Onderon, Dxun (Japrael-System)

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Toji schüttelte den Kopf. Sie hatte seine Worte also wohl nicht wirklich richtig verstanden. Wobei sie sich dessen nicht so sicher war. Jedenfalls verneinte er und machte deutlich, dass er ihr nicht die Schuld geben wollte. Allerdings hatte sie dies so auch nicht gemeint. Dass niemand eine Schuld bei dieser Sache hatte stimmte keineswegs. Er hatte sie geküsst aus welchem Anlass im genauen auch immer und sie hatte es zugelassen. Damit waren sie beide Schuld. Abstreiten ließ sich dies nicht. Sollte die Situation wirklich ausschlaggebend gewesen sein? Das Schicksal. Es war stets einfach es auf das Schicksal zu schieben wenn man daran glaubte. Aber genau dies tat Seren nicht. Sie hatte im laufe ihres Lebens gelernt und auch während ihrs Studiums zur Counselor, dass sich nichts von so etwas wie einem Schicksal leiten ließ. Es mochte Ereignisse geben, die vielleicht ein wenig davon herrühren wenn man es so nennen wollte. Aber jeder war stets seines eigenen Glückes Schmied. Sein Leben hatte man selbst in der Hand und danach bestimmte man wie es verlaufen sollte. Zumindest zu größten Teil. Dass seine Prinzipien in diesem Zusammenhang nicht so wichtig waren gefiel Serenety nicht. Die Bedeutung hinter diesen Worten konnte genauso gut auch eine andere sein. Aber sie wollte dieses Thema nicht noch einmal ansprechen, aus guten Gründen.

Nun war er es, der sich in Bewegung setzte. Die Anspannung war bei ihm spürbar und ebenso Nervosität. Etwas was wohl nicht ausblieb, wenn man sich so sehr Mühe dabei gab sich ein wenig zu öffne. Es ging ihr selbst nicht unbedingt besser, auch wenn sie sie es besser verbergen konnte als er. Zu sehen, dass auch er nur ein Mensch war, der ebenso Schwierigkeiten mit sich hatte war eine Erfrischung. Denn bislang hatte er stets den Unnahbaren gespielt. Der starke Commander, den nichts erschütterte und dann feststellen zu müssen, dass ihn doch do vieles erschütterte war eine Genugtuung. Damit wäre bewiesen, dass er nicht unfehlbar war, so wie es niemanden gab, der diese Eigenschaften aufweisen konnte. Eines war damit Klar, Toji war auch nur ein einfacher Mann.

Leicht hob sie den Kopf als er verdeutlichte, dass ein Kind seine Eltern nie enttäuschte. Auch dies stimmte nicht. Hierbei irrte er gewaltig. Durch ihre Arbeit hatte sie genug Erlebnisse gehabt in denen man ihr sogar wörtlich gesagt hatte, dass Tochter oder Sohn einen Enttäuscht hatten und manchmal hatte Seren es in den Augen ihrer Mutter gelesen. Diese war enttäuscht gewesen nachdem klar geworden war, dass sie weder Schauspielerin, Sängerin noch Model werden wollte. Nur wusste dies Toji nicht. Mit seinen nächsten Worten hatte er allerdings wieder Recht, denn ein Kind entwickelte sich zumeist nicht nach den Vorstellungen der Eltern oder besser gesagt nach deren genauen Vorstellungen. Trotz allem wusste sie, dass ihre Mutter heute stolz auf sie war.


„Du irrst dich. Ein Kind kann sehr wohl enttäuschen. Besonders dann wenn dessen oder deren Lebensweg damit endet zum Mörder zu werden oder ähnlichem. In meiner Arbeit als Counselor habe ich oft genug damit zu tun gehabt. Ich habe meine Mutter sehr wohl enttäuscht, auch wenn es nicht so extrem war. Dass sich kein Kind nach den genauen Vorstellungen seiner Eltern entwickelt ist nicht abzustreiten. Wir haben nicht nur unseren eigenen Kopf sondern sind auch verschiedenen Einflüssen ausgesetzt.“

Mehr wollte sie hierbei nicht sagen, denn ansonsten würde sie sich in diesem Thema verlieren. Immerhin konnte er ihr hierbei nichts vormachen, besonders nicht, da sie es war, die sich mit solcherlei auskannte. Wunderbar! Man hatte es ihr also angemerkt, dass sie nie wusste wie genau sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Am liebsten hätte sie ihn geschüttelt. Warum hatte er nicht eher was gesagt? Jetzt war sie es, die sich dämlich vorkam. Ihr fehlte die Erfahrung mit Menschen? Also dies war wohl die Höhe. Keinesfalls hatte sie irgendwelche Probleme mit Personen, die um es wie er zu formulieren ohne Probleme dastanden und somit nicht nach Antworten suchten. Was glaubte er eigentlich? Hier den Psychologen spielen zu können? Idiot! Das Lächeln auf seinen Lippen machte sie wütend. Doch schnell brachte sie sich zur Resong, immerhin wusste sie ja, dass er keinerlei Ahnung hatte.

„Ich glaube kaum, dass ich ein Problem mit Menschen habe noch fehlt mir hierbei die Erfahrung! Diese Behauptung ist wohl ziemlich daneben. Wenn mir Erfahrung fehlt, dann mit Männer dies gebe ich zu.“

Verdammt warum hatte sie ihm dies gestanden? Am liebsten wäre sie im Erdboden versunken. Wie konnte sie nur? Ihre Worte würden ihn einiges Schlussfolgern lassen und wahrscheinlich Dinge, von denen sie es nicht einmal wollte. So konnte man sich auch in eine höchst Dumme Lage bringen. Wie bracht er es nur fertig, dass sie entweder maßlos wütend über ihn wurde oder aber ihm Geständnisse machte, die sie sonst für sich behielt. Wo blieb hierbei die Gerechtigkeit? Das Chaos ihrer Gefühle wurde wieder schlimmer und so langsam begann sie sich zu fragen ob sie von allen guten Geistern verlassen war. Sie musste ein Verdammter Narr sein. Er machte sie Wahnsinnig. In seiner Gegenwart war sie einfach nicht sie selbst. So als ob er ein Talent dazu hätte sie zu einem Kind werden zu lassen, was hilfloser nicht sein konnte. Woran lag dies nur? War es Absicht? Noch immer kam sie nicht wirklich damit klar was sie fühlte oder dachte. Er verwirrte sie zu nehmst. Gleichzeitig fühlte sie sich zu ihm hingezogen und dies machte ihr Angst. Darüber wollte sie am aller wenigsten Nachdenken. Denn diese würden sie mit Sicherheit verraten. Etwas was sie nicht zulassen durfte. Schwäche zu zeigen war ebenso schlecht wie einen Fehler einzugestehen. Nur das wenn man einer Schwäche nachgab es zu größeren Problemen konnte als wenn man sich selbst etwas eingestand.

Es tat ihm leid, dass ihre Erfahrungen nicht sonderlich einfach gewesen sein mussten und dabei kannte er nicht einmal die ganze Wahrheit. Eine Wahrheit, die sie für sich behalten und bisher keiner Menschen Seele anvertraut hatte. Es war immer einfach zu sagen, dass man die Vergangenheit ruhen lassen musste. Wenn diese eine im Schlaf verfolgte war es noch einmal schwerer. Die Zukunft, sie war stets in Bewegung und wandelte sich. Niemand konnte mit Sicherheit sagen wie sie ausging. Der Erfolg des Imperiums hatte so einige Schweine hervorgebracht, die in Seren Augen nicht mehr Wert waren als der Dreck unter den Nägeln und hierbei spielte es keine Rolle welchen Rang sie innehatten. Die Akademie hatte einige dieser Schändlichen Subjekte großgezogen und in die Galaxie entlassen. Der Krieg würde sie verschlingen. Früher oder später! Hatte sie die Möglichkeit über sie zu gelangen? Moralisch auf alle Fälle aber beruflich? Vielleicht, wenn sie hart daran arbeitete. Andere hatte sie bereits schon überholt. Ihr Eispanzer, ein Ausdruck der gut passte war ein Relikt alter Tage ja, doch überwunden hatte sie ihn noch lange nicht. Dafür würde noch einige Zeit ins Land gehen.


„Es braucht dir nicht Leid tun. Was geschehen ist, ist geschehen und lässt sich nicht ändern. Die Vergangenheit hinter sich zu lassen ist einfach als gesagt. Nicht wenn einen manchem Bilder bis in den Schlaf verfolgen. Was die Zukunft angeht so ist diese stets in Bewegung und damit macht es einen schwer sich auf diese zu konzentrieren. Was das Imperium hervorgebracht hat wird es auch wieder beseitigen müssen. All jene, die glauben so weiter leben zu können wie bisher werden ihrem Tod entgegenlaufen und ich werde die letzte sein, die um sie trauert!“

Ihre Worte waren hart, fast eisig. Aber sie waren auch so gemeint. Denn verzeihen würde sie in dieser Hinsicht nicht. Dies konnte sie auch nicht. Was sie davongetragen hatte, hatte zu tiefe Wunden hinterlassen.

„Wir werden sehen, wie weit meine Möglichkeiten gehen oder nicht. Dieser Eispanzer wie du ihn nennst ist ein Relikt alter Zeit ja, aber ich habe ihn noch lange nicht gänzlich abgelegt noch überwunden. Es gibt einige denen dies vielleicht gelingen mag, aber der Größtteil von uns, der solche Erlebnisse hatte, wird nie wieder zu der werden, die sie einst mal war. Dies kann ich mit Bestimmtheit sagen.“

Serenety schwieg von neuem. Einen weitern langen Moment damit verbringend ihre Gedanken zu ordnen. Es gab Themen, die in ihr etwas weckten was besser schlafen sollte. Es würde nur Ärger geben und dies wollte sie nicht. Das Gespräch zwischen ihr und ihm hatte eine Basis, die sie aufrechterhalten wollte. Die braunen Augen der Exotin wanderten erneut zu ihm hin und sie fragte sich was wohl wäre, wenn er nicht der wäre, der er war. Wenn er nicht ihr Vorgesetzter wäre und damit kein Tabu. Wieder unterbrach sie ihre Gedanken die eine Wendung nahmen, die ihr nicht gefiel. Er war zu viel in ihren Gedanken und dies wäre auf Dauer ungesund. Sehr ungesund sogar.

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- Onderon - Murata-Anwesen - Wohnbereich - kleines Zimmer - mit Serenety -

Für Toji schien das Gespräch sich langsam dem Ende zu nähern. Seine Wortgewandtheit hatte ihr Maximum erreicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde er dieses rhetorische Duell - wenn man es denn so nennen wollte - gegen Serenety verlieren. Er konnte gegen ihr Fachwissen nicht genügend Beweise, die das Gegenteil aufzeigen sollten, aus dem Ärmel schütteln. Wenigstens waren sie sich wieder ein Stück näher gekommen. Hatten eine Basis für die Zukunft gefunden.

“Du irrst dich. Ein Kind kann sehr wohl enttäuschen.”, sagte Serenety mit fester Stimme. “Besonders dann wenn dessen oder deren Lebensweg damit endet zum Mörder zu werden oder ähnlichem. In meiner Arbeit als Counselor habe ich oft genug damit zu tun gehabt. Ich habe meine Mutter sehr wohl enttäuscht, auch wenn es nicht so extrem war. Dass sich kein Kind nach den genauen Vorstellungen seiner Eltern entwickelt ist nicht abzustreiten. Wir haben nicht nur unseren eigenen Kopf sondern sind auch verschiedenen Einflüssen ausgesetzt.”

Der Blick des Flottenoffiziers richtete sich wieder auf Serenety. Sie hatte ihm widersprochen. Er konnte ihre Gegenargumentation verstehen. Natürlich sprach in diesem Moment der ausgebildete Counselor zu ihm. Fachwissen und praktische Erfahrungen zählten anscheinend mehr als seine Worte. Toji hatte sie beruhigen wollen, doch wie man sah flüchtete sie lieber in die Trostlosigkeit. Wie sollte er gegen diese Sturheit ankämpfen? Er hatte schon oft gehört, dass viele Ärzte ein Problem mit Selbstdiagnosen hatten. ‘Ist es bei ihr auch so?’, fragte er sich.

“In diesem Fall wird dein Wort wohl mehr Gewicht haben als meines”, antwortete Toji auf sie. “Jedoch schienen die Worte deiner Mutter anders auf mich zu wirken. Nun ja, mir fehlt es ja an menschlicher Kompetenz…”

Wie üblich wandte er den Blick von ihr wieder ab. Konnte er dieses Gespräch überhaupt zu einem guten Ende bringen? Er zweifelte an seinem Talent für solche Situationen. Als Krieger gehörte er in den meisten Fällen eher zu den praktischen Menschen. Nur in der Strategie und in der Taktik konnte er sich auch durch theoretische Überlegungen einen Namen verdienen. Zum Glück ließ Serenety dieses Thema fallen. Für den jungen Flottenoffizier flammte neue Hoffnung auf.

“Ich glaube kaum, dass ich ein Problem mit Menschen habe noch fehlt mir hierbei die Erfahrung! Diese Behauptung ist wohl ziemlich daneben.”, entgegnete die junge Akaji auf seine Annahme. “ Wenn mir Erfahrung fehlt, dann mit Männer - Dies gebe ich zu.”

“Damit hast du mich bestätigt”, sagte Toji auf ihre Worte. “Du kannst mit Menschen umgehen, die ein Problem haben. Du kannst ihnen dabei helfen ihre Probleme zu lösen, aber wie sieht es mit deinen eigenen aus? Schaffst du eine Selbstreflexion?”

Seine Augen richteten sich wieder auf Serenety. Sie wirkte in ihre eigenen Gedanken versunken zu sein. Fast hätte er sehen können wie sie sich für ihre Offenheit bezüglich Männern schämte. Wahrscheinlich hätte er es selbst in diesem Moment “süß” gefunden. Toji bewunderte zu einem wiederholten Mal ihre schlichte Schönheit. Jedoch gab er sich keinen Phantasien hin. Er musste mit klaren Gedanken dieses Gespräch führen. Jeder Fehler würde ihn nur erneut in ein dunkles Loch reißen.

Das Gespräch über die Kindheit und Jugendzeit von Serenety war ein schweres Pflaster für den Offizier. Hier konnte er nur wenig mit eigenen Erfahrungen mithalten und sich deshalb auf seine Menschenkenntnis verlassen. Seine Sichtweise hatte ihn dabei nicht ganz getrogen. Natürlich hatte er nicht alles richtig erfasst, aber das Grundverständnis war von seiner Seite da. Doch wie sollte er da bei ihr antworten? ‘Im Dunklen sollte man nicht zu lange allein herumtappen’, dachte sich Toji und verschränkte die Arme hinter seinem Rücken. Langsam kehrte seine selbstsichere Seite zurück.

“Wir werden sehen, wie weit meine Möglichkeiten gehen oder nicht”, endete Serenety ihren kurzen Einblick in ihre eigene Gefühlswelt. “Dieser Eispanzer - wie du ihn nennst - ist ein Relikt alter Zeit, ja, aber ich habe ihn noch lange nicht gänzlich abgelegt oder überwunden. Es gibt einige denen dies vielleicht gelingen mag, aber der Größtteil von uns, der solche Erlebnisse hatte, wird nie wieder zu der werden, die sie einst mal war. Dies kann ich mit Bestimmtheit sagen.”

Toji nickte bei diesen Worten. Natürlich führten einschneidende Erlebnisse zu Veränderungen im eigenen Leben. Der Flottenoffizier hatte dies bei seinem eigenen Cousin gesehen. Aiden hatte sich durch den Tod seines Vaters und der seiner Verlobten wirklich verändert. Ein Panzer aus reinstem Eisen umgab nun die Seele des jungen Piloten. Toji hatte diese Entwicklung mit viel Bedauern gesehen, aber eine Möglichkeit zum Eingreifen gefunden. Vielleicht hatte er hier eine zweite Chance.

“Aus der Sicht eines Beobachters kenne ich deine Situation”, sagte der imperiale Offizier mit ruhiger Stimme. “Mein Cousin hat durch einige Schicksalsschläge eine ähnliche Wendung erfahren. Nun lässt er keine Gefühle mehr zu und schirmt sich von seiner Außenwelt ab. Ich hoffe diese Entwicklung machst du nicht durch. Dafür ist deine Persönlichkeit einfach zu schön…”

Mit diesem Geständnis hatte er sich nun ein kleines Grab gebaut. Wie sollte er diesen letzten Satz vor ihr erklären? Wieso hatte er es überhaupt gesagt? Wieder hatten ihn seine Gefühle in eine Situation gebracht, die er nicht erklären konnte. Seine Emotionen drehten bei solchen Sachen einfach am Rad. Tojis Beschützerinstinkt hatte heimlich, in seinem Hinterkopf, die Macht über ihn ergriffen.


