Coruscant

[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian

Die Wahrheit. Was war die Wahrheit? Gab es nur eine oder mehrere, je nachdem, mit wem man sprach? Die Welt der Geheimdienste war voller Lügen, Täuschungen und Halbwahrheiten, gefüllt mit geschwärzten Akten, Decknamen und plausiblem Abstreiten, von Operationen, die niemals an die Öffentlichkeit kommen würden. Es war eine Welt, in der die Wahrheit flüssig wurde, wie Wasser, und ebenso so schnell zwischen den Fingern rann. Es war die Welt, die Arkadi für sich gewählt hatte, und sie hatte ihn misstrauisch und vorsichtig gemacht. Unverzichtbare Eigenschaften, um zu überleben, und mit der Zeit hatte er ehemalige Soldat für sich daraus die Erkenntnis gewonnen, dass man die Wahrheit nur über die Fakten finden konnte und diese konnte man nur herausfinden, indem man sich die Versionen der an den Ereignissen beteiligten Lebewesen anhörte, sie miteinander und mit anderen Daten verglich und daraus ein Bild schuf, wie ein Puzzle, das man Stück für Stück zusammensetzte. Und ähnlich wie ein Puzzle entsprach dieses Bild nie vollkommen der Realität, war es nahezu unmöglich, die ganze Wahrheit in Erfahrung zu bringen. Aber man musste es versuchten. Arkadi musste es versuchen, das war er all den Opfern des Virus und den Bürgern der Neuen Republik schuldig. Wenn tatsächlich das Imperium hinter den schrecklichen Vorfällen stand, so mussten die Entscheidungsträger im Senat und in den Sicherheitsorganen davon erfahren und die notwendigen Maßnahmen treffen, um diese Bedrohung zu beenden und Rache zu üben. Nein, nicht Rache. Gerechtigkeit. Vergeltung. Doch noch war es nicht so weit, noch war nicht sicher, ob Ian die Wahrheit sagte, und solange das nicht sicher war, würde auch nichts passieren. Ein Grund mehr, diese Befragung zu intensivieren und der Sache auf den Grund zu gehen, Stück für Stück, Detail für Detail. Arkadi sah seinem Gegenüber weiterhin die Augen, suchend, forschend, auf Anzeichen für Lügen und seine Gefühle achtend. Die kühlen blauen Augen des Agenten war ruhig und analytisch, so als betrachte er ein verschwommenes Bild und versuchte zu erkennen, was darauf zu sehen war. Eine ganze Weile hatte Schweigen geherrscht, nachdem der Sith enthüllt hatte, was er getan hatte. Acht Morde, darunter seine eigene Familie. Es war eine unvorstellbare Tat und doch zugleich so...logisch. Eine Organisation wie die Sith hielt ohne Zweifel Ausschau nach Leuten wie Ian, nach Lebewesen, die Dunkelheit in sich trugen und niemanden mehr hatten.

Der angebliche Überläufer musste seine Gedanken gehört oder zumindest erahnt haben, denn als der dunkelhaarige Mann schließlich sprach, laut fragte er, welche Wahrheit der Agent meinte, dabei sah er ihn mit einer Leere in seinen Augen an, die an die Finsternis des Alls erinnerte, seine Stimme war belegt und von Emotionen erfüllt. Die Wahrheit, so Ian, gab es nicht, lediglich seine Version davon, und der Sith wünschte zu wissen, welche Ereignisse Arkadi meinte. Dieser hatte seine Aussagen bewusst vage gehalten, um eine Reaktion zu provozieren, der Sith sollte reden. Hatte er erst einmal damit angefangen, so war es leichter, mehr aus ihm herauszubekommen. Arkadi legte die Fingerspitzen aneinander, was half, seine Hände ruhig zu halten, und schwieg einen Moment.


Ihre Wahrheit, Mr. Dice. Ich will wissen, was Sie als die Wahrheit ansehen. Über sich selbst. Über die Sith, den Virus...alles. Ich muss es wissen. Ich muss wissen, was für ein Mensch Sie sind.“


Arkadis Stimme war gleichmäßig, doch lag darin eine Energie, ein Ausdruck von Entschiedenheit.


„Wenn wir in einen Spiegel sehen, dann sehen wir uns, wie wir wirklich sind. Woran wir glauben, was wir lieben, was wir hassen. Was wir getan haben und was wir tun werden. Wir können unserer eigenen Reflexion nicht entkommen, Mr. Dice. Niemand kann das. Heute...heute stehe ich neben Ihnen, wenn Sie in den Spiegel blicken.“


Erklärte der blonde Mensch und aus gutem Grund hatte er von „wir“ gesprochen, traf das doch auch auf den Agenten zu, der kurz gezögert hatte. Wie oft hatte er in den Spiegel geblickt und mit sich gerungen, hatte diese und jene Entscheidung hinterfragt? Es war gut, dass Ian in diesem Moment die Augen schloss, der Sith schien von Erinnerungen überwältigt und konnte so die Verletzlichkeit nicht sehen, die in den sonst so kühlen Augen Arkadis aufgeblitzt war. Dadurch bot sich die Gelegenheit, sich zu sammeln. In einem Verhör niemals Schwäche zeigen, rief er sich in Erinnerung, und er warf Eowyn einen kurzen Blick zu, nun wieder gefasst und kontrolliert. Die Großmeisterin konnte durch die Macht ohnehin schon viel zu viel über ihn wissen. Das Schweigen endete, als Ian seine Augen wieder öffnete und der Aufforderung folgte, über seine Zeit bei den Sith zu sprechen. Er war jung gewesen, als er zu ihnen gegangen war, gerade einmal Mitte zwanzig. Freiwillig gegangen war. Doch wie freiwillig traf man solche Entscheidungen? Arkadi hörte aufmerksam zu, als der Sith eine Art Kodex zitierte, er klang dabei von Bitterkeit erfüllt. Sieg, Stärke, Macht, Befreiung...alles verlockende Worte, die vieles bedeuten konnten und voller Verheißungen waren. Frieden, eine Lüge? Angesichts des Zustands der Galaxis eine Aussage, die durchaus nicht von der Hand zu weisen war. Sahen die Sith das Dasein als einen niemals endenden Krieg? Ein abschreckender Gedanke, fand der ehemalige Soldat, der mehr genug seiner Schrecken erlebt hatte. Er kämpfte, damit Frieden herrschen konnte, wahrer Frieden, nicht um Blutlust oder Herrschsucht zu befriedigen, wie es bei den Sith offenbar der Fall war.

Ian erläuterte, wie dieser Kodex zu verstehen war. Absoluter Gehorsam gegenüber dem Imperator und das Recht der Stärkeren, die Vernichtung oder Misshandlung aller, die als schwach angesehen wurden. Es waren Prinzipien, die mit denen der Neuen Republik vollkommen unvereinbar waren, die ihnen absolut konträr gegenüberstanden. So abstoßend diese Ideologie auch war, in einem Punkt hatte sie recht: Wer die Macht besaß, der bestimmte auch, was gut und was schlecht war. Ideale und Werte waren immer nur so stark wie diejenigen, die für sie eintraten. Hätte die Neue Republik entschieden, sich nicht zu wehren, sondern sich dem Imperium zu unterwerfen, wären ihre Ideale mit ihr begraben worden. Deshalb musste sie endlich wieder stärker werden und den Willen finden, sich gegen das Imperium mit allen Mitteln zu behaupten. Nun kam Ian auf die Aufgabe zu sprechen, die er vom Imperator erhalten hatte, nämlich die Vorbereitung der Vorverhandlungen, dabei erwähnte er eine Schülerin und lachte, ein kurzes, bitteres Lachen ohne Freude. Gespannt hörte Arkadi zu und sog jedes Detail in sich auf. Er erhielt einen Einblick in die innere Funktionsweise der Sith, die Annahme durch einen Meister nach einer Prüfung, die Herstellung einer Verbindung zwischen Schüler und Meister, die vorkam, aber nicht unbedingt üblich war. Dem Agenten fiel auf, dass Ian von Schülern gesprochen hatte.


„Existiert diese Verbindung noch? Und wie viele Schüler haben Sie ausgebildet?“


Hakte Arkadi an dieser Stelle nach. Es klang so, als wäre es eine Sache der Vergangenheit, doch er wollte auf Nummer sicher gehen. Nun sah der Sith ihn direkt an, seine Stimme voller Überzeugung. Ian machte deutlich, dass er nicht zu Jedi, Sith, Imperium oder Neuer Republik gehörte und auch kein Überläufer war, seine Motivation bestand darin, das Richtige zu tun und das Virus aufzuhalten. Dem Stih schien es damit ernst zu sein, er klang wie ein Mann, der sich für etwas entschieden hatte. Nachdenklich sah der Agent ihn an. Es wirkte glaubwürdig...aber das taten gute Lügen auch.


„Wenn Sie zu keiner dieser Organisationen gehören...zu was oder wem gehören Sie dann?“


Und dabei sah der blonde Mann für einen Moment nicht Ian an, sondern zu Eowyn. Es war ihm schon im Garten aufgefallen, wie vertraut die beiden miteinander umgingen und wie besorgt um sein Wohlergehen die Großmeisterin gewirkt hatte, und auch jetzt schienen die beiden einander nah zu sein. Nicht offensichtlich, aber das Gefühl war da, und Arkadi traute diesem Gefühl. Waren die beiden Freunde? Ein Liebespaar? Was auch immer sie waren, sie waren mehr als Wächterin und Gefangener. Ian hatte eine kurze Pause gemacht und sprach dann davon, was ihn zum Zweifeln gebracht hatte. Es war der Imperator gewesen, der rücksichtslos verkündet hatte, dass er bereit war, Milliarden von Lebewesen zu ermorden, darunter seine eigenen Bürger, um die Neue Republik endgültig zu vernichten und die absolute Herrschaft über die Galaxis zu erringen. Ein Massenmord unvorstellbaren Ausmaßes...Bestürzung und Hass loderten gleichermaßen in Arkadi auf, seine Hände vor Zorn fest aneinandergedrückt. Es hatte genügend Stimmen gegeben, die vor dem Friedensvertrag gewarnt hatten. Die auf die Gräueltaten des Imperiums und die Skrupellosigkeit seines Herrschers verwiesen hatten, auf die vielen Völker, die unter imperialer Knechtschaft standen und sich von der Neuen Republik Hilfe beim Kampf um ihre Freiheit erhofft hatten, auf die Toten und Verwundeten, denen man es schuldete, das Imperium endgültig zu besiegen, auf die jüngsten militärischen Erfolge bei Corellia. Man hatte sie ignoriert, als Kriegstreiber und paranoide Feinde des Friedens gebrandmarkt, und sehenden Auges war die Neue Republik in die Falle getappt. Eine Unterschrift, und all das, wofür Arkadi und so viele andere gekämpft hatten, nämlich der Sturz des Imperiums, war vergessen worden, weggewischt von der Aussicht auf „Frieden“. Der ehemalige Soldat musste sich zwingen, sich durch den Schleier des Zorns wieder auf das Gespräch zu konzentrieren.


„Dann hat der Imperator alle getäuscht. Der Friedensvertrag ist nichts anderes als eine Falle, in die die Neue Republik nur allzu bereitwillig getappt ist. Hat er je von seinen weiteren Plänen gesprochen? Will er die Neue Republik durch den Virus schwächen und anschließend eine militärische Offensive starten oder rechnet er damit, dass der Virus allein ausreichen wird? Hat er Agenten im Senat, Truppenbewegungen, Allianzen mit anderen Mächten, etc. erwähnt?“


Meinte er bitter. Ian hatte zu zweifeln begonnen, als der Imperator ihm dies enthüllt hatte. Arkadi war geneigt ihm zu glauben, dass er davon ehrlich schockiert gewesen war und andere Vorstellungen davon gehabt hatte, was das Imperium sein sollte. Der Agent kannte die Propaganda und das Image, das das Imperium seinen Bürgern vermittelte. Ihm fiel auf, dass der Sith über seine Familie zu sprechen schien, die wohl ähnlich falsch gewesen sein musste wie das Imperium, jedenfalls klang es so. Ian starrte ihn an und fragte mit Trauer, wie er angesichts dieser Tatsachen nicht hätte zweifeln können.


„Sie haben es in Kauf genommen, weil Sie es damals für notwendig hielten. Weil Sie an etwas geglaubt haben, das größer ist als Sie selbst, ein Ideal. Aber dieses Ideal...es hat nie existiert.“


Der Ton von Arkadis Stimme legte nahe, dass er ebenso über den Sith sprach wie über sich selbst. Auch er fühlte Enttäuschung und Desillusionierung, Gefühle, die er bereits gehegt hatte, als der Friedensvertrag bekannt geworden war und die nun noch stärker wurden. Wofür hatten er und seine Kameraden gekämpft, wofür all die Opfer gebracht? Damit ein paar naive Senatoren dem Feind alles auf dem Silbertablett servieren konnten. Ian sprach weiter und erzählte, dass auch Eowyn eine Rolle dabei gespielt hatte, und er wirkte dabei ungeheuer erschöpft und um Jahre gealtert. Es war das Gesicht eines Mannes, der eine schreckliche Last mit sich trug. Ebenso prägnant wie bitter fasste er den Unterschied zwischen dem, was er einst über die Sith und ihre Fesseln geglaubt hatte und der Realität zusammen. Eine ganze Weile herrschte Schweigen, als Arkadi über das Gesagte nachdachte. Es machte Sinn. Es war glaubwürdig. Natürlich konnte man auch ihn auch täuschen, doch sein Bauchgefühl und alle Hinweise sagten ihm, dass Ian Dice die Wahrheit sagte. Über alles.
Die Tragweite dieser Erkenntnis war ungeheuerlich. Doch noch fehlte ein Teil des Puzzles, ein letztes Stück. Arkadi sah zu Eowyn, betrachtete die Jedi nachdenklich.


„Können Sie näher erläutern, welche Rolle die Großmeisterin dabei gespielt hat?“


Fragte der Agent schließlich und zwang sich dabei sachlich und ruhig zu klingen. Egal wer von beiden antwortete, es würde das letzte Teil des Puzzles sein.


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Seine Wahrheit. Duval wollte Ians Wahrheit – eine Wahrheit, die Ian selbst so lange nicht gewollt hatte. Eine Wahrheit, die, wann immer er sie aussprach, nur schlimmer wurde. Erdrückender, aber Ian würde weder sich, noch Duval schonen. Duval wollte wissen, wer Ian Dice war und Ian würde ihm sagen können, wer er war. Würde ihm sagen können, was er über das Virus, was er über die Sith wusste. Doch der Agent holte weiter aus und Ian schüttelte den Kopf, bei jedem weiteren Wort, denn Duval irrte, lag falsch, wusste nicht, von was er sprach. Wenn man in den Spiegel sah, sah man nicht den, der man war, es sei denn, man sah genau hin, blickte sich an und Ian blickte sich seit Jahren nicht an.
Nein“, kam es demnach widersprechend und der Blick des Dunkelhaarigen glitt in die Ferne. „Nein,“ wiederholte er schneidend. „Wenn wir in einen Spiegel sehen, können wir vor allem das sehen, was wir sehen wollen, denn andere zu belügen funktioniert so gut, wie sich selbst zu belügen. Ihr wollt wissen, was Ihr sehen würdet, wenn Ihr mit mir in den Spiegel blicken würdet?“ Erst beim letzten Wort fokussierte Ian den Agenten.
„Das, was ich sehe, ist mein Körper, von hier bis hier,“ und er deutete mit der einen Handkante auf sein Schlüsselbein und mit der anderen Handkante auf seine Nasenspitze. „Und was ich sehe ist der Bereich von hier“, eine Handkante wechselte zur Augenbraue, die andere etwas über seinen Kopf. „Ich sehe in den Spiegel, ohne mich anzublicken. Ich sehe in den Spiegel, aber ich blicke nicht hinein. Ich kann mich sehen, aber ich erkenne mich nicht. Ich muss nicht in den Spiegel sehen, um zu wissen, was ich getan habe, ich muss nicht einmal hineinsehen um zu sehen, was ich hasse, oder was ich liebe.“ Der Blick des Dunkelhaarigen schweifte wieder ab, seine Stimme gewann an Bitterkeit, an ehrlicher, schonungsloser Bitterkeit. „Ich habe mich seit Jahren nicht angeblickt, weil,“ und Ian wurde leise, aber nicht minder deutlich, „ich mich vor dem fürchte, was ich sehen könnte. Weil ich mich vor dem Ausdruck in meinen Augen fürchte, weil ich Angst davor habe, etwas zu sehen, was ich nicht erblicken will. Weil ich mich davor fürchte, dass ich das, was ich nicht sein wollte, was ich nie sein wollte, noch immer bin.“ Ein Monster. Seine Familie. Ian wusste, dass er längst zu dem geworden war. Er hatte sich unterscheiden wollen und in dem Streben nach dieser Differenz hatte er sich ihnen angeglichen, war wie einer von ihnen geworden. Genau wie sie, hatte er geherrscht, hatte seine Überlegenheit zur Schau gestellt, seine Überlegenheit genutzt.
„Zeit meines Lebens habe ich gesehen und gespürt, dass der, der stärker ist, mächtiger ist und dass der, der Macht besitzt, sich alles erlauben darf bis zu dem Zeitpunkt, in dem er nicht mehr der stärkste ist. Ich dachte, es gäbe so etwas, wie gerechte Rache, ich war überzeugt, Vergeltung wäre ein richtiger Weg. Aber wollt Ihr wissen, was meine Wahrheit darüber ist?“
Erneut blickte Ian Duval entgegen, wollte, dass sein Gegenüber verstand, wollte, das Duval begriff, wartete eine Antwort nicht ab. Nach Wahrheit hatte der Mann gefragt und Wahrheit würde er bekommen – zumindest Ians Wahrheit.

„In dem Moment, in dem wir glauben, dass Rache und Vergeltung Gerechtigkeit sind, in dem Moment, wo diese Begriffe Synonym werden, wird Unrecht zu Recht, obwohl es das nicht werden darf. In diesem Moment machen wir Unrecht zu Recht um unser Gewissen beruhigen zu können, um etwas zu legitimieren, was nicht richtig ist. In diesem Moment sehen wir in den Spiegel, sehen uns an und glauben, dass das was wir sind gut ist, dass jenes, was wir getan haben oder tun werden, gut ist. Weil wir es wollen. Wenn wir legitimieren, fühlt es sich nicht mehr an wie lügen und wenn wir einen großen Mann oder eine große Frau, oder was auch immer im Spiegel sehen wollen, werde wir einen großen Mann oder was auch immer im Spiegel sehen. Wir werde sehen, was auch immer wir sehen wollen und jedes Mal, wenn ein kleiner Zweifel aufkommt, werden wir noch deutlicher erklären, dass das, was wir tun gut und richtig ist.“ Genau so war es bei ihm gewesen, es hatte so begonnen. Es hatte genau so begonnen! Ians Blick wurde ernst, wurde starr und als er Duval erneut fokussierte, war da kein Blinzeln, kein Zucken, nichts. „Ich wollte nicht herrschen,“ dabei sprach Ian jedes Wort deutlich aus, mit winzigen Pausen dazwischen, damit zwischen den Zeilen kein Zweifel entstehen konnte. „Ich wollte nicht länger beherrscht werden. Ich wollte nicht, dass jemand der stärker ist, Gewalt über jemanden ausübt, der schwächer ist. Doch am Ende habe ich genau das Gleiche getan. Ich habe Gewalt ausgeübt. Ich habe Unrecht zu Recht gemacht und ich war so sicher, so überzeugt, dass ich es dürfte. Aber am Ende habe ich nichts weiter getan“, und Ians Stimme wurde immer lauter und die Wut, die darin mitschwang richtete sich gegen niemand geringeren, als ihn selbst, „als einen Fehler nach dem anderen zu begehen.“ Das war die Wahrheit über ihn – oder ein kleiner Teil davon.

„Ich weiß nicht, nach was die Sith streben, ich weiß nur, nach was mache streben und nach was ich gestrebt habe, aber das Lösen von Ketten schien immer ein Bestandteil zu sein. Von jedem, den ich kannte.“
Die Verbindung zu Noctious. Sie hatte plötzlich geendet, mit dessen Verschwinden.
„Nein, diese Verbindung besteht nicht mehr, sie besteht schon lange nicht mehr, Noctious ist verschwunden und seitdem habe ich ihn nie wieder gespürt, weder ihn noch diese… Krallen, die er in meinen Geist gebohrt hat.“ Was fast so klang, als wäre Noctious fruchtbar gewesen. „Darth Noctious war nicht, wie manch andere. Er war nicht grausam. Er wollte Gehorsam, doch er war nicht grausam, er ließ Freiräume, er ließ Gedanken zu.“ Über den Gand würde Ian nicht ein schlechtes Wort verlieren, denn er hatte ihn nie grausam erlebt.
„Ich hatte zwei Schüler Aden und Torryn und eine Schülerin, aber ich habe nur einen zu Ende ausgebildet. Ich konnte meinen ersten Schüler nicht ausbilden, weil eine Mission dazwischen kam, die uns lange trennen sollte. Jemand anders übernahm seine Ausbildung. Mein zweiter Schüler,“ bitter dachte Ian an Torryn zurück, „wurde von mir in den nächsten Rang erhoben und er hat selbst eine Schülerin.“ Iouna. Auch ihr Name war mit Schmerz verbunden, würde immer mit jenem verbunden sein. „Cyna, meine letzte Schülerin sollte mich zu den Vorverhandlungen begleiten. Doch sie verschwand, noch ehe die Mission richtig begann.“ Was auch er selbst hätte tun sollen.

Zu welcher Organisation er gehörte? „
Zu keiner.“ Da war keine Notwendigkeit, etwas anzugehören. Warum auch? Um am Ende wieder den falschen Idealen hinterher zu rennen? Sich abermals blenden zu lassen? Niemals. Zu wem er gehörte? Zu Eowyn, doch das würde er nicht laut sagen. Ohnehin hatte er, in Bezug auf sie, schon genug gesagt.

Dann endlich, endlich schien Duval zu begreifen, vielleicht sogar zu glauben. Ian entgingen die Gefühle des anderen nicht, sie schwappten so deutlich zu ihm über, so intensiv, das Ian fast gewillt war, den anderen zu warnen. Davor, den gleichen Fehler zu begehen, wie er selbst, doch der Dunkelhaarige hielt sich zurück.

