Coruscant

Coruscant, Jedi-Tempel - Notfallgeneratorraum - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes


“Notfallgenerator? Heiliger Berg…”


Wiederholte Tara leise vor sich hin, denn beides passte für sie nicht wirklich sofort zusammen.


“Heiliger Berg? Meister...kannst du mir mehr davon erzählen? Ich habe davon nie etwas gehört. Vielleicht finden wir einen ähnlichen Kristall im Inneren des Berges oder können ihn durch positive Energien der Macht im Inneren wieder reaktivieren. Schon alleine hier im Tempel spüre ich stark die Macht...vielleicht ist es im Inneren des Berges noch intensiver und funktioniert als Ladestation, wenn der Kristall seine Kraft aus der Macht zieht.”


Äußerte sich die Togruta nachdenklich und sah dann schockiert zu Ribanna, die gerade wegen Ratten aufschrie. Tatsächlich wuselten plötzlich mehrere Bohrratten mit spitzen Hauern und Stacheln durch den Raum und verschwanden zugleich wieder im durchgefressenen Stahlbeton.


Wie widerlich…. aber sind die nicht normalerweise größer? Im Holonet auf Naboo habe ich mal eine Reportage über Coruscants unbeliebte Bewohner gesehen. Bohrratten können bis zu 2 Meter groß werden und leben normalerweise in den untersten Ebenen von Coruscant. Sie zerstören Wände von Gebäuden, denn ihre Klauen und Zähne sind so scharf, dass nicht einmal Stahl sie aufhalten kann. Wenn wir jetzt hier drin eine Plage haben…. ohje der schöne Tempel!”


Bedauerte und erklärte Tara den Anwesenden und schüttelte sich vor Ekel einen Moment lang und zuckte dann zusammen, als durch den Eingang etwas hereingeflogen kam, durch den sie auch gekommen waren. Zunächst glaubte sie, eine größere Bohrratte würde sich nun zu ihnen gesellen und die Togruta verzog bereits das Gesicht und ihre Lekku.


Ribanna….ich kann deinem Schrei nur Beipflichten! Die sind widerlich! Wieder ein Grund mehr, weshalb es gut gewesen war, warum ich meine Tochter nicht mitgenommen habe.”


Tröstete und pflichtete sich Tara selbst bei. Doch es war keine irrationale, fliegende Bohrratte, die ihnen einen summenden Besuch abstattete, sondern eine Sonde. Jene zeigte sich zuerst mit einem Lichtkegel von dessen Lampe und dann den Runden, glänzenden Körper des Droiden. Jener flog um sie herum und gab komische Geräusche von sich, als wäre es Maschinensprache und schien dann den Raum weiter zu untersuchen.


“Von wem ist die Drohne?”



Fragte Tara sichtlich irritiert.


Coruscant, Jedi-Tempel - Notfallgeneratorraum - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes

Dieser Ort schrie nach Heimat. Radan schwieg eine ganze weile. Er hatte den Jedi Tempel nie gesehen. Sein Vater hatte hier seine Ausbildung gemacht. Radans eintreten im Orden fand viel später auf Coreilia statt zu jener Zeit war Corusant schon verloren. Sein Vater hatte von diesen Ort geschwärmt. Radan wollte immer ein guter aufoferungsvoller Sohn sein und nun kam es ihn vor als wäre er zuhause. Auf eine seltsame Art. Der Schmerz dieser Erkenntnis war ohne Bedeutung, nachdem er seinen Sohn und auch seinen Vater getötet hatte. Den einen Direkt den anderen mit Zustimmung. Radan hatte geglaubt den Tempelö einfach betreten zu können. Das es ihn nichts ausmachen würde, doch er hatte sich geirrt. Er konnte jetzt noch die Präsenz seines Vaters spüren. Er wusste das es unmöglich war. Er war schon lange Tod. Er konnte nichts spüren was Lars zurückgelassen hatte. Doch er konnte es nicht beschreiben. Diese Gedanken behagte den älteren Jedi nicht. Den er verband ihn gleichzeitig mit den inneren Schmerz vor dem er schon so lange davon lief. Er musste mit Alisah darüber reden. Doch jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt dafür.

Radan musste an Corelia denken. An seine Ausbildung bei Wes. Wenn er ehrlich zu sich selber war hatte er Anfangs nicht viel mit Wes anfangen können. Er hatte nie offen Rebeliert. Doch der junge war von einer Kriegerischen Welt gekommen nicht um ausgebildet zu werden, sondern in erster Linie nach Hilfe zu rufen. Als ihn diese verwehrt wurde hatte er Wes sogar eine Zeit lang gehasst. Nach einiger Zeit inneren Widerstands gegen den Orden an sich hatte Radan eingesehen das sein innerer Widerstand nicht nur aufreibend war sondern letzedlich auch Sinnlos. Vielleicht war es dieser Weg den die Macht für ihn bereit hielt. Wes war letzendlich tatsächlich ein Weiser und stehts geduldiger Lehrer der es auf trefflichste Verstand seine Lebenserfahrung und Kampfkunst an Radan weiterzugeben. Wenn Radan zurück blickte musste er gestehen das es fast so etwas wie der Beginn seines bewussten Lebens gewesen war, als sich Wes seiner angenommen hatte.

Es hatte auch noch einen anderen Anfang gegeben nachdem er den Orden verlassen hatte und zu den Sith ging. Aus seiner Entäuschung heraus das seine Welt im Krieg versank und sich seine Familie gegenseitig umbrachte. Es war seine erste Prüfung im Sith-Orden bei der er fast gestorben wäre. Während andere Sith ihn für Schwach hielten schien sich Alisah für ihn zu interessieren und gemeinsam waren sie sogar auf einen Ball gegangen. Er hatte sich in sie verliebt. Sie liebte ihn. Das alles war lange her. Ihr Band hielt und hatte sie beide in den Schoss des Jedi-Ordens geführt. Radan zurück und Alisah die ihn folgte. Radan sprach es nicht aus, doch es machte ihn zu schaffen das es ihm nicht gelungen war Alisah damals zu überzeugen ihn zu begleiten. Er hatte sie auch nicht vor den Missandlungen des Imperators schützen können. Schmerz stand für einen Moment in Radans Augen. Es war die Ironie des Lebens das Alisah ihn nichts vorwarf auch wenn sie das Recht dazu hatte. Er blickte zu Wes. Bekam mit das er Rick testete an seiner Statt.

"Du musst es nicht Tun Rick nicht jetzt"


Er konnte sich vorstellen was dieser Junge in diesen Moment durchmachte. Dies hier war der Jedi-Tempel. Konnte Rick den Abdruck seines Vaters vielleicht so spüren wie Radan den seinen? Plagten ihn vielleicht Erinnerungen? Radan konzentrierte sich auf das hier und jetzt. Er legte fast zarghaft seine Hand in die von Alisahs. Sie würde den inneren Kampf spüren vermutlich tat sie das bereits. Er schenkte ihr ein geqüältes Lächeln.

"Es ist zu früh von dir großtaten zu erwarten Rick. Ich bin stolz auf dich wie du auf den Schiff reagiert hast. Womöglich hat uns das dass Leben gerettet. Doch selbst wenn du versuchst diesen Hebel umzulegen und es nicht schaffst. Zum Leben eines Jedis gehört es auch zu scheitern. Du willst gar nicht Wissen wie oft ich gescheitert bin und Wes in die Verzweiflung getrieben habe"

Erklärte er ruhig und legte den Jungen nun doch eine Hand auf die Schulter mit der anderen hielt er sich an Alisah fest. Es gab eine Zeit da hatte Radan gedacht das ihn die Jedi-Robe nie wieder passen würde. Doch jetzt hatte er seine Familie um sich und das genoss er wenn er ehrlich war.
Coruscant - Jedi-Tempel - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes
 
Coruscant, Jedi-Tempel - Notfallgeneratorraum - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes

Natürlich konnte man ein Lichtschwert auch als Beleuchtung einsetzen, zumindest wenn man nicht erwartete, viel zu sehen. Es ergab eben ein seltsames Licht, welches die Umgebung in die Farbe des jeweiligen Kristalls tauchte. Es sah ziemlich ungewohnt aus und war recht duster, aber es ging, obwohl es quasi ein Stück weit eine Entweihung der Jedi-Waffe war. Wenn man sich in einem riesigen, verwinkelten Gemäuer zurechtfinden wollte, war man in jedem Fall mit einem Leuchtstab besser dran.

»Tja, was würde wohl aus all den Padawanen werden, wenn ihre Meister nicht daran denken würden, vorsichtshalber extra Ausrüstung für sie einzupacken, weil ihnen das seltsamerweise vor den Missionen immer entfällt,«

Frotzelte Wes, der das in seiner Karriere schon gefühlte hundertmal erlebt hatte. Ribanna war da keine Ausnahme, sondern eher die Regel und er gab ihr einen übrigen Leuchtstab aus seiner reichhaltigen Werkzeugkiste. Nicht, dass die Menschin von Chalacta noch die engen Treppen hinunterpolterte.

Unten an ihrem Ziel angekommen war es vielleicht schon zuviel Licht, so konnten sie das ganze Ausmaß der Unordnung und Zerstörung gut sehen. Gerade Ribanna schien an so eine Umgebung nicht gewohnt zu sein, es war ihr anzusehen, wie unwohl sie sich fühlte. Auch wenn es Tara nicht so viel auszumachen schien und Keeda und Duska sich zumindest nicht beschwerten, war Wes doch dankbar, dass sich Radan allmählich mehr um Rick kümmerte und ihn auch fühlen ließ, dass er bei ihm war und auf ihn aufpassen würde. Vielleicht arrangierte er sich langsam doch mit der Rolle als Meister des Jungen, das war im Grunde überfällig.

Tara fragte ihren Meister gerade über den heiligen Berg aus, den er erwähnt hatte, und schlug vor, den Kristall dort aufzuladen, wo die Macht vermutlich noch stärker war als hier. Bevor Wes aber etwas erwidern konnte, machte ein entsetzter Schrei Ribannas ihn auf ein ganz anderes Problem aufmerksam: Ratten gab es hier also auch noch, und nicht unbedingt die angenehmste Sorte, die man haben konnte. Sie querten den Raum und verschwanden in einem Loch, bevor Wes seinen Blaster gezückt hatte. Er sandte ihnen noch einige Schüsse hinterher und ein schrilles Quieken verriet ihm, dass er eine erwischt hatte.


»Sahen mir jedenfalls wie welche aus – nicht gerade die angenehmsten Hausbewohner, das stimmt. Um der Sache etwas positives abzugewinnen: die nächsten sind wahrscheinlich leichter zu treffen. Wichtig ist, dass wir alle Nester zerstören, die wir finden, und es schadet bestimmt nicht, die Biester selbst zu töten – aber lasst euch nicht beißen,«

Meinte der Taanaber augenzwinkernd und kam dann auf Taras Frage von vorhin zu sprechen.


»Der Jedi-Tempel wurde anfangs auf, und später um einen Berg herum errichtet, welcher schon von den Ureinwohnern Coruscants als heiliger Ort verehrt wurde. Ich weiß nicht, ob schon jemals eine Person sein Inneres betreten hat, aber ich weiß, dass man auf seiner Oberfläche wandeln kann, wenn man tief genug vordringt. Allerdings bin ich noch nie dort gewesen. Bei unserer Vertreibung von Coruscant war ich selbst noch Padawan und man hat uns nicht einmal so weit nach innen gelassen, wie wir uns jetzt befinden… da könnt ihr mal sehen, welche Ehre euch heute hier zuteil wird.«

Wes beabsichtigte insbesonders einen Seitenhieb auf Alisah, die es, offiziell ja nach wie vor Sith, eigentlich nicht wirklich verdient hatte, den heiligen Berg zu sehen. Speziell nicht, wenn man den Zustand in Betracht zog, in dem das Imperium den Tempel offensichtlich zurückgelassen hatte. Aber das nächste Problem schwirrte auch bereits um sie herum – es gab Orte in Lianna-Stadt, in denen sich weniger rührte als hier drinnen, wo eigentlich nur wenige ausgewählte Jedi etwas verloren hatten. Irgendeine Art Spürdrohne – es war offensichtlich nicht ihre, und außer dem Jedi-Orden hatte hier keiner etwas auszukundschaften. Der Jedi-Rat konzentrierte sich also folgerichtig auf die Macht, spürte schnell den kleinen Mechanismus und kleine Energien, die in seinem Inneren schnell hin- und hersausten. Mit einem mentalen Impuls überlud er das kleine Gerät, so dass es elektrische Überladungsblitze schlagend zu Boden fiel, wo Wes es aufklaubte.

»Es ist ein imperiales Modell, aber das muss nichts heißen. Mein Verdacht ist, dass noch jemand anderes außer Junkies hier sein Lager aufgeschlagen hat, und dieser Jemand weiß jetzt, dass wir hier sind. Seit extra vorsichtig von jetzt an!«

Riet Wes ihnen und wünschte sich, dass sie sich endlich einmal ohne weitere Störungen auf ihre weitere Aufgabe konzentrieren konnten. Er griff Taras Faden von vorhin wieder auf.

»Ich weiß wie gesagt nicht genau, wie man so einen riesigen Fokuskristall auflädt; aber es stimmt, die Macht ist wahrhaftig sehr stark hier und sie wird noch stärker werden, wenn wir uns zur Oberfläche des Berges aufmachen und das werden wir tun. Vielleicht finden wir dort einen Weg. Radan und Alisah, ihr bildet die Nachhut. Passt auf, dass uns niemand von hinten überrascht. Ihr Anwärter bleibt in der Mitte und versucht, die Macht wahrzunehmen, dieses Gefühl, wie es immer stärker und stärker werden wird. Tara, Keeda, eine von euch nimmt den Kristall mit. Ich gehe voran! Hui, das ist aufregend!«

Es hieß, dass man tatsächlich auf dem Berghang herummarschieren konnte und der Gedanke, dass sie das bald tun würden, wühlte ihn auf wie ein kleines Kind die Vorfreude auf den Lebenstag. Das steinerne Herz des Tempels! Das Zentrum der Jedi schlechthin! Aber so wie die Reise bisher lief wäre Wes nicht einmal überrascht, dort einen Bantha King vorzufinden.

Coruscant, Jedi-Tempel - Notfallgeneratorraum - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes
 
[ Coruscant – Obere Ebenen – Wingston Corporation – Penthouse ]

Alad Wingston hatte seit Jahren denselben unveränderten Tagesrhythmus. Oder zumindest sagte er sich das gern. An den Abläufen und der grundsätzlichen Struktur seines Tagesbeginns hatte sich in den letzten zwanzig Jahren tatsächlich nichts geändert. Aufstehen, ab in die Nasszelle, danach den Kaf aufsetzen, anziehen, bei der Tasse Kaf die neusten Nachrichten im Holonet lesen – zuerst Wirtschaft, dann Kultur – und schließlich nach einem knappen Frühstück hinunter ins Unternehmen. So war es seit Jahr und Tag und so würde es immer bleiben, wenn es nach ihm ging. Allerdings merkte er zu seinem eigenen Ärger, dass er zuletzt mit manchen Dingen langsamer geworden war und sich etwas mehr Zeit nehmen musste um seinen Körper und Kreislauf in Gang zu bringen. Die Nachrichten überflog er nicht mehr nur, sondern las sie ausführlicher, bis er merkte, dass er bereit für den Trubel im Büro war. Früher hatte ihm das nichts ausgemacht. „Zeit ist Geld“ – so war stets sein Leitspruch gewesen. Jetzt hatte Exodus ihn überflügelt. Sein Sohn war einer der ersten, der am Morgen die Geschäftsetagen betrat. Alad folgte immer erst später, nahm sich dafür aber die Zeit die meisten seiner Mitarbeiter persönlich zu begrüßen. Ein kleiner Luxus, den sein langsames Ausscheiden aus dem hektischen Berufsleben mit sich brachte. Nachdem er am heutigen Morgen geduscht hatte, freute er sich auf die Holonet-Nachrichten und insgeheim auch darauf, dass von ihm nicht mehr verlangt wurde, so früh wie sein Sohn im Büro zu sitzen. Vielleicht würde er sich sogar den Spaß erlauben zuerst den Kultur-Teil zu lesen und dann erst Wirtschaft …
Doch seine Freude wurde gebremst, bevor sie überhaupt Fahrt aufnehmen konnte, als er die Küche betrat. Denn da war sie wieder. Die Frau.

Sie saß im Sofa als wäre es ihre ganz persönliche Couch und ihr Wohnzimmer. Sie war hier nur ein Gast! Und zwar ein geduldeter, kein gewünschter. Alad tat so, als habe er sie noch nicht gesehen, sondern konzentrierte sich zunächst auf die Küche. Er wollte sich nicht in seinem eigenen Haus so fühlen müssen wie ein Fremder, doch diese Frau vermittelte ihm stets dieses Gefühl. Es gefiel ihm nicht, wenn sie hier war. Dabei war es nicht so, dass Alad seinem Sohn ein kleines Spielzeug missgönnte. Nach der Trennung von Yuna hätte es Exodus durchaus gut tun können, sich ein wenig abzulenken. Aber Giselle Givenchy hatte mehr Schaden verursacht, als sie Nutzen erbracht hatte. Die Frau hatte die Phase der Schwäche bei Exodus ausgenutzt um ihm den Kopf zu verdrehen. Sie stammte von irgendeinem Hinterwäldlerplaneten und wollte nun natürlich die Annehmlichkeiten in Anspruch nehmen, die Coruscant bot. Exodus war ihre Eintrittskarte in die Welt der Schönen und Reichen. Der Eklat auf dem Empfang hatte in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache gesprochen. Kaum war sie einen Tag hier gewesen, schon hatte sie es ins Boulevard geschafft. Was sonst wollte diese Frau, wenn nicht Aufmerksamkeit, Geld und Luxus? Exodus war bereit ihr all das und noch mehr zu geben – auf Kosten von guten Geschäftsbeziehungen, seines Rufs und der Möglichkeit Yuna noch einmal zurückzuholen. Mit Yuna hatten er Kinder, die beiden kannten sich seit Ewigkeiten und waren durch gute und schlechte Zeiten gegangen. Das war eine völlig andere Basis als Exodus und Giselle jemals haben würden. Aber das sah sein Sohn nicht. Und wenn die Vahla es sah, so versuchte sie ganz sicher Exodus von ähnlichen Gedanken fernzuhalten.

Nachdem er den Kaf mit der Linken gegriffen und einen kräftigen Schluck davon genommen hatte, führte sein Weg ihn üblicherweise zum Wohnzimmerbereich, wo er sich gemütlich niederließ und die Nachrichten las. Doch dort saß nun Giselle und so konnte er nicht mehr so tun, als habe er sie nicht gesehen.


„Hm.“

Ein Laut der Missbilligung, fast ein Grunzen, das ausdrücken sollte, dass er die Vahla wahrgenommen hatte – aber nicht gedachte ihr die üblichen Formen der Höflichkeit oder sonst irgendeine Freundlichkeit zukommen zu lassen. Giselle Givenchy hatte keinen Platz in diesem Penthouse oder überhaupt in den oberen Ebenen von Coruscant. Wenn Exodus ihr glauben machen wollte, dass es anders war, blieb es eben an Alad sie an diese Tatsache zu erinnern.

[ Coruscant – Obere Ebenen – Wingston Corporation – Penthouse | mit Giselle ]
 
Coruscant, Kellergewölbe im Jedi-Tempel, Notfallgeneratorraum: Tara, Wes, Ribanna; einige Schritte entfernt: Alisah, Rick, Radan, Duska, Keeda


Furcht und Ekel hatten Ribanna völlig im Griff und in ihren Bann gezogen und hielten sie von anderen Dingen ab. Sie fühlte sich verpflichtet, etwas Sinnvolles beizutragen, vermochte aber an nichts anderes, als an die Ratten zu denken. Ständig erschauderte sie und musste sich merklich schütteln. Dies wurde nicht besser, als Tara ihr beipflichtete und noch mögliche größere Exemplare der Ratten beschrieb. Bis zu 2m groß?! Könnten Stahl durchbeißen?!

„Wie bitte?!“,

rief Ribanna gequält, ängstlich und angewidert aus. Da hatte sie dem gigantisch großen Stadtplaneten entgegen gefiebert, sich in schicken Restaurants gesehen, hatte sich stilvoll den Jedi-Tempel durchschreiten sehen und war stattdessen in dunklen versifften, übel riechenden, mit Ratten vollgestopften Kellergewölben unterwegs! Das war´s ja wohl ! Sie nahm ihr Lichtschwert zur Hand und zündete es. Sollte so eine widerliche große Ratte hier entlang kommen, würde sie zuschlagen, denn sie war beim Training laut Brianna fürs Erste nicht schlecht gewesen. Sie würde doch wohl den Mut aufbringen, auf das Vieh einzuschlagen oder zumindest hoffte sie das und sprach sich Mut zu und glaubte daran und/oder redete sich das ein. Tara pflichtete ihr jedenfalls völlig bei und erklärte, dass sie froh war, ihre Tochter Nevis nicht mitgenommen zu haben.

