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Fan-Fiction X-Wing - Leseprobe, derweil noch ohne Titel.

Dieses Thema im Forum "Fan-Filme, Fiction und Art" wurde erstellt von Geist, 15. Februar 2012.

  1. Geist

    Geist greiser Botschafter

    Hmm, tja, joah, schwierig... wo soll ich anfangen? Da ein allzu ausschweifendes Vorwort wohl wenig Sinn macht und wohl vom Lesen eher ab- als anturnt, fasse ich mich kurz: ich bin natürlich langjähriger SW-Fan, Bevorzuger der OT, Liebhaber der Geschichte, als Star Wars noch mehr Krieg der Sterne als Krieg der Jedi und Sith war. Ich habe viele SW-Bücher gelesen, aber nur wenige richtig gut gefunden. Zu jenen zählen jedoch die Werke von Aaron Allston, die ich einfach super finde. Insofern ist mein Lieblings-EU-Thema auch seine X-Wing-Reihe (aber nur seine. Michael Stackpole kann ich gar nicht ab) und schon lange trage ich mich mit dem Gedanken, nach Allstons Vorbild eine würdige Fanfic zu schreiben.

    Lange Rede kurz: Ende 2010 habe ich begonnen, eine entsprechende Geschichte zu entwerfen und auch den Anfang niederzuschreiben. Leider habe ich seit Dezember 2010 nicht mehr dran gearbeitet und es existiert daher bisher nur das erste Kapitel von rund 6000 Wörtern Länge. Damit es aber nicht, wie viele andere Werke davor, sinnlos im Daten-Durcheinander meiner PCs verkümmert, veröffentliche ich dieses erste Kapitel lieber mal und schaue mir an, wie die Reaktionen darauf sind, um abzuwägen, ob sich eine Weiterarbeit an der Geschichte noch auszahlt. Es gilt wie gesagt zu bedenken, dass dies lediglich ein kurzer Anfang ist und sich storytechnisch noch nicht viel tut; mich interessiert eher, ob der Schreibstil passt und die Arbeit meines Vorbildes Allston gut einfängt und auch Spaß am Lesen bereitet, so wie ich Spaß am Lesen seiner Bücher hatte.
    Hui, das ist nun doch ein elends langes Vorwort geworden. Daher nun viel Spaß mit X-Wing: Ohne Titel:



    Gewidmet Aaron Allston, der mit seinen Werken den Rogues und Gespenstern Leben einhauchte und, ohne es zu wissen, zu unserem Flügelmann, Ausbilder und Commander wurde.

    ***


    Durch den Schleier des blauen Himmels schimmerte der gigantische rote Gasriese über der Welt von Yavin IV. Das Bild wechselte sprunghaft zwischen scharf und unscharf, versuchte die verwackelten Bewegungen der Kamera auszugleichen. Ein Ruck ging durch die Aufnahme und der Ausschnitt verschob sich nach links; ein unscharfer, grauer Fleck am Himmel wanderte ins Bild und wurde kurz darauf deutlich erkennbar, als die Kamera darauf fokussierte. Die Aufnahme blieb nun auf diesen Punkt konzentriert und einige Sekunden lang passierte überhaupt nichts; die einzig wahrnehmbare Bewegung ging nur von der unruhig gehaltenen Kamera und unscharfen Schatten an den Rändern aus, welche Silhouetten von vielen Personen im Vordergrund erahnen ließen, die unruhig waren und zum Himmel deuteten. Obwohl die Aufnahme keinen Ton hatte, konnte man die Aufregung in der Szene spüren.
    Dann, völlig unvermittelt, erhellte ein gleißender Blitz das Bild, tauchte alles in weißes Licht; zwei Sekunden später wurde die Aufnahme wieder dunkler und ließ Details erkennen. Die Schatten schienen zu rufen, winkten aufgeregt hin und her und stießen die Fäuste gen Himmel, jubelten über die nun am Himmel abklingende Explosion, in welcher der Todesstern gerade ein feuriges Ende gefunden hatte.
    Lence Tobriss pausierte die Holoprojektion, lehnte sich zurück und seufzte ehrfürchtig.

    Die Moontamer, ein alter, kastenförmiger Frachter, der zum Transport von rund einhundert Passagieren umgebaut worden war, stürzte mit einem charakteristischen Flackern aus dem Hyperraum und drehte sich mit einem täuschend schwerfällig wirkenden Manöver in Richtung des graugefleckten Planeten unter ihr. Tessaloth war, wie Captain Savin still für sich entschied, einer der hässlichsten Brocken von einem Planeten, die er je gesehen hatte.
    Der mondlose Planet lag abgeschieden am äußeren Rand der Expansionsregionen und bot wenig natürliche Rohstoffe, kaum nennenswerte Topographie und keinerlei Bodenschätze, die es sich auszubeuten gelohnt hätte. Im ganzen System war kein intelligentes Leben beheimatet; es war so unwichtig, dass es auf vielen älteren und reduzierten Sternkarten gar nicht benannt war. Es war die schiere Nutzlosigkeit des Systems, die es zu einem perfekten Standort für einen Rebellenstützpunkt machte.
    Der Pilot brachte das Schiff in einen steilen Sinkflug und nach wenigen Minuten vibrierte die Moontamer sanft, als sie in die Atmosphäre des Planeten eintrat. Eine Lampe auf dem Kommpult blinkte und der diensthabende Kommunikationsoffizier öffnete den Kanal. Statt einer Meldung jedoch drangen nur zwei kurze Stöße statischen Rauschens aus den Lautsprechern, dann herrschte Stille. Der Offizier drehte sich in seinem Sitz zu Savin um und sah den Kapitän fragend an. Er nickte knapp und der Offizier ging auf Sendung. Savin trat einen Schritt heran und räusperte sich.
    „Hier Tango-Tango 11-4-3. Kommt ein Mynock zum Gebrauchtfahrzeughändler und verlangt einen Gleiter.“
    Es herrschte einige Sekunden Stille, dann drang eine Antwort aus dem Kommsystem.
    „Hier Gebrauchtfahrzeughändler. Sollen wir ihn Ihnen zustellen?“
    „'Nein danke', sagt der Mynock, 'ich esse ihn gleich hier.'“
    Die trockene Stimme aus dem Komm klang nicht sehr amüsiert. „Den kennen wir schon, Tango-Tango. Kurs beibehalten.“
    Savin lächelte. Bei der imperialen Marine wäre ein so kindischer Code nahezu undenkbar gewesen, auch wenn es um Geheimhaltung ging. Dies war eines von vielen Dingen, die er an der Rebellion so mochte. Und die ihm seinen Entschluss leicht gemacht hatten, unter Einsatz seines Lebens Anhänger und neue Rekruten zu Rebellenstützpunkten zu schmuggeln.