„Die Republik soll zu Staub zerfallen, damit er ‚wahren Frieden‘ in den Händen halten kann. Allegious will die Reichtümer der republikanischen Planeten, er will Macht über alles, er glaubt nicht an Demokratie, er glaubt nicht an Gleichheit, all das will er zerstören.“ Auf die anderen Fragen hätte Ian so gerne eine Antwort gegeben, doch er wusste nichts darüber und so wurde sein Gesicht farblos, seine Lippen zu einem dünnen Strich. „Ich weiß es nicht. Er hat der Republik Coruscant zum Geschenk gemacht, ein verseuchtes Coruscant. Meine Aufgabe bestand darin, die Vorverhandlungen in ganz zu bringen. Ich weiß nicht, mit wem er kooperiert. Als er mich zu sich reif, war nur Nergal dabei, ein anderer Sith. Ob und wen Allegious noch ins Vertrauen gezogen hat weiß ich nicht, auch nicht, mit wem er zusammenarbeitet. Ich.." die Entschuldigung klang deutlich mit, auch ohne, dass er sie aussprach, „weiß es nicht.“

Auch Duvals nächste Worte konnte Ian nicht einfach stehen lassen. „
Es war nicht allein das,“ widersprach er also. „Ich war feige, dumm und blind. Ich hätte es wissen müssen. Ich hätte sehen müssen, aber ich habe mich täuschen lassen.“ Und welche Rolle spielte es schon, ob dies bewusst oder unbewusst geschehen war? Fakt war: Er hatte sich täuschen lassen.
„Als Allegious mich zu sich rief, als er mir seine Aufgabe übertrug, begann ich zu sehen und gleichzeitig wieder, die Augen zu verschließen. Ich habe an etwas geglaubt, weil ich glauben wollte.“ Womit sie fast wieder beim Spiegel waren. „Ich habe geglaubt, weil ich Halt brauchte, ich habe das Imperium nicht in Frage gestellt, weil ich zuvor schon die Republik in Frage gestellt habe. Ich habe Leid auf beiden Seiten gesehen,“ am eigenen Leib gespürt, „und auch ich habe weggesehen, als ich hätte hinsehen müssen.“ Diese Erkenntnis schmerzte zutiefst. „Als die Jedi mich ablehnten, habe ich mich nicht gefragt, was das mit mir zu tun gehabt haben könnte, ich habe es als Zurückweisung gesehen, als Kränkung erlebt und das hat mich nur weiter blind gemacht. Es hat mich an ihnen zweifeln lassen, aber nicht an den Sith.“

Die Sprache kehrte zurück zu Eowyn – doch auch diese Antwort würde Ian geben. Ein einziger Handgriff genügte und Ian holte den kleinen Behälter mit dem Sand hervor, den er seitdem immer bei sich trug, stellte ihn vor sich auf den Tisch, noch immer mit zitternder Hand. „Ja, das kann ich“ Und diesmal war die Bitterkeit, die Schuld und jedes negative Gefühl aus seiner Stimme getilgt. Ian zwang sich, seinen Blick nicht zu Eowyn wandern zu lassen, sah nur auf den Behälter. „Nachdem ich den Vertrag unterschrieb, wollte ich vergessen, ich wollte nur noch vergessen. Alles. Ich kehrte nach Nar Shaddaa um dort eine Droge zu nehmen, die alle Erinnerungen auslöschen würde. Eine Droge, deren Wirkung ich bei anderen kenne. Telos… Die Hinterbliebenen, die nicht umkamen, bekamen diese Droge, um sich nicht mehr zu erinnern.“ Ian hatte nicht absichtlich verschwiegen, dass seine Brüder Familie besessen hatten, und wenn hierzu noch Fragen kommen würden… Vorerst aber galt es, die andere zu beantworten. „Ich hatte mich aufgegeben, ich wollte nur noch vergessen, blind bleiben und dann traf ich auf Eowyn.“ Ob es gut war, sie bei ihrem Vornamen zu nennen? Welche Rolle spielte es, hatte er sie ohnehin schon längst bei ihrem Vornamen genannt.
„Wir kamen ins Gespräch, über Steinchen und Sand,“ und da griff Ian wieder nach dem Behälter, strich sanft über diesen, „ich erklärte, das Dinge zerstört und unbrauchbar sein können, und zerrieb einen kleinen Stein mit der Macht, um zu demonstrieren, was ich meinte. Doch sie widersprach. Sie erklärte, dass man auch aus zerstörtem, wie Sand noch etwas bauen könnte. Sie hat mir die Augen geöffnet. Sie hat mich wieder sehen lassen. Sie hat mich nicht zurückgelassen, sondern mich erinnert. Daran erinnert, das Vergessen nicht das richtige ist. Daran erinnert, dass ein winziges Sandkorn noch etwas ausrichten kann. Sie hat mir die Augen geöffnet.“ Und das Lächeln das unmittelbar erschien, kam aus der Tiefe seines Herzens und war voller Dankbarkeit, ließ ihn für die wenigen Sekunden, in denen es anhielt, wieder jung aussehen.


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Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

Ian hatte Recht mit dem, was er sagte. Sich selbst zu belügen funktionierte nur allzu gut... selbst, wenn man in den Spiegel sah, gelang es doch so häufig, darüber hinwegzusehen, wer man eigentlich war. Was man war. Meinte Ian das metaphorisch? Oder meinte er es wortwörtlich? Eowyn erinnerte sich nur zu gut daran, wie es dem Spiegel in seinem Quartier auf Lianna ergangen war. Er hatte Ians Aufenthalt darin nicht überlebt... War es Zufall, oder war es tatsächlich so?
Und schließlich - wäre es nicht eine so ernste Situation gewesen, Eowyn hätte ganz sicher ein leichtes Lächeln auf den Lippen gehabt. Sie wusste nicht, wie es geschehen war, aber plötzlich waren Ians Antworten nicht mehr klar, betrafen nicht mehr in alleine - plötzlich waren sie eher philosophischer Natur, und vielleicht irrte Eowyn, doch sie hatte das Gefühl, dass er sich hier etwas sicherer fühlte. Es betraf ihn nicht direkt, es fiel nicht das Wörtchen "ich", sondern "wir", es war ein kleines bisschen so, als säßen sie im Dschungel von Va'art. Doch diese Illusion konnte nicht aufkommen, nicht durch diesen Saal, nicht durch diese andere Atmosphäre, und vor allem nicht durch Duval.

Und plötzlich waren sie wieder zurück aus der Theorie, plötzlich wurde es wieder aktuell. "Ich".
Die Gründe, die er aufzählte, waren nachvollziehbar, und wohl auch eine Sache, die öfter vorkam. Heraus aus den Strukturen, die man kannte, versuchen, es besser zu machen - und dabei umso mehr in den Strudel zu gelangen, um des Guten Willen Grenzen zu missachten war niemals eine gute Lösung, aber doch so schwer, zu erkennen. Wann übertrat man die Grenzen? Andere als Ian waren diese Fehlurteil erlegen, und Eowyn würde niemals von sich behaupten, vor all dem gefeit zu sein.

Sie war niemals auf den Gedanken gekommen, dass noch eine gewisse mentale Verbindung zu anderen Sith bestehen konnte, und Eowyn blickte zu Duval, als dieser das Thema aufbrachte. Warum hatte sie nicht daran gedacht? Warum war sie nicht selbst darauf gekommen, Ian zu fragen? Nicht aus Gründen des Misstrauens, sondern einfach, weil es alles schwerer machte, wenn im Hinterkopf noch ein anderer Gedanke war... Aber sie hätte es doch gemerkt. Oder?
Doch Ian verneinte dies ohnehin sofort, auch wenn Eowyn die Vorstellung, dass jemand Besitz von ihrem Geist ergriff, auf längere Dauer, dass jemand, wie Ian es nannte, Krallen in ihn schlug, unvorstellbar fand. Ja, sie wusste, dass es möglich war, aber das änderte nichts daran, dass der Gedanke daran erschreckend war. Wenn sie sich vorstellte, dies bei Aketos zu tun... nun, es hätte den Vorteil, dass sie schneller von Va'art weggekommen wären und sie sichergehen könnte, dass es ihr momentan gut ging, dachte Eowyn trocken.

Aden, Torryn, Cyna. Die Gegenstücke zu ihren eigenen Schülern - und im Gegensatz zu ihren Schülern schienen zumindest die ersten beiden ausgebildet zu sein, vermutlich sogar noch im Orden. Meister und Schüler verband bei den Jedi oft eine einzigartige Verbindung - bei den Sith würde es nicht anders sein. Würden die beiden irgendwann noch zu einem Problem werden?

Duval stellte dann aber eine Frage, die Eowyn beinahe die Augen hätte verdrehen lassen. Er ließ einfach nicht locker... Wenn Ian nicht zu den Sith gehörte, zu
irgendetwas müsse er gehören? Gab es nur schwarz oder weiß für den Agenten? Es gab Milliarden von Lebewesen, die sicher nicht zu irgendetwas Großem gehörten, genug, denen es vielleicht sogar egal war, ob sie zur Republik oder zum Imperium gehörten, so lange es ihnen selber nur gut ging. Musste man zur Republik oder zum Imperium gehören, als Machtnutzer zu den Jedi oder den Sith? Selbst sie, die sie sich äußerlich deutlich zur Republik bekannte, die sie die Kleidung der Jedi trug als wäre es ihre zweite Haut, konnte verstehen, wenn man sich keiner dieser Gruppen anschloss, und noch mehr - wenn man eine dieser Gruppen verließ, hatte sie doch dieses Thema schon oft genug mit sich selbst und auch mit Ian besprochen. Konnte aber der Agent das verstehen? Konnte Duval nachvollziehen, dass man sich für keine Seite entscheiden konnte oder wollte? Nachdenklich sah Eowyn den Mann an, stellte fest, dass er zu ihr blickte. "...zu wem gehören Sie dann?" Sein Blick sagte in der Hinsicht alles. Sie wusste genau, was er dachte, und ja, vielleicht hatte er Recht, doch spielte das hier irgendeine Rolle? Ihrer Ansicht nach nicht - und Ian tat ihm diesen Gefallen schließlich auch nicht.

Die Gefühle, die den Agenten dann überrannten, waren so deutlich, dass vermutlich selbst ein Padawan sie gespürt hätte. Zorn - und auch, wenn Eowyn dieses Gefühl niemals gutheißen würde, es bedeutete doch eines - Duval nahm ernst, was Ian sagte, es war ein gutes Zeichen. Er wischte es nicht beiseite, er glaubte ihm genug, dass er diese Empfindungen hatte, und darauf deuteten auch die Fragen hin, die er stellte, als er sich wieder im Griff hatte. Äußerlich, man musste dem Respekt zollen, hatte man beinahe nichts davon bemerkt.
Nergal war ein weiterer Name, den Eowyn versuchte, sich abzuspeichern - Nergal, ein weiterer Mitwisser des Virus. Weshalb? Weshalb hatte Allegious ihn ebenfalls zu dieser Besprechung hinzugezogen? Wie war er einbezogen in diese Sache, hatte er das Virus entwickelt, hatte er es ausgesetzt? Eowyn vermutete, dass Ian dies längst in seinem Bericht an den Rat, den sie selbstverständlich nicht gelesen hatte, untergebracht hatte, nahm sich aber vor, sowohl Ian darauf anzusprechen als auch in den Archiven nach diesem Namen zu suchen.
Es war leider nicht viel, was Ian wusste - aber vielleicht reichte es. Vielleicht war es genug, um die Spuren zu verfolgen.

Eowyn war aber, wie sie mit schlechtem Gewissen feststellte, beinahe froh, dass sie bei Ians nächsten Sätzen nichts erwidern musste, nicht einmal erwidern konnte in Anwesenheit Duvals, dessen Haltung sich irgendwie verändert hatte. Ians Selbstvorwürfe waren etwas, das sie mittlerweile gut kannte, etwas, dem sie sich völlig hilflos gegenübersah. Selbstverständlich hätte er in einer perfekten Welt sofort alles erkannt, wäre heroisch aufgestanden, hätte sich gewehrt... und in einer perfekten Welt hätte er dasa sogar überlebt, wäre für seinen Mut vielleicht sogar ausgezeichnet worden.
Aber das hier war keine perfekte Welt.
Es war... menschlich, dass Ian nicht sofort, nachdem sich seine Augen zu öffnen begannen, diese aufgerissen und alles wargenommen hatte, es war nur natürlich, dass er sie nur langsam öffnen konnte, dass er sich erst einmal daran gewöhnen musste.
Und davon abgesehen, sie hatte es schon oft genug betont, wäre Ian heute nicht mehr am Leben, wenn er sich gewehrt hätte.
Außerdem hatten die Jedi ihn schon fallengelassen gehabt, zu wem hätte er gehen sollen? Auch das - es war nur menschlich, aber Ian weigerte sich, diese Ansicht anzunehmen, er versank in diesen Selbstvorwürfen wie die Sandkorn im Tümpel. Er verlangte zu viel von sich.
Nein, Eowyn wollte seine Taten nicht verteidigen, sie wollte auch nicht verneinen, was für ein Leben Ian hinter sich hatte. Aber es war ein Unterschied zwischen tiefem Abscheu und dem Versuch, alles anzunehmen...

Eine Stille breitete sich aus - aber es war eine andere Stille als die zu Beginn des Gesprächs. Sie war nicht ganz so feindlich, vielleicht noch ein wenig geladen, doch längst nicht so feindselig wie vorhin, als Duval und Ian sich gegenseitig beinahe in den Boden gestarrt hätten.
Eowyn nutzte die Zeit, um das Gesagte ein wenig Revue passieren zu lassen. Duval hatte weniger auf den Morden herumgetreten, als sie gedacht hätte, doch vielleicht würde er dies noch nachholen. Das Virus war oberste Priorität gewesen, was auch logisch war. Der Eindruck, den der Agent von Ian bekommen würde, würde vielleicht auch darüber entscheiden, wie wichtig die Morde noch werden würden.
Sie nahm einen weiteren Schluck von ihrem Kaf, stellte fest, dass er mittlerweile viel zu kalt war. Kalter Kaf... der reinste Graus, und halb abwesend begann sie, die kleinen Menge Flüssigkeit sanft in Schwingung zu versetzen, um sie zu wärmen, für sie nun wirklich keine großartige Aufgabe, während sie weiter sinnierte. Ian schlug sich ihrer Ansicht nach nicht schlecht. Er war bisher noch nicht aus seiner Haut gefahren, es hatte, bis auf den Anfang des Gesprächs, keine unangenehmen oder unangemessenen Situationen gegeben. Man konnte ihm wirklich nichts vorwerfen, Duval würde es schwer haben, ihm...
Der Kaf vor ihr dampfte urplötzlich auf, als sie überrascht ihren Energiefluss nicht mehr ganz so sehr unter Kontrolle hatte, und sie stellte die unerwartet heiße Tasse so ruhig sie konnte auf den Tisch. Duvals
Frage kam für sie aus heiterem Himmel, in einem Moment, in dem sie sich beinahe entspannt hatte - ein Fehler, sie sollte es doch besser wissen. Taktik oder Zufall? Glücklicherweise konnte zumindest in Bezug auf den Kaf eigentlich nur Ian merken, was da eben geschehen war, ob sie sich sonst etwas hatte anmerken lassen, das konnte Eowyn nicht sagen.
Duval klang so furchtbar gelassen bei dieser Frage, als würde er überlegen, was es später zum Abendessen gab. Es wäre ja zu schön gewesen, wenn er Ians kurze Anmerkung von vorhin einfach unter den Tisch hätte fallen lassen... Ian schaltete schneller als sie selbst, und vermutlich war das auch besser so. Wie auch sollte sie selbst beantworten, welche Rolle sie gespielt hatte? Das konnten nur Ian oder die Zeit beantworten.
Ihre erste Begegnung - Eowyn erinnerte sich nur zu gut daran. Wie sie blind Ian verdächtigt hatte, aus ihiem Misstrauen nur schwer herausgekommen war. Der Moment, in dem sie Shen für immer verloren hatte.

Sie starrte auf den Behälter. Dieses kleine Ding voller Sand, dieser Geistesblitz, den sie beinahe nicht gehabt hätte. Was wäre ohne ihn geschehen? Sie hätte Ian nicht erreicht... und alles wäre anders gekommen. Alles. Ein winzigkleiner Moment... war sie selbst das gewesen? Die Macht?
Was Ian nun erzählte, das kannte Eowyn, sie war schließlich dabeigewesen. Sie wusste, dass Ian den Sand noch immer bei sich trug, sie ahnte, was er ihm bedeutete, und manchmal hatte sie dabei kein gutes Gefühl. Ein Moment... nur ein kleiner Moment. Es hätte so viel anders kommen können... Legte Ian zu viel in diesen kleinen Moment? Sie war schon drauf und dran gewesen, einfach aufzugeben.
Aber sie wagte nicht, diese Gedanken auszusprechen, was, wenn es Ian verletzte? Vielleicht auch zu Recht... Wer war sie, ihm seine Empfindungen zweifelhaft zu reden? Ohnehin waren diese Gedanken momentan völlig fehl am Platz.
Ian endete, oder pausierte in seiner Erklärung, und Eowyn beschloss nun, dass es an der Zeit war, ihr Schweigen in diesem Gespräch zu beenden.

Ich habe ihm lediglich einen Stups gegeben, erklärte sie ruhig und sicher, blickte erst kurz zu Ian und dann zu Duval - so war es gewesen. Außerdem musste der Agent sehen, was in Ian steckte, dass er eine eigene Stärke besaß. Dass ihm zu trauen war, dass er nicht sein Fähnchen nach dem Wind richtete. Der außerdem nichts genutzt hätte, hätte er mir nicht zugehört. Und den Rest hat er ganz alleine geschafft, ich hatte darauf nicht viel Einfluss, weder vor unserem Gespräch, noch danach.
Im Gegenteil. Ian hatte auf sie, davon war sie immer noch überzeugt, vielleicht sogar mehr Einfluss gehabt als sie auf ihn. Das Denken hatte bei ihm schon längst eingesetzt gehabt, als sie sich begegnet waren, auch das Zweifeln, das Sehen. Sie hatte ihm höchstens geholfen, die Augen offen zu halten, das war keine sonderlich große Kunst.


Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür
 
[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian

Das Puzzle wurde zusammengesetzt, Stück für Stück. Mit jedem Wort, mit jeder Information, konnte Arkadi sich ein besseres Bild von Ian machen und damit auch von den Berichten des ehemaligen Sith. Was der dunkelhaarige Mann enthüllt hatte, war grauenvoll. Der Virus und der Friedensvertrag waren beide Teil eines Plans des Imperators, um die Neue Republik, die er militärisch nicht hatte niederwerfen können, zu vernichten. Und damit hatte er bis jetzt vollen Erfolg gehabt, Coruscant war ein Kadaver, der den Brunnen vergiftete und unzählige Ressourcen verschlang, ein Pulverfass, das jederzeit explodieren konnte. Der ehemalige Soldat war sicher, dass das Imperium alles unternehmen würde, um die Spannungen noch zusätzlich anzuheizen. Agenten und Sympathisanten des Feindes befanden sich ohne Zweifel auf dem Stadtplaneten und gaben sicher nicht nur Informationen weiter. Steckten sie hinter den Unruhen in den Unteren Ebenen? Gut möglich. Je stärker die Neue Republik gebunden wurde, desto besser für die Imperialer, der Schaden an Material, Personal und Reputation war enorm. Wenn die Lage vollends außer Kontrolle geraten sollte, würde es genügend Stimmen geben, die das Imperium hier begrüßen würden. Mühsam behielt Arkadi seine Gesichtszüge unter Kontrolle. Es musste dringend gehandelt werden, Kanzler und Senat mussten den Friedensvertrag sofort aufkündigen und den Kampf wieder aufnehmen, wie es schon nach Corellia hätte passieren müssen. Ohne Zweifel würde die Enthüllung des imperialen Plans dazu führen, dass die Soldaten der Neuen Republik noch entschlossener kämpfen würden. Es ging um das nackte Überleben, nur einer der beiden Staaten konnte diesen Konflikt überstehen. Und Arkadi würde alles in seiner Macht stehenden tun um dafür zu sorgen, dass dies die Neue Republik sein würde. Es musste gehandelt werden, unverzüglich.

Doch noch fehlten weitere Beweise, mussten zusätzliche Daten gesammelt werden, um auch die letzten Zweifler im Senat zu überzeugen. Der Casus belli war da, doch solange man ihn nicht gut vermittelte, würde wieder nur endlose Debatten folgen. Dabei brauchte die Neue Republik in diesen Zeiten keine Schwätzer, sondern Lebewesen, die mutig und entschlossen handelten, um ihr Überleben zu sichern. Also würde Arkadi das Gespräch fortsetzen, es musste noch mehr geben, dass Ian wusste. Namen, Planeten, Daten, irgendetwas. Der Überläufer widersprach dem blonden Mann, was das den Spiegel anging, laut ihm sah man darin nur das, was man auch sehen wollte. Erst abwesend, dann konzentriert sah der ehemalige Sith ihn an und seine Stimme wurde fester, er konnte sich im Spiegel war ansehen, doch nicht erkennen, und er hatte Angst vor dem gehabt, was ihm entgegenblickt hatte. Er sprach weiter und Arkadi ließ ihn ausreden, hörte ruhig zu. Ian wollte etwas mitteilen, etwas erklären, das ihm wichtig war. Der bärtige Gefangene sprach davon, dass man immer Wege fand, um sein Handeln zu legitimieren, mit starrem, ernsten Blick meinte er, dass er nie hatte herrschen wollen, sondern der Gerechtigkeit hatte genügen wollen, doch das war ihm nicht gelungen und nun war Zorn in seiner Stimme zu hören, denn schlussendlich war er genauso geworden wie diejenigen, die er nicht hatte imitieren wollen, und hatte Fehler um Fehler begangen. Vor Arkadi saß ein Mann, der sein ganzes Leben zutiefst bereute und sich über seine Entscheidungen grämte. Einen Moment lang schwieg der Agent. Die Worte des ehemaligen Sith waren ihm nicht fremd und auch wenn er nicht vergaß, was dieser Mann früher getan hatte, so konnte er doch ein wenig Mitgefühl empfinden. Es war nicht viel, aber es war die Anerkennung, dass Ian nun helfen wollte, die Neue Republik zu retten.


„Das mag sein. Aber es noch nicht zu spät, um etwas zu ändern. Um das Richtige zu tun.“


Die Stimme des ehemaligen Soldaten war ruhig und ohne Emotionen, und doch lag darin eine gewisse Wehmut und nicht zuletzt auch der Wunsch, dass Ian als Informationsquelle erhalten blieb. Der ehemalige Sith mochte bereuen und trauern so viel er wollte, doch schlussendlich zählte nur, dass er auch handelte und seine Informationen weitergab. Worte waren Wind, schnell gesprochen und schnell vergessen, aber Taten blieben. Die Sprengung der Ketten war also ein Kernbestandteil der Sith-Philosophie, womöglich sogar der Kernbestandteil. Absolute Freiheit zu tun und zu lassen, was man wollte, andere Lebewesen, deren Zweck es bloß war, die eigenen Wünsche zu befriedigen. Eine abstoßende Sichtweise. Arkadi dachte in Strukturen, in Ordnung und Organisationen, die gemeinsame Ansichten hatten und für etwas zusammenarbeiteten und bereit waren, ihre eigenen Ambitionen hinten anzustellen. Gespannt lauschte er, als Ian erklärte, dass die Verbindung zu seinem ehemaligen Meister nicht mehr bestand, dieser war verschwunden. Der Agent wölbte eine Augenbraue, als der dunkelhaarige Mann so positiv über diesen Darth Noctious sprach. Das klang geradezu verklärend, Arkadi konnte sich einen Sith kaum auf diese Art und Weise vorstellen. Vielleicht war er einfach subtiler gewesen als andere, entschied er schlussendlich, und hatte deshalb gnädiger gewirkt. Ian wiederum hatte ebenfalls ausgebildet, zwei Schüler hatte er gehabt. Arkadi prägte sich die Namen gut ein. Womöglich hatte der Geheimdienst Informationen über sie. Oder die Jedi, und dabei warf er Eowyn einen kurzen Blick zu. Ob sie bereit war, diese Daten zu teilen?


„Ich werde veranlassen, dass die Datenbanken des Geheimdienstes auf diese Personen überprüft werden.“


Und dann sagte Ian etwas, das Arkadi erneut aufhorchen ließ. Er gehörte zu keiner Organisation? Keiner Gruppierung, keiner Philosophie. Ein Einzelgänger, jemand, der enttäuscht worden war und deshalb für sich blieb. In gewisser Weise nachvollziehbar. Hätte Arkadi nach der Armee keine neue Heimat beim Geheimdienst gefunden, würde er vielleicht auch so denken. Aber zu irgendetwas musste man doch gehören, irgendeinem Ideal folgen, sich mit anderen identifizieren. Ihm entging nicht, dass Ian damit noch einmal deutlich machte, dass er auch nicht zu Jedi und Neuer Republik gehörte. Er blieb ein Sicherheitsrisiko, mit seiner eigenen Agenda und ohne Kontrolle durch andere. Man würde auf ihn achten müssen. Solange es noch möglich war, dachte Arkadi bitter, solange es die Neue Republik noch gab. Der Imperator hatte eine ebenso grausame wie meisterhafte Täuschung vollbracht und ihnen die Saat ihres eigenen Untergangs als Geschenk präsentiert. Die Hoffnung, dass Ian noch weitere Informationen besaß, zerschlug sich, und das war ihm sichtbar unangenehm. Natürlich war der Imperator klug genug gewesen, strengste Geheimhaltung zu wahren. Nergal, immerhin ein weiterer Name.


„Was glauben Sie, hat Allegious die Führungsspitze des Imperiums in seine Pläne eingeweiht oder nur ausgewählten Mitgliedern des Ordens? Haben Sie eine Vermutung, wo und wie der Virus erschaffen wurde und wer daran beteiligt war?“


Erkundigte sich Arkadi drängend. Wie viel mussten die weltlichen Führer des Imperiums? Angesichts der infizierten imperialen Welten wären gewiss nicht alle einverstanden mit den Handlungen des Imperators. Doch die Sith...Selbst wenn Ian keine konkreten Informationen besaß, er kannte den Orden und konnte somit zumindest Mutmaßungen anstellen. Ian machte sich weitere Vorwürfe und gab dabei überaus interessante Informationen preis, er hatte Leid auf beiden Seiten gesehen? Und die Jedi hatten ihn abgelehnt? Arkadis kühle blauen Augen wurden eine Spur schmaler und seine Stimme war etwas schärfer geworden.


