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Fan-Fiction Star Wars - Freedom Racers

Dieses Thema im Forum "Fan-Filme, Fiction und Art" wurde erstellt von Thommy, 26. Oktober 2014.

  1. Thommy

    Thommy .:|The true anarchist|:.

    Disclaimer:
    Die Marke 'Star Wars', die Fiktion und saemtliche Begriffe, Figuren, Charaktere etc daraus gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse geschrieben und veröffentlicht worden. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor. Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.

    Titel der Geschichte: Freedom Racers
    Rating: Ab 16 Jahren
    Kurzbeschreibung:
    Reva Rathai ist Mechanikerin an Bord der Little Miss, einem muurianischen Transporter. Zusammen mit ihrer Crew nehmen sie an verschiedenen Rennen in der Galaxis Teil, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei stellt die junge Frau allerdings fest, dass sich nicht immer alles nur um den Sieg und das positive an ihrem Leben dreht, sondern dass alles auch seine Schattenseiten hat.

    Prolog - Das Team der Little Miss
    „Reva. Du weißt dass ich gerne mit dir spiele, aber wenn du nicht aufhörst dich zu drücken, dann werde ich dir deinen Hintern versohlen!“
    Die Schwarzhaarige verzog das Gesicht. In dem Casino war es wirklich voll. Das Standartbild von Worlport eben. Die Leuten kamen her, verspielten ihr Geld und gingen, trauriger als zuvor. Besonders gerne wurde Sabbac mit hohen Einsätzen gespielt. Die junge Frau liebte dieses Spiel. Dumm nur, dass sie darin grottenschlecht war. Nachdenklich biss sie in eine Binka-Frucht, von denen sie mehrere ein einem Beutel bei sich trug. Mrhoolook, der Ootoolaner der ihr gegenüber saß, war einer ihrer bevorzugten Partner beim Sabbac. Das Problem war nur, dass seine Geduld sich langsam dem Siedepunkte nährte.

    „Ja gleich äh. Ich überlege.“
    Er sah sie über sein Blatt hinweg ernst an, wobei die grünen Augen die junge Frau musterten. Er sprach in einem derben Basic-Dilaket. Dennoch genügte es, um ihn zu verstehen.

    „Wieso überlegst du? Ich kann in deinem Gesicht absehen, dass du ein schlechtes Blatt hast. Lass mich sehen. Dann haben wir es hinter uns.“
    Der hatte leicht Reden. Er hatte ja auch nicht die letzten 400 Credits in dieser Runde gesetzt. Seufzend sah sie auf ihr Blatt. Das würde wieder Ärger geben. Elrassa mochte es absolut nicht, wenn sie sich zum Glücksspiel hinreißen ließ. Was das anging verstand die Vahla keinen Spaß. Vor allem da sich die 18-Jährige am heutigen Morgen heimlich von Bord der Little Miss geschlichen hatte. Im Augenblick dachte die Averamerin aber eher darüber nach, wie sie mit diesem Schundblatt gewinnen sollte. Mrhoolook nahm einen Schluck aus seinem Glas Wasser und fuhr sich mit der Hand über die bläuliche Haut seines Gesichts.

    „Kann man das nicht als Testspiel gelten lassen?“
    „Du hättest eben nicht wieder all dein Geld wetten müssen!“
    Erschrocken zuckte die junge Frau zusammen, als sich Elrassa an ihre Schulter lehnte. Die Vahla warf einen Blick auf das Sabbac-Blatt und schüttelte den Kopf. Dabei strich sie sich eine ihrer Haarsträhnen aus dem Gesicht. Insgesamt hatte sie drei verschiedene Töne. Schwarz, weiß und braun. Eine Eigenart ihrer Spezies.

    „Wah! Ella! Erschreck mich nicht so. Ich war gerade dabei zu gewinnen!“
    Die Ältere und Mrhoolook musterten das Mädchen gleichermaßen skeptisch, bevor Elrassa in ihre Tasche griff und ein paar Credits hervorholte, die sie dem Ootoolaner auf den Tisch legte.
    „Hier. Das müsste die Schulden decken. Und jetzt komm!“
    Sie zog die 18-Jährige am Arm mit sich. Vor dem Casino machten sie kurz halt. Unschuldig schob sich Reva eine ihrer Früchte in den Mund und bedachte Elrassa.
    „Ich hätte gewonnen!“
    „Mit einer Mäßigung und einem Stern im Blatt? Wohl kaum. Du kannst froh sein, dass Mrohoolook dich gerne abzockt.“
    Sie hasste diesen Ton in ihrer Stimme. Trotzig stemmte die Schwarzhaarige die Arme in die Hüfte und kaute dabei auf ihrem Obst herum.
    „Waff gef dif daf eigentlif an? If bin vollfährif!“
    Die Vahla seufzte.
    „Dann benimm dich nicht immer wie ein Kind. Jetzt komm. Irum wartet schon.“

    Als Reva Elrassa kennen lernte, war sie gerade einmal 8 Jahre alt gewesen. Ihre Eltern waren wichtige Handelsleute, die sich nicht sonderlich viel um ihre Tochter scherten, weshalb sie eines Tages entschloss von zu Hause fortzulaufen, woraufhin sie den Weg mit der Vahla Elrassa und dem Sluissi Irum kreuzte. Elrassa selbst war Irums Mündel gewesen, dass er die Jahre über großgezogen hatte. Für beide Frauen stellte er die Vaterfigur dar. Allerdings würde er sich wohl nicht sonderlich darüber freuen, wenn er über Revas neustes Abenteuer erfuhr. Schon als sie den Aufenthaltsraum ihres Schiffes, der Little Miss betraten, hatte er diesen einschätzenden Blick aufgesetzt.

    „Was hat sie dieses Mal angestellt?“, zischte er ihnen in seinem Sluissi-Dialekt entgegen und schlängelte durch den Raum auf die beiden zu. Mit seinen 1,80 überragte er beide Frauen, womit er besonders auf Reva einschüchternd wirkte.
    „Sie war mal wieder dabei ihr Geld im Sabbac zu verspielen. Unser Glück das Mrhoolook ganz nett ist.“
    Der Sluissi strich sich über seine braune Haut und schüttelte den Kopf, bevor er Reva mit seinen schwarzen Augen musterte.
    „Solltest du nicht im Schiff bleiben?“
    „Eigentlich schon, aber mir war langweilig“, gab sie zu und senkte den Blick. Tadelnd sah er sie an.
    „Wenn dir langweilig ist, dann hättest du die Kühlzellen des Generators säubern können, so wie ich es dir eigentlich schon vor Tagen gesagt habe. Worlport ist kein Ort, um einfach umher zu wandern. Hier gibt es nicht nur nette Leute. Was wäre passiert, wenn wir deine Abwesenheit nicht bemerkt hätten? Dann wären wir ohne dich zum Rennen geflogen.“
    Sie seufzte. Wenn Irum einmal damit anfing sie zu belehren, war es schwierig ihm zu entfliehen, besonders wenn sie gerade unterwegs waren. Der muurianische Transporter war zwar ein kleiner Frachter, aber dennoch lief man sich öfter über den Weg.