    Der Moontamer war ein Hangar an der Nordseite der Basis zugewiesen worden. Da die Atmosphäre auf Tessaloth den menschlichen Standards genügte, war das Magnetdämmfeld des Hangartors nicht aktiviert; Lence hörte also nicht das vertraute charakteristische Platschen, das er davon gewohnt war, dass ein Schiff zuhause ankam. Er sah sich um, als sich unter den anderen Rekruten und Rebellen allmählich Geschäftigkeit ausbreitete. Wenige Minuten später hatte das Schiff am Boden aufgesetzt und die Triebwerke heruntergefahren. Der Kapitän sah vom Bugraum aus zu, wie die Crew die Passagiere zum Ausgang scheuchte. Lence schulterte seine Tasche und folgte den anderen von Bord.
    Der Hangar war groß und geräumig, bot Platz für mindestens zwei volle Jägerstaffeln. Im Augenblick jedoch waren, die Moontamer eingeschlossen, nur vier Schiffe in dem Raum untergebracht; außer dem Frachter standen am Rand noch zwei X-Wings, die reichlich mitgenommen aussahen, und ein Stück entfernt in der Ecke hing ein Y-Wing schief in der Luft. Eines der beiden Triebwerke, die dem Schiff sein namensgebendes Aussehen verliehen, fehlte; verdrehte und verzerrte Metallstreben vermittelten den Eindruck, dass eine gewaltige Kraft den Teil des Fahrzeugs einfach abgerissen hatte. Eine Handvoll Mechaniker standen um den Bomber herum und schienen ratlos zu sein, wo sie anfangen sollten.
    Lence drehte sich um, als ihn jemand an der Schulter stieß. Eine junge Frau mit einem buschigen Pferdeschwanz und einem optimistischen Lächeln, als ob sie demnächst das ganze Universum beherrschen würde, hatte ihn mit ihrer Tasche erwischt, als sie sie schultern wollte.
    „Hoppsala, tschuldigung!“, strahlte sie und bahnte sich ihren Weg durch die Menge nach vorn. Lence sah ihr nicht nach, hörte aber weitere fröhliche Entschuldigungen aus der Richtung, in die sie aufgebrochen war.
    Schließlich hatten alle den Frachter verlassen und standen in einer Formation, die man als lose geordneten Kreis beschreiben konnte, an der Südwand des Hangars. In der Mitte, wie ein Stern im Zentrum eines Sonnensystems, hatte sich ein Mann aufgebaut; er wirkte kräftig und kompakt und obwohl er, wie Lence schätzte, einen halben Kopf kleiner war als er, machte seine Statur den Eindruck, als könnte er einen Devaronianer in zwei Stücke reißen, wenn es die Situation erforderte. Der Mann trug eine dünne Brille und seinen Kopf zierte stoppeliges, graues Haar in einem Kranz rund um einen kahlen Fleck. Sein Gesichtsausdruck wirkte finster und streng; Lence stellte sich vor, dass dieser Mann gut darin war, jungen Rekruten einen Schrecken einzujagen und von dieser Eigenschaft auch gerne Gebrauch machte.
    „Mein Name“, begann er mit einer etwas raspelnden, tiefen Stimme, „ist Collington Trasper. Ich bin Colonel des Sternjäger-Kommandos der Allianz und für diejenigen von Ihnen, die zum Fliegen hergekommen sind, in den nächsten Wochen Ihr Ansprechpartner. Wieviele sind das?“
    Rund dreißig Leute, Lence eingeschlossen, hoben die Hand. Auf der anderen Seite des Ringes erkannte er unter ihnen auch den tollpatschigen Pferdeschwanz von vorhin.
    „Sehr gut“, sagte Trasper. „Wieviele von Ihnen haben bereits Jäger-Erfahrung?“
    Einige Hände sanken.
    „Nicht so gut.“ Trasper nickte kräftig. „Dennoch soll einer raschen Ausbildung für Sie nichts im Wege stehen. Doch bevor wir uns darum kümmern, möchte ich wissen, ob alle da sind. Wir haben eine Liste mit Namen erhalten, von denen ich hoffe, dass Sie alle darauf stehen. Denn wenn nicht, sind wir gezwungen, Sie festzunehmen und wahrscheinlich zu erschießen.“
    Einige im Kreis lachten, aber das Gelächter erstarb, als sie Traspers Miene sahen. Der Colonel schien nicht der Meinung zu sein, einen Witz gemacht zu haben. Er holte ein Datapad hervor und räusperte sich. Die Verlesung der Namen erfolgte ohne Zwischenfälle und, wie Lence erleichtert bemerkte, ohne dass jemand erschossen wurde. Insgesamt hatte das Schiff siebenundvierzig Personen mitgebracht; achtundzwanzig davon waren hier, um sich als Jägerpiloten zu bewerben, die restlichen Ankömmlinge setzten sich hauptsächlich aus Mechanikern, Infanteristen, Navigatoren und zwei finster dreinschauenden Bothanern zusammen, von denen gemunkelt wurde, dass es sich bei ihnen um hochrangige Spione der Allianz handelte. Trasper schien zufrieden zu sein und wechselte leise ein paar Worte mit Captain Savin, ehe er sich wieder den Rekruten zuwandte.
    „Nachdem wir vollständig sind, wollen wir uns nicht lange aufhalten. Die Tage auf Tessaloth sind kurz, was bedeutet, dass wir in ständiger Eile sind und Sie nur wenig schlafen werden. Besser, Sie gewöhnen sich bald daran.
    Sie werden im Folgenden auf drei Gruppen aufgeteilt. Die Gruppe Sternjäger – das sind diejenigen, die Piloten oder Mechaniker werden wollen – werden sich im Anschluss bei meinem Stellvertreter, Commander Repness, melden.“ Bei diesen Worten deutete er an seine Seite, an der ein wachsam blickender Mann mittleren Alters in der orangen Fliegermontur der Allianz hervortrat. Er salutierte den Rekruten zu.
    „Die Gruppe Schiffscrew besteht aus Navigatoren, Soldaten und all den anderen, welche an Bord eines größeren Schiffes ihren Dienst versehen wollen. Sie verlassen den Hangar durch die große Tür und melden sich am Ende des linken Ganges bei Colonel Tungpar.
    Alle diejenigen, die dann noch übrig bleiben, gehören der Gruppe Irgendwas an und bleiben gleich hier bei mir, sofern es keine gesonderten Befehle gibt.“ Sein Blick fiel auf das Bothan-Päärchen, dann sah er wieder auf sein Datapad und anschließend zu den Rekruten. „Das wäre soweit alles von mir. Ich hoffe, dass Sie sich Mühe geben und zu einer Bereicherung für unseren Stützpunkt werden. Willkommen bei der Rebellion.“

