Artek III

Kommend aus dem Weltraum (Imperium)

[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / An Bord der Fury / Letos Quartier ] Leto

Das Erste, was Leto sah, als er die Kabine verließ, war das bleibe Gesicht des Diebes, der nervös in Richtung der Tür geschaut hatte. Einen Moment lang begegnete Leto seinem Blick, ignorierte ihn dann jedoch. Auch jetzt hatte er absolut keine Lust sich mit dem absolut irrelevanten Typen zu beschäftigen und nur dass er nun auf den Beinen war, hatte daran nichts geändert. Grade wollte er sich ganz abwenden, da ertönte plötzlich die mechanisch verzerrte Stimme von UX-23:

„Du bist also auch noch anwesend, Sikarius.“

Leto stöhnte.

„Ich hätte dich auf Nkllon lassen sollen…“

, gab er nach einigen Sekunden als Antwort zurück. Der Droide sah scheiße aus. Richtig scheiße. Schlimmer als auf Nkllon, wenn man das so sagen wollte. Doch schien der Dieb ganze Arbeit geleistet zu haben, die Maschine wieder notdürftig fitzumachen. Noch immer hing das Ding schief in der Luft, aber immerhin spuckte es keine Funken mehr. Dafür sah es an allen Enden aufgerissen und wieder geflickt aus, in einem Sammelsurium improvisierter Reparaturen, die Leto nicht einmal beginnen konnte nachzuvollziehen.


„Das wäre ein schwerer Fehler gewesen.“

, dröhnte es aus dem Vokoder. Leto rollte die Augen, schwieg dann jedoch. Der Droide hatte Recht und vermutlich musste er ihm sogar dankbar sein, nicht vor dem Schüler den Grund zu enthüllen, warum.

Mit langsamen Bewegungen trat Leto auf die noch immer geschlossene Laderampe zu und lehnte sich müde gegen die Seitenwand. Nur entfernt konnte er eine Schweißnaht in der Wand durch den dicken Stoff des nklloner Exoanzugs spüren, den er noch immer nicht ausgewechselt hatte. Eine Weile lang geschah nichts. Leto konnte nicht sagen ob Sekunden, oder Minuten verstrichen. Vielleicht auch länger. Wer wusste das schon? Das Einzige, was er schließlich bemerkte, war eine leichte Erschütterung des Schiffes und das Zischen der Laderampe, als sie sich schließlich zu öffnen begann.

Artek III lag so vor ihm, wie er es verlassen hatte. Wind peitschte kalten Regen auf die Rampe und ging in Böen auf das gesprungene Landefeld nieder. Es bedurfte keiner geringen Kraftanstrengung – für Leto – sich von der Wand zu lösen und mit schweren Gliedern hinabzustaksen. Doch es hatte sich gelohnt. Nach der Hölle Nkllons genoss er das kalte Wasser, das Augenblicklich damit begann in den oben offenen Anzug zu fluten, wie einen alten Freund. Mit geschlossenen Augen blieb er einige Momente auf dem Landefeld stehen und genoss. Erst dann sah er sich um, um sich zu orientieren.

Sie waren auf dem Landefeld der Garnison angekommen, die grau und klobig vor ihnen aufragte. Manche Teile des Gebäudes waren in eine alte Kirche längst vergessener Eingeborener gebaut worden, andere hatten die neuen Hausherren erst dazugebaut. Alle wurden sie durch dicke grünen Ranken umwunden und von der Natur zurückgefordert. In Letos Rücken ragte die Klippe des zerstörten Sith-Tempels auf. Manche Teile sahen fast intakt aus, während andere bis auf die Grundmauern von orbitalem Feuer pulverisiert worden waren. Halb geschmolzene Durastahlstreben reckten sich wie vielfach gebrochene Finger in den wolkenverhangenen Himmel. Alle Fenster waren dunkel, die meisten Scheiben eingeschlagen. Es war die einzige Heimat, die Leto benennen konnte.

Schließlich, nach gefühlt einer halben Ewigkeit, setzte er sich in Bewegung. Der Weg ins Dorf führte außen rum, über einen schlammigen Trampelpfad. Angehörige des Militärs konnten die Abkürzung durch die Garnison nehmen, doch offensichtlich hatte man sie nicht als derart wichtig eingestuft. Nicht einmal ein Empfangskomitee hatte sie auf dem Landefeld erwartet. Schweigend ging Leto den Pfad entlang, UX-23 und den Schüler im Schlepptau.


„Dies ist die Hauptstadt von Artek III. Törcsván.“

, erklärte der Droide dem Dieb leise, während Leto nur die Augen rollte. Eine schöne Hauptstadt war das. Hier wurden so dicke Anführungszeichen benötigt, dass das Wort darunter nicht mehr erkennbar wäre. Es dauerte keine fünf Minuten das Dorf zu umrunden, dann betraten sie den kleinen Marktplatz von der richtigen Seite. Noch immer standen rostige Pfähle um seinen Rand herum im Kreis, auch wenn inzwischen ein oder zwei mehr als beim letzten Mal zu Boden gefallen waren. Hier wartete auch dann das Begrüßungskomitee auf sie.

Die ganze spärliche Bevölkerung Törcsváns war grade im Begriff sich auf dem kleinen Platz einzufinden, zurückgehalten von gefühlt achteinhalb Soldaten der Garnison. Insgesamt konnten es nicht mehr als zweihundert Anwesende diverser Spezies sein, die missbilligend, aber schweigend auf die Neuankömmlinge starrten. Die meisten von ihnen identifizierte Leto als Zuguruk diverser Hautfarbe, auch wenn er einzelne Menschen und eine Handvoll Zygerrianer unter ihnen erkannte. Keiner von ihnen sah freundlich aus.


„Darth Sikarius hat sich während seiner Anwesenheit hier keine Freunde gemacht.“

, kommentierte der Droide und fügte nach einer kurzen Pause in Letos Richtung hinzu:

„Uns wurden Zimmer Bei Rousseaus zur Verfügung gestellt.“

Kaum merklich nickte er und lenkte seine Schritte in Richtung des örtlichen Pubs. Vor seinem Eingang überspannte eine Plane, die ein erfinderischer Geist an zwei der rostigen Pfähle gebunden hatte, einen Außenbereich. Ohne, dass die Soldaten viel tun mussten, machten die Einwohner Törcsváns eine Gasse frei. Leto beachtete sie nicht. Sie waren irrelevant. Genauso irrelevant wie der Dieb – nein eigentlich noch irrelevanter. Entsprechend sah er auch die Flasche nicht kommen, die schlecht gezielt (oder vermutlich gut) seinen Kopf knapp verfehlte und splitternd auf dem unregelmäßigen Kopfsteinpflaster zerschellte. Ein kollektives Keuchen ging durch die Menge und die Soldaten begannen Anweisungen zu rufen, doch das hätte es gar nicht gebraucht. Während Leto langsam den Kopf hob und sich suchend nach dem Übeltäter umsah, löste die Menge sich bereits auf wie Schnee im Sommerregen. Niemand begegnete seinem Blick und ein paar Herzschläge später waren nur noch die Soldaten Anwesend.

„Keine Freunde, eh? Aber Schiss haben ’se trotzdem.“

, kommentierte Leto trocken und ging weiter. Einen Moment später hatte er den ‚überdachten‘ Außenbereich des Pubs erreicht und betrat das warme Gebäude. Einer der menschlichen Dörfler – vermutlich Rousseau – erwartete sie bereits und verwies mit einem Kopfnicken auf zwei Zimmer im Erdgeschoss.


