Coruscant

Coruscant, Honey House, gesicherter Reich]- Chesara, Jibrielle, Burell, Cris

Offenbar war Sen im Honey House recht beliebt gewesen, zumindest ließ die offenkundige Sorge in der Stimme Burells darauf schließen. Cris wusste nicht um Worte, die alles, was geschehen war, schonend beschreiben konnten, doch ebenso wenig vermutete er, dass es viel Sinn machte, die Wahrheit zu verschweigen. Früher oder später würde auch Burell von Sarah oder anderen erfahren, was geschehen war.

Sen ist tot…“, sagte er schließlich leise.

“Sie wurde ermordet… auch wenn ich glaube, dass das Imperium nicht dahinter steckt. Ansonsten wäre dieses Gebäude bereits von einer Hundertschaft Sturmtruppen umstellt worden.“

Über die genauen Umstände von Sens Ableben verlor Cris kein Wort. Es half dieser Burell nicht, wenn er ihr berichtete, dass ein dämonenartiger Anzat sich an ihrer Seele gütlich getan und lediglich die leere, absterbende Hülle ihres Körpers zurückgelassen hatte. Sarah wusste es… und das sollte genügen. Warum sollte diese schreckliche Tat noch weitere Schäden anrichten, etwa in den Herzen verschüchterter Mädchen die schlimmsten Ängste schüren?
Diese Gedanken jedoch wurden fort geschoben, als Chesara ihm vom eigentlichen Grund berichtete, aus dem sie Sarah aufgesucht hatte. Er hatte bereits vermutet, dass es sich um ein ernstes Problem handeln musste, doch als Chesara ihm von der Prostituierten berichtete, die für ein paar schnelle Credits und möglicherweise Immunität gegen die imperialen Behörden bereit war, die Jedi und ihre Arbeitgeberin zu verkaufen, stockte selbst ihm der Atem. Eine Katastrophe diesen Ausmaßes würde das Ende der Bemühungen hier auf Coruscant bedeuten und Chesaras Besorgnis war dementsprechend gerechtfertigt.


“Elend schafft Käuflichkeit…“

Er schüttelte mit dem Kopf.

“Dieser Planet hat zu sehr gelitten…“

Mit einer fahrigen Geste fuhr er sich durch die Haare, als seine Gedanken – im Grunde froh darüber, etwas anderes als Sens Tod oder die Suche nach Akemi zu haben, worauf sie sich konzentrieren konnten – fiebrig sämtliche Optionen durchgingen. Wie wahrscheinlich war es, diese Lonnyala hier auf Coruscant zu finden und rechtzeitig aufzuhalten? Sehr gering… doch nichtsdestotrotz musste es versucht werden.

“Ich glaube, ich weiß, welches Mädchen Sie meinen…“

Vage erinnerte er sich an ein Gesicht, grell geschminkt und mit einem mehr professionellen als ehrlichen Lächeln versehen, das jedem Mann das Gefühl geben sollte, Willkommen zu sein. Ein bemitleidenswertes Schicksal, obwohl es Cris so erschien, als würde es Sarahs Angestellten weitaus besser gehen als dem Großteil der im Untergrund Coruscants hausenden Kreaturen.
Sein Blick richtete sich auf die augenscheinlich durch die Nachrichten in Bezug auf Sen immer noch erschütternde Burell.


“Gibt es grobe Anhaltspunkte dafür, wohin sie gegangen sein könnte? Sichere Wege die ihr benutzt, wenn ihr diesen Sektor verlassen wollt? Orte, an denen sie sich möglicherweise auskennt und öfter aufhält?“

Selbst wenn ihre Entschlossenheit sehr groß war, die Chancen standen gut, dass Lonnyala nicht wusste, wie sie sich am besten an das Imperium wenden konnte. Selbst die nächste Sturmtruppenpatrouille war hier unten weit entfernt und diese würde der Frau kaum das Geld geben, nach dem es ihr augenscheinlich verlangte. Nein, sie würde auf ihren eigenen Vorteil spielen… und das wiederum verschaffte ihm zumindest ein wenig Zeit.

[Coruscant, Honey House, gesicherter Reich]- Chesara, Jibrielle, Burell, Cris
 
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Versonnen betrachtete Akemi die Haarspange, die sie noch in den Händen hielt. Die andere hatte sie sich bereits in die Haare gesteckt. Sie hatte die beiden Accessoires fast vergessen, musste sie sich eingestehen, auch wenn die Auktion erst wenige Tage zurück lag. Aber nach allem was geschehen war, allem voran Nellas plötzlicher Zusammenbruch, hatte sie einfach an andere Dinge gedacht. Jetzt aber freute sie sich über ihren neuen Besitz. Die versilberten Schmuckstücke waren noch genauso schön wie auf der Wohltätigkeitsveranstaltung, als sie bei der Versteigerung präsentiert worden waren. Akemi hatte sich sofort in sie verliebt. Vielleicht würde sie sie ihrer Schwester zum Geburtstag schenken. Hana würde sich freuen.

"Vielen Dank noch mal."

Sagte sie an Richard gewandt, nahm die Haarspange wieder aus ihrem Haar und packte beide zusammen zurück in die quadratische Schachtel.

"Wie geht es Nella?"

Erkundigte sie sich dann, griff wieder nach ihrem Weinglas und schlenderte zum Sofa hinüber, um sich zu setzen. Richard forderte sie mit einer Handbewegung ebenfalls dazu auf. Sie mussten ja nicht hier herum stehen, als gäbe es keine Sitzgelegenheiten. Nellas Vater machte als Antwort auf ihre Frage kein sehr glückliches Gesicht.

"Ihr Zustand hat sich nicht verschlechtert, aber auch nicht weiter gebessert."

Erwiderte er. Akemi nickte.

"Vielleicht benötigt das einfach ein wenig Zeit."

Versuchte sie die Situation positiv und mit Geduld zu sehen. Richard Cohn deutete ein Lächeln an.

"Ja, vielleicht."

Er hatte sich ebenfalls gesetzt und lobte den Wein. Akemi gefiel er ebenfalls und es gefiel ihr auch viel besser ihn in Gesellschaft zu trinken. Inzwischen fühlte sie sich in Richards Gegenwart längst nicht mehr so unwohl wie zu Beginn. Der Abend auf dem Wohltätigkeitsball hatte die Stimmung zwischen ihnen gelockert, zudem hatte sie das Gefühl, dass er ebenso seinen eigenen Gedanken nachhing wie sie selbst. Es gab nicht viele Menschen, mit denen man schweigen konnte ohne sich seltsam zu fühlen, aber mit Richard Cohn hatte sie ein solches Problem nicht. Im Gegenteil, es schien ganz normal, dass sie gemeinsam dort saßen, an ihren Weingläsern nippten und in die Ferne starrten. Was Richard vor seinem inneren Auge sah, wusste sie nicht, doch sie war ganz sicher, dass er sich nicht für das Bild moderner Kunst interessierte, auf das sein Blick in diesem Moment gerichtet war. Sie selbst schaute in Richtung des Fensters, obwohl sie nichts von der Stadt draußen erkennen konnte, weil sich das Zimmer und seine Einrichtung in der Scheibe spiegelten. Manchmal war es seltsam, wohin das Leben einen führte. Vor ein paar Jahren hätte sie nie gedacht, dass sie die Dinge tun würde, die sie getan hatte, die Menschen treffen würde, die sie heute kannte, oder jene verlor, die sie einmal geliebt hatte. Manche sagten, das Leben sei ein Geniestreich, wenn sich gewisse Türen verschlossen, öffneten sich andere. Vielleicht traf das auch auf die Menschen zu, die man im Laufe eines Lebens kennen lernte: manche verschwanden und andere kamen neu hinzu. Einige aber blieben für immer, der harte Kern, Familie. Nachdenklich blickte sie zu Richard hinüber. Sie mochte ihn, fiel ihr auf. Warum wusste sie auch nicht. Vielleicht, weil er so ernst war und sie dann plötzlich zum Lachen brachte, vielleicht aber auch, weil sie die gleichen Dinge zu mögen schienen. Manchmal schien in seinem Blick etwas Trauriges zu liegen, etwas das weit zurück lag. Außerdem schien er eine unerschütterliche Ruhe in sich zu tragen. Auf Andere musste das sehr angenehm wirken, Akemi zumindest empfand es so.

Sie hatte ihr Glas geleert, drehte es jedoch noch immer in den Händen. Richard hatte kaum mehr als die Hälfte seines Weins getrunken. Für eine lange Zeit hatte keiner von ihnen gesprochen und Akemi war so in ihre Gedanken versunken gewesen, dass sie jegliches Zeitgefühl verloren hatte. Erst als sie sich umdrehte, um einen Blick auf die an der Wand hängende Uhr zu werfen, regte sich auch Richard wieder.


"Ich sollte gehen."

Sagte er abrupt und stand auf, obwohl es noch nicht spät war. Akemi wandte sich ihm zu.

"Sie haben Ihren Wein noch nicht ausgetrunken."

Stellte sie fest und erkannte, dass sie nicht wollte, dass er schon ging. Richard sah sie mit einem seltsamen Ausdruck an. Für einen Moment war ihr, als hätte er ihre Gedanken erraten oder aus ihrer Stimme heraus gehört, was sie dachte. Aus Angst zu erröten erhob sie sich und brachte ihr Glas in die Küche. Als sie es auf der Anrichte abstellte, ermahnte sie sich selbst nicht kindisch zu sein. Seit wann hatte sie Angst alleine zu sein? Richard kam hinter ihr her, sein Glas in der Hand.

"Tut mir leid um den Wein."

Entschuldigte er sich. Mit einem Lächeln wischte Akemi seine Worte fort.

"Ich trinke ihn nachher noch."

Erklärte sie leichthin und brachte Richard zur Tür.

"Danke noch mal für die Haarspangen."

Richard nickte.

"Keine Ursache."

Erwiderte er leise. Mit einem Mal war die Atmosphäre nicht mehr ganz so leicht wie noch vor wenigen Minuten. Akemi räusperte sich.

"Ich komme morgen ins Krankenhaus."

Teilte sie ihm mit.

"So gegen Mittag, denke ich."

"Nella wird sich freuen."

Warum wollte sie, dass er blieb? Verzweifelt versuchte Akemi gegen das seltsame Gefühl anzukämpfen, das ganz plötzlich in ihr aufgetaucht war. Es war nicht die Angst alleine zu sein, oder der alleinige Wunsch nach Gesellschaft. Die Vorstellung, dass Nathaniel nach Hause kam und sie den Rest des Abends gemütlich beisammen saßen, befriedigte sie nicht halb so sehr wie der Gedanke, Richard möge bleiben und? und was? Sich gegen ihre eigenen Gedankengänge stemmend, aktivierte Akemi die Türöffnung, sodass diese sich elegant, mit ihrem üblich vertrauten Zwischen nach links und rechts öffnete.

"Kommen Sie gut nach Hause."

Hörte sie sich sagen. Durch den kühlen Boden zog eine eisige Kälte an ihren nackten Füßen empor. Zum Abschied deutete Richard ein Lächeln an.

"Danke."