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Dieses Gespräch nahm eine leicht merkwürdige Wendung an. Eigentümlich war hierbei allerdings, dass nach und nach einige der Geheimnisse herauskamen. Von beiden Seiten um genau zu sein wurde das ein oder andere preisgegeben. Beide hatten hiermit nicht gerechnet und am wenigsten Serenety, der Eispanzer im Laufe der Zeit so dick geworden war wie etliche Mauern. Es war ein Selbstschutz dessen nicht verletzt zu werden und es hatte sie nie sonderlich gestört auf andere den Eindruck zu machen Gefühlskalt zu sein. Das Imperium schätze es nur wenig wenn seine Offiziere an Menschlichkeit beibehielten. So zumindest hatte sie es bisher erlebt. Disziplin war stets gefordert gewesen und alles andere hatte keine Rolle gespielt. Sie war in einem Umfeld aufgewachsen, welches stets hohe Anforderungen an sie gestellt hatte und diesen hatte sie gerecht werden müssen. Gleich wie schwierig sie manchmal auch zu ertragen gewesen waren. Seren hatte sie gemeistert, wenn sie auch hierbei einiges von dem verloren oder eingebüsst hatte, was sie einst gewesen war. Die Spaltung ihrer selbst, der nicht Glaube an Gefühle, die mit Liebe zu tun hatten und ihre Verachtung Männern gegenüber, waren hierbei die markantesten Tatsachen. Sie hatte seit die Akademie zu ende war ein Problem damit Männern Respekt zu zollen. Diese Tatsache machte es nicht immer leicht und doch arrangierte sie sich damit. Vorgesetzten gegenüber blieb sie stets Respektvoll, aber es gab Situationen in denen sie sich nichts gefallen ließ. Ihrer Karriere hatte dies bisher nicht geschadet, so aber ihrem Privatleben und so manchen angeblichen Freundschaften.

Toji griff das Thema bezüglich ihres Widerspruchs nur kurz auf. Wahrscheinlich aus dem Grund, da er eine Diskussion vermeiden wollte und erst Recht, da Seren hierbei die Oberhand behalten würde. Inwiefern sollte sie ihn bestätigt haben? Seren fühlte sich ertappt als Toji wissen wollte ob sie mit ihren eigenen Problemen umgehen konnte oder ob sie gar eine Selbstreflexion schaffte. Dies war gewagt. Besonders da ihr Verhältnis sich gerade ein wenig gebessert hatte. Was er da versuchte war gefährlich, denn das Eis auf dem er sich nun befand war Dünn. Sehr dünn und wenn er nicht Acht gab, würde es unter seinem Gewicht brechen. Wie kam er überhaupt dazu, so etwas zu sagen, geschweige den zu denken? Bisher war sie wunderbar mit ihren Problemen zurechte gekommen ohne sich jemals Gedanken darüber machen zu müssen. Ebenso hatte sie bis jetzt keine Probleme gehabt eine Selbstreflexion durchzunehmen. Doch nun wo sie ihn kannte, mit ihm zu tun hatte, viel ihr genau dies wahnsinnig schwer. Seit er in ihr Leben getreten war, war alles aus den Fugen geraten und sie hatte das Gefühl sich selbst nicht mehr zu kennen. Der Ausschlaggebende Punkt hierbei war, dass es ihr seit dem nicht mehr gelang klar ihre Gefühle zu definieren noch sie auf irgendeiner weise zu verstehen. Es war wie Verhext, so als ob ein böser Zauber sie davon abhielt sich selbst zu verstehen. Es musste mit an ihm liegen. In dieser Situation war sie noch nie zuvor gewesen und bei niemandem sonst. Er hatte ein wahnsinniges Talent dafür sie völlig aus der Bahn zu bringen. Sie hatte das Gefühl vor ihm einfach Nackt dazustehen und sich nicht einmal verbergen zu können. Mit Rechten Dingen konnte dies nicht zugehen und dennoch schaffte er dies immer aufs Neue. Er war wie in Spinnenetz, in welches sie sich verfing und aus dem sie nicht mehr heraus konnte. Es fehlte nur noch das er sie verschlang. Wieder verstand sie weder sich noch die Welt um sich herum. Alles schien so fremd zu sein.


„Ich hab dich bestätigt…, du bist wahrlich ein Meister darin gekonnte Fragen zu stellen, die einen entweder völlig aus dem Konzept bringen oder aber haar scharf an einer Ohrfeige vorbeigehen.“

Seren ließ diese Worte im Raum stehen. Toji behauptete ihre Situation aus der Sicht eines Beobachters zu kennen, worauf sie schloss, dass er in der Hinsicht wohl schon mal etwas erlebt haben musste. Und ebenso war es, denn nun lieferte er einen kurzen Bericht über seine Cousin Aiden. Noch ein Cousin! Schade dass sie diesen nicht kannte. Was Toji da über ihn erzählt kam ihr äußerst bekannt vor. Jeder schien schon Unmengen erlebt zu haben und hierbei auch negatives nur der liebe Commander schien stets vom Glück geküsst worden zu sein. Fair war dies nicht gerade, aber was war schon Fair? Nichts, also schob sie diesen Gedanken beiseite. Er hoffte sei mache diese Entwicklung nicht durch. Doch genau dies hatte sie zum Teil schon. Ihre Persönlichkeit war dafür einfach zu schön? Leicht wölbte sie eine Braue. Diese Aussage war merkwürdig. Höchst merkwürdig um genau zu sein. Eine schöne Persönlichkeit? So etwas hatte sie zwar schon gehört aber nicht von einem Mann wie ihm und schon gar nicht ihr gegenüber. Wieder war sie leicht verwirrt, gleichzeitig aber auch geschmeichelt. Hin und wieder gab er Komplimente ab, die einen erröten lassen konnten und hierbei war es der Fall. Sein Geständnis ließ sie auf den Boden sehen. Es kam nicht so oft vor, dass jemand es schaffte sie erröten zu lassen, aber wenn dem so war, dann geschah es einfach und auch hierbei hatte er ein Talent dafür. Welche Talente besaß er eigentlich noch? Diese Frage stellte sich Serenety momentan.

Seine Gegenwart machte sich hilflos. Dennoch fühlte sie sich wieder einmal zu ihm hingezogen. Es war so als ob er irgendwelche Frequenzen aussendete und sie diese auffing ohne es zu wollen. Allein seine Gegenwart genügte um sie aus dem Konzept zu bringen und für einen Moment den Faden zu verlieren. Seine Blicke machten sie sprachlos und gleichzeitig wurde ihr Heiß und Kalt. Ein Wechselbad der Gefühle, die jedes Mal ihren Körper ergriff und sie an den Wahnsinn trieb. War dies denn normal? Es konnte nicht normal sein. Dies war schlicht weg unmöglich. Seren hob den Blick und sah ihren Vorgesetzten, gleichzeitig aber auch Verlobten an. Da dieser den Blick abgewandt hatte konnte sie ihn einen langen Moment ungestört beobachten und diesmal sah sie ihn mit anderen Augen. Er war groß und Dunkelhaarig. Verdammt gut aussehend und irgendwie auch…, Seren biss sich auf die Lippen. Durfte man so etwas denken? Geheimnisvoll war gut, wobei Verführerisch es am meisten traf. Wenn ihre Wangen nicht eh schon Rot gewesen wären, hätten sie diese Schattierung nun angenommen. Was ihr da durch den Kopf ging war eigenartig. Anstatt ihre Gedanken darauf zu verschwenden ihm sonst was an den Hals zu wünschen, betrachtete sie ihn nun aus einem völlig anderen Winkel und ebenso machte ihr dies Angst. Es war für sie ungewöhnlich, einen Mann einmal mit anderen Augen zu sehen als wie bisher. Nämlich als Arrogante besserwisserische, rechthaberische voll Idioten, die sich wer weiß etwas auf sich einbildeten. Es war schockierend! Zumal diese Gedanken sich auf einer Seite wundervoll anfühlten auf der anderen aber zu einem extrem starken Kontrast standen.

Leugnete sie hier vielleicht irgendetwas? Sahen die andern mehr oder gar etwas, was ihr entging? Daichi hatte einen Eindruck gemacht, als ob er der Meinung war, dass sein Cousin und sie zusammen gehörten. Konnte dies stimmen? Dabei waren sie viel zu verschieden. Aber Gegensätze sollten sich bekanntlich anziehen. Innerlich verfluchte sie sich. Auf keinen Fall, sie spinnte, hatte sich von ihm einlullen lassen. Oh welch geschickter Taktiker er doch war, aber dies konnte sie genauso gut. Wenn er meinte sie damit irgendwie für etwas gewinnen zu können dann irrte er sich gewaltig. Sie würde ganz sicher nicht von ihrem Schwur ablassen. Nämlich niemals seine Frau zu werden. Eher würde die Hölle gefrieren. Oder doch nicht? Seren war hin und her gerissen. Einerseits wollte sie weg andererseits hier bleiben, in seiner Nähe. Der nächste Gedanke, der in ihr aufkam war, dass sie gern von ihm geküsst werden wollte. Erschrocken über sich selbst biss sie sich auf die Unterlippe und wandte ihren Blick von ihm ab. Sie war verrückt geworden. Hatte den Verstand verloren. Sie war nicht sie selbst. Ein Dämon musste von ihr Besitz ergriffen haben. Allein dieser Gedanke, dieser Wunsch war schon verwerflich. Sie musste wieder Herr über sich selbst werden und über ihre Gefühle sowie Gedanken so konnte es einfach nicht weiter gehen. Das Beste wäre, endlich dies alles hinter sich zu lassen und hier heraus zu kommen. Diesmal würde sie es sein, die flüchtete.

Serenety verließ den Raum ohne noch irgendetwas zu sagen. Ihre Schritte eilten durch die Gänge es Anwesens und hinaus in den Garten, dessen kühle Luft sie endlich zur Vernunft brachte.


- Onderon - Murata-Anwesen - Garten - Serenety, allein -
 
- Onderon - Murata-Anwesen - Zentral - Korridor - allein -

Klammheimlich schlich eine schlanke Gestalt durch die leeren Korridore des Anwesens. Nur ganz leicht raschelte der Stoff an dem Körper der unbekannten Person. Draußen kündigte sich schon der Morgen an, aber die Sonne ließ noch mindestens eine Stunde auf sich warten. Geschickt umging die Person die knirschenden Dielen im Boden. Es war eine heimliche Aktion. Aus diesem Grund wollte die Person keinen Lärm machen und die Hausbewohner nicht wecken.

Es war Toji, der da so durch die Gänge schlich. Schon als Kind hatte der Flottenoffizier einen geheimen Lieblingsplatz gehabt, wo er seinen Gedanken nachhängen konnte. Während all seiner Aufenthalte hatte er diesen Platz im Haus besucht und ein paar Stunden verbracht. Die Abgeschiedenheit nutzt er um Ordnung in seinen Kopf zu bringen. Außerdem konnte man von diesem Ort aus wunderbar die Umgebung bestaunen. Im Moment hörte er nur seinen eigenen Atem und den Puls, der in seinem Hinterkopf wie ein Hammer auf den eisernen Amboss schlug. Doch er ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. Zu diesem Zeitpunkt wollte er einfach allein sein.

Auf leisen Sohlen schlich Toji in das obere Stockwerk des Zentralkomplexes. Hier oben gab es nur ein paar Arbeitszimmer und Räume, die keinen praktischen Zweck erfüllten. Vor vielen Jahren hatte Kenji, der Vater von Toji, hier seine Quartiere. In seinen Räumen fühlte sich der Sohn dem Vater nahe. Schweigend ging der imperiale Offizier durch den kurzen Flur. Wie Sand rann ihm die zeit durch die Finger. Er wollte den Sonnenaufgang sehen. Bei diesem schönen Naturschauspiel seine Gedanken für ein paar Herzschläge ausschalten und einfach nur sein. Die letzten Tage, seit dem Gespräch mit Serenety, hatten neue Fragen in seinem Kopf aufgeworfen und noch immer war kein ruhiger Schlaf in Sicht.

Mit einen Minimum an Geräuschen schob Toji die Tür zu den Quartier seines verstorbenen Vaters auf. Am Horizont konnte man die ersten Vorboten der Sonne sehen. Im Glanz des runden Feuerballs verblassten die Wächter der Nacht, die Sterne. Sie wirkten wie Kerzen, die man sanft ausblies. Ein Lächeln schlich sich auf das Gesicht des jungen Mannes. Er trug nur einen leichten Kimono, aber bei diesen Temperaturen reichte diese Bekleidung vollkommen aus. Der feine Stoff lag ruhig auf seiner Haut. Im Gegensatz zu einer imperialen Uniform war dieses Kleidungsstück wirklich ein Hochgenuss, den man tragen konnte.

Leise schnappte sich Toji ein Sitzkissen und ging zum Balkon. Man hatte das Zimmer seit dem Tod von Kenji im Urzustand gelassen. Hier ruhten die Erinnerung an den ruhmreichen Krieger und zweitem Sohn von Shigeru. Ein Seufzer glitt über die schmalen Lippen des Exoten. Seine Augen hatten den Lieblingsplatz auf dem Balkon fixiert. Schnell ging er auf diese kleine Stelle zu und setzte sich. In der Ferne waren die ersten Sonnenstrahlen über die höchsten Erhebungen des Horizonts geklettert und flutetet nun die Umgebung. Der Himmel nahm ein gewaltiges Spektrum zwischen rot und gelb an. Für einen Moment stockte der Atem des Offiziers.

Das Schauspiel der Natur nahm seinen Lauf, doch an diesem gemütlichen Ort unterlag der Körper des jungen Mannes seiner Müdigkeit. Langsam schlossen sich die Augen von Toji und seine Gedanken schweiften in wilde Träume ab. Wie schon in den letzten Tagen drehte sich seine Phantasie dabei um Serenety. An einem versteckten Wasserfall in einem tropischen Dschungel stieg die schlanke Schönheit bis zum Bauchnabel aus dem Wasser. Ihr Busen war dabei nur von ihrem prachtvollen schwarzen Haar bedeckt. Ein süßer Duft vernebelte die Gedanken des jungen Mannes und doch erlebte er diesen Traum ausgesprochen klar. Er näherte sich ihr und nach wenigen Herzschlägen küssten sie sich. Es war wie an dem einen Abend.


- Onderon - Murata-Anwesen - Zentral (Obergeschoss) - Quartier von Kenji - Balkon - allein -
 
- Onderon - Murata Anwesen - Zentral - private Räumlichkeiten - kleines Zimmer - Serenety, allein -

Der Morgen war noch früh als Seren aus einem kurzen nicht sonderlich guten Schlaf erwachte. Sie war nun schon einige Tage hier auf Onderon und dem Anwesen der Muratas. Der Familie, die ihre eigene werden sollte, da sie mit dem Enkel verlobt war. Anfangs hatte sie dies nicht gewusst und die Bombe letztlich geplatzt war, hatte es die junge Frau völlig aus der Bahn geworfen. Nie, nie in ihrem Leben hätte sie damit gerechnet, dass ihr Vater auf so etwas hätte eingehen können und doch war dem so. Eines der schlimmsten Dinge hierbei war nur, dass man beiden, von ihrer Verlobung viel zu spät erzählt hatte. Ihr Zukünftiger hätte in der Zwischenzeit mit einer anderen geschlafen und damit ihre Eher verletzt, wenn auch unbeabsichtigt. Doch spielte genau dies keine Rolle. Was geschehen war, war geschehen und damit nicht veränderbar. Die junge Exotin schob die Decke beiseite. Da sie zu jener Sorte gehörte, die früh aufstanden, wunderte es nicht, dass die Sonne noch nicht aufgegangen war. Seren war erschöpft, denn die Nächte hier, hatte sie nicht lange und viel geschlafen und sie waren auch nicht ausreichend tief gewesen. Als sie aufstand und an den Schrank trat um neue Kleidung heraus zu suchen, die für den heutigen Tag angebracht sein würden kämpfte sie einen Moment mit Schwindel, ehe dieser sich legte. Das Nachtgewand glitt schnell zu Boden und die junge Frau machte es sich an ihrem Kimono zu schaffen, der diesmal in Schwarz und Weiß gehalten war. Erst als dieser wirklich saß setzte sie sich an den Spiegel und als sie hinein sah hätte sie fast einen Schrecken bekommen.

Das Gesicht, welches sie darin sah konnte unmöglich ihres sein und doch war es das. Die dunklen Ränder unter ihren Augen zeugten davon, dass sie unter starkem Schlafmangel litt und dies war nicht dass einzige. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als endlich richtig schlafen zu können. Wie lange war es her, seit ihr Körper die wohlverdiente Ruhe erhalten hatte? Sie konnte sich nicht daran erinnern. Nicht zu einhundert Prozent. Selbst nachdem sie ihr Gesicht gewaschen hatte wurde es nicht besser und Make Up würde auch nicht helfen, also musste sie sich etwas anderes einfallen lassen. Schwarztee wäre sinnvoll, dieser enthielt Koffein und dieses half gegen Ringe. Einen Moment kramte sie in ihren Utensilien, dann fand sie ein kleines Fläschchen, welches sie öffnete. Einige tropfen rieb sie unter die Augen und legte etwas darüber. Eigentlich sollte nach einigen Minuten eine Wirkung einsetzten. Serenety ließ sich zeit, die Minuten verstrichen und als sie von neuem in den Spiegle sah, war die Wirkung zwar kein Wunder, aber die Ringe waren heller geworden und sie sah nicht ganz so erschreckend aus wie zuvor. Den Rest müsste das Make Up einigermaßen verschwinden lassen. Die nächsten Minuten verbrachte sie damit, sich zu schminken, das Haar zu kämen und nach oben fort zu stecken. Dann betrachtete sie sich kurz im Spiegel und stand auf. Zwar sah man ihr noch immer an, dass sie nicht gut geschlafen hatte, aber dies machte nichts.