„Ja, dieses Kellergewölbe mit den bissigen widerlichen Ratten und den vielen benutzten Spritzen und überhaupt dieses baufällige marode, vor sich hin verrottende Gebäude, dass eher einer Ruine als einem Tempel gleicht, wäre wirklich nichts für eine kleine Fünfjährige gewesen! Auf gar keinen Fall! Sie wird sicherlich stattdessen gerade etwas Schönes spielen oder basteln und dies alles in einem gepflegten Umfeld.“

Ribanna hatte den viel gepriesenen Jedi-Tempel so beschrieben, unverblümt und schonungslos, wie sie ihn wahrnahm. Eigentlich war dies gar nicht ihre Art, doch in so einem Umfeld hatte sie sich noch nie wieder gefunden und ihre Nerven lagen gerade blank.

Plötzlich sauste erneut so ein widerliches Exemplar von Ratte quer durch den Raum. Ribanna erstarrte zur Statue vor Angst und Schrecken. Angst, wohl das ursprünglichste aller Gefühle, kann motivieren oder lähmen und bei ihr war Letzteres eingetreten. Mit weit aufgerissenen Augen und total verschwitzt, mit beschleunigtem Puls und viel zu schneller Atmung, hyperventilierte sie schon fast, das Lichtschwert zittrig in der einen Hand, den Leuchtstab, den sie von Wes erhalten hatte, in der Anderen, mit schlackernden Knien, sah sie, wie es in einem Loch verschwand, wo es wohl nicht die einzige Ratte war. Wes griff zum Blaster und brannte ihnen einige Blasterschüsse auf den Pelz. Es klang so, als hätte er eines der Viecher getroffen. Zitternd beschloss Ribanna es ihm gleich zu tun und eher auf den Blaster zu setzen. Nicht das sie geschossen hätte, nein, aber sie tauschte Lichtschwert gegen Blaster aus, weil man so Distanz zu dem Ungeziefer halten konnte. Um mit dem Lichtschwert zu zu schlagen, musste man so ein Tier sehr nah an sich heran lassen oder aber heran treten und beides war definitiv keine Option für Ribanna. Wes meinte auch, dass man die Nester zerstören sollte. Das klang alles sehr einleuchtend! In der Theorie! Ob Ribanna da praktisch eine nützliche Hilfe sein würde, vermochte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sagen. Irgendwie war ihr gerade ein wenig schlecht. Vielleicht lag es an der Aufregung, an den widerlichen Ratten, an der Angst gebissen zu werden, vor dem Wes gewarnt und Ribanna sein Augenzwinkern schlicht ignoriert hatte, denn daran fand sie nichts lächerlich oder aber an dem strengen Geruch hier?!

Aus Furcht gesellte sich Ribanna so nah wie möglich zu Wes und Tara und bekam dadurch Wes seine Erklärungen auf Taras Frage, bezüglich des Berges und des Kristalls, welche sie mehr oder weniger beiläufig am Rande mitbekommen hatte, mit. Dabei hielt sie in der linken Hand den Leuchtstab vor sich, den Meister Wes zum Glück übrig gehabt, ihr allerdings mit einem gewissen Kommentar überlassen hatte und schwenkte ihn zitternd hin und her, um ja nicht zu verpassen, wenn sich wieder eine Ratte nähern sollte. Sie war aber auch tatsächlich wie eine Spaziergängerin aufgebrochen, weil ihr niemand gesagt hatte, dass sie Ausrüstung zusammenpacken sollten und selber nicht auf die Idee gekommen war, was von ihr im Nachhinein betrachtet, völlig absurd und töricht war.

Allerdings waren Wes seine Informationen sehr interessant, so dass Ribanna aufmerksam zu hörte und wesentlich ruhiger nach wenigen Minuten wurde, was sich dadurch zeigte, dass sie mit dem Leuchtstab nicht mehr so wild herum schwenkte und jener nicht mehr so schrecklich stark in ihrer Hand zitterte und ihr Blick nicht mehr hektisch durch die Gegend streifte, sondern ruhig auf Wes ruhte. Allerdings wurde ihr kalt, da sie komplett durchgeschwitzt war und ihre Sachen nun nasskalt auf ihrer Haut klebten. Damit musste sie nun leben. Wes sprach von einem heiligen Berg, auf und um den der Jedi-Tempel gebaut worden war. Das war mystisch und ungewöhnlich. Die Anwärterin liebte solche Dinge und Geschichten. Tara hatte vorgeschlagen, soweit Ribanna das richtig mitbekommen hatte, den Kristall dort auf zu laden. Ob man dies dort tatsächlich konnte? Und wie? Dazu hatte Ribanna keinen blassen Schimmer, würde es aber ganz gewiss noch früh genug erfahren.

Plötzlich flog über ihren Köpfen etwas herum. Entsetzt duckte sich Ribanna spontan und hielt rasch schützend beide Hände mitsamt dem Blaster und dem Leuchtstab über ihren Kopf. Sie dachte zuerst an ein Tier, doch es stellte sich schnell heraus, dass es sich um ein technisches Flugobjekt handelte. Wes brachte das Objekt, welches sie wohl ausspionierte, mittels der Macht zu Fall. Es blitzte ein paar Mal grell bläulich leuchtend auf. Er erntete von ihr einen anerkennenden Blick. Wes sah sich das Flugobjekt genauer an und kam zu dem Schluss, dass es sich um ein imperiales Gerät handelte. Besorgnis und erneute Angst machten sich in der ehemaligen Tempeldienerin breit.


„Was hat das nur zu bedeuten?“

Doch Wes hatte ihre Frage bereits beantwortet, ehe sie zu ende gesprochen hatte. Eigentlich konnte sich dies jeder selber denken! Ribannas Frage war eher beim lauten Nachdenken raus gerutscht. Wes mahnte zur Vorsicht und Wachsamkeit!

Er war gleich darauf wieder total euphorisch und meinte, sie würden sich zum Berg und auf den Berg begeben und die Macht wäre hier schon unglaublich stark und würde noch stärker werden, doch Ribanna fühlte sich wie der dümmste Depp, denn sie spürte nichts, rein gar nichts, aber sagte lieber nichts, sondern reihte sich wie befohlen ein und lief hinter Wes, der voran ging und vor Tara und fühlte sich zwischen ihnen so einigermaßen sicher.



Coruscant, Kellergewölbe im Jedi-Tempel, Notfallgeneratorraum: Tara, Wes, Ribanna; einige Schritte entfernt: Alisah, Rick, Radan, Duska, Keeda
 
[Coruscant System | Orbit von Coruscant | Kampfverband 'Jela' | LTK "Massive" | Deck 1 | Quartier des Captains] Meister Agoch, Padawan Vajetsi


Das vorsichtig geschmorte Stück Bantha-Steak und die leicht karamellisierte, dunkle Soße schmeckten hervorragend, stellte Bru-Th anerkennend fest, ebenso wie die Beilage und das zarte Gemüse, welches von tiefgrüner Farbe und einer angenehm knackigen Konsistenz war. Um was es sich dabei handelte, vermochte der hochgewachsene Jedi Meister beim besten Willen nicht so sagen, doch spielte das eine Rolle, wenn es schmeckte? Bewusst gab er sich dem Essen hin und vermied allzu forsche Gesprächsvorstöße, die Levice zu einer Antwort nötigten, die sie vielleicht aus einem nicht hinterfragten Loyalitätsgefühl erwog, oder weil sie so sehr eine Ausbildung - gleich unter welchen Bedingungen - antreten wollte. Dass es der braunhaarigen Padawan nicht leicht fiel und sie über die Entscheidung sorgfältig nachdachte, war ein Zeugnis ihrer Intelligenz und Umsichtigkeit, notierte sich Bru-Th auf einer mentalen 'Haben-Seite'. Für ihr junges Alter, dachte Bru-Th, wirkte sie schon erstaunlich gereift und ging mit der Situation so verantwortungsvoll um, wie man es von einer Padawan zu Beginn ihrer Ausbildung nicht zwangsläufig erwarten konnte. Es imponierte ihm.

Als sie nach einigen Minuten des stillen Abwägens schließlich für sich eine Entscheidung getroffen hatte, legte auch Bru-Th das Besteck aus den Händen. Als Padawan Vajetsi schließlich zustimmte, schwoll ihm doch ein Stück weit die Brust und er nickte höchst erfreut, zugleich über seine eigenen Gefühle überrascht. Hatte es ihm etwa gefehlt? Es war lange her, dass er das letzte Mal einen oder eine Padawan ausgebildet hatte. Die Erkenntnis rollte über ihn hinweg, wie eine Welle, die alle Unklarheiten und Ausreden mit sich nahm. Ein Lächeln malte sich in sein Gesicht.

"Du hast die richtige Entscheidung getroffen, Levice", bekräftigte Bru-Th die Entscheidung der Padawan, faltete die Hände in einander und stützte seine Ellbögen auf dem Tisch ab, sodass er sich leicht vorbeugen konnte: "Auch für mich sind es besondere Umstände, musst du wissen. Soweit mir bekannt ist, schaffen wir in gewisser Weise einen Präzedenzfall, doch ich bin absolut willens, diesen mit dir bis zum Ende zu gehen. Lerne viel, trainiere hart und reihe dich in die Besatzung als wertvolles Mitglied ein, dann wirst du viel mitnehmen."

Bru-Th nippte erneut an seinem Glas corellianischem Whiskey, obwohl er es eigentlich nicht sehr schätzte, zu einer Mahlzeit Alkohol zu trinken. Er war schlicht der Ansicht, dass Alkohol den Geschmack des Essens irgendwie verzerrte und in den Hintergrund schob. Vielleicht aber auch hatte er in den letzten Jahren einfach zu gut gegessen? Sich aus seinen wenig zielführenden, spontanen Gedankengängen lösend, knüpfte er gedanklich wieder an der Frage von Padawan Vajetsi an, indem er darauf antwortete:

"Ja, man darf gratulieren, doch zugleich ist es wohl, na wie sagt man, ein schlechtes Timing. Die Versetzung auf ein neues Schiff ist mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. Unzählige Konferenzen, Personalbeurteilungen und Inspektionsgänge sind die Folge, musst du wissen. Bis ein Schiff wirklich dienstbereit ist, können schnell Wochen verstreichen ... Wochen, die unser beider Terminplan sehr auf Trab halten werden",

gestand er der vor ihm sitzenden Padawan ehrlich. Dass die Endurance zudem nicht irgendein Schiff war, sondern das erste ihrer Art, ein sogenanntes Typschiff, erhöhte den Arbeitsaufwand zudem noch einmal beträchtlich, denn für viele Arbeitsabläufe gab es einfach noch keine Prozeduren oder jene, die vom Ingenieurscorps der republikanischen Flotte erstellt worden waren, mussten ihre Praxistauglichkeit erst noch unter Beweis stellen und ggfs. modifiziert werden. Doch zugleich freute Bru-Th sich darauf, denn es bedeutete eine besondere Ehre, dass man ihm das erste Schiff der Endurance-Klasse überantwortete.

"Aber ja, die Situation für dich ist günstig. Die Besatzung der Endurance wird gerade erst zusammengestellt. Es wird auch hier noch einige Zeit dauern, bis alle Versetzungsanträge und Versetzungen aufgrund einer Beförderung bearbeitet wurden und die über sechstausend Mann starke Besatzung vollzählig ist. Für dich, Padawan, ist die Situation günstig, weil du die Gelegenheit hast, dich in eine sich gerade zusammenfindende Crew integrieren zu können. Das ist wesentlich einfacher, als in ein eingespieltes Team zu stoßen, wo jeder seine Aufgaben und seine Kameraden kennt."

In bereits zwei Tagen, so der Befehl von Vizeadmiral Grellwitz, sollte er sich im Wukkar-System einfinden, um das Kommando über die Endurance zu übernehmen. Wie man es auch drehte und wendete, dachte Bru-Th, es würde eine Menge bis dahin zu organisieren geben, insbesondere für Ernest. Ihm tat der devot auftretende Mann bereits jetzt leid, doch zugleich wusste Bru-Th, dass er ohne dessen Hilfe diese organisatorische Mammutaufgabe wohl nicht würde stemmen können. Er seufzte leise, dann fiel sein Blick wieder auf Levice, die jedes seiner Worte aufsog, wie ein Schwamm. Er mutete ihr so unsagbar viel bereits jetzt zu, doch würde sich dies noch potenzieren, ahnte er, denn sie war flottentechnisch ein Neuling, ein Kadett bestenfalls. Von seinen Überlegungen ließ sich der hochgewachsene Corellianer jedoch nichts anmerken, als er kurzum erklärte, was möglichst schnell zu tun sei:

"Ich werde die nächsten zwei Tage sicherlich stark beschäftigt sein, doch auch für dich gibt es einiges zutun, junge Dame. Ernest wird dir für die Dauer ein Gastquartier zuweisen, in das du noch heute deine Habseligkeiten unterbringen solltest. Richte dich jedoch nicht zu sehr ein, denn in zwei Tagen wirst du die Massive mit mir zusammen schon wieder verlassen", begann Bru-Th zu dozieren, ohne es wirklich zu merken. "Morgen früh begib dich direkt zu Lt. Niosta auf Deck vier. Sie ist für die Personalplanung verantwortlich und wird dich einigen standardisierten Tauglichkeitstest unterziehen, um zu sehen, in welchem Aufgabenfeld deine Stärken liegen und wo es Sinn macht, dich zu schulen. Das wird einen Großteil des morgigen Tages dauern. Gegen Abend möchte ich dann sehen, wie weit deine Meditationstechnik voran geschritten ist. Du wirst morgen früh einen genauen Stundenplan in deinem elektronischen Postfach vorfinden. ... Wie gesagt, wir haben viel Arbeit vor uns, wir beide!"

Bru-Th lehnte sich wieder in seinen Stuhl zurück. Er wollte Levice von Anfang an klar machen, dass sie einen vollen Terminkalender haben würde, doch von ihm jegliche Unterstützung immer auch erhalten konnte. Dennoch lächelte er nicht, sondern schaute mit dem gebotenen Ernst drein, denn er erwartete zugleich ein hohes Maß an Professionalität. Genauso wie er selbst, würde Levice ein Aushängeschild des Ordens der Jedi sein. Bru-Th erwartete nicht weniger, als dass seine Padawan stets ihr Bestes gab, und vielleicht noch ein wenig mehr. Keinen geringeren Anspruch stellte er in Bezug auf ihre Ausbildung auch an sich selbst.

"Gut, wenn du keine weiteren Fragen hast, werde ich Ernest dann bitten, dich in dein Quartier zu begleiten. Verdaue erst einmal, was du soeben erfahren hast, Padawan."


[Coruscant System | Orbit von Coruscant | Kampfverband 'Jela' | LTK "Massive" | Deck 1 | Quartier des Captains] Meister Agoch, Padawan Vajetsi
 
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Coruscant, Jedi-Tempel - kleine Turbolifthalle - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes


Es dauerte nicht lange, bis sich alle vor dem engen Eingang des Treppenhauses versammelt hatten. Die Leuchtstäbe erhellten nur die ersten Stufen, bis die Dunkelheit jedwedes Licht verschluckte. Keeda verschränkte die Arme. Zwar überwog noch die Freude, den Orden erreicht zu haben, doch allmählich mischte sich in das überwältigende Machtbild Skepsis. Der Tempel hatte nicht nur gute Geschichten zu erzählen und die Wahrscheinlichkeit, mit einer der schlechten konfrontiert zu werden, stieg von Sekunde zu Sekunde.

»Ich für meinen Teil wäre nicht begeistert, wenn wir uns mangels Leuchtstäben nur mit dem Schein von Lichtschwertern durch das Gebäude tasten müssten“

fügte Wes an und die Togruta konnte ihm nur zustimmen, auch wenn ihr der Schein einer Lichtklinge lieber war, als gar nichts. Hier durch die Finsternis zu kriechen - nein. Sarlacc, nein!
Langsam machte sich die Gruppe an den Abstieg, wobei Tara die Führung übernahm. Eine Weile war nur das Klappern der metallenen Stufen zu hören, unterbrochen von gelegentlichem Krachen. Die Treppe war lange nicht mehr benutzt worden... Das machte den Abstieg nicht unbedingt besser.

Seufzend klemmte sich die Padawan das flimmernde Licht an den Gürtel und hielt sich an dem staubigen Gerüst fest. Angespannt folgte sie der Mittogruta und konnte alsbald nicht mehr erkennen, als die wenigen Zentimeter Stufen vor ihr. Es dauerte eine gehörige Weile, bis sich das enge Treppenhaus endlich öffnete und ein weiterer Raum zum Vorschein kam. Die Luft war trocken, stickig und schmeckte nach Staub.


„Wenn hier Fenster wären, müssten wir mindestens ein Jahr durchlüften“

kommentierte sie die Frage der Ärztin und hielt den Leuchtstab in die Höhe. Ein Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht. Der Saal war kreisrund und Generatoren flimmerten und summten, ein Sockel samt Kristall zierte die Mitte. Wenn das nicht einer der gesuchten Generatorenräume war... Gut, vielleicht verstaubt und dreckig, doch die Togruta war um jeden weiteren Anhaltspunkt froh.

Keeda lief weiter in den Raum hinein und stoppte, als ein unheilvolles Knirschen unter ihren Schuhen ertönte. Sie blinzelte, sah nach unten. Eine Spritze war unter ihren Füßen zerplatzt, lag nun zersplittert auf dem Boden. Ihr Blick folgte der Flüssigkeit, die von der Nadel tropfte und eine Pfütze gebildet hatte. Erst jetzt nahm sie den zugemüllten Grund wahr und blickte sich enttäuscht und wütend um. Man hatte den Tempel wohl bis zum kleinsten Detail hin entweiht. Angefangen mit den Malereien, dem verdreckten Zustand, über die zusammengestürzten Wände und die Überreste einiger Obdachlose, die hier augenscheinlich gehaust hatten. Leere Flaschen, Spritzen, Pillen und weitere nicht ganz so legale Gegenstände waren im Raum verteilt, der Kristall auf dem Sockel hatte wohl unlängst den Geist aufgegeben und plötzlich war Keeda froh, dass die Leuchtstäbe nicht alles auf einmal offenlegten.

Der Taanaber begutachtete indes die seltsame Energiezelle und erklärte, dass es sich um einen Fokuskristall handelte, der anscheinend direkt über die Macht Energie für den Tempel gewann. Gewonnen hatte. Interessiert trat Keeda näher, betrachtete die Oberfläche der handlichen Zelle, die rissig wirkte und nur noch trüb leuchtete. Zu gerne hätte sie das kleine Objekt in der Macht näher erforscht, doch jeglicher Versuch scheiterte, näher an die graue Präsenz heranzukommen. Es schien wirklich, als wäre der Kristall in Kontakt mit der anderen Seite gekommen...

»Der Jedi-Tempel wurde anfangs auf, und später um einen Berg herum errichtet, welcher schon von den Ureinwohnern Coruscants als heiliger Ort verehrt wurde. Ich weiß nicht, ob schon jemals eine Person sein Inneres betreten hat, aber ich weiß, dass man auf seiner Oberfläche wandeln kann, wenn man tief genug vordringt.«

Neugierig wandte sich Keeda zum Advisor und zog eine Augenbraue in die Höhe. Heiliger Berg? Ureinwohner Coruscants? Das klang alles ein wenig sehr mystisch, doch wo, wenn nicht hier im Tempel, sollte so etwas existieren? Wenn es diesen Ort wirklich gab, wäre es mehr als eine Ehre, ihn betreten zu können... und noch dazu würde das die Chance erheblich steigern, den Orden wieder bewohnen zu können, wie Tara anmerkte. Gerade wollte die Padawan Luft holen, da stieß Ribanna einen Schrei aus, der durch den gesamten Saal hallte. Erschrocken drehte sich die Togruta um, leuchtete zu der menschlichen Anwärterin. Der Grund für den Schrei war schnell ausgemacht: Einige Ratten huschten über den verdreckten Boden und suchten offenbar Schutz vor dem ungewohnten Licht und den Eindringlingen. Ribanna schien entsetzt und zielte zusammen mit Wes auf die Tiere, doch die meisten hatten sich wieder in ihren Höhlen verkrochen.

Keeda verschränkte die Arme.


„Und ich habe gedacht, man hätte wenigstens etwas Ehrfurcht vor dem Orden gehabt... Jetzt haben wir schon Obdachlose, eine Rattenplage, im besten Fall keinen Strom – wie sollen wir das bitte wieder sauber bekommen? Das erinnert mich eher an die Kloake in meinem Dorf, als an einen Tempel!“

Die Enttäuschung stieg und stieg, je länger sie sich hier aufhielt, aber was blieb ihnen übrig. Irgendwo mussten sie wohl anfangen... Auch wenn das nicht leicht werden würde. Immerhin war sie den Anblick von Ratten schon gewohnt. In Harvelle hatte es von den Viechern nur so gewimmelt und normalerweise waren sie größer gewesen, als die normalen Exemplare hier. Die Togruta hustete leicht – die Luft war wirklich nicht besonders frisch, eher angestaut, gemischt mit einem ekelhaft süßlichen Geruch – und wunderte sich, warum das Geräusch so elektrisch klang... Bis ihr die Drohne auffiel, die sich gerade summend in Richtung Gruppe bewegte. Alarmiert zuckten ihre Hände zu den Lichtklingen, doch da hatte Wes die kleine Maschine schon überladen und die Müllhalde war um eine Errungenschaft reicher. Sie waren also doch nicht ganz alleine. Falls die Drohne nicht ein vergessenes Überbleibsel war – auch möglich, doch Keeda mochte nicht so recht daran glauben.