Sagte er kurz, trat einen Schritt hinaus ins Treppenhaus und langte mit einer Hand zu einem der Lichtschalter hinüber. Auf halben Weg jedoch hielt er inne. Akemi hob den Blick, aber das Gefühl der Überraschung blieb aus, als er sich zu ihr herum drehte und sie nur eine winzige Sekunde später gegen die Wand drückte. Sein Gesicht dicht vor dem ihren begegneten sich die fragenden Blicke ihrer Augen für einen kurzen Moment, bevor sich ihre Arme wie von selbst um ihn legten und sie seine Lippen auf den ihren fühlte, hart und fordernd, als nähmen sie sich etwas, das sie unbedingt brauchten und auf das sie schon zu lange hatten warten müssen. In seinem Kuss lagen keine Romantik und keine Geste der Einfühlsamkeit. Ein übermächtiges Gefühl des Verlangens ergriff Akemi, als Richard sie fest an sich zog und blind nach dem Schalter neben der Tür tastete, dessen Betätigung diese wieder verschloss. Mit einer Hand zog er ihr das Top über den Kopf und warf es hinter sich. Akemi hörte ihren eigenen Atem und spürte seine warmen Hände auf ihrer Haut.

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Mit der Frage, die Cris Burell stellte, hatte sich Chesara auch schon einmal an die Freundin von Lonnyala gewandt. Allerdings hatte sie ihre Frage anders formuliert und eher wissen wollen, ob Lonnyala einen bestimmten Ort erwähnt hatte, zu dem sie gehen wollte. Captain Sheldon zielte jedoch auf auf Örtlichkeiten und Wege, die das Mädchen generell zu benutzen pflegte. Ein kluger Gedankengang, wie Chesara bemerkte. In diese Richtung hatte sie nicht unbedingt gedacht. Abwartend schaute sie das junge Mädchen an. Im Augenblick wirkte sie ein bisschen verschreckt, jetzt wo die Nachricht von Sens Tod auch sie erreicht hatte.

"Genaue Hinweise über ihre Pläne hat sie wohl nicht hinterlassen."

Wiederholte Chesara noch einmal, was Burell ihr bereits vorhin gesagt hatte, um dem Mädchen noch ein wenig Zeit zum Nachdenken einzuräumen.

"Aber Sie haben Recht. Draußen ist es bitterkalt, vielleicht macht sie Pause in einem Café oder einer Kneipe, die sie gut kennt."

Von Vorteil war, dass Cris meinte sich an Lonnyala erinnern zu können. Vermutlich hatte er sie im Vorbeigehen schon einmal hier gesehen und ihren Namen gehört. Chesara selbst hatte nicht den Ansatz eines Bildes vor Augen. Bisher hatte sie es auch vermieden all zu engen Kontakt mit den Angestellten dieses Etablissements aufzubauen.

"Wenn Sie meinen, dass Sie Lonnyala wieder erkennen, benötigen wir vielleicht auch kein Foto."

Wandte sich Chesara an Cris.

"Das würde uns auch ersparen Sarah zu stören... vorerst zumindest."

Von einem Moment auf den anderen steckten sie wieder tief in Problemen und in Sorgen. Chesara musste lautlos seufzen. Cris Sheldon schien ihnen allerdings helfen zu wollen. Warum er sich hier im Honey House aufhielt, oder besser geagt, wie er hierher gekommen war, war Chesara allerdings noch immer ein Rätsel. Laut eigener Aussage hatte er Sen in Sarahs Auftrag beschützen sollen. In Sarahs Auftrag? Was hatte er mit Sarah Sarai - oder Sarah Kardas, wie sie ja inzwischen hieß - zu tun? Er war ein Mann des Geheimdienstes... oder etwa nicht?

- Coruscant - Untere Ebenen - Honey House - Mit Jibrielle, Burell und Cris -
 
|| Coruscant ▫ untere Ebenen ▫ Honey House ▫ Sarahs hintere Privaträume || ▫ Joseline ▫ Shane ▫ Mara (bewusstlos) ▫ Vorin & Steven

Shane hatte sich Mara auch noch einmal angeschaut, doch im Moment konnten sie nicht mehr viel für seine Freundin tun. Sein Engel schlief noch immer, wobei der Begriff "schlafen" nicht wirklich anwendbar war in ihrem Fall. Es erinnerte ihn an die Situation auf Toms Schiff. Wurde sie immer noch vom gleichen "Traum" gequält oder war es etwas anderes? Er hasste es! Er hasste all das! Die Unwissenheit. Nicht-Wissen was man tun konnte. Man versuchte alles zu tun um die Liebsten zu schützen und versagte doch jedes Mal. Was brachte es überhaupt für das so genannte "Gute" zu kämpfen. Ein Jedi beschützt und erhält das Leben, kämpft für Gerechtigkeit und Frieden. Alles eine Lüge! Was hatte er bis jetzt denn getan? Seine Schwester hatte er nicht retten können, Mara und Sen hatte er ebenfalls nicht geholfen. Er hatte noch nicht einmal eine echte Mission als Jedi hinter sich.

Jedi - Meister. Was für ein schlechter Witz. Ein toller Meister war er. Meister von was denn? Meister im Versagen. Meister im Nutzlos - sein. Nichts hatte er bewirkt und ein Jedi war er auch nicht. Nicht wirklich. Schön, er konnte Gegenstände bewegen, ein Lichtschwert benutzen und noch den ein oder anderen Trick, doch brachte ihn Das weiter? Vielleicht sollte er aufhören sich etwas vorzumachen. Wie viele Leben mussten noch enden bis er endlich begriff, dass er einfach nicht das Richtige tat. Man konnte scheitern und Fehler machen, doch wenn man jahrelang erfolglos blieb musste man doch endlich einmal zur Einsicht kommen. Er hatte versagt. Formell mochte man ihn Meister nennen, doch letztlich war er ein Versager allererster Güte. Ein naiver Vollidiot. Gutes tun. Für Frieden kämpfen. Als wenn man Frieden erkämpfen konnte. Zorn keimte in seinem Herz und er hieß ihn willkommen.

Er hatte es solange versucht, hatte sich eingeredet Niederlagen gehörten dazu. Natürlich taten sie das. Doch es gab eine Grenze zwischen einer Anhäufung von Pech, bzw. unglücklichen Umständen und Unfähigkeit. Er war definitiv unfähig. Er hielt an einem kindlich-nostalgischem Traumbild fest. Ein Jedi zu sein hatte nichts Edles. Nichts Ehrenhaftes. Und die eine Frau, die er über alles liebte, hasste ihn nun, weil er ihr etwas kaum Vorstellbares sofort abgekauft und geglaubt hatte. Super. Wie er ohne Mara weiterleben sollte, wusste er nicht. Das Gefühl der Leere, welches ihn ergriff als er diesem Gedankengang folgte, war unerträglich. Ohne sie war er niemand. Fest umklammerte der noch Achtzehnjährige die Hand der Blondine.


"Wach auf Mara!" Doch das tat sie nicht. Jedenfalls nicht im Moment. Er seufzte und stand auf. Er konnte hier nicht länger herumsitzen. Dies würde ihm nur weiterhin in jeder Sekunde die eigene Unzulänglichkeit vor Augen führen. Er küsste seinem Engel auf die Stirn und bewegte sich zur Tür des Zimmers. Im Gang angekommen konnte er weiter unten vier Gestalten erkennen. Chesara war wieder da, das neue Mädchen (Jibrielle), den geheimnisvollen Mr. Cris und eine Angestellte dieses ? Etablissements (Burell). Zumindest ließ sich das aus ihrer Kleidung schließen. Rein sensorisch nahm er die Lebewesen zur Kenntnis, doch nicht in seinem Inneren. Sein Gesicht war leblos ? mutlos. Ohne ein Wort zu sagen drehte er sich weg und ging in die andere Richtung, bis er an die Treppe kam, die nach unten führte. Dieser folgte er bis er wieder im Haupt"empfangs"raum stand. Ungehindert der Geschehnisse in den oberen Etagen ging hier das Geschäft seinen alltäglichen Gang. Vorin empfand Ekel als er all diese Männer sah, die sich für Geld ihre fleischgewordenen Begierden befriedigen ließen.

Sollten sie doch an einer Seuche zugrunde gehen. Der junge Jedi orientierte sich in Richtung der Bar und nahm auf einem Hocker platz. Ein richtig starker Drink war jetzt genau das Richtige. Sich auf das Niveau der anderen begebend, sprach er die Bedienung an, die er ja flüchtig schon gesehen hatte.


"Hallo Schönheit! Einen Whiskey bitte!" Sie war gerade noch mit einem anderen Gast beschäftigt, nickte ihm aber zu. Kurz darauf stand sie bei ihm und goss ein.

"Macht zwanzig Credits, bitte."
Vorin knallte einen Hunderter auf die Theke und kam gleich zum Punkt: "Lass die Flasche gleich da." Ein mickriges Glas würde nicht besonders lange halten. Die Frau zögerte einen Moment.

"Tut mir leid, aber das wurde mir untersagt. Betrunkene Randalierer sind nicht erwünscht." Sie wollte die Flasche gerade wieder wegnehmen als die Hand des jungen Mannes vorschoss und sie am Boden festhielt.

"Kein Problem, seid unbesorgt. Das geht in Ordnung so, glaubt mir!" , suggerierte er ihr, nicht zuletzt die Macht zu Hilfe nehmend. Sie schien noch zu überlegen und Vorin sah sich schon mit seinen Machtkräften bei einer einfachen Bürgerin versagen, doch dann lenkte sie ein.

"Na schön, aber das Du mir ja keinen Ärger machst!" Vorin setzte ein falsches, beruhigendes Lächeln auf: "Werde ich nicht." Dann nahm er den ersten großen Schluck aus der Flasche. Der brennende Alkohol floss seine Kehle hinunter und ein angenehmes, warmes Gefühl machte sich in seinem Magen breit. Schon besser.

|| Coruscant ▫ untere Ebenen ▫ Honey House ▫ Hauptraum unten || ▫ Vorin ▫ Bedienstete & Gäste
 
]Coruscant - Untere Ebenen - Honey House - Sarahs hintere Privaträume - mit Cris, Chesara und Burell(NPC); Sarah, Joseline, Steven & Andere in der Nähe[

Das auftauchen des Mannes, den Chesara als "Cris" vorgestellt hatte, trug die Trauer aus Sarahs Büro zu ihnen nach draußen. Jibrielle seufzte kaum vernehmbar. Der Fremde hatte das, was ihre Meisterin durch ihr schnelles Schalten hatte verhindern können, doch zugelassen, wahrscheinlich ohne das überhaupt zu ahnen. Er sagte frei heraus, allerdings nicht ohne selbst Bedauern über diesen Verlust spüren zu lassen, dass das Mädchen Sen, um das soviele in diesem Haus bereits trauerten und wahrscheinlich noch trauern würden, gestorben war. Und Burell reagierte wie zu erwarten war, sichtlich geschockt.

Wäre nicht eine Wand hinter ihr gewesen, wäre Burell vielleicht zu Boden gestürzt, dachte Jibrielle. Die hübsche Prostituierte fiel in einer flüssigen Bewegung nach hinten und lehnte an der vergilbten Tapete der Wand, der Blick seltsam glasig. Ein Wunder, dass sie das alles aushält, dachte die Padawan, schließlich kannte sie die beiden Mädchen um die es hier ging und so langsam brach ihre Welt, entzwei. Das es sogar für Jibrielle selbst schwierig war mit der Situation umzugehen, konnte sie nur erahnen wie schlimm es einem Mädchen wie Burell ergehen konnte. Sie spürte unwillkürlich durch die Macht hindurch die starke Verzweiflung in der Brünetten wachsen. Sie antwortete Cris zwar noch auf seine Fragen, doch mit tonlosen Stimme, die Worte erschreckend nüchtern. Ihr Verstand war gerade an einem ganz anderem Ort. Vielleicht in ihrem Zimmer mit Lonnyala, bevor die Jedi hier gewesen waren, als die Tage besser zu werden schienen. Oder vielleicht auch in ihrem Kinderzimmer ... in einer Zeit in der Sorgen noch so fern waren ...