    „Tut mir Leid Irum“, stammelte sie. Er sah sie forschend an, ehe er sich Elrassa zuwandte.
    „Wir werden später darüber reden. Ella? Wir werden aufbrechen. Bis nach Malastare dauert es etwas und ich habe es nicht gerne, wenn mir Vydic vorhält, dass wir zu spät kommen!“

    Die Hauptbeschäftigung der Crew bestand darin, Rennen zu fliegen. Sie zogen von Austragungsort zu Austragungsort um an den Wettkämpfen teilzunehmen. Mehrere Teams traten gegeneinander an. Dabei wurde eine bestimmte Strecke abgeflogen, die durch Bojen gekennzeichnet war. Die Regeln waren simpel. Der erste gewann. In der Vergangenheit hatten sie zwar ein paar Rennen gewonnen und waren auch in der Szene bekannt, doch gab es natürlich bessere Flieger, die weitaus bessere Sponsoren hatten. Darunter zählte auch ein Ubese namens Vorthras. Er wurde von einem Ayrou namens Vydic Thrassk gesponsert, der mit vielen Fliegern Verträge unterhielt. Hinter den Kulissen unterhielt Thrassk auch kriminelle Geschäfte. Öfters hatte er Irum und seine Crew darauf angesprochen, für ihn Aufträge zu fliegen. Der Sluissi hatte stets abgelehnt. Dennoch gab es im Augenblick keine Möglichkeit ihm zu entfliehen. Vor einiger Zeit war Reva schwer erkrankt und um die Behandlung zu bezahlen, hatten sie sich bei dem Ayrou Credits geliehen. Bis sie die Summe abgestottert hatten, waren sie gezwungen sich in seiner Nähe aufzuhalten. Deshalb war es auch wichtig, das nächste Rennen im Weltraum um Malastare zu gewinnen. Das Preisgeld betrug dieses Mal 20.000. Ein guter Preis der ihnen helfen würde, weshalb Irum die beiden Frauen stetig dazu anhielt, sich auf den kommenden Wettbewerb vorzubereiten, was allerdings aufgrund von Revas Sprunghaftigkeit nicht immer einfach war.


    Schließlich erreichten sie Malastare nach vier Tagen. Während der Reise hatte Irum Reva Kabinenarrest gegeben. Eine wie er fand angebrachte Strafe, damit sie über ihr Verhalten nachdachte. Als sie endlich im Raumhafen von Pixelito ankamen, war ihre Laune dementsprechend gedrückt. Bereits kurz nach der Landung wurden die drei von Vydic aufgesucht. Er war ein Ayrou mit einer stattlichen Größe von 2 Metern. Statt Haar hatte er leuchtendes Gefieder, dass sich bedrohlich aufstellte, als er auf Irum und die beiden Frauen zuschritt. Mit einer flinken Bewegung seiner klauenartigen Fingern strich er sich seine Robe zurecht. Begleitet wurde er von Arbor, einem großgewachsenen Herglic, der ihm als Leibwächter diente. Das groteske Alien jagte Reva einen Schauer über den Rücken. Sie stand hinter Iram und Elrassa. Sie mochte Thrassk nicht besonders. Der musterte die Neuankömmlinge mit seinen leuchtend roten Augen und legte die Hände ineinander.

    „Ihr seid spät!“
    Finster sah er sie an. Er erinnerte an einen Menschen. Wäre da nicht diese milchig weiße Haut gewesen. Er hatte Züge von einem Vogel an sich, was aber wohl an dem pfauenartigen Gefieder auf seinem Kopf lag. Irum war sogar noch kleiner als er und wirkte beinahe ein wenig kläglich in diesem Kontrast.
    „Wir hatten noch etwas zu erledigen. Ich hoffe wir haben das Rennen nicht verpasst“, gab der Sluissi bissig zurück. Vydic lächelte und bleckte seine gelben Zähne.

    „Nicht doch. Ich habe doch nicht umsonst den Gouverneur bestochen, nur um zu verpassen, wie ihr wieder gegen Vorthras verliert!“
    Zwar hatte das Imperium die Kontrolle über den Planeten, aber dank Vydics Strippen, wurde das Rennen geduldet.

    „Wir werden sehen“, erwiderte Irum langsam. Reva sah den Ayrou böse an. Sie hasste es, wenn er so über sie sprach. Okay. Sie waren nicht das beste Team, aber auch nicht die schlechtesten. Er bemerkte ihren Ausdruck und schob den Sluissi zur Seite. Sein Leibwächter folgte langsam.
    „Ah. Da haben wir doch die kleine Mechanikerin. Wie ich sehe, ist mein Geld gut angelegt worden. Es ist schön zu sehen, wenn meine Freunde bei guter Gesundheit sind!“
    „Ich bin nicht ihre Freundin“, erklärte die 18-Jährige prompt, woraufhin Elrassa sie zurückzog.
    „Reva lass das!“
    Vydic grinste nur.
    „Sie hat ein gesundes Temperament Irum. Pass nur auf, dass sie nicht zu sehr über die Stränge schlägt. Wir sehen uns dann morgen beim Rennen.“
    Damit verließ er die Gruppe. Reva blickte ihm noch einen Augenblick lang nach. Tadelnd wandte sich Irum zu ihr um.

    „Du solltest lernen, wann es besser ist den Mund zu halten Reva. Vydic ist keiner deiner Sabbac-Freunde. Und jetzt Marsch an Bord. Du wirst bis morgen die Kühlzellen reinigen!“
    „Na toll!“
    Trotzig wandte sie sich um und schritt ohne ein weiteres Wort die Rampe ins Schiff hinauf. Elrassa und Irum sahen ihr seufzend nach...
     
  2. Thommy

    Thommy .:|The true anarchist|:.

