Weltraum (Neue Republik)

Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – Messe bzw halb auf dem Weg zum Trainingsfrachtraum – mit Tzun, Padme und Marl

Padme verstand es! Zumindest schien es Alisah erst einmal so als sie ihr den Willen lies, das Lichtschwert auf dem Tisch nicht anrühren zu wollen. Das sie aber trotzdem darauf bestand, dass das Grundlagentraining des waffenlosen Kampfes zu absolvieren sei, lies Alisah ein wenig die Augen verdrehen. Sie war doch kein dummer, kleiner Anfänger mehr.

Grundlagentraining? Och nöööö!
Warum denn ich auch?


Das war doch fies und langweilig! Sie wusste gar nicht mehr wann sie überhaupt das letzte Grundlagentraining hatte.
War das etwa die Strafe, weil sie das Schwert nicht genommen hatte? Oder hatte Padme vor sie irgendwie vor zu führen? Warum bestand sie darauf, das Alisah mit Tzun übte! Sollte ihm irgendwie gezeigt werden, dass die Sithausbildung minderwertiger war? Sollte Alisah scheitern und sich blamieren? Eine Frage die sich recht vehement in Alisah‘s Bewusstsein drängte und ihr klar machte, dass sie Padme zwar als Freundin kannte und als Begleiterin im Nachtleben von Bastion, nicht aber als Lehrmeisterin! War sie als solche streng und unnachgiebig oder eher freundlich und nachsichtig.
Würde sie Alisah ins sprichwörtliche Messer laufen lassen damit Tzun was lernte? Schließlich, er war ihr Schüler und Alisah im Grunde nur eine abtrünnige Sith die sich selbst in die Hände der Jedi gegeben hatte.
Alisah‘s Miene verfinsterte sich bei dem Gedanken und sie sah aus den Augenwinkeln zu Padme hinüber. Aber da war nichts, das auf Falschheit hindeutete. Gut, das musste nichts heißen. Sith konnten sich sehr gut verstellen und einem ins Gesicht hinein freundlich tun während sie genüsslich das Messer, dass sie einem gerade in den Rücken gerammt hatten, noch einmal um drehten.
Aber Padme war keine Sith! Padme war eine Jedi! Und dazu noch eine verdammt nette!
Sich über sich selbst und ihr Misstrauen ärgernd, schüttelte Alisah beinahe unmerklich ihren Kopf und presste ihre Lippen fest auf einander. Sie musste unbedingt diese verdammte Paranoia los werden!
Mit zu einer Schnute verzogenem Mund wandte sich Alisah also erst mal ohne Diskussion oder Veto in Richtung des Frachtraumes und stapfte los.
Padme sprach von ihren eigenen Schiffen und von Trainingslichtschwertern, deren Erwähnung Alisah dann schon wieder schmunzeln lies!


So’n Babyschwert hab ich schon ewig nich mehr geseh‘n! Sowas gab‘s bei uns nich! Und wenn sich Tzun jetzt nich als Supertalent mit der Ambition Exsith zu erledigen oder nem Supertollpatsch rausstellt hab ich auch keine Angst das mir was passiert!

Bereits als sie die letzten Worte gesprochen hatte wusste Alisah, dass das, was sie da gerade gesagt hatte, doch ziemlich arrogant klingen musste. Nochmal hätte sie es, zumindest in der Art, wohl nicht gesagt. Aber nun war es eben raus und zurück nehmen wollte es Alisah auch nich. Also brummte sie nur noch ein.

„Hm, na okay! Dann los“

Mittlerweile waren sie an der Tür zu dem Frachtraum, den sie hatte umbauen lassen und als Padme erklärte sie würde sie für Illum als Fremdenführer anstellen, war Alisah‘s grummelige Grundstimmung auch erst einmal wieder verflogen. Sie lachte sogar kurz auf während sie den großen und vor allem höheren Raum betrat.

Hm, stimmt, is Schweinekalt da. Da braucht unser Langer hier…

Zu ihm hinauf lachend nickte Alisah in Tzun’s Richtung.

…nen extragroßen Schal. Mindestens!

Dann kicherte Alisah und wandte ihren Blick in Padme‘s Richtung, die schon wieder eine Lehrstunde zu halten schien! Hatte Dhemya damals auch so viel Geschichtswissen rüber gebracht. Hm, irgendwie nicht. Zumindest konnte sich Alisah nicht daran erinnern. Nun ja, die Lektionen waren ja auch eher für Tzun. Alisah nutzte Die Zeit um sich in die Mitte des Frachttrainingsraumes zu bewegen und schon mal ihre Muskeln zu dehnen bis Padme mit ihrem
"Nun bist du dran, Alisah."
gleichsam dem Startschuss für Alisah gab.


OOOOkay!

Begann Alisah und winkte Tzun erst einmal zu sich rüber.

Stell dich am besten hier neben mich hin! Aber mit genug Abstand. Die Klinge von so nem Lichtschwert is nich gerade kurz.

Für dem Moment wartete sie erst einmal bis Tzun den angewiesenen Platz eingenommen hat, dann schielte Alisah kurz zu Padme hinüber was die jetzt so trieb und dann erst sprach Alisah weiter.

Ich weiß ja nich, ob du schon irgendwas vom Lichtschwertkampf weist, deshalb fang ich gaaaanz beim Urschleim an. Du bremst mich einfach wenn ich Sachen sag, die du schon kennst. Ja?
Soooo, na ja, also. Es gibt verschiedene Lichtschwertstile aber allen liegt eine Art Idealform zu Grunde, die man üben sollte bevor’s weiter geht. Diese Form enthält die Grundhaltungen für Angriff und Verteidigung. Man unterscheidet verschiedene Körperzonen. Der Kopf, der rechte und der linke Oberkörper, der Rücken und das rechte und das linke Bein. Das sind 6 Grundzonen auf die ich zielen kann und die verteidigt werden müssen. Daraus ergeben sich dann also auch 6 Angrifft und 6 Verteidigunshaltungen.
Na ja, ich denke, du machst mir die Bewegungen einfach nach. Beim ersten Mal besser auch noch mit nicht aktiviertem Schwert.
Also! Zuerst die Verteidigungshaltungen!


Alisah stellte sich in Grundhaltung, die Beine leicht gespreizt und die Arme hoch erhoben als würde sie den Griff eines Lichtschwertes über ihrem Kopf in Position halten.

Sieh zu, das du einen festen Stand hast, die Füße am besten etwas auseinander, ein Bein leicht nach hinten versetzt und die Knie gaaanz leicht eingeknickt. Das hilft dir das Gleichgewicht zu behalten und dich ab zu federn wenn jemand auf dich ein drischt.
Siehst du, so.


Alisah machte es vor und wandte ihren Kopf zu Tzun hinüber um zu sehen wie er es hin bekam. Na ja, wenn man bedachte, dass er anscheinend noch nicht so Ahnung hatte, ahmte er sie doch ganz gut nach.

Hm, schon ganz gut! Aber verkrampf dich nich zu sehr. Bleib möglichst locker, … du schaffst das schon! Den Arm nicht ganz so hoch. Den Lichtschwertgriff parallel und die Ellenbogen etwas anwinkeln. Gut! Das wird doch. So fängst du einen Schlag auf den Kopf ab.
Und jetzt die anderen Zonen.


Nach und nach führte Alisah nun alle Verteidigungs- und Angriffspositionen vor und behielt Tzun dabei von der Seite her im Auge. Erst als sie mit der Grundlagenerklärung durch war, hielt sie inne, und drehte sich ganz Tzun sowie auch Padme zu.

Tja, das waren so die grundlegendsten Grundlagen. Oder Padme?
Und jetzt Tzun musst du das dann nur noch hunderttausend Mal wiederholen, bis du es im Schlaf kannst. Eine Zeit lang hab ich das, damals als Dhemya‘s Schülerin, immer zum aufwärmen vor ner Übungsstunde gemacht. Irgendwann geht das alles ganz automatisch du musst garnich mehr nachdenken. Außerdem ist es eine prima Meditationsübung.


Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – Trainingsfrachtraum – mit Tzun, Padme und Marl
 
{Hyperraum/Route nach Lianna/"Solitude"/Messe}mit Alisah, Padme, Marl

Alisah selbst traute sich keineswegs zu das Schwert zu nehmen. Sie wirkte verängstigt, fast traumatisiert, als sie davon sprach das sie ihm zwar die Grundformen beibringen konnte aber selber nicht ein Lichtschwert in die Hand nehmen. Padme nahm dies nachsichtig zur Kenntnis, bevor Alisah vorschlug in den neuen Frachtraum zu gehen. Dort sollte Tzun dann die Möglichkeit besitzen sich gerade hinzustellen und zu trainieren. Dies kommentierte Padme damit, das auf ihrem Schiff Trainingswaffen vorhanden gewesen wären, welche bei weitem weniger gefährlich sind als Lichtschwerter. Soetwas ähnliches taten auch die Kaminoaner bei der Ausbildung von Soldaten-klonen.
Das zweite Thema, über welches Alisah sprach, war der Planet Ilum. Mit einer Dhemya war sie dort gewesen und erzählte von ihrer Reise dorthin. Schweigend lauschte Tzun ihr aufmerksam, jedes Wort war wichtig für ihn und er konnte viel lernen wenn er den Worten seiner weisen Meisterin und der, nicht mehr, Sith lauschte. Auch beantwortete sie seine Frage, nämlich das es auch woanders Lichtschwertkristalle gab nur die von Ilum qualitativ die besten waren. Eine Simple Antwort, Ilums Kristalle waren die besten deswegen wurden sie genommen. Nun machte sie auch Anstalten sich in Richtung des Frachtraums zu bewegen, wobei sie davon sprach das Padme ihnen eine auf die Nase geben würde wenn sie nicht das taten was sie wollte. Perplex blickte Tzun sie einige Sekunden an, bevor ihm auffiel das es sich hierbei um einen Scherz handelte. Kurz lächelte Tzun Alisah an, bevor er sich erhob und ich zu folgen begann. Während sie in die Richtung des Trainingsraums gingen, dachte der Kaminoaner darüber nach was Padme über den Lehrplan gesagt hatte. Sie sprach eher davon, das die "Macht es zeigen würde" wenn er bereit wäre ein Jedi zu sein. Eine sehr vage Antwort, die er keineswegs sonderlich positiv aufnahm. Eine etwas genauere Antwort wäre ihm lieber gewesen, genauso wie ein ungefährer Lehrplan wann er was lernen würde. Zumindest stand der Lichtschwertkampf weit vorne auf der Liste, wieso sonst hatte sie ihm das Lichtschwert in die Hand gedrückt?
Im Trainingsraum angekommen, stellten sich Alisah und Tzun auf die kleine Fläche im Inneren des Raumes, während sich Padme an die Seite stellte. Sie erklärte, das er Respekt zollen sollte vor der Waffe in seinen Händen, davor das sie den Tod bringen konnte und ebenso schützen. Er blickte in seine rechte Hand, umgriff das Lichtschwert und drückte auf einen der vielen Knöpfe am Griff. Mit einem lauten Zischen erschien der blaue Strahl aus dem Griff. Fasziniert beobachtete Tzun die Waffe. Sie summte leicht, doch wog sie so gut wie nichts. Auch war sie nicht so barbarisch wie eine Vibroklinge oder so plump wie ein Blaster. Sie besaß eine Eleganz und Würde, welche Tzun sonst nur bewundert hatte wenn er das Innere von Tipoca City bewundert hatte. Leicht hob er die Klinge etwas an, bevor er mit dem Strahl etwas in der Luft herumfummelte. Jedoch nicht so stark das Alisah oder sonst jemand in Gefahr geraten konnte.


"Das Lichtschwert ist wirklich wunderschön…Edel und Elegant. Elegant und tödlich, ebenso wie elegant und verteidigend. Man kann eigentlich nicht denken, das so etwas Schönes zum Töten gemacht wurde. Haben alle Lichtschwerter eine blaue Klinge?"

Fragte er dann über die Schulter seine Meisterin.


{Hyperraum/Route nach Lianna/"Solitude"/Trainingsraum}mit Alisah, Padme
 
Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – umgebauter Frachtraum / Trainingsraum – Tzun, Alisah und Padme


Padme grinste, als Alisah meinte, daß das Grundlagentraining für sie schon ein alter Hut sei.
Statt etwas zu erwidern, beschränkte Padme sich darauf, Alisah und Tzun beim Training zu beobachten.
Allerdings schwankte sie kurz zwischen Belustigung und einer Ermahnung, als Alisah verkündete, daß sie keine Angst habe, verletzt zu werden, gesetzt dem Fall, daß Tzun sich nicht gerade als Supertalent oder als Tolpatsch herausstellen sollte.
Padme unterdrückte ein leichtes Seufzen, die beiden würden noch eine Menge Arbeit erfordern. Und es gab keinen Grund für sie, die beiden nicht zusammen trainieren zu lassen, damit sie voneinander lernten.

Erst als die beiden die erste Grundlagenübung beendet hatten und sich ihr zuwandten, nickte Padme.


"Nun, das waren in der Tat die ersten Anfänge. Ich denke, daß Tzun deinen Rat beherzigen kann, die Grundformen vor jedem Training zu wiederholen."

stimmte sie Alisah zu.

"Diese Grundlagenbeherrschung eröffnet dir danach die Möglichkeit, dich für einen Lichtkampfstil zu entscheiden. Für welchen du dich entscheiden wirst, hängt von deiner Körper- und Machtbeherrschung ab"

sagte sie zu Tzun, aber auch zu Alisah.

"Nun, Tzun, es ist eine Waffe. Bedauerlicherweise zeigt die Geschichte der Galaxis, daß jene, die keine Waffen führen ohne weiteres durch eine Waffe sterben können."

erwiderte sie.

"Es gibt Jedi, die der Meinung sind, daß ein Jedi keine Waffen benötigt, weil es in ihren Augen nur wenig vereinbar ist, als Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit eine Waffe zu benutzten."

klärte Padme ihren Padawan auf.

"Nachdem diese Jedi den Lichtschwertkampf gemeistert hatten, entschieden sie sich für den waffenlosen Kampf, die Perfektion des Kampfes, denn es erfordert eine starke Verbindung zur Macht und die Kenntnis von Kampfstilen sowie ein Übermaß an Beweglichkeit."

erklärte Padme nun mehr Alisah.

"Diese Grundlage sollst du lernen, Alisah. Traust du dir zu, einen Angriff von Tzun abzuwehren, Alisah?"

fragte Padme die ehemalige Apprentice.
Ihr Padawan stellte ihr dagegen eine Frage nach den Farben von Lichtschwertern.


"Tzun, die Frage kannst du dir selber beantworten denke ich. Wie viele Jedi hast du getroffen und welche Farbe hatten ihre Lichtschwerter? Erinnere dich an diese Beobachtungen und beantworte mir dann deine Frage."

gab Padme ihrem Padawan statt einer direkten Antwort auf. Die Farben ihrer beiden Lichtschwerter kannte er und die von Anakin sollte er auch kennen.


Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – umgebauter Frachtraum / Trainingsraum – Tzun, Alisah und Padme
 
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[Hyperraum, Passagierschiff „High Hopes“, Speiseraum]- Cris, Passagiere

Mühsam unterdrückte Cris ein Gähnen, während er sich auf der metallenen, halb in die Wand hinter ihm eingelassenen Sitzbank an einem zerkratzten Metalltisch um eine halbwegs bequeme Haltung bemühte. Er saß in einer Ecke des trübe beleuchteten Speiseraums der High Hopes, eines mittelgroßen Passierschiffes – gerade noch klein genug, um atmosphärentauglich zu sein, und starrte jetzt wenig begeistert auf die Pampe in der Plastikschüssel vor ihm, die als im Ticket nach Zeltros mitinbegriffene Nahrung für den nicht unbedingt kurzen Flug durchging. Natürlich durfte er sich nicht beklagen – ein derartig günstiges Ticket zu kaufen war seine bewusste Entscheidung gewesen, zum einen, weil es sich auf solchen Massenflügen unauffälliger reiste, zum anderen, weil seine privaten Finanzen nach dem sündhaft teuren Geschenk, das er Noa gemacht hatte, dann trotz seiner langen Zeit des (unbewussten) Sparens etwas angegriffen waren. Außerdem war er nahezu geschmack- und formlose Nahrung gewohnt. Hatte ihn die Zeit im Golden Republic tatsächlich so schnell verwöhnt?

Als wollte er sich vom Gegenteil überzeugen stopfte er einen großen Löffel voll von der Masse – angeblich eine Spezialität von Agamar – in sich hinein und überzeugte sich mit einem leichten Tritt davon, dass sein kleiner Koffer immer noch dort unter dem Tisch war, wo er ihn abgestellt hatte. An Bord der High Hopes gab es keine Passagierkabinen – nur ein paar Sitzgelegenheiten, eng und wenig einladend, diesen Speiseraum und eine Reihe Betten, eher Pritschen, die gegen einen Preisaufschlag temporär benutzt werden konnten. Zum Glück war er es auch gewohnt, längere Zeit ohne Schlaf auszukommen, weswegen er keinerlei Anlass gesehen hatte, der Betreibergesellschaft des Raumschiffes weitere Credits in den Rachen zu werfen.

Während er sein Abendessen kaute – sofern Kauen überhaupt noch nötig war – und schließlich hinunterschluckte ließ der ehemalige Sturmtruppler seinen Blick kurz durch den Rest des Speiseraums schweifen. Er hatte einige Zeltroner gesehen – was wenig verwunderlich war, schließlich steuerte dieser Flug ihre Heimatwelt an – außerdem Menschen und eine Reihe anderer humanoider Spezies. Viele Wesen schienen Zeltros aus der Republik anzusteuern, ungeachtet der Nähe des Planeten zu imperialem Territorium. Vielleicht lag es einfach daran, dass niemand damit rechnete, das Imperium würde sich in seiner derartigen Verfassung groß um neutrale Welten scheren – vielleicht scherten viele Bewohner der Galaxis sich nicht einmal um den Krieg. Zeltros jedenfalls hatte einen gewissen Ruf, eine Lasterhöhle, ein Ort, um die eigenen Triebe zum Spielen rauszulassen. Cris passte das ganz gut – kein Zöllner auf Zeltros würde sich groß mit der Frage aufhalten, was ein von Lianna kommender Mensch wohl auf dem Planeten vorhaben mochte. Ebenso wenig würde ein Zöllner auf dem Planeten, der sein eigentliches Ziel war, sich groß Gedanken darüber machen, welche Art von Aktivitäten wohl hinter ihm lagen. Er war ganz einfach ein Mann auf der Suche nach Vergnügen, alleine und harmlos.

Langsam schob er den erkaltenden Rest seiner Mahlzeit von sich – wirklich hungrig war er nicht mehr – und tastete kurz nach dem beruhigenden Gefühl des Medaillons um seinen Hals, ohne es dabei jedoch hervorzuholen. Er traute keiner Person auf diesem Schiff und er war sich sicher, dass zumindest ein paar unter ihnen waren, die ihm bei Gelegenheit selbst seine weder sonderlich modische noch neuwertige Jacke stehlen würden.

Seine Gedanken kreisten um die Welt, die er nach seiner Ankunft auf Zeltros ansteuern würde. Coruscant. Er war sich immer noch nicht sicher, ob er wirklich das Richtige tat. Der Gedanke hatte sich einfach in ihm festgesetzt, kurz nachdem Drayson ihm eröffnet hatte, dass es seine Aufgabe war, auf jenem Siegesball auf Mon Calamari aufzutauchen. Aus irgendeinem Grund war es ihm wie eine vollkommen logische Idee vorgekommen, nach Coruscant zu reisen, Noa zu suchen und sie zu fragen, ob sie ihn auf diesen Ball begleiten wollte. Am anderen Ende der Galaxis. Einfach so. Hatte er den Verstand verloren? Vermutlich. Vielleicht hatte dieser in Sachen Noa auch einfach nur vor seinem Herzen kapituliert.

Es war ein Flug ins Blaue. Er wusste nicht, ob sie einwilligen würde – nicht einmal, ob sie sich überhaupt freuen würde, ihn zu sehen. Kurz hatte er in Erwägung gezogen, ihr eine Nachricht zu schicken, hatte dies jedoch dann auf den Zeitpunkt verschoben, an dem er durch die letzte Kontrolle auf Coruscant gekommen war. Es konnte noch einiges schiefgehen auf seinem Weg – er wollte nicht, dass sie sich Hoffnungen machte, auf ihn wartete, nur, um dann feststellen zu müssen, dass er aus irgendeinem Grund nicht kam. Vielleicht hatte Selby ihr das Comlink noch nicht einmal übergeben können – geantwortet hatte sie ihm jedenfalls noch nicht und obwohl er sich hunderte nachvollziehbare Gründe dafür denken konnte, nagte es doch an ihm. Es war die Angst davor, dass sein verzweifeltes Sehnen nach einem Wiedersehen mit ihr nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Dass er bereits jetzt zu spät war und er die riskante Reise nach Coruscant umsonst unternahm. Dies änderte allerdings nichts daran, dass er es versuchen musste. Das Zeitfenster bis zum Ball war die Gelegenheit gewesen, sie wiederzusehen, ohne dabei sofort in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten. Natürlich hatte er sie ergreifen müssen. Wenigstens würde er sie sehen können, wenn sie ihm tatsächlich sagte, dass aus ihnen nichts werden konnte…

Er holte den Koffer unter dem Tisch hervor und legte ihn sich auf den Schoß. In Kürze würde das Passagierschiff aus dem Hyperraum springen und auf Zeltros landen… ein Zurück gab es ohnehin nicht mehr.


[Hyperraum, Passagierschiff „High Hopes“, Speiseraum]- Cris, Passagiere
 
Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – Trainingsfrachtraum – mit Tzun, Padme und Marl

Hm, es hatte durchaus den Anschein, dass sie diese erste Einführung in die Grundformen gar nicht so schlecht gemacht hatte. Tzun hatte sich kein einziges Mal beschwert und wirklich klaglos alles nach gemacht, was Alisah vorturnte. Und auch Padme schien es zumindest nicht missfallen zu haben, was Alisah da gemacht hatte. Sie sagte Tzun sogar, das er Alisahs Rat annehmen konnte und die Grundformen vor jedem Training zu wiederholen recht sinnvoll wäre.
Irgendwie fühlte es sich gut an etwas richtig zu machen. Auch wenn es nicht wirklich ein direktes Lob gewesen war, kam das was Padme sagte einem Solchen näher als alles was sie, außer von Radan, in letzter Zeit gehört hatte. Kein, du bist eine Enttäuschung. Kein, du bist Minderwertig und unfähig!
Und auch wenn Padme’s weitere Worte wieder mal wie eine Belehrung auf für sie klangen, fühlte es sich irgendwie richtig gut an. Irgendwie warm und … ach, irgendwie gut.
Waffenloser Kampf. Ja, das ging jetzt dann wohl ganz an ihre Adresse und Alisah nickte als Padme meinte sie sollte diese Grundlagen lernen. Okay, ja, das sollte sie wohl wirklich vertiefen. Aber ganz wie ein Anfänger fühlte sich Alisah auf dem Gebiet auch nicht und so wurde aus dem Anfänglich leicht zustimmenden Nicken nun ein Vehementes.


Klar trau ich mir das zu.

Erklärte sie im Brustton der Überzeugung, zweifelte innerlich aber doch etwas daran. Waffenloser Kampf als solcher war okay und ihr durchaus auch nicht fremd. Sie hatte mit Radan gerade mit den Armschienen ziemlich viel geübt. Aber waffenlos gegen ein Lichtschwert? Das war schon eine ganz andere Adresse, selbst wenn der Gegner ein blutiger Anfänger war. Aber gesagt war gesagt und so machte Alisah auch keinen Rückzieher sondern kaute nur nachdenklich auf ihrer Unterlippe während Padme und Tzun das Thema Lichtschwertfarben besprachen.

Mein Bruder hat ‘n Gelbes!

Steuerte sie zu dem Thema nur bei bevor sie ein paar Schritte quer durch den Raum machte und überlegte, wie sie ohne Waffe einen Lichtschwertangriff abwehren könnte. Machtstoß wäre eine Möglichkeit. Aber auch eine für Tzun gefährliche Sache. Wenn sie ihn so weg stieß könnte er sich dabei versehendlich selbst mit seinem Schwert verletzten und das fände Padme dann sicher nicht so gut! Aber wie sonst sollte es gehen? Kleine gezielte Machtstöße, oder vielleicht direkt das Schwert manipulieren. Tzun war noch ein Anfänger. Sicher schirmte er weder sich noch seine Waffe vor Manipulationen ab. Sie könnte seine Klinge einfach erlöschen lassen indem sie den Energiefluss der Waffe manipulierte. Ein kleiner Ruck an einem der Kontakte zur Energiezelle und schon wäre da keine Klinge mehr. Aber das wäre unfair! Oder?
In Gedanken war Alisah kreuz und quer durch den Raum gegangen doch mit einem Mal sackte sie mit einem lauten aufstöhnen zusammen. Mit einem Mal war da etwas, das sie in den letzten Wochen nicht ein Mal gespürt hatte, eine Berührung die so sachte war und doch so weh tat als sie wieder ab brach.
Radan. Sie hatte seine Präsenz gefühlt! Nicht lange. Nur ein Hauch, ein sachtes Streicheln, eine kurze Berührung, die ihr sagte, dass er lebte und es ihm besser ging als bei ihrer letzten Begegnung.
Tränen traten in ihre Augen und sachte strich sie über den noch nicht wirklich vorhandenen Babybauch.


Das war dein Papa!

Flüsterte sie und schluchzte dann ganz leise. Sie vermisste ihn so unendlich und sie hoffte so sehr, dass er auf Lianna war. Sollte auch sie versuchen ihn… ? Konnte sie es wagen… ? Waren sie schon weit genug von imperialem Raum entfernt um nicht wie ein Leuchtfeuer auf zu blitzen und Allegious Bluthunde auf sie zu ziehen? Wann würden sie ankommen?
Fragend ging Alisah‘s Blick zu Padme hinüber.


Wie lange sind wir noch unterwegs?

Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – Trainingsfrachtraum – mit Tzun, Padme und Marl
 
{Hyperraum/Route nach Lianna/"Solitude"/Trainingsraum}mit Alisah, Padme

Seine Meisterin hatte Recht, Tzun erinnerte sich auch an das gelbe Lichtschwert von Anakin Solo und Alisah erwähnte, das ihr Bruder ein gelbes Lichtschwert hatte. Somit war klar das blaue Lichtschwerter keineswegs die einzigen waren, Gelb war ebenso bestätigt. Wahrscheinlich gab es sie auch noch in einigen anderen Farben, doch wollte der Kaminoaner jetzt nicht genau alle Farben aufgezählt bekommen.

"Ich erinnere mich noch an das gelbe Lichtschwert von Anakin Solo, welches er auf Corellia einsetzte. Da auch der Bruder von euch Alisah scheinbar ein gelbes Lichtschwert führt gibt es wohl mehr Farben als nur Blau."

Nach der Beantwortung der Frage seiner Meisterin widmete er sich dem "Grundlagentraining", welches ihm Alisah erklärt hatte. Verschiedene Körperpartien waren unterschiedliche Trefferzonen, welche angegriffen werden konnten und verteidigt werden mussten. Arme, Beine und Oberkörper. Die Arme waren wohl insofern wichtig, da diese das Lichtschwert und andere Waffen hielten. Wenn man eine Hand abtrennte der einen Arm dann war der Gegner ausgeschaltet. Die Beine konnten verletzt werden, um eine Flucht zu verhindern. Der Oberkörper, Sitz wichtiger Organe wie Herz und Lunge, war sicherlich das primäre Ziel wenn man den Gegner töten wollte. Bei Jedi sicherlich die aller letzte Idee die man erwägen sollte. Sie waren Friedenshüter und Diener der neuen Republik, keine Mörder. Vorsichtig versuchte der Kaminoaner die von Alisah gezeigte Form nachzuahmen. Der Körperbau der Kaminoaner war in gewisser Weise den Menschen ähnlich, auch was die Anzahl der Gliedmaßen anbelangte. Wäre Tzun eine ganz exotische Spezies mit mehr oder weniger Gliedmaßen gewesen, hätte die junge, ehemalige, Sith sicherlich die gesamte Theorie umstellen müssen. So war es aber einfach, die Form grob nachzuahmen. Ihre Tipps versuchte er sofort zu berücksichtigen, weniger verkrampftes umgreifen des Griffes, Arm mehr nach unten heben, Knie einknicken. Während die anderen Techniken ebenso vorgeführt wurden, versuchte Tzun sie ich alle einzuprägen. Die Waffe eines Jedi war das Lichtschwert, aber was brachte es eine Waffe zu haben und sie nicht nutzen zu können? Obwohl es Tzun innerlich zuwider war, mit einer solchen, obwohl edlen, Waffe zu kämpfen war es seine Pflicht sein Bestes zu geben und den Lichtschwertkampf zu lernen.
Als Padme dann fragte, ob Alisah es sich zutrauen würde einem Angriff von Tzun abzuwehren blickte der Kaminoaner skeptisch seine Meisterin an. Alisah war unbewaffnet, Tzun hatte noch nie zuvor eine Waffe in der Hand gehabt und die Frau war schwanger. Obwohl sie sicher schien, den Angriff abzuwehren war es eine nicht gerade geringe Gefahr das die junge Frau verletzt werden würde oder, was schlimmer wäre, das Kind zu Schaden kommen könnte. Gerade als er seiner Meisterin seine Bedenken mitteilen wollte, sackte mit einem lauten Aufstöhnen Alisah mitten im Frachtraum zusammen. Sofort deaktivierte Tzun das Lichtschwert und ging zu Alisah hinüber. Neben der jungen Frau ging der Kaminoaner in die Knie, während sie irgendetwas murmelte und schluchzte. Danach fragte sie, als wäre nichts gewesen, seine Meisterin wielange die Reise noch dauern würde.


"Das ist unerheblich, geht es euch gut? Habt ihr irgendwelche Schmerzen oder ähnliches? "

Fragte er sofort die junge Frau. Ihm war bewusst wie zerbrechlich ein ungeborenes Kind noch war. In Tipoca City wurden Säuglinge in Sterilen Umgebungen und in Kanistern mit Nährlösung aufbewahrt um sie vor sämtlichen Problemfaktoren zu isolieren. Im Körper einer Frau war der Säugling nicht isoliert, Krankheiten, Schmerzen, Ausschüttung von Hormonen und andere Faktoren konnten das Kind beeinflussen.