Jibrielle lief gefahr sich selbst in diesen Gedanken zu verlieren, gerade so, als würde sie tatsächlich in den Geist Burells hineinrutschen. Sie bemühte sich bei der Sache zu bleiben, dennoch aber ein Auge auf Burell zu richten. Sie wollte ... sie hatte Mitleid mit ihr, vielleicht weil sie sich in gewisser Weise ähnlich waren ... weil sie es nachvollziehen konnte ... doch eine leise Stimme in ihr fragte, ob das alles wirklich stimmte oder ob es ihr nur so erschien und sie lediglich durch die Macht diese Eindrücke gewann, so wie sie eventuell auch gerade vielleicht kurz in ihren Geist gerutscht war ... oder wie sie vorhin ohne es kontrollieren zu können mit Joseline diesen intensiven Kontakt gehabt hatte.

Burell schüttelte leicht den Kopf, offenbar hin und hergerissen ... sie sagte etwas davon, dass es sowas nicht gibt. Zumindest nicht das sie wüsste, sie verließe selten die "Honey House". Allerdings erinnere sie sich daran, dass Lonnyala ihr einmal erzählt hatte, in welchem Gebiet sie früher einmal anschaffen gewesen war, in den Zeiten vor dem "Honey House". Jedoch wüsste sie nicht wo diese Bar, die praktisch das Zentrum dieses Gebietes war sein soll. Lonnyala habe in diesen vergangen Tagen wohl viele Kontakte geknüpft. Eventuell würde sie dort jemanden kennen, an den sie sich deshalb wenden konnte.
Jibrielle schluckte schwer. Sie kannte diese Bar. Eine miese Spelunke. Das "Lilys for Jenny" hatte zwar einen sehr klangvollen Namen, war aber ein Treff von Rumtreibern und zwielichtigen Leuten, die besser nicht gesehen werden wollten. Lediglich Geld floss dort wohl nicht zu knapp, ein Grund, warum Lonnyala sich dort vielleicht früher ihr Brot verdiente. Jibrielle war die Bar nur deshalb so gut bekannt, weil sie in direkter Nähe zum "Heavens Cellar" lag, ihrem alten Waisenhaus.


"Ich kenne diese Bar. Ich weiß wie wir hinkommen können."

Sie blickte von Cris zu Chesara und dann wieder zu Burell. Sie war etwas entsetzt darüber, dass sie auf einmal Kenntnisse besaß, die die anderen wohl nicht hatten.

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- Coruscant – City – Nathaniels Wohnung – Mit Akemi –

Langsam kehrte die Kontrolle zurück. Sekunden, die ihm wie Minuten erschienen waren, hatte sich keiner von ihnen bewegt. Akemi hatte ihren Kopf zurück gegen die Wand gelehnt und die Augen geschlossen. Richard hatte ihren Griff, mit dem er sie gehalten hatte, gelockert, und sich ebenfalls an der Wand abgestützt. Sie richteten sich zeitgleich wieder auf und Akemis Augen öffneten sich langsam und träge. Auf ihrem erhitzten Gesicht lag ein verklärter Ausdruck, doch sie lächelte. Ihre Augen waren leicht verschleiert.
Er hatte das so nicht geplant. Er hatte überhaupt nichts in dieser Richtung geplant. Trotzdem war es passiert. Als er im Begriff gewesen war zu gehen, hatte er es einfach nicht gekonnt. Sein Verlangen hatte ihn bereits heftig ergriffen, als er geahnt hatte, dass Akemi genauso empfinden könnte wie er - in dem Moment indem sie ihn aufgefordert hatte erst seinen Wein zu Ende zu trinken. Ihre Stimme hatte in diesem Augenblick eine Spur zu verzweifelt geklungen. Trotzdem hatte er danach noch versucht sich zurück zu halten, bis sich schließlich einfach ein Schalter umgelegt hatte, der ihm die Kontrolle der Situation entzogen hatte. Es war ihm einfach unmöglich gewesen ihr noch länger zu widerstehen: ihrem zierlichen, perfekt geformten Köper, den großen braunen Augen, den schmalen Händen und den sinnlich vollen Lippen. Dazu dieses hinreißende Lachen… aber geplant hatte er das wirklich nicht.


„Du siehst fertig aus.“

Stellte er leise fest. Akemi befeuchtete ihre trockenen Lippen mit der Zunge.

“Und du nicht besser.“

Gab sie zurück.

“Warum duzt man sich automatisch, nur weil man Sex hatte?“

Fragte sie, den Blick nicht von ihm nehmend. Verwundert über eine solche zusammenhanglose Frage zuckte Richard mit den Schultern.

„Würde mir lächerlich erscheinen es nicht zu tun.“

Antwortete er. Akemi nickte.

“Stimmt auch wieder.“

Gab sie zu.

“Ich glaube, ich erfriere.“

„Du erfr…?“

Einen Fluch unterdrückend sah er an ihr herunter und auf ihre blau schimmernden Füße. Sie hatten es vorhin so eilig gehabt, dass sie an Ort und Stelle geblieben waren, anstatt Wohn- oder Schlafzimmer als besser geeignete Örtlichkeit in Betracht zu ziehen. Ohne noch länger zu überlegen packte er Akemi und trug sie, unter ihren lauten Protesten, in den geheizten Wohnraum. Sie war leicht wie eine Feder. Auf dem Sofa setzte er sie ab und sich gleich dazu, eine auf dem Sessel liegende Decke heran ziehend.

“Ich weiß nicht, ob das klug ist.“

Sagte sie plötzlich ernst. Er wusste genau was sie meinte.

“Ich habe mit dem Vater meiner Freundin Sex gehabt.“

Ihr Tonfall war nüchtern. Richard schnaubte.

„Ich habe mit der Freundin meiner Tochter Sex gehabt.“

Mit gemischten Gefühlen lehnte er sich zurück. Er hatte vorher gewusst, dass er sich auf gefährliches Terrain begab und genau aus diesem Grund hatte er sich selbst verboten, zu viele Gedanken an Akemi zu verschwenden. Es war ja nicht so, als würde er sich nicht kennen, er hatte ganz genau gewusst, worauf das hinaus laufen würde. Am Ende hatte er Recht behalten.

„Und hier sitzen wir nun.“

Kommentierte er das Szenario trocken.

„Das war bestimmt ein einmaliger Ausrutscher.“

Behauptete Akemi. Richard nickte.

„Ja. Du hast Recht.“

Starr geradeaus schauend versuchte er sich davon abzulenken, was sie gerade getan hatten und, dass Akemi noch immer neben ihm saß. Nackt. Allerdings war es mit seiner Disziplin nicht weit her, als er ihren forschenden Blick auf sich spürte. Vorsichtig gönnte er ihr einen Seitenblick, als sie sich auch schon verschmitzt grinsend über ihn beugte.

“Wir könnten uns versuchen abzulenken.“

Schlug sie vor. Genüsslich fuhr er mit den Fingerspitzen über ihren Oberarm.

„Meinst du das hilft?“

Raunte er zurück. Sie zuckte mit den Schultern.

“Für den Moment jedenfalls.“

Antwortete sie heiser und nahm ihm die Entscheidung ab, indem sie ihn über sich zog.

- Coruscant – City – Nathaniels Wohnung – Mit Akemi –
 
Coruscant • untere Ebene • Honey House • Sarahs hintere Privaträume • Nekki, Vorin, Mara, Jibrielle, Joseline, Steven

Sie hatte getan, was sie konnte. Aber dann war sie doch wieder nutzlos. Weder konnte sie mit den Anderen mitfühlen, da sie weder die Tote noch Vorins Freundin wirklich kannte, noch ließ sich medizinisch mehr tun als bereits getan worden war. Vielleicht sollte man darüber nachdenken ein Krankenhaus aufzusuchen, auch wenn dies bedeutete ähnlich erpressbar zu werden wie sie es bei Padme geworden war?

All die negativen Gefühle standen in der Luft und ließen Nekki kaum welche zum Atmen. Sie hätte gerne etwas Tröstendes gesagt, aber es gab keinen Trost als nur die Zeit. Sie setzte sich auf eine kleine Stoffcouch und schwelgte in eigenen Gedanken, ihren Kopf auf den Arm gestützt, dessen Ellenbogen auf der Sitzlehne seinen Platz gefunden hatte. Die ungewöhnliche Mischung aus Lust und Trauer, die an diesem Ort ineinander verkeilten, ließ sie in ihren Tagträumen die Vergangenheit bereisen. Sie dachte an Dressilya und Noah und all die Zeit, die sie von beiden inzwischen trennte. Die Trauer lähmte sie nicht mehr und hatte sie doch zu einer Anderen werden lassen und war damit doch stets bei ihr. Dass Noah noch lebte bezweifelte sie und selbst wenn er sich irgendwo auf einem Planeten versteckte, sie waren zu kurz beieinander gewesen, er würde weitergegangen sein und wieder jemanden Anderes gefunden haben. War die Zeit also Freund oder Feind, oder beides?

Sie spürte gar nicht wie Vorin hinausging oder bekam mit was um sie herum geschah. Ihre Augen waren abwesend verdreht und ins Nichts gerichtet, es hätte schon viel gebraucht um sie wieder zurückzuholen. Sie sah sich von einer Zeit angezogen, die von tiefer Trauer und Depressionen geprägt worden war, aber auch einen speziellen Menschen ihr hatte nahe kommen lassen. War das Universum bei Allen so bizarr, voller böser Ironie? Sie lachte leise vor sich hin und blickte sich darauf orientierungslos um. Vorin war nicht mehr hier und sie saß irgendwo in fremden Privaträumen, ohne von irgendjemandem beachtet oder angesprochen zu werden. Sie schüttelte den Kopf, wie eine Unsichtbare fühlte sie sich manchmal. Die Welt glitt vorüber, aber Niemand nahm Notiz, oft in einer Geschwindigkeit, dass man die vielen Details gar nicht erkannte und sich wie ein Statist im eigenen Film vorkam. Ein rasender Fluss bestimmte das Leben, so schnell, dass man nie wirklich alle Abzweigungen erkennen oder gar wählen konnte und würde dann irgendwann genauso trivial und schnell auch wieder enden, ohne dass man daran etwas ändern könnte.

Nekki stand auf und massierte ihr Handgelenk, das sich durch die lange Belastung nun steif anfühlte. Ohne ein Wort zu den fremden Anderen zukommen zu lassen verließ sie das Zimmer um nach ihrem Brüderchen zu suchen. Auch jetzt beachtete sie Keiner und Niemand fragte, was sie in diesem Privatbereich überhaupt zu suchen hatte, auch nicht als sie die Türe im Gang durchquerte. Damit war sie wieder im öffentlichen Bereich des Bordells angekommen und kam auch sofort an einer wenig bekleideten Frau mit ihrem Freier vorbei. Sie lehnte mit dem Rücken an der Wand, hatte das linke Bein angewinkelt mit den Stöckeln des hohen schwarzen Schuhs gegen das Stein gelehnt und kicherte als der nach vorne gebeugte Mann ihr etwas ins Ohr flüstern wollte. Die Jevarin hätte darauf geschworen, dass der Freier auch sie anwiderte und ihr Lächeln das nur überschminkte. Sie verdrehte die Augen und schritt seufzend an beiden vorüber.