    Kapitel 1 - Was wir für Leute tun, die wir mögen.
    „Das Schiff ist für das Rennen gut ausgerüstet. Ich denke, dass wir dieses Mal eine gute Chance haben werden!“
    Die Crew saß beim Essen. Irum hatte für alle Ahrisa und Cojayav Flügel gekocht. Dazu gab es eine Schale mit Binka-Früchten, allerdings eher auf Revas Forderung. Elrassa hatte sich dazu etwas arkanische süße Milch besorgt. Reva verzog bei dem Geruch des Alkohols das Gesicht, während sie auf ihrer Frucht herumkaute.
    „Schmeckt das überhaupt?“
    Auch Irum hatte sich etwas von der süßen Milch eingegossen. Es war ihre Art vom harten Tag zu entspannen, bevor morgen der Stress des Rennens auf sie wartete. Außerdem half es, die angespannte Stimmung zu erleichtern.
    „Jeder hat seine Vorlieben. Ich kann auch nicht verstehen, wie du immer nur das süße Zeug in dich hineinstopfen kannst. Das gibt schlechte Zähne. Hier. Probier mal lieber noch etwas von dem Ahrisa!“
    Sie schob der 18-Jährigen die Schale mit dem Essen hin. Reva hatte nichts dagegen, nur manchmal brannte ihr davon die Kehle. Den Nachgeschmack bekam sie auch nicht so leicht weg. Dennoch schob sie sich einen Ballen in den Mund. Sie wollte guten Willen beweisen, nachdem sie sich falsch verhalten hatte. Bedächtig kaute sie. Zusammen mit dem süßen Geschmack im Mund ergab es nicht gerade einen Gaumenschmaus.
    „Bähhh...“
    Sie griff sich das Glas mit der süßen Milch und nahm einen großzügigen Schluck um den Geschmack fortzuspülen. Schnell spie sie das Getränk wieder aus. Irum schüttelte nur den Kopf.
    „Eigentlich dachte ich, du hättest in den Jahren in denen du bei uns bist, ein wenig mehr Tischmanieren gelernt. Süßmilch ist das letzte, mit dem du einen scharfen Ahrisa herunterspülen solltest.“
    Tränen schossen ihr in die Augen.
    „Ich werd's mir merken.“

    Nach dem Essen ging jeder seiner eigenen Arbeit nach. Irum überprüfte gerade ein paar letzte Kalibrierungen im Generatorraum, als Reva durch die Tür kam. Mit einem Hydroschweißer war er gerade dabei, ein paar lose Kabel wieder zusammen zu schweißen. Reva warf einen Blick auf die Verdrahtungen.
    „Guck mal. Der Kolben hat sich hier gelöst!“
    Sie griff nach einem Schraubenschlüssel und machte sich sogleich an die Arbeit. Lächelnd wurde sie von dem Sluissi gemustert.
    „Wenigstens das hast du gelernt. Gut beobachtet. Und danke noch einmal, dass du die Kühlzellen gereinigt hast. Im Rennen hätte das einen Nachteil geben können. Das letzte was wir brauchen, sind durchgeschmorte Teile. Vor allem möchte ich Vydic nicht noch einmal diese Genugtuung eines Sieges geben.“
    Reva musterte ihren Ziehvater und ließ sich im Schneidersitz vor ihm nieder.
    „Meinst du denn, dass wir Vorthras dieses mal schlagen können? Die Raiders Arc ist viel schneller als die Little Miss.“
    Es stimmte. Die HWK-290 des Ubesen war ihrem Schiff in Geschwindigkeit überlegen. Das hatte sie schon im letzten Rennen den Sieg gekostet. Irum schien nicht beunruhigt.
    „Wenn es hart auf hart kommt, entscheidet nicht das Schiff, sondern sein Pilot und Elrassa und du, ihr seid ein gutes Team.“
    Reva verzog das Gesicht.
    „Das bringt aber nichts, wenn wir seinen Staub fressen. Er hat das Schiff gut modifiziert. Die Hülle ist leichter als unsere. Das ganze Durastahl macht die Miss nur langsam und schwerfällig. Wir können keine scharfen Manöver fliegen.“

    Der Sluissi legte sein Schweißgerät zur Seite und strich ihr über den Kopf.

    „Mach dir nicht so viele Gedanken um die Technik. Ich habe ein paar Modifikationen vorgenommen. Ich habe die Schildenergie zusätzlich in den Antrieb geleitet. Das wird uns einen Vorteil verschaffen.“
    Reva legte den Kopf schief.
    „Aber machst du dir gar keine Sorgen? Ich meine, wir müssen doch gewinnen, damit wir endlich aus diesem Geschäft mit Vydic rauskommen. Ich mag es nicht, wie er uns immer herum scheucht. Wir sind nicht seine Sklaven!“
    „Das mag sein Reva, aber wir haben ein Geschäft mit ihm abgeschlossen und müssen nun mal unsere Schulden begleichen.“
    Traurig senkte die Schwarzhaarige den Kopf und stützte das Kinn auf die Faust.
    „Eigentlich ist es meine Schuld. Wäre ich nicht krank geworden, dann hätten du und Elrassa ihn nicht wegen des Geldes fragen müssen.“
    Irum schüttelte den Kopf.
    „Nein. So darfst du nicht denken. Ella und ich haben es getan, weil du zu unserer Familie gehörst. So ist das nun mal: Wenn Menschen die wir lieben in Schwierigkeiten sind, dann tun wir alles um ihnen zu helfen. Das liegt in unserer Natur“, zischte er ihr entgegen. Sie nickte. Ein warmes Gefühl machte sich in ihrer Brust breit. Wenn sie so zurückdachte, dann war Irum der erste, der wirklich nett zu ihr war. Nach ihrer Flucht von zu Hause hatte er sie ohne Vorbehalt bei sich und Elrassa aufgenommen, obwohl er dazu nicht verpflichtet war. Das war etwas, das sie niemals gut machen konnte.
    „Es ist einfach nur unfair. Ich meine, Vydic nutzt die Notlage von anderen aus. Ich hasse ihn.“
    Irum griff in seine Tasche und holte den Stumpen einer corellianischen Zigarre hervor. Mit seinem Schweißgerät entzündete er sie.
    „Wir müssen nun mal damit zurechtkommen, dass solche Individuen wie Vydic in der Galaxis existieren. Wir dürfen uns nicht davon unterkriegen lassen. Das ist wichtig. Wir müssen uns selbst treu bleiben!“

