Bastion

Bastion | Imperium | Bastion Center | Sithtempel - Domäne der Lernenden - Bibliothek | Seris und Cerus


Cerus hörte ihr zu, während das Schloss weiterhin in einem gleichmäßigen Rhythmus zwischen ihren Fingern klickte. Mit jedem Klick wanderte sein Blick kurz zu ihren Händen, fast automatisch, als würde er versuchen zu verstehen, was sie da eigentlich tat.

Während sie sprach, setzte sich für Cerus langsam ein klares Bild zusammen.
Sie stammte aus Bonetown – offensichtlich kein Ort, an dem man unbedingt aufwachsen wollte. Das hatte sie zäh gemacht, und wie das Schloss in ihren Händen zeigte, hatte sie sich dort Fähigkeiten angeeignet, die man nicht aus Büchern lernte.

Gleichzeitig wurde ihm aber auch klar, dass ihr genau das in anderen Bereichen fehlte. Dinge wie Lesen oder Lernen waren dort wohl nie wichtig gewesen – oder es war schlicht einfach keine Option gewesen.

Er kannte solche Geschichten. Damals, als er unter Zabraks aufgewachsen war, hatte es genug Leute gegeben, denen es ähnlich ging. Seine eigene Familie hatte nie viel gehabt, aber es hatte gereicht, um nicht auf solche Dinge angewiesen zu sein.
Sein Blick blieb noch einen Moment auf dem Schloss liegen, dann sah er wieder zu ihr.

Sie war direkt, sagte einfach wie es war. Kein großes Gerede und sie kam schnell zum Punkt.
In seinem Kopf formte sich der Gedanke fast von selbst.
Sie kann nicht lesen. Oder kaum.

Cerus dachte kurz darüber nach. Für ihn war das immer selbstverständlich gewesen. Lesen, verstehen, sich Dinge aneignen – ohne das kam man irgendwann nicht weiter, egal wo man war.

Gleichzeitig sah er aber auch, wie sicher ihre Hände arbeiteten.
Das war keine normale Spielerei, sondern Können und Routine.

Er machte einen Schritt auf sie zu, dann noch einen zweiten, blieb schließlich stehen und verschränkte locker die Arme
.
„Hm…“, machte er leise.

„Dann hast du wohl deine Stärken da, wo andere ihre Schwächen haben.“ sagte er und nickte zuerst zum Schloss.
„Und umgekehrt.“ und nickte dann wiederum kurz in Richtung der Bibliothek.

Er zuckte leicht mit den Schultern.
„Lesen… brauchst du trotzdem. Früher oder später wenn du etwas erreichen oder mehr aus dir machen willst als du bist jetzt bist.“ Sein Ton war ruhig, nicht belehrend, eher eine Feststellung.
„Aber sowas hier…“, er deutete auf das Schloss, „kann natürlich genauso nützlich sein.“

Ein kurzer Moment verging, dann entschied er sich.
„Wenn du willst, kann ich dir ein bisschen helfen. Mit dem Lesen meine ich.“ Er neigte den Kopf leicht hin und her.
„Zumindest so weit, dass du mit dem Zeug hier klarkommst.“

Sein Blick wanderte wieder zu ihren Händen.
„Und du zeigst mir dafür, wie man so ein Ding aufbekommt.“ Ein leichtes, kaum sichtbares Lächeln zog über sein Gesicht.

Er nannte ihr anschließend ruhig die Kennung seines Quartiers und die Verbindung zu seinem Terminal, ohne daraus etwas Großes zu machen. Da rief schon eine wütende Stimme aus der Bibliothek.

"Cerus verdammt, mach das du weiter kommst die Arbeit katalogisiert sich nicht von alleine"

„Meld dich einfach, wenn du Zeit hast.“
fuhr Cerus schnell fort.
Dann ließ er die Arme sinken, trat einen kleinen Schritt zurück und nickte ihr knapp zu.
„Ich muss weiter.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte er sich zur Seite und ging an ihr vorbei in die Bibliothek hinein, wo ihn wieder die vertraute Arbeit, das leise Summen der Terminals und die endlosen Reihen aus Regalen erwarteten sowie einer der Bibliothekarr erwarteten.