An der Bar, an der sie auch noch vor kurzem gesessen war, entdeckte sie schließlich Vorin. Sie setzte sich neben ihn und nahm Vorin die Flasche ab. Aber nicht um ihm einen Vortrag zu halten wie er einen von einem der Gutmenschen unter seinen Freunden sicher bekommen hätte.


Für mich auch ein Glas.

Sie schüttete den Whiskey hinein, auf dass es halb leer war und reichte die Flasche wieder zurück zum Bruder, der bisher alles zuvor, war es auch noch so schrecklich, mit unerschütterlicher Erhabenheit ertragen hatte. Jetzt aber hatte auch ihn die Realität eingeholt. Wie sehr hätte sie ihm gewünscht, dass er in seiner Illusion hätte weiterleben dürfen. Wie sehr hatte sie ihn um diese Illusion beneidet!

Ja, das Leben ist große Sch eiße.

Sie lächelte zynisch, tippte ihr Glas klirrend gegen das auf dem Tresen stehende Vorins und nahm einen langen Schluck des kalten Whiskeys. Dann drehte sie sich ihrem Bruderherz zu und fragte sich, wie er diese Zeit wohl überstehen und als was er aus ihr hervorkommen würde.

Coruscant • untere Ebene • Honey House • Bar • Nekki, Vorin, Bedienstete & Gäste
 
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Es war eine Befreiung wie er sie noch nie gespürt hatte. Mit den Minuten wirkte auch der Alkohol und löste die Anspannung in irgendeiner Weise. Die Sorgen schienen ein wenig abzunehmen, während die Sinne ein wenig nebliger und langsamer wurden. Das Zeug wirkte wirklich schnell ? oder er war einfach kein geübter Trinker. Was nicht verwunderlich war, da er seit zwei Jahren keinen härteren Alkohol getrunken hatte. Aber all das war ihm egal. Im Moment interessierte ihn so überhaupt nichts. Alles brach zusammen und das Einzige was ihm geblieben war, wurde von einem Glasgefäß mit dem Fassungsvermögen von 0,7 Litern gehalten und aufbewahrt. Sein Kopf ruhte auf seinen verschränkten Armen, die er auf dem Tresen abgelegt hatte. Nach einigen Minuten spürte er eine Präsenz direkt auf ihn zukommen, und schon glaubte er eine der H*ren würde sich seiner "annehmen" wollen, als er die Vertrautheit der Aura wahrnahm.

Ihm hatte bereits ein "Verp*ss Dich!" auf den Lippen gelegen, doch als seine Flasche ungefragt ergriffen und ein Glas bestellt wurde, schluckte er seine bissige Bemerkung herunter. Er beäugte seine Schwester misstrauisch. Sie war nicht hier um ihm eine Predigt zu halten? Nein, sie setzte sich zu ihm um mitzutrinken. Mit einem einfachen Satz hatte sie ziemlich genau auf den Punkt gebracht wie er im Moment fühlte. Sie war ganz offensichtlich nicht gekommen um ihn zu bevormunden, was er von seiner großen Schwester fast schon erwartet hätte. Doch auf ihre Art hatte sie genau verstanden was Sache war.

Mit Nekki verband ihn eine seltsame Beziehung. Oftmals hatten sie gestritten und sich in die Wolle gekriegt, nicht selten wirklich heftig, doch in einer anderen Situation verstanden sie sich derart mühelos dass keine Worte notwenig waren. Die Welt war bizarr und undurchschaubar. Eben noch war er voller Tatendrang und wollte als Jedi gegen die Schatten der Galaxis ziehen, ein paar Stunden später hatte sich alles in Wohlgefallen aufgelöst und ließ ihn ratlos und desillusioniert zurück. Vorin grinste seine Schwester matt an.


"Ja. Auf das ach so tolle Leben!" , stimmte er in ihren Tost ein und kippte den restlichen Inhalt des halbgefüllten Glases. Innerlich schüttelte es ihn, doch er genoss das Feuer, die das Gift mit sich brachte, und das ihn wärmte. Einige Sekunden hing er seinen Gedanken nach, bevor er sich des musternden Blicks seiner Schwester bewusst wurde. Er wandte sich in ihre Richtung und versuchte seine Gedankenwelt zu ordnen.

"Weißt Du? Ich habe immer geglaubt man muss nur weiter daran glauben das Richtige zu tun. Doch das reicht nicht, ist es nicht so? "Das Motiv zählt!" Was für ein hanebüchener Bullsh*t! Was hältst Du davon wenn wir rausgehen und ein paar zwielichtige Typen verprügeln?" Er lachte hässlich, griff nach der Whiskey-Flasche in der sich nicht mehr allzu viel befand und goss sich nach. Wieder wurde das halb gefüllte Glas in einem Zug gelehrt und zurück auf die Bar gestellt. Leider hatte er seine Lautstärke nicht angemessen gedrosselt, sodass nun die Barkeeperin bei ihm auftauchte und eine recht strenge Miene zur Schau stellte.

"Ich denke das reicht jetzt!" Vorin begegnete ihrem Blick recht unbeeindruckt und nahm die Flasche ein letztes Mal um sich selbst und Nekki den Rest einzuschenken.

"Schon gut, die Flasche ist sowieso leer." Die Bardame musterte ihn einen Moment suchte anschließend irgendjemand anderen mit ihrem Blick, ließ ihn dann jedoch in Ruhe. Solange er nicht laut wurde, konnte er wohl verhindern dass jemand intervenierte. Sollten sie doch kommen. Eine Schlägerei käme ihm nur recht. Er war Gewalt jahrelang aus Prinzip aus dem Weg gegangen. Aus Überzeugung. Doch Gewalt konnte sich auf richtig gut anfühlen. Sie war so rein und unverfälscht.

"Und was denkst Du? Macht wirklich wahnsinnig Spaß das Leben wenn man doch sowieso nur Spielball von Mächten ist, die man sowieso nicht beeinflussen kann."

|| Coruscant ▫ untere Ebenen ▫ Honey House ▫ Hauptraum unten || ▫ Vorin ▫ Bedienstete & Gäste
 
Coruscant ? untere Ebene ? Honey House ? Bar ? Nekki, Vorin, Bedienstete & Gäste

Es war noch leichter gewesen zu ihm zu gehen und nur zu wissen, was er fühlte. Mit den Worten aber schien auch ein Teil von ihr zu sterben. Sie schluckte und wich dem erst soeben gefundenen Augenkontakt wieder aus, goss den Rest des Glases in sich ein, dass er ihr wiedergab, was soeben verloren gegangen war. Für immer vielleicht. Sie kniff die Augen zusammen und genoss die bald schon eintretende Wirkung, die sie einpackte und wärmte. Ein Schleier der Unschuld war gefallen. Sie fühlte sich schuldig Vorin in ihr Reich eingelassen zu haben. Ein weiteres Mal, dass sie ihre Geschwister nicht beschützen konnte.

Sie biss sich die Zähnen auf die Unterlippe, dass es schmerzte und rang mit dem Schicksal, dass ihr der Alkohol die Stimme wiederschenke, dass er es besser mache und den Riss, der sie zu zerdrücken drohte weiche. Doch es wurde nur alles dumpfer.

Was war der Mensch doch für ein hoch entwickeltes Wesen, dass er noch nicht einmal mit sich selbst zurechtkam, noch nicht einmal das Leben, noch nicht einmal das konnte er wirklich.


Sie rang sich ein abfälliges Lächeln ab.

Für meinen Geschmack steht diese Barkeeperin in genug Zwielicht.

Sie lenkte ihre Gedanken auf die kurze Quelle des Zorns. Was für ein Etablissement war das, Frauen verkaufte man, doch bei Alkohol wurde der Moralapostel gemimt? Demonstrativ hob Nekki ihr Glas und prostete der Barkeeperin zu, die sich in ihrer knappen Sklavenkleidung besser einen Kommentar verkniff.

Vorin fragte sie nach ihrer Meinung. Nekki zog die Augenbrauen zusammen und beugte sich zu ihrem Bruder hinüber, sie hob die Hand, den ausgestreckten Zeigefinger wie den Stab eines Dirigenten erhoben, wie sie es bei ihrem Großvater immer gesehen hatte bevor er eine Geschichte aus alten Zeiten erzählen wollte. Doch hielt dann plötzlich inne, als habe sie vergessen was sie sagen wollte, als habe im Holoroman jemand auf Pause gedrückt. Schließlich zuckten nur ihre Schultern.


Das Leben ist wie es ist. Das Universum schenkt mir nichts, also kümmert mich auch das Universum nicht.

Ihre Zunge fuhr über die Lippen, es war ihr als konnte sie noch die Spuren ihrer Zähne spüren, das Ziehen und die Anspannung auf ihrer Unterlippe, der Nachgeschmack des Whiskeys war noch darauf geblieben. Sie griff sich ihr Glas, das leer war und erkannte, dass auch die Flasche keinen Tropfen mehr in sich hatte und noch nicht einmal mehr auf dem Tresen stand. Frustriert hätte sie ihr Glas fast der Barkeeperin an den Kopf geworfen, schlug es dann aber doch auf den Tresen und legte stattdessen Vorin eine Hand auf die Schulter. Ihre Augen glühten feurig.

Wenn du Spaß suchst hast du dir das falsche Universum ausgesucht.

Sie kicherte leise und war plötzlich ganz ernst.

Hier kann man nur tun, was notwendig ist.

Die helle Flamme in den haselnussbraunen Augen verblasste, als war sie nicht mehr hier und blicke nicht mehr auf ihren Bruder, sondern in ferne Zeiten eines längst vergangenen Universums.

Nur was notwendig ist.

Nichts anderes. Nichts anderes. Was sie getan hatte, hatte sie tun müssen. Hatte sie stets müssen. Was war ihr anderes geblieben?

Coruscant ? untere Ebene ? Honey House ? Bar ? Nekki, Vorin, Bedienstete & Gäste
 
|| Coruscant ▫ untere Ebenen ▫ Honey House ▫ Hauptraum unten || ▫ Vorin ▫ Nekki ▫ Bedienstete & Gäste

Wenn Nekki gekommen war um ihn aufzubauen, machte sie ihren Job bemerkenswert schlecht. Es sah sehr nach dem Gegenteil aus. Mut machte sie ihm nicht. Offenbar war sie längst an diesem Punkt angelangt, an dem er sich nun befand, und noch ein Stück weiter. War es das? Die Welt war wie sie war? Mehr nicht? Seine ältere Schwester hatte bedauerlicherweise Recht. Denn im Moment gab es keinen intensiveren Gedanken als den, der aus Enttäuschung geboren wurde. "Das Universum kann mich mal so was von heftig!" , hätte er am Liebsten herausgeschrieen. Es war ja nicht so als würde er das Leben nicht kennen. Die Verluste, die Machtlosigkeit. Aber die Anhäufung von Unglücken war mittlerweile zu viel. Es verging ja nicht ein Jahr, indem sich keine Tragödie abspielte, keine Katastrophe eintrat. Hatte er einen Pechmagneten in seiner Brust? Warum gab es einige, deren Leben scheinbar so glatt verlief und andere denen jedes Mal die Beine weggetreten wurden, wenn sie sich gerade eben erst wieder aufgerappelt hatten?

