es war, sich auf einen Einsatz angemessen vorzubereiten. Das bedeutete, dass man alles zur Verfügung stehende Material über den Zielplaneten ausgiebig studieren musste. Was Felucia anging, so stand eine ganze Menge zur Verfügung. Zu viel, als dass sie alles gemeinsam hätten lesen und besprechen können. Sie entschieden sich demnach dafür, den Lesestoff in vier gleich große Blöcke aufzuteilen. Dribiteg sollte sich mit der Kultur und den Gepflogenheiten der einheimischen Felucianer und Gossams vertraut machen; Benji Ross studierte die Informationen über die Geographie und das Wetter; und Medhi Varn sowie Wonto teilten sich den besonders großen Themenkomplex über die einheimische Flora und Fauna, die offenbar mit keiner anderen Welt zu vergleichen war. Doch wie überall gab es gefährliche und nützliche, giftige und essbare Wesen, und es war wichtig, diese zu unterscheiden und auf Bedrohungen in der angemessenen Weise zu reagieren, deshalb nahmen sie ihr Studium durchaus ernst. Irgendwann jedoch endete ihre Konzentration und sie mussten abbrechen. Sie fühlten sich zwar nicht hundertprozentig, aber doch einigermaßen vorbereitet und waren froh, endlich die Augen zumachen zu können.

    Um fünf Uhr fünfundzwanzig Ortszeit, noch vor der Morgendämmerung und nach kaum mehr als zwei Stunden Schlaf, fanden sie sich auf dem Landefeld ein, zu dem man Teile der vereisten Meeresoberfläche gemacht hatte. Dort stand ein Shuttle mit laufenden Triebwerken bereit. Bis auf Dribiteg, dem man nichts anmerkte, froren die Scouts erbärmlich: Sie hatten sich dafür entschieden, die dicken Iso-Mäntel, die sie auf Felucia nicht brauchten, für die knapp zweihundert Meter gar nicht erst anzulegen. Ein Entschluss, den sie bereuten, bis sie zitternd das kleine Schiff erreichten und ins Warme kamen. Noch einmal überprüften sie, ob all ihre Ausrüstung - einschließlich Proviant, Waffen und Speederbikes - an Bord war, dann nahmen sie auf den wenig bequemen Passagiersitzen Platz.


    »Dann auf nach Felucia!« sagte der Parwan mit seiner hohen Stimme und der merkwürdigen Betonung, als das RM-09 sich in Bewegung setzte.

    »Ich bin froh, dass wir von dieser Schneekugel wegkommen«, ergänzte Medhi. Benji Ross und Wonto stimmten ihr zu.

    »Zeit für eine Mütze voll Schlaf, Euer Corporalität?« fragte der breitschultrige Randkolonist.

    »Leider nicht«, erwiderte der Ortolaner mit aufrichtigem Bedauern. »Wir sind noch nicht ausreichend vorbereitet und jeder von uns ist, was Felucia betrifft, bestenfalls ein Fachidiot. Nutzen wir die Flugzeit, um unsere Ergebnisse zusammenzuwerfen. Wenn wir das zügig hinter uns bringen, bleibt uns vielleicht noch ein wenig Zeit für ein kleines Nickerchen vor der Landung.«

    Das Shuttle ließ Rhen Var hinter sich und sprang in den Hyperraum.

    [Hyperraum | von Rhen Var nach Felucia | RM-09-Shuttle] Wonto Sluuk, Medhi Varn, Benji Ross, Dribiteg

    (Weiter auf Felucia)
     

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