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Bastion / Bonetown / The Void / Sane, Brianna, Bailee

Kestrel hatte ihn oft erwähnt? Der schmerzende Stachel drückte sich noch etwas tiefer in Sanes Brust. Dass die Jedi-Meisterin ihn namentlich in Nachrichten an ihre Mitstreiter im Orden erwähnte, hätte ihn in einer anderen Situation sehr geehrt. Jetzt fühlte er sich mit dieser Information nur noch etwas mieser. Er hatte sie enttäuscht und hängen gelassen. Wie viel Leid hätte er ihr wohl ersparen können, wenn er sich für ihre Freilassung eingesetzt hätte? Stattdessen hatte er sich in Selbstmitleid gesuhlt, obwohl er es im Vergleich zu den beiden Jedi deutlich besser erwischt hatte. Sane wollte sich gar nicht erst ausmalen, was die Sith noch alles mit ihnen angestellt hatten, bevor Brianna sie da rausgeholt hat. Zum Glück wechselte die Frau in der schwarzen Robe nun das Thema.

"Ich bin von zu Hause weggelaufen, da war ich gerade Mal 14 Jahre alt. Ein junger Idealist, dem das Gebaren der eigenen Eltern zuwider war. Im Outer Rim habe ich schließlich ehrliche Arbeit gefunden. Ihr wisst schon: Sich die Hände schmutzig machen. Dort draußen habe ich aber auch erlebt, zu was das Imperium fähig ist..."

Wann hatte er zuletzt an diese Zeit gedacht? An Nizzo? Das war bald 15 Jahre her. Unglaublich, wie die Zeit seitdem verflogen war. Der junge Sane Kath hätte nie geglaubt, dass er eines Tages sich als "Baron von Kath" vorstellen würde. Nie und nimmer hätte er sich vor den Karren seines Vaters spannen lassen. Aber das Schicksal hatte wohl andere Pläne für ihn gehabt.

"Mit 23 habe ich die Streitkräfte der Neuen Republik aufgesucht. Seitdem kämpfe ich gegen das Imperium, jeden Tag. Auch wenn mein Kampf mittlerweile etwas anders aussieht."

Die Zeit mit den Brückenverbrennern war hart, aber lehrreich. Damals hätten sie sich nie erträumen lassen, dass die Neue Republik eines Tages den Corellian Run eroberte. Sie waren konstant auf dem Rückzug gewesen mit dem einzigen Ziel, so viel Schaden beim Feind wie möglich anzurichten. Daher kam auch der Name: "Brückenverbrenner". Auch wenn die Schrecken des Krieges ihn immer noch regelmäßig nachts wach hielten, konnte er das wunderbare Gefühl nicht vergessen, das ihn in dieser Zeit begleitete. Er hatte etwas getan, das sein Vater mit jeder Faser seines Körpers hassen würde.

"Aber genug von mir. Stimmt es, dass Ihr am Tod des Imperators beteiligt gewesen seid? Ich habe viele Tage damit verbracht herauszufinden, was wirklich passiert ist. Aber selbst mein Vater tappt im Dunkeln. Hier auf Bastion kennt man nur die offizielle Version."

Er und Samin hatten lange über die hohen Sicherheitsmaßnahmen und die plötzlichen Tode von Funktionären auf Bastion gerätselt, bis die neue Imperatorin sich schließlich offenbarte. Was hinter den Kulissen passiert war, blieb jedoch ein Rätsel. Wenn Brianna an dem "heimtückischen Mord", wie es die Propagandakanäle nannten, wirklich beteiligt war, konnte sie eventuell Licht ins Dunkeln bringen.

Sane war erleichtert, dass die Jedi schließlich seinen Bedingungen zustimmte.


"Mehr Informationen über den Aufenthaltsort der Kinder habe ich leider nicht. Aber Ihr seid Brianna Kae. Euch wird sicher etwas einfallen."

Nachdem das erledigt war, mussten sie die nächsten Schritte planen. Sane hatte da auch schon eine Idee.

