Tagespolitik allgemein

In London klingeln die Alarm-Glocken weil eine Umfrage angeblich zum ersten Mal eine Mehrheit für den Austritt Schottlands aus dem UK festgestellt hat.

Umfrage in Schottland: Erstmals Mehrheit für Unabhängigkeit - SPIEGEL ONLINE
Auch wenn ich dieser Abspaltung irgendwie kritisch gegenüberstehe, muss man irgendwie schon sagen, dass Cameron und seine Partei bei einer Kompromissfindung zwischen Schottland und England versagt hat.
Statt schon im vornherein irgendwelche Kompromisse anzubieten, nannte er nur negative Folgen für Schottland im Falle einer Abspaltung. Das hat ihn und England vielleicht bei vielen Schotten immer unsymphatischer scheinen lassen. Und jetzt ist es schon sehr verdächtig, dass erst genau dann, wenn sich das Blatt wendet, die Tories panisch drauf reagieren und erst jetzt werden Kompromisse vorgeschlagen. Also haben die es bis jetzt nicht für nötig gefunden, den Schotten positive Kompromisse anzubieten. Da werden die Schotten jetzt vielleicht nicht mehr reinfallen und man kann nur sagen, dass die Tories es einfach nur verspielt haben, die Schotten davon abzuhalten.

Und übrigens,wie zu erwarten gewesen ist ist die Waffenruhe in [der Ostukraine] sehr brüchig.
Was irgendwie schon von Anfang an klar war.
Eine langfristige Waffenruhe im Falle eines Abzugs Russlands wäre irgendwie besser...

EDIT:
Hier übrigens ein Artikel darüber, wie sehr sich die Leute aus Mariupol auf ihre "Retter" aus Russland "freuen": Mariupol appelliert an die Bürger der EU | EUROMAIDAN PRESS | News and Opinion from Across Ukraine
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin mal gespannt, was Putins nächste Schritte sind. Dass man sich auf eine Waffenruhe eingelassen hat, und sei sie auch brüchig, zeigt zumindest, dass er Zeit schinden möchte.

Die Ukraine kann indes wenig tun, die besetzten Gebiete zurückzuerobern, solange die russischen Söldner, beurlaubten Soldaten, ukrainische Separatisten und zuletzt sogar Franzosen :D unter der Schirmherrschaft des Kremls stehen. Jetzt, wo neuerdings auch Flugzeuge auf Seiten der Separatisten eingesetzt werden, wird sich die mangelnde technische Qualität der Truppe noch mehr bemerkbar machen. Das wird ein verlustreiches hin und her, und bis die Ukraine ihre Armee reformiert und modernisiert hat, wird eine Menge Zeit verstreichen; es wird sicher noch einige Schlagabtausche geben, aber weder hat Poroschenko das Verlangen nach verlustreichen wie erfolglosen Gefechten, noch möchte Russland weitere Sanktionen provozieren.
 

Die Kommentare unter dem Artikel passen ja schon mal perfekt ins Bild.

Paul Edward Johanson schrieb:
It appears there are Europeans who understand what is going in Kiev, they are to be commended in their efforts in showing the Zionists we are not defeated, we will fight back and bring down the vile Rothschild's family of terror, I believe that all mercenaries when caught should be summarily executed, with no exception, for killing civilians and there employers also prosecuted for murder and crimes against humanity, and stripped of their assets, when they know the punishment for their involvement and they can expect no mercy, this will bring this evil and disgusting business to an end.

Würde mich wirklich nicht wundern, wenn da auch so ein paar Montagsdemo-Flachzangen in Donezk und Lugansk gegen die Lizard Supervisors der Familie Rothschild kämpfen, um europäische Werte zu verteidigen. :rolleyes:
 
Offensichtlich ist das ja schon der Fall. Auf der einen Seite ist es, man möchte fast sagen ein wenig traurig, wie viele Menschen sich auf das recht einfach konstruierte Weltbild des Kremls einlassen und einige dann auch noch meinen, sie müssten dafür in einem fremden Land gegen fremde Menschen einen Krieg führen und deren Land annektieren; auf der anderen ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn diese Menschen viel räumliche Distanz zwischen sich und uns bringen.
 
Offensichtlich ist das ja schon der Fall. Auf der einen Seite ist es, man möchte fast sagen ein wenig traurig, wie viele Menschen sich auf das recht einfach konstruierte Weltbild des Kremls einlassen und einige dann auch noch meinen, sie müssten dafür in einem fremden Land gegen fremde Menschen einen Krieg führen und deren Land annektieren; auf der anderen ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn diese Menschen viel räumliche Distanz zwischen sich und uns bringen.

