Va'art

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und immer noch namenloser Fellkugel

Hätte Ian von ihren vorherigen Gedanken gewusst, dann hätte er vermutlich mit aller Deutlichkeit gesagt, dass sie jetzt nicht nur nicht mehr vernünftig, sondern hingegen völlig durchgeknallt war. Völlig.
Ja, vielleicht hätte ich das - aber das hätte nur zu ellenlangen Diskussionen geführt und letzten Endes hätte einer von uns dennoch probieren müssen. Ich habe keine Lust, auf diesem Mond zu verhungern. Es hatte keine Warnung von der Macht gegeben, nicht das kleinste Aufflackern. Sie vertraute auf die Macht, also konnte das nur bedeuten, dass die Frucht ungefährlich war.
Oder, dass die Macht sie auf diesem Mond einfach im Stich ließ.
Nutzlos.
Sie fühlte sich nicht anders, es gab keine Anzeichen. Keine gefühlte Taubheit, keine Krämpfe, keine Atemnot, keine Übelkeit. Nur der einfach himmlische Geschmack der Frucht auf ihrer Zunge.


Sie war völlig perplex, als Ian ihr die Frucht aus der Hand nahm und in den Dschungel warf. Ja es war schon richtig, sie sollten erst einmal abwarten, dennoch - sie
hasste es, wenn man sie bevormundete. Andererseits konnte sie Ian verstehen. Sie hatte ihn schließlich auch überrumpelt, und die Besorgnis, mit der er sie anstarrte, war nicht zu übersehen. Sie hatte sich nun in eine Situation begeben, in der er erst einmal handlungsunfähig war, und das war etwas, das jedem schwerfiel.
Dennoch, sie hatte es schließlich überhaupt nur getan weil sie genau wusste, dass sie ansonsten stundenlang diskutiert hätten. Wäre er nicht so... Ach, Ian eben! - dann hätte sie es auch mit ihm abgesprochen. Es war sinnig, dass
sie probierte, und das hätte er unter Garantie abgestritten.
Aber nun brauchte er Zeit zum verdauen. Genau wie sie selbst auch. Sie musste sich zurückhalten, ruhig, in ihrer Mitte.

So ertrug Eowyn gelassen seine Worte, ließ ihn seine... Besorgnis? Furcht? Hilflosigkeit? abreagieren.
Leichtsinnig? Ja, was hatte er denn geplant gehabt, als er von "finden wir es heraus" gesprochen hatte? Es gab nun einmal keine andere Möglichkeit, die Essbarkeit von etwas zu überprüfen, außer, es nun einmal zu
essen. Letztendlich war das die einzige Möglichkeit. Aber sie blieb ruhig, auch wenn sie am liebsten mit den Augen gerollt hätte. Nein. Er war einfach nur besorgt - sie wäre es umgekehrt genauso. Da sagte man nun einmal Dinge, die man nicht so meinte. Denn sie war sich ziemlich sicher, dass er sie nicht umbringen würde. Zumindest jetzt nicht mehr.

In Ordnung, lasst uns weitergehen. Auf der Stelle zu stehen half ihnen nun auch nicht weiter. Und selbstverständlich werde ich Euch Bescheid sagen, meinte sie verwundert. Was dachte er denn, dass sie vorhatte die Heldin zu spielen und irgendwann einfach umzukippen? Sie mochte viele schlechte Eigenschaften haben, aber Dummheit gehörte ihrer Ansicht nach nicht dazu.
Auch wenn Ian das momentan sicher anders sah.
Jetzt allerdings andauernd Ians stechenden Blick im Rücken zu haben war mehr als nur unangenehm. Es ging ihr gut, zum Sarlacc noch mal, und sie hatte ihm gesagt, sich zu melden, sobald sie etwas spürte, was wollte er denn noch mehr? Sie mit seinem Blick zu durchbohren und durch ihre gläserne Hülle hindurchzublicken? Das funktionierte nur bei ihrem Kopf, verdammt.
Immer wieder überprüfte sie ihr Befinden, hielt sich selber unter völliger Beobachtung. Da gab es nichts, was Ian früher entdecken konnte wie sie selbst. Sie wusste, dass er ihr wohl nicht wirklich vertraute, aber hielt er so wenig von ihr?


Schließlich hielt sie es nicht mehr aus, blieb stehen, wandte sich um und sah in seine Augen. Ian... sagte sie ruhig, beinahe sanft. Es geht mir gut, und wenn es anders wäre, dann würde ich es Euch sofort sagen. Und vielleicht war es jetzt an der Zeit, sich genauer zu erklären. Vielleicht verstand er sie dann besser. Es tut mir Leid, dass ich Euch so überrumpelt habe, aber einer von uns musste schließlich probieren. Und das solltet einfach nicht Ihr sein. Ihr seid derjenige mit den Informationen. Ihr seid derjenige mit den Heilkräften. Ihr seid derjenige, der Morichro beherrscht. Drei Gründe, die auf mich als logische Wahl weisen - und nein, diese Logik ist nicht verdreht, aber wir hätten ewig darüber diskutiert, und Ihr hättet es vermutlich nicht akzeptiert.
Ich habe darauf vertraut, dass die Macht mich warnen würde, und wenn nicht, dass Ihr da wäret, und das mache ich noch immer.
Es lag auf der Hand, dass er im allerschlimmsten Fall nichts würde tun können, aber sie sprach es nicht aus. Das wäre nicht hilfreich.

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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und namenloser, schlafender Fellkugel

Diskussionen? Fast hätte Ian die Augen gerollt, wäre nicht die Sorge zu deutlich gewesen, die er nicht abschalten konnte. Warum war Eowyn jedes Mal, wenn es um sie ging, so begriffsstutzig wie ein Bantha? Es war zum verrückt werden! Manchmal ging es einfach nur darum, Dinge hinzunehmen und zu akzeptieren. ‚Wir suchen uns einen halbwegs Geschützen Ort, dann wird von der Frucht probiert. ‘ ‚In Ordnung‘. Eine wirklich, wirklich ellenlange Diskussion. Vielleicht dachte Eowyn auch einfach nicht weit genug. Wenn sie hier, mitten im Regen zusammenbrach, im Dickicht des Dschungels, wo sollte Ian sie dann bitte hinbringen? Weder war er ein Übermensch, noch ein Wunderheiler. Würde sie zusammenbrechen, würde er sie wegschaffen müssen, irgendwohin, wo es weniger nass war. Irgendwohin, wo sie ein bisschen geschützt waren. War diese Frucht giftig, würde sie dann schon längst gekrümmt und zusammengekrampft daliegen und ihr Magen und jedes andere Ausscheidungsorgan würde sich wehren. Was es natürlich sehr einfach gemacht hätte, sie irgendwohin zu bringen. Fast hätte die Wut, die übe ihre Leichtsinnigkeit entstehen wollte, gesiegt. Lediglich der Wurf der Frucht, die er ihr aus der Hand nahm, war offenes Zeichen dieser. Dennoch schwelte der Ärger leise in Ian, wurde nur von der Besorgnis überdeckt. Einmal davon abgesehen, dass eine Vergiftung die eben überlegten Unannehmlichkeiten bereiten würde, war äußerst fraglich, ob Ian überhaupt dazu in der Lage war, eine Vergiftung zu heilen. Und wenn Eowyn elend an einer Vergiftung krepierte, war sicher kein Versagensgefühl das, was Ian dann beherrschen würde. Er hatte dieser Frau, als sie schon einmal mehr tot als lebendig gewesen war, gesagt, dass er sie brauchte. Zugegeben, das mochte sie in ihrem ohnmächtigen Zustand nicht gehört haben und vielleicht war diese Erkenntnis auch nicht so offensichtlich. Aber wenn sie starb… Ian schüttelte den Kopf, verdrängte die Gedanken. Er hasste es, sich von jemandem oder etwas abhängig zu machen und eigentlich machte die Tatsache, zu glauben, dass er sie wirklich brauchte, ihn nur wütender auf sie. Aber er konnte sich einreden was er wollte, wahrscheinlich würde er ohne sie, auf diesem Mond, verrückt werden.

Ich hätte Euch sicher nicht verhungern lassen"
, konnte er sich dennoch nicht verkneifen zu sagen und klang dabei mehr, als nur belehrend. Als wäre das nicht offensichtlich gewesen. Als würde er sie verhungern lassen! Glaubte sie denn, dass er ihr die ganzen Riegel nur zum Spaß überließ? Und glaubte sie allen Ernstes, dass er einfach zulassen würde, dass sie verhungerte? So wie er einfach zugelassen hatte, dass sie mit dem Schiff verbrannte?! Oh ja, sie machte ihn wieder einmal wahnsinnig und wäre da nicht die Sorge gewesen, er hätte sie gepackt und geschüttelt. Gut also, dass sie sich in Bewegung setzen und Ian sich sehr langsam wieder beruhigen konnte. „Gut“, zischte er nur, als sie sich einverstanden erklärte, ihm Bescheid zu geben. Aber auch hier zeigte sich ihre Begriffsstutzigkeit oder ihr Unwissen über Vergiftungen. Was war, wenn ihre Zunge gelähmt war? Ach, Eowyn hatte einfach keine Ahnung! Vielleicht war das der springende Punkt. Nicht, dass er Ian dazu verholfen hätte, sich wieder zu beruhigen.

Als sie dann innehielt und ihn ansprach – diesmal fast beruhigend- vermochte auch das nicht Ian zu besänftigen. Vielleicht half aber ihre Entschuldigung, oder er hatte dazugelernt und konnte sich deshalb ein wenig besser zusammenreißen.
„Wären wir an einem Lagerplatz, hätte ich ein weitaus kleineres Problem damit gehabt. Hier ist eine Heilung, eine Rettung oder was auch immer um einiges umständlicher“, ging er selbst zu einer Erklärung über und bemühte sich mit Eowyn nicht so zu sprechen, als sei sie entweder dumm oder ein kleines Kind. „Wisst Ihr, ich kann mich auch zurücknehmen und es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ich Eure Logik vielleicht akzeptiert hätte. Aber“, und das musste sie begreifen, „ich bin kein Wunderheiler.“ Und inzwischen hatte auch sie die wichtigen Informationen. Sie war die Jedi und sie genoss das Vertrauen des Ordens. Sie war, im Gegensatz zu ihm noch zu etwas zu gebrauchen und sie war eindeutig die wichtigere Person, diejenige, die noch ihr halbes Leben vor sich hatte. Resigniert, schüttelte Ian nur wieder den Kopf, als er sich in Bewegung setzte. Die Macht hatte sie hervorragend davor gewarnt, in das Schiff zu steigen. Die Macht hatte sie vor dem Virus gewarnt. Die Macht hatte sie vor der Raupe gewarnt. Ja, wirklich, ein äußerst vertrauensvolles Ding. Worte, die er besser für sich behielt, denn sie hätten wahrscheinlich die Kraft zur Eskalation gehabt."Abgesehen davon, kann ich Moricho nicht nur auf mich anwenden. Eigentlich ist es eine destruktive Attacke, die der Zerstörung dient." Begriff sie? "Das verlangsamen aller Körperfunktionen", rief er ihr nocheinmal zurück ins Gedächtnis und war sich nicht sicher, ob er die Brutalität der Attacke - und es war im Grunde Technick und Attacke- deswegen so betonte, weil er nicht stehen lassen wollte, was sie da über Vertrauen gesagt hatte. Vertrauen zu ihm. Vermutlich musste er bloß wieder Abstand zwischen sich und sie bringen und was war besser dafür geeigent, als ihr zurück ins Gedächtnis zu rufen, dass sie unterschiedlich waren? Sie gut, er schlecht? Außerdem war die Erinnerung sehr hilfreich, um zu verdrängen, dass ihr Tod ihn vermutlich getroffen hätte. Wer zerstörte, sorgte sich nicht. So einfach war das. Wirklich? Wäre da nicht der Nachhall seiner eigenen Gefühle gewesen. Vermutlich hätte ihr Tod ihn getroffen.
Vermutlich. Welch bodenlose Untertreibung. Wer zerstörte, sorgte sich nicht? Wem machte er eigentlich etwas vor? Sich, ihr, oder gar ihnen beiden?


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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und namenloser, schlafender Fellkugel

Natürlich hätte er sie nicht verhungern lassen. Er hätte ein paar Mal mit der Hand gewunken und schon wäre überall etwas zu Essen vom Himmel gefallen. Er in seiner Allmacht hätte natürlich dafür gesorgt. Hörte er sich eigentlich selber zu? Offensichtlich nicht, aber es blieb dabei. Er war aufgebracht, besorgt, vielleicht sogar obergründig wütend. Sie musste äußerlich ruhig bleiben, auch wenn ihr das nicht wirklich passte. Innerlich konnte sie sich allerdings aufregen, so viel sie wollte, und das nutzte sie auch aus, nachdem sie jetzt begann, sich wieder abzuschirmen. Ihr Inneres ging Ian nun wirklich nichts an, besonders wenn er es war, der sie so aufwühlte. Und sie wollte ihm nicht noch mehr Anreiz geben, sich aufzuregen.

Ihre folgenden ruhigen Worte führten zumindest nicht zu einer Eskalation, das war ja schon einmal schön. Kleine Erfolge feiern, richtig? Doch meinte er das wirklich ernst? An einem Lagerplatz wäre es kontrollierter, einfacher gewesen? Sie waren nass von oben bis unten, was machte etwas eventuelle Trockenheit da für einen Unterschied? Einmal davon abgesehen, dass sie bisher Glück gehabt hatten mit ihren Lagerplätzen, ob sie auch heute etwas finden würden wussten nur die Sterne. Und trockenes Holz war so oder so vermutlich erst einmal unauffindbar. Einen anderen Unterschied machte ein Lagerplatz nicht.
Und als ob er sich wirklich darauf eingelassen hätte. Ihr entging nicht sein Verhalten, schon seit Tagen, es war offensichtlich, dass er niemals zugelassen hätte, dass
sie die Frucht probierte. "Ein weitaus kleineres Problem" machte das deutlich. Das hieß bei Weitem nicht "kein Problem"... Aber auch hier. Ruhe. Gelassenheit. Durchatmen. Auch wenn er sie behandelte wie eine Padawan. Sie hatte es schließlich herausgefordert.

Es macht keinen Unterschied, wo wir völlig durchnässt sind. Es macht daher auch keinen Unterschied, wo......sie im schlimmsten Fall sterben würde? Ja, sie hatte Angst davor, so unendlich viel Angst, dass sie darüber nicht nachdenken wollte, sie war noch nicht bereit dafür. Aber gerade deshalb konnte sie dies mit Sicherheit sagen. Es war tatsächlich egal.
...wo ich es versuche.

Er konnte ihre Logik akzeptieren? Aber doch nur, wenn es für ihn nichts Wichtiges war. Sie gerieten immer wieder aneinander, und Eowyn war sich beinahe sicher, dass er DAS niemals akzeptiert hätte. Er machte ihr etwas vor, oder vielleicht sogar auch sich selbst. Das war nicht so einfach.

Ich bin vielleicht eine Jedi, aber ich bin nicht naiv. Ich weiß sehr gut um die Möglichkeiten der Macht - und um ihre Grenzen. Ich bin dieses Risiko durchaus in dem Wissen eingegangen, dass Ihr eventuell nichts tun könnt, doch immerhin besteht da eine kleine Chance. Im umgekehrten Fall wäre diese quasi nicht existent. Versteht Ihr das denn nicht? Ich hätte für Euch absolut rein gar nichts tun können. Nicht das kleinste bisschen. Es ging in diesem Punkt ganz rational um Wahrscheinlichkeiten. Nicht mehr und nicht weniger. Was wäre schlussendlich gewesen, wenn er in ihren Armen gestorben wäre, nur weil sie irgendeine Grundlage falsch in Erinnerung hatte? Nein. So machte es einfach mehr Sinn.

Sie gingen weiter, doch Ian ließ nicht locker. Morichro. Anwendbar auf andere. Auf negative, absolut zerstörerische, bösartige Art und Weise. Das machte so viel Sinn, dass sie sich fragte, weshalb sie das nicht früher gesehen hatte. Bei den Sith hatte das Meiste in der Regel einen Hintergedanken. Doch er betonte es so deutlich, stellte die negativen Fakten so sehr in den Vordergrund, dass es mit Eowyns Geduld und Verständnis nun vorbei war. Wieder blieb sie stehen, wartete dieses Mal aber ein wenig, atmete durch, bis sie sich ein kleines bisschen besser unter Kontrolle hatte, bevor sie sich letztendlich halbwegs ruhig an Ian wandte.

Ian. Bei allem was mir lieb und teuer ist, ich bitte Euch, bitte, hört auf damit. Habt Ihr es noch nicht begriffen? Wir hatten das doch schon so oft. Ihr habt fürchterliche Dinge getan, Ihr wart ein Mensch, der in meinen Augen wohl völlig fehlgeleitet war. In Euren vermutlich auch. Aber das sehe ich nicht, wenn ich Euch jetzt anblicke. Ich sehe jemanden, der etwas bereut und der einen anderen Weg wählt. Jemanden, der sich um andere sorgt. Jemanden, der mir wenigstens einmal das Leben gerettet hat.
Ihr mögt Dinge getan haben, von denen ich nichts weiß und vielleicht auch nichts wissen will. Aber hört auf damit, Euch in meinen Augen kleinzumachen. Euch vor mir schlechtzureden. Euch und Euer Leben als unwichtig darzustellen. Denn das ist es nicht.
Wir beide wissen, dass aus diesen Gründen IHR darauf bestanden hättet, die Frucht zu probieren, und das konnte ich eben nicht zulassen. Nicht aus diesen falschen Gründen.


Vielleicht wagte sie sich damit zu weit vor. Wahrscheinlich sogar. Aber sie blieb ruhig, und es war die absolute Wahrheit. Sie hoffte nur inständig, dass er es nicht in den falschen Hals bekam und sie endültig anfangen würden zu streiten - das, was sie eigentlich hatte vermeiden wollen.

Ich vertraue auf Euch. Lernt, damit zu leben, fügte sie mit eindringlicher Stimme hinzu. Und da das vermutlich nicht ausreichend war... Und selbst wenn Ihr glaubt, dass ich dies nicht tun sollte - wollt Ihr mir tatsächlich den einzigen Halt hier auf diesem Mond nehmen? Das war vermutlich auch nicht fair. Aber ebenfalls die Wahrheit - denn wenn sie Ian nicht vertrauen konnte, wenn sie dem einzigen Menschen hier nicht vertrauen konnte, wie sollte sie dann weitermachen? Es war ebenso wenig fair von ihm, ihr dauernd einzureden, dass er unwürdig war und brutal.