„Erzählen Sie von dieser Ablehnung.“


Die Aufforderung war deutlich, noch war der Agent nicht bereit, sein Misstrauen aufzugeben. Das tat man in seinem Metier ohnehin nie vollständig. Hatte Ian versucht, die Jedi zu unterwandern? Nachdenklich strich sich Arkadi über sein Kinn. Sollte sich all das, was der Sith über den Virus erzählte, gar als gezielte Desinformation erweisen? Vielleicht handelte er im Auftrag des Imperators, um dem Geheimdienst falsche Informationen zuzuspielen und ihn somit unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Oder er spielte sein eigenes Spiel und wollte die Spannungen zwischen den beiden Staaten noch anheizen. Dazu passte seine Weigerung, sich klar zu einer Seite zu bekennen. Aber er wirkte glaubwürdig, also sprach er entweder die Wahrheit oder war der beste Lügner, den Arkadi je gesehen hatte. Der ehemalige Soldat unterdrückte ein Seufzen. All die Lügen, Halbwahrheiten, Täuschungen, doppelte Spiele...manchmal wünschte er sich die Klarheit zurück, die er bei der Armee gehabt hatte. Ein Ziel, ein Auftrag, und Leute, denen er vertrauen konnte. Aber das war die Vergangenheit, er würde sie nicht zurückerhalten. Er musste weitermachen. Seine Frage zu der Rolle von Eowyn hatte einen Nerv getroffen, bei beiden. Die Großmeisterin wirkte unangenehm überrascht und stellte ihre Tasse Kaf auf den Tisch, die, wie Arkadi verwundert feststellte, auf einmal dampfte. Seltsam. Aber es war Ian, der antwortete, und er holte einen kleinen Behälter hervor, in dem sich etwas befand. Misstrauisch beäugte der Agent dieses Behältnis. War das Sand? Der ehemalige Sith sprach mit plötzlicher Klarheit und Stärke und berichtete, wie er nach dem Vertrag zum berühmt-berüchtigten Schmugglermond gereist war, um mit Hilfe einer Droge alles zu vergessen. Eine Droge, die offenbar auch bei den Angehörigen seiner Opfer zum Einsatz gekommen war. Arkadi nahm sich vor, in diese Richtung Nachforschungen anzustellen. Und dann war er auf die Großmeisterin gestoßen, die er bezeichnenderweise beim Vornamen nannte. Sie hatten sich unterhalten und die Jedi hatte ihm anhand des Sandes eröffnet, dass Zerstörung nicht das Ende und selbst scheinbar Unbedeutendes Veränderungen bewirken konnte. Und dabei lächelte der dunkelhaarige Mann, ein offenes, dankbares Lächeln.

Arkadi schwieg und beobachtete genau das Verhalten der beiden Machtnutzer. Die Jedi äußerte sich schließlich ruhig, blickte kurz zu Ian, dann zu dem Agenten, und sie bestand darauf, dass sie dem Sith lediglich einen geistigen Anstoß gegeben hatte und er den Rest ohne ihre Hilfe geschafft hatte. Ohne Zweifel sah die Frau mit dem lockigen blonden Haar das so, doch stimmte es? Nachdenklich schwieg Arkadi eine Weile. Dass die Begegnung mit jemanden die eigenen Überzeugen, an denen man zweifelte, über den Haufen werfen konnte, das kam vor. Und bei Machtnutzern war es ohnehin eine spezielle Sache. Der ehemalige Soldat sah die beiden an und nickte dann leicht, mehr zu sich selbst als an sie.


„In diesem Fall gebührt Ihnen dennoch Dank dafür, dass Sie diese Entwicklung angestoßen haben. Ich...entschuldigen Sie, aber ich muss Sie das fragen: Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie und Mr. Dice mehr verbindet als eine Ihre Bewachungsfunktion? Ich kam nicht umhin, Ihren vertrauten Umgang miteinander zu bemerken. Mir ist bewusst, dass die Jedi diese Dinge anders sehen als der Geheimdienst. Wir haben unsere Regeln und Prozeduren und ich will weder urteilen noch Ihnen einen Strick daraus drehen. Lediglich die Wahrheit.“


Erneut machte Arkadi eine Pause, er hatte seine Absichten hoffentlich deutlich mitgeteilt. Der Agent tippte die Fingerspitzen aneinander und fixierte dann Ian.


„Mr. Dice, die Informationen, die Sie uns mitgeteilt haben, sind von größter Bedeutung und eine Frage der nationalen Sicherheit. Ausgehend von ihnen wird der Geheimdienst weitere Ermittelungen anstellen und die Ergebnisse dann dem Kanzler und dem Senat vorlegen, damit sie eine Entscheidungen treffen können. Sie verstehen also, warum ich auf diese Befragung bestanden habe. Ich musste wissen, ob Sie glaubwürdig sind oder nicht.“


Ein knappes Nicken folgte.


„Also gut. Ich habe Ihnen viele Fragen gestellt und Sie haben sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten beantwortet. Allerdings haben gewiss auch Sie Fragen. Fragen darüber, was mit Ihnen geschehen wird. Stellen Sie sie. Soweit mir möglich, werde ich antworten.“


Der Agent war bereit, dem ehemaligen Sith zu glauben, mit Einschränkungen jedenfalls. Die Jedi ebenfalls. Würden es andere auch sein?


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Richtig. Falsch. Falschrichtig. Immer und immer wieder ging es darum zu entscheiden, was richtig war und was nicht. Und jedes Mal sagten sie ihm das gleiche. Dass es nicht zu spät war, etwas zu ändern. Dass es nicht zu spät war, das richtige zu tun. Entging ihnen allen denn nicht die Tatsache, dass es für manches sehr wohl zu spät war? Das mache Dinge nicht mehr geändert werden konnten? Ian konnte keinen Toten wieder lebendig machen, für jeden, der gestorben war, war es zu spät und für jeden, der am Virus erlag, war es auch zu spät. Außerdem… außerdem wusste Ian längst nicht, was richtig du was falsch war und selbst wenn er nicht schwarz oder weiß dachte, schien er selbst nicht mehr zu wissen, was ein Mittelweg war. Kyran. War es falsch oder richtig gewesen, zu versuchen, ihn mit der eigenen Lebensenergie zu retten? Kalad hatte es als falsch empfunden, Eowyn hatte seine Technik abgebrochen. Falsch und richtig. Als wäre es so einfach, als wäre es so einfach einzuordnen und so verzog Ian nur das Gesicht. Duval fehlte jede Emotion in der Stimme und Ian selbst war emotional viel zu aufgeladen, um als Beobachter zu fungieren. Auch wenn Empathie eine seiner Stärken war – jetzt nahm Ian kaum etwas wahr.
„Ich bin sicher, dass Allegious das auch behaupten würde,“ kam Ian nicht umhin zu sagen. „Und für manche Fehler zahlen wir ein ganzes Leben.“ Dabei stand außer Frage, das er für seine immer zahlen würde. Alpträume, Vorwürfe, Reue – all das schienen Raten zu sein. Zinsen und Zinseszins.

Es fühlte sich nicht gut an, Aden zu nennen und es fühlte sich auch nicht gut an, Noctious zu erwähnen, noch weniger, als Duval erklärte, in den Datenbanken nach den Namen zu suchen.
Verrat. Es fühlte sich an, wie Verrat, denn Duval und Eowyn hatten klar gemacht, was sie von Sith hielten. Doch sowohl Aden, als auch Noctious gehörten zu jenen, seltenen Personen, die ihm irgendwie nahe gestanden hatten. Was Torryn betraf… Mit einem Seufzen blickte Ian zu Boden, denn obwohl er sich von jenem verraten fühlte, fühlte Ian jetzt, dass auch er zum Verräter geworden war und es drängte ihn, etwas zu sagen, irgendetwas, dass es besser machte. Irgendwie.

„Sie waren nicht böse,“ sagte Ian dann und diesmal sah er nicht nur zu Duval, sondern auch zu Eowyn. „Noctious war nicht böse, ich habe nie erlebt, dass er andere gequält hat. Auch Aden ist kein schlechter Mensch. Cyna kannte ich kaum und Torryn,“ es tat weh ausgerechnet über ihn zu sprechen, „auch wenn wir unsere Differenzen hatten und er sich zu sehr von Iouna beeinflussen ließ“ Ian konnte nicht vermeiden, das die Abneigung bei ihrem Namen deutlich wurde, „er war kein schlechter Schüler.“ Für Duval und für Eowyn, für vielleicht jeden, der der Republik angehörte, mochten Sith und Imperiale die Schlechten, die Bösen sein. Doch selbst wenn das auf manche, wie Allegious zutraf – es galt nicht für alle. „Nicht alles, was das Imperium getan hat, ist falsch gewesen. Und nicht jeder Sith ist von Grund auf böse oder überhaupt böse oder schlecht. Es wäre vermessen, ihnen die ganze Schlechtigkeit der Galaxis zuzuschreiben.“ Hierbei sprach Ian sicher nicht von sich, fügte diese Worte nicht an, um damit anzudeuten, dass er sich meinte, nein. Doch Duval und auch Eowyn sollten wissen, dass dieses Kategorisieren nicht richtig war. „Sie sind nicht alle böse. Sie sind nicht alle Monster. Vielleicht ist es für die Neue Republik einfach, das zu denken, zu glauben und zu behaupten, aber es ist nicht so.“ Was für Ian mehr war, als ein persönlicher Standpunkt. Tahiri war auch eine Bürgerin des Imperiums gewesen, auch wenn sie mehr und mehr mit der NR sympathisiert hatte. Niemand, niemand würde also wagen dürfen, alle Imperialen zu verunglimpfen, schon allein nicht wegen Tahiri. Und Iounas Vater, war ein Jedi gewesen. Diejenigen, die seinen ersten Meister getötet hatten, waren auch Jedi gewesen. Und sie alle hatten auch nicht ‚richtig‘ gehandelt, obwohl auf Seiten der Republik. „Das, was jemanden schlecht macht, sind seine Gedanken und vor allem, seine Taten, aber nicht zwangsläufig eine Zugehörigkeit.“ Kurz geriet Ian ins Stocken und überlegte, ob er die Worte, die ihm noch durch den Kopf gingen, anfügen sollte. Aber wie drückte er sich am diplomatischsten aus? Er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, aber spielte es am Ende wirklich eine Rolle, wie er sich ausdrückte? „Nur weil die eine Seite glaubt, die Gute und Richtige zu sein, macht das die andere nicht zwangsläufig schlecht.“ Klang das nicht danach, als entschuldige er Gräueltaten? „Böse Dinge geschehen auf beiden Seiten, das möchte ich einfach nur sagen.“ Und dabei konnte Ian nur hoffen, dass Duval begriff, ja und auch hoffen, dass Eowyn begriff.

„Allegious hat sich in die Katakomben, wahrscheinlich also in die Kammern Korribans, also den Keller des Ordens auf Bastion zurückgezogen. Wahrscheinlich hatte er Hilfe von Genetikern oder Ärzten, ich glaube nicht, dass er allein das Virus entwickelt hat. Ob er jemanden eingeweiht hat oder nicht, weiß ich nicht. Jemand fungierte als Träger, jemand, bei dem Allegious das Virus freisetzen konnte. Ein Übeträger, wie er heißt oder wer er ist, weiß ich auch nicht.“ Es war ernüchternd, hier nicht eine einzige hilfreiche Antwort geben zu können. „Vielleicht weiß Nergal mehr, vielleicht aber auch nicht. Allegious hat nicht viel über die Entwicklung gesprochen und mich nicht weiter eingeweiht und da ich nach den Verhandlungen nicht mehr zurück nach Bastion gekehrt bin, weiß ich überhaupt nichts.“ Was Ian sich fast zum Vorwurf machte.

„Doch Allegious hat eigene Ärzte, schließlich ist er mehr Maschine als Noghri und es ist nur wahrscheinlich, dass diese ihm geholfen haben.“ Vielleicht… „Vielleicht auch der Zirkel der Alchemisten. Es gibt Zirkel bei den Sith, Spezialisierungen und die Alchemisten dort, könnten geholfen haben.“ Allerdings konnte Ian nur Mutmaßungen anstellen, denn er hatte nie zu den Vertrauten Allegious‘ gehört. „Ich glaube, Allegious hält sich selbst für die Führungsspitze und hat niemanden in der Politik eingeweiht. Aber das sind alles nur Vermutungen.“

Die nächste Frage die Duval stellte, konnte Ian anders beantworten – nicht rein mutmaßlich. Von der Ablehnung sollte Ian erzählen. Ausgerechnet davon. Die Ablehnung stand in engem Zusammenhang mit Tahiri und über Tahiri würde Ian nicht erzählen – nein. Nein, das würde er nicht. Ians Körperhaltung wurde steif, angespannt und hätte er seine Hände nicht längst wieder unter dem Tisch versteckt, er hätte es wieder getan, denn das Zittern wurde schlimmer, erfasste nicht mehr allein seine Hände. Er wollte nicht daran denken. Er wollte nicht daran denken…

***
Sie war tot. Doch so oft Ian sich diese Tatsache zurück ins Gedächtnis rief – sie klang so unglaubwürdig, so surreal, so unecht. Und doch war sie wahr, obwohl sie nicht wahr sein konnte. Aber Tahiri lag nicht mehr neben ihm, wenn er aufwachte. Nicht mehr neben ihm, wenn er einschlief, dabei war ihr Geruch noch überall, überall. Aber keine leere Tasse Kaf mehr auf seinem Schreibtisch. Kein dunkler Fleck von eben jenem Getränk, ein Fleck, der ihn immer zur Weißglut gebracht hatte. Ein Fleck, den er sich jetzt wünschte, einen Fleck den Ian selbst hinzubekommen versuchte – erfolglos. Ihr Lachen erfüllte nicht der das Haus, die Dielen knarrten nicht mehr, wenn sie tanzte und selbst die Musik – ihre Musik – hatte ihren Klang verloren, gerade so, als sei sie mit ihr gestorben.
Und jetzt wollten sie das Haus, weil es ihr Haus war. Das Haus, das so leer ohne Tahiri, aber so erfüllt von Erinnerungen mit ihr war.
***

Er hatte es räumen müssen. Er hatte es räumen müssen.

***

„Tahiri, ich glaube nicht, dass die Neue Republik für Freiheit und Frieden steht, jedenfalls nicht mehr, als das Imperium. Das Imperium selbst führt keine Kriege gegen sich selbst.“ Nein, das tat es sicher nicht und mit einem Grinsen fügte Ian hinzu: „Und wenn dich jemand hören würde, könnte man dich für eine Verräterin halten.“ Bloß erwiderte Tahiri das Grinsen nicht, im Gegenteil, ihr Gesichtsausdruck wurde ernst, was Ian erkannte, obwohl sie viel, an ihn gelehnt, eher im Profil zu ihm saß. Doch spätestens ihre Körperhaltung, die steifer wurde, verriet sie. ‚Ist nicht genau das ein ziemlich eindeutiger Beweis dafür, dass das Imperium so friedlich nicht sein kann? Wenn ich mich nicht kritisch äußern darf, wenn ich fürchten muss, eine Verräterin zu sein, nur weil ich nicht schlecht von der Republik spreche, sagt das dann nichts aus?‘ Doch, es sagt aus, das du die falschen Artikel liest,“ witzelte Ian erneut. ‚Könntest du vielleicht versuchen, mich ernst zu nehmen? Das hier ist kein Spaß Ian, ich mache keine Witze, ich versuche ein ernstes Gespräch mit dir zu führen. Findest du es lustig, wenn das Imperium dir vorschreibt, was du sagen sollst?‘ Ian seufzte, denn vielleicht war Tahiri das Gespräch gerade wichtig und vielleicht war ihr das Thema ernst, er hingegen… „Ich glaube nicht, dass das Imperium sich darum kümmert, was du denkst. Und so lange du dich nicht auf die auf die Straße stellst und in den Himmel schreist, dass du glaubst, dass das Imperium irgendwie komisch ist, wird es ihm auch egal sein, was du sagst.“ Eine Aussage, die Tahiri auch nicht wirklich zu ‚ernstnehmen‘ zählte, denn ihr Ausatmen war deutlich zu hören und eigentlich gehörte Tahiri nicht zu den Menschen, die schnell ihre Geduld verloren, oder diese überhaupt verloren.
‚Wenn ich nicht sagen darf, was ich denke, darf ich eigentlich auch nicht denken.‘ Jetzt war es Ian, der seufzte. „Tahiri...“‚Was?‘, fragte sie und klang dabei todernst, ‚darf ich dir gegenüber auch nicht sagen, was ich denke, weil das irgendwie komisch sein könnte?‘ „Du darfst sagen, was auch immer du willst, aber ich glaube einfach, dass du die Sache viel zu einseitig siehst. Du liest ein paar imperiumskritische Artikel und glaubst dann, die Republik sei eine Alternative?“ Offensichtlich bemerkte Tahiri nicht, das Ian wenig Lust hatte, über dieses Thema zu sprechen. ‚Ich habe nicht von einer Alternative zum Imperium gesprochen, ich habe dich gefragt, ob du es lustig findest, wenn das Imperium dir vorschreibt, was du sagen oder denken sollst. Und ich weiß, das ein Republikaner nicht gleich hinter Gittern landet, wenn er sich kritisch äußert.‘ ‚Ach ja? Und das weißt du von wem? Irgendeiner deiner komischen Freunde?“
***

Er war trotzdem zu ihnen gegangen, zu den Jedi und sie hatten ihn abgelehnt. Ians Zittern hatte sich ausgebreitet. Warum war diese Frage überhaupt relevant? Sein Kiefer fühlte sich an, als klebe er zusammen, so fest hatte Ian ihn aufeinander gepresst.

„Ich glaube nicht, dass diese Frage relevant ist“, kam es mühsam hervorgepresst. „Eine Ausbildung sei zu riskant, meine Gefühle seien nicht die richtigen, nicht angebracht. Ich könne kein Jedi werden. Also bin ich wieder gegangen“ Als ob sie eine Ahnung davon gehabt hätten, was angebracht war und was nicht, als ob sie - Er musste damit aufhören.
Ich hege keinen Groll mehr gegen sie und vielleicht hatten sie recht.“ Sie hatten nicht Bescheid gewusst, nicht über den Tod Tahiris, nicht über seine Situation. Sie hatten aus einem Gefühl heraus gehandelt. Heute durfte er ihnen das nicht mehr übel nehmen. Jetzt war er ohnehin bei ihnen. Nicht als einer von ihnen, aber immerhin als jemand, der ihnen helfen durfte. Ian versuchte tief durchzuatmen, bemerkte da erst, dass er die Luft angehalten hatte, versuchte, sich zu entspannen, was erst möglich war, als sie auf Eowyn zu sprechen kamen und die nächste Frage, die schlussendlich auch eher an sie gerichtet war -zumindest fiel Duvals Blick auf Eowyn- ließ Ian unbeantwortet. Ohnehin brauchte er Sekunden, um sich zu sammeln und dann schienen sie am Ende des Gesprächs angelangt, was Ian nur begrüßen konnte, denn er fühlte sich nicht nur um Jahre gealtert, sondern so, als hätte er stundenlang hart körperlich gearbeitet.
„Ich habe keine Fragen, aber… eine Bitte.“ Bis jetzt hatte er keine solche gestellt, weder auf Lianna, noch hier. „Ich erwarte keine Strafmilderung von der Republik und ich bin bereit, alles auf mich zu nehmen, was auch immer auf mich zukommt, aber“, dabei fixierte er Duval, „aber ich möchte so viel Zeit wie möglich haben, um gegen das Virus zu kämpfen. Meine Bitte ist, mir diese Zeit zu geben und wenn gute Fortschritte gemacht sind, die Strafe auszuführen..“ Was aber, wenn es diese Fortschritte nicht gab? Wirkte es nicht so, als bitte er darum, ungeschoren davon zu kommen? „Oder ein Zeitfenster. Ein Zeitfenster, indem ich helfen kann.“


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[ Coruscant – Oberen Ebenen – Wingston Tower – Penthouse | mit Giselle ]

Die Falten auf seiner Stirn wurden tiefer, je länger er Giselle betrachtete. Die Schweißperlen auf ihrer Haut waren unübersehbar, sie wirkte fiebrig, auch als sie mit ihm sprach. Ihr Atem ging schwerer als gewöhnlich und ihre Stimme drang nur leise an sein Ohr.

„Ja, es ist warm hier drin.“

bestätigte er sie, ohne es wirklich zu meinen. Das Penthouse war wohl temperiert, aber bei weitem nicht heiß. Erneut strich er ihr über die Stirn, wollte sie aber nicht merken lassen, dass er sich Sorgen machte, während sie sich darum bemühte diese zu zerstreuen. Jede Schwangerschaft war anders, hatte der Doktor ihr gesagt. Das stimmte natürlich. Und da er selbst bei Yuna nichts von der Schwangerschaft mitbekommen hatte, konnte er sich kein Urteil darüber erlauben, was normal war und was nicht.

„Ich freue mich.“

sagte er ebenso leise wie Giselle und schenkte ihr ein zaghaftes Lächeln. Gleichzeitig zog er möglichst unauffällig das Comlink aus seiner Tasche, wandte sich mit seinem Oberkörper etwas ab und suchte im Adressbuch nach dem Namen seines Arztes. Schließlich erhob er sich von der Bettkante, ging mit zwei großen Schritten zum Fenster und öffnete es, um eine kühle Brise hereinzulassen.

„Ein bisschen frische Luft wird dir gut tun.“

erklärte er mit weicher Stimme, ehe er sich wieder in Richtung des Flurs bewegte.

„Ich hole dir etwas zu trinken.“

Sobald er Giselle den Rücken zugewandt und sich die Tür hinter ihm mit einem leisen Zischen geschlossen hatte, wählte er die Nummer von Doktor Forlin. Das Chaos in Coruscant war mittlerweile überall in den Medien, insbesondere Ärzte waren da natürlich heiß begehrt – es war gut möglich, dass Forlin ihm absagen würde. Die Umstände waren nun einmal außergewöhnlich.
Doch drei Minuten später schwanden die ersten Sorgenfalten wieder aus Exodus‘ Gesicht. Nachdem er das Gespräch direkt mit dem Versprechen eines besonders hohen Honorars begonnen hatte, war Doktor Forlin sehr bereitwillig gewesen vorbei zu kommen, beteuerte aber, dass er das auch ohne eine Extrazahlung getan hätte. Exodus bestand allerdings darauf, ihn für seine Flexibilität zu belohnen – er wollte bei Giselles Gesundheit kein Risiko eingehen. Wenn es nun doch nichts Ernstes war, umso besser. Dann hatten sie aber immerhin Sicherheit.


„Hier, dein Glas Wasser.“

Mit einer geschmeidigen Bewegung ließ Exodus sich wenige Minuten später erneut auf Giselles Bettkante nieder und hielt ein kühles Glas Wasser zu ihr herunter. Das offene Fenster hatte nun wirklich jegliche Hitze aus dem Raum vertrieben, die Schweißperlen auf Giselles Stirn hingegen nicht. Sie strahlte immer noch große Wärme aus. Seinen Anruf beschloss Exodus vorerst zu verschweigen, damit sie nicht protestieren oder sich selbst größere Sorgen machen konnte als nötig. Er wollte in der Schwangerschaft ihr Fels in der Brandung sein, die Person auf die sie sich verlassen konnte. Manchmal hieß das auch, im Stillen einen Arzt zu organisieren und seine eigene Sorge zu verbergen. Wenn Forlin kam und kurz darauf erklärte, es sei alles in Ordnung, würde die Vahla es ihm sicherlich nicht übel nehmen. Er versuchte ihren Blick aufzufangen und ein unbeschwertes Thema anzusprechen, als ihm ein schöner Gedanke kam:

„Was meinst du wird es? Ein Junge oder ein Mädchen?“

Es gab Eltern, die sich nach dem ersten Kind für das zweite das andere Geschlecht wünschen. Eltern von Jungen, die gerne noch ein Mädchen hätten oder Eltern von Mädchen, die gerne einen Jungen großziehen wollten. Für Exodus stellte sich diese Frage nicht, mit Adrian und Alisah hatte er immerhin schon Sohn und Tochter. Aber auch davon abgesehen spielte es keine Rolle. Wichtig war einzig, ein Kind mit Giselle aufzuziehen. Ein Kind, das niemals mit den Machtorden in Berührung käme, sondern das eine glückliche Kindheit verbringen konnte. Ein Kind, das nicht nur Mutter, sondern auch Vater haben würde.