    „Ich bin Atton Repness, Commander der Luft- und Raumstreitkräfte der Allianz, Träger des Nebelabzeichens und Top-Schütze des Tessaloth-Stützpunkts.“ Repness blickte in die Runde und sein Gesichtsausdruck deutete an, dass er den Anwesenden eine unheimlich beeindruckende Mitteilung gemacht hätte.
    Die 'Gruppe Sternjäger', wie Trasper sie genannt hatte, war mittlerweile in einem typischen Besprechungsraum für Militäreinsätze versammelt; Repness hatte zunächst noch auf den Colonel warten wollen, sich aber nach wenigen Minuten offenbar entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und mit einer Vorstellung seiner Person zu beginnen, von der er zu hoffen schien, dass sie ebenso eindrucksvoll wirkte wie die seines Vorgesetzten. Lence bemerkte die Blicke, die einige der Rekruten austauschten; anscheinend verfehlten die Worte des Commanders ihre Wirkung.
    „Meine Aufgabe ist es, Ihre Qualitifikationen festzustellen und Ihre Fertigkeiten einzuschätzen. Dies soll es uns erleichtern, Sie Ihren zukünftigen Staffeln zuzuteilen – sofern es soweit kommt.“ Er ließ einen kühlen Blick durch den Raum wandern. „Ich gebe Ihnen einen Rat: nehmen Sie die Ausbildung hier nicht auf die leichte Schulter. Sie wurden in einer Vorauswahl wert befunden, sich hier zu versuchen. Aber das bedeutet nicht, dass Sie es schon geschafft haben. Der Kampf gegen das Imperium ist eine ehrenwerte, doch harte Aufgabe, die einen hohen Verschleiß an Material und Personal nach sich zieht. Sie müssen die Besten der Besten sein, wenn Sie an diesem Kampf teilnehmen und ihn überleben wollen.“ Repness schwieg und unter den Anwesenden kam Gemurmel auf. Er wartete eine Minute ab, bis er schließlich die Hand hob und zur Ruhe gemahnte.
    „Also dann. Sie sind zur Zeit achtundzwanzig Personen und wir hoffen, dass sich genug von Ihnen beweisen, damit wir zwei volle Jägerstaffeln aufstellen können. Sollte dem nicht so sein... nun, dieser Stützpunkt beherbergt genügend Ausbildungspersonal, inklusive meiner Wenigkeit, um eventuelle Restplätze zu besetzen.“ Er straffte sich. „Aber dies ist alles Zukunftsmusik. In den kommenden Wochen kommen Sie nicht einmal in die Nähe eines flugfähigen Jägers. Dafür werden Sie mehr Zeit im Simulator verbringen als irgendwo anders, um uns zu zeigen, was Sie draufhaben. Also legen wir los.“