„Ich werde in der Garnison zu Reparaturen einkehren.“

, erklärte der Droide in Richtung des Diebes, bevor er an Leto gewandt hinzufügte:

„Morgen wirst du damit beginnen ihn auszubilden.“

„Leck mich am Arsch. Mal schauen.“

, gab der Angesprochene zurück und verschwand in der geteilten Nasszelle, um endlich den Schmutz Nkllons abzuwaschen.


[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Pub "Bei Rousseaus" / Nasszelle ] Leto
 
Zuletzt bearbeitet:
Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Törcsván | An Bord der Fury | Darth Sikarius, U-23, Teneb Dask & Pilot

Das Shuttle setzte mit einem tiefen, vibrierenden Dröhnen auf, ganz anders als die hastige Landung auf Nkllon. Hydraulik ächzte, Magnetklammern griffen, und für einen Moment schien das Schiff selbst den Atem anzuhalten. Dann folgte ein scharfes Zischen, als die Landeplattform sich senkte und Stück für Stück freigab, was darunter lag: kein gleißender Feuerhorizont, keine flirrende Hitze, sondern nasser Stein, dunkles Holz und das matte Grün von Ranken, die sich über alte Mauern zogen. Regen fiel schräg aus einem bleigrauen Himmel, kühl und stetig, und mit ihm offenbarte sich ein Ort, der nicht brannte, sondern verrottete. Damit war Artek III auf eine Weise lebendig, die fast unheimlicher war als jede Hölle, denn ihre Lebendigkeit speiste sich aus der Vergänglichkeit.

Der Sith, der sich seinen Meister schimpfen wollte, würdigte ihn nur eines gefühlt ewigen Blickes, der aber konsequenzlos blieb.
Teneb Dask folgte ihm und dem Droiden schweigend. Es war nicht Gehorsam im klassischen Sinn, sein Körper hatte längst begriffen, was sein Verstand noch zu sortieren versuchte: Widerstand hatte hier keinen Ort, an dem er sich sinnvoll hätte entfalten können. Artek III empfing sie mit Regen, kalt und unablässig, und jeder Tropfen fühlte sich an wie eine Erinnerung, die er nicht bestellt hatte. Nkllon war noch nicht aus ihm heraus, nicht aus den Muskeln, nicht aus dem Atem. Der metallische Nachhall von Hitze, Blut und verbrannter Luft hing ihm noch immer im Rachen, während der Regen über seinen Mantel lief und ihn bis auf die Haut durchnässte.
Er registrierte
Darth Sikarius' Haltung nur am Rande. Wie der Sith sich an die Rampe lehnte, wie er den Regen genoss, als sei er Belohnung und nicht bloß ein weiteres Extrem. Wie selbstverständlich er diesen Ort beanspruchte, diese Ruinen, diesen verfallenen Tempel im Rücken, als wären sie Verlängerungen seiner selbst. Heimat. Das Wort stach, obwohl es nicht ausgesprochen wurde. Teneb hatte lange keine Heimat mehr gehabt, aber selbst ihm war klar, dass das hier keine war, sondern ein Grab, das gelernt hatte, aufrecht zu stehen.
Der Weg durch das Dorf war kurz, beschämend kurz. Törcsván war kaum mehr als ein Reflex der Garnison, ein Anhängsel aus rostigem Metall, Schlamm und Blicken, die offen sagten, dass sie ihn nicht wollten. Dass sie ihn alle nicht wollten. Der Umbaraner kannte die Blicke, spürte die Feindseligkeit wie ein elektrisches Feld auf der Haut, doch sie galt nicht ihm. Nicht primär. Sie galt dem Schatten, der vor ihm ging. Dem Namen, den niemand aussprach.
Darth Sikarius.

Als die Flasche zerschellte, zuckte
Teneb unwillkürlich zusammen. Nicht aus Angst vor der Geste, sondern wegen der Selbstverständlichkeit, mit der sie verpuffte. Ein Akt des Widerstands, klein, wirkungslos, sofort verschluckt von der Erkenntnis, dass Mut hier nur ein anderes Wort für Selbstmord war. Die Menge wich zurück, löste sich auf, und zurück blieb nichts als nasser Stein und Soldaten in Uniform. Der Slicer a.D. verstand: So sah Herrschaft aus, wenn sie nicht glänzte. Nicht Jubel, schon gar nicht Loyalität. Nur Furcht und Abscheu, sorgfältig voneinander getrennt und daher eine stumpfe Form von Autorität und Macht. Was ihn überraschte war, wie belanglos dieser schwache Akt des Widerstands von Sikarius notiert wurde. Eine zahnlose Entgegnung, kein Massaker. War der Sith zu müde? Fehlte es ihm an Lebensenergie, die er anderen entnehmen konnte? Das wäre doch ein perfektes Mahl gewesen. Durfte er vielleicht gar nicht? Er erinnerte sich an den verbalen Schlagabtausch zwischen dem Sith und dem Droiden, der ihn herumkommandieren durfte. Für den Umbaraner wurden mehr Fragen aufgeworfen als Antworten zur Verfügung standen, doch dämmerte es ihm, dass er zeitnah keine Antwort darauf erhalten würde. Es blieb ihm nur zu beobachten.

Im Inneren des Pubs war es warm. Zu warm. Der Geruch von altem Fett, Alkohol und feuchtem Holz legte sich über ihn wie eine Decke, die er nicht abschütteln konnte. Zwei Zimmer. Erdgeschoss. Praktisch. Zweckmäßig. Alles an diesem Ort schien darauf ausgelegt, das Leben nicht zu verbessern, sondern es gerade so zu dulden. Als
UX-23 erklärte, er werde in die Garnison zurückkehren, spürte Teneb einen kurzen, irrationalen Stich von Unsicherheit. Der Droide war… berechenbar. Kaputt, ja, aber berechenbar. Was blieb, war Sikarius und er. "Lass mich nicht alleine" schoss es dem Umbaraner durch den Kopf, als er sah, wie UX-23 mit seinen beschädigten Repulsorantrieb wackelig davontrieb.

Morgen wirst du damit beginnen, ihn auszubilden.

Der Satz hallte in ihm nach, lange nachdem der Droide sich entfernt hatte. Dieser einfache Satz, der für andere wie eine Erlösung und die Erfüllung ihrer Träume klingen mochte, schmeckte für
Teneb nach einem Verdikt. Ausbildung. Macht. Sith. Worte, die Gewicht hatten, obwohl er sie noch nicht verstand. Oder vielleicht gerade deshalb. Teneb blieb einen Moment im Flur stehen, während Sikarius bereits in der Nasszelle verschwand, und starrte auf seine eigenen Hände. Dieselben Hände, die Castor getötet hatten. Dieselben Hände, die das Leben der Ubese beendet hatten. Hände, die gelernt hatten, dass Leben etwas war, das man nehmen konnte und dass es einen veränderte, selbst wenn man es musste. Er dachte an das, was Sikarius ihm in der feurigen Hölle von Nkllon gesagt hatte: Angst. Abscheu. Hass. Bewahr sie dir gut auf. Teneb spürte sie alle. Der Bleiche atmete langsam aus und zwang sich, einen Schritt weiterzugehen. In sein Zimmer. In diese neue Realität. Er wusste nicht, ob das Wort Meister, das er zuvor ausgesprochen hatte, ein Lippenbekenntnis gewesen war oder der erste Stein eines Käfigs, den er selbst mitgebaut hatte. Vielleicht beides. Sicher war nur eines: Morgen würde beginnen, was immer es bedeutete, ein Sith zu werden. Und irgendetwas in ihm, tief vergraben und zutiefst angewidert von sich selbst, wusste bereits, dass dieser Weg nicht mehr zurückführte.

