Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse

Eowyn wagte es nicht, auszuatmen, als Rornan wieder übernahm. Noch immer war sie im Fokus der Galaxis, und jede einzelne, kleine Bewegung würde unter Umständen analysiert werden, das war ihr bewusst.
Dennoch griff sie nach dem Glas Wasser, das vor ihr neben dem Mikrofon stand, um ein paar Schlucke ihre Kehle hinunterzuzwingen. Ihr Mund war so trocken, Tatooine war nichts im Vergleich dazu, und das Wasser würde kaum etwas nutzen, aber es war... nun ja, besser als eben nichts. Außerdem war ihre Stimme noch immer zerstört, das viele Sprechen ließ sie nur noch kratziger wirken. Sie musste irgendwie dagegen angehen...
Sie hatte aber nicht lange Zeit, bis der erste Journalist aufgerufen wurde und gleich mit Vorwürfen begann. Verflucht, Rornan kannte doch viele der Journalisten. Hätte er nicht jemanden wählen können, der etwas moderater war, so für den Einstieg? Nein, es ging gleich zur Sache - er warf ihr den Krieg vor, etwas, von dem sie selbst gerade dabei war, anzuerkennen, dass dem
nicht so war. Er verdrehte die Tatsachen, ließ relevante Punkte aus, und Eowyn wusste, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde, darauf zu antworten. Sie war nun einmal keine Diplomatin, und es war ein riesiger Fehler, dass sie hier saß... aber sie musste da durch. Und sie würde da auch durchkommen. Weil sie stark war. Und Elise glaubte an sie... Weitere Fragen kamen. An sie, an Wes, an Ian. Ihr schwirrte der Kopf, und sie war dankbar dafür, dass die Fragen alle sortiert vor ihr erschienen. Sie hätte es einfacher gefunden, wäre man Frage für Frage vorgegangen, doch der Vorteil dieser Methode war es, dass man Zeit hatte, sich Antworten zurecht zu legen, und gerade für den ersten Journalisten, den Rodianer, würde sie das tun müssen.

Vielleicht wusste Wes das auch, oder er ahnte es, denn er schenkte ihr Zeit, indem er sofort damit begann, auf die Twi'lek einzugehen. Außerdem umschiffte er dadurch das Problem, sofort die aggressiven Fragen beantworten zu müssen.
Sie hörte ihm zu, während sie gleichzeitig versuchte, irgendwie einen Schlachtplan auszuarbeiten, doch sie spürte, wie die erste Ansprache schon viele ihrer Kraftreserven verbraucht hatte. Stang. Sie brauchte mehr Konzentration... Aber Wes machte seine Sache verdammt gut. Wie eloquent er der Journalisten klarmachte, was selbst ein Miraluka sehen konnte... Verflixt, wieso waren viele so naiv? Natürlich war Transparenz furchtbar wichtig, aber genau deshalb
saßen sie jetzt doch auch hier. War ihr nicht klar, was geschehen wäre, wenn sie alles immer sofort offengelegt hätten?! Wie gut, dass Wes den meisten Teil der Antwort übernahm, obwohl auch sie angesprochen war, denn Eowyn war sich nicht sicher, ob nicht etwas ihrer Ungeduld durchgebrochen wäre. Er hingegen belehrte, ohne belehrend zu wirken, und Eowyn wurde wieder einmal klar, wieso er ein Rat war und sie nicht.

Es wurde allerdings Zeit, dass auch sie etwas dazu sagte - und zwar, was die konkrete Situation anging.
Ich weiß, begann sie möglichst ruhig, dass es von außen nicht so aussehen wird, und ich verstehe, dass Unruhe und Zweifel herrschen, was das Vorgehen des Rates und die Kontrolle angehen. Aber Sie alle können sich sicher sein, dass meine Taten vom Rat sehr wohl sorgfältig beäugt und besprochen worden sind, und diese Untersuchung ist noch zu keinem Abschluss gekommen, sie laufen noch an. Das bedeutet wiederum natürlich nicht, dass ich nicht grundsätzlich das Vertrauen des Rates genieße, von wegen, sondern dass alles seinen üblichen Weg läuft, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Sollte entweder der Rat oder auch der Senatsausschuss zu dem Ergebnis kommen, dass ich fahrlässig, falsch oder den Interessen der Jedi und der Republik zuwider gehandelt habe, dann wird es Konsequenzen geben, die ich selbstverständlich bereit bin zu tragen. Ich kann nicht ohne Konsequenzen frei nach Laune handeln, niemand im Orden kann das.

Und was Rat Janson
, sie blickte kurz zu ihm hinüber, bereits angesprochen hat über die Handhabung solcher sensibler Informationen, traf ganz besonders auch auf Bastion und später auf Kast zu. Wir konnten uns für Bastion keine Erlaubnis des Senates holen, die Mission wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Genauso, wenn wir offenbart hätten, welche so wertvollen Informationen uns Ian Dice zugespielt hatte. Hätten die Sith geahnt, dass wir vom Ursprung des Virus wussten, dann hätte man uns dieses riskante Schauspiel niemals abgenommen und niemand wäre lebend von Bastion zurückgekehrt - und noch viel schlimmer, Ian hätte das Ursprungsvirus nicht bergen können und immer noch würden täglich tausende sterben. Geheimhaltung war zu diesem Zeitpunkt leider absolut notwendig.
Ähnlich war es, was die Folgemission nach Kast anging. Natürlich hätte ich den Rat via Kom kontaktieren können, aber Sie wissen alle, dass auch die besten und sichersten Verbindungen gehackt werden können. Bedenken Sie, ich war wochenlang abgeschottet auf Bastion in einer Zelle - ich konnte nicht mit Sicherheit sagen, welche Verbindungen noch sicher sind und welche nicht.