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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und namenloser, schlafender Fellkugel

Sie machte ihn wahnsinnig und wütend und sie sorgte sehr perfekt dafür, dass sich all seine Besorgnis auflöste, um seiner Wut Raum zu geben. Viel Raum. Und dabei machte Ian nur noch wütender, dass Eowyn nicht einmal versuchte, ihn zu verstehen. Ihre verfluchte Rechthaberei war Schuld daran. Sie hatte während der ganzen Zeit, in der sie zusammen gewesen waren bewiesen, dass es ihr ständig darum ging, richtig zu liegen. Wahrscheinlich, weil sie sich so oft falsch wähnte, dass sie zumindest diese Art der Sicherheit brauchte. Wenn es je angebracht gewesen war, sich an einen ihrer Sätze zu erinnern, dann war jetzt genau der richtige Zeitpunkt, denn liebend gerne hätte er sie jetzt genommen und an die Wand geklatscht. Etwas, dass sie schon einmal vermutet und er abgestritten hatte. Jetzt traf es zu, mangelte aber an einer Wand. An Wut mangelte es nicht und Ian schluckte hart, um seine innere Ruhe wieder zu finden. Aber wie sollte er sich nicht aufregen, wenn sie ihn wahnsinnig machte? Und wie sollte er sich nicht aufregen, wenn sie ihn nicht ernst nahm? Genau das aber war ihr Problem. Sie nahm ihn immer dann nicht ernst, wenn es eine Notwendigkeit gewesen wäre, so wie jetzt. War sie je vergiftet gewesen? Nein. Also sollte sie den Mund halten, denn Ian wusste, wovon er sprach.


„Es macht einen verdammt großen Unterschied“, hatte er die größte Mühe, sie nicht direkt anzufahren. Warum gab er sich überhaupt Mühe, sie mit Samthandschuhen anzufassen? Sie war weitaus geradliniger, wenn es darum ging, ihre Meinung kund zu tun und er war es leid. Auch, dass sie erst lachten um im Anschluss darauf wieder zu streiten. Als wären sie ein altes Ehepaar. Kein hilfreicher Gedanke. „Vielleicht seht Ihr Euch für einen Augenblick um, Eowyn. Wir sind hier mitten im nichts. Wir haben die Lage nicht kontrolliert. Wir wissen nicht, ob hier eine Raupe auftaucht. Warum sehr ihr das nicht?“ Und warum bei der Macht, schrie er sie nicht einfach an? Wo er sich genau das doch gerade herbei sehnte. „Es geht viel weniger um den regen, als dieses unwegsame Gelände. Ein Gift wirkt schnell, eine Heilung muss noch schneller wirken und hier ist eine Flucht alles andere als schnell möglich.“ Aber sie verstand nicht und das lag daran, dass sie nicht einmal den Versuch unternahm, ihn zu verstehen. Ihre eigene Erklärung war dabei einfach nur lächerlich, absolut lächerlich und völlig an den Haaren herbei gezogen. Was faselte sie da von Risiko und Chance, wenn es allein Leichtsinn gewesen war, der sie angetrieben hatte? Und Dickköpfigkeit! Sie traf immer dann eine Entscheidung für sich, wenn sie sicher war, dass er dagegen sein konnte. Das war es, was sie Teamarbeit nannte. ‚Triff die Entscheidung, gegen die Ian sein könnte allein, den Rest sprichst du mit ihm ab.‘ Oh ja. Genau das war der springende Punkt.

„Und nein, ich will es nicht verstehen.“ Auf Coruscant hatte sie selbst gesagt, dass ihm auf Lianna vermutlich niemand glauben würde. Das sie mitkam, damit ihm Glauben geschenkt wurde. Aber dann agierte sie auf Va’art so leichtsinnig, als sei ihr Leben überhaupt nicht von Bedeutung. „Wart ihr jemals vergiftet?“ Nein. Wusste sie von was sie sprach? Nein. Konnte sie vielleicht davon ausgehen, dass es hier nicht um Heldentum oder Edelmut von ihm ging, sondern um Logik? Nein. Begriff sie, dass ihm etwas an ihr lag? Nein. Ging in ihren Kopf, dass sie ihn auf diesem Mond brauchte? Nein. Und all diese Neins schürten nur Ians Wut. Ihre kindische Abschirmung machte es nicht besser und ihre folgenden Worte… ja ihre folgenden Worte hätte sie besser für sich behalten. Denn sie spielte auf etwas an, für das der Zeitpunkt nicht nur denkbar schlecht war. Sie sprach etwas an, wozu sie überhaupt kein Recht hatte. Hätte sie ihm diese Worte entgegen geschmettert, hätte er sie vermutlich weitaus besser aufgenommen. Aber diese Ruhe sorgte für das absolute Gegenteil. Er atmete tief ein und aus, ehe er den Kiefer aufeinanderpresste und versuchte, Herr über seine Gefühle zu werden. Aber es brodelte gewaltig in ihm. ‚Haltet die Klappe‘, lag ihm auf der Zunge, ganz ähnliche Worte, die er damals auch an Alisah gerichtet hatte, die vernünftig genug gewesen war, auf ihn zu hören. ‚Ihr wisst nicht, was ihr da sagt‘. Bloß hätten diese Worte sie nicht nur Vernunft gebracht. Was also sollte er erwidern? Am besten wohl nichts… Stillschweigend über sich ergehen lassen, was sie sagte, sich nicht aufregen und.
Den einzigen halt auf diesem Mond? Er löste seinen Blick von dem Nichts, dass er sich als Fixpunkt gesucht hatte und starrte sie nun doch wütend an. Oder verletzt. Oder enttäuscht. Oder wie auch immer.
„Aber Ihr dürft das? Mir den letzten Halt nehmen, den ich überhaupt habe?“
Er malhlte mit dem Kiefer, als er seinen Schritt beschleunigte. Seine Worte wogen ihm selbst viel zu schwer und er bereute, sie überhaupt gesagt zu haben. All das ging sie überhaupt nichts an und wenn er sie schon nicht anschrie, musste er etwas anderes tun.
„Mein Leben ist zu Ende, wenn ich hier runter komme, vielleicht solltet Ihr lernen, damit zu leben.“ Und dann wusste er, was er sagen musste. Ob es darum ging, sie absichtlich zu verletzen oder ob er ernst meinte, was er sagte? Er meinte es ernst und es ging viel eher darum, sich selbst zu schaden. Mit etwas musste er seien Wut kanalisieren. Schrie er sie schon nicht an, musste er sich einer anderen, zerstörerischen Sache zuwenden. Worte.
Die Ausweglosigkeit auf diesem Mond sollte Eure Gefühle nicht verwirren. Denn ihr wisst genauso gut wie ich,“ und so deute er zwischen ihr und sich hin und her, „dass Ihr mich nur deswegen hier braucht, weil Ihr sonst alleine hier seid. Also nennt Notwendigkeit nicht Vertrauen, das ist lächerlich.“ Und damit war gesagt, was gesagt werden musste. Sie sollte weder sich, noch ihm irgendetwas vormachen. Halt! Ja, auf diesem Mond. Wie ehrenvoll. Er war Zweitwahl des Pelztieres und es war notwendiges Übel, dass sie sich mit ihm abgeben musste. Halt hatte beim besten Willen nichts damit zu tun. Vertrauen noch weniger. Gemeinsam ließ es sich einfach auf dem Mond überleben.

Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und namenloser, schlafender Fellkugel
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und namenloser immer noch schlafender Fellkugel

Jetzt konnte sie nicht anders, als bitter aufzulachen. Sie hatten die Lage nicht kontrolliert, meinte er das wirklich ernst? Wann hatten sie die Lage zuletzt unter Kontrolle gehabt - war es auf der Sandkorn gewesen? Auf Coruscant? Vielleicht sogar noch vor Nar Shaddaa? Definitiv nicht, seitdem sie hier auf diesem Mond waren. Die Lage nicht kontrolliert... Was machte es für einen Unterschied, ob die Raupe sie unter einem Baum fraß oder draußen im Freien? Und was spielte das Geländer für eine Rolle - wollte er sie etwa über die Hügel ins nächste Krankenhaus tragen? Wenn es eines geben würde, dann würde sie ihm ja zustimmen. Aber es gab hier nichts weit und breit, sie hatten noch keine Höhle gesehen, die eventuell ein ganz kleines bisschen Schutz bieten würde. Ja, vielleicht war da draußen irgendwo eine, aber nur weil eventuell, vielleicht irgendwo eine nette, kleine Höhle auf sie wartete machte das doch keinen Unterschied.
Dennoch. Sie musste ruhig bleiben, es half nicht, wenn sie nun beginnen würden, sich gegenseitig anzuschreien. Im Gegenteil. Es durfte nicht noch einmal so enden wie gestern morgen. Erstens ertrug sie dies nicht, und zweitens würde ihre Gemeinschaft das ein zweites Mal vermutlich nicht aushalten. Sie hatte keine Ahnung wie es weitergehen sollte, wenn sie sich völlig miteinander überwarfen.


Also. Durchatmen. Ruhig bleiben. Um jeden Preis.
Korrekt. Wir sind mitten im Nichts, und auch ein Lagerplatz ändert nichts daran, dass wir hier die Lage niemals unter Kontrolle hatten oder haben werden. Wir mussten auch von unserem vorherigen Lager fliehen - unter "die Lage kontrollieren" verstehe ich aber etwas anderes. Wir sind hier nirgendwo sicher. Vielleicht übersah sie tatsächlich irgendetwas. Aber es erschloss sich ihr trotz mehrmaligem Nachdenken einfach nicht, worin der Unterschied bestand. Es war gefährlich, todgefährlich, und zwar egal wo.

Aber wie war das? Er
wollte nicht verstehen? Wie, Ihr wollt... Ungläubig starrte Eowyn Ian an. Na das war ja toll. Sollte sie jetzt auch mit dem Fuß aufstampfen und sagen "Ich will Euch einfach nicht glauben, darauf habe ich keine Lust, lalalala"? Was für eine Diskussionsgrundlage! Und noch viel besser war ja, dass er auf ihre nächsten Worte überhaupt erst gar nicht mehr einging. Sie hatte ihn ernsthaft um etwas gebeten, sie hatte noch einmal betont, wie wichtig er war, stang, hatte er nicht einmal gehört, dass er ihr etwas bedeutete? Dass sie sah, dass da mehr in ihm war, dass sie an ihn glaubte? War er so blind, so taub? Oder ignorierte er es einfach, aus einem von zehntausend blöden Ian-Gründen heraus? Er hörte noch nicht einmal richtig zu! Am liebsten würde sie ihm gegen das Schienbein treten, um ihn endlich aufzuwecken aus seiner Starre, aus seinem Selbstmitleid und seiner Einigelung. Aber nein. Ruhe. Frieden. Gelassenheit. Ihre Mitte.
Er war aufgebracht. Besorgt... Sie versuchte, es wie ein Mantra vor sich herzubeten. Es war nicht seine Schuld. Durchatmen. Ruhig bleiben.


Perplex starrte sie ihm hinterher, als er nach seinen emotionalen Worten schneller weiterstapfte. Hatte er gerade das gesagt, von dem sie dachte, dass er es gesagt hatte? Und das aus seinem Mund. Ob ihm selber klar war, was er da gerade gesagt hatte? Ein unangenehmes Kribbeln breitete sich in ihrem Bauch aus und sie schluckte. Das hatte sie so nicht im Sinn gehabt. Sie hatte ihn unterstützen wollen, ihm helfen wollen, ja, aber nicht etwas sein wollen, das sie nicht sein konnte. Ian, ich... Verdammt, schaffte sie es irgendwann einmal eigentlich, Sätze zu beenden?
Man sah ja ganz deutlich an dieser Situation, dass das alles so nicht funktionierte. Sie sollten gleichberechtigt sein, Dinge gemeinsam entscheiden. Dummerweise musste sie sich auch an ihrer eigenen Nase packen. Sie hatte ihn ja ebenfalls bevormundet... sie standen sich offensichtlich in nichts nach.
Sie hatte ihn nach seinen nächsten Worten in Blitzgeschwindigkeit wieder eingeholt. Damit durfte er nicht leichtfertig um sich werfen. Nein. Das ließ sie nicht zu.
Ich lerne nicht, damit zu leben. Denn ich lasse das nicht zu, grollte sie, und der Gedanke, der heute früh bereits begonnen hatte zu reifen setzte sich immer weiter in ihr fest. Es wäre nicht richtig. Und sie konnte nicht für etwas einstehen, das nicht richtig war... Also würde sie mit aller Kraft dafür kämpfen, dass dieser Fall nicht eintreten würde. Und sie würde etwas erreichen. Sie musste etwas erreichen. Sie würde sich mit diesem Gedanken definitiv nicht anfreunden. Nein. Das gab es einfach nicht.

Sie war sich dabei so sicher. So sicher... Und Ian bewies aber wieder einmal, dass sie damit aber vielleicht wirklich Fehler beging. War das der Lohn dafür, dass sie so ruhig geblieben war? Dass sie versuchte, diese Situation ohne Aufruhr zu lösen? Seine nächsten Worte trafen sie einmal wieder direkt in die Magengrube, und sie hatte das dringende Gefühl eines Déjà-vus, als sie stehenblieb und das Gefühl hatte, keine Luf tzu bekommen. Das dachte er also von ihr? Das war es? Er dachte, sie hielt sich nur an ihm, weil es notwendig war? Bei allen Planeten, erst gestern Abend hatten sie doch noch darüber gesprochen! Dass sie es eben nicht bei dem notendigsten Kontakt belassen wollten. Er selbst hatte doch gesagt, dass es unsinnig sei!
Er dachte also, sie log ihm und ihr die ganze Zeit etwas vor? Hörte er ihr eigentlich tatsächlich niemals zu? Sie hatte ihm Dinge erzählt, die niemans sonst wusste, sie war gestern morgen durchgedreht, weil seine Meinung ihr wichtig war. Weil sie seine Meinung achtete.
Weshalb auch immer das so war. Aber es
war nun einmal so.
Sie hatte doch noch
gerade eben betont, wie sie ihn sah. Er musste doch spüren, was sie ehrlich meinte! Dass sie ihm vertraute. Er war ein Machtnutzer! Wieso. sah. er. es. nicht? Wieso dachte er so von ihr, dass sie so... berechnend wäre, so gefühllos? Weshalb unterstellte er ihr nur "verwirrte Gefühle", glaubte nicht daran, dass sie vielleicht tatsächlich so dachte? Sie schwankte zwischen abgrundtiefer Verletztheit und Wut, in ihr brodelte und kämpfte alles, und sie war plötzlich sehr froh, dass sie wieder begonnen hatte, sich wieder abzuschirmen.
Das kleine Wesen auf ihrem Arm jedoch schien andere Antennen zu haben als die der Macht und räkelte sich auf ihrem Arm, gerade dabei, aufzuwachen. Doch Eowyn ignorierte es vorerst. Das hier war jetzt wichtiger.


Sie fixierte Ian mit kaltem Blick. Sie würde ihm jetzt nicht die Genugtuung geben zu sehen, wie sehr, wie tief er sie getroffen hatte, nein, das gab es nicht. Nicht noch einmal. Gestern war genug gewesen. Also würde ihre Wut, ihre Enttäuschung Oberhand gewinnen müssen, zumindest kurzzeitig. Etwas anderes ertrug sie einfach nicht, und sie würde jetzt nach dem Verzehr der unbekannten Frucht sicher nicht zusammenbrechen. Oh nein.
Er wollte Abstand, er sah sie als Heuchlerin? Dann würde er auch Abstand bekommen. Nicht weniger. Egal, was es für sie selbst bedeutete, wie sehr es sie schmerzte, egal wie sehr sie glaubte, dass es Hoffnung für ihn gab. Es war nur offensichtlich nicht an ihr, sie ihm zu geben; wie konnte sie, nachdem er erst davon sprach, sie gäbe ihm Halt, und sie dann so von sich stieß, ihr so etwas unterstellte, sie so verletzte? Sie umwickelte sich selbst mit ihrer Abschirmung, machte sie fest und undurchdringlich. Nichts würde hinauskommen. Rein gar nichts.

Selbstverständlich nicht. Ihre Stimme klang hart und unwirklich. War das wirklich sie? Ihr habt Recht, das ist absolut lächerlich. Sie nickte und setzte ihren Weg fort. Gut, dass Ihr mich darauf hingewiesen habt. Ich begehe den Fehler nicht noch einmal. Daher... lasst mich einfach in Frieden. Frieden. Ha. Dass sie nicht lachte.
Und das Schlimme an der Sache war... das Schlimme war, sie vertraute ihm noch immer.


Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und aufwachender Fellkugel
 
Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und namenloser, schlafender Fellkugel

Sie war schlimmer als Alisah. Wenigstens hatte Alisah gewusst, wann es besser war den Mund zu halten. Und wenigstens hatte Alisah zeitweise so etwas wie Einsicht gehabt. Wobei gut möglich war, dass es sich dabei, genauso wie bei ihrer Liebe, nur um eine große Lüge mehr gehandelt hatte. Alisah war ohnehin die letzte, an die er denken wollte und die allerletzte, mit der es Eowyn zu vergleichen galt. Alisah war eine kleine, verwöhnte Göre, die sich selbst über alles andere stellte und Eowyn? Eowyn war einfach dickköpfig, störrisch, kratzbürstig, ungeduldig und nicht bereit, die ganze Sache aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Weil sie es nicht ertrug, falsch zu liegen. Wenigstens war Ian ehrlich genug, ihr zu sagen, dass er sie nicht verstehen wollte. Aber sie? Stellte ihn dar, als wäre er minderbemittelt. Sie hatten die Lage hier niemals unter Kontrolle? Oh, welch glorreiche Erkenntnis hatte sie denn da getätigt? Natürlich, ein Lagerplatz änderte nichts daran. Wie beschränkt konnte sie eigentlich sein, wie verbohrt? Hätte es ihrem Jedidasein geschadet, den Versuch zu starten, selbst zu verstehen? Als er selbst auf Ryloth vergiftet am Boden gelegen hatte, war es fast die gleiche Situation gewesen. Eine bescheidene Lage. Kein dichter Dschungel, aber offene Wüste, die Tagesseite, die Hitze und das Lylek. Natürlich spielte die Umgebung eine Rolle. Es regnete in Strömen, damit war die Sicht schlecht. Der Boden war völlig aufgeweicht, damit war der Weg schlecht. Der Dschungel war hier besonders dicht, besonders unwegsam, damit war die Gesamtsituation schlecht. Demnach bedeutete das, dass bei einer einzigen weiteren Unannehmlichkeit die Chance, ihr zu helfen, auf ein Minimum sank. Aber Ian würde nicht versuchen, ihr das begreiflich zu machen, denn ohnehin ließ sie ihn, mit ihrer wunderbaren Einschätzung der Lage dastehen, wie einen tölpelhaften Idioten. Gut, wenn sie meinte. Sollte sie sich doch in ihrem falschen recht wähnen, was interessierte ihn das? Nichts im Geringsten! Sollte sich doch vergiften, was störte ihn das?