"Besitzt ihr eigentlich irgendwelche Medizin hier auf diesem Schiff? Gegen Übelkeit oder ähnliches?"

{Hyperraum/Route nach Lianna/"Solitude"/Trainingsraum}mit Alisah, Padme
 
Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – umgebauter Frachtraum / Trainingsraum – Tzun, Alisah und Padme


Padme schmunzelte, als Alisah Tzun in die richtige Richtung wies, indem sie Tzun verriet, daß ihr Bruder ein gelbes Lichtschwert hatte. Tzun griff das auf und führte den Gedanken zu Anakin weiter.

"Richtig, Tzun. Anakin hat ein gelbes Lichtschwert. Das, was du in den Händen hältst, gehörte meinen Meister und hat eine blaue Klinge. Mein eignes Lichtschwert hat eine rauchblaue Farbe. Bisher hat kein anderes Lichtschwert diese Farbe, was für einen gewissen Wiedererkennungswert sorgt."

erklärte Padme ihrem Padawan. Der sogenannte Wiedererkennungswert war in manchen Situationen alles andere als von Vorteil, was auch ein Grund dafür war, daß Padme Leds immer bei sich trug.

"Viele Lichtschwerter sind blau oder grün. Aber es gibt eben noch weitere Farbe. Ich habe noch ein Lichtschwert, das eine weiße Klinge hat. Welche Farbe dein Lichtschwert eines Tages haben wird, wirst du sehen, wenn du ein Lichtschwert gebaut hast und die Klinge zum ersten Mal zündest."

Allerdings blieb ihr der Widerwillen, mit dem Tzun sich in die Übung, die Alisah ihm zeigte, fügte, nicht verborgen. Das kam noch ein hartes Stück Arbeit auf sie beide zu. Den Lichtschwertkampf zu meistern gehörte zu der Ausbildung eines Jedi. Welchen Weg Tzun danach beschritt, wäre seine eigne Entscheidung. Aber er mußte es können, denn er würde dieses Wissen an seinen Schüler weitergeben.
Natürlich warf er ihr einen skeptischen Blick zu, als sie Alisah fragte, ob sie sich zutraute, einem Angriff von Tzun auszuweichen und Alisah das bejaht hatte. Während Tzun seiner Skepsis frönte, schien Alisah beim Durchschreiten des zum Trainingsraum umgebauten Frachtraums ihre Optionen durchzugehen.
Padme war ebenso überrascht wie ihr Padawan, als Alisah mit einem lauten Aufstöhnen plötzlich auf die Knie sank.
Der Padawan war weitaus schneller als seine Meisterin an Alisahs Seite und fragte sie, ob es ihr gut ging. Padme hatte den Abstand zwischen den beiden und sich schnell verringert und kniete sich neben Alisah.
Behutsam legte sie ihr die Hand auf die Schulter.


"Alles in Ordnung, Alisah?"

fragte sie besorgt. Alisah befand sich noch in einem frühen Stadium ihrer Schwangerschaft und es konnte viel schiefgehen. Und sie befanden sich zur Zeit im Hyperraum an Bord eines Frachters, der für solche Probleme nur höchst ungenügend ausgestattet war.
An Bord eines Kampfschiffes, wie zum Beispiel Wars Interceptor, gab es eine medizinische Station und Ärzte wie auch Medi- Droiden. Padme war es bisher ziemlich gleichgültig gewesen, auf welchem Schiff sie durch die Galaxis reiste, aber jetzt wünschte sie sich auf ein entsprechendes Schiff.
Wenn etwas schief ging, war Alisah auf Tzun und sie angewiesen. Ihr Padawan hatte sich bei der Versorgung von Verwundeten nicht gerade ausgezeichnet und wie Padme verstanden hatte, gehörte das natürliche Austragen eines Kindes nicht gerade zu den Wissensgebieten eines Kloners.


"Am besten du legst dich hin, Alisah. Und du solltest dich auch ausruhen, Tzun. Ich werde mich in der Messe aufhalten, dann bin ich in Rufweite, wenn etwas sein sollte."

Mit einem Blick bedeutete Padme ihrem Padawan bei Alisah zu bleiben, auch wenn sie das Gefühl hatte, daß hier keine Aufforderung nötig war, erhob sich und ging in die Messe, um dort Alisahs Glas mit frischen Wasser zu füllen. Mit dem Glas in der Hand kehrte sie in die Frachtraum zurück,

"Hier, Alisah, trink etwas."

sagte sie und reichte der Schwangeren das Glas.

"Wir brauchen noch paar Stunden nach Lianna."

Wie gerne hätte Padme diese Zeit verkürzt, aber das stand nicht in ihrer Macht. Und paar Stunden waren sehr lang, wenn wirklich ein Notfall eintreten sollte. Padme schob diesen Gedanken erst einmal zur Seite. Es war unnötig, sich im Vorfeld verrückt zu machen, was sie allerdings nicht hinderte, in ihrem Gedächtnis zu kramen, was sie über solche Notfälle wußte.
Und schmerzhaft wurde ihr bewußt, daß es erschreckend wenig war. Die Stunden konnten sehr, sehr lang werden.



Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – umgebauter Frachtraum / Trainingsraum – Tzun, Alisah und Padme


[OP]Ich denke, wir können nach einen kleinen Zeitsprung aus dem Hyperraum springen. :)[/OP]
 
Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – umgebauter Frachtraum / Trainingsraum – Tzun, Alisah und Padme

Sie hatte ihn gefühlt, hatte kurz gespürt, dass er lebt und dass es ihm besser ging. Es war keine Berührung wie sie es von ihm gewohnt war, wie auch auf die noch immer ihnen liegende Entfernung. Aber es war ein kurzes Leuchtfeuer, das sie fast wie eine warme Umarmung angefühlt hatte und ihr Herz zu einem Freudensprung veranlasst hatte. Doch im nächsten Moment war all die Wärme, als die Freude wieder weg und sie fühlte mehr als zuvor jene Verlassenheit, die ihr Herz schwer machte.
Es fühlte sich an als habe jemand sämtliche Wärme aus dem Raum gesaugt und selbst das in ihr wachsende Leben schien dies bemerkt und mit kurzem, stechenden Schmerz quittiert zu haben. Jetzt kniete sie auf dem Boden des Frachtraumes und zitterte leicht am ganzen Körper, während sie in sich horchte ob da irgend ein Anzeichen dafür war, das es ihrem Kind nicht gut ging. Doch bis auf den kurzen, stechenden Schmerz war da nichts.
Erst als sie sicher war, das da nicht war, fiel ihr auf welche Sorge man sich um sie machte.
blinzelnd blickte sie zu Tzun auf, der über sie gebeugt da stand. Seine ohnehin irgendwie immer fragend wirkenden Augen schienen ihr im Moment obendrein noch besorgt. Um sie besorgt. Niemand, außer Radan war in den letzten Jahren um sie besorgt gewesen. Nicht seit Camie verschwunden war. Und Padme war, ebenfalls besorgt und fürsorglich die Hand auflegend, wenige Wimpernschläge nach Tzun.


Es … es geht! Es war nur ein kurzer Schmerz, als …

Tief atmete Alisah durch und fühlte tief in sich hinein.

Es ist in Ordnung! Es geht ihm gut! … und… und mir auch!

Erklärte sie noch ein bisschen kurzatmig, doch die Farbe kehrt auch schon wieder in ihr Gesicht zurück.

Es gibt eine Notfallversorgungseinheit! Aber ich brauch Nichts. Wirklich! Und übell ist mir auch nicht mehr! Das hab ich schon hinter mir. Es war vielleicht nur einfach alles ein bisschen viel!

Erklärte Alisah auf Tzun‘s Frage nach medizinischer Versorgung. Padme war in Zwischen davon geeilt nur um gleich darauf mit einem Glas Wasser wieder bei ihnen zu sein. Mit großen Schlucken trank Alisah und musste sich eingestehen, dass es gut tat. Noch mehr allerdings fühlte es sich gut an, dass sich jemand um sie sorgte. Ohne Grund oder Hoffnung auf Vorteile daraus. Einfach aus Mitgefühl!

Ihr müsst euch nicht so viele Sorgen machen! Es wird schon! Ich habe keine Schmerzen mehr. Es war nur kurz und wahrscheinlich nur weil ich mich aufgeregt hab! Dem Kleinen geht’s gut und mir auch!
Aber ich leg mich wohl wirklich besser erst mal hin! Nur zur Sicherheit und damit ich fit bin wenn wir ankommen.


Dankbar lächelte Alisah Padme und Tzun an und lies sich von den Beiden noch auf helfen, bevor sie den direktesten Weg in ihr Quartier nahm und sich wirklich hin legte. Anscheinend hatte sie das Erlebnis im Frachtraum doch mehr mit genommen als sie es sich selbst eingestanden hatte, denn kaum lag sie in ihrem Bett schlief sie auch schon.
Als sie ein paar Stunden später aufwachte fühlte sie sich viel besser, war aber trotzdem etwas vorsichtig als sie auf stand. Sie wollte ja nicht schon wieder zusammen sacken.
Einige Momente später verließ sie ihr Quartier wieder und ging in die Messe wo sich Padme wirklich aufhielt!


Ähm, ich hoff, ich hab euch nicht zu sehr erschreckt! Du und auch Tzun, ihr müsst euch keine Gedanken machen. Mir geht’s gut! Ich hab nur! … Weißt du, ich hab viele Wochen nichts von Radan gehört oder gefühlt. Er war so krank als ich ihn an den Rat übergeben hab und ich wusste ja nicht wie‘s ihm geht. Ich war ja auf der Flucht und so haben er und ich nicht gewagt Kontakt auf zu nehmen. Aber vorhin! Ich hab ihn gefühlt. Nur ganz kurz, nur wie eine sachte, flüchtige Berührung und schon war er wieder weg. Es war plötzlich so schmerzhaft ohne ihn zu sein und irgendwie hat mein Körper überreagiert obwohl es gut war endlich zu wissen, dass er wirklich noch lebt!
Ihr Beide, du und Tzun, wart… ihr seid so lieb zu mir! Ich bin gar nicht mehr gewohnt, dass sich jemand so um mich sorgt. Außer Radan!


Genau in diesem Moment ging ein leichter Ruck durch das Schiff und der Klang des Antriebes änderte sich.

Sind wir etwa schon da? Hab ich so lang geschlafen?

gerade aus dem Hyperraum geplumst – nahe Lianna – „Solitude“ – umgebauter Messe – mit Padme und irgendwo nahe auch sicher Tzun
 
{Hyperraum/Route nach Lianna/"Solitude"/Trainingsraum}mit Alisah, Padme

Kurz nach Tzun ging auch Padme an die Seite von Alisah, und fragte wie es dieser ging. Beiden stand die Sorge in das Gesicht geschrieben, umso erleichterter war der Kaminoaner als die junge Frau erklärte, das es nur ein kurzer Schmerz war und es ihr gut ginge. Man sah ihr auch an das es ihr langsam besser ging, scheinbar war es wirklich nur ein kurzer "Zwischenfall" gewesen ohne langfristige Probleme. Laut ihrer Aussage gab es auch das Notwendige Equipment für Notfälle. Wobei aber sicherlich nicht als Notfall eingeplant war, dass eine Schwangere Probleme bekommen könnte. Glücklicherweise war aber nichts passiert, so das sich Alisah erheben konnte und bestätigte das sie sich ausruhen würde. So würden auch die paar Stunden bis sie bei Lianna ankamen schnell für die werdende Mutter vergehen. Auch Tzun riet seine Meisterin, sich auszuruhen während sie in der Messe blieb wenn es Probleme geben würde. Dies würde er auch tun, ohne Aufsicht mit dem Lichtschwert zu trainieren war etwas was er nicht riskieren wollte und etwas zu levitieren würde er auch eher probieren wenn seine Meisterin dabei war. Er wollte keine Fehler machen und diese dann sich einprägen, sonst würde der Fehler zur Gewohnheit werden und ihn behindern. Wenn seine Meisterin aber ein Auge auf ihn warf konnte sie ihm seine Fehler vor Augen führen damit er sich verbessern konnte. Aus diesem Grund half er noch seiner Meisterin, Alisah in ihr Quartier zu bringen bevor er sich von dieser verabschiedete und in "sein" Quartier ging. Sofort hinlegen und ausruhen konnte er sich nicht, da er erstmal die Betten umstellen musste damit sein weit über 2 Meter große Körper auf diese passte. Nachdem nach einigem hin und her bewegen die Betten passend standen, legte sich der übergroße Padawan in das Bett und schloss die Augen. Es dauerte etwas bis ihn der Schlaf übermannte, bis dahin dachte er nach. Darüber was er zurück gelassen hatte, wie anders die Galaxis auserhalb Kaminos war und wie es wohl dem Commander No ging. Sicherlich stand er bereits auf der Brücke eines neuen, großen Raumschiffes und befehligte eine kompetente, herausragende Crew für die Neue Republik. Seine Heimat würde momentan von den Wintergewittern heimgesucht werden und weiterhin versuchen seine Klonanlagen wieder aufzubauen. Dort hatte er ein behütetes Leben unter Gleichgesinnten gehabt, den Klügsten Köpfen im Bereich des Klonens. Doch da Klonen war nicht alles im Leben, es gab größere Mysterien. Es war Tzuns Lebensinhalt für lange, lange Jahre gewesen. Doch hatte er es geschafft seine Heimat zu verlassen und würde ein Jedi werden. Eines Tages würde er nach Kamino zurückkehren, das war ihm jetzt schon bewusst.

Einige Stunden später erwachte der Kaminoaner in seinem Bett. Nach kurzem Zögern begann er sich dann zu erheben, direkt bevor ein Ruck durch das Schiff ging und sich die Geräusche des Antriebs veränderten. Waren sie etwa schon angekommen? Oder gab es irgendwelche Probleme? Bevor der Kaminoaner das Quartier verließ, streckte er sich noch etwas und rückte seine Kleidung zurecht. Er würde sich auf Lianna passende Kleidung geben lassen müssen, bisher hatte er kaum welche und trug diese meist mehrere Tage. Sicherlich würde man ihm eine dieser Jedi-Roben geben können. Nachdem er einigermaßen annehmbar aussah, verließ Tzun sein Quartier und ging zur Messe, wo sich bereits Alisah und Padme eingefunden hatten.


{Hyperraum/Nahe Lianna/"Solitude"/umgebaute Messe}mit Alisah, Padme
 
Hyperraum – Route nach Lianna – „Solitude“ – umgebauter Frachtraum / Trainingsraum – Tzun, Alisah und Padme


Padme war zutiefst erleichtert, als Alisah Entwarnung gab. Auch wenn Padme ihre Aussage, daß es ihr gutging, nicht in Frage stellte, weil sie aus eigner Erfahrung wußte, daß es niemand anders als Alisah wohl am besten beurteilen konnte, blieb bei ihr eine gewisse Sorge zurück.

"Ihm?"

fragte sie daher, nicht sicher, wen Alisah hiermit meinte.

"Nun, wenn du die Zeit der Übelkeit hinter dir hast, dann kannst du erleichtert sein. Das sind die weniger positiven Seiten einer Schwangerschaft."

