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Mirial

Dieses Thema im Forum "Projekt Star Wars Rollenspiel" wurde erstellt von Wonto Sluuk, 29. Juni 2014.

  1. Wonto Sluuk

    Wonto Sluuk Rollenspieler Premium

    Mirial
    _________________________


    [ Infos zum Planeten: Mirial (engl.) | Mirial (dt.) ]

    [ Zugehörigkeit: Neue Republik ]​



    Lage: Illisurevimurasi-Sektor (I-Sektor), Outer Rim

    Landschaft: Kältewüsten, Ebenen, Tundra; überwiegend Landmasse

    Bevölkerung: überwiegend Mirialaner

     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juni 2014
  2. Dove

    Dove Y-Wing-Bordschützin

    [Mirial-System | Weltraum | Anflug auf Mirial] Beleny Phoss mit dem 114. Bombergeschwader und anderen

    Mirial verfügte nicht über die technische Ausrüstung, um Schiffe, die sich im Hyperraum näherten, aus großer Entfernung zu orten. Deshalb gab es nur eine sehr knappe Vorwarnung, bevor die Flotte nahe am Nachbarplaneten auftauchte. Die Schiffe waren in enger Formation eingetroffen, so dass die Sensoren sie nur als eine einzige riesige Masse registrierten. Die Transpondersignale halfen dabei, sie in eine Vielzahl einzelner Objekte zu entwirren. Schließlich hatte die Raumüberwachung der Mirialaner fast hundert Schiffe auf dem Schirm. Die meisten waren sehr klein, aber es waren auch zwei in Fregatten- und Kreuzergröße darunter. Das Auftauchen einer solchen Streitmacht, die Kurs auf ihre Heimatwelt setzte, hätte bei den diensthabenden Offizieren unter anderen Umständen Panik ausgelöst. Doch heute nahmen sie das Ereignis nicht nur gelassen, sondern sogar zufrieden zur Kenntnis. Die Aktivität in ihrer Zentrale steigerte sich sprunghaft: Man informierte eine Vielzahl von Stellen über die Ankunft der fremden Schiffe und ließ die eigenen Sternenjäger starten. Aber ein planetenweiter Alarm erfolgte nicht und niemand wurde in Kampfbereitschaft versetzt. Denn diese Flotte war die längst erwartete Verstärkung, die dem mirialanischen Volk mit seinem Beitritt zur Neuen Republik zugesichert worden war.

    Das größte der Schiffe war die Flail, eine trutzige Angriffsfregatte der Serie 2. Sie sollte den Kopf und die Faust der neuen Systemverteidigung darstellen. Ihr zur Seite standen drei corellianische Korvetten verschiedener Varianten und eine Fregatte vom Typ Nebulon-B. Dazu kam eine ganze Reihe von Shuttles und Frachtern, die Personal und Gerätschaften lieferten: Auf Mirial sollten moderne Kommunikations- und Sensoranlagen sowie ein paar Abwehrbatterien installiert werden - auch das war Teil der Bündnispflichten, welche die Neue Republik auf sich genommen hatte. Sie gewann im Gegenzug einen Außenposten nahe Ord Radama, Ziost und dem Korporationssektor hinzu. Das Rückgrat der Streitmacht, die dieses erweiterte Territorium schützen und von hier aus operieren sollte, bildeten jedoch die Sternenjäger, zweiundsiebzig an der Zahl und damit die größte Gruppe an Schiffen. Die Hälfte davon waren die Maschinen des 114. Bombergeschwaders der Neuen Republik. Wiederum ein Drittel, also zwölf, waren Y-Wings vom Typ BTL-S3, zusammengefasst als Staffel Gelb. Und in einem davon saß Beleny Phoss. Sie trug die orangefarbene Fliegermontur, die jeder, der sie sah - egal ob in der Republik, dem Imperium oder sonstwo in der Galaxis - mit den Piloten der alten Rebellenallianz sowie der Streitkräfte der Neuen Republik assoziierte, doch steuerte sie den Bomber nicht. Sie hatte auf diesem Flug sowieso recht wenig zu tun. Den Hauptteil der Arbeit verrichtete Adam Mount, der vor ihr saß. Solange nicht ein Gegner auftauchte, wofür die Wahrscheinlichkeit im Moment ungefähr bei Null lag, würde es dabei bleiben. Denn der Mensch war der Pilot des Y-Wing Gelb Acht. Beleny war seine Bordschützin.

    Er musste sich darauf konzentrieren, seinen Platz innerhalb der keilförmigen Formation beizubehalten, während die Staffel an den größeren Schiffen des Verbandes vorbeizog. Eben hatten sie die Nebulon-Fregatte Lola Curich an Backbord passiert, jetzt flogen sie an der Flail vorbei. Die Schützin hatte dabei nichts zu tun. Sie hätte sich einfach zurücklehnen und den Ausblick genießen können, aber an den Kriegsschiffen der neuen Systemverteidigungsgruppe hatte sie sich während der Reise bereits sattgesehen. Mirial war noch nicht in Sicht und dessen äußerer Nachbarplanet war bereits aus dem Sichtfeld verschwunden. Nach den Stunden im Hyperraum hatte sie das Bedürfnis, etwas zu tun.


    »Dove, zielst du etwa auf die Flail fragte Adam, als er merkte, was seine Kameradin tat.

    »Ich übe nur ein wenig«, antwortete Beleny. »Keine Sorge, die Zielerfassung ist aus.«

    »Schon, aber wenn nur einer auf dem fetten Kreuzer einigermaßen aufmerksam ist, werden sie sehen, wie unsere Mündungen sich auf ihre Brückenfenster ausrichten. Das werden sie nicht lustig finden und dann haben wir eine Menge Ärger am Hals.«

    »Auf die Geschützluken!« korrigierte sie. »Schon gut, ich höre damit auf.«

    Sie setzte eine säuerliche Miene auf, als sie ihren Laserturm wieder in Nullstellung ausrichtete. Allerdings hätte Adam das wohl selbst dann nicht bemerkt, wenn er zu ihr nach hinten gesehen hätte. Ihre Mimik unterschied sich viel zu sehr von seiner und nur in ihren roten Augen hätte man sehen können, was in ihr vorging. Dass sie frustriert war, hatte er trotzdem bemerkt. Schon vor einer Stunde, als sie noch im Hyperraum unterwegs gewesen waren.

    »Was ist los mit dir?« fragte er.

    »Nichts. Kümmere dich um deinen Steuerknüppel, Icy. Du tanzt aus der Reihe!«

    Das war nicht der Fall. Er hielt seinen Platz in der Formation einwandfrei. Mit der patzigen Antwort wollte sie nur bezwecken, dass er nicht weiter fragte. Offenbar mit Erfolg. Er kannte sie schon eine Weile und wusste wohl, dass es nicht zieführend war, mit ihr zu diskutieren, wenn sie einen ihrer zickigen Momente hatte. Die Gründe dafür gingen ihn ihrer Meinung nach sowieso nichts an. Sie mochte ihren Piloten und berachtete ihn als Freund, aber über beide Probleme, die ihr auf dem Herzen lagen, konnte sie mit ihm nicht sprechen. Das eine war ein Beziehungsproblem; so etwas erörterte sie, wenn überhaupt, nur mit den weiblichen Staffelmitgliedern. Und das zweite betraf ihn in gewisser Weise persönlich. Es ging darum, dass Beleny viel lieber auf seinem Platz sitzen würde als hier hinten. Sie wollte selbst fliegen, anstatt die Instrumente nur über seine Schulter hinweg zu sehen. Aber sie konnte ihm ja schlecht sagen, dass sie neidisch auf ihn war. Was hätte er auch antworten sollen? Dass er sie verstehen konnte? Das konnte er nicht, schließlich saß er ja auf dem Vordersitz. Dass ihre Aufgabe genauso wichtig war wie seine und sie stolz sein sollte, auf diese Weise der Neuen Republik zu dienen? Als Antwort auf solche billigen Allgemeinplätze hätte sie ihm wahrscheinlich einen Stoß gegen den Helm versetzt. Dass ihre Chance noch kommen würde, weil ein großes Talent in ihr schlummerte, das früher oder später entdeckt werden musste? Träum weiter, Icy! Sie war mit ihrer Rolle ja eigentlich auch nicht unglücklich. Aber nach dem langen, ereignislosen Flug, der von Lianna aus in weitem Bogen über Columex, Botajef und Telos hierher geführt hatte, war sie einfach gelangweilt und nicht im Mindesten ausgelastet. Ihre Zickigkeit gegenüber Adam war vor allem ein Resultat davon, dass das Wenige, was überhaupt zu tun war, in seinem Aufgabenbereich lag. Ja, ein kleiner Piratenüberfall wäre jetzt wirklich eine erfrischende Abwechslung gewesen. Aber da vermutlich selbst der dümmste Freibeuter der Galaxis nicht dumm genug war, einen solchen Verband anzugreifen, blieb ihr doch nichts anderes übrig, als tatenlos aus den Fenstern zu starren.

    ›Wir sind fast da... es ist gleich geschafft...‹ sagte sie sich im Geiste vor und freute sich auf den Moment, an dem endlich Mirial in Sichtweite kommen würde. Das war allerdings erst zwanzig langweilige Minuten später der Fall. Dann sah sie vor sich einen weißgrauen Halbkreis, der rasch größer wurde. Der Planet sah nicht sehr spektakulär aus, aber er war immerhin interessanter als das leere All, das aufgrund der Tatsache, dass die Sonne vor ihnen alles andere überstrahlte, zu allem Übel noch sternenlos aussah.

    Im Comlink knackte es und im nächsten Moment hörte sie die kratzige Stimme des Captains.


    »Staffel Gelb, unsere Eskorte ist im Anflug!« sagte er. »Begrüßen Sie sie freundlich. Anschließend folgen wir ihnen zur Planetenoberfläche. Keiner bricht aus oder unternimmt sonst etwas Selbstgefälliges. Denken Sie daran, wir sind hier zu Gast!«

    »Wehe, du zielst auf die!« mahnte Adam Mount, sobald der Com-Kanal wieder geschlossen war. Beleny antwortete nur mit einem genervten Zischen. Sie hatte das ohnehin nicht vorgehabt.