Leider passte das was er da in Wut dachte, nicht zu dem, was er sagte. Aber so begriffsstutzig wie Eowyn nun einmal war, würde sie ohnehin nicht erkennen, was Ian da gerade los gelassen hatte. Stattdessen ärgerte er sich nur noch mehr über seine eigenen Worte, weil ihm, jetzt, da er sie laut ausgesprochen hatte, noch deutlicher bewusst wurde, was er da überhaupt von sich gegeben hatte. Er brauchte sie nicht! Er brauchte niemanden. Absolut niemanden. Schon gar keine Jedi! Das hätte er ihr an den Kopf werfen sollen. Sie hingegen stammelte wieder vor sich hin und Ian war gar nicht daran interessiert zu hören, was sie nun zu sagen hatte. Leere Worte. Sie würde nicht zulassen, dass sein Leben nach Va’art endete? Oh, wie niedlich. Sollten ihn diese Worte freuen oder gar beruhigen? Bitte, dann lernte sie es eben nicht. Was wollte sie denn groß tun? Dem Jedirat erklären, welch wunderbarer Mensch Ian war? Absurd und lächerlich. Auf Lianna angekommen, seine Information preisgegeben, war es zu Ende. Auch ihre Zusammenarbeit. Dann war Eowyn zurück in ihrem Alltag, zurück in ihrem alten Leben, zurück
im Leben. Kein Mond, kein Ian, nichts von alldem. Also sollte sie aufhören sich etwas einzubilden und aufhören, sich selbst zu belügen und sie sollte aufhören, ihn zu belügen.

Seine Worte trafen, das spürte er deutlich, denn auf einmal war da nichts mehr, was er spürte. Sie schirmte sich ab und das in einer nichtgeahnten Perfektion. Ihr Blick wurde kalt und abweisend. Schön. Was das ihre Art ihn zu bestrafen? Wunderbar. Sollte sie sich abschirmen, sollte sie ihn doch in Ruhe lassen. Diesmal würde er nicht derjenige sein, der ein schlechtes Gewissen bekommen würde. Für die Wahrheit brauchte er sich nicht zu schämen, geschweige denn schuldig zu fühlen.
Sie waren auf diesem Mond gefangen. Sie selbst hatte mehrfach gesagt, dass sie gar nicht wissen wollte, was in seiner Vergangenheit geschehen war. Dass sie sich vor Ians Vergangenheit fürchtete. Und warum? Weil sie Angst davor hatte, dass der Zweifel sie dann wieder einholen konnte um dann erkennen zu müssen, dass sie sich selbst etwas vormachte. Oh ja, sie machte es sich sehr einfach. Denn die Vergangenheit ließ sich nicht in Abrede stellen, auch dann nicht, wenn man sie vergaß, oder wenn man gar nichts von ihr wusste. Sie hatte bei den Jedi mit niemandem gesprochen, hier auf Va’art war alles nach oben gekommen. Natürlich. Weil die Verzweiflung hier greifbar war. Weil die Situation ausweglos war. Vertrauen, pah! Wenn da zwei einsame Seelen waren, dann war es alles, aber kein Vertrauen, was ihre Zungen löste. Ein Mond, kein Ausweg, lauernde Gefahren, Schuldgefühle. Und die Option sich im Orden Lorbeeren zu holen, weil sie einem Verirrten den richtigen Weg gewiesen hatte. Wirklich, ein Fundament aus Vertrauen. Unerschütterlich. Sie war schlimmer als Alisah!

Also würden sie schweigend durch den Dschungel marschieren. Umso besser. Dann hatte er seinen Frieden vor ihr. Und wenn er begann, sie nur ein wenig weniger zu… mögen, würde Lianna ein Kinderspiel werden. Für ihn und nicht zuletzt auch für sie. Denn wenn sie davon abkam, auch nur zu glauben, dass er mehr war, als etwas Übles, war da nichts, was ihr Probleme bereiten würde, Abschied zu nehmen. Und je mehr er sich selbst einredete, dass es da nichts gab, außer einer Notwendigkeit, desto einfacher würde es auch für ihn sein. Und vielleicht war es besser, dass sie jetzt kalt und abweisend war, vielleicht hatte ihn genau das dazu veranlasst jenes zu sagen.

„Dann sind wir uns endlich einig“, gab er also zurück und stand ihr dabei in Sachen Härte in nichts nach.

Und der Regen klatschte kalt auf sie hernieder und passte damit hervorragend in das Gesamtbild.


Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und namenloser, schlafender Fellkugel
 
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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Ian und aufwachender Fellkugel

Es zerriss sie. All diese Stunden, diese Tage, all diese Zeit, die sie miteinander verbracht hatten - all die Dinge, die sie, all die Dinge, die er gesagt hatte. Waren das nichts als Lügen gewesen? Aber es passte nicht zusammen. Weshalb redete er in einem Moment von ihr als Halt, und im nächsten stieß er sie so von sich? Wollte er diesen Halt nicht? Nur hatte er eigentlich das Gegenteil behauptet.
Eowyn verstand es nicht. Aber - gab es da überhaupt etwas zu verstehen?
Sie glaubte nicht, dass sie sich so geirrt hatte. Schon auf Nar Shaddaa hatte sie da etwas gespürt, und das, obwohl sie völlig durcheinander gewesen war. Ian bestand aus mehr als aus seinen ehemaligen Taten. Alleine, wie er sie gestern früh aufgebaut hatte, wie er für sie dagewesen war. Das konnte man nicht spielen. Das war ehrlich gewesen. Sie konnte sich nicht mehr an alle seine Worte erinnern, dafür war sie zu aufgewühlt gewesen. Aber eines wusste sie noch. "Ihr seid wertvoll." Und er hatte es so gemeint.
Aber dann wieder... dann Momente wie dieser. Auch das konnte man nicht spielen, erst Recht nicht. Er hatte gewusst, was er da sagte. Und es dennoch getan, in voller Absicht. Er hatte es
geglaubt, sie hatte es spüren können. Wie... wie konnte er das glauben, nachdem er sie nun besser kannte als die meisten anderen? Oder sah er etwas in ihr, das auch sie übersah, das sie nicht sehen wollte, so wie gestern? Er hatte Recht gehabt mit seinem Vorwurf. Hatte er es auch dieses Mal? Dieser Gedanke kam ihr nun zum ersten Mal. Vielleicht tat sie ihm Unrecht. Vielleicht zog er sich zu Recht zurück, weil er spürte, dass etwas nicht stimmte...
Das war Blödsinn. Er hatte nicht
immer Recht. Er wusste nicht immer, was sie dachte,sie war immer noch sie selbst, und sie selbst kannte sich nun einmal am Besten. Sie hatte anfangs auf Nar Shaddaa vielleicht aus falschen Motiven gehandelt. Sie war vielleicht wirklich nicht die, für die sie sich hielt. Sie war vielleicht auch tatsächlich nicht Schuld an Winters Zustand. Aber - verdammt noch mal, ihr Vertrauen in Ian war echt, und er tat ihr Unrecht, indem er es ihr absprach. Woher nahm er dieses Recht?

Die Wut und die Verletztheit wechselten sich noch immer ab. Mal verwünschte sie ihn und den Tag auf Nar Shaddaa - und dann wieder wollte sie nur aus seiner Anwesenheit entkommen, wollte nicht mehr hören und spüren, wie er neben, hinter oder vor ihr lief.
Nein, sie waren sich nicht einig. Wieder einmal nicht, nur dieses Mal standen sie auf so extremen Seiten, dass es unmöglich sein würde, sich wieder anzunähern. Es war vorbei. Der Zeitpunkt, von dem sie schon gestern gedacht hatte, dass er da war, war nun wirklich eingetreten.
Sie machte sich keine Sorgen mehr um das, was diesen Streit überhaupt erst ausgelöst hatte. Es war schon viel zu viel Zeit vergangen, seit sie vor diesem verfluchten Baum gestanden waren. Es war alles in Ordnung - die Frucht war vermutlich nicht giftig gewesen, oder wenn, dann nur in größeren Mengen. Sie spürte nichts abwegiges, aber sie fragte sich, ob sie es überhaupt spüren würde, rechtzeitig. Genau wie sie kaum darauf achtete, wohin sie eigentlich gingen.
Denn es spielte keine Rolle. Selbst wenn sie im Kreis gingen, was machte das schon? Keiner würde sie hier finden. Und da weder...
er noch sie irgendetwas wargenommen hatten hieß das vermutlich auch, dass es in erreichbarer Laufnähe erst einmal keine anderen intelligenten Lebensformen gab. Sie würden nicht von hier wegkommen. Und irgendwann würden sie beide es merken, es beide zugeben, und dann... wie es dann weitergehen würde wusste sie nicht. Bis dahin war es noch ein wenig Zeit.

Das Fellknäuel auf ihrem Arm war noch immer wach. Hin und wieder regte es sich, doch die meiste Zeit lag es still da, zwar ein stummer Begleiter, aber doch einer, der zumindest keine Vorwürfe machte. Eowyn war nun wirklich dankbar für seine Anwesenheit, zumindest bis zu dem Moment, als es wohl beschloss, dass ihr Arm zu langweilig war. Vielleicht hatte es auch nur Hunger... jedenfalls sprang es irgendwann mit einem Satz von ihrem Arm herunter und kletterte in die Bäume. Sie sah ihm nicht nach, obwohl sie den Verlust des kleinen trostspendenden
Etwas durchaus bedauerte. Es würde vermutlich wiederkommen, wenn es wieder Wärme oder Ruhe brauchte. Und bis dahin war sie mit ihren Gedanken eben wieder alleine. Am Ende machte es keinen Unterschied... Hin und wieder hörte sie es rascheln und wusste, dass das kleine Tier noch bei ihnen war. Irgendwann hörte sie jedoch auf, darauf zu achten.
Die Zeit verging und verging nicht. Dieser Tag kam ihr endlos vor, richtig endlos, und ihre Gedanken kreisten und drehten nur noch, bis sie irgendwann gar nicht mehr dachte und nur noch lief. Doch irgendwann nahm sie wahr, dass es begann dunkler zu werden. Sie hielt Ausschau nach einem Unterschlupf, einer Höhle, einem großen Baum... doch es wurde dunkler und dunkler, und da war nichts. Einfach nichts. Und wenn sie nicht bald etwas finden würden, dann würden sie die Nacht im Regen verbringen.
Was nun auch nicht mehr so dramatisch war. Nass waren sie ohnehin.


Sie wusste nicht, ob die Macht plötzlich doch beschlossen hatte, mit ihnen zu sein, oder ob es Zufall war, aber es war ihr so was von egal. Der kleine Unterschlupf in Form von einem ausgehöhlten, meterdicken Baum, der sich vor ihnen auftat, war ein Geschenk, das sie einfach annehmen mussten. Schweigend blieb sie stehen, in der Annahme, dass auch Ian dieses Geschenk erkannte und nicht so dumm sein würde, in der Dunkelheit weiterzulaufen. Es würde eng werden, und das war eigentlich das Letzte, worauf sie jetzt Lust hatte. Aber vielleicht würde sie sich beim Wache halten auch einfach hinaus setzen. Mit einem Feuer würde es ohnehin schwer werden... außer selbstverständlich, sie trocknete das Holz mit Hilfe der Macht. Nur war es jetzt schon so dunkel, dass sie nicht lange würden suchen können, wenn überhaupt. Ihretwegen konnten sie es auch einfach lassen.

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehölten Baum, mit Ian

Ich hatte übrigens an so was gedacht, nur vielleicht etwas größer... Die Bäume da sind ja auch größer... Klick
 
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Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und namenloser, schlafender Fellkugel

Kaltes Schweigen. Eisiges Schweigen. Ian mochte sich mit Stille auskennen, aber das hier war etwas anderes. Weder mit Tahiri hatte es je eisiges Schweigen gegeben, noch mit Alisah. Sicher, vielleicht war der eine wütend auf den anderen gewesen, aber das hatte sie bei weitem anders angefühlt als das hier. Schweigend nebeneinander her zu gehen, in voller Abschirmung und zeitgleich zu wissen, dass es unter der Oberfläche kochte, war eine sehr seltsame, Ian fremde Situation. Es war das erste Mal, das er nach einem offensichtlichen Streit, nicht einmal den Hauch eines schlechten Gewissens spürte, nicht den Drang, sich zu entschuldigen. Besser machte es das nicht. Stattdessen kam er nicht umhin, sich zu fragen, weshalb sie eben noch miteinander gescherzt hatten und nun miteinander umgingen, als hätten sie dem jeweils anderen etwas Schreckliches angetan. Ergab das einen Sinn? Wegen einer vielleicht giftigen Frucht? Wirklich nur wegen dieser lächerlichen Frucht? Die gesamte Situation war völlig ambivalent. Völlig Zwiegespalten und das nicht erst seit eben. Eigentlich war es ein schleichender Prozess, der Ian jetzt umso deutlicher wurde. Sie lachten, sie diskutierten und sie stritten. Oder sie verletzen und das in einem seltsamen Tempo, in einer noch seltsameren Abfolge. Eowyn machte ihn wütend und Ians Art damit umzugehen war, ihr treffsichere Worte entgegen zu schleudern. Er war der, der verletzte. Dabei war Ian sich nicht einmal sicher, ob er viel mehr Eowyn oder sich selbst damit treffen wollte. Wobei die Antwort eigentlich offensichtlich war…

Sie verstand nicht und das war ein springender Punkt. Sie sagte Dinge, die sie nicht sagen durfte, ein weiterer Punkt. Aber auch das verstand sie nicht. Sie durfte ihm nicht vertrauen. Und sie begriff einfach nicht, dass jeder Schritt, den sie auf ihn zumachte, jedes Eingeständnis zu dem sie ihn zwang, jedes Erkennen das er derjenige war, der sich irrte, alles verkomplizierte, alles schlimmer machte. Er musste sich schlecht reden, damit es kein anderer tat. Er musste sich verachten, damit es kein anderer tat. Er musste es tun, damit Eowyn es nicht tat. Er konnte sich nicht verzeihen und wenn er etwas nicht konnte, war es absolut unmöglich, das es ein anderer tat. Es war einfach nicht richtig. Sie kannte nur die Spitze des Eisberges, aber nichts von dem, was darunter verborgen lag. Das machte es einfach für sie, an etwas zu glauben, etwas in ihm zu sehen, aber Ian wusste, was darunter verborgen lag, er wusste es besser. Egal wie sehr er bereute, nichts würde sich ändern. Eowyn hatte wissen wollen, ob er das Virus gewollt hatte und die Antwort war ehrlich gewesen. Aber wenn sie ihn nach all den anderen Dingen fragte: Er hatte sie gewollt und Fehlleitung war eine karge, völlig ausdruckslose Entschuldigung dafür. Hatte gewollt. Nur würde das nichts mehr ändern, weil es ein zu spät gab, einen Zeitpunkt, an dem Reue nichts mehr wog.

Und Tahiri hatte ihm auch vertraut und war nun tot. Er hatte sich einmal selbst vertraut udn an die Richtigkeit seiner Entscheidungen geglaubt und wozu hatte das geführt? Sie waren nicht auf Lianna, sondern auf Va’art und die Zeit lief ihnen davon, rann ihnen wie Sand durch die Finger. Sand. Wieder so ein Punkt. Der Behälter, den er in seiner Tasche spürte, gerade jetzt, so deutlich. Eowyn hatte so beständig daran gearbeitet, ihn zum Nachdenken zu bringen und doch erkannte sie dabei das Wesentliche nicht. Sie hatte an einer Grundfeste gerüttelt. Da war seine mentale Abschirmung, ohne Frage, doch Eowyn hatte an etwas anderem gerüttelt, was mit der Macht nichts zu tun hatte. Und das Erfolgreich. Ihr hatte er vorgeworfen, sich an die Vergangenheit zu klammern, da sie sich vor der Zukunft fürchtete und so anders erging es ihm nicht. Eowyn hatte davon gesprochen, etwas nicht mehr zu können, nicht mehr zu schaffen und ihm ging es nicht anders. Sie hatte von Prinzipien gesprochen, die sie gebrochen hatte. Und auch hier ging es Ian nicht anders. Er hatte sich damit abgefunden. Damit abgefunden, für sich alleine zu bleiben, ein Einsiedler zu werden, niemanden zu brauchen, zu vergessen. Und sie hatte mit sanfter Gewalt an allem gerüttelt, dass er sich so gut aufgebaut hatte. Er hatte niemandem mehr trauen wollen, weil er genau wusste wozu Vertrauen führte. Alisah, Torryn, Iouna, ja selbst das Imperium. Beweis um Beweis. Er hatte nicht mehr fühlen wollen, weil er genau wusste, zu was Gefühle führten. Nicht Vertrauen, nicht Fühlen, nicht Hoffen, nicht Träumen. Eowyn hatte an allem gerüttelt. An allem. Ja, da war Dankbarkeit, völlig unleugbar. Aber neben der Dankbarkeit die er darüber empfand, wieder zu etwas fähig zu sein, war da vor allem Angst. Nicht allein die Angst vor Enttäuschung, sondern die Angst etwas zu verlieren. Denn da, wo nichts mehr gewesen war, war wieder etwas. Gefüllte Leere, die nur wieder zu Leere werden würde.

Lieber etwas einmal kurz und intensiv spüren, als nichts. Das war ein gemeinsamer Nenner gewesen. Aber stimmte er? Würde Ian, wenn er Lianna erreichte, nicht genau wieder vor diesem Punkt stehen? Da war nichts übrig gewesen und doch hatte er begonnen wieder zu glauben und er würde sterben. Dabei wäre der Tod denkbar einfach gewesen, mit der Gewissheit, dass es da nichts und niemanden gab, für das es sich zu Leben oder zu Kämpfen lohnte. Einfach nur Leere, die enenden würde. gefühllos. Doch Eowyn hatte sein trostloses Bild mit Farbe besprenkelt. Ein Bild, das er wieder verlieren würde. Farben, die er nicht mehr hatte sehen wollen. Er würde verlieren. Wieder. Und wie sollte er das aushalten? Es war so viel einfacher, es sich schlecht zu reden, weil die Angst davor etwas verlieren zu können, was keine Lüge war, zu enorm war. Da war kein schlechtes Gewissen, weil er sie beide schütze. Je unvertrauter sie miteinander umgingen, umso einfacher würde es werden und vielleicht hatte Eowyn ihm gerade erst zu deutlich gemacht, dass es höchste Zeit, war die Notbremse zu tätigen.

Ians Ziel war nicht gewesen, sich zu ändern, denn dafür war es zu spät. Sein Ziel war das Vergessen gewesen und auch hierfür war es zu spät. Und langsam, aber sicher, wurde es auch zu spät nach Lianna zu reisen. Eine unausgesprochene Wahrheit, die Ian dennoch ständig im Kopf herum spuckte. Es hatte zu lange gedauert sich um zu entscheiden. Er hätte sofort nach, nein schon vor der Unterschrift, nach Lianna reisen müssen. Er hatte mehr, als nur ein Prinzip verraten. Er hatte mehr, als nur eine Unterschrift gesetzt.

