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Was ist soziale Gerechtigkeit?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges" wurde erstellt von Brainless_Jedi, 14. Dezember 2006.

  1. Brainless_Jedi

    Brainless_Jedi Abgesandter

    Heyhey ihr ^^

    In unserer letzten Politikstunde wurde eben gerade diese Frage gestellt und das wurde auch eine Recht lange Diskussion mit vielen verschiedenen Meinungen und Ansichten, da es ja keine richtig "falsche" Antwort gibt. Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein =P
     
  2. Callista Ming

    Callista Ming pösäs Kätzchen

    Und was ist nun deine genaue Frage? Wie wir persönlich soziale Gerechtigkeit definieren? Wenn hier diskutiert werden soll, wäre etwas mehr Einleitung nicht schlecht ;)

    Gruß Calli
     
  3. Horatio d'Val

    Horatio d'Val Ritter der Kokosnuss

    Also ich finde, eine zusätzliche Erweiterung der Fragestellung ist hier nicht nötig. Die Frage ist eindeutig.

    Soziale Gerechtigkeit ist die gerechte finanzielle Entlohung für begangene Tätigkeiten - niemand sollte (zumindest theoretisch) zu viel oder zu wenig kriegen - jede Arbeit sollte ausreichend entlohnt werden, daß es zum leben reicht (und nicht nur zum Überleben). Soziale Gerechtigkeit ist NICHT die Bereicherung auf dem Rücken anderer - zum Beispiel die Entlassung von Arbeitnehmern, nur um den Gewinn zu maximieren. Es ist eine Chancengleichheit für alle in Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Schutz. Es ist gleichheit vor dem Gesetz und das Recht auf Gerechtigkeit. Es ist das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, ohne andere einzuschränken.

    Letztenendes kann man allerdings keine wirkliche greifbare und endgültig Defintion abgeben. Die Grenzen bei diesem Begriff sind fließend.
     
  4. Darth Gollum

    Darth Gollum Der, den sie DEN nannten

    Mir stellt sich die Frage, ob soziale Gerechtigkeit sich allein auf Entlohnungen beschränkt, nicht aber auch auf Pflichten.

    Meiner Meinung nach trifft das aber ebenso zu.

    Man nehme meinen Job, meine Tätigkeit, den Eigentümern zu erklären, dass ihr neu errichtetes Gebäude der Einmessungspflicht unterliegt.

    Bezirksregierung--->Katasterämte--->hoheitliche Aufgaben müssen erfüllt werden.

    Gesetz sagt: Neu errichtete oder in ihrem Grundriß veränderte Gebäude müssen nach Fertigstellung eingemessen und ins Kataster übernommen werden.

    Dies spricht NIEMANDEN von dieser Verpflichtung frei, unabhängig von sozialer Stellung, Einkommen, ob Privatperson, ob juristische Person, oder die Bundesrepublik selbst.

    Natürlich trifft es den "kleinen Eigenheimer" am schwersten (schwerer als eine Firma wie RWE oder Thyssen Krupp), doch darauf kann und wird keine Rücksicht genommen.

    Wird vielleicht fälschlicherweise als soziale Ungerechtigkeit deklariert, ist in Wahrheit aber nichts anderes als die Gleichstellung Aller, also herrscht wiederum eine Gerechtigkeit in dem Tun und Handeln. ;)
     
  5. Jace

    Jace Abgesandter

    Soziale Gerechtigkeit.. pfff..
    Man sieht ja wohin das Land geführt wird, wenn diese Überhand nimmt..
    Ich sage nicht dass es per se etwas schlechtes ist.. das Problem ist nur dass genau wie bei der Demokratie, der Apparat träge und langsam wird, wenn es Überhand nimmt..

    Allereinfachstes Beispiel die Arbeitslosen.. es ist doch vollkommen logisch, dass eine gewisse Gruppierung der Bevölkerung gar nicht mehr arbeiten will, wenn die soziale Gerechtigkeit dafür sorgt, dass sie vollkommen zufrieden sind, mit dem was sie vom Staat bekommen..

    vllt bin ich da ja zu liberal, aber ich finde, dass es eindeutig zuviel soziale "Gerechtigkeit" gibt..
     
