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SPIEGEL: "Spiele machen klug" - Eure Meinungen zum Artikel

Dieses Thema im Forum "PC & Konsolen" wurde erstellt von Wizard With Gun, 16. Januar 2014.

  1. Wizard With Gun

    Wizard With Gun Kampfmagier. Lehrling von Bourdieu.

    Ganz erstaunt sah ich am Sonntag Abend im Internet, dass der nächste Titel vom SPIEGEL über Videospiele sein würde. Mein erster Gedanke war: "Endlich werden Videospiele nicht mehr als Killerspiele angesehen, sondern als etwas positives!" Voller Freude kaufte ich mir am nächsten Tag das erste Mal seit langem (bin eher so der SPIEGEL Online-Typ) das Magazin und las den Artikel (Untertitel: "Warum Computerspiele besser sind als ihr Ruf".)
    Und was muss ich sagen?
    Der Artikel wählt leider den falschen Ansatz und liefert nichts Neues.

    Inhaltlich dreht sich der Artikel hauptsächlich um innovative Personen mit einer besonderen Idee (von denen wahrscheinlich kaum einer gehört hat, und zusätzlich teilweise etwas schrullig wirken) und um Serious Games. Erwähnt werden Casual Games wie "Candy Crush", aber vor allem Serious Games, also Spiele mit einem ernsten Hintergrund und einem meist bildendem Ziel.
    Mehrfach wird in dem Artikel klar gemacht, dass Videospiele nicht die große Ursache für Amokläufe und Gewalt generell sind, dies wird klar differenzierter als in ähnlichen Artikeln dargestellt. Desweiteren können Videospiele sogar einen positiven Effekt auf uns haben.
    Das Ziel der Autoren ist ganz klar, dass man das Image der Videospiele in ein anderes Licht rücken und aus seiner "Ecke" herausziehen möchte. Videospiele sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
    Also, eigentlich ist an dem Artikel nichts zu kritisieren, oder?
    Naja, eben doch.

    Wie schon auf Game One (Link: Spielen macht klug - SPIEGEL auch? | Blog | Game One | Game One) passend geschrieben wurde, und was ich eigentlich auch so unterschreiben kann, ist dieser fade Beigeschmack, der sich durch den ganzen Artikel zieht. Gemeint ist damit, dass Videospiele in gewissen Maße eine Daseinsberechtigung in Form von Serious Games u.a. bzw gerade eben durch Serious Games brauchen, um in der Gesellschaft angenommen zu werden. Das heißt, dass Serious Games und dergleichen die wichtigste Strömung, bzw. die Spitze der Videospiele darstellen, die eben jene rechtfertigen.

    Jetzt kann mir bestimmt jeder zustimmen, dass dieses Genre nicht gerade der Platzhirsch in dieser Branche ist und ansonsten eher eine Randerscheinung darstellt. Es ist zwar gut und wichtig, dass sie da sind, aber als Vorreiter in Sachen Innovation sind sie gerade nicht bekannt.
    Vor allem widersprechen sie ein klein wenig meiner Meinung nach der "klassischen" Definition von Videospielen:
    Videospiele sind Unterhaltung und sollen Spaß machen. Sie sollen mich mitnehmen auf eine Reise die durch alle Gefühlslagen geht, ich soll lachen, ich soll weinen dürfen, ich soll das Gefühl haben, an dem Spiel teilnehmen zu dürfen und ich soll auch etwas daraus mitnehmen können. Gut, ich weiß, dass es bei dem einen Spiel wie z.B. einem "Call of Duty" anders abläuft als zum Beispiel bei einem "Portal" oder "Minecraft". Aber das sind für mich die klassischen Videospiele.
    Also, warum lieber SPIEGEL können solche Spiele nicht eine gewichtige Position in der Gesellschaft einnehmen, aber Serious Games? Warum sind Fernsehen, Radio, Kino, Actionfilme, etc. anerkannt, aber nicht Videospiele, so wie sie nun mal sind? Videospiele in ihrer eigentlichen Form sind doch nicht viel anders als andere Medien?

    Achja, und wegen der Aktualität des Artikels.
    Wenn man sich mal die Argumente in dem Text ansieht, dann hat man das Gefühl, das alles irgendwo schon mal gelesen zu haben. Serious Games sind wichtig, Spiele steigern das Reaktionsvermögen, Bücher wurden ja früher auch verachtet, etc...