    Zwei Stunden später waren Lence und die anderen Piloten in Rotten zu je vier Piloten eingeteilt, welche den Nachmittag damit verbrachten, abwechselnd den Simulatorraum zu besetzen. Lence und seine Gruppe – laut Anweisungen hatten sie noch eine halbe Stunde, bis sie an der Reihe waren – überbrückten die Wartezeit in der Mechanikerlounge. Ihnen war zu verstehen gegeben worden, dass sie bis zur Absolvierung der ersten Simulation nicht in der Pilotenlounge willkommen wären. Lence vermutete, dass Repness auf diese Art vermeiden wollte, dass diejenigen, welche die Übung gemacht hatten, Missionsdetails an die anderen weitergaben.
    Seine Fluggruppe war buntgemischt. Lence war zwanzig Jahre alt und außer ihm saß noch ein Mensch am Tisch, der sich als Bass Lanecca von Thyferra vorgestellt hatte. Er wirkte einige Jahre älter als Lence und hatte lockiges, rotes Haar mit einem dazu passenden Spitzbart unter dem Kinn. Sein ovales Gesicht wurde bei jeder Gelegenheit von einem Lächeln geteilt, das eine Spur zu diabolisch wirkte, um wirklich freundlich zu sein.
    Die anderen beiden Mitglieder waren ein Rodianer namens Talbanaba Keelu – eine Rodianer-Dame, wie Lence vermutete, aber sich nicht nachzufragen traute – und ein Weequay, der sich selbst nur Weequay nannte.
    „... kommt dieser Imp-Offizier schließlich doch noch an Bord und sieht sich überall um. Inspiziert das Ladedeck und fragt dauernd nach, ob wir was zu verzollen hätten.“ Bass schilderte gerade eine Schmuggelgeschichte aus seiner Heimat, von denen er einige auf Lager zu haben schien. Er untermalte seine Erzählung mit schwungvollen Gesten. „Steckt sogar den Kopf ins Schmuggelabteil. Findet aber natürlich nichts, weil ja alles unter Deck verstaut war. Auf jeden Fall“, ein charakteristisches Grinsen stahl sich in sein Gesicht, „dachten wir schon, wir hätten's überstanden und könnten gleich weiter. Der Imp will sich gerade vom Gleiter schwingen, da stutzt er und dreht sich nochmal um. Natürlich fällt sein Blick doch noch auf die Bodenplatten und er kniet sich hin, um die Abdeckung aufzuheben. Ich bin wie erstarrt dagesessen, dachte, jetzt ist alles aus. Aber Dora – das war unsere alte Fahrerin – gibt nicht so leicht auf. Kaum hat der Offizier die Hand am Deckel, fährt sie die Maschinen hoch und wir jagen davon, den Imp wie einen Fahnenwimpel hinterherziehend.“ Lanecca wedelte mit der Hand, um die wellenförmige Bewegung zu demonstrieren. Die anderen lachten. „Zum Glück hat er nicht lange durchgehalten. Die Flucht hätte mich beinahe meinen Fuß gekostet.“
    Talbanaba legte seinen oder ihren Kopf schief. „Hat er noch auf dich geschossen?“
    Laneccas Blick wurde verträumt. „Oh nein. Aber ich musste ihm solange auf die Hand treten, bis er losließ.“
    Der Rodianer schnaubte und auch der Weequay, der eher ein stiller Zeitgenosse zu sein schien, wirkte amüsiert. Bass schmunzelte und sah die anderen erwartungsvoll an. „Tja, so sieht's bei mir aus. Als passionierter Bacta-Schmuggler hatte ich schon immer einen Hang dazu, der Obrigkeit eins auszuwischen. Letzten Endes war es klar, dass ich irgendwann bei der Rebellion enden würde. Wie steht's mit euch? Warum seid ihr hier?“ Er drehte sich zu Lence. „Dein Name war Tobriss, oder? So wie der Wein, nicht wahr?“
    Lence nickte. Von Chandrila stammte ein beliebter Wein, der den gleichen Namen trug. „Ich war die letzten zwei Jahre Pilot bei den Sicherheitskräften einer Zollstation im Outer Rim. Dort habe ich eine Rasierklinge geflogen.“
    Bass pfiff anerkennend, der Weequay lehnte sich näher heran und sprach mit einer tiefen, überraschend melodischen Stimme: „Eine Rasierklinge? Was ist das?“
    Der Rodianer antwortete vor Lence. „Du sprichst von einem Jäger der Razor-Klasse, nicht wahr? Diese Dinger mit den schwachen Schilden?“
    Lence nickte. „Genau die. Ein Sternjäger von mittlerer Qualität, billig und einfach zu bauen. Die Schilde sind für seine Größe wirklich etwas schwach und ich wurde deshalb mal fast abgeschossen. Aber zum Glück ist das Ding recht schnell und wie ihr seht, bin ich davongekommen.“
    „Und wie hat es dich dann zu den Rebellen verschlagen?“, fragte Bass.
    Lence zuckte die Schultern. „Eigentlich durch Zufall. Eines Tages wurden wir von Piraten angegriffen. Das war nichts Ungewöhnliches, eigentlich passierte es alle paar Monate mal. Aber bei denen wussten wir sofort, dass wir keine Chance hatten. Die waren einfach in der Überzahl. Gegen unsere Jäger hatten sie einen ganzen Haufen Y-Wings und Headhunter, zusammengestohlen aus der ganzen Galaxis, vermute ich mal. Und dann noch eine Fregatte und zwei Kanonenboote. Wir wären geliefert gewesen, wenn nicht im letzten Moment eine Kampfgruppe der Allianz unseren Notruf empfangen hätte und ins System eingesprungen wäre. Der langen Rede kurzer Sinn, die Piraten wurden in die Flucht geschlagen, die Allianz hatte ein Kanonenboot erbeutet und war vom Sicherheitsdienst so beeindruckt, dass sie unseren Piloten anbot, ihrer Gruppe beizutreten. Ich denke, die anderen wollten sich aus der Angelegenheit raushalten. Aber ich wollte mit ihnen, also haben sie mich mitgenommen und zum nächsten Rekrutierungscenter gebracht.“ Er trank einen Schluck. „So erhielt ich die Chance, meine politischen Ideale zu verfolgen. Außerdem war der Sold auf der Station verdammt mies.“
     
  2. Geist

    Geist greiser Botschafter

    Die anderen nickten, und auch die Rodianerin erzählte von ihren Vergangenheit. Wie Lence im Laufe der Geschichte mitbekam, handelte es sich tatsächlich um eine Frau. Ihr Hintergrund war anders, als man es sich bei einem Vertreter ihrer Spezies wohl ausgemalt hätte; sie war nicht als Schmugglerin oder gar Sklavin aufgewachsen, sondern war jahrelang Fluglehrerin in ihrer Heimat gewesen. Eines Tages hatte das Imperium vor ihrer Tür gestanden und sie wegen Hochverrats festgenommen. Wie sich herausstellte, hatte sie, ohne es zu merken, in ihrer letzten Klasse einen ganzen Jahrgang ausgebildet, der ausschließlich aus Rebellen-Piloten bestand. Der Imperiale Geheimdienst hatte davon Wind bekommen und Talbanaba in eine Strafkolonie nach Kessel überführen wollen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatten sich ihre Fähigkeiten als Ausbildnerin jedoch bezahlt gemacht, denn in einem Akt der Dankbarkeit war der Gefangenenkonvoi der Imperialen von Keelus rebellischen Absolventen überfallen und die ehemalige Lehrerin befreit worden. Auf der Flucht vor dem Imperium und mit anerkanntem fliegerischen Können war der Eintritt ins Sternjäger-Kommando, meinte sie, nur eine Frage der Zeit gewesen.
    Der Weequay kam nicht dazu, seine Geschichte zu erzählen. Gerade hatten ihn Lence und die beiden mit Fragen bombardiert und sahen ihn nun erwartungsvoll an, da klingelten fast zeitgleich ihre Datapads schrill auf. Sie packten die Geräte aus und warfen einen Blick darauf. Es war die Nachricht, dass sie in fünf Minuten an der Reihe waren. Bass stand auf und ließ ein paar Credits klirrend auf den Tisch fallen.
    „Sieht so aus, als wäre die Zeit gekommen, uns zu beweisen, meine Dame und Herren. Wollen wir?“