Man konnte annehmen, daß Padme hier eigne Erfahrungen vorzuweisen hätte, aber diese Annahme ging an der Wahrheit vorbei.
Zumindest nahm Alisah den Rat, sich auszuruhen an und ging in ihre Kabine. Tzun wurde von Padme ebenfalls in seine Kabine gescheucht, wobei sie hoffte, daß der Padawan eine angenehme Schlafposition finden konnte. Es mußte gräßlich sein, sich dauernd mit Einrichtungsgegenständen konfrontiert zu sehen, die für einen Standard, meistens Menschen und humanoide Wesen, konzipiert waren.
Padme dagegen ging mit dem leeren Glas in der Hand in die Messe zurück. Sie betrat die angrenzende, kleine Küchenzeile und stellte das Glas in die Spülmaschine, während sie sich mit leichtem Bedauern vom Schlaf verabschiedete.
Natürlich war die Meditation eine gute Möglichkeit, sich zu erholen und seine Kräfte zu regenerieren, aber Padme gehörte zu denen, die einen erholsamen Schlaf zu schätzen wußten.
Aber wenn sie ehrlich war, dann wußte sie auch, daß sie keine Erholung im Schlaf finden würde, denn trotz Alisahs Beteuerungen war die Sorge da.
Padme wanderte von der Messe ins Cockpit und warf einen prüfenden Blick auf die Kontrollen. Hier war alles in Ordnung.
Dabei kam ihr in den Sinn, daß sie eigentlich nie mit dem Thema Schwangerschaftsproblemen beschäftigt hatte. Sie hatte damals nur die notwendigen Untersuchungen absolviert, in denen ihr mitgeteilt wurde, daß alles gut verlief.
Das Symptom der Schwangerschaftsübelkeit kannte Padme auch nur aus Erzählungen, wobei dies sie am meisten an der Sinnhaftigkeit der Schwangerschaft zweifeln ließ. Es hatte auch einige Zeit gedauert, bis Padme damals klar wurde, daß sie schwanger war. Ihre vagen Antworten auf die ärztlichen Fragen hatten der Ärztin einen leichten Schweißfilm auf die Stirn getrieben, wohingegen sie selbst eine gewisse Skepsis über Notwendigkeit solcher Fragen hegte. Ihre eigne Schwangerschaft war komplikationslos verlaufen, so daß Padme sich nicht weiter mit diesem Thema beschäftigt hatte und im Moment die Ignoranz bei diesem Thema bereute.
Schließlich setzte sich Padme auf ein Kissen, das sie zuvor auf den Boden gelegt hatte und nahm die Meditationshaltung ein.
Es war erstaunlich, wie leicht ihr dies mittlerweile fiel, denn als Padawan hatte Meditation nicht gerade zu ihren liebsten Beschäftigungen gezählt. Selbstredend nicht, denn Herumzusitzen war nicht gerade ihre liebste Beschäftigung gewesen. Und Meditation hatte viel Ähnlichkeit mit Herumsitzen gehabt, weswegen Padme anfangs die Nase darüber gerümpft hatte.

Sie ließ ihre Gedanken auf Wanderschaft gehen. Zuerst beschäftigte sie sich mit den beiden Personen an Bord. Mit Alisah, deren Abfall vom Sith Orden mit Sicherheit nicht wenige Fragen nach sich ziehen würde.
Mit Tzun, dessen Ausbildung erst langsam, aber stetig Fortschritte machte. Doch Padme war sich sicher, daß der Padawan die ersten Schwierigkeiten überwinden würde, wenn er sich erst heimisch fühlte. Aber es war auch schwierig, sein bisheriges Leben auszublenden und so viele, neue und fremde Dinge zu lernen. Es bedurfte viel Mut, aber Tzun hatte schon einigen Mut bewiesen, als er sich überhaupt auf den Weg zu den Jedi gemacht hatte.
Dann verweilten ihre Gedanken auf Corellia. Die Schlacht war gewonnen, das System war wieder republikanisch. Aber wie sollte es hiernach weitergehen?
Sie war nicht die einzige, die den Krieg leid war. Und es mußte doch irgendwann ein Ende in Sicht sein. Wobei dies im Moment nicht den Anschein machte.
Wie gestaltete sich Wars weiteres Schicksal und welchen Weg würde er wählen? Er hatte deutlich gemacht, daß ihm seine Leute wichtiger waren als er selbst. Etwas, das einen guten Anführer auszeichnete. Aber wäre es klug von den Verantwortlichen einen erfahrenen Kommandanten wie War gehen zu lassen? Wobei die Frage war, wie sich diese Gräben, die Witanis Verrat bei den Mitgliedern der Republik aufgeworfen hatte, überbrücken ließen.
Dann zogen die Gedanken zu ihrer Familie weiter und warfen die Frage auf, ob es endlich eine Erfüllung des Sehnens gäbe. Sicher war das nicht, aber Padme war in dieser Hinsicht optimistisch.

Die Stunden vergingen, Gedanken formten sich und verflogen wieder, Erinnerungen verwoben sich mit vagen Ausblicken auf die Zukunft, Padme schöpfte Kraft aus der Ruhe, während an Bord Frieden herrschte.

Padme hatte die Augen geöffnet, als ein leises Signal ertönte, was anzeigte, daß die "Solitude" ihren Weg von Corellia nach Lianna bald hinter sich gebracht haben würde.
Kurz darauf tauchte auch Alisah in der Messe und Padme lächelte ihr zu. Der Schlaf schien ihr gut getan zu haben und sie sah erholt aus.
Und nun erklärte sie Padme, was genau geschehen war.


"Ich verstehe, Alisah. Dann hat die Macht dir die Antwort gegeben, die ich dir schuldig bleiben mußte,"

Padme wußte wie sich eine Berührung durch die Macht anfühlte. Jedoch funktionierte das nur bei Personen, die eine enge Verbindung zu einander hatten. Und bei Alisah und Radan war das anscheinend der Fall. Padme freute sich für die beiden.

"Nun, Alisah, es gibt nichts wertvolleres im Leben als das Wissen, daß man geliebt wird."

gab sie zu bedenken.
Die Motorengeräusche der "Solitude" veränderten sich und Padme stand auf. Auch Tzun kam in die Messe.


"Ja, ihr beiden Schlafmützen habt lange geschlafen."

neckte sie die beiden lachend.

"Die "Solitude" wird den Hyperraum in wenigen Minuten verlassen."

klärte sie die beiden auf und begab sich in Cockpit und nahm im Pilotensessel Platz. Sie beobachtete die Anzeigen und ein paar Minuten später verließ die "Solitude" den Hyperraum. Lianna lag vor ihnen.


Lianna System – Orbit von Lianna - „Solitude“ - Cockpit – Tzun, Alisah und Padme


[OP]Weiter auf Lianna.[/OP]
 
[Tiefer Raum zwischen Taris und Null - CRV "Emiko" - Aufenthaltsraum] Jayne, Kerel, Mel und Neff

Jerrys mochte diesen Teil des Weltraums nicht. In der einen Richtung gab es ein totales Chaos aus Republikanischen, Imperialen und Mandalorianischen Gebieten und in der Anderen gab es nur die Altimperiale Gebiete um Bastion. Dahinter begannen direkt die Unbekannten Regionen. Aber auch hier gab es durchaus Orte, die es sich lohnten angeflogen zu werden. Vor allem Ord Mantell. Und wenn man den imperialen Raum hier auch noch mit einbezog fielen einem sofort die Namen Bilbringi und Obroa-Skai ein. Ersteres hatten sie vor demnächst anzufliegen. Das Durchfliegen verschiedener Hoheitsgebiete war nervig ja, aber in den letzten Monaten weitaus weniger schlimm als gewohnt. Lag wohl an dem Vorstoß der Republikanischen Truppen entlang des "Corellian Run". Das machte den Imps momentan ganz schön Probleme, weshalb man unauffällige und nicht vorbelastete Frachter wie die "Emiko" für imperiale Verhältnisse relativ locker behandelte. Jerrys kam mit dem Firefly Transporter nur hier aus dem Raum um noch einmal alle Papiere, Verstecke und den Zustand des Schiffs zu checken. Außerdem war es laut Coruscantischer Standardzeit kurz nach 12 Uhr Mittag. Das rief nach einem kleinen Mittagessen. Er saß zusammen mit dem Squib Kerel am Tisch und verspeiste ein paar Vollkornnudeln in einer exotisch schmeckenden Soße. "Ich will garnicht wissen was du da wieder rein hast, Neff." Jerrys schob sich genüsslich einen weiteren Löffel in den Mund. Die Soße schmeckte fruchtig und süß.
"Ja, das ist noch von gestern. Hab ich eigentlich für Carrie und Mel gemacht." Meinte der Junge von Taris locker und wandt sich wieder dem Monsterschachspiel mit Mel zu. Sie saßen in der Ecke des Raums, in der einige Couches und ein tiefer Holztisch standen. Die Teenagerin von Coruscant schien in das Spiel vertieft zu sein und Neff's Züge zu analysieren um darauf reagieren zu können. Jerrys wusste, dass ihr junger Sani gegen sie keine Chance hatte. Aber er spielte es trotzdem gerne mit dem Mädchen.

"Statt euch zu vergnügen oder Nudeln zu mampfen könntet ihr mir auch beim Schleppen helfen." Schnaubte Jayne, der eine breite Kiste durch die enge Tür in den Raum trug. Er verstaute sie in einer Abstellkammer und schlug sich den Staub von den Händen. Eine Blasterpistole steckte im Holster des ehemaligen Söldners, das er locker um sein linkes Bein trug. Er stemmte die Arme in die Hüften um seinen Worten Ausdruck zu verleihen. "Mh, negativ Jayne." Jerrys schwenkte den Teller um die letzten Reste der Soße herauszulöffeln. "Aber geh doch mal vor zu Carrie und frag sie wann sie soweit ist. Umso eher wir auf Bilbringi ankommen, umso schneller werden wir aus dem imperialen Raum wieder verschwinden können" Jayne sah seinen Captain einen Moment verdutzt an, als hätte er nicht verstanden. Dann zuckte er mit den Schultern und ging in Richtung Cockpit.
Jerrys war nicht wirklich ein Fan von Pausen im tiefen Raum. Bei dieser gähnenden Leere bekam er es zwar nicht unbedingt mit der Angst zutun. Doch hatte er nichts dagegen aus den großen Cockpitfenstern zu blicken und einen saftigen, farbigen Planeten zu sehen. Oder wenigstens eine heiß brennende Sonne. Der Squib der Crew verabschiedete sich mit einem Zwinkern in seine Kabine und ließ den Captain der "Emiko" allein am Esstisch zurück. Er lehnte sich in den bequemen Stuhl und fühlte das Vibrieren der Maschinen. Hin und wieder wurde die kurze Stille von Neff's Flüchen unterbrochen, der vermutlich gerade wieder einmal gegen Melanie den Kürzeren zog. Der Blondschopf von Taris entlockte dem jungen Mädchen damit sogar ein Lächeln.
Ruhe war etwas wirklich Seltenes auf der "Emiko". Nicht, dass es kein ruhiges Fleckchen geben würde. Mel zum Beispiel, verkroch sich hin und wieder im Frachtraum auf dem Unterdeck um ein wenig Zeit für sich zu haben. Doch er kam außerhalb der Schlafenszeiten wirklich nie zur Ruhe. Vielleicht war ja das der Grund für die sich rasch ausbreitenden weißen Flecken in seinem dunklen Haar. Oder es waren die ganzen stressigen Jobs, die er in der letzten Zeit zu erledigen hatte. Er hatte wirklich einmal ein wenig Urlaub verdient. Er und seine Crew.


"Konzentrier dich Neff. Du musst das Spiel lesen..." Forderte das 17jährige Mädchen den Schiffskoch und Sanitäter auf. Dieser nickte nur hilflos mit dem Kopf und versuchte ein Mittel gegen ihre Strategie zu finden. In diesem Moment betrat Jayne wieder den Aufenthaltsraum der "Emiko" und klatschte in seine prankengroßen Hände. "Es geht weiter Leute. Nächster Halt. Bilbringi!" Wieso sich der ExKopfgeldjäger von Naboo darüber freute, dass sie in die imperialen Kernwelten flogen musste Jerrys auch erst einmal jemand erklären. Normalerweise fühlte sich Jayne in den äußeren Welten am wohlsten.
Noch während Jerrys den Gedanken zu Ende führte, fühlte er das Vibrieren des Hyperantriebs. Ein leichtes Summer begleitete diesen Effekt. Seine Pilotin gab es nochmal durch die Sprechanlage hindurch und dann ging es los!


[Tiefer Raum zwischen Taris und Null - CRV "Emiko" - Aufenthaltsraum] Jayne, Mel und Neff
 
- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Observationsdeck – Mit Ricardo und Camilla -

Es hatte Noa nicht gefallen, dass Cris sie zusammen mit Thalia und den Kindern weg geschickt hat, als wäre sie selbst noch ein Kind. Sie war an Bord der „Empress“ gegangen ohne zu murren, weil sie eingesehen hatte, dass es das Klügste war, wenn sie den Zollbeamten möglichst wenig Gründe gaben, sich Gedanken über die Empress und ihre Passagiere zu machen, und wie man gesehen hatte, hatte dieser Plan funktioniert. Nach einem sehr kurzen Gespräch hatte man Selby und Cris ziehen lassen und ihnen ihre Starterlaubnis erteilt. Es war also alles gut gegangen. Trotzdem hoffte Noa, dass Cris sie nur aus genau diesem Grund – weil es die klügste Variante gewesen war, um einen Zwischenfall zu vermeiden – Thalia hinterher geschickt hatte und nicht, weil er vorrangig die Frau in ihr gesehen hatte, die er einfach nur beschützen wollte. Noa Chanelle sah mit ihrem Neffen und ihrer Nichte zusammen aus dem großen Fenster des Observationsdecks hinaus und beobachtete, wie Coruscant unter ihnen kleiner wurde.Für die Kinder war es der erste Flug in ihrem Leben und während Camilla noch etwas ängstlich wirkte, hatte Ricardo jetzt mutig sein Gesicht gegen die Scheibe gepresst um auch ja nicht zu verpassten, wie der Planet unter ihm sich in eine Spielzeugwelt verwandelte.

„Jetzt sind wir schon fast über dem Himmel!“

Rief er aus und für den Moment war die Aufregung des Fluges größer als alles andere.

“Und wir werden noch höher fliegen.“

Sagte Noa voraus, als sie auch schon Coruscants Wolkendecken durchbrachen und durch weiße Nebenschleier flogen.Thalia hatte sich den Start nicht ansehen wollen. Sie war froh gewesen, als Noa angeboten hatte, mit den Kindern zum Observationsdeck zu gehen und war in dem Zimmer zurück geblieben, das Noa ihr gezeigt hatte. Es war das größte Schlafzimmer an Bord der Empress, jenes das Noa beim letzten Mal bewohnt hatte und von dem sie gedacht hatte, dass es nur richtig war, wenn Thalia und die Kinder darin schliefen. Vermutlich hatte sich Thalia, jetzt da sie alleine war, einfach nur auf das breite Bett gesetzt, den Kopf in den Händen vergraben und ihren Gefühlen freien Lauf gelassen, so lange bis ihre Kinder wieder bei ihr waren und sie wieder die tapfere Miene zur Schau trug, die jede Mutter beherrschte.

“Weißt du denn auch, wohin wir fliegen?“

Wollte Noa wissen, die Gelegenheit nutzend, um sanft zu erfahren, was Thalia ihren Kindern eigentlich erzählt hatte. Ricardo nickte.

