Unterstütze das PSW: Hol dir (oder verschenke) einen Premium-Account oder kaufe ein bei Amazon.

[Literarisches Review] Katherine Applegate: Everworld

Dieses Thema im Forum "Sonstiges" wurde erstellt von Wraith Five, 11. Februar 2002.

  1. Wraith Five

    Wraith Five - Mitarbeiter

    Drei Monate lang hat mich eine Jugendbuch-Reihe in ihrem Bann gehalten. Geschrieben von der Autorin der etwa 60-bändigen Animorphs-Serie, die auch einen recht schlecht aufgenommenen TV-Ableger inspirierte (vielleicht kennt ihn jemand), K.A. Applegate. Ich stieß darauf, als ich bei Scholastic (dem Verlag von Jedi Apprentice und 7th Tower) nach neuem Lesestoff suchte; sicher, ich hatte noch einiges offenstehen, den HdR wollte ich wieder lesen, Moby Dick, mehrere Sachen an Alternate History. Doch ich war mit The Violett Keystone, dem letzten Band der 7th Tower-Hexalogie, gerade erst fertig geworden und hungrig auf Ähnliches. So entdeckte ich also eine unscheinbare Page, die für eine - bereits abgeschlossene - Reihe namens 'Everworld' warb.

    Die Inhaltsbeschreibung klang interessant: Vier Jugendliche um 17 Jahre werden gegen ihren Willen in eine Parallelwelt gezogen, eine Welt, in der die Götter der alten Zeit, Zeus, Odin, der Daghda und der ganze Rest, mit einigen loyalen menschlichen Anhängern Zuflucht gefunden hatten, als sie bemerkten, dass sich der Mensch von ihnen abwandte. Der Grund dafür ist Senna, eine Bekannte aller Vier, eine Anomalie der Natur, ein Tor zwischen den Welten. Ein außerirdischer Gott ist nämlich in Everworld eingedrungen, und die dort 'heimischen' Götter machen sich jedesmal in die Hose, wenn sie bloß seinen Namen hören. Deshalb entführt Loki, niederer nordischer Gott, Senna, um mit ihrer Hilfe von Everworld in die 'Alte Welt' zu fliehen. Dass dabei David, Christopher, Jalil und April mitgerissen werden, scheint zuerst wie ein gigantischer Zufall... doch dann wird mehr und mehr klar, Senna hat ihre ganz eigenen Pläne...

    Der Plot war wie für mich gemacht. Ich hatte mich immer sehr für Mythologie interessiert, in frühen Jahren schon alles gelesen, was mir über den Weg lief. Und ich habe ein gewisses Faible für Kinder- und Jugendliteratur.
    Jetzt, ziemlich genau drei Monate nach der Bestellung des ersten Bandes, kann ich sagen: ich wurde nicht enttäuscht.
    Nur gleich vorweg, Everworld ist kein 7th Tower (hat's inzwischen mal jemand gelesen?), kann noch nicht mal annähernd ans Fantasy-Treppchen rankommen. Aber das muss es auch gar nicht.
    Jedes Buch ist in der 1. Person geschrieben, jedesmal vom Gesichtspunkt eines Anderen der Gruppe aus (fängt alle 4 Bücher von vorne an). Dadurch erhalten die Charaktere eine unglaubliche Tiefe (erst wirklich ab Band 3, zugegeben). Nun, zumindest die 5 Hauptcharaktere (Senna, David, Jalil, April, Christopher).

    Die Qualität steigt stetig an, die Ausnahme bildet hier das von einem Ghostwriter geschriebene 10. Buch (UtU), dementsprechend besteht ein Sprung zu Band 11.
    Die Serie verkaufte sich leider nicht gut, deshalb war bei #12 Schluss, und das merkt man recht deutlich. Man kann nicht sagen, dass der Plot in den vorherigen Büchern gemächlich vorangetrieben würde, aber die Protagonisten hetzten auch nicht gerade von Schlacht zu Schlacht. Ist hier auch nicht so, aber es fehlen viele 'Füller', und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende (mehr sag ich jetzt mal nicht).