  6. Wookie Trix

    Wookie Trix Botschafter

    Ich sehe das wie Darth Gollum. Soziale Gerechtigenkeit heisst für mich nicht, dass man bloss die Hand aufmacht und reinregnen lässt, was der Staat alles an Vergünstigungen zu bieten hat, sondern, auch dass man seinen Beitrag dazu leistet, damit die Gesellschaft in Frieden und Wohlstand gedeihen kann.
    Wenn Rechte und Plichten sich die Waage halten und jeder die Grundwerte der freien Demokratie achtet bzw. respektiert, ja, dann darf man getrost von sozialer Gerechtigeit sprechen. Leider allzuoft eine Fiktion, die nur auf dem Papier besteht.

    Gruss, Wookie Trix
     
  7. Ja klar, die Mehrheit der Arbeitslosen hat keine Lust zu arbeiten und hält lieber die Hand auf.:rolleyes:

    Schon mal daran gedacht, daß vielleicht die Mehrheit der Arbeitslosen schon arbeiten will, es aber nicht kann, weil keine Arbeit vorhanden ist ?

    Du bist da mit Deiner Meinung nicht liberal, sondern einfach nur anmassend und unwissend. Was meinst Du eigentlich, warum so viele Deutsche in Holland arbeiten, oder Dänemark, oder in anderen Ländern ? Vielleicht weil es dort ja Arbeit gibt, die es hierzulande nicht ( mehr ) gibt ? ;)

    Tja, meine Meinung zur Sozialen Gerechtigkeit. Soziale Gerechtigkeit funktioniert nur, wenn es ein gegenseitiges nehmen und geben gibt und sich dies in der Waage hält. Das Problem, was ich in Deutschland sehe ( ich lebe nicht mehr in Deutschland ) ist die schlechte Balance zwischen Sozialhilfe und Niedriglohn-Jobs.
    Sehr viele würden gern einen richtigen Job annehmen, aber sie können es schlicht und einfach nicht, weil manche Jobs teilweise weniger Geld einbringen als Sozialhilfe. Deswegen sind sehr viele einfach gezwungen, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen, auch wenn sie eigentlich lieber richtig arbeiten gehen würden.
    In den letzten 12 Monaten habe ich sehr viele Deutsche kennengelernt, die ausgewandert sind. Viele von ihnen haben es eigentlich nicht nötig gehabt, viele von ihnen hatten einen guten Job in Deutschland. Die meisten sind weg, weil die Lebensbedingungen im Ausland teilweise sogar besser sind als in Deutschland.

    Vielleicht ändert sich die Lage ja mal wieder in Zukunft, aber so recht mag ich nicht daran glauben. Erst wenn die Wirtschaft in Deutschland wieder gut läuft, ja erst dann gibt es auch wieder genug Arbeitsplätze. Viele Leute machen den Fehler und geben den Politikern die Schuld. Doch die Politiker können keine Arbeitsplätze schaffen. Das können nur die Firmen. Das einzige was die Politiker können ( und auch tun sollten ) ist die Rahmenbedingungen für die Firmen zu verbessern und genau hier liegt der Hund begraben. Durch die hohen Steuern sowohl für die Firmen als auch für die Bürger ist Deutschland unattraktiv geworden. Kein Wunder daß viele Firmen lieber ins Ausland gehen.
    Wer jetzt mit dem Argument der zu höhen Löhne kommt liegt auf dem Holzweg.
    Andere Länder wie z.B. die Schweiz haben wesentlich höhere Löhne. Aber trotzdem floriert dort die Wirtschaft.

    Ich bin mal gespannt wie das mit Deutschland weitergeht.

    Vieleicht kehre ich irgendwann mal wieder zurück, wenn die allgemeine Lebensqualität wieder so wird wie sie es einmal gewesen ist...
     