    Nun tauchten zwei Punkte auf ihren Instrumenten auf.


    »Joe, kannst du sie identifizieren?« fragte Dove.

    R3-J0 antwortete mit einem Zwitschern und wenige Sekunden später versah er die zwei Kontakte mit schriftlichen Kommentaren.


    »Joe sagt, es sind Alpha-3 Nimbus«, sagte sie zu Adam. »Dagegen sind unsere Y-Wings ja regelrecht State-of-the-art. Hast du so einen schonmal in Natura gesehen?«

    »Nein, noch nie«, antwortete der Pilot. »Aber die Mirialaner haben wohl noch mehr so alten Kram. Keine Ahnung, wie man damit heute noch einen Planeten verteidigen kann.«

    »Wahrscheinlich nur, weil ihre Gegner auch nichts Besseres haben. Aber jetzt sind wir ja da. Gut für Mirial.«

    »Aye. Gut für sie.«

    Wenig später waren die altmodischen Maschinen in Sicht. Ihre kantige Keilform mit den senkrecht angeordneten Flügeln, die ihnen den Namen V-Wing eingebracht hatten, war unverwechselbar. Dove war nicht sicher, ob sie sie hässlich fand oder sie doch irgendwie etwas Schönes hatten.

    Die zwei Jäger näherten sich den Y-Wings von Backbord her und passte dann für einen kurzen Moment ihre Geschwindigkeit und Flugrichtung der von Staffel Gelb an. Sie wackelten zum Gruß mit den Flügeln. Adam bewegte das Steuer, um in gleicher Weise zu antworten, wie es auch der Rest der Staffel tat.


    »Staffel Gelb, hier spricht Lieutenant Drema Visz von den mirialanischen Verteidigungskräften«, klang eine weibliche Stimme über den Rufkanal. »Willkommen auf Mirial. Wir sind hier, um Sie zu Ihrem Fliegerhorst zu eskortieren.«

    »Hier Captain Eshnich, Staffel Gelb. Danke für Ihr Willkommen, Lieutenant. Wir sind bereit. Übernehmen Sie die Führung.«

    »Folgen Sie uns im Abstand von zwei Kilometern.«

    »Verstanden.«

    Das Pärchen V-Wings beschleunigte und setzte sich an die Spitze der Formation. Als sie den vereinbarten Abstand erreicht hatten, verlangsamten sie wieder. Nun passten die Republikaner ihr Tempo an ihres an. Auch die anderen beiden Bomberstaffeln und die drei Einheiten des Jagdgeschwaders hatten jeweils eine kleine Eskorte bekommen, die sie zu ihrem neuen Stützpunkt dirigierte. So flogen die zwölf einheimischen und 72 als Verstärkung entsandten Maschinen auf einen Punkt auf der nördlichen Hemisphäre zu.

    [Mirial-System | Mirial | Nordhalbkugel | Fliegerhorst Camp Hoar Planes] Beleny Phoss mit dem 114. Bombergeschwader und anderen
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juli 2014
  3. Dove

    Dove Y-Wing-Bordschützin

    [Mirial-System | Mirial | Hauptstadt | Platz vor dem Regierungsgebäude] Beleny Phoss mit den Soldaten der Systemverteidigungskräfte und Mirialanern

    Ein frostiger wind wehte durch Mirials Hauptstadt, doch zum Glück waren die Fliegerkombinationen gut isoliert. Beleny Phoss war froh darüber, dass man die Piloten des 114. Bombergeschwaders in die orangefarbenen Overalls statt in die Dienstuniform gesteckt hatte. Sie standen nun schon seit ungefähr einer Stunde in Reih und Glied auf dem großen Platz vor dem Regierungsgebäude. Zunächst hatten sie dort einfach nur herumgestanden, während die Würdenträger noch in den Vorbereitungen begriffen gewesen waren oder ein paar Interviews gegeben hatten. Nun waren sie Staffage während des Festaktes, in dem die neuen Systemverteidigungseinheiten - also sie - auf dem Planeten willkommengeheißen wurden. Neben ihnen standen auch Jägerpiloten, ebenfalls in Orange, dazu Armeesoldaten im Kampfanzug und Besatzungsmitglieder der Kriegsschiffe in der beigefarbenen Dienstuniform. Auch ein paar der Bodenfahrzeuge, die das Armeeregiment mitgebracht hatte, waren am Rand des Platzes aufgereiht. Es war eine ziemlich martialische Darbietung, aber dem Anlass wohl angemessen, und die Mirialaner schienen es zu mögen. Zumindest hatte sich eine große Schar von Zuschauern versammelt. Außerdem gab es ganze Schwärme von Kameradroiden, die herumschwirrten, immer auf der Suche nach der besten Aufnahme. Beleny hatte den Eindruck, dass die kleinen Flieger besonders oft bei ihr verharrten, um Nahaufnahmen zu machen. Das lag womöglich daran, dass sie zu den Soldaten und Offizieren der neuen Systemverteidigung gehörte, die sich am deutlichsten von den Einheimischen unterschieden. Sie mochte es gar nicht, auf diese Weise als exotische Kreatur zur Schau gestellt zu werden, aber weder konnte noch wollte sie im Moment etwas dagegen tun. Sie behielt ihren Platz in der zweiten Reihe der Bomberpiloten und -schützen bei und schaute starr nach vorn, was dazu führte, dass Icy ihr den Blick auf die Bühne verstellte und sie statt dem, was dort geschah, fast nur seine rot gefärbten Haare sah. Allerdings ließ das, was aus den Lautsprechern kam, vermuten, dass sie wenig verpasste. Die Regierungsoberhäupter Mirials und ein paar einheimische Offiziere befanden sich dort und als Ehrengäste hatte man die Kommandanten der Systemverteidigungskräfte geladen: Die Kapitäne der fünf Kriegsschiffe, die Geschwaderkommandeure der Bomber und Jäger sowie den Befehlshaber des Armeeregiments. Und natürlich den Mann, der den Oberbefehl über sie alle führte: Brigadier General Marcoy. Doch gesprochen hatten bisher nur Mirialaner. Soeben beendete das Regierungsoberhaupt seine Ansprache, in der es um Mirials Geschichte der letzten Jahrzehnte und die Hürden des Beitrittsverfahrens zur Republik gegangen war.

    »...und deshalb ist es uns eine Freude und Ehre, nun, am Ende dieser langen Reise in den Schoß der Neuen Republik, diejenigen auf Mirial begrüßen zu dürfen, die im Namen des Völkerbundes hierher gekommen sind, um gemeinsam mit uns unsere Heimat zu schützen. Ich übergebe das Wort an Brigardier General Pacs Marcoy

    Die Zuschauer applaudierten. Beleny konnte nur ahnen, dass der Phindianer nun an das Rednerpult trat. Kurz darauf war eine heisere, männliche Stimme zu vernehmen.

    »Danke, Mr. President.

    Das mirialanische Volk hat sich entschieden, der Neuen Republik beizutreten, einem Staat, der weit mehr ist als ein Militärbündnis. Er verschreibt sich der Solidarität unter den Völkern, dem wissenschaftlichen und kulturellen Austausch, dem freien Handel, der Wahrung von unveräußerlichen Grundrechten der Freiheit und Gleichheit. Das Ziel ist ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander der unterschiedlichen Wesen und Kulturen. Aber eine Grundvoraussetzung dafür, dass all diese Ziele erreicht werden können, ist Sicherheit. Nur wenn gewährleistet ist, dass niemand um sein Eigentum, sein Heim und sein Leben fürchten muss, kann die Neue Republik und mit ihr Mirial zu dem aufblühen, als das sie von weisen Frauen und Männern erdacht wurde. Leider leben wir in einer gefährlichen Galaxis und trotzdes Friedensvertrages von Umbara, der dem langen Krieg gegen das Imperium ein Ende bereitete, in unruhigen Zeiten. Die Unverletztheit unserer Grenzen und die Sicherheit unserer Handelsrouten kann nur durch ständige Wachsamkeit und Bereitschaft gewährleistet werden.

    Bisher waren Sie allein mit dieser schwierigen Aufgabe. Doch als neues Mitglied der Republik haben Sie Anspruch auf die Solidarität und Unterstützung des Völkerbundes, auch in militärischer Hinsicht. Deshalb entsendet die Regierung auf Mon Calamari zu Ihrem Schutz fünf Schiffe der republikanischen Flotte, ein Regiment der Armee sowie zwei Geschwader des Sternenjägercorps und beauftragte mich, diese zu befehligen. Ich sehe meine vorrangige Aufgabe jedoch nicht nur in der Führung der Truppen. Mein wichtigstes Anliegen ist es, einen guten Kontakt und fruchtbaren Austausch zu Ihnen - dem Volk, der Regierung und den Sicherheitskräften von Mirial - zu pflegen. Denn dies ist Ihre Welt, Ihr Zuhause. Wir betrachten uns als Ihre Gäste und verpflichten uns, Ihre Gesetze, Bräuche und Traditionen zu achten. Nur wenn wir einträchtig auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten, können wir dieses im Geiste der Neuen Republik erreichen.

    Vielen Dank!«


    Lauter Applaus brandete auf. Beleny musste sich zusammenreißen, um ihre starre Körperhaltung beizubehalten und nicht selbst zu klatschen. Dass schon wieder ein Droide vor ihr schwebte und sie mit seinem dreifachen Kameraobjektiv beobachtete, half ihr dabei. Nun bloß nichts Falsches machen: Es würde aufgezeichnet und mit etwas Pech auch ausgestrahlt werden!

    Als der Beifall abklang, hörte man wieder die Stimme des Regierungsoberhaupts.