Teneb schloss die Tür zu seinem Zimmer leise hinter sich. Das Schloss klickte unscheinbar, beinahe höflich, und doch klang es in seinen Ohren wie ein endgültiger Punkt. Der Raum war klein, schmucklos, mit einem schmalen Bett, einem Metalltisch und einer Lampe, deren Licht zu kalt war, um Trost zu spenden. Es roch nach feuchtem Holz und altem Rauch, nach etwas, das nie ganz trocknete. Trotzdem war es sein Raum. Für den Moment. Ein abgegrenztes Volumen, in dem nichts von ihm verlangt wurde. Er lehnte die Stirn gegen die Tür und atmete. Ein, aus. Langsam. Kontrolliert. Wie er es auf Umbara gelernt hatte, lange bevor Namen wie Sikarius oder UX-23 überhaupt für ihn existiert hatten. Der Regen trommelte gedämpft gegen die Außenwand, ein gleichmäßiges, fast beruhigendes Geräusch. Für einen Augenblick stellte er sich vor, es sei möglich, einfach hier stehen zu bleiben. Den Körper ruhen zu lassen. Den Geist anzuhalten.
Doch selbst in der Stille war er nicht allein. Durch die dünnen Wände drangen Geräusche: Schritte auf dem Flur, das ferne Gurgeln von Wasserleitungen, schließlich das unverkennbare Zischen der Dusche, als sie in Betrieb genommen wurde. Teneb richtete sich auf. Sein Körper reagierte schneller als sein Denken. Instinkt. Vorsicht. Warten. Er zog den Mantel aus, legte ihn sorgfältig über den Stuhl, als ließe sich Ordnung erzwingen, wo innerlich alles zerfasert war. Darunter klebte die Kleidung noch immer an ihm, steif vor getrocknetem Schweiß, Staub und der feinen, allgegenwärtigen Asche Nkllons. Er roch nach dem Planeten. Nach Hitze. Nach Angst. Nach Dingen, die kein Wasser der Galaxis je ganz fortspülen konnte.

Als das Wasser auf dem Gang verstummte und schwere Schritte sich entfernten, wartete er noch. Zählte innerlich, ohne Zahlen. Erst als die Stille sich gesetzt hatte, öffnete er die Tür einen Spalt, lauschte und trat hinaus. Der Flur war leer. Die Duschen lagen am Ende, nüchterne Kabinen aus Metall und Fliesen, funktional bis zur Trostlosigkeit.
Teneb schloss die Tür hinter sich, drehte den Regler auf. Kaltes Wasser prasselte aus der Leitung, hart und unerbittlich. Er zog die Kleidung aus, Stück für Stück, und ließ sie achtlos zu Boden fallen. Als das Wasser seine Haut traf, sog er scharf die Luft ein. Der Kälteschock war willkommen. Er war real. Greifbar. Etwas, das nicht log, nicht drohte, nicht beobachtete.
Der Staub löste sich zuerst. Graue Schlieren liefen über seine Schultern, sammelten sich am Abfluss wie ein stummer Beweis dafür, dass Nkllon ihn tatsächlich losließ. Schweiß folgte, der salzige Film aus Anspannung und Überleben. Er rieb die Haut, bis sie brannte, fuhr sich über die kahle Kopfhaut, über den Nacken, den Rücken, als ließe sich mit genügend Druck alles abtragen, was sich dort festgesetzt hatte. Das Wasser wurde klarer. Sauberer.

Doch je länger er dort stand, desto deutlicher wurde die Grenze dessen, was Reinigung leisten konnte.


Castors Gesicht tauchte auf, ungebeten. Der Moment des Zögerns. Der Schuss. Die Erkenntnis, dass Leiden kein Versehen gewesen war, sondern eine Entscheidung. Dann die Ubese. Die Hitze. Ihr Blut. Die Worte, die er gesprochen hatte, leise, fast zärtlich, und die Wahrheit dahinter: Ich oder du. Keine Heldentat. Keine Notwehr im romantischen Sinn. Nur eine Wahl, die ihn zum Überlebenden gemacht hatte und damit zum Träger dessen, was er genommen hatte. Er legte die Stirn gegen die kühlen Fliesen und schloss die Augen. Das Wasser rann über ihn hinweg, unaufhaltsam, gleichgültig. Es konnte Staub entfernen. Dreck. Schweiß. Es konnte ihn äußerlich von Nkllon lösen. Aber es kam nicht an das heran, was tiefer saß. An die Essenzen, die er ausgelöscht hatte und die nun, ob er wollte oder nicht, an ihm hafteten. Als Erinnerungen. Als Verantwortung. Als stumme Zeugen. Teneb war sauber, als er den Hahn zudrehte. Seine blasse Haut war gerötet, seine Hände zitterten leicht. Doch in seinem Inneren blieb etwas zurück, unbeweglich wie ein Schatten, der sich nicht von der Lichtquelle trennen ließ. Er trocknete sich ab, zog frische Kleidung an und trat zurück in den Flur.

Der Weg, den er beschritten hatte, ließ sich nicht abwaschen. Und tief in ihm wusste er: Morgen würde er lernen, diesen Makel nicht loszuwerden, sondern ihn zu benutzen.


Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Törcsván | Pub "Bei Rousseaus" | Darth Sikarius, Teneb Dask & Gäste
 
Zuletzt bearbeitet:
[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Pub "Bei Rousseaus" ] Leto

Am nächsten Tag stand die Sonne schon tief, als UX-23 es endlich schaffte Leto durch stetes Nerven dazu zu bewegen, einen Gedanken an die Ausbildung des Diebes zu verschwenden. Über Stunden hatte die dumme Maschine wohl nichts Besseres zu tun gehabt, als ihn mit steten Befehlen und irgendwann einfach nur noch ohrenzersetzenden Pieptönen dazu zu bewegen endlich aufzustehen. Die Beinahezerstörung schien UX-23, wenn überhaupt noch anstrengender gemacht zu haben und fast war Leto schon ein bisschen beeindruckt von sich selbst, doch so lange durchgehalten zu haben. Steter Tropfen höhlte Stein, oder wie sagte man so beschissen? Heute fühlte er sich immerhin etwas besser als über die letzten Tage hinweg.

Also hatte er sich dann doch widerwillig aufgerappelt und hatte die kratzigen Sith-Roben angezogen, die gestern bei seiner Ankunft im Zimmer bereits auf ihn gewartet hatten. Vor seiner Tür an der Bar wartete schon seit einer Weile ein inzwischen kaltes Mittagessen, das er mehr aus Gewohnheit, als aus Hunger verschlang und schließlich den Blick seiner ungleichen Augen dem Dieb zuwandte. Auch dieser hatte seinem neuen Berufsstand entsprechende Kleidung angelegt und schien unter dem schweigenden Starren seines Meisters in sich zusammenzufallen. Leto schnaubte belustigt.


„Is mir immer noch ‘n Rätsel wie du es geschafft hast mir bis hierher nachzurennen.“

, kommentierte er und hob sein Messer, um sich damit eine überlebende Faser des undefinierten Gulaschs aus den Zähnen zu pulen, den Rousseau ihm aufgetischt hatte.

„Mickriges Ding das du bist. Nkllon hätte dich am Spieß braten und als Happen für zwischendurch verspeisen können, aber neee… Jetz muss ich meine Zeit mit dir verschwenden.“

Leto stützte sein Kinn in seine bionische Hand, betrachtete seinen Schüler lustlos. Schließlich stand er auf.