Nun, sie konnten nicht ewig in dem kleinen Saal verweilen. Auf Wes Anordnung hin griff die Togruta nach dem Kristall und war überrascht von der Kälte und dem doch recht ansehnlichen Gewicht, das die kleine Energiezelle vorzeigen konnte. Vorsichtig befestigte sie den Kristall und beeilte sich, den Anderen aus dem Raum zu folgen.


„Ich frage mich ja immer noch, wie so ein Berg unter Tage auszusehen hat... Das würde ich wirklich gerne sehen.“

Dahingehend motiviert und von dem optimistischen Meister angespornt, schritt die Togruta hinter Tara durch einen weiteren, engen Gang und fragte sich, wie groß der Tempel eigentlich war.
Es würde sicherlich Tage dauern, wollten sie ans andere Ende gelangen, doch bisher schienen die Generatorräume auf dem Weg zu liegen. Solange die Macht die Wahrheit sprach und das war momentan so eine Sache... Es war ungewohnt, die Stimmen in einer solchen Maße wahrzunehmen und ihre Wahrnehmung war so unglaublich grell, dass die Togruta fast Kopfschmerzen bekam. Die einzelnen Details sprangen ihr regelrecht ins Auge, während andere Ecken in einem trüben Grau verblassten und die zerstörten Bereiche des Ordens hervorhoben.

Sie hatte noch nie etwas ähnliches gespürt und war sich nicht sicher, ob sie der Macht misstrauen oder das Unbekannte genießen sollte.



Coruscant, Jedi-Tempel - kleine Turbolifthalle - Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes
 
[Core Worlds | Coruscant-System | MC30 Halcyon, Brücke | Aldor Garnik und Brückencrew]


Es war schwer zu sagen, ob sich die Lage im Orbit wirklich beruhigt hatte oder ob sie immer noch so angespannt war. Aldor war auch kein Jedi, denen man nachsagte, solche Stimmungen spüren zu können. Nein, er war nur ein Schiffskommandant und als solcher bestand seine Aufgabe gerade darin, zu warten, auf was würde er gerne selbst wissen. Seit dem Gefecht mit dem Admiral war noch nicht viel Zeit vergangen, aber seit der Konvoi der offenbar Abtrünnigen in den Hyperraum gesprungen war, ging der kurzfristig gestörte Verkehr wieder seinen gewohnten Gang, bis auf den Imperialen Verband, der im System war und dort alle Augen und Ohren nach Feinden offen hielt.

Sicherlich waren Kriegsschiffe für die Bewohner kein seltener Anblick, dennoch war es sicherlich den wenigsten entgangen, das die grauen und kalten Sternenzerstörer des Imperiums den kleineren und organischer wirkenden Schiffen der Republik gewichen waren.

Aldor war immerhin nicht mehr nervös. Zwar war er noch angespannt, wie der Großteil seiner Crew, doch das war es auch schon. Viel mehr Gefühle regten sich aktuell nicht in ihm. Die anfängliche Freude, das Gefecht überlebt zu haben waren ebenso wie seine Nervosität und Unsicherheit gewichen. Ein wenig kam er sich vor, wie ein erwachsenerer Kommandant, dennoch wollte er sich nicht irgendwelchen Hochgefühlen hingeben.

Doch seine Gedanken wurden jäh durchbrochen, als ihn die Stimme von Lieutenant Amon zurück auf die Brücke der Halcyon holte.

"Commander, da ist gerade ein kleines Schiff ziemlich nah vor uns aus dem Hyperraum gesprungen!", ließ dieser nervös verlauten.

"Das Schiff ruft uns auf einem abgesicherten Kanal", meldete sich sofort darauf Lieutenant Niedo.

Aldor schreckte ein wenig in seinem Sessel hoch und begab sich in eine aufrechte Haltung.

"Stellen sie es durch! Und identifizieren sie das Schiff!", rief er ebenfalls ein wenig angespannt.

Was hatte das wohl zu bedeuten? War es nur ein Zufall, dass das Schiff so nah an der Halcyon aus dem Hyperraum getreten war? Oder war es bewusst geschehen.

Plötzlich ertönte eine gesichtslose Stimme aus seinem Holotisch.

"Commander Garnik, Neu Republik Geheimdienst. Bitte öffnen sie uns einen ihrer Hangars, wir werden unverzüglich landen!", sagte die vermutlich männliche Stimme knapp aber bestimmt und unterbrach die Verbindung sofort wieder.


"Öffnen sie unseren Hangar für das Schiff. Wissen wir jetzt um welchen Typ es sich handelt?"
, rief er über die Brücke.

"Sir, es handelt sich um einen HWK-290, keine militärische Kennung! Die Kennung ist zivil und lautet Sierra-eins-eins-sieben", antwortete wieder sein Sensorikoffizier.

"Nun gut, dann schicken sie ein Empfangsteam aus vier Marines, die die Ankömmlinge auf die Brücke geleiten sollen", ordnete Aldor an.

Er war jetzt ein wenig nervös. Was wollte der Geheimdienst denn auf seinem Schiff? Und so wie es aussah, war der gewagte Hyperraumsprung bewusst gemacht worden. Ein Manöver, das einen äußerst erfahrenen Piloten und genaue Koordinaten seines Schiffes erforderte.

Doch zuerst hieß es warten. Aldor blickte stumm geradeaus, während ihm seine Offiziere meldeten, dass das Schiff gelandet war und es von einem Mann verlassen worden war, der jetzt von zwei Marines auf die Brücke begleitet wurde. Somit würde es nicht mehr lange dauern, bis sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber standen.

Das Zischen des Turboliftes ließ Aldor unvermittelt aufstehen und sich hinter seinen Sessel stellen, sodass er den Mann mittleren Alters beobachten konnte, wie er, flankiert von zwei Marines, auf ihn zu kam.

Wortlos zeigte er ihm einen Ausweis und authentifizierte sich.

"Commander Garnik, ich muss sie unter vier Augen sprechen!", erhob der Agent das Wort, ohne ihn auch nur zu begrüßen. Als Aldor seine Stimme hörte, war er sich ziemlich sicher, dass es sich hier auch um denjenigen handelte, der den ersten Funkspruch des Shuttles abgegeben hatte.

Aldor nickte bedächtig.

"Folgen sie mir bitte, Agent", sagte er höflich und deutete in Richtung des Turboliftes. Der Agent nickte zustimmend und folgte dem Commander sogleich.

Aldor hatte sich dafür entschieden, mit dem Agenten in seiner Kajüte zu sprechen. Zwar gäbe es auch ein paar Briefingrooms, die in den unteren Stockwerken des Brückenturms untergebracht waren, doch Aldor zog die Privatsphäre seiner eigenen kleinen vier Wände in diesem Fall vor und so führte ihr Weg zurück in den Schiffsbauch und zu Aldors Kajüte.

Als sich die Tür zu seiner Kajüte nach einem stillen Marsch vor ihnen auftat, deutete Aldor sofort auf seinen Schreibtisch, vor dem ein paar Besuchersessel standen.

"Setzen sie sich bitte", forderte er sein gegenüber höflich auf.

Der Agent tat wie ihm geheißen und wartete, bis auch Aldor sich gesetzt hatte.

"Commander Garnik, wie ihnen sicher bekannt ist, führt die Senatorin von Corellia, Casia de Lieven, aktuell die Verhandlungen über die Übergabe des Systems mit der Sektorverwaltung des Imperiums, wobei ihr Commodore Ven zur Seite steht. Auch wenn es hier andere Meinungen gibt, hielt es der Kanzler für nötig und gerechtfertigt, der Senatorin ein sicheres Fluchtmittel von der Planetenoberfläche zu garantieren. Dies war unter anderem einer der Gründe, warum ihr Schiff so kurzfristig nach Wukkar entsandt worden war. Der Kanzler hatte sich also auf inoffiziellem Wege an den Geheimdienst gewandt um alles zu gewährleisten. Darum bin ich jetzt hier. Ich konnte sie leider nicht früher aufsuchen, da ich anderweitig beschäftigt war. Um nicht weiter aufzufallen, werden sie sich dem Stab der Senatorin als Berater anschließen, nachdem sie ihre Fregatte auf der Planetenoberfläche in der Nähe von Imperia Fünfhundert gelandet haben!", kam der Agent gleich zur Sache.

Aldor war erschreckt. Er sollte tatsächlich auf dem am dichtesten besiedelten Planeten der Galaxis eine Fregatte von dreihundertfünfzig Metern Länge landen? Das konnte der Agent doch nicht ernst meinen? Doch sein Gegenüber schien nicht im geringsten an einem Scherz interessiert zu sein.

"Haben sie noch Fragen, Commander?", erkundigte sich der Agent.

"Wie soll ich das denn bitte anstellen?", platzte es ein wenig geistesabwesend aus ihm heraus, was ihm einen verwirrten Blick des Agenten einbrachte.

"Nun ja, sie werden sich einen Landeplatz von Coruscant Overwatch zuweisen lassen und dann dass machen, was man bei der Landung eines Schiffes eben so macht!", antwortete der Agent etwas ungehalten.

"Verstanden, Sir!", antwortete Aldor nun, wobei er immer noch das gesagte begreifen musste.

Der Agent griff währenddessen in die Innentasche seines langen Mantels und legte eine verschlüsselte Nachricht auf den Tisch.

"Übergeben sie diese Nachricht Senatorin de Lieven und wirklich nur ihr!", sagte er noch, dann erhob er sich.

"Viel Glück, Commander!", sagte er und drehte sich daraufhin um, um in Richtung Tür zu gehen.

Aldor hingegen saß immer noch ein wenig benommen auf seinem Stuhl und machte keine Anstalten aufzustehen, selbst dann nicht, als die Tür sich vor dem Agenten öffnete.

"Bringen sie den Agent zurück zu seinem Schiff", war das einzige, was Aldor quer durch seine Kajüte rief, bevor sich die Tür wieder zischend schloss.

Das war doch Wahnsinn! Er sollte die Halcyon in die Atmosphäre Coruscants fliegen und dann auch noch landen? Was war nur in den Geheimdienst gefahren.

Eigentlich sollte er zurück auf die Brücke gehen, doch er brauchte noch einen Moment der Ruhe, um seine Fassung wieder zu erlangen und das Ganze zu verarbeiten. Er würde jetzt also bald mit der Halcyon auf Coruscant landen? Unglaublich, sich das vorzustellen.

Langsam fasste er sich wieder und raffte sich auf. Er hatte einen Befehl bekommen und er würde ihn ausführen. Er hatte die Schlacht überstanden, da würde das ja wohl ein Kinderspiel werden. Er verdrängte auch den letzten Rest Zweifel aus seinen Gedanken und verließ seine Kajüte um sich zur Brücke aufzumachen.

Als er sie wieder betrat, waren sofort, als einer der Wachhabenden Marines "Kommandant auf der Brücke!" gerufen hatte, alle Augen auf ihn gerichtet.

"Mister Rehal, ich übernehme das Kommando. Ist das Shuttle des Geheimdienstes schon gestartet?", ertönte Aldors Stimme, fest und gefasst.

Sein Erster Offizier trat zu ihm, während er sich in die Mitte der Brücke zu seinem Sessel und seinem Holotisch aufmachte, von denen aus er einen Überblick über die Navigations-, Kommunikations- und Sensorikkonsolen hatte, die ein wenig tiefer vor ihm lagen und ebenfalls einen Panoramablick hinaus in den Weltraum genoss.

"Sir, das Shuttle hat vor wenigen Minuten abgedockt. Alle Stationen sind immer noch in Alarmbereitschaft und die Schilde hochgefahren", übergab der andere Mon Calamari Aldor das Schiff.

"Verstanden, danke, Mister Rehal", nickte Aldor zustimmend. "Steuermann, wenden sie die Halcyon, wir werden landen. Ich will sobald wir in der Atmosphäre sind eine Verbindung zu Coruscant Overwatch!", gab er nun voller Tatendrang Befehle, während er immer aufgeregter wurde.

Es dauerte daher kurz, bis ihm auffiel, dass es um ihn herum still geworden war. Alle Augen waren wieder auf ihn gerichtet.

"Meine Herren, spreche ich Huttisch? Sie haben ihre Befehle bekommen, also führen sie sie aus! Alle Stationen bleiben in Bereitschaft und die Schilde bleiben hochgefahren!", fuhr er seine Mannschaft ungeduldig an.

So ein Verhalten kannte er von sich eigentlich noch nicht, aber es hatte sich in den letzten Stunden einiges bei ihm verändert.

Während es auf der Brücke nun wieder gewohnt geschäftig zuging, setzte er sich in aller Ruhe in seinen Sessel und fixierte den Weltraum, während sich die Halcyon gemächlich in Bewegung setzte um sich um ihre eigene Achse zu drehen.

"Eine Verbindung zur Prometheus, bitte", rief er über den Geräuschpegel hinweg, um sich verständlich zu machen.

Kurz darauf stand die Verbindung.

"Hier spricht Commander Garnik von der MC30 Halcyon, ich habe von Geheimdienst soeben neue Befehle erhalten und werde nun auf der Planetenoberfläche landen", erklärte er dem Kommunikationsoffizier an Bord des MC90 und unterbrach sofort die Verbindung wieder, weil er keine Lust auf Diskussionen hatte.

Währenddessen konnte er beobachten, wie langsam die braun-rote Oberfläche Coruscants immer mehr Fläche des Panoramafensters ausmachte.

Zwar hielt er das ganze immer noch für Wahnsinn, aber er musste nun mal seine Befehle ausführen.

Mittlerweile nahm der Stadtplanet nun das gesamte Blickfeld der Brücke vor ihnen ein.

Wie weit sie wohl von der Atmosphäre entfernt waren? Sicherlich nur ein paar tausend Kilometer oder sogar weniger.

Die Halcyon beschleunigte langsam auf eine moderate Geschwindigkeit, schließlich eilte es nicht.

"Eintritt in die Atmosphäre in etwa fünfzehn Minuten!", rief nun irgendjemand in das allgemeine Gewirr aus Geräuschen. Aldor konnte nicht direkt ausmachen, um wen es sich handelte, es war ihm aber auch aktuell nicht so wichtig, viel wichtiger war, dass die ganze Sache nun Fahrt aufnahm und es jetzt eigentlich kein Zurück mehr gab.

Die Fünfzehn Minuten kamen Aldor viel länger vor. Es schien Stunden zu dauern und es wirkte fast so, als würde sich das Schiff nicht wirklich bewegen. Doch dann wurde die Halcyon plötzlich ein wenig durchgeschüttelt. Es war nicht heftig, nur ein permanentes, leichtes vibrieren, das dennoch nicht unbemerkt bleiben sollte.

Kurz darauf befand sich die Halcyon auf Coruscant.

"Commander, Coruscant Overwatch ruft uns", meldete sich Lieutenant Niedo.

"Öffnen sie einen Kanal!", befahl Aldor ungeduldig. Jetzt würde der eigentliche Moment der Wahrheit kommen. Wie würde die Verwaltung und die Luftüberwachung Coruscants darauf reagieren?

"Republikanischer Mon Calamari-Kreuzer, hier spricht Coruscant Overwatch, bitte identifizieren sie sich!", meldete sich eine männliche Stimme und auf dem Holotisch vor Aldor, erschien ein militärisches Gesicht, mit harten Zügen und kurzem Haarschnitt.

Aldor erhob sich und trat direkt vor den Holotisch, sodass sein Gegenüber ihn zu Gesicht bekam.

"Coruscant Overwatch, hier spricht Aldor Garnik, Kommandant der MC30 Halcyon und Commander der Neuen Republik. Ich erbitte Landerlaubnis in der Nähe von Imperia Fünfhundert!", antwortete Aldor.

"Ich bin Commander Riven Alest, Offizier im Militär seiner Majestät, dem Imperator. Wieso wollen sie landen?", stellte sich nun sein holographisches Gegenüber vor und fragte sofort unangenehm nach.

"Ich habe meine Befehle, Commander, wie so oft kenne ich die Gründe nicht, ich schätze aber, dass es sich hier um einen Auftrag mit politischer Tragweite handelt, da in dem besagten Gebäudekomplex die Übergabeverhandlungen stattfinden!", antwortete Aldor in einem eindringlichen und befehlenden Ton.

Der Commander schwieg und überlegte, doch man sah seinem Gesicht an, dass er mit Aldors Antwort nicht zufrieden war.

"MC30 Halcyon, halten sie ihre Position, bis ich mich an höherer Stelle rückversichert habe!", antwortete der Imperiale Offizier schließlich, wobei die Antwort für Aldor völlig unzureichend war.

"Steuermann, halten sie weiter Kurs. Mister Rehal, suchen sie einen geeigneten Landeplatz in der Nähe von Imperia fünfhundert", befahl Aldor, während er sein Mikrofon kurzzeitig stumm schaltete. Währenddessen konnte er beobachten, dass Commander Alest ebenfalls mit jemandem sprach.

Kurz darauf versteinerte sich sein blau schimmerndes Gesicht.

"MC30 Halcyon, halten sie ihre Position, oder ich werde sie dazu zwingen!", rief der Offizier wutentbrannt.

Aldor aktivierte das Mikrofon wieder.

"Commander Alest, mit welchen Mitteln wollen sie dies bezwecken? Admiral Jago hat sich als Verräter erwiesen und ist mit der Systemflotte geflohen und ansonsten befinden sich nur noch republikanische Schiffe im System", begann Aldor mit drängendem Unterton, um dann mit seinen Worten noch eindringlicher zu werden: "Hören sie, wenn sie eine Kampfhandlung gegen ein Schiff der Neuen Republik ausführen, dass in offizieller Mission unterwegs ist, gilt das als Bruch des Vertrages von Umbara! Also denken sie gefälligst nach, ob es hier für sie irgendeinen Sinn macht, ihre Jäger zu riskieren!"

Er merkte sofort, dass die Erwähnung des Vertrages gesessen hatte, der Imperiale Offizier zögerte und schien verunsichert. Er rief etwas zu anderen Personen, die sich bei ihm im Raum befanden und wandte sich dann wieder Aldor zu.

"MC30 Halcyon, landen sie in der Landebucht CH-fünf-sieben-neun, ich schicke ihnen ein Lotsenboot, dass sie einweisen wird", gab sich der Offizier geschlagen.

Aldor atmete erleichtert auf.

"Danke für ihre Kooperation, Coruscant Overwatch, MC30 Halcyon ende!", sagte er und beendete die Verbindung.

"Mister Rehal, übernehmen sie die Landung des Schiffes und die Kommunikation mit dem Lotsen. Bei jedweden Komplikationen rufen sie mich. Ich bin in meiner Kajüte!", kommandierte er nun seine Mannschaft.

Der schwierigste Teil des Landemanövers war gemeistert und nun hieß es, sich fertig zu machen um zu Senatorin de Lieven und Commodore Ven zu stoßen.

Er stand schon ein paar Minuten vor seinem einfachen Spind, doch er wusste immer noch nicht so recht, welche Uniform er anziehen sollte. Er schwankte zwischen seiner Galauniform und seiner besten Ausgehuniform.

Plötzlich ging ein Ruck durch das Schiff. Die Halcyon war tatsächlich auf Coruscant gelandet, es war nicht nur ein Traum gewesen.

Aus einer Laune heraus entschied sich Aldor für seine Ausgehuniform, die immer noch sehr elegant war, aber auch funktional aufgebaut war, und legte sie sich in Ruhe an.

Er überprüfte den Sitz seiner Uniform noch einmal im Spiegel und ging dann zu seinem Schreibtisch, wo der Umschlag, den der Agent hier gelassen hatte, immer noch von ihm unberührt an der gleichen Stelle lag.

Doch seine Hand drückte zuerst auf den Knopf, um Schiffsintern zu kommunizieren.

"Bitte machen sie ein RM-09 Shuttle mit einer Marines-Eskorte Abflugbereit. Und Mister Rehal, alle Stationen bleiben in Alarmbereitschaft!", sprach er in die Sprechanlage.

Zufrieden hörte er, dass ihm seine Befehle bestätigt wurden. Das Shuttle würde in wenigen Minuten bereit sein, um die etwa 50 Kilometer zu Imperia Fünfhundert zurück zu legen.

Aldor nahm sich nun endlich den Umschlag und klemmte ihn unter seinen linken Arm, dann verließ er das Zimmer um sich zum Hangar zu begeben.

Im Hangar angekommen war das Shuttle bereits bereit und zwei Marines warteten an der Einstiegluke auf ihn. Sie waren mit jeweils einer Blasterpistole bewaffnet, was Aldor als gute Wahl befand, da es so eine Bewaffnung garantierte, aber nicht zu viel Aufmerksamkeit wie ein Blastergewehr auf sich zog. Weiterhin hatten sie ebenfalls wie Aldor etwas edler Uniformen angelegt.

Er erwiderte den Salut der beiden und bestieg das Schiff, während ihm die beiden Soldaten kurz darauf folgten und die Luke verriegelten.