    »Ich danke Ihnen für Ihre wohlgesetzten Worte, Brigadier General. Ich bin zuversichtlich, dass ein fruchtbares Miteinander gelingen wird: Der Grundstein dafür ist heute bereits gelegt worden. Um die Zusammenarbeit zwischen den Mirialanischen Verteidigungskräften und den Streitkräften der Neuen Republik zu stärken, sollen in den vergangenen Wochen mehrere gemeinsame Übungen und Manöver durchgeführt werden. Wir werden mit Spannung die Ergebnisse erwarten.«

    Nach Doves Ansicht wäre das der richtige Moment gewesen, um die Veranstaltung zu beenden. Doch leider ließ man noch mehrere Personen zu Wort kommen, vielleicht in dem Bemühen, niemanden zu vernachlässigen oder vor den Kopf zu stoßen. Sie merkte sich weder die Namen noch die Funktionen der grün- oder gelbhäutigen Humanoiden, die nun nacheinander das Rednerpult besetzten, und was sie erzählten, behielt sie ebenfalls nicht im Gedächtnis. Die zweite Stunde näherte sich bereits ihrem Ende, als man schließlich doch zum Punkt kam. Nach ein paar abschließenden Worten des Regierungschefs wurden die Hymnen von Mirial und der Neuen Republik gespielt. Und dann kündigte das Geräusch zahlreicher Triebwerke die X-Wings der Crossbow-Staffel an.

    Crossbow war eine von nur zwei Staffeln des 69. Jagdgeschwaders, die einen richtigen Namen hatten. Die anderen waren die Racers. Das lag vielleicht daran, dass ihre Piloten die meiste Kampferfahrung hatten und sie schon die eine oder andere wichtige Mission erfolgreich abgeschlossen hatten. Es konnte aber vielleicht auch damit zusammenhängen, dass sie X-Wings flogen. Es handelte sich nicht um die neuesten Modelle, dennoch neigte man gerne dazu, ihnen eine besondere Bedeutung und Größe anzudichten. Die Howlrunners ihrer Kollegen wurden ebenso wie die Bomber des 114. nur mit Farben benannt. Und die Piloten standen hier neben Beleny und ihren Gefährten, während man natürlich die beliebten, werbeträchtigen X-Wings dafür ausgewählt hatte, die Veranstaltung mit einer kleinen Vorführung zu würzen.

    Zuerst brausten die Crossbows heran. Sie flogen in enger Keilformation und geringer Höhe über die staunenden Zuschauer hinweg. Jeder Jäger versprühte Rauch aus einer Düse, die am Heck angebracht worden war. Jede der Rauchfahnen hatte eine andere Farbe. So bildeten sie einen bunten Regenbogen, der sich über das gesamte sichtbare Spektrum erstreckte und an den Ränern sogar mit infraroten und ultravioletten Streifen gesäumt war, falls Wesen anwesend sein sollten, die in diesen Wellenlängen sahen. Während ringsum noch die Oh!s und Ah!s erklangen, tauchte auch die Racer-Staffel auf. Sie hatte eine Kreisformation eingenommen und flog etwas höher als die Crossbows. Auch bei ihnen waren Vorrichtungen am Heck festgespannt worden, doch diese stießen keinen Rauch aus. Stattdessen warfen sie kleine pyrotechnische Pakete ab, die über der Zuschauermenge mit scharfem Knall in blauem, rotem und goldenem Funkenregen explodierten. Bei Nacht hätte das Feuerwerk sicher noch eindrucksvoller ausgesehen, doch auch so verfehlte es seine Wirkung nicht.

    Dann war die Feierlichkeit vorbei und als noch ein paar Hände geschüttelt waren, verließen die Kommandanten die Bühne. Kurz darauf erhielten auch ihre Einheiten den Befehl zum geordneten Abrücken. Die Soldaten, Matrosen und Piloten marschierten vom Platz. Zwei Straßen weiter standen ihre Transporter. Während ein paar höherrangige Offiziere noch zu einem Empfang bleiben durften (oder mussten, je nachdem wie man es sehen wollte), wurden sie zu ihren Stützpunkten oder in den Orbit zu ihren Schiffen zurück gebracht. Die Piloten des 114. drängten sich in ein Shuttle, das rasch abhob, um - eskortiert von den X-Wings - nach Camp Hoar Planes zurückzufliegen.


    »Bin ich froh, dass das vorbei ist!« sagte Pale. Der hoch gewachsene Faust, dem seine hagere Statur diesen Spitznamen beigebracht hatte, zog eine leidende Grimasse.

    »Ach, ich fand's gar nicht so übel«, erwiderte Adam, dessen Gesichtszüge wesentlich fröhlicher wirkten. »So haben wir zumindest mal was von der Hauptstadt gesehen und uns den Mirialanern ordentlich präsentiert. Ist schon wichtig, dass wir ihnen willkommen sind. Die Reden waren auch nicht schlecht, vor allem die von General Marcoy

    Beleny nickte:

    »Stimmt schon, aber wäre das Ganze nicht auch etwas kürzer gegangen? Sie haben uns ganz schön lange in der Kälte stehen lassen.«

    Von irgendwo ein paar Sitze links von ihr kam ein verächtliches Schnauben und ohne sich dorthin zu wenden, wusste sie, von wem es kam. Diese Reaktion konnte eigentlich nur von Phoebe Honada stammen.

    »Du hast wohl immer was zu meckern, Dove sagte sie mit schneidendem Tonfall. Irgendwie schaffte sie es immer wieder, dass Belenys Spitzname aus ihrem Mund wie eine Beleidigung klang. »Zu lang, zu kalt... wieso geht man zum Sternenjägercorps, wenn man so verwöhnt ist?«

    »Das kommt ja von der richtigen, Princess erwiderte Beleny nicht weniger zickig. Und auch Phoebes Spitzname klang nun wie ein Schimpfwort. In dieser Hinsicht waren sie ebenbürtig.

    Wieder einmal bahnte sich ein handfester Streit zwischen den beiden an. Und wieder war es der Captain, der rechtzeitig dazwischen ging und der Sache ein Ende setzte, bevor sie richtig begonnen hatte.


    »Frag dich lieber, was man beim Corps will, wenn man wie du...«

    »Honada, Phoss... Schluss jetzt! Ich glaube, es hätte Ihnen beiden gut getan, den Reden etwas ausführlicher zu lauschen! Es ging da um friedliche Kooperation, schon vergessen? Also halten Sie sich wenigstens mal für ein paar Stunden daran, wenn es nicht zuviel verlangt ist! Der Flug nach Hoar Planes ist nicht so weit, dass wir dafür ein besonderes Unterhaltungsprogramm bräuchten! Verstanden?«

    »Ja, Sir!« antworteten beide widerwillig.

    Daraufhin herrschte eine Weile Stille in dem Shuttle. Keiner der jungen Staffelmitglieder traute sich, etwas zu sagen. Deshalb war es Lieutenant Josh Sinclair, der das Schweigen und die angespannte Stimmung nach einer Weile mit den Worten brach:


    »Lang und kalt war's aber trotzdem.«

    [Mirial-System | Mirial | Nordhalbkugel | Luftraum | Shuttle] Beleny Phoss mit den Piloten des 114. Bombergeschwaders
     
  4. Dove

    Dove Y-Wing-Bordschützin

    [Mirial-System | Mirial | Nordhalbkugel | Luftraum | Shuttle] Beleny Phoss mit den Piloten des 114. Bombergeschwaders

    Die Politiker machten ernst mit ihrer ›Drohung‹. Schon zwei Tage nach der Begrüßungszeremonie in Mirials Hauptstadt war eine gemeinsame Übung der Sternenjägerkontingente beider Seiten angesetzt. So schnell also, wie es überhaupt nur möglich war. Die Zeit bis dahin wurde genutzt, um den Fliegerhorst überhaupt soweit herzurichten, dass eine ordentliche und vorschriftsmäßige Wartung der Jäger und Bomber möglich war. Solange ihre Maschinen am Boden blieben, wurden die Piloten in die Simulatoren geschickt, um in Übung zu bleiben. Man wollte gegenüber den Mirialanern eine gute Figur machen. Allerdings zeigte sich in den Briefings, dass das keine Kunst sein würde. Angeblich verstanden die einheimischen Piloten etwas vom Fliegen, das behaupteten sie zumindest selbst. Aber ihre Vehikel waren allesamt nicht sehr beeindruckend. Zu den Alpha-3 Nimbus, die Beleny und ihre Kameraden bereits bei ihrer Ankunft gesehen hatten, kamen weitere Jäger derselben Epoche und ein paar eigenwillige Konstruktionen, die sich jeder Kategorisierung hartnäckig widersetzten. Das Modernste waren ein paar Chir'dakis, die irgendwie den Weg vom imperialen Ryloth hierher gefunden hatten. Sie konnten mit X-Wings mithalten, aber da man sie an einer Hand abzählen konnte, fielen sie kaum ins Gewicht. Das bedeutete, dass die Piloten und Schützen der Staffel Gelb sich nicht schämen brauchten, wenn sie mit ihren Y-Wings in das Manöver flogen. In den Angriffsflotten der Neuen Republik wurden diese Maschinen längst ausgemustert, so schnell die Produktion von H- und B-Wings es zuließ, aber hier entsprachen sie mindestens einem guten Durchschnitt.

    »Ich wette zwanzig Credits, dass wir den Mirialanern richtig zeigen werden, wo es lang geht«, sagte Nuy Dalvin in einer Pause herausfordernd zu seinen Kameraden. Es war keine Überraschung, dass ausgerechnet er es war, der aus den allgemeinen Mutmaßungen ein Glücksspiel machen wollte. Obwohl er wohl behauptet hätte, dass es kein Glücksspiel wäre, solange es von den Fähigkeiten der Staffel abhing und nicht vom reinen Zufall.