So lange man sich selbst im Spiegel betrachten konnte.

Genau das hatte Eowyn selbst gesagt. Etwas, was er längst nicht mehr konnte. Und jetzt war da etwas leises, dass es ihn vielleicht doch wagen ließ und er würde es verlieren. Aber Eowyn begriff nicht.

Nein, stattdessen biss sie leichtsinnig von einer Frucht ab und warf ihm auch noch vor, dass er sich sorgte und dabei erkannte sie einfach nicht, dass sie diejenige war, die er nicht verlieren durfte. In einem Thema, dass ihm am Herzen lag, reagierte also auch sie wie ein Bantha im Porzellangeschäft. Er hatte sie einmal fast verloren. Was wäre dann geschehen?

Das Schweigen würde es einfacher machen. Und zumindest eine positive Sache konnte Ian feststellen: Die Frucht war völlig in Ordnung, nicht giftig. Sie würde nicht verhungern. Schon wieder sie, als drehe sich ständig alles nur um Eowyn. Eowyn, die ständig alles auf sich selbst bezog und in dieser Hinsicht, kein bisschen besser war als er. Ian wies nicht sie zurück, sondern sich - wahrscheinlich sie beide - und nun bestrafte
Eowyn auch beide dafür und Ian tat auch hier das Gleiche. Aber das Schweigen würde es einfacher machen.

Die Dunkelheit brach über sie herein und sie liefen noch immer, jeder sah sich nach etwas geeignetem um. Das Tierchen hatte sie –irgendwann- verlassen. Wunderbar.

Als Eowyn schließlich stehen blieb, erkannte Ian ein paar Sekunden später, warum. Da war ein ausgehöhlter Baum und es wäre töricht gewesen, ihn nicht als Lagerstätte zu benutzen. Schon allein deshalb, weil es dunkler wurde. Noch immer schweigend, nur ohne den eisigen Blick, entschulterte Ian den Rucksack und kramte den Leuchtstab hervor. Ein Feuer im strömenden Regen war unmöglich. Eine nicht spürbare Raupe in absoluter Dunkelheit fast ihr sicherer Tod. Also stellte Ian den Rucksack in den Baum und begab sich selbst wieder in den Regen. Zeit für seine Wache. Und solange er nicht schlief oder ruhte, brauchte er auch keine Trockenheit und keien unnötige Nähe zu Eowyn.
Seitlich versetzt, ließ er sich neben dem Baum nieder, um den Blick der Jedi auf keinen Fall in seinem Rücken spüren zu müssen. Hin und wieder würde er den Stab einschalten, um nicht seine ganze Energie zu verschwenden. Die Frucht hatte Eowyn nicht umgebracht, er hatte es nicht getan und etwas anderes würde es auch nicht tun. Außer vielleicht das eisige Schweigen, aber das lag nicht allein in seiner Verantwortung und sie hatte sich bewusst dafür entschieden, nicht er. Das Schweigen würde es einfacher machen.


Dschungelmond von Va'art, im Dschungel unterwegs, mit Eowyn und namenloser, schlafender Fellkugel

So was hab ich mir auch vorgestellt, auch wenn meine beschreibung etwas unglücklich ist^^
 
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Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehölten Baum, mit Ian

Ians Absichten waren offensichtlich. Der Rucksack war im Trockenen, und es war deutlich, dass auch er keine Lust hatte, sich während seiner Wache den Platz im Baum zu teilen. Es hätte gereicht, ganz sicher, aber sie war dankbar dafür, seine Nähe jetzt nicht ertragen zu müssen.
Müde kroch Eowyn in die kleine Höhle. Durch das Schweigen hatte sich der Tag so lang angefühlt, dass sie jetzt fürchterlich erschöpft war. Vielleicht war es nicht nur das Laufen, das an ihr zehrte, sondern auch ihr Kopf, doch daran ließ sich nichts ändern. Sicher war, dass sie bald schlafen würde, wenn sie es denn erst einmal zuließ.

Es fühlte sich befreiend an, keinen prasselnden Regen mehr auf dem Kopf zu spüren. Es tat einfach gut... selbst der Boden im Inneren des Baumes war nur leicht feucht, nichts im Vergleich zu der schlammigen Matsche draußen im Dschungel. Natürlich war hier absolut kein Platz, sich hinzulegen, aber das machte nichts. Sie würde sich problemlos an der Innenseite anlehnen können.
Kurz überlegte Eowyn, ob sie sich umziehen sollte, etwas Trockenes herausholen sollte. Aber wie trocken konnte die Kleidung im Inneren des Rucksackes schon sein? Vermutlich machte es keinen großen Unterschied, und ihre Jedi-Kleidung war ohnehin halb zerrissen. Wobei ein kleiner, wahnsinnig trotziger Teil in ihr sich überlegte, dass sie nach dieser Auseinandersetzung erst Recht wieder in ihre gewohnten Sachen schlüpfen sollte. Aber machte es einen Unterschied? Ian lehnte sie ab, verhöhnte ihre Gefühle, zum Teil oder vielleicht sogar hauptsächlich deshalb, weil sie eine Jedi war, und das, selbst ohne, dass sie diese Kleidung trug. Nein, es war egal.
Abgesehen davon war es in diesem Baum ohnehin viel zu eng, um sich umzuziehen. Sie hätte es draußen im Regen tun müssen.

Wenigstens etwas trocknete sie mit Hilfe der Macht ihre Kleidung - zu erschöpft, um es vollständig zu tun, aber zumindest so, dass sie nicht mehr tropfte wie verrückt und es ein klein wenig angenehmer war. Kurz überlegte sie, ob sie etwas essen sollte, doch in ihrem Magen war alles verkrampft, verdreht und vereist - sie würde nichts herunterbekommen. Es wäre Verschwendung.
Blieb noch eine Sache, bevor sie sich endlich, endlich dem Schlaf anvertrauen konnte. Sie sollte versuchen, jemanden auf Lianna zu erreichen, oder auch Aketos. Sie hatte es bisher jede Nacht versucht, ohne ersichtlichen Erfolg - und da war die Frage, ob es überhaupt einen Nutzen hatte. Mit wem schon hatte sie eine solche Verbindung, dass es über solche Entfernungen funktionieren konnte? Diese Versuche waren doch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wem machte sie etwas vor? Niemand würde sie hören, und selbst wenn, nach einem kurzen Kopfschütteln als Einbildung abtun. Niemand würde sie holen. Es war aussichtslos.
Und wenn es nur um sie beide gehen würde... sie hätte es vermutlich gelassen.
Aber da war, hinter all ihren eigenen Problemen und Gefühlen, noch immer der Grund, weshalb sie eigentlich hier waren. Die Millionen, Milliarden von Lebewesen, die leiden und sterben würden. Sie konnte sie nicht im Stich lassen, nur weil sie selbst keine Lust oder keinen Glauben hatte. Das war ihre Aufgabe, und sie würde versuchen, ihre Aufgabe zu erfüllen, so lange sie konnte, und wenn nur eine winzig kleine Chance bestand.
Also schloss Eowyn die Augen. Lianna. Heute wieder Lianna... Wer konnte dort sein - Chesara? Sarid? Satrek? Padme? Eleonore ganz sicher... Halbherzig verließen ihre Gedanken Va'art, suchten Kontakte, riefen um Hilfe, versuchten, jemanden zu berühren. Sie musste sich mehr anstrengen, tiefer graben, weiter ausschweifen... Erschöpft kehrte sie wieder zurück, mit dem sicheren Gefühl, dass es wieder umsonst gewesen war. Wenn selbst sie niemanden fühlte... wie sollte dann jemand sie spüren, der nicht einmal wusste, dass sie Ausschau hielt? Nein. Das war vergebens.


Im Inneren des Baumes war es etwas wärmer als draußen, und so fror sie nicht, obwohl sie sich nicht mehr bewegte und nasse Kleidung anhatte. Automatisch nahm sie, wie in den letzten Nächten, ihr Lichtschwert vom Gürtel, stockte dann jedoch. Sie vertraute Ian. Er würde nichts damit anstellen, das hatte sie auch schon vor ihrem Gespräch heute gewusst, und das wusste sie noch. Doch er hatte jetzt den Blaster. Blaster waren für manche Situationen schlechter geeignet als Lichtschwerter... und er war ein Lichtschwert gewohnt... Es gab keinen rationalen Grund, das Schwert auch diese Nacht zumindest an den Eingang zur Baumhöhle zu legen, und dennoch zögerte sie. Keinen rationalen Grund dagegen... aber auch nur einen oder zwei dafür. Und ganz schön viele emotionale dagegen.
Nachdenklich strich sie vorsichtig darüber. Sie kannte jede Rille, jede Ritze, kannte die feinen Linien, die sie selbst eingeschnitzt hatte, kannte das kantige Ende. Sie musste es nicht sehen, um genau zu wissen, wie es aussah. Es lag kalt in ihrem Händen, aber eine angenehme Kühle, beständig. Verlässlich. Immer da. Immer
für sie da.

Nein. Heute nicht. Es mochte kindisch sein und albern, aber nein. Er hatte sie bewusst verletzt, ihre Ansichten verhöhnt, ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen. Er wollte mit ihr nichts mehr zu tun haben, sie auf Abstand halten. Sie würde ihm im Gegenzug nicht das Kostbarste geben, das sie besaß.
Nein. Auch das würde er wieder nur ins Lächerliche ziehen, und das ertrug sie nicht.
Dennoch hängte sie das Schwert nicht wieder zurück an den Gürtel sondern behielt es locker in ihrer Hand auf dem Schoß. Im Zweifelsfall, im äußersten absoluten Notfall konnte Ian immer noch schneller darauf zugreifen oder sie es ihm zuwerfen. Und ansonsten... ansonsten gab es ihr so Sicherheit und tat einfach gut.


Das war es also. Sie sollte jetzt wirklich schlafen.
Müde lehnte Eowyn ihren Kopf an die "Wand". Es war angenehm, Ian von hier aus nicht zu sehen, aber es war klar, dass er in ihrem Kopf immer noch die Hauptrolle spielte. Das kleine bisschen Abgeschiedenheit, Privatsphäre und Ruhe, das dieser Ort bot, war leider nur äußerlich. Die Wände gaben immerhin auch ein wenig Geborgenheit, wie in einem kleinen Kokon. Doch in Eowyns Inneren sah es ähnlich düster aus wie draußen im Dschungel.
So sehr sie darüber nachdachte - sie begriff Ians Wandel nicht. Was hatte sie übersehen? Sie
musste etwas übersehen haben. So unlogisch handelte selbst er in der Regel nicht. Sie wusste, dass da etwas sein musste, aber immer wieder klangen nur seine Worte in ihrem Ohr, spürte sie die Wahrheit dahinter.
Sie hatte einen Fehler gemacht. Sie hätte es tatsächlich mit ihm absprechen müssen, so sehr sie auch gewusst hatte, wie sehr er sich sträuben würde. Aber dann wäre er nicht überrumpelt gewesen, er hätte Zeit gehabt, sich mit dem Gedanken anzufreunden. Es war ein riesiger Fehler gewesen, und ihre erste Entschuldigung dafür hatte offensichtlich nichts mehr daran geändert. Es gab Dinge, die konnte man nicht einfach so aus der Welt schaffen. Wie hatte sie so dumm sein können, das nicht vorher zu erkennen? Er war außer sich gewesen, zu Recht, und hatte nun einmal Sachen gesagt, die... Sie biss sich auf die Lippen. Das war es eben. Die er dennoch so meinte. Zwar war es von ihr nicht richtig gewesen, aber er hatte es nicht einfach so dahingesagt. Er hatte es so
gemeint. Und das war der Punkt. Ansonsten hätte sie es ihm nicht übel genommen, aber er hatte genau gewusst, was er da tat.

Und jetzt, abseits von ihm und diesem Tag, im Schutze der Dunkelheit und ihrer Abschirmung, die Aufrecht zu erhalten sie sich allergrößte Mühe gab, jetzt konnte sie es zulassen, dass die Wut und ihre Enttäuschung über Ian nachließen und die Verletztheit Einzug hielt. Es tat weh, so zurückgestoßen zu werden, nachdem sie sich andauernd so große Mühe gegeben hatte, möglichst fair zu sein, möglichst zu verstehen. Ihm Raum zu geben. Ja, sicher, wahrscheinlich hatte es meistens nicht wirklich funktioniert, sie waren einfach zu verschieden. Aber sie hatte gedacht, dass er sie zumindest respektierte, ihre Meinung nicht völlig verachtete.
Das war es, was so unendlich schmerzte, so, dass sie das Gefühl hatte, in ihrem Inneren zog sich alles zusammen.
Und... sie gestand es sich selbst kaum ein, gerade jetzt nicht, aber vermutlich gab es noch einen Grund, weshalb sie sein Abwehrverhalten so sehr traf. Sie hatte begonnen, seine Gesellschaft zu schätzen, ihn selbst wiederum zu respektieren, als der, den sie sah, nicht als der, den er vorgab zu sein. Und irgendetwas hatte wohl ganz heimlich, still und leise in ihr begonnen, ihn zu mögen. Es ging nicht mehr darum, für was er stand oder nicht stand, stehen wollte oder nicht mehr stehen wollte. Es ging in diesem Fall auch nicht darum, weshalb sie gemeinsam unterwegs waren. Nein, es ging schlicht und ergreifend einfach um
ihn.
Solche Dinge geschahen. Verbrachte man viel Zeit mit jemandem begann man, sich mit dieser Person anders auseinanderzusetzen, und ihrer beiden Verhältnis war von Beginn an sehr... turbulent gewesen. Es war nur natürlich, dass sie irgendwann begonnen hatte, ihn als Menschen zu sehen, nicht als Informationsquelle oder Person, der sie helfen wollte oder dessen Zukunft sie ändern wollte. Es war ein schleichender Übergang, aber offensichtlich war es geschehen. Was auch erklärte, weshalb sie den Gedanken, was auf Lianna geschehen konnte, so absolut nicht ertragen konnte.
Was aber auch mit erklärte, weshalb es nun so wehtat.


Irgendwie war es leichter gewesen, als sie noch wütend gewesen war.
Denn diese Erkenntnis nutzte rein gar nichts. Selbst wenn er es mitbekommen hätte, er hätte es ihr nicht geglaubt. Es schlug in die gleiche Kerbe wie ihr Vertrauen, das Vertrauen in Dinge, an die sie glauben wollte, musste, ohne die es einfach nicht ging. Ihr Glaube und ihr Vertrauen waren immer der Grundfels in ihrem Inneren gewesen. Ian konnte das nicht wissen... er wusste nicht, wie viel Vertrauen ihr bedeutete, wie wichtig ihr eigenes Vertrauen in andere ihr war. Und wie sehr es sie verletzte, dass er es so in Zweifel zog.

Sie drehte sich im Kreis, und sie sollte schon längst schlafen. Für all diese Dinge war morgen auch noch ein Tag, und übermorgen, und danach ebenso... Auch wenn sie später beim Aufwachen all diese Gefühle wieder vergraben musste, tief in ihr, denn sonst... sonst...
Am Besten fing sie gleich damit an, während sie langsam in die willkommene Schwärze abglitt.


Dschungelmond von Va'art, in einem ausgehölten Baum, mit Ian
 

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehölten Baum, mit Eo

Ian hockte da, im Schneidersitz, auf dem matschigen Boden und starrte hinaus in die Dunkelheit. Der Regen prasselte unbarmherzig auf ihn herunter und Ian fror, was viel weniger am Regen, als an der Gesamtsituation lag. Durch das fehlende Feuer war kaum etwas zu erkennen und der Mond spendete kaum Licht um mehr, als nur dunkle, schemenhafte Umrisse erkennen zu lassen. Hin und wieder, wenn er glaubte ein Geräusch auszumachen, schaltete Ian den kleinen Leuchtstab ein, aber da war nichts zu erkennen. Die schemenhaften Umrisse wurden kaum deutlicher und verwandelten sich viel eher in groteske Gebilde, die seiner Einbildung entsprangen und nicht der Realität. Ian schloss die Augen und seufzte. Ein schlechtes Gewissen hatte ihn noch immer nicht eingeholt, aber etwas anderes, das dafür sorgte, dass er sich stattdessen lieber ein schlechtes Gewissen herbeigesehnt hätte. Das, was in ihm hoch kroch, war das elende Gefühl des Alleinseins. Natürlich, er hatte darauf hingearbeitet, was das Gefühl vielleicht unangemessen machte. Aber führte man die meisten negativen Gefühle nicht irgendwie selbst herbei? Er hatte sich selbst in die Einsamkeit gewählt und hier war wieder die Ambivalenz. Er wollte alleine sein, genau jetzt und obwohl er sich so fühlte, obwohl es doch genau das war, was er wollte, fühlte es sich elend an. Allein sein wollen, aber nicht allein. Reden und nicht reden wollen. Gehalten werden wollen und gleichzeitig weg stoßen. Es ergab keinen Sinn, keinen Sinn, keinen Sinn. Aber Eowyn unterstrich diese Ambivalenz und das Gefühl des Alleinseins nicht nur mit ihrem Schweigen. Nein, sie verschärfte das Bild zusätzlich ob bewusst, gewollt oder auch nicht. Jetzt legte sie ihre Waffe nicht mehr in erreichbare Nähe. Genau davon hatte er gesprochen. Vertrauen aus Notwendigkeit. Und ihre Antwort hatte er noch im Ohr.

Seufzend fuhr Ian sich mit der Hand durch die nassen Haare, hielt seinen Kopf und wünschte sich, irgendwo anders zu sein. Weg von diesem Mond, hinaus aus dieser Situation. Irgendwo anders hin. Da wo ihn nichts einholen konnte. Aber diesen Platz gab es nicht. Hätte er Eowyn nicht einfach früher treffen können? Hätte seine Geschichte nicht einfach anders verlaufen können? Es war nicht fair, schlicht und einfach nicht fair. Warum war es so einfach falsche Entscheidungen zu treffen und so schwer, das Gegenteil zu tun? Und wie konnte es möglich sein, dass hundert Personen etwas sagten, was man glaubte und dann eine einzige kam, die alles ins Wanken brachte? Er wollte ihr ja glauben, zumindest irgendein Teil von ihm, aber er konnte nicht. Wanken hin oder her. Er konnte nicht.
Er sollte sich zusammenreißen und Wache halten, dabei hätte er sich am liebsten zusammengerollt. Mit einem leisen Knurren stellte er fest, dass er auch hier wieder das Gegenteil von dem tat, was er eigentlich wollte.