  8. Wookie Trix

    Wookie Trix Botschafter

    Wie du schon angetönt hast, leidet Deutschland nicht nur unter dem Problem, dass zuwenig Arbeitplätze vorhanden sind. Das weitaus grössere Problem ist die schlechte Bezahlung. Mit den vielen Billlig-Jobs (400 Euro) ist die Sache noch schlimmer geworden. Aber auch bei den normal entlöhnten Jobs ist die Grenze zur Ausbeutung nicht weit und vielfach schon überschritten. Von daher meine ich, dass es nicht reicht, neue Lehrstellen und Arbeitsplätze zu schaffen. Viel dringender wäre, das Lohnniveau - und zwar deutlich - nach oben zu verschieben und den Lohndumping konsequent den Kampf anzusagen.

    Imho wundere ich mich, warum man eigentlich gar nicht weit ins Ausland reisen muss, um ein wesentlich besseres Arbeitsklima anzutreffen. In Dänemark und anderen skandinavischen Ländern boomt der Arbeitsmarkt ganz gewaltig. Etwa in der Baubranche. Wie kommt es da, dass Deutschland immer mehr zum Auswanderungsland mutiert?
    Bedenkt man mal die längerfristigen Konsequenzen dieser Entwicklung, dann muss man sich schon fragen, ob die angeblich geläuterte Regierung genug tut, um Deutschland wieder flott zu kriegen. Bis zum Status Entwicklungsland ist es nämlich nicht mehr weit. :(

    Gruss, Wookie Trix

    Gruss,


    Darf man fragen, wohin genau es dich verschlagen hat?:)

    Gruss, Wookie Trix
     
  9. Jace

    Jace Abgesandter

    Achso.. ich bin dumm und du bist intelligent.. verstehe..
    Wer hier wohl anmaßend ist.. :rolleyes:

    Ja.. schön.. in der Schweiz floriert die Wirtschaft trotz höherer Löhne.. wenn du denkst, du kannst das einfach so übertragen dann bist du leider auf dem Holzweg.. Die Löhne sind so hoch, weil die Wirtschaft floriert.. Wenn die Wirtschaft stagniert wie in Deutschland halt, dann kann man nicht damit rechnen dass man immer mehr bekommt..
    Wenn zuviele Leute nehmen und nicht mehr genug geben, tja.. so ist das halt.. Und mit dem Problem, dass viele Jobs weniger bringen als Sozialhilfe, damit hast Recht..
    Da sieht man doch wie schwerwiegend das Problem mit zuviel soziale Gerechtigkeit ist.. Jetzt kann man natürlich wie du die Schuld auf die Löhne schieben, die zu niedrig sind.. aber niedrige Löhne entstehen nunmal durch den Markt.. und wenn sie immer noch niedriger sind als Sozialhilfe, dann stimmt was mit dem Markt nicht.. oder die Sozialhilfe ist zu hoch.. ist wohl beides der Fall.
    Nun.. es ist für einen persönlich natürlich völlig unsinnig weniger Geld für ARbeit zu nehmen. also ist es nicht die Schuld der Arbeitslosen, wenn sie die Hand aufhalten.. So habe ich das nicht gemeint..
    Aber wenn du mal bedenkst, wie gut es Sozialhilfeempfängern in Deutschland geht im Vergleich zu denen in anderen Ländern...
    Ich glaube die meisten Leute hier sind wohl in einer heilen Welt aufgewachsen, in der sie immer genug zu Essen hatten und sonst auch alels was sie brauchen.. Völlig egal, was die Eltern gemacht haben.. Arbeit, Sozialhilfe.. Selbstständig.
    Und jetzt wird gemosert..
    Ich sage nicht, dass man/der Staat Leute, die keine Arbeit haben, nicht unterstützen soll.. aber wenn es dem Staat so schlecht geht, dann sollten Sozialhilfeempfänger einfach zufrieden sein, dass sie welche empfangen und nicht immer mehr fordern.. denn es gibt ja nicht mehr..
    eine Debatte über Armut und die Schere Arm - Reich will ich jetzt gar nicht anfangen..
    Jedenfalls ist der Zustand hier seeeeeeeeeeehr weit entfernt von einem Entwicklungsland..
    Vllt sollte man der Realität ins Auge blicken.. Man ist gewöhnt, dass es immer bergauf ging bis jetzt.. Und jetzt weil es mal ein wenig bergab geht, denkt man gleich dass man bald die Stufe eines Entwicklungslandes erreicht hat? Gehts noch??
    Lebt erstmal eine Zeit auf der STraße bzw unter den Bedingungen eines Entwicklungslandes.. dann kann man vllt über ARmut reden..