Immer wieder war er aufgestanden, wie ein Steh-Auf-Männchen. Brachte ihm das irgendetwas? Ja. Er wurde wieder in den Dreck getreten. Vielleicht hatte er nun aufgegeben. Na und? Wer sollte schon etwas dagegen sagen oder machen? Sollten sie es doch versuchen. Nichts würde er lieber tun als etwas Schönes und Makelloses in eine blutige Masse zu verwandeln. Er konnte kaum fassen welch eine gewalttätige Bestie unter all der Moral und Kontrolle immer noch steckte. Der Mensch war tief im Inneren ein Tier und würde dies wohl auch immer sein. Ein bisschen enttäuscht war er nichtsdestotrotz, dass Nekki überhaupt kein tröstendes oder aufbauendes Wort für ihn übrig hatte. Sie musste schon längst "aufgegeben" haben. Wenn man bedachte dass sie entführt worden war, konnte man es mehr als gut verstehen. War es das, was man unter "erwachsen werden" bezeichnete? Er schnaubte verächtlich.


"Vielleicht ja, vielleicht nein." , kommentierte er tonlos. Er hatte eigentlich nie in einer Welt leben wollen, in der einem die anderen egal waren. Doch anscheinend musste man seine Welt wirklich klein halten, wenn man nicht kaputt gehen wollte. Allerdings konnte Vorin seinen Hass nicht auf die Barkeeperin richten. Sie tat was ? notwendig war. Die Drogendealer die draußen mit ihrem Stoff andere ins Unglück stürzten waren schon wieder eine andere Sache. Alles war nur ein ganzheitliches Grau, mit unzähligen Schattierungen. Doch machte es wirklich Sinn diese unterscheiden zu wollen? Er wäre am Liebsten losgezogen um Streit zu suchen, doch ohne das Lichtschwert zu benutzen könnte sich das als ziemlich tödliche Unternehmung entpuppen.

Diese Heimlichtuerei und das ewige Verstecken machte ihm zusätzlich zu schaffen. Man durfte nichts unternehmen ohne vorher genau darüber nachzudenken. Dieses Freudenhaus, nein der ganze Planet kam ihm mehr und mehr wie ein Gefängnis vor. Ein falsches Wort, unpassendes Verhalten, eine falsche Aktion konnte sie alle verraten. Die Welt schien mit jeder Stunde enger zu werden bis sie ihn vollends erstickte. Er war all das Leid, gleichzeitig würde er die anderen nicht für seinen Frust bezahlen lassen. "Das kann man/ich nicht tun". So egal war ihm die Welt dann auch wieder nicht, dass er die Jedi hier vor Ort in Gefahr bringen würde. Das hier war kein Spiel. Es war die Welt wie sie war in der Jeder tat was notwendig war. Vielleicht sollte er dieses Wort zu seinem neuen Imperativ machen. Notwendig.


"Wir sollten lieber woanders hingehen." Mit diesen Worten löste sich Vorin vom Barhocker und stellte sich hin. Dummerweise hatte er die Dosis an schädlichen Stoffen in seinem Körper unterschätzt, und die Wirkung die sie auf seinen Gleichgewichtssinn haben könnten. Wankend wurde ihm bewusst wie wenig er harten Alkohol gewohnt war. Lediglich die fahrig herumsuchende Hand konnte ihn vor einem Sturz bewahren, als sie sich an der Theke festklammerte. Er hatte das Zeug wohl doch um einige Stufen zu schnell hinunter gestürzt.

"Ho! Kennst Du vielleicht ein Bar hier in der Nähe ? Nekki?" Vorin nahm die Hand vor den Mund, um den Rülpser abzufangen, der sich einen Weg seine Kehle hinauf suchte.

"Eine in der man ungestört etwas trinken und reden kann?" Er machte die zwei Schritt zu seiner Schwester "hinüber" und lehnte sich mit dem Ellbogen auf die Bar. "Du bis' ja schon ein bisschen länger hier."

|| Coruscant ▫ untere Ebenen ▫ Honey House ▫ Hauptraum unten || ▫ Vorin ▫ Nekki ▫ Bedienstete & Gäste
 
- Coruscant - Untere Ebenen - Honey House - Mit Cris, Burell, Jibrielle -

Burell
ging es alles andere als gut. Sie hatte schon vorhin zerbrechlich gewirkt, doch nun befürchtete Chesara, dem Mädchen würden die Beine versagen und sie würde ihnen ohnmächtig werden. Sie war so blass und hielt sich haltsuchend an er Wand, dass die Jedi-Rätin für einen Moment bezweifelte, noch brauchbare Informationen von ihr bekommen zu können. Dann jedoch sprach sie wieder, doch Chesaras Hoffnung hielt nicht lange an, denn sie gab zu das "Honey House" nur selten zu verlassen und sich draußen nicht so gut auszukennen. Sie kannte keine sicheren Wege, keine Orte an die sich Lonnyala ihre freie Zeit eventuell vertrieb. Chesara tauschte einen Blick mit dem Captain, dessen Miene genauso resignierend war wie ihre eigene. Unerwartet wendete sich das Blatt dann aber doch noch. Burell erwähnte eine Bar: "Lilys for Jenny". Dies sei ein Ort, an dem Lonnyala gearbeitet hatte, bevor sie zu Sarah gekommen war. Chesara horchte auf. War das vielleicht ein Anhaltspunkt? Laut Burell hatte Lonnyala viel Zeit dort verbracht und auch Kontakte geknüpft.

"Vielleicht versucht sie dort einen Abnehmer für ihre Informationen zu finden."

Überlegte Chesara laut.

"Es kommt ganz darauf an, wen sie dort kennt."

Obwohl Burell ihnen nicht sagen konnte, wo diese Bar sich befand, hatten sie eine Chance, denn zu Chesaras Verwunderung war es nun Jibrielle, die weitere Hilfe beisteuerte. Sie sagte, sie wisse wie man zu diesem Laden gelangte.

"Sehr gut, dann sollten wir uns schnellsten auf den Weg machen."

Schlug Chesara vor.

"Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren."

Dass Burell sie begleitete, hielt sie für ausgeschlossen. Die junge Prostituierte wirkte so schwach auf denen Beinen, dass Chesara ihr nicht zutraute auch nur zwanzig Meter zu gehen ohne einzuknicken. Sie brauchte Ruhe und Zeit für sich. Zuerst war ihre Freundin gegangen um die Jedi zu verraten, dann hatte sie vom Tode Sens erfahren. Dies alles zu verarbeiten war nicht leicht. Davon abgesehen bezweifelte Chesara ohnehin, dass sie ihnen eine große Hilfe sein würde. Sie hatte keine Ortskenntnisse und sie hatte es schon zuvor nicht geschafft Lonnyala von ihrem Vorhaben abzubringen. Warum sollte es ihr bei einem zweiten Versuch gelingen? Vielmehr befürchtete die Jedi, dass wenn sie Lonnyala tatsächlich fanden, diese eher zornig werden würde bei Burells Anblick, denn in letzterer würde sie eine Verräterin sehen, eine die die Jedi und einen Agenten des Geheimdienstes auf ihre Spur gebracht hatte. Nein, es war besser Burell hier zu lassen. Sie sollte sich ausruhen, etwas essen und zusehen, dass sie wieder mehr Farbe in ihre Wangen bekam. Dankend wandte sich Chesara ihr zu.

"Wir werden es in dieser Bar versuchen."

Sagte sie zu Burell.

"Du hast uns wirklich sehr geholfen. Jetzt solltest du dich ausruhen. Wir versuchen unterdessen Lonnyala zu finden. Mach dir keine Sorgen."

Die Zeit rannte. Chesara nickte Jibrielle zu, dass sie sich jetzt auf den Weg machen würden. Allerdings war noch eine Frage offen.

"Captain Sheldon, werden Sie uns begleiten?"

Bisher hatte er ihnen seine Hilfe noch nicht zugesagt und Chesara hatte Verständnis, wenn er sich nicht in der Lage dazu sah, nachdem er gerade erst Sen verloren hatte, die er seiner eigenen Aussage nach hatte beschützen sollen. Trotzdem hoffte sie, dass er sich ihnen anschließen würde.

"Wir könnten Ihre Erfahrung gut gebrauchen."

Fügte sie ehrlich hinzu.

- Coruscant - Untere Ebenen - Honey House - Mit Cris, Burell, Jibrielle -
 
- Coruscant ? City ? Nathaniels Wohnung ?

Kurz vor Mitternacht ging Richard. Nur in eine wollene Decke gehüllt stand Akemi in der Küche. Da er am Ende doch länger geblieben war als er vorgehabt hatte, hatte er sein Glas Wein noch ausgetrunken. Die Flasche war insgesamt noch halb voll. Einen Schluck konnte sie sich noch gönnen. Mit einem neu gefüllten Glas begab sie sich wieder ins Wohnzimmer. Dort drehte sie ihre Runden, zu aufgedreht um sich hinzusetzen, zu wach um zu schlafen. Ihr Kopf war voll von Gedanken und Eindrücken und es fiel ihr schwer sich zu sammeln. Vor ihr tauchte Richards Gesicht auf. Es war schon komisch, wie sich innerhalb eines Abends so vieles verändern konnte. Wenn sie es rückwirkend betrachtete, konnte sie sich eingestehen, dass sie ihn vorher schon attraktiv gefunden hatte, aber nicht bewusst. Sie hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, sondern es nur am Rande registriert. Es war ihr nicht wichtig erschienen. Heute Abend war das irgendwie anders gewesen. Wirklich erklären konnte sie es sich auch nicht.

Der Wein tat ihr gut, auch wenn er ihr nicht half ihre Gedanken zu ordnen. Gebannt betrachtete Akemi die Lichter Coruscants. Die Welt hier war so anders als Naboo, anders als Bothawui. Auf Coruscant hatte man das Gefühl, als gäbe es nichts als diesen einen Planeten. Sie ließ die Jalousien herunter und sperrte die Welt aus. Nathaniel war noch nicht zurück, so wie sie es schon zuvor vermutet hatte würde er erst morgen kommen. Akemi war nicht traurig darüber. Im Augenblick wollte sie nur alleine sein und nachdenken. Worüber? Sie sah noch immer Richard vor sich, wenn sie die Augen schloss. Eine solche Leidenschaft hatte sie noch nie gespürt. Sie hatte sie einfach so überkommen. Mit Robbie war es anders gewesen. Das war kein blindes Verlangen gewesen. Und Cris hatte sie geliebt. Akemi leerte ihr Glas und brachte es in die Küche zurück. Zuerst wollte sie das benutzte Geschirr einfach in den automatischen Spüler räumen, doch als sie Richards Glas in der Hand hielt, überlegte sie es sich anders. Nathaniel würde die beiden Gläser sehen. Was sollte sie ihm sagen? Alle Spuren beseitigend machte Akemi die Gläser sofort sauber und räumte sie in den Schrank zurück. Den Wein hätte sie alleine getrunken, würde sie sagen.