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Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

Eowyn konnte nachvollziehen, dass Duval die Personen überprüfen wollte. Er musste sichergehen, dass Ian die Wahrheit sagte, auch wenn eine Kontrolle nur bedingt einen Beweis darstellte. Außerdem aber waren einfach alle Verbindungen wichtig, die Ian hatte - das lag auf der Hand.
Ian aber hatte wohl das Gefühl, die drei - oder vier - verteidigen zu müssen, und das, deutlich, nicht nur vor Duval, sondern auch vor ihr. Dies war einer der Punkte, bei dem sie sich nie wirklich einig gewesen waren, Eowyns... Ansichten waren vielleicht tatsächlich ein wenig verfahren, dennoch kam sie davon nicht los. Ian betonte, wie immer, vehemment, dass die Sith nicht alle böse waren, dass es auch unter ihnen "normale" Wesen gab, doch so weit konnte Eowyn einfach nicht gehen. Es mochte sein, dass sie nicht alle abgrundtief böse Monster waren, ja. Aber einen Sith als "nicht schlecht" zu bezeichnen... das ging ihr momentan noch zu weit. Vielleicht hatte Ian ja Recht. Doch bei allem, was sie in ihrem Leben über die Sith gelernt hatte,
das konnte sie nicht guten Gewissens bestätigen. Ian war eine Ausnahme, und überhaupt, er war schon kein Sith mehr gewesen, als sie sich begegnet waren, zumindest nicht von der Zugehörigkeit her. Ihrer Ansicht nach hatten die Sith eine verquere Ansicht davon, was gut und richtig war, alleine schon ihr Kodex sagte genug darüber aus.
Neutral blickte sie zu Ian zurück, sie würde momentan ohnehin nichts sagen, es spielte keine Rolle, und Ian wusste, wie sie grundsätzlich dachte. Vielleicht würde ihre Ansicht sich eines Tages ändern, vielleicht... aber, wenn Eowyn ehrlich war, sie glaubte nicht daran. Was alleine vielleicht schon verhinderte, dass ihre Sicht sich ändern konnte...
Iouna war ein weiterer Name, den Eowyn sich versuchte zu merken, ganz besonders, weil Ian sie offensichtlich nicht mochte.
Sicher waren nicht alle im Imperium schlecht, und vor allem, nicht alle außerhalb gut, das war auch Eowyn klar. Ganz besonders die Republik hatte wirklich genug Fehler vorzuweisen, sie war langsam und träge, und Korruption stand auch hier sicher an oberster Stelle. Dennoch... das Imperium war anders. Auch, wenn sie nicht mit einer solch abscheulichen Gräueltat durch Allegious gerechnet hatte - es war schon genug geschehen, dass zumindest annähernd in diese Kategorie kam. Der Todesstern...
Ian hatte Recht damit, dass eine Zugehörigkeit nicht über Gutes oder Schlechtes entschied. Denon... hier hatte sicher auch die Republik Fehler gemacht. Doch war es schon ein immenser Zufall, dass sie, außer Ian, noch niemals einem "guten" Sith über den Weg gelaufen war, und auch auf Denon hatte man es gesehen - wer hatte geholfen? Wer hatte der Bevölkerung Hilfe geschickt? Nein, Eowyn gehörte sicher nicht zu einer strahlend weißen Organisation, sie hielt sich nicht für etwas Besseres, so wie Ian es ihr auf Nar Shaddaa vorgeworfen hatte, aber - es gab einen Unterschied. Den gab es. Dessen musste sie sich sicher sein, sie musste einfach, denn ansonsten...

Dass Allegious das Virus in den Katakomben entwickelt hatte bekam sie nur am Rande mit, während Eowyn noch über das vorher gesagte nachdachte, sie horchte erst wieder auf, als Duval nach Ians erster Begegnung mit dem Jedi-Orden fragte. Wieder etwas, nach dem sie niemals genauer gefragt hatte, sie hatte keine alten Wunden aufreißen wollen für etwas, das momentan ohnehin keine Rolle spielte. Die Jedi hatten ihn abgelehnt - das reichte aus.
Und offensichtlich hatte sie richtig damit gehandelt. Diese Frage, so hatte Eowyn zumindest das Gefühl, setzte Ian beinahe mehr unter Druck als alles andere. Lag es daran, dass diese Situation ein Scheidepunkt gewesen war? Dass, hätten die Jedi anders entschieden, sie heute überhaupt nicht hier sitzen würden, dass alles irgendwie auch die Schuld der Jedi war? Eowyn wusste es nicht, doch sie hatte einige Momente Zeit, darüber nachzudenken, bis Ian sich gesammelt hatte. Sie war versucht, Ian beruhigend die Hand auf die Schulter zu legen, doch erstens hätte es womöglich einen schlechten Eindruck gemacht, außerdem aber, das war viel wichtiger, war Eowyn sich nicht sicher, wie Ian reagieren würde. Sie war sich nicht einmal sicher, ob er sich dessen bewusst war, was um ihn herum geschah; wenn er sich vollkommen auf sich selbst konzentrierte, dann erschreckte er sich womöglich, wenn sie ihn berührte. Nein, das sollte sie unterlassen, auch, wenn sie langsam begann, sich ein wenig Sorgen zu machen.

Doch schließlich sprach Ian, schwer, angestrengt, aber er sprach. Diese Ablehnung... er sagte noch immer nicht viel darüber, als wolle er es verdrängen, vergessen. Genau so etwas hatte sie ohnehin schon vermutet, mehr als das kam nicht dabei heraus. Es war immer schwer, den schmalen Grat zu finden dazwischen, jemanden auszubilden, der gefährliche Emotionen in sich trug und jemanden deshalb abzulehnen... denn es konnte genau das geschehen, was mit Ian geschehen war. Abgesehen davon, dass es eigentlich nicht der Weg der Jedi war, jemanden einfach fallen zu lassen. Es war schwer. Dieses Thema war
äußerst schwer, und Eowyn war sich fast sicher, dass es in diesem Punkt selbst heute noch keine wirklich einheitliche Linie gab. Und Ian... war untendurch gerutscht.

Wieder trat, nachdem sie das erste Mal seit längerer Zeit gesprochen hatte, eine kleine Pause ein, offensichtlich musste Duval sich überlegen, wie er fortfuhr. Seinen Dank wischte sie im Kopf schnell beiseite, relevanter war, was danach folgte. Er war direkt, das musste man ihm lassen, und Eowyn hatte, zugegebenermaßen, nicht damit gerechnet. Zumindest nicht damit, dass er sie so direkt fragen würde, eher, dass er um den heißen Brei herumtanzen, die Wahrheit herauslocken würde, denn
sie war nicht Bestandteil dieses Gespräches.
Ruhig nahm Eowyn erneut die Tasse in ihre Hand und nahm vorsichtig einen heißen Schluck. Ja, es war offensichtlich, dass sie Zeit zum Nachdenken brauchte, aber man konnte sich nicht hundertprozentig sicher sein, es ihr nicht anlasten. Würde sie verneinen, dass da irgendetwas war, niemand konnte ihr hinterher einen Vorwurf machen, denn sie war eigentlich nur zum Schutz und zur Beobachtung hier.
Doch was würde es nutzen? Was würde Ian mehr nutzen? Was würde ihm mehr schaden? Es sollte keine Rolle spielen, welche Gefühle er hegte, doch Eowyn war schon länger klar geworden, dass nicht alle diese Beziehung so einfach sahen, wie sie es tat, im Gegenteil. Es war keine Privatsache, so wie es sein sollte, es ging irgendwie gefühlt alle etwas an, was die beiden in ihrer Freizeit machten. Und was würde Duval, das war nun die Frage, davon halten? Was würde er von den Jedi allgemein halten, wenn er es herausfand?
Letzten Endes, wenn er recherchieren würde, die Gerüchte zusammen tragen würde, würde er es ohnehin herausfinden, das war klar, es würde ihn nur mehr Zeit kosten, und er würde wissen, dass sie ihm diese Information vorenthalten hatte. Und was würde
das dann bringen - außer, dass er ihr noch mehr misstrauen würde, als er es vermutlich ohnehin schon tat? Ohnehin reichte die Tatsache, dass sie Zeit geschunden hatte, und seien es nur diese zwei, drei Sekunden, um seinen Verdacht zu erhärten. Es würde Ian nicht helfen, wenn sie verneinte, auch wenn sie es hasste, wirklich hasste, dass dieses Thema andauernd eine Rolle spielte. Nichts schien normal zu sein bei ihnen...

Eowyn setzte die heiße Tasse auf ihrem Oberschenkel ab, hielt sie mit einer Hand am Griff fest und sah Duval in die Augen. Er wolle ihr keinen Strick daraus drehen... Und wenn er wollte, sie würde es nicht interessieren. Aber wie sah es mit Ian aus? Sie musste wohl darauf vertrauen. Ohnehin waren sie zu offen gewesen, auch wenn sie es niemals auf dem Tablett präsentiert hatten, als dass Duval niemanden finden würde, der es bestätigte. Außerdem... hatte der Agent nicht einmal genau gefragt. Er hatte nur nach einer Verbundenheit gefragt, wie tief diese ging, das hatte er nicht wissen wollen.
Sie nickte langsam, bestätigend, während sie dem blonden Mann in seine blauen Augen starrte, versuchte, irgendwie herauszufinden, was er davon halten würde, wie er reagieren würde, was seine Konsequenzen wären.
Das ist korrekt, antwortete sie gelassen, aber ich möchte hinzufügen, dass ich keinerlei Bewachungsfunktion mehr in Bezug auf Mr. Dice ausübe. Dieses Amt habe ich niedergelegt, hier in diesem Raum befinde ich mich zu ihrer beider Schutz und auf Grund der Tatsache, dass dieses Gespräch im Jedi-Orden stattfindet und Mr. Dice sich in unserer Obhut befindet. Auch spielt all das kaum eine Rolle bei seiner Glaubwürdigkeit oder dabei, welche Informationen er mitbringt. Wer wusste schon, ob Duval auf solch absurde Ideen kam, dass Ian Eowyn nur benutzt haben konnte, sie eingewickelt hatte? Sie wollte es erst nicht so weit kommen lassen. Nicht, wenn sie es verhindern konnte...

Der Agent brachte das Gespräch dann vorerst in Richtung eines ersten Endes, und während irgendetwas in Eowyns Hinterkopf klingelte, ging ihr Blick erst einmal automatisch zu Ian, als er antwortete. Eine Bitte? Der Bitte schob er erst einmal seine Erwartung voraus, und Eowyn wurde es, wie immer, wenn sie an ein solches Ende dachte, kalt und eng um die Brust. Bereit, alles auf sich zu nehmen... Er war es vielleicht, das glaubte sie ihm sogar, aber sie war es nicht, sie nicht! Sie musste wirklich an sich halten, ihn nicht zu unterbrechen, und presste ihre Lippen aufeinander. Ein Zeitfenster. Vermutlich würde es wirklich so aussehen. Ein Zeitfenster, in dem sie beide bis zur Erschöpfung ein Heilmittel suchen würden, und dann... Sie durfte nicht daran denken, nicht jetzt. Wirklich nicht jetzt. Wie gut, dass sie ihre leichte Abschirmung hatte!

Und wie passend, dass ihr hingegen einfiel, was da vorhin seltsam geklungen hatte.

Einen Moment... Stirnrunzelnd wandte sie sich an Duval. Dem Kanzler und dem Senat vorlegen? Sie wollten seinen Fall wirklich vor den Senat bringen? Nichts ist mehr geheim, wenn der Senat eingeweiht ist, schon der innerste Bereich des Kanzlers ist ein hohes Risiko, das müssen Sie doch wissen.
Möglichst niemand außerhalb dieses Tempels, so wenige wie möglich, dürfen wissen, dass sich Mr. Dice hier aufhält, das würde ihn und somit auch uns in größte körperliche Gefahr bringen. Und wenn Allegious irgendwie davon erfährt... dann weiß er auch, dass wir Kenntnis über das Virus haben. Das alles ist ein Wettrennen. Er darf nicht erfahren, um keinen Preis, dass wir dieses Wissen haben. Dann ist unser einziger, kleiner Vorteil dahin.
Eindringlich sah sie den Agenten an, hoffte, dass sie ihn einfach nur falsch verstanden, oder aber er sich unglücklich ausgedrückt hatte.

Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür
 
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Arkadi unterdrückte seinen Ärger, als Ian behauptete, dass der Herrscher des Imperators wohl ähnliche Worte gewählt hatte. Der Sith mochte damit nicht vollkommen falsch liegen, dennoch störte es den Agenten. Er war kein Imperialer, ganz im Gegenteil. Wenn es etwas gab, das er hasste, dann war es das Imperium, und er würde alles tun, um es endgültig fallen zu lassen. Die Vorstellung, dass er dabei auf ähnliche Vorgehensweise wie der Feind zurückgreifen musste, schreckte ihn nicht. Wenn die Neue Republik überleben wollte, dann brauchte sie Männer wie ihn, die keine Angst hatten, sich für eine gute Sache die Hände schmutzig zu machen. Was immer notwendig war, rief sich der blonde Mann in Erinnerung. Man durfte nicht in Zweifeln und Selbstvorwürfen versinken, sondern es bis zum bitteren Ende durchziehen. Auch wenn Arkadi verstehen konnte, warum sein Gegenüber so dachte, teilte er dessen Ansicht dennoch nicht. Der ehemalige Soldat hatte sich einer Sache verschrieben, dem Wohlergehen der Neuen Republik, und daran glaubte er. Daran klammerte er sich fest. Die Gewissheit, einer guten Sache zu dienen, gab ihm Halt und Stärke. Niemals würde er zulassen, dass er so von Selbstzweifeln übermannt wurde. Es stimmte, manche Fehler forderten ein ganzes Leben lang einen hohen Preis, doch war das kein Grund, um nicht zu handeln und zu versuchen, es wiedergutzumachen. Vermutlich beabsichtigte der Überläufer das ja auch.

„Wenn Sie das sagen.“


Kommentierte er kühl, seine blauen Augen unbewegt und wie seine Stimme frei von Emotionen. So ganz schien sich Ian nicht von seinen alten Weggefährten lösen zu können oder zu wollen, ein Phänomen, das man häufig bei Überläufern beobachten konnte. Niemand sah sich gerne selbst als Verräter oder redete schlecht über die, mit einen man einst verbunden gewesen war, und die Last des Verrats wog schwer und oft versuchte man, zumindest zu verteidigen und zu relativieren, nicht zuletzt auch, um sich selbst besser zu fühlen. Wer gab schon gerne zu, dass er mit Monstern zusammengearbeitet hatte? Der bärtige Gefangene seufzte, sah zu Boden und bestand dann darauf, dass die Sith nicht böse waren, jedenfalls nicht alle von ihnen, sein ehemaliger Meister sei nie grausam gewesen und auch Ians eigene Schüler keine schlechten Lebewesen. Es fiel ein weiterer Name, Iouna, die offenbar kein gutes Verhältnis zu dem dunkelhaarigen Menschen gehabt hatte. Der ehemalige Sith sprach weiter und Arkadi gab sich Mühe, ihm nicht empört ins Wort zu fallen, als er verkündete, dass nicht alles am Imperium schlecht gewesen war und auch die Sith nicht durch die Bank vollkommen böse und für alles negative in der Galaxis verantwortlich waren. Die Augen des Agenten wurden eine Spur schmaler und seine Lippen kräuselten sich missbilligend und ablehnend.


„Ich bin mir sicher, meine toten und verstümmelten Kameraden und die zahllosen anderen Opfer der imperialen Diktatur sehen das anders.“


Gab er mit einer gewissen Schärfe in der Stimme zurück, beruhigte sich aber rasch wieder. Der blonde Agent konnte Apologeten des Imperiums nicht leiden und das nicht nur aufgrund persönlicher Erfahrungen. Oft genug hatte er mit Leuten zu tun gehabt, die sich für einzelne Aspekte des Imperiums begeistert hatten und davon schwärmten oder versuchten, die Neue Republik in den Schmutz zu ziehen. In seinen Augen waren diese Leute entweder naiv oder schlicht Verräter. Aber Ian kannte die Grausamkeit des Imperiums und der Sith doch hautnah. Wie konnte er da behaupten, seine Bürger wären nicht schuldig? Wer ein auf totaler Unterdrückung basierendes System wie das Imperium stützte oder sich gar dem zerstörerischen Egoismus der Sith verschrieb, der konnte kein gutes Lebewesen sein. Ian war der Ansicht, dass Gedanken und Taten jemanden schlecht oder gut machten, nicht seine Zugehörigkeit, und seine Worte, dass auf beiden Seiten Böses geschah, klang in den Ohren des Agenten nach Relativismus der übelsten Sorte. Wollte er ihm als nächstes erzählen, dass Imperium und Neue Republik doch gar nicht so verschieden waren und eigentlich nicht miteinander kämpfen sollten?


„Vor Ihnen hatte ich schon mit anderen ehemaligen Imperialen zu tun. Natürlich glaubten sie vor dem Überlaufen ebenfalls, dass sie auf der richtigen Seite stünden. Aber das taten sie nicht. Es gibt richtig und falsch, und das Imperium ist falsch. Ich will nicht über jeden einzelnen imperialen Bürger urteilen, wir wissen beide, wie intensiv die Propaganda dort ist. Es ist schwer, sich davon zu lösen und zu akzeptieren, dass das Imperium eben nicht gut ist. Aber dass es möglich ist, das haben nicht zuletzt Sie bewiesen. Machen Sie nicht den Fehler, in alte Muster zu verfallen. Das Imperium hat immer versucht, die ganze Galaxis unter eine brutale Diktatur zu zwingen. Ein solcher Staat bringt keine guten Lebewesen hervor. Jedenfalls nicht, solange sie ihm loyal dienen.“


Machte der Agent klar. Natürlich war auch die Neue Republik nicht frei von Fehlern, doch waren das einzelne faule Blätter. Das Imperium hingegen war ein ganzer kranker Baum, verdorben und korrupt und von Grund auf schlecht. Was auch immer die Neue Republik tat, wie hässlich die Mittel auch sein mochten, es geschah für eine gute Sache. Das Imperium hingegen setzte jedes Mittel für eine grundfalsche Sache ein, wollte eine Diktatur über die ganze Galaxis errichten. Wer das passiv oder aktiv unterstützte, machte sich mitschuldig. Es gab Widerstand im Imperium, Zweifler und Dissidenten, und sie genossen Arkadis Hochachtung. Doch vorerst genug der Philosophie, es ging um konkrete Informationen. Ian vermutete, dass der Virus in den Kammern von Korriban, einem unterirdischen Bereich des Sith-Tempels auf Bastion, erschaffen worden war, und zwar nicht vom Imperator allein. Arkadi kannte zumindest die Grundlagen über biologische Waffen und die Entwicklung solcher Kampfstoffe erforderte in der Regel in modernes Labor und fähiges Personal mit Fachkenntnissen. Mitwisser, eine mögliche Schwachstelle. Doch war garantiert alles unter strengster Geheimhaltung abgelaufen, isoliert von der Außenwelt. Leider wusste Ian nicht mehr darüber, doch es war zumindest ein Anfang. Der ehemalige Sith erklärte, dass der Imperator aufgrund seiner Natur als Cyborg auf Ärzte angewiesen war und vielleicht auch Hilfe durch den Zirkel der Alchemisten, eine Gruppe spezialisierter Sith, erhalten hatte. Intern, dachte sich der Agent, mit eigenen Leuten. So wie es jeder mit etwas Ahnung machen würde, um die Geheimhaltung zu wahren. Ian war der Ansicht, dass Imperator niemanden aus der politischen Führung eingeweiht hatte. Das würde zu dem Profil des Noghri passen. Paranoid, herrschsüchtig, skrupellos, ein klassischer Autokrat.

Nachdenklich strich sich Arkadi übers Kinn und nickte dann knapp. Seine Frage über die Umstände der Ablehnung durch die Jedi sorgte für sichtliches Unbehagen bei dem ehemaligen Sith und er presste hervor, dass diese Frage nicht relevant sei, dann berichtete er aber doch davon. Unangebrachte Gefühle, nicht geeignet...ohne Zweifel ein Tiefschlag für Ian. Er beeilte sich hinzufügen, dass er nun keinen Groll mehr gegen sie hegte und sie vielleicht recht gehabt hatten. Das klang sehr nach Floskel, doch der Agent verzichtete darauf, weiter nachzuforschen. Es wäre unklug, den Überläufer zu sehr in die Ecke zu drängen. Also konzentrierte sich der ehemalige Soldat auf Eowyn, die Großmeisterin sah ihn unerschrocken und ruhig an und sie nickte leicht. Gelassen bestätigte sie seine Vermutung und verwies im selben Atemzug darauf, dass sie keine Bewachungsfunktion mehr ausübte und es deshalb keinen Interessenkonflikt gab. Arkadi war sich ziemlich sicher, dass die beiden ein Liebespaar waren. Wann das wohl angefangen hatte? Natürlich war so etwas nicht ohne Probleme. Was, wenn Ian eine „Honigfalle“ war? Die Frau mit dem blonden lockigen Haar wirkte für den Agenten wie jemand, der auf einen solchen Trick reinfallen würde. Die Jedi waren allgemein viel zu unvorsichtig und naiv, doch schien es hier nicht um eine Falle zu gehen. Ganz ausschließen wollte er nicht, dass der ehemalige Sith sie umgarnt hatte in der Hoffnung, dadurch bessere Chancen auf Gnade zu erhalten. Aber das war ihr Problem, nicht seines. Also nickte Arkadi lediglich höflich und beließ es dabei.

Nun war es Ian, der sprach, er äußerte statt einer Frage eine Bitte und ersuchte darum, ihm ein Zeitfenster zu gewähren, in dem er gegen den Virus kämpfen und die Bemühungen anderer unterstützen konnte. Keine Bitte um Gnade oder Strafmilderung, kein Versuch, einen Deal auszuhandeln. Das war ungewöhnlich, doch konnte es auch ein Trick sein. Fortschritte waren ein dehnbarer Begriff.


„Ich werde Ihr Ersuchen an meine Vorgesetzten weiterleiten, mit der Anmerkung, dass ich empfehle, Ihnen diesen Wunsch zu gewähren.“


Versprach der Agent also lediglich, und er hatte vor, auch zu seinem Wort zu stehen. Doch lag diese Entscheidung nicht bei ihm. Auch Eowyn mischte sich nun ein und sie verwies aufgeregt darauf, dass sie unbedingt Geheimhaltung wahren mussten und möglichst niemand informiert werden sollte.


„Großmeisterin, wollen Sie etwa vorschlagen, dass der Geheimdienst seine verfassungsgemäßen Vorschriften bricht?“


Diese kleine Spitze ließ sich Arkadi nicht nehmen, hatte er sich doch bewusst missverständlich ausgedrückt, um zu testen, wie weit die Jedi bereit waren zu gehen. Nun hatte er seine Antwort, also bestand keine Notwendigkeit für weitere Provokationen, und so hob er beschwichtigend die Hand.


„Gut. Ich wollte sichergehen, dass Ihnen die Wichtigkeit der Geheimhaltung ebenso bewusst ist wie uns. Der NRGD ist verpflichtet, dem dem Kanzler unterstellten Sonderbeauftragten für Geheimdienste Bericht zu erstatten, und auch dem Ausschuss für Geheimdienstangelegenheiten, nicht aber dem ganzen Senat. Solange unsere Untersuchungen laufen, können wir auf die Geheimhaltungspflicht und Notlage verweisen und beide umgehen. Es werden nur ausgewählte Mitglieder des Geheimdienstes informiert und auch das nur soweit wie notwendig. Und sobald wir genügend Informationen haben, vor allem stichhaltige Beweise, wird der Sonderbeauftragte und der Kanzler informiert werden müssen. Doch bis dahin...ist das alles hier nie passiert und hat es Ian Dice nie gegeben. Niemand außerhalb des NRGD und des Ordens wird etwas erfahren.“


Es war überaus heikel. In einem demokratischen Rechtsstaat konnte der Geheimdienst nicht einfach schalten und walten, wie es ihm beliebte, doch je mehr parlamentarische Kontrolle und rechtliche Hürden es gab, desto schwieriger, wenn nicht gar unmöglich wurde erfolgreiche Arbeit. Der Senat war ein riesiges Sicherheitsrisiko, nicht nur die Senatoren selbst, sondern auch ihre Familien, Mitarbeiter und Bekannte, sie alle konnten Informationen weitergeben oder die Arbeit des NRGD ob im Auftrag des Feindes oder aufgrund moralischer Bedenken behindern.


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OCC: Die Erinnerung muss nicht gelesen werden^^ Die hat aber dann den Rest des Post qualitativ zum Leiden gebracht. Entschuldigung^^


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Die Kälte in Duvals Stimme und in seinem Blick, die so gar nicht zum Rest seiner Körpersprache passte, reizte Ian und die Worte, die er wählte, taten es nur mehr. Wenn er das sagte? Auf subtilere Art hätte Duval kaum deutlich machen können, was er von Ians Worten hielt und erneut war der ehemalige Sith versucht, nach zusetzen. Doch er besann sich eines Besseren. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sich das Gesicht des anderen missbilligend verzog und Duval zynisch wurde.