[Core Worlds | Coruscant-System | Coruscant | MC30 Halcyon, Hangar, an Bord eines RM-09 Shuttles | Aldor Garnik und Shuttlebesatzung]
 
[Coruscant, Untere Ebenen]

Die berühmten Wolkenkratzer Coruscants glitzerten im schwindenden Licht der sich von diesem Teil des Planeten abwendenden Sonne wie sie es immer taten, ungehindert selbst von der Wolkendecke, über die sich die höchsten der künstlichen Bauten des Stadtplaneten längst erhoben hatten, und unbeeindruckt selbst von den bemerkenswerten Geschehnissen, die sich derzeit um den Planeten herum abspielten und mit denen eine Epoche scheinbaren Friedens innerhalb der Galaxis eingeläutet werden sollte.

Unterhalb der Wolkendecke tobte eines von Coruscants gefürchteten Gewittern, ein Phänomen, das sich ebenso schnell bilden wie wieder zerstreuen konnte und neben gefährlichen Blitzen öligen Regen über die zerklüftete urbane Landschaft ergoss – je tiefer, desto höher der Anteil am Schmutz im Regenwasser und desto weniger ratsam, sich diesem ungeschützt auszusetzen. Und ganz unten, wohin auch die kräftigsten Sonnenstrahlen nicht mehr vorzudringen vermochten, im Schein der Neonleuchten und vereinzelten Feuer, ob aus Industrieanlagen, aufgrund eines Unglückes oder aus zur Erwärmung entzündetem Abfall, gingen die Unteren Ebenen so gut wie unbeeindruckt ihren schmutzigen und nicht immer legalen Geschäften nach. Ob es das Imperium oder die Republik war, die die Ordnung repräsentierten, war vielen Akteuren von Coruscants Unterwelt relativ gleichgültig – doch eines war sicher: die Phase des Übergangs bot vor allem eines. Chancen.

Je tiefer man in die Eingeweide Coruscants vordrang, desto mehr sah man sich mit der Geschichte des Planeten konfrontiert. Während die luftigen Wolkenkratzer Zeugnisse einer Zeit waren, in der Republik und Imperium die Geschicke des Planeten bestimmt hatten, fand man weiter unten Relikte aus Zeiten in denen es weder das Imperium, noch die Republik gegeben hatte – zumindest behaupteten das einige Forscher und Glücksritter, die versuchten, Artefakte aus diesen Ebenen des Planeten möglichst teuer an den Mann zu bringen. Die Stadtplaner etwa des Imperiums hatten für derartige Sentimentalitäten nie sonderlich viel übrig gehabt und so schlugen die gewaltigen Baudroiden der zuständigen Behörden immer wieder aufs neue gewaltige Schneisen in die Landschaft auf der unteren Ebenen, um die dortige Gebäude durch zweckmäßigeres zu ersetzen. Wo einst Lebewesen gehaust hatten, verliefen jetzt Abwasserkanäle, wo früher den Freuden des Lebens gefrönt wurde, konnte schon bald kalter Industriekomplex prangen – die Bewohner der unteren Ebenen wurden selten um ihre Meinung bei solchen Dingen gefragt und man konnte fast behaupten, dass die Sirenen eines nahenden Baudroiden gefürchteter waren als der Anblick der weißen Rüstungen einer Patrouille imperialer Sturmtruppen, der eine ihrer berüchtigten (und zumeist tödlichen) Razzien ankündigte.

Und dann waren da noch die weniger vernunftbegabten Kreaturen, die auf Coruscant ihre Heimat gefunden hatten, und mit der Architektur des Planeten oft auf ihre ganz eigene Art verfuhren. Granitschnecken, die sich durch den Durabeton der unteren Teile zahlreicher Gebäude fraßen, Falkenflügler, die sich an ihnen labten, Bohrratten, die sich durch massivstes Gestein ihren Weg bahnen konnten, und schlimmeres…

Severina Mohsvani kannte die Spuren. Der Tunnel, der nur vom zittrigen Licht eines Glühstabs erhellt wurde, war viel zu unregelmäßig, als dass er von einem Droiden oder einer anderen Maschine hätte stammen können – es war der Tunnel einer Bohrratte, doch die Spuren waren alt genug, um zumindest die Hoffnung zuzulassen, dass dieses Tier schon lange nicht mehr in der Nähe war. Und selbst wenn nicht – es blieb kaum eine andere Wahl, als ihm weiter zu folgen.

Die hastigen Schritte vierer zu zwei humanoiden Wesen gehörender Beine waren für den Moment das einzige Geräusch, das durch den engen Tunnel hallte. Und in ihrer Hast lag auch der Grund dafür, dass es so gut wie keine Rolle spielte, ob am Ende des Tunnels eine Bohrratte wartete – was hinter ihnen lag, war noch viel schlimmer.

Die Nachricht hatte sich schließlich auch in den Unteren Ebenen wie ein Lauffeuer verbreitet – das Imperium und die Republik hatten Frieden geschlossen. Und die Übergabe Coruscants ausgehandelt. Es hatte nicht lange gedauert, bis auch das Datum dieses denkwürdigen Ereignisses bekannt geworden war. Die Dinge in den Unteren Ebenen waren ins Rollen geraten. Und Severina Mohsvani hatte ihre Chance gesehen.

Über ein Jahr hatte sie nun für den Devaronianer Kar’malloc gearbeitet, den Inhaber des Seven Sins, einer Örtlichkeit, in die es die in den Unteren Ebenen ihren Dienst tuenden imperialen Soldaten und Polizisten der CSF verschlug, wenn sie ihren Spaß haben wollten. Kar’malloc war ein recht kleines Licht in Coruscants Unterwelt, kaum zu vergleichen mit den Repräsentanten etwa der Black Sun oder den Handlangern des Huttenkartells, die den Großteil des profitablen Schwarzmarkts und andere Dinge unterhalb der Sonnenlichtgrenze fast vollständig kontrollierten. Doch der Devaronianer war ebenso gewieft. Über seine „Mädchen“, die den Soldaten und Polizisten ihre Dienste anboten, kam er nicht selten an Informationen, die er zur Unterstützung seiner eigenen Operationen nutzen konnte, oder aber an den Meistbietenden verkaufte – ohne es sich dabei mit einer Seite zu verscherzen. Er wusste gut genug, dass die Wut der Black Sun oder des Kartells etwas war, das man kaum überlebte. Seit seine Leute ihr das Leben gerettet hatten war Severina eines dieser Mädchen – und mit jedem vergehenden Tag verabscheute sie es mehr. Hatte sie jemals die Hoffnung gehabt, Kar’malloc würde ihre „Schuld“ eines Tages als beglichen ansehen, so war diese sehr schnell verschwunden. Doch wohin gehen, wohin fliehen? Dazu hatte sie nie die Gelegenheit geboten. Bis zum heutigen Tag.

Zu behaupten, dass die Ankündigung eines Machtwechsels die Unterwelt Coruscants in Aufruhr versetzt hatte, wäre wohl eine Untertreibung. Natürlich interessierten die Ideologien, die hinter den beiden Statten steckten, niemanden wirklich – aber ein vollkommener Machtwechsel bedeutete, dass alte Kontakte, alte Seilschaften und Abhängigkeiten mit einem Schlag drohten, wertlos zu werden. Natürlich wussten die meisten, dass die Republik es sich kaum würde leisten können, den imperialen Verwaltungs- und Sicherheitsapparat vollständig und binnen weniger Tage auszutauschen, doch trotzdem standen Leute wie Kar’malloc plötzlich unter Zugzwang, während die Widerstandsgruppen noch die Befreiung ihrer geliebten Heimat feierten. Plötzlich war die Gelegenheit da, auch für seine Feinde, Rechnungen zu begleichen. Und so kam es, dass die Sicherheitsvorkehrungen im Seven Sins plötzlich leiden mussten, weil Kar’mallocs Schläger anderweitig beschäftigt waren. Eine Tür hatte sich geöffnet.

„Bitte, Moonglow… ich kann nicht mehr…“

Die keuchende Stimme hinter ihr ließ Severina im Tunnel innehalten und mit ihrem Glühstab hinter sich leuchten. Der Lichtkegel fiel auf die grüne Haut einer jungen Mirialanerin, immer noch gekleidet in das lächerliche Kostüm, das Kar’malloc an seinen Tänzerinnen gefielt, und nur mit einem schweren Mantel ausgestattet, um ihre Blöße zu entdecken. Ein Mantel, der bis vor kurzem noch einem von Kar’mallocs Lieutenant gehört hatte, doch dieser lag mit aufgeschlitzter Kehle in dessen Büro. Selten war das Töten eines anderen Lebewesens so befriedigend gewesen wie zu beobachten, wie das Leben aus den Augen des Twi’leks verschwand.

Der Name der Mirialanerin war Teela Lorso, ein junges Ding, kaum älter als zwanzig Standardjahre. Sie war Teil eines Deals gewesen, den Kar’malloc mit den Hutten geschlossen hatte – eine Sklavin, die eine Art Versüßung seiner Bezahlung gewesen war, aufgegabelt in irgendeinem Beutezug der Sklavenjäger, die für das Kartell arbeiteten. An Orten wie Coruscants Unterwelt – Zentrum der galaktischen Zivilisation hin oder her – interessierte sich niemand für das Schicksal einer Sklavin. Doch Severina hatte Mitleid gehabt. Und Teela das Glück, am richtigen Ort zu sein, als sie ihren Plan in die Tat umsetzte. Die Mirialanerin hatte nicht gezögert – Kar’malloc mochte sie in den letzten Wochen gebrochen haben, doch ihr Drang nach Freiheit war ihr geblieben. Und so hatte sie Severina vertraut – obwohl sie nichts von ihr wusste, abgesehen von ihrem Tänzernamen, Moonglow, den sie im Seven Sins hatte tragen müssen.

Jetzt allerdings fragte Severina sich. ob ihr weiches Herz womöglich früher bestraft wurde als später. Bisher war alles glatt gelaufen – sie waren aus dem Seven Sins entkommen, nachdem sie Kar’mallocs Lieutenant ausgeschaltet und einen Rucksack entwendet hatten, den dieser im Auftrag seines Bosses verwahrt hatte, und sie hatten sogar Severinas altes Versteck gefunden, ein Versteck aus ihrer Zeit vor Kar’malloc, Lagerplatz von einer geringen Menge Credits, ihrem Giftinjektorring und ihrem winzigen Blaster, neben ihrem Vibrodolch ihre einzige Möglichkeit der Verteidigung. Kar’malloc würde allerdings nicht ewig brauchen, bis er bemerkte, was geschehen war. Und nach Severinas Vorstellung waren sie bis dahin schon im Frachtraum eines Raumschiffes, blinde Passagiere ohne eine Vorstellung davon, wohin der Flug sie bringen würde, doch immerhin weg von Coruscant und Kar’malloc.

„Wir müssen weiter“, drängte sie Teela sanfter, als es ihr erster Impuls gewesen war, da sie anhand des heftigen Atmens der Mirialanerin und dem Schweiß auf ihrer Stirn erkannte, dass die junge Frau tatsächlich an ihre Grenzen gegangen war.

„Ich möchte nicht mehr auf diesem Planeten sein, wenn Kar’malloc Krassk und seine Bluthunde losschickt.“

Krassk war ein Trandoshaner in Kar’mallocs Diensten, ein übler Schläger und Anführer der „Muskeln“ im Unternehmen des Devaronianers. Das einzig Positive, das man über dieses Echsenwesen sagen konnte, war, dass er nur brutal war und im Angesicht der Tänzerinnen nicht noch andere Appetite entwickelt hatte, wie viele seiner Männer.

Die Augen der Mirialanerin weiteten sich angsterfüllt. Sie hatte verstanden.

„Du schaffst das schon.“

Sie folgten – jetzt allerdings in einem etwas gemächlicheren Tempo – weiter dem Bohrrattentunnel, der schließlich in einen bedeutend größeren Tunnel hineinbrach, in dem auch ein Wookiee ohne Mühe aufrecht hätte gehen können. Die unteren Zentimeter des Tunnels waren indes mit einer braunen, zäh dahinfließenden Flüssigkeit gefüllt, was verriet, dass sie in einem der Abwasserkanäle gelandet waren – und somit die Chance hatten, durch einen Wartungsschacht aus dem Untergrund herauszukommen, um sich endlich in Richtung der Frachtverladerampe zu orientieren, die Severina als ihr Ziel auserkoren hatte.

Auch im Kanal war es stockfinster und ein widerlicher Gestank lag in der Luft – hinter sich hörte Severina Teela mehrmals würgen – und die Wände waren glitschig genug, es sie bedauern zu lassen, dass ihre schwarzen Lederhandschuhe nicht auch noch ihre Finger bedeckten. Ob sie den Geruch jemals wieder aus ihrer dunkelblauen Denymjacke und –hose würde herausbekommen können, war auch noch eine Frage – allerdings eine, die in ihren Prioritäten derzeit definitiv weit unten rangierte.

Severina wusste ungefähr, wo sie sich befanden – schließlich hatte sie ihre gesamte Kindheit und Jugend in diesem Teil von Coruscants Unterwelt verbracht – doch natürlich konnte sie nicht garantieren, dass sie nicht auf ein unerwartetes Hindernis stoßen würden, verursacht – wie der erste Tunnel – durch eine Bohrratte oder etwa eine kürzlich erfolgte Baumaßnahme. Für den Moment wirkte es jedenfalls so, als würde der Kanal endlos in eine Richtung weitergehen – keine Kreuzung mit einem anderen Kanal, kein Sammelbecken, keine Wartungsschächte. Doch irgendetwas musste kommen. Dieser Tunnel würde wohl kaum bis in die Unendlichkeit so weitergehen.

„Hörst du das?“

Das ängstliche Flüstern der Mirialanerin erfolgte fast zeitgleich mit ihrer ersten eigenen Wahrnehmung von leisen Geräuschen und einem schwachen Lichtschein vor ihnen, was Severina sofort dazu veranlasste, ihren Glühstab zu deaktivieren. Sofort wurde es um sie herum pechschwarz und ihre Augen brauchten einen Moment, um sich – unterstützt von dem jetzt deutlich erkennbaren, unregelmäßigen Schein vor ihnen – an die Dunkelheit zu gewöhnen. Eng an die Wand gedrängt und leicht gebückt arbeitete sie sich langsam nach vorne vor, in der Hoffnung, die Quelle des Lichts und der Geräusche erkennen zu können, bevor sie selbst entdeckt wurde.

Unter anderen Vorzeichen hätte sie froh sein müssen – da war sie, die langersehnte Kreuzung des Kanals mit einem anderen Kanal, und auch ein Wartungsschacht war nicht weit – doch die drei Gestalten, die sich ebenfalls dort befanden, stellten ein ebenso unüberwindbares Hindernis dar wie ein mehrere Meter breiter Abgrund. Es waren wohl Menschen, vermutlich Männer, ihren Umrissen nach zu urteilen gekleidet in Rüstungen, die die den Kanal mit auf ihre Waffen montierten ableuchteten und sich gedämpft unterhielten. Severina war sich relativ sicher, dass sie nicht Krassks Leute vor sich hatten – doch wen dann? Die CSF? Was sollte die Ordnungshüter Coruscants an diesen Ort verschlagen, noch dazu zu diesem Zeitpunkt?

Sie schlich noch näher und nutzte die in regelmäßigen Abständen hervor ragenden Vorsprünge in der Wand als Deckung, um eine bessere Sicht auf die nur sporadisch durch ihre eigenen Lampen erhellten Gestalten erhaschen zu können oder zumindest ihr Gespräch zu belauschen. Doch mit jeder verstreichenden Sekunde stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sie entdeckt wurde… das heftige Atemholen Teelas hinter ihr verbesserten ihre Chancen nicht unbedingt.

„Wir verschwenden hier unsere Zeit.“

Eine der Gestalten hatte gesprochen, was zumindest bestätigte, dass es sich um zumindest einen Mann handelte.

„Außerdem gefällt mir der Gestank nicht.“

Für den Bruchteil einer Sekunde schien ein Lichtstrahl über Severina und Teela zu streichen, bewegte sich jedoch ohne Unterbrechung tiefer in den Gang hinein. Im Zwielicht erkannte Severina, wie eine der Gestalten eine Hand an ihren Kopf hob – vielleicht, um ein Comlink zu bedienen.

„Aurek-Eins, hier Aurek-Wächter. Nach wie vor alles ruhig. Wiederhole, alles ruhig. Bitte kommen.“

Ein paar Sekunden verstrichen, dann folgte ein saftiger Fluch.

„Die Links sind nutzlos bei all diesem Beton um uns herum…“

„Dann warten wir“, mischte eine zweite Stimme sich ein.

„Dafür werden wir in diesem Fall schließlich bezahlt. Nach der letzten Positionsmeldung müssten sie direkt auf uns zukommen. Und der Rückweg ist abgeschnitten, dafür hat Kar’mallocs Schoßtrando gesorgt.“

Die Nennung des Devaronianers genügte, um Severinas Augen sich in der Dunkelheit panisch weiten zu lassen. Positionsmeldung? Woher konnten seine Handlanger so genau wissen, wohin sie geflohen waren? Coruscant war riesig, es gab Dutzende mögliche Routen, vom Seven Sins in Richtung des nächsten Frachtdepots zu entkommen… und auch dass ein solches ihr Ziel war konnte im Grunde niemand wissen. Es sei denn…

„Gib mir den Rucksack!“, wisperte sie in Teelas Richtung. Die Mirialanerin hatte ihn an sich genommen, nachdem sie den Twi’lek – ihr letztes Hindernis aus dem Seven Sins, da er eine der nötigen Codekarten bei sich getragen hatte – ausgeschaltet hatten, in der Annahme, dass sein Inhalt von Wert war, doch bisher hatten sie nicht die Zeit gefunden, ihn sich genauer anzusehen. Severinas Finger tasteten in seinem Inneren und fanden zahlreiche Hülsen – Glitzerstimhülsen, wie sie wusste, dazu gedacht, die fotoaktive Droge daran zu hindern, vorzeitig ihre Wirkung zu entfalten. Wenn sich in jeder dieser Hülsen Glitzerstim befand, dann war der Inhalt des Rucksacks tatsächlich eine beträchtliche Menge Credits wert – vorausgesetzt, man fand einen Abnehmer. Dann jedoch fanden ihre Finger einen weiteren, bedeutend kleineren Gegenstand…

„Ein Peilsender…“, keuchte sie.

Nun war sie nicht paranoid genug, zu glauben, dass Kar’malloc den Sender dort versteckt hatte, weil er damit gerechnet hatte, dass sie seinen Untergebenen töten und den Rucksack stehlen würde. Vielmehr war es wohl eine allgemeine Sicherheitsmaßnahme gewesen – doch für sie und Teela machte das keinen Unterschied. Nach dem, was die Stimmen vor ihnen ausgesagt hatten, war Krassk ihnen bereits auf den Fersen. Und der Weg nach vorne war versperrt.

„Und wer sagt uns, dass dieser angebliche Sender hier unten besser funktioniert als unsere Links?“

Die Debatte vor ihnen schien indes weiterzugehen.

„Wir können von Glück reden, wenn unsere Pläne von diesen Kanälen noch stimmen. Und außerdem…“

Plötzlich verstummte die Stimme.

„Was ist das?“

In der eintretenden Stille konnte Severina es ebenfalls hören – ein leises, plätscherndes Geräusch, als würde jemand mit unregelmäßigen Schritten durch das Abwasser waten. Und noch etwas… ein… Ächzen, Stöhnen? Noch alarmierender war die Richtung, aus der das Geräusch kam: von hinter ihnen. Das Geräusch kam näher – sorgte dafür, dass sich Severinas Nackenhaare aufstellte. Sie hatte so etwas schon einmal gehört. Instinktiv griff sie nach dem Handgelenk der Mirialanerin und zog diese an sich. Was sie jetzt sehen würde konnte sie durchaus in Panik versetzen – und das durfte auf keinen Fall geschehen.

„Pssst…“

Dann war es da. Auf den ersten Blick wirkte es wie ein nackter Mensch, der auf allen Vieren unbeholfen durch den Dreck kroch, doch genaueres Hinsehen im flackernden Schein der Lampen offenbarte einen weitaus grausigeren Anblick. Graues, leblos wirkendes, zum Teil zerfetztes Fleisch und ein Gesicht, das keine Augen zu haben schien – und doch bewegte sich dort, wo eigentlich die Augen hätten sein sollen, irgendetwas, auch wenn es nichts sah. Troglodyten wurden diese Gestalten in den Geschichten genannt, die man sich von den Unteren Ebenen erzählte. Manche behaupteten, sie wären die Nachkommen von Menschen, die nichts anderes kannten als die Dunkelheit. Wenn sie einst Menschen waren, dann war davon nicht mehr viel übrig – sie waren kaum mehr als Tiere, doch wahnsinnig raffiniert. Die Geschichten von den Hinterhalten, die diese Kreaturen in den Tiefen der Eingeweide Coruscants legten, hatten Severina das Blut in den Adern gefrieren lassen. Sie machte sich keine Illusionen darüber, dass dies der einzige Troglodyt war – angelockt von den Stimmen der Söldner vor ihnen warteten vermutlich dutzende im Schatten, darauf wartend, loszuschlagen – und lautloser als dieser eine, der offenbar als Ablenkung diente. Severina konnte Teelas Zittern spüren wie ihr eigenes, doch hielt der Mirialanerin unbarmherzig ihre Hand auf den Mund. Ein Laut und auch sie würden auf dem Speiseplan dieser Kreaturen landen…

„Trassk, sind Sie das?“

Die Lichtstrahlen wanderten wieder in Richtung ihres Verstecks und der Kreatur.