„Dann komm. Wenne schnell genug lernst kann ich dir nicht mehr einfach so den Hals umdrehen, wenn mir mal die Hand ausrutscht. Dann macht UX sich vielleicht nicht mehr so ins Hemd.“

Draußen war das Wetter deutlich besser als am vergangenen Tag. Einzelne Tropfen fielen in unregelmäßigem Takt, doch lugte eine goldene Nachmittagssonne durch Löcher in der unsteten Wolkendecke. Dunkel und bedrohlich ragte die Ruine des Sithtempels über dem Dorf auf, heute auch noch passend eingerahmt, von dem großen roten Rund des Gasriesen, den Artek III mit stetem Orbit umkreiste. Einige Dörfler waren grade auf dem Platz vor dem Pub, doch zogen diese sich hastig in ihre Behausungen zurück, als Leto ins Freie trat. Wie gestern auch ignorierte er sie.

Die Schritte der Sith führten sie über denselben Weg, auf dem sie gestern gekommen waren. Zur Seite des Dorfes hinaus und in Richtung des Landefeldes zurück. Bevor sie es jedoch erreicht hatten, bogen sie ab auf einen überwucherten Trampelpfad bergauf. Wasser hing in dicken Tropfen an den hüfthohen grünen und gelben Grashalmen, hängte sich jedoch, wie es schien, noch viel lieber an den schwarzen Stoff der Sithroben, während sie die Klippe hinaufstapften. Niemand sagte etwas und so waren die einzigen Geräusche ein stetes Zirpen kleiner Tiere in der Vegetation. Ab und an huschte ein Schatten kleiner Flugwesen über ihre Köpfe hinweg.

Nahe dem Dorf war der Trampelpfad einigermaßen angenehm zu gehen. Nach einigen hundert Metern jedoch wurde es immer steiniger. Einzelne verdrehte Bäume krallten ihre Wurzeln in den Boden und machten ihren Weg trügerisch. Meterbreite, mit Wasser gefüllte Krater taten sich immer wieder vor ihnen auf, von denen ein schaler, abgestandener Geruch ausging. Der Trampelpfad schlängelte sich um sie herum, was ihren Marsch nur verlängerte. Grade war ‚Sommer‘ und besonders um die Krater herum war die Luft erfüllt von paarungswilligen Insekten, die nicht den Selbsterhaltungstrieb hatten, sich von den Sith fernzuhalten.

Erst in der Nähe des Tempels wurde es besser. Leto konnte das zerstörte Bauwerk nicht mehr auf dieselbe Weise spüren wie früher, doch stellten sich seine Nackenhaare trotzdem auf, als sie endlich den alten Prachtgarten erreichten. Hier gab es mehr Krater, aber doch summten paradoxerweise weniger Insekten durch die Luft. Das Gras an diesem Teil des Hanges war kurz und braun und tat nur wenig, um die zerschmetterten Statuen vergangener Sith unter sich zu begraben. Einst war dieser Ort einer der prächtigsten Teile des Tempels gewesen, heute glich der Garten jedoch eher einem Friedhof. Vermutlich verbargen sich sogar zwischen den Steinen auch die sterblichen Überreste der alten Bewohner.


„Willkommen im alten Orden.“

, sagte Leto unvermittelt in Richtung des Diebes und blieb stehen. Vor ihnen ragte die Tempelruine auf. Hinter ihnen gab die Landschaft den Blick auf eine fruchtbare grüne Ebene auf der einen Seite und das peitschende Meer auf der anderen Seite frei. Die wenigen Häuser Törcsváns wirkten wie unten auch: Unwichtig.

„Du kommst ein paar Jahre zu spät fürchte ich. Ich aber auch.“

Leto grinste.

„Dieser Ort war zerstört, bevor mein alter Meister auch nur daran dachte mich aus den Lüftungsschächten von Taris zu pulen. Aber ganz ehrlich? Ich bevorzuge den Look.“

Mit knackenden Gliedern streckte Leto sich für einen Moment und trat dann auf die Beine und Unterleib einer Statue zu. Wer auch immer dies einmal gewesen sein mochte, war lange nicht mehr nachvollziehbar, der Torso lange geschmolzen in unerbittlichem orbitalem Feuer. Kurioserweise standen die Beine noch. Für einen Moment schaute Leto sich suchend um, bückte sich und zog einen halb überwucherten Kopf aus einem flachen Krater. Der steinerne Rodianerschädel hatte einmal eine Kapuze getragen, doch war von diesem Teil nicht mehr viel erhalten. Mit einem Klacken stellte Leto den Kopf unsicher auf die Bruchkante der zerstörten Statue.

„Du willst also Sith werden.“

, begann er langsam und warf seinem Schüler einen gelangweilten Blick zu.

„Was mich von denen da unten“

Vage gestikulierte er in Richtung Törcsván.

„unterscheidet, ist die Macht. Jetzt grade bist du wie die da unten. Wie deine kleinen Freunde auf Nkllon, wie die Ratte, die du abgeknallt hast. Du könntest ein Hund sein, aber du gibst dich mit der Existenz eines Nagetiers zufrieden…“

Für einen Moment überlegte Leto. Irgendwie hatte die Metapher sich ausgesprochen nicht so gut angehört wie in seinem Kopf.

„Was ich damit sagen will… wenn du lernst die Macht zu benutzen, wirst du mehr werden, als du dir in deinem mickrigen Leben jemals zu erträumen gewagt hast. Schau mich an. Bevor ich ein Sith war, war ich ein dummer W*xer.“

Leto stieß ein freudloses Lachen aus.

„Und jetzt? Bin ich immer noch ein dummer W*xer. Aber immerhin mit Droiden im Nacken, der mich dazu zwingen soll, etwas aus meinem Potential zu machen. Bist du auch ein dummer W*xer? Ich glaube nicht. Jetzt stell dir vor was aus dir werden kann.“

Irgendwie hatte er den Faden verloren, bei was auch immer er hatte sagen wollen. Genervt zuckte er die Schultern. Je schneller er fertig wurde, desto schneller ging ihm der dumme Droide nicht mehr auf den S*ck.

„Jedenfalls… lernst du heute auf dein Potential zuzugreifen. Wir fangen mit dem Machtstoß an, das ist einfach wie Scheißen.“

Mit langsamen Bewegungen trat Leto neben den Dieb und richtete seinen Blick auf den präparierten Steinkopf. Dann, blitzschnell, stieß er seinen rechten Arm nach vorne und fegte das Ding wie von Geisterhand in den nächsten Krater. Wasser spritzte und schluckte den schweren Stein. Einen Moment blieb alles ruhig, dann stieg der tropfende Kopf wieder in die Höhe, kam auf sie zu und senkte sich erneut auf die Überreste der Statue hinab.

„Diesen Scheiß lernst du später. Für jetzt, konzentrier dich auf den Stoß. Stell dir vor es zu tun. Stell dir vor, wie du ihn mit der Hand runterstößt. Egal, dass du zu weit wegstehst.“

Während sein Schüler es versuchte, strich Leto um ihn herum wie eine Katze um ihre Beute. Natürlich funktionierte es nicht auf Anhieb. Das hatte er auch gar nicht erwartet. Für einen Moment überlegte er, wie es damals bei Adria gewesen war, doch dann gab er es auf. Er erinnerte sich nicht mehr daran. Alles, was er vor sich sah, war die tödliche, grüne Hölle Noe’ha’ons.