Serenety machte noch Ordnung ehe sie den Raum verließ. Ihr Vorgesetzter musste auch früh aufgestanden sein, denn das Sofa auf dem er schlief war leer. Weitere Gedanken machte sie sich hierbei nicht, sondern schlich auf Zehnspitzen durch das Haus, da sie niemanden wecken wollte. Als sie den Eingang erreichte verließ sie das Gebäude und blieb stehen. Ihre Augen wandten sich nach oben zum Sonnenaufgang hin, denn sie bisher jeden Morgen bestaunt hatte. Das Farbspektrum war einzigartig. Warme Rot, Orange und Rosa Töne färbten den Himmel und die Landschaft, die aussah wie gemahlt. Sie liebte solche Sonnenaufgänge über alles. Einerseits waren sie beruhigend, zum anderen konnte man darin träumen. Doch für den heutigen Tag wollte sie nicht Träumen, denn sie hatte immerhin etwas vor und dafür musste sie ein kleines Stück durch den Garten. Sie hätte sicherlich auch durch das Haus gekonnt, aber dies wollt sie vermeiden. Die Schritte der jungen Exotin lenkten sie an der Tür rechts vorbei, einige Meter am Haus entlang und an Balkonen, die über ihr waren. Nach einigen Metern erreichte sie eine kleine Terrasse die ihr Ziel darstellte. Hinter diesen Mauern hielt sich Daichi auf, der Cousin ihres Vorgesetzten. Ein Mann, mit dem sich Serenety blenden verstand und denn sie in ihr Herz geschlossen hatte wie niemanden sonst, ausgenommen ihrem Vater.

Die junge Frau klopfte und wartete. Sie hoffte dass Daichi schon wach war und dass er nichts zu tun hatte, denn sie wollte ihn bitten mit ihr gemeinsam die Hauptstadt zu erkunden, welche sie bisher noch nicht gesehen hatte. Außerdem war dies eine gute Möglichkeit endlich einmal fort von hier zu kommen. Des Weiteren war sie gern mit Daichi zusammen. Er verstand sie wenigstens. Es schien als ob sie eine Wellenlänge hätten, sich auf der gleichen Ebene befanden. Vielleicht ein Grund, warum beide gern miteinander zu tun hatten und bisher hatte sie jeden Tag mit ihm gesprochen und Trainiert. Heute Morgen sollte es ein wenig anders sein. Daichi Murata war für die junge Frau mehr als nur ein Freund. Auf bestimmte Art und weise liebte sie ihn und dies sehr. Seren sah in ihm einen Bruder, denn sie nie gehabt hatte, hier aber endlich gefunden hatte.

Die junge Frau hörte, dass sich jemand im inneren bewegte, was darauf deuten ließ, dass er entweder schon wach war oder sie ihn aber aus dem Bett geworfen hatte. Wenn letzteres zutraf tat ihr dies sehr leid. Immerhin war es ein wenig früher als sonst. Was nicht unbedingt etwas zu bedeuten haben musste. Schließlich schlief nicht jeder so schlecht wie sie und es war auch nicht jeder schon so früh wach, wobei Daichi als Soldat, frühes Aufstehen gewöhnt sein müsste. Einen Moment später schoben sich die Türen auseinander und Seren erblickte Daichi, der schon voll angezogen war, sich aber wohl gerade rasiert haben musste, denn ein wenig Schaum hing noch an seiner Wange. Serenety lächelte ihn strahlend an. Bei ihm war sie frei und sie selbst.


„Morgen! Na da hat sich wohl einer rasiert wie?“

Sie grinste, hob die Hand und fuhr an seine Wange um den Schaum fort zu wischen, welcher an ihrem Finger kleben blieb. Daichi reichte ihr das Handtuch, welches er auf einer Schulter liegen hatte und lächelte. Ihr guten Morgen wurde erwidert.

„Heute mal kein Training, zumindest nicht jetzt. Würdest du mit die Hauptstadt zeigen? Ich bin schon eine weile hier und hab sie noch immer nicht gesehen und wenn ich ehrlich bin, möchte ich endlich einmal weg von hier, ehe ich das Gefühl habe zu ersticken.“

Ihre Worte waren ehrlich gemeint, etwas was sie ihm gegenüber stets war. Schon bei ihrem ersten Gespräch hatte sie gewusst, dass sie sich ihm gegenüber völlig öffnen konnte, was sie auch getan hatte. Nur wenige schafften es, in einer so kurzen Zeit, ein solches Verhältnis zu ihr aufzubauen und Daichi konnte sich glücklich schätzen. Besonders Männern gegenüber war sie verschlossen. Doch da sie in Daichi einen Bruder sah, hatte sie keinerlei Probleme, zumal dieser sie von Anhieb in ihr Herz geschlossen hatte.

„Du musst mir alles Sehenswertes zeigen. Keine Angst, ich gehöre nicht zu der Kategorie Frau, die Kleidung shoppen geht.“

Wieder lächelte sie. Auch dies stimmte, denn sie wusste nicht einmal wie shoppen richtig funktionierte, da sie sich bisher geweigert hatte solche Späße auszuprobieren. Ihre Mutter hatte dies nie verstanden und es irgendwann aufgegeben. Seit dem, war dieses Thema vom Tisch, worüber die Exotin sehr glücklich war. Serenety hatte bloß stets den Kopf geschüttelt wenn ihre Mutter mit Tüten bepackt heim gekommen war, die angefüllt gewesen waren mit Kleidung, Schuhen, Schmuck und sonstigen Utensilien. Ihre Mutter hatte stets gesagt, dass für sie dies zum Leben dazu gehöre, erst Recht nach einem anstrengenden Arbeitstag. Es war Entspannung, wie sie meinte. Nachempfinden konnte Seren dies nicht noch es verstehen, aber schließlich musste sie dies auch nicht. Immerhin konnte man nicht alles wirklich verstehen. Besonders dann nicht, wenn einem die Erfahrung fehlte. Serenety wartete gebannt darauf, wie Daichi reagieren würde und was er ihr als Antwort lieferte.

- Onderon - Murata Anwesen - Zentral - Garten - an der Terrassentür von Daichi - mit Daichi -
 
[ Onderon ~ Anwesen der Murata ~ Westflügel ~ Daichis Räumlichkeiten ~ Daichi (NPC) allein ]

Die Tage auf Onderon hatten ihren Lauf genommen. Ganze fünf Tage residierten Toji und Serenety nun schon im Anwesen der Muratas, doch ein wirklicher Fortschritt zwischen den beiden Familien konnte noch nicht verzeichnet werden. Daichi hatte sich in dieser Zeit der jungen Akaji angenommen. Sie beide waren, so schien es dem Soldaten, auf einer Ebene. Ihre Gedanken liefen synchron. Ein zartes Band der Freundschaft hatte sich zwischen diesen beiden Individuen entwickelt.

Wie an jedem Tag war Daichi auch an diesem Morgen recht zeitig aufgestanden. Durch seine Ausbildung gehörte er nicht zur Kategorie “Langschläfer”. Schon in jungen Jahren hatte man ihm diesen Luxus ausgetrieben. Mittlerweile war er an diesen Tagesablauf gewohnt. Schnell hatte er sich einen frischen Kimono angezogen und machte sich an eine Rasur. Zu seinem Vorteil hatte er ein eigenes Bad innerhalb seiner Räumlichkeiten. Durch diesen Vorteil sparte er sich den Gang zum Waschhaus.

Plötzlich klopfte es an seiner Tür. Überraschung machte sich bei dem Soldaten breit. Noch nie hatte ihn jemand bei diesem Morgenritual gestört. Allgemein war er bisher immer der erste gewesen, der in diesem Haus wach war. Ohne seine Rasur zu beenden ging Daichi zur Tür. Sachte schob er die Trennwand zur Seite und blickte in das hübsche Gesicht von Serenety. Sie wünschte ihm einen guten Morgen und wischte ihm die letzten Schaumrückstände vom Gesicht.


“Ebenfalls einen guten Morgen, Serenety, entgegnete der Infanterist mit einem Lächeln und reichte ihr das Handtuch.

Vorsichtig wischte die junge Akaji dem Schaum von ihren Händen ab. Man konnte ihr ansehen, dass sie in dieser Nacht nur wenig geschlafen hatte. Dennoch schien sie über eine gewaltige Reserve zu verfügen. Mit zaghafter Stimme fragte sie ihn, ob er nicht ihr die Hauptstadt zeigen konnte. Sie wollte mehr als nur das Anwesen sehen und verspürte keine große Lust zu einem weiteren Training. In diesem Punkt konnte der Soldat die junge Frau verstehen.

“Kein Problem”, entgegnete er freundlich. “Iziz ist zu dieser Jahreszeit wirklich wunderschön. Dir wird die Abwechslung bestimmt gut tun, wenn ich die Müdigkeit in deinem Gesicht sehe.”

Er nahm das Handtuch wieder entgegen und räumte es weg. Etwas Abwechslung würde auch ihm gut tun. Manchmal kam ihm dieses Anwesen wie ein Käfig vor. Gerade durch die Spannungen zwischen Serenety und Toji war die Atmosphäre unter extremen Druck geraten. Eine kurze Flucht würde auch er genießen.

Ihre nächste Bitte verwunderte ihn ein weiteres Mal. Sie gehörte nicht zu der Kategorie “Frau, die shopen geht”? Sie wollte lieber Sehenswürdigkeiten sehen wollen? Erneut schenkte er ihr ein aufrichtiges Lächeln, welches seinem Cousin Toji in gewisser Weise ähnlich sah.


“Ich zeige dir gern die Sehenswürdigkeiten dieser geschichtsträchtigen Stadt”, sagte Daichi und ihn ihrer Art konnte er erkenne, wie sie aufatmete. “Lass mich nur schnell einem Fahrer bescheid sagen.”

Sie ließ ihn gewähren und ohne eine weitere Sekunde verstreichen zu lassen machte sich der imperiale Soldat auf den Weg. Er kannte den Weg zu den Unterkünften der Bediensteten. Schnell erreichte er die kleinen Häuschen, die an das Anwesen grenzten, und konnte einen Fahrer für den Speeder auftreiben. Zusammen mit dem jungen Mann ging er zurück zum vorderen Teil des Hauses. Dort wartete Serenety schon auf sie.

“Wenn Sie einsteigen möchten, Miss Akaji
, sagte er gekünstelt und verbeugte sich höflich.

Mit einer höflichen Geste öffnete Daichi die Tür zum hinteren Teil des Fahrzeugs und ermöglichte ihr so das Einsteigen. Nachdem sie einen Sitzplatz gefunden hatte, folgte er ihr. Der Fahrer war über den Plan aufgeklärt und fuhr sofort in gemächlichem Tempo los. Daichi lehnte sich zurück. Er wusste nicht wo er anfangen sollte.

[ Onderon ~ auf dem Weg nach Iziz ~ Speeder ~ Daichi (NPC) und Serenety ]​
 
- Onderon - Murata-Anwesen - Zentral (Obergeschoss) - Quartier von Kenji - Balkon - allein -

Ein süßer Traum entwickelte sich in den Tiefen von Tojis Hirnwindungen. Schon seit einer Ewigkeit hatte er nicht mehr so sehr an eine Frau gedacht. Sie verfolgte ihn mittlerweile bis in seine Träume und irgendwie genoss er diese Gedanken. Hier, im Geheimen, konnte er einen weiteren sinnlichen Kuss zwischen der jungen Akaji und sich erleben. Doch im Vergleich zu dem erstmaligen Erlebnis war dies nur ein schwacher Trost. Nichts konnte das Original schlagen.

Geweckt wurde Toji durch die warmen Sonnenstrahlen des gelben Balls, der am Himmel sein Dasein fristete. Ganze zwei Stunden hatte er auf dem Balkon im Tiefschlaf verbracht. Zwei Stunden, die ihm etwas Kraft zurückgebracht hatten. Mit einem Seufzer erhob sich der Flottenoffizier von seinem provisorischen Lager. Er streckte sich und ließ seinen Blick über den sichtbaren Teil des Anwesens schweifen. Noch immer regte sich keine Seele im Haus.

Plötzlich hörte er wie ein Speeder die Auffahrt hoch fuhr. Auch am Eingangsbereich schien etwas Betriebsamkeit entstanden zu sein. ‘Was hat das zu bedeuten?’, fragte sich Toji und spähte nach unten. Dort stand Serenety in einem modischen Kimiko. Anscheinend wartete sie auf jemanden. Neugier packte den imperialen Offizier und er verfolgte die nächsten Situation. Spielten die Akaji ein Spiel mit den Muratas oder wollte sie in einer “Nacht und Nebel”-Aktion verschwinden.

Er hielt die Luft an als aus dem Speeder Daichi ausstieg. Auf dem Gesicht seines Cousin konnte er ein Lächeln erkennen. Der eigene Puls machte einen Sprung und das Herz schlug nun einen ganzen Takt schneller als vorher. ‘Was haben die beiden vor?’, fragte er sich. Tausende Gedanken stürzten auf seinen Hinterkopf nieder. Erneut begann seine Gefühlswelt mit schwanken. Was sollte er von diesem geheimen Treffen halten?

“Wenn Sie einsteigen möchten, Miss Akaji”, sagte Daichi und öffnete die Tür zu dem mattschwarzen Speeder.

Ein Anflug von Eifersucht stieg in dem Flottenoffizier auf als die junge Akaji in das wartende Fahrzeug einstieg. Was sollte das nun? War er durch seinen Cousin ersetzt worden? Mit zusammengekniffenen Augen verfolgte er dem fahrenden Speeder. Anscheinend war auch Serenety ein sprunghaftes Wesen. In einem Moment hielt sie einem Mann noch ellenlange Vorträge, nur um im nächsten sich einem anderen Kerl an den Hals zu “schmeißen”. Wie hatte er nur für diese Frau Gefühle entwickeln können? War er wirklich noch so naiv und fiel auf die Maschen der Frauen rein?

Toji schüttelte den Kopf und betrat das Zimmer. Wieder schien der Geist seines Vaters in seiner Gegenwart zu sein. Der Tote nahm ihm etwas von seiner Trostlosigkeit. In seinen Gedanken führte er mit seinem Vorbild ein Zwiegespräch. Allein würde er diese Situation niemals meistern. Er war auf Hilfe angewiesen. So leicht konnte er seine Gefühle für diese zierliche Schönheit nicht begraben. Irgendwie hatte er sich da in etwas verrannt.

Auf leisen Sohlen verließ er die ehemaligen Räumlichkeiten seines Vaters und begab sich ins Erdgeschoss zurück. Was sollte er nun machen? Und wie sollte er Serenety für sich begeistern können? Daichi hatte bei ihr einen Vorteil. Er kannte die Traditionen und achtete sie. Im Gegensatz zu ihm war der Soldat regelrecht strebsam und mindestens genauso erfolgreich. Toji verfluchte sich für seine Unachtsamkeit. Wie hatte er seinem Cousin nur aufs Feld lassen können?

“Wer kann schon mit Rivalität innerhalb der Familie rechnen?”, fragte er sich mürrisch und ging den Gang entlang.

Dieses Mal achtete er nicht auf die morschen Bretter. Von Zeit zu Zeit entstand somit unter seinem Gewicht ein knarrendes Geräusch. Seine Gedanken waren zu weit weg um sich über die Schlafgewohnheiten und Wünsche der anderen Hausbewohner zu kümmern. Er musste einfach seine eigene Person reflektieren und nach seinen Fehlern suchen. Serenety stellte für ihn wirklich keine einfache Frau dar. Sie widersprach den meisten seiner Erfahrungen. Doch konnte er nur auf sein Gefühl vertrauen?


- Onderon - Murata-Anwesen - Zentral - Gang - allein -
 
[ Onderon ~ Anwesen der Murata ~ Westflügel ~ Daichis Räumlichkeiten ~ Daichi (NPC) & Seren ]

Serenety war hoch erfreut zu hören, dass Daichi sie in die Hauptstadt begleiten würde. Zudem merkte er noch an, dass Iziz zu dieser Jahreszeit wunderschön war. Auch hierauf war Seren äußerst gespannt. Sie hatte viel von diesem Planeten gehört, es aber bisher noch nicht mit eigenen Augen sehen können und genau dies war nun ihr bestreben. Die junge Frau senkte leicht die Lider als Daichi sie auf ihre Müdigkeit ansprach. Ja er hatte Recht, sie schlief schon seit Tagen nicht mehr sonderlich gut, schaffte es aber trotz allem auf den Beinen zu bleiben. Wie, mochte sie bisher noch nicht zu sagen. Vielleicht war es auch einfach der Drang sich nicht die Blöße zu geben. Was die Abwechslung anging, so wollte sie diese, weil sie endlich einmal einen freien Kopf bekommen wollte. Sie wollte sich nicht über andere ärgern noch über ihren Verlobten nachdenken, der ihr auf den Kecks ging. Abgeschiedenheit war es wonach sie suchte. Einen Ort an dem ihre Gedanken sich nicht stets um das eine Thema drehten, nämlichen einen Mann, den sie heiraten sollte und bei dem sie geschworen hatte, ihn niemals zu ehelichen. Daichi mochte nicht alle Gründe kennen, weshalb sie von hier fort wollte, aber dies spielte so nun auch keine Rolle. Die Hauptsache war, dass er sie fort bringen würde.

Der junge Mann entledigte sich seines Handtuches und wandte sich dann seiner Begleiterin wieder zu. Ein Lächeln erschien auf den Lippen der jungen Exotin, da Daichi ihr die Sehenswürdigkeiten zeigen wollte, nach denen sie gebeten hatte. Er schlug vor, dass er nur noch einem Fahrer bescheid geben würde uns Seren nickte. Für die nächsten paar Minuten war die junge Frau allein. Sie schloss die Augen und atmete durch. Ein wenig müde war sie trotz allem, aber diese Erschöpfung überspielte sie gekonnt. Erst als sie ein Geräusch hörte, öffnete sie ihre Augen wieder und sah das Fahrzeug, aus dem Daichi glitt. Wieder musste Seren lächeln als Daichi den Gentleman mimte. Sie darum bat einzusteigen und sich verbeugte. Serenety stieg ein und war froh sich setzten zu können. Daichi stieg dazu und das Gefährt setzte sich in Bewegung. Ein gemächliches Tempo bei dem man sich nicht nur würde unterhalten können. Allerdings schwieg ihr Begleiter, er schien nicht so Recht zu wissen, wo er anfangen sollte.