    Commander Repness wartete bereits im Simulatorraum auf sie. Er nickte ihnen knapp zu.
    „Für die heutige Übung werden Sie im Einsatz als eine von zwei Rotten fliegen.“ Er warf einen Blick auf sein Datapad. „Ihre Rotte trägt die Bezeichnung Gruppe Silber. Ihre Führung übernimmt Mister Lanecca, Silber Eins. Nummer Zwei, sein Flügelmann, wird Mister Rahm sein.“
    Talbanaba und die beiden Menschen tauschten einen verwirrten Blick, bis sie begriffen, dass der Weequay gemeint sein musste. Er warf ihnen einen fast entschuldigenden Blick zu. „In meiner Kultur sind Namen nicht sehr bedeutsam. Ich habe diesen nur angenommen, um für die Mitglieder der Allianz identifizierbar zu sein. Persönlich würde ich es bevorzugen, wenn ihr mich einfach Weequay nennt.“
    Bass nickte begeistert. „Weequay, der Weequay. Alles klar.“
    Repness räusperte sich und sah sie tadelnd an. „Können wir weitermachen? Ja? Sehr schön. Also, Nummer Zwei, Mister Rahm... oder Weequay, wie Sie wollen... fliegt als Flügelmann von Eins. Silber Nummer Drei ist Miss Keelu. Ihr Flügelmann, Silber Vier, wird Mister Tobriss sein.“
    Tabanaba sah Repness neugierig an. „Wer wird die andere Gruppe sein, mit der wir fliegen?“
    Repness schaute sie an, als überlege er, ob die Antwort sie etwas anginge. Dann schüttelte er den Kopf. „Die Missionsparameter sehen vor, dass Sie zu Beginn der Mission nicht informiert sind, mit wem Sie fliegen werden. Dies hat durchaus praktische Gründe. Oft kommt es vor, dass die Fluggruppen in Notfällen rasch ausrücken müssen, ohne dass genau bekannt gegeben wird, wer am Einsatz beteiligt ist. Diese Übung soll Ihnen dabei helfen, sich auf solche Umstände einzustellen und dennoch eine brauchbare Teamleistung zu erzielen.“ Der Commander sah noch einmal auf sein Datapad, doch Lence hatte den Verdacht, dass diese Geste nur bezweckte, Zeit zu gewinnen. „Ich kann Ihnen jedoch verraten, dass die andere Gruppe ebenfalls aus Neuankömmlingen von der Moontamer besteht. Beide Rotten haben also gleichermaßen Chancen darauf, Mist zu bauen.“
    „Na wundervoll“, meinte Bass stirnrunzelnd. „Nicht geht über eine motivierende Ansprache. Können wir loslegen?“
    Repness nickte. „Sie sind eigentlich schon überfällig. Geben Sie Ihr Bestes.“
    „Gruppe Silber meldet sich zum Dienst, Sir.“ Bass salutierte schneidig und die anderen taten es ihm gleich. Repness nickte und erwiderte die Ehrenbezeigung. Dann scheuchte er die Piloten mit einer ungeduldigen Geste fort, zu den Simulatorcockpits.