„Nach Dac.“

Antwortete er ohne Schwierigkeiten. Das wusste er also.

“Stimmt. Und weißt du auch, was das für ein Planet ist?“

„Mit viel Wasser.“

Antwortete Camilla, die in Noas Schoß hockte, während die Journalistin auf dem Boden saß.

“Stimmt auch. Und wisst ihr auch, warum wir dorthin fliegen?“

Für einen Moment herrschte Schweigen, während die Kinder diese Frage scheinbar überdachten. Unsicher begann Camilla ihren Kopf gegen Noas Schulter zu drücken.

„Papa kommt nicht mit.“

Sagte sie und Noa glaubte, eine Spur von Trotz aus ihren Worten zu hören. Sie schaute in Ricardos Richtung, dessen Unterlippe sich leicht nach vorne geschoben hatte und die Befürchtung, beide Kinder könnten glauben, dass ihr Vater nicht mitkommen wollte, kreuzte ihre Gedanken.

“Leider nicht, nein.“

Erwiderte Noa.

“Obwohl er sehr gerne würde! Er ist sogar sehr traurig darüber, dass er nicht mit kann.“

Ricardo schaute in ihre Richtung, sein Interesse neu geweckt. Oh je, er wollte mehr hören. Noa schluckte. Was erzählte sie ihm jetzt?

“Wisst ihr, es ist so... ich darf euch das eigentlich nicht erzählen, aber wenn ihr ein Geheimnis für euch behalten könnt...“

„Können wir!“

Versicherte ihr Ricardo. Verschwörerisch winkte ihn Noa näher zu sich heran und er gehorchte, indem er sich direkt neben sie auf den Boden hockte.

“Euer Papa ist so etwas wie ein... Agent.“

Sie sah von ihrem Neffen zu ihrer Nichte und Klein-Camilla, die mit diesem Begriff ganz sicher nichts anfangen konnte, hatte ihren Mund vor Staunen weit offen stehen.

“Er muss Zuhause auf Coruscant wichtige, geheime Aufgaben erledigen und wisst ihr auch, für wen?“

Einstimmiges Kopfschütteln. Noa lächelte.

“Euer Papa arbeitet direkt für den Kanzler. Das ist der oberste Chef in der ganzen Republik.“

Wichtigtuerisch nickte Noa.

“Und weil das alls sooo geheim und wichtig ist, hat der Kanzler euch und eure Mama eingeladen, zu ihm nach Mon Calamari zu fliegen, damit ihr so lange bei ihm bleiben könnt, bis euer Papa seinen Job erledigt hat.“

„Und warum können wir so lange Zuhause bleiben und und da warten?“

Wollte Ricardo wissen, was natürlich eine sehr gute und berechtigte Frage war. Für einen Moment drohte Noa, aus der Bahn zu fallen.

“Ähm... das ist ja wohl offensichtlich.“

Antwortete sie in einem Versuch, Zeit zu gewinnen.

“Euer Papa hat, öhm, bei euch Zuhause die neue Zentrale für seine Kollegen, die auch alle Agenten sind, errichtet, daher fahrt ihr auch für eine Weile weg, in Urlaub sozusagen.“

Mit großen Augen sah Ricardo sie an.

“Bei uns Zuhause?“

Hakte er nach.

“Uh-huh“

„Und von da aus machen sie ihre Pläne und jagen die bösen Leute?“

Wieder nickte Noa bestätigend.

“Japp, genau so. Euer Papa ist ein richtiger Held.“

Sie begegnete Camillas Blick.

„Aber die soll'n nich in meinem Bett schlafen.“

Warf diese schmollend ein.

“Nein, nein, auf keinen Fall!“

Beschwichtigte Noa sie. Ricardo, ganz der große und kluge Bruder, rollte mit den Augen.

„Natürlich nicht, Dummchen. Die arbeiten da.“

Lautete seine natürliche Erklärung.

“Genau so ist es. Und sobald euer Papa mit der Arbeit fertig ist, kommt er auch, um euch wieder zu sich zu holen. Das kann eine Weile dauern, aber ich verspreche euch, dass er euch holen wird. Wisst ihr, er hat mir gesagt, dass er jeden Tag, den er nicht bei euch ist, an euch denkt und euch ganz wahnsinnig dolle vermissst.“

Noa lächelte. Es war eine kleine Lüge, denn sie hatte nicht mit Rámon gesprochen, doch sie war sich sehr sicher, dass ihr Bruder genau das gesagt hätte, hätte er die Gelegenheit dazu gehabt. So gesehen hatte sie also die Wahrheit gesagt, auch wenn sie sie ein kleines bisschen gedehnt hatte. Der Zweck heiligte in diesem Fall allerdings die Mittel. Ricardo sah sie an. Er hatte mit den Schlaufen seiner Schnürsenkel gespielt.

„Versprochen?“

Fragte er nun, um die ultimative Zusicherung von Noa zu erhalten. Die Widerstandskämpferin zögerte keine Sekunde.

“Versprochen.“

Antwortete sie, drückte Camilla enger an sich und zerzauste Ricardo die Haare, was diesen zum Lachen brachte, sein kleines Kinderherz von Liebe und Hoffnung erfüllt.

- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Observationsdeck – Mit Ricardo und Camilla -
 
|| Planet "GPR 7645-KE-743" ▫ Grasebene ▫ bei riesigem Zeltlager || ▫ Miron ▫ Shee'ra & Azgeth ▫ etwas entfernt Ureinwohner

Mühsam hatte Miron den Redeschwall der Fremden übersetzt. Einiges hatte ihn an die Grenzen seines Sprachverständnisses gebracht, aber es war zum Glück noch früh am Tag und seine Konzentrationsfähigkeit voll da. Wobei der Begriff "Fremde" auf die Frau nicht mehr zutraf, denn nun kannte er ihren vollen Namen und auch Teile ihrer Lebensgeschichte. Oder doch zumindest einige persönliche Sachen. Und er verstand selbst nur einen Teil davon. Was war ihr geschehen, welche Dinge trieben sie, dass sie sich nicht mehr in Gegenwart anderer aufhalten konnte. Sie war nicht hässlich, sie wirkte nicht auffallend dumm, also was war ihr Problem? Sie hatte jemanden gebraucht, der an sie geglaubt und ihr am Anfang geholfen hatte. Und was bitte meinte sie mit seelischem Gleichgewicht, und all dem esoterischen Emotionsgeschwafel? Man hatte sich ihr Gegenüber aggressiv verhalten weshalb sie vor allem floh? Hatte sie schlicht ein Konfliktbewältigungsproblem?

Na ja, so einfach konnte es wohl nicht sein. Zumindest hatte er schon eine latente Aggressivität, Gereiztheit in ihr gespürt, teilweise in ihrem Tonfall erkennbar. Dennoch, ziemlich heftige Entscheidung sich ein halbes Jahr ganz alleine durch die Wildnis zu schlagen. Er war verwundert dass sie überhaupt noch lebte. War das nicht unfassbar gefährlich? Aber da sie hier war, musste sie wohl auf sich aufpassen können. Und auch anderes was sie sagte ließ ihn stutzen. Ihre Wortwahl sie hätte eine bewegte Vergangenheit war bestenfalls vage und ließ keine ernsthaften Schlüsse zu. Doch wenn er sich daran erinnerte wie es "zuhause" war, musste er doch schon bemerken, dass sie hier Sachen von sich erzählte die man normalerweise nur einem entsprechenden Arzt oder seinem engsten Vertrauten mitteilte.

Was auch letztendlich hinter all den halben Wahrheitsfetzen steckte, es war derart bedeutend, dass sie zu dieser Reise aufgebrochen war. Sich dazu gezwungen gefühlt hatte. Oder empfand sie dies vielleicht als gar nicht schlimm? Doch, sie hatte gesagt, sie hatte Zeit zum Nachdenken gehabt, und deshalb möglicherweise … wahrscheinlich gebraucht. Wer war sie? Dafür gab es doch tatsächlich Spezialisten und Betreuung. Jetzt wo er darüber nachdachte, schien ihm dies nahe liegend. Wieso hatte sie solche nicht aufgesucht, das war für ihn die größte Frage.

Dann allerdings ging das Gespräch in eine andere Richtung, denn die Einheimischen waren natürlich noch mehr an dem Umstand ihres Zusammentreffens interessiert. Es ging noch einmal um diesen wirklich nicht nachvollziehbaren Zufall, der keinem so richtig geheuer vorkam. Doch es kam keine faktisch neue Erklärung von ihr. Am Ende sagte sie es wieder: Schicksal, Fügung, höhere Mächte. Und erneut war für ihn hier das Ende des Weges. Natürlich konnte auch er mit keiner besseren Interpretation aufwarten, doch irgendwie war diese Betrachtung … unbefriedigend. Dies mussten sie aber alle akzeptieren, zumindest vorerst. Eins störte ihn allerdings schon. War er hier der einzige, der nicht an irgendwelche unbeweisbaren, hypothetische Kräfte und Mächte glaubte? Einfach furchtbar wie unsachlich hier miteinander gesprochen wurde. Nun, seine Aufgabe war recht einseitig beschrieben, nichtsdestotrotz machte er sich seine Gedanken. Zumindest konnte er eines nicht absprechen: Karyn war wieder ein Stück interessanter geworden. Eine seltsame, komische, nicht durchschaubare, aber unabhängig davon faszinierende Dame. Und fast genau in seinem Alter, wenn sie denn darüber die Wahrheit sagte.

Wie dem auch sein mochte, es ging nun um den Fakt der Fügung, über Mächte die ein Zusammentreffen instrumentalisiert hatten. Keiner hatte eine bessere Deutung anzubieten, also musste es so hingenommen werden. Andere Aspekte erforderten nun sein Ausbrechen aus dem bisherigen Tätigkeitsfeld. Die Frage, die auch ihn beschäftigt hatte, trug noch weniger im Geist der Einheimischen Früchte. Wie denn seine Meinung, bezüglich ihrer Beweggründe sei? Jetzt war also doch sein Urteil gefragt. Mehr als spekulieren konnte er aber auch nicht. Es war auch fraglich inwiefern ihnen jenes weiterhalf, anstatt einfach sie zu fragen.


"Auch ich muss zugeben, sie nicht gänzlich zu verstehen. Wie es hier die werten Heilerinnen gibt, verfügen auch wir über solche bei uns. Jede entsprechende Person ist spezialisiert auf eine andere Krankheit, für ein bestimmtes Gebiet, Problem geeignet. Es sollte auch jemanden geben, der für ihre Schwierigkeit Ansprechpartner sein kann. Sie sagte ja selbst, sie hätte anfangs Hilfe gehabt, warum sie meint, nun alles alleine machen zu müssen, kann ich nicht beurteilen. Ich … ich weiß es einfach nicht. Warum sie sich derart von unserer Gemeinschaft entfernt hat. Wenn sie Frieden sucht, wenn sie andere um sich herum nicht erträgt, muss ihr Schlimmes passiert sein. Doch da kann ich nur raten. Falls es wirklich Bestimmung, Schicksal, oder sonst etwas war, dann bleibt die Frage was wir ihr geben können. Wie sollen wir ihr den Frieden geben können, den sie sucht?"

Der ehemalige Pilot war mit seinem High - Galactic am Ende. Wozu auch all die Raterei? Sie kamen so letztendlich auch nicht weiter. Auch bei den sonstigen Anwesenden schien Ratlosigkeit vorzuherrschen, Unklarheit wie es nun weitergehen sollte. Hatten sie sich keine Gedanken gemacht, bevor sie losgegangen waren? Möglicherweise war das auch alles so fremd für sie das sie schlicht nichts damit anfangen konnten, und demnach überrascht waren? Nach einer kleinen Weile ergriff Shee’ra auch mal wieder das Wort. Seit dem ersten Aufeinandertreffen hatte sie kaum noch etwas beigetragen, aber nun übernahm sie mal wieder die Initiative.

<<Kaah riehn hat uns gesagt was bisher passierte, von dem Vergangenen erzählt. Wie sieht denn für sie die Zukunft aus? Ihre bisherigen Schritte kennen wir jetzt, welche Schritte sollen die nächsten sein? Wie will sie ihren Frieden finden?>>

Wow. Musste das sein? Musste er wirklich dabei bleiben? Jetzt ging es wohl auf die Couch, wie man so schön in der Zivilisation sagen würde. Schon rein aus Reflex wollte er sich entfernen. Solche Sachen gingen ihn doch wohl nichts an, aber ohne Übersetzer ging es wahrscheinlich nicht weiter. Vermutlich trafen hier und jetzt die verschiedenen Kulturen aufeinander. Diese Fragen gingen verflucht ins Persönliche, und da half die Anwesenheit von einem Dutzend Leuten nicht unbedingt weiter. Aber vermutlich dachten sich die Bewohner nicht viel dabei. Doch ändern konnte er nichts daran, er musste nur übersetzen, was er auch gleich tat. Wenn er es richtig interpretierte traf es die Besucherin einigermaßen überraschend, und sie schien erstmal verschnaufen zu müssen. Tja ha, auf die Antwort war er jetzt mal gespannt. Nach einer Weile hatte sie dann aber scheinbar eine Antwort gefunden.

"Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich hatte gehofft dass die Reise allein mir alles geben würde. Doch es fehlt noch etwas. Das innere Gleichgewicht ist noch nicht vollends da. Solange ich mit freundlichen Leuten zu tun habe, gibt es keine Probleme. Doch wenn ich von Idioten umgeben bin, oder von Uneinsichtigen, die unbedingt einen Streit wollen, oder mich reizen, können … schlimme Dinge passieren. Ich kann, ich darf mich nicht der Aggression ergeben. Doch was soll ich machen, wenn sich andere dieser ergeben? Das einzige was mir einfiel war sich jeglichen Konflikten zu entziehen. Was aber nicht heißen soll dass ich für immer allein bleiben will. Doch solange …

Es geht um meine Gefühle. Ich muss sie kontrollieren lernen, und das ist mir einfach noch nicht gelungen. In mir herrscht eine Unruhe, Unrast, die ich selbst dann spüre wenn ich nichts zu tun habe und mich langweile. Solange ich das nicht beherrschen kann, bleibt mir der Weg zurück verschlossen. Aber das ist nur der eine Punkt, wenn auch wohl der entscheidende. Ich begann meine Reise mit dem Wissen das ich mittlerweile weiß wer ich nicht bin, ich suche immer noch den Menschen der ich bin. Wenn ihr mit dabei helfen könnt dies zu finden, wäre das der Grund warum ich hier bin. Kontrolle und Bestimmung, dies sind die Dinge die ich finden muss."


Auch bei ihr war eine Art Ratlosigkeit in den Zügen zu erkennen, wobei dies durch ein Achselnzucken aufgelöst wurde.