„Ich bin dir wirklich sehr dankbar dafür, dass du mich begleitest. Seit ich hier bin schlafe ich schlecht und meine Gedanken matern mich. Ich möchte alle dem endlich mal entfliehen können. Wieder frei atmen ohne zu ersticken. Eine Atmosphäre genießen, die nicht so, so explosiv ist.“

Sie sah ihn von der Seite an. Gut möglich, dass er sie verstand. Bisher hatte er dies immer getan. Wieder wurde ihr bewusst was sie in Daichi gefunden hatte. Einen Freund, einen Bruder und einen Gefährten für lange steinige Wege, die noch vor ihr lagen. Sie war ihm mehr als dankbar, für dass, was er tat. Die Zeit hier auf Onderon gestaltete er ihr so viel einfach, so viel angenehmer und er nahm ihr die Verzweiflung, die sie des Öfteren zu ersticken drohte. Er war für sie da, wenn sie jemanden zum Reden brauchte. Gleichzeitig hörte er zu, tat aber auch seine Meinung kund und dies auf eine Art und Weise, die es ihr so viel leichter machte sich zu öffnen. Toji war etwas anderes. Wenn sie mit ihm zusammen war fühlte sie sich stets unsicher. Von ihm beobachtete bis ins letzte Detail. Er gab ihr das Gefühl ein Kind zu sein, welches beschützt werden musste und genau dies behagte ihr nicht. Sie war erwachsen und traf ihre Entscheidungen. Sie wollte nicht bemuttert werden und schon gar nicht von einem Mann. Sein Beschützerinstinkt verwirrte sie.

„Du bist etwas besonders. Die Frau, die eines Tages vielleicht einmal die deine sein darf kann sich glücklich schätzen. Sie ist schon jetzt zu beneiden.“

Seren seufzte, aber auf ihren Lippen lag ein leichtes Lächeln. Welche Frau auch immer Daichi einmal ehelichen würde, sie würde ihn lieben. Man konnte ihn auch nur lieben. Selbst dann, wenn er vordergründig stets den leicht eisigen spielte. Serenety hatte ihn schnell durchschaut. Sie wusste was für ein Mann er wirklich war und dass man auf ihn zählen konnte, wenn etwas geschah. Auch er war nicht perfekt, aber dies war niemand.

„Sieh mich nicht so an. Ich sage nur was ich denke und ich kenne dich mittlerweile besser als jeden anderen von deiner Familie. Schade dass dein Cousin dir nicht ähnlich ist.“

Serenety sprach den letzten Satz unbewusst aus. Ihr Blick glitt zum Fenster des Bikes welches durch die Landschaft glitt wie ein Schatten. Schon von hier aus konnte man wunderschöne Teile der Landschaft sehen. Wie Daichi schon gesagt hatte, war Onderon zu dieser Jahreszeit wunderschön. All die Blumen, die auf den Wiesen standen. Das Grün, die Farben, der Duft, selbst die Luft schien etwas ganz besonders zu sein. Es lohnte sich wirklich diesen Planten zu besuchen. Hier konnte man noch träumen. Ein ganzes Stück entfernt vom Kern, schien die Welt eine ganz andere zu sein. Konnte auch sie so anders sein? Ja, denn im privaten war sie anders. Da sie ihre Arbeit strickt von allem anderen trennte, war sie eine Frau mit zwei Seiten. Einmal die eisige, mit einem Panzer überzogenen Offizieren und dann die weiche Frau. Zwei Facetten eines ganzen.

Die Exotin schloss die Augen genoss die ruhige Fahrt und wartete bedächtig darauf was Daichi sagen würde. Ihr Kopf lehnte sich gegen seine Schulter und sie entspannte sich. Umso weiter sie vom Anwesen fort kamen umso ruhiger wurde sie. Es schien als ob ein Haufen Ballast von ihr abfallen würde, welches sich sonst auf ihre Schultern und ihr Herz niedergelegt hatte. Bis nach Iziz war es noch ein Stück. Wenn auch nicht mehr weit. Sie freute sich, freute sich sehr, endlich fort zu sein. Fort von Toji und seiner verwirrenden Art. Sie war froh ihn nicht sehen zu müssen. Froh nicht mit ihm reden zu müssen noch seine Gegenwart zu ertragen. So viel freier war ihr Herz, so viel ungezwungener ihr Verhalten. Sie schien hier ein anderer Mensch zu sein.
Dann langsam näherte sich die Hauptstadt, welche Seren nur ein wenig durch ihre Wimpern sah.


[ Onderon ~ auf dem Weg nach Iziz ~ Speeder ~ Daichi (NPC) und Serenety ]
 
[ Onderon ~ auf dem Weg nach Iziz ~ Speeder ~ Daichi (NPC) und Serenety ]​

Gemächlich verließ der mattschwarze Speeder das Anwesen. Auch für Daichi war es eine kleine Flucht vor dem heimischen Stress. Sogar vor seinen Pflichten konnte er auf diese Weise fliehen. Außerdem genoss er seine derzeitige Gesellschaft, Serenety Akaji. Der Soldat lehnte sich leicht in das teuere Polster zurück. Die Familie Murata liebte den dezenten Luxus. Hier und da eine Annehmlichkeit machte für sie das Leben erst wirklich lebenswert. Auch Daichi war in diese Richtung erzogen worden und fühlte sich deshalb in diesem Fahrzeug wohl.

Plötzlich eröffnete die junge Akaji das Gespräch. Anscheinend fühlte sie sich in der Stille unwohl und wollte so ihr Herz erleichtern. Für sie war dieser kleine Ausflug wirklich eine echte Abwechslung. Nur so konnte sie ihre Gedanken auf andere Sachen richten und etwas Ruhe genießen. In seinem Hinterkopf konnte er ihre Lage verstehen. Zu seinem persönlichen Glück war er nicht in dieser Situation gefangen. Noch war er ein freier Vogel im weiten, blauen Himmel. Nur seine Pflichten hielten ihn noch an diesem Ort.


“Dann wird dir dieser Ausflug gut tun”, sagte Daichi und wandte sein Gesicht zu ihr. “Du musst einfach auf andere Gedanken kommen. Noch hast du große Reserven, aber kein Körper kann den Schlaf ewig von sich abhalten.”

Ihre Blicke trafen sich. Sie hatte einen langen und schweren Weg vor sich. Er war wirklich ein Gefährte für sie. Serenety brauchte die Hilfe wirklich. Allein würde sie die ganze Situation kaum bewältigen können. Ihr Wille war stark, aber ihr Körper würde es kaum durchstehen. Vielleicht verstand er sie deshalb so gut. Ihre Basis war wirklich identisch. Im nächsten Moment ließ sie ein lässiges Kommentar ab. Daichi lachte freundlich.

“Wenn ich ehrlich bin, dann hab ich über meine Zukunft noch keinen Gedanken verloren”, entgegnete der Soldat mit ruhigen Worten. “Es ist die Aufgabe des Clanoberhaupts und ich werde mich seinem Urteil beugen. Es ist die Pflicht eines jeden Muratas…”

Für einen Moment wurde er wieder ernst. Er durfte die Bande zwischen sich und Serenety nicht zu eng werden lassen. Sie war die Schwester, die er sich immer gewünscht hatte, und dennoch gehörte sie einer anderen Familie an. Sollten sich die Akaji und die Muratas im Streit trennen, dann würde er zu seiner Familie stehen müssen. Innerlich bedauerte er diesen Zustand wirklich sehr. Sein Blick richtete sich nach außen. Sie hatten die Hauptstadt fast erreicht.

…​

Daichi hatte nicht zu viel versprochen als die beiden durch die Stadt gingen. Die Sonne färbte die weißen Hauswände in schöne gelbfarbene Töne. Sie hatten schon aus der Ferne den Palast der Kaiserin und andere Sehenswürdigkeiten gesehen. Nun hatte der Soldat noch eine kleine Überraschung für seine neue Freundin in der Hinterhand. Diesen Teil des Ausflugs hatte er spontan geplant. Sie brauchte einfach ein kleines Geschenk von Onderon. Ein Andenken an diese Zeit.

Zusammen schlenderten sie durch die Gassen des Künstlerviertels. Handwerker der unterschiedlichsten Sparten priesen hier ihre Ware an. Eine eigene Atmosphäre war in dieser Gegend zu spüren. Daichi genoss diesen Teil des Ausflugs besonders. Hier konnte er entspannen. Seine Haltung wurde augenblicklich etwas lockerer. Zu seiner Überraschung nahm er Serenety sogar leicht in den Arm. In ihren Augen konnte er sehen, dass ihr dieses Viertel gefiel. Umso mehr freute er sich auf seine Überraschung.


“Da du ein echtes Naturtalent im Schwertkampf bist, habe ich mir eine Kleinigkeit überlegt”, sagte er zu ihr in sanften Ton. “Du sollst ein kleines Andenken von mir erhalten.”

Ein Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab als er in die richtige Straße einbog. Dort war in großen Lettern an einem Schild “Schwerter und anderes Zubehör” zu lesen. Auf dem Gesicht des Soldaten wurde das Grinsen breiter. Er war auf ihre Reaktion gespannt.

[ Onderon ~ Iziz ~ Künstlerviertel ~ vor einem Schwerterladen ~ Daichi (NPC) und Serenety ]
 
[ Onderon ~ Iziz ~ Rundgang ~ Daichi (NPC) und Serenety ]

Sehr wahrscheinlich würde ihr dieser Ausflug gut tun und sie freute sich überaus darauf. Leider war es nicht ganz so einfach auf andere Gedanken zu kommen, aber sie würde sich mühe geben. Seren biss die Zähne zusammen als Daichi erklärte, dass ihr Körper zwar noch große Reserven besaß, aber diese nicht ewig halten würde. Er wusste gar nicht wie recht er damit hatte oder besser gesagt wie weit entfernt er von der Wahrheit lag. Serenetys Reserven waren fast auf Null. Wenn nicht bald etwas geschah würde sie umkippen. Auch wenn sie dies bisher hatte gut verstecken können, so wusste sie doch, dass sie ihren Zustand nicht mehr all zu lange verbergen konnte. Seit der Schlacht um Belkadan war nur ein wenig Zeit vergangen. Schon während dieser Mission hatte sie nicht mehr gut geschlafen und hinzu kam ihre Arbeit als Counselor, die ständig für die Crew hatte da sein müssen. Die langen Sitzungen mit einigen der betroffenen hatte viel Arbeit gekostet. Anstatt Erholung folgte danach ein kleiner Ausflug, bei dem man ihre Gefühle verletzt hatte und nun war sie hier auf Onderon, hatte erfahren dass sie verlobt sei und war mit diesem Verlobten ständig im Streit. Kein normaler Mensch würde dies einfach so aushalten und wegstecken können und doch schaffte sie es. Einzig ihre Gesundheit würde darunter leiden. Die junge Frau sagte auf diese Worte hin nichts.

Daichi gab zu, dass er sich über seine Zukunft noch keine Gedanken gemacht hatte zumal es die Aufgabe des Oberhaupts war, ihn unter die Haube zu bringen. Die Exotin hoffte, dass der Großvater eine weise Entscheidung traf und dafür sorgte, dass sein Enkel glücklich wurde. Er hatte es verdient eine Frau zu erhalten, die zu ihm passte. Die ihn liebte und alles für ihn tun würde. Die da war, wenn etwas geschah und ihm den Rücken stärkte, gleich was auch geschehen mochte. Beide junge Menschen mochten sich, achteten aber darauf dass die Bande nicht zu tief wurden. Besonders Daichi tat dies. Ein Grund, der leicht nachvollziehbar war, da niemand von ihnen Ärger mit dem Rest der Familie haben wollte.

Die Besichtigung der Stadt war etwas Besonderes und ihr Begleiter hatte nicht gelogen als er gesagt hatte, dass es um diese Jahreszeit etwas ganz besonderes war. Die Häuser glänzten in gelbfarbenen Tönen, wofür die Einstrahlung der Sonne sorgte. Aus der ferne betrachten sie den Palast der Kaiserin, welcher eine absolute Sehenswürdigkeit war. Gern hätte Serenety ihn von innen gesehen. Ein kleiner Park und andere Gebäude sowie ein Museum gehörten zu den Dingen, die Daichi ihr noch zeigte. Immer wieder blieb er stehen und erklärte ihr das ein oder andere. Sie waren fröhlich und gingen ungezwungen miteinander um. Seren fühlte sich sofort geliebt und aufgenommen. Sie hätte Stunden, Monate sogar Jahre mit Daichi verbringen können und ihr wäre nie langweilig geworden. Im Gegenteil.

Die beiden wanderten weiter durch die Strassen und Daichi führte sie in viertel, auf dass er es wohl abgesehen haben musste. Nach einigen Metern blieb er vor einem Geschäft stehen und eröffnete ihr, da sie so ein Naturtalent im Schwertkampf war, bekäme sie eine Kleinigkeit von ihm. Ein Andenken. Serens Gesicht hellte sich noch mehr auf, ihre Augen strahlten und sie konnte es kaum fassen. Auch sein lächeln bewirkte dies bei ihr. Der Laden, in den Daichi wollte gehörte zu ihrem Volk. Dies konnte sie an den Lettern, welche auf einem Schild angebracht waren ablesen. Die junge Frau drehte sich und umarmte ihren Begleiter, dann betraten beide das Geschäft.

Im inneren war es Hell. Von den Wänden hingen die Schwerter herab, alle im Stile ihres Volkes gehalten. Auf Tischen und in Vitrinen fanden sich Dolche und andere Kunstvolle Gegenstände wieder. Der Anblick verzauberte Serenety völlig, die solche Geschäfte über alles liebte. Interessiert sah sie sich um. Betrachtete jedes Stück, jeden Tisch. Legenden vielen ihr ein und Geschichten aus alter Zeit. Es gab nichts Schöneres als einen solchen Laden. Der Verkäufer ein weißhaariger Mann trat aus einem kleinen Hinterzimmer herein und begrüßte seine Kunden. Sein Blick schweifte von Daichi zu Serenety und hielt dann bei ihr an. Seine alten Augen musterten die junge Frau ganz genau, ehe er erneut sprach.


„Ihr Interesse kommt selten bei Frauen unseres Volkes vor und doch ist es riesig. Ein Gesicht so jung und zart und doch ein Schicksal welches nicht einfach ist.“ Er winkte sie zu sich und Seren tat ihm diesen Gefallen. Aus irgendeinem Grund sagte ihr Instinkt, dass er ihr etwas mitteilen wollte, was vielleicht wichtig war. Erst als sie direkt vor ihm stand lächelte der Alte.

„Viele Jahre sind vergangen und ebenso viele Jahrhunderte. So viele Legenden existieren. Ich habe lange auf euch warten müssen. Aber nun seit ihr hier. Ich weiß wonach ihr sucht.“ Er grinste. Serenety war verwirrt, denn sie verstand nicht ganz was der Alte da sagte. Was sollte dies bedeuten, er hatte auf sie gewartet? Was sah er denn in ihr? Ehe sie fragen konnte, verschwand der Alte erneut und die junge Exotin warf Daichi einen irritierten Blick zu, der ebenfalls verwirrt schien. Als der alte Mann wieder kam trug er ein Bündel mit sich. Genau genommen eine Schatulle. Legte diese auf einen Tisch und öffnete sie dann. Als der Deckel nach oben klappte zog er den Schwarzen Samtstoff zurück und zum Vorschein kam ein Schwerte, welches Seren so noch nie gesehen hatte. Seine Klinge glänze Silbern. Am oberen Teil, wo es zum Griff überging waren alte Zeichen eingearbeitet und der Griff selbst, war nicht nur ganz einfach gehalten. Auch er war verziert und an seinem ende befand sich ein Büschel aus langem weißen Haar. Keinem Menschlichen aber wohl die eines Tieres. Der Alte Mann reichte Serenety das Schwert und sie nahm es ehrfürchtig in die Hand. Als ihre beiden Hände sich darum schlossen hatte sie das Gefühl etwas gefunden zu haben, wonach sie schon lange suchte.

Sie schloss die Augen als ein Beben durch ihren Körper ging und sie in der Zeit zurückgeschleudert wurde. Der Ort an dem sie sich jetzt befand war nicht mehr der Laden. Die Welt sah völlig anders aus und als sie an sich herabblickte stellte sie fest, dass sie um einige Jahrhunderte in der Zeit zurück sein musste. Was war geschehen? Weshalb war es geschehen und warum sie? War dies ein Spuck, eine Täuschung des alten Mannes? Sie wusste es nicht und ehe sie sich weiter umsehen konnte kehrte sie in die Realität zurück. Leicht verwirrt legte sie das Schwert zurück an seinen Platz.

„Ich wusste, dass ihr es seid. So lange schon!“ Sein Blick glitt zu Daichi. Einen Moment verharrten seine Augen auf ihm ehe sie erneut abwandte. Er war nicht der, denn er erwartet hatte. „Ihr Schicksal wird sich fügen. Der Bestimmung kann man nicht davonlaufen. Der Mann an euerer Seite, wartet auf euch.“

Serenety wölbte eine Braue, fragte sich erneut was der Mann damit sagen wollte. Welcher Mann wartet auf sie? Was hatte dies alles zu bedeuten? Nie hätte sie damit gerechnet Rätsel zu erhalten. Sie musste diesen Mann fragen um Antworten zu erhalten.


