Prefsbelt IV

[Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | Gouverneurspalast | Festsaal ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Dr. T'rsop, Kal Andrim

Aren und Adriana glitten im Zentrum des Geschehens über die Tanzfläche, als existierte all die Aufregung und Arbeit um sie herum nicht, zumindest nicht in diesem Zeitpunkt. Es war wirklich befreiend und auf Arens Gesicht zeigte sich erstmals ein echtes Lächeln gepaart mit Ruhe. Die paar kleinen Gespräche, welche er nach den Beförderungen noch hatte führen müssen - zu viele Menschen der Oberschicht des Planeten wollten sich im Glanz des Moffs sonnen - hatte er schnell und höfflich mit einem Verweis auf seine darbende Verlobte beenden können, die endlich tanzen wollte. Und nun wirbelte Aren seine Verlobte zu den Klängen des Orchesters über das Parkett des Ballsaals.

Er wusste kaum, wie lange sie getanzt hatten, als Adriana sich zu ihm vorbeugte und ihm ins Ohr säuselte, dass sie jetzt doch eine kleine Pause bräuchte. Aren lächelte ihr entgegen, strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und führte sie zurück zu der Ehrentafel, die mittlerweile deutlich geleerter aussah. Ein wenig "geschäftliche" Plaudereien würde er heute wohl auch noch führen müssen, doch für den Moment hatte das tanzen ihn unglaublich erholt. Gemeinsam setzten die beiden sich und stießen mit Champus an, welchen Aren galant einem vorbeigehenden Kellner entwendet hatte. Sie sprachen über Prefsbelt und die anstehenden Pläne, über Truuine und die Gala, auf die sich gerade Adriana sehr freute und auch über den danach geplanten Besuch auf Gerrethum, auf welchen sich auch besonders Adriana freute. War Truuine für Aren noch ein schönes Ausflugsziel, gerade um Gouverneur Solaris im Idealfall erneut zu treffen und seine Investitionen in den Planeten einmal in Augenschein zu nehmen, verband er Gerrethum doch mit einer gewissen Nervosität. Es stand viel auf dem Spiel, hatte sein Großvater ihm in gewisser Weise doch ein Ultimatum gesetzt und war es zudem auch das erste Mal, dass er die Familie seiner Verlobten kennenlernen würde.

Doch all zu lange konnten sie sich nicht unterhalten, da sich ihr Gastgeber der Gouverneur ... nein, der Sector Adjutant ihnen näherte. Aren beendete das Gespräch mit Adriana und winkte Zesh näher heran, nach wie vor mit einem Lächeln auf den Lippen.


,,Sector Adjutant Zesh, wie kann ich Ihnen behilflich sein?"

Die Worte, die sein Gegenüber nun an ihn wandte, überzeugten ihn nochmals, dass er die richtige Wahl mit der Beförderung getroffen hatte. Er war voller Tatendrang, hatte Visionen und Ansichten, die denen Arens zu entsprechen schienen und schien alles aber nicht undankbar zu sein. Es war gut, wenn man loyale Männer an seiner Seite wusste.

,,Dessen bin ich mir sicher, dass Ihnen das gelingen wird. Sehen Sie, ich denke es ist wichtig auch Menschen in solche Positionen kommen zu lassen, die nicht zu festgefahren in ihrem Denken sind, die nicht ihr ganzes Leben schon den gleichen Dienst in der Verwaltung ausüben und deren Potential für neue Ideen somit gegen null läuft. Wohin uns so etwas führt haben wir in der Vergangenheit zu oft erleben müssen."

Aber Aren ging davon aus, dass dies nicht das Hauptanliegen des frisch beförderten war und ließ ihn deshalb erneut zu Wort kommen. Je mehr der Mann sprach, desto klarer wurde Aren, dass Zesh wohl anscheinend für solche Dinge wie einen Walzer und lässige Gespräche auf der Tanzfläche sich nur wenig öffnen konnte. Mit einem kurzen, leichten grinsen dachte Aren bei sich, dass er hier keinen Salonlöwen, sondern eine Arbeitsbiene befördert hatte, was ihm durchaus recht war. Aren erhob sich und lächelte Zesh an, während er ihm kollegial eine Hand auf die Schulter legte.