    Bass saß im Cockpit und schnallte sich an. Er war mit X-Wing-Jägern bereits aus früheren Simulationen im Rekrutierungscenter vertraut und fand sich bei den Kontrollen daher gleich zurecht. Er startete die Systeme und die Armaturen erwachten zu blinkendem Leben. Die dunkle Scheibe vor ihm wurde langsam hell und zeigte ihm einen einen geräumigen Hangar, dessen offenes Tor zu einem sonnigen Dschungel hinaus zeigte. Die Szenerie kam ihm vage vertraut vor, doch er konnte sie nicht auf Anhieb einordnen.
    Er warf einen Blick auf den Diagnoseschirm und nickte zufrieden. Er öffnete den Kommkanal und hoffte, dass die anderen Mitglieder seiner Gruppe bereits ihre Geräte hochgefahren hatten.
    „Hier Silber Eins. Vier Maschinen grün und bei optimaler Leistung. Alle Einheiten, Statusmeldung.“
    Sein Flügelmann meldete sich augenblicklich. „Silber Zwei. Alle Systeme bereit.“
    „Silber Drei hier. Sieht gut aus.“
    „Silber Vier, alles grün. Bereit zum Loslegen.“
    Bass nickte und konzentrierte sich auf die Anzeige, als sein Astromech – sein simulierter Astromech, wie er sich in Erinnerung rief – ihm eine Statusmeldung durchgab. Außerhalb des Hangars näherte sich eine Reihe von roten Punkten auf dem Radar.
    „Gruppe Silber, wir haben bereits Feinde am Schirm. Ich würde sagen, wir heben ab und heißen sie willkommen.“
    Er wartete auf alle drei Bestätigungen, dann aktivierte er seine Triebwerke und schob seine Maschine langsam Richtung Hangartor. Es knackte im Komm, dann hörte er eine Frauenstimme, die er nicht kannte.
    „Purpur Eins an Silber-Führer. Schön, dass Sie auch schon da sind.“
    Das musste die andere Gruppe sein, die mit ihnen fliegen würde. „Hier Silber Eins. Wir dachten, wir lassen Sie mal entspannt vorausfliegen und die Lage sondieren, Purpur-Führer. Wir sind eigentlich nur das Aufräumkommando.“
    Ein amüsiertes Schnauben drang aus den Lautsprechern. „Zu freundlich, Eins. Keine Sorge, wir passen schon auf Sie auf.“
    Bass hatte mittlerweile den Hangar verlassen und stieg rasch über die Baumwipfel nach oben. „Dankeschön, Purpur Eins. Wir wissen jede noch so geringe Hilfe zu schätzen. Silber-Gruppe, Flügel in Angriffsposition.“
    Als Bass seine S-Flügel zur namensgebenden Form des X-Flüglers geöffnet hatte, war Weequay bereits an seine Seite aufgeschlossen. Am Radar erkannte er, dass Drei und Vier ebenfalls gerade den Hangar verlassen hatten und sich nun rasch ihrer Position näherten. Ein Stück weiter östlich entdeckte er vier grüne Punkte am Radar, bei denen es sich um die Purpur-Rotte handeln musste. Er drehte die Nase seines Jägers in ihre Richtung und mit einem Mal erkannte er die Welt, auf der sie sich befanden. Es war Yavin IV. Er schaltete den Kommkanal auf die eigene Staffelfrequenz um, unter der er nur seine Gruppe erreichen sollte.
    „Das da oben ist der Gasriese Yavin, Silberne. Erkennt jemand die Mission?“
    „Führer, Vier. Wir sind von der Yavin-Basis gestartet und da kommen eine Menge Imps auf uns zu. Ich zähle viele TIEs und einige Landungsboote auf meinem Schirm. Ich schätze, wir sind in der Evakuierung von Yavin IV gelandet.“
    „Hier Eins. Das sehe ich auch so. Du hast dir am Herflug doch die ganze Zeit dieses Todesstern-Holo angesehen, sicherlich weißt du über die Evakuierung Bescheid. Hast du irgendwelche Tipps für uns, worauf wir achten sollten?“
    „Nichts Besonderes, Eins. Wenn die Mission historisch korrekt ist, dann werden ihre Jäger reinkommen, um uns vom Himmel zu kratzen; die Angriffsfähren werden dann versuchen, die Transporter an der Flucht zu hindern. Wir sollten also darauf achten, den Start dieser Schiffe zu sichern. Und gegen Ende werden wohl ein paar Kampfläufer abgesetzt werden, um auszulöschen, was dann noch am Boden ist.“
    Bass nickte. Die Einschätzung von Tobriss hörte sich realistisch an; imperiale Standard-Taktiken, um eine Evakuierung zu verhindern und den Feinden den Fluchtweg abzuschneiden. Außerdem ermutigte es ihn, dass er als momentaner Gruppenführer offenbar einen seiner Kollegen gleich richtig eingeschätzt hatte.
    „In Ordnung, Vier. Vielen Dank für den Hinweis.“ Er schaltete auf die allgemeine Frequenz. „Silber Eins hier. Hergehört, Purpur- und Silber-Gruppe. Unsere Frachter sind noch am Boden und die Imps werden wohl wollen, dass das so bleibt. Also teilen wir uns auf und versuchen, den Schiffen Rückendeckung zu geben, bis sie die Kampfzone verlassen.“
    „Hier Purpur Eins. Bestätige, Silber-Führer. Allerdings ist das eher ein Job für euch Flitzkisten. Wir werden uns wohl so bald wie möglich auf die Angriffsfähren stürzen.“
    Bass sah noch einmal auf sein Display und rief die Daten über die Purpur-Gruppe auf. Er knirschte mit den Zähnen. In seinem Eifer über die taktischen Überlegungen hatte er nicht mitbekommen, dass die andere Rotte aus vier Y-Wings bestand – robuste Bomber, welche für kleinere Schiffe wie diese Angriffsfähren durchaus gefährlich waren, aber in Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit nicht mit ihren X-Wings mithalten konnten, und schon gar nicht mit TIE-Jägern.
    „Planänderung, Purpur. Wir passen auf die Frachter auf und schießen soviele TIEs ab, wie wir kriegen können, bis die Angriffsfähren da sind. Dann eskortieren euch Silber Drei und Vier, während ihr sie vom Himmel pustet. Aufräumkommando Ende.“
    Er hörte Bestätigungen von seiner und der anderen Gruppe und dann musste er die taktischen Überlegungen einstellen, denn die imperialen Jäger waren auf Schussweite heran. Eine volle Staffel TIE-Jäger hielt auf einen Frachter zu, der ganz in der Nähe seinen Start vorbereitete.
    „Silber-Gruppe, ausschwärmen. Holt sie euch.“
     