Unsere Grundlage war der Überraschungseffekt. Hätte man meine Nachricht abgefangen und dekodiert, dann wäre alles verloren und ich hätte mein Team in den sicheren Tod geführt. Absprachen sind notwendig - aber sie sind nicht in hundertprozentig allen Fällen möglich. Und was die Ausnahme angeht, so hoffe ich, dass es in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten oder hoffentlich nie wieder zu einer solchen Ausnahme kommen muss. Meines Wissens nach ist dies auch noch nie geschehen.


Sie sprach so furchtbar ungelenkt. Es fiel umso mehr auf, da sie direkt nach Wes geredet hatte, aber sie konnte nichts daran ändern. Würde sie nun noch länger Rätin sein müssen, dann musste sie bei Rornan ein paar Nachhilfestunden erfragen. So ging es nicht, sie war viel zu... unbedarft. Und sie wusste nicht, wie sie so formulieren konnte, dass es logisch, durchdacht und sinnvoll klang... Beinahe hätte sie geseufzt, konnte es aber gerade noch bleiben lassen.

Sie gönnte sich eine dringend notwendige Pause und nickte Wes zu, welcher sogleich übernahm und das ganze Virusthema ins Auge nahm. Sie hatte nicht den blassesten Schimmer von diesen ganzen Dingen, und sie war zwar adressiert worden, aber Wes war der einzige, der dazu etwas sagen konnte. Vor Bastion hatte sie sich voll und ganz auf eben jene Mission gestürzt, und hinterher... verflucht, sie war halbtot im Bett gelegen, woher sollte sie das wissen? Andererseits war den Leuten da unten vermutlich auch nicht bewusst, wie wenig sie mitbekommen hatte in den letzten Tagen.

Sie konzentrierte sich nun wieder darauf, sich gleich dem Rodianer zu stellen und machte unmerklich ein paar kurze Atemübungen. Stark... stark und sicher und selbstbewusst. Und was sie getan hatten... das war richtig gewesen.
Schließlich war sie wieder an der Reihe.


Herr Vos... Wäre es Ihnen wirklich lieber gewesen, ich hätte die Alternative gewählt? Nehmen wir einmal an, ich wäre wie geplant mit meinem Team nach Coruscant geflogen. Unsere Flucht von Bastion wäre aufgeflogen. Wir hätten berichtet, aber der Imperator wäre in Alarmbereitschaft gewesen. Können Sie ausschließen, dass er das Virus, welches bereits fertig und bereit in seinen Händen lag, zu diesem Zeitpunkt nicht freigesetzt hätte, ohne, dass wir dazu gekommen wären, irgendetwas zu unternehmen? Eowyn blickte dem Rodianer in die Augen. So gut es ging. Wären Sie bereit gewesen, dieses Risiko zu tragen - das Risiko, dass Milliarden, Billiarden, Trilliarden Lebewesen sterben? Denn das war das Ziel. Das Ziel war es, so gut wie alles Leben in der Galaxis auszulöschen.

Aber nehmen wir an, es wäre alles gutgegangen. Er hätte es nicht sofort freigesetzt, wir hätten dem Senat unsere Bedenken vorgetragen, der Senat hätte eine diplomatische Anfrage gestellt... meinen Sie, man hätte uns mehr Glauben geschenkt als jetzt? Und hätte man, meinen Sie, der Imperator hätte dann eingewilligt, das neue Virus nicht freizusetzen? Ich kann es nicht sicher beurteilen. Ich besitze nicht die Gabe der Vision, und außerdem ist die Zukunft nicht konkret definierbar. Aber von dem, was Sie von Imperator Allegious wissen... meinen Sie, er hätte zugegeben, dass dieser Schritt zu weit geht, er hätte sich einer Untersuchung gestellt, das Virus zerstört?


Eowyn ließ ihren Blick über die Menge gleiten. Ich kann es nicht sagen, auch wenn ich offensichtlich eine Vermutung habe. Aber ich bitte Sie alle, sich einmal diese Frage zu stellen. Wäre die Alternative wirklich besser gewesen?
Ich verabscheue Krieg. Ich bin Jedi geworden, um zu schützen, um zu hüten, nicht um anzugreifen. Aber der Krieg bestand die ganze Zeit. Er war nie fort. Der Friedensvertrag war eine Lüge, eine groß angelegte Falle, in die auch mein Orden getreten ist.

Ja, ich habe den Imperator ohne Mandat getötet. Ob Sie es mir glauben oder nicht - ich habe an diesem Tag überhaupt das erste Mal bewusst getötet. Und in meinen Augen, ja, da war die Notwendigkeit gegeben. Denn hätte ich mir ein Mandat geholt, dann wäre alles nicht mehr möglich gewesen. Der Überraschungseffekt, Sie erinnern sich.


Wieder ließ Eowyn den Blick schweifen, während ihr Herz wie wild klopfte. Hätte ich nichts getan... wären dann nicht auch Stimmen laut geworden, die mich gefragt hätten, weshalb ich angesichts einer solchen Bedrohung nicht handelte, sondern mich feige zurückzog und die Galaxis ihrem Schicksal überließ? Die mich gefragt hätten, weshalb ich die Republik nicht vor dem sicheren Tod geschützt habe? Die mir gesagt hätten, dass man manchmal auch ein Risiko eingehen muss, um zu schützen, was man liebt? Die mir gesagt hätten, dass ich doch wusste, was kommen würde, dass ich wusste, dass all die Planeten fallen würden, weshalb ich dann meine eigene Integrität über das Wohl der Galaxis gestellt habe?

Ich stehe zu dem, was ich tat. Ich hätte mich gestellt, als Imperatorin Vendar meine Herausgabe forderte, genau wie Brianna Kae dazu bereit war. Ich wurde gebeten, es nicht zu tun, da man davon ausging, dass unser alleiniger Tod nichts ändern würde, eher im Gegenteil.