    »Die Wette halte ich!« sagte Lieutenant Harrison. Das brachte ihm einige ungläubige Blicke ein, auch von Beleny. Er erklärte sogleich, wie er dazu kam: »Ihre Maschinen sind größtenteils Mist, aber zum Siegen braucht es mehr als die überlegene Technik. Ich weiß nicht wie gut die Mirialaner wirklich sind, aber euch Grünschnäbeln haben sie auf jeden Fall einiges voraus. Und da es mir, Sinclair und dem Captain leider nicht gelingen wird, die Schlacht allein zu gewinnen, stehen die Chancen gut für sie. Leicht verdientes Geld also.«

    Dass er sich so abfällig über die Fähigkeiten des Pilotennachwuchses äußerte, war man mittlerweile beinahe gewohnt, aber dass er gegen seine eigene Staffel wettete, kam bei den Leuten nicht gut an. Sie schenkten dem Lieutenant ein paar böse Blicke und unzufriedenes Gemurmel, aber darum kümmerte er sich nicht. Sein höherer Rang und die diversen Abschüsse, die ihm den Beinamen Sniper eingebracht hatten, schienen ihn immun gegen jede Form von Kritik zu machen. Auch das war aber keine Neuigkeit. Den meisten gelang es, rasch darüber hinwegzugehen und sich wieder anderen Dingen zu widmen. Doch Beleny Phoss war heute nicht besonders gut gelaunt und reagierte dementsprechend empfindlich. Nicht Harrison gegenüber - dafür hatte sie sich zu gut unter Kontrolle. Aber sobald er um die nächste Ecke verschwunden war, fluchte sie:

    »Verdammt, was glaubt der eigentlich, wer er ist!«

    »Er ist Sniper«, antwortete Adam. »Du weißt doch, wie er ist. Er meint's wahrscheinlich gar nicht böse.«

    »Mir doch egal! Ich habe jedenfalls keine Lust mehr, mir das anzuhören! Morgen in der Übung wird er was erleben!«

    Das Gesicht des Menschen drückte unübersehbar eine große Sorge aus.

    »Beleny, was hast du denn vor? Bitte mach nichts, was uns in Schwierigkeiten bringt! Ich erinnere an gewisse Waffenmündungen vor den Brückenfenstern eines gewissen Kreuzers...«

    »Ich hab dir schon mal gesagt: Ich habe auf die Geschützluken gezielt! Und wenn du denkst, dass ich dumm genug bin, auf einen Vorgesetzten zu schießen - selbst wenn es nur in einer Simulation ist - dann kennst du mich offenbar nicht halb so gut wie du solltest!«

    »Was hast du dann vor?«

    »Zu gewinnen natürlich! Er wird seine zwanzig Credits verlieren! Wir werden den Mirialanern so einheizen, dass ihnen schlecht wird, und Harrison ist seinen Einsatz los. Vielleicht hält er dann für eine Weile seinen Mund!«

    Doch die Kilmaulsi erhielt keine Gelegenheit, ihr Versprechen einzulösen. Aus der Wette zwischen dem Lieutenant und Nuy wurde nichts. Colonel Noland hatte wohl kommen sehen, dass die unerfahrenen Piloten den Drang entwickeln würden, den Mirialanern ›einzuheizen‹, und fand das nicht förderlich für die Beziehungen mit den Einheimischen. Daher hatte sie sich nicht dafür entschieden, ihre Geschwader gegen die mirialanischen Sicherheitskräfte antreten zu lassen, sondern mit diesen eine andere Vereinbarung getroffen - etwas, das den Fokus mehr auf ›Miteinander‹ setzte. Als die Flieger und Schützen des 114. Bombergeschwaders und der Jägerstaffeln sich am nächsten Morgen zur Einsatzbesprechung einfanden, wurde ihnen eröffnet, dass sie aufgeteilt und zusammen mit den Mirialanern zwei gemischte Gruppen bilden würden, die gegeneinander antraten. Tunaci, die mit der Rolle der ›Bank‹ beauftragt worden war, gab Sniper und Pale daraufhin ihre Einsätze zurück. Der Faust versuchte zwar krampfhaft, wieder ins Spiel zu kommen, indem er andere Wetten vorschlug, aber diesmal ließ sich niemand auf ihn ein.

    Eine Stunde später kletterten Beleny Phoss und Adam Mount in das Cockpit ihres Y-Wings. Noch bevor sie sich angeschnallt hatten, wurde auch ihr Astromech an seinen Platz hinter ihnen gehoben. Der orangefarbene Droide trötete ein Hallo und begann dann mit der Überprüfung der Bordsysteme. Mensch, Kilmaulsi und R3 gingen gemeinsam die Checkliste durch und nahmen letzte Anweisungen für den Flug entgegen. Man hatte ihnen eingeschärft, keine unnötigen Risiken einzugehen. Verständlich, dass man bei dieser ersten gemeinsamen Unternehmung mit den Eigentümern dieses Planeten keine Zwischenfälle wünschte. Eigentlich sollte es genauso klar sein, dass die Piloten keine Lust hatten, für eine Übung ihr Leben zu riskieren, aber wahrscheinlich hatte es schon seinen Sinn, sie noch einmal so eindringlich daran zu erinnern. Schließlich waren ein paar von ihnen ziemliche Heißsporne und hatten das Bedürfnis, sich zu beweisen. Auch Dove hätte vielleicht zu dieser Kategorie gezählt, wenn sie am Steuer gesessen hätte, aber sie saß auf dem Platz des Bordschützen. In ihrer Obhut lag nur der Waffenturm, und der war für die Übung präpariert, also konnte sie keinen Schaden damit anrichten.


    »Gelb Acht, startbereit«, meldete Icy, als sie mit der Überprüfung der Systeme fertig waren. Auch die anderen Staffelmitglieder hatten das bereits getan oder schossen sich einige Sekunden später an.

    »Staffel Gelb, Sie haben Startfreigabe!« klang es aus den Lautsprechern. Die Stimme war so monoton, dass sie auch von einem Droiden hätte stammen können. Vielleicht war das sogar der Fall.

    Zwölf Y-Wings hoben sich vom Boden und schoben sich in der Reihenfolge ihrer Numerierung langsam durch das Hangarportal. Draußen auf dem Landefeld bildeten sie ein V, dessen Spitze von Captain Eshnichs Bomber gebildet wurde. Er flog als erster los, die anderen folgten. Als dichter Schwarm schossen sie durch die Wolkendecke und hinauf ins All, wo sie sich mit den Mirialanern treffen sollten. Die Crossbows und eine Staffel Howlrunners erwarteten sie bereits.


    [Mirial-System | Orbit über Mirial | Y-Wing Gelb Acht] Beleny Phoss und Adam Mount mit Staffel Gelb
     
  5. Dove

    Dove Y-Wing-Bordschützin

    [Mirial-System | Orbit über Mirial | Y-Wing Gelb Acht] Beleny Phoss und Adam Mount (NPC) mit Staffel Gelb

    Nicht alle auf Mirial stationierten Staffeln waren zu dem Manöver eingeteilt. Manche von ihnen mussten zurückgehalten werden, um die Verteidigungsbereitschaft des Systems nicht zu vernachlässigen. Zwar hatten die Mirialaner im Augenblick keinen Feind, zumindest solange das Imperium sich an den Friedensvertrag und innerhalb seiner eigenen Grenzen hielt, aber man wusste ja nie. Würde nun ein Notfall eintreten und die neue Systemverteidigung könnte nicht reagieren, weil man mit Kriegsspielen beschäftigt war, würde das Manöver nicht dazu beitragen, das gegenseitige Vertrauen zu stärken - im Gegenteil. Deshalb hatte man zwei Jägerstaffeln und einen Teil der mirialanischen Kräfte zurückgehalten, ebenso wie die kleineren Patrouillen- und Kampfschiffe. Lediglich die Flail nahm an der Übung teil. Ihre Geschütze würden nicht wirklich feuern, ebenso wenig wie die der Jäger und Bomber, und Letztere waren nicht einmal mit Bomben und Torpedos bestückt, sondern trugen stattdessen nur schwere Wassertanks. Stattdessen wurde der Kampf mit den Zielerfassungslasern, Sensoren und Kommunikationsgeräten ausgetragen. Computer sollten das Ergebnis berechnen.

    Das Szenario war relativ einfach: Ein Teil der Jäger war eingeteilt, um die Flail zu verteidigen. Die anderen sollten die beiden Bomberstaffeln eskortieren, die den Auftrag hatten, den Kreuzer anzugreifen. Es ging dabei offiziell nicht um Sieg und Niederlage; dem Gewinner winkte kein Preis und dem Verlierer drohte keine Rüge. Aber es war schon vor dem Beginn des Gefechtes zu merken, dass alle es ernst nahmen und jeder gern gewinnen wollte. Damit das nicht in ungesundes Konkurrenzdenken ausartete, hatte man Mirialaner und Fremde gemischt; trotzdem ergab sich eine ›mirialanische‹ und eine ›republikanische‹ Seite dadurch, dass jeweils ein hoher Offizier beider Seiten als Befehlshaber fungierte. Pacs Marcoy befand sich an Bord der Angriffsfregatte und koordinierte von dort aus die Verteidigung. Eine Einheimische namens Commodore Corla Preyel führte von einer leichten Korvette aus die Angreifer an, zu denen auch Staffel Gelb gehörte. Beleny Phoss war es eigentlich egal, auf welcher Seite sie kämpfte, aber aussuchen konnte sie sich das ohnehin nicht.

    Die Angreifer hatten sich formiert, waren im Schutz eines Mondes an die Flail herangeflogen und hatten den Kampf bereits eröffnet. Über die Funkfrequenzen beider Seiten hörte man zahllose Meldungen, Rufe, Befehle und Flüche und mindestens ein Dutzend Maschinen waren bereits ausgeschieden. Aber die Staffel Gelb hatte noch keinen Schuss abgegeben und war auch noch nicht selbst beschossen worden. Sie hockte noch immer hinter dem Mond, trieb beinahe bewegungslos durchs All und wartete darauf, dass sie endlich den Befehl zum Angriff bekam.