    Noch nach zwei Stunden schwirrten Irums Worte in ihrem Kopf herum. Langsam schritt sie durch den Raumhafen von Pixelito und wusste nicht, wie sie ihre Gedanken ordnen sollte. Inzwischen war die Sonne untergegangen und die Nacht über sie hereingebrochen. Trotzdem herrschte reges Treiben. Sie kam an zwei Arconiern vorbei, die Sabbac spielten. Für einen Moment hielt sie inne, entschied sich dann aber doch dafür, weiterzugehen. Sie hatte Elrassa und Irum versprochen nichts dummes anzustellen. Allerdings galt das nicht für den Entschluss den sie gefasst hatte. Ruhig steuerte sie die Yacht an, die Vydic gehörte. Vorne an der Rampe wurde sie von einem Weequay aufgehalten.
    „Was willst du hier Göre? Verzieh dich!“
    „Ich will zu Vydic!“
    Die Wache beäugte sie skeptisch und zuckte mit den Schultern.
    „Was hat Vydic mit Gören zu schaffen? Hau ab!“
    „Lass Sie.“
    Schon Irum und Vydic mochten groß sein, doch im Gegensatz zu ihnen war Vorthras ein wahrer Hüne. Es wurde still. Nur das rasseln seines Atemgerätes war zu hören, während er die Rampe des Schiffes hinabstieg und Reva begutachtete.
    „Ist es nicht ein wenig spät für Kinder, um auf dem Raumhafen herumzutollen Rathai?“
    Sie verzog das Gesicht und sah ihn finster an. Besser sie gab sich hier keine Blöße. Dennoch war er furchteinflößend. Der Ubese trug eine Kapuzenjacke. Ein Gewehr hatte er geschultert. Im Gesicht trug er eine Maske, die das dahinterliegende verbarg. Ein gruseliger Zeitgenosse.
    „Sehr witzig. Ich wusste gar nicht dass du Vydics neues Kindermädchen bist! Was sagt deine Mama dazu?“
    „Vydic und ich sind Partner. Natürlich verstehst du das mit deinem Kleingeist nicht. Also, kleines Mädchen: Was möchtest du von Vydic?“
    Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Einen Moment lang dachte sie noch einmal darüber nach, ob ihre Idee wirklich so ratsam war. Dann dachte sie an Irum und Elrassa und beschloss, die Sache durchzuziehen.
    „Ich will ihm einen Handel vorschlagen!“
     
  3. Thommy

    Thommy .:|The true anarchist|:.

    Kapitel 2 - Der Deal
    „Generator-Temperatur?“
    „Gecheckt!“
    „Antrieb?“
    „Gecheckt!“
    „Wenn du auf Bacta gestoßen bist, dann sagst du mir Bescheid ja?“
    Erschrocken zog die Schwarzhaarige den Finger aus der Nase und schüttelte sich. Der Tag des Rennens war angebrochen. Letzte Nacht hatte sie kaum Schlaf finden können. Dicke Ränder zeichneten sich unter ihren Augen ab. Auch Elrassa sah nicht sonderlich ausgeruht aus. Der Druck war hoch. Mittlerweile hatten sich alle Teilnehmer im Orbit um den Planeten an der vereinbarten Strecke versammelt. Vor ihnen leuchteten die Bojen auf, die im schwarzen Raum schwebten. Außer ihnen und Vorthras gab es noch 4 andere Teilnehmer. Zwar nicht zu unterschätzen, aber das Hauptaugenmerk der Crew lag eindeutig auf dem Ubeser. Durch das Cockpitfenster konnte Reva die Raiders Arc sehen, die sich wie alle anderen in Position begeben hatte.
    „Was ist los? Seit gestern wirkst du ein wenig durcheinander.“
    Die Vahla musterte ihre Partnerin besorgt. Reva schüttelte den Kopf und setzte ihr bestes Lächeln auf, bevor sie sich eine Binka-Frucht in den Mund schob. Nervennahrung war jetzt das wichtigste.
    „Nee. Ich bin nur ein bisschen nervös.“
    Vor ihnen ging der Ampeldroide in Stellung, der das Startsignal geben würde. Noch ein paar Minuten. Sie zitterte. Die Nervosität stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ein gutes hatte es. Sie hatte das Gespräch mit Vydic irgendwo im Hinterkopf abgelegt und dachte nicht mehr daran. Zumindest im Moment nicht. Sich nicht auf das Rennen zu konzentrieren, wäre ein Fehler. Es ging nicht nur um die 20.000 Credits Preisgeld, sondern auch darum den Leuten zu beweisen, dass ihr Team ernst zu nehmen war.
    „Irum? Hier oben ist soweit alles in Ordnung. Wie sieht es bei dir aus?“, fragte Ella über ihren Kommunikator. Wie üblich antwortete der Sluissi in seinem zischelnden Dialekt.
    „Die Generatoren sind in Ordnung. Jetzt kommt es auf euch an Mädchen. Denkt daran: Keine riskanten Manöver. Und vermeidet es, mit anderen auf zu engen Raum zu stoßen. Ich habe die Schilde komplett auf den Antrieb umgepolt.“
    „Schon klar. Ein Kratzer und wir fliegen in die Luft!“, entkam es Reva seufzend. Elrassa tippte mit den Fingern auf der Steuertafel herum und wartete ab. Die Luft war zum zerreißen gespannt. Plötzlich meldete sich Vorthras über Funk.

    „Ich hoffe bei euch ist alles in Ordnung. Wir wollen doch nicht, dass irgendetwas schief geht.“
    Der hatte ihnen jetzt noch gefehlt. Die beiden Frauen tauschten einander skeptische Blicke aus, bevor sich Ella nach vorne beugte, um zu antworten.
    „Du solltest dir lieber Gedanken um dich selbst machen. Ich hab gehört es soll ein ziemlicher Schock für den zweitplatzierten sein. Nicht jeder verkraftet das.“
    Ein Lachen ertönte vom anderen Ende der Leitung. Dann das typische Rasseln der Atemmaske. Reva war sich sicher, dass dieses Gespräch nur darum drehte, die beiden zu verunsichern. Mehr steckte nicht dahinter.
    „Hochmut kommt vor dem Fall Elrassa. Es ist immerhin ein großer Tag. Da gehen einem schon mal die Nerven durch, besonders wenn so viel auf dem Spiel steht!“
    Die Vahla legte den Kopf schief. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie Vorthras nicht leiden konnte. Das beruhte aber wohl auf Gegenseitigkeit.
    „Sicher doch. Entschuldige mich, aber ich habe hier ein Rennen zu fliegen.“
    Mit einem Knopfdruck war die Unterhaltung beendet. Sogleich meldete sich Irum, der alles über den Kommunikator mitgehört hatte.
    „Was war das?“
    Ella zuckte mit den Schultern.
    „Frag mich was leichteres.“
    Sie sah zu Reva. Die 18-Jährige mühte sich, auf den Weltraum vor ihnen zu starren. Noch immer leuchtete das Licht des Droiden auf rot. Sie zitterte ein wenig.
    „Alles okay? Weißt du was er meint?“
    „Keine Ahnung. Du weißt doch wie das bei den Ubesern ist. Wer weiß was die für Gase durch ihre Maske schnüffeln. Oh- Es geht los!“
    Das Licht des Droiden war auf gelb Gesprungen. Elrassa startete den Antrieb des Schiffes und ging noch einmal die letzten Einzelheiten durch. Reva atmete tief ein. Einen Moment lang sah sie zu ihrer Freundin herüber. Dann schaltete der Droide auf grün.