    Und ja.. ich kann da aus ERfahrung sprechen..
     
  10. Utopio

    Utopio Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, ni

    Dass es gar keine Arbeit gibt stimmt auch nicht ganz. In manchen Branchen sucht man verzweifelt nach qualifizierten Leuten, kann aber keine finden.
    Das Problem besteht darin, dass sich in einem Land mit so hohen Kosten "niedrigere" Arbeit nicht mehr lohnt und nicht jeder hat eben die Möglichkeit die nötigen Qualifikationen zu erwerben, die man benötigt.
    Ich denke Deutschland und die meisten anderen westlichen Länder haben in den vergangenen Jahrzehnten über ihren Verhältnissen gelebt und das Reichtum unter sich verteilt während der Rest der Welt in die Röhre blickte. Jetzt hat man in Asien stark wachsende Märkte und dafür musste eben irgendwer auch von seinem Wohlstand abgeben. Der demographischen Entwicklung nach zu schließen (schrumpfende Bevölkerung) wird Arbeitslosigkeit eher ein kurzfristiges Problem sein,
    ich will mal optimistisch sein und sage, dass die momentane Situation nur eine Übergangsphase ist, eine Neustrukturierung, durch die Globalisierung vielleicht sogar eine gerechtere, des Weltwohlstands.
    Es ist eben alles eine Frage der Perspektive, beschränkt man die soziale Gerechtigkeit auf Deutschland oder schaut man sich die Gesamtweltsituation an, die durch die Globalisierung eher besser als schlechter wird.
     
  11. Vom Status eines Entwicklungslandes ist Deutschland noch Lichtjahre entfernt ;)
    Ich persönlich denke, daß der Tiefstand noch nicht erreicht ist und der große Knall noch kommt. Die Momentane Regierung wird es nicht vermögen, Arbeitsplätze, bzw, Bedingungen für Arbeitsplätze zu schaffen. Die momentane Regierung ist an der Macht, weil die Menschen genug hatten vom alten System und so langsam eine andere Mentalität bekommen haben. Das Wahlergebnis spiegelt genau das ab : die Menschen sind ( noch ) unschlüssig, wie es weitergehen soll, daher gab es keine klare Mehrheit für rot-grün bzw. schwarz-gelb. Ich denke, daß sich die Mehrheitsverhältnisse der Parteien in Deutschland in Zukunft noch radikal ändern werden und es zu einem System ähnlich wie in Italien kommen wird. Die starken Verluste der beiden großen Parteien sind ein sicheres Indiz dafür. Ich bin mir sicher daß Deutschland in Zukunft entweder von einem Mitte-Rechts Bündnis aus CDU/CSU, FDP und noch einer weiteren Partei, die sich vielleicht aus ehemaligen Mitgliedern von CDU bzw. FDP zusammensetzt, oder einem Mitte-Links Bündnis aus SPD, Linkspartei und Grünen regiert wird. Das was die SPD durchgemacht hat, einen großen Verlust an Mitgliedern, das wird der CDU meiner Meinung nach noch bevorstehen.


    Das sind Deine Worte, nicht meine. Ich habe Dich nicht als dumm bezeichnet, sondern als anmassend und unwissend.

    Ich habe nicht geschrieben, daß man das übertragen kann bzw. sollte. Das Argument mit dem höheren Löhnen soll aufzeigen, daß die Formel niedrigere Löhne = mehr Arbeitsplätze nur eine Ausrede der Wirtschaft ist, um Einsparungen vorzunehmen, die eigentlich nicht notwendig sind und nur zu Lasten der Mitarbeiter gehen. Was nutzt es der Wirtschaft, wenn ich grad soviel zum Leben habe, daß ich Wohnung und Lebensunterhalt finanzieren kann, aber alles was darüberhinaus geht mir nicht leisten kann ? Die Wirtschaft schneidet sich ins eigene Fleisch, wenn sie die Binnenkaufkraft nicht erhöht. Sicher, Deutschland lebt sehr gut vom Export. Aber ist das eine langfristige Lösung für alle ?