„Was meint ihr damit? Warum habt ihr so lange auf mich gewartet und wer soll dieser Mann sein?“

Müde schüttelte der Weißhaarige den Kopf. Seine Augen leuchteten noch immer. „Dies müsst ihr selbst herausfinden. Aber ich gebe euch eines mit auf den Weg. Sperrt euch nicht eurer Gefühle. Lasst zu was geschehen soll. Das Schicksal hat einiges mit euch vor. Ihr seid erwählt worden.“ Mehr schien er nicht sagen zu wollen. Der Blick der jungen Frau senkte sich und sie sah erneut auf das alte Schwert, mit dem sie irgendeine Verbindung haben musste. Welche dies war, war ihr nicht klar. Langsam glitten ihr langen schmalen Finger über den Oberen Teil der Klinge. Aus irgendeinem Grund hatte sie das Gefühl es zu kennen. War der alte Mann so etwas wie ein Hellseher? Oder war er einfach nur alt und verwirrt? Auch dies wusste sie nicht zu sagen. Als sie ihn erneut ansah und ihre Finger zurückzog erkannte sie, dass er keinesfalls verwirrt oder verrückt war. Er schwieg sah sie einfach nur an und Serenety wandte sich Daichi zu, der bisher geschwiegen hatte. Ihre Augen baten ihn um Hilfe und ihre Hand legte sich auf seinen Arm. Der Tag hatte ruhig und ohne irgendwelche Vorkommnisse begonnen und jetzt!? Jetzt hatte er sich völlig gewandelt.

[ Onderon ~ Iziz ~ Künstlerviertel ~in einem Schwerterladen ~ Daichi (NPC), Serenety & ein alter Mann]
 
[ Onderon ~ Murata-Anwesen ~ Westflügel ~ Arbeitszimmer ~ Shigeru allein ]​

Der Alltag kehrte für Shigeru langsam in alte Bahnen zurück. Die Wogen zwischen Serenety und Toji waren kleiner geworden und beide Familien schöpften Hoffnung. Aus diesem Grund kümmerte sich das Familienoberhaupt der Muratas auch wieder um seine üblichen Aufgaben. Der alte Mann saß in seinem ruhigen Arbeitszimmer im Westflügel des Anwesens. Lauter Papierkram lag auf seinem Schreibtisch und Stück für Stück kümmerte er sich um diese Sachen. Familienmitglieder aus der gesamten Galaxie meldeten sich für Besuche an und fragten ihn um Rat. Innerhalb des Clans war er die höchste Instanz. Seine Worte waren Gesetz.

Das Sonnenlicht des Morgens fiel nur ganz leicht ins Innere der Räumlichkeiten. Das Familienoberhaupt nutzte den Morgen um die einfachen Arbeiten hinter sich zu bringen. Als Gastgeber gegenüber den Akajis konnte er nicht die ganze Zeit in seinem Arbeitszimmer verbringen. Er musste seine Zeit für beide Verpflichtungen aufteilen. ‘Wenigstens sind Han und Sayaka eine nette Abwechslung zu der normalen Routine’, dachte sich der alte Mann und beantwortete eine der vielen Nachrichten.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Mit einem angemessenen “Herein” erlaubte er der Person einzutreten. Schüchtern trat ein langjähriger Bediensteter ein und verbeugte sich vor dem alten Herrn. Mit einem Lächeln verneigte sich auch Shigeru leicht und musterte den Diener. Nur selten wurde er bei seiner Arbeit gestört, doch bei den Ausnahmen waren es immer wichtige Sachen gewesen. Mit einer gewissen Spannung erwartete das Clanoberhaupt nun den Grund für die Störung.

“Mein Herr, ich störe Euch nur ungern, aber ich muss Euch etwas wichtiges berichten”, sagte der Diener unterwürfig und wagte es kaum seinem Chef in die Augen zu schauen.

“Es ist ja kein Problem”, entgegnete Shigeru sanft. “Was war denn passiert?”

Der Bedienste schaute sich etwas nervös um. In diesem Zimmer war er nur sehr selten gewesen. Shigeru hütete diese Räumlichkeiten wie ein Drache seinen Hort. Aufzeichnungen waren in vielen Regalen verstaut worden. Dazu waren manche Stellen der Wände mit alten Teppichen verhangen und Schwerter gab es ebenfalls. Bis auf ein leises Plätschern von draußen war es vollkommen still in diesem Zimmer.

“Ich habe soeben gesehen wie Master Daichi mit Miss Akaji nach Iziz gefahren ist”, informierte der Diener das Clanoberhaupt. “Schon seit einigen Tagen hegen die beiden jungen Menschen ein sehr enges Verhältnis.”

Die Augen von Shigeru verengten sich. Hatte er den Fokus auf einen seiner Enkel gerichtet? Fiel Daichi seiner Familie so sehr in den Rücken? Bisher hatte er gerade den Sohn von Henzo als einen sehr loyalen Mann gesehen. Nichts hatte auf einen Verrat gedeutet. Er brummte nachdenklich. Wie sollte er sich in diesem Fall am besten verhalten? Sollte er Henzos Familie abreisen lassen? Shigeru brauchte einfach mehr Informationen über diese Sache.

“Hole mir Toji hierher”, befahl Shigeru mit etwas festerer Stimme. “Und einen Dank an deine wachsamen Augen.”

Der Diener verneigte sich und verschwand dann eilig aus dem Zimmer. Stille kehrte in das Arbeitszimmer zurück. Shigeru vergrub sich in seinen eigenen Gedanken. Daichis Verhalten brachte den ganzen Plan ins Wanken. Dazu noch Tojis Nichtstun. Alles in allem keine gute Lage für eine Verlobung zwischen Serenety und seinem Enkel Toji. Nachdenklich strich sich der alte Mann über seinen ergrauten Bart.

[ Onderon ~ Murata-Anwesen ~ Westflügel ~ Arbeitszimmer ~ Shigeru allein ]​

[ Onderon ~ Iziz ~ Künstlerviertels ~ in einem Schwertladen ~ Ausstellungsraum Daichi mit Serenety ]

Eine plötzliche Umarmung war die erste Reaktion der jungen Frau auf seine Überraschung. Man konnte wirklich erkennen wie sehr Serenety für den Schwertkampf lebte. In dieser Sache unterschied sie sich wirklich von einer normalen Frau ihres Volkes. Die Erziehung durch Han Akaji hatte sie von der übrigen Masse an weiblichen Wesen getrennt. Sie war die Ausnahme zur Regel und Daichi erkannte in diesem Verhalten die Problematik für Toji. Dennoch ließ er sich in diesem Moment nichts anmerken. Stattdessen betraten sie gemeinsam den Laden.

Daichi war ein echter Stammkunde in diesem Laden. Oft brachte er seine eigenen Schwerter zu diesem Händler um sie schleifen zu lassen oder das Heft zu erneuern. Er mochte den alten Kauz und oft hatten sie schon tiefgründige Fachgespräche geführt. Doch dieses Mal schien er anderes zu sein. Die Anwesenheit der jungen Akaji schien ihn zu irritieren. Er wirkte regelrecht nervös und zerstreut.

Aus diesen Gründen verstand der junge Soldat auch die Worte des Verkäufers nicht. Außer einem verwirrten Blick konnte er Serenety nichts anderes mitteilen. Allgemein war ihm die Esoterik des eigenen Volkes vollkommen unbekannt. Daichi kannte sich etwas mit dem Legendenstoff aus, den man ihm in seiner Kindheit erzählt hatte, aber mehr hatte er sich mit dieser Thematik nicht beschäftigt. Aufmerksam verfolgte er das kurze Gespräch zwischen den beiden Menschen. Er wusste nicht wo er eingreifen sollte.


[ Onderon ~ Iziz ~ Künstlerviertels ~ in einem Schwertladen ~ Ausstellungsraum Daichi mit Serenety ]​
 
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- Onderon - Murata-Anwesen - Westflügel - auf dem Weg zu Shigeru - mit einem Bediensteten -

Schweigend und sichtlich nervös folgte Toji einem älteren Bediensteten durch die Gänge des Anwesens. Man hatte ihn auf dem Rückweg zu seinen eigenen Räumlichkeiten abgefangen. Der Diener war dabei sogar stark außer Atem gewesen. An diesem Verhalten hatte Toji, schon bevor der Diener überhaupt ein Wort verlieren konnte, die Dringlichkeit erkannt. Dennoch hatte man ihm mitgeteilt das der eigene Großvater ihn sehen und sprechen wollte. Für den imperialen Offizier eine unangenehme Lage, denn Shigeru Murata empfing nur selten Leute in seinem Arbeitszimmer. Dieser Sachverhalt war auch der Grund weshalb nun tausende Gedanken auf das Bewusstsein von Toji einströmten. Mit jedem Schritt stieg die Nervosität nach oben. Hier schien es kein Limit zu geben. Er war auf dem Weg zu einer Höhle voller Rancoren.

Auf dem Weg zum Westflügel rief sich Toji noch einmal die Geschichten über seinen Großvater ins Gedächtnis. Er war über die letzten Jahre besonnen geworden und doch konnte man ihn noch immer mit einem Vulkan vergleichen. Er hatte sich eine Menge Respekt in der Familie erarbeitet. Auch in manchen Kreisen des Militärs sprach man auch zur jetzigen Zeit noch in höchsten Tönen von ihm. Er lebte und achtete die Traditionen. Aus diesem Grund fuhr Shigeru auch einen sehr autoritären Kurs. Diese Grundlagen machten die Aussicht auf ein ruhiges und unbeschwertes Gespräch für Toji schwer. Irgendwo fühlte er sich bei Shigeru an das Gespräch mit Han auf der “Dragon” erinnert.

Weiterhin schweigend trat der Enkel in das Arbeitszimmer seines Großvaters ein. Sofort warf er sich auf die Knie und verbeugte sich tief. Toji konnte in diesem Moment auf die traditionellen (und demütigen) Gesten nicht verzichten. Er spürte schon die raue Schlinge um seinen Hals. Trotzdem wurde er freundlich von Shigeru begrüßt. Der jüngere Murata erhob sich und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Aufzeichnungen, die schon ein paar Jahrzehnte erlebt hatten, wurden an diesem Ort gelagert. Dazu hatte man auch das Schwert, welches Shigeru während seiner militärischen Laufbahn zur Galauniform getragen hatte, hier versteckt. Kein einziges Staubkorn war auf dem schwarzen Heft zu sehen. Es war, neben dem Familienschwert, der Augapfel des Clanoberhaupts.

“Wir haben viel zu bereden, Toji”, begann Shigeru mit ernster Stimme. “Mir gefällt die ganze Entwicklung nicht.”

Innerlich schreckte Toji auf. Das er mit Argusaugen beobachtet wurde, störte ihn an dieser Sache nicht. Seinem Vater ging es damals nicht viel anders und wahrscheinlich gehörte es sogar zur Tradition der Muratas. Viel mehr interessierte ihn die Maßstäbe mit denen das Paar beobachtet wurde. Welche Erwartungen stellte man an Serenety und ihn? Toji spürte den Blick des alten Mannes auf sich.

“Ich habe gehört, dass Daichi im Moment sehr viel Zeit mit Serenety verbringt”, sprach das Clanoberhaupt weiter. “Kannst du das bestätigen?”

“Ja, ich habe sie vorhin zusammen gesehen”, entgegnete Toji mit einem knurrenden Unterton.

Dabei ballten sich die Hände zu Fäusten und verkrampften sogar leicht. Die Eifersucht, die ihn schon bei der Sichtung dieses Paares ergriffen hatte, sprang nun erneut aus dem Schatten seiner Gedanken. Irgendwie hatte er nie mit dieser Gefühlsregung gerechnet, doch was war nun los mit ihm? Woher kamen diese Gefühle? Manchmal verstand er seinen eigenen Körper nicht.

“Denkst du er handelt aus Konkurrenzdenken?”, fragte Shigeru weiter und sein Blick fixierte sich immer mehr auf seinen Enkel. “Oder bezweckt er etwas anderes damit?”

Toji erwiderte den Blick. Die braunen Augen waren Feuer und Flamme für diese Gedankengänge. Schon seit Kindertagen war Daichi ein Konkurrent für Toji gewesen. Sie waren im gleichen Alter und kämpften beide um die Anerkennung ihrer Väter und ihres Großvaters. Beide waren beim Militär und sind die Karriereleiter Stück für Stück nach oben geklettert. Doch war Serenety nun das neue Schlachtfeld für beide.

“Wie mir scheint, hast du keine Antworten auf meine Fragen”, brach Shigeru das Schweigen nach einer Weile. “Jedoch scheint dieser Wettstreit auf ein Feld zu kommen, wo nur einer siegreich hervorgehen kann. Wache auf und kämpfe!”

Shigeru war bei diesen Worten von seinem Sitzkissen aufgesprungen. Seine Augen funkelten vor Ernsthaftigkeit. Scherze waren an dieser Stelle nicht angebracht. Der Patriarch würde nicht so einfach seine Pläne über den Haufen werfen. Eine gewisse Schuld gegenüber seinem verstorbenen Sohn lag ihm auf den Schultern. Er konnte und wollte diese Abweichung nicht tolerieren.

“Reiß dich zusammen, Toji!”, sprach er weiter und gestikulierte wild. “Du bist es deinem Vater schuldig!”

Weitere Worte in diese Richtung sparte sich der ältere Murata. Das Verhalten seiner Enkel war ihm ein Rätsel. Der eine, der ein echter Frauenheld war, kapitulierte förmlich bei dieser Frau und der andere wurde regelrecht zum Draufgänger. Wie sollte er hier nur die Ruhe bewahren? Toji ließ die Worte auf sich prallen. Was sollte er denn dieser Kritik entgegensetzen? Der Flottenoffizier atmete ruhig aus. Sein Blick richtete sich zum Boden.

“Gut, das war es schon”, beendete Shigeru das Gespräch. “Ich habe noch zu tun und will dir nicht die Zeit stehlen…”

Toji verneigte sich ein weiteres Mal und verschwand dann aus dem Arbeitszimmer. Eine ordentliche Menge Wut hatte sich bei ihm in der Magengegend gesammelt. Er musste sich einfach etwas Luft machen. Aus diesem Grund suchte er das Dojo auf. Nur auf diese Weise konnte er wieder zu klarem Verstand kommen. Toji musste wieder Herr sein Gefühle werden.


- Onderon - Murata-Anwesen - Westflügel - auf dem Weg zum Dojo - allein -
 
[ Onderon ~ Iziz ~ Künstlerviertels ~ in einem Schwertladen ~ Ausstellungsraum Daichi mit Serenety ]

Daichi war ihr keine sonderliche Hilfe, denn er schien selbst noch immer irritiert zu sein von dem, was geschehen war. Damit war Seren im Grunde allein, denn sie wusste nicht ganz was sie tun sollte zumal sie so etwas noch nie zuvor erlebt hatte. Ihr Blick glitt erneut zu dem Alten hin, der die beiden jungen Menschen beobachtete hatte, wobei sein Hauptaugenmerk auf der jungen Frau lag, der er versucht hatte etwas zu Offenbaren. Anfangs so wusste er, hatte sie rein gar nichts verstanden, aber nachdem sie das Schwert in Händen gehalten hatte, hatte sie einen Einblick dessen erhalten, was er gemeint hatte.

Die Worte des Kauzes ließen Serenety nicht los. Ihre Gedankenwelt dreht sich darum und sie versuchte hinter das Geheimnis zu kommen. Aber so sehr sie sich auch anstrengte, sie schaffte es nicht. Würde sie dies überhaupt je? Vielleicht sollte sie einfach geschehen lassen was geschehen sollte. Abwarten und dann reagieren. Dies wäre eine Möglichkeit auch wenn Seren es nicht mochte im Ungewissen zu bleiben. Ihre Augen wandten sich von Daichi ab und erneut dem alten Mann zu. Ein leichtes nicken entstand.


„Ich werde tun was ihr sagt.“

Es schien so als ob der Weißhaarige genau auf diese Wort gewartet hätte, dann er beugte leicht den Kopf und seine Lippen zuckten leicht. „Eine Weise Entscheidung! Nicht jeder Wunsch des sofortigen Lüftens wird erfüllt. Geduld ist eine weitere Tugend, die ein junger Mensch lernen muss. Ihr besitzt diese müsst aber lernen auch damit klar zu kommen einmal im Unklaren gelassen zu werden.“ Er lachte leise.

Serenety war verblüfft, dass er dieses Manko an ihr festgestellt hatte. Doch zum anderen sollte sie dies nicht verwundern. Denn die Jahre machten einen klüger und Weiser. Seren legte die Hand auf die Schatulle. Sie würde dieses Schwert mitnehmen aber selbst dafür aufkommen, denn sie konnte von Daichi nicht verlangen es zu zahlen. Der alte nannte den Preis und Seren legte ihm die Kredits hin. Gerade als sie nach der Schatulle greifen wollte legte sich seine Hand auf die ihre und Seren sah auf. In die Augen des Weißhaarigen. Verblüfft, dass er sie scheinbar nicht gehen lassen wollte. Sie wollte schon fragen als er ihre Hand herumdreht und in die Innenfläche etwas legte. Ihre Finger darum schloss und nickte.