    »Ich frage mich, wie lange die uns hier noch warten lassen wollen«, meinte Dove. Sie klang dabei nicht entnervt oder verärgert, aber mittlerweile ziemlich gelangweilt. Ihr Gesicht war wie üblich fast reglos. »Die anderen haben den ganzen Spaß ohne uns!«

    »Ich find's auch langweilig«, gab Adam ihr recht. »Die werden uns hoffentlich nicht erst losschicken, wenn es schon fast vorbei ist.«

    »Oder noch schlimmer: Sie brauchen uns gar nicht mehr, weil Grün und Blau die Sache zu Ende bringen.«

    »Oder sie befehlen den Rückzug, weil die anderen aufgerieben sind und sie meinen, dass wir auch keine Chance mehr haben.«

    Dove blickte nach draußen. Die Bomber der Staffel Gelb waren alle so nah, dass man sie mit bloßem Auge sehen konnte. Etwas weiter entfernt, aber immernoch erkennbar, waren die beiden Jägerstaffeln, die ebenso wie sie zur Reserve gehörten. Die Howlrunners der Staffel Braun, die zum 190. Jagdgeschwader gehörte, und eine Gruppe aus zehn seltsam anmutenden Sternenjägern der mirialanischen Verteidigung. Sie folgten alle einem einheitlichen Entwurf, waren also nicht nur aus Resten zusammengeschustert, wie man das bei den so genannten Uglies häufig sah. Trotzdem schien es so, als habe man zu dieser Konstruktion gegriffen, weil es an Originalteilen gefehlt hatte. Man hatte die Zwillingsionentriebwerke von TIE-Jägern an die Rümpfe von Z-95 Headhunters angebaut, die nur über stummelartig verkürzte Flügel verfügten und somit eher wie Raketen als wie Flugzeuge aussahen. Anstelle der sonst üblichen Laserkanonen an den Flügelenden hatte man sie mit einem kleinen Waffenturm hinter dem Cockpit versehen, der nicht viel größer als die Kuppel eines Astromechdroiden war. Sie waren mit unterschiedlichen Waffen bestückt - worum genau es sich im Einzelnen handelte, konnte Beleny nicht erkennen.

    »Was meinst du wohl, was diese Pseudo-Headhunters zu leisten in der Lage sind?« fragte Icy, der entweder ihrem Blick gefolgt war oder ihre Gedanken erraten hatte.

    »Bei solchen Eigenkreationen schwer zu sagen. Wenn sie die Vorteile vom TIE und dem Z-95 kombinieren, muss man sie ernstnehmen. Sind es die Nachteile, dann gute Nacht. Keine Ahnung, ob sie zum Beispiel Schilde haben oder nicht. Und ich kann zwar nicht erkennen, was da in den Waffenkuppeln steckt, aber groß sieht es nicht aus. Dafür aber ein großer Feuerbereich. Naja, wir werden sehen... vorausgesetzt, sie lassen uns nicht hier bis wir rosten.«

    »Reserve, hier spricht Commodore Preyel. Fliegen Sie auf Kurs Zwo-Sieben-Sieben um den Mond herum und greifen Sie ins Gefecht ein. Staffel Braun bildet die Speerspitze; die Knife-Staffel eskortiert die Bomber beim Angriff auf die Flail. Gute Jagd!«

    »Gelb Eins an Gelb, Sie haben die Lady gehört«, ließ Eshnich sich über den Staffelkanal vernehmen. »Auf den vorgegebenen Kurs mit maximal 68 MGLT, das ist die Höchstgeschwindigkeit unserer Eskorte. Formation einhalten und kampfbereit machen. Und stellen Sie nochmals sicher, dass alle Waffen deaktiviert sind!«

    Adam funkte eine militärisch kurze Bestätigung. »Ah, da haben wir ja schon eine Antwort«, sagte er, während er den Steuerknüppel nach vorne drückte und den Y-Wing damit so rapide beschleunigte, wie dessen alte Technik es zuließ. »Die Uglies sind sogar langsamer als wir. Jetzt bin ich gespannt: Wenn wir sie nicht...«

    »Acht, schweigen Sie!«

    »Entschuldigung, Sir!« sagte der rothaarige Mann verlegen und deaktivierte die Sprechverbindung.

    [Mirial-System | Orbit über Mirial | Y-Wing Gelb Acht] Beleny Phoss und Adam Mount (NPC) mit Staffel Gelb
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2014
  6. Dove

    Dove Y-Wing-Bordschützin

    [Mirial-System | Nordhalbkugel | Fliegerhorst Camp Hoar Planes | Bar] Beleny Phoss mit Staffel Gelb

    Den Abend nach dem Manöver verbrachten die Piloten in der Bar des Fliegerhorsts. Der Raum war nicht viel schmuckvoller als einer der Hangars und bot auch kaum eine gemütlichere Ausstrahlung - nur die Tatsache, dass er an diesem Abend ziemlich voll war, schuf eine Kneipenatmosphäre und wirkte dem Gefühl entgegen, in einer Wartungshalle zu sitzen. Zumindest gab es Stühle, Tische und eine Theke. Dahinter befand sich an der ansonsten ziemlich nackten Wand ein Regal mit bunten Spirituosenflaschen: Spezialitäten (sowie billiger Fusel) aus Mirial oder Importware von anderen Welten. Keine einzige der Marken und Sorten kannte Beleny Phoss und vielen ihrer Kollegen ging es genau so. Manche schienen daraufhin den Ehrgeiz zu entwickeln, sich mindestens einmal quer durch das ganze Regal zu kosten. Sie jedoch hatte dieses Verlangen nicht. Theoretisch durften sie nach Dienstschluss Alkohol trinken, auch wenn der Captain ihnen auferlegt hatte, sich zurückzuhalten - schließlich waren für den nächsten Tag weitere Flüge vorgesehen. Aber selbst wenn man der Staffel alle Freiheiten gegeben hätte, sich sinnlos zu betrinken, hätte die Kilmaulsi wohl eher auf etwas Alkoholfreies zurückgegriffen. Nicht, dass sie nie getrunken hätte - manchmal auch deutlich über den Durst - aber sie legte keinen großen Wert darauf und es gehörte zu ihrer Vorstellung einer Feier oder eines angenehmen Abends nicht automatisch mit dazu. Einige ihrer Kameraden hatten eine andere Einstellung zu Bier und Schnaps, was man am Umsatz der einheimischen Barleute auch sah. Und manche wirkten bereits ziemlich enthemmt.

    Von ihrem Platz - einem kleinen runden Tisch in einer halbdunklen Ecke des Raumes - aus konnte sie beobachten, wie die Stimmung mit jedem Drink ausgelassener wurde. Mittlerweile hatten sie eine Phase erreicht, in der die Grüppchen sich neu formierten. Während sich die Gäste zuvor überwiegend nach Geschlecht sortiert hatten, begannen sie nun, sich zu mischen. Da sowohl die Piloten der beiden Geschwader als auch das einheimische und mitgebrachte Personal des Fliegerhorsts in der Mehrheit männlich war, gruppierten sich um eine oder zwei Frauen meist doppelt so viele Männer. Manche unterhielten sich angeregt, andere scherzten und lachten, woanders wurde offensichtlich geprahlt. Das alles schien nur einem Zweck zu dienen: Bekanntschaften zu knüpfen, die über kameradschaftliche und kollegiale Beziehungen hinaus gingen. Am meisten Aufmerksamkeit erhielt dabei wie immer Phoebe Honada. Um sie hatte sich eine regelrechte Traube aus Männern gebildet, deren Interesse nicht zu übersehen war. Beleny gewann den Eindruck, dass sie dabei bereits vorsortiert hatte und sich nur mit den attraktivsten Bewerbern umgab, auch wenn sie nicht ganz sicher sein konnte, weil Menschen für sie doch ziemlich ähnlich aussahen und sie keinen Sinn für die Feinheiten hatte, die bei dieser Spezies über Schönheit und sexuelle Attraktivität entschieden. Sie konnte sich zum Beispiel nicht ganz erkären, was all die Männer ausgerechnet an Phoebe so reizvoll fanden, aber dass es so war, stand schon lange außer Zweifel. Auch Princess selbst wusste das und nutzte es gelegentlich recht schamlos aus - ein Charakterzug, der sie in Doves Augen nicht sympathischer machte.

    Aber auch Frauen, die nicht so vollkommen dem menschlichen Schönheitsideal entsprachen, mussten den Abend nicht allein verbringen. Zum Beispiel ihre Freundin Tunaci. Obwohl sie mit ihrem gestreiften Fell, den auffälligen Ohren und den nadelspitzen Zähnen nur wenig Ähnlichkeit mit dem grünhäutigen Mirialaner hatte, der neben ihr an der Bar saß, spendierte dieser ihr soeben mindestens den zweiten Drink. Beleny vermutete, dass das auf eine ganz bestimmte anatomische Übereinstimmung zwischen weiblichen Trianii und den Menschenähnlichen zurückzuführen war: Runde Fetteinlagerungen vor dem Brustkorb. Die Frauen von Doves Spezies hingegen hatten überhaupt keine Milchdrüsen - ihre Evolution war anders verlaufen und hatte nie eine Notwendigkeit dafür ergeben. Allerdings war das sicherlich nur einer von mehreren Gründen, warum sie alleine am Tisch saß.

    Natürlich hätte sie sich auf keinen Flirt eingelassen. Sie war in einer Beziehung, die ihr sehr wichtig war: Ihre Treue zu Fenten stand nicht zur Disposition. Für flüchtige Affären war sie ohnehin nicht der Typ und hätte sich wohl auch wenn sie Single wäre nicht auf etwas eingelassen, von dem sie nicht glaubte, dass es Bedeutung hatte. Zudem fand sie Humanoide nicht attraktiv und empfand die Vorstellung, einem von ihnen nahezukommen, insgesamt nicht als sehr reizvoll. Gute Gründe also, auf keine dieser Frauen neidisch zu sein. Und doch hätte sie ein klein wenig Interesse vielleicht genossen. Dass sie das einzige weibliche Wesen in der Bar war, dem niemand diese Art von Aufmerksamkeit widmete, versetzte ihr einen leichten Stich.

    Zum Glück kam in diesem Moment Tunaci zu ihr hinüber. Der Mirialaner ging zur Tür, doch ihre Blicke und Gesten ließen erkennen, dass er bald zurück sein würde, und in dieser Zeit sah sie dankenswerterweise nach ihrer Freundin - wenn auch vielleicht nur, damit sie ihre Begeisterung mit jemandem teilen konnte.