Und dann war da wieder dieses leise Geräusch und Ian musste nicht einmal den Leuchtstab anknipsen um zu wissen, dass ihr … das Eowyns kleiner pelziger Freund zurückgekehrt war. Dennoch tat er es und erkannte das Wesen, das langsam näher kam und ihn und Eowyn beäugte, als müsse es erst einmal die Lage kontrollieren. Es bewegte sich schließlich auf Eowyn zu um dann, einfach so, kehrt zu machen, um zu ihm herüber zu gehen.
„Geh weg“, flüsterte Ian leise, aber bestimmt, als es praktisch vor ihm war, was das Tier wenig zu irritieren schien. „Geh zu ihr“, deutete er sogar auf Eowyn, aber das Tier schien ihn nicht zu hören, oder ihn nicht zu verstehen. Es kam näher, beäugte ihn und war kurz davor, sich auf Ians Beine zu setzen. Geh weg“, wiederholte Ian, als er es mit einer Geste zu verscheuchen suchte. Und als das nichts half, levitierte er es kurzum zu Eowyn herüber. Aber was tat dieses störrische Ding? Es kehrte wieder um. Konnte es ihn nicht einfach alleine lassen? „Verschwinde“, kam es noch immer leise, aber diesmal mit bedrohlichem Unterton, doch das Tier starrte ihn einfach nur an, kam erneut näher und da griff Ian nach dem erstbesten Gegenstand, der auf dem Boden lag, einem kleinen Stück durchweichten Ast, um ihn nach dem Tier zu werfen. Ich sagte du sollst verschwinden! Ich brauche dich nicht. Ich brauche niemanden!“ Und obwohl er getroffen hatte – und das hatte er, Ian hatte es genau gesehen - , bewegte es sich schon wieder auf ihn zu, gerade so, als wüsste es, dass Alleinsein das letzte war, was Ian jetzt wollte. Nur war nicht Alleinsein das letzte, was Ian jetzt zulassen konnte und dass dieses Tier genau das missachtete, weckte Ians Zorn, den er so gut zu zügeln gewusst hatte. Bis jetzt. Hätte das Wesen doch nicht seine Worte ignoriert… nein, es bewegte sich auf Ian zu und da griff er nach dem Blaster, den Eowyn ihm gegeben hatte und zielte auf das Tier, den Finger nahe am Abzug. Eine Sekunde verstrich in der er diesem pelzigen Wesen in die Augen sah, in dem das pelzige Tier ihm in die Augen sah.
Eine einzige Sekunde in der Millionen Gedanken durch Ians Kopf zu jagen schienen.


Eine einzige, winzige Bewegung würde ausreichen um zu zerstören.
Dann der Behälter in seiner Tasche.
Eowyns Worte.
Vertrauen.
Sich ändern.
Kein Monster sein.
Alleine sein wollen.
Nicht alleine sein wollen.
Halt geben.
Halt bekommen.
Brauchen.
Nicht Brauchen.

Er konnte es nicht.

Und da ließ Ian den Blaster, der durch seine Hand ohnehin zu zittern begonnen hatte, wieder sinken. Er konnte es nicht.
Und als hätte das Tier es gewusst, hatte es sich nicht nur wieder angenähert, sondern sich schon längst auf Ians Schoß zusammengerollt.

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehölten Baum, mit Eo und Fellknäul

 
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Dschungelmond von Va'art, in einem ausgehölten Baum, mit Ian davor

Sie schlief unruhig, wachte immer wieder auf. In ihren Träumen lief sie nur durch diesen Dschungel - diesen verdammten, riesigen Dschungel. Mal war sie alleine, mal hatte sie das dumpfe Gefühl, dass noch jemand da war, doch sie konnte sich niemals erinnern, wer.
Irgendwann gab sie es auf. Sie hatte genug geschlafen, ein Blick auf ihr Chronometer (hier zwar sinnlos, aber zumindest wusste sie, wie viel Zeit verging) gab ihr dabei Recht. Ihr Kopf dröhnte ein wenig, und ihre Augen waren schwer, doch sie war sich sicher, dass das vorbei sein würde, sobald sie draußen im Regen stand. Zumindest Letzteres. Ihre Abschirmung hatte sie kontrolliert, sobald sie aufgewacht war. Es blieb dabei, nichts würde hinausdringen.
Hatte Ian eigentlich vor, sie irgendwann zu wecken oder würde er einfach warten, bis sie von selbst aufwachte? Vielleicht.
Eigentlich hatte sie keine große Lust, nach draußen in den Regen zu kriechen, wieder nasser zu werden, ins Dunkel zu starren. Hier drin war es wenigstens geschützt, ein wenig ruhiger und vor allem... vor allem war sie alleine.


Alleine. Die Nacht veränderte viele Dinge, sie machte manche Dinge größer, manche kleiner. Und diese Nacht hatte es geschafft, ihre Sorgen um die Zukunft wachsen zu lassen. Sie wusste, dass es abstrakt war. Dass es nur die Dunkelheit, der fehlende Schlaf, die Einsamkeit auslösten. Doch so sehr sie es auch wusste, sie konnte nicht dagegen ankämpfen. Va'art würde ihr Ende sein. Ians Rettung aus der "Sandkorn" war nur ein Aufschub gewesen. Früher oder später... wurde entweder eine Raupe sie erwischen, sie würde an Mangelernährung sterben oder Ian und sie würden sich an die Gurgel springen. Aber niemand würde sie retten. Sie würden niemanden finden. Und ihre Rettungsmission war gescheitert.
Sie hatte diese Gedanken schon so oft gehabt, erst gestern kurz vor dem einschlafen. Vermutlich war das der Grund, weshalb sie nun so gewachsen waren. Sie wusste, dass sie das nicht zulassen durfte, und sie wusste auch, dass im Tageslicht diese Ängste anders aussehen würden. Noch real, noch da, doch nicht mehr so monsterhaft undurchdringlich.
Aber das machte keinen Unterschied.
Jetzt waren sie da. Und sie wünschte, es wäre nur ein Alptraum, und sie würde bald daraus erwachen, oder sie könnte sie irgendwie abschütteln. Oder wenigstens mit irgendjemandem darüber reden. Doch selbst, wenn sie vorhaben würde, mit Ian jemals wieder mehr als das absolut Nötigste zu reden, dann würde dieses Thema nicht auf dem Tisch landen. Es war nicht gut, diese Ängste zu real werden zu lassen. Und sowieso... entweder würde er es nicht verstehen, oder es würde seine eigenen Befürchtungen noch weiter verstärken. Nein, sie musste alleine damit fertig werden, das Kribbeln irgendwie abschütteln.

Es half nichts. Sie musste hinaus, und Ian musste zumindest versuchen zu schlafen. Wenn er sich noch irgendwie gut an gestern erinnerte, dann würde er tatsächlich vielleicht ruhig bleiben. Wenn nicht... Nun ja. Daran konnte sie auch nichts ändern. Als ob er es akzeptieren würde, wenn sie ihm heute wieder half, also brauchte sie gar nicht darüber nachdenken, ob sie es tun würde. Wie praktisch, dass ihr diese Entscheidung abgenommen wurde.
Vorsichtig krabbelte sie aus der improvisierten Höhle. Der Regen prasselte sofort wieder auf sie. Welche Freude, wie hatte sie das vermisst! Es war mittlerweile stockfinster, und so hatte sie nur zwei Möglichkeiten um festzustellen, wo Ian sich befand, um sicherzugehen, dass er da war. Sie wählte die zweite Möglichkeit, da sie die Finsternis in dieser Situation doch schätzte, und als sie seine Präsenz spüren konnte wählte sie die andere Seite des Baumes, um sich dort niederzulassen. Kurz stockte sie, schüttelte dann jedoch den Kopf. Sie musste sich geirrt haben.
Er musste sie mittlerweile gehört haben, und da sie noch lebendig war hatte er sie offensichtlich auch nicht für eine Bedrohung gehalten.
Sie setzte sich auf den nassen Boden und rekapitulierte das, was sie gerade eben zu spüren gemeint hatte. Nein. Sie irrte sich, ihr Kopf noch verschlafen, noch inmitten ihrer Gedanken. Sie bezweifelte das doch ganz stark.


Dschungelmond von Va'art, vor einem ausgehölten Baum, mit Ian
 
Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehölten Baum, mit Eo

Da lag es nun, zusammengerollt auf seinem Schoß und Ian wusste nicht, ob er weiter Zorn oder doch eher Dankbarkeit empfinden sollte. Den Leuchtstab hatte er längst wieder abgeschaltet, als er mehr oder weniger in die Finsternis starrte. Aber musste das Wesen nicht mit seinen Augen sehen, er spürte es. Auf seinem Schoß, spürte und sah es durch die Macht und obwohl eine ganze Welle voll Abneigung durch Ian floss unternahm Ian keinen weitere Versuch das Tier zu entfernen. Das hieß, doch. Er umklammerte es mit beiden Händen, um zu heben, zu entfernen, aber als er das samtige Fell berührte, als er sich einbildete, den Ausdruck seiner Augen zu sehen, als er vielmehr zu hören glaubte, dass das Wesen ihm zuflüsterte ‚Und du brauchst doch jemanden‘, gab Ian seinen halbherzigen Versuch auf. Sehr zaghaft streichelte er es stattdessen und wo eben noch der Drang gewesen war, es zu entfernen, entstand jetzt das noch dringendere Bedürfnis, das Tierchen an sich zu drücken. Stattdessen legte Ian eine Hand seitlich unter das Tier, spürte dessen Wärme, sog sie praktisch in sich und streichelte es unablässig. Und dabei war so deutlich wahrzunehmen, dass sich das Tier wohlfühlte, dass es weder Angst noch Abscheu aussandte. Es lag einfach nur da, in einer scheinbaren Mischung aus Müdig- und Vertrautheit. Mochte es unintelligent sein wollen wie ein lebloser Gegenstand, mochte es unwissend sein, wie ein Baby. Sein Instinkt warnte es nicht. Nicht, als er mit dem Holzstück nach dem Tier geworfen und auch nicht, als er mit dem Blaster auf es gezielt hatte. Gerade so, als hätte es gewusst, dass Ian gar nicht dazu in der Lage war, ihm etwas anzutun. Trotz seiner Winzigkeit, die in so enormen Kontrast zu Ians eigener Körpergröße stand, gelang es diesem kleinen, atmenden Lebewesen, einen Teil Ians Einsamkeit zu verdrängen. Es kostete Ian Mühe und er wand sich nicht nur innerlich, aber er musste zugeben, musste sich eingestehen, dass es sich um einiges besser anfühlte, jetzt nicht allein zu sein. Und so erlaubte sich der Hühne sich einen Moment ein winziges Bisschen fallen zu lassen.

Dann hörte nahm Ian ein leises Rascheln hinter sich wahr. Eowyn. Und sie zog ihr eisiges Schweigen tatsächlich durch, noch immer. Er hörte, wie sie sich in sicherer Entfernung von ihm auf den Boden setze. Zeit für die Wachablöse. Schweigend. Düster starrte Ian zu dem Punkt, an dem sie sich niedergelassen haben musste. Also wollte sie diesen Kleinkrieg tatsächlich weiter ausfechten. Nur, dass Ian nicht verstand warum. Was hatte er so schlimmes getan, dass sie sich – und ihn – noch immer bestrafte? Er hatte ihn nur klar gemacht, was er gefühlt hatte, hatte zugegeben, sie nicht verlieren zu wollen. Eigentlich war da sogar mehr gewesen, dass er so leichthin heraus posaunt hatte. Und Eowyn? Er hatte zugelassen, dass sie erst gestern Abend Einfluss auf seinen Körper, auf sein Herz hatte nehmen können. Sie hatte ja keine Ahnung, was das für Ian bedeutet hatte. Der Mann verstand nicht, warum Eowyn jetzt so abweisend war. Um sein Verhalten widerzuspiegeln? Nur weil er von der Notwendigkeit des Vertrauens gesprochen hatte?

Weil du eines ihrer Gefühle in Abrede gestellt hast.

Aber das war lächerlich. Er hatte nicht sie zurückgewiesen, sondern sich. Sie waren auf Va’art, einem Mond, so kurz vor Lianna. Eowyn wusste so gut wie Ian, wie wichtig es war, nach Lianna zu gelangen. Sie waren der Einsamkeit des Mondes ausgesetzt und mit ihr den eigenen Gefühlen. Keine Ablenkung von anderen, keine Ablenkung von technischen Errungenschaften. Ein riesiger Dschungel, viel Bewegung, ein paar Energieriegel. Da war offensichtlich, dass Gespräche sich nicht auf das nötigste reduzierten. Weil die Last der Ereignisse wog, die Last der Gedanken und die Last des eigenen Gefühls der Unzulänglichkeit. Und selbst wenn dieses Vertrauen Va’art überdauerte, durfte es bis Lianna nicht mehr da sein. Lieber kurz und intensiv etwas spüren, als gar nichts? Nein. Denn der Verlust wog mehr und in diesem Fall war es die Sache nicht wert. Distanz würde schmerzen, aber sie war notwendig. Aus mehr als einem Grund. Je unerträglicher ihr Zusammensein war, desto energischer würden sie dafür sorgen, von diesem Mond zu gelangen. Und Distanziertheit würde helfen, wenn sie Lianna erreichten. Dann würde es kein „Das lasse ich nicht zu“ mehr geben, weil es an Bedeutung verlor. Wie der Helm einer Sturmtruppe, der es einfacher machte, sie töten.


Leise erhob sich Ian, das kleine Tier in den Armen haltend, um selbst schweigend zu der kleinen Baumhöhle zu gehen und hinein zu kriechen. Er sah das Tier noch einmal an, ehe er es absetzte. ‚Du solltest jetzt zu ihr gehen‘, formte er tonlos mit den Lippen, sagte es laut in seinen Gedanken. Vielleicht war er nach Außen bereit, Eowyn auf Abstand zu halten. Aber da war noch etwas anderes und es abzustellen schien unmöglich.


Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehölten Baum, mit Eo und Fellknäul
 
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Dschungelmond von Va'art, vor einem ausgehölten Baum, mit Ian und Fellknäuel

Der kurze Moment, in dem Ian noch neben ihr saß und keine Anstalten machte, nun selbst in die Höhle zu kriechen, war seltsam. Diese absolute Dunkelheit, das Bewusstsein, dass da jemand neben ihr saß, jemand, der die einzige Person darstellte, die momentan überhaupt irgendwie in der Lage war, mit ihr zu reden - und daneben sie, die ihn ignorierte. Nun, die eher so tat, als würde sie ihn ignorieren, denn wenn sie ihn ignorierte, dann würde sie kaum über solche Dinge nachdenken.
Sie hatte das Gefühl, dass sich eine unerträgliche Spannung aufbaute, doch Ian durchbrach sie unbewusst, als er sich endlich bewegte und in die Baumhöhle kroch. Erleichtert atmete sie auf, und der gefühlte Druck wich kurzzeitig von ihr.
Weshalb war es so, dass die Nacht so anders war? Der Tag hatte sie nicht so fertigmachen können, wie es die Nacht nun tat.
Diese weite, unendliche Dunkelheit... sie schloss sie ein, von allen Seiten, aber nicht auf angenehme Art, wie die Höhle es getan hatte, eher mit bedrohlichen Zügen. Finsternis umgab sie, überall nur Finsternis. So weit sie denken konnte. So wie vor wenigen Tagen, als sie dabei war, zu verschwinden... Diese Finsternis war anders, nicht so beruhigend und einlullend, aber sie erinnerte daran, lag wie ein großer Felsbrocken auf ihr, unerbittlich, schwer, drückend. Sie, in der Finsternis, alleine. In der Unendlichkeit.

Licht.
Sie brauchte Licht.
Sofort.
Sie ertrug es nicht.

Sie hatte keine Ahnung, wo Ian den Leuchtstab hingelegt hatte, und sie hatte nicht vor, ihn jetzt ewig zu suchen. Ihr Lichtschwert lag ohnehin in ihrer Hand, und so aktivierte sie es zischend, um im nächsten Moment zurückzufahren und einen kleinen, leisen Schrei auszustoßen, den sie unmöglich unterdrücken konnte. Die riesigen Augen, die sie in dem grünen, dunklen Schimmerlicht anstarrten kamen so plötzlich, und sie hatte in diesem Moment nicht mehr an das kleine Tier gedacht, das sie ohnehin seit Stunden nicht mehr gesehen hatte.
Mit klopfendem Herzen saß sie da, schwer atmend, im Versuch, sich zu beruhigen. Es war nur das Fellknäuel. Nur das Fellknäuel... und die Finsternis war nicht mehr ganz so bedrohlich wie zuvor. Sie musste sich beruhigen und durchatmen. Es war nichts geschehen, nichts... Aber es ging nicht. Es war jetzt noch nichts geschehen. Jetzt. Aber bald... Sie zog ihre Beine an, umschloss sich mit einem Arm selbst und gab sich zitternd Halt, das Lichtschwert in ihrer anderen Hand. Das Pelztier sprang auf sie hinauf, legte sich auf ihre Knie und legte seinen Kopf zur Ruhe. Die Wärme wirkte ein wenig beruhigend, aber es war nicht genug. Nicht genug... Die Finsternis war ein wenig gewichen, doch die Angst war da noch immer.

Die Angst vor dem Ende. Vor dem endgültigen Ende. Sie wusste, es war übertrieben, es war nur die Nacht, sie musste sich beruhigen, es war Einbildung, alles würde morgen anders aussehen, wieso konnte sie nicht einfach -
Nichts würde morgen anders aussehen! Sie würde nur besser in der Lage sein, zu verdrängen! Was sollte sich ändern? Sie hatte versagt, hatte nicht einmal zu einer verdammten Person eine solche Verbindung, dass sie um Hilfe rufen konnte. Und das würde letztendlich zu ihrem Ende führen. Irgendwann würde die Finsternis wieder kommen, sie einholen, sie umgeben. Und sie nicht mehr loslassen, für immer. Denn beim nächsten Mal würde kein Ian da sein, der sie zurückrief. Sie hatte ihm klargemacht, dass er sie in Ruhe zu lassen hatte, und Ian hielt sich an solche Dinge. Sie war alleine. Sie würde versinken, denn da war niemand, der sie zurückhielt. Und das würde früher oder später auf diesem Mond geschehen - denn dieser Mond war ihr Schicksal, es gab keinen Ausweg.
Sie wollte das nicht. Sie konnte nicht,
das konnte nicht, es durfte nicht. Die Leere schwebte bedrohlich über ihr, die Angst begann, sie zu überrollen. Was würde sein, wenn sie nicht mehr war? Nichts. Sie würde es ja nicht wissen. Es würde einfach vorbei sein. Ein Nichts. Der Klumpen Eis in ihrem Magen breitete sich bei dieser Vorstellung in ihr aus, ihr wurde beinahe schlecht. Sie übertrieb. Sie übertrieb höllisch! Was tat sie da, das war Unsinn, sie durfte das nicht zulassen, musste sich beruhigen, an etwas anderes denken... Aber was sollte sie dem entgegensetzen? Da war keine Hoffnung auf Rettung, keine Hoffnung auf Licht. Da war schlicht und ergreifend nichts, das sie entgegensetzen konnte! Ihr Herz klopfte immer wilder, das Atmen fiel ihr immer schwerer. Beginnende Panik, analysierte sie sachlich. Und das hieß, sie musste sich mit aller Macht beruhigen!!! Panik half hier niemandem!
Das Tier. Sie musste sich darauf konzentrieren. Es würde ihr helfen, sie da herausziehen. Sie war
nicht alleine. Da war etwas, etwas, das sie brauchte.
Nein, es brauchte sie nicht. Das war eine nette Vorstellung, doch es war falsch. Es hatte wunderbar überlebt, bis sie auf es gestoßen waren. Und es würde hier im Dschungel viel besser zurecht kommen als sie es jemals schaffen konnte. Es war keine Hilfe. Sie war keine Hilfe.
Sie hielt ihre Beine mit dem einen Arm so fest, dass es schon schmerzte, und versuchte so, das Zittern in den Griff zu bekommen, umklammerte mit der anderen Hand ihr Lichtschwert, in dem immer wieder prasselnde Regentropfen aufzischten. Legte ihre Stirn neben das kleine Tier auf ihren Beinen, genoß für einen Moment die Nähe, schloss die Augen - und öffnete sie sofort wieder, als sie die Dunkelheit erkannte. Diese Bewegungslosigkeit half nicht. Sie machte es nur noch schlimmer.
Ohne, dass sie auf das Tier achten konnte stand sie auf, hatte das dringende Bedürfnis, sich zu bewegen, mit Bewegung die ganzen Gedanken wegzuschieben.