,,Mein lieber Sector Adjutant, ich weiß Ihren Arbeitseifer sehr zu schätzen. Natürlich ging es einige Strategiepläne und Vorhaben, die wesentlich in Ihre Arbeit mit einfließen werden und die ich ihnen umgehend zukommen lassen werde und über die wir uns gerne ausführlichst unterhalten können. Ihr Vorgänger, Mannic, wird ein wesentliches Projekt mit in seine neue Stellung nehmen, sodass hier keine wesentlichen Übergaben stattfinden müssen, auch wenn sie weiterhin auch mit daran beteiligt sein werden. Für einige weitere Projekte, die auch in ihren Aufgabenbereich fallen werden, fehlt aktuell leider noch die finale Zustimmung von Seiten des Großmoffs. Diese sollte aber in Kürze hoffentlich auf meinem Schreibtisch liegen."

Aren nippte erneut an seinem Champusglas und nahm dann Adriana an der Hand. Er dachte an die Prefsbelter Rüstungs Werke, welche Mannic von nun an hauptverantwortlich betreuen würde. Dieses Projekt war zu groß und zu wichtig, als dass es einfach so mit in das Ressort des Sector Adjutanten für Wirtschaft, Industrie und Handel fallen könnte, auch wenn Zesh selbstverständlich eng damit zusammenarbeiten würde und wesentliche Infrastrukturelle Vorhaben umzusetzen hatte und neue Fabriken und Fertigungsanlagen aufbauen musste, um seinen Teil beizutragen. Auch bei der Nadari-Expedition würde Zesh eine wesentliche Rolle zu spielen haben. Doch hierfür fehlte leider noch die finale Zustimmung Rimoras zur Angliederung von Gradilis und des Kolonie-Planeten an Prefsbelt. Einige weitere Dinge, Konzepte und langfristige Planungen standen ebenfalls noch im Raum, doch fehlte hier die Ruhe und die Zeit um all dies ausführlich zu besprechen.

,,Ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich so nebulös bleibe. Aber hier gibt es leider zu viele Ohren und zu viel Trubel. Einige der Dinge, die wir zu besprechen haben, sind vertraulicher und oder delikater Natur. Ich würde vorschlagen, wir widmen uns der Besprechung dieser zu einem anderen Zeitpunkt und gehen dann alles in Ruhe und mit Zeit und Konzentration durch. Ich habe Julius Kyram, den Leiter meiner Staatskanzlei, bereits darum gebeten ein Dossier für Sie zusammenzustellen, welches sie spätestens morgen früh erhalten sollten. Dann können Sie sich grob schonmal in alles Wesentliche einlesen. Bis dahin würde ich vorschlagen, genießen wir noch ein wenig den Abend. Ich glaube ich muss mich noch mit ein zwei wichtigen Persönlichkeiten unterhalten. Würden Sie mir den Gefallen tun, und meine tanzwütige Verlobte ein wenig auf der Tanzfläche zu unterhalten? Ich danke Ihnen."

Mit einem einnehmenden Lächeln überreichte Aren Theranos Zesh die Hand seiner Verlobten. Er hatte in der Menge bereits den Leiter der Akademie auf Presbelt erspäht, mit dem er noch kurz auf jeden Fall ins Gespräch kommen musste.

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Die letzten Tage auf Prefsbelt IV waren mehr als aufschlussreich gewesen und Aren konnte mittlerweile wohl mit Fug und Recht behaupten, dass er sich ein gutes Bild über den Planeten und seine Einwohner machen konnte. Von der Burg Pradeux und der Marinegruft, bei welcher er dem Begründer imperialer Flottentradition die Ehre erwiesen hatte, bishin zu schwimmenden Stadt, die in Zusammenarbeit mit Truuine entstand, hatte er viel sehen und erleben können, was ihn äußerst beeindruckt hatte. Doch so wohltuend und gewinnbringend diese Zeit auch gewesen war, so nahm sie jetzt doch auch ein Ende. Gemeinsam mit Adriana befand er sich gerade auf dem Weg zu seiner Yacht, bei welcher Zesh, T'rsop und Andrim, der von ihm beförderte Pilot, bereits auf ihn warteten. Wie sich herausgestellt hatte, planten sie alle ebenfalls die Gala auf dem Wasserplaneten zu besuchen und Aren hatte angeboten, sie zumindest auf dem Hinweg mitzunehmen, bot sich so doch die Gelegenheit, Gespräche weiter zu vertiefen und neue Ideen zu besprechen.

Ihr Aufbruch von Prefsbelt würde nicht übermäßig zelebriert werden und außer einer kleinen Abordnung der Garde - und seiner Reisebegleitung - war das Hangar leer, als Adriana und er eintrafen.