    »Ist er nicht süß?« fragte sie Beleny und lenkte ihren Blick damit noch einmal auf die Rückseite des Mannes, der soeben den Raum verließ.

    »Ich kann das nicht wirklich beurteilen, Tunaci. Tut mir leid.«

    »Aber du siehst doch, was er für einen tollen Körper hat! Diese Muskeln!«

    Natürlich war Dove klar, dass ihre Freundin nicht wirklich ihre Meinung hören, sondern vor allem bestätigt werden wollte.

    »Ja, du hast Recht. Er ist gut in Form.«

    »Das ist er. Und sympathisch ist er auch. Nur schade, dass Menschenähnliche kein Fell haben.«

    »Und leider auch keine Federn.«

    »Aber die hat dein Freund doch auch nicht, oder?«

    »Fenten hat andere Qualitäten.«

    »So, so«, erwiderte die Trianii mit entblößten Eckzähnen. Da ihr neuer Bekannter um die Ecke verschwunden war und es nichts mehr zum Hinterherschauen gab, konzentrierte sie sich nun ganz auf ihre Freundin, die mit der letzten Bemerkung ihr Interesse geweckt hatte. »Das würde mich sowieso schon längst interessieren. Ich kannte bisher noch keinen Mon Calamari - wie ist es denn mit ihnen?«

    Beleny verstand natürlich, was Furry mit ›es‹ meinte. Eine Frage, die sie nur ungerne erörtern wollte, vor allem, weil die Trianii schon dem Alkohol zugesprochen hatte - mehr als Captain Eshnich vermutlich gern gesehen hätte. Sie antwortete dennoch, zu ihr hin geneigt, damit andere es nicht hören sollten:

    »Großartig! Das solltest du wirklich mal ausprobieren. Weißt du, sie haben nicht einen, sondern zwei, und was sie damit alles machen können... Zwar ist es etwas umständlich und man muss sich an die ungewöhnliche Umgebung erst gewöhnen, denn sie können nur mindestens vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel, aber was dann kommt, ist die sechsstündige Dekompression beim Auftauchen wirklich wert!«

    Das erwartungsvolle Grinsen war auf Tunacis Gesicht gefroren und sie machte jetzt eher einen entgeisterten Eindruck. Sie starrte Beleny an und blinzelte zweimal, bevor sie erwiderte:

    »Du veralberst mich doch?«

    »Wer weiß«, antwortete Beleny und verzog dabei keine Miene. Ihr weitgehend unbeweglicher Schnabel machte das erst möglich.

    »Na warte!« lachte die Trianii, die ein um so bewegteres Mienenspiel zeigte. »Glaub bloß nicht, dass ich es darauf beruhen lasse! Über das Thema wird noch zu reden sein!«

    »Später vielleicht. Aber schau, dein leider fellloser, aber gut trainierter Abendsabschnittsgefährte ist wieder da. Willst du nicht zu ihm gehen, bevor eine andere schneller ist?«

    »Glück für dich! Bis später, Beleny

    »Viel Spaß!«

    [Mirial-System | Nordhalbkugel | Fliegerhorst Camp Hoar Planes | Bar] Beleny Phoss mit Staffel Gelb
     
  7. Dove

    Dove Y-Wing-Bordschützin

    [Mirial-System | Nordhalbkugel | Fliegerhorst Camp Hoar Planes | Belenys Quartier | vor dem Altar] Beleny Phoss mit Staffel Gelb

    »...und beschützt auch meine Eltern und alle anderen Phoss in der Galaxis, meine Freunde auf Mon Calamari... und Fentens Familie. Auch wenn die ruhig etwas toleranter werden dürften.«

    Damit beendete Beleny ihr Morgengebet. Sie hatte die Götter angerufen, sich bei ihnen dafür bedankt, dass auch an diesem Tag die Sonne aufgegangen und sie aus der Traumwelt in die Wirklichkeit zurückgekehrt war, und hatte dann ein paar Wünsche geäußert, wie die Götter zum Gelingen dieses Tages beitragen konnten. Die nachfolgenden Fürbitten für ihre Freunde und Verwandten, insbesondere ihren Lebensgefährten, bildeten wie immer den Abschluss. Sie fand es egoistisch, von den Göttern mehr für sich zu erbitten als für alle anderen, deshalb schloss sie diese immer in ihre Gebete mit ein und achtete darauf, niemanden auszulassen. Dann zündete sie eine weitere Kerze an, stellte sie zu den anderen auf den Altar und verbrannte darin die getrockneten Blätter einer Wasserpflanze, die sie von Dac mitgebracht hatte. Das war kein elementarer Bestandteil der Kilmaulsi-Kultur, aber die Mon Calamari sagten diesem Gewächs mystische Kraft nach und sie hatte es in ihre Art, ihren Glauben zu praktizieren, adaptiert. Diese Verknüpfung von kilmaulsianischen und calamarischen Bräuchen spiegelte ihre Identität wieder - sie fand, dass das den Göttern gegenüber sehr ehrlich war, auch wenn sie sich daran vielleicht erst gewöhnen mussten. Sie pustete die Kerzen aus, verneigte sich noch einmal vor dem Altar und wandte sich dann mit zufriedenem Lächeln ab.

    Anschließend zog sie den Trainingsanzug aus, mit dem sie zwischen dem Aufstehen und ihrem Gebet ein paar Runden um den Exerzierplatz gejoggt war - weniger als sie sich vorgenommen hatte, aber an diesem nordmirialanischen Herbstmorgen war es so kalt, dass sie es nicht länger ausgehalten hatte. Es wurde Zeit, dass sie Winderausrüstung bekamen. Wenn es nach ihr ging, für das ganze Jahr. Doch jetzt benötigte sie sowieso eine andere Kluft. Sie stieg in ihren orangefarbenen Pilotenanzug und komplettierte diesen dann mit dem weißen Gurtzeug, Stiefeln und Handschuhen. Auf Lianna hatte es einen Raum gegeben, in dem die Piloten jeweils einen Spind gehabt hatten, um sich vor den Einsätzen umzukleiden, doch in Camp Hoar Planes gab es so etwas nicht, die Hangars und Aufenthaltsräume waren zu eng dazu; also bewahrte jeder seine Fliegerausrüstung im eigenen Quartier auf. Sie kontrollierte nochmal alles vor dem Spiegel, griff dann nach dem Helm mit dem gelb-weißen Streifen auf dem Scheitel und verließ ihr Zimmer.

    Abermals musste sie über den Platz gehen, der an diesem Tag von einer feinen Schicht aus frischem Pulverschnee bedeckt war. Es gab keine direkte Verbindung zwischen den Wohnbereichen und den Hangars. Aber der Pilotenanzug war gut isoliert.
    ›Vielleicht sollte ich in Zukunft damit joggen.‹ Sie erreichte das große, kastenförmige, aus Wellblech und Plexiglas bestehende Gebäude, in dem die Bomber der Staffel Gelb sowie die Hälfte von Staffel Weiß untergebracht waren. An Letzteren musste sie vorbei, bevor sie ihre Maschine erreichte. Die Weißen hatten einen anderen Zeitplan: Ihre Bomber erfuhren an diesem Morgen wenig Beachtung. Zwischen allem was eine gelbe Markierung auf dem Rumpf trug, tummelte sich jedoch das kleine Heer von Technikern und Droiden, die für die Einsatzbereitschaft der Maschinen verantwortlich waren. Unter ihnen erkannte Beleny den Mirialaner mit den breiten Schultern und der tiefgrünen Haut, mit dem ihre Freundin Tunaci gestern angebandelt hatte. Sie hatte sich schon gefragt, welche Funktion er wohl in dem Fliegerhorst haben mochte. Aber ihre Aufmerksamkeit galt nun eher ihrem Y-Wing. Nummer Acht war offensichtlich gerade betankt worden, in diesem Moment wurde von einem menschlichen Hangararbeiter der Schlauch gelöst und der kleine Tankwagen fuhr vollautomatisch davon. Ihr Pilot Adam Mount war bereits da, ebenso wie sie trug er die Pilotenkluft und hatte den Helm unter dem Arm.

    »Morgen, Beleny!« rief er ihr zu. »Ich habe dich beim Frühstück vermisst.«

    »Ich hatte keinen Hunger. Wollte mir lieber noch etwas Bewegung verschaffen vor dem Flug und mir Zeit für mein Gebet nehmen.«

    Sie wusste, dass niemand in der Staffel ihre religiöse Auffassung teilte. Überhaupt waren sie alle beunruhigend weltlich eingestellt. Ein paar riefen hin und wieder die Macht oder irgendeine zweifelhafte Gottheit an, aber keiner übte seinen Glauben aktiv aus. Das hielt sie aber nicht davon ab, stolz auf ihre Religion zu sein und darüber zu reden, als wäre es die größte Selbstverständlichkeit des Universums. Für sie war es nämlich genau das. Und das Unverständnis, das sie dafür manchmal erntete, sah sie nicht als ihr Problem an.

    Sie war gut gelaunt an diesem Tag und Adam merkte das sofort. Er lächelte vergnügt und sie wechselten noch zwei, drei freundliche Sätze, bevor sie in ihr Cockpit stiegen: Er vorne auf den Pilotensitz, sie hinten an die Waffenkontrollen, wie immer. R3-JO saß bereits hinter ihnen und begrüßte sie mit einem melodischen Trällern, das Beleny an eine bestimmte Fischart von ihrer Heimatwelt erinnerte. Der Pilot und die Schützin hatten eine unausgesprochene Übereinkunft getroffen, das Cockpit vor dem Start so lange wie möglich offen zu lassen; so auch diesen Morgen. Obwohl die Luft im Hangar nicht besonders gut war (es roch nach Schmiermitteln, Kraftstoff, Abgasen, Metall und Weichmachern, wie immer), atmeten sie lieber diese, solange sie sich anschnallten und ihre Systeme checkten.