„Es muss sehr einfach sein, zu kategorisieren. Wenn das Imeprium böse ist, ist die Republik zwangslöäufig gut. Natürlich. Und Opfer gab es nur unter der Diktatur des Imperiums. Selbstverständlich.“ Auch in Ians Stimme schwang Missbilligung mit. Duval machte es sich viel zu einfach und das Schlimme an der Sache war, dass Ian beinahe sicher war, dass auch Eowyn so denken würde. So dachte. Ian war nicht dumm, er hatte gesehen, zu was beide Seiten in der Lage waren. Auch wenn die Sache mit dem Virus dem Fass den Boden ausschlug: Auch die Republik wusch ihre Hände nicht in Unschuld. Es ging nicht darum, Fehler aufzuwiegen, doch Ian hatte zu lange an Kategorien festgehalten. Zu lange, um Duvals Worte unkommentiert zu lassen.
„Macht Ihr nicht den Fehler zu glauben, die Republik besäße eine reine Weste. Denn auch ich könnte Euch Lebewesen nennen, die unter der Republik gelitten haben, oder gestorben sind.“
Die Republik hatte auch Leid verursacht und nicht zuletzt, sah auch die Republik nicht immer hin, wenn es darauf ankam. Die Jedi-Lethes waren nur ein Beispiel und Ian war genug herum gekommen, hatte mit den unterschiedlichsten Wesen zu tun gehabt. Er würde sich nicht vorwerfen lassen, in irgendwelche Muster zu verfallen. Duval brauchte sein Feindbild, doch Ian würde dieses nicht bestätigen. Tahiri war nicht von imperialen getötet worden und es hatte niemanden geschert, wo der verbliebene Täter geblieben war. Niemanden. „Und wer darauf beharrt, zu kategorisieren, läuft Gefahr, genau zu dem zu werden, zu was er nicht werden will. Wenn etwas Böse ist, das es zerstört werden. Und wenn es zerstört werden darf, dann werden viele Mittel legitim. Dann aber verwischen die so klaren Unterschiede.“ War es nicht genau das gewesen, was Ian zum äußersten getrieben hatte? Sein falsches Gerechtigkeitsempfinden? Oh, er war sicher gewesen, als er zurück nach Telso gekehrt war, war er sicher gewesen, seine Familie bestrafen zu dürfen. Dabei hatte er vor dem schlimmsten nicht zurückgeschreckt. Deswegen, auch deswegen konnte Ian die Worte des Agenten nicht einfach hinnehmen. Am Ende wurde dieser Agent im Kampf gegen das, was er hasste, selbst zu dem, was er hasste. Ob ihm das bewusst war? Doch auch hier: Es war nicht Ians Aufgabe, den Mann zum Nachdenken zu bringen. Ohnehin, der Agent würde glauben wollen, was auch immer er glaubte, seien Gedanken waren festgefahren, das hatten, so war Ian sicher, seien Worte längst schon deutlich gemacht. Was aber Duvals letzten Satz betraf… Ian beugte sich vor, fühlte sich empfindlich getroffen, fühlte sich empfindlich angegriffen. „Einer der besten Menschen, die ich je gekannt habe, war eine Imperiale!“ Wie treu Tahiri dem Imperium gedient hatte, nun, das war vermutlich eine andere Sache.

***

„Fängst du schon wieder damit an? Hatten wir das nicht erst?“ Ian klang äußerst ungehalten, als er seinen Teller zur Seite schob, denn der Appetit war ihm nun eindeutig vergangen. ‚Wenn ich nicht mit dir über das reden soll, was mich beschäftigt, mit wem dann?‘ Tahiris Ruhe sorgte nicht dafür, dass Ians Laune sich besserte. „Ich dachte, du gibst einfach nur Tanzunterricht und tauschst das gegen Essen. Aber mir war nicht klar, dass diese Leute dich offensichtlich mit republikanischer Propaganda füttern.“ Du nennst kritische Gedanken Propaganda?‘ Nun schob Ian nicht nur seinen Teller weiter nach hinten, sondern auch seinen Stuhl. „Dieses dumme Gerede werde ich mir nicht weiter anhören, ich habe wirklich keine Lust dazu, eine neue Diskussion mit dir über diesen Dreck zu führen. Wir haben das seit Tagen, nein, seit Wochen und ich bin es leid. Wenn sie das Imperium nur schlecht und die Republik nur gut reden, sind das keine kritischen Gedanken, es ist Propaganda und wenn du zwei Sekunden deinen Kopf benutzen würdest, würde auch dir das auffallen.“ Mit diesen Worten stand Ian auf und er hatte große Mühe, seine Stimme beherrscht klingen zu lassen. Konnte sie ihn heute einfach mit dieser … Gehirnwäsche in Ruhe lassen?
‚Ian, wenn du zwei Sekunden versuchst, nicht nur wütend zu sein, sondern mir zuzuhören, dann- ‘. Der Teller landete scheppernd in der Spüle und zersprang, als Ian sich wütend zu Tahiri herumdrehte, ihr ins Wort fiel. „Oh nein, ich werde keine zwei Sekunden irgendetwas versuchen, denn ich höre dir seit Tagen zu und seit Tagen sagst du nichts anderes mehr, als das immer Gleiche.Ein Vorwurf, den sie ihm wahrscheinlich gleichermaßen hätte machen können und ein Vorwurf, der nicht mehr in normaler Lautstärke kam. Sie sollte aufhören, ihn zu reizen. Ihre Worte und ihre Ruhe reizten ihn. Als Ian dazu überging, den ganzen Tisch abzuräumen, ging er auch mit dem restlichen Geschirr, alles andere als sanft um und er spürte dabei deutlich Tahiris Blick in seinem Rücken. ‚So machst du es kaputt,‘ stellte sie fest, wollte ihn davon abhalten, den Rest ebenfalls in die Spüle zu werfen, doch Ian ließ sich nicht aufhalten, drehte sich von ihr weg und schon landete ihr Teller zu seinem in die Spüle. „Na und? Passt das nicht hervorragend zu dem, was sie dir einreden wollen? Das böse Imperium? Der böse, imperiale Ian?“ Zur latenten Aggression in seiner Stimme gesellte sich etwas Provokantes und Ian bemerkte, noch während er sprach, dass er das nicht einfach so tat – sondern absichtlich, um sie herauszufordern. ‚Sie reden mir nichts ein und ich lasse mir nichts einreden, weder von ihnen, noch von dir.‘ „Das sehe ich ganz anders, wirklich GANZ ANDERS.“ ‚Vielleicht reden wir darüber, wenn du dich wieder beruhigt hast,‘ erwiderte Tahiri und Ian entging dabei nicht, dass sie ein wenig von ihrer Ruhe eingebüßt hatte. Sicher, sie klang noch immer ruhig, doch Ian spürte etwas, für Sekunden sogar recht deutlich. „Warum? Reden funktioniert doch auch so wunderbar.“ Ihre Augenbraue wanderte in die Höhe, ein winziger Triumph. Geriet sie also doch ins Wanken, verlor ihre Geduld? Wenn sie sich einmal richtig anbrüllten war das leidige Thema vielleicht endlich vom Tisch. Ja, er hatte versprochen, nicht mehr zu schreien, aber wenn sie ihre verschrobenen Gedanken auf diese Art loswurde, waren sie vielleichte endlich passe. ‚Ich werde uns beiden nicht den Gefallen tun und laut werden. Da normal reden mit dir gerade aber überhaupt nicht funktioniert, werde ich spazieren gehen. Vielleicht können wir dann versuchen, uns überhaupt zu unterhalten.‘ Und mit diesen Worten drehte sie sich tatsächlich herum und ging und Ian blaffte ihr hinterher: „Von mir aus, kannst du dir damit bis morgen Zeit lassen!“
***

Loyalität hin oder her, Duval konnte nicht eine solche Behauptung in den Raum werfen – keine Generalschuld aussprechen. Doch genau das tat er. Doch Ian mahnte sich zur Ruhe. Weder war der richtige Zeitpunkt, noch der richtige Ort, über solche Dinge zu diskutieren. Und Duval war sicher nicht der geeignetste Gesprächspartner dafür – auch zu keiner anderen Zeit.
Es war gut, dass Duvals ich an Eowyn wandte. So kam Ian gar nicht dazu, sich zu viele Gedanken zu machen. Stattdessen hörte er Eowyns Worten zu, nahm vorher noch die Worte des Agenten auf, dass er Ians Bitte weiter geben würde. Ian selbst nickte nur und hoffte auf das Beste, hörte dann Eowyns Einwand und Duvals Antwort darauf zu.
Stichhaltige Beweise. Schon wieder diese zwei Worte, die Ian kurz zu einem Schütteln des Kopfes brachte.
„Ich und auch Eowyn haben die Dunkelheit im Virus deutlich gespürt, als wir versuchten, jemanden zu heilen. Ich bin sicher, dass wir nicht die einzigen waren, denen das aufgefallen ist.“ Ian wusste nicht, ob Duval die Macht und alles, was damit verbunden war, für Unfug hielt. „Agent Duval, ich versichere Euch, dass ich mir diese Dinge nicht aus den Fingern gesogen habe.“ Wobei das Wort eines ehemals Imperialen, der Teile des Imperiums noch immer verteidigte, sicher nicht zählte…
„Meine falsche Unterschrift bei den Vorverhandlungen ist hoffentlich ein kleiner Beweis. Warum, wenn der Frieden ernst gemeint wäre, hätte ich unter falschen Namen, als Botschafter getarnt, an einer solchen Vorverhandlung teilnehmen sollten?“ Außerdem… „Coruscant war ein perfektes Geschenk von Allegious, um die Republik empfindlich zu treffen.“ Das Chaos, das das Virus bis jetzt angerichtet hatte, war nur ein Beweis mehr. Hoffentlich erkannte das auch der NRGD. Die Wahrscheinlichkeit so schnell wie möglich ein Heilmittel zu finden, konnte nur steigen, wenn jeder ernst nahm, dass es sich um ein Virus handelte, dass nicht einfach nur ein Virus war, sondern eine Symbiose aus Dunkler Macht.




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Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Brianna und Talery


Eisblume schien alles andere als begeistert zu sein, dass sich Talery lieber mehr Zeit lassen wollte mit dem Lichtschwertbau. Warum hatte es die Echani denn auf einmal so eilig? Ja, die Caamasi brauchte noch etwas, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass sie dann letztlich auf eigenen Beinen stehen würde und für ihre Handlungen selbst verantwortlich war. Als Padawan hatte sie ja eine Meisterin, hinter der sie sich verstecken konnte, auch wenn sie dies zugegeben eigentlich schon eine Zeit lang nicht mehr getan und auch nicht mehr gebraucht hatte. Dennoch bedurfte allein der Gedanke etwas an Gewöhnung. Nur wie konnte sie dies Brianna schonend beibringen, ohne dass die Echanijedi enttäuscht von ihr wäre? Es war gar nicht so sehr das Lichtschwert, daran hatte sie sich schon gewöhnt und auch ihre Eltern hatten keinerlei Probleme mit der defensiven Jediwaffe in der Hand ihrer Tochter, wo sie ihr ja sogar einen wunderschönen Fokuskristall dafür geschenkt hatten. Eisblumes Tirade machte es nicht leichter. Die Echani konnte in der Tat nicht nachvollziehen wie sich die Händlerstochter im Moment fühlte. Die Echani kannte dies ja nicht anders, seit diese als Jugendliche auf Nar Shaddaa nach dem Tod ihrer Eltern allein dort gestrandet war. Aber Talerys Leben war in ganz anderen Bahnen verlaufen, so wie Briannas Leben eigentlich auch hätte sein sollen. Immerhin kannten sie sich mittlerweile so gut, dass beide wussten, dass sie lediglich anderer Meinung waren und keine persönlichen Probleme miteinander hatten. Leicht war es deshalb aber trotzdem nicht. Daher atmete sie vorher nochmal tief durch ehe sie antwortete.


"Doch, ich werde mit ein Lichtschwert bauen, Meisterin. Nur würde ich mich etwas besser fühlen, wenn ich mir mehr Zeit dafür lassen könnte, besonders unter den derzeitigen Umständen."


...Und noch etwas Zeit hätte, mich an den Gedenken zu gewöhnen, dass ich dann eine Jedi-Ritterin bin, fügte sie in Gedanken noch hinzu, um die Laune ihrer Meisterin nicht noch weiter zu verschlechtern. Aber angesichts ihrer momentan äußerst stressigen und anstrengenden Arbeit war es kein Wunder, dass die Echani etwas gereizt war. Der Mon Cal-Heiler war ja auch nicht gerade freunlich zu ihr und Meisterin Thropp hatte sie auch schon angepflaumt. Daher glaubte die Caamasi schon zu wissen, woher Briannas Gereizheit herkam. Das würde sich wieder legen und bis dahin ließ sie es einfach über sich ergehen. Das hatte sich als beste Taktik erwiesen. Es tat zudem gut zu wissen, dass Eisblume nicht vor hatte sie ihn nächster Zeit alleine zu lassen, auch wenn sie dann Jedi-Ritterin war.


"Das weiß ich zu schätzen, glaub mir."


Das war der Caamasi sehr wichtig, auch wenn sie ihrer Meistein wahrscheinlich nicht vermitteln konnte wie sehr. Dass die Echani gleichzeitig ebenfalls ihr Lichtschwert bauen wollte mutete der Caamasi etwas seltsam an. Entsprechend rätselhaft blickte sie in dem Moment die bleiche Jedi mit ihren orangen Augen fragend an. Diesen Entschluss musste sie ja sehr kurzfristig gefällt haben. War sie unterfordert damit ihrer Padawan beim Bau ihres Lichtschwerts zuzusehen? Vermutlich ja. Besonders interessant und fordernd war es gewiss nicht jemandem anderen beim Meditieren und Levitieren zuzusehen, das konnte sich Talery schon vorstellen. Also nahm sie es einfach hin, wozu sich ihre Meisterin entschieden hatte. Zumindest konnte Briannas Exemplar dann vielleicht wirklich als Vorlage für sie dienen und ihr auf dem Wege nützlich sein, wie die Echani sagte. Sie würde es also von der positiven Seite sehen und sich nicht vom sehr wahrscheinlich viel schnelleren Gelingen von Eisblume noch mehr entmutigen lassen, entschied sie.


"In Ordnung",


erwiderte sie daher diplomatisch und machte sich anschließend an die Einstimmungsmeditation. Als die Caamasi danach vor lauter Müdigkeit die Augen kaum noch offen halten konnte verglich sie ihren lilanen Kristall mit dem von Eislbume Eingestimmten. Nach Talerys Empfinden wirkten sie schon ähnlich. Sie hatten beide so einen besonderen Schimmer, den sie vorher dort nicht wahrgenommen hatte. Aber ob sie sich dies in ihrer Müdigkeit nur einbildete oder nicht, wusste sie nicht. Also entschied sie sich zu dem Ergebnis ihrer Meditation zu stehen.


"Ich denke er könnte auch fertig eingestimmt sein",


meinte sie optimistisch in der Hoffnung, dass sich Eisblume damit auch zufrieden geben würde. Danach wünschte ihr die Echani gute Nacht und huschte dann davon ins Nachbarquartier, welches sie ja als Materialraum benutzten. Die Caamasi schleppte sich gerade noch in die Erfrischungszelle und beschränkte sich dort aufgrund ihres derzeitigen Zustandes wirklich nur auf das Allernötigste und das hieß etwas bei der eitlen Padawan. Als sie ein paar Minuten später im Bett lag war sie sehr schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen fühlte sich die Caamasi nicht so besonders erholt. Aber leichter würde es auch heute nicht werden, das wusste sie jetzt schon. Daran würde sie sich ab jetzt gewöhnen müssen, sagte sie sich. Als Frühstück ließ sie sich etwas vom Ortolaner holen, welches ihr ja am Vorabend auch sehr geschmeckt und sie mit großem Appetit verspeist hatte. Auch heute war sie ähnlich schnell fertig mit dem Essen, nachdem ein Tempeldroide ihr das Essen gebracht hatte. Es war schließlich angenehm noch etwas länger im vertrauten Quartier zu bleiben, wenn sie nachher in ihre Krankenstation mussten. Dort angekommen wurden sie heute wie Talery glaubte etwas weniger skeptisch beäugt als dies noch am Vortag der Fall war. Die Devaronianerin hatte sogar ein Lächeln für sie, während der Mon Cal Ruam zumindest keine spitzen Bemerkungen abgab wie dies am Vortag der Fall gewesen war. Das war eindeutig ein positives Zeichen in den Augen der Caamasi. Das Arbeiten mit Brena und Brianna war allerdings ähnlich auslaugend und anstrengend wie gestern. Irgendwann hatte sie fast das Gefühl einen Tunnelblick zu bekommen, denn sie tat im Grunde immer dasselbe und wurde dabei gewiss auch geübter und besser. Aber es zerrte an den Kräften. Einige Tage würde sie dies schon durchhalten, glaubte sie. Aber wenn sie länger hier arbeiten musste, dann würde sie über kurz oder lang ebenfalls auf energiereichere Nahrung umsteigen müssen. Schließlich war die Caamasi schon immer recht zierlich gewesen. Über viele Reserven verfügte sie nicht.

Nach der langen, auslaugenden Schicht gingen die drei Heiler wie gestern auch zum Ortolaner. Talery war erleichtert, dass beide mit dem Wunsch der Padawan einverstanden waren. So schlecht konnte es ihnen dort dann ja nicht geschmeckt haben, freute sie sich. Sie selbst bestellte heute etwas Fetteres, obwohl sie sonst vorsichtig war mit solchen Sachen. Allerdings stellte sie fest, dass sie dies heute durchaus gebrauchen konnte und zu ihrem Erstaunen alles schaffte. Danach ging es - ein bisschen erholter - zurück ins Quartier zum Lichtschwertbau. Das lag ihr schon den ganzen Tag über im Magen. Nur gut, dass sie keine Zeit gehabt hatte groß darüber nachzudenken, denn in dem Moment wurde ihr leicht flau im Magen. Trotzdem ließ sie sich gerade vor Eisblume nichts davon anmerken. Sie hockte sich die am Vortag auf das Bett und lehnte sich an die Wand.


"Ich denke ich bin so fit wie ich nach so einer langen, anstrengenden Schicht in der Krankenstation sein kann. Also fangen wir lieber gleicht an. Es wird nicht besser, je später es wird wie wir ja gestern gesehen haben. Hast du eine Grafik damit ich mit die Teile und deren Funktion einprägen und entsprechend anordnen kann, damit ich sie danach hoffentlich mit der Macht zusammenbauen kann?"


Eine genaue Vorstellung wie kompliziert dies eigentlich war hatte sie dabei noch nicht wirklich. Aber jetzt zu kneifen würde ihr Eisblume mit Sicherheit sehr übel nehmen. Das hatte sie ja gestern bereits zu spüren bekommen. Dies wollte sie heut nicht unbedingt nochmal erleben.



Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Brianna und Talery
 
Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

Duval ließ nun immer mehr zu, dass seine Emotionen nach außen drangen - nicht nur erkennbar für jemanden, dessen Verbündeter die Macht war, sondern auch durch offensichtlichere Anzeichen. War das seine Taktik, alles zuzulassen? Oder war das Thema einfach nur zu brenzlig, als dass er sich beherrschen konnte? Er wählte teils recht harte, eindeutige Worte, und Ian brachte das selbstverständlich auch noch mehr auf Touren. Dieses Thema war gefährlich - die Ansichten zu extrem voneinander entfernt, die beiden Diskutierenden zu unterschiedlich. Weder der eine noch der andere würde in irgendeiner Art und Weise von seinem Standpunkt abrücken oder zum Nachdenken angestoßen werden, für Eowyn war das klar und deutlich. Vor allem, weil sie beide ihrer Ansicht nach irgendwie nicht ganz Recht hatten. Duval in seiner absolut ablehnenden Haltung gegenüber dem Imperium, Ian mit seiner automatischen Verteidigung von jedem und allem, der das Imperium und die Sith nur irgendwie kritisierte. Es war seltsam, dass er das tat, noch immer, wo er doch wusste, was geschehen war... wo er doch wusste, zu was sowohl Imperium und die Sith eben fähig waren. Doch vielleicht brauchte er einfach noch Zeit. Zeit und einen etwas anderen Blickwinkel.
Jedenfalls war klar, dass das alles zu nichts führte, abgesehen davon, dass es absolut keine Rolle in dem spielte, worum es hier ging. Außer vielleicht in dem Punkt, Ians Glaubwürdigkeit zu testen, und wenn es
darum ging, dann war sie sich nicht sicher, ob er dabei eine gute Figur machte.
Andererseits - ein Überläufer, der all das nur spielte, hätte vermutlich nicht eine solche Diskussion ausgetragen, sondern sofort das Imperium in Grund und Boden geredet. Vielleicht half das alles Ian sogar - zumindest so lange, wie Duval und vor allem er sich im Griff hatten.
Eowyn setzte sich ein wenig aufrechter hin, verließ die bequeme Haltung und lehnte sich nach vorne, die Unterarme auf der TIscshkante abgestützt. Sie bezweifelte, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen würde... aber sie war lieber vorbereitet.

Wen Ian meinte mit dem besten Menschen, den er gekannt hatte, war Eowyn sofort klar, es gab niemanden außer Tahiri, von dem er je in absolut höchsten Tönen geredet hatte. Entweder er meinte Tahiri, oder es gab eine Person, die er noch nie erwähnt hatte, was sie sich in diesem Fall irgendwie nicht vorstellen konnte.
Selbstverständlich war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Tahiri imperiale Bürgerin gewesen sein musste, sie hatten beide auf Telos gelebt, und für Eowyn war dies keine Überraschung, kein Widerspruch. Die einfachen imperialen Bürger, die sich der Regierung beugten, waren nicht die, die Eowyn bekämpfen wollte, die meisten waren wohl völlig unschuldig und handelten so, wie sie es gelernt hatten. Es war die Regierung selbst, die in die Knie gezwungen werden musste, die, die die Leute zu Dingen trieb, die unvorstellbar waren und doch geschahen...

Duval nahm ihre Zusage, dass ihr Verhältnis zu Ian tiefergehend war, einfach hin - was Eowyn wieder überraschte. Das musste sie ihm ebenfalls lassen - darin, sie zu überraschen, war er wirklich gut. Er zeigte keinerlei Regung außer seinem kurzen Nicken, und sie fragte sich, was wohl in ihm vorging...
Die nächste halbe Überraschung folgte auf dem Fuße.
Wie bitte? Der Agent warf ihr nicht ernsthaft vor, etwas vertuschen zu wollen? In dieser Lage? War das sein absoluter Ernst? Sie hatte ja gehofft, dass es sich um einen Fehler gehandelt hatte, aber offensichtlich war dem nicht so gewesen. Als ob der Geheimdienst nicht andauernd seine Vorschriften brach! Anderes konnte Duval seiner Großmutter erzählen. Die Regeln zu brechen war für den Geheimdienst doch mehr ein Sport, als ob das etwas besonderes war! Sie runzelte die Stirn und setzte an, ihm vehemment zu erwidern, dass das ja wohl nicht sein Ernst sei, als er schon weitersprach.
Das, was nun folgte, war aber wohl wirklich nicht sein Ernst. Eowyns Augen wurden schmal. Er hatte sie in einer solch wichtigen Sache getestet? Er hatte tatsächlich
sie getestet? Was fiel ihm eigentlich ein? Sie standen auf einer Seite, bei den Knochen des Imperators! Was hätte er getan, wenn sie der Geheimhaltung nicht zugestimmt hätte - was wohl nur ein vollkommener Idiot tun würde? Hielt er sie für einen solchen? Was, wenn ihr diese Kleinigkeit nicht aufgefallen wäre?
Das, das war ein Fehler gewesen. Sie hatte begonnen, ihre Vorurteile ihm gegenüber und dem Geheimdienst zu vergraben, aber damit war alles wieder auf Anfang gesetzt.

Sie ignorierte Ians Antwort, saß noch immer bequem an ihre Rückenlehne gelehnt da, als sie beinahe beiläufig im besten Konversationstonfall zu sprechen begann.

Für wen halten Sie die Jedi eigentlich, Lieutnant Duval? Oder bin es nur ich, liegt es an mir? Sie setzte ihre Tasse Kaf auf den Tisch, als sie sich vorbeugte, die Unterarme dieses Mal auf der Tischplatte abgelegt, und dem Agenten genau in die Augen blickend. Ihr Tonfall wurde deutlich schärfer. Falls Sie es vergessen haben - wir stehen auf der gleichen Seite. Wir haben beide das gleiche Ziel. Dies erreicht man am Besten, indem man nicht gegenseitig kleine Fallen und Proben aufstellt, um den anderen zu testen. Ich bin mir sicher, wäre ich nicht so... aufmerksam gewesen, wäre es kein Problem gewesen, mich über die Dringlichkeit der Geheimhaltung aufzuklären, meinen Sie nicht auf? Sie lächelte, aber es war nicht das Lächeln, mit dem sie normalerweise Ian ansah. Und vielleicht tat sie ihm damit auch keinen Gefallen - doch der Geheimdienst konnte nicht mit den Jedi umgehen, wie er wollte. Das funktionierte einfach nicht. Diese Situation ist zu riskant für Spielchen auf diesem Niveau, wenn es um so viel, um eine solche Entscheidung geht. Ich weiß, dass die Beziehung zwischen unseren beiden Organisationen nicht immer die beste ist, aber wenn es um das große Ganze geht, meinen Sie nicht auch, dass dabei Ehrlichkeit eine gewisse Rolle spielen sollte? Der Imperator, die Sith, die Macht - das waren Dinge, die der Geheimdienst nicht verstand, die sie nicht messen, nicht sehen konnten. Dennoch existierte sie, das musste jeder einsehen, der einmal einem Machtnutzer begegnet war - und es half nicht, wenn in einer solch großen Sache noch immer Misstrauen herrschte.