„Nehmt dies mit euch. Es gehört euch. Ein Teil gebt dem, der euer Herz gehört, dass andere behaltet für euch. Wenn eure Wahl die ist, welches das Schicksal euch auferlegt hat, werden sich beide Stücke verändern. Ihr werdet sehn und nun geht Prinzessin.“

Serenety war zu verwirrt zum seine Worte völlig zu begreifen und so nahm sie die Schachtel welche in einer Tüte steckte und verließ nach einer Verbeugung gemeinsam mit Daichi den Laden. Ihre Hand noch immer um das Geschenk gelegt, welches in ein Samttuch verhüllt sein musste. Einen langen Moment ging sie schweigend neben Daichi her, noch immer in Gedanken versunken. Was die letzten Minuten geschehen war, war so sonderbar. Es hatte sie völlig überrascht, ja geradezu aus der Bahn geworfen. Ohne es zu merken, legte Seren das Geschenk des alten in den Beutel, legte ihre Hand an Daichis Arm und bewog ihn zum Anhalten. Ihr Blick glitt zu ihm.


„Lass uns zurückfahren. Dies alles war ein bisschen viel für mich. Ich glaube ich brauche ein wenig Zeit um dies zu verdauen.“

Sie lächelte ihn kurz an und senkte dann leicht die Lieder. Sie war müde, unendlich müde. Erschöpft ebenso und sie hatte das Gefühl seit Stunden umher zu wandern ohne Pause. Bisher hatte sie nichts gegessen noch getrunken und auch dies zerrte an ihren Kräften. Sie wollte zurück zum Anwesen. Sich setzen und die Augen schließen. Wollte ein wenig schlafen und über das geschehene Nachdenken. Sich alles durch den Kopf gehen lassen. Sie fühlte sich seltsam. Zum einen ein Stückweit verändert zum anderen völlig erschöpft. Sie hatte das Gefühl dass ihre Beine jeden Moment den Dienst versagen würden. Zum anderen, dass sie auf der Stelle einschlafen würde, sollten sie sich nicht bald weiter bewegen. Serenety zwang sich erneut zu gehen, wenn auch langsam. Ein weiteres Wort brachte sie nicht über die Lippen sondern schwieg. Ließ sich von Daichi durch die Strassen Iziz führen und hatte sich dabei bei ihm eingehackt. Dies mochte in wenig merkwürdig aussehen, aber es war ihr lieber als eventuell umzukippen. Denn sie war sich nicht ganz sicher inwieweit ihr Körper noch mitmachen würde nach dieser Besichtigung. Es wäre durchaus möglich, dass wenn sie erst einmal im Speeder saßen, dass sie sofort einschlief. Alles wäre in diesem Moment möglich. Sie wusste nur, dass ihre Kraftreserven erschöpft waren und sie dagegen etwas tun musste.

Jedenfalls war sie dankbar dass Daichi diesen Moment noch schwieg wobei sie wusste, dass er sicherlich noch etwas sagen würde, besonders da ihm etwas auf dem Herzen zu liegen schien. Dies spürte sie stets bei ihm. Gleich was es war, sie würde ihm zuhören. Zumal sie dies eh gern tat auch wenn es Themen streifte, die sie, wenn es eine andere Person gewesen wäre, unter Umständen auf die Palme gebracht hätte. Daichi hingegen besaß eine ruhige souveräne Art mit anderen umzugehen ohne gleich ausfällig oder wütend zu werden und glich ihr damit ein Stückweit. Im Gegensatz zu Toji, dessen Temperament dem ihren in nichts nach stand und sie sich somit fast sofort in der Wolle hatten, war Daichi das genaue Gegenteil. Er brachte sie zur Ruhe und regte sie zum Nachdenken an. Es war nicht so, dass sie dies nicht tat, aber seine Art sie zu beruhigen war einen andere. Er verstand es mit Seren umzugehen, wohingegen Toji völlig versagte. Merkwürdig nur, dass er sonst mit allen Frauen zu Recht zu kommen schien außer mit ihr. So als ob sie etwas ganz anderes war. Woran dies lag, wusste Serenety selbst nicht genau.

Dass es mit an ihr lag, war dabei nur ein Punkt. Aber sie würde schon noch dahinter kommen, dass Toji bisher mit einem völlig anderen Schlag von Frauen hatte zu tun gehabt. Denn sie entsprach so ganz und gar nicht dem Schema, mit dem ihr Verlobter sonst zu tun hatte. Frauen konnten sich sehr unterscheiden, denn auch unter ihnen gab es verschiedene Typen. Nicht nach dem Äußeren gehend sondern dem Charakter nach und da Seren durch ihren Vater eine Erziehung erhalten hatte die dem eines Jungen entsprach, war es kein Wunder, dass sie nicht zu den „Normalen“ Frauen gezählt werden konnte. Daichi hingegen schien dies begriffen zu haben und passte sich diesen Umständen an.

Aber auch dahinter würde Serenety kommen, sobald sie endlich einmal richtig geschlafen hatte und wieder Herrin ihrer selbst war und klar denken konnte ohne übermüdet zu sein. Es dauerte nicht lange biss sie ihr Gefährt erreichten und als sie einstiegen konnte die junge Frau sich endlich setzen. Leise seufzend lehnte sie sich in dem Sitz zurück, schloss halb die Lieder und entspannte sich. Die Fahrt zurück zum Anwesen würde ebenso lang sein wie hin. Genug Zeit für Daichi also zu sprechen.


„Sprich Daichi, ich weiß doch dass dir etwas am Herzen liegt.“

Sie ließ ihn damit wissen, dass sie sehr wohl wusste, dass er noch etwas von ihr wollte. Was würde sich zeigen.

[ Onderon ~ Iziz ~ im Speeder ~ Daichi & Serenety ]
 
[ Onderon ~ Murata-Anwesen ~ Zentral ~ Gänge ~ Shigeru und ein paar Bedienstete ]​

Die Nachricht sprach sich wie ein Lauffeuer im ganzen Anwesen rum. Die Leitung der imperialen Akademie auf Carida hatte alle Offiziere, die in keine kriegerischen Handlungen verstrickt waren, zu sich beordert. Dabei sollten die Gäste in Galauniform erscheinen. Mit diesem Befehl waren jegliche Pläne von Shigeru Murata und Han Akaji über den Haufen geworfen worden, doch die Pflicht galt in diesem Moment mehr als familiäre Angelegenheiten. Schnell hatte man einen Notfallplan aufgestellt und eine gewisse Ordnung in den gesamten Ablauf gebracht.

Shigeru Murata, das alte Oberhaupt der Familie, schritt mit bestimmenden Schritten durch das Chaos in seinem Haus. Die Bediensteten hatten alle Hände voll zu tun. Gepäck wurde in die Speeder verfrachtet und in der privaten Landebucht im Raumhafen von Iziz wurde die “Silver Wings” bereit gemacht. In dem ganzen Durcheinander schaute sich das Oberhaupt um. Anscheinend hatte der alte Mann auch in diesem Moment noch den Überblick.

Plötzlich entdeckte er unter den ganzen Bediensteten einen seiner Vertrauten. Mit einem Wink rief er den Diener zu sich. Er wollte über ein paar Dinge informiert werden. Schnell sprach sich Shigeru mit dem Bediensteten ab. Alles verlief nach Plan. Nur über den Stand der Akaji hatte er keine Informationen. Würde Sayaka noch ein paar Tage bleiben? Was hatte Han vor? Würde er dem Ruf der Akademie folgen?

Mit diesen Fragen auf den Lippen ging er weiter durch die Gänge des Anwesens. Glücklicher Weise wusste er wo er das Paar finden würde. Ein Lächeln huschte auf das Gesicht des alten Mannes. Es gab nur wenige Gründe, weshalb man in einer Galauniform irgendwohin zitiert wird. Shigeru kannte dies noch aus seiner eigenen Zeit beim Militär.


[ Onderon ~ Murata-Anwesen ~ Zentral ~ Gänge ~ Shigeru und ein paar Bedienstete ]

[ Onderon ~ Iziz ~ Künstlerviertel ~ vor dem Schwertladen ~ Daichi und Serenety ]

Die Sonne schien noch immer in voller Pracht auf Iziz nieder. Langsam füllten sich die Gassen mit mehr Menschen. Viele nutzten das gute Wetter für einen kleinen Ausflug oder zum Einkauf. Schweigend hatten Serenety und Daichi den Laden verlassen. Jeder versuchte auf seine Weise die Situation, die sie gerade überrascht hatte, zu verarbeiten. Aus diesem Grund schaute der Soldat auch nur sehr diskret zu der jungen Frau. Ihm fielen keine passenden Worte ein um einen guten Übergang zu schaffen. Wahrscheinlich war die junge Akaji in diesem Moment sogar noch mehr verstört. ‘Wieso hatte der Verkäufer nur seine Sicht auf sie gedrückt? Was bezweckte er damit’, fragte sich Daichi.

Gemächlich folgten die beiden jungen Menschen dem Straßenverlauf. Man merkte Serenety an, dass sie wieder ins Anwesen zurückkehren wollte. Dennoch war noch kein weiteres Wort gefallen. Eine Blase des Schweigens umgab die beiden. An einer günstigen Stelle hatte der Fahrer, auf Anweisung von Daichi hin, auf die zwei gewartet. Der Bedienstete öffnete mit einem Lächeln die Tür und ließ die beiden jungen Menschen einsteigen. Daichi bedankte sich bei dem Fahrer und stieg als letzter im hinteren Bereich des Fahrzeugs ein.

Während der Fahrt brach Serenety das Schweigen. Er schaute sie an. Was wollte sie von ihm wissen? Einen Augenblick dachte er über ihre Aufforderung nach. Sein Blick fixierte ihre braunen Augen. Selten hatte er bei einem Menschen solche Augen gesehen. Sie waren voller Ruhe und Willensstärke. Aus diesem Grund konnte sich der Soldat in ihrer Gegenwart wohl fühlen. Sie war ein Seelenanker für seine Person. ‘Ob sie auf Toji auch so wirken kann?’, fragte sich der Soldat für eine Nanosekunde. Noch immer wollte er die Verbindung, welche die beiden Familien für die zwei schon vor Jahren geschmiedet hatten, zusammenschweißen.

Plötzlich hielt er Fahrer an und drehte sich zu den beiden um. Sein Gesichtsausdruck war ernst und für einen Augenblick herrschte schweigen zwischen den dreien. Anscheinend hatte der Fahrer ein paar neue Informationen erhalten und deshalb brauchte er einen Moment um seine Gedanken zu sammeln. In Daichis Körper sammelte sich die Spannung. Nur selten fanden solche Ausnahmen statt.


“Ich unterbreche die Fahrt nur ungern, Master Daichi, begann der Bedienstete stockend. “Jedoch soll ich Sie und Miss Akaji zum Raumhafen bringen. Man verlangt sie auf Carida in Galauniform. Auch Master Toji und Mister Akaji scheinen mit ihnen zu reisen.”

“Nun, dann fahren wir zum Raumhafen”, entgegnete Daichi ernst. “Mein Großvater wird schon seine Gründe haben.”

[ Onderon ~ Iziz ~ auf dem Weg zum Raumhafen ~ im Speeder ~ Daichi und Serenety ]
 
- Onderon - Murata-Anwesen - Zentral - auf dem Weg zur Auffahrt - allein -

Die Galauniform saß perfekt. Auch sein Rangabzeichen hob sich funkelnd vom grauen Stoff ab. Selten trug der Flottenoffizier dieses Kleidungsstück, doch die Einladung, die ein schlichter Befehl war, hatte es geboten. Auch das Gesicht war perfekt rasiert worden. Allgemein hatte sich Toji sehr schick gemacht. Er wollte bei dieser Feier einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Man sollte erkennen, dass das Haus Murata zu den zivilisierten Familien der Galaxie gehörte. Gemächlich ging er zur Auffahrt des Anwesens.

Vor wenigen Minuten hatte er einen kurzes Gespräch mit Senjjari Baschi, dem zweiten Offizier und die Vertretung auf der “Musashi”, gesprochen. Auch die grazile Cathar hatte eine Nachricht über das HoloNet erhalten und nach einer kurzen Absprache würde man sich auf Carida treffen. Dort würde auch die eigentliche Kommandoübergabe stattfinden. Im Moment wusste der Commander jedoch nicht wie viel Zeit ihm bleiben würde. Der Flug von Onderon nach Carida war nicht sehr lang, aber es herrschten unterschiedliche Zeiten auf den zwei Planeten.

Er hörte den feinen Sand der Auffahrt unter seinen Stiefeln aus robusten Leder knirschen. Mehrere Bedienstete schwirrten wie Schwarmtiere um ihren Bau und luden die letzten Gepäckstücke in den Kofferraum. Die halbe Verwandtschaft hatte sich an der Haustür versammelt. Shigeru schien seinen Enkel zu mustern. Hitomi schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. Sie hatten andere Pläne für die nächsten Tage gehabt, aber der Dienst für das Imperium hatte schon immer einen höheren Stellenwert gehabt.

Mit ernsten Schritten trat Shigeru zu seinem Enkel. Er trug einen kostbaren Kimono und seine Augen funkelten vor Stolz. Er hatte damals für das Militär gelebt und war damit Teil einer langen Familientradition. Toji ging es in dieser Sache ähnlich. Eine andere Profession konnte er sich nicht vorstellen. Beide Männer schauten sich mit ernsten Mienen an. Keiner verzog einen Gesichtsmuskel. Für einen Moment herrschte Schweigen zwischen den beiden. Auch die anderen Verwandten unterbrachen die Stille nicht. Man wollte dem Familienoberhaupt nicht dazwischen funken.

“Ich wünsche dir viel Glück auf deinem Weg, Toji”, sagte Shigeru mit fester Stimme. “Und ich hoffe du wirst noch viele Aufenthalte in deiner Heimat erleben.”

Erinnerungen wurden in dem jüngeren Murata wach. Vor vielen Jahren hatte das Familienoberhaupt ähnliche Worte an seinen Sohn, Kenji Murata, gerichtet. Es war eine allgemeine Formel für den Abschied. Aufmunternd klopfte Shigeru auf die Schulter seines Enkels. Man konnte noch immer die Kraft spüren, die in diesem alten Körper verborgen lag. Er hatte zwar seinen Zenit schon vor einigen Jahren überschritten, doch für sein Alter hatte er sich gut gehalten.

“Ich werde Acht geben und der Familie die Ehre erbringen, die sie verdient hat”, entgegnete Toji pflichtbewusst.

Der Blick war fest auf die braunen Augen des Familienoberhaupts gerichtet. Sie teilten einen sehr wichtigen Moment in ihrer verwandtschaftlichen Beziehung. Nur selten näherte sich das Clanoberhaupt so sehr seinen Familienmitgliedern. Auf diese Weise wurde die Verbindung zur Familie gezeigt. Toji unterdrückte die überschwänglichen Gefühle und konzentrierte sich auf die traditionelle Verhaltensweise.

“Du hast dich in den letzten Tagen wacker geschlagen, mein Enkel”, sprach der alte Mann, dieses Mal etwas leiser, weiter. “Du hast gezeigt, dass du zur Familie stehst und die Anweisungen des Oberhaupts folgst. Deine Rivalität mit Daichi hat dich nicht daran gehindert. Darauf kannst du stolz sein.”

Zögerlich nickte. Es wurden noch weitere, private Worte gewechselt und dann erhielt Toji ein Schwert als Geschenk. Es zeigte seine Zugehörigkeit zur Familie und sollte ihm in den Schlachten Mut und Tapferkeit spenden. Zum Dank verbeugte sich Toji tief und verabschiedete sich danach mit ein paar kurzen Sätzen.

…​

Auf kürzestem Weg war der Speeder zum Raumhafen geflogen. Sofort wurde die “Silver Wings” mit dem Gepäck beladen. Daichi und Serenety warteten schon in der Vorhalle. Toji war wieder in seine Rolle des Kommandanten geschlüpft. Dennoch fühlte er sich seit den letzten Tagen nicht mehr so wohl in dieser Position. Ihm fehlte die einfache Nähe zu Serenety. Besonders der Anblick von ihr in Gesellschaft mit Daichi versetzte ihm einen kräftigen Stoß ins Herz. Er unterdrückte ein Seufzer und schluckte seine Gefühle herunter.

Daichi löste sich sanft von der Seite seiner Begleitung und ging auf seinen Cousin zu. Wie immer wirkte der Soldat vollkommen ernst. Man sah ihm keine Emotion an. Vielleicht glichen sich die beiden Männer in diesem Moment sogar rein äußerlich. Ein paar Herzschläge der Stille verstrichen ungenutzt.

“Es geht nach Carida?”, fragte Daichi trocken. “Hast du genauere Informationen.”

“Richtig, die örtliche Akademieleitung hat alle freien Offiziere an diesen Ort zitiert”, antwortete der Flottenoffizier. “Dazu sollen wir in Galauniform erscheinen. Ist also keine Kleinigkeit. Ist das Schiff bereit?”

“Ja, wir haben nur noch auf das Gepäck und dich gewartet”, entgegnete der Soldat mit einem Nicken.

Die beiden Männer tauschten noch weitere Worte miteinander aus. Danach ging es zur Landebucht. Man wollte Onderon so schnell wie möglich verlassen und nach Carida fliegen. Aus diesem Grund verlor man auch keine Zeit im Aufenthaltsraum. Die Piloten hatten in der Zwischenzeit schon die letzten Vorbereitungen getroffen. Toji richtete noch einmal seine Uniform und folgte dann Daichi und Serenety ins Innere der “Silver Wings”.