„Und ich dachte, Trandoshaner könnten zumindest Bas…“

Ein schauriges Kreischen durchbrach plötzlich die relative Stille – aus der anderen Richtung. Die Schatten schienen lebendig zu werden, als sich mehrere Kreaturen plötzlich aus der Dunkelheit schälten und auf die gepanzerten Männer stürzten, auch auf den, der dem Wartungsschacht am nächsten gestanden hatte. Gerade noch fand der Söldner die Zeit, einen spitzen Schrei auszustoßen, bevor er zu Boden geschleudert wurde und aus dem Schrei ein ersticktes Gurgeln wurde. Ein Blasterschuss löste sich und tauchte die Szene temporär in grelles Licht, fünf, nein sechs fahle Kreaturen, die sich auf die am Boden liegenden und sich verzweifelt wehrenden Söldner stürzten. Und der Weg zur Wartungsleiter war frei.

„LAUF!“

Und Teela lief, mit Severina dicht auf den Fersen, vorbei an dem furchtbaren Gemetzel und hin zu der eisernen Leiter, angelegt für Wartungsarbeiter, die wohl vor hunderten von Jahren diesen Ort das letzte Mal aufgesucht hatten. Ihre Furcht verlieh ihnen die Kraft, mit nahezu ungebremster Geschwindigkeit weiter zu klettern, bis die Übelkeit erregenden Geräusche der sich labenden Troglodyten und die Todeslaute ihrer Opfer endlich in der Ferne verstummten.

Auch der Schacht schien sich in die Ewigkeit zu ziehen, doch endlich erreichten sie Tageslicht – oder besser: den Neonschein eines bewohnten Teils der Unteren Ebenen – in einer Gasse hinter einem Berg aus langsam vor sich hin gammelnden Müll. Erschöpft lehnte Severina sich gegen die mit zahlreichen Graffitis bemalte Wand, bevor ihr Blick auf ihre Leidensgenossin fiel. Teela hockte mit bleichem Gesicht ihr gegenüber an der anderen die Gasse begrenzenden Wand und starrte schluchzend auf ihre Hände, die von der rasanten Flucht über die Treppe blutig geschürft waren.

„Hey…“

Tröstend zog sie die jüngere Frau an sich und strich ihr beruhigend durch das schwarze Haar, auch wenn sie selbst das Gefühl hatte, jederzeit zusammenbrechen zu können. Doch nicht jetzt. Nicht so kurz vor dem Ziel.

„Es ist vorbei.“

Beiläufig kramte sie den vermeintlichen Peilsender aus dem Rucksack hervor, den nun sie bei sich trug, und schleuderte ihn mit einer kräftigen Bewegung in Richtung des Schachts, aus dem sie emporgeklettert waren.

„Viel Spaß da unten, Trassk…“

Dann erhob sie sich und half Teela, ebenfalls aufzustehen, dabei einen kurzen Blick aus der Gasse riskierend.

„Komm. Ich weiß jetzt, wo wir lang müssen.“

Und sie sollte Recht behalten. Schon bald erreichten sie nun das von ihr angepeilte Frachtverladeterminal, einem gesicherten Komplex, in dem Container unterschiedlichster Herkunft sortiert und überprüft wurden, um dann mittels gigantischer Lastenaufzüge weiter gen Oberfläche transportiert zu werden, wo sie in ihre entsprechenden Raumschiffe verladen wurden. In den meisten dieser Container befanden sich auf Coruscant hergestellte Produkte, doch die Kernwelt war natürlich auch ein Umschlagplatz für Güter aus allen Ecken der Galaxis und Sitz von Firmen, die sich auf den Handel spezialisiert hatten. Überwachungsdroiden und uniformierte Männer patrouillierten die Abgrenzungen der Anlage, doch auch hier schien über allem eine gewisse Atmosphäre der Eile zu liegen, fast so, als müsste einige dieser Fracht auf ihre Reise geschickt werden, bevor die Republik endgültig die Kontrolle über die Raumüberwachung um Coruscant übernahm. Die Sicherheitsleute wirkten nervös, die Arbeiter gehetzt. Nur die Droiden waren – wie immer – unbeeindruckt.

Trotz der Sicherheitsvorkehrungen erwies es sich als mitnichten unmöglich, auf die Anlage vorzudringen. Zwischen den Bergen aus Containern ergaben sich fast zwangsläufig Lücken in der Überwachung durch die deutlich sichtbaren Holoüberwachungskameras und auch die Wege des Sicherheitspersonals ließen genug Raum für den findigen Eindringling – und es war nicht das erste Mal, dass Severina einen privaten Sicherheitsdienst überlistet hätte, wenn auch das erste Mal mit einer jungen, eingeschüchterten Mirialanerin im Schlepptau. Es war schon seltsam, dass sie nicht viel früher versucht hatte, Coruscant als blinde Passagierin zu verlassen, doch bevor sie in Kar’mallocs Hände geraten war, hatte sie immer noch die Hoffnung gehabt, zu genug Credits zu kommen, um die Abreise wie ein normaler Bürger zu finanzieren. Ironischerweise bedeutete das Glitzerstim in ihrem Besitz mehr als genug Credits, um genau das zu tun – doch zu versuchen, es hier, in Kar’mallocs Einflussgebiet, zu verkaufen, war glatter Selbstmord.

Sie war ziemlich sicher, dass sie ohne die Hektik, die an allen Ecken und Enden des Terminals herrschte, nie so schnell so weit gekommen wäre – doch kaum eine halbe Stunde später befand sie sich mit Teela im Inneren eines Frachtcontainers, dessen Versiegelung sich als defekt erwiesen hatte (und dessen Defekt im Rahmen einer hastigen Endüberprüfung nicht aufgefallen war). Vermutlich genoss der Container keine sonderliche hohe Priorität – in seinem Inneren befanden sich einige Durastahlkisten die mit dem Logo von Serv-O-Droid versehen waren, einem kleineren (im Vergleich zu den Branchenführern Industrial Automation und Cybot Galactica) Droidenhersteller, der eine Fabrik hier auf Coruscant unterhielt. Der Container selbst war – zu ihrem Glück – nur halb mit diesen Kisten gefüllt. Nichtsdestotrotz gehörte er wohl zur Fracht eines Schiffes, das Coruscant eher früher als später verlassen sollte – den es dauerte nicht lange, bis ein Rucken ihnen signalisierte, dass er auf seine Reise geschickt wurde. Während Severina darüber nachdachte, was sie am besten den Rest der Reise über tun konnten – irgendwann würden sie den Container öffnen und verlassen müssen, auch wenn die defekte Versiegelung es ihnen erlaubte, ihn jederzeit zu öffnen und frischen Sauerstoff einzulassen – so das Zielfrachtschiff denn im Frachtraum über ein Lebenserhaltungssystem verfügte. Über die Alternative wollte sie gar nicht nachdenken.

Irgendwann ging dann ein erneutes, kaum spürbares Rucken durch den Container, den Severina zweckoptimistisch als Zeichen dafür interpretierte, dass sie an Bord eines Schiffes waren und dieses Schiff in den Hyperraum gesprungen war. Teela war unterdessen neben ihr eingeschlafen.

[Hyperraum, Sternengalleone „Steady Profit“ mit Kurs Korporationssektor über Cadomai, Frachtraum, Container]- Severina, Teela
 
Core Worlds - Corusca-Sektor - Coruscant-System - Coruscant - Regierungsviertel - Verwaltungsgebäude - Moff Verans Amtsräume - Moff Veran, Commodore Navara Ven, Sekretär Fey'lya und Senatorin de Lieven


Casia lächelte freundlich, als Veran ihr eine spitze Zunge attestierte.

"Nun, verehrter Moff Veran, ich schätze Bescheidenheit, aber an dieser Stelle ist sie wohl unangebracht, wie man mir im Vorfeld berichtete."

erwiderte sie auf die Feststellung, daß man einem nackten Mann nicht in die Taschen greifen sollte. Veran war als ein zäher Verhandlungsgegner bekannt, und Zugeständnisse seinerseits galt es nach allen Seiten hin zu überprüfen, denn für gewöhnlich versprach er sich von seinem Einsatz einen satten Gewinn.
Wenigstens konnte sich nun Navara in das Gespräch einschalten, was Casia schon sehr erleichterte und entlastete.
Allerdings stellte sie das Angebot, was Veran der Republik alles andere zufrieden, auch wenn Navara es als großzügig ansah.
Für diese Äußerung erhielt er auch prompt einen ungehaltenen Blick von der Senatorin.


"Nun, die verbliebenen imperialen Einrichtungen auf und um Corellia sind nur bedingt nutzungsbereit und das wissen Sie, Moff Veran."

warf sie in das Gespräch ein. Das durfte wohl nicht wahr sein. CorSec schob Überstunden ohne Ende und er wollte ihr das Ganze als Wohltat verkaufen? So nicht, nein, so wirklich nicht! Der corellianische Sektor würde in die Staatspleite steuern, wenn die Überstunden nicht massiv zurückgefahren wurden. Nun gut, hier übertrieb sie maßlos, aber im Gedanken konnte sie sich diesen Luxus durchwegs leisten.
Sehr interessant fand sie dagegen die Forderung nach dem imperialen Kartenmaterial.


"Nun, hier stimme ich mit Commodore Ven überein und der Kanzler wird meine Meinung teilen. Sollten wir Ihr Hilfsersuchen akzeptieren, so müssen wir die gleichen Informationen wie Jago haben, denn der Raum, den er zur Verfügung hat, ist riesig."

meinte sie nachdenklich.

"Zudem sollten sie bedenken, daß mehr Informationen eine schnellere Ergreifung Jagos zur Folge haben sollten. Die Präsenz republikanischer Streitkräfte auf imperialem Territorium dürfte Ihnen schaden, je länger die Anwesenheit, desto größer der Unmut. Diesen Punkt müssen wir selbst natürlich auch berücksichtigen, wenn wir ihr Hilfsgesuch prüfen."

warf Casia noch ein, bevor Veran sie verabschiedete.
Doch den Brocken, den sie zum Abschied zu schlucken bekam, war unerhört. Er hatte ihnen Suiten reservieren lassen?
Natürlich war der Aufenthaltsort angemessen, aber es paßte ihr gar nicht, daß sie hier auf dem Planeten übernachten sollten. Der Planet war immer noch in imperialer Hand.


"Wir danken für das großzügige Angebot, Moff Veran."

Casia lächelte mit schmalen Lippen, mehr bekam sie gerade nicht zustande.
Es vergingen noch einige Minuten, aber dann war das Gespräch zu Ende und die republikanische Gesandtschaft wurde durch das Gebäude zu ihrer Fähre begleitet.
Erst an Bord machte Casia, ihrer Verärgerung Luft.


"Dieser räudige Mistkerl."

schimpfte sie erbost.

"Ich halte nichts davon, in den reservierten Suiten zu wohnen. Wahrscheinlich hat der IGD mehr Wanzen dort angebracht als die Galaxis Sterne hat."

Sie wären wirklich nicht davor gefeit, abgehört zu werden.

"Und auch wenn uns Coruscant übergeben werden soll, so ist es nach wie vor Verans Gebiet. Wir sitzen hier wie in einer Falle."

gab Casia zudem noch zu bedenken, aber sie hatte keinen Zweifel daran, daß Ven auf solche Gedanken schon selbst gekommen war.

"Wir können auch die Einladung ausschlagen. Ich werde dann ein schönes Billet aufsetzen und unser Bedauern darüber ausdrücken, daß wir die Einladung leider ausschlagen mußten."

schlug Casia vor, die alles andere als davon begeistert war. Zudem hatten sie nicht mit einer solchen Einladung gerechnet und ihre Sachen waren auf dem Schiff verblieben.

"Die Kanzlerin außer Dienst hat zudem ihre Zahnbürste nicht eingepackt."

Mit diesen ironischen Worten ließ sie sich in den Sitz fallen.


Core Worlds - Corusca-Sektor - Coruscant-System - Coruscant - Regierungsviertel - Verwaltungsgebäude - Landeplattform - RM-Null-Vier - Passagierbereich - Commodore Navara Ven, Sekretär Fey'lya und Senatorin de Lieven
 
Coruscant - Jedi-Tempel – mit Tara, Keeda, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes

Ja, klar! Die Frage von Wes, ob Alisah oder Radan schon so etwas wie den verdorbenen Kristall gesehen hätten und der Seitenhieb, das es wie eine Tat der Sith aussah, war natürlich zu erwarten geWesen. Das Einzige was Alisah an der Frage wunderte war, dass Wes nicht nur sie allein angesprochen hatte. Das Werk eines Sith! Wieso fragte er nicht gleich: „Alisah warst du das?“
Sie schnaufte kurz dann brummelte sie nur leise vor sich hin.


Was weiß ich, sieht eher danach aus als hätte einer der Idioten hier was auf dem Kristall Braten wollen.
Abgesehen davon, wenn ich so’n Kristall wär, wurde ich auch schmollen wenn ich in so ner Umgebung sein müsste. Mal putzen und hier durchlüften wäre jedenfalls ne Maßahme.


Das war natürlich Blödsinn, das wusste sie aber ne Andere Idee hatte sie auch nicht
Allerdings… . Sie betrachtete den Kristall genauer und vergaß dabei sogar kurze Zeit, was um sie geschah. Der Kristall erinnerte sie an etwas. An einen anderen Kristall. Jenen, den sie auf Illum gefunden hatte und den jetzt Padme hatte. Der war durch die Sprengungen dort unbrauchbar geworden und… hm, gab es wirklich Möglichkeiten um sie zu reaktivieren?
Ein ausruf von Abscheu riss Alisah aus ihren Gedanken und sie sah sich um Was. Och, die arme kleine Ratte.
Klar waren die Nagetiere eklig, aber es gab weit aus Schlimmeres als ne kleine Ratte die mehr Angst vor ihnen hatte als sie vor ihr. Wenn Alisah da an die Katakomben im Sith Orden zurück dachte, da waren Ratten eher putziger Haustierchen gegen das was dort so rum lief.
Radan's Hand, die sich vorsichtig um ihre schloss, brachte Alisah von dem Gedanken an die Ratten ab und lies sie Radan anlächen. Sie fühlte seine Zerrissenheit sie war aber auch stolz auf ihn, das er sich jetzt um Rick kümmerte. Auch den Jungen lächelte Alisah an bevor sie Radan‘s Präsenz in der Macht kurz berührte und dabei seine Hand fest drückte. Sie waren bei einander, das allein zählte.
Sie hätte Radan jetzt zu gerne in den Arm genommen und ihm lange geküsst, aber es war nicht der Ort oder die Zeit dazu. Vor allem da eine Drohne in den Raum schwebte und bei Alisah mehr Panik erzeugte als ein ganzes Rudel Ratten, das für die Anderen wohl noch immer das Problem war. Schnell schlug sie ihre Kapuze über den Kopf, man konnte ja nicht wissen wer am anderen Ende einer eventuellen Comverbindung saß und ihr Bild mit den Steckbriefen des Imperiums abglich.
Phu! Als Wes das Ding recht schnell erledigte, keimte kurz, ihm gegenüber, Dankbarkeit auf. Allerdings konnte Alisah es nicht unterdrücken noch einmal schwungvoll auf die optischen Rezeptoren der Blechbüchse du treten und ihre Kapuze dort zu lassen wo sie war. Wer weiß wann so ein Ding wieder um die Ecke bog.
Hm, ja, Wes hatte wohl auch recht damit das jetzt jemand, wer auch immer, wusste, dass sie hier waren. Sie mussten hier weg! Dringend! Diese Kammer war in Alisahs Augen eine Mausefallen. Ein zwei gut bewaffnete Trupps und man schoss sie zusammen wie Wes grade die Ratten.
Allerdings noch tiefer? Zum Berg! Auch wenn es der heilige Berg war, gefiel ihr der Gedanke nicht und sie kramte vorsichtshalber in ihren Gürteltaschen, was sie alles mit hatte. Phu, da war das kleine Atemgerät und da Radan den gleichen Ausrüstungsgürtel trug hoffte Alisah das auch er und Rick diese kleinen Geräte dabei hatte. Zumindest würden sie nicht ersticken wenn die Luft noch mieser wurde.
Na klar, Radan und sie wurden zur Nachhut verdonner. Prima! Ob es überhaupt einem auffallen würde wenn sie dort weggefangen würden? Würde es Wes überhaupt interessieren?

„Hui, das ist aufregend!«

Aufregend? Oh ja, so aufregend wie der Balz tanz einer Kristallschnecke!

Kommentierte Alisah, und wandte sich an die Anderen in dem sie Ribanna und Tara nach einander an sah.

Oder seht ihr das anders?

Keeda, Rick und Duska streifte sie nur kurz mit ihrem Blick. Für die konnte das hier durchaus spannend sein. Das wollte sie gar nicht bestreiten. Aber eben auch nicht sagen.
Dann lies sie es aber gut sein, nahm den zugeteilten Platz in der kleinen Gruppe ein und machte sich mit den Anderen, erst einmal ohne weitere Kommentare, auf den Weg.
Eine Weile ging sie schweigsam und suchte die Nähe von Radan, dann jedoch konnte sie nicht mehr an sich halten und es platzte in Richtung Wes aus ihr heraus.


Ähm, übrigens, mal ne Frage an den werten Herren Jedirat da vorne!
Oder vielleicht kann‘s ja auch jemand der Anderen einer dummen Person wie mir erklären.
Also, auch wenn Ratten eklige Wesen sind, sind sie doch in gewisser Weise Unschuldige und so lange sie einen nicht angreifen sollte ein Jedi doch eigentlich nicht danach trachten gleich Massenmord an der ganzen Population zu verüben. Erst recht nicht wenn er grade auf dem Weg zu seinem heiligsten Ort ist. Oder seh ich das verkehrt?


Ja, ja, Alisah wusste, dass sie wieder mal provozierte, aber irgendwie war ihr der Gedanke daran schon die ganze Zeit, seit die erste Ratte starb, nicht aus dem Sinn gegangen.
Na und jetzt war er eben raus geplatzt. Wahrscheinlich würde Wes es wohl ohnehin ignorieren. Oder er hatte es gleich gar nicht gehört.


Coruscant - Jedi-Tempel – auf dem Weg zum heiligen Berg – mit Tara, Keeda, Radan, Rick, Ribanna, Duska und Wes
 
- Coruscant - City – Wingston Tower – Penthouse – Wohnraum – Mit Alad Wingston –

Rein äußerlich erkannte sie nicht viel Ähnlichkeit zwischen Exodus und seinem Vater. Sie schienen zwei völlig verschiedene Männer, auf den ersten Blick, doch wenn man beobachtete, wie sie sich bewegten, tauchten Parallelen auf. Sie hatten den selben, selbstbewussten Gang, diese Zielstrebigkeit in ihrer Haltung. Ein Wingston ließ vermutlich niemals die Schultern hängen. In genau dieser stolzen Haltung betrat Alad Wingston den Wohnraum und vielleicht richtete er sich sogar noch ein wenig mehr auf, als er Giselle sah. Dies blieb allerdings vorerst seine einzige Reaktion auf ihre Anwesenheit. Es folgte keine Begrüßung, nicht einmal ein einziges knappes Wort, oder zumindest ein Nicken mit dem Kopf. Er ignorierte sie, als wäre sie aus Stein, oder Luft und Giselle blieb sitzen wo sie war, während er in die Küche ging und sich eine Tasse mit Kaf eingoss. Der Geruch stieg Giselle unangenehm in die Nase. Sie mochte Kaf nicht mehr, nicht seit ihrer Schwangerschaft. Sie fragte sich, ob – und wann – sich das wieder ändern würde. Alad Wingston ließ sich Zeit. Er hatte keine Eile, warum auch? Als Präsident der Firma konnte er im Büro auftauchen wann er wollte. Für Giselle war das gut. Diese Stunde bevor er ins Büro ging, war ihre einzige Möglichkeit, unbemerkt von Exodus mit seinem Vater zu sprechen. Sie beobachtete ihn, wie er von seiner heiß dampfenden Tasse trank und wie er dabei völlig für sich wirkte, so als wäre er sich nicht einmal bewusst darüber, dass er nicht alleine war. Sie war wirklich Luft für ihn, dachte Giselle ein zweites Mal, als er sich in ihre Richtung bewegte, und rechnete bereits damit, dass er sich entweder setzen und sie keines Blickes würdigen, oder den Raum verlassen würde, weil er es nicht ertrug, sich in ihrer Gegenwart aufzuhalten. Sie hatte ihm niemals etwas getan, war nicht unhöflich zu ihm gewesen, hatte ihn nicht beleidigt. Trotzdem hasste er sie, vielleicht weil sie eine Angestellte war und gesellschaftlich unter ihm stand, weil sie kein Mensch war oder weil sie sich mit seinem Sohn eingelassen hatte, von dem er sich wünschte, dass er zu seiner ersten Frau zurück kehrte. Über den wahren Grund seiner Antipathie ihr gegenüber konnte Giselle nur spekulieren, doch der Möglichkeiten gab es mehrere. Vielleicht, dachte sie, würde sie ihn danach fragen… nachher. Alad Wingston aber überraschte sie. Er machte ein Geräusch. „Hm“ hörte sie ihn sagen. Galt das als Wort? Durfte sie sich von ihm angesprochen fühlen? Die Schwierigkeit für Giselle bestand nicht nur darin, was sie sagen würde, sondern auch wie sie es sagen würde. Sie war sich bewusst, dass wenn überhaupt, sie nur eine einzige Chance erhalten würde, um mit ihm zu sprechen. Diese musste sie nutzen.