  3. Geist

    Geist greiser Botschafter

    Lence drehte nach Osten ab, folgte Tabanaba dicht an ihrem Flügel. Die TIE-Staffel würde in wenigen Augenblicken den Frachter erreichen; die feindlichen Jäger kamen von Süden herein und hatten ihrer Gruppe somit ihre Seite zugewandt. Er sah, wie die Rodianerin das Feuer eröffnete; eine Sekunde später hatte er auch sein Ziel bestimmt und betätigte den Abzug. Die TIEs waren siebzehnhundert Meter entfernt, eine fast optimale Schussweite; dennoch zuckten die roten Strahlen seiner Laser nur harmlos zwischen den Schiffen hindurch, ohne Schaden anzurichten. Die TIE-Staffel löste die geordnete Formation auf und acht hielten weiter auf den Frachter zu, während vier Maschinen wendeten und nun frontal auf sie zurasten. Lence korrigierte seine Route, brachte sich in eine gerade Schusslinie mit einem der Feinde. Noch bevor er seinen Abzug betätigte, hatte der TIE das Feuer eröffnet. Lence schickte ihm drei Schüsse entgegen, bevor er seinen Jäger ein Stück zur Seite riss, um dem feindlichen Feuer zu entgehen. Dann war der TIE auf seiner Höhe und raste mit atemberaubender Geschwindigkeit an ihm vorbei.
    „Ch'tka! Die sind ganz schön flink“, fluchte Tabanaba. Lence sah, dass ihr Ziel sie auch unbeschädigt passiert hatte, und die beiden TIEs hatten schon fast wieder eine Kehre vollendet, um sich hinter ihre X-Flügler zu bringen. Lence drückte den Steuerknüppel nach unten und hielt auf die Baumwipfel zu. Gleichzeitig reduzierte er seinen Schub auf ein Drittel; ein einfaches Manöver, um Verfolger über das eigene Schiff hinausschießen zu lassen, wenn diese es nicht rechtzeitig kopierten. Doch der TIE passte sich seinem Tempo mühelos an und blieb an seine Fersen geheftet. Er eröffnete das Feuer, bevor Lence ausscheren konnte; er spürte, wie sein Jäger von Treffern durchgeschüttelt wurde und schaltete die Schilde nach hinten, um ihn besser zu schützen. Er warf einen Blick auf sein Radar. Silber Drei hatte die Geschwindigkeit nicht gedrosselt, sondern war vor ihrem Verfolger auf vollem Schub geflüchtet, in Richtung des Frachters. Ihr TIE hatte sich ebenso hartnäckig an sie gehängt und sein überlegenes Tempo bei der Verfolgung ausgespielt – was ihn vor den Jäger von Lence gebracht hatte. Er riss hart am Steuerknüppel, fing seinen Sturzflug in Richtung Oberfläche ab und drehte nach oben, in Richtung Silber Drei. Er ignorierte das Feuer, das sein Heck traf; die Schilde würden durchhalten müssen. Schließlich erreichte er die Höhe von Tabanaba und hatte ihren Verfolger auf anderthalb Kilometer Entfernung genau im Visier. Optimale Schussweite.
    Er erkannte, dass Tabanaba sein Manöver durchschaut hatte und ihre Maschine absichtlich auf einem geraden Kurs hielt. Das setzte sie zwar ebenfalls dem Feuer ihres Angreifers aus, aber der TIE blieb dadurch auf Kurs. Die Zieloptik leuchtete rot auf, als Lence den Jäger in die Erfassung bekam; er eröffnete das Feuer und schickte eine Reihe von schnellen Schüssen auf das imperiale Schiff. Der dritte Schuss traf den TIE an einem der beiden Solarpaneele und der Jäger geriet aus dem Gleichgewicht. Eine dünne Rauchfahne hinter sich herziehend wollte er abdrehen, doch Lence hatte das Manöver geahnt und seine Nase auf den Feind gerichtet. Weitere Schüsse drangen in die Kanzel des TIE-Fighters ein und ließen das Schiff in einem bunten Feuerball detonieren.
    Sein Astromech kreischte und wies ihn darauf hin, dass seine Heckschilde zusammenzubrechen drohten. Lence konzentrierte sich auf den eigenen Verfolger und brach hart zur Seite aus. Der TIE kopierte sein Manöver wiederum – und explodierte spektakulär, als er in das gezielte Kreuzfeuer zweier Y-Wings geriet.
    „Das war haarscharf. Danke, Purpur-Gruppe.“
    „Kein Problem, Silberjunge. Aber pass auf, mit wem du abhängst, hier oben sind eine Menge zwielichtiger Gestalten unterwegs.“
    „Ich werd's mir merken.“
    Lence schaltete seine Schildverteilung wieder um und verzog das Gesicht. Sie waren kaum eine Minute im Gefecht, und seine Schildenergie war bereits auf ein Viertel reduziert. Wenn er nicht aufpasste, würde er die wichtigste Überlegenheit seines Jägers gegenüber den Feindmaschinen bald eingebüßt haben. Er brachte seinen X-Wing wieder auf Kurs Richtung Frachter und sah, wie sich Silber Eins und Zwei im Anflug zu ihm gesellten. Die beiden Maschinen, die sie angegriffen hatten, schienen sie mühelos ausgeschalten zu haben.
    Ein Blick auf den Monitor zeigte Lence die Lage. Die acht verbliebenen TIEs hatten mittlerweile den Frachter erreicht und den Angriff auf ihn begonnen. Tabanaba und zwei Y-Wings waren bereits am Rand der Kampfzone und würden jeden Moment auf die imperialen Maschinen treffen; die anderen beiden Mitglieder der Gruppe Purpur, die Lence geholfen hatten, folgten den drei schnelleren X-Flüglern in einem immer größer werdenden Abstand.
    Dreißig Sekunden später hatten sie das Schlachtfeld erreicht. Der Transporter am Boden sah ziemlich mitgenommen aus, die Hülle war mit Brandspuren übersät. Silber Eins und Zwei scherten gemeinsam aus und stürzten sich Flügel an Flügel auf die TIE-Jäger. Lence hatte gerade noch genug Zeit, Nummer Drei ausfindig zu machen, dann musste er bereits dem Feuer zweier heranrasender Angreifer ausweichen. Er legte sein Schiff mit reduzierter Geschwindigkeit in eine enge Kurve nach Steuerbord und für einen gefährlichen Moment lang hagelten die Laserschüsse auf seine Tragflächen. Dann gab Lence vollen Schub und schoss schnurgerade davon. Sein Manöver hatte ihn näher an Tabanaba herangebracht und er konnte wieder seine Rolle als ihr Flügel übernehmen. Gemeinsam drehten sie nach Backbord und oben, um Zeit zu gewinnen; dann stürzten sie sich steil nach unten, um die TIEs anzugreifen, die gerade über den Transporter hinwegfegten und leuchtend grüne Zerstörung auf das Schiff spien. Lence und Drei eröffneten fast gleichzeitig das Feuer; die TIEs waren in einer gerade Linie geflogen, ein leicht zu durchschauender Kurs, der sich als ihr letzter Fehler herausgestellte. Kurz hintereinander jagten sie in die Schusslinie der beiden X-Wings und detonierten zu rollenden Flammenbällen, die sich tief in den Dschungel hineingruben.