„Und jetzt stell dir vor, dass da ist mein Kopf.“

, sagte er schließlich und legte dem Dieb seine Hände auf die Schultern. Bis auf wenige Millimeter senkte er seinen Mund an dessen Ohr und flüsterte:

„Du erinnerst dich, was ich über deinen Hass, deinen Abscheu gesagt habe? Erinner dich genau. Das ist deine Munition. Lass sie durch dich fließen. Nur zu. Zerstöre meinen Kopf. Du wärst frei…“


[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Tempelklippe / Zerstörter Prachtgarten ] Leto und Teneb
 
Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Törcsván | Pub "Bei Rousseaus" | Darth Sikarius, Teneb Dask & Gäste

Die Nacht brachte keine Ruhe. Teneb Dask schlief schnell und fest ein, aber sein Schlaf war brüchig, ein Abgleiten in Bilder, die sich nicht ordnen ließen. Castor stand immer wieder vor ihm, halb im Schatten, mit offenem Mund, als wolle er etwas sagen, das nie mehr Form annahm. Dahinter tauchte die Ubese auf, reglos, die Maske rissig, aus den Ritzen quoll Dunkelheit statt Atem. Manchmal waren es keine Gestalten, sondern nur Hände, die nach ihm griffen, kalt und fordernd, als wollten sie ihn zurückziehen dorthin, wo sie geblieben waren. Jedes Mal, wenn er hochschreckte, war der Raum still, doch das Gefühl, beobachtet zu werden, wich erst mit dem grauen Licht des Morgens.
Der Umbaraner erwachte nicht abrupt, sondern schälte sich verschwitzt und schwer atmend aus dem Nachtmahr seines unruhigen Schlafes auf. Der Raum roch nach abgestandenem Alkohol, nassem Holz und dem dumpfen, metallischen Nachhall von zu vielen Gesprächen, die hier geführt worden waren. Irgendwo klapperte Geschirr, gedämpft durch Wände, und ein fernes Stimmengewirr sickerte durch die Dielen wie Wasser durch porösen Stein. Sein Zimmer war klein, kaum mehr als ein Verschlag mit einem Bett, dessen Matratze schon bessere Jahrzehnte gesehen hatte. Das Licht war grau, gefiltert durch Regen und Schmutz an einem schmalen Fenster. Artek III begrüßte niemanden freundlich.

Für einen Moment blieb
Teneb reglos liegen und lauschte seinem eigenen Atem. Jeder Muskel fühlte sich schwer an, als hätte die Schwerkraft hier ein anderes Maß. In seinem Kopf lag noch der Nachhall der vergangenen Tage: Nkllons Hitze, das Kreischen des Droiden, das Blut, das er nicht hatte abwaschen können. Er zwang sich aufzustehen, wusch sich notdürftig mit kaltem Wasser aus einer Schüssel und zog die Kleidung an, die er unter dem EVO-Anzug auf Nkllon getragen hatte. Noch konnte er keine Regung seines "Meisters" vernehmen, sodass er abwartete. Tatsächlich dauerte es einige Stunden, bis er die sich öffnende Tür aus dem Zimmer nebenan hörte. Als er den Schankraum betrat, war Sikarius bereits da. Präsenz war das einzige Wort, das Teneb dafür fand. Kein Blick, kein bewusstes Registrieren, und doch war der Mann unausweichlich. Er spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. Die Erinnerung an Nkllon war zu frisch, zu roh, um von der nüchternen Umgebung des Pubs überdeckt zu werden.
Was ihn traf, war nicht offene Feindseligkeit, sondern etwas Kaltes, Beiläufiges. Die Art, wie über ihn gesprochen wurde. Nicht als jemand, der gezwungen worden war mitzukommen, sondern als hätte er sich selbst an diesen Ort gekettet. Als hätte er sich aufgedrängt. Wut flackerte auf, scharf und bitter. Sie hatten ihn mitgenommen wie eine Geisel, aus Berechnung, aus Notwendigkeit und nun stand er hier am anderen Ende der Galaxis, reduziert auf eine lästige Verpflichtung und verhasst bei allen, die er in den letzten Jahren als soziale Kontakte erkämpft hatte. Die Verzweiflung darüber lag ihm schwer im Magen. Er hatte keine Wahl gehabt. Keine einzige. Hinter seinem Rücken ballte der Umbaraner die Fäuste, senkte aber den Kopf, erwiderte nichts und ließ seinen vermeintlichen Meister sprechen, bis dieser sich schlurfend in Bewegung setzte.

Der Weg aus dem Dorf führte sie wieder hinaus in die feuchte Landschaft. Der Regen hatte in der Nacht nachgelassen, doch alles war noch getränkt, schwer vom Wasser.
Teneb folgte, schweigend, die Schritte automatisch gesetzt. Mit jedem Meter, den sie sich von Törcsván entfernten, löste sich etwas von der Enge in seiner Brust. Die Tempelklippen lagen vor ihnen wie ein offenes Grab, überwuchert, zerfressen, ein Monument des Scheiterns. Die Ruine selbst wirkte weniger wie ein Ort als wie ein Überrest. Geborstener Stein, geschmolzene Kanten, Krater von der kinetischen Energieentladung der schweren Tibanna-Gas getränkten Turbolaser Salven. Derweil wie Leichen verstreute Statuen, die zu Fragmenten degradiert worden waren. Teneb betrachtete die Überreste mit einem eigentümlichen Ziehen im Inneren. Das hier war kein ehrwürdiger Ort mehr, sondern ein Kadaver. Und doch lag etwas in der Luft, das er nicht benennen konnte. Ein Echo vielleicht, der Nachhall einer sinistren Aura oder nur die Projektion dessen, was man ihm darüber gesagt hatte.

Die Gedanken, die
Sikarius über den Tempel laut äußerte, wirkten nach. Zerstörung als Zustand, nicht als Ende. Ein Ort, der nicht trotz seines Verfalls Bedeutung trug, sondern gerade deswegen. Teneb fragte sich, ob das auch für Menschen galt. Für ihn. Dann kam die Rede über Macht. Nicht als Versprechen, sondern als Vergleich. Über das, was Teneb war und was er werden konnte. Über das Dasein gewöhnlicher Wesen, die im Schlamm lebten und starben, ohne je über sich hinauszuwachsen. Und der unausgesprochene Gedanke, dass selbst Sikarius nur eine Zwischenstufe war. Kein Ziel. Nur ein Maßstab. Der Umbaraner hasste, wie sehr ihn das traf. Die Worte gruben sich wie ein Krayt-Drache tief in seinen Brustkorb, weil er in seinem Innersten wusste, dass es wahr war. Er war, um das Gleichnis des kapriziösen Sith zu nehmen, ganz unten und er hasste es. Mindestens so sehr, wie er Sikarius hasste. Doch dann tat Sikarius etwas, womit der Bleiche nicht gerechnet hätte: Introspektion. Die Tatsache, dass Sikarius wusste, dass er der Dreck unter den Fingernägeln eines Rancors war, machte seine Taten nur umso grausamer. Gleichzeitig zeigten sie, dass seine Megalomanie klare Grenzen hatten und er wusste, dass er sein volles Potenzial nicht ausschöpfte. In Teneb keimte für diese Form der Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und seine doch vorhandene Fähigkeit sich zu reflektieren etwas auf, was er in Bezug auf Sikarius in der kurzen Zeit ihrer widerwillig gemeinsamen Zeit nicht erwartet hatte: Respekt.
Bisher hatte er Angst, Abscheu und gar Hass für diesen Sith empfunden, doch war sie nie von Respekt getränkt gewesen. Jetzt hingegen begann er ihn mit einer anderen Linse zu betrachten. Unter diesem Filter erkannte er, dass die Macht ihn zwar von dem Abschaum der Galaxis unterschied, aber nur weil er Premium Abschaum war, ihn das noch lange nicht zu einem Überwesen machte. Der Hinweis, was wohl aus ihm selbst werden könne, wenn er sein Potenzial fokussiert nutzen könnte, war der zweite Treffer den Sikarius mit der Wucht eines Turbolasers traf.