"Ganz einfach." , meinte sie nicht ganz ernst. Der Gestrandete hätten am Liebsten aufgegeben und den Kopf hängen gelassen. Was zum …? Was ging hier eigentlich ab? Kontrolle und Bestimmung? Sie durfte nicht aggressiv sein? Was war sie? Wer war sie? Eine jähzornige Mörderin mit einem Hang zum Mystizismus und dem Wunsch nach Läuterung? Völlig irre? Psychisch mal völlig fernab von Tatooine? Zumindest musste er erst einmal keine Antwortfindung betreiben, oder sich damit abmühen daraus schlau zu werden, er kümmerte sich erst einmal darum die Inhaltsweitergabe abzuwickeln. Zumindest war die These sie sei eine Jedi mittlerweile ziemlich aufgehoben und widerlegt. Tja, dann wusste er auch nicht mehr weiter. Und wenn er schon am Ende angekommen war, wie sah es dann mit den anderen aus. Lediglich bei Shee’ra machte er sich noch Hoffnungen. Und "witzigerweise" geschah nun etwas, womit er nicht unbedingt gerechnet hatte.

Die Genannte war tatsächlich diejenige, die noch weiter wusste, doch nicht so wie er vermutet hatte. Die oberste Schamanin bat alle Ratsmitglieder und die meisten Wächter zu gehen und sie allein zu lassen. Dies sorgte erst einmal für Aufregung und heftige Diskussion. Zwei Standpunkte trafen aufeinander, einmal der Sicherheitsgedanke, das Risiko sie hier fast schutzlos mit einer Fremden zurückzulassen, und andererseits die bestimmte Meinung dass die anderen nun nicht mehr helfen konnten, sondern nur noch störten. Karyn bekam das natürlich mit und wurde immer unruhiger. Da er kein Urteil treffen konnte oder durfte, wandte er sich kurz an die 29-Jährige.


"Ähm, keine Sorge, es gibt nur Diskussionen darüber wie … ähh … es nun weitergeht."

Sie fixierte ihn nur abschätzig mit einem aufgesetzten Lächeln, das so gar nicht freundlich ankam und beobachtete weiterhin aufmerksam. Tja, sie glaubte ihm wohl nicht. Tja, was sollte man da machen? Nach gut zwanzig Minuten - so schätzte er, hatten sie sich schließlich auf einen Kompromiss geeinigt. Die oberste Schamanin bekam ihren Willen, doch zwei Wächter würden zurückbleiben. Die Besucherin schaute ziemlich verwirrt drein, was ihr nicht zu verübeln war. Auch er war etwas unsicher wie klug dieser Zug war, andererseits hätte Karyn schon längst etwas versuchen können. Theoretisch hätte sie auf so einen Moment warten können, doch dies hätte sie nach den gesagten Worten niemals vorhersehen können. Wie auch immer, Shee’ra sprach nun wieder, und somit wurden seine Spekulationen zu einem Ende geführt.

<<Ob Du eine Gefahr darstellst oder nicht, ist längst entschieden. Die Frage, der Grund warum wir weiterhin miteinander sprechen ist … der Grund warum Du hier bist. Ist das Ziel deiner Suche. Ich weiß nicht ob wir Dir geben können was Du suchst, dafür wissen wir noch immer zu wenig. Die gewichtigen Fragen werden wir nur auf einer sehr persönlichen Ebene finden können, möglicherweise dabei Wege beschreiten die jenseits unseres alltäglichen Wissens liegen.>>

Gut, eines war von diesem Moment an klar, er würde so etwas nur noch zu hören bekommen, und würde einfach ohne Aufregung zuhören und absorbieren. Wie sagte man so schön? Mitgehangen, mitgefangen. Die Schamanin sprach weiter.

<<Du sagst Du darfst deine Gefühle nicht zulassen? Ich weiß nicht wie ihr Fremden … ihr Menschen … funktioniert. Was ist denn wenn Du diese Kontrolle nicht hast? Was passiert? Was kann passieren? Warum ist das schlimm?
Und was das andere angeht … auch da weiß ich nicht wie das bei euch funktioniert. Aber hier wird jeder in die Gemeinschaft hineingeboren. Es gibt immer Verschiedenes zu tun, und jeder weiß er muss etwas beitragen. Die Aufgabe, die Bestimmung findet sich selbst. Ist es bei euch nicht so? Und wenn nicht … wer glaubst Du müsstest Du sein? Wer möchtest Du sein? Welche Vorstellung hast Du von deinem Schicksal? Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir es Dir zeigen können, jeder muss es selbst finden.>>


"Ganz genau" , dachte sich Miron sarkastisch, doch behielt seine Meinung für sich und übersetzte nur. Er hatte sich vorgenommen, sich nichts mehr dabei zu denken, und am besten hielt er sich daran.

|| Planet "GPR 7645-KE-743" ▫ Grasebene ▫ bei riesigem Zeltlager || ▫ Miron ▫ Shee'ra ▫ Azgeth & zwei Wächter ▫ etwas entfernt Ureinwohner
 
[Hyperraum, Empress of Blades]- Noa, Cris, Thalia, Camilla, Ricardo, Selby, R6-C2

Bis zum Sprung in den Hyperraum war Cris bei Selby im Cockpit geblieben, um sicher zu gehen, dass es von Seiten des Imperiums nicht doch noch unliebsame Überraschungen gab und um im Falle eines Falles schnell eine der Waffenkonsolen besetzen zu können, in deren Benutzung er mittlerweile eingeweiht war und die zu bedienen ihm Selby dankenswerterweise – anders als die Steuerung des Schiffes – durchaus zuzutrauen schien.

„Das war’s“, kündigte der Pilot an, nachdem das Sternenfeld sich vor ihnen in die Länge gezogen hatte und dann dem bläulichen, hypnotischen Hyperraumstrudel gewichen war.

„Kleinigkeit. Aber ich könnte jetzt ein Nickerchen vertragen.“

Selby unterdrückte ein Gähnen und streckte sich, wohl mehr, um seinen Punkt zu unterstreichen, als aus echter Notwendigkeit.

„Der Autopilot kann bis Dac auf sich selbst aufpassen. Und wenn nicht – sagen Sie es erst dem Droiden.“

Er erhob sich, klopfte Cris mit einem süffisanten Grinsen auf die Schultern und war aus dem vergleichsweise engen Cockpit verschwunden. Cris selbst warf einen letzten Blick auf die Instrumente, von denen so gut wie keines ihm irgendetwas sagte, bevor der dem Piloten zurück in den Hauptteil des Raumschiffes folgte. Er selbst orientierte sich indes nicht in Richtung der Quartiere, wo der Pilot sich ein wenig Ruhe zu gönnen gedachte, sondern schlug recht ziellos eine willkürlich gewählte Richtung ein. Irgendwo, in einem der Räume der Empress, war Noa. Und sie suchte er.

Es bedurfte ein wenig ziellosen Umherirrens, bevor Cris schließlich Stimmen vernehmen konnte, die aus Richtung des Observationsdecks zu hören waren. Er folgte ihnen und blieb schließlich im Übergang vom Korridor zum Deck stehen, als er Noa erkannte, die mit Camilla und Ricardo auf dem Boden vor dem breiten Panoramafenster saß. Sie alle hatten ihm den Rücken zugedreht – Noa saß auf dem Boden, das kleine Mädchen auf ihrem Schoß, während Ricardo wohl aus dem Fenster gesehen hatte, als dort noch Coruscant zu sehen war. Den sich nunmehr bietenden Hyperraumstrudel fand er vermutlich weniger interessant, zumal sich dieser nie verändert und seine hypnotische Qualität schnell abnutzte.

Aus irgendeinem Grund trat Cris nicht näher an sie heran oder machte Noa irgendwie auf sich aufmerksam, sondern hörte zu, worüber sie mit ihrer Nichte und ihrem Neffen redete. Es ging um Rámon – natürlich verstanden die Kinder nicht, warum ihr Vater den Planeten nicht mit ihnen und ihrer Mutter verließ. Noa erzählte ihnen, wieso – im übertragenen Sinne. Die Geschichte, die sie den beiden erzähltem zauberte ein Lächeln auf Cris‘ Gesicht und hielten ihn weiter davon ab, sie durch sein Eintreten zu unterbrechen. Irgendetwas in ihm wurde zutiefst berührt von dem sich ihm bietenden Bild – Noa, Camilla im Arm hielt und Ricardo das Haar so zerzauste, dass er vor Freude lachte und das Glück in sein Gesicht zurückkehrte, dessen Fehlen Cris auf Coruscant sofort bemerkt hatte. Er seufzte unhörbar. Vielleicht würde er eines Tages genauso zu Noas Familie gehören wie die die beiden Kinder, wie ihre Brüder und ihre Zwillingsschwester. Aber bis dahin waren Momente wie dieser, deren Zeuge er war, ihre Privatsache und plötzlich fühlte er sich ein wenig wie ein Voyeur, ein Eindringling. Er gab sich einen Ruck und durchquerte den Durchgang, mit möglichst lauten Schritten, um allen drei zu signalisieren, dass sie nicht mehr unter sich waren. Er lächelte die beiden Kinder an, freundlich, wie es ihm bei Kindern leicht fiel, doch als sein Blick den Noas traf lag in diesem Lächeln noch einiges mehr.


„Hey“, sagte er leise.

„Darf ich mich zu euch setzen?“

[Hyperraum, Empress of Blades, Observationsdeck]- Noa, Camilla, Ricardo, Cris
 
- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Observationsdeck – Mit Ricardo und Camilla -

Feste Schritte erklangen hinter ihnen und plötzlich stand Cris bei ihnen. Er musste sie gesucht haben, dachte Noa, vielleicht nachdem er fest gestellt hatte, dass sie in keinem der Quartiere war. Dabei fiel ihr ein, dass sie selbst noch gar nicht wusste welches Quartier Selby ihr zugeteilt hatte. Er hatte ihr Gepäck auf die „Empress“ gebracht, also würde er es auch in einem der Zimmer abgestellt haben. Und würde es ein Einzelzimmer sein, fragte Noa sich, oder würde er – ohne zu fragen – davon ausgegangen sein, dass sie sich ein Bett mit Cris teilen würde?

“Selber hey.“

Erwiderte Noa lächelnd in Cris' Richtung.

“Natürlich darfst du dich setzen. Wir können dir nur leider keinen Stuhl anbieten.“

In ihrem Arm, den Kopf gegen ihre Brust gelehnt, kicherte Camilla leise.

“Erinnert ihr beiden euch an Cris?“

Wollte Noa wissen.

“Er hat euer Gepäck auf dieses Raumschiff gebracht.“

„Er war auch mal bei Opa zu Besuch.“

Erwiderte Ricardo, damit unter Beweis stellend, das er sich sehr gut an den Mann erinnern konnte, der einmal bei ihnen zu Abend gegessen und mit seinem Onkel und seiner Tante Sabacc gespielt hatte.

“Ganz genau.“

Erwiderte Noa.

“Und er fliegt mit uns nach Mon Calamari. Dort hat er mich nämlich zu einem tollen Fest eingeladen, wo wir zusammen lachen und tanzen werden und ich ein richtiges Prinzessinenkleid tragen werde.“

„Ein Geburtstag?“

Fragte Camilla mit leisem Stimmchen. Noa grinste. Ihre Beschreibung des Balls hatte dazu dienen sollen, den Kindern zu zeigen, das Cris ein Freund war, aber für ihre Nichte hatte sich das „Fest“ wie ein Geburtstag anhören müssen, vor allem nach der Erwähnung des Prinzessinenkleids. Natürlich beabsichtigte Dass Noa auch nicht ernsthaft beabsichtigte, mit Cris zu tanzen, stand zudem außer Frage. Das hatte sie nur so daher gesagt. Die meisten Gäste auf dem Ball würden wohl tanzen, so etwas war schließlich Standardprogramm auf solchen Veranstaltungen, doch mit zwei linken Füßen und absolut Null Ahnung von komplizierten Tanzschritten, würde Noa dort bleiben, wo sie in Sicherheit war: am Rand der Tanzfläche, oder am Buffet – wenn sie in dem engen Kleid überhaupt auch nur einen winzigen Happen würde essen können. Eigentlich durfte sie nicht einmal atmen, wenn sie nicht wollte, dass alle Nähte platzten.

“Nein, Schatz, kein Geburtstag. Aber so was ähnliches.“

Ricardo verzog das Gesicht.

„Tanzen ist was für Mädchen.“

Lautete sein Urteil. Das war vermutlich etwas, das er im Kindergarten von den anderen Jungs hörte. Nun, ganz Unrecht hatten die nicht.

„Und außerdem hat Papa gesagt, du sollst da auch nicht hin gehen.“

Fügte er an. Noa hob überrascht die Augenbrauen.

“Ähm, und warum nicht?“

Hakte sie nach. Ricardo zuckte mit den Schultern und sah von ihr weg.

“Wegen dem da.“

Mit dem Finger zeigte er auf Cris.

“Hat Papa zu Mama gesagt. Hab ich gehört.“

Na, herzlichen Glückwunsch. Noa unterdrückte ein gequältes Aufstöhnen. Sie wagte einen kurzen Blick in Cris' Richtung. Oh nein, wie brachte sie das wieder in Ordnung? Kinder waren leicht zu beeinflussen und je nachdem was Ricardo seinen Vater über Cris hatte sagen hören, dachte Ricardo jetzt, dass Cris der Böse war! Und Cris... für ihn musste das eine schreckliche Zurückweisung bedeuten! Sie wollte gar nicht wissen, was er jetzt dachte. Noas Vestand routierte, während ihr Blick verzweifelt hinaus in dem Hyperraumstrudel verschwand, als könnte sie aus dem dort herrschenden Chaos eine Antwort ziehen, wie ein Zauberer einen weißen Mynock aus seinem Hut.

“Aber du weißt auch, dass Cris ganz furchtbar nett zu uns ist, richtig?“

Fragte sie, woraufhin Ricardo unsicher und auch ein bisschen gleichgültig – oder trotzig? - mit den Schultern zuckte. Fast hätte Noa mit den Zähnen geknirscht. Sie konnte Ricardo ja nicht einmal damit drohen, dass er Cris während des Fluges kaum aus dem Weg gehen konnte und ihn deshalb möchten musste, denn die Wahrheit war, dass die „Empress“ mehr als genug Platz bot um ein paar Tage lang bequem aneinander vorbei zu leben. Plötzlich aber ging Noa ein Licht auf. Die Empress! Die Widerstandskämpferin, gerade weitaus mehr Tante als Scharfschütze, räusperte sich.

“Weißt du, er ist nämlich der, der uns nach Mon Calamari bringt. Er hat nicht nur euer Gepäck getragen... ihm gehört auch dieses Schiff!“

Und jetzt wurden Ricardos Augen wieder größer, auch wenn er noch nich ganz bereit war, es zuzugeben. Er schaute Cris an und hinter seiner Stirn ratterte es förmlich. Man konnte ihm fast jeden einzelnen Gedanken ansehen.

„Und der andere Mann?

Wollte er wissen.

“Selby?“

Noa machte eine wegwerfende Handbewegung.

“Nur der Pilot.“

„Aber der war viel besser angezogen.“

Oh. Das stimmte natürlich.

“Tja na und? Cris gehört jedenfalls das Schiff.“

Beharrte Noa. Man musste nicht für alles eine Erklärung haben!

„Und woher hat er das?“

Nur für fast alles.

“Er hat es geschenkt bekommen.“

„Von wem?“

“Vom Kanzler!“

Warum hatten Kinder auch immer so einen Wissensdurst? Warum dies und warum jenes? Konnten sie nicht einfach mit links und rechts zufrieden sein, anstatt immer mehr Fragen zu stellen? Das konnte einen wahnsinnig machen! Ricardos Augen aber leuchteten plötzlich.