Später, als sie versuchte zu schlafen, musste sie Cris denken. Wie wohl die Dinge verlaufen wären, wenn er sie nicht verlassen hätte? Vielleicht wäre sie niemals nach Coruscant gekommen, hätte niemals ihre Freundschaft zu Nathaniel so gefestigt und nicht Nella Di kennen gelernt, nicht Ecile und zuletzt natürlich auch nicht Richard. Ob sie auf Naboo geblieben wären? Sie glaubte nicht, dass ihr das genügt hätte. Und Cris? Früher hatte sie gedacht er würde überall mit ihr hingehen, aber das hatte sich als falsch heraus gestellt. Sonst hätte er sie nicht alleine gelassen. Wo er jetzt wohl war? Für sie war von Anfang an klar gewesen, dass er zum Geheimdienst zurückgegangen war. Eine andere Alternative hatte er nicht gehabt, oder er hatte ihr nicht davon erzählt. Es gab Dinge im Leben, die sich einfach nicht begreifen ließen. Bis heute verstand sie nicht, wie er sie einfach ohne ein Wort hatte verlassen können und genauso wenig verstand sie, was heute Abend geschehen war. Aber es war geschehen, beides. Und so schlief Akemi ein.


- Coruscant ? City ? Nathaniels Wohnung ?
 
- Coruscant – City –

Am Morgen besuchte er Nella Di und brachte ihr frische Croissants aus der Bäckerei mit. Das Krankenhausessen war nicht schlecht, aber auch nicht besonders lobenswert, begründete er den Kauf gegenüber sich selbst. Dass es sich bei diesem kleinen Geschenk eher um ein verstecktes Schuldeingeständnis als um eine Geste der Freundlichkeit handelte, versuchte er zu übersehen. Nella ging es den Umständen entsprechend gut und Richard fand, dass sie sich tapfer hielt. Er erzählte ihr von verschiedenen Leuten, die sich besorgt nach ihr erkundigt hatten, nachdem sie gehört hatten was geschehen war und besorgte ihr ein paar aktuelle Klatsch & Tratsch Magazine aus dem Kiosk des Krankenhauses. Am späten Vormittag verabschiedete er sich jedoch bereits wieder, mit dem Versprechen gegen Abend noch einmal wieder zu kommen. Er hatte noch ein paar wichtige Dinge zu erledigen, erklärte er ihr. In Wahrheit aber wollte er vermeiden Akemi zu treffen. Was gestern Abend geschehen war, war nichts was er bereute, ganz sicherlich nicht. Dennoch war es etwas, das so nicht hätte passieren dürfen. Sie war verdammt noch mal eine Freundin seiner Tochter! Was für ein Vater war er, sich an sie heran zu machen? Nella Di würde… er wusste nicht, was sie tun würde, wenn sie davon erfuhr, aber er war sich ziemlich sicher, dass es keine gute Idee war ihr davon zu erzählen. Sex zwischen ihm und Akemi sprengte ganz einfach die Grenzen.

Er bemühte sich redlich um Ablenkung, doch selbst dabei musste er an Akemi und ihre Interpretation von „Ablenkung“ denken. In Elenore Gallers Bibliothek suchte er Zuflucht. Sie belohnte ihn mit frischem Gebäck und einer Tasse Tee, doch er konnte sich nicht auf die Texte konzentrieren, die vor ihm lagen. Nachdem er ein paar Zeilen gelesen hatte, musste er sich eingestehen kein einziges Wort davon behalten zu haben. Stattdessen hatte er Akemi vor sich gesehen und sich vorgestellt, ihren Nacken zu küssen. Verdammt, er musste damit aufhören!


“Major Cohn.“

Elenore Gallers stand vor ihm. Sie sah aus wie immer, trug ein schlichtes Kleid und die weißen Haare zu einem einfachen Knoten aufgesteckt. Ihr Gesicht war gütig, wirkte jedoch besorgt. Richard lächelte.

„Mrs. Gallers, wie geht es Ihnen?“

Fragte er sie. Er kannte sie schon lange, seit er hierher kam. Sie führte diese Bibliothek fast vollkommen alleine, trotz ihres Alters. Nur ihre Nichte half ihr hin und wieder aus.

“Ach, wie üblich. Kein Grund sich zu beklagen. Die Arbeit hält mich fit.“

Antwortete die ältere Dame und zog die Brauen zusammen.

“Ich frage mich eher, wie es Ihnen geht, Major. Habe Sie seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen und dann kommen Sie hier herein und wirken so zerstreut wie ich Sie noch nie gesehen habe.“

Ihr forschender Blick hatte etwas Angst einflößendes. Richard räusperte sich und rührte in seinem Tee. Stand er wirklich so neben sich, dass es sogar Anderen auffiel? Er hätte gedacht, sich besser im Griff zu haben. Seufzend legte er den Löffel neben die Tasse.

„Wir alle müssen einen Berg erst einmal besteigen, bevor wir die Aussicht genießen können, nicht wahr, Mrs. Gallers?“

Erwiderte er schließlich wage. Die Bibliothekarin hob eine Augenbraue.

“Ich möchte mich nicht in Dinge einmischen, die mich nichts angehen, Major. Aber wenn Sie mich fragen, dann sollten Sie Ihre Koffer packen und sich einen Urlaub gönnen. Coruscant kann einem den letzten Nerv rauben, wenn man zu lange ohne Ortswechsel hier bleibt. Und Sie arbeiten ohnehin zu viel!“

Ihre gut gemeinten Worte brachte sie resolut hervor, Richard brachten sie jedoch zum Lächeln.

„Wollen Sie mir etwa Hausverbot erteilen, Mrs. Gallers?“

Fragte er charmant. Die alte Dame kniff die Lippen zusammen.

“Das sollte ich, wahrlich.“

Seufzte sie laut, doch anschließend zuckten ihre Mundwinkel, ein Lächeln mühsam zurückhaltend.

“Ernsthaft, Major. Sie brauchen Urlaub - und eine Frau. Eine, die auf Sie aufpasst.“

Mit dieser Bemerkung zog sie ihm den Boden unter den Füßen weg und Richard kapitulierte. Was sollte er darauf noch antworten?

„Sie haben Recht, Mrs. Gallers.“

Antwortete er und trank seinen Tee.

„Wie immer.“

Die Bibliothekarin schüttelte den Kopf.

“Sie sind unverbesserlich.“

Tadelte sie ihn streng und überließ ihn wieder seinen Gedanken.

- Coruscant – City – Bilbiothek – Mit Elenore Gallers -
 
[Coruscant, Honey House, gesicherter Reich]- Chesara, Jibrielle, Burell, Cris

Fast wie er es befürchtet hatte, schienen die Ereignisse um Sen Burell zu sehr mitzunehmen, als dass sie ihnen noch von sonderliche Hilfe hätte sein können. Und er konnte es ihr verübeln ? für Cris war der gewaltsame Tod anderer Menschen längst zum Alltagsgeschäft geworden und dennoch hatte ihn der Mord an Sen tief getroffen ? und das nicht nur, weil er sich zumindest eine Teilschuld daran gab, dass es soweit gekommen war.
Es war die junge Padawan namens Jibrielle, die plötzlich ein ganz entscheidendes Puzzleteil hinzusteuerte und offenbarte, dass sie den Namen einer in Frage kommenden Spelunke kannte. Kurz wanderte Cris? fragender Blick in Chesaras Richtung ? offenbar stammte die junge Frau von Coruscant, was wiederum darauf schließen ließ, dass die Rätin seit ihrer Ankunft auf dem besetzten Planeten sogar die Zeit gefunden hatte, missionarisch im Sinne des Ordens tätig zu werden. Einmal mehr beeindruckte ihn die Kraft, die hinter dieser nicht minder ehernen Fassade stecken musste?
Als Chesara ihn schließlich um Hilfe bat, hatte er seinen Entschluss längst gefasst. Endlich wurde ihm die Gelegenheit gegeben, seinen Wert unter Beweis zu stellen und der Jedi zu zeigen, dass ihre Mühen um sein Leben mitnichten umsonst gewesen waren.
Er warf Burell, die zuvor von Chesara aufgefordert war, im Honey House zu verbleiben, ein mitfühlendes Lächeln zu, ehe er sich wieder voll auf die Jedi konzentrierte.


?Ich werde Sie nicht enttäuschen, Chesara. Das mir Teuerste habe ich bereits durch eigene Fehler verloren? zumindest das Fortbestehen der Republik will ich weiterhin mit meinem Leben verteidigen.?

Bei diesen Worten verspürte er einen Kloß im Hals. War dies also die Entscheidung? Gab er seine Suche nach Akemi auf und kehrte vollkommen in die Strukturen zurück, bis er eines Tages auf einen Widersacher treffen mochte, der im überlegen war und keine Jedi ihm in letzter Minute das Leben rettete?
Oh, Akemi?
Er blinzelte und nickte dann entschieden.


?Wir sollten aufbrechen.?

Sich in entschiedenen Aktionismus flüchtend übernahm Cris die Führung aus dem gesicherten Bereich des Bordells hinaus in die Bar, in der sich freier, leichte Mädchen und noch unentschlossene Gäste, die lediglich dem Alkohol zusprachen, an der Bar. Der Anblick der Mädchen, die sich den zahlungswilligen Männern kichernd an den Hals warfen, verursachte einen leichten Stich?
Gerade als er auch diesen Bereich des Honey House verlassen wollte, fiel sein Blick ein letztes Mal auf die Bar, an der ihm ein bekanntes Gesicht begegnete? jener junge Mann (Vorin), der zuvor die bewusstlose Mara getragen und zu dieser scheinbar in einem besonderen Verhältnis stand. Jetzt aber befand er sich an der Bar mit einem Cris unbekannten Mädchen (Nekki) und war ? der Art nach zu urteilen, in der er fast unter den Tresen fiel ? sichtlich angetrunken. Cris Lippen presste sich zu einem Strich zusammen und er spürte eine seltsame Wut in ihm rumoren.


?Entschuldigen Sie mich kurz??, raunte er Chesara zu, dann war er in wenigen Schritten an der Bar, den Jungen nicht unbedingt sanft am Arm packend.

?Was ist los mit Ihnen, verdammt??, zischte er dem anderen so gedämpft zu, dass niemand ? bis auf eventuell die wahrscheinlich ähnlich angetrunkene Frau (eine der Angestellten des Etablissements?) ? es mitbekommen konnte. [OP]Kalten Whiskey? Boah, seid ihr Banausen?:o[/OP]

?Denken Sie, Sie sind der Einzige, dem diese Dinge nahe gehen? Dass Sie der Einzige sind, der sich so aus der Verantwortung stehlen darf? Mara braucht Sie? Ihre Freunde brauchen Sie! Denken Sie daran, wer Sie sind, zu wem Sie gehören? und nach wessen Regeln dieser Planet sich nach wie vor dreht!?

Endlich ließ der ehemalige Sturmtruppler den unangenehm nach Whiskey riechenden :-)D) Jungen los und warf der Bardame einen kurzen Blick zu, die ihn augenscheinlich als einen der Beauftragten Sarahs erkannte.

?Er hatte genug? hier und anderswo.?

Ohne die beiden noch eines Blickes zu würdigen kehrte er zu Chesara und Jibrielle zurück.

?Tut mir Leid, wenn ich in Ihre Zuständigkeit hinein interveniert habe?, entschuldigte er sich wenig aufrichtig.

?Gehen wir.?

Den Angaben Jibrielles folgend war es kein großes Problem, die Bar ausfindig zu machen, in der Lonnyala sich womöglich aufhalten musste, wohl aber, den Weg dahin ohne Komplikationen zu absolvieren. Cris war zwar bewaffnet, wie die beiden Jedi vermutlich ebenso, doch die Tatsache, dass es sich bei beiden um nicht unbedingt unattraktive Frauen handelte, ließ ihn in fast jeder Sekunde mit einem Übergriff rechnen.
Dann jedoch erreichten sie die Spelunke ohne Zwischenfälle? und sie sah noch heruntergekommener aus als er befürchtet hatte. ?Lilys for Jenny?? was auch immer.