"Gebt mir bitte eure Kleidergrößen. Wir werden euch als Mitarbeiter im Logistikzentrum ausgeben. Arbeitsklamotten lassen sich dafür problemlos besorgen. Die Ausweise für die Sicherheitsterminals könnten ein Problem werden, aber ich lasse mir etwas einfallen. In der Zwischenzeit würde ich vorschlagen, dass ihr hier im Void bleibt. Das Zimmer ist bezahlt. An eurer Stelle würde ich hier allerdings nichts essen. Lasst euch besser etwas liefern."

Bastion / Bonetown / The Void / Sane, Brianna, Bailee
 
Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel - Domäne der Wissenden - Sedros' Quartier | Sedros

Die Geduld des reinblütigen Sith wurde von den Mysterien des Codex Xal'tharon strapaziert und das erheblich mehr als sich Sedros jemals selbst eingestehen würde. Das tat seinem aufgebauten Frust natürlich keinen Abbruch. Die Stimmung im Quartier des frisch ernannten Sithkriegers war so schwer, dass man sie beinahe mit den Händen greifen konnte. Seine angestauten negativen Emotionen hatten irgendwann in den letzten Stunden begonnen durch seine sonst so diszipliniert aufrecht erhaltene Fassade zu sickern und das hatte so seine Spuren hinterlassen.

Zwei Diener waren
Sedros wie jedem anderen vollwertigem Ordensmitglied zugeteilt worden, um sein Quartier in Ordnung zu halten. Einer der beiden hatte fluchtartig das Quartier verlassen. Der andere kauerte sich in einer Ecke des Aufenthaltsraumes hinter einem Sofa und schien mit der Wand verschmelzen zu wollen. Der reinblütige Sith hatte keinem der beiden bisher auch nur mehr als die die geringst nötige Beachtung geschenkt. Sie waren seiner Aufmerksamkeit einfach nicht würdig und würden es wohl auch nie sein. Erfolgversprechende Jünger wurden nur höchst selten für solche niederen Arbeiten herangezogen und wenn doch, dann wurden sie einflussreichen Lords zugeteilt und keinem Neuling wie Sedros.

Schließlich begnügte sich der reinblütige Sith mit einer herkömmlichen Meditationsübung. Das hatte er viel zu lange vernachlässigt. Pflichten dem Orden gegenüber und natürlich die Ausbildung seines Schülers hatten ihn davon abgehalten. Der Tag hatte leider nur so viele Stunden, es war wahrlich nicht einfach, allen Wünschen, Bedürfnissen und Pflichten gerecht zu werden. Als
Darel schließlich an der Tür läutete, hatte Sedros seine Machtpräsenz wieder vollständig unter Kontrolle gebracht. Die drückende Atmosphäre im Raum hallte zwar noch spürbar nach, als der reinblütige Sith die Tür öffnete, doch seine Fassade ließ nichts davon erahnen, dass er selbst der Ursprung dieses Unheilgefühls war. „Ah, Darel. Gerade hatte ich an dich gedacht. Komm herein.“

Der Schüler wirkte einigermaßen nervös, was auch wenig verwunderlich war. Das Quartier war bar jeder persönlichen Note. Sedros hatte bisher einfach nicht die Zeit gehabt, hier dekorieren. Außerdem verfügte der reinblütige Sith sowieso nicht über allzu viel persönlichen Besitz, den er hier hätte ausstellen können. Und dann war natürlich noch die unheilvolle Woge dunkler Machtenergien, die den Raum durchtränkten. Die aufgesetzt, diplomatisch-freundliche Art von Sedros wirkte angesichts dessen geradezu grotesk. Er könnte hier mit seinem für ihn typischen Lächeln nicht mehr fehl am Platz wirken.