Als der Steinkopf auf die Bruchkante gesetzt wurde, wirkte er lächerlich. Ein improvisiertes Ziel, ein totes Gesicht aus Stein.
Teneb stellte sich davor, spürte den Abstand, die Lächerlichkeit der Aufgabe. Er sollte ihn stoßen. Ohne Berührung. Ohne Werkzeug. Er schloss die Augen. Für ihn war das in diesem Moment zu abstrakt. Wenn es so einfach war, hätte er das nicht längst schon aus dem Affekt getan? Wer war nicht schonmal so von Wut und Zorn durchtränkt, dass er sich wünschte eine Person oder einen Gegenstand in seine Atome zu zerreißen oder durch den Äther zu schleudern. Wenn also die Gleichung Machtnutzung ist physikalische Auswirkung durch Wille, dann würde es doch häufiger vorkommen.
Mit dieser verkopften Herangehensweise war es daher kein Wunder, dass nichts geschah.
Er versuchte es erneut, denn er spürte den wie ein Raubtier ihn umrundenden Sikarius, dessen Aura, dass wie ein Geschwür ihm zusetzte. Er stellte sich vor, wie seine Hand den Kopf traf, wie Gewicht nachgab, wie Stein fiel. Er versuchte die Demonstration dessen, was der Sith ihm gezeigt hatte, vor seinem inneren Auge wieder abzuspielen und diesmal sich vorzustellen, er sei die ausführende Hand. Sein Geist glitt ab, rutschte in Bilder, die nichts mit dem Hier zu tun hatten: Nkllon.
Castor. Die Ubese. Blut. Wieder nichts. Der Kopf blieb stehen, unbewegt, ein stilles Urteil.
Mit jedem gescheiterten Versuch sammelte sich etwas in ihm. Frustration, Scham, ein alter, vertrauter Ekel gegen sich selbst. Gegen seine Schwäche, seine Angst, sein Zögern. Und darunter, tiefer, der Hass. Nicht rein, nicht klar aber zerrissen, widersprüchlich. Hass auf
Sikarius, auf die Art, wie er ihn ansah. Hass auf sich selbst, weil ein Teil von ihm zuhören wollte. Hass auf diejenigen, die ihn zu dem geformt hatten, was er jetzt war: Die Gesellschaft von Umbara, sein Vater, die Häscher, die den Tod seines Bruders zu verantworten hatten. Etwas regte sich in ihm, versuchte sich auf das zu konzentrieren, dass ihm weh tat und versuchte diesen Schmerz wie in einem Netz aufzufangen und von sich wegzustoßen.
Er erinnerte sich an das, was ihn immer ausgezeichnet hatte: Kontrolle. Analyse. Abstand. Doch hier war kein System, das sich hacken ließ. Kein Code, der nachgab, wenn man ihn nur lange genug studierte. Hier war nur Platz für Irationales. Gefühle, die roh und ungefiltert waren. Abscheu vor dem Mann hinter ihm. Angst vor dem, was er wegen ihm geworden war und der Wunsch, nicht mehr klein zu sein.
Teneb öffnete die Augen. Er zwang sich, nicht an Freiheit zu denken, sondern an Druck. An das Bedürfnis, etwas von sich wegzuschieben. Weg von sich. Weg aus sich heraus. Nicht elegant. Nicht stark. Einfach nur… fort.

Er spürte die Nähe
Sikarius’ wie ein Gewicht im Nacken. Als dieser ihn mit seiner Hand berührte, zuckte der Bleich unwillkürzlich zurück, als habe er einen Stromstoß erhalten. Keine Berührung, die tröstete, sondern eher eine Präsenz, die forderte, die ihn auf sich selbst zurückwarf. Der Sith stand so dicht, dass Teneb dessen Atem hörte, so ruhig, so sicher, als gehöre dieser Moment bereits ihm. Die Hände an seinen Schultern waren kein Halt, sondern eine Erinnerung daran, wie leicht sie sich schließen konnten. Und in dieser Nähe lag eine unausgesprochene Zumutung: Wenn du fällst, dann jetzt. Wenn du stößt, dann richtig. Teneb ließ den Gedanken zu, der ihm am meisten widerstrebte. Nicht Flucht. Nicht Erlösung. Sondern den Wunsch, dass alles vor ihm verschwände: Der Blick, das Urteil, die unausweichliche Bindung. Er stellte sich vor, wie der Stein nicht mehr dort war. Wie er dem Raum weichen musste, den Teneb einnahm. Kein Ritual, kein Gebet. Nur Verdrängung. Er ließ seinen Gedanken freien Lauf. Sikarius war es, der für seine Misere verantwortlich war. Sikarius war es, der ihn entführt hatte und nun Gaslighting betrieb, indem er behauptete, er wollte hier sein. Wollen? WOLLEN? Er musste jemanden töten, der ihm nahe stand, weil dieser ungewaschene Grobian es von ihm verlangt hatte.
Vor seinem inneren Auge etablierte sich das Bild, wie seine Finger sich langsam in die Augenhöhlen des Sith schoben, einer
Bowlingkugel gleich um dann den Kopf von seinem Rumpf zu lösen und vor seinem imaginären Auge wegzuschleudern. Er spürte, als betrachte er sich von außen, wie er die Lippen linkseitig hochzog, ein Knurren ihm entstieg als greife er auf animalische Instinkte zurück und sein Gesichtsausdruck sich kurzzeitig zu einer angestrengten Fratze verzerrte.

Es war kaum mehr als ein Zittern, ein falscher Schwerpunkt. Ein Moment, den man übersehen konnte, wenn man nicht verzweifelt genug hinsah.
Teneb hielt den Atem an, als würde jede Regung den Faden zerreißen. Dann kippte der Kopf weiter, langsam, widerstrebend, als kämpfe er noch gegen eine Entscheidung, die längst gefallen war. Er rutschte von der Kante, schlug dumpf auf und blieb im feuchten Gras liegen.
Teneb rührte sich nicht doch in seinem Inneren löste sich ein Knoten, als habe er gerade ein kosmisches Rätsel im Alleingang gelöst. Sein Blick haftete beinahe schon gierig an dem umgestürzten Stein, sein Triumph eines gebeutelten Willens. Etwas in ihm hatte geantwortet. Zwar nicht stark, nicht sauber aber eindeutig. Eine Regung, die nicht von außen kam. Und in dem stillen Nachhall dieses Moments, dort, wo Schuld, Angst und ein neuer, unerwünschter Hunger ineinandergriffen, wusste er mit beunruhigender Klarheit: Das war kein Zufall gewesen. Und es war auch kein Anfang, den man wieder auslöschen konnte.

Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Tempelklippe | Zerstörter Prachtgarten | Darth Sikarius & Teneb Dask
 
Zuletzt bearbeitet:
[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Tempelklippe / Zerstörter Prachtgarten ] Leto und Teneb

Mit einem dumpfen Geräusch landete der Steinkopf im verdorrten Gras. Kaum merklich hatte sich etwas um ihn verschoben und ein Außenstehender hätte vielleicht denken können, dass Leto ihn einfach schlecht auf den Sockel gelegt hatte. Doch er wusste es besser. Der Dieb hatte es geschafft. Es hatte es geschafft das erste Mal in seinem unbedeutenden Leben bewusst auf die in seinem Inneren schlummernden Kräfte zuzugreifen mit ihnen etwas zu bewegen. Sicher, unbewusst tat er das schon lange – der Moment auf Nkllon in dem Leto sein Potential erkannt hatte bewies das. Doch jetzt, dieser Moment auf Artek III, markierte den Beginn seines bewussten Lebens als Machtnutzer.

Und dafür war der kleine Schubs gar nicht mal schlecht. Sie waren keine halbe Stunde hier und schon hatte er Letos vage Anweisungen in eine konkrete Aktion umgesetzt. Leto hatte im Sith-Tempel schon Jünger gesehen, die sich Wochen für diesen ersten, banalen Schritt abgemüht hatten. Aber es hatte natürlich seine Gründe, warum das hier sein Schüler war. Der Dieb war kein Sithtempel-Bodensatz, der grade begabt genug war, um nicht auf die Straße gesetzt zu werden.