“Mr. Wingston.“

Sie begegnete seinem Blick direkt, so dass er ihr dieses Mal nicht ausweichen konnte. Sie war, wer sie war, ob es ihm gefiel oder nicht. Sie war Giselle: Tänzerin, Beschwörerin der Vahl, Freundin, Geliebte, Kellnerin und persönliche Assistentin. Sie war Lieutenant Commander Givenchy, Verstoßene ihres Volkes, Ehefrau und werdende Mutter. Sie war Giselle von Ambria, von Kashyyyk und Alderaan. Sie war Giselle von Überall.

“Guten Morgen.“

Jemand hatte ihr einmal gesagt, dass sie niemals vergessen sollte, dass sie Respekt verdient hatte. Alle Wesen, die unter den Sonnen dieser Galaxis liefen, waren einander gleich gestellt. Doch war das wirklich immer so? Hier und jetzt war Giselle die Bittstellerin. Sie war diejenige, die Hilfe benötigte, die etwas von ihm wollte. Sie würde zwar nicht vergessen, wer sie war, doch der Stolz verschwand aus ihren Augen, als sie aufstand und Alad Wingston von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand.

“Sir, ich würde gerne mit Ihnen sprechen.“

Sagte sie und ihre Stimme hatte den Tonfall angenommen, den sie während ihrer Zeit bei der Flotte angeschlagen hätte. Wie man mit hochrangigen Offizieren sprach, wusste Giselle. Sie stellte sich vor, Alad Wingston wäre ein solcher, vielleicht der Captain des Schiffes auf dem sie diente, oder jemand wie der Kommodore, dessen Adjutantin sie für kurze Zeit gewesen war.

“Es geht um ein persönliches Anliegen.“

- Coruscant - City – Wingston Tower – Penthouse – Wohnraum – Mit Alad Wingston –
 
[Coruscant System - Orbit von Coruscant - LTK "Massive" - Deck 2 - Quartier des Kommandanten] Levice Vajetsi, Bru-Th Agoch

In einem Anfall plötzlicher Erkenntnis, das Mahl vor ihr noch nicht angerührt zu haben, ergriff die braunhaarige Frau das Besteck, Messer in der Linken, Gabel in der Rechten. Nicht nur einmal war sie zuvor gefragt worden, ob sie Linkshänderin sei und sie hatte stets verneint. Die Utensilien fühlten sich in ihren Hände vollkommen richtig an und transformierten das Steak mit mechanischer Effizienz nach für nach in mundgerechte Stücke. Ihr Hungergefühl war fest in den Händen eines seit ihrer Ankunft allgegenwärtigen Sinnes von Nervosität, erfuhr nun aber tatkräftige Unterstützung durch positiv überraschte Geschmacksnerven und ein reines Gewissen gegenüber Ernest.
In dieser Weise zugleich beschäftigt und zufriedengestellt, hüllte sich Levice in Schweigen und lauschte der Vielzahl Informationen, die sie nun erhielt.

Sie lächelte freudvoll auf die Erwiderung des Jedi Meisters und hielt der Höflichkeit halber einen Augenblick inne, als er sich vorbeugte und ihr seinerseits seine Bereitschaft dazu erklärte, den Weg mit ihr zu beschreiten, an den die Macht Meister und Schüler stets band. Solchermaßen bekräftigt und im Folgenden auf nahezu zeremonielle Weise mit corellianischem Whiskey begossen, war der erste Schritt getan.
Als sie akzeptiert hatte, einen jedenfalls entscheidenden und nicht unbeachtlichen Teil ihres Lebens an Bord des einen oder anderen Schiffes zu verbringen, war die Padawan einen unerwarteten und mithin großen Schritt in ein ihr bisher nicht einmal aus ihrer Vorstellung bekanntes Gebiet getreten und war daher vollkommen offen für das, was sich nun vor ihr präsentierte. Das brachte mit sich, dass sie nichts von alldem, was sie erfuhr, überraschte - sie nahm es hin. Auf der anderen Seite ließ gerade der Eindruck des Unbekannten die Dinge größer und komplizierter erscheinen, als sie es tatsächlich waren. Levice war daher hinreichend beschäftigt, die ihr zuteilgewordenen Informationen nicht nur aufzunehmen, sondern auch zu behalten. Vermeintlich unwichtige Details verankerten sich bekannterweise stets am besten, sodass die junge Frau vor allem den nebenbei erwähnten Namen des neuen Schiffes erinnerte. Sie hoffte, er würde über seinen Zweck hinaus keine weitere Bedeutung entfalten, vor allem nicht in Bezug auf ihren Aufenthalt. Andererseits würde sie eine unter nicht weniger als sechstausend und vielen weiteren Personen sein, sodass es genügend Schultern gab, auf die das vermeintliche Omen verteilt werden konnte.
Die "junge Dame" nahm sie ohne Begeisterung zur Kenntnis. Es gab für viele Dinge einen Ort und eine Zeit und sie nahm sich vor, so bald als möglich jenen Punkt zu erreichen, an dem sie diesen Titel von zweifelhaftem Ruf würde ablegen können. Etappen eins und zwei kannte sie nun und während sie das Besteck ablegte, hatte ihr Ehrgeiz es plötzlich sehr eilig.


»Ja, Meister. Den Eindruck teile ich«, versuchte sie von ihrem Enthusiasmus mitgerissen ein Lachen, denn in ihr machte sich das Gefühl breit, dass "viel Arbeit" gar kein Begriff für das war, was vor ihr lag. Meister Agochs anhaltende Ernsthaftigkeit aber hielt ihre Hochstimmung ein wenig zurück und etwas nüchterner schob sie ihren Zopf hinter die Schulter.
Da ihr Informationsbedürfnis für den Augenblick gesättigt war, verneinte sie die Möglichkeit offener Fragen. Sich im Zuge einer Verbeugung verabschiedend, verließ sie Ernest folgend das Quartier des Jedi Meisters, um ein anderes zu beziehen.

Das Gästequartier erfreute sich keiner besonderen Größe, aber mehr Komfort, als das Zimmer, welches Levice auf Lianna zeitweise allein, zeitweise mit einem oder einer anderen jungen Jedi belegt hatte. Etwas unschlüssig ob der ungewohnten Umgebung blieb sie letztlich bei Bekanntem und belegte lediglich den Tisch mit ihren kaum nennenswerten Habseligkeiten und das Bett wenige Zeit später mit ihrer eigenen Gestalt. Ihr Schlaf mochte traumerfüllt gewesen sein, sie hätte es am nächsten Morgen nicht mit Sicherheit sagen können.

In jedem Fall war er kurz und Levice erwachte von selbst nicht allzu viele Stunden später. Der angekündigte Tagesplan hatte in der Tat nicht nur seinen Weg zu ihr gefunden, sondern war auch gefüllt und detailliert.
Die erste Herausforderung, den Ort zu finden, an dem sie sich mit etwas Essbaren versorgen konnte, meisterte sie bald darauf, auch wenn sie es wenig später bereute, diesen Teil nicht übersprungen zu haben, da sie nicht wenige unangenehm aufmerksame Blick auf sich zog. Bereits ihre Kleidung identifizierte sie recht eindeutig als jemanden, der dort nicht hingehörte.
Die schiere Größe und Weite des Schiffes ließ sie staunen und sich fragen, wie sie trotz noch nicht vorhandenen Zeitdrucks Lt. Niosta ausfindig machen sollte. Während des Gehens einen Blick auf ihr 'Pad werfend, bemerkte sie nicht, dass jemand auf sie zuhielt.


»Ah, Miss Vajetsi, ein erfreulicher Zufall.« begann Ernest Langdon und sein vollkommen überzeugender Tonfall ließ Levice keinen Augenblick an seinen Worten zweifeln.
»Sie sind auf dem Weg zu Lt. Niosta nehme ich an. Mein Weg führt mich ebenfalls dorthin, vielleicht möchten Sie mich begleiten?«

Zu perplex, um mehr als eine Begrüßung und eine freundliche Annahme des Angebotes hervorzubringen, folgte sie dem hochgewachsenen Mann. Dieser schritt in geschäftiger Eile voran und einige Kreuzungen, Biegungen und eine Liftfahrt später erreichten sie Deck 4 und die Gefilde Lt. Niostas.

Ernest stellte sie der Cathar vor und Levice fügte hinzu, dass sie wegen eines Tauglichkeitstestes gekommen sei, woraufhin Ernest unbemerkt seiner Wege ging. Nur aufgrund der darauffolgenden Stille, in welcher Levice aus gelben Augen unverwandt betrachtet wurde, bemerkte sie, dass Ernests Anliegen sich entweder unmittelbar erledigt hatte, oder ihre Begegnung doch nicht so zufällig gewesen war, wie er behauptet hatte. Sie hätte bei dem Gedanken gelächelt, doch der rätselhafte Blick, dessen Subjekt sie gegenwärtig war, hinderte sie effektiv daran.

»Bin - «, begann sie einfallslos, als die Stille sich hinzog, »Ich habe schon verstanden.« wurde sie unwirsch informiert und Levice befolgte verstimmt den unterschwelligen Rat, alles weitere für sich zu behalten. Dann verschwand die Katzenartige und kehrte daraufhin mit einem Bündel zurück. »Am besten ziehen Sie das an. Damit«, ein knapper, abschätzender Blick, der ihrer Jedi-Kleidung galt, »kommen wir nicht weit.« Auf einen anliegenden Raum verwiesen nahm Levice das Kleidungsbündel entgegen. Während sie den schlichten, seltsam farblos erscheinenden Overall anzog, fragte sie sich skeptisch, inwiefern ihre Kleidung ein Hindernis darstellen konnte. Da sie mit keinem Szenario aufwarten konnte, nahm sie an, dass es hier schlichtweg nicht hingehörte und auch, wenn sie sich ein wenig fremd in dem neuen, provisorischen Kleidungsstück fühlte, fiel sie immerhin nicht mehr vollkommen aus dem Rahmen.
Lt. Niosta schien zufriedengestellt, denn als nächstes schenkte sie ihr kaum einen Blick, als sie die junge Frau hinter sich herwinkte, sie einem ihrer Untergebenen zuwies und damit dem ersten einer langen Serie nicht enden wollender Tests zuführte.

Bis Levices Personalien festgehalten, sie gewogen, gemessen, im Hinblick auf die Ergründung gesundheitlicher Eventualitäten befragt und überprüft, belastet und getestet worden war und sie zwischenzeitlich auftretende Wartezeiten hinter sich gebracht hatte, war der Tag bereits weit voran geschritten. Eine Pause, in der sie eine Kleinigkeit zu sich nehmen konnte, ging in die nachmittäglichen Testreihen über, die ihren kognitiven Fähigkeiten gewidmet waren. Erklärtes Ziel war, sie solle sich erinnern, Probleme lösen, kreativ sein, argumentieren, reagieren und sich orientieren und sobald sie den Eindruck hatte, sich nicht mehr orientieren zu können, standen ihre biologischen und mathematischen, historischen, technischen, astronavigatorischen und -grafischen, politischen und diplomatischen, ethnologischen, philosophischen, rhetorischen und sprachlichen Kenntnisse auf dem Prüfstand. Lt. Niosta entließt sie mit den Worten, dass ihre Ergebnisse später übermittelt werden würden.
Dass sie die körperliche und geistige Ausbildung eines Jedi Anwärters genossen hatte, machte keine der Aufgaben von Beginn an unmöglich, aber sie führten sie entsprechend ihres Zweckes auch an ihre Grenzen, sodass die junge Frau am frühen Abend aufgezehrt Deck 4 verließ.

Levice versuchte, das Twi'leki aus ihren Gedanken zu verbannen und nicht mehr teilweise in dieser Sprache zu denken, als sie den Weg zurück zu ihrem Gästequartier zurück nahm, sich dabei einmal verlief und aus dem Rückweg einen ausgedehnten Umweg machte. Immerhin kannte sie das Schiff nun besser als zuvor, in Anbetracht der Tatsache aber, dass sie es schon bald wieder verlassen würde, erschien ihr der Nutzen nicht besonders groß. Schließlich angekommen verstaute sie ihre Jedi-Kleidung und nahm kurz entschlossen eine Dusche, um aus ihrer zerzausten Erscheinung eine präsentable zu machen.
Sobald die letzte lockere Strähne ihren Platz gefunden, der Reißverschluss des Overalls hochgezogen war und ihre Stiefel fest saßen, suchte sie wie am Vorabend das Quartier von Meister Agoch auf.


»Captain Agoch hat mich um diese Zeit zu sich gebeten«, wandte sie sich höflichen Tonfalls an den Infanteristen vor dem Eingang und dachte rechtzeitig genug daran, den Ordenstitel durch eine Anrede zu ersetzen, von der sie sich erhoffte, dass es sich um die richtige handelte. »Levice Vajetsi.«

[Coruscant System - Orbit von Coruscant - LTK "Massive" - Deck 2 - Vor dem Quartier des Kommandanten] Levice Vajetsi; Infanterist
 
[Coruscant System | Orbit von Coruscant | Kampfverband 'Jela' | LTK "Massive" | Deck 1 | Quartier des Captains] Meister Agoch, Padawan Vajetsi


Das penetrante Tönen des Weckers, das pünktlich um sechs Uhr dreißig republikanischer Standardzeit seine Suite akustisch erhellte, hätte Bru-Th unter normalen Umständen leise Flüche entlockt, gepaart mit dem rasch anschwellenden Bewusstsein, dass es einfach nicht möglich war für eine Person in seiner Position, ihn überhören zu können, doch nicht heute. Bru-Th war bereits wach, schon seit Stunden. Mühelos richtete er sich daher auf und aktivierte mit routinierter Zielsicherheit den Schalter, welcher sein Quartier in ein schummriges Licht hüllte, genau richtig für Augen, die sich über Stunden an Dunkelheit gewöhnt hatten. Nicht so schwungvoll, wie er gegenüber einem Padawan zweifelsohne erwähnt hätte, stand er auf und reckte sich, nicht ohne herzhaft zu gähnen.

Bis spät in die Nacht hatte er gestern an seinem Schreibtisch gesessen, um seinen bevorstehenden Weggang von der Massive in der Weise vorzubereiten, wie es ein verantwortungsvoller und der Pflicht verhafteter Kommandant eben tat. Dazu zählten die akribische Aufarbeitung des Schiffslogbuches, eine detaillierte Einschätzung der Leistung jedes einzelnen Brückenoffiziers, die Gegenzeichnung der aktuellen Befehle, die Vorbereitung für die Übergabe der Kommandocodes der Massive und, wie es üblich war in der republikanischen Flotte, einige persönliche Worte an den neuen Kommandanten, in Form eines altmodischen, handgeschriebenen Briefes. Der Brief war weniger eine Pflicht, als vielmehr eine Tradition, der Bru-Th sich auf keinen Fall wiedersetzen wollte. Es gehörte sich einfach, dachte er, denn es drückte nicht nur Respekt für den Nachfolger aus, sondern gab ihm zugleich einige wichtige 'Tipps', wie die Dinge an Bord eben liefen. Den Rest der Nacht, oder zumindest einige Stunden, hatte er nur nachgedacht, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, eingehüllt in die wohlig wallenden Wellen der Macht.

Während Bru-Th seinen Gang in die Schalldusche fortsetzte, schmunzelte er bei den Gedanken an den Brief, denn wie der Zufall es so wollte - es gibt keine Zufälle -, kannte er seinen Nachfolger, oder besser, seine Nachfolgerin. In gut einer halben Stunde würde sie auf der Schwelle zu seinem Quartiers stehen und vermutlich ausrasten.


"Ernest, lassen Sie Lt. Cmdr. Saris bitte eintreten",

antwortete Bru-Th auf die Frage seines persönlichen Stewards hin, ob er bereit sei, den Ersten Offizier der Massive zu empfangen. Noch immer tat Bru-Th sich schwer damit, dass ihm von Ernest Langdon fast alles abgenommen wurde, selbst Kleinigkeiten. Besonders als Jedi fühlte er sich schlecht dabei, denn es passte einfach nicht zu dem demütigen, genügsamen Verhalten, das von einem Jedi, ganz besonders einem Jedi Meister, erwartet wurde. Diese Gedanken verbannte er jedoch genau in dem Moment aus seinem Kopf, als Kytana Saris seine Suite betrat und sich verstohlen umschaute, bevor sie Bru-Th mit einem misstrauischem Blick belegte.

"Captain, Sie wollten mich sprechen?"

"Allerdings, Kytana, bitte nehmen Sie Platz."

Mit einer einladenden Geste bat er seine Stellvertreterin, sich in den ebenfalls recht komfortablen Sessel gegenüber seines imposanten Schreibtisches hin zu setzen, während er selbst diesen gerade umrundete. Obgleich der luxuriöse Tisch als Ablage und Sinnbild der Autorität des Kommandanten gute Dienste leistete, erzeugte er dadurch und vielleicht auch durch die schlichten Dimensionen des Exponats auch automatisch eine Distanz zwischen ihm und seinen Gesprächspartnern. Eine Distanz, die er jetzt nicht gebrauchen konnte.

"Wenns Ihnen nichts ausmacht, Sir, würde ich gerne stehenbleiben." Die rothaarige Frau stemmte bestimmt und mit einer gewissen Angriffslust, welche sich in ihrem scharfkantigen Gesicht wiederspiegelte, die Hände in die Hüften, dann verlangte sie fast barsch zu wissen: "Seien Sie ehrlich zu mir, irgendwas stimmt doch nicht, wenn Sie mich morgens vor meiner Schicht auf der Brücke schon in Ihr Reich zitieren, Captain."

Bru-Ths hatte indes den Tisch umrundet und setzte sich gelassen auf die eine Ecke des Tisches, in seinen Händen eine kleine, schwarze Schatulle wiegend, ebenso wie den am Vortag geschriebenen Brief.

"Wie Sie wollen, Lieutenant Commander! Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn Sie sich nicht setzen. In der Tat gibt es Neuigkeiten, die Sie betreffen, Sie ganz persönlich."

Mit äußerstem Vergnügen stellte Bru-Th fest, wie die selbstsichere Fassade seiner XO Risse bekam und wie sie die Erwiderung, die zweifelsohne der angriffslustigen Rothaarigen auf der Zunge lag, herunterschluckte. Bru-Th aber verzog keine Miene, sondern starrte bedeutungsschwer nur auf die kleine Schatulle, bis auch die Lt. Cmdr. das unscheinbare Schächtelchen wahrnahm. Kommentarlos reichte er es Kytana schließlich und bekräftigte völlig emotionslos:

"Mach Sie das auf, Kytana! Und sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt, dass genau das irgendwann eintreten könnte."

Aus den Augen der drahtigen, doch zierlichen Frau sprach nun das blanke Entsetzen, und Bru-Th meinte sogar ein ganz leichtes Zittern beobachtet zu haben, als Lt. Cmdr. Saris die Schatulle an sich nahm, einmal schwer schluckte und den leichtgängigen Deckel dann so vorsichtig, als hielte sie ein Gefäß aus Glas in ihren Händen, öffnete. Ihr Blick fiel auf die drei blauen Pins, die Ranginsignien eines Commanders, die fein säuberlich in dem Kästchen aufgereiht ruhten. Erst jetzt brach Bru-Th selbst die angespannte Stimmung, indem er zu einem Grinsen ansetzte, das einem Corellianer einfach perfekt zu Gesichte stand, der den Schalk dann und wann im Nacken hatte. Mit ausgestreckter Hand und echter Freude, erhob er sich von der Tischkante, seinen Krücke einfach vergessend.

"Herzlichen Glückwunsch, Commander Saris! Sie haben es sich wirklich verdient."

Die folgenden Stunden, die Bru-Th nutzte, um die rothaarige Frau, mit dem Temperament einer Preisboxerin, auf den aktuellen Stand der Lage zu bringen, glichen einer emotionalen Berg- und Talfahrt, nicht nur für Saris, wie er sich wohl eingestehen musste. Während Master Chief Petty-Officer Langdon darum bemüht war, den Strom an Kaffee nicht abreißen zu lassen, offenbarte Bru-Th nach und nach, dass er die Massive auf Befehl von Admiral Stazi hin verlassen würde, um das Kommando über den brandneuen Sternenzerstörer der Endurance-Klasse, dem ersten großformatigem Trägerschiff der Allianz, zu übernehmen, und dass sie ihn als befehlshabenden Offizier auf der Massive vertreten würde, dauerhaft.