- Onderon - Iziz - Raumhafen - private Landebucht - “Silver Wings” - mit Daichi und Serenety -
 
- Onderon - Murata-Anwesen - Zentral - private Räumlichkeiten - Han & Sayaka -

Das Oberhaupt der Akaji stand am Fenster und beobachtet hin und wieder seine Frau, welche sein Gepäck packte. Vor wenigen Minuten hatte er von seinem ersten Offizier eine Nachricht erhalten, dass alle Offiziere sich auf Carida einfinden sollten, die zurzeit nicht auf Mission waren. Des Weiteren war darin enthalten gewesen, dass sie in Galauniform erscheinen sollten. Also musste es sich hierbei um Feierlichkeiten Handeln ehe es wohl zur nächsten Mission überging, von der Han schon ein wenig wusste. Ein wenig ärgerte es ihn, dass somit sämtliche Pläne umgeworfen worden waren, was seine Tochter und ihren Verlobten betraf, aber Han hatte schon eine neue Idee. Der Blick des Commodore glitt aus dem Fenster und er heftete seine Augen an den Horizont, es würde ihm schwer fallen seine geliebte Frau allein zu lassen, aber das Imperium stand in diesem Falle an erster Stelle. So wie dies für jeden, der sein Leben dem Imperium gewidmet hatte sein sollte. Da Han seine Galauniform nicht auf Onderon hatte würde er diese erst auf seinem Schiff überstreifen können, allerdings stand er schon jetzt in einer Uniform am Fenster während Sayaka die letzten Stücke verstaute und dann zu ihm trat. Der Exote lächelte sie an und zog sie dann in seine Arme. Eine Kuss auf ihre Stirn gebend sah er erneut aus dem Fenster.

„Han, ich weiß noch nicht ob ich noch ein wenig hier bleibe oder zurück fliege. Wobei ich zu ersterem tendiere. Gib auf dich Acht. Ich mache mir Sorgen.“

Hans Augen glitzerten leicht als er in die seiner Frau blickte und strich ihr dabei mit der Hand über die Wange. Sie machte sich stets Sorgen um ihn, auch wenn dies völlig unnötig war. Doch ihre Liebe zu ihm war so stark, dass er einen großen Halt darin fand und ihr diesen auch zurückgab. Gut konnte er sich noch erinnern als sie frisch verheirate gewesen warn und Han zu dieser Zeit das erste Mal für einige Wochen fort musste. Die Tränen in ihren Augen hatten ihn damals dazu bewegt ihr zu versprechen so schnell wie möglich zu ihr zurück zukehren. Dieses Versprächen hatte er auch eingehalten und damit war es für sie leichter geworden. Wann immer er Zeit gehabt hatte, hatte er über das HoloNetz mit ihr gesprochen. Heute war es noch ähnlich.

„Ich weiß liebste. Vergiss nicht, dass ich als Offizier meine Pflichten habe. Wie ich dir schon damals versprach, werde ich zurückkehren sobald ich kann. Dieser Abschied ist nicht für immer.“

Wieder küsste er sie, diesmal auf ihre Lippen und Sayaka schloss die Augen. Genoss seine starken Arme um ihren Leib und erwiderte seinen Kuss mit voller Hingabe. Sie wusste, dass ihr seine Nähe nicht all so bald erneut vergönnt sein würde. Ihr Kuss zog sich in die Länge, dann löste sie sich von ihm.

„Es wir Zeit Han. Du solltest dich auch vom Rest verabschieden.“ Das Oberhaupt hörte in ihrer Stimme, dass es ihr schwer viel ihn ziehen zu lassen und in diesem Moment wünschte er sich, noch bleiben zu können, doch sein Pflichtgefühl veranlasste ihn zu gehen. Mit leichtem Widerwillen schritt er vom Fenster fort und packte seinen Koffer, verließ dann mit Sayaka das Zimmer um zum Rest zu gelangen, der sich ebenfalls verabschiedete. Han kam gerade zu seinen Gastgebern als Toji mit seinem Großvater sprach und so wartete der Commodore bis die beiden geendet hatten. Erst dann trat er zu Shigeru.

„Alter Freund, ich danke dir für deine Gastfreundschaft. Aber auch ich muss aufbrechen, denn der Ruf des Oberkommandanten zählt für jeden. Keine Sorge ich werde mich auf Carida darum kümmern, dass unsere Pläne weiterlaufen.“

Er grinste Spitzbübisch sein Gegenüber an, dann legte er Shigeru die Hand auf die Schulter. Eine Geste, die unter so alten Freunden üblich war.

„Wir sehen uns wieder. Darauf gebe ich dir mein Wort und bei unserem nächsten Wiedersehen, werden dein Enkel und meine Tochter Heiraten.“

Leicht verbeugte sich das Oberhaupt der Akaji vor dem der Muratas, wandte sich erneut seiner Frau zu und lächelte, ehe er sich vom Rest verabschiedete und in einen der Speeder stieg um zum Raumhafen zu gelangen, wo ein Schiff auf ihn wartete, welches ihn auf die Dragon bringen würde.

- Onderon - Murata-Anwesen - Zentral - Speeder - auf dem Weg zum Raumhafen - Han, allein -
 
[ Onderon ~ Iziz ~ auf dem Weg zum Raumhafen ~ im Speeder ~ Daichi und Serenety ]

Ein Gespräch zwischen den beiden Jungen Menschen kam nicht in Gang obwohl Seren Daichi eine Frage gestellt hatte, schien dieser die nicht beantworten zu wollen oder nicht recht zu wissen, wie er dies tun sollte. Der Fahrer ihres Gefährts hielt an und berichtete, dass man sie sowohl auch Daichis Cousin zum Raumhafen bringen würde. Sie wurden also auf Carida verlangt und dies in Galauniform. Das Gesicht der jungen Frau blieb unbewegt aber sie war froh endlich von Onderon fort zu kommen. Carida war etwas anderes und dort war sie frei von den Familien und konnte sich ihrer Arbeit widmen. Innerlich freute sie sich sehr darüber, besonders, da Daichi auch mit sollte. Leider gab es keine genaueren Informationen und Seren hoffte diese zu erhalten sobald sie am Raumhafen eintrafen. Umziehen konnte sie sich erst an Bord der Musashi aber dies war nicht weiter schlimm. Es war eine Freude sich nicht mehr über bestimmte Leute ärgern zu müssen noch diese den ganzen Tag in einem solch privaten Umfeld ertragen zu müssen. Sie wollte Abstand zu Toji. Ihm in nächster Zeit nur noch in Sachen Arbeit entgegentreten und sonst nichts. Carida war der perfekte Anlass endlich zur Ruhe zu kommen, zumindest hoffte sie dies sehr.

Da der Raumhafen nicht weit von ihnen entfernt war, hatten sie den kürzesten Weg genommen. Als das Gefährt anhielt um sie aussteigen zu lassen war ihr Vorgesetzter noch nicht da, also würden sie auf ihn warten. Als er dann endlich ankam streifte ihr Blick kurz den seinen, ehe Daichi sich ein Stück von ihr löste und seinen Cousin fragte ob dieser weiter Informationen besaß. Seren hörte den beiden zu, wobei die Informationen ihres Vorgesetzten auch nicht mehr waren als dass, was der Fahrer ihnen gesagt hatte. Lange hielten sich die drei nicht auf und traten in das Innere der Silver Wings. Die junge Frau setzte sich auf ihren Platz und sah einen Moment zu den Männern, die sich nebeneinander gesetzt hatten. Für Seren angenehm, denn so brauchte sie kein Wort mit ihrem Vorgesetzten zu wechseln, der in seiner Galauniform verdammt gut aussah. Sofort strich Serenety diesen Gedanken und sah von den beiden fort, hinaus aus dem Fenster.

Sie Silver Wings durchlief die letzten Checks, bekam die Freigabe und erhob sich geschmeidig in die Höhe. Gewann an davon und ließ einige Minuten später den Raumhafen hinter sich um in den Orbit des Planeten zu treten. Carida also. Es wäre nicht das erste mal, dass sie dort sein würde. Auch wenn ihre vorherigen Besuche nur kurz gewesen waren. Serenety griff mir ihrer Hand in die Tasche, in der sich das Schwert befand, welches sie gekauft hatte und holte ein kleines schwarzes Säckchen hervor. Der Alte in dem Laden hatte ihr dieses geschenkt und behauptet sie solle ein Stück davon demjenigen geben, denn sie liebte. Schwierig, da sie bisher noch niemanden gefunden hatte. Auch an seine anderen Worte konnte sich Serenety erinnern, nämlich dass sich das Schmuckstück verändern würde, sollte sie den richtigen gefunden haben. Dies alles war so merkwürdig gewesen. Die Exotin öffnete den Beutel und griff mit der Hand hinein. Als sie diese wieder herauszog hielt sie zwei Schmuckstücke in der Hand, die völlig identisch aussahen. Die alte Schmiedekunst viel ihr hierbei sofort auf. Sie schienen alt zu sein. Ein Lederband war durch einem kleinen Ring, beider Stücke als Kette angebracht worden. Sie waren Wunderschön. Seren bestaunte die feine Arbeit, die so filigran war und strich sanft mit den Finger über die Oberfläche. Die Farben waren in einem Silber und Bronze gehalten. Leicht hob sie eines der Stücke hoch und betrachtete dieses im Licht. Es funkelte und als sie das zweite Stück hoch hielt und beide verglich viel ihr nichts auf, was sie unterschieden hätte. Allerdings fragte sie sich, wie sich diese beiden Stücke verändern sollten, sobald eines davon derjenige erhielt, dem ihr Herz gehörte. Konnte Magie hierbei eine Rolle spielen? Leicht wölbte sie eine Braue, nahm die Hände wieder nach unten und versuchte sich die anderen Worte des Mannes ins Gedächtnis zurück zu rufen. ‚Ein Schicksal welches nicht einfach ist’. Dies war eines seiner Sätze gewesen, die Serenety nicht wirklich verstanden hatte. Ebenso wenig, dass er schon lange auf sie gewartet hatte. Als sie in den Laden gekommen war hatte sie nicht nach etwas gesucht sondern eigentlich nur sich umsehen wollen. Der Alte hatte in Rätseln gesprochen. Davon das Jahre, nein Jahrhunderte vergangen waren und so viele Legenden existierten. Weshalb Legenden und was war geschehen nachdem sie das Schwert in Händen gehalten hatte? So etwas hatte sie noch nie erlebt. Zumindest nicht auf diese Art und Weise. So als ob sie in der Zeit zurückversetzt worden war. In einen Abschnitt, der Jahrhunderte alt sein musste. Diese Verbindung, die sie gespürt hatte zu der Waffe musste einen Grund haben, aber der Alte hatte ihr nicht wirklich etwas sagen wollen. Es war verwirrend, besonders da der Alte behauptet hatte, dass ihr Schicksal sich fügen würde, dass man einer Bestimmung nicht davon laufen konnte und dass der Mann an ihrer Seite auf sie warten würde. Welcher Mann an ihrer Seite? Auch dies war ein Rätsel. Sie hatte den alten Kauz gefragt, doch dieser hatte behauptet sie müsse es selbst herausfinden. Allerdings hatte er ihr geraten, sich nicht ihrer Gefühle zu sperren. Sie sollte zulassen was geschehen solle, da das Schicksal einiges ihr vorhatte, da sie erwählt worden war. Welche Gefühle? Was sollte geschehen und was hatte das Schicksal mit ihr vor? Wozu war sie erwählt worden? Irgendetwas musste hinter seinen Worten stehen, denn sie konnte seinen Gesichtsausdruck nicht vergessen. Der Ernst in seinen Augen aber gleichzeitig auch dieser Hoffnungsschimmer. Was immer es sein mochte, sie würde es herausfinden müssen.

Innerlich seufzend strich sie erneut über das Geschenk, welches der Kauz ihr gegeben hatte und packte es dann in den Beutel zurück. Verschnürte diesen und legte ihn zurück in die Tasche, wo das Schwert in einer Schachtel ruhte. Wie gern hätte sie es ausgepackt und geschwungen, aber sie wusste, dass dieser Ort hierfür nicht geeignet war und sie wollte es nicht vor den beiden Männer zu Show stellen. Es reichte, dass Daichi davon wusste. Die junge Frau strich sich ihren Kimono glatt und versuchte ihre Gedanken auf etwas anderes zu richten, aber die Worte des alten Mannes ließen sie nicht in ruhe. So als ob ein Echo in ihrem Kopf ständig zu wiederholen schien was er gesprochen hatte. Lag es mit an ihrer Müdigkeit? Vielleicht! Sie würde froh sein, wenn sie wieder auf der Musashi war. Feierlichkeiten waren nicht unbedingt etwas was sie liebte und in Galauniform zu erscheinen noch weniger. Auch wenn es durch ihre Familie stets eine Pflicht gewesen war auf Empfängen und dergleichen zu erscheinen, mochte sie diese nicht sonderlich. Lieber war sie allein widmete sich ihren Aufgaben oder betrat ein Schlachtfeld. Sie war eine Kämpferin durch und durch. Vielleicht erschwerte dies so einiges und vielleicht war auch dies ein Grund, warum sie sich so sehr von anderen Frauen unterschied, die in ihrem alter waren.


[ Orbit um Onderon ~ Silver Wings ~ Daichi, Toji & Sernety ]
 
Anflug auf Iziz ~ an Bord der Farore

Es herrschte weitesgehende Stille im Cockpit der Farore. Nur das Ruckeln einiger Teile von Konsolen war zu hören, während sich der Transporter durch den Hyperraum in Richtung Onderon geschoben hatte. Anakin hatte sich in seinen Mantel eingewickelt und saß mit verschränkten Armen und geschlossenen Armen in dem Pilotensitz zurückgelehnt. Eine rote LED blitzte auf und ein Piepton weckte den Ex-Jedi aus seinem Ruhezustand. Mit jedem Ton spürte er wie sein Kopf im Rhythmus mitbrummte. Es war eine Mischung aus Meditation und Schlaf gewesen, der Zustand in dem er sich gerade noch befunden hatte. Die Kopfschmerzen die jedoch zweifellos noch von der Sauferei der letzten Nächte und Wochen stammten, hatten es ihm nahezu unmöglich gemacht sich auszuruhen, geschweige denn eine dauerhafte Verbindung mit der Macht aufzunehmen. Langsam richtete er sich auf und tippte auf der Pilotenkonsole herum, bevor er zum Hebel für die Hyperraumkontrolle griff. Es würde ihn viel Mühe kosten, sich wieder auf den Pfad eines Machtnutzers zu bringen, dass wurde ihm immer klarer und begann abzuschrecken. Sein Weg lag aber endlich wieder vor ihm, jetzt hatter Anakin ihn nur noch zu gehen.

Mit einem sanften Ruck trat die Farore aus dem Hyperraum heraus. Durch das Fenster konnte man bereits deutlich den Planeten mit seinem Dschungelüberzogenem Mond Dxun erkennen. Anakin deaktivierte den Autopiloten und steuerte mithilfe des Nav-Computers die Hauptstadt Onderons an. Noch vor wenigen Jahren hätte ihn der Umstand einen ihm bisher fremden Planeten anzusteuern freudestrahlen lassen - heute war es ihm nicht so wichtig. Einerseits wegen der immernoch nicht abklingenden Kopfschmerzen, andererseits weil er Angst in sich spürte. Er hatte sich auf eine Mission begeben, die weder Erfolg versprach, noch konnte er mit Hilfe rechnen. Er war auf sich alleine gestellt. Es war der einzige Weg, der ihm als sinnvoll erschien wieder an sein altes Ich heranzukommen. Er wollte nicht mehr der Mann sein, der seiner Vergangenheit den Rücken gekehrt hatte um den Rest seines auch unter Drogen wohl noch recht langen Lebens in Clubs und Bars herumzuhängen, um sich ins Delyrium zu befördern. Die Zeit alles zu verdrängen, dass sein Gewissen und sein Bewusstsein belastete war vorbei!


"Wir haben Sie auf unserem Schirm. Bitte um Anliegen und Identifikation.", hallte eine bestimmte, aber nicht unfreundliche Stimme aus dem Kom-Gerät.


Anakin betätigte einen Schalter um den Kanal zu öffnen und seine Signatur und ID zu schicken.


"Erbitte Landeerlaubnis für einen eintägigen Aufenthalt in Iziz... Familiäre Angelegenheiten."

Zum Glück schienen die Sicherheitsstandards hier relativ flexibel zu sein, denn nach einem nur kurzen Augenblick wurde ihm die Erlaubnis erteilt und ein kleiner Raumhafen, in der Nähe des Zentrums der Stadt wurde ihm als Ziel angegeben.
Die Farore erreichte ihr Ziel sehr zügig und überflog die hohen Stadtmauern, dann die Straßen und Gassen, bis sie nach kurzer Zeit zur Landung ansetzte und in einem offenen Innenhof des wirklich äußerst kleinen Raumhafens den Boden erreichte.

Schnaufend erhob sich Anakin aus dem Sitz und lief langsam den Gang entlang in Richtung Laderampe. Er suchte nach Informationen über die Jedi Wächter, die angeblich vor Jahrtausenden hier agiert zu haben schienen. Vielleicht war es am schlausten ein Archiv oder eine Bibliothek ausfindig zu machen, in dem man sich sorgfältig über die Geschichte Onderons informieren konnte. Der Ex-Jedi hielt an einem Spind in der Nähe der Rampe und wühlte zwischen darin enthaltenen Kabeln und Ersatzteilen umher, bis er auf eine Konsole, die an einem soliden Armband befestigt war stieß. Sie war gerade groß genug, als dass sie nicht mehr als ein Kom-Gerät wog und mit ein paar Knöpfen versehen, leicht unter dem Ärmel von Anakins Mantel zu tragen war. Über den Rechten Arm gezogen war dieses Gerät nun nicht mehr auf den ersten Blick sichtbar.
Wenn er sich Zutritt zu den Datenbanken des Archivs verschafft hatte, konnte Anakin sicher einfach die Daten aus der lokalen Datenbank-Kopie der Jedi auf seinem Schiff, mit denen hier verknüpfen und interessante Erkenntnisse gewinnen, die ihm auf seiner Suche halfen.