Sie bekam keine Luft.

Das hier war nicht das Ende. Sie würden einen Weg finden. Finden müssen. Das war nicht das Ende. Nicht das Ende!
Atmen. Tief atmen.
Mit ihrer Faust schlug sie kraftlos auf den nächstbesten Baum ein. Sie musste etwas
tun, konnte nicht einfach nur still dasitzen und warten, bis die Dunkelheit und das Nichts sie verschlang. Bis sie nicht mehr da war. Der nächste Schlag landete ein wenig kräftiger auf der Rinde, und sie merkte, dass es half. Das Lichtschwert ging zu Boden, brannte einige Grasbüschel weg, erlosch jedoch nicht, als sie mit ihrer zweiten Hand ebenfalls auf den Baum einschlug. Und noch einmal. Und noch einmal. Die Dunkelheit würde sie nicht holen. Sie durfte nicht... Ihre Füße halfen ebenfalls nach, ein, zwei Mal sogar ihre Stirn, sie fand ihren Rhythmus - aber irgendwann, sie wusste nicht wann, war ihre Kraft erloschen. Die Atemnot war jedoch ebenfalls verschwunden, und ihr Herz hämmerte nun hauptächlich deshalb, weil das Schlagen es auf Hochtouren gebracht hatte. Das Zittern hingegen verstärkte sich wieder, und sie sank neben ihrem Lichtschwert auf den Boden. Ihre aufgekratzten Hände waren zu unsicher, um es aufzuheben. Sie wusste nicht, ob die Nässe in ihrem Gesicht nur vom Regen oder auch von Tränen herrührte, aber das spielte nun die kleinste Rolle.
Sie hatte wohl gerade gegen alle Regeln des Jedi-Kodex verstoßen, die es nur gab. Gefühle. Unwissenheit. Leidenschaft. Tod.
Aber es war ihr egal.


Dschungelmond von Va'art, vor einem ausgehölten Baum, mit Ian darin und Fellknäuel irgendwo
 

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eo

Diesmal ignorierte das kleine Wesen Ians Worte nicht, sondern schien sie zu verstehen. Zumindest trabte es davon, in Eowyns Richtung und so ließ sich Ian, nicht unbedingt entspannt, aber ein klein wenig beruhigter, an der Rinde des Baumes nieder. Wenn es ihr auch nur halb so erging wie ihm eben, war es besser, wenn sie nicht alleine war.

Hier in der kleinen, recht trockenen Höhle konnte Ian dennoch keinen Schlaf finden, dafür war er viel zu aufgewühlt und eine Tiefschlaftrance kam nicht in Frage. Schließlich wusste er nicht, ob es ihm gelingen würde, sich einfach wieder daraus zu erwecken und jetzt, da Eowyn nicht mit ihm sprach und ihn, nach eigener Aussage, in Frieden lassen wollte, war fraglich, ob sie ihn wecken würde. Schließlich hatte sie ihn eben auch schweigend abgelöst. Was für ein völlig absurder Tag. Einen hatten sie mit Streit begonnen und diesen würden sie mit Streit enden. Ob Streit überhaupt das richtige Wort war? Eisiges Schweigen war etwas anderes und es blieb fraglich, ob sie ihr… streitiges Schweigen überhaupt beenden würden. Denn ohne ein schlechtes Gewissen – und da war keines und da würde keines kommen – gab es auch keinen Grund, sich zu entschuldigen. Sich am nächsten Tag mit ‚Guten Morgen‘ zu begrüßen, schien unmöglich, wie eigentlich jedes andere Gespräch, das Ian sich auszumalen versuchte. ‚Habt ihr Euch wieder beruhigt? ‘ war so falsch wie ‚Habt Ihr Eure Stimme zurück? ‘ Er sollte aufhören, sich darüber Gedanke zu machen, doch wie sollte er an etwas anderes denken? Seufzend lehnte er den Kopf gegen den Baum und starrte in die Höhe, auch wenn er ohnehin nichts erkennen konnte, konzentrierte sich auf das Geräusch des Regens, der gegen den Baum und auf das Blätterdach prasselte. Ein fast beruhigendes Geräusch und doch taugte es so wenig, seinen Gedanken Einhalt zu gebieten, oder sie zu übertönen. Der Dauerregen passte viel eher zur Situation, zwischen Ian und Eowyn, denn auch ihr Streit schien zu einem Dauerstreit übergegangen zu sein. Und Schweigen war vermutlich nur die leiseste Form des Streitens.
Von wegen, das würde es einfacher machen…

So starrte der Dunkelhaarige weiterhin ins Leere, oder ins Nichts, konzentrierte sich auf die Geräusche der Umgebung, um irgendetwas zu tun, das ihn gedanklich nicht zurück zu Eowyn brachte. Und als er endlich glaubte, für den Moment an etwas gänzlich anderes zu denken, drang ein leiser Schrei bis zu ihm. Den Blaster sofort gezogen, war Ian innerhalb weniger Sekunden aus der Höhle getreten und da saß Eowyn, mit ihrem gezündeten Lichtschwert, aber da war nichts. Nichts, außer dem kleinen Wesen, das in unheimlich, grünlich-weißes Licht gehüllt wurde. Keine Gefahr, sie hatte sich bloß erschreckt und da wollte Ian schon zurück in die Höhle kriechen, hielt aber inne und warf noch einmal einen versichernden Blick zu ihr. Und da hockte sie noch immer, mit zitternder Hand und der aktivierten Waffe, das auch sie in schummriges Licht hüllte. Er sah deutlich, dass sie die Beine angezogen hatte, als müsse sie sich an etwas halten, um nicht unter zu gehen, auch das Zittern war überdeutlich zu erkennen. Sie gab ein Bild des Elends ab, eindeutig. Ian presste die Zähne aufeinander. Sie hatte sich für Schweigen entschieden. Sie hatte sich entschieden und sie würde schon zurechtkommen.

Zurück in die Höhle kriechend stockte Ian erneut, als Eowyns Abschirmung zu bröckeln begann und eine Welle von Panik langsam zu ihm herüber schwappte. Wieder presste Ian die Zähne aufeinander, diesmal so fest, dass der Kiefer weiß hervortrat und zu Schmerzen begann. Sie würde schon damit zurechtkommen! Aber das, was Ian wahrnahm, fühlte sich nach allem an, bloß nicht nach etwas, das auch nur annährend darauf hindeutete, dass sie da draußen gerade zurechtkam.
Es war ihr Problem! Sie war erwachsen, sie hatte sich für Schweigen entschieden und dafür allein zu sein, es war ihr verdammtes Problem, nicht das Seine. Aber die Welle ihrer eigenen Gefühle überschwemmte Ian nahezu unbarmherzig.

Er würde ihr sagen, dass sie aufhören und sich nicht so anstellen sollte, dass sie selber schuld war, dass ihre Art, ihn in Frieden zu lassen, überhaupt keinen Sinn ergab. Genau das würde er ihr sagen, dafür konnte er das lächerliche Schweigen brechen, das sie ihnen auferlegt hatte!

Aber als Ian wieder aus der Höhle getreten war und nun nicht nur spürte, sondern so deutlich sah…

Es ging ihn nichts an!

Wäre da nicht das gewesen, was sie ausstrahlte. Wäre da nicht das Licht ihrer Waffe gewesen, das sie und ihre Verzweiflung viel zu deutlich sichtbar machte. Wäre da nicht das gewesen, was sie alles andere als unwichtig für ihn machte. Wäre da nicht sein Mitgefühl gewesen. Verdammt! Wild hämmerte sie gegen den Baum – so wie Ians Herz gegen seine Brust- und neben dem, was da zu ihm herüber schwappte, trat die eigene Unsicherheit. Sollte er sie alleine zurechtkommen lassen oder zu ihr gehen? Aber er hatte doch beschlossen, dass Distanz das Beste war. Sie hatte sich doch selbst dafür entschieden. Hatte sie das?

Lasst mich nicht allein, hallte es in seinem Kopf.

Aber er musste sie alleine lassen, ohnehin, jetzt hatte sie diese Worte gar nicht gesagt. Sie musste diese Situation alleine durchstehen. All das war nur eine kleine Auswirkung der ganzen Anstrengungen. In zwei Sekunden hatte sie sich bestimmt beruhigt. Eine kleine Rage, die ihr half, wieder Herrin über sich selbst zu werden. Dann ließ Eowyn das Schwert fallen, das nun nur noch ihre Füße erleuchtete. Sie schlug und trat weiter gegen den Baum, immer heftiger, aber Erleichterung? Sie war so fern von Erleichterung…
Distanz. Ian hatte sich entschieden, es war nicht gut, nicht für sie und nicht für ihn, wenn sie alles schlimmer machten, indem sie irgendwelchen verwirrten Gefühlen nachgaben und sich einbildeten, für den anderen auch mehr, als nur das geringste Bisschen Sympathie zu empfinden.

Halt ge… Nein.

Da sollte nur die Notwendigkeit ihres Vertrauens sein. Nichts von Bedeutung, nichts echtes. Für Va’art, für Lianna. Nicht mehr, auf keinen Fall mehr, eher weniger. Eine Mission die sie verband, für den Zeitraum der Mission, nicht darüber hinaus. Vertrauen, weil es hier notwendig war. Nicht echt. Notwendig um zu überleben. Notwenidigkeit. Nicht Vertrautheit.

Dann sank Eowyn zu Boden, kehrte so zurück ins Licht ihrer Waffe, die noch immer aktiviert am Boden lag und sie zitterte am ganzen Leib. Ein Bild des absoluten Elends, von dem Ian sich losreißen musste. Er schloss die Augen, aber obwohl Eowyn so aus seinem Blickfeld verschwand, blieb das Gefühl, ja sogar ihr Bild, bohrte sich in sein Herz.

Lasst mich nicht allein, hallte wieder in seinem Kopf und mischte sich mit seiner eigenen Stimme.

Du darfst sie jetzt nicht alleine lassen.
Aber er musste.
Sie schafft es nicht alleine.
Aber sie musste.
Du darfst nicht jede Grenze überschreiten.
Du musst diese Grenze überschreiten.
Sie braucht jemanden.
Aber da war nur er.
Sie braucht…
Nein.

Dudarfstnichtdumusst.

Müssen. Dürfen. Falsch. Richtig.
Wann hörte es endlich auf?
Er musste sich nur umdrehen und gehen, zurück in die Aushöhlung des Baumes. Den Abend vergessen, das Bild vergessen, Eowyn vergessen und den nächsten Morgen abwarten. Am nächsten Tag sah alles ganz anders aus, es war immer so. Und so wandte Ian sich ab. Nur zurück in den Baum, ein paar Schritte. Und wieder hielt er inne, schloss erneut die Augen. Warum verschwand sie nicht aus seinem Kopf?

Lasst mich nicht alleine.
Ich sehe jemanden, der etwas bereut und der einen anderen Weg wählt. Jemanden, der sich um andere sorgt.


Haar'chak!

Es war doch längst zu spät, als Ian den letzten Zweifel niederkämpfte. Sein Unbehagen bei Seite schob, so gut es ging und den Teil, der ihm zuschrie, lieber zurück in den Baum zu gehen, ignorierte.
Zwölf Schirrte und er war bei Eowyn angelangt. Zwölf Schritte, in denen sich Verstand und Gefühl heftiger stritten, als Eowyn und Ian es überhaupt tun konnten. Zwölf Schritte, die ihn von einer großen Dummheit trennten. Zwölf Schritte, die er besser nicht weiter überlegte. Zwölf Schritte und er war bei Eowyn angelangt, ging mit bis zum Hals klopfendem Herzen auf die Knie, direkt neben sie.

Haar'chak!

Und dann nahm Ian seinen ganzen Mut zusammen, kämpfte den letzten Zweifel bei Seite, griff vorsichtig nach Eowyns Hand und zog sie, schweigend, in seine Arme. Da war kein einziges Wort, das er an sie richtete (denn alles was er hätte sagen können wäre vermutlich furchtbar ungeschickt gewesen). Stattdessen legte Ian alles, was er an Beruhigung aufbringen konnte, alles an Halt, den zu geben er in der Lage war, in diese Umarmung.

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eo und Fellknäul

 
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Dschungelmond von Va'art, vor einem ausgehöhlten Baum, mit Ian und Fellknäuel irgendwo

Sie atmete schwer, aber immerhin, sie atmete.
Es war gut gewesen, gegen die Angst anzukämpfen, doch es war eindeutig - die Angst war stärker. Das Zittern war unmöglich zu unterdrücken, nur ein Vorbote. Eowyn war nun erschöpft, und es würde nicht mehr lange dauern, bis die Dunkelheit, das Nichts sie wieder einholen würden. Dieses Mal würde sie nicht mehr dagegen ankämpfen können. All die Dinge, die ihr Halt geben sollten oder konnten - fort. Das Tier hatte sie selbst vertrieben. Ian ebenfalls, oder sie gemeinsam, es spielte keine Rolle, er war fort. Gegen den Kodex hatte sie so verstoßen wie noch nie, und sie wusste, dass der Gedanke daran ihr nicht helfen konnte. Frieden, hier? Die Macht, hier? Wo war die Macht gewesen, als sie die "Sandkorn" betreten hatten? Wo war die Macht gewesen, als sie abstürzten, als sie einen Notruf absetzen wollten? Wo war sie gewesen, als die Raupe sie angriff? Wo war sie, als sie in den ganzen letzten Tagen Führung gebraucht hätte? Die Macht würde sie jetzt nicht retten. Und vor allem nicht vor dem Unvermeidlichen. Nein, es war vorbei. Sie sollte tatsächlich ihren Frieden damit machen... Doch bei diesem Gedanken stieg die Angst wieder auf. Sie wollte ihren Frieden damit nicht machen. Sie war noch nicht bereit dafür! Alleine die Vorstellung, alles zurückzulassen, zu verschwinden, nicht mehr zu
sein... Nein. Das durfte noch nicht passieren.
Aber es würde passieren. In ein paar Tagen, ein paar Wochen. Hier. Und niemand würde es jemals erfahren.
Ein letzter, verzweifelter, kraftloser Faustschlag landete auf dem Boden. Warum konnte sie nichts tun? Warum musste sie hilflos mit ansehen, wie ihr Leben verschwand? Von der Finsternis überrannt werden würde...

Sie hörte ihn erst, als er vor ihr stand. Eine wunderbare Wache gab sie da ab. Sie hatte nicht mehr an Ian gedacht, zumindest nicht daran, dass er physisch real hier war - und vor allem nicht daran, dass er sie vielleicht bemerken würde. Aber natürlich hatte er das. Er schlief so schlecht, und spätestens ihr wildes Hämmern hatte ihn sicher geweckt.
Und außerdem war es einfach Ian. Er merkte alles.
Ihre Abschirmung war fort. Wann hatte sie sie verloren? Doch da war keine Kraft übrig, sie wieder aufzubauen. Sie brauchte den Rest für die letzten Kämpfe gegen die Angst.
Ians wortloser Griff nach ihrer zitternden Hand verstörte sie beinahe und sie starrte darauf. Was tat er da? Es fühlte sich... gut an, ein kleiner Halt, es war besser als nichts. Es reichte nicht, aber es war besser als nichts... Im nächsten Moment war dieser Halt jedoch überall, umschloss sie, gab ihr Sicherheit. So, wie der Baum es vorhin getan hatte, nur viel intensiver. Stärker.
Sie durfte sich nicht darauf einlassen. Was, wenn er im nächsten Moment wieder verschwand? Sie wäre völlig schutzlos, wieder alleine, aber dafür mit der Erinnerung an einen Halt, den es nicht mehr gab. Die Angst würde sie dann vollends überrennen, und sie wusste nicht, was sie dann tun würde, wenn die nächste Panik sie erfasste. Sie musste das alleine schaffen. Für sich. Halt machte abhängig.
Und da verstand sie. Verstand Ian plötzlich, seine Angst, sein Verhalten, es lag so klar vor ihr, lenkte sie kurz ab von ihren eigenen Gedanken. Er hatte sie nicht fortgestoßen, weil er sie verachtete, nein, das Gegenteil war der Fall. Er hatte Angst, zu fühlen, Angst, sich auf den Halt zu verlassen, denn was wäre, wenn der Halt fort war...
Was, wenn nicht?
Und ohne seine Hilfe würde die Angst sie ohnehin einholen.