Herr Vos... Sterbende auf Kashyyyk sind eine Katastrophe. Handelsschiffe in den Häfen, Grenzsysteme in Alarmbereitschaft, all das, was uns vermutlich noch bevorsteht, ist schrecklich sondersgleichen und ich trauere um jede Person, die auf Grund dieses Krieges ihr Leben verliert. Aber... dass wir überhaupt noch kämpfen können, das ist die Folge dessen, was ich tat. Denn wir sind noch am Leben, und wir kämpfen nicht stündlich vergeblich darum, erneut Tausende zu verlieren.


Sie wollte nicht so dick auftragen. Es könnte sein, dass es arrogant rüberkommen würde... und vor allem war es nicht gerechtfertigt, da die Entscheidung ohnehin Ahna getroffen hatte. Eigentlich hatte sie nicht so viel von diesem ganzen Entscheidungsprozess reden wollen, aus genau diesem Grund. Aber was blieb ihr übrig... es war wohl naiv gewesen zu glauben, sie könnte das umschiffen.
Und außerdem hatte sie jetzt genug geredet, fand sie, zumindest was diesen Rodianer anging. Blieb allerdings noch Lira Denova. Welche sich direkt an sie gewandt hatte... logischerweise. Trotz dessen, dass alle abwarteten, nahm Eowyn einen weiteren Schluck Wasser. Sonst würde sie bald ihre Zunge überhaupt nicht mehr lösen können von ihrem Gaumen... und wer bei allen Sonnen hatte diese Roben aus so dickem Stoff hergestellt? Sie musste eigentlich raus aus ihr, es war so
unglaublich heiß, aber... Durchhalten, sie musste durchhalten. Das hier war doch nichts im Vergleich zu Than... Shavit. Atmen. Atmen... Sie schloss kurz ihre Augen, atmete einmal tief ein und aus, und stellte sich Ians Gesicht vor ihrem inneren Auge vor. Sie musste diese Bilder von Bastion und der Folterung irgendwie ersetzen und loswerden, und etwas anderes fiel ihr auf die Schnelle nicht ein.
Ian.
Und jetzt wieder Lira Denova.

Und los.

Sie öffnete die Augen und suchte die Alderaanerin in der Menge. Das hier würde hoffentlich einfacher werden.


Ihre Fragen sind durchaus berechtigt, nickte Eowyn Donova zu. Aber ich denke, ich kann sie recht schnell beruhigen. Die Sache ist die, dass ich in dem Moment, als ich erkannte, dass ich mich eventuell in einem Interessenskonflikt vorfinden könnte, von allen Entscheidungen, die Ian betrafen, zurückgetreten bin. Gut, genaugenommen war es nur die Verantwortung für seine Überwachung gewesen, aber das hier war nicht falsch und klang ein wenig besser. Die Entscheidungen, ihn in operative Abläufe einzubinden oder darüber, wie seine Worte gewichtet wurden, lagen niemals bei mir, zu dem Zeitpunkt war ich noch gar nicht Mitglied des Rates. Demnach musste es auch keine Prüfung über Interessenskonflikte geben. Bei Fragen meinerseits, wie ich mich zu verhalten habe, habe ich das Gespräch mit dem Rat gesucht. Eine nette Formulierung für ihr Versagen bei Duval, aber es kam hin.
Sie haben durchaus Recht, dass Nähe immer ein Risiko birgt. Sie ist auch eine Chance, aber definitiv ein Risiko, weshalb ich bewusst keine Entscheidungen mehr traf, die ihn betrafen. Wortdoppelung... das hätte sie eleganter ausdrücken können!

Was die Chancen angeht, so kann man dies in dem Vertrauen sehen, welches wir ineinander auf Bastion hatten. Und ich denke, die meisten von Ihnen werden mir zustimmen, dass alleine schon die Tatsache, dass ich den Mann, den ich liebe, einer solchen Situation aussetze, zeigt, dass ich das Wohl der Galaxis über das meine gestellt und keinerlei Interessenskonflikt zugelassen habe. Bastion war der letzte Ort, den eine Person wie Ian aufsuchen sollte, aus mehreren Gründen, doch es war sein Vorschlag, der letztendlich alles auslöste. Die Chancen, dass er diesen Einsatz nicht überlebt, waren äußerst hoch. Ein kleiner Fehler, und er wäre aufgeflogen - und mit dem Geständnis heute wird er ganz oben auf der Fahndungsliste landen. Dennoch haben wir entschieden, dass diese Möglichkeit, völlig unabhängig von meinen persönlichen Ansichten und Bindungen, viel zu wichtig ist, um sie nicht dem Rat vorzutragen. Ab da war ich nicht mehr in die Entscheidungsfindung bezüglich der Mission eingebunden.

Ich weiß mit Sicherheit, dass Ian Dice die Wahrheit sagte, so wie er sie kennt - die Macht hat einige nützliche Vorteile, was diese Sache angeht. Außerdem habe ich angesichts der weiteren Ereignisse rund um das Virus keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass irgendetwas, was er sagte nicht korrekt war. Ganz im Gegenteil - nur durch seine frühzeitige Information hatten wir überhaupt erst diese Möglichkeiten. Da ich allerdings keinerlei sicherheitspolitische Entscheidungen getroffen habe, kann ich guten Gewissens sagen, dass diese Nähe keinen Einfluss hatte.


Was für Umschreibungen! Wieder der Griff nach dem Glas. Sie schien die einzige zu sein, die trank, und womöglich würde es unangenehm auffallen, aber sie hatte keine Wahl. Ihr Hals schmerzte mittlerweile richtig, ihre Stimme wurde immer kratziger und rauer, und wieder einmal wünschte sie sich, sie hätte Ians Fähigkeiten zum Heilen. Wobei auch diese einen so zerstörten Hals wie den ihren wohl nicht innerhalb dieser Konferenz herrichten konnten.
Auf jeden Fall hoffte sie, dass sie alle Fragen, die an sie gerichtet waren, beantwortet hatte, und wandte sich das erste Mal seit Beginn der Konferenz Ian zu. Er fehlte noch. Aber sie war sich sicher, er würde es genauso souverän hinter sich bringen wie Wes, der Schwachpunkt in diesem Quartett war ganz definitiv sie.


Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Meditationsraum, mit Draen

Draen brauchte einen Moment, um ihre Frage nach der politischen Ausrichtung seines Heimatplaneten zu beantworten. Ups. War sie da in irgendein Fettnäpfchen getreten? Schien so... imperial, aber im Herzen blieb es frei? Einerseits schön, wenn Planeten nicht ihre Freiheit aufgaben, andererseits konnte das natürlich übel enden.

"Also... war Tirahnn mal republikanisch? Tut mir Leid das zu hören..."

Es war immer übel, wenn Planeten einfach übernommen wurden, obwohl sie gar nicht unter diese Regierung passten. Wobei das leider auf einige imperialen Planeten zutraf.
Sie berichtete dann von ihrer eigenen Heimat und von Lianna. Draen sah sie an, aber sie war sich nicht sicher, was hinter seiner Stirn vorging. Ob er es seltsam fand, dass sie keine wirkliche Verbindung zu ihrem Heimatplaneten hatte? Naja, Heimat war irgendwie mehr als ein Planet, fand sie. Man konnte sich nicht aussuchen, wo man geboren wurde, man konnte sich nur aussuchen, wo man sich wohlfühlte. Und für Sarina war das da, wo die Jedi waren und da, wo ihre Familie war. Vor allem. Am liebsten hätte sie letztere hier auf Coruscant, vor allem jetzt, wo das Virus nicht mehr existierte, aber ihre Schwester wollte nicht in dieser überfüllten Stadt Kinder großziehen. Naja, konnte sie schon gut verstehen.


"Das klingt irgendwie schön", antwortete sie. "Aber ich denke, die Jedi sind meine Heimat und meine Familie auch, dafür brauche ich persönlich keinen Planeten. Aber vermutlich ist das so, wenn man so aufwächst wie ich. Oder zumindest kann es so sein."

Wie es wohl war, wenn man so viel mit einem Planeten verband?

"Bist du dann nicht sehr betrübt, falls du hier anfängst und Tirahnn erst mal verlassen musst?"

Sarina begann dann, ihm eine kleine Einführung ins Tempelleben zu geben. Draen schien das alles noch nicht ganz glauben zu können, was ja auch echt verständlich war. Heute früh war er noch aufgewacht in dem Glauben, bald wieder nach Tirahnn zu fliegen, und jetzt das. Meine Güte. Sie wollte gar nicht wissen, wie es in ihm aussehen musste.

"Manchmal dauert es auch ein Weilchen mit dem Meister, es kommt immer drauf an, wer hier gerade so rumlungert. Und überhaupt bereit ist, einen Padawanplatz zu vergeben. Ich bin's zum Beispiel noch nicht, ich könnte zwar, aber mal ehrlich, ich sollte lieber noch ein bisschen Erfahrung sammeln, bevor ich die dann weitergebe. Weil aktuell habe ich noch nicht so viel zum weitergeben. Aber ja, es ist ziemlich cool jemanden zu haben, der einem immer weiterhilft. Zumindest meistens. Ganz selten kommt's schon mal vor, dass es nicht so gut passt, aber das macht dann auch nichts, man kann durchaus auch den Meister wechseln."

Sie erzählte auch davon, wie die Getränkelage hier so aussah, und erkannte das Schmunzeln auf Draens Gesicht. Ach ja, stimmte ja, er war Medizinier... die tranken wohl alles, bis hin zu Schraubenöl. Aber... TEE?! Sie hob SEHR überrascht die Augenbrauen.

"Ähm... also Tee ist bisher nicht so meins. Aber vielleicht hatte ich bisher auch noch nicht die richtigen?" Schließlich musste sie ja offen sein, nicht wahr?

Eine kurze, friedliche Stille trat ein, bis Draen sich entschloss, eine Frage zu stellen. Eine, die gar nicht so einfach zu beantworten war, aber ziemlich klug, in Sarinas Augen. Hm. Wo fing sie da nur an?!


"Also... was das körperliche angeht, das ist in der Regel dann kein Problem. Nicht alle Spezies sind sowieso darauf ausgelegt, körperlich total agil zu sein. Grundsätzlich sollte jeder Jedi das halt können, aber wenns mal nicht geht, dann geht's nicht. Deshalb ist man kein schlechterer Jedi, es ist nur ein Aspekt. Nehmt Rätin El'mireth, sie sitzt wohl seit ihrer Rückkehr im Schwebestuhl. Trotzdem wird sie sicher Rätin bleiben, ihre Expertise bleibt ja bestehen. Es wäre zu absurd, sie deshalb herauszuwerfen oder so.

Wenn man etwas nicht versteht, das ist schon komplexer. Oder Schwierigkeiten. Also auch das... nicht jeder Jedi beherrscht jede Technik. Die allermeisten haben ein, zwei oder drei Dinge, die sie richtig gut können, dann beherrschen sie die meisten Basics und so gut wie jeder hat was, was er überhaupt nicht kann. Ist wie im normalen Leben auch... In der Medizin gibt's sicher auch Sachen, in denen manche richtig gut sind und andere nicht, oder? Ich meine, Neurochirurgen haben ganz andere Felder als eine Kinderärztin. Man sollte natürlich versuchen, die blinden Flecken so gut es geht anzugehen, aber was am Ende nicht geht, geht nicht. Ein Blinder wird nicht sehen können, verstehst du? Aber Möglichkeiten, damit umzugehen. Und klar gibt's auch Jedi, die jetzt eben keine Überflieger sind, aber das macht nichts. Es gibt für jeden hier seine Aufgabe. Nehmt mich."


Sie grinste.

