Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse

Eowyn wagte es nicht, auszuatmen, als Rornan wieder übernahm. Noch immer war sie im Fokus der Galaxis, und jede einzelne, kleine Bewegung würde unter Umständen analysiert werden, das war ihr bewusst.
Dennoch griff sie nach dem Glas Wasser, das vor ihr neben dem Mikrofon stand, um ein paar Schlucke ihre Kehle hinunterzuzwingen. Ihr Mund war so trocken, Tatooine war nichts im Vergleich dazu, und das Wasser würde kaum etwas nutzen, aber es war... nun ja, besser als eben nichts. Außerdem war ihre Stimme noch immer zerstört, das viele Sprechen ließ sie nur noch kratziger wirken. Sie musste irgendwie dagegen angehen...
Sie hatte aber nicht lange Zeit, bis der erste Journalist aufgerufen wurde und gleich mit Vorwürfen begann. Verflucht, Rornan kannte doch viele der Journalisten. Hätte er nicht jemanden wählen können, der etwas moderater war, so für den Einstieg? Nein, es ging gleich zur Sache - er warf ihr den Krieg vor, etwas, von dem sie selbst gerade dabei war, anzuerkennen, dass dem
nicht so war. Er verdrehte die Tatsachen, ließ relevante Punkte aus, und Eowyn wusste, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde, darauf zu antworten. Sie war nun einmal keine Diplomatin, und es war ein riesiger Fehler, dass sie hier saß... aber sie musste da durch. Und sie würde da auch durchkommen. Weil sie stark war. Und Elise glaubte an sie... Weitere Fragen kamen. An sie, an Wes, an Ian. Ihr schwirrte der Kopf, und sie war dankbar dafür, dass die Fragen alle sortiert vor ihr erschienen. Sie hätte es einfacher gefunden, wäre man Frage für Frage vorgegangen, doch der Vorteil dieser Methode war es, dass man Zeit hatte, sich Antworten zurecht zu legen, und gerade für den ersten Journalisten, den Rodianer, würde sie das tun müssen.

Vielleicht wusste Wes das auch, oder er ahnte es, denn er schenkte ihr Zeit, indem er sofort damit begann, auf die Twi'lek einzugehen. Außerdem umschiffte er dadurch das Problem, sofort die aggressiven Fragen beantworten zu müssen.
Sie hörte ihm zu, während sie gleichzeitig versuchte, irgendwie einen Schlachtplan auszuarbeiten, doch sie spürte, wie die erste Ansprache schon viele ihrer Kraftreserven verbraucht hatte. Stang. Sie brauchte mehr Konzentration... Aber Wes machte seine Sache verdammt gut. Wie eloquent er der Journalisten klarmachte, was selbst ein Miraluka sehen konnte... Verflixt, wieso waren viele so naiv? Natürlich war Transparenz furchtbar wichtig, aber genau deshalb
saßen sie jetzt doch auch hier. War ihr nicht klar, was geschehen wäre, wenn sie alles immer sofort offengelegt hätten?! Wie gut, dass Wes den meisten Teil der Antwort übernahm, obwohl auch sie angesprochen war, denn Eowyn war sich nicht sicher, ob nicht etwas ihrer Ungeduld durchgebrochen wäre. Er hingegen belehrte, ohne belehrend zu wirken, und Eowyn wurde wieder einmal klar, wieso er ein Rat war und sie nicht.

Es wurde allerdings Zeit, dass auch sie etwas dazu sagte - und zwar, was die konkrete Situation anging.
Ich weiß, begann sie möglichst ruhig, dass es von außen nicht so aussehen wird, und ich verstehe, dass Unruhe und Zweifel herrschen, was das Vorgehen des Rates und die Kontrolle angehen. Aber Sie alle können sich sicher sein, dass meine Taten vom Rat sehr wohl sorgfältig beäugt und besprochen worden sind, und diese Untersuchung ist noch zu keinem Abschluss gekommen, sie laufen noch an. Das bedeutet wiederum natürlich nicht, dass ich nicht grundsätzlich das Vertrauen des Rates genieße, von wegen, sondern dass alles seinen üblichen Weg läuft, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Sollte entweder der Rat oder auch der Senatsausschuss zu dem Ergebnis kommen, dass ich fahrlässig, falsch oder den Interessen der Jedi und der Republik zuwider gehandelt habe, dann wird es Konsequenzen geben, die ich selbstverständlich bereit bin zu tragen. Ich kann nicht ohne Konsequenzen frei nach Laune handeln, niemand im Orden kann das.