Sie blickte Duval noch kurz an, dann lehnte sie sich wieder zurück, ging in wieder völlig normalem, sachlichen Tonfall auf seine Aussage ein.
Ich bestätige, dass an diesem Virus etwas Dunkles zu spüren war, und ich weiß mit Sicherheit, dass es noch zumindest einen weiteren Hinweis in diese Richtung gibt, für nähere Informationen sollten Sie mit Rat Janson reden, ich bin nicht befugt, darüber Auskunft zu geben. Eowyn nickte noch einmal kurz, dann knüpfte sie inhaltlich an das an, was Duval vor ihrer Ansprache gesagt hatte.
Ich denke, das weitere Vorgehen klingt sinnig so, und ich danke für das Verständnis zwecks der Geheimhaltung. Ich hoffe aber darauf, dass all dies trotz allem mit höchster Dringlichkeit behandelt wird. Diese Informationen sind einfach zu wertvoll, als dass sie in einer Schublade verstauben sollten. Unzählbar viele Leben könnten davon abhängen. Und die zählten nun einmal viel, viel mehr als irgendwelche Vorschriften oder gar Rivalitäten zwischen Organisationen der gleichen Regierung.

Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür
 
| Coruscant | Orbit | Passagierschiff Queen Dalia | - Lucia


Mit überschlagenen Beinen und den Händen hinter ihrem Kopf, lag die junge Frau auf einem frisch gemachten Bett und schaute sich die Decke ihres Zimmers an. Sie drehte ihren Kopf ein wenig nach links und lächelte kurz. Ihr blick schweifte quer durch das, relativ teuer eingerichtete Zimmer. Sie schwang sich auf, saß nun auf dem Bett und kramte aus der Tasche ihrer schwarzen Lederjacke eine Zigarette heraus. Sie streckte sich kurz und stand anschließend auf. Danach begab Lucia begab sich danach zu einem hölzernen Schreibtisch am anderem Ende des Zimmers. Als sie sich an diesen setzte zündete sie im Anschluss daran ihre Zigarette an. Kurz darauf fing der Bildschirm vor ihr an, Töne von sich zu geben. Es war wohl ein Anruf von einem der Bediensteten auf diesem Schiff. Sie nahm den Anruf an und bekam per Video einen Mann in einer fast schon lächerlichen, rot gelben Uniform durchgestellt.



Guten Morgen Miss, haben sie gut geschlafen? Wir wollten ihnen nur mitteilen das wir die Quarantäne passiert haben und in Kürze Coruscant erreichen werden.“



Das war die Nachricht auf die Lucia schon lange gewartet hat. Das änderte jedoch nichts daran das sie den Aufzug der Bediensteten amüsant fand und sich einen kleinen Spaß erlaubte.



Danke für die Mitteilung. Ich hätte jedoch noch gerne ein kaltes Getränk und Frühstück auf meinem Zimmer. Und, besorgen sie mir noch die Durchwahl zu ihrem Boss. Es ist ja eine Zumutung in was für Kostümen sie hier zur schau gestellt werden.“



Bei dem letzten Satz konnte sie sich ihr Lächeln wieder nicht verkneifen und legte danach auf. Sie zog an ihrer Zigarette, und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. Endlich war es soweit, endlich kam sie nach Coruscant. Einerseits wollte sie dort zu den Jedi, andererseits wollte sie auch den Menschen dort in ihrer Notlage helfen. Ihr war klar das sie sich selbst in große Gefahr begab, doch blieb sie gelassen, denn sie hat sich schon öfters in große Gefahr begeben.

Als ihr Frühstück gebracht wurde kam es zu leichten Turbulenzen, woraus sie schloss das sie bald landen würden. Schnell aß und trank sie. Anschließend verließ sie ihr Zimmer in Richtung des Ausgangs. In ihren leicht verschmutzten Klamotten zog sie sofort die Blicke der anderen Passagiere auf sich, die eindeutig der Oberschicht angehörten. Die Blicke waren erstaunt und gleichzeitig Abweisend. Lucia fühlte sich etwas unwohl, zeigte dies aber nicht nach außen.

Nachdem sie gelandet waren und sich die Rampe zum Ausstieg geöffnet hatte wurde die auffallende junge Frau noch einmal von dem selben Bediensteten angesprochen, der ihr vorher schon per Video zugeschaltet wurde.



Wir bedanken uns herzlich bei ihnen, dass sie mit unserer Linie geflogen sind und hoffen wir konnten alle ihre Wünsche zu voller Zufriedenheit erfüllen.“



Sagte er mit einem, eindeutig gekünsteltem, lächeln.



Natürlich, ich habe mich für den hervorragenden Service hier an Bord zu bedanken.“



erwiderte Lucia schnell.



Das freut uns zu hören. Empfehlen sie uns ruhig weiter und einen schönen Aufenthalt auf Coruscant, Miss Caltrel.“



Lucia verließ das Schiff und konnte ihr lachen versteckt halten. Maximilian Caltrel, ein unbedeutender Sklavenhändler, mit einer nicht unerheblichen Menge Credits, der auf Nar Shaddaa tätig war. Im Vorbeigehen stahl sie ihm seine Karte aus der Tasche und buchte sich auf seine Kosten eine ziemlich teure Kabine auf einem Flug nach Coruscant. Aus ihrer Hosentasche zog sie die Karte, hielt sie in beiden Händen und gab einen kurzen Kuss auf diese. Danke Maximilian. Langsam ging sie zum Rand der Landeplattform auf der sie angekommen war und blickte in die Häuserschluchten hinab. Ihre Mundwinkel hoben sich kurz an und sie ließ die Karte einfach fallen. Man sah die Karte immer kleiner und kleiner werden, bis sie verschwunden war. Danach drehte sie sich um, schloss die Augen und atmete tief durch. Die Luft hier war um einiges angenehmer als auf Nar Shaddaa, außerdem musste man nach der Landung nicht erst einmal Angst haben geschlagen und ausgeraubt zu werden.

Lucia begab sich zu einem Transport, der freiwillige Helfer zum Jedi-Tempel bringen sollte. Es saßen nicht viele mit ihr im Innenraum. Mehr als die Hälfte der Plätze waren nicht belegt. Sie blickte aus dem Fenster und bemerkte, dass auch nicht wirklich viel Verkehr herrschte und das auf einem Planeten der eine einzige Stadt ist. Es scheint wirklich schlimm zu sein, dachte sich die junge Frau von Andara zunehmend. Je näher sie dem Tempel kamen desto mehr bekam sie auch Kopfschmerzen, ähnlich wie auf Nar Shaddaa, doch auf eine gewisse Weise auch anders, negativer. Sie lehnte ihren Kopf an das kalte Glas, doch auch das verschaffte ihr keine Linderung. Als der Schmerzpegel nicht mehr stieg kamen sie am Tempel an. Als sie den Transporter gemeinsam mit den anderen Freiwilligen verließ wurden sie direkt von einem Soldaten abgefangen, der wohl die Neuankömmlinge in die verschiedenen Bereiche einwieß.



Du, du und du! Ihr geht in den Krankenflügel und helft dort wo ihr könnt.“



Sagte der Uniformierte in militärisch strengem Ton, während er mit dem Finger auf Lucia und zwei weitere zeigte. Das gefiel Lucia schon einmal gar nicht. Sie wurde Jahre ihres Lebens herumkommandiert und reagierte schon fast allergisch auf einen solchen Ton. Doch wollte sie es nicht zu Anfang schon verscherzen. Nachdem sie eine Wegbeschreibung erhielten die mehr dürftig als sonst etwas war entgegnete Lucia noch, leicht abfällig, als sie sich auf den Weg machte:



Alles klar Kapitän, wird sofort erledigt.“
Und salutierte dabei im gehen.



Die Wut die sich in dem Soldaten angestaut hat konnte sie sich lebhaft vorstellen und deshalb wollte sie auch schnell Distanz zwischen sich und ihn bringen. Sie konnte es sich einfach nicht verkneifen. So begab sie sich dann zum Krankenflügel. Als sie in der Tür stand traute sie ihren Augen kaum. So viele lagen auf Betten, Tragen und einige auch auf Matten auf dem Boden, überall liefen Heiler vom einen Patienten zum anderen, gefolgt von Droiden, beladen mit medizinischen Utensilien. In dem vorherrschenden Trubel machte die junge Frau einen, etwa gleich alten, Mensch (Okin Ail) aus, der wohl weniger in der Hektik involviert zu sein schien als die übrigen Anwesenden.



Hey. Mir wurde gesagt ich soll hier hinkommen und helfen. Ich bin Lucia Callat und sie sind?“



Sprach sie den jungen Mann mit einem Lächeln auf den Lippen direkt an und reichte ihm die Hand zur Begrüßung hin.



| Coruscant | Jedi-Tempel | Medizinische Abteilung | - Lucia mit Okin sowie NPC´s
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ebene 112 - Lagerraum - Mas Nerlo, Levice Vajetsi und Sarid Horn, Major Kenoweth, Soldaten, Dr. Dor'esk, Assistent Jelanci Cravai, TO13 (NPCs)


Sarid hörte der Padawan aufmerksam zu. Was die etwas größere junge Frau zu berichten wusste, klang plausibel. Daher wanderte ihr Blick von Levice zu den beiden Soldaten. Immerhin würden sie wenigstens am Leben bleiben und so wie es klang auch keine Folgeschäden davon tragen. Das war im Vergleich zum vorherigen Vorfall ein Lichtblick. Wäre Sarid eine Heilerin, könnte und würde sie mehr für die Soldaten tun. So aber musste sie dich darauf beschränken zuzusehen wie der angeforderte Medidroide endlich angekommen war und sich sogleich um die Verletzten kümmerte. In der Zwischenzeit war Major Kenoweth zu ihnen gestoßen. Der Nikto wandte sich sogleich an die Jedi-Rätin bezüglich des noch nicht gefundenen Muttertiers der Komodorattane. Bevor die Corellianerin jedoch antworten konnte wandte sich der menschliche Sanitär, welcher den Medidroiden begleitet hatte an die erfahrene Jedi und informierte sie darüber, wohin die beiden gebracht wurden.


"In Ordnung. Aber ich hoffe doch sehr, dass unsere Heiler zumindest noch ein bisschen Zeit für die verletzten Soldaten finden. Schließlich helfen sie hier unseren Jeditempel zu sichern",


gab sie den Sanitätsteam noch mit auf den Weg. Sie würde sich später auf jeden Fall noch nach dem Befinden der Soldaten erkundigen. Dennoch tat es gut zu wissen, dass sie nun behandelt wurden und hoffentlich in guten Händen waren. Natürlich wusste die Jedi-Rätin, dass mit dem C-Virus alle Heiler auf Coruscant mit dessen Bekämpfung beschäftigt waren. Dennoch waren die verbündeten Streitkräfte der Republik ebenfalls wichtig und sie wollte sicher stellen, dass diese auch ja gut behandelt wurden. Danach warf Dr. Dor'esk noch einen Vorschlag in die Runde, welcher Sarid zusagte. Daher wandte sie sich als erste an den grünen Nikto.


"Ich verstehe Ihre Einwände bezüglich des Komodorattan, Major. Aber es erscheint mir effizienter alle Eingänge und Zugängsschächte dieses Lagerraumes zu schließen und dieses ebenfalls per Lockstoff und Fallen zu fangen. Wer kann schon sagen wie lange es dauert bis wir alle Ecken und Kisten dieses Raumes durchsucht haben und womöglich noch weitere Leute gebissen werden. Stellen Sie aber bitte sicher, dass niemand anderes außer Dr. Dor'esk oder in Begleitung von Dr. Dor'esk diesen Lagerraum betritt solange das Muttertier hier noch frei herumläuft."


Dann fixierte sie die Bothanerin.


"Sie bitte ich alles Nötige zu unternehmen, damit dieser Komodorattan gefangen wird und geben Sie Bescheid, sobald Sie erfolgreich waren. Danach können Sie mit den Tieren wieder zu Ihrer Arbeitsstelle zurückkehren. Sie könnten vielleicht noch ein paar Fallen hier lassen für den Fall, dass wir auf weitere dieser Tier treffen. Zur Einhaltung der Quarantäne des Raumes und auch zu Ihrem Schutz sollen zwei Soldaten Wache halten. Vier Leute und ein Droide sollten selbst im schlimmsten Fall in der Lage sein Hilfe zu rufen, wenn nötig."


Danach war dieses Problem für die Jedi-Rätin erstmal abgehakt. Dr. Dor'esk machte einen fähigen Eindruck und die Falle hatte zuvor auch schon funktioniert. Daher gab es wenig Grund zu zweifeln, warum es diesmal anders sein sollte. Major Kenoweth schien ebenfalls zufrieden mit ihren Anordnungen zu sein, denn der Nikto machte sich ohne weitere Kommentare gleich daran diese in die Tat umzusetzen. Sarid genoss derweil, dass sie hier einfach nur Anweisungen geben musste. Der Major selbst nahm es nur zu gerne in die eigene Hand alles zu organisieren, was ja häufig Sarids Aufgabe war.


"Komm, Levice",


forderte sie die Padawan dann auf ihr zu folgen. Mas blieb auf eigenen Wunsch ebenfalls hier zurück, um Dr. Dor'esk wenn nötig zur Hand zu gehen, wogegen die Corellianerin nichts einzuwenden hatte. Allzu lange sollte dies ja nicht dauern.


"Du hast dich gut verhalten dort drinnen, gut gemacht. Agierst du immer so ruhig und besonnen in kritischen Situationen?"


Die Jedi-Rätin hatte nämlich auch schon andere Padawan erlebt. Bisher machte die braunhaarige Frau einen positiven Eindruck. Ein ängstlicher oder hektischer Typ schien sie nicht zu sein.


"Meines Wissens war dies das Letzte, worum wir uns auf dieser Ebene kümmern müssen. Danach können wir eine Ebene tiefer gehen."


Währenddessen schritt Sarid den Gang zurück zum Turbolift. Dabei begegneten sie auch Technikerin Midina Enzel, einer Zabrak mit Tanktop, welche sich um die sechs Baudroiden kümmerte.


"Wie weit in der Status der Reparaturarbeiten, Frau Enzel?"


"Zwei Teams mit jeweils einem Baudroiden werden noch auf dieser Ebene gebraucht, wo sie Beschädigungen der Außenwände bzw. eines Zugangstors reparieren. Ein Baudroide befindet sich zwei Ebenen tiefer. Damit sind drei Baudroiden mit Materialschlitten bereit, Rätin Horn."


"Gut. Sorgen Sie bitte dafür, dass diese sich am Turbolift einfinden und tragen diese Ebene wenn alle fertig sind in der Tempeldatenbank als gesichert ein."


"Wird gemacht",


erwiderte die junge Zabrak und machte sich gleich an die Arbeit. Anschließend sah sie wieder zu Levice.


"Entschuldige. Zurück zu unserem Gespräch. Es kann hier wirklich gefährlich werden, denn diese Ebenen des Jeditempels sind noch nicht gesichert und werden nur patrouillert. Also sei wachsam und behalte deine Umgebung immer im Auge. Zwar helfen uns die Soldaten um Major Kenoweth, aber wir wollen weitere Opfer vermeiden. Hast du hierzu noch irgendwelche Fragen?"



Coruscant - Jedi-Tempel - Ebene 112 - beim Turbolift - Levice Vajetsi und Sarid Horn, Major Kenoweth, Soldaten (NPCs)
 
[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian

Es war eindeutig, dass Arkadi und Ian in gänzlich verschiedenen Kategorien dachten. Die klare Trennung des Agenten in gut und böse, richtig und falsch lehnte der ehemalige Sith vehement ab, für ihn galt die Devise, dass es absolute Wahrheiten nicht gab. Ein bequemes Weltbild, fand Arkadi. Wenn nichts vollkommen richtig und falsch war und beide Seiten ihre Fehler hatten, dann war es bequem möglich, dieses und jenes zu relativieren und die eigene Schuld zu verringern. Er machte sich keine Illusionen über den Gefangenen, Ian war ein Sith gewesen und damit ein Monster, egal was er behauptete. Das galt auch für seine Ordensbrüder- und schwestern, der ehemalige Soldat hatte gesehen, wozu sie imstande waren, und er kannte die Berichte über die Gräueltaten des Ordens. Der Überläufer mochte diese Leute verteidigen und damit auch sich selbst, doch Arkadi würde er damit nicht überzeugen können. Selbst wenn sie marginal weniger grausam und selbstsüchtig gewesen waren, was spielte das für eine Rolle? Sie waren trotzdem Feinde der Neuen Republik. Ian setzte noch einen drauf und meinte missbilligend, dass es sehr einfach sei, in klaren Kategorien zu denken. Arkadis kühle blaue Augen waren schmal, doch seine Stimme nicht wütend, sondern kalt.

„Es ist einfach. Fast so einfach die wie Relativierung von Gräueltaten und die Behauptung, es gäbe weder klar gut noch klar böse. Was es sehr bequem macht, die eigene Schuld geringer erscheinen zu lassen, vielleicht...entschuldigen Sie. Ich wollte das nicht so hart formulieren. Es fällt mir bloß schwer, das Imperium als etwas andere zu sehen."


Der blonde Mann beließ es dabei und hörte dem Rest von Ians Worten ruhig zu. Dieser verwies darauf, dass auch die Neue Republik keine weiße Weste hätte und für Leid und Tod verantwortlich war. Leid und Tod von Imperialen, ergänzte Arkadi in Gedanken. Was hätte die Neue Republik denn tun sollen? Jedes Mal zurückweichen und kapitulieren, wenn das Imperium angriff, nur damit keinem imperialen Bürger ein Haar gekrümmt wurde? Oder bezog er sich damit auf die Ablehnung durch die Jedi und fühlte sich davon noch immer unfair behandelt? Der Orden hatte gewiss gute Gründe gehabt, ihn abzulehnen, das war mehr als deutlich geworden. Ian sprach weiter und behauptete, dass man durch Kategorisierungen Gefahr lief, alle Mittel als legitim zu erachten und dadurch die Unterschiede zu dem zu verwischen, was man einst gehasst hatte. Wollte dieser Mann, ein ehemaliger Sith, jemand, der seine eigene Familie ermordet hatte und für den Tod von Millionen mitverantwortlich war etwa sagen, welche Mittel legitim waren und welche nicht? Auf solche Ratschläge konnte Arkadi verzichten. Wenn nötig würde er sich die Hände schmutzig machen, diese Aussicht schreckte ihn nicht. Doch niemals würde er so werden wie die Imperialen. Seine Methoden mochten sein, was sie waren, doch sein Ziel blieb unerschütterlich das gleiche: Die Bewahrung der Neuen Republik.

Offenbar hatte der Agent mit seinen Worten einen Nerv getroffen, empört warf Ian ein, dass eine der besten Menschen, die er je gekannt hatte, eine Imperiale gewesen war. Arkadis Mundwinkel verzogen sich kurz- Eine Person, die Ian Dice für moralisch gut empfunden hatte und gleichzeitig Imperiale gewesen war, was hatte das schon zu bedeuten? Aber wenn er an seiner Stelle gewesen wäre, würde er vielleicht auch so denken.


„Einige der besten Lebewesen, die ich kannte, wurden vom Imperium ermordet. Sie werden also verstehen, wenn ich mich Ihrer Argumentation nicht anschließen werde.“


Gab Arkadi betont ruhig zurück. Nun war Eowyn an der Reihe, die Augen der Großmeisterin waren schmal geworden. Als sie sprach, tat sie es im Tonfall einer Unterhaltung, doch der Ärger dahinter war nicht vollkommen verborgen. Die emotionale Kontrolle, die die Jedi immer wie eine Monstranz vor sich hertrugen, funktionierte wohl doch nicht immer. Empört fragte die blonde Frau, für was der Agent die Jedi und sie hielt und sie stellte ihr Tasse ab, beugte sich etwas nach vorne und sah Arkadi in die Augen, der der Konfrontation nicht auswich. Mit deutlich schärferer Stimme verwies sie darauf, dass sie auf der selben Seite standen und das selbe Ziel hatten, und mit einem Lächeln, das frei von Wärme oder Zuneigung war, und sie verwies auf Ehrlichkeit und den Verzicht auf Spielchen. Natürlich tat sie das, reagierte wütend, dass einer der Normalen es gewagt hatte, die unendliche Weisheit der Jedi in Frage zu stellen „Der Wille der Macht“ oder ähnlich obskures würde wohl nun folgen. Arkadi war bereit anzuerkennen das diese Macht existierte, was auch immer es im Detail damit auf sich hatte, doch würde er nicht akzeptieren, dass die Jedi deshalb glaubten, sie stünden über den anderen.


„Was ich von den Jedi halte? Ich werde Ihnen ganz ehrlich antworten, Großmeisterin. Ihr Orden hat ehrenwerte Prinzipien und diese...Macht verleiht Ihnen gewiss...Einsicht in Dinge, die andere nicht verstehen. Und Sie haben viel für die Neue Republik getan, niemand wird das in Abrede stellen. Aber was geheimdienstliche Arbeit angeht, ist der Orden geradezu gefährlich naiv und von moralischen Einwänden getrieben. Der Fall Ian Dice ist nur eines von mehreren Beispielen. Er hätte uns überstellt worden sollen, von Anfang an, aber Sie haben uns misstraut und ihn unter Ihrer Kontrolle behalten. Sie verstehen hoffentlich, wenn der NRGD gegenüber den Jedi eine gewisse...Vorsicht an den Tag legt. Umgekehrt läuft es doch genauso.“


Mehr würde Arkadi dazu nicht sagen. Sie wandten sich wieder dem Virus zu und beide behaupten einvernehmlich, dass sie „etwas Dunkles“ in dem Virus gespürt hatten, offenbar gab es noch einen weiteren Hinweis in diese Richtung, für den er sich an Rat Janson wenden sollte, der ihm vorhin bereits eine Nachricht geschickt hatte, die der Agent aber noch nicht gelesen hatte. Ian hatte eindringlich versichert, dass seine Erzählung der Wahrheit entsprach und er verwies auf seine Unterschrift bei den Vorverhandlungen und die Bedeutung von Coruscant. Der Agent nickte ihm knapp zu. Unabhängig davon, was er von den moralischen Ansichten des Mannes hielt, er glaubte ihm was die Informationen und seinen Wunsch zu helfen anging.


„Ich halte Sie für glaubwürdig, Mr. Dice, und werde das so auch meinen Vorgesetzten sagen. Und da die Jedi es ebenfalls tun...“


Eowyn äußerte sich zustimmend und bat darum, die Sache mit höchster Dringlichkeit zu behandeln. Arkadi hielt einen Moment inne, dann nickte er ihr zu und sah sie eindringlich an.


„Ich weiß. Unsere Methoden mögen sich unterscheiden, aber wie Sie sagten: Wir haben das selbe Ziel. Sie können über mich denken, was Sie wollen, aber mir liegen diese Leben ebenso am Herzen wie Ihnen. Es sind schon viel zu viele gestorben.“


Er hielt einen Moment inne, dann warf er einen Blick auf sein Datenpad und prüfte die Nachricht von Rat Janson. Ein Schauplatz möglicher imperialer Aktivität? Das war in der Tat von Interesse.


„Es scheint, als wäre Rat Janson auf etwas gestoßen. Eine imperiale Präsenz auf Coruscant, die über das zu erwartende Maß hinausgeht.“


Erklärte der Agent.


„Ich werde meinen Bericht an meine Vorgesetzten übermitteln und mich dann um diesen Hinweis kümmern. Wir müssen mehr Beweise finden, dass das Imperium hinter dem Virus steckt. Verzeihen Sie, wenn ich es so direkt sage, aber „Dunkelheit in dem Virus“ ist für viele zu...esoterisch. Wenn wir sie überzeugen wollen, dann brauchen wir weitere Belege. Handfestes. Und das werden wir finden.“


Arkadi machte eine Pause, dann nickt er beiden zu.