Der erfolgreiche Schubs sagte jedoch zum Pech des Schülers aber auch aus, dass da deutlich mehr Potential war, als er grade zeigte. Ein Jedi hätte ihm nun sicherlich den Kopf getätschelt und ihn gelobt, wie fein er das doch gemacht hatte; Leto glaubte an andere Lehrmethoden. Hinter dem Rücken des Diebes ungesehen, holte er mit seiner unmodifizierten Linken aus und verpasste ihm dann eine so harte Nackenschelle, dass es klatschte.


„DAS nennst du einen Machtstoß?!“

, fauchte Leto seinen Schüler an und musste sich nicht einmal anstrengen, um seinen Ton mit Verachtung zu füllen. Alles, was er tun musste, war die innere Stimme, die ihn seit ihrer Abreise von Nkllon nicht in Ruhe gelassen hatte, nach außen zu lenken.

„Warum bilde ich überhaupt aus, wenn es am Ende eh nicht mal für einen feuchten Furz reicht?! Ich hab‘ schon Meeresschnecken mit mehr Feuer gesehen, du schwachbrüstiges Milchgesicht!“

Kaum merklich ruckte Letos Kopf in Richtung des gefallenen Übungsobjektes.

„Na los, heb die Scheiße auf. Glaub nicht, dass ich für dich Hausmädchen spiele!“

Fast belustigt schaute er zu, wie der Schüler den Steinkopf nun wieder selbst aufstellte und anschließend zurückkam. Fast hätte er gegrinst, doch Sinn der Übung war ja eben Demütigung durch Ablehnung. Der Schüler hatte bewiesen, dass er grundsätzlich einen Zugang zu seiner Macht gefunden hatte, jetzt musste er auf den Geschmack der Dunklen Seite kommen. Geduldig wartete Leto, bis der Dieb an seine Seite zurückgekehrt war und wies dann mit einer unwilligen Handbewegung auf den Steinkopf.

„Nochmal! Wenn der nächste wieder so’n laues Sommerlüftchen wird, muss mit dem Droiden sprechen. Vielleicht haben die da unten doch noch nen Suppentopf in Rattengröße für dich.“

Einen Moment wartete er ab. Lang genug, dass sich der Steinkopf auf die eine oder andere Weise wieder im Gras wiederfand. Erneut trabte der Schüler unter stetigen Beschimpfungen los, stellte den Originalzustand wieder her und kam zurück. Mit verschränkten Armen erwartete Leto ihn und sagte schließlich in einem ganz leicht entschärften Tonfall:

„Fühlt sich scheiße an, was? Du musst lernen das zu kanalisieren. Aktuell blubbert‘s dir aus allen Löchern.“

Durchdringend starrte Leto dem Dieb in die Augen.

„Du bist wütend. Du hast Angst. Du hasst mich. Das ist Macht! Macht, die du in einem einzelnen, verf*ckten Schuss rausblasen sollst! DU WILLST MICH TOT SEHEN, JUNGE. Willst du mich zu Tode furzen, oder was?!“

Unvermittelt zuckte seine bionische Rechte vor und verpasste dem Schüler eine schallende Ohrfeige. Blut benetzte das Kinn des Umbaraners, dass in einem roten Rinnsal aus seiner geplatzten Unterlippe floss.

„Du bist ein Sith! Zeig mir aus welchem Stoff du gemacht bist, du armseliger Duckmäuser! Bis jetzt konntest du einfach die Fresse halten und mitlaufen. Was für ne traurige Vorstellung das war. Du bist ‘n Killer, Junge! Das hab‘ ich dir nicht erst eingepflanzt. Stell dich da hin! Drück deinen verf*ckten Rücken durch. Du bist ein SITH. Und du hasst MICH! ZEIG MIR wie sehr du mich tot sehen willst!“

Leto Gesicht war nur Zentimeter von dem des Schülers entfernt, während er ihn anschrie:

„GIB. MIR. EINEN. MACHTSTOß."

Leise, fast schon mit einem Flüstern fügte er hinzu:

Oder ich zwinge dich einen der Dörfler abzuknallen.“


[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Tempelklippe / Zerstörter Prachtgarten ] Leto und Teneb
 
Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Tempelklippe | Zerstörter Prachtgarten | Darth Sikarius & Teneb Dask

Der Schlag kam ohne Vorwarnung. Nicht einmal die Zeit, den Körper zu verspannen, nur das trockene Klatschen von Haut auf Haut, das kurze Aufblitzen von Schmerz, das ihm die Sicht verengte. Teneb Dask taumelte einen halben Schritt nach vorn, fing sich gerade so. Für einen Atemzug roch die Welt nach Eisen. Warmes Blut sammelte sich an seiner Unterlippe, rann über das Kinn und tropfte lautlos ins Gras. Er sagte nichts. Nicht aus Trotz. Nicht aus Mut. Sondern weil etwas in ihm begriff, dass jede Rechtfertigung hier nur eine weitere Einladung war.
Die Worte, die auf ihn einprasselten, trafen tiefer als der Schlag. Beleidigungen hatte Teneb sein Leben lang gehört, auf Umbara, in den Schattenzonen der Galaxis, von Wesen, die stärker waren oder glaubten, es zu sein. Nein. Es war die Treffsicherheit. Die Art, wie
Sikarius sprach, als wüsste er bereits, wo die Sollbruchstellen lagen. Die Präzision, mit der selbst ein Charakter wie der kapriziöse Sith ihn in seinen Schwachstellen gerochen hatte wie ein Firaxa-Hai das Blut erschreckte ihn. Lauerte und zehrte er von den negativen Gefühlen anderer, wie es ein Widergänger täte?
Sikarius hatte nicht blind geprügelt, wie er es auf Nkllon getan hatte, nicht einmal wahllos provoziert. Er hatte gesehen, wo er drücken musste und hatte die dünne Naht zwischen Berechnung und Schuld gefunden, zwischen dem Überlebenden und dem Henker, und genau dort angesetzt. Wie jemand, der nicht rät, sondern erinnert. Der den Nagel nicht sucht, sondern ihn bereits im Holz stecken sieht und dann mit einem einzigen, gezielten Schlag versenkt.

Der Umbaraner hob den Steinkopf wieder auf. Die raue Oberfläche rieb über seine Handflächen, Schmutz setzte sich in die feinen Risse seiner Haut. Er stellte ihn zurück, sorgfältiger, als nötig gewesen wäre. Ein altes Reflexverhalten: Ordnung herstellen, wo Kontrolle fehlte. Dann trat er zurück an seinen Platz, den Blick gesenkt, den Körper still. In ihm aber war nichts still. Wut sammelte sich, aber sie war nicht explosiv. Sie war zäh. Schwer. Sie kroch aus Erinnerungen hervor, die er jahrelang sauber verpackt hatte:
Castors Blick, kurz bevor er fiel. Die Ubese, der letzte Atemzug in der Hitze Nkllons. Das Wissen, dass er es gewesen war. Nicht gezwungen im letzten Moment aber bewusst entscheidend.

Er stellte sich nicht vor, zu stoßen. Er stellte sich vor, dass
Sikarius nicht mehr dort stand. Dass die Luft, die er einnahm, ihm zustand. Dass alles, was ihn niederdrückte, die Stimme, die Nähe, die unausweichliche Forderung, nachgab. Er dachte an Druck. An Verdrängung. An das schlichte, brutale Nein. Sein Rücken spannte sich unwillkürlich durch. Die Schultern gingen zurück. Sein Atem wurde flach, kontrolliert. Nicht ruhig, sondern fokussiert. Und dann ließ er los. Der Steinkopf zitterte. Er wackelte, deutlicher als zuvor. Kippte ein Stück, fing sich noch einmal, als wollte er widersprechen. Dann gab er nach. Glitt von der Kante, schlug dumpf auf und rollte ein Stück durch das verdorrte Gras, bevor er liegen blieb.