Als
Darel sich an die Szenerie gewöhnt und von seinem Erfolg berichtet hatte, begutachtete Sedros das fast fertig konstruierte Lichtschwert. Dabei öffnete sich der reinblütige Sith der Macht, um die Waffe mit allen seinen Sinnen aufs genaueste zu überprüfen. „Für deinen ersten Versuch ist es gute Arbeit. Ich habe dir bewusst die simpelste Konstruktionsweise mitgegeben und du hast dich adäquat an den Bauplan gehalten. Die Waffe wird funktionieren.“ Sedros reichte den dargebotenen Lichtschwertgriff an Darel zurück und suchte seinen Blick. „Aber mache dir keine Illusionen, das wird nicht deine letzte Waffe sein. Du wirst Erfahrungen im Kampf sammeln und Modifikationen nach deinen persönlichen Bedürfnissen durchführen, wenn du mehr gelernt hast.“ Und damit wandte sich Sedros zur Tür des Quartiers. „Aber zunächst musst du dich der Macht öffnen und Kristall und Waffe zusammenführen. Folge mir.“

Wenig später fanden sich die beiden in einer Medidations- und Trainingskammer ein. „Setz Dich und lege Werkzeug und Waffe vor dir griffbereit aus, wie du es brauchst.“ Sobald Darel bereit war, reichte Sedros seinem Schüler einen simpel geschliffenen roten Kristall. „Das ist ein künstlich erzeugter Kristall. Viele bevorzugen natürliche Kristalle aus Gründen die jetzt nicht wichtig sind. Er wird für unsere Belange vollkommen genügen.“ Sedros selbst begnügte sich ebenfalls mit einem solch künstlich geschaffenen Kristall. Sicher, natürlich gewachsene Kristalle hatten so ihre Vorzüge. Aber sie hatten auch ihre Nachteile und beides davon war tendenziell eher esoterischer Natur, was den reinblütigen Sith betraf. „Öffne dich jetzt der Macht und ergründe sowohl den Kristall als auch den von dir gebauten Griff. Du wirst wissen, wann du bereit bist, beide zusammenzuführen.“ Der Tonfall verhieß von Selbstverständlichkeit. Selbst wenn er nicht wirklich streng gewesen war, so schien der reinblütige Sith ein Versagen keineswegs in Betracht zu ziehen. Sedros schob wie so typisch für ihn die Hände in die gegenüberliegenden Ärmel und verstummte. Geduld beobachtete er seinen Schüler. Er war gespannt darauf, wie lange Darel benötigen würde, um das Lichtschwert zu vervollständigen.

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Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel - Domäne der Lernenden | Darel


Darel hatte den Weg zum Quartier seines Meisters ohne Zögern zurückgelegt, doch bereits bevor sich die Tür öffnete, spürte er, dass etwas nicht stimmte, als würde die Luft selbst dichter, schwerer, mit einer kaum greifbaren Spannung aufgeladen, die sich nicht sichtbar äußerte und dennoch deutlich genug war, um ihn unbewusst innehalten zu lassen, bevor das leise Signal der Tür ertönte und sich das Schott schließlich zur Seite schob.

Was ihm entgegenkam, war kein greifbares Bild, kein einzelnes Detail, das sich benennen ließ, und doch war es sofort da, dieses Gefühl, das den Raum erfüllte, ein Nachhall von etwas, das sich kurz zuvor entladen hatte und nun nur noch in Resten vorhanden war, wie ein kaum wahrnehmbares Echo, das sich in den Wänden festgesetzt hatte und sich erst langsam wieder verlor, wodurch selbst die scheinbare Ordnung des Quartiers eine Schieflage bekam, die sich nicht sehen ließ, die man jedoch deutlich spüren konnte, wenn man den Blick nicht nur auf das Offensichtliche richtete.

Sedros stand im Türrahmen, aufrecht, kontrolliert, die Haltung makellos, die Mimik ruhig, und doch lag unter dieser Fassade etwas, das sich nicht vollständig verbergen ließ, ein kaum wahrnehmbarer Schatten, der seine Präsenz verstärkte, statt sie zu schwächen, wodurch selbst das höfliche Lächeln, das er seinem Schüler entgegengebrachte, nicht beruhigend wirkte, sondern vielmehr fehl am Platz erschien, als hätte es keinen echten Bezug zu dem, was diesen Raum tatsächlich erfüllte.


Sedros bat ihn in sein Quartier und Darel folgte der Aufforderung ohne sichtbares Zögern, auch wenn sich seine Wahrnehmung unweigerlich weiter schärfte, je tiefer er in den Raum trat, da die Kälte, die von den glatten Oberflächen ausging.