    Die Staffel war schon beinahe vollzählig und fast alle waren in ihre Cockpits gestiegen. Auch die Bodenmannschaft schloss langsam aber sicher ihre Arbeiten ab. Nicht mehr lange bis zu den Bereitschaftsmeldungen und dann einer hoffentlich raschen Startfreigabe. Doch dann sah die Kilmaulsi, dass noch ein Nachzügler in den Hangar hastete. Es war Tunaci, die sich verspätet hatte. Um zu ihrer Maschine zu kommen, musste sie nah an Gelb Acht vorbei und Beleny konnte erkennen, dass sie ziemlich übernächtigt aussah. Trotzdem erwiderte sie ihren Gruß mit einem Lächeln und freundlichem Winken, während sie weiter sauste und den Platz des Bordschützen hinter Josh Sinclair einnahm.


    »Da hat wohl jemand verschlafen«, merkte Adam an.

    »Ich glaube nicht, dass sie viel geschlafen hat«, erwiderte Dove. Sie kannte die lebenslustige Trianii gut und war sich beinahe sicher, dass diese die Nacht nicht alleine zugebracht hatte. Allerdings war offenbar nicht der mirialanische Techniker der Glückliche gewesen, auch wenn es am Vorabend ganz danach ausgesehen hatte: Er schien schon eine Weile bei der Arbeit und wesentlich ausgeruhter zu sein. Aber Tunaci war länger in der Bar geblieben als Beleny. Vielleicht hatte die Zeit noch für eine andere Bekanntschaft gereicht. Sie wusste aber, dass sie gar nicht fragen musste: Ihre Freundin würde ihr sowieso davon erzählen, ob sie wollte oder nicht.

    »Bist du soweit?« fragte der Pilot.

    »Ja, alles in Ordnung. Bei dir auch, Joe

    Das Quietschen des Astromechs war unmissverständlich ein Ausdruck vergnüglichen Tatendrangs.

    »Dann kann es ja losgehen.«

    »Gelb Acht startbereit«, meldete Adam an den Staffelführer.

    [Mirial-System | Nordhalbkugel | Fliegerhorst Camp Hoar Planes | Hangar | Y-Wing Gelb Acht] Beleny Phoss, Adam Mount (NPC) und R3-J0 mit Staffel Gelb
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. August 2014
  8. Dove

    Dove Y-Wing-Bordschützin

    [Mirial-System | unterwegs zu Mirials Mond | Y-Wing Gelb 8] Beleny Phoss, Adam Mount und R3-J0 mit Staffel Gelb

    In Keilformation stiegen die zwölf Bomber vom Typ BTL-S3 in den Himmel Mirials hinauf, durchstießen eine Dichte graue Wolkendecke und steuerten dann auf die schmale Sichel des Mondes zu, den Beleny Phossschon am Vortag bewundert hatte. Er war ein karger, nichts desto trotz in ihren Augen aber schöner Himmelskörper mit einer einzigartigen Zeichnung von Schluchten und Kratern. Verworfene Gesteinsschichten bildeten dazwischen ein graues und rötliches Muster. Sie hatte nichts dagegen, den Mond aus der Nähe zu sehen. Seine Schönheit und die Tatsache, dass die Staffel Gelb gleich Bomben auf seine Oberfläche werfen würde, widersprachen sich nach ihrem Empfinden nicht. Immerhin würden sie nur einen winzigen Teil des Trabanten umgestalten, ein Eingriff, der niemandem schadete und das Gesicht des Mondes nicht tiefgreifend verändern würde. Und für sie und ihre Kameraden war es eine Gelegenheit, ihre Fähigkeiten im Umgang mit den Waffensystemen, die ihnen anvertraut waren, zu verbessern. Dass es da noch einiges zu lernen und üben gab, hatte sie während des gemeinsamen Manövers mit den Mirialanern begriffen.

    Bisher war es nicht oft vorgekommen, dass man sie mit scharfer Munition hatte üben lassen. Protonenbomben und -torpedos waren überaus kostspielig und wurden selten zu reinen Übungszwecken vergeudet, während man sie doch an der Front benötigte. Vielleicht waren durch den Friedensvertrag von Umbara und das Ende der Kampfhandlungen mit dem Imperium nun ein paar Sprengköpfe übrig, so dass sie doch in den seltenen Genuss kamen. Vielleicht sollte man die Bomben lieber aufheben, bis der Konflikt aufs Neue ausbrach, denn ebenso wie Dove traute kaum jemand in ihrer Einheit dem Frieden wirklich und alle rechneten damit, dass er nicht von langer Dauer sein würde. Aber keiner von ihnen murrte darüber, dass sie nun die Möglichkeit haben würden, etwas in die Luft zu jagen. Auch wenn es nur ein wenig Mondgestein war. Jeder würde genau eine Gelegenheit bekommen: Jedem Y-Wing standen ein Torpedo und eine Bombe für diese Übung zur Verfügung - also würden sowohl Pilot als auch Bordschütze jeweils einmal auf das rote Knöpfchen drücken dürfen.


    »Wir nähern uns dem Zielgebiet«, sagte Captain Eshnich, der die Staffel nun in die kaum vorhandene Atmosphäre des Mondes führte. »Es liegt jetzt hundertzehn Kilometer vor uns. Unser erstes Ziel ist eine Bergflanke, die ungefähr die Form und Größe eines imperialen Sternenzerstörers hat. Wir werden einen Standard-Torpedoangriff auf diese Felsformation fliegen.«

    Das bedeutete, sie würden sich dem Ziel in mehr oder weniger gerader Linie nähern - unter normalen Umständen würden Abwehrfeuer und feindliche Jäger sie zu einigen Manövern zwingen, doch das war hier natürlich nicht zu erwarten. Wenn sie einen gewissen Abstand erreichten würden sie alle beinahe zeitgleich ihre Torpedos abfeuern. Je dichter beieinander und in je kürzerem zeitlichen Abstand die Geschosse aufschlugen, um so geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die Schilde (über die das Bergmassiv natürlich nicht verfügte) halten würden. In der Vergangenheit waren schon Großkampfschiffe durch solche Angriffe vollkommen zerstört worden, auch wenn sie mittlerweile eher von X-, H-, B- oder K-Wings durchgeführt wurden und nur noch selten von den alten BTLs. Aber wenn man trotz der veralteten Technik und der geringen Geschwindigkeit und Wendigkeit einmal nah genug an ein feindliches Schiff herangekommen war, um seine Torpedos auf Kurs zu bringen, konnte auch ein Y-Wing oder ein noch älteres Modell ausreichend Schaden anrichten. Die Staffel Gelb war gerade erst neu zusammengestellt worden und bis auf den Captain sowie die Lieutenants Sinclair und Harrison hatte bisher niemand einen echten Kampfeinsatz erlebt. Doch sie hatten Angriffe dieser Art, die zum Standardrepertoire der Jäger- und Bomberstaffeln gehörten, vielfach am Simulator und auch schon in Natura, aber mit Übungsmunition geprobt. Gestern waren sie daran gescheitert, eine solche Attacke gegen die Angriffsfregatte Flail durchzuführen. Deren Schild aus Jägern hatte den Versuch schon im Ansatz vereitelt. Diesmal gab es aber keine X-Wings, Torrents und Uglies, die sie von dem Versuch abhalten würden. Und auch keinen Howlrunner der Staffel Braun, der Gelb Acht während eines Ausweichmanövers beinahe rammte und damit die harmlose Übung zu einer wirklich gefährlichen Situation machte. Eine Schrecksekunde, die Beleny und ihr Pilot so schnell nicht noch einmal erleben wollten. Sie hatte es nicht einmal in ihrem Brief an Fenten erwähnt, um ihn nicht zu beunruhigen.

    »Das da vorne muss es sein!« sagte Icy.

    »Sieht wirklich ein Bisschen wie ein Sternenzerstörer aus«, gab die Kilmaulsi zu.

    »Staffel Gelb, Angriffsformation einnehmen. Kein, ich wiederhole, kein Einsatz der Laser- und Ionengeschütze. Jede Maschine macht nur einen Torpedo scharf. Abschuss auf meinen Befehl bei einem Kilometer Abstand zum Ziel.«

    Ein Kilometer, das klang viel, aber es war weniger, als das steinerne Dreieck lang und breit war. Es war auf diese Entfernung fast unmöglich, ein Objekt dieser Größe zu verfehlen, solange man nicht aus Versehen den Zielcomputer falsch programmierte und zum Beispiel ein davor oder dahinter liegendes Objekt markierte, ohne es zu merken. Beleny hoffte, dass ihnen so ein Fehler nicht unterlaufen würde. Immerhin hatten sie nicht den Stress eines echten Einsatzes, nicht einmal den einer Prüfung - das Ganze fühlte sich eher wie ein Zeitvertreib an, auch wenn zweifellos Punktstände vergeben und verglichen werden würden.

    »Joe, erfasse das Ziel. Dove, mach einen Torpedo scharf«, wies Adam seine Schützin und den Astromech an, während er sich weiter auf die Steuerung des Y-Wings konzentrierte. Der größte Vorteil an der zweisitzigen Version war, dass man sich Aufgaben teilen konnte.

    Auf den kleinen Bildschirm des Zielcomputers, die sowohl in Adams als auch in Belenys Sichtfeld angebracht waren, wurde nun die Silhouette des dreieckigen Tafelberges angezeigt und ein Fadenkreuz auf seine Mitte gelegt. R3-J0 zwitscherte die Bestätigung, dass er seine Aufgabe erfüllt hatte.


    »Torpedo in Rohr zwei scharf und abschussbereit«, verkündete auch die Kilmaulsi.

    Schön. Dann kann das Feuerwerk ja losgehen.

    Sie näherten sich dem Ziel mit hoher Geschwindigkeit, so als würden sie sich tatsächlich in einem Gefecht befinden und müssten sich bemühen, ein möglichst schwieriges Ziel für feindliche Kanoniere und Sternenjägerpiloten darzustellen. Der Captain, der den anderen die Flugrichtung vorgab, flog auch zwei oder drei kleine Schlenker, so als müssten sie Hindernissen ausweichen. Dann waren sie auf einen Kilometer heran. Das Fadenkreuz auf dem Zieldisplay änderte seine Farbe.