    Ich habe nicht die Schuld auf die hohen Löhne geschoben. Hohe Löhne für alle kann und wird es auch nie geben können. Allerdings sollten die Löhne schon wesentlich höher sein als Sozialhilfe, damit die Menschen auch was tun für ihr Geld.

    Das Problem, was ich an Deutschland sehe ist die unermessliche Gier der Manager und hohen Bosse. Den Firmen geht es allgemein sehr gut. Doch trotzdem hört man laufend Meldungen über Einsparungen. Bei der Deutschen Bank so-und-soviel Tausend Stellen gestrichen, bei der Telekom, bei Siemens und und und...

    Das ist keine soziale Gerechtigkeit, das ist einfach nur eine Frechheit.

    Natürlich gibt es mehr. Es ist IMHO genug Arbeit für alle da. Nur sind die Rahmenbedingungen dafür nicht vorhanden, um den Menschen einen Grund zu geben, diese Stellen auch anzunehmen.

    Warum sollte man auch für 1000 Euro arbeiten gehen, wenn man 1200 Euro Sozialhilfe bekommt ? Überzogenes Beispiel, ich weiß, aber Du weißt sicherlich, womit ich darauf hinaus will. ;)
     
  12. Utopio

    Utopio Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, ni

    Naja, der Aufschwung hat ja schon angefangen. Es ist nunmal einfach so, dass sich in der Konjunktur Reszession und Boom immer abwechseln, die Phase der Resession hatten wir gerade hinter uns, jetzt gehts wieder etwas aufwärts.
    Wie es mit der Arbeitslosigkeit aussieht weiß allerdings niemand so richtig, langfrisitig gesehen dürfte sich das Problem durch den demographischen Wandel womöglich von selbst lösen, aber wie genau die Situation in einem schrumpfenden und vergreisenden Staat gestaltet werden wird ist noch sehr spekulativ.

    Ich denke Deutschland geht es von den großen Ländern noch mit am besten. Die USA und England besitzen kaum noch Sozialleistungen, so harte Sozialreformen wie im Stile einer Thatcher hat es bislang noch nicht ganz gegeben. Und in Frankreich brannten die Autos auch nicht umsonst.

    Nur wie erhöht man den Binneineinkauf, Deutschland ist nunmal traditionell ein Exportland? Schon krank, wenn die eigene Qualität der Produkte gleichzeitig der eigene Strick ist.

    Dazu müsste man vielleicht mal fundiertere Aussagen erhalten in wie weit Umstrukturierungen, die eine internationale Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft zum Ziel hatten, wirklich notwendig waren oder es wirklich nur die propagierte Geldgeilheit war. Denn was passiert wenn die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr gegeben ist hat man ja bei Siemens ehemaliger Handysparte gesehen.

    In anderen großen Ländern gibt es keine so hohen Sozialleistungen, von daher ist die Beantwortung dieser Frage gefährlich. Wir leben im Luxus, einen Luxus, den man sich vielleicht nicht mehr leisten kann.
    Länder wie Skandinavien sind numal nicht der Maßstab für Deutschland, der Vergleich liegt eher bei Frankreich, Großbrittanien und den USA. Und man darf auch nicht vergessen, dass Skandinavien sein funktionierendes System auch nur über sehr hohe Steuern finanzieren kann (25 % MwSt)
     