"Bis ich meinen Weg gefunden habe, laufe ich rum und führe Anwärter durch den Tempel, ist doch auch was.

Jedenfalls... komplexer wird's, wenn man was moralisch nicht versteht oder so. Also da wird's schon ein bisschen kritisch. Es ist nicht so, dass der Kodex unumstößlich über allem schwebt oder dass man nicht seine Meinung äußern darf, aber die ungefähre Linie des Ordens muss schon beibehalten werden, sonst gibt's im Notfall Gespräche mit dem Rat. Und dann die Sache mit der dunklen Seite, also da muss man schon sehr aufpassen und die Leute achten sehr drauf. Finde ich aber auch richtig so. Das kann nämlich ganz schön ins Auge gehen.

Alles klar so weit?"


Puh, das war jetzt schon wieder ne ganze Menge gewesen.

"Dir muss ja echt schon der Kopf rauchen, tut mir Leid."

Coruscant - Jedi-Tempel - Meditationsraum, mit Draen
 
Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Eowyn und Rornan (NPC), Malek, Presse



Für Ian war es erleichternd, all das sagen zu können, was er schon gestern unbedingt hatte sagen wollen. Dabei hatte er noch immer keine Ahnung, wie die ganzen Zuhörenden reagierten. Er verbat sich, zu genau in die Menge zu sehen und nachzuspüren, denn Ian wusste, was noch folgen würde, würde ihnen alles abverlangen. Noch sprachen sie über die Tatsachen, noch berichteten sie. Dann würden Fragen – und vor diesen, das konnte der Mann unumwunden zugeben, fürchtete er sich wirklich.

Jetzt aber war Eowyn an der Reihe, aus ihrer Perspektive zu berichten, und während sie sprach, musste Ian sich bemühen, seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten. Die Eowyn, mit der er bisher gesprochen hatte, die, die so zerbrochen schien, die überzeugt davon war, nicht mehr zu existieren, schien entweder sehr gut versteckt oder verschwunden. Selbstbewusst sprach sie davon, vor einer existenziellen Entscheidung gestanden zu haben. Der, sofort zu handeln oder den langen Weg der Verhandlungen zu gehen, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Millionen das Leben gekostet hätte. Nichts von dem, was sie sagte, wirkte einstudiert und wenn, dann war Eowyn seit gestern zur besten Schauspielerin des Jedi-Ordens avanciert. Ian hoffte, dass all das, was sie beinahe selbstverständlich von sich gab, nicht nur Worte waren, um die Massen zu beruhigen, sondern Wahrheiten, die sie selbst fühlte. Die nicht nur ihr Verstand formulierte, sondern ihr Herz.

Sie schockierte ihn noch mehr, als die Presse schließlich die Erlaubnis bekam, Fragen zu stellen.

Während Wes klang, als führte er solche Konferenzen tagtäglich, klang Eowyn weiter weder wie die alte Eowyn noch wie die neue. Sie klang … Doch. Sie klang wie die Eowyn, die schon immer da gewesen war, die sich jedoch zu oft versteckte hinter Zweifeln und Ängsten. Sie klang aufrichtig, ehrlich, und all das half Ian immens darüber hinweg, sich nicht über die Fragen zu ärgern, die gestellt worden waren. Etwas in ihm verdrängte nahezu jedes Gefühl, denn er musste aufmerksam sein. Hören, was die Presse wissen wollte, hören, was Eowyn und Wes antworteten, und sie schlugen sich gut. Sekunden versuchte Ian so zu tun, als sei er selbst ein Unbeteiligter, gab diesen Versuch aber schnell wieder auf. Viel zu sehr nahm ihn mit, was Eowyn zu sagen hatte. Nicht zuletzt war es ein einfacher Satz, der für die Menge belanglos sein musste.

Dass ich den Mann, den ich liebe.

Ian musste blinzeln und spürte, wie sein Mundwinkel unwillkürlich zuckte. Beinahe hätte er den Rest ihrer Worte nicht mitbekommen. Den Mann, den sie liebte.

Nach zwei Infarkten, nach dieser Mission, nach zwei beinahe Toden waren diese Worte die ersten, die dafür sorgten, dass sich Ians Herz nicht weiter wund anfühlte. War der Schrittmacher wie ein Fremdkörper, glich dieses Eingeständnis einer Umarmung. Beinahe hätte der Dunkelhaarige verpasst, dass das folgende Schweigen ihm signalisierte, dass er an der Reihe war, die Fragen zu beantworten, die er vor sich noch einmal lesen konnte.

Kreel Vos hatte mehr Vorwürfe als Fragen an ihn gerichtet und dennoch, er war der erste gewesen und würde auch der erste sein, dem Ian Rede und Antwort stand.


„Ich erwarte nicht, dass die Republik mir glaubt“, war das Erste, was Ian an ihn und schließlich an alle gerichtet mit fester Stimme aussprach. „Meine Kleidung“, und er deutete auf seinen Anzug, „mag weiß sein, aber nichts davon täuscht über das hinweg, was ich bereits gesagt habe: Ich bin ein Schuldiger. Wie viele Operationen ich im Namen des Imperiums durchgeführt und wie viel Leid ich verursacht habe?“

Ians Stimme wurde fester, genau wie sein Blick, beinahe unerbittlich.

Zu viele. Ich bin jahrelang ein Sith gewesen und es ist kein rhetorisches Mittel, wenn ich abermals dazu stehe, dass ich schwerwiegende Fehler begangen habe. Was ich Ihnen allen eben gegeben habe, sind Namen und Orte, Fakten, die überprüft werden können. Wäre das, was ich sage, eine Lüge, könnte das Imperium dem einfach widersprechen. Ihre Recherchen werden ergeben, dass ich auf der Reliant und der Valkyre war. Eine Probe meiner Unterschrift wird bestätigen, genau wie mein Namensanagramm, dass Ian Dice und Acini Ed ein und dieselbe Person sind. Da, wo ich meine Worte bestätigen kann, tue ich es. Überprüfen Sie alles, was ich sage. Fragen Sie, was auch immer Sie wollen. Ich habe nichts zu verbergen und ja, Sie haben guten Grund, meine Worte in Frage zu stellen.“

Zumindest die Fakten über die Vorverhandlungen sprachen für ihn und war nicht die Tatsache, dass er damals als falscher Botschafter aufgetreten war, um in Vorverhandlungen für den Frieden zu treten, ein Beweis, dass das Imperium gelogen hatte?