„Vom obersten Chef der Republik, für den mein Papa arbeitet? Cooool!“

Freute er sich, während Noa ihren Kopf am liebsten gegen die nächste Wand gerammt hatte. Wie viele Lügen hatte sie ihrem eigenen Neffen eigentlich heute bereits aufgetischt? Hoffentlich bekam er davon keinen Schaden, wenn er älter wurde. Sie sah ihn jetzt schon als jungen Mann beim Psychologen auf der Couch liegen, wo er in wöchentlichen Sitzungen verarbeitete, wie er in einem Lügenkonstrukt aufgewachsen war, das seine Tante für ihn gesponnen hatte, und durch das er jeglichen Bezug zur Realität verloren hatte. Einen tollen Gedanken hatte Noa aber trotzdem noch.

“Wenn du möchtest, zeigt Cris dir bestimmt auch das ganze Schiff.“

Schlug sie vor und Ricardo nickte eifrig.

„Jetzt gleich?“

Fragte er.

“Jetzt sofort.“

Bestätigte Noa und wagte es endlich, wieder in Cris' Richtung zu schauen.

- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Observationsdeck – Mit Ricardo, Camilla und Cris -
 
[Hyperraum, Empress of Blades, Observationsdeck]- Noa, Camilla, Ricardo, Cris

Zumindest Ricardo erinnerte sich an Cris, als Noa ihn vorstellte – natürlich, schließlich wirkte Thalias älteres Kind wie ein cleveres Kerlchen – und der ehemalige Sturmtruppler musste schmunzeln, als sie den beiden erzählte, dass sie mit Cris auf ein Fest gehen würde. Er konnte nicht anders, als sie verträumt dabei anzusehen und glücklich zu lächeln. Ein Prinzessinnenkleid? Noa würde nicht wie eine Prinzessin ansehen… eher wie eine Göttin, wunderschön und in der Lage, ihn mit einem einzigen Blick zum Schmelzen zu bringen. Und dann würde sie feststellen, dass er überhaupt nicht tanzen konnte. Oh je.

Die Befürchtung, bereits in einer Beziehung nicht den gesellschaftlichen Konventionen und somit den Erwartungen entsprechen zu können, die so ein Ball mit sich brachte, wurde zerstreut, als sich plötzlich ein Dolch aus bitterkaltem Eis in Cris` Eingeweide bohrte. Ricardo erzählte davon, dass sein Vater gegenüber seiner Mutter geäußert hatte, dass Noa nicht auf den Ball sollte. Wegen Cris.

Nun hatte er damit gerechnet, dass nicht jedes Mitglied ihrer Familie ihn so herzlich empfangen würde wie zum Beispiel Leandro – von dem er zumindest dachte, dass dieser ihn nicht ganz verkehrt fand, oder Pablo, der immerhin Cris‘ Professionalität und seine Hilfe für den Widerstand schätzen musste, doch diese unangenehme Wahrheit so schonungslos aus dem Mund eines Kindes, das noch keinerlei Anlass sei, gewisse Dinge aus Höflichkeit zu verschweigen, hören zu müssen, tat weh. Zu allem Überfluss war anzunehmen, dass Ricardo diese Worte seines Vaters zum Anlass nahm, Cris ebenso misstrauisch, wenn nicht sogar ablehnend gegenüber zu treten. Warum auch nicht? Cris war ein Fremder, Rámon war sein Vater.

Cris‘ Blick suchte verzweifelt den Noas, um einschätzen zu können, wie sie diese Entwicklung beurteilte, doch sie schien ebenso ratlos wie er und starrte nachdenklich aus dem Observationsfenster, während Cris spürte, wie ihm die Schamesröte ins Gesicht stieg. Was, wenn sie feststellte, dass ihre Familie tatsächlich nicht gut auf Cris zu sprechen war, oder nur aus den falschen Gründen. Er machte sich keine Illusionen darüber, für wen sie sich entscheiden würde, sollte sie vor die Wahl gestellt werden, und die Unumstößlichkeit dieser Erkenntnis schnürte ihm die Kehle zu. Er mochte sich nichts sehnlicher wünschen, als wirklich zu Noa, zu ihrer Familie zu gehören. Doch ein Teil von ihm wusste, dass das nie der Fall sein würde – Noas Familie war nur durch die imperiale Besatzung in den Widerstand getrieben worden, alles, wofür sie kämpften, war ein normales, ein friedliches Leben. Wie passte ein Geheimdienstagent in diese Gleichung, selbst einer, der bereit wäre, für Noa sein gesamtes Leben umzukrempeln? Seine Vergangenheit würde immer ein Teil von ihm sein. Noa hatte ihn trotzdem akzeptiert – doch vielleicht gehörte mehr dazu. Vielleicht reichte es nicht, wenn nur er selbst und sie darüber hinwegsehen konnten – in ihrem Leben würden immer noch viel mehr Leute eine Rolle spielen, viele Meinungen Beachtung finden. Wenn einer ihrer Brüder ihm also so sehr misstraute, dass er ihr davon abraten würde, mit ihm nach Mon Calamari zu fliegen – was bedeutete das?

Noa war indes darum bemüht, die Situation zu retten, indem sie versuchte, Ricardo von den Worten seines Vaters abzulenken. Sie tat dies durch eine weitere Geschichte, die nicht ganz der Wahrheit entsprach – dass die Empress of Blades Cris gehörte und Selby lediglich der Pilot war. Augenscheinlich interessierte der kleine Junge sich brennend für Raumschiffe, da er sofort hellwach schien, als Noa ihm in Aussicht stellte, das Schiff von Cris gezeigt zu bekommen. Als ihre braunen Augen Cris wieder ansahen, schenkte er ihr ein dankbares, liebevolles Lächeln. Eigentlich konnte ihm egal sein, was irgendjemand von ihm dachte – so lange sie an seiner Seite blieb.


„Wenn du möchtest, zeige ich es dir“, bot er Ricardo an, nachdem er vor ihm in die Hocke gegangen war.

„Jetzt sofort.“


Offenbar war Ricardo von der Idee angetan. Während Noa Camilla zu ihrer Mutter zurückbrachte und ihren Neffen somit in Cris‘ Obhut überließ – ein kleiner Vertrauensbeweis, der ihm sehr gut tat – führte Cris den Jungen durch das Schiff und zeigte ihm jene Bereiche, die ihn womöglich am meisten interessierten. Die Bar ließ er wohlweißlich aus, sondern fing mit dem Maschinenraum an, wo sie von R6-C2 freudig begrüßt wurden. Dankbar erklärte Cris Ricardo zunächst die Funktionen und Aufgaben des Astromechs – mit denen er sich weitaus besser auskannte als mit den Einzelheiten der Triebwerke der Empress – und versuchte dann, dem Jungen ein wenig über überlichtschnellen Flug und Sublichtreisen zu erzählen, um ihm zu erklären, dass die Empress nicht nur im Normalraum äußerst wendig und geschwind war, sondern auch die Distanz zwischen Planetensystem schneller überwinden konnte als viele andere Schiffe. An R6s zufriedenen Pfiffen meinte er zu erkennen, dass er nicht vollkommenen Unsinn erzählt hatte.

Den Höhepunkt des Rundgangs war schließlich das enge, eher an einen Sternenjäger als an eine Yacht erinnernde Cockpit. Die Vielzahl an flackernden Anzeigen und Bedienelementen schienen den kleinen Ricardo in der Tat zu faszinieren, was Cris auf eine Idee brachte – im Autopilot waren die manuellen Cockpitsteuerelemente deaktiviert, sodass ein versehentlicher Tastendruck keinen Schaden anrichten würde.


„Möchtest du dich mal auf den Pilotensitz setzen?“, fragte Cris den Jungen lächelnd und deutete auf jenen komfortablen Platz, umgeben von komplizierten Anzeigen und nicht zuletzt dem Steuerknüppel für den Manuellflug, auf dem sonst immer Selby saß.

[Hyperraum, Empress of Blades, Cockpit]- Ricardo, Cris
 
- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Observationsdeck – Mit Ricardo, Camilla und Cris -

Noa war ganz froh, als Ricardo mit Cris ging, um sich das Schiff zeigen zu lassen. Im schlimmsten Falle hätte ihr Neffe ablehnen können, mit diesem eigentlich fremden Mann mitzugehen, aber er war kein schüchterner Junge und die Neugierde, die Yacht zu besichtigen (ein echtes Raumschiff!!!) war groß genug gewesen, nicht nur um ihn zu begeistern, sondern um ihn auch von allem abzulenken, das ihn bekümmert oder seine Laune sonst irgendwie beeinträchtigt hätte. Während die beiden Herrschaften nun also in Richtung der Maschinenräume davon zogen – Noa hatte vorerst abgelehnt, sie zu begleiten, da sie das Schiff schon kannte und sich auch nicht vorstellen konnte, dass Camilla an einem derartigen Rundgang ihren Spaß haben konnte – machte sie sich auf den Rückweg zu den Quartieren, um nach Thalia zu sehen. Ihre Schwägerin rief sie von drinnen herein und war dabei, die Kulturbeutel der Kinder aus ihren Taschen zu holen. Man musste nicht die Koffer komplett auspacken für den Hyperraumflug, doch ihre Zahnbürsten und Waschsachen würden sie natürlich brauchen.

“Hallo, wie geht’s dir?“

Fragte Noa, als sie mit Camilla in das Zimmer eintrat und die Tür hinter sich schloss. Die Kleine trottete zu ihrer Mama und Thalia rieb sich die Stirn.

„Ganz in Ordnung, danke. Wo ist Ricardo?“

“Mit Cris unterwegs. Er zeigt ihm das Schiff.“

„Ah. Okay.“

Übersensibel wartete Noa auf ein Zeichen darauf, ob diese Entwicklung der Dinge Thalia gefiel oder nicht. Traute sie Cris über den Weg, oder würde sie Noa gleich dafür schelten, ihren Sohn mit einem Fremden alleine gelassen zu haben? Sie sagte nichts, hob nur Camilla, die quengelnd neben ihr stand, kurz auf ihren Arm und gab ihr einen dicken Kuss, bevor sie sie wieder runter ließ. Um mehr Aufmerksamkeit buhlend kletterte Camilla auf das breite Bett.

„Hey, hey, erst Schuhe ausziehen, wenn du auf's Bett willst.“

Mahnte Thalia. Ob sie Zuhause waren oder nicht, gewisse Grundregeln mussten scheinbar überall beachtet werden. Eigentlich hätte Noa das nicht wundern sollen, aber sie hatte gedacht, dass Thalia vielleicht weniger streng sein würde, jetzt wo die Kinder schon die vorläufige Trennung von ihrem Vater verarbeiten mussten. Oder war es genau anders herum? War sie noch genau so streng mit ihnen, gerade weil sie den Beiden das Gefühl geben wollte, das noch alles so war wie vorher? Als Camilla sich ihre Schuhe ausgezogen hatte und sich aufs Bett geworfen hatte und Thalia nun begann, die Füße ihrer Tochter zu kitzeln, beschloss Noa, sich zurück zu ziehen.

“Ich geh' mal wieder und schaue nach Ricardo. Soll ich ihn zu dir schicken, wenn ich ihn finde?“

„Nur, wenn er dir Arbeit macht.“

Antwortete Thalia. Noa nickte.

“Okay. Und Thalia, wenn ich sonst noch irgendwas tun kann...“

„Danke, nicht nötig.“

Thalias freundliche Ablehnung kam ziemlich schnell und für einen Moment erwartete Noa fast, dass sie ihren Satz beendete mit den Worten „Du hast schon genug getan.“, doch sie sagte sie nicht. In Noas Vorstellung hatte dieser nicht gesprochene Satz anklagend und alles andere als freundlich geklungen. Tatsächlich war es so, dass Thalia von sich aus gar nicht von Coruscant weg gewollt hatte. Sie hatte dort bleiben wollen, bei ihrer Familie, wo sie hin gehörte. Rámon hatte sie in die Sicherheit gedrängt, immer wieder, doch sie hatte sich so lange dagegen stemmen können, bis Noas Angebot gekommen war, sie mit der „Empress“ von Coruscant weg zu bringen. War es also Noas Schuld, mehr oder weniger, dass Thalia sich räumlich von ihrem Mann hatte trennen müssen?

“Okay, dann bis später.“

Bevor sie sich weiter in diesen Gedanken hinein steigern konnte, ging Noa hinaus und schloss die Tür hinter sich. Auf dem Korridor ärgerte sie sich fast so sehr, als hätte Thalia die Worte, die sich Noa nur eingebildet hatte, tatsächlich gesagt. Es war nicht ihre Schuld, dass Thalia und ihre Kinder auf dem Weg nach Mon Calamari waren. Sie konnte nichts für das Imperium, seine Grausamkeiten und diesen ganzen verdammten Krieg in der Galaxis! Das einzige, das sie versucht hatte zu tun war, zu helfen. Sie stapfte in Richtung der Maschinenräume, bereit, genau das jedem zu sagen, der sich ihr in den Weg stellte, als sich plötzlich ein kleiner weiß-violett-gefärbter Astromech in ihren Weg schob.

“Ohh, hallo R... 6.“

Für den Bruchteil einer Sekunde musste Noa schon wieder überlegen, wie die Nummerierung des Droiden lautete. Sie glaubte jedoch, dass sie die richtige Ziffer erwischt hatte, zumindest ließ das fröhliche Pfeifen des Droiden diesen Schluss zu. Mit einem mechanischen Arm, den er aus seinem Rumpf ausfuhr, reichte er ihr ein Datapad – den Übersetzter, den sie schon von ihm kannte und der seine Sprache in für sie verständliches Basic übersetzte. Lachend las Noa, dass R6 sich freute, sie zu sehen und sie vermisst hatte.

“Ja, ich freue mich auch, dich wieder zu sehen.“

Vermisst hatte sie ihn nicht wirklich. Warum sollte sie auch? Seit wann vermisste man Droiden? Sooo abgedreht war sie nun wirklich nicht. Es gab ja Leute, die darauf standen, mit Droiden... aber das war ein anderes Thema.

“Hast du zufällig Cris gesehen?“

Wollte sie wissen und wartete, bis die Übersetzung von R6' Antwort auf ihrem Display erschien. Glücklicherweise wusste der Droide sogar, wo Cris war. Er und Ricardo waren zuletzt in Richtung Cockpit unterwegs gewesen. Super, wenn die beiden dort waren, würde Noa auch genau dort nach ihnen sehen. Sie verabschiedete sich eilig von R6, versprach, dass sie bald wieder plaudern würden und ging ins Cockpit. Als sie die Tür zu dem mehr als beengten Raum öffnete, saß Ricardo auf dem Pilotensitz und spielte wild an dem Steuerknüppel herum, was Noa im ersten Moment fast das Herz stehen bleiben ließ, bis sie realisierte, dass er im Hyperaum wohl kaum viel Schaden damit anrichten konnte. Normalerweise waren alle Cockpitfunktionen während dem Hyperraumflug deaktiviert.

“Na, ihr beiden, habt ihr Spaß?“

Fragte sie, in der Tür stehen bleibend. Ricardo drehte sich nur halb zu ihr um.

„Ja und wie! Ich fliege das Raumschiff ganz alleine!“

Rief er begeistert. Noa hob anerkennend die Augenbrauen und warf Cris einen amüsierten Blick zu.