    »Torpedos abfeuern!« befahl der Jenet mit lauter Stimme.

    Die Gelben reagierten nicht alle gleich schnell. Manche waren schon etwas voreilig und schossen bereits bei ›Torpedos‹ (was ihnen kein Lob einbringen würde, denn es hätte ja ein ›nicht‹ oder etwas derartiges folgen können), andere erst kurz nach dem zweiten Wort. Dennoch bildeten die Flugkörper einen dichten Haufen und ihre Schweife aus roten und magentafarbenen Funken waren kaum voneinander zu unterscheiden. Sie waren deutlich schneller als die Bomber und überbrückten die Distanz sehr schnell, doch wie meist in solchen Situationen war es den Piloten und Bordschützen nicht vergönnt, sich die Auswirkung ihres Bombardements in Ruhe anzusehen. Sobald sie die Torpedos losgeworden waren, drehten sie scharf bei: Rotte Eins direkt nach oben, Rotte Zwei nach links und Rotte Drei nach rechts. Sie würden eine Schleife fliegen, sich dabei ein Stück vom Ziel entfernen und sich dann wieder vereinigen, um gegebenenfalls einen zweiten Angriff zu starten. Während Adam sich darauf konzentrieren musste, die Formation zu halten und den vorgegebenen Kurs möglichst genau zu verfolgen, konnte Beleny sich den Luxus gönnen, mit den Kameras der Zielvorrichtung die Torpedos weiter zu beobachten. Die ersten veringen in einem weißen Lichtblitz und einem Feuerball, der durch die Detonation der nachfolgenden Geschosse rasch anwuchs. Die Explosion war so hell, dass sie die ganze Umgebung in gelblich weißes Leuchten tauchte, das einige Sekunden lang anhielt. Mit bloßem Auge hätte man sich den Vorgang gar nciht ansehen können, schon gar nicht Dove mit ihren empfindlichen Albino-Augen, aber die Kameras gaben das Bild mit reduzierter Helligkeit wieder. Fasziniert beobachtete Dove, wie ein Teil der Klippe abbrach und als mächtiger Felssturz in die Tiefe polterte. Durch die geringe Fallbeschleunigung des Trabanten sah es wie eine Zeitlupenaufnahme aus.

    »Wow!« entfuhr es ihr.

    Dann wurden sie von der Schockwelle eingeholt und ein wenig durchgeschüttelt. In der dichten Atmosphäre eines Planeten wäre das ein gefährlicher Moment gewesen, bei dem man Gefahr lief, die Kontrolle über den Bomber zu verlieren. So jedoch war es nicht viel mehr als eine starke Vibration, die aber dennoch deutlich machte, welche immensen Energien freigesetzt worden waren.


    »Ziel getroffen«, verkündete der Captain. »Alle Torpedos detoniert. Ein echter Sternenzerstörer würde nach so einem Treffer und ein paar inneren Folgeexplosionen mit etwas Glück in zwei Hälften brechen. Gut gemacht, Staffel. Formation wieder einnehmen.«

    Bevor sie Gelegenheit erhielten, auch ihre Protonenbomben abzuwerfen, mussten die Piloten sich zunächst einigen Flugübungen stellen. Sie übten das Einhalten und Wechseln verschiedener Formationen, was teilweise gar nicht so einfach war. Einen Keil aufzulösen und binnen weniger Sekunden eine Linie, eine Kugel oder ein Kreuz zu bilden, ohne sich dabei ins Gehege zu kommen, war eine Herausforderung und konnte gar nicht oft genug trainiert werden. Aber es stellte vor allem die Fähigkeiten der Piloten auf die Probe, die Schützen hatten dabei wenig zu tun. Nach einer Weile begann Beleny sich zu langweilen. Ihre Hoffnung, dass Eshnich vielleicht auch eine Zielübung vorgesehen hatte und gleich ein paar Drohnen oder etwas ähnliches für sie aus dem Hut zaubern würde, erfüllte sich nicht. Aber dann kam endlich der Zeitpunkt, an dem auch sie zum Einsatz kommen durfte.

    Staffel Gelb kehrte zu dem steinernen Schlachtschiff zurück, an dessen Seite man nun eine dichte Staubwolke sehen konnte, die fast bewegungslos über der Mondoberfläche schwebte. Dahinter musste sich eine gewaltige Bresche und darunter ein ebenso mächtiger Schutthaufen befinden, die erahnen ließen, wie fatal sich die Explosion der zwölf Torpedos auf einen echten Sternenzerstörer ausgewirkt hätte. Nun jedoch wollten die Y-Wings ihrem simulierten Ziel den Rest geben.


    »Überflug von Bug nach Heck in fünfhundert Metern Höhe«, ordnete der Staffelführer an. »Bomben mittschiffs in der Nähe der ersten Einschlagstelle abwerfen und dann sofort nach oben abdrehen. Rotte Drei beginnt!«

    Über den Staffelkanal konnten sie nun zuhören, wie Josh Sinclair seinen beiden Untergebenen noch ein paar Anweisungen gab. Während sie in einigen Kilometern Entfernung kreisten, flogen die vier Maschinen eng beieinander auf das Ziel zu. Sie beschrieben einen Bogen, um sich dem Felsplateau von der vorderen Spitze her zu nähern. Aus dieser Distanz waren sie nur kleine weiße Punkte, aber man konnte ihrem Kurs mit dem bloßen Auge folgen. Die Bomben, die sie abwarfen, konnte man nicht beobachten, aber die dreifache Explosion war wirklich nicht zu übersehen. Die Sprengkraft von Protonenbomben war noch größer als die der Torpedos und sie hinterließen sicherlich Krater in der felsigen Oberfläche des Berges. Als Rotte Drei unversehrt zurückkehrte, befal der Captain:

    »Nun Rotte Zwei!«

    »Bleibt an meinen Flügeln!« Das war Zephram Harrison, der Anführer der Rotte. Sein Bomber schnellte nach vorne und Sechs, Sieben und Acht mussten stark beschleunigen, um ihm zu folgen. Sie flogen den gleichen Kurs wie die dritte Rotte vor ihnen, aber in höherer Geschwindigkeit. Es passte zum Ego des Lieutenant, dass er das Bedürfnis hatte, die Vorgänger in irgendeiner Weise zu übertreffen.

    »Zielt genau auf den Bombenkrater der Dritten!« sagte er. »Ich will vier Volltreffer sehen!«

    In diesem Fall gab es keine dichte Staubwolke. Die hatte an der Flanke des Berges der Felssturz ausgelöst, den es hier nicht gegeben hatte. Im Gegenteil: Die Druckwelle der Explosionen hatte allen Staub beiseite gefegt und nur nackten, graubraunen Fels hinterlassen, in dem deutlich die Spuren der ersten Protonenbomben zu sehen waren. Während Adam auf diesen Ort zusteuerte, half der Atromech Beleny beim Anvisieren des Ziels.

    »Bombe ist bereit«, sagte sie.

    »Dann viel Vergnügen!« kommentierte der rothaarige Mensch.

    Diesmal gab es keinen Befehl zum Abwurf der Bomben. Jeder Schütze musste für sich selbst den richtigen Zeitpunkt bestimmen, abhängig von Position, Geschwindigkeit und Flugrichtung des jeweiligen Bombers, um das Ziel exakt zu treffen. Beleny drückte auf den Knopf, als der Zielcomputer, ihr Gefühl und das Quäken des R3 ihr mitteilten, dass der richtige Moment gekommen war. Eine spürbare Vibration ging durch den Bomber, als aus dessen Unterseite eine der schweren Bomben ausgeklinkt wurde. Die vier Maschinen der Rotte beschleunigten und zogen steil nach oben, um Distanz zwischen sich und die Geschosse zu bringen, die kurz darauf hinter ihnen explodierten. Wieder wurden sie von einer Welle aus weißem Licht überholt und dann von einer Druckwelle leicht durchgeschüttelt. Nachdem auch Captain Eshnichs Rotte Eins ihre Bombenlast abgeworfen hatte, flog die ganze Staffel noch einmal geschlossen über das Zielgebiet hinweg, um das Trefferbild zu begutachten. Sie konnten mit ihrer Zielgenauigkeit zufrieden sein. Der zerklüftete Mond hatte unterdessen ein paar neue Krater erhalten, die unter den anderen zwar nicht auffielen, mangels Erosion durch Wind und Niederschlag aber vielleicht für Jahrtausende von dieser erfolgreichen Übung künden würden.

    Staffel Gelb flog nach Mirial zurück. Dort gab es eine gründliche Nachbesprechung des ganzen Fluges und den Teilnehmern wurden Punktstände zugewiesen. Diese errechneten sich bei den Piloten aus den gezeigten fliegerischen Leistungen sowie Timing und Zielgenauigkeit beim Abschuss der Torpedos, bei den Schützen lediglich aus dem Bombenabwurf, denn viel mehr hatten sie nicht zu tun gehabt. Der Captain kündigte jedoch an, dass auch sie in kommenden Übungen stärker gefordert werden sollten. Anschließend wurden sie in die Hangars geschickt, um ihre Maschinen und Astromechs zu versorgen. Es war Brauch im 114. Bombergeschwader, dass jeder ein gewisses Maß an Verantwortung für die Instandhaltung der Gerätschaften trug, anstatt das lediglich dem Bodenpersonal zu überlassen. Als dann der Dienstschluss näherrückte, blickten sie alle auf einen ereignis- und abwechslungsreichen Tag zurück. Der größte Teil der Staffel - ausgenommen nur diejenigen, die kein sehr geselliges Wesen hatten - verabredete sich auch für diesen Abend wieder in der Kneipe des Stützpunkts. Diesmal freute sich auch Beleny auf ein starkes, kühles Bier.


    [Mirial-System | Nördliche Hemisphäre | Fliegerhorst Camp Hoar Planes | Bar] Beleny Phoss mit Staffel Gelb
     

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