    Gleich zu Beginn zog die Raiders Arc an ihnen vorbei und erarbeitete sich einen Vorsprung. Die Little Miss folgte als nächstes. Die anderen Teilnehmer versuchten den Anschluss zu halten, fielen aber immer weiter zurück. Innerhalb weniger Sekunden kristallisierte sich heraus, dass dieses Rennen von zwei Schiffen entschieden werden würde.

    „Boje 1 passiert. Volle Schubstärke!“, erklärte Elrassa. Reva nickte und gab die entsprechenden Befehle in die Konsole ein. Die Raiders Arc schwebte wie ein Raubvogel vor ihnen und passierte dabei eine Boje nach der anderen.
    „Noch 10 Klicks bis zum Ziel!“
    Die Little Miss nahm an Geschwindigkeit zu und nährte sich langsam der Führungsspitze. Bis jetzt war noch alles offen. Trotzdem galt es wachsam zu bleiben. Vorthras war nicht umsonst der Favorit unter den Teilnehmern.
    „Scheiße!“, fluchte Ella plötzlich. Reva sah sie fragend an.
    „Was ist los?“
    „Er hat unsere Sensoren blockiert. Sieh mal was du da machen kannst.“
    Das war nicht gut. Im Augenblick musste die Vahla blind fliegen. Der Ubese hatte seine Tricks auf Lager. Fairness war nicht sein Metier. Reva ging die Systeme durch. Nach wenigen Sekunden atmete sie auf.
    „Geschafft.“
    Vorthras Versuch ihnen zu schaden war fehl geschlagen. Dennoch hatte er einen guten Vorsprung und die Little Miss holte nur langsam auf. Der Sieg stand auf Messers Schneide, wenn ihnen nichts einfiel. Die 18-Jährige überlegte, ehe sie damit begann Maßnahmen einzuleiten.
    „Was machst du da?“
    „Ich hab vielleicht ne Idee.“
    Nach wenigen Sekunden war sie fertig und sogleich zeigte sich Wirkung. Die Raiders Arc wurde langsamer. Ella sah perplex durch das Fenster.
    „Was hast du gemacht?“
    „Ein magnetischer Impuls“, erklärte Reva, während das Schiff an der Raiders Arc vorbeizog und in Führung ging.
    „Für kurze Zeit hat er keine Kontrolle. Das verschafft uns ein bisschen Zeit bis -“
    Die Kontrollen flackerten auf. Es ging schnell. Innerhalb weniger Sekunden war das Cockpit in Dunkelheit gehüllt. Fassungslos starrte Elrassa auf die Displays, die keine Reaktion mehr von sich gaben. Just in diesem Moment zog Vorthras Schiff wieder an ihnen vorbei.
    „Er hat es zurück gesendet!“
    Frustriert schlug sie auf die Armatur. Reva senkte den Kopf. Das Schiff gab kein Lebenszeichen von sich. Erst nach einigen Minuten erwachte die Little Miss wieder zum Leben, doch inzwischen war es zu spät. Die anderen Teilnehmer waren allesamt an ihnen vorübergezogen und hatten das Ziel passiert. Sie hatten verloren.

    „Macht euch keine Vorwürfe. Ihr habt euer Bestes gegeben!“, erklärte Irum ihnen mit fürsorglicher Stimme. Seit dem Rennen waren einige Stunden vergangen. Die Little Miss war zum Raumhafen zurückgekehrt und die Crew verdaute ihre Niederlage. Reva saß in der Ecke und tippte auf ihrem Datapad herum. Ihr war jetzt wirklich nicht nach positiver Laune zumute.
    „Es ist meine Schuld. Hätte ich den Impuls nicht ausgesendet, hätte Vorthras ihn nicht gegen uns verwenden können.“
    Elrassa schüttelte den Kopf und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Der süßliche Geruch von Alkohol ging von ihr aus. Sie hatte ihre eigene Methode, um mit dieser Niederlage fertig zu werden. Inzwischen waren ihre Wangen leicht gerötet.
    „Unsinn! Du hast dein bestes versucht. Vorthras ist ein Idiot. Das nächste Mal treten wir ihm in den Arsch!“
    Reva teilte diese Zuversicht nicht. Langsam erhob sie sich von ihrem Stuhl und streckte die Glieder. Fragend sah Irum sie an.
    „Ist alles in Ordnung?“
    „Ja. Ich will nur noch ein wenig an die frische Luft. Ein paar Besorgungen machen!“
    Damit schritt sie in ihr Quartier. Auf dem Bett stand ein Rucksack, in dem sie bereits alles wichtige eingepackt hatte. Das Datapad legte sie auf dem Tisch ab. Ein Seufzer entkam ihrer Kehle. Wehmütig sah sie sich im Raum um. Sie haderte mit sich, bevor sie sich dazu durchrang die Tasche zu nehmen und zu gehen.

    Innerhalb weniger Minuten hatte sie die Yacht von Vydic erreicht, wo sie einmal mehr von dem Weequay Leibwächter aufgehalten wurde, der sie skeptisch musterte.

    „Was willst du dieses Mal?“
    Sie sah ihn emotionslos an. Hinter ihm stieg bereits der Ayrou die Rampe hinab. Beinahe väterlich breitete er die Arme aus und lächelte.
    „Ah. Reva. Wie schön. Es freut mich immer wieder, wenn jemand seinen Teil der Abmachung einhält.“
    Sie nickte nur.
    „Und du hältst dein Wort?“
    „Natürlich. Irum und Elrassa sind nicht länger an ihr Geschäft gebunden. Ich werde ihnen diesbezüglich eine Nachricht schicken. Hast du dich verabschiedet?“
    Sie schüttelte den Kopf. Ihr Herz lag schwer in ihrer Brust. Tränen bildeten sich in ihren Augenwinkeln.
    „Gut. Das hätte zu viele offene Fragen gegeben. Natürlich. Du wirst deine Zeit brauchen, aber sieh es positiv: Du hast das richtige getan. Irum und Elrassa sind nicht mehr an mich gebunden und können wieder frei über ihr Leben verfügen. Das war eine sehr selbstlose Entscheidung.“
    Sie zitterte ein wenig. Der Ayrou nahm sie bei der Schulter.
    „Nun komm. Es gibt eine Menge zu tun!“
     
  4. Thommy

    Thommy .:|The true anarchist|:.