  13. Wookie Trix

    Wookie Trix Botschafter

    Die Wirtschaft funktioniert in der Schweiz genausoviel oder genausowenig wie anderswo. Wahr ist, dass die Schweiz ein sehr teures Land ist, in dem die Lebenserhaltungskosten ungleich höher als etwa in Deutschland sind. Das schlägt sich aufs Lohnniveau nieder. Daraus lässt sich aber bestimmt nicht ableiten, dass die soziale Gerechtigkeit in der Schweiz höher einzustufen ist. Man muss bedenken, das die Schweiz über ein anderers Steuersystem verfügt, bei welchem Ende Jahr schon mal paar Tausender für den Fiskus fällig sind, die vorher angespart werden müssen und schon so manchen in den Ruin getrieben haben. Rechnet man vom ausbezahlten Lohn die Mietkosten, die Krankenkasse und die Versicherungsbeiträge ab, können Herr und Frau Schweizer vom Nettosalär schon mal zwei Drittel abstreichen. Was zum Leben übrig bleib, entspricht betragsmässig in etwas dem, was ein Deutscher für den Lebensbedarf zur Verfügung hat. Setzt man diesen Betrag dann in Relation zu den höheren Lebenserhaltungskosten, wird schnell klar, dass das Leben in der Schweiz kein Zuckerschlecken ist und man sich schon besonders anstrengen muss, wenn man einen gewissen Wohlstand aufrecht erhalten will. Bei vielen Familien funktionert das nur noch über einen Zweitverdienst, oder über Existenzzuschüsse (Wirtschaftshilfe) des Staates.

    Firmenpleiten und Privatkonkurse sind in der Schweiz an der Tagesordnung. Die soziale Schere driftet trotz des vermeintlichen Wohlstandes immer mehr auseinander und es gibt eine ganze Latte an Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben.

    Was die Schweiz hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit allenfalls auszeichnet, ist das bessere Sozialwesen. Wer mit seinem Leben (ob finanziell oder aus anderen Gründen) nicht mehr klar kommt, kann bei entsprechender Nachfrage auf rasche und unbürokratische Hilfe zählen. Da wird nicht unterschieden zwischen Angestellten und selbstständig Erwerbenden. In der Schweiz wird man mit seinen Problemen nicht im Regen stehen gelassen, wie das hierzulande häufig der Fall ist. Das ist umso wichtiger, als das die Zahl der Sozialfälle in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Also nix mit Wirtschaftswunder. Das war einmal.

    Gruss, Wookie Trix
     
  14. Utopio

    Utopio Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, ni

    Ich habe den Eindruck den Menschen ist manchmal nicht bewusst, dass man für Leistungen auch zahlen muss. Entweder man macht es wie in England oder den USA, niedrige Steuern und ein möglichst liberales Wirtschaftssystem, dafür aber muss man selbst schauen wie man fürs Alter, Krankheit usw. vorsorgt, oder man macht es wie Skandinavien (oder wohl auch die Schweiz) und hat immens hohe Steuern, dafür aber macht der Staat für einen alles und sorgt in allem vor.

    In Deutschland scheint es mir als habe man oft die Einstellung, der Staat soll für alles sorgen, aber zahlen möchte ich dafür nicht. Das geht nicht. Im Moment bewegt man sich wieder etwas stärker in Richtung Privatisierung und Liberalisierung, das hat natürlich negative Auswirkungen auf die sozial schlechter Gestellten, auf der anderen Seite hat man so wieder stärker die Möglichkeit wettbewerbsfähig und innovativ tätig zu werden.
     
  15. icebär

    icebär BISSIG! Premium

    Zur sozialen Gerechtigkeit gehört meines Erachtens auch, dass der Vater Staat mal so sagt, was er in nächster Zeit überhaupt vorhat. Im Moment habe ich das Gefühl, dass man einen Großteil der Bürger am liebsten dumm sterben lassen möchte und wir keinem vernünftigen Kurs folgen.
    Alles, was man mitbekommt, sind endlose Streitereien über irgendwelche Reformen und ein schwachsinniger Vorschlag nach dem Anderen von irgendwelchen Sesselfurzern, die seit Jahren nicht wirklich etwas bewegt haben, außer dem Geld auf ihren Konten.
    Sieht man sich dieses Spielchen nämlich mal eine Weile an, dann hat man schwer den Eindruck, dass man hier als einzelne Person nach Strich und Faden verarscht wird. Ganz davon zu schweigen, dass dieses Land, welches von sich selbst im GG besagt, freiheitlich, föderal und sozial zu sein, mit Hochdruck daran arbeitet, all dies zu ändern.