Du bist ein Killer.

Das Wort traf ihn nicht wie ein Vorwurf, sondern wie eine Diagnose.
Teneb spürte, wie sich etwas in ihm sträubte. Nicht gegen die Macht, gegen das Bild, das Sikarius ihm aufzwingen wollte. Hass als Werkzeug. Abscheu als Treibstoff. Und doch… war da diese hässliche Wahrheit: Er hasste ihn. Nicht laut, nicht glühend. Sondern auf diese leise, kalte Art, die aus Ohnmacht geboren wurde. Weil Sikarius ihn gebrochen hatte, ohne sich Mühe zu geben. Weil er überlebt hatte, während andere gestorben waren. Weil er prosperierte.

Der nächste Schlag, eine gepfefferte Ohrfeige, ließ
Tenebs Kopf zur Seite schnellen. Sterne tanzten vor seinem Blick. Für einen Moment dachte er, er würde fallen. Tat er aber nicht. Stattdessen richtete er sich langsam auf, schmeckte das eisenhaltige Blut und spürte das Pochen in seiner Lippe. Etwas veränderte sich. Nicht sichtbar. Kein Aufbäumen, kein Schrei. Aber innerlich verschob sich ein Gewicht. Teneb dachte nicht mehr an den Steinkopf. Er dachte an den Raum zwischen sich und Sikarius. Du Bastard. Du elender, verdammter Bastard,schoss es ihm durch den Kopf und vergaß alle Konsequenzen, die ihn bisher zurückgehalten hatten. Es war eine Sache sich vorzustellen seinen Kopf vom RUmpf zu lösen, eine andere diese widerliche Fratze vor seinem Gesicht zu haben und ihm seine Emotionen ins Gesicht zu schleudern. Er hasste ihn mit derselben innigen Konsequenz, mit der ein Scheiterhaufen das Holz liebt, das man ihm darbietet. Darth Sikarius sollte wie eine von Metastasen zerfressene kowakianische Affeneidechse leiden.

Teneb stand da, die Hände noch leicht erhoben, als hätte er etwas losgelassen, das er nicht zurückrufen konnte. In seinem Inneren war es stiller geworden. Nicht leer. Aber geordnet. Und in dieser Ordnung lag etwas Neues, Beunruhigendes: das Wissen, dass er das eben gewollt hatte. Dass es sich richtig angefühlt hatte. Er hob langsam den Blick. Nicht trotzig. Nicht unterwürfig. Nur wach. Abscheu als Treibstoff. Eine Mechanik, so simpel wie grausam. Und doch … war da diese hässliche Wahrheit, die sich nicht wegargumentieren ließ: Er hasste ihn. Nicht laut, nicht glühend, nicht in jener theatralischen Form, die nach Erlösung schrie. Sondern leise. Kalt. Klinisch. Ein Hass, der aus Ohnmacht geboren wurde, nicht aus Größe. Weil Sikarius ihn gebrochen hatte, ohne sich Mühe zu geben. Weil er ihn nicht einmal wichtig genug gefunden hatte, um ihn gezielt zu vernichten. Weil alles, was Teneb verloren hatte, für diesen Mann nur Kollateraleffekte gewesen waren. Geräusche im Hintergrund eines Rausches. Castor war tot. Die Ubese war tot. Und Sikarius stand noch immer hier, atmend, lauernd, stärker als zuvor, als hätte das Universum selbst beschlossen, ihm Recht zu geben. Und genau das war der eigentliche Schnitt. Nicht die Gewalt, nicht die Drohung. Sondern die Erkenntnis, dass Überleben allein kein Maßstab für Würde war. Dass Macht nicht gerecht war, nicht einmal konsequent. Sie belohnte nicht den Richtigen, sie belohnte den Letzten. Den, der blieb, weil er fähig war, alles andere zu verbrennen. Sikarius prosperierte, weil er keine Rechnung aufmachte. Weil er nahm, ohne zu erinnern. Weil er fraß und weiterging. Der Bleiche hingegen erinnerte sich an jedes Gesicht. An jedes Zögern. An den Moment, in dem er sich entschieden hatte, weil es keine gute Option mehr gegeben hatte. Und in diesem Erinnern lag seine Schwäche aber vielleicht auch das Einzige, was ihn von dem Monster vor ihm unterschied. Vielleicht war das der Punkt, an dem der Hass ansetzte: nicht als Wunsch nach Zerstörung, sondern als bitteres Wissen, dass dieser Mann alles verkörperte, was funktionierte. Und dass ein Teil von Teneb sich fragte, ob genau das der Preis war, den man zahlen musste, um nicht mehr auf der falschen Seite der Gleichung zu stehen.

Zuerst war es kaum mehr als ein Reflex. Ein stoßweises Entladen in Richtung seiner widerlichen Visage, ungerichtet, roh, als würde
Teneb die Luft selbst von sich wegdrängen wollen. Die Wut über das eigene Versagen diesem elenden Köter von einem Sith wehzutun machte ihn innerlich rasend vor Wut. Er musste es schaffen. Erneut warf er seine negativen Emotionen in Form einer Visualsiierung diesem Scheusal in Menschenhaut entgegen. Dann noch einmal. Und noch einmal. Mit jedem Versuch löste sich etwas in ihm, riss eine weitere Naht seiner Zurückhaltung auf. Der Hass, den er so lange sauber gefaltet und weggeschlossen hatte, begann sich zu bewegen, schwoll an wie ein unterdrückter Schrei, der endlich einen Spalt fand. Er schleuderte ihn hinaus, immer wieder, in kurzen, hastigen Stößen, die sich an Sikarius brachen, ihn allenfalls zum Wanken brachten und doch da waren. Spürbar. Echt.
Mit jeder Entladung verdichtete sich die Kaskade. Angst mischte sich hinein, dann Schuld, dann diese brennende, bittere Eifersucht auf einen Mann, der nahm, was er wollte, und daran wuchs. Die Luft zwischen ihnen vibrierte, als hätte jemand die Welt einen Ton tiefer gestimmt. Der Bleiche spürte, wie seine Gedanken schärfer wurden, dunkler, fokussierter. Sein Atem ging stoßweise, die Zähne aufeinandergepresst, während die Macht nun nicht mehr nur durch ihn floss, sondern aus ihm herausdrängte – ungeordnet, wütend, hungrig. Der stärkste Stoß traf
Sikarius schließlich nicht wie eine Waffe, sondern wie ein Schlag aus nächster Nähe: ein dumpfer, konzentrierter Impuls, vergleichbar mit einem laschen Fausthieb in die Magengrube. Nicht genug, um ihn zu Boden zu zwingen. Nicht genug, um ihn ernsthaft zu verletzen oder gar einen Schritt zurückschreiten zu lassen. Aber genug, um keinen Zweifel zu lassen, was der Umbaraner für ihn empfand. Für einen flüchtigen Moment hatte Teneb nicht gebeten, nicht gezögert, nicht gerechnet. Er hatte gewollt. Und in diesem Wollen lag etwas, das er selbst kaum wiedererkannte – eine dunkle, erschreckend klare Freude daran, dass sein Hass nicht länger stumm blieb.

Und irgendwo, tief unter Schuld und Angst, unter der Erinnerung an all jene, die er nicht hatte retten können, wusste
Teneb Dask mit bitterer Klarheit: Das war kein Spiel mehr. Und kein Weg, den man beschönigen konnte.

Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Tempelklippe | Zerstörter Prachtgarten | Darth Sikarius & Teneb Dask
 
Zurück
Oben