    Lasst euch nicht täuschen von der Zuordnung zu den Jugendbüchern. So viel verrate ich, am Schluss überleben nicht alle der Gruppe. Und Teile der Reihe (besonders die aus der Sicht von Jalil und April) sind "deeply thought-provoking", wie unsere Freunde über dem Teich sagen würden (wenn sie die Anspielungen und Denkanstöße verstehen würden :rolleyes: ). Und die Story ist nicht ein simples "die Teenager schaffen es, allein mit ihrem glorreichen amerikanischen Patriotismus bewaffnet, die ganze Welt zu retten", nein, die Überraschungen sind zahlreich (und kommen überraschend, was ja nicht selbstverständlich ist). Und (;)) die Sprache ist überraschend... kompliziert. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Amerikaner das verstehen würde :D...

    Natürlich sickert es schon etwas durch. Im normalen Leben ist bei einem durchschnittlichen amerikanischen Teenager jedes dritte Wort "f***". Über ein 'these freaking aliens' kommt es in Everworld nie hinaus (d.h., es gibt vier oder fünf Mal eine Anspielung, aber nur in der Form "and he shoutet a word, a nasty word with four letters, a word a well-educated, well-standing young man at junior high school was not normally supposed to utter, especially not with three teachers in front of him").
    Und irgendwie ist auch alles politisch korrekt, in der Gruppe ist ein weißer Amerikaner, ein Jude, ein Afro-Amerikaner und eine junge Frau. Und eine blonde Hexe.

    Was mich zum nächsten Punkt bringt: dem Humor. Der kommt nun wirklich nicht zu kurz. Wenn er kommt, dann meistens in Form von Christopher, dem einzigen, dem man abnimmt, ein echter, normaler, nordamerikanischer Jugendlicher aus Chicago zu sein (tendiert zum Trinken, seine Fernbedienung ist sein bester Freund, und seine Witze sind öfters als nicht auf Kosten anderer... Juden, Schwarze, Frauen, ironischerweise).
    David und Jalil lassen selten mal einen los, April zwar auch nicht, aber die denkt sich ihren Teil, was wir dann in drei Büchern auch mitkriegen.

    Zu den dt. Ausgaben kann ich nicht viel sagen, ich hab die noch nie in meiner Buchhandlung gesehen. Es war aber nichts sonderlich schwer zu übersetzendes dabei (England hat schließlich keine ordentliche Mythologie), nur evtl. ein paar Anpassungen oder Fußnoten (kann mir nicht vorstellen, dass gerade in Deutschland mit unserem Aspirin jemand weiß, dass Advil ein amerikanisches Kopfschmerzmittel ist).
    9 von den 12 sind bereits erschienen, siehe unten; sie sind etwas teurer als die amerikanischen/englischen Fassungen, das Cover kommt aber besser rüber, und, wie gesagt, die Sprache ist im Original etwas kompliziert.

    Im Endeffekt kann ich diese Reihe nur jedem empfehlen, der sich etwas für Göttersagen interessiert und auch nicht davor zurückschreckt, mal ein Buch zu lesen, das nicht speziell für Erwachsene geschrieben wurde.


    1.
    Search for Senna
    Die Suche beginnt

    2.
    Land of Loss
    Die grausame Gottheit

    3.
    Enter the Enchanted
    Der Pakt mit dem Zauberer

    4.
    Realm of the Reaper
    Im Angesicht des Bösen

    5.
    Discover the Destroyer
    Im Dienste des Drachen

    6.
    Fear the Fantastic
    Im Land des Ka Anor

    7.
    Gateway to the Gods
    Das Tor zu den Göttern

    8.
    Brave the Betrayal
    Der Opfergott

    9.
    Inside the Illusion
    Im Innern der Illusion

    10.
    Understand the Unknown

    11.
    Mystify the Magician

    12.
    Entertain the End


    <center>
    <img src="http://members.lycos.co.uk/kelltainer/ew4-hel.jpg"
    </center>
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2002

Diese Seite empfehlen