    „Saubere Arbeit, Drei und Vier“, kam die Stimme von Bass über den Lautsprecher. „Ihr habt jetzt ein neues Ziel. Viel Glück.“
    Lence warf einen Blick auf das taktische Display und sah, dass ihnen Silber Eins Daten für ihr neues Primärziel übermittelt hatte. Eine Angriffsfähre war im Anflug auf ihre Position und die Purpur-Gruppe hatte bereits abgedreht auf einen Abfangkurs. Lence und Silber Drei drehten ab und jagten ihnen mit vollem Schub hinterher.
    Die Fähre war noch drei Kilometer entfernt – für die Laser der Jäger hoffnungslos außer Schussweite – als ein Alarm in Lence Cockpit zu heulen begann. Die Fähre hatte ihn in der Zielerfassung ihrer Raketenwerfer. Er hielt seine Maschine auf Kurs; Tabanaba und er hatten die Y-Wings bereits passiert und flogen ihnen voraus, um sie zu schützen. Wenn Lence jetzt abdrehte, würde die Fähre einen der Bomber in die Zielerfassung bekommen und er wusste, dass die Y-Wings nicht die nötige Manövrierfähigkeit besaßen, um einer Lenkrakete zu entkommen.
    Der Alarm veränderte sich, wurde höher und aufdringlicher. Die Rakete war abgefeuert und raste auf seinen Jäger zu. Lence schaltete sich durch die Ziele in seiner Nähe und erfasste die Rakete. Beim gegenwärtigen Tempo hatte er ungefähr sieben Sekunden, sie auszuschalten. Er richtete die Nase seines Jägers genau auf das Geschoss und eröffnete das Feuer, als sie noch anderthalb Kilometer entfernt war. Trotz seiner Nervosität zwang er sich, den Steuerknüppel nur mit ganz sachten, kontrollierten Berührungen zu bewegen; er drehte das Schiff vorsichtig hin und her, feuerte unentwegt, um die Rakete zu treffen. Die Entfernung schmolz, und der Sprengkörper blieb auf Kurs. Noch drei Sekunden bis zum Aufprall, dann noch zwei. Lence sah die Rakete genau auf ihn zurasen. Als sie keine fünfzig Meter mehr entfernt war, riss er den Jäger hart zur Seite, drückte das Schiff zusätzlich nach unten, um aus der Schussbahn zu kommen. Am Display konnte er sehen, wie die Rakete an ihm vorbeischoss und dann drehte, um seinem Jäger zu folgen. Dann verlosch sie auf dem Bildschirm und eine heftige Explosion wirbelte den X-Flügler durch die Luft. Lence sah durch die Seitenfenster, wie Bruchteile eines Y-Wing vom Himmel regneten. Die Erschütterungsrakete, die ihn passiert hatte, musste den Schild eines nach ihm kommenden Bombers berührt haben und in die Luft gegangen sein.
    Im nächsten Moment brach die Hölle los, als die Angriffsfähre in Schussweite kam und aus allen Rohren das Feuer eröffnete. Drei Torpedos jagten durch die Luft auf sie zu; die Vergeltung der Purpur-Gruppe, die über den Verlust eines Flügelmanns zweifellos verärgert war. Lence und Tabanaba brachen auseinander, eröffneten das Feuer auf die Fähre. Das große Schiff jagte an ihnen vorbei und ihre Laserschüsse tasteten nur über ihre Schilde. Mächtige Explosionen erfüllten die Luft, als zwei der drei Torpedos ihr Ziel fanden. Im nächsten Moment erschrak Lence, als er in eine grüne Lasersalve der Fähre direkt hineinflog. Sein X-Wing vibrierte und Alarmglocken schrillten wieder auf. Sein Astromech jaulte, warnte ihn, dass die Schildenergie auf Null sank; gleich darauf verstummte er, als Laserschüsse in das Heck einschlugen und den Kuppelkopf des Droiden auseinanderplatzen ließen. Lence fluchte gepresst und drehte weit nach Backbord, weg von der Fähre. Er überflog die Anzeigen; seine oberen Triebwerke waren beschädigt, aber noch einsatzfähig. Dennoch überkam ihn ein kaltes Gefühl des Frustes; seine Schilde und sein Droide waren weg und seine Maschine beschädigt. Er hatte den Angriff zwar überlebt, aber sein Schiff würde keinem weiteren Schusswechsel mit einem Gegner standhalten. Er hatte verloren.
    „Silber Drei, hier Vier. Melde, bin getroffen und habe meine Schildenergie verloren. Motoren sind getroffen, aber funktionsfähig.“
    „Hier Drei, habe verstanden. Hau ab, Vier, ich schaffe das hier schon alleine.“
    Lence knirschte mit den Zähnen. Am liebsten hätte er sich noch einmal auf die Fähre gestürzt, seinen Jäger in das Schiff gejagt – aber er wusste, dass diese Strategie nur zu seinem Abschuss führen und ihm etliche schlechte Punkte in der Bewertung einbringen würde. Sein Kopf ruckte hoch, als ihm eine Idee kam. Er konnte sich nicht mehr in Schussweite der Fähre wagen, ohne dass es ihn sein simuliertes Leben kosten würde. Aber er hatte noch seine Lager voller Torpedos.
    Die Triebwerke rasselten, als er in einer engen Kehre umdrehte und sich wieder an die Angriffsfähre heftete, die mittlerweile fast vier Klicks entfernt verbissen mit den anderen Jägern kämpfte. Er schaltete seine Waffensysteme um und richtete seine Nase auf das Ziel. Kurz darauf begann ein rhythmisches Piepen, dessen Abstände immer kürzer wurden, als der Computer das feindliche Schiff erfasste. Schließlich wurde der Ton ein kontinuierliches Summen, als die Klammern seiner Zielerfassung rot wurden. Lence feuerte einen Torpedo nach dem anderen ab, leerte sein komplettes Magazin an Lenkwaffen auf die Angriffsfähre. Dann schossen hinter dem Schiff TIE-Fighter hervor, direkt auf Lence zu. Panisch riss er den X-Wing zur Seite; wenn ihn die Jäger erreichten, war es vorbei. Eine Sekunde später bereute er das Manöver. Mit einem Mal füllte ein riesenhaft wirkender Y-Flügler sein Sichtfenster aus, jagte in einem spitzen Winkel direkt vor ihm vorbei. Ein ohrenbetäubender Knall ertönte, gefolgt von einem grauenhaften Kreischen; einen Moment lang schrillten alle Alarme in seiner Kanzel auf.
    „Hoppsala! Tschuldigung!“, tönte es aus dem Komm; im nächsten Moment verstummte all der Lärm, als die Systeme ausfielen. Ein Schatten fiel über Lence Gesicht, als er wusste, wer ihn da gerade gerammt hatte. Mit kaltem Zorn beobachtete er, wie der Dschungel des Waldmondes immer schneller auf ihn zustürzte. Erst sah er einzelne Bäume, Lichtungen; im nächsten Moment konnte er Lianen, Äste und den Boden unter den Bäumen erkennen und schließlich erloschen alle Lichter im Cockpit. Lence saß ein paar Sekunden regungslos da; dann riss er den Gurt auf und hieb mit der geballten Faust gegen die Abdeckung des Simulatorcockpits.
     

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