Und was Rat Janson
, sie blickte kurz zu ihm hinüber, bereits angesprochen hat über die Handhabung solcher sensibler Informationen, traf ganz besonders auch auf Bastion und später auf Kast zu. Wir konnten uns für Bastion keine Erlaubnis des Senates holen, die Mission wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Genauso, wenn wir offenbart hätten, welche so wertvollen Informationen uns Ian Dice zugespielt hatte. Hätten die Sith geahnt, dass wir vom Ursprung des Virus wussten, dann hätte man uns dieses riskante Schauspiel niemals abgenommen und niemand wäre lebend von Bastion zurückgekehrt - und noch viel schlimmer, Ian hätte das Ursprungsvirus nicht bergen können und immer noch würden täglich tausende sterben. Geheimhaltung war zu diesem Zeitpunkt leider absolut notwendig.
Ähnlich war es, was die Folgemission nach Kast anging. Natürlich hätte ich den Rat via Kom kontaktieren können, aber Sie wissen alle, dass auch die besten und sichersten Verbindungen gehackt werden können. Bedenken Sie, ich war wochenlang abgeschottet auf Bastion in einer Zelle - ich konnte nicht mit Sicherheit sagen, welche Verbindungen noch sicher sind und welche nicht.

Unsere Grundlage war der Überraschungseffekt. Hätte man meine Nachricht abgefangen und dekodiert, dann wäre alles verloren und ich hätte mein Team in den sicheren Tod geführt. Absprachen sind notwendig - aber sie sind nicht in hundertprozentig allen Fällen möglich. Und was die Ausnahme angeht, so hoffe ich, dass es in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten oder hoffentlich nie wieder zu einer solchen Ausnahme kommen muss. Meines Wissens nach ist dies auch noch nie geschehen.


Sie sprach so furchtbar ungelenkt. Es fiel umso mehr auf, da sie direkt nach Wes geredet hatte, aber sie konnte nichts daran ändern. Würde sie nun noch länger Rätin sein müssen, dann musste sie bei Rornan ein paar Nachhilfestunden erfragen. So ging es nicht, sie war viel zu... unbedarft. Und sie wusste nicht, wie sie so formulieren konnte, dass es logisch, durchdacht und sinnvoll klang... Beinahe hätte sie geseufzt, konnte es aber gerade noch bleiben lassen.

Sie gönnte sich eine dringend notwendige Pause und nickte Wes zu, welcher sogleich übernahm und das ganze Virusthema ins Auge nahm. Sie hatte nicht den blassesten Schimmer von diesen ganzen Dingen, und sie war zwar adressiert worden, aber Wes war der einzige, der dazu etwas sagen konnte. Vor Bastion hatte sie sich voll und ganz auf eben jene Mission gestürzt, und hinterher... verflucht, sie war halbtot im Bett gelegen, woher sollte sie das wissen? Andererseits war den Leuten da unten vermutlich auch nicht bewusst, wie wenig sie mitbekommen hatte in den letzten Tagen.

Sie konzentrierte sich nun wieder darauf, sich gleich dem Rodianer zu stellen und machte unmerklich ein paar kurze Atemübungen. Stark... stark und sicher und selbstbewusst. Und was sie getan hatten... das war richtig gewesen.
Schließlich war sie wieder an der Reihe.


Herr Vos... Wäre es Ihnen wirklich lieber gewesen, ich hätte die Alternative gewählt? Nehmen wir einmal an, ich wäre wie geplant mit meinem Team nach Coruscant geflogen. Unsere Flucht von Bastion wäre aufgeflogen. Wir hätten berichtet, aber der Imperator wäre in Alarmbereitschaft gewesen. Können Sie ausschließen, dass er das Virus, welches bereits fertig und bereit in seinen Händen lag, zu diesem Zeitpunkt nicht freigesetzt hätte, ohne, dass wir dazu gekommen wären, irgendetwas zu unternehmen? Eowyn blickte dem Rodianer in die Augen. So gut es ging. Wären Sie bereit gewesen, dieses Risiko zu tragen - das Risiko, dass Milliarden, Billiarden, Trilliarden Lebewesen sterben? Denn das war das Ziel. Das Ziel war es, so gut wie alles Leben in der Galaxis auszulöschen.