?Wir sollten uns trennen?, raunte er Chesara schließlich zu, nachdem er die Sondierung der Umgebung abgeschlossen hatte.

?Das erhöht unsere Chancen.?

Er fügte eine kurze Beschreibung der Prostituierten an, wobei er unabsichtlich in die präzise Art der Personenbeschreibung verfiel, wie imperiale Sturmtruppler sie auf der Suche nach Verdächtigen anzuwenden pflegten, ehe er den beiden Jedi ein finales Nicken zukommen ließ.

?Viel Glück? oder?? Er lächelte schwach und senkte seinen Tonfall noch ein wenig.

?Möge die Macht mit Ihnen sein.?

Nach diesen Worten warf er einen letzten Blick in die Runde ? noch immer schien sich niemand zu sehr für sie zu interessieren ? und betrat dann die Bar.
Ein übel riechender Schwall aller möglichen Ausdünstungen und Alkoholika schlug ihm entgegen, wie er derlei Spelunken zwangsläufig anhaftete, und ein beißender Rauch lag in der Luft. Mit zusammengekniffenen Augen und angemessener Rücksichtslosigkeit ? er wirkte wehrhaft genug, sich diese ohne Gefahr eines Angriffes leisten zu können ? schob er sich durch die teilweise stark berauschten Gäste, doch sein rasch über die Menge gleitender Blick verriet ihm, dass die Frau, die er suchte, sich nicht im überfüllten Schankraum aufhielt.
Die Bar besaß jedoch einen Hinterausgang? möglicherweise befand sich Lonnyala irgendwo dahinter und ging ihren Geschäften nach, um über die Runden zu kommen, bis sie sich dem Imperium verkaufen konnte. Alleine dieser Gedanke ließ Cris frösteln.
Als er wieder ins freie trat, erschien ihm selbst der Gestank Coruscants wie eine Erleichterung. Viel wichtiger war jedoch, dass er fast umgehend zwei im Schatten einer Gasse stehende Gestalten (Lonnyala, Kim Saya) erblickte, der gerade noch das grell gefärbte haar und die recht viel verratende Kleidung der Frau erkennen ließ. Sollte er tatsächlich derart vom Zufall begünstigt worden sein?


?Lonnyala??, erhob er seine Stimme, nachdem er sich den beiden Gestalten lautlos genähert hatte. Seine Hand ruhte dabei scheinbar entspannt in unmittelbarer Nähe seines Blasterholsters.

?Ich habe Sie gesucht??

[Coruscant, Elendsviertel, zwischen den Drecklöchern nahe des ?Lilys for Jenny?]- Cris, Lonnyala, Kim Saya
 
Lonnyala

- Coruscant - Untere Ebenen - Abgerissenes Viertel - Mit Kim -

Der Kleine musterte sie, ob interessiert oder argwöhnisch konnte Lonnyala nicht wirklich sagen, allerdings glaubte sie nicht, dass er sie abblitzen lassen würde. Wahrscheinlich würde er etwas unsicher reagieren und sich erstmal warm laufen müssen, aber dabei würde sie ihm schon helfen. Mit Anfängern hatte sie keine Probleme, im Gegenteil, sie war gut darin Hilfestellung zu geben. Ihr Vorhaben wurde jedoch gestört, als eine Stimme hinter ihr ihren Namen rief, noch bevor sich der Junge entschieden hatte sich in irgendeiner Art und Weise zu entscheiden. Überrascht drehte sich Lonnyala herum. In der Dunkelheit konnte sie nur den Umriss eines Mannes erkennen, als er noch näher kam, kamen seine Züge ihr einigermaßen bekannt vor. Er hatte sie... gesucht? Aus Lonnyalas Gesicht wich alle Farbe.

"Sie!"

Entfuhr es ihr, als sie den Mann erkannte, den sie schon an Sarahs Seite gesehen hatte. Wenn er sie gesucht hatte... ihr erschreckter Gesichtsausdruck machte einem Schmollmund Platz.

"Soso... Sie haben mich gesucht."

Sie musterte ihn von oben bis unten. Der brauchte wahrscheinlich keine Hilfestellung. Ihre Gedanken versuchten eine Lösung zu finden. Sie wusste nicht wirklich, wer dieser Typ war, aber sie hatte ihn mit Sarah zusammen gesehen. Er hatte an ihrem Rockzipfel gehangen, wahrscheinlich als ihr persönlicher Gigolo. Nun, Sarah war auch nicht mehr die Jüngste und Lonnyala war ihr in jedem Fall gewachsen! Es gab zwei Möglichkeiten: entweder er war ihr gefolgt, weil er ne' heiße Nummer schieben wollte, oder er war von Sarah geschickt worden, weil Burell gepetzt hatte. Wenn letzteres zutraf, dann würde Lonnyala dafür sorgen, dass er umschwenkte auf Möglichkeit Nummer eins. Das war doch ein Leichtes! Sie ging auf ihn zu, einen koketten Ausdruck auf ihrem Gesicht.

"Da Sie mich jetzt gefunden haben, was haben Sie mit mir vor?"

Unter ihren dichten, falschen Wimpern warf sie ihm einen langen Blick zu. Gleichzeitig machte sie zwei Schritte auf ihn zu, stellte sich neben ihn und ließ ihre Hand über seinen griffigen Hintern gleiten.

"Ich hätte da jedenfalls eine ganze Menge Ideen."

Raunte sie ihm verheißungsvoll ins Ohr. Der Typ gehörte ihr.

- Coruscant - Untere Ebenen - Abgerissenes Viertel - Mit Kim und Cris -
 
- Coruscant - Untere Ebenen - Vor der Bar "Lilys for Jenny" - Mit Jibrielle -

Schweigend sah Chesara Captain Sheldon nach, als dieser in der Bar verschwand. Sie kannte diesen Mann nicht gut, hatte ihn zuvor immer nur kurz getroffen oder als er bewusstlos war. Dementsprechend konnte sie ihn nur ansatzweise einschätzen oder beurteilen, aber was sie ganz sicher wusste war, dass er ein erstaunliches Maß an Professionalität besaß. Minuten zuvor noch hatte er im "Honey House" niedergeschlagen gewirkt und einen Menschen gegeben, dem der Tod eines jungen Mädchens nahe gegangen war. Nun war er wieder der Geheimdienstler, der seine Pflicht tun musste, zum Wohle der Republik. Seufzend wandte sie ihren Blick von der Tür, durch die er gegangen war und die sich inzwischen längst hinter ihm geschlossen hatte. Sie alle waren in einen großen Kampf verwickelt und trotzdem hatte jeder von ihnen noch seine eigene Geschichte. Cris Sheldons Blick war für einen sehr kurzen Moment tiefgehend geworden, als er gesagt hatte, dass ihm Teuerste hätte er bereits verloren, durch eigene Fehler. Noch während Chesara ihm zugehört hatte, war ihr erneut der leere Platz an seiner Seite aufgefallen. War es das, was er gemeint hatte? Oder interpretierte sie zuviel in seine Worte hinein? Letztendlich hatte sie nicht die leiseste Ahnung, in welcher Beziehung er und Akemi zueinander gestanden hatten. Sie wusste nur, dass er ihr wichtig gewesen war, mehr nicht.

Sie wandte sich Jibrielle zu. Der Vorschlag sich zu trennen war klug gewesen. Die Bar schien, zumindest von außen, nicht besonders groß zu sein und sie würden lediglich Aufsehen erregen, zu dritt darin herum zu laufen und nach einer blonden Frau in leichter Kleidung zu fragen. Cris nahm sich den Laden an, Chesara schlug gegenüber Jibrielle vor, es in einer der Seitengassen zu versuchen. Hier und da sah man eine Gruppe von Leuten herum stehen. Es war keine besonders anziehende Gegend.


"Woher kanntest du diese Bar überhaupt?"

Fragte Chesara, als sie an ein paar Kerlen vorbei kamen, die ihnen anzüglich ansahen, von der Jedi und ihrer Padawan aber komplett ignoriert wurden.

- Coruscant - Untere Ebenen - In der Nähe der Bar "Lilys for Jenny" - Mit Jibrielle -
 
[Coruscant, Elendsviertel, zwischen den Drecklöchern nahe des ?Lilys for Jenny?]- Cris, Lonnyala, Kim Saya

Offenbar erkannte Lonnyala ihn und hatte ihn im Honey House gesehen wie er sie, auch wenn Cris bezweifelte, dass sie über seine tatsächliche Identität informiert war.
Welche Schlüsse auch immer sie daraus ziehen mochte, es reichte offenbar aus, um die andere Person stehen zu lassen und sich dem ehemaligen Sturmtruppler zuzuwenden. Sie näherte sich ihm mit fast lauernden Bewegungen und schien ihn dabei zu taxieren wie ein Raubtier seine arglose Beute?
Cris konnte nicht leugnen, dass es nicht spurlos an ihm vorüber ging, als er ihre Berührung spürte, die ein leichtes Kribbeln hinterließen, und ihre letzten Worte vernahm, die die Stillung lange in den Hintergrund getretener Bedürfnisse implizierten?


?Ach, tatsächlich??, flüsterte zurück und ließ seine Hände nun ihrerseits die unter ihrer Kleidung verborgenen Rundungen verfolgen. Bereits nach kurzer Zeit konnte er sicher sein, dass Lonnyala keinerlei Waffen bei sich trug und ihm somit kaum gefährlich werden konnte? aber warum ließ er sie dann nicht los? Und warum begann sein Herz schneller zu klopfen, als sein Verstand sich auszumalen begann, was geschehen würde, wenn er das Angebot dieser Frau akzeptierte? Es war so lange her, dass Hände sich seinem Körper mit anderen Absichten genähert hatten, als ihm Schmerzen zuzufügen, ihm Geständnisse zu entlocken? und Lonnyala, dessen war er sich sicher, verstand ihr Handwerk. Er konnte sich jetzt das von ihr geben lassen, was sein Körper brauchte, und sie danach ohne Probleme trotzdem zurückbringen und die Gefahr, die von ihr ausging, zu neutralisieren? er brauchte lediglich fortfahren, ihre in den Farben ihres Lippenstifts schimmernden Lippen küssen und es genießen? sich ohne Reue dem körperlichen Verlangen zweier Menschen hingeben?
Doch ganz plötzlich tauchte eine Szene aus der Vergangenheit vor seinen Augen auf, als seine Lippen bereits ohne sein Zutun bis auf wenige Millimeter denen Lonnyalas nahe gekommen waren? Akemi, die ihn anlächelte, und Worte sprach, die er nicht verstehen konnte. An die er sich aber wohl erinnern konnte? und plötzlich schien ihm bewusst zu werden, was er in diesem Moment im Begriff war, zu tun?
Erst jetzt schien er Lonnyala klarer zu sehen. Auch ihr starkes Make-up konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Jahre Arbeit auf Coruscants Straßen, den niederträchtigsten Wünschen ihrer Freier ausgesetzt, sie verbraucht hatten. Davor war sie möglicherweise ein hübsches, junges Mädchen gewesen? doch jetzt nicht mehr. Und kein noch so wilder Akt der Begierde mit dieser Frau würde die Lücken schließen können, die Akemi in ihm hinterlassen hatte.
Mit einem Mal verspürte er kein Verlangen mehr, sondern tiefes Mitleid?
Da Lonnyala inzwischen aufgegangen sein musste, dass ihr Plan auf der Ziellinie gescheitert war, hielt Cris ihre Hände sanft, aber mit Nachdruck fest. Er hatte nicht vor, sie zu verletzen oder ihr mehr als nötig wehzutun.