Da ließ sie los, auch das letzte bisschen ihrer Abschirmung, ließ zu, dass er sie hielt, gab sich der Sicherheit hin, die seine Arme boten. Schrie ihre Angst hinaus. Die Dunkelheit, der Tod würde sie jetzt noch nicht holen. Jetzt erst Recht nicht. Sie musste kämpfen, er passte auf sie auf. Sie waren zu zweit, sie passten aufeinander auf. Was der eine nicht konnte, konnte der andere und umgekehrt. Sie würde nichts Schlimmes zulassen. Er ebenfalls nicht. Gemeinsam konnten sie das hier schaffen. Gemeinsam fanden sie eine Lösung, weil sie es einfach mussten. Sie hatten keine andere Wahl, aber sie waren fähig dazu. Sie mussten es sein. Wenn sie zusammenarbeiteten.
Nein. Nichts würde sie jetzt holen, und auch nicht in den nächsten Tagen. Es durfte nicht sein.
Langsam, langsam brachte sie das Zittern unter Kontrolle, konzentrierte sich darauf, ruhiger zu atmen. Sein klopfendes Herz, das sie so deutlich hörte, half dabei, sich auf etwas zu konzentrieren. Es hätte unangenehm sein müssen, ihm so nah zu sein, so offen, doch seltsamerweise war es das nicht, auch wenn sie eine solche körperliche Nähe seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. Sie machte sich keine Gedanken darüber, warum es so war, sie nahm es einfach hin. Gedanken hatte sie genug in ihrem Kopf, oder versuchte gerade, sie loszuwerden.
Das Zittern war langsam verschwunden. Hin und wieder zuckte sie noch zusammen, wenn kleine, gemeine Gedankenfäden versuchten, sich in ihren Kopf zu schleichen, doch sie drängte sie entschlossen nach draußen. Sie hatte keinen Platz für solche Dinge.
Nach und nach wurde sie ruhiger, entspannte sich, spürte wieder mehr in sich außer der panischen Angst. Ihre Hände und Augen brannten, und auch ihr Kopf schmerzte ein wenig. Sie spürte Ian - wurde sich erst jetzt bewusst, was das für ihn bedeuten musste. Ob er wusste, was los gewesen war? Sie sollte sich wieder hinsetzen, ihm Abstand gönnen, er hatte genug getan. Doch sie konnte nicht, konnte den Halt nicht aufgeben, den er ihr gab, aus Angst, dass es dann wieder beginnen würde. Seine Arme um sie gaben ihr die Sicherheit, dass es erst einmal vorbei war. Gleichzeitig konnte sie ihn nicht darum bitten, sie weiter zu halten, sie wusste, dass es schwer für ihn sein musste. Sie musste sich lösen, es von alleine schaffen. Aber dafür war auch keine Kraft mehr da, sie fühlte sich erschöpft, zerschlagen, innerlich ausgelaugt. Es würde frühestens dann gehen, wenn er sie losließ. Nicht vorher. Sie selbst schaffte diesen Sprung nicht.
Das Schweigen, das sie nun so viele Stunden getrennt hatte, musste allerdings gebrochen werden. Ein "Danke" reichte aber einfach nicht aus. Es war zu wenig. Nicht bedeutend genug, nicht aussagekräftig genug. Sie empfand so viel mehr, wollte so viel mehr sagen. Nur gab es dafür keine Worte.
Dennoch. Es gab kein anderes Wort. Nur dieses eine.
Danke, flüsterte sie also erschöpft, und versuchte, ihm wenigstens zu zeigen, ihn spüren zu lassen, wie dankbar sie war.

Dschungelmond von Va'art, vor einem ausgehöhlten Baum, mit Ian und Fellknäuel irgendwo
 

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eowyn und Fellknäul

Ians Herz schlug so kräftig gegen seine Brust, dass es eigentlich durch diese hindurchringen oder sie zerschmettern musste. Obwohl sich bis eben nahezu alles in dem Mann gesträubt hatte, so viel Nähe zu Eowyn zu wählen, so viel Nähe zu geben und so viel Nähe zuzulassen, verschwand die Unsicherheit, als er sie an sich heran gezogen hatte in so absoluter Ganzheit, als wäre da nie ein Zweifel gewesen. Das vielleicht zaghafte, das da gewesen war, als er nur nach ihrer Hand gegriffen hatte verschwand, als er die Arme um sie legte, wissend, dass er jetzt alles, aber keine Zurückweisung geben durfte. Keine Unsicherheit, keinen Zweifel. Dabei hatte er eben noch Distanz gewollt, mehr als alles andere (und ein Teil wollte deise noch immer), aber jetzt, da er sie überbrückt hatte, schien diese Nähe das einzig richtige zu sein. Es war seltsam, nahezu unwirklich und es schien ewig her, dass er jemanden so nahe an sich heran gelassen hatte und damit war weit mehr gemeint, als diese körperliche Umarmung.
Aber da war Eowyn wirklich, völlig durchnässt, noch immer zitternd, so zerbrechlich und das einzige was Ian tun konnte, war sie zu halten. Behutsam und kräftig zugleich, um ihr irgendwie die Sicherheit zu vermitteln, dass er sie jetzt nicht loslassen, sie jetzt nicht alleine lassen würde.

Halt war eine so seltsame Sache. Er wusste wie es war, haltlos zu sein, wusste wie es war zu fallen, ohne, dass ein Aufprall kam. Und Ian wusste auch, wie es war, Halt zu haben und ihn dann wieder zu verlieren. Wahrscheinlich machte er alles schlimmer, mindestens für sich, vielleicht auch für sie. Vielleicht durfte er all das nicht zulassen und wahrscheinlich würde er zerbrechen, wenn er Lianna erreichte. Zerbrechen. War er das nicht ohnehin schon? Er konnte sie nicht alleine lassen, nicht so, nicht jetzt. Nicht hier. Und es ging nicht um ihn. Da war Furcht, ein riesiger Haufen blanker, nackter angst, die ihn einholen würde. Aber nicht jetzt.

Als Ian Eownys leisen, zaghaften Widerstand spürte, intensivierte er den Druck seiner Arme instinktiv, aber vorsichtig genug, um Eowyn nicht zu erdrücken, ihr nicht weh zu tun. „
Schh“, machte er leise. Es war in Ordnung. Schon in Ordnung. Ohnehin war es längst zu spät, er hatte sein Nicht-fühlen-wollen doch schon abgelegt, als er sie aus dem Schiff getragen hatte. Vielleicht sogar in jenem Moment, als sie den Sand in seine Hände hatte rieseln lassen. Den Sand, den er noch immer in der kleinen Phiole bei sich trug. So hielt Ian die Jedi einfach nur fest, behutsam und doch kräftig zugleich, mit dem einzigen, unbändigen Wunsch, ihr die Kraft zu geben, die sie benötigte, um diese Nacht zu überstehen. Dann spürte er langsam, wie sie sich fallen ließ, spürte in aller Deutlichkeit, wie die letzten Reste ihrer Abschirmung dahinsiegten. Und da unterbrach auch er seine Abschirmung, nicht um ihr Angst zu übermitteln, nicht um sie zu verunsichern, sondern schlicht um ihr mit allem, was er einsetzten konnte zu verstehen zu geben, dass er da war und nicht gehen würde.

Der Regen verlor an Bedeutung, sogar die feindliche Umgebung. Sicher, es war falsch. Falsch und gleichzeitig so richtig, dass es nicht mehr falsch sein konnte. Aber Ian schloss die Augen und akzeptierte, mit der Gewissheit, dass es so oder so zu spät war. Für falsch, für richtig und für Angst. Und als er sich selbst ein Stück weit fallen ließ, als er sein letztes Bisschen Vernunft gehen ließ, spürte Ian neben dem Regen noch etwas anderes, das durch diesen vielleicht unterging, aber für ihn nicht unbemerkt blieb. Seine eigenen Tränen. Der Erleichterung?

Eowyn beruhigte sich langsam, ihr Zittern hatte seinen Höhepunkt erreicht, um nun, langsam, aber stetig abzuebben. Da war noch immer sein heftiger Herzschlag, Beweis dafür, dass er sehr wohl noch spürte, Beweis dafür, dass er genauso zerbrechlich war, aber vor allem Bestätigung dafür, dass er noch lebte und überstehen würde, was auch immer noch auf Va’art geschehen mochte. Für Angst war später genug Zeit. Sie würde ihn umbringen, das wusste er, irgendwo. Aber jetzt zählte kein niederes Gefühl. Er war da. Sie war da. Und Ian gestand sich ein und vor allem zu, dass er jetzt nicht nur gab, sondern auch nahm. Dabei war es völlig ambivalent. Nehmen und Geben zugleich. Durch Geben etwas bekommen. Halt war gefährlich, Vertrauen war gefährlich. Fühlen war gefährlich. Aber war Va’art es nicht auch?

Eowyn hatte sich langsam beruhigt, zumindest war ihre Panik verschwunden und auch Ians Herzschlag pendelte sich wieder ein, auf eine normale Frequen und da bedankte sie sich leise. Leise mit Worten, aber umso lauter mit Gefühlen und was vielleicht nur wie ein Flüstern in seine Ohren drang, war laut und kraftvoll in seinem Inneren. „
Gern geschehen“, war die ehrlichste Antwort die er ihr nicht nur mit seiner Stimme übermittelte. Kein ‚Schon in Ordnung‘, nein. Das hätte es abgemildert und irgendwie wollte Ian das nicht.

Dann löste er sich behutsam von ihr, langsam, aber nicht ganz. Blieb neben ihr sitzen, behielt ihre Hand in der seinen, berührte mit seiner Seite die ihre.



Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eowyn und Fellknäul


 
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Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Ian und Fellknäuel irgendwo

Sie wusste nicht, wann sie sich zuletzt so geborgen gefühlt hatte. Gleichzeitig wusste Eowyn nicht, ob es überhaupt gut war, so zu empfinden, nicht auf diesem Mond, mit all den Dingen, die da draußen in der Galaxis noch auf sie warteten. Als Ian auch seine eigene Abschirmung fallen ließ war dies ein deutliches Zeichen, eine Sicherheit, zumindest für diesen Moment, dass alles so blieb, dass nichts geschehen würde. Es war egal, was da noch kommen würde, sie hatte keinen Platz in ihrem Kopf, um über solche Dinge nachzudenken. Ihr war klar, dass diese Momente nicht ewig dauern würden, aber es war absolut notwendig, sie so zu nehmen, wie sie waren, Kraft zu tanken und sie fest in sich zu halten.
Ians Gefühle nahm sie selber kaum wahr, es war ein ähnliches Chaos wie ihr eigenes, Unsicherheiten gemischt mit Angst und Sicherheit. Das war in Ordnung und nur logisch - beinahe sogar hilfreich, nicht allein zu sein, selbst in ihrem heillosen Gedankendurcheinander. Da war noch mehr, Dinge, die sie nicht einordnen konnte, aber nur, weil Ian sich geöffnet hatte hieß das nicht, dass sie das Recht hatte, seine Gedanken und Gefühle zu erforschen. Darum ging es nicht.


Seine Antwort erfolgte in gleicher Art wie ihr Dank, und sie fragte sich, weshalb sie nicht schon früher auf diese Weise kommuniziert hatten. Es war so viel einfacher, so viel deutlicher. Sicher gab es auch so Missverständnisse, aber nicht in dem Maße, wie es bei ihnen an der Tagesordnung war. Dieses elendige Abschirmen, dieses Für-sich-behalten, das Einigeln - all das hatte nur zu Streit und Auseinandersetzungen geführt. Sie hätte es doch eigentlich besser wissen müssen.
Unwichtig. Jetzt hatte sie es erkannt, und vielleicht, nur vielleicht würde jetzt alles ein bisschen einfacher werden. Mehr zeigen, mehr fühlen als reden. So viel eindeutiger.


Es musst so kommen. Der Halt verschwand, die Sicherheit, die Geborgenheit - Eowyn fühlte sich plötzlich wieder seltsam alleine, seltsam hilflos. Sogar seine Wärme fehlte ihr. Kein Halt, kein Schutz hielt natürlich ewig.
Aber er war nicht komplett fort. Als sie den ersten Moment überwunden hatte realisierte sie, dass
er noch da war. Sowohl geistig als auch körperlich, sie noch hielt, sie noch berührte. Er war nicht gegangen, hatte sie nicht alleine gelassen.
Im schwachen, grünen Dämmerlicht ihres Lichtschwertes konnte sie ihn kaum erkennen. Der Leuchtstab wäre jetzt wirklich praktischer, dachte sie abwesend, aber das Lichtschwert war wenigstens besser als gar nichts. Unsicher blickte sie auf ihrer beiden Hände. Sie hatten das Schweigen gebrochen, ja, aber was nun? Sie hatte das Gefühl, dass es an ihr war, nun etwas zu sagen, aber nichts kam ihr in den Sinn, das sie aussprechen wollte. Sich entschuldigen für ihr Verhalten die letzten Stunden - das spielte wohl keine Rolle. Eine Erklärung abgeben für das, was eben geschehen war - wollte er es überhaupt wissen? Sie fragte sich, ob er überhaupt geschlafen hatte. Er musste dringend schlafen, wenn es hell wurde, würden sie weitergehen müssen... Aber noch nicht jetzt, es war zu bald, es ging noch nicht. Außerdem war sie sich nicht sicher, ob sie nicht selber einschlafen würde.
Und so saß sie erst einmal nur da, schweigend, doch ein so komplett anderes Schweigen als das der letzten Stunden. Durchatmen, realisieren, was da eben geschehen war. Es war kein unangenehmes Schweigen, aber dennoch, dennoch wollte sie es nicht ewig andauern lassen. Und vielleicht war es einfacher, jetzt gleich darüber zu reden als morgen, wenn die Sonne wieder schien, die Nacht vergangen war, alles wieder anders war. Vielleicht musste sie es auch tun.
Vorhin hatte sie noch gedacht, dass sie auf gar keinen Fall darüber reden konnte, erst Recht nicht mit Ian, nicht auf diesem Mond. Aber vielleicht war das falsch gewesen. Man musste sich seinen Ängsten stellen, sonst überfielen sie einen so wie gerade eben.

Ich musste an unseren Absturz denken, begann sie also leise, musste erst einmal testen, wie es war, zu reden, so viel zu reden. An den Moment danach. Als ich... fort war. Und dann... es war nicht sonderlich hilfreich zu wissen, dass wir hier nicht wegkommen werden. Und... dort... die Finsternis. Nein, sie würde sich dem stellen und sachlich bleiben. Berichten. Erklären. Nicht mehr. Sie hat mich daran erinnert, sagte sie schlicht. Er würde schon verstehen. Es war so... einfach dort. Ich wollte nicht gehen. Ich wäre wirklich geblieben. Wie konnte ich nur? Eowyn schüttelte verständnislos den Kopf. Und jetzt... jetzt dachte ich, dass ich es nicht noch einmal schaffe, dass es das nächste Mal endgültig sein wird. Wie auch. Dieses Mal würdest du mich nicht mehr zurückholen. Sie dachte nicht darüber nach, was sie sagte, versuchte, das zu sagen, was ihr in den Sinn kam. Und so merkte sie auch nicht, dass sie die Nähe, die Sicherheit, die er ihr gab, noch spürbarer gemacht hatte.

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Ian und Fellknäuel irgendwo
 
Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eowyn

Vor einer Stunde oder vielleicht sogar vor dreien hatte er sie zurückgewiesen. Sie und sich und jetzt saß er da, neben ihr im Regen, die Arme um sie geschlungen. Absurd. Völlig absurd. Der letzte Mensch dem er in irgendeiner Weise nahe gekommen war, war Alisah gewesen und das lag lange Zeit zurück. Jahre, in denen er beschlossen hatte, keiner Seele mehr zu trauen. Niemanden je wieder an sich heran zu lassen. Und hier auf Va’art gab er alles auf, jeden Selbstschutz, den er so mühsam aufgebaut hatte. Seine Abschirmung die er für niemanden geöffnet hatte, öffnete er für Eowyn. Was war, wenn sich der Gedanke einschlich, gar nicht mehr von Va’art verschwinden zu wollen? Nicht, weil der Mond so schön war –das war er vielleicht auch- , sondern weil er neben all den bisherigen Streitereien mit so vielen anderen Gefühlen in Berührung gekommen war. Mit Gefühlen, die ihn sich menschlich fühlen ließen. Mit Gefühlen, die dafür sorgten, dass da mehr war als Leere, Wut und Verzweiflung. Alles wovor er sich gefürchtet hatte, alles was verdrängt gewesen war, kehrte zurück. Mit dem Unterschied, dass es sich fast richtig anfühlte und genau darin lag das Problem. Neben der Schwere, die Va’art brachte, war da auch das Gegenteil. Eine Unbeschwertheit die Ian Jahre nicht gespürt hatte, an die er nicht mehr zu glauben, nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Nähe, Geborgenheit, Echtheit. Sicher, er musste Va’art verlassen, weil es ihn drängte endlich mit dem Jedi-Rat zu sprechen, aber sobald er seinen Fuß auf Lianna gesetzt hatte, würde alles ein Ende nehmen. Ein verdientes Ende, aber ein absolutes Ende und vor diesem fürchtete der Dunkelhaarige sich enorm. Da war nicht nur der Glaube all das nicht verdient zu haben, all das gar nicht mehr spüren zu dürfen sondern ein leiser Zweifel sich vielleicht zu irren und das machte alles nur noch schwerer.
Es hätte unmöglich sein müssen Eowyn so nahe zu sein und sich einzugestehen, dass diese Nähe ihm etwas gab war nicht einfach. Aber vielleicht galt es ein letztes Mal geschehen zu lassen, was geschehen sollte. Auf die Stimme zu hören, die er zu oft ignoriert hatte. Den Moment zu nehmen, wie er war. Kein ‚Was geschieht danach‘, denn würde er sich Gedanken über das Danach machen… er würde wahnsinnig werden, wirklich wahnsinnig und dann half keine Umarmung der Welt um ihn zu retten.

Als Ian sich schließlich langsam von Eowyn löste, griff er dennoch wieder nach ihrer Hand und vielleicht lag es nicht allein daran, dass er sie nicht alleine lassen wollte, sondern hatte mit seinem eigenen Bedürfnis zu tun. Um ihretwillen hätte er sie unmöglich alleine lassen können und er musste sich nicht die Frage stellen, ob es ihm anders erging. Die Grenze war überschritten, er wusste es. Und es war falsch, ganz bestimmt.

Das Schweigen, das sich nun über sie legte, hatte nichts mit dem vorherigen zu tun. Und als Eowyn – wie so oft- das Schweigen unterbrach, stahl sich ein kleines Schmunzeln zurück auf Ians Gesicht. Der Absturz. Sie hatte gehen wollen? Das hatte er nicht gespürt, aber vielleicht war das der Grund gewesen, warum sich die Sekunden so endlos hingezogen hatten. Wie sie konnte? Nun… vielleicht weil es einfacher gewesen wäre. Der Absturz ins Ungewisse, es war so schwer nicht zu wissen, was einen erwartete und noch schwerer war es, wenn sich etwas völlig ausweglos anfühlte. Und der Absturz war genau das gewesen. Eine große, gefährliche Unbekannte, die sie von etwas wichtigem trennte. Demnach war es vielleicht gar nicht so abwegig gewesen von einem anderen Ort, der vielleicht friedlicher gewesen war, nicht gehen zu wollen. Es verlor ganz an Abwegigkeit, als er sich an seine eigenen Gedanken zurück erinnerte. Er konnte es verstehen und so nickte er schlicht, auch wenn Eowyn das kaum erkennen konnte.