Aber nehmen wir an, es wäre alles gutgegangen. Er hätte es nicht sofort freigesetzt, wir hätten dem Senat unsere Bedenken vorgetragen, der Senat hätte eine diplomatische Anfrage gestellt... meinen Sie, man hätte uns mehr Glauben geschenkt als jetzt? Und hätte man, meinen Sie, der Imperator hätte dann eingewilligt, das neue Virus nicht freizusetzen? Ich kann es nicht sicher beurteilen. Ich besitze nicht die Gabe der Vision, und außerdem ist die Zukunft nicht konkret definierbar. Aber von dem, was Sie von Imperator Allegious wissen... meinen Sie, er hätte zugegeben, dass dieser Schritt zu weit geht, er hätte sich einer Untersuchung gestellt, das Virus zerstört?


Eowyn ließ ihren Blick über die Menge gleiten. Ich kann es nicht sagen, auch wenn ich offensichtlich eine Vermutung habe. Aber ich bitte Sie alle, sich einmal diese Frage zu stellen. Wäre die Alternative wirklich besser gewesen?
Ich verabscheue Krieg. Ich bin Jedi geworden, um zu schützen, um zu hüten, nicht um anzugreifen. Aber der Krieg bestand die ganze Zeit. Er war nie fort. Der Friedensvertrag war eine Lüge, eine groß angelegte Falle, in die auch mein Orden getreten ist.

Ja, ich habe den Imperator ohne Mandat getötet. Ob Sie es mir glauben oder nicht - ich habe an diesem Tag überhaupt das erste Mal bewusst getötet. Und in meinen Augen, ja, da war die Notwendigkeit gegeben. Denn hätte ich mir ein Mandat geholt, dann wäre alles nicht mehr möglich gewesen. Der Überraschungseffekt, Sie erinnern sich.


Wieder ließ Eowyn den Blick schweifen, während ihr Herz wie wild klopfte. Hätte ich nichts getan... wären dann nicht auch Stimmen laut geworden, die mich gefragt hätten, weshalb ich angesichts einer solchen Bedrohung nicht handelte, sondern mich feige zurückzog und die Galaxis ihrem Schicksal überließ? Die mich gefragt hätten, weshalb ich die Republik nicht vor dem sicheren Tod geschützt habe? Die mir gesagt hätten, dass man manchmal auch ein Risiko eingehen muss, um zu schützen, was man liebt? Die mir gesagt hätten, dass ich doch wusste, was kommen würde, dass ich wusste, dass all die Planeten fallen würden, weshalb ich dann meine eigene Integrität über das Wohl der Galaxis gestellt habe?

Ich stehe zu dem, was ich tat. Ich hätte mich gestellt, als Imperatorin Vendar meine Herausgabe forderte, genau wie Brianna Kae dazu bereit war. Ich wurde gebeten, es nicht zu tun, da man davon ausging, dass unser alleiniger Tod nichts ändern würde, eher im Gegenteil.

Herr Vos... Sterbende auf Kashyyyk sind eine Katastrophe. Handelsschiffe in den Häfen, Grenzsysteme in Alarmbereitschaft, all das, was uns vermutlich noch bevorsteht, ist schrecklich sondersgleichen und ich trauere um jede Person, die auf Grund dieses Krieges ihr Leben verliert. Aber... dass wir überhaupt noch kämpfen können, das ist die Folge dessen, was ich tat. Denn wir sind noch am Leben, und wir kämpfen nicht stündlich vergeblich darum, erneut Tausende zu verlieren.


Sie wollte nicht so dick auftragen. Es könnte sein, dass es arrogant rüberkommen würde... und vor allem war es nicht gerechtfertigt, da die Entscheidung ohnehin Ahna getroffen hatte. Eigentlich hatte sie nicht so viel von diesem ganzen Entscheidungsprozess reden wollen, aus genau diesem Grund. Aber was blieb ihr übrig... es war wohl naiv gewesen zu glauben, sie könnte das umschiffen.
Und außerdem hatte sie jetzt genug geredet, fand sie, zumindest was diesen Rodianer anging. Blieb allerdings noch Lira Denova. Welche sich direkt an sie gewandt hatte... logischerweise. Trotz dessen, dass alle abwarteten, nahm Eowyn einen weiteren Schluck Wasser. Sonst würde sie bald ihre Zunge überhaupt nicht mehr lösen können von ihrem Gaumen... und wer bei allen Sonnen hatte diese Roben aus so dickem Stoff hergestellt? Sie musste eigentlich raus aus ihr, es war so
unglaublich heiß, aber... Durchhalten, sie musste durchhalten. Das hier war doch nichts im Vergleich zu Than... Shavit. Atmen. Atmen... Sie schloss kurz ihre Augen, atmete einmal tief ein und aus, und stellte sich Ians Gesicht vor ihrem inneren Auge vor. Sie musste diese Bilder von Bastion und der Folterung irgendwie ersetzen und loswerden, und etwas anderes fiel ihr auf die Schnelle nicht ein.
Ian.
Und jetzt wieder Lira Denova.