Diese Montags-Mahnwichtel haben doch ein ebenso einfach konstruiertes Weltbild, wenn nicht sogar ein noch primitiveres. Es ist ja auch überaus tröstlich, wenn man alles Böse in der Welt - sogar das eigene Scheitern - einer durch und durch bösen, im dunklen agierenden Machtelite zurechnen kann, anstatt sich zumindest mal Mühe zu geben, komplexe Zusammenhänge zu verstehen.

C.
 
Diese Montags-Mahnwichtel haben doch ein ebenso einfach konstruiertes Weltbild, wenn nicht sogar ein noch primitiveres. Es ist ja auch überaus tröstlich, wenn man alles Böse in der Welt - sogar das eigene Scheitern - einer durch und durch bösen, im dunklen agierenden Machtelite zurechnen kann, anstatt sich zumindest mal Mühe zu geben, komplexe Zusammenhänge zu verstehen.

C.

Diese Zusammenhänge sind ja noch nicht einmal immer sonderlich komplex. Wenn ein Flugzeug abstürzt, dann ist das oberhalb von technischen und physikalischen Erklärungsansätzen keine sonderlich geistesfordernde Angelegenheit; trotzdem muss es mal wieder ein Anschlag, eine etc. pp. gewesen sein. Dieses Denkschema ist so tief in den Köpfen der Menschen drinnen, da hilft wohl wirklich nur noch eine Therapie.

Für mich ist immer noch Andreas Hauss der Gipfel dieser ganzen Hirnverflüssigung, seit der über eine Stunde darüber referiert hat, warum der Amoklauf in Winnenden eine staatliche Verschwörung ist. Wenn man dann auch noch die Kommentare liest, möchte manch einer das Kotzen kriegen und einen intensiven Kontakt zwischen Beton und Kopf herstellen.

Aber.... das schweift vom Thema ab.
 
Petro Poroschenko hat der Ostukraine mehr Autonomie zugesagt. Er erteilt aber einer Abspaltung einer klaren Absage. Außerdem lobte er die ukrainischen Kämpfer, die ihr Land gegen Russland verteidigen.
Petro Poroschenko: Mehr Autonomie für Ostukraine | Politik
Selbst wenn jetzt der Osten mehr Autonomie erhält, wird das wenig ändern. Wie gesagt hält Putin die Zügel in der Hand und was interessiert ihn ein autonomischeres Gebiet? Alleine schon dass seine Armee Mariupol angreift und die Leute dort nicht zu Russland gehören wollen, zeigt, dass Putin einfach nur den ganzen Süden und Osten der Ukraine erobern will. Irgendeine Autonomie wird daran leider nichts ändern.
 
Selbst wenn jetzt der Osten mehr Autonomie erhält, wird das wenig ändern. Wie gesagt hält Putin die Zügel in der Hand und was interessiert ihn ein autonomischeres Gebiet? Alleine schon dass seine Armee Mariupol angreift und die Leute dort nicht zu Russland gehören wollen, zeigt, dass Putin einfach nur den ganzen Süden und Osten der Ukraine erobern will. Irgendeine Autonomie wird daran leider nichts ändern.

Die Angriffe waren/sind vor allem dazu da den Ukrainern zu zeigen das sie die Schwächeren sind.
Vollkommen unabhängig davon ob Russland den ganzen Süden und Osten der Ukraine erobern will.
Ich glaube ja eher nicht daran, einfach weil es für Russland ein ganz schlechter Deal währe.
 
Ich glaube ja eher nicht daran, einfach weil es für Russland ein ganz schlechter Deal währe.

Das halt ich auch für eher unwahrscheinlich - Russland hätte die Scheinstaaten Donezk und Lugansk, ähnlich wie Abchasien und Südossetien, auch bereits anerkennen können, was es nicht gemacht hat. Ich vermute mal, dass man von russischer Seite für die Ostukraine eine ähnliche Situation anstrebt, wie in Transnistrien. Und ich bin mir relativ sicher, dass es auch soweit kommen wird.
 
Putin wurde mehr oder minder in den Konflikt, den er überhaupt geschürt hat, rein gezogen. Der von Russland orchestrierte Aufstand in der Ostukraine hat sich recht schnelle verselbstständigt und die Situation ist deswegen schnell eskaliert. Das fing damit an, dass ein Referendum nicht wie in der Krim unter den unsäglichen Umständen durchgeführt werden sollte, sondern unter der Federführung der Ukraine nach den Präsidentenwahlen. Darauf haben die Separatisten aber nicht gehört. Als die Ukraine dann mit ihrer Anti-Terror-Operation anfingen und die Separatistenführung Anfang August in Scharen das Weite suchten, sah Russland sich vor seiner eigenen Propaganda in Zugzwang und hat massiv in den Konflikt eingegriffen. Sowas war imo nie Putins Absicht, aber da man den Konflikt in der Ostukraine, zwar äußerst stupide, als Freiheitskampf gegen ein faschistisches Regime verkauft hat, konnte man nicht zulassen, dass die Separatisten da verlieren.
 