„Mr. Dice, Großmeisterin, ich danke Ihnen für Ihre Kooperation. Wie versprochen werde ich mich dafür verwenden, dass man Ihrer Bitte um ein Zeitfenster entspricht. Sicherlich werden die Jedi das ebenfalls unterstützen, Sie haben ja bereits wertvolle Dienste bei der Bekämpfung des Virus geleistet und Leben gerettet. Ich hoffe, dass Sie noch mehr retten können, bis wir ein Heilmittel gefunden haben und den Virus endgültig stoppen können. Und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen können. Ihre Informationen werden dafür den Ausschlag geben, davon bin ich überzeugt. Ich danke Ihnen, dass Sie sich entschieden haben, der Neuen Republik zu helfen.“


Der blonde Mann erhob sich und streckte Ian symbolisch die Hand entgegen.


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Coruscant - Jeditempel - Ebene 107 - Werkstatt - Zasuna, Soldaten und RIlanja

Die Falleen war es gewohnt mit schwierigen und als unlösbar geltenden Padawanen umzugehen - zumindest in Gedanken, und realistisch betrachtet nur auf dem Gebiet von Holofilmen, in denen die Schüler so schrecklich überzeichnet waren, das man sie als geneigter Zuschauer am liebsten irgendwo runter geschubst hätte in der Hoffnung, dass ihre völlig unrealistischen Neurosen den Aufschlag nicht überlebten.
Was in die Realität übersetzt in etwa bedeutete, dass Rilanja keine Ahnung hatte wie sie mit Zasunas Problemen umgehen sollte, zumal sie mindestens eines davon - ihre merkwürdige Sichtweise, die in diesem Fall nichts mit ihrer persönlichen einstellung zu tun hatte - nicht mal nachvollziehen konnte.


Das ist einfach. Ein Emitter antwortet nicht wenn du ihn benutzt,

antwortete sie wie automatisch über den Kommentar ihrer Padawan bezüglilch der Unterscheidung von Bauteilen.
Wie mochte es sein etwas klar vorhandenes nicht sehen zu können? Wahrscheinlich so, wie die Macht für einen Großteil der Bevölkerung der Galaxis erschien, und doch hatte die Geschuppte gelernt damit umzugehen - mehr oder weniger.
Für die Miraluka war die Macht kein Geheimnis, keine verborgene Kraft, sondern alltägliche Realität seit ihrer frühsten Kindheit. Konnte es sein, dass die Wahrnehmungen da einfach vertauscht waren?


Hast du schon mal versucht Technologie so anzugehen wie Mitglieder anderer Spezies die Macht angehen? Durch Meditation sich langsam einen Zugang dazu aufbauen, sie versuchen zu verstehen und sich von ihr leiten zu lassen… Vielleicht bist du es einfach nicht gewohnt Technik so zu sehen wie es andere tun, und müsstest dir gestatten es zu lernen um sie verwenden zu können.

Der Vergleich hinkte hinten und vorne, zumal es sich nicht um eine “neue” Art der Wahrnehmung handelte, die man erlernen musste, sondern um ein Feld das man mit der bereits erlernten Wahrnehmung zu sehen lernen müsste - wenn das denn überhaupt möglich war.
Allerdings gab es da ein Punkt, der sich bei Rilanja quer stellte.


Hast du hier nicht einen Kampfstab oder sowas gefunden? Und den kannst du sehen?

Vielleicht gab es einen greifbaren Unterschied zwischen Lichtschwertern, oder zumindest deren Griffen, und Kampfstäben. Vielleicht konnte man darauf aufbauend eine Waffe konstruieren, die Zasuna führen konnte. Vielleicht konnte man auch die Klinge eines Lichtschwertes bearbeiten, damit die Miraluka lernen konnte sie zu sehen.

Aber die wichtigere Frage ist… Warum sollten wir das alles überhaupt versuchen, wenn du ohnehin schon überzeugt bist es nicht zu können?

Rilanja versuchte sich nicht der Hoffnung hinzugeben, mit einem maßgeschneiderten Satz alle Vorbehalte, Vorurteile und psychologischen Hemmschwellen eingerissen zu haben, so wie es in verschiedenen von ihr früher regelmäßig frequentierten Holomachwerken der Fall war. Ein Satz, der einen Grundgedanken des Schülers herausforderte und ihr zeigte, dass er im Gegensatz zu einem anderen, wichtigeren Gedanken stand.
Realistisch betrachtet machte es wenig Sinn auf einen spontanen Sinneswandel zu hoffen, aber für den Moment war der Ritterin ohnehin nichts anderes eingefallen. Blieb zu hoffen, dass Zasuna ihr widersprach und die Aussage nicht umgekehrt als Ausrede für ein weiteres Verstecken vor dem Lichtschwertbau annahm.


Coruscant - Jeditempel - Ebene 107 - Werkstatt - Zasuna, Soldaten und RIlanja
 

[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian


Der Agent traf den nächsten, wunden Punkt und seine Entschuldigung war so wertlos, wie nur irgendetwas. Spätestens seit Setzen seiner Unterschrift, spürte Ian etwas, das mit Schuld längst nicht mehr zu beschreiben war. Das Gefühl, nicht nur den größten Fehler seines Lebens begangen zu haben, sondern die Gewissheit darüber. Zu erkennen, nicht nur, gegen die eigenen Prinzipien verstoßen, sondern verrat gegen die ganze Galaxis begangen zu haben, war mit dem Wort Schuld nicht einmal im Ansatz beschrieben und Ian war es noch nie, nicht eine einzige Sekunden darum gegangen, seine Schuld zu schmälern. Und die schmalen, kalten Augen des Agenten machten die Situation nicht besser. Doch was brachte es, sich nun unnötig zu ärgern? Sie würden niemals auf einen grünen Zweig kommen und Ian gehörte zu den letzten, die Duval etwas sagen konnten, was auch nur ansatzweise nach Moralpredigt klang. Dennoch: „Ich habe nicht relativiert, Agent Duval. Böse taten bleiben, was sie sind, selbst wenn sie aus guten Beweggründen entstanden sind. Der Zweck heiligt die Mittel nicht.“ Es machte einen großen Unterscheid, zu Relativieren oder zu kategorisieren und Duval sollte zumindest erkennen, dass Ian ersteres nicht tat. Nur, weil er das Imperium nicht per se als böse bezeichnete hieß das nicht, das er noch immer die Augen davor verschloss, dass es böses und Böse im Imperium gab.
Duvals Nachsatz aber verriet deutlich, dass er nicht begriffen hatte und dass es unmöglich war, sich in dieser Sache anzunähern. Überhaupt – es war nicht nötig, dass sie sich annäherten. Hier fand eine Befragung statt, nicht mehr und nicht weniger. Ian hätte erneut erwähnen können, dass auch Wesen durch die Republik gestorben war und die Republik konnte nicht streiten, dass sie zivile Opfer billigend in Kauf genommen hatte. Die Schlacht um Denon war nur ein Beispiel.

„Morde werden von Wesen begangen, und dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, zu welcher Organisation sie gehören. Wesen töten Wesen.Die Mörder Tahiris waren Piraten gewesen und damit weder Teil der Republik, noch Teil des Imperiums. Es brachte also keinen Deckmantel, um irgendetwas zu tun.

***
Ian fühlte sich unsicher und wusste nicht wirklich, wie er das Gespräch beginnen sollte, doch er hatte nachgedacht und immerhin hatte er begriffen, dass er die Sache wohl anders würde angehen müssen. Die letzten Gespräche waren alle gleich verlaufen: Ergebnislos und unbefriedigend und vielleicht, vielleicht hatte Tahiri recht. Um es wenigstens ein bisschen leichter zu machen, hatte Ian frischen Kaf und Kuchen auf den Couchtisch gestellt, etwas, was vermutlich Zeichen genug für seine … Reue sein würde. Entschuldigen konnte er sich kaum für das, was er gesagt hatte, höchstens für die Art wie und vielleicht auch, für den ein oder anderen Satz. Jedenfalls würde eine etwas gemütlichere Atmosphäre es einfacher machen. Ian glaubte, Tahiri schon zu hören oder irgendwie zu spüren und keine fünf Minuten später, öffnete er automatisch die Tür, noch bevor Tahiri den Schlüssel nutzen musste.

Mit leichter Überraschung sah sie ihm entgegen, doch sie löste sich und trotz der Differenzen, die sie die ganze letzte Zeit gehabt hatten, war da ihr Lächeln. Ihr Lächeln, das ihn gleichzeitig gut und schlecht fühlen ließ. Ihr Lächeln, dass völlig automatisch dafür sorgte, dass Ian es erwidern musste.
Hey“, sagte er leis, sich spätestens jetzt absolut sicher, dass sie nun beide wussten, dass er ein schlechtes Gewissen hatte. ‚Hey,‘ erwiderte sie, als sie sich zeitgleich aufeinander zubewegten und sie kannten die Bewegungsabfolge des anderen einfach zu gut – sie kannten sich so gut. Ein kleiner Begrüßungskuss, ehe Tahiri schließlich eintrat, ihre Tasche und ihren Schal aufhängte. Dann fiel ihr Blick mit einem sehr wissenden Halblächeln zur Wohnecke, blieb kurz an Ian haften, der sichtlich nervös dastand. ‚Dabei wollte ich dich heute mit dem Thema verschonen‘, brach sie das Eis, denn es klang so, als wären die vergangen Tage nicht anstrengend gewesen, als hätte nicht er dafür gesorgt, dass sie besonders anstrengend gewesen waren. Dann setzte sie sich, im Schneidersitz auf die Couch, griff zuerst nach dem dampfenden Kaf und gab dem noch immer nervösen Ian ein Zeichen, sich ebenfalls zu setzen. Anders als sie, griff er zuerst nach dem Kuchen, auch wenn er klar war, dass er ohnehin nichts herunter bekommen würde.

„Da es in letzter Zeit wirklich etwas schwierig war, sich mit mir zu… unterhalten,“ dabei strich er sich einmal über den Nacken, „dachte ich mir, ich gehe das heute ein bisschen anders an. Ich… meine, mir gefällt das Thema zwar immer noch nicht, aber… es ist dir wichtig und ich werde erst zuhören und mich dann… nicht wieder aufregen?“ Kein Friedensangebot, sondern der Beginn einer hoffentlich richtigen Unterhaltung. „Jedenfalls glaube ich, dass du vielleicht Recht haben könntest. Nicht mit allem, was du gesagt hast, aber es sollte erlaubt sein, sich auch offen kritisch äußern zu dürfen und vielleicht war es übertrieben zu sagen, alles was du gesagt hast, wäre Propaganda.“ Kurz stockte Ian, ehe er etwas entschlossener hinzufügte: „Es muss erlaubt sein, sich kritisch äußern zu dürfen.“ Vielleicht hätte jemand anders einen dummen Kommentar gemacht, ihn dafür gerügt, nicht einfach direkt zu sagen, dass er sich unmöglich verhalten hatte – nicht so aber sie. Tahiri ließ ihre Tasse sinken, als sie Ian ansah. ‚Ich wollte mit dem Thema nicht nerven, aber es ist mir wichtig und ich habe schon lange vor meinem Tanzunterricht begonnen, mir darüber Gedanken zu machen.‘ „Ich weiß.“ Schließlich hatte er gesehen, auf welchen Seiten sie sich herumgeschlagen hatte und er hatte auch gesehen, welche Bücherchips sich bei ihr gestapelt hatten. Hin und wieder hatte sie sogar laut gelesen und Ian hatte hier und da, seine Zustimmungen gemurmelt. Aber dass ihr die Sache so ernst war, hatte Ian nicht gewusst, denn sie hatte schon immer kritische Bücher über alle möglichen Themen gelesen.

‚Ich verteufle das Imperium nicht, aber ich kann einfach nicht mehr glauben, dass diese Regierung tatsächlich das Beste für seine Bürger will. Dafür gibt es zu viele Unstimmigkeiten Ian, zu viele Ungerechtigkeiten. Und sicher, die gibt es bei der Republik auch, aber sie sind anders, Ian. Ich habe mich mit ihren Politikern und Senatoren beschäftigt, mit ihren Lehrsystemen, ich habe nicht nur ein paar Artikel gelesen, sondern mich mit ihren Anhängern unterhalten. Nicht nur mit ‚Imerpialen Verrätern‘. Und allein das Ian. Wenn wir von Verrätern sprechen und nicht mehr von kritisch denkenden, dann sagt das etwas aus! Ein Separatist ist kein Verräter, es ist jemand, der sich absondert und nicht jemand, der zwangsläufig irgendwie Gewalt und Unheil bringt oder stiftet. Für die imperiale Regierung oder ihre Vertreter sind anders denkende, aber Verräter. Feinde, die eingesperrt werden sollen und dürfen. Ian… wenn das keine diktatorischen Verhältnisse sind, was dann? Gegen friedlich rebellierende anzugehen ist nicht richtig. Sie einzusperren ist ein Verbrechen. Wie können wir frei sein, wenn wir aufpassen müssen, was wir sagen? Wie kann es demokratisch sein, ‚falsche‘ Gedanken für sich behalten zu müssen? Hast du gewusst, dass sie in ihren Akademien nicht nur gegen die neue Republik hetzen, sondern quasi einen Freischein ausstellen, sie töten zu dürfen? Nicht nur Soldaten, sondern Zivilisten?‘ „Tahiri…“ ‚Ian bitte, komm jetzt nicht irgendwelchen Witzen, wie ‚Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt‘. Wir befinden uns nicht direkt in einem Krieg und es kann nicht richtig sein, solche Dinge zu sagen. Nein, es ist absolut falsch Menschen darauf zu trimmen, dass es lebenswerte Wesen und weniger lebenswerte Wesen gibt. Und das Imperium streut selbst Propaganda! Ist dir außerdem nie aufgefallen, dass das Imperium vor allem die Rechte der Menschen in den eigenen Reihen stärkt? Nicht aber die, anderer Wesen?‘ Sie brannte für dieses Thema und aus jedem Wort ging hervor, wie ungerecht sie all das fand. Sie war so… idealistisch. „Glaubst du denn, dass es bei der Republik anders ist? Nach allem, was ich über sie weiß, hat auch sie ihre Schattenseiten.“ ‚Ian!‘ und es kam selten vor, dass sie so viel Schärfe in seinen Namen legte. ‚Ich rede nicht von irgendwelchen Schattenseiten, die es überall gibt. Ich rede von Ungerechtigkeit in hohem Maße. Ich rede nicht von einem Politiker, der eine zweifelhafte Aussage trifft, ich spreche von einer ganzen Regierungsform. Ich spreche von Verbrechen. Warte, ich zeige es dir,‘ sie stand auf, eines ihrer Speichermedien.

Hier zum Beispiel, eine Liste von Leuten, die einsitzen, weil sie kritische Gedanken geäußert haben. Kritische Gedanken Ian, sie haben sich sonst nichts zu Schulden kommen lassen. Hier, hier sieh selbst.‘ Sie klickte auf dem Gerät herum, als sich ein Video öffnete. Ein Video, das eine Demonstration zeigte – inklusive ihrem Ausgang. Ian sah auf das Gerät, runzelte die Stirn. ‚Und jetzt zweifle nicht die Echtheit davon an, du erkennst mindestens einen der imperialen… Würdenträger.‘ „Wo hast du das her?“ Entgeistert sah Tahiri nun selbst auf, starrte Ian an. ‚Du fragst mich, wo ich das her habe, obwohl du gerade siehst, was da geschieht? Und du fragst wirklich, wo ich das herhabe?‘ War sie enttäuscht, oder wütend? Da war mehr, als Überraschung, das war deutlich und sie so zu erleben, war neu. „Tahiri, ich… das war kein vorwurfsvolles, ‚wo hast du das her‘, ich will wi-“ ‚Es spielt überhaupt keine Rolle wo ich das herhabe Ian, es spielt eine Rolle, dass ich es habe und das ich weiß, was hier abläuft. Könntest du dich bitte endlich auf das Wesentliche konzentrieren? Das ist nicht der einzige Beweis, es gibt unzählige, hier‘ und sie klickte das nächste Video an. Ian selbst sah gar nicht hin, sah zu Tahiri. ‚In meinem Gesicht siehst du das nicht, du musst auf das Display sehen!‘ Da war mehr als Aufregung, da war nahezu etwas Verzweifeltes in ihrer Stimme, in ihrer Körperhaltung und das war besorgniserregend. Da war nicht nur die Tatsache, dass sie so noch nicht mit ihm gesprochen hatte. Sicher, sie sprachen über Dinge, die sie beschäftigten, Tahiri konnte voller Leidenschaft über Dinge sprechen, aber das hier war anders. „Wo hast du das her?“, fragte Ian erneut und diesmal klang die Sorge so deutlich in seiner Stimme, dass auch Tahiri sie erkannte. ‚Und genau da hast du den nächsten Beweis. Wenn wir uns davor fürchten müssen, etwas zu wissen, was wir nicht wissen dürfen, was sagt das über das Imperium aus, Ian? Was sagt das darüber aus?‘
***

„Aber ich legitimiere damit nichts. Dennoch bleibe ich dabei, dass nicht jeder Imperiale schlecht ist. Kinder zum Beispiel…“
und Ian klang eigenartig leise, als er diese Aussage machte.

Dann aber war Eowyn diejenige, die eine Menge zu sagen hatte und offenbar war sie von Duvals kleinem Test, sofern man es so bezeichnen wollte, sehr ungehalten. Wie schon damals, schoss ihm nun erneut durch den Kopf, dass sie und Tahiri sich hervorragend verstanden hätten. Spielchen und Fallen waren wirklich unangebracht, Ian sah es genauso und selbst Duval zeigte sich beinahe einsichtig, auch wenn klar war, dass er die Sache lieber anders gehandhabt hätte. Der Fall Ian Dice. Der Dunkelhaarige runzelte die Stirn, schwieg hierzu aber besser. Was hätte der NRGD getan? Ihn sofort eingesperrt und ihm jegliche Möglichkeit genommen, zu helfen. Etwas anderes konnte Ian sich kaum vorstellen.

„Dass die Jedi mich unter ihrer Kontrolle behalten haben, beweist allerdings auch, dass sie wohlüberlegt und nicht naiv gehandelt haben,“ verteidigte er doch allen Ernstes die Jedi.
„Auf Lianna stand ich unter Arrest und unter strenger Bewachung.“ Ian wurde hellhörig, als Duval davon sprach, das Wes ihn davon unterrichtet hatte, auf eine imperiale Präsenz auf Coruscant gestoßen zu sein. Hier auf Coruscant? Was hatten sie entdeckt? Etwas, das ihnen helfen würde? Dann erhob sich Duval. „Ich bin bereit, jede Hilfe anzubieten, die handfestere Beweise ans Licht bringt,“ stellte Ian klar, als auch er sich erhob und nicht zögerte, Duval die Hand zu reichen.


[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian
 
- Coruscant – Obere Ebenen – Wingston Tower – Penthouse – Mit Exodus –

Die kühle Luft, die von draußen herein kam, tat gut, doch sie vertrieb nicht die Hitze, die Giselle in ihrem Inneren lodern spürte. Dagegen half erst das Wasser, das Exodus ihr brachte. Halb aufgerichtet im Bett nippte Giselle an dem Glas, trank in kleinen Schlucken. Sie fühlte sich so matt, als wäre sie in der vergangenen Nacht einen Marathon gelaufen, als würde ihr Körper streiken sich auch nur minimal zu bewegen. Und sie fühlte sich, als hätte sie Fieber. Infektionen, so dachte sie, konnte man sich überall holen. Das musste nichts Schlimmes bedeuten, unter normalen Umständen. Wenn man jedoch schwanger war… nein. Das war ein Gedanke, den Giselle nicht zulassen wollte. Es war alles in Ordnung mit ihr, sie war lediglich müde und gestresst. Die Schwangerschaft, ihr Gefühlschaos, die Vorfreude auf ihr neues Leben mit Exodus und der Gedanke, Coruscant endlich zu verlassen, dies alles war Stress, teils im negativen und teils im positiven Sinne. Es gab genug Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse, die bewiesen, wie sich das alles auf das körperliche Befinden auswirken konnte.

“Es wird ein Junge.“

Giselle hatte sich wieder zurück gelehnt, Exodus hatte das Wasserglas auf der Nachtkonsole in ihrer Reichweite abgestellt.

“Ich bin mir sicher. Er wird dunkle Haare haben, dein verflixtes Lächeln…“

Der Gedanke munterte sie auf. Sie hatte dieses Bild mehr als einmal in ihrem Kopf gehabt, das Bild dieses kleinen Jungen, eine Miniatur des Mannes den sie liebte. Sie würden eine Familie sein, Exodus und Giselle, zwei Seelen die beide nicht damit gerechnet hatten, diese Chance noch einmal zu bekommen, nachdem sie beide früh in ihren Leben viele Fehler gemacht hatten. Gerade deswegen, dachte sie, passten sie so gut zusammen. Sie wussten, was es bedeutete, alles zu verlieren. Sie wussten, was es bedeutete, schuldig zu sein. Dass sie sich dennoch beide so nahmen wie sie waren, stärkte alles was sie zusammen hatten und sich noch aufbauen würden.

“Weißt du, was mir gefallen würde? Wenn wir ihm die Galaxis zeigen könnten. Er soll sich überall Zuhause fühlen, niemals ein Fremder sein.“

Sie lächelte matt. Der Gedanke, ihrem Sohn das Gefühl der Freiheit zu vermitteln, wie Nomaden es kannten, erfüllte sie mit einer leichten Wehmut. Sie wollte es jedoch besser machen. Ihr Sohn sollte nur die positiven Seiten des Nomadenlebens kennen lernen, die Schönheit der Welten, ihre Natur und die Wahl, sich überall dort niederlassen zu können wo er wollte. Er sollte nicht das Gefühl der Entwurzelung verstehen lernen, die ewige Suche nach einer Heimat, die doch nie enden würde.

“Wir können bleiben, wo es uns gefällt.“

Wie realistisch das war, war erst einmal zweitrangig. Was zählte, war die Idee. Träumen war niemals verboten. Giselle atmete tief durch und schloss für einen Moment die Augen. Als sie sie wieder öffnete, hatte Exodus Frühstück für sie zubereitet und an ihr Bett gebracht, eine süße Geste, für die sie ihn spontan noch mehr liebte als ohnehin schon. Sie aß ein bisschen – viel bekam sie nicht herunter – und sah ihm danach zu, wie er begann seine Koffer zu packen. Dass sie noch immer ihre Reise antreten würden, stand für Giselle außer Frage. Sie wusste, dass sie Coruscant verlassen mussten. Den Grund dafür hatten sie in den Nachrichten gesehen. Intensiver darüber nachdenken wollte sie nicht. Etwas zu beschwören war gefährlich und schließlich litt sie nur unter Stress. Ihr Zustand würde vorbei gehen. Da sie sich mit diesem Gedanken beruhigte, überraschte sie das Eintreffen Doctor Forlins am späten Vormittag entsprechend heftig. Wofür brauchte sie einen Arzt, und warum hatte Exodus ihn gerufen ohne es ihr zu sagen? Giselle wollte ihn zur Rede stellen, doch sie unterließ es, als sie den Ausdruck auf seinem Gesicht sah, während Forlin sie untersuchte und Exodus still im Hintergrund wartete. Er machte sich Sorgen, realisierte Giselle da, und ihr kurz aufgeflammter Ärger, der eigentlich nur eine Reaktion auf ihre eigene Angst war, verschwand. Sie fühlte sich nicht anders als noch vor ein paar Stunden. Frühstück, Flüssigkeitszufuhr und Bettruhe hatten bisher keine Verbesserung gebracht.

„Ich würde gerne Blut abnehmen.“

Sagte Doctor Forlin. Noch hatte er keine Diagnose abgegeben und sein Gesicht war so verschlossen, dass es unmöglich schien darin etwas zu lesen. Er musste sich diesen Ausdruck in jahrelanger Übung angeeignet haben, trainiert darauf, schlimme Befürchtungen für sich zu behalten so lange es keine festen Befunde gab. Und dann, wenn diese vorlagen, würde er die Wahrheit aussprechen, mit einem Bedauern in der Stimme, aber noch immer distanziert genug, sich nicht selbst in Anteilnahme zu verstricken und die Geschichte mit nach Hause zu nehmen, in seinen Feierabend, in seine Ehe oder in seine Familie. Die Ampulle mit der roten Flüssigkeit, die er aufzog, lag unheilverkündend in seiner Hand, als Doctor Forlin bat, einen separaten Raum für die Analyse eines Schnelltests verwenden zu können. Zustimmung nickend führte Exodus ihn aus dem Schlafzimmer. Als er nur Sekunden später alleine zurück kam, saß Giselle aufgerichtet im Bett, das große Kopfkissen fest in ihren Rücken gedrückt. Sie hatte die Hände im Schoß über der Decke gefaltet. Es war die Haltung einer Frau, die versuchte, auf alles vorbereitet zu sein. Was, fragte sie sich, wenn die gefürchtete Diagnose eintraf? Vor Monaten noch hätte sie es besser ertragen. Sie war alleine gewesen, ein an vielen Stellen gescheitertes Leben hinter sich. Heute hatte sie in Exodus eine zweite Chance gefunden. Es war zu spät, um diese nicht zu nutzen.