Iziz ~ kleiner Raumhafen am Stadtzentrum

Kräftig legte der Mann einen Hebel im Rumpf der Farore um. Ein lautes Zischen fauchte durch den Laderaum und die Rampe öffnete sich. Durch die Öffnung schienen zuerst einige Lichtkegel von Neonlampen aus dem Hof in dem er gelandet war, bevor man deutlich erkennen konnte, dass es in Strömen regnete. Bedächtig lief Anakin die noch nicht ganz geöffnete Rampe hinunter, wobei er seinen Mantel vom Kragen an zuknöpfte. Am direkt vor ihm liegenden Ausgang befand sich eine Info-Tafel und ein Droide, der hier offensichtlich das Empfangskomittee stellte. Wäre es ein Humanoider gewesen, hätte Anakin einen der Geistestricks ausprobieren können, so war das leider nicht möglich...

Gerade als Anakin dem Droiden entgegen kam und die Hand zum Gruß reichen wollte, zuckte die Maschine und fiel steif um. Innerlich grinste Anakin sich eins, als sogleich das Tor zur Stadt aufging und eine Frau angelaufen kam, die bereits Meter vor dem Ex-Jedi wild zu Gestikulieren begann und schimpfte, warum ausgerechnet jetzt der mechanische Bedienstete den Geist aufgab. Sie entschuldigte sich mehrmals, und betonte, dass der Mann keinen falschen Eindruck bekommen sollte, dass hier alles im Vergleich zu dem Droiden in bester Ordnung war, ja, sie bot ihm sogar eine reduzierte Gebühr an. Bis zu diesem Punkt hatte er anstatt hinzuhören, was die Dame zu sagen hatte, im Gedanken rekonstruiert, wie er mit der Macht einfach nur eine Sicherung im Schaltkreis des Droiden überladen hatte, um ihn so lahm zu legen und der Gebühr zu entgehen. Zumindest das ging noch, auch wenn es im Vergleich zu früher sehr viel Konzentration gekostet hatte.

Es war zwar zuvorkommend, dass die Landegebühr ermäßigt werden sollte um das "Malheur" von eben zu kompensieren, aber er besaß nicht genügend Credits. Er trat einen Schritt auf die Frau zu, während er ihr mit festem Blick in die Augen schaute.


"Ich muss mich zunächst um Credits kümmern", begann er und fügte dann von einer Handgeste gestützt an: "Aber es ist kein Problem die Gebühr vor dem Abflug zu zahlen."

Unsicher, ob Anakins Augenringe oder sein versuchter Geistestrick die Einwilligung der Frau erzwangen, setzte der Ex-Jedi seinen Weg fort und warf einen Blick auf die Karte von Iziz. Es gab ein Archiv ganz in der Nähe. Mit einem Klick auf die Position auf der Karte öffnete sich ein kleines Fenster mit einer Erleuterung. Die Macht war abgesehen vom weiter hereinbrechenden Regen auf seiner Seite. Es handelte sich um eines der beiden Hauptarchive, in dem Kartographien und alte Berichte zu finden waren, die scheinbar weiter in die Vergangenheit reichten, als Anakin es je hätte brauchen können. Praktisch alles seit der Besiedlung des Planten sei dort zu finden. Jackpot! Neuen Mut schöpfend durchschritt er das Tor und betrat die Stadt, um sich auf den Weg zu seinen Nachforschungen zu machen.

Iziz ~ Irgendwo im Zentrum
 
Iziz ~ Planetares Archiv

Zum Glück war es kein weiter Weg bis zu dem gesuchten Archiv. Die Straßen waren wie leer gefegt, aber dafür peitschte ein kalter Wind über den Vorplatz den Anakin noch überqueren musste, bevor er den Gebäudekomplex des Archivs betreten konnte. Das sich von dem starken Niederschlag sammelnde Wasser bildete bereits tiefe Pfützen und bewegtre sich wellenartig über den Platz.

Erleichtert trat der Ex-Jedi durch den Haupteingang und fand sich in einer antik wirkenden Halle aus Marmor wieder. An einem Schalter hatte man die Möglichkeit seine nasse Kleidung abzugeben. Ebenso mussten alle Waffen abgelegt werden. Es war offensichtlich ein Zivilrecht auf Onderon, bewaffnet zu sein, denn sein Blaster war bei weitem nicht der Einzige der sich nun in dem Sicherheitsschrank hinter dem Schalter befand. In einem kurzen Gespräch wurde ihm erklärt, wie die Datenbanken hier zu nutzen waren, wobei sich die Vorgehensweise unwesentlich vom Tempel der Jedi unterschied. Bibliothek war und blieb eben Bibliothek, dachte sich der zusehends ungeduldig werdende Mann, bevor er endlich hinein gehen konnte. Man musste sich ein Datenpad an einer Ausgabe leihen, dass garantierte, das man nicht auf klassifizierte Daten zugreifen konnte. Jedoch selbst als Gast dürften dies nicht allzu viele sein.

Auf der Suche nach einem stillen Plätzchen für seine Recherche, dachte Anakin darüber nach, wie man ihn hier wohl als Jedi empfangen hatte. Die Jedi waren nicht überall beliebt, dieser Tage wohl erst recht nicht, von daher war Anonymität unterm Strich eh das Beste. Dennoch beschäftigte es ihn, wie man hier in Iziz zu den Jedi stand und ob er erfahren hätte, um welche eine Art von klassifizierten Daten es sich hier unter Umständen handeln konnte. Viel wichtiger war ihm jedoch die folgende Erkenntnis, das die kalte, vom Regen gereinigte Luft geholfen hatte, seine Kopfschmerzen abklingen zu lassen. Er fühlte sich erfrischt - wesentlich mehr als nach der fast einstündigen Dusche an Bord der Farore.
Eine Fensterfront am oberen Ende einer Treppe erregte Anakins Aufmerksamkeit. Hier standen eine Hand voll Sessel, von denen keiner besetzt war. Auch sonst war es recht leer und er würde ungestört die Daten durchgehen können, während er einen Ausblick auf den vor den Archiven gelegen Platz und das Treiben hatte. Besser gesagt hätte, würde es nicht so stark regnen, dass man praktisch nur Wasser herunterlaufen sah und wäre der Platz nicht aus dem gleichen Grund wie leergefegt.

Bläulich reflektierte das Licht des Displays vom Datenpad im Gesicht Anakins, während er gebannt Verzeichnisse durchstöberte. Wie erwartet fand man nicht allzu viele Einträge zu den Jedi Wächtern. Das überraschte ihn keineswegs, waren doch Bezeichnungen zunächst mehr innerhalb des Ordens relevant und wurden nur selten nach außen kommuniziert. Doch sonst wurde über Aktionen, in denen Jedi involviert gewesen waren, etwa als politische Berater oder Feldherren berichtet, jedoch nicht über Hinweise über den Verbleib nachdem temporäre Aufgaben erledigt waren und die Jedi sich zurückzogen. Es musste sich außerdem bei vielen der hier als Jedi bezeichneten Personen auch eigentlich um Sith handeln - ein Unterschied den manche Völker bis heute nicht begriffen.
Aus seinen vorangegangenen Recherchen wusste Anakin von einem Jedi Wächter, der Onderon nie verlassen hatte. Es hieß seine Padawane bestatteten ihn auf Onderon, bevor sie selbst den Planeten verließen und zum Orden zurückkehrten. Aus den auf der Farore gesammelten Daten ging außerdem hervor, dass er ein besonderer Vertreter der Wächter gewesen sein musste. Er führte genauestens Tagebuch über sein eigens Training, das Training, welches er seinen Schülern zuteil werden ließ und auch über seine Missionen und sein Leben. Fast alle dieser Informationen waren in den Archiven des Tempels zu finden gewesen, doch diese Details hatte die Farore damals nicht synchronisiert.


"Typisch...", seufzte Anakin und lehnte sich zurück.
"Es muss eine andere Möglichkeit geben! Wenn dieser Q'Anilia hier auf Onderon begraben wurde, dann muss irgendwas zu finden sein."

Einen tiefen Atemzug später versuchte der Ex-Jedi etwas über die Epoche des Wächters herauszufinden. Der Name tauchte lediglich in einem Dossier auf. Keine Hinweise auf Tätigkeiten oder Beteilungen, aber ein Datum und die Gewissheit, dass er wirklich hier war - offensichtlich stammte das Dokument aus Iziz selbst. Anakin betätigte die kleine Konsole an seinem Arm und stellte eine Verbindung zum Archiv der Farore her. Mit einigen wenigen kurzen Befehlen ließ er die unvollständige Datenbank des Transporters nach Bestattungsritualen der Jedi aus jener, vergangenen Zeit durchsuchen, während er die Treffer zwischenspeichern ließ. Gleichzeitig startete Anakin heimlich ein Synchronisationsprogramm mit dem Kartenmaterial, dass aus dieser Zeit von Onderon hinterlegt war um später einen Vergleich durchführen zu können. Auf diese Weise sollte es ihm gelingen Strukturen Scans aus jener Zeit ausfindig zu machen, die auf eine Ruhestätte der Jedi schließen ließ. Um das nötige Glück würde sich die Macht kümmern müssen.

Nur wenige Minuten später schaute einer der Archivare in Anakins Richtung. Die Synchronisation war noch nicht ganz abgeschlossen, aber der argwöhnische Blick des Angestellten deutete an, dass er sich ansehen kommen würde, was auch immer der Ex-Jedi dort anstellte. Der Datenaustausch war bei etwa 90% als Anakin seine Konsole am Arm gerade unter seinen Ärmel schieben konnte und sogleich angesprochen wurde.


"Kann ich Ihnen behilflich sein?", die Stimme klang forsch und wissend. Anakin hingegen konnte cool bleiben und seine kleinkriminelle Handlung ignorieren, ja er redete sich selbst schon jetzt ein, dass es für einen guten Zweck war und die Daten weder sensibel waren, noch in falsche Hände gerieten. Es war also alles bestens.

"Nein Danke, alles bestens. Ich habe gefunden was ich gesucht habe und muss jetzt leider weiter."

Abrupt stand er auf und ging zurück zum Schalter im Foyer, wo er das Datenpad abgab. Dafür bekam er zügig den Blaster und seinen Mantel zurück und konnte das Archiv verlassen. Kurz bevor er den Ausgang durchschritt schaute er kurz auf das Display seiner Hand-Konsole. 100% - ein kleines, zufriedenes Lächeln konnte er sich nicht verkneifen, als er seine Kapuze überstriff und wieder hinaus in den Regen trat.

Iziz ~ Planetares Archiv
 
Iziz ~ Planetares Archiv ~ Vorplatz

Hastig eilte Anakin zurück zur Farore. Ohne gesehen zu werden schlüppfte er an der Dame vorbei, die ihn noch vorhin empfangen hatte, immernoch auf die Hafengebühr wartend. Er fuhr die Rampe ein, allerdings hauptsächlich um die Feuchtigkeit draußen zu halten, und nahm wieder im Cockpit platz. Er war zu aufgeregt und vergaß seinen durchnässten Mantel abzulegen - es störte nicht und kostete auch nur unnötig Zeit.

Iziz ~ kleiner Raumhafen ~ an Bord der Farore

Mit zwei sicheren Handbewegungen leitete er einen Vergleich der geladenen Daten aus dem Archiv ein und sag auf dem aufgeleuchteten Split-Screen wie die Planeten Scans mit Grabstrukturen aus der Jedi-Datenbank verglichen wurden. Sollte kein Wunder geschehen musste deser Vorgang einfach eine Weile durchlaufen bevor ein verlässliches Ergebnis geliefert würde. Parallel ließ Anakin ein falsche Überweisung durchführen, die er von einem fiktiven, aber auf den ersten Blick gedeckten Konto abbuchen ließ. Gleich danach orderte eine Sofortüberweisung, die automatisch ausgeführt werden sollte, sobald auf seinem eigenen Guthaben wieder genügend Credits zu finden waren. Das konnte zwar dauern, aber die Rechnung prellen wollte er auch nicht.

Zunächst unruhig lief er durch das Schiff. Der Vergleich brauchte seine Zeit - hoffentlich konnte überhaupt ein Ergebnis gefunden werden. Stetig dachte er über sich und sein Vorhaben nach. Anakin war tatsächlich wieder auf den Weg zur Macht zurückzufinden, dass sagte ihm seine innere Stimme. Sein Blick fiel auf sein altes Lichtschwert. Diese einzigartige Konstruktion ander er seit seiner frühen Zeit als Padawan gebastelt hatte. Zögernd griff er nach der Jedi-Waffe und beäugte sie in Erinnerungen schwelgend. Entschlossen faste er den Griff und drückte seine Hand zusammen, als würde er Wasser aus dem Lichtschwert drücken wollen. Der Ex-Jedi erinnerte sich an den Fall des Jedi Tempels und sein Duelle gegen den gefallenen Jedi Rat Gil Galad. Es war ein erbitterter Kampf, in dem er als frisch gebackener Jedi Ritter über sich selbst hinaus wuchs, um seine Meisterin zu retten. Casta hatte sich ihm gestellt, wäre dem in der dunklen Seite der Macht schwelgenden Rat beinahe zum Opfer gefallen. Kaum einen Zorn den er nicht über sie hereinbrechen ließ, bevor Anakin die Situation entschärfen konnte und sich, bevor Gil wieder zu voller Macht fand, gemeinsam mit Casta und einem waghalsigen Sturz von den Dächern Coruscants in Sicherheit bringen konnte.

Einen Moment brachen die Gefühle über den Mann hinein. Seine Augen wurden feucht, während er sich nicht von seinem Lichtschwert, dass er nach seiner Meisterin benannt hatte, trennen konnte. Niemals hatte er sich mehr als Jedi gefühlt als in jener dunklen Nacht in der Republik Hauptstadt. Wie hatte er sich geschworen, der Ungerechtigkeit und dem Schmerz, den die Sith ab diesem Tag an über die Galaxis gebracht hatten, ein Ende zu setzen. Doch bald darauf verschwand sie und es dauerte nicht lange, da auch Anakin den Pfad verließ. Wie hatte er das nur zulassen können. Doch damit war jetzt endlich wieder Schluss.

Entschlossen und zusehends mit sich selbst im Reinen befestigte er sein Lichtschwert am Gürtel und kehrte ins Cockpit zurück - insbesondere sein Vorhaben spendete Kraft, Trost und Hoffnung. Die jüngste Vergangenheit würde er zu einem anderen Zeitpunkt zu bewältigen haben.

Während der Bordrechner weiter am Arbeiten war, versuchte sich Anakin zum ersten Mal seit gefühlten Jahren wieder in Einklang mit der Macht zu bringen und schloss die Augen, während er dem Fenster des Cockpits zugewandt darstand, seine Hände hinterm Rücken haltend. Gegen die Hülle des Schiffs und das Fenster prasselte der Regen. Der Ex-Jedi nutzte die entspannenden Klänge um sich zügig zur Ruhe zu treiben. Er stand aufrecht und strahlte eine Zielstrebigkeit aus, die man ihm noch vor wenigen Tagen nicht im entferntesten zugetraut hätte. Sein Geist begann zu schweigen und er spürte wie sein Körper von einer beinahe vergessenen Gelassenheit durchströmt wurde. Es hatte ein Gefühl, als würde man bei vollem Bewusstsein in einem Bacta-Tank schwimmen und spüren wie sich schwere Wunden schlossen und der Körper heilte - nur wesentlich spiritueller. Er spürte die Berührung der Macht, doch es war nicht eine leichte Berührung, es traf ihn in jeder Zelle seines Körpers, jeder Nervenstrang wurde überstimuliert und doch war es sanft, warm und angenehm.

Mit einem summenden Ton kündigte sich der Abschluss der Suche in der Datenbank an. Anakin hatte es war genommen, stand jedoch noch regungslos dar. Er hatte den Ton gehört, doch anders als es normale Menschen getan hätten. Er hatte ihn gespürt, mit allen Sinnen. Die leichte Vibration die erzeugt wurde hatte ihm eine Gänsehaut bekommen lassen. Der Klang hatte vor seinen Augen aufgeblitzt, als hätte er die Schwingungen gesehen. Selbst einen Geschmack hatte die Benachrichtigung verursacht, nicht als würde man auf etwas beißen, sondern als hätte man an einem Gericht gerochen und konnte schon erahnen wie es sich auf der Zunge anfühlen würde. Viele Meditationen lagen noch vor ihm, bevor er sein altes Potenzial wieder erwecken können würde - wahrscheinlich würde er Hilfe dabei benötigen, doch die Berührung der Macht hatte ihn ein Stück näher an ein neues, aber Vertrautes Selbst geführt.

Er öffnete die Augen. Es wurden drei Treffer angezeigt, davon waren zwei mit den Augen sofort identifizierbare Felsstrukturen. Doch die letzte schien einen kleinen Schrein aufzuzeigen. Aus dem Scan war wenig mehr zu erkennen, als dass es sich um eine zu perfekte, quadratische Anordnung handelte, die von den Maßen an Jedi-Gräber der Wächter erinnerte und so unmöglich auf eine natürliche Art entstehend konnte. Ohne zu zögern prügelte Anakin die Koordinaten in den Bord-Computer, errechnete die heutige Position und ließ die Farore sich wieder in die Lüfte erheben. In nur wenigen Stunden würde er Gewissheit haben, ob sich die Reise gelohnt hatte. Seine erwachenden Jedi Sinne gaben ihm Zuversicht - die Macht war wieder mit ihm, so erschien ihm das Flüstern, dass wie ein Echo in seinen Körper zurückgekehrt war.


Himmel über Onderon ~ an Bord der Farore
 
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