?Das Imperium wird Ihnen nicht geben, was Sie verlangen??, sagte er leise.

?Sie werden sich die Informationen nehmen, die sie brauchen, und Sie dann zum Schweigen bringen. Kommen Sie mit zurück? im Honey House geht es Ihnen besser als hier, dort haben Sie Freunde, Personen, die sich um Sie kümmern? niemand wird Sie verurteilen, dass sie der Versuchung unterlegen sind.?

Er musterte diese Prostituierte traurig. Was, wenn sie sich weigerte, ihm zu folgen? Er konnte sie nicht einfach gehen lassen?

?Bitte? ich möchte Ihnen nicht wehtun.?

[Coruscant, Elendsviertel, zwischen den Drecklöchern nahe des ?Lilys for Jenny?]- Cris, Lonnyala, Kim Saya
 
Lonnyala

- Coruscant - Untere Ebenen - Abgerissenes Viertel - Mit Kim und Cris -

Sie wusste, dass sie ihn hatte, als er seine Hände über ihren Körper gleiten ließ. Männer waren doch alle gleich. Hüftschwung, einem aufreizendem Lächeln und den richtigen Worten erlagen sie alle. Dieser hier bildete keine Ausnahme und noch dazu war er ein Prachtexemplar. Es würde ihr nicht schwer fallen ihm das zu geben, wonach es ihm verlangte. Natürlich war sie ein Profi, die auch die ungenehmere Sorte von Mann zufrieden stellen konnte, dennoch war ein solch Hübscher immer eine willkommene Abwechslung. Er kam ihr immer näher und konnte ihr genau so wenig widerstehen wie all die anderen, die ihr schon verfallen waren - bis er sich plötzlich wieder zurück zog und ihre Hände umfasste. Was zur Hölle...? Ihre Miene verhärtete sich, als ihr klar wurde, dass er in letzter Sekunde einen Rückzieher machte. Verdammter Dreckskerl!

"Lassen Sie mich los."

Sagte sie eisig und versuchte ihm seine Hände zu entziehen, doch sein bestimmter Griff ließ sie nicht los. Was jetzt? Wo war ihr Notfallplan? Mit einem solchen Zwischenfall hatte sie nicht gerechnet. Wie hatte dieser Typ sie überhaupt gefunden? Sie war sich sicher, dass ihr niemand gefolgt war!

"Was wissen Sie denn schon?"

Zischte sie ihn an, als er vom Honey House sprach.

"Verdammter Narr! Ich bin eine Prostituierte! Mein Leben... ist eine Müllhalde."

Die Worte spuckte sie beinahe aus. Er sollte sich schämen von Freunden zu sprechen. Was glaubte er, war das Honey House für sie? Ein Zuhause? Wie naiv musste man sein!

"Ich bin nicht von dort weg um mich nach ein paar Stunden zurück eskortieren zu lassen!"

Wieder versuchte sie ihm seine Hände zu entziehen, wieder vergeblich. Schließlich gab sie es auf und schwieg für einen Moment. Losreißen konnte sie sich nicht. Fortlaufen konnte sie auch nicht. Der Mann wäre schneller als sie und mit ihren Absätzen würde sie nach ein paar Metern umknicken. Ihr blieb nur die Richtung zu ändern.

"Okay, passen Sie auf: wir teilen."

Schlug sie vor.

"Sie kriegen 20% von meinem Gewinn. Und den Rest..."

Sie hob eine Augenbraue.

"...in Naturalien."

- Coruscant - Untere Ebenen - Abgerissenes Viertel - Mit Kim und Cris -
 
[Coruscant, Elendsviertel, zwischen den Drecklöchern nahe des ?Lilys for Jenny?]- Cris, Lonnyala, Kim Saya

Es kam, wie es kommen musste? sie wollte nicht, wehrte sich und versuchte sich loszureißen. Natürlich hatte sie keine Chance aus Cris? bestimmten Griff zu entkommen, doch die Worte die, sie ihm voll ihn überraschenden Zorn entgegenschleuderte, ließen den ehemaligen Sturmtruppler kurz innehalten.
Ein Teil von ihm konnte ihre Verbitterung verstehen. Was war dieses Leben, auch wenn die Umstände in Sarahs Etablissement humaner sein mochten als auf der Straße, indem sie ihren Körper Tag für Tag wildfremden Männern zu verkaufen hatte, nur um danach weggeworfen zu werden wie ein zerkautes Stück Fleisch, dem kein Aroma mehr innewohnte? Ihr Zorn war verständlich, ihre Verzweiflung nachvollziehbar, doch die Konsequenzen, die sie daraus zog, waren fatal.
Obwohl die gleichen Bilder zum zweiten Mal vor seinem inneren Auge abliefen, als sie ihr Angebot wiederholte, fiel es ihm dieses Mal leichter, diesem zu widerstehen. Sein Griff um ihre zierlichen Handgelenke hatte sich in keiner Sekunde auch nur gelockert.


?Verstehen Sie doch, Lonnyala! Es wird keine Belohnung geben, für Sie nicht und auch nicht für mich, wenn ich Ihnen helfe! Ich kenne die Methoden des Imperiums, oder des organisierten Verbrechens, wenn Sie tatsächlich beabsichtigt haben sollten, dieses als Mittelsmann einzuschalten, an lukrative Informationen zu kommen! Keinen lumpigen Dezicred wird man Ihnen geben? man wird Sie auspressen wie eine überreife Sonnenfrucht, Sie vielleicht den Handlangern hinwerfen, damit diese noch ihren Spaß haben? und dann wird man Sie töten! Ist das die Alternative, die Sie sich wünschen??

Er zog sie näher an sich heran und sah ihr eindringlich in die fast hinter ihren künstlichen Wimpern verborgenen Augen. Sie musste doch begreifen!

?Sie haben sich auf Dinge eingelassen, die mehrere Nummern zu groß für Sie sind! Ich verstehe Ihren Wunsch, einen Weg zu finden, der Sie hier herausbringt, doch das ist er nicht! Dieser Weg führt Sie nur an ein Ziel? in den Tod.?

Seine Stimme hatte jetzt einen fast flehentlichen Tonfall angenommen. Ihm war gleich, ob diese aufreizende Frau dies als Schwäche auslegen, doch er würde nur auf Gewalt und seine Waffe zurückgreifen, wenn ihm keine andere Möglichkeit blieb.

?Ich möchte Ihnen helfen, Lonnyala! Ich kann Ihnen nichts versprechen, aber wenn Sie jetzt mitkommen, werde ich mit Sarah reden? damit Sie gehen können, mit genügend Geld, um auf einem anderen Planeten einen Neunanfang zu machen! Weit weg von Coruscant, weit weg von all den Erinnerungen, die Sie haben mögen. Und Sie müsste nicht einmal das Gefühl haben, andere verraten und dem sicheren Tod ausgeliefert zu haben.?

Der Blick, mit dem er sie bedachte, wurde jetzt fast weich und liebevoll. Jeder verdiente seine Chance? auch Frauen wie Lonnyala. Vielleicht besonders die.

?Und dann werden Sie sich nie wieder einem Mann hingeben müssen, für den Sie nichts empfinden.?

[Coruscant, Elendsviertel, zwischen den Drecklöchern nahe des ?Lilys for Jenny?]- Cris, Lonnyala, Kim Saya
 
- Coruscant ? City ? Nathaniels Appartment ?

Nathaniel war bereits wieder da, als sie am Morgen in die Küche geschlurft kam, allerdings trug er noch die gleichen Sachen wie gestern. Zeit zum Umziehen hatte er anscheinend noch keine gehabt. Er aß im Stehen einen Jogurt mit frischen Früchten. Bei seinem Date hatte er wohl kein Frühstück bekommen...

?Guten Morgen! Na, gut geschlafen??

Begrüßte er sie gut gelaunt. Akemi lächelte schwach und tat so, als sei sie noch ziemlich müde.

?Ja, danke. Und du? Ich meine, wie war?s bei dir??

Er sah nicht so aus, als wäre er zu besonders viel Schlaf gekommen und sobald sie ihre Frage gestellt hatte, erschien auch schon ein breites Grinsen auf seinem Gesicht.

?Och, ganz gut.?

Das war natürlich eine völlige Untertreibung, zu hören in seinem Tonfall und zu sehen in seinem Gesicht. Akemi rollte mit den Augen und griff ebenfalls nach dem Jogurt.

?Erzähl schon.?

Forderte sie ihn auf. Nach seinem Gesichtsausdruck zu schließen würde er gleich platzen, wenn er nicht darüber reden durfte. Scheppernd stellte Nathaniel die Glasschüssel, die er in der Hand gehalten hatte, auf dem Küchenschrank ab.

?Es war? toll. Echt toll. Sie ist toll!?

Schoss es aus ihm heraus. Akemi schnitt einen Apfel klein.

?Wir haben uns letzte Woche bei Dan kennen gelernt. Wow.?

Er verstummte und schaute irgendwie geistesabwesend gegen die weiße Tapete. Akemi legte das Messer bei Seite, stemmte eine Hand in die Hüfte, drehte sich zu ihm und sah ihn fragend an. Nathaniel bewegte sich nicht. Erneut rollte sie mit den Augen.

?War das alles??

Fragte sie ungeduldig.

?Wow??

Mit einem verständnislosen Ausdruck in den Augen sah sie Nathaniel nun wieder an.

?Was ist denn los mit dir??

Fragte er ärgerlich. Akemi wandte sich ab, fuhr sich durch die Haare und griff wieder nach dem Messer, um den Rest des Apfels zu schneiden.


?Gar nichts.?

Antwortete sie betont gelassen.

?Ich habe nur schlecht geschlafen, tut mir leid.?

?Hmpf.?

Machte Nathaniel und schob sich einen weiteren Löffel seines Jogurts in den Mund. Eine Weile sagte keiner etwas von ihnen, bis Akemi schließlich das klein geschnittene Obst in ihren Jogurt untermischte, sich einen Löffel nahm und das ganze umrührte. Sie hatte keinen Grund Nathaniel gegenüber so bissig zu reagieren. Er hatte ihr nichts getan und sie freute sich wirklich für ihn, wenn er ein tolles Mädchen kennen gelernt hatte. Es war nur? nun, er konnte darüber reden. Seufzend sah sie ihn an.

?Tut mir leid.?

Entschuldigte sie sich.

?Ich habe wirklich nur schlecht geschlafen. Weiß auch nicht warum. Erzählst du mir jetzt mehr??

Sie setzte einen bettelnden Blick auf. Nathaniel verzog etwas den Mund.

?Hmpf.?

Wiederholte er. Akemi lachte.

?Jaaaa, wirklich, sehr informativ!?

Rief sie und boxte ihn in die Seite. Nathaniel grinste.

?Okay,?

gab er nach und sein Lächeln wurde immer breiter

?aber diesmal musst du auch wirklich begeistert sein.?

Forderte er. Akemi nickte eifrig. Sie würde sich Mühe geben.

- Coruscant ? City ? Nathaniels Appartment ? Mit Nathaniel -
 
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