Sein Blick glitt kurz durch das Quartier, nahm die Leere wahr, die fehlenden persönlichen Spuren, die konsequente Reduktion auf das Notwendige. Während sich gleichzeitig dieser Eindruck verstärkte, dass der Raum selbst mehr in sich trug, als er auf den ersten Blick preisgab, wodurch sich in Darel ein stilles Verständnis formte, dass das, was hier geschehen war, nicht sichtbar sein musste, um Wirkung zu zeigen und er nahm an, dass es mit der Macht zu tun hatte.

Darel berichtete über seine Versuche das Lichtschwert zusammenzusetzen und während Sedros den Griff entgegennahm und begann, ihn zu prüfen, richtete sich Darels Aufmerksamkeit nicht auf die erwartete Bewertung, sondern auf die Art und Weise, wie sein Meister vorging, wie er die Waffe betrachtete, als würde er nicht nur ihre Form erfassen, sondern etwas darunter, etwas, das sich seiner Betrachtung entzog und dennoch entscheidend war.

Als ihm der Griff zurückgereicht wurde, schloss sich seine Hand darum mit fester, kontrollierter Bewegung, während sich seine Gedanken bereits auf das richteten, was folgen würde, da ihm klar war, dass das, was vor ihm lag, nicht nur ein weiterer Schritt war, sondern ein Übergang.

Er folgte Sedros durch die Gänge des Tempels, und obwohl die Umgebung vertraut war, wirkte sie in diesem Moment verändert, als würde sich seine Wahrnehmung langsam verschieben, feiner werden, wodurch selbst die gewohnte Stille eine andere Qualität annahm, weniger leer, mehr durchzogen von etwas, das sich nicht direkt greifen ließ und dennoch überall vorhanden war.


In der Meditationskammer angekommen, setzte er sich und begann, die Werkzeuge sowie den Griff vor sich auszubreiten, wobei jede Bewegung bewusst gesetzt wurde, ruhig, präzise, ohne jede Form von Hast, da sich seine Konzentration vollständig auf die Aufgabe richtete, die vor ihm lag, während sich in ihm gleichzeitig eine unterschwellige Spannung aufbaute, die nicht unkontrolliert war, sondern sich wie ein gespannter Faden durch seine Wahrnehmung zog.

Als Sedros ihm schließlich den Kristall reichte, verlagerte sich seine Aufmerksamkeit augenblicklich, da sich in diesem Moment etwas veränderte, nicht äußerlich, sondern in der Art, wie er das, was er in den Händen hielt, wahrnahm.
Der rote Kristall lag schwerer in seiner Hand, als es seine Größe vermuten ließ, nicht durch sein Gewicht allein, sondern durch die Bedeutung, die sich darin bündelte, während sich das Licht in seinen Facetten brach und ein tiefes, lebendiges Schimmern erzeugte, das sich nicht statisch verhielt, sondern beinahe den Eindruck vermittelte, als würde es sich bewegen, als wäre mehr in diesem Objekt enthalten als nur geschliffenes Material.

Seine Finger schlossen sich leicht darum, während er den Kristall drehte, die Oberfläche mit ruhiger Bewegung abtastete und dabei nicht nur Form und Struktur erfasste, sondern versuchte, darüber hinauszugehen, da sich in ihm ein klares Bewusstsein dafür formte, dass dieser Moment nicht nur handwerklich entschieden wurde, sondern auf einer Ebene, die er bisher nur flüchtig berührt hatte.
Eine spürbare Regung ging durch ihn, kontrolliert, nicht überbordend, und doch deutlich genug, um sich nicht vollständig unterdrücken zu lassen, da sich in diesem Augenblick Ehrgeiz und eine beinahe ungewohnte Form von Faszination miteinander verbanden, bevor sich beides wieder unter die gewohnte Disziplin ordnete.




„Ich bin bereit, Meister“,
sagte er ruhig, und senkte danach den Blick wieder auf den vor ihm liegenden Griff, während er sich bemühte, die aufkommende Spannung nicht in Ungeduld kippen zu lassen, sondern sie unter Kontrolle zu bringen und in jene konzentrierte Form zu überführen, die ihm in den letzten Tagen wenigstens ansatzweise Zugang zur Macht ermöglicht hatte.