Nicht nur in Ians Logik musste das Sinn ergeben – den Anwesenden konnte das nicht entgehen. Vorverhandlungen mit gefälschten Namen konnten nicht ehrlich sein.

Eigentlich war es nur noch ein Reporter, der Bothan, der eine direkte Frage an Ian formulierte, doch der ehemalige Sith wollte ausholen, musste ausholen.


„Bevor ich auf Ihre Frage zu sprechen komme, Herr Venn, muss ich etwas voranstellen.“ Ian räusperte sich leise, strich sich über den ordentlich getrimmten Bart.

„Drei Fakten waren bekannt, ehe Eowyn ihre Entscheidung getroffen hat. Erstens“, Ian hob den Daumen, „das Virus war bereits ausgebrochen und hatte Milliarden das Leben gekostet. Zweitens“, der Zeigefinger folgte, „es gab zu diesem Zeitpunkt ein zweites, noch gefährlicheres Virus. Und dann, drittens“, womit sich der Mittelfinger zu den beiden anderen gesellte, „erfuhren wir vom aktuellen Aufenthaltsort des Imperators. Ich bitte Sie, diese drei Fakten noch einmal zu bedenken.“

Ian ließ nur Sekunden verstreichen, auch, weil es ihn drängte, weiter zu sprechen und jene Dringlichkeit lag auch in seinen Worten.

„Vier Milliarden Wesen hat das Virus seit Ausbruch bis Vernichtung das Leben gekostet. Vier Milliarden.“ Aber was brachte diese abstrakte Zahl, mochte er sie noch so sehr betonen, wie klang Milliarden für eine Welt wie Coruscant, auf der Billionen lebten?

Ian schloss kurz die Augen, atmete tief durch und hob dann den Blick.


„Alderaan. Alderaan beherbergt 2 Milliarden Leben. Das bedeutet, dass Alderaan zweimal gestorben ist. Nicht einmal, zweimal. Das C-Virus hat dafür gesorgt, dass Leben in einer Größenordnung von zwei Planeten vernichtet worden sind.“

Selbst für ihn war diese Zahl noch immer unfassbar.

„Zwei Planeten.“

Für Ian war diese Zahl weit mehr als das, was sie war. Sie sprachen von Leben. Von Leben, die das Imperium, die Allegious als wertlos betrachtet hatte.

„Wissen Sie, was eine vollständige Offenlegung der Beweise, eine Untersuchung und ein politischer Druckaufbau bedeutet hätten, Herr Vos?“ Sein Blick glitt zu dem Rodianer.

„Das Virus kannte keine Zeit. Ihm waren Rang und Namen und alles andere egal. Es forderte seine Opfer und jeder Tag, der verstrich, jeder Tag mehr, hätte weitere Opfer bedeutet. Nicht zehn, nicht hundert, nicht hunderttausend, sondern Millionen. Jeden Tag. Ich … ich bin kein Virologe und kein Wissenschaftler, aber ein Virus, die Erkrankungen, nichts davon verläuft linear. Die vier Milliarden, die bisher gestorben sind – und ich rede nicht von der Dunkelziffer, die es gibt, sondern von den Fakten, die vorliegen, wären nicht die höchste Zahl gewesen. Es wären mehr dahingerafft worden. Ich meine, noch mehr. Linear allein 11 Millionen am Tag. Aber die Zahl der Toten wäre exponentiell gewachsen. Das heißt nicht konstant gleich viele. Sondern immer mehr, da ein Wesen nicht nur eines ansteckt. Und zwei nicht nur zwei weitere.“

Ian spürte die Verzweiflung in seiner Erklärung und atmete abermals tief durch.

„Die Republik und die Jedi kennen Diplomatie. Aber ein Virus kennt sie nicht und lassen Sie mich eines versichern: Allegious kannte sie auch nicht. Während einer Verhandlung hätte das Virus nicht pausiert und Allegious? Zeit, die er damit gehabt hätte, hätte er genutzt. Um weiter zu vernichten. Vollumfänglich. Ich bin auf Kast nicht dabei gewesen, ich konnte nichts zu Kast sagen, weil ich zwei Herzinfarkt erlitten habe, aber Kast war unumgänglich.“

Noch immer hatte er die Frage des Bothan nicht beantwortet.

„Ich kann Ihre Fragen nicht zur Zufriedenheit beantworten, Herr Venn“, riss er sich von dem anderen Reporter los. „Die erste Variante, die Allegious mir vorstellte, ließ er vor uns auf der Stelle zerbersten. Eine schlafende Version. Es ist unwahrscheinlich, dass andere Ampullen bestehen und selbst wenn: Durch die Zerstörung des Virus sollte jede Ampulle, die noch existieren könnte, ihre Wirkung verloren haben. Es ist … nun … als hätte man den Wirt zerstört.“

Das musste in den Ohren der anderen absurd klingen, aber wie erklärte man ein Virus, das mit der Macht manipuliert worden war? Eigentlich war Ian gut darin, Metaphern zu nutzen, aber hier?

„Allegious ist tot und er war der Wirt, die dunkle Seite zusätzliche Parasiten. Das Virus verschwand mit seinem Tod und das deutet sehr sicher darauf hin, dass das Virus komplett zerstört ist.
Das Virus war kein gewöhnlicher Krankheitserreger. Allegious hatte genetisches Material mit der dunklen Seite der Macht verbunden, eine Symbiose. Der biologische Teil konnte sich verbreiten, aber der Kern, der das Ganze zusammenhielt, war an ihn gebunden. Als er starb, brach diese Verbindung zusammen.“


Was die zweite Frage betraf, Ian schüttelte den Kopf.