Ich vermute mal, dass man von russischer Seite für die Ostukraine eine ähnliche Situation anstrebt, wie in Transnistrien.

Denke ich nicht.
Man wird die Ukraine abverlangen kein EU-/NATO-Mitglied zu werden. Und sicherstellen wird man dies mittels "autonomer Regionen" die Gesetze/Verträge der Gesamt-Ukraine blockieren können.
Für so eine Art "Dauerbürgerkrieg" ist mMn die Ukraine in den Augen der Russen zu Gross und Wichtig.
 
Und sicherstellen wird man dies mittels "autonomer Regionen" die Gesetze/Verträge der Gesamt-Ukraine blockieren können.

Ich glaube nicht, dass sich die Separatisten bloß mit einer Autonomie bestimmter Gebiete der Ostukraine zufriedengeben werden. Und ich vermute auch, dass man das auf russischer Seite auch ganz genau weiß. Zumal die Parallelen zum Transnistrien-Konflikt nicht zu übersehen sind, wie z.B die Abschaffung der russischen Sprache als ein eskalierender Faktor, das Einsickern ausländischer Kämpfer auf beiden Seiten und das Eingreifen regulärer russischer Streitkräfte auf Seiten des separatistischen Transnistriens.
 
Um den Fokus mal wieder auf Westeuropa zu lenken:
Was haltet ihr eigentlich von den Kandidaten für die EU-Kommission?
(Hier ein Überblick auf Spiegel Online)

Ich persönlich finde einige Personalien ja durchaus diskutabel.
Soll soll beispielsweise mit Pierre Moscovici jemand Kommissar für Wirtschaft, Währung und Steuern werden, der in seiner Zeit als Finanzminister Frankreichs vor allem durch neue Schulden und die Nichteinhaltung der EU-Defizitgrenzen aufgefallen ist.
Der von Großbritannien in die Kommission entsandte Jonathan Hill gilt eigentlich eher als Europagegner.
Auch Günter Oettinger als Kommissar für Digitalwirtschaft finde ich eine eher seltsame Wahl, der fiel bislang nicht gerade durch Expertise auf diesem Thema auf.
 
Oh, ein Lichtblick: Selbst Poroschenko verkündet einen 70 prozentigen russischen Truppenrückzug aus der Ukraine.
Petro Poroschenko verkündet russischen Truppenabzug - Politik - Süddeutsche.de
Wäre das geil, wenn dieser sinnlose Konflikt in nächster Zeit endlich zu Ende wäre. Es kann aber auch eine einfache Auswechslung russischer Soldaten sein. Hoffentlich ist es das nicht...

Die Zeichen stehen in den letzten Tagen nicht auf eine weitere Eskalation, zumindest den Berichten und meinem Gefühl nach. Das kann sich natürlich ganz schnell ändern, aber momentan scheinen beide Seiten nicht gewillt, den Abzug zu drücken. Wie schon mehrfach erwähnt glaube ich, dass Russland langsam genug wirtschaftlichen Druck spürt, um sich ein wenig zu zügeln und weitere Sanktionen zu verhindern.
 
Wenn der Konflikt in der Ukraine nun abkühlt ist das für alle ein Gewinn. Auch wenn die europäischen-russischen Verhältnisse jetzt für eine ganze weile beschädigt sein werden. Auch ohne zusätzliche Sanktionen, über die noch verhandelt wird. Langfristig gesehen wären weiter Sanktionen wohl ein Fehler. Schließlich will niemand die Verhältnisse vom Kaltem Krieg wieder haben.
 
In einem Kommentar habe ich gelesen, dass Putin gewonnen hat. Auch wenn er jetzt die Truppen abzieht. Er habe jetzt eben ein Statement hinterlassen, dass wenn die Ukraine es auch nur wagt, der NATO beizutreten, Russland die Ukraine wieder destabilisiert. Wäre das wirklich so, könnte man mit Russland darüber einig werden, wenn man somit Menschenleben rettet. Aber die Ukraine muss auf jeden Fall in die EU, sonst war alles umsonst.
 
Ich muss ja mal ganz ehrlich zugeben: Ich habe das ganze von Anfang an für russische Propaganda gehalten! Putin versucht hier nur zu zeigen: Seht her, wir Russen können alles und wenn ihr uns behindert, nehmen wir die Ukraine ein!
Putin ist blöd, aber er ist gerade noch schlau genug, um zu erkennen, dass das Anzetteln eines großen Krieges wohl für kein Land ein Vorteil wäre.
Ich bleibe dabei. Es handelt sich hier einzig und alleine um eine propagandistische Vorstellung vor einem Weltpublikum. In der Ukraine sterben Menschen aufgrund dieser puren Angeberrei und Selbstdarstellung und die Europäische Union verhandelt über Sanktionen. Irgendwie skurril, Putin hält uns alle zum Narren...
 
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