Und dann brachte sie Ian völlig aus dem Konzept, mit einem einfachen, winzigen Wort.
Du.
Konnte ein Wort das nur aus zwei Buchstaben bestand dafür sorgen, dass sich schon wieder etwas in seinem Inneren veränderte, als wäre er gerannt?
Du.
Es war die letzte Brücke die sie überquerte, die letzte Distanz, die sie damit aufgab. Kein ‚Ihr‘ mehr. Keine Förmlichkeit. Weniger die Höflichkeit zweier Fremder, als die Vertrautheit von zwei… die sich nicht nichts bedeuteten.
Vielleicht mochte es übertrieben sein, denn die Umarmung und die Hand in der seinen waren ausdrucksstark genug. Aber beides war von ihm ausgegangen, bis auf dieses kleine Wort und es mochte im Sprachgebrauch zu einer Alltäglichkeit zählen. Für Ian war es das nicht, nicht in diesem Moment.


„Ich hätte…“ und er geriet ins Stocken, um letztlich doch weiter zu sprechen, sich bewusst dafür zu entscheiden, „dich niemals gehen lassen. Nicht auf dem Schiff und noch weniger hier.“
Ich muss dem ganzen wirklich ein bisschen Dramtik nehmen, und den nächsten Abschnitt anfügen^^
Das war es gewesen, dass ihn so wütend gemacht hatte, als sie einfach in die Frucht gebissen hatte. So wenig wie er sie hatte gehen lassen wollen, so sehr hatte sie in dem Moemtn die Angst in ihm angefuert, sie gehen lassen zu müssen. Schließlich hatte er sich damals nicht von dem Gift heilen können...
„Und ich glaube, ich verstehe es. Als ich bis vor kurzem nur Vergessen wollte“, dabei schien es fast wie eine Ewigkeit her zu sein, diesen Wunsch gehegt zu haben, „glaubte ich, dass es einfacher sein würde. Es war fast wie ein… Lichtblick in absoluter Dunkelheit.“ Aber er hatte sich geirrt, denn es wäre nur ein trügerisches Funkeln gewesen, ein Irrlicht, das ihn in etwas Schwärzeres gezogen hätte.
„Jetzt weiß ich, dass ich mich geirrt habe. Wahrscheinlich hätte mich danach etwas viel Schlimmeres erwartet, ein weiteres, tiefes Loch in das ich unablässig gefallen wäre.“ Leise atmete er auf, vielleicht ein wenig erleichtert. Es wäre vermutlich das gleiche gewesen, was sie erwartet hätte, wenn er sich nicht überwunden hätte und zu ihr gekommen wäreWie also hätte ich dich gehen lassen können?“

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eowyn
 
Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Ian und Fellknäuel irgendwo

Es war richtig gewesen, es Ian zu erklären. Es sollte kein "das geht ihn nichts an" mehr geben, zumindest nicht in solchen Fällen. Abgesehen davon ging es ihn eine ganze Menge an - schließlich saß sie nur dank ihm wieder hier auf dem Boden, ruhig atmend, und hatte nicht irgendetwas Bescheuertes in ihrer Panik angestellt. Es war außerdem auch nicht schwer gewesen, überhaupt nicht. Es half natürlich dabei, dass es hier so dunkel war, aber sie glaubte nicht, dass es nur daran lag. Nein, sie hatte das Gefühl, dass alles irgendwie leichter war. Und sie würde sicher nicht anfangen darüber nachzugrübeln, es zu hinterfragen, es zu analysieren. Ihr Kopf hatte schon viel zu lange die Oberhand behalten.

Die Offenheit, die gerade zwischen ihnen herrschte, ließ Eowyn deutlich fühlen, dass sie Ian irgendwie verwirrt hatte. Schnell rekapitulierte sie ihre Worte, und da sprang es ihr ins Gesicht. Es war ihr so herausgerutscht, ohne Nachdenken, es hatte sich einfach... richtig angefühlt. Nein, eher andersherum. Bei all der Nähe, die sie empfand, wie hätte sie ihn anders ansprechen können? Andererseits war es ein großer Schritt, ein Eingeständnis. Ein Offenlegen der Dinge, die gerade eben geschehen waren. Es gab kein Zurück mehr.
Gab es das ohnehin noch? Die Ereignisse und vor allem Empfindungen der letzten Minuten konnten sowieso nicht zurückgenommen werden. Ein Zurück würde es nicht geben, nur ein Weitergehen oder ein... Schon wieder ihr Kopf.
Sie konnte spüren, dass Ian dieses Wort aufwühlte. Es musste dieses Wort sein, was sonst? War sie zu weit gegangen? Sie hatte ihn überrumpelt. Einmal wieder. Da grübelte sie und grübelte, verfluchte ihren Kopf für dieses viele Grübeln - und tat dann wieder völlig impulsive Dinge. Gab es keinen Mittelweg?
Aber nein. Es war nicht falsch, es war richtig. So richtig, dass es gar nicht anders ging. Er würde sich daran gewöhnen müssen.


Und er war offensichtlich schon dabei, es zu tun. Sie musste ein kleines bisschen lächeln, als sie seine Erwiderung hörte, sein kurzes Zögern, aber dann doch seine entschlossene Entscheidung. Es fühlte sich nicht nur richtig an. Sondern gut. Verdammt gut sogar. Sie würde sich gut daran gewöhnen können, so viel stand fest.
Sanft drückte sie seine Hand, zum Zeichen des Verstehens, zum Zeichen der Dankbarkeit. Er hatte sie nun schon zwei Mal zurückgeholt in die Realität. Ohne ihn gerade eben... sie wollte nicht daran denken, nicht, so lange es noch so dunkel war und die Nacht sie immer noch voll im Griff hatte. Und es mochte albern sein, lächerlich, unlogisch und vielleicht auch kindisch. Aber sie fühlte sich nun tatsächlich sicherer. Es gab Eowyn Mut zu wissen, dass sie nicht alleine war, und noch mehr, dass Ian da war, über sie wachte. Es war allerdings nicht nur albern und kindisch, es war sogar äußerst unprofessionell. Unselbstständig. Sie sollte selbst in der Lage sein, auf sich Acht zu geben, sie war es eigentlich auch, sie war immerhin eine Jedi und dazu noch eine von äußerst hohem Rang. Aber es gab Zeiten... da schaffte man es nicht alleine. Weder jemand ohne die Macht, noch eine Großmeisterin. Und man sollte in der Lage sein, dies zuzugeben. Sie brauchte es, hatte es seit Jahren verweigert, aber jetzt konnte sie es mit Ians Hilfe schaffen. Es reichte schon zu wissen, dass er da war. Das alles war ein Anfang. Sie brauchte ihn, vielleicht sogar mehr, als er sie benötigte. Wer wusste das schon? Und es war auch nicht wichtig.
Es war richtig.
Das war es, das zählte.
Und alles weitere... gehörte heute Nacht nicht hier her.


Ja. Einfacher... Sie sann darüber nach. Oh, es war sehr einfach gewesen. Sie konnte sich natürlich nicht mehr an alles erinnern, vielleicht war es auch das, was diese Erinnerung so schwer machte. Aber sie wusste noch genau, wie sie es genossen hatte, dass alles so... leicht war. Dass sie sich um nichts hatte kümmern müssen, niemand hatte sich auf sie verlassen, es hatte keine Verantwortung gegeben. Einfacher traf es auf den Punkt. Einfacher, aber einsamer. Viel einsamer. Beinahe hatte sie dieses Stadium heute Nacht erreicht gehabt. Vielleicht mit ein Grund, weshalb die Dunkelheit sie so erschreckt hatte.
Sie sah ihn an, sah nur schemenhaft seinen Kopf, aber das spielte keine Rolle.
Ich bin froh, dass du dich anders entschieden hast. Es hatte nicht viel gefehlt. Sie hatte schon aufgegeben gehabt, vor Tagen, Wochen auf Nar Shaddaa, als sie gegangen war und ihn alleine zurückgelassen hatte. Wie lange war das jetzt eigentlich schon her? Sie konnte es nicht sagen, es kam ihr vor wie Monate, so viel war seither geschehen. Er hätte sich anders entscheiden können. Sie wusste bis heute nicht, weshalb er es nicht getan hatte.
Sicher, all das wäre dann nicht geschehen. Sie wäre wohlbehalten auf Lianna, vermutlich... gemeinsam mit Aketos, und würde langsam versuchen, ihre Probleme aufzuarbeiten. In geordneten Verhältnissen.
Aber wem machte sie etwas vor? Sie hätte genauso weitergemacht wie sonst auch. Ganz sicher nicht hätte sie sich so intensiv mit sich selbst beschäftigt wie in den letzten Tagen. Und bald schon hätte sie die Nachricht vom Virus ereilt
. Das Virus, das vermutlich schon ausgebrochen war, das sie noch immer stoppen mussten.
Nein. Sie war froh, dass er sich anders entschieden hatte, und auch, dass er ihr gefolgt war, weshalb auch immer. Was auch immer jetzt noch geschehen würde.


"Wie also hätte ich dich gehen lassen können?" Ein Satz, so leicht, so selbstverständlich dahingesagt. Ein Satz, der aber so viel mehr sagte. Der so persönlich war. Gerade dieses Selbstverständliche machte es so deutlich, löste in ihr Dinge aus, die sie nicht verstand. Doch was sie begann zu verstehen, nein, eher, was sie langsam viel deutlicher erkannte, war, dass sie wirklich blind gewesen war. So blind. Sie hatte vieles nicht begriffen, sah nun viele Dinge, die Ian getan oder gesagt hatte in einem völlig anderen Licht. Ja. Wie hätte er sie gehen lassen können? Sie selbst hätte es doch auch nicht getan. Und vielleicht hatte sie es unterbewusst schon früher verstanden. Weshalb hätte sie ihm sonst so beinahe blind vertrauen sollen?
Aber sie zerdachte schon wieder alles. Konnte sie nicht
einfach zugeben, dass dieser Satz einfach nur schön klang, beruhigend? Dass es schön war, dass nach all dieser Zeit, in der sie immer auf sich selbst und andere geachtet hatte, jetzt auch einmal jemand auf sie achtete? Nein, offensichtlich nicht. Danke. Noch einmal. Sie verzog ein wenig das Gesicht. Warum gab es kein anderes Wort für Danke, keine andere Möglichkeit, sich auszudrücken? Und es ging ihr dabei gar nicht so sehr um die Situation gerade eben - es ging ihr um alles. Um alles, um die Sicherheit, und auch um diesen Satz. Vielleicht hauptsächlich um diesen Satz. Auch wenn das vermutlich zu weit gedacht war, um es verstehen zu können... aber das war ihr egal. Sie wollte es sagen, also tat sie es. So einfach war es. Sie würde es nicht kompliziert machen, oh nein.

Ihr Lichtschwert war noch immer die einzige Lichtquelle hier, und es lag noch immer neben dem Baum, wo sie es hatte fallen lassen. Es war nicht weit weg, doch immerhin war Licht spenden nicht die vorrangige Fähigkeit ihres Schwertes, und so war jeder Meter bedeutsam. Und so lange der Leuchtstab noch irgendwo weiter hinten verschollen war... Behutsam levitierte sie es näher an sich heran, legte es vor ihren Beinen auf den Boden, wo es zischend irgendetwas verbrannte. Sie sollten aufstehen. Ian sollte schlafen. Es gab eigentlich keinen Grund, das sie noch hier draußen im Regen saßen. Im Baum war Platz für sie beide, sie hatten nur vorher beide die Einsamkeit vorgezogen. Einen Grund gab es höchstens - sie war erschöpft. Und sie war sich nicht sicher, ob sie im Innern des Baumes, ohne die Nässe des Regens, der sie wachhielt, nicht einschlafen würde. Vielleicht sollte sie einfach wieder draußen bleiben...
Und vielleicht... vielleicht gab es noch einen anderen Grund, den sie sich nicht unbedingt eingestehen wollte, weil er viel zu lächerlich war.


Sie gab sich größte Mühe, nicht weiterzudenken. Überhaupt nicht zu denken. Das Denken abzuschalten, einfach nur zu sein, zu fühlen, aber es war nicht so einfach. Was geschah hier gerade? Wo führte das alles hin? Es fühlte sich gut und richtig an, aber mehr wusste sie nicht. Sie wollte es nicht zerreden, nicht zerdenken, sie wusste noch nicht einmal genau, was "das" eigentlich war, aber... Es war nicht so einfach. Nicht hier, nicht bei ihr und Ian, nicht auf Va'art, nicht heute Nacht. Nicht in dieser Situation.
Aber es sollte einfach sein. Sie sollte wissen, was sie da tat. War es so falsch, darüber nachzudenken? War es falsch, sich all das zu fragen?
Ja, das war es. Angesichts der Situation war es das. Sie sollte nicht denken. Sie sollte einfach nur... zulassen. Was auch immer. Abwarten, was geschah.

Und sich Dinge eingestehen, die nun einmal so waren, wie sie waren. Egal, wie lächerlich sie waren. Es waren schließlich ihre
eigenen Gedanken, auch wenn sie manchmal das Gefühl hatte, Ian könnte sie lesen.

Der andere Grund war - sie wollte seine Hand einfach nicht loslassen.


Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Ian und Fellknäuel irgendwo
 
Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eowyn

Der Zeitpunkt, an dem er bereuen würde, auf sein Gefühl gehört zu haben, würde kommen. Er wusste es. Sie beide wussten es. Das ‚Du‘ hatte den letzten Abstand zunichte gemacht und ihnen beiden musste klar sein, was es bedeutete, wenn sie Lianna erreichten. Er würde sich verantworten müssen und Ian war sicher, dass ihn die Todesstrafe erwarten würde. Je näher sie sich waren –wie nah das gerade auch sein mochte- desto schwerer würde es werden. Ian hatte all das vermeiden wollen, zu viel zu empfinden, jemandem wieder Raum oder Bedeutung zu geben, aber es war zu spät, sich um das Gegenteil zu bemühen. Da waren genug Zweifel, dutzende ‚Abers‘, viele Gründe, die gegen Vertrautheit sprachen. Was auch immer er und Eowyn nun waren, Vertraute, Verbündete oder Freunde, es mochte gut für den Augenblick sein, aber es war schlecht für später. Es würde ihn in Stücke reißen. Was würde dann mit Eowyn geschehen? Die Angst vor dem eigenen Tod schien seltsam gering, bei der Frage, wie Eowyn damit umgehen würde. Sie hatte gesagt, es nicht zuzulassen, aber sie hatte nicht die Macht, daran etwas zu ändern. Und wenn sie ihn nicht gehen lassen wollte und es doch musste, was würde geschehen?
Diese Gedanken waren einfach zu viel, zu unerträglich, als das Ian sich gerade jetzt damit beschäftigen wollte. Aber sie drängten sich auf und es gelang ihm nur mühsam diese Sorgen nieder zu ringen. Noch waren sie auf diesem Mond. Noch. Und alles was danach geschehen würde, sollte jetzt nicht von Belang sein. Dabei war es genau das und es schmerzte ebenso, sich diese Gedanken zu verbieten, wie es nicht zu tun.
Dann drückte sie seine Hand, löste damit erneut eine kleine, große Verwirrung aus. Ein zu viel an Gefühlen. Das so enorme Gegenteil von dem, wie er die letzten Jahre verbracht hatte. Und es hatte so gefehlt...
Es würde ihn umbringen, so oder so. Es würd ihn umbringen.


Vergessen, Sterben. Einfacher. Einsamer. Ian seufzte leise, sie hatte Recht. Doch Ian hatte sich mit dem Gedanken der Einsamkeit schon längst abgefunden gehabt.
Ich hatte mich daran gewöhnt“, gab Ian schlussendlich zu. Seine Einsamkeit war nur zum Teil selbst gewählt gewesen, aber sie hatte ihn geschützt und bald würde sie es nicht mehr tun.
Jetzt nicht daran denken…
Abermals gelang es Eowyn ihn mit ihren Worten zu berühren und Ian fragte sich, wo all das noch hinführen sollte. Seine seltsame Leere wich immer mehr und die endlose Gefühllosigkeit, die sich nach Telos ausgebreitet hatte, bröckelte dahin. All das war befremdlich, beängstigend aber auch … schön? Ian seufzte erneut.
„Eowyn“, begann er dann, mit einer seltsamen Schwere in der Stimme, die so gut zu dem passte, was er fühlte. „Ich hätte mich kaum anders entscheiden können. Da war keine Hoffnung mehr, schon so lange nicht, als ich auf Nar Shaddaa war. Ich wollte vergessen, nicht nur, weil es einfacher gewesen wäre, sondern weil ich nichts mehr einzutauschen hatte. Einsamkeit gegen das Gleiche. Ich hatte aufgegeben. Nicht nur mich, sondern alles. Hoffnungen, Träume, Wünsche. Alles, was ich je besessen habe wurde zerstört, von anderen, von mir. Es wurde immer zum Gegenteil. Da war einfach kein Ausweg, kein Lichtblick. Einfach nur Nichts. Leere.“
Bis sie ihn aufgewühlt hatte.

„Du hast es geändert, ich weiß nicht wie, aber du hast mich fortwährend aufgewühlt und als du in Begriff standest zu gehen…“ Ian geriet ins Stocken, diesmal nicht, weil er so viel gesagt hatte –vielleicht zu viel- , sondern weil er den Moment benötigte, um sich zu fangen, weil ihn auch das aufwühlte und weil es keinen Sinn machte so zu tun, als berührte es ihn nicht. „Ich hatte Angst, dass meine letzte Chance, die letzte, die mir geblieben ist, mit dir verschwindet.“ Ein leises, trauriges Lachen drang aus seiner Kehle.Dabei habe ich gar nicht mehr an Chancen geglaubt. Aber ich muss, nein ich will noch etwas richtig machen. Nur noch einmal…. Wenigstens einmal.“ Nach allem was geschehen war, nach allem, was er getan hatte, war Ian das einfach schuldig. „Hättest du mich an diesem Tag nicht zurückgeholt“ und sie hatte es mehr, als nur im übertragenen Sinne getan, „hätte ich alles verspielt. Ich war verloren, verstehst du?“ Außerdem„Außerdem warst du der erste Mensch, der mir nach Jahren der Verachtung etwas anderes entgegengebracht hat und auch der erste, der vielleicht an etwas geglaubt hat, an das ich zu glauben aufgehört habe. Jemand, der mich nicht aufgegeben hat.“ Selbst Alisah hatte ihm vorgeworfen nicht mehr der zu sein, den sie gekannt, den sie geliebt hatte. Auch sie hatte ihm am Ende verachtet, auch sie hatte ihn aufgegeben. Eowyn hatte etwas in ihm gesehen, was Ian nicht sehen wollte, nicht mehr hatte sehen können, sonst hätte sie wohl kaum versucht, ihn zum Umdenken zu bewegen.
„Aus all diesen Gründen und die Brüchigkeit seiner Stimme, die vielleicht bei dem ein oder anderen Satz eingetreten war, verschwand nun komplett, werden wir hier weg kommen.“

Dschungelmond von Va'art, bei einem ausgehöhlten Baum, mit Eowyn
 
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