„Ich wünschte, ich könnte auch Ihre zweite Frage zufriedenstellend beantworten. Bisher sind keine Langzeitfolgen bekannt, aber seien wir ehrlich: Sie sind nicht auszuschließen. Die meisten Infizierten sind gestorben und diejenigen, die geheilt wurden, sind bis jetzt gesund. Was die Zukunft bringt, kann ich Ihnen nicht sagen.“

Zumal Ian bereits erwähnt hatte, weder Virologe noch Wissenschaftler zu sein.
Ian spürte die alte Müdigkeit anklopfen, aber da war noch etwas und so wandte er sich an die Twi’lek.

„Eine Republik wird nicht nur durch äußere Feinde gefährdet, das stimmt. Aber sie wird auch gefährdet, wenn zu lange gewartet wird und sie wird gefährdet, wenn wir die falschen Verantwortlichen suchen. Nicht der Rat, nicht Eowyn hat das Virus erschaffen. Sondern Wesen wie Allegious. Damit ist er verantwortlich.“ Er sah nun direkt zu ihr, ehe er laut hinzufügte, was er bereits gesagt hatte: „Und verantwortlich sind Menschen wie ich, die diesem System zu lange gedient haben.“

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Eowyn und Rornan (NPC), Malek, Presse
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Krankenstation – mit Elise

Da war ein beinahe weinerlicher Unterton in der Stimme des Chiss, hatte sich eingeschlichen, und es war unmöglich, ihn zu entfernen. Mit zu vielen Muskeln ließ sich eine Pinzette nur schwer bedienen. So war das. Unpassender Vergleich? Vielleicht. Aber nicht für Riuen, der normalerweise nur dann mit belegter Stimme sprach, wenn er krank war. Wobei – krank vor Sorge war er. Oh ja, mehr als das. Denn der Chiss sah, wie Elise noch immer kämpfte, wie sehr der Weg von Bett zu Tür zu Bett sie angestrengt hatte. Zuzusehen, wie jemand litt, für den man etwas empfand, war noch nie seine Stärke gewesen. Allzu oft hatte Riuen sogar kopflos gehandelt, wenn er unbedingt hatte helfen wollen.Hier und jetzt war das, was unbedingt helfen wollte, noch größer als er selbst. Aber hier und jetzt war auch klar, dass er mit absoluter Vorsicht handeln musste.

Sie war wach. Elise stellte es selbst noch einmal fest, und Riuen verzog das Gesicht, denn hätte er sie nicht neben sich gesehen, mit geöffneten Augen, hätte er felsenfest behauptet, dass sie in einem Traum sprach. Aus seinem. Aus ihrem. Aus einer anderen Realität. Sie war wach und er war bei ihr – aber sie war wie eine Traumwandlerin, und ein Teil des Chiss war längst auf dem Weg nach Thearterra.

Ankommen? Elise wollte, dass er hier bei ihr ankam? Riuen schüttelte unmerklich den Kopf, denn Elise wusste nicht, was es bedeutete, wenn er wirklich hier, bei ihr, ankam. Dabei machte sie es ihm beinahe unmöglich, sich gegen das Ankommen zu wehren, vor allem, als sie ihn erneut berührte, ihre Hand auf seinen Unterarm legte. Intensiver aber als diese Berührung war der Klang ihrer Worte. Ihre Frequenz war die seines Herzens – und wie absurd, wie unerträglich war es, in solch übertriebenen, romantisierten Worten zu denken, zu fühlen? Das war es auch, was ihn nicht ankommen lassen wollte. Ankommen, hier bei ihr, bedeutete noch mehr zu fühlen. Mehr Angst. Und so sehr Riuen Angst und Abenteuer liebte – er hasste gerade beides abgrundtief.

Riuen erwiderte nicht, dass auch er sich freute, bei ihr zu sein, denn diese halbe Wahrheit wäre eine Lüge gewesen. Natürlich freute er sich, neben all seiner Furcht. Diese aber war es, die ihn trieb, und mit ihr die Hoffnung, etwas tun zu können, das dafür sorgte, dass sie beide wirklich hier waren. Der Chiss wollte nicht, dass Elise ihre letzten Kraftreserven aufbrauchte, um mit ihm zu sprechen, wollte nicht, dass sie kämpfte, um überhaupt sitzen zu können. Der Albtraum, in dem sie war, war real. Sichtbar. Und ein Traum der Realität war für jeden Verstand eine Überdosis.

Ihr Nein zu seinem Plan, nach Thearterra zu reisen, war nicht schneidend gekommen und doch eindringlich genug. Bloß konnte der Chiss darauf kaum Rücksicht nehmen. Dass es dort mehr als gefährlich war, lag nicht nur auf der Hand. Elise saß als lebender Beweis neben ihm. Sie war von etwas infiziert, das in ihr wohnte; das war in jedem Fall mehr als gefährlich. Eine Präsenz, die die natürliche Ordnung aufgerissen und offen zurückgelassen hatte. Eine Beschreibung, die perfekt zu dem passte, was auch Riuen spürte.

Bis vor wenigen Minuten hatte Elise im Koma gelegen. Sie war einfach umgefallen, als er mit ihr im Garten gesprochen hatte. Sie hatten einfach gesprochen. Da war alles natürlich und in Ordnung gewesen. Und dann? Dann hatte Elise zu zucken begonnen, und niemand, kein Arzt, kein Heiler, kein Dummschwätzer, hatte helfen können.