    Kapitel 3 - Verschwunden
    Herzhaft gähnend streckte sich Elrassa, bevor sie sich im Bett aufsetzte. Im Quartier war es fast gänzlich dunkel. Nur die Anzeige der Holo-Uhr spendete etwas Licht. Die Vahla warf einen Blick auf das Display. Für ihren Geschmack eigentlich noch zu früh, aber da sie heute aufbrechen wollten, war es besser wenn sie nicht zu lange schlief. Besonders Reva nutzte diesen Umstand gerne aus. Besser man gab dem keinen Nährboden. Ella erhob sich langsam. Wie jeden Morgen warf sie erst einmal einen Blick in den Spiegel. Mit ihren beinahe 30 Jahren machte sie noch immer eine gute Figur. Es gefiel ihr, wenn sich die Männer nach ihr umdrehten. Nicht dass sie es nötig hätte. Der Gedanke, ansehnlich zu sein sagte ihr zu. Das war einer der Gründe. Zwar behauptete Reva immer, sie würde langsam fett werden, aber davon ließ sich Elrassa nicht unterkriegen. Dennoch warf sie einen prüfenden Blick auf ihren Bauch um sicher zu gehen, bevor sie ihr Quartier verließ und durch den Korridor der Little Miss zum Aufenthaltsraum marschierte.
    Irum war bereits wach und bereitete Frühstück vor.

    „Morgen“, säuselte sie ihm entgegen. Langsam schritt sie zur Anrichte und goss sich eine Tasse Kaf ein. Ein herzhaftes Gähnen ließ sich nicht unterdrücken. Mit einer Handbewegung wischte sie sich den Schlaf aus den Augen. Der erste Schluck ihres Heißgetränks weckte die müden Lebensgeister der Rennfahrerin.
    „Ist Reva noch nicht wach?“
    „Ich wollte sie noch ein wenig schlafen lassen. Gestern war für uns alle schwierig. Außerdem denke ich, dass es ihr im Augenblick nicht so gut geht“, erklärte der Sluissi, der gerade dabei war ein paar Eier zu braten. Ella nickte und ließ sich am Tisch nieder.
    „Ja. Gestern war sie schon etwas seltsam. Ich habe aber nichts gesagt. Vielleicht hat sie sich ja mittlerweile wieder ein wenig beruhigt.“
    Der Sluissi wandte sich zu ihr um und fuhr sich mit der Hand über die Haut.
    „Sie ist ein feinfühliger Mensch. Auch wenn man es ihr nicht ansieht: Sie macht sich um viele Dinge Gedanken.“
    Ella nickte nur und starrte gedankenverloren in den Raum hinein, während Irum damit begann das Frühstück anzurichten. Für Ihn und Ella die Eier. Für Reva hatte er Binka-Früchte vorbereitet.

    „Gestern hat sie gesagt, sie fühlt sich schuldig wegen Vydic“, erklärte er und ließ sich neben der Vahla nieder. Sie sah ihn irritiert an.
    „Wieso?“
    „Wegen ihrer Krankheit. Sie macht sich Vorwürfe, weil wir um ihr zu helfen, den Kredit aufgenommen haben. Ich habe versucht ihr das zu erklären. Ich hoffe sie hat verstanden, dass es uns darum ging, ihr zu helfen.“
    Elrassa seufzte. Leider war das Ganze nicht so einfach. Reva sah die Dinge schon immer ein wenig anders. Als sie krank wurde, hatten die beiden sich geeinigt dass dies die richtige Entscheidung war. Eine Alternative gab es überhaupt nicht. Das Mädchen gehörte zu ihrer Familie. Wenn sie so darüber nachdachte, hatte sie sich nie Gedanken darüber gemacht, wie die 18-Jährige wohl darüber dachte. Klar, sie hatte sich bedankt, aber wer wusste schon, wie es in ihrem Innern aussah?
    „Reva ist nicht einfach. Dieses Leben ist für sie manchmal schwierig. Du kannst es ihr ansehen Irum. Sie lacht und macht ihre Scherze, aber wenn du darauf achtest, kannst du sehen, dass sie ihre kleine Mauer um sich herum aufgebaut hat.“
    Eine bedrückte Stimmung machte sich im Raum breit. Eigentlich mochte sie es nicht, hinter dem Rücken ihrer Freundin so zu reden, aber irgendwie musste sie das einfach loswerden. Ihr Ziehvater nahm einen Schluck Kaf.
    „Kannst du es ihr verdenken? Wirf einen Blick auf die Situation: Was würde ein 8-Jähriges Mädchen dazu veranlassen einfach von zu Hause fortzulaufen? Ihre Familie zu verlassen? Nur ein Kind, das viel Kummer erlebt hat würde eine solche Entscheidung in Betracht ziehen. Du musst dir immer Hinterkopf behalten, dass wir nicht ihre richtige Familie sind. Wir sind Fremde, die sie aufgenommen haben. Natürlich. Sie kennt uns jetzt 10 Jahre, aber kannst du ihr eine gewisse Grundzurückhaltung verübeln? Jeder hat Angst davor, verletzt zu werden. Besonders jemand, der so fragil ist wie unsere Kleine.“
    Grübelnd schob sich Elrassa ein Stück Ei in den Mund. Es stimmte. Reva gab sich zwar taff, wenn es sein musste, aber im Innern war sie noch ein Kind. Diese ganze Welt in der sie lebten, war eigentlich gar nichts für sie. Ein Mensch wie Reva brauchte Liebe und Geborgenheit. Ein richtiges Heim. Das einzige was sie ihr darboten war eine kalte Kabine während sich ihre Aufenthaltsorte ständig änderten. Sie war aufgewachsen ohne ein richtiges zu Hause zu haben. Dieses ganzen Leben, die Rennen und die Frage danach, wie lange sie überhaupt so leben mussten, bis sich etwas änderte. Das war nichts, dass sich jemand wie Reva fragen sollte.