Noch nie in seinem Leben, so erinnerte sich Bru-Th, während er auf dem Boden seines Quartiers im Schneidersitz saß, hatte er Kytana Saris so vollkommen perplex und sprachlos erlebt, und auch, wenn sie in diesem Moment nichts Zusammenhängendes herausbekommen hatte, genügte Bru-Th die tiefe Dankbarkeit, welche die Frau, mit der er gut zwei Jahre zusammengearbeitet hatte, ihm in diesem Augenblick der Ewigkeit entgegen brachte. Mit einer unscheinbaren Handbewegung, befahl Bru-Th einer kleinen Kerze, die zuvor in einem Wandregal gestanden hatte, zu ihm zu schweben, dann setzte er sie vor sich auf dem Boden ab. "Leicht war es mit ihr nie", erinnerte sich der hochgewachsene Corellianer an die Zeit mit der XO zurück, doch zugleich gestand er sich ein, dass er durch seinen Weggang nicht nur einen guten Offizier verlor, sondern auch eine Freundin, der er viel zu verdanken hatte. Doch auch das stimmte nicht ganz. Genau genommen verlor er viele gute Offiziere.

Es erklang das Signal, dass jemand Einlass verlangte. Ernest hatte er für diesen Abend aufgetragen, sie nicht zu stören, und so hatte er sich - zwar unter missbilligenden Blicken - dann aber doch in seine Pentry zurück gezogen.


"Komm herein",

sprach er in gemessener Lautstärke und betätigte mit Hilfe der Macht den Mechanismus, welche die Tür zu seinem Quartier leise öffnete, noch bevor der diensthabende Infanterist sie öffnete. Bru-Th selbst hatte das Licht in seinem Quartier nun soweit herunter geregelt, dass alles in dem reichlich möblierten Raum nur noch einen schemenhaften Charakter besaß und in den Hintergrund gedrängt, fast ausgeblendet wurde. Nur die einzelne Kerze, die er inzwischen entzündet hatte, spendete ein wenig Licht, sorgte für Behaglichkeit, nachdem Levice die Tür hinter sich geschlossen hatte und sich vorsichtig in den Raum - ob der ungewohnten Atmosphäre - hineintastete. Dass Bru-Th von seiner Padawan erwartete, dass sie sich zu ihm auf den Boden setze, erwähnte er nicht eigens.

"Du hast sicher viel zu berichten, junge Padawan. Und wir haben auch noch über viel zu sprechen, wie z.B. deine Ergebnisse bei der Musterung, doch für den Moment schiebe all deine Gedanken, die darum kreisen mögen, schlicht beiseite",

bat er Levice. Kurz öffnete Bru-Th die Augen, um die braunhaarige Frau, welche in der Macht eine starke Präsenz verströmte, in der echten Welt jedoch ehr eine unscheinbare Erscheinung war, einen Moment zu mustern, dann erklärte er im Duktus eines geduldigen Lehrers:

"Für den Moment, sei eine Jedi! ... Die Macht ist stark in dir, Levice. Ich spüre ihre allumfassende Energie in dir, doch zugleich sehe ich auch, dass du dein Potential noch nicht nutzt, nicht einmal im Ansatz. Du weißt um die Macht, weißt um die Macht und ihren Status als machtvollen Verbündeten, doch wirklich annehmen, tust du sie nicht. Behandle die Macht nicht wie eine Außenstehende, der du dich bedienst, sondern verinnerliche sie. Erst dann, und nur dann, bist du wahrhaft eins mit ihr und dem Universum."

Bru-Ths Augen schlossen sich wieder.

"Aber langsam! Schauen wir, wie weit du bist. ... Schließe die Augen und versuche die Macht zu spüren, wie du es im Tempel gelernt haben solltest, Levice."


[Coruscant System | Orbit von Coruscant | Kampfverband 'Jela' | LTK "Massive" | Deck 1 | Quartier des Captains] Meister Agoch, Padawan Vajetsi
 
Coruscant, Jedi-Tempel, Kellergewölbe-Weg zum heiligen Berg: Tara, Ribanna, Keeda, Wes, Allisah, Radan, Rick, Duska


Während Wes und auch Keeda angetan waren, den heiligen Berg aufsuchen zu wollen, empfanden Andere weit weniger Euphorie für diesen Ausflug. Ribanna machte gerade mal einen Schritt vorwärts.


„Aufregend?...“


Ribanna fuhr herum. Dies kam von Alisah, die hinter Tara lief.


„...Oh ja, so aufregend wie der Balztanz einer Kristallschnecke!“

„Oder seht ihr das anders?“



Alisahs Blick richtete sich auf sie und Tara abwechselnd. Ribanna überlegte nicht lange, sondern gab erstmal spontan ein Schulterzucken preis. Sie wusste nicht wirklich, was sie davon halten sollte, konnte sich weder solch` einen Berg vorstellen, noch hatte sie besonders große Lust eine Ewigkeit hier unten durch die Kellergewölbe zu irren und über weiteres Ungeziefer und Unrat zu stolpern. Wer wusste schon, was noch kommen würde?! Leise flüsternd gab sie zu:


„Naja, es geht so. Aber, was sollen wir machen?! Irgendwie habe ich mir das Alles anders vorgestellt! Es ist ekelhaft hier unten!“,


und Ribanna verzog ihr Gesicht dementsprechend und verlieh damit dem Gesagten den nötigen Nachdruck. Dann drehte sie sich wieder um und es ging weiter. Es war dunkel, kühl, nein feuchtkalt und klamm besser gesagt, stickig und es stank nach Müll und Fäkalien und nach Keller, denn Keller haben so einen typischen Geruch und nach Undefinierbarem! Ribanna fragte sich, ob sie dies lange ertragen würde. Hier war Durchhaltevermögen gefragt wie beim Tanztraining! Doch konnte man dies hier mit einem Tanztraining im Tempel dennoch nicht vergleichen. Ein Tanztraining hatte den Tänzerinnen viel Kraft und Schweiß und Durchhaltevermögen abverlangt, aber das Ambiente drumherum war anders. Dort musste man sich nicht fürchten und ekeln und musste nicht immer wieder krampfhaft versuchen, sein Essen nicht heraus zu bringen. Ribanna bezweifelte, dass sie genügend Durchhaltevermögen aufbringen würde.



Ihre Gedanken kreisten unentwegt um die Ratten. Wenn so ein Tier sie nun anspringen würde, was dann? Es könnte sich in ihrem Bein oder Arm verbeißen?! Diese Gedanken waren schrecklicher Natur! Und sie hatte sie lebhaft und bildlich vor Augen! Doch die üblen Gedanken und Fantasien ließen sich einfach nicht abstellen! Doch irgendwann wurde sie dann aus ihren Gedanken gerissen, um festzustellen, dass auch Andere an das Ungeziefer dachten, wenn auch anders als Ribanna Noida. Alisah, die recht vorlaut war, meldete sich mal wieder:



„Ähm, übrigens, mal ne Frage an den werten Herren Jedirat da vorne!
Oder vielleicht kann‘s ja auch jemand der Anderen einer dummen Person wie mir erklären.
Also, auch wenn Ratten eklige Wesen sind, sind sie doch in gewisser Weise Unschuldige und so lange sie einen nicht angreifen sollte ein Jedi doch eigentlich nicht danach trachten gleich Massenmord an der ganzen Population zu verüben. Erst recht nicht wenn er grade auf dem Weg zu seinem heiligsten Ort ist. Oder seh ich das verkehrt?“


„Ja!“,


antwortete Ribanna prompt und sichtlich aufgebracht.


„Es handelt sich hier um Ungeziefer, die schlimmstenfalls Krankheiten verbreiten könnten. Sie müssen getötet werden! Das ist doch wohl in unser aller Interesse! Dringend! Sie könnten beißen!“,


sagte sie entrüstet und hatte am Ende einen herrischen befehlenden Unterton beigemischt, der aus ihrer Panik vor den Ratten resultierte! Wie konnte Alisah nur so eine Frage stellen?! Ribanna entging dabei der Sinn der eigentlichen Frage! Das Alisah auf das Unschuldige dieser Kreaturen anspielte und den Jedi-Kodex ansprach und eigentlich Wes aufzog, bemerkte sie nicht. Aber, Ribanna bemerkte dafür etwas Anderes. Sie hörte zum ersten Mal, dass Wes Jedirat war. Beeindruckt warf sie ihm einen anerkennenden Blick zu. Er hatte sich ihr nicht als Jedirat vorgestellt gehabt. Scheinbar machte er keinen großen Hehl daraus.


Als es endlich weiterging und Ribanna sich fast hinlegte, da sie auf einer leeren zerdrückten Getränkebüchse ausrutschte, dauerte es nicht lange und ihre Leuchtstäbe ließen vor ihnen ein großes Rattennest erscheinen, was soeben noch Diskussionsgegenstand war. Ribanna erstarrte vor Schreck. Angst und Panik erfassten sie und ihr Blick hielt das Nest fest im Griff und saugte sich regelrecht daran fest und zeitgleich schnellte abwehrend ihre Hand in die Höhe und plötzlich stand das Rattennest samt Mutter und üppigem Nachwuchs in lodernen Flammen. Erschrocken kam sofort Ribanna zu sich. Die Flammen erhellten den Raum, knisterten laut, die Todesschreie der Tiere waren unüberhörbar und es schlug ihnen allen Hitze entgegen. Ribanna war sofort klar, dass sie es gewesen war. Noch nie war ihr derartiges passiert! Noch nie hatte sie etwas Anderes als Kerzen ausversehen entzündet! Ach doch, sie hatte den Kamin ausversehen angemacht, als Sarid Horn dabei gewesen war. Aber, noch nie waren in dem Feuer Lebewesen zu Schaden oder besser gesagt ums Leben gekommen.



„Ich habe es nicht absichtlich getan!“,


brachte sie leise stammelnd heraus, in dem Wissen, dass man ihr, nach ihrerm Spruch vor einigen Minütchen, dies kaum abnehmen würde. War man darüber froh oder darüber schockiert?! Ribanna blickte nach und nach fragend in die Gesichter der Anderen. Unsicherheit überfiel sie. Es war wie auf Chalacta, als sie sich stets ihrer Gabe, ihrer Affinität zum Element Feuer, schämte. Sie sollte wegen ihrer Behaftung sogar brennen! Wie würden Machtnutzer, Jedi, darauf reagieren? Musste sie sich schämen? Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust! Ängstlich fiel ihr Blick auf den Jedirat.


Coruscant, Jedi-Tempel, Kellergewölbe vor brennendem Rattennest: Wes, Ribanna, Tara, Keeda, Alisah, Radan, Rick, Duska
 
[Coruscant System - Orbit von Coruscant - LTK "Massive" - Deck 2 - Quartier des Kommandanten] Levice Vajetsi, Bru-Th Agoch

Die Tür ließ sie ein, kaum dass ihre Worte verklungen waren und Levice folgte dieser stummen und der anschließend leise nach außen dringenden, ausdrücklichen Einladung in das Innere eines Raumes, den sie nur noch schemenhaft erkennen konnte. Ihre Augen würden einen Augenblick benötigen, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, sodass die junge Frau, sich ihres dominantesten Sinnes anteilig beraubt, auf die einzige augenfällige Lichtquelle zubewegte.
Sie wollte die Stille nicht mit Sprache füllen und wich daher auf ein respektvolles Nicken aus, das als Begrüßung und Bestätigung zugleich diente.

Ein Klumpen ließ sich in ihrer Magengegend nieder, als sie die Worte ihres Meisters vernahm. Er sprach aus, was sie lange von sich geglaubt hatte, womit sie sich aber niemals hatte ernsthaft beschäftigen wollen. Sie lächelte ob es Potenzials, das er in ihr vermutete, denn diese Auffassung teilte sie nicht. Die Macht war ihr ständiger Begleiter, ebenso wie die Luft, die sie atmete. Sie nahm Dinge über sie wahr, wie sie sie mit ihren Sinnen auch riechen, schmecken oder ertasten konnte. Ihre Atmung konnte sie kontrollieren, die Macht entzog sich ihr, wirkte nur einseitig auf sie wie ein Instinkt, der gelegentlich unterbewusst einsetzte, wenn sie sich nicht vollkommen darauf konzentrierte.

Gewohnheit und Übung ließen sie in einer flüssigen Bewegung zu Boden sinken, die Beine locker vor sich angewinkelt und überkreuzt, die Arme entspannt auf ihren Oberschenkeln ruhend. Der Rücken streckte sich im Einatmen, die blaugrünen Augen schlossen sich im Ausatmen. Das waren alle Vorbereitungen körperlicher Natur, die die Braunhaarige treffen konnte. Ein weiterer Atemzug. Der Raum war in das Kerzenlicht getaucht, manchmal ruhte, manchmal flackerte es. In der Macht aber war das Quartier von Licht erhellt und dessen beständige, gleichmütige Quelle war der Jedi Meister ihr gegenüber. Sie widerstand dem Drang, die Augen zu öffnen und suchte stattdessen neben ihrem körperlichen Platz auch den ihres Geistes.

Dieser war stets ein unbändiges Ding gewesen, unbeständig, unverlässlich und immer auf einer abenteuerlichen Wanderschaft, während der es am Wegesrand jederzeit Neues zu entdecken gab. Lebhaft wurde er seit jeher dann, wenn er rasten sollte, denn dann war es Zeit, den Besonderheiten rechts und links, jetzt, vergangen und künftig, die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die sie vermeintlich verdienten.

Aber Meister Agoch hatte nicht umsonst erwähnt, dass derlei auf einen späteren Zeitpunkt warten sollte. Gegensätzlich zu seinen Worten dachte sie prompt an den Nachmittag zurück . Ungebeten und unterbewusst veranlasst kam ihr Twi-Leki wieder hervor und verlangte nach der Konjugation von "khathe'e".
'Khath'o, khathe'ay, khatheen - ' Levice seufzte, wenngleich nur innerlich und schob den aufdringlichen Gedanken mit einer kolossalen Anstrengung beiseite, während sie Lt. Niostas skeptischen, durchdringend gelben Blick erneut vor Augen sah und ob der Absurdität dieser Vorstellung beinahe aufgelacht hätte.
"Beinahe" macht den Unterschied, auf den es ankam, denn ihr gegenüber saß noch immer geduldig ein Jedi Meister und Levice hatte, Beginn ihrer Ausbildung oder nicht, kein Interesse daran, seinen oder gar ihren eigenen Erwartungen nicht zu genügen. Das löste eine Erinnerung an Lehren zum zwiespältigen Konzept von Erwartungen an sich aus.
In der Folge konnte Levice nicht umhin, ihre Nervosität und Unruhe anzuerkennen, half es offenkundig doch keineswegs, sie zu ignorieren, da beide eindeutiger Ursprung der wenig willkommenen Gedankenfetzen waren.

Die Macht machte vor der äußeren Fassade der jungen Jedi nicht halt und darin, dass dieser Quell die Dinge nicht nur verband, sondern auch durchdrang, lag für die Padawan mehr als ein Hindernis. Denn das Wissen, dass ihre unbewegte Mimik nur nach außen hin ihr Inneres verborgen hielt und sie für einen Machtsensitiven mit den Fähigkeiten eines Meisters einem offenen Buch glich, verbesserte ihre Situation nicht.

Beruhigende Atemtechniken erlaubten es ihr wenige, aber lange Minuten später einen Zustand zu erreichen, der entfernt an die Ruhe und Gelassenheit einer Jedi erinnern mochte.
Sie hatte im Laufe der ihrer Zeit auf Lianna viele Bilder kennengelernt, mit denen die Meditation verglichen werden konnte. Ihr liebstes war das eines Gefäßes, welches mit Wasser gefüllt wurde. Nur konnte sie nur schwer dieses Gefäß sein, denn in seiner Eigenschaft
war es nur.
Anstatt sich zu wünschen, nicht geduldig zu sitzen, sondern sich bewegen zu können, streckte Levice nicht ihre Sinne, nicht ihre Gedanken, nicht ihr Selbst aus, sondern ließ das Licht, aus dem sie sich definierte, nach seinem Ganzen tasten. Sich dem Meer aus Licht und seinen Strömungen zu überlassen war ihre Absicht. Sie spürte sich hingegen danach greifen, aber so wenig wie sich Wasser mit bloßen Händen fassen ließ, reagierte auch die Macht auf sie.
Das Selbst in die Macht einzufügen, sich ihr hinzugeben und von ihr ausfüllen zu lassen gelang der jungen Jedi bis zu dem Punkt, an dem ein Nichtschwimmer sich in die tiefer werdenden Gewässer eines Meeres wagte. Solange die Füße den Boden berührten, fühlte sie sich sicher.

Solchermaßen an ihrer Grenze angelangt, wurde sie der abwartenden, passiven Präsenz neben ihr gewahr, die sich undurchschaubar mit solcher Selbstverständlichkeit in der Macht bewegte, eins mit ihr und doch Individuum war. Auch diese verblasste langsam in ihrer Wahrnehmung, während ihre Gedanken zum größten Teil abrissen. Sekunden und Minuten vergingen.

Ein Bedürfnis zupfte an ihrem Bewusstsein, erzeugte eine Welle auf dem bislang so ruhigen Ozean und stieß das ambitionierte, junge Wesen um, als dessen Hand sich reflexartig zu seinem Gesicht bewegte und eine kitzelnde Strähne entfernte. Levices Augenlider öffneten sich blinzelnd und sie ertappte sich selbst in der Bewegung und ihrer zeitgleich zerschlagenen Konzentration. Es gelang ihr selten, eine Meditation über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Wie Jedi über mehrere Stunden meditierend ausharrten, war ihr ein ungelöstes Mysterium. Zumindest stellte sich heute nicht der Schluckauf ein, den sie als Kind fast immer bekommen hatte, wenn sie nicht von selbst die Meditationstrance verlassen hatte.
Auf ihrem Gesicht breitete sich ein schiefes Lächeln aus. So, wie die Padawan nach einer Regung in der Mimik des Meisters suchte, tastete sie vorsichtig mit ihren Machtsinnen nach einer Reaktion.


»Entschuldigt, Meister. Ich versuche es gern erneut.«
, sagte sie, auch wenn ihr die Vorstellung, erneut eine ihrer Schwächen zum Gegenstand kritischer Beobachtung zu machen, sichtlich nicht behagte. Ihre Tante hatte die Bezeichnung "weniger ausgeprägte Fähigkeiten" bevorzugt, Levice bevorzugte es aber, die Dinge beim ihrer Auffassung nach korrekten Namen zu nennen.


[Coruscant System - Orbit von Coruscant - LTK "Massive" - Deck 2 - Quartier des Kommandanten] Levice Vajetsi, Bru-Th Agoch
 
[ Coruscant – Obere Ebenen – Wingston Corporation – Penthouse | mit Giselle ]

Für einen Augenblick bereute Alad Wingston, mit seinem missbilligenden Grunzen angedeutet zu haben, dass er die Vahla wahrgenommen hatte. War nicht deutlich daraus abzulesen gewesen, dass er sie gerne ignorieren wollte – und am liebsten sogar gar nicht hier sitzen sähe? Es schien typisch für Giselle Givenchy diese Gegebenheit zu vernachlässigen und stattdessen zu versuchen die Situation zu ihren Gunsten zu nutzen. Das war schließlich der alleinige Grund ihrer Anwesenheit hier auf Coruscant. Sie hatte eine Gelegenheit gesehen ihre Position zu verbessern und sie beim Schopfe ergriffen. Dass sie ihn ansprach erschien da fast folgerichtig. Immerhin – aber vermutlich gehörte auch das zu ihrer Strategie – sprach sie ihn so an, wie es sich gehörte: Mit „Mr. Wingston“ und „Sir“. Sie kam mit einem Anliegen, wie hätte es auch anders sein können. Dass sie aber betonte, es handele sich um eine persönliche Angelegenheit, machte ihn neugierig. Der alte Mann konnte nicht genau sagen, woran es lag. Vielleicht an dieser Ernsthaftigkeit die ihre Stimme bei den Worten angenommen hatte.

„Hm.“

Wieder dieser Laut, diesmal allerdings mit einer Spur Interesse, was durch Alad Wingstons erhobene Augenbrauen unterstrichen wurde. Mit dem Kaf in der Hand schob er sich an der Couch vorbei, die mit ihrer auslandenden Sitzfläche bisher als natürliche Barriere zwischen den beiden ungleichen Gesprächspartnern gestanden hatte. Als er sich schließlich gegenüber von Giselle und somit im weitesten Abstand zu ihr setzte, entfuhr ihm zu seinem Verdruss ein leichtes Keuchen. Der Rücken.

„Miss Givenchy.“

erinnerte er sich nun doch an die ihm sonst so wichtigen Höflichkeitsformeln. Ein weiteres Ächzen unterdrückend, streckte er sich nach vorne zum Couchtisch und stellte die dampfende Tasse Kaf ab. Dann lehnte er sich zurück, nahm die Vahla ohne zu Blinzeln in den Blick und legte die Fingerspitzen aufeinander.

„Sprechen Sie.“

Alad Wingston wusste nicht, was ihn zu erwarten hatte. Der zeremonielle Ernst in ihrer Stimme hatte nicht zu seinem bisherigen Bild der Frau gepasst, die Exodus um den Finger gewickelt hatte. Seine Kenntnis über die Ziele und Wesenszüge von Personen war etwas, auf das er stets stolz gewesen war. Sie hatten ihm das ein oder andere lukrative Geschäft ermöglicht. Aber auch sein Instinkt war etwas, auf dass er sich bei aller Rationalität und Faktenlage immer verließ. Die Vahla hatte sein Interesse geweckt. Und das war mehr als ein ungebetener Gast in seinem Haus zu hoffen wagen konnte.