Und los.

Sie öffnete die Augen und suchte die Alderaanerin in der Menge. Das hier würde hoffentlich einfacher werden.


Ihre Fragen sind durchaus berechtigt, nickte Eowyn Donova zu. Aber ich denke, ich kann sie recht schnell beruhigen. Die Sache ist die, dass ich in dem Moment, als ich erkannte, dass ich mich eventuell in einem Interessenskonflikt vorfinden könnte, von allen Entscheidungen, die Ian betrafen, zurückgetreten bin. Gut, genaugenommen war es nur die Verantwortung für seine Überwachung gewesen, aber das hier war nicht falsch und klang ein wenig besser. Die Entscheidungen, ihn in operative Abläufe einzubinden oder darüber, wie seine Worte gewichtet wurden, lagen niemals bei mir, zu dem Zeitpunkt war ich noch gar nicht Mitglied des Rates. Demnach musste es auch keine Prüfung über Interessenskonflikte geben. Bei Fragen meinerseits, wie ich mich zu verhalten habe, habe ich das Gespräch mit dem Rat gesucht. Eine nette Formulierung für ihr Versagen bei Duval, aber es kam hin.
Sie haben durchaus Recht, dass Nähe immer ein Risiko birgt. Sie ist auch eine Chance, aber definitiv ein Risiko, weshalb ich bewusst keine Entscheidungen mehr traf, die ihn betrafen. Wortdoppelung... das hätte sie eleganter ausdrücken können!

Was die Chancen angeht, so kann man dies in dem Vertrauen sehen, welches wir ineinander auf Bastion hatten. Und ich denke, die meisten von Ihnen werden mir zustimmen, dass alleine schon die Tatsache, dass ich den Mann, den ich liebe, einer solchen Situation aussetze, zeigt, dass ich das Wohl der Galaxis über das meine gestellt und keinerlei Interessenskonflikt zugelassen habe. Bastion war der letzte Ort, den eine Person wie Ian aufsuchen sollte, aus mehreren Gründen, doch es war sein Vorschlag, der letztendlich alles auslöste. Die Chancen, dass er diesen Einsatz nicht überlebt, waren äußerst hoch. Ein kleiner Fehler, und er wäre aufgeflogen - und mit dem Geständnis heute wird er ganz oben auf der Fahndungsliste landen. Dennoch haben wir entschieden, dass diese Möglichkeit, völlig unabhängig von meinen persönlichen Ansichten und Bindungen, viel zu wichtig ist, um sie nicht dem Rat vorzutragen. Ab da war ich nicht mehr in die Entscheidungsfindung bezüglich der Mission eingebunden.

Ich weiß mit Sicherheit, dass Ian Dice die Wahrheit sagte, so wie er sie kennt - die Macht hat einige nützliche Vorteile, was diese Sache angeht. Außerdem habe ich angesichts der weiteren Ereignisse rund um das Virus keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass irgendetwas, was er sagte nicht korrekt war. Ganz im Gegenteil - nur durch seine frühzeitige Information hatten wir überhaupt erst diese Möglichkeiten. Da ich allerdings keinerlei sicherheitspolitische Entscheidungen getroffen habe, kann ich guten Gewissens sagen, dass diese Nähe keinen Einfluss hatte.


Was für Umschreibungen! Wieder der Griff nach dem Glas. Sie schien die einzige zu sein, die trank, und womöglich würde es unangenehm auffallen, aber sie hatte keine Wahl. Ihr Hals schmerzte mittlerweile richtig, ihre Stimme wurde immer kratziger und rauer, und wieder einmal wünschte sie sich, sie hätte Ians Fähigkeiten zum Heilen. Wobei auch diese einen so zerstörten Hals wie den ihren wohl nicht innerhalb dieser Konferenz herrichten konnten.
Auf jeden Fall hoffte sie, dass sie alle Fragen, die an sie gerichtet waren, beantwortet hatte, und wandte sich das erste Mal seit Beginn der Konferenz Ian zu. Er fehlte noch. Aber sie war sich sicher, er würde es genauso souverän hinter sich bringen wie Wes, der Schwachpunkt in diesem Quartett war ganz definitiv sie.


Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse
 
Zurück
Oben