    Gut, für uns Gamer bietet der Artikel nichts Neues. Der SPIEGEL ist schließlich ein Magazin, das wöchentlich von Millionen von Lesern gekauft wird, die garantiert nicht alle Videospiele spielen und für die der Inhalt des Artikels vielleicht noch ziemlich neu ist. Von daher ist es eigentlich auch gut und wichtig, dass der SPIEGEL eine Lanze für Videospiele bricht und sie von ihrer positiven Seite zeigt.
    Leider hat aber damit der SPIEGEL für das richtige Ziel den falschen Ansatz gewählt, und sich auf einen kleinen Teil der Videospiele "eingeschossen", um die Gesamtbranche zu "rechtfertigen". Besser wäre es gewesen, wenn sie Videospiele, so wie sie nun mal sind, unter die Lupe genommen und eher die einer breiteren Masse vorgestellt hätte.


    Was denkt Ihr über den Artikel? Habt Ihr ihn gelesen? Ich hoffe, es finden sich genügend Leute für eine Diskussion. :)
     
  2. Seth Caomhin

    Seth Caomhin Baron von Wolfenstein

    Ich würde nicht nur sagen, dass Serious Games nicht nur nicht gerade Platzhirsch sind, sondern obendrein wohl auch noch zu dem Genre mit den geringsten Budget gehört. Zwar gibt es immer wieder gute Ansätze und ab und zu dann auch mal ein gutes Spiel aber ich denke das ganze steckt immer noch in den Kinderschuhen.

    Viel wichtiger wäre eigentlich, Videospiele als gleichwertiges Unterhaltungsmedium zu respektieren und lieber mal den Jugendschutz zu hinterfragen der seit etlichen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten sich selbst mit absurdesten Hypothesen am Leben erhält. Man könnte doch mal eine große Artikelreihe über Videospiele machen, die ganz tolle Inhalte haben. Die Bioshock Reihe, 999 - 9 Hours, 9 Persons, 9 Doors, Starcraft, Last of Us, bekanntes, unbekanntes, experimentelels. Aber nee, man geht diese dämliche Pädagogik-Schiene. Videospiele haben schon vor Jahren zu Musik und Film aufgeschlossen was die Umsätze angeht, ich verstehe gar nicht wieso man sich noch so dagegen stemmt, das auch zu rezipieren.

    Gut, der Spiegel ist da nicht schlecht, wenn ich mir das Online anschaue, dort wird es immer wieder thematisiert (auch wenn ihre Kritiken manchmal absurd schlecht sind aber das ist bei ihren Filmrezensionen genauso).
     
  3. Sol

    Sol Sith Lord aus Leidenschaft Mitarbeiter Premium

    Also ich würde einem Videosiel weder pauschal unterstellen dass es dumm und aggressiv macht noch das Gegenteil, also dass es irgendwie Wunder bei der Intelligenzförderung bewirkt. Unterstreichen würde ich auf alle Fälle dass das Spiel eine gewisse soziale Komponente haben kann. Bei Multiplayer-Games hatte ich mit Kumpels schon sehr viel Spaß, gerade bei dem oft verpönten Call of Duty. Schade nur dass der Multiplayer-Modus mittlerweile immer mehr ins Internet verlagert wird sodass der Real Life-Kumpel immer mehr an Bedeutung verliert.

    Was die Intelligenzförderung betrifft: Ich denke auf die Balance kommt es an. Wenn ich den ganzen Tag an der Konsole oder dem Spiele-PC hocke wird das sicher keinen positiven Einfluss auf meine Entwicklung haben. Wenn man dagegen 1-2 Stunden am Tag zockt, dabei seine schulischen oder beruflichen Verpflichtungen und seine Freunde nicht vernachlässigt, sich öfters alternativ auch mal ein Buch schnappt und im Idealfall dann auch noch regelmäßig Sport betreibt werden Spiele aber zumindest keinen schlechten Einfluss auf die Entwicklung haben.
     
  4. Wonka Third

    Wonka Third (⌐■_■)

    Da schließe ich mich an.
    Auch noch mal ein guter Zeitpunkt, um darauf hin zu weisen, das "Ballerspiele" keinesfalls aggressiv machen, natürlich machen sie auch nicht intelligent.
    Alle Spiele sind reines Unterhaltungsprogramm, das dazu dient, die Leute in ihrer Freizeit zu unterhalten.
    Spiele machen also nicht intelligent, aber auch nicht dumm.
    Bei einigen schnellen Spielen wird nur die Fingerfertigkeit trainiert. ;)
     

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