[ Coruscant – Obere Ebenen – Wingston Corporation – Penthouse | mit Giselle ]
 
[Core Worlds | Corusca-Sektor | Coruscant-System | Coruscant || Regierungsviertel | Landeplattform | vor dem RM-Null-Vier]
Commodore Navara Ven und Sekretär Fey'lya


Für die neurepublikanische Gesandtschaft um Commodore Navara Ven war das erste Gespräch mit der imperialen Sektorverwaltung nur bedingt gut gelaufen. Zu deutlich waren die Ressentiments auf beiden Seiten zu Tage getreten. Denn während sich der amtierende Moff in arroganter Herablassung gesonnt hatte, hatte die corellianische Senatorin, Casia de Lieven, hauptsächlich die Konfrontation gesucht. Man wollte gegenüber dem ehemaligen Feind keinen Millimeter weichen – dieses Gefühl hatte der grünhäutige Twi'lek inzwischen, während sie langsam in Richtung Shuttle gingen und die Politikerin ihre Befürchtung offen mitteilte, dass sie in Verans letztes Angebot, man könne in Suiten des Fünfhundert Imperia übernachten, die Möglichkeit für eine Falle sah. Vor allem der Gelegenheit zur Spionage durch den Imperialen Geheimdienst räumte sie in ihren Gedanken offenbar viel Raum ein – und der nichtmenschliche Flottenoffizier war geneigt ihre Argumentation zu teilen.

Navara wollte gerade den Rückflug zur wartenden „Prometheus“ veranlassen als sich auf einmal ihr begleitender Sekretär, der Bothaner Fey'lya, einschaltete. Seine Stimme hatte einen mahnenden Ton als er sagte:
„Sie sollten sich diesen Schritt ganz genau überlegen, Commodore. Ihr Handeln könnte das angespannte Verhältnis zwischen Imperium und Republik noch mehr stören – und sich sogar auf die angestrebte Zusammenarbeit im Falle 'Jago' auswirken...“

Bei diesen Worten hielt der Uniformierte, der schon auf der Rampe stand, inne. Hatte Casia so weit gedacht? Hatte er so weit gedacht? Etwas perplex schaute er den Bothaner an. Zum Glück bekam er die Kontrolle über seine Gesichtsmuskel schnell wieder. So kehrte seine gewohnt grimmige Miene schon binnen weniger Sekunden wieder zurück. Was sollte er nun tun? Selbstverständlich würde der Geheimdienst der Imperialen lauschen, sollten sie die Suiten beziehen! Womöglich erdreistete sich irgendeiner ihrer Agenten sogar – während sie selbst in diesem Augenblick gerade abwesend sind – in die überlassenen Zimmer einzudringen und schnell alle mitgebrachten Dossiers und Datapad zu durchsuchen. Eine echte Horrorvorstellung für jeden sicherheitsliebenden Militär und Politiker. Der Commodore musterte inzwischen den haarigen Sekretär. Eigentlich sah er zur Zeit keine Optionen, die er für „passabel“ hielt.

„Und was schlagen Sie vor, Fey'lya?“, fragte der Twi'lek aus diesem Grund. Beide Lekku bewegten sich dabei in einer Art und Weise, die auf Fremde „aggressiv“ wirken musste. „Bleiben wir hier, hat das Imperium unter Umständen die Möglichkeit unsere Daten zu stehlen.“ Kurzzeitig funkelten die beiden gelben Augen des Flottenoffiziers. „Noch vertraut der örtliche Widerstand felsenfest darauf, dass wir deren Köpfe erfolgreich schützen können. Wir brauchen sie, um in den ersten Wochen eine funktionierende Regierung auf provisorischer Basis zu haben – das haben Sie mir selbst gesagt!“

Der Bothaner zeigte seinen Ärger, indem kurz dessen spitze Zähne aufblitzten. „Natürlich kann ich mich an meine Worte erinnern, Commodore.“ Er hielt inne, überlegte für einen Moment. „Holen Sie Verstärkung hierher... Irgendein Schiff wird doch einen dicken Pelz haben und uns im Notfall in den Orbit bringen können! Vergessen Sie außerdem nicht, dass sich ihr MAD und unserer Geheimdienst über eine zusätzliche Möglichkeit, auf diesem Planeten Fuß fassen zu können, bestimmt freuen und demnach für die notwendige Sicherheit sorgen wird.“

Falsch war der Gedanke nicht – das musste Navara zugeben. Seine Verpflichtungen banden ihn für die nächsten Tage so oder so an den Planeten. Sollte er also tatsächlich der Politikerin, die er so sehr achtete, widersprechen und dafür die Idee dieses windigen Sekretärs umsetzen? Urplötzlich stand er zwischen den Stühlen. Ein Gefühl der Loyalität zog ihn in Richtung Casia, während der Gedanke an Rationalität zu Fey'lya strebte. Unruhig zuckten seine Gehirnfortsätze. Grübelnd betrat er das kleine Shuttle. Die Politikerin hatte sich schon in den Passagierbereich zurückgezogen und wahrscheinlich nichts von dem kleinen Disput zwischen den beiden Nichtmenschen etwas mitbekommen. Kurz ließ der Commodore den Blick auf der hübschen Menschenfrau ruhen. Sollte er einfach so handeln? War er auf ihren „Segen“ angewiesen? Wieder meldete sich die Loyalität in ihm.

Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Zwar verließ sich der Twi'lek nur äußerst ungern auf Personen, die er erst seit ein paar Stunden kannte, aber hatte sich derjenige nicht schon mit seinem Ideenreichtum bisher bewiesen? Sein Gespür für Taktik hatte eine Ahnung. Genau wie in einer Schlacht stellte sich bei Navara mit einem Mal ein Gefühl ein, als könne er die recht chaotische Situation – jedenfalls im Großen und Ganzen – einschätzen, überschauen. Beseelt von einem neuen Selbstbewusstsein suchte er sofort das Cockpit auf und ließ sich eine sichere Verbindung zur „Prometheus“ geben. Er musste in kürzester Zeit diverse Befehle geben. Immerhin hatten seine Untergebenen im Orbit anschließend mit veränderten Gegebenheiten zu kämpfen. Des Weiteren musste sich auch der Kommandant, auf den der Commodore nun setzte, auf seine neue Position innerhalb der Mission einstellen. Denn die koordinierende Überwachung des orbitalen Verkehrs würde ab sofort jemand anderes in der Gruppe übernehmen müssen. Nachdem er mehrere Minuten kehrte er – mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen – in den Passagierbereich zurück.


„Senatorin, es gibt eine Planänderung“, verkündete er auf der Stelle. Seine gelben Augen fixierten dabei die schlanke Corellianerin. „Ich habe soeben eine meiner Fregatten, die 'Halcyon', den Befehl geben, nahe dem Fünfhundert Imperia zu landen und die Stellung notfalls zu halten. Denn ich habe vor das Schiff als unsere Fluchtmöglichkeit zu nutzen, sollte sich Coruscant am Ende doch als eine Falle herausstellen.“ Er atmete kurz durch. Sein Blick ruhte dabei weiterhin auf der sehr erfahrenen Politikerin. „Offiziell wird Commander Garnik, der Kommandant der 'Halcyon', für die Dauer Ihres Coruscant-Aufenthaltes Ihr Attaché sein. In Wahrheit soll die Fregatte uns aber nur die Gelegenheit geben weitere Agenten – Geheimdienst wie MAD – einzuschleusen. So können wir den Imperialen in deren Suiten problemlos begegnen und dabei das Gesicht einer friedfertigen Gesellschaft wahren. … Des Weiteren können wir so zwei Sachen zur gleichen Zeit angehen. Sie kümmern sich um das Treffen mit den Widerstandszellen – allen voran den 'Defendern' – und ich kann in der Zwischenzeit mit den Recherchen für die Jagd auf Jago beginnen.“ Ein kräftiger Ruck ging durch das Shuttle. Es war dabei jedem Passagier auf der Stelle klar, dass man sich in Bewegung gesetzt hatte und gleich in den alltäglichen Gleiterverkehr des urbanen Planeten eindringen würde. „Ihre Koffer, Senatorin, werden – genau wie mein Gepäck – mit der 'Halcyon' anreisen...“

[Core Worlds | Corusca-Sektor | Coruscant-System | Coruscant || in der Luft || RM-Null-Vier | Passagierbereich]
Commodore Navara Ven, Senatorin de Lieven und Sekretär Fey'lya
 
[Coruscant System | Orbit von Coruscant | Kampfverband 'Jela' | LTK "Massive" | Deck 1 | Quartier des Captains] Meister Agoch, Padawan Vajetsi


Die friedliche, fast lautlose Atmosphäre in seinem Quartier weckte in Bru-Th die ein oder andere Erinnerung an jene Zeit, wo sie für ihn ganz zweifelsohne zur Normalität gehörte und er die tägliche Meditation so verinnerlicht hatte, wie das Einnehmen einer Mahlzeit oder sogar das Atmen selbst. Nachdem er die Augen geschlossen und die Mitte seines Seins gefunden hatte, fand Bru-Th jene innere Friedfertigkeit wieder, die für einen Jedi der Quell seiner Kraft und Gelassenheit war. Das Selbst in der Macht aufgehen zu lassen, es in ihr zu wiegen, wie eine Amme ein Kind wog, gehörte zu den erfüllendsten Erfahrungen, die ein Jedi machen konnte, und selbst nach Jahren der Erfahrung, nach Jahren, die man gestreng im Sinne des Kodex gelebt und für den Orden der Jedi gewirkt hatte, war es die Kraft der Meditation, die einem Jedi ein Gefühl für 'zu Hause' gab.

Und dennoch war sich Bru-Th, wie er dort saß und seine Padawan dabei beobachtete, wie sie versuchte, ihr eigenes Selbst in der Macht zu finden, der Widersprüchlichkeit der Situation bewusst, in der er sich befand. So wie die lautlose Atmosphäre in dieser vom Kerzenschein umhüllten Szenerie durch das hintergründige, aber doch präsente Wummern der mächtigen Fusionsreaktoren irritiert wurde, so war er ein Jedi Meister, der inmitten eines Raumes auf einem Kriegsschiff saß, das nur zu dem Zweck gebaut wurde, Leben möglichst effektiv auszulöschen, und meditierend den inneren Frieden suchte. Die Ironie dieser Vorstellung nährte jene Stimme, die leise, jedoch bestimmt die Zweifel unterfütterte, ob das, was er hier tat, richtig war. Bru-Ths Stirn legte sich, ob der unangenehmen Gedanken, leicht in Falten, dann ließ er die Zweifel los, bzw. zermalmte sie unter den Stiefeln seiner mentalen Konzentration. Sie innerer Blick fiel auf Levice.

Im Grunde, dachte Bru-Th, macht sie sich gar nicht schlecht. Seine Schülerin war fokussiert auf die Meditation, sie hatte gelernt die körperlichen Funktionen, wie beispielsweise die Atmung zu kontrollieren und auch die Verbindung zur Macht, war da, wenn auch nicht tief. Er spürte, wie sie mit sich und jenem mystischen Energiefeld, das alles Lebendige und selbst alles Leblose durchdrang, in ein Zwiegespräch eintrat und einen Zustand erreichte, der einer geistigen Symbiose glich. Bru-Th Lippen kräuselten sich zu einem schmalen Grinsen, wie er an seine anfänglichen Versuche dachte. Doch wie in einem Gespräch, das nur oberflächlich verlief, in dem man nur Floskeln tauschte oder sich über Belanglosigkeiten, wie z.B. das Wetter unterhielt, so gelang auch Levice nicht, die Verbindung der Macht auf eine tiefere Ebene zu tragen. Die Kommunikation war da, doch sie war zaghaft, oberflächlich, ... Bru-Th kam das Wort 'Small Talk' in den Sinn. Dann war alles zu Ende und Bru-Th schaute ausdruckslos in das schiefe Lächeln, das seine Padawan ihm darbot. Noch immer trug die lose Haarsträhne ihr Unwesen, oder besser, schon wieder. Obgleich er innerlich schmunzelte, verlor seine Miene nichts von seiner Unbewegtheit.

"Das ist nicht notwendig, Levice. Ich habe gesehen, was ich sehen wollte",

legte der hochgewachsene Jedi Meister in knappen Worten dar. Er fragte sich, ob seine Schülerin begriffen hatte, dass es nicht diese außer Kontrolle geratene Strähne war, die sie aus der Meditation befördert hatte, sondern dies nur die körperliche Reaktion auf die noch oberflächliche Verbindung zur Macht war. Während Bru-Th Levice ausgiebig musterte, fühlte er, wie unangenehm ihr die Situation war, und wie wenig sie es mochte, wenn man den Finger genau in die Wunde legte. Leider, wusste Bru-Th aus Erfahrung und tiefster Überzeugung, war es genau das, was Lehrer mit ihrer Pädagogik zu tun pflegten. Sie legten den Finger in die Wunde, in jede Wunde, und wenn nötig, immer wieder und jedes Mal tiefer. Doch es war an der Zeit, vielleicht hatte er ein Einsehen, die drückende Ungewissheit zu beenden.

"Für das erste Mal unter meiner Anleitung, hast du dich ordentlich geschlagen. Rechnen wir hinzu, dass sich dein Leben gerade radikal ändert, du heute einen äußerst geschäftigen Tag hattest und die Meditationsbedingungen auf Kriegsschiffen wohl nicht als optimal zu bezeichnen sind, hast du dich sogar sehr ordentlich geschlagen, Levice.

Jetzt lächelte er doch ein wenig, denn es ging darum, dass sie Mut schöpfte, sowohl in ihre eigenen Fähigkeiten, als auch bzgl. der bevorstehenden Ausbildung.

"Was glaubst du selbst? Warum gelingt es dir noch nicht, länger zu meditieren? Welche Schwierigkeiten begegnen dir dabei?"

Des Rätsels Lösung einfach hin zu werfen, war nicht Bru-Ths Art und entsprachen schon gar nicht seinem Verständnis von 'Lehre'. Seine eigene Rolle reduzierte er dabei auf die eines Mittlers. Er würde seine Padawan anleiten, sie in die richtige Richtung stoßen und behutsam, jedoch bestimmt jene Denkansätze, welche sich mit der Zeit als Irrwege entpuppen würden, ausmerzen, ebenso wie er jene zu fördern gedachte, welche sich als fruchtbar erwiesen. Einen goldenen Weg gab es nicht, denn es waren eben jene Um- und Irrwege, welche das Verständnis des Padawans schärften. Auf diese Weise, und dies war sein vorrangiges Ansinnen, blieb das 'Denken' beim Padawan.


[Coruscant System | Orbit von Coruscant | Kampfverband 'Jela' | LTK "Massive" | Deck 1 | Quartier des Captains] Meister Agoch, Padawan Vajetsi

[OP: Diesmal etwas kürzer, damit wir in einen Dialog kommen.]
 
[Coruscant System - Orbit von Coruscant - LTK "Massive" - Deck 2 - Quartier des Kommandanten] Levice Vajetsi, Bru-Th Agoch

Das war die entscheidende Frage, war es nicht so? 'Wenn ich darauf nur selbst eine Antwort hätte..', dachte die Braunhaarige, zunächst unwillig, sich der Fragestellung anzunehmen.

Als sie vernommen hatte, dass ihre Anstrengungen zumindest passabel waren, hatte Levice sich innerlich entspannt und war selbst von dieser Reaktion überrascht gewesen. Die Bestätigung gab ihr das Gefühl, etwas sichereren Boden unter den Füßen zu haben. Sie legte die Hände ineinander und betrachtete sie geistesabwesend für einen Moment, bevor sie wieder aufsah.

»Einige«, begann sie in ungezwungen-leichtem Tonfall. Ein kurzer Blick an ihrem Meister vorbei, in keine bestimmte Richtung. Ebenso wenig zielgerichtet wie ihre Überlegungen, die sie im Folgenden unsortiert vorbrachte. Levice sprach langsam und dachte nach, noch während sie redete.
»Wenn ich meditieren möchte, mir Ruhe und Zeit nehme, kann ich am besten nachdenken, denn abgesehen davon, genau diese Gedanken beiseite zu schieben, mache ich nichts.« Sie kniff die Lippen zusammen, um den Anflug eines ironischen Lächelns zu verbergen.
»Normalerweise braucht es noch viel länger. Wenn ich allein bin.« 'Und niemand darauf achtet.'

Die Padawan betrachtete wieder ihre Hände, dachte einen Augenblick nach, als sie nicht sofort eine Antwort erhielt.

»Dass hier nicht alles still und leise ist - nun, es beruhigt mich. Dann ist etwas da, etwas monotones, auf das ich mich konzentrieren kann, statt zu überlegen.« 'Nur kann ich diesen Bezugspunkt, egal welchen ich wähle, dann nicht mehr loslassen', dachte sie ergänzend und der Gedanke hörte sich für ihr inneres Ohr recht nüchtern an.

Nebenbei veränderte sie ihre inzwischen unkomfortable Sitzposition leicht und erinnerte sich daran, wie ihre Haarsträhne sie aus ihrer Konzentration gerissen hatte. Tatsächlich gab es Momente, realisierte sie, in denen weder das eine, noch das andere sie je beeinflusst hätte.

»Ganz anders ist es, wenn ich eine Kata übe. Darin kann ich gelegentlich so versinken, dass ich gar nicht bemerke, was um mich herum geschieht.« Genauso verhielt es sich, wenn sie beispielsweise einen Patienten behandelte oder Proben untersuchte. Diese Tätigkeiten nahmen ihre Aufmerksamkeit teilweise so sehr in Anspruch, dass sie regelrecht vergaß, hungrig oder durstig zu sein. Störende Haarsträhnen hatten dann keinen Platz in ihrer Konzentration. Der Jedi Heiler, welcher sie während ihrer medizinischen Ausbildung beaufsichtigt hatte, hatte sie nicht nur einmal mehrmals ansprechen müssen, bis sie reagiert hatte. Stets ermahnte er sie, aufmerksamer zu sein, aber es war ihr nur selten gelungen.

Levice verstummte. Denn abgesehen von ihren bisherigen Schilderungen gab es noch einen anderen Aspekt. So sehr sie dazu neigte, vieles sehr genau zu durchdenken, so gut war sie sie ausnahmsweise darin, diese Betrachtung beiseite zu schieben. Ihr Blick wurde für einen Moment unruhig, dann hart.

Es gab immer, wenn sie einen im Rahmen ihrer Möglichkeiten ruhigen Geisteszustand erreicht hatte diesen Moment, in dem sie einen weiteren Schritt tun musste. Nur einen, einen letzten. Die Padawan hatte dafür eigens eine Bezeichnung ersonnen, hatte sie doch ihr Leben lang immer wieder am Rande jener Meditationsklippe gestanden, nach vorne geblickt und sich gefragt, was sich dahinter verbergen mochte. Sie war sich tief in ihrem Inneren bewusst, dass sie diesen Bereich würde betreten müssen, um frei meditieren zu können. Das mentale Gefühl, welches ihr an dieser Klippe vermittelt wurde, war aber nicht das eines Raumes, in den sie eintreten würde, sondern das eines Abgrundes, in den sie ungesichert fallen würde. Levice war schwindelfrei, wenn es darum ging, Höhen zu erklimmen, aber ihr geistiges Empfinden an ihrer persönlichen Meditationsklippe, so war sie sich sicher, entsprach dem, das eine Person mit Höhenangst verspürte.

Egal, wie anspruchsvoll eine
Kata war - es war immer leichter, die aufgrund der anhaltenden Belastung schmerzenden Muskeln zu ignorieren, sich von dem, was den Körper definierte und mit dem Geist verband, zu lösen. Das Äquivalent in der Meditation hingegen wollte ihr nicht gelingen und Levice hatte mehr als den vorsichtigen Verdacht, dass jener letzte Schritt darin eine große Rolle spielte.

»Dann -«, ließen ihre Worte sie für einen Moment allein, »es macht mir - « 'Angst' »Schwierigkeiten, loszulassen«, brachte sie den Satz stilistisch zweifelhaft, aber zumindest sinnvoll zu Ende. Das Lächeln in ihrem Gesicht war lange verblasst und sie und hatte den Eindruck, bereits mehr gesagt zu haben, als sie eigentlich beabsichtigt hatte. Meister Agoch hatte sie gefragt, weshalb es ihr nicht gelang, länger zu meditieren - ihr Problem betraf ihrer Ansicht vielmehr, was sie daran hinderte, überhaupt meditieren zu können, sodass sie technisch gesehen mit ihrer Antwort mehr als Genüge getan hatte.

»Es ist kompliziert zu beschreiben.« fügte sie an, da sie die Worte auch nicht mehr zurücknehmen konnte; die Stimme wieder so unbesorgt wie es ihr möglich war.

[Coruscant System - Orbit von Coruscant - LTK "Massive" - Deck 2 - Quartier des Kommandanten] Levice Vajetsi, Bru-Th Agoch
 
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