    „Wenn wir unsere Schulden bezahlt haben, dann möchte ich ein richtiges Heim für Sie“, erklärte Irum langsam. Ella nickte und erhob sich von ihrem Platz.
    „Ich werde mal nach ihr sehen. Wir unterhalten uns nachher weiter.“
    Damit schritt sie durch den Korridor der zu Revas Quartier führte. Bedächtig klopfte sie an der Metalltür.
    „Reva? Bist du schon auf? Es gibt Frühstück. Irum hat dir Binka-Früchte besorgt.“
    Keine Antwort. Eigentlich wunderte es sie nicht. Sicher hatte sie erst spät Schlaf gefunden. Wer konnte es ihr auch verübeln, wenn sie sich um solche Dinge Gedanken machte? Die Vahla öffnete die Tür und betrat das Zimmer. Von dem Mädchen war keine Spur. Das Bett sah so aus, als wäre es die Nacht nicht angerührt worden. Auch ihre Sachen waren nicht da.
    „Irum! Komm schnell her“, rief sie. Etwas stimmte nicht. In wenigen Sekunden hatte der Sluissi das Quartier erreicht und warf einen fragenden Blick über ihre Schulter.
    „Was ist?“
    „Reva ist nicht hier. Ihre Sachen sind weg!“
    Sie stürmte in den Raum und sah sich um. Auf dem Tisch erblickte sie ein Datapad. Sofort griff sie danach. Eine Nachricht wurde ihr angezeigt. Von Reva. Langsam und bedächtig las sich Elrassa die Zeilen durch, wobei sie zu zittern begann.
    „Nein.“
    Sie ließ sich auf dem Bett nieder. Wort für Wort wiederholte sie in ihrem Kopf die Nachricht, die sich wie ein Geschwür in ihr Herz fraß:

    'Ella, es tut mir leid. Ich wollte euch nie Probleme machen. Ich habe eine Lösung für das alles gefunden. Ihr seid jetzt frei und nicht mehr auf Vydic angewiesen. Bitte sag Irum, dass es mir leid tut, aber ich glaube, dass es besser so ist. Ich werde euch nie vergessen. Ich liebe euch.

    Reva'

    Es war, als würde ihr Herz auseinandergerissen. Sie ließ das Datapad fallen. Geräuschvoll fiel es auf den Boden. Irum kam ein wenig näher an sie heran und sah sie besorgt an.

    „Ella? Was ist los?“
    Die Vahla hob den Kopf. Tränen liefen ihre Wangen hinab. Es dauerte etwas, bis sie ihre Stimme wieder fand und selbst dann klangen ihre Worte seltsam leer. Als hätten sie keinerlei Bedeutung, da sie es bereits wusste:
    „Sie ist weg Irum. Reva ist weg...“
    Diese Gewissheit hämmerte in ihrem Schädel. Jede Faser ihres Körpers schrie die Worte, die für sie so unglaublich schienen: Reva war fort und sie würde nicht mehr zurück kommen.
     
  5. Thommy

    Thommy .:|The true anarchist|:.

    Kapitel 4 - Der Pakt mit dem Teufel
    Sie erwachte früh. In der vergangenen Nacht konnte sie kaum Schlaf finden. Auf der Yacht war es kalt und Vydics Männer bemühten sich nicht darum, ruhig zu sein, wenn andere schliefen. Der Wachposten vor ihrer Tür hatte die ganze Nacht damit zugebracht den neusten Tratsch mit den anderen Passagieren auszutauschen. Den Sinn einer Überwachung hatte sie ohnehin nicht verstanden. Als könnte sie jetzt noch davon laufen. Nachdenklich sah sie aus dem Fenster ihrer Kabine. Die blauen Ströme des Hyperraums leuchteten ihr entgegen. Niemand hatte etwas darüber gesagt, wohin sie flogen, oder was ihre nächsten Ziele waren. Man behandelte sie wie eine Aussätzige. Die Wärme die sie von der Little Miss gewohnt war, gab es hier nicht. Hier gab es nur Wut und Hass. Die Crew sprach meist in bissigem Ton miteinander, um sich gegenseitig keine Blöße zu geben. All diese Faktoren bestärkten sie umso mehr in ihrer Ansicht: Dieser Ort war die Hölle – und ihr neues zu Hause.
    Sie würde sich nicht umentscheiden. Irum und Elrassa hatten jetzt die Möglichkeit ihr Leben frei zu gestalten. Sie waren frei. Das war wichtig, auch wenn es bedeutete, dass sie diese Freiheit nicht teilen konnte. Es war wie Irum sagte: Es lag in der eigenen Natur jenen zu helfen, die man gern hatte. Er und Elrassa hatten lange genug ihren Preis dafür gezahlt. Jetzt war sie an der Reihe.
    Die junge Frau seufzte und strich die Bettdecke zur Seite. Die Beiden würden es sicher nicht verstehen. Ob sie sie dafür hassten? Immerhin war sie zu Vydic gegangen. Dem Feind, wenn man so wollte. Reva wusste gar nicht, wie sie reagiert hätte, stünde sie an der Stelle ihrer Freunde. Wahrscheinlich wäre sie wütend. Zu Recht. Dennoch war es so besser. Sie sah aus dem Fenster und nickte in sich hinein: Sie hatte das richtige getan.

    Die Tür öffnete sich. Die junge Frau wandte sich zum Eingang und erblickte Vydic. Die roten Augen des Ayrou leuchteten durch die Dunkelheit. In der Hand hielt er zwei Tassen Tee. Hinter ihm stand sein Leibwächter Arbor. Der große Herglic. Reva machte einen Schritt zurück. Die riesenhafte Erscheinung jagte ihr wirklich Angst ein, auch wenn er kleiner war als sein Auftraggeber. Dieser legte den Kopf schief und lächelte.

    „Du musst dich vor ihm nicht fürchten. Arbor mag ein Monster sein, aber er ist von schwachem Geiste. Er wüsste nicht, was er mit dir anstellen sollte, befänden er und du sich alleine in einem Zimmer.“
    Wie gewöhnlich sprach er von oben herab. Als wäre er ein Raubvogel der seine Kreise zog und nur auf den richtigen Moment wartete, um zuzuschlagen. Reva zitterte ein wenig.
    „Ich...ich habe nur noch nie einen Herglic aus dieser Nähe gesehen...das ist alles.“
    Vydic nickte.
    „Arbor? Du kannst gehen. Sag der Crew, dass ich in der nächsten halben Stunde nicht gestört werden will. Vahlu und Heela sollen etwas zu Essen bringen. Ich ziehe es vor, heute mit unserem Neuankömmling zu speisen.“
    Der Leibwächter verließ die Seite seines Meisters ohne ein weiteres Wort zu sagen. Der Ayrou stellte die beiden Tassen auf einem Tisch neben dem Bett ab und deutete Reva sich niederzulassen. Zögernd kam sie seiner Bitte nach. Er nahm auf einem Stuhl Platz und schob eine der beiden Tees zu ihr herüber.
    „Ansonianischer Tee. Vielleicht nicht ganz das, was du gewöhnt bist, aber wie sagt man? Es ist wichtig, sich stets neuen Veränderungen zu öffnen.“
    Sie nahm die Tasse in die Hand.
    „Danke“, presste sie hervor. Sie sah ihn nicht an. Die Situation kam ihr merkwürdig absurd vor.

    Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, öffnete sich die Tür von neuem. Zwei Kallidahin trugen Tabletts mit verschiedenen Speisen in das Quartier und stellten sie auf dem Tisch ab. Sie waren kleine zierliche Wesen. Ihre Gesichter wirkten beinahe geisterhaft. Vydic nahm einen der Beiden an die Hand und zog ihn zu sich.

    „Das ist Vahlu. Die Schüchterne daneben ist Heela. Begrüßt Reva. Sie wird von jetzt an mit uns reisen!“
    Die Beiden sahen zu der 18-Jährigen. Bei näherer Betrachtung fiel ihr auf, dass beide ein elektronisches Armband trugen. Sie waren nicht wie der Rest der Crew. Sklaven im Dienste Vydics.
    „Hallo Lady Reva“, brachte Heela langsam hervor. Sie sah ihren Meister nicht an. Genau wie Arbor. Die Schwarzhaarige musterte die beiden einen Augenblick lang.
    „Sie sind Kallidahin. Eine intelligente Spezies vom Planeten Polis Massa. Einst waren sie nur Einwanderer, aber es gefiel ihnen dort weshalb sie dort blieben. Seltsam, nicht wahr? Man lässt alles was man kennt einfach hinter sich ohne zu wissen, was vor einem liegt.“
    Vahlu und Heela beendeten ihre Arbeit. Als sie mit dem Servieren fertig waren standen sie abwartend nebeneinander vor dem Ayrou.
    „Ihr dürft gehen.“
    Wenig später waren Er und Reva wieder allein. Sie musterte ihn. Das Kopfgefieder wippte langsam hin und her, als er einen Schluck von seinem Tee nahm. Nickend deutete er auf ihre Tasse.
    „Trink. Keine Sorge. Es ist nicht vergiftet. Das wäre wohl kaum eine logische Handlung, nachdem wir beide eine solch profitable Abmachung geschlossen haben, nicht wahr?“

    Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Langsam führte sie die Tasse zu ihrem Mund. Es war sehr süß. Beinahe wie ihre Früchte. Bedrückt senkte sie den Kopf. Irum würde ihr jetzt normalerweise eine Schale Binka-Früchte servieren. Sie schüttelte den Gedanken ab. Es tat nicht gut, daran zu denken. Dennoch gab es viele Fragen, die sich ihr stellten. Dies was eine gute Gelegenheit, um von Vydic ein paar Antworten zu erhalten.
    „Was wird jetzt aus mir? Ich meine äh...ich bin jetzt bei ihnen, aber was bedeutet das genau? Soll ich für sie arbeiten, so wie Vahlu und Heela?“
    Der Ayrou lachte schnatternd. Sein Gefieder tanzte dabei richtig. Er schüttelte den Kopf.
    „Nein nein. Du bist viel wertvoller als ein Sklave Mädchen. Beim Tee Kochen und Essen servieren wären deine Fähigkeiten mehr als nur verschwendet. Du bist eine Co-Pilotin. Dein technisches Verständnis ist deine beste Eigenschaft. Das hat auch Irum immer gesagt. Er hat eine hohe Meinung von dir. Du besitzt viel Potenzial. Nun bist du an dem richtigen Ort um das auch zu fördern. Ich möchte, dass du weiterhin dieser Beschäftigung nachgehst.“
    Fragend sah sie ihn an und nahm einen bissen Brot.
    „Das verstehe ich nicht.“
    Er lächelte süffisant und faltete die Hände vor dem Gesicht ineinander.
    „Du wirst von jetzt an Mitglied der Crew der Raiders Arc sein. Vorthras braucht eine gute Mechanikerin und ich denke, dass du am besten dafür geeignet bist. Er und seine Co-Pilotin sind bereits darüber informiert. Wir werden sie an unserem Zielort treffen.“

    Sie schluckte. Im ersten Moment hoffte sie, er würde scherzen, doch der ernste Ausdruck in seinen Augen zeigte ihr, dass dies nicht der Fall war. Innerlich erschauderte sie. Vorthras? Der schlimmste Konkurrent der Little Miss sollte ihr neuer Captain werden.

    „Ich...sind sie sicher? Ich meine...ich bin doch nur eine einfache Mechanikerin. Mein Wissen wird ihm sicher nicht viel nützen. Ich bin gar nicht mit dem Schiff vertraut. Ich werde eher hinderlich sein, als eine Nutzen bringen.“
    Ihr Einwand klang kläglich. Der Ayrou schüttelte den Kopf und ergriff ihre Hand.
    „Deswegen wirst du ein Teil seiner Crew. Du wirst mit ihm reisen, sein Schiff kennen lernen und an seiner Seite Rennen fliegen. Er ist ein guter Mann und seine Fähigkeiten sind bemerkenswert. Du bist bei ihm gut aufgehoben.“
    Sie schüttelte den Kopf. Trotz wuchs in ihr.
    „Nein. Ich kann hier viel nützlicher sein.“
    Vydics Blick verfinsterte sich.
    „Ich denke, du hast mich falsch verstanden: Das war keine Bitte. Sei dir einer Tatsache immer bewusst: Du gehörst jetzt mir. Was ich für dich als richtig erachte, wirst du tun. Wenn ich zum Beispiel sage, du servierst zusammen mit Vahlu und Heela Essen, dann tust du das auch. Wenn ich sage, du wischst den Dreck von den Latrinen, dann tust du das und wenn ich dir sage, Vorthras wird dein Captain sein, dann ist das so. Verstanden?“
    Sein scharfer Ton sorgte dafür, dass sie zusammenzuckte. Beinahe hätte sie vergessen, was für eine Person Vydic war. Grausam und machthungrig. Er hatte Recht. Sie unterlag seinem Willen und es gab nichts, was sie dagegen tun konnte.
    „Ja.“
    „Gut. Nun, iss. Du wirst deine Kräfte noch brauchen.“
    Damit erhob er sich und verließ das Quartier. Reva blieb zurück. Alles drehte sich in ihrem Kopf. Sie hatte Angst. Was sie nun erwartete lag im Dunkeln. Nur eines war ihr bewusst: Es würde die Hölle sein. Dennoch zauderte sie nicht. Es war für Elrassa und Irum. Nicht anderes war wichtig.
     

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