Langsam schloss er die Augen, ließ die Außenwelt nicht völlig verschwinden, doch weit genug zurücktreten, dass seine Aufmerksamkeit sich sammeln konnte, und während seine Atmung tiefer und gleichmäßiger wurde, suchte er erneut nach diesem Zustand, den er im Training nur für flüchtige Augenblicke berührt hatte. Nicht mit Gewalt, nicht mit verkrampftem Zugriff, sondern mit einer Anspannung, die er im Zaum hielt, sodass sich seine Wahrnehmung zuerst auf das Eigene richtete, auf die Haltung seines Körpers, die Restmüdigkeit in den Armen, das feine Nachbeben in den Fingern, und sich von dort langsam nach außen ausdehnte, bis auch der Raum selbst, die kalte Ruhe der Kammer, die schwere Präsenz seines Meisters und schließlich der Kristall in seiner Hand in dieses unscharfe, aber wachsende Empfinden einbezogen wurden.

Es dauerte, bis sich aus diesem Zustand mehr als nur ein Eindruck ergab, und Darel musste gegen die eigene Ungeduld anarbeiten, die sich ihm in die Konzentration drängen wollte, doch je länger er sich nicht dagegen stemmte, desto deutlicher wurde dieses feine, schwer zu benennende Gefühl, dass die Dinge um ihn herum nicht nur lagen und warteten, sondern Teil eines größeren Zusammenhangs waren, den er noch nicht verstand, aber bereits spüren konnte. Und als er schließlich die Augen wieder öffnete, geschah dies nicht abrupt, sondern langsam, als wolle er verhindern, dass die eben gewonnene Verbindung sofort wieder zerriss.

Vor ihm lag der geöffnete Griff, noch unvollständig, noch ohne Zentrum, und um ihn herum die vorbereiteten Komponenten, die er bisher mit den Händen bewegt hatte, deren Ordnung sich nun jedoch in seiner Wahrnehmung veränderte, da sie nicht länger bloß einzelne Stücke waren, sondern Teile einer Struktur, die sich unter seinem Zugriff zusammenfügen musste, wenn dieser Vorgang gelingen sollte und er musste gelingen.

Während seine Hände ruhig vor den Knien ruhten, verlagerte sich seine Konzentration auf diese vor ihm liegenden Elemente, zunächst vorsichtig, dann fester, bis eines der kleineren Bauteile kaum sichtbar erzitterte und sich einen Hauch vom Untergrund löste.

Es war kein sauberer Beginn, kein eleganter Beweis von Kontrolle, sondern ein roher, unsteter Moment, in dem die Bewegung mehr wie ein Stottern wirkte als wie ein Befehl, und doch genügte er, um Darels Konzentration schlagartig zu verdichten, weil ihm klar wurde, dass der Zugriff da war, wenn auch nur schwach und unzuverlässig. Als sich kurz darauf ein zweites und ein drittes Element ebenfalls vom Boden lösten, ungleichmäßig und leicht gegeneinander driftend, merkte er, wie schnell ihm dieser fragile Zustand wieder entgleiten konnte, sobald seine Aufmerksamkeit auch nur für einen Augenblick nachließ.

Er zwang sich zur Ruhe, hielt den Atem flach, nicht hektisch, sondern fest geführt, und ließ seinen Blick an den Teilen hängen, als müsse er sie mit bloßem Willen festnageln.



Der Kristall reagierte spürbar anders als die übrigen Teile; in seiner Hand schien er sich der Bewegung der anderen nicht einfach nur anzuschließen, sondern selbst Gewicht in die Situation zu bringen. Als sei in ihm eine Spannung gebunden, die sich erst dann richtig entfalten würde, wenn er an seinen Platz gelangte, und während Darel diese Veränderung wahrnahm, wuchs in ihm zugleich der Druck, den richtigen Moment zu erkennen, in dem der Kristall eingefügt werden musste, ohne dass ihm dabei das gesamte Gefüge wieder auseinanderfiel und sein Meister ihn dann dafür bestrafen würde.