Ja, der Riss, den diese Präsenz geschaffen hatte, war sichtbar und voller scharfer Kanten. Eine davon schnitt ihm ins Fleisch, tiefer, als es dem Chiss lieb war. Elise musste nicht sagen, dass sie beinahe gestorben war, denn er wusste es auch so, weil er es sehen und spüren konnte. Sie war nicht nur ein Schatten ihrer selbst, sondern auch ein Echo. Was da auf diesem von der Macht verfluchten Planeten geschehen sein musste, hallte bis hierher nach, haftete ihr an.

Wo war Markus, dieser Scheißkerl?

Der Gedanke an ihn hielt Riuens letzte Barriere – doch sie brach, als Elise erklärte, dass er eine Armee benötigte. Eine, die er niemals aufstellen konnte.


„Da draußen tobt ein Krieg, Elise. Ich habe… ich habe keine Armee zur Verfügung“, brach Verzweiflung durch Riuens Stimme. „Ich habe nur einen Anwärter und meinen Größenwahn, mehr ist da nicht. Aber damit werde ich ein Team aufstellen.“

Jetzt waren da ein paar Tränen, die Riuen widerwillig beiseiteschob, so wie er Elises Widerspruch beiseiteschieben wollte.

„Du bist unfair“, sagte er dann, und obwohl er bestimmt klingen wollte, klang er sanft. „Du weißt, dass ich Angst habe, dich zu verlieren. Aber schau – deswegen will ich ein Team. Nicht alleine dahin. Ein Team ist keine Armee, aber es ist eine Chance. Sag mir, wen ich mitnehmen soll. Ich überzeuge ihn. Und wir verlieren niemanden.“

Draen hatte er schon überzeugt, und es würden sich noch weitere finden lassen. Vielleicht nur zwei oder drei, aber das war definitiv besser als nichts, oder? Kein oder.

Dann zeichnete sich ein winziges Lächeln auf Elises Mundwinkeln ab, ein Anflug davon. Ihre Worte schmeichelten ihm nicht.


„Wenn ich offiziell ein Ritter bin, habe ich mehr Chancen, Elise. Was ich zwischen den Zeilen bin, spielt keine Rolle. Mein Größenwahn wirkt ansteckender, wenn ein Titel davorsteht. So funktioniert die Galaxis.“

Ein bisschen aufblasen reichte eben nicht. Damit ließ sich nicht so gut täuschen. Rang und Titel als Zusatz? Viel, viel besser.

Und während der Chiss noch immer versuchte, seine Tränen zurückzuhalten, bahnten sich Elises ihren Weg.


„Ich schäme mich nicht. Ich habe Angst. Das ist etwas anderes“, gab Riuen zu und sah Elise an.

Was ihn davon abhielt, ihre Tränen mit seinem Daumen wegzuwischen, war hingegen etwas anderes. Sie war noch immer seine Meisterin. Da war noch immer dieser Scheißkerl. Und ja, da war noch immer das, was nicht ganz bei Elise sein durfte.

Und dann war da noch die Tatsache, dass Riuen sich an nahezu keine Regeln hielt. Aber eine, die ihm heilig war, war die, niemals eine Situation auszunutzen, in der eine andere Person – aus welchen Gründen auch immer – weniger sie selbst war als sonst.


„Du musst nicht denken“, sagte er dann und lächelte nun seinerseits das erste Mal. „Ich bin hier und ich verspreche dir, nichts Dummes zu tun. Zusammen. Versprochen.“

Er zögerte einen Moment.

„Ich würde dir gerne helfen. Jetzt. Ich sehe, dass du müde bist. Soll… willst du dich legen? Ich kann bleiben, bis du eingeschlafen bist.“
Coruscant – Jedi-Tempel – Krankenstation – mit Elise
 
Coruscant | Jeditempel | Zimmer - Eriu



Eriu war gerade aus der Kantine gekommen, es hatte ein sehr leckeres Gemüseragout gegeben, als es an der Tür klopfte. Er erwartete niemanden, hatte er etwa eine Verabredung oder Termin vergessen? Nein, das war er sich sicher. Aber egal, er hatte auch nichts weiter vor und die Bibliothek konnte warten. Er ging zu Tur und öffnete. Die rote Twi’lek, die dort mit einem Lächeln stand, hatte er noch nie gesehen.

„Suilannad.“

Begrüsste er sie freundlich und nickte bei der Frage nach seinem Namen.

„Sehr gerne Meisterin Donp, bitte, setzte Euch doch. Wie komme ich zu der Ehre Eures Besuches?“

Mya kam direkt zum Punkt und Eriu war etwas verblüfft.

Es ehr mich, dass Sie und Rat Janson zu diesem Schluss gekommen sind. Mir ist bewusst, das meine Meisterin Rätin Horn sich auf unbestimmte Zeit nicht mehr um meine Ausbildung kümmern kann. Mein Volk ist sehr langlebig und daher hatte ich vor zu warten, bis Sie wieder zurückgekehrt ist. Ich hoffe es gibt dahingehend keine schlechten Neuigkeiten?“

fragte er interessiert nach.

„Zudem ist es mir bewusst, welche große Ehre es bereits war, von Rätin Horn ausgewählt zu werden, aber darf ich nachfragen, warum sie die Formulierung - von einem anderen Rat - ausgewählt haben, und nicht ein anderer Meister in Frage kommt. Sicher bin ich nicht so außergewöhnlich.

Rat Janson ist meines Wissens Ermittler, ich habe mich noch nicht wirklich festgelegt, da sich mir meine Begabung noch nicht eröffnet hat. Woraus schließen Sie daher, dass es die Schwerpunkte passen?“


Einiges an den Formulierungen der Twi’lek passte nicht ganz, auch wenn Eriu sich der Ehre der Anfrage überhaupt sehr bewusst war. Er musterte die Lethan neugierig und war gespannt auf die Antworten. Abgeneigt war er nicht wirklich, aber auch nicht gezwungen zuzustimmen.



Coruscant | Jeditempel | Zimmer – Eriu, Mya Donp
 
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