    Ich kann den sozialen Teil der BRD neben dieser ganzen Schreierei nach diversen Verboten und mehr Rechten für Polizei und Überwacher kaum noch wiedererkennen. Es gibt Tonnen von Gesetzen, die dringend reformiert werden müssten, weil sie entweder veraltet sind, oder schlicht anderen Gesetzen widersprechen. Aber man legt keinen Wert auf das Aufräumen gesetzlicher Altlasten, sondern überlässt dies lieber den völlig überlasteten Gerichten. Dieser ganze Wahnsinn im Bundestag ist wohl kaum noch zu stoppen.

    Mittendrin befindet sich die BILD-Zeitung, die bei diesem Spielchen auch noch mitmischt und Stöcke und Steine in den Weg der Leute wirft, wo sie nur kann. Mit ihrer unwahren Berichterstattung sorgen sie im Wochentakt für künstliche Skandale aus der Politik. Dabei reichen diejenigen, die so schon da sind, mehr als aus.

    Gerecht ist das dem einzelnen Bürger gegenüber alles nicht...
     
  16. Utopio

    Utopio Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, ni

    @icebär:

    Ich glaube das Problem der Politiker besteht darin, dass sie Dinge ändern sollen, die nicht zu ändern sind. Ich glaube nicht, dass irgendein Politiker absichtlich 10 % Arbeitslose hat, das Ding ist Politiker können ein paar winzige Rahmenbedingungen ändern, doch wirklich Einfluss hat das wenig und wenn dann erst in einigen Jahren.

    Mit den Gesetzen gebe ich dir Recht, da hat man ja schon unter Schröder versprochen etwas zu entbürokratisieren. Aber irgendwie tut sich nichts, wahrscheinlich weil man alleine einen Fachmann bräuchte um zu analysieren welche Gesetze überflüssig sind, einen Fachmann um zu analysieren welche (auch negativen) Auswirkungen ein Wegfallen des Gesetzes haben könnte, ein Fachmann, der analysiert welche Auswirkungen das auf andere Gesetze oder Rechtssprechungen hat usw. Bei jedem einzelnen Gesetz kommt dann irgendein Hansel angerennt und schreit, dass man dies doch nicht un kann. Die armen Arbeiter, die armen Gewerkschaften, die armen Unternehmen, die armen ... , die vorher von diesem Gesetz Vorteile hatten. Da sieht man vor lauter Bäumen den Wald wohl nicht mehr. :mad:
     
  17. icebär

    icebär BISSIG! Premium

    Die sollen ja auch keine Wunder vollbringen, sondern lediglich das tun, wofür sie gewählt worden sind. Aber selbst unser Bundespräsident hatte zwischenzeitlich die Faxen dicke von diesem Affentheater, den die große Koalition in Berlin veranstaltet. Ein deutlicheres Zeichen braucht man eigentlich nicht mehr, um sich vor Augen zu führen, dass unsere Regierung ihre Aufgaben nicht vernünftig wahrnimmt.
     
  18. Utopio

    Utopio Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, ni

    Mal ne dumme Frage, was genau hatte man denn versprochen zu tun?

    Mir sind nur ein paar Sachen präsent. Merkel wollte die MwST erhöhen, das wurde getan, eine Gesundheitsreform wollte man machen, das hat man - unabhängig davon wie gut oder schlecht - angepackt. Man wollte das Steuerrecht vereinfachen, was ist daraus jetzt geworden, wurde das unter einer großen Koalition verworfen? Familien wollte man irgendwie unterstützen, wobei mir genaue Konzepte nicht bekannt sind, da hat man jetzt doch mit dem Geld für Neugeborene seit Anfang des Jahres auch irgendwas gemacht wobei ich jetzt auch keine Details kenne. Hier und in der Bildung wäre auf jeden Fall noch Bedarf. Und dann sind mir noch ein paar kleinere Dinge bekannt, bei denen sich die jeweilig andere Partei wahrscheinlich quer stellt.
    Nur warum die Entbürokratisierung nicht funktioniert, obwohl es eigentlich alle Parteien wollten, ist mir schleierhaft.
     

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