“Das sehe ich. Gut machst du das. Pass auf, dass du uns nicht in ein schwarzes Loch fliegst.“

„Nee, ich pass schon auf.“

Erwiderte der Kleine wie ein echter Profi.

„Aber draußen sind viele Piraten unterwegs, die schieß' ich alle ab. Der Knopf hier ist für die Raketen und hier sind meine Laserkanonen.“

Er zeigte auf Knöpfe, die damit rein gar nichts zu tun hatten. Laserkanonen bediente man nicht vom Cockpit aus, dafür gab es die Geschütztürme, aber wen kümmerte das in einem Spiel schon? So lange Ricardo seinen Spaß hatte, war alles gut.

“Und du?“

Fragte sie grinsend in Cris' Richtung.

“Hast du auch Spaß? Oder spielst du nicht mit?“

- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Cockpit – Mit Ricardo und Cris -
 
[Hyperraum, Empress of Blades, Cockpit]- Ricardo, Cris

Ricardo war vollends vertieft in die momentan absolut funktionslosen Kontrollen im Cockpit der Empress, verwickelt in eine Flucht epischen Ausmaßes im Kampf mit marodierenden Piraten, als Noa im Eingang zum Cockpit erschien und sich primär bei ihrem Neffen danach erkundigte, ob er Spaß hatte. Dass dies der Fall war und Cris‘ Absicht damit von Erfolg gekrönt ließ auch auf seinem Gesicht ein amüsiertes Lächeln erscheinen, das noch intensiver wurde, als die Widerstandskämpferin sich noch einmal explizit an ihn wandte.


„Unser tollkühner Pilot brauchte nur die Erlaubnis des… Schiffsbesitzers, die Waffen und den Antrieb auf volle Leistung zu bringen“, erwiderte er schmunzelnd, da ihn Ricardo ab dem Moment, an dem er auf Cris‘ Erlaubnis hin im Cockpit Platz genommen hatte, im Grunde nur noch lautstark und voller Begeisterung darüber informiert hatte, was er im Begriff war zu tun. Da der kleine Junge vollkommen vereinnahmt von seinem Spiel schien, nutzte Cris die Gelegenheit, um Noa an ihrer Taille näher an sich heranzuziehen, wobei er ihr wunderschönes Gesicht sorgsam auf Anzeichen dafür untersuchte, was für eine Auswirkung die letzten Stunden wohl auf sie gehabt haben mochten.

Wie so häufig, wenn sie involviert war, kam eines zum anderen, ohne dass es von seiner Seite irgendeiner expliziten Planung bedurft hätte. Er sah ihr tief in die Augen, ihre Nasen berührten sich wie zufällig, dann länger, glitten aneinander entlang und schließlich küsste er sie auf den Mund, erst flüchtig, dann richtig, so, wie er es vermutlich stundenlang würde tun können. Als wieder ein wenig Luft zwischen ihnen entstand hielt er ihre Unterlippe für einen Moment mit seinen Lippen fest, genoss die Empfindungen, die ihr lieblicher Geschmack in seinen Nervenbahnen auslöste, und küsste sie schließlich auf ihre Stirn, ohne sie dabei loszulassen. In diesem Moment brauchte er das Gefühl, sie in seinen Armen zu halten und bei sich zu wissen, egal, was andere über ihn sagen und denken mochten.


„Ich bin froh, dass du mit mir nach Mon Calamari kommst“, flüsterte er ihr schließlich zu, sodass unwahrscheinlich war, dass der spielende Ricardo seine Worte verstehen konnte.

„Dass du mit mir lachen und tanzen willst.“

Er lächelte, als er die Formulierung benutzte, mit der Noa Camilla den Ball erklärt hatte.

„Auch wenn ich unglücklicherweise kein sonderlich begnadeter Tänzer bin.“


Genauer gesagt konnte er überhaupt nicht tanzen, weder im klassischen Sinne, wie man es auf dem Ball tun würde, noch im „hippen“, modernen Sinne, wie man es wohl auf Coruscant in Locations wie dem Nightliner tat, das Noa anscheinend gerne besuchte. Da er sie sich aber schwer auf einer stocksteifen gesellschaftlichen Veranstaltung vorstellen konnte, hoffte er, dass es ihm mit dem Tanzen ähnlich gehen würde wie ihm. Es gab andere Wege, sich auf diesem Ball die Zeit zu vertreiben… und viele davon waren durchaus angenehm.


„Noa…“

Er zögerte, sich darüber im Klaren, dass sein Gesichtsausdruck mit diesem Wort auch ernsthafter geworden war. Er musste zugeben, dass jene eine Äußerung Ricardos seinen Vater betreffend immer noch an ihm nagte, doch er war sich absolut unsicher, inwiefern er Noa damit belästigen sollte. Inwiefern sie ihm dazu eine Antwort geben konnte – und wollte. Schließlich gab er sich dennoch einen Ruck.


„Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer es für deinen Bruder sein muss, Frau und Kinder fortzuschicken, um sie zu schützen, ohne zu wissen, wann genau er sie wiedersieht.“


Etwas unbehaglich sah Cris kurz zur Seite. Ähnlich war es ihm ergangen, als er und Noa auf Mon Calamari getrennte Wege eingeschlagen hatten – oder genauer gesagt sie sich am frühen Morgen davongestohlen hatte, um eine längliche Verabschiedung zu vermeiden. Es war nicht um ihren Schutz gegangen, aber sie hatten nicht wissen können, dass sie sich so bald wieder sehen würden, wie sie es schließlich getan hatten. Natürlich konnte er die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Noa und ihm nicht mit der ihres Bruders und seiner Frau vergleichen… zumindest den Teil, der sich außerhalb seiner Wünsche und Hoffnungen abspielte.

„Ich kann mir allerdings durchaus vorstellen, dass er den Konflikt mit dem Imperium in diesem Moment von ganzem Herzen verflucht. Aber dennoch… warum…“

Cris schluckte und sah Noa dann direkt in die Augen.


„Warum denkst du ist er der Meinung, dass du nicht mit mir nach Mon Calamari hättest kommen sollen?“

[Hyperraum, Empress of Blades, Cockpit]- Noa, Ricardo, Cris
 
- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Cockpit – Mit Ricardo und Cris -

Es war Cris' Glück, dass Ricardo so unglaublich vertieft in sein Fatansiespiel gewesen war, dass er sich absolut nicht dafür zu interessieren schien, was seine Tante und der Mann, dem die „Empress“ gehörte, hinter seinem Rücken so trieben, denn normalerweise hätte Noa Cris' intensiven Kuss in Gegenwart ihres Neffen abgewehrt. Ein einfacher Kuss auf den Mund, eine einfache Umarmung hätten es getan, dachte sie, als sie ihn trotzdem näher an sich heran ließ, weil er gerade so los gelöst und zufrieden wirkte. Es war gut, dass sie ihn mit Ricardo alleine gelassen hatte. Cris Sheldon brauchte diese einfachen Bestätigungen, dass er ein ganz normaler Mann sein konnte, wenn er es wollte und man ihm die Gelegenheit dazu gab. Er war nicht nur ein Killer, gleich was er selbst von sich dachte. Als er ihr schließlich ins Ohr flüsterte, dass er froh war, dass sie mit ihm nach Mon Calamari kam und sein Atem ihren Hals kitzelte, musste Noa lächeln.

“Keine Sorge, ich habe nicht vor, mit dir zu tanzen.“

Sagte sie, lachend.

“Ich kann mir Besseres vorstellen als mich, vor den Augen der politischen Hoheit der Republik, der Länge nach auf's Parket zu werfen.“

Gut zu wissen, dachte Noa, dass Cris ebenfalls kein Tänzer war. Es bedeutete, dass sie eine Gemeinsamkeit hatten und Gemeinsamkeiten brauchte man, um eine Beziehung aufzubauen, besonders, wenn es eine Fernbeziehung werden würde. Fernbeziehung... sie hasste diesen Begriff schon jetzt. Cris' Blick wurde ernst, fast als hätte er ihre Gedanken erraten. Er sprach ihren Namen aus und plötzlich lag wieder diese Schwere in seiner Stimme und in seinem Blick. Vorbei waren die Minuten des fröhlichen Cris Sheldons. Jetzt war er wieder Lieutenant Sorgenvoll und das leider nicht ganz grundlos, wie Noa ihm zugestehen musste. Er hatte noch nicht vergessen, was Ricardo vorhin ausgeplaudert hatte, nämlich dass Rámon sich gegenüber Thalia gegen Cris ausgesprochen hatte. Und nun wollte er von ihr wissen, warum. Wusste sie etwas darüber? Ja, natürlich tat sie das. Noa seufzte, zog Cris am Arm sanft aus dem Cockpit heraus und schloss die Tür hinter ihnen. Dieses Thema hatte Ricardo offenbar schon einmal mit angehört und sie mussten kein zweites Mal daraus machen.

“Es ist so.“

Begann Noa, tief Luft holend und möglichst schnell überlegend, wie sie Cris möglichst schonend beibringen konnte, dass Rámon sich gegen eine mögliche Beziehung zwischen ihr und Cris ausgesprochen hatte.

“Mein Bruder ist nicht dein größter Fan.“

Sie standen sich in dem äußerst schmalen Gang vor dem Cockpit gegenüber, berührten sich fast, obwohl es ausnahmsweise einmal nicht in ihrer Absicht lag.

“Das ist nicht persönlich gemeint, aber er sorgt sich eben um mich.“

Noa zuckte mit den Schultern. Nichts war verständlicher als das, oder? Große Brüder waren da, um auf ihre kleinen dummen Schwestern aufzupassen. Aber natürlich war Cris nicht dumm. Es würde eins und eins zusammen zählen und auf den Grund kommen, was Rámon besonders an ihm störte. Noa seufzte.

“Rámon tut selbst viel für den Widerstand.“

Erklärte sie leise, nur für den Fall, dass die Cockpittür doch nicht so dick war, wie sie sein sollte, oder falls zufällig Thalia um die Ecke kommen sollte, um nach ihrem Sohn zu suchen.

“Und er arbeitet jeden Tag im Krankenhaus. Wenn einer weiß, wie es ist, seine Familie ständig alleine zu lassen und sie möglicherweise mit dem eigenen Engagement gegen das Imperium auch noch in Gefahr zu bringen, dann er. Ich denke, er fühlt sich schuldig gegenüber Thalia, weil er sie so oft alleine lässt und... er möchte nicht, dass es mir genau so geht wie ihr.“

Noa sah Cris an. Hatte sie zu viel gesagt?

“Du siehst, es ist wirklichts nichts persönliches. Es hat nichts mit dir als Mensch zu tun. Er kennt dich ja nicht einmal.“

Das stimmte. So weit Noa wusste, hatten Cris und Rámon sich nie wirklich kennen gelernt, abgesehen von damals, als Rámon Cris' Wunden behandelt hatte, aber da hatten sie vermutlich keine tiefgehenden Gespräche miteinander geführt.

“Es wäre ihm halt lieber, wenn ich einen Mann mit einem bodenständigen Beruf fände.“

Noa grinste, bemüht, Cris aufzuheitern.

“Einer, der Bäcker ist vielleicht, oder... Schrotthändler!“

Sie legte ihm die Arme um den Hals, ganz mühelos, da sie ohnehin so dicht vor ihm stand.

“Mach du dir jedenfalls keine Gedanken darüber. Dir muss nur wichtig sein, was ich denke. Und ich bin schließlich hier, oder nicht?“

- Hyperraum – „Empress of Blades“ - Gang vor dem Cockpit – Mit Cris -
 
- Hyperraum – „Broken Mirror“ - Kims Quartier – Mit Kim -

Akemi Akanato stand auf einem leicht erhöhten Podest, die Arme zu beiden Seiten weit von sich gestreckt, während Kim, Co-Piloten der „Broken Mirror“, aber in erster Linie Akemis Stylistin, an ihrem Kleid herum zupfte.

„Ich müsste hier einen halben Zentimeter weg nehmen, dann ginge es.“

Sagte sie, ein Stück des roséfarbenen Stoffes zwischen Daumen und Zeigefinger klemmend, um Akemi zu zeigen, wie das Ergebnis aussehen würde. Der Blick der Schauspielerin war geradeaus in den Spiegel gerichtet. Sie trug eine wunderschöne Kreation aus dem Hause Aberazy, einem der edelsten Designer auf Naboo. Vor ihrem Abflug hatten sie nicht mehr die Zeit gehabt, sich für ein Kleid zu entscheiden, das Akemi auf dem Siegesball zu Corellia tragen würde, daher hatte Kim die Vorauswahl, die sie bereits getroffen hatte, mit an Bord der „Broken Mirror“ gebracht, wo sie genug Zeit für das finale Fitting hatten, alles ausprobieren, hin und her überlegen und sich irgendwann – hoffentlich – entscheiden würden.

“Ich mag das Kleid wirklich sehr. Die Farbe ist toll.“

Akemi bewegte leicht ihre Hüfte und ließ den langen Rock, der sanft ihre Beine umflatterte, von einer Seite zur anderen fliegen.

“Und ein bisschen fühle ich mich wie ein Bonbon.“

Sie stieg von dem Podest herunter, auf das sie hatte klettern müssen, damit die Stylisten bequem an ihrem Kleid hatte arbeiten können.

“Beide Entwürfe sind toll.“

Gab die Naboo zu.

„Wenn es aber um den Glamourfaktor geht...“

Sie brach ihren Satz nachdenklich ab und ihr Blick schwankte zwischen dem Kleid, das Akemi trug und einem weiteren, das es ebenfalls ins Finale geschafft hatte, hin und her. Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihre Überlegungen und Richard erschien.

„Na, störe ich?“

Fragte er. Akemi grinste.

“Guck mal, wie gefällt dir das?“

Wollte sie wissen und drehte sich in ihrem Kleid um die eigene Achse, was zur Folge hatte, dass sie damit auch die angedeutete Schleppe leicht eindrehte.

“Findest du, ich sollte das hier tragen, oder das Blaue, das da hängt?“

„Das ist eine Fangfrage, nicht wahr?“

Schmunzelte Richard, der schon vor Jahren von Ecile gelernt hatte, dass man in solchen Situationen vorsichtig sein musste. Wenn eine Frau wissen wollte, in welchem Kleid sie besser aussah, gab es meistens nur falsche Antworten. Akemi lachte.

“Nein, wirklich nicht! Sag mir, welches du hübscher findest.“

Bat sie. Richard kam auf sie zu, betrachtete sie in dem zartrosa Traum und hob ihre Hand an seine Lippen.

„Zieh an, was du magst.“

Sagte er zärtlich.

„Du siehst in allem bezaubernd aus.“

Er sah sie an, dass ihr warm ums Herz wurde, drehte sich um und schickte sich an, die beiden jungen Frauen wieder alleine zu lassen.

„Ach ja, Venecia lässt zum Abendessen rufen. Ihr beeilt euch besser, ich würde sie nicht warten lassen.“

Er zwinkerte Akemi zu und wenn sie sich zuvor noch nicht auf den Ball gefreut hätte, spätestens jetzt würde sie es tun. Richard Cohn war der perfekte Gentleman. Sie war froh, dass sie an jenem Tag nach Dee’ja Peak gefahren war, um ihn zu sehen. Wieder mit ihm zusammen zu sein und alles mit ihm zu teilen, machte ihr Leben perfekt.

- Hyperraum – „Broken Mirror“ - Kims Quartier – Mit Kim -
 
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