Doctor Forlin brauchte nicht lange. Er sah Exodus nicht an, als er den Raum wieder betrat. Sein Blick war auf das Bettende geheftet, schwenkte dann auf Giselle und sie fragte sich in dem Moment in dem er sie ansah, ob es die gleiche Undurchsichtigkeit in seinen Augen war wie zuvor, oder ob sich ein Hauch von Bedauern hinein geschlichen hatte, irgendetwas das sie erkennen ließ, was er sagen würde, noch bevor er es tatsächlich aussprach. Es hätte ihr geholfen, sich zu wappnen, dachte sie.


„Miss Giselle.“

Sie sahen sich an, nur für einen Herzschlag.

„Mr. Wingston.“

Und in diesem Moment wurde es Giselle klar. War es der Tonfall seiner Stimme, würde sie sich später fragen, oder die plötzliche Notwendigkeit, sie beide anzusprechen, die ihn verraten hatte? Giselles Herz drohte abzusacken, zu versinken in einem Schmerz, der zu groß war als dass sie ihn hätte umschiffen können.

“Ich habe den Virus.“

Hörte sie sich sagen und vielleicht, dachte ein Teil ihres Bewusstseins, war Doctor Forlin dankbar, dass sie ihm die Bürde abgenommen hatte, das Unaussprechliche auszusprechen.

“Ich werde sterben.“

Zeit verging, Sekunden, deren Ticken niemand hörte. Während ihr Herz noch schlug, war Giselle taub geworden für die Geräusche um sie herum, blind für die Menschen die an ihrem Bett standen. Die in ihrem Schoß gefalteten Hände hatten sich auf ihren Bauch gelegt und mit Tränen gefüllte Augen blickten Exodus an, ohne ihn zu erkennen. Alles was sie sah, waren ihre Träume: der Junge mit den dunklen Haaren, der sich an ihre Hand klammerte, der Mann mit dem verflixt charmanten Lächeln, der barfuß im Sand ging. Sie sah, wie sich die Wellen brachen, sah das Grünen der Blätter an den Bäumen, den Aufgang der Sonne in den frühen Morgenstunden. Sie sah die Familie, die sie sich gewünscht hatte, den Sohn, der niemals sein würde und das Ziel, das so nah gewesen war.

„Wir können das Ergebnis durch eine Reihe anderer Tests bestätigen lassen.“

Wie aus weiter Ferne hörte Giselle die Stimme des Arztes, die sie zurück rief. Er sprach nicht länger an sie gewandt, realisierte sie.

„Schnelltests wie dieser bieten keine 100%ige Gewissheit. Der C-Virus ist…“

“Tödlich.“

Ergänzte Giselle. Sie sah den Arzt an.

“Sagten Sie mir zwei Dinge, Doctor. Kann ich überleben, bis mein Baby ausreichend entwickelt ist, vorzeitig geholt zu werden? Und besteht das Risiko… besteht die Gefahr, dass sich Exodus infiziert, durch mich?“

Er zögerte merklich, legte sich seine Worte zurecht. Es würden zwei Antworten werden, die ihr nicht gefallen würden.

„Miss Giselle, der aktuelle Forschungsstand lehrt uns, dass die überwiegende Zahl an Erkrankungen des C-Virus nicht heilbar ist. Die Chancen auf ein Hinauszögern der Ausbreitung des Virus… wir haben dies bisher nicht ausreichend ergründen können.“

Auf seiner Stirn glänzten Schweißperlen. War es Nervosität, die ihn zeichnete, die Wärme im Raum? Oder hatte er schlicht Angst? Er trat einen Schritt zurück und das Bedauern in seinem Blick, das in diesem Moment endlich deutlich sichtbar wurde, richtete sich in voller Konzentration auf Exodus.

„Die Gefahr einer Ansteckung indes ist immens.“

Schloss er und Giselle wusste alles, was sie wissen musste.


- Coruscant – Obere Ebenen – Wingston Tower – Penthouse – Mit Exodus und Doctor Forlin –
 
Coruscant, Jedi-Tempel, Medizinische Abteilung, Okin mit NPCs

Wie heißt es so schön: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Doch wie Okin sich nur zu gut bewusst war, entgegen der landläufigen Meinung nur ein sehr kleiner Schritt. Wie oft hatte er schon Patienten gehabt, die das Problem grundsätzlich begriffen hatten, aber trotz allem keine Besserung eintrat.

Einerseits bedeutet Einsicht nämlich nicht, dass dadurch gleich die Ambivalenz verschwindet. So wie es nicht nur weiß und schwarz gibt, gibt es auch nicht nur richtig oder falsch. Alles hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Okin war auch überzeugt, dass es kein sinnloses Verhalten gibt. Man hat also für alles, was man tut, auch einen guten Grund. Und dieser gute Grund der verschwindet nun einmal nicht zwangsläufig gleich in dem Moment, in dem man erkennt, dass das Verhalten auch zu Problemen führt. Verkompliziert wird das Ganze häufig auch noch dadurch, dass die problematischen Verhaltensweisen eben auch meistens unsere unmittelbaren Bedürfnisse befriedigen, während sowohl die negativen Folgen der problematischen Verhaltensweise als auch die besseren Verhaltensalternativen sich häufig erst in der Zukunft auszahlen. Und es ist nun einmal ein Muster des menschlichen Verhaltens, dass man sich eher für die unmittelbaren Belohnungen als für die verzögerten entscheidet. Und so stand Okin nun vor einer schweren Entscheidung: Auf der einen Seite half ihm das unbewusste Machtanwenden unmittelbar, indem er die eigenen Gefühle unterdrückte, die nach dem tragischen Tod seiner Familie so viel grausamer auf ihn einwirken würden als die hunderten negativen Gefühle, die von den Fremden kamen. Auf der anderen Seite wusste der junge Mann genau, dass es auf lange Sicht besser wäre das Trauma zu verarbeiten. Er quälte sich ja auch selbst durch die Emotionen der Anderen. Wenn er mit sich ins Reine käme, müsste er dies nicht mehr tun und könnte sich dadurch sowohl das eigene als auch das fremde Leid ersparen.

Andererseits gab es aber auch noch das Problem, dass Einsicht nicht auch gleichbedeutend mit einer gelungenen Umsetzung war. Das Umsetzen neuer Verhaltensweisen war teilweise so viel schwieriger als die Einsicht. Wie oft hatte der Psychologe schon an seinen Patienten gesehen, dass sie zwar ein Problem erkannten, aber es nicht schafften bessere Verhaltensweisen umzusetzen. Ein Verhalten, das man teilweise jahrzehntelang gelernt hatte, war nun mal nicht leicht zu ändern. Das Verhalten läuft dann zumeist auch vollautomatisch ab. Neues besseres Verhalten statt dieser eingebrannten Muster zu zeigen erfordert daher viel Mühe und vor allem auch viel Zeit. Und auch wenn Okin die Nutzung der Macht erst seit neuestem zur Gefühlsabwehr einsetzte, konnte er sich selbst gut genug einschätzen, um zu wissen, dass er schon seit langer Zeit vor seinen eigenen Gefühlen davon rannte. Selbst wenn er sich also entschloss, das Problem anzugehen, stand ihm ein harter, kräfteraubender und langer Kampf bevor.

Als Okin über dies nachdachte, wurde er plötzlich aus seinen Gedanken gerissen. Jemand hatte ihn angesprochen. Verdutzt drehte sich der Coruscanti zu der Person. Es handelte sich dabei um eine Frau in etwa seinem Alter, die sich als Lucia Callat vorstellte und dem etwas überrumpelten Okin sogleich die Hand entgegenstreckte. Okin schüttelte ihre Hand etwas zögerlich. Die Frau wirkte aufgrund ihres Lächelns sympathisch und Okin stellte natürlich auch gleich fest, dass die Frau mit ihren schönen langen brünetten Haaren und ihrem zierlichen Körper attraktiv aussah. Mit etwas Verzögerung antwortete Okin:

„Sehr erfreut, Miss Callat. Ich bin Okin Ail.“

Die junge Frau wollte hier also helfen. Jedoch konnte Okin sich nicht genau vorstellen, was sie sich konkret darunter vorstellte. Sie war nicht wirklich gekleidet, wie eine Jedi und daher wohl keine Heilerin. Aufgrund ihres Alters und ihres Erscheinungsbildes wirkte sie auch nicht wie eine gewöhnliche Ärztin.

„Ich denke hier kann grundsätzlich jede Hilfe gebraucht werden. Allerdings weiß ich nicht, wie Ihr am besten eingesetzt werden könnt, Miss Callat. Was seid ihr denn von Beruf? Was habt ihr euch denn für eine Tätigkeit vorgestellt? Außerdem bin ich selbst kein Beschäftigter des Tempels. Ich kann Euch also nicht versprechen, dass ich Euch wirklich weiterhelfen kann.“

Coruscant, Jedi-Tempel, Medizinische Abteilung, Okin mit Lucia und NPCs
 
Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

Es war gut, dass sich das Gespräch langsam dem Ende näherte. Diese Unterhaltung führte doch zu nichts, und Eowyn kam nicht umhin sich zu fragen, ob die beiden vor ihr vernünftig bleiben würden - letzten Endes aber sah es doch danach aus. Vielleicht hatten sie ebenfalls erkannt, dass sie solch unterschiedliche Ansichten hatten, dass sie vermutlich niemals auf einen Nenner kommen würden. Viel schwieriger aber war der Gedanke, der Eowyn nachdenklich stimmte - sie stimmte beiden ein wenig zu, lehnte beide Meinungen ein wenig ab. Was hieß das für sie? Was für eine Konsequenz zog sie aus dieser Erkenntnis, was hatte das zu bedeuten? Oder lag es nur an diesen wirklich konträren Meinungen, würden andere Jedi ihr vielleicht sogar zustimmen?
Lange hatte sie allerdings nicht, um darüber nachzudenken.

Das hier und jetzt, das war wichtiger, und die Ansicht, die Duval von ihr oder den Jedi hatte.
Naiv. "Moralische Einwände".
Natürlich. Böse moralische Einwände... weil die Jedi auf Rechte bestanden, weil sie in Betracht zogen, dass jemand ausnahmsweise vielleicht einmal die Wahrheit sagte? Was für ein Problem hatte Duval? Worauf beruhten seine Erfahrungen? Dies allerdings anzusprechen hätte nur in eine ähnlich sinnlose Diskussion wie die gerade eben mit Ian geführt - und war erst Recht nicht Thema dieses Gesprächs.
Eowyn blickte Duval an, als er weitersprach, und das, was folgte, war lächerlich. Ob ihm bewusst war,
wie lächerlich? Sie schnaubte kurz, was Ian nutzte und ihr mit seiner Antwort zuvorkam. Dass er die Vorgehensweise der Jedi in Schutz nahm war faszinierend, hatte er doch auf Lianna noch fürchterlich dagegen gewettert. Aber vom Prinzip her stimmmte sie ihm natürlich vollkommen zu. Sie konnte dann nicht anders, als dem Agenten noch zu antworten, denn diese Falschaussage konnte sie nicht stehen lassen. Nicht bei Duval, und erst Recht nicht, weil all das noch immer aufgezeichnet wurde. Es war nämlich mitnichten so gelaufen.
Die Jedi haben dem Geheimdienst nicht misstraut, Lieutnant Duval. Ihre Abteilung hat von Beginn an die gleichen Berichte bekommen wie der Jedi-Rat, der Geheimdienst hätte die Möglilchkeit gehabt, Mr. Dice schon früher zu befragen, hat jedoch darauf verzichtet. Weshalb - das habe ich mich auch schon länger gefragt. Vielleicht war es ihnen doch nicht so wichtig?
Und was hätten sie getan, hätten wir ihnen Mr. Dice überstellt? Wie hätten sie ihn, einen, wie sie festgestellt haben, nicht ganz unfähigen ehemaligen Sith, unter Kontrolle, unter Beobachtung gehalten? Mir fällt momentan, um wirklich sicher zu sein, nichts ein, was nicht bei den Personenrechten durchfällt, und diese werden die Jedi ganz sicher nicht missachten. Nennen Sie es "moralische Einwände", aber wir alle sind nun einmal nicht das Imperium.
Sie brauchen uns, und wir brauchen den Geheimdienst. Vielleicht ist es an der Zeit, sich von allen Seiten langsam darauf zu besinnen...

Dass Duval darum kämpfte, dass weniger Lebewesen starben, dessen war Eowyn sich sicher, sie stellte es noch nicht einmal in Frage. Aber genau das war das Problem - jeder in der Republik wollte dieses Virus stoppen, doch manche gingen Wege, die nicht unbedingt direkt zum Ziel führten. All das, selbst dieses Gespräch hier, kostete Zeit, viel Zeit, Zeit, die all die Opfer nun einmal nicht hatten. Jede Minute starben mehr. Jede Minute infizierten sich mehr.
Doch immerhin tat sich nun etwas. Duval war Ians Wahrheit nun nicht mehr abgeneigt, das war ein Erfolg, der hoffentlich ein großer Schritt war.

Der Agent erwähnte eine Nachricht, und Eowyn sah ihn überrascht an, die Augenbrauen hochgezogen. Eine imperiale Präsenz? Was, bitteschön, meinte Wes damit? Im Sinne einer Person, eines Ortes?

Das klingt... positiv.
Wes hatte offensichtlich schon Fortschritte in der Erforschung der unteren Ebenen gemacht - würde Ian sich dieser Sache anschließen wollen, dann musste eine Entscheidung getroffen werden. Eine, die Eowyn nicht treffen wollte... und von der sie auch nicht wollte, dass Ian sie traf. Doch es musste sein. Und eigentlich - das wusste sie, wenn sie ehrlich zu sich selbst war - hatte sie sie ja schon längst getroffen. Ian würde gehen, er musste gehen; für sich, für alle anderen. Sein Platz war da, wo die Chancen auf ein Heilmittel am größten waren, und dort musste er nun einmal hin. Ob sie selbst wollte oder nicht, und außerdem... außerdem hatte sie wirklich nicht das Recht, ihn davon abzuhalten, so sehr sie es auch wollte, so sehr sie es sich wünschte.

Doch zunächst war diese Unterhaltung noch nicht ganz vorbei. Der Geheimdienst würde etwas "Handfestes" brauchen - und Eowyn fragte sich, wie so etwas aussehen würde. Wie sollte man beweisen, dass der Virus aus der dunklen Seite stammte? Das schien unmöglich, wenn man nicht über die Macht verfügt... und so sah Eowyn Duval womöglich zum ersten Mal vollkommen offen und ehrlich an, als sie nickte.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

Sie nickte auch, als der blonde Mann davon sprach, dass die Jedi dem zustimmen würden. Das werden sie, sagte sie leise, wir sind momentan ohnehin für jede Hilfe dankbar. Duval erhob sich, und auch Ian und Eowyn standen auf. Die beiden Männer reichten sich die Hände - Ian erpicht darauf, seine Hilfe zu betonen, Duval tatsächlich mit geschäftiger Dankbarkeit. Gerade das war es, was Eowyn dazu veranlasste, auf die beiden Hände zu starren, die sich berührten. Dankbarkeit. Danke, dass Sie ihr Leben weggeschmissen haben, als sie sich stellten. Danke, dass Sie sich für die Neue Republik opfern. Sachlich, nicht herzlich, bedauernd. Ihm war kein Vorwurf zu machen, Herzlichkeit, Empathie war nicht sein Job, in seiner Abteilung konnte man sich so etwas wohl kaum leisten - genauso wenig wie sie es sich eigentlich leisten sollte.
Und das war Ian nun einmal. Er war der "Fall Ian Dice", er war die Informationsquelle, die man nutzen würde, so lange es ging. Und dann? Ein Zeitfenster. Nach einer Empfehlung.
Und nach dem Zeitfenster? Schwärze. Die Hoffnung, die sich Eowyn in den letzten Tagen, Wochen gemacht hatte, sie erschien plötzlich, mit der Realität konfrontiert, so lächerlich. So völlig utopisch. Wie war sie jemals auf den absurden Gedanken gekommen, es könnte eine Chance geben? Die Jedi hätten sie Ian vielleicht... vielleicht gegeben. Doch die Republik? Alle würden sie, wenn die Wahrheit herauskam, nach einem Kopf verlangen, danach gieren, und die Regierung würde nur allzu froh sein, ihnen einen liefern zu können. "Seht her, wir haben einen Schuldigen. Sehr her, wir bieten euch Vergeltung an." So war die Politik nun einmal. Und so war die Galaxis.
Eowyn schluckte, blinzelte zwei Mal, gab sich größte Mühe, all das, was sich eigentlich einen Weg herausbahnen wollte, in den Hintergrund zu drängen und verstärkte zur Sicherheit ihre leichte Abschirmung. Ian brauchte nicht zu wissen, dass die Realität sie soeben eingeholt hatte. Für ihn würde sie weiter hoffen müssen, auch, wenn sie nicht mehr daran glaubte. Doch Ian brauchte diese Hoffnung wahrscheinlich. Wie sonst sollte er weitermachen?
Sie schüttelte all das ab und sah Duval
an.

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Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten - NPCs, Alisah, Markus, Elise, War und Wes

Markus zögerte keine Sekunde, die Zusage für die Mission auszusprechen. Wes für seinen Teil war ja gewohnt, sich in solchen Dingen zunächst bei seinen Padawanen rückzuversichern, zumindest mit einem kurzen Seitenblick oder einem kleinen Machtfühler in ihre Richtung. Schließlich konnte es durchaus vorkommen, dass der eine oder andere sich mit dem einen oder anderen Auftrag unwohl fühlte, zum Beispiel wegen einer Tookaallergie. Das war zwar ein recht blödes Beispiel, aber es konnte Gründe geben, und eigentlich brauchte es gar keinen konkreten, logischen Grund. Ein Jedi hörte schließlich auf seine Gefühle. Aber vielleicht kannte Markus seine Padawan einfach sehr gut, oder sie war weniger kompliziert als manche von Wes' vorangegangenen. Elise machte auch nicht unbedingt einen brüskierten Eindruck.

»Sehr gut! Wie es aussieht, haben wir also den Grundstock unseres Teams zusammen!«

Wes fand schnell heraus, dass er mit seiner verkürzten Information über Kollegin Chesaras derzeitige Lage mehr Besorgnis ausgelöst hatte, als dies notwendig gewesen wäre. Schließlich war die Rätin in keiner unmittelbaren Gefahr mehr, es war vielmehr die allgemeine Situation in den unteren Ebenen, die ihn beunruhigte.

»Nach Lage der Dinge muss ich annehmen, dass keine Gefahr mehr für sie besteht. Momentan gibt es wahrscheinlich nur wenig, was wir für sie tun können. Ich denke, sie will nicht gefunden werden, aber sie verspricht, uns auf dem Laufenden zu halten. Mir macht eher das Grundsätzliche Sorgen, so dass wir anscheinend nicht mehr in der Lage sind, ein Lazarett in den unteren Ebenen zu halten. Es gibt Berichte, dass die Bandenkriminalität außer Kontrolle gerät. Die Versorgungslage dort unten ist katastrophal und es sieht so aus, als hätten wir nicht die Mittel, daran etwas zu ändern. Dieser Aufruhr, der Chesaras Lazarett zerstört hat, war nicht der erste. Wir sitzen auf einem Pulverfass, das jeden Moment explodieren könnte,«

Erklärte Wes und fuhr nach einer kurzen Pause fort:

»Deshalb ist dieser Auftrag so wichtig. Wir müssen mehr über die Hintergründe des Viruses herausfinden. Ian Dice glaubt zwar, dass wir auf Coruscant nichts Bedeutsames finden werden, aber ich denke, er irrt sich. Wir müssen es auf jeden Fall versuchen. Den Virus zu besiegen ist unsere einzige Hoffnung, die Lage in Galactic City wieder unter Kontrolle zu bringen.«

Im Anschluss erklärte Admiral Blade die Missionsparameter. Dabei konnte Wes nicht anders, als gewisse Aspekte davon unfreiwillig komisch zu finden. Ihr Ziel war eine Tierarztpraxis mit Kleintierhandlung… welche im ungünstigsten Fall von bis an die Zähne bewaffneten Spezialeinheiten und Jedi gestürmt würde. Allerdings glaubte der Jedi-Rat dies nicht wirklich. Dort musste etwas sein, er war sicher, so wie sich der Admiral auf ihre Jedi-Sinne verließ, um sich dessen rechtzeitig zu versichern.

»Ich denke, wir werden in der Lage sein, dies herauszufinden. Wir müssen aber schnell sein, denn falls wir mit unserer Einschätzung recht haben, wollen wir dem Feind keine Gelegenheit geben, wichtige Informationen zu geben oder mögliche Hintermänner zu warnen,«


Fügte er hinzu.


»Ich muss ein paar Dinge aus meinem Büro holen, es sollte aber nicht lange dauern. Ich treffe euch auf der Landeplattform.«


Bevor Wes ging wandte er sich an Alisah und lächelte sie an.

»Halt die Ohren steif, Alisah! Ich sehe nach dir, wenn ich zurückkomme, versprochen.«

Auf dem Weg dachte Wes nach, was er eigentlich brauchte. Eigentlich hatten sie keinen großen Bedarf für zusätzliche Feuerkraft, aber er fühlte sich trotzdem besser, wenn er seinen DL-44-Blaster mitnahm. Es gab Situationen, in denen ein Lichtschwert weniger praktisch war und es war kein Spaß, sich im Nahkampf mit Gegner zu befinden, die von Verbündeten beschossen wurde. Außerdem gab es Dinge, die Jedi mit Blastern anstellen konnte, die für jemanden ohne die Macht als Verbündeten unmöglich waren. Darüber hinaus brauchte er einen kleinen, transportablen Satz Werkzeug und ein Datapad, um sich gegebenfalls in ein Computersystem zu hacken. Wobei solche Dinge schnell grenzwertig würden. Wes bevorzugte gewöhnliche Elektrik. Es war leicht, sie in der Macht aufzuspüren und zu manipulieren. Computersysteme waren dagegen zu komplex. Anstatt eine Türsteuerung zu hacken wie ein Astromech (Wes schauderte bei dem Gedanken, dass eine selbstfahrende Kreuzung aus einer Mülltonne und einem Taschenlaser etwas konnte und er nicht), würde er lieber mit der Macht ein wenig Energie auf die Hydraulikpumpe geben, welche die Türe letztendlich öffneten. Allerdings gab es genug Fälle, wo derlei einfache Dinge nicht funktionierten. Wes verstand genug von Computersystemen und Hacking, um zu wissen, dass er besser die Finger davon ließ, wenn wirklich der IGD im Spiel sein sollte. Bevor er Beweise vernichtete, würde er lieber die Spezialisten ranlassen – die Expertise des NRGD wäre wirklich nützlich auf dieser Mission. Der Jedi-Rat schickte eine weitere Nachricht an Agent Arkadi Duval und teilte ihm mit, wo er sie finden würde.

Da Wes inzwischen fast alle Schleichwege im Tempel rund um sein Büro kannte und keine Skrupel hatte, selbst den marodesten Turbolift zu benutzen, dauerte es nicht lang, die Landeplattform zu erreichen, wo der Angriffstransporter bereits wartete. Er konnte nicht anders, als das Fluggerät sich in allen Einzelheiten anzusehen. Schließlich war das praktisch der Nachfolgemodell des demilitarisierten Wracks, um welches herum er vor Urzeiten seine Desaster gebaut hatte. Der Jedi sah sich gerade die Steuerdüsen aus der Nähe an, als ihn der Gedanke überkam, ob ihn Admiral Blade vielleicht ans Steuer lassen würde. Es wäre sicherlich spaßig, etwas militärische Hardware auszuprobieren… so viel davon hatte der Orden ja nicht. Wes verwarf den Gedanken allerdings schnell wieder. Das Ding sah aus wie ein Fisch, wahrscheinlich flog es auch wie ein Fisch und ließ sich steuern wie ein Nerf. Das waren jedenfalls die Erfahrungen mit der ersten Inkarnation der Desaster. Dies war eine diffzile Mission, welche man nicht durch Amateure am Steuer gefährdete und Wes wäre besser vorbereitet für den Bodeneinsatz, wenn sie tatsächlich landeten.


Coruscant - Jedi-Tempel - Landeplattform, am ATR-6 - andere? und Wes
 
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