Langsam hob er die Hand, nicht ruckartig, nicht mit sichtbarer Anstrengung, und ließ den Kristall vor dem geöffneten Griff schweben, wobei sein Fokus nun so scharf gebündelt war, dass sich seine Wahrnehmung fast schmerzhaft verengte und alles andere ausblenden wollte, der Raum, die Wände, selbst die Präsenz seines Meisters, weil in diesem Augenblick nur noch das empfindliche Verhältnis zwischen Kontrolle, Bewegung und dem richtigen Timing zählte, und obwohl es für einen Moment so wirkte, als hätte er den Punkt gefunden, an dem alles ineinandergreifen konnte, geriet die Ordnung im nächsten Augenblick ins Wanken, als sich zwei der inneren Komponenten leicht verschoben und das zuvor gefundene Gleichgewicht zu kippen drohte.

Darel spürte, wie sich Ärger in ihm hob, schnell, heiß und klar, doch diesmal ließ er ihn nicht ungeordnet in den Moment hineinbrechen, sondern griff ihn auf und zog ihn in den eigenen Fokus hinein, bis daraus kein blinder Impuls, sondern eine gerichtete Entschlossenheit wurde, die seine Konzentration nicht zerschnitt, sondern schärfte, und unter diesem Druck richtete sich das instabile Gefüge wieder aus, die driftenden Teile fanden ihre Linie zurück, der Kristall senkte sich tiefer, und mit einem dumpfen, fast befriedigenden Einrasten schloss sich schließlich das Innere des Griffes um jenes Zentrum, das ihm bis dahin gefehlt hatte.

Danach ging alles schneller, nicht weil Darel die Kontrolle verlor, sondern weil sich in diesem letzten Abschnitt des Vorgangs ein Fluss einstellte, den er nicht mehr gegenhalten musste, sondern nutzen konnte, sodass die äußeren Teile sich schlossen, die Konstruktion sich versiegelte und die Bewegung vollständig zur Ruhe kam, während er selbst noch einen Moment reglos verharrte, den Atem erst langsam wieder tiefer werden ließ und sich vergewisserte, dass die vor ihm liegende Waffe nun tatsächlich vollständig war.

Er streckte die Hand aus, nahm den fertigen Griff auf und spürte sofort, dass sich etwas verändert hatte, nicht nur in dem Gegenstand selbst, sondern auch in der Art, wie er ihn hielt, weil dieser Griff nicht mehr bloß das Ergebnis eines Plans oder einer Übung war, sondern das Ende eines Vorgangs, der durch seinen Willen, seinen Fokus und seinen Zugriff auf die Macht zustande gekommen war. Während sein Daumen den Aktivator fand, ließ er sich einen letzten Augenblick Zeit, nicht aus Zweifel, sondern weil er diesen Moment vollständig begriff.

Als er die Waffe schließlich aktivierte, durchschnitt ein scharfes, vibrierendes Zischen die Ruhe der Kammer, und die rote Klinge fuhr aus dem Griff hervor, zunächst noch von einem kurzen Flackern begleitet, das den letzten Rest Instabilität verriet, bevor sie sich fing und zu einem gleichmäßigen, kräftigen Leuchten fand, das die Kammer in einen rötlichen Schimmer tauchte, während Darel die Waffe ruhig vor sich hielt und auf die vibrierende Linie aus Licht blickte, in der sich für ihn nicht nur Funktion und Erfolg zeigten, sondern die erste greifbare Bestätigung, dass der Weg, auf den er gesetzt worden war, tatsächlich etwas hervorbrachte, das ihm gehörte.

Er sagte nichts, bewegte sich kaum, und doch lag in der Art, wie sein Griff fester wurde und wie sich die letzte Spannung nur langsam aus seinem Körper löste, eine stille, konzentrierte Genugtuung, die nicht laut werden musste, um echt zu sein, begleitet von dem nüchternen Wissen, dass dies kein vollkommener Sieg, kein makelloser Schritt und kein endgültiges Ankommen war, dass Fehler darin lagen und weitere folgen würden, dass der Weg noch lang war und gerade deshalb jeder echte Fortschritt Gewicht besaß. Und trotzdem wusste er, dass er seiner Rache und seinem Ziel näher war, und ein kleines grausames Grinsen bildete sich in seinem Gesicht.



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