,,Meine Herren, ich freue mich sehr, sie gleich auf der Mesh'lane begrüßen zu dürfen. Wir werden einige Zeit unterwegs sein, aber seien Sie sich gewiss, dass es Ihnen an nichts fehlen wird. Mein Butler Greyson wird Ihnen gleich Ihre Zimmer zeigen. Ruhen Sie sich gerne aus und fühlen Sie sich ganz wie Zuhause. Es wird einen kleinen, späten Lunch in der Panoramalunch, am Bug des Schiffes geben, gegen 2 Uhr. Sollten Sie sich weiter ausruhen wollen lassen Sie es Greyson wissen und es wird kein Problem sein, wenn Sie auf Ihrem Zimmer speisen. Ansonsten wünsche ich uns allen eine angenehme Reise. Bitte, nach Ihnen."

Aren wies mit einem Lächeln auf die Rampe, welche hinein in das luxuriöse Schiff führte. Dort ließ es sich ohne Frage aushalten. Greyson, flankiert von den beiden Droiden, wartete bereits am Ende der Rampe um die Gäste zu begrüßen und in Ihre Zimmer zu führen. Dies würde ohne Frage eine sehr angenehme Reise werden.

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Die Räume der Yacht die schonmal ,,bespielt" wurden (und wie man sich die Ausstattung des Schiffes generell vorstellen kann) könnt ihr euch gerne in meiner Charakterinfo durchlesen.^^
 
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Theranos musste unwillkürlich lächeln, als Aren ihm erklärte, weshalb er sich letztlich für ihn entschieden hatte. Die Worte des Moffs waren weit mehr als ein bloßes Lob; sie waren eine Bestätigung jener Überzeugung, die ihn selbst seit Beginn seiner Tätigkeit auf Prefsbelt IV begleitet hatte. Verwaltung durfte niemals zum bloßen Abarbeiten alter Routinen verkommen. Fortschritt entstand nur dort, wo Beamte bereit waren, Bestehendes zu hinterfragen, neue Wege zu denken und Verantwortung nicht als Last, sondern als Möglichkeit zu begreifen. Gerade deshalb bedeutete ihm die Anerkennung seines Vorgesetzten mehr, als er es vermutlich offen gezeigt hätte. Für einen kurzen Moment fragte er sich sogar, ob sein Vater wohl ähnlich reagiert hätte. Wahrscheinlich hätte Meranox Zesh lediglich knapp genickt und anschließend gefragt, welche Ziele er sich nun für die kommenden fünf Jahre gesetzt hatte. Allein dieser Gedanke ließ Theranos innerlich leicht lächeln.

Als Aren ihm schließlich kollegial die Hand auf die Schulter legte, empfand Theranos diese Geste nicht mehr als jene eines ranghöheren Vorgesetzten, sondern als Zeichen ehrlichen Vertrauens zwischen zwei Männern, die künftig gemeinsam Verantwortung für den gesamten Prefsbelt-Sektor tragen würden.

„Vielen Dank, Eure Exzellenz“, erwiderte er mit aufrichtiger Wertschätzung. „Das Dossier werde ich mir unmittelbar ansehen. Ich bin überzeugt, dass sich bereits auf der Reise erste Gedanken und vielleicht sogar einige Ansätze entwickeln lassen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Euch die kommenden Aufgaben anzugehen.“

Als Aren ihm schließlich mit einem kaum zu übersehenden Schmunzeln die Hand seiner tanzbegeisterten Verlobten überließ, musste Theranos selbst leise lachen.
„Dann werde ich selbstverständlich mein Möglichstes tun, Euch Eure Verlobte wohlbehalten zurückzubringen.“

Mit höflicher Selbstverständlichkeit bot er Adriana den Arm an und begleitete sie zurück auf die Tanzfläche, wo sie sich noch einige Tänze lang zu den Klängen des Orchesters unterhielten. Während sie sich langsam über das Parkett bewegten und sich über Truuine, Architektur und Kultur unterhielten, stellte Theranos einmal mehr fest, wie wichtig solche Abende trotz aller Arbeit sein konnten. Verwaltung bestand nicht ausschließlich aus Akten, Verordnungen und Sitzungen. Vertrauen entstand häufig dort, wo Menschen fernab offizieller Besprechungsräume miteinander sprachen, lachten und einander als Persönlichkeiten kennenlernten. Vielleicht unterschätzte er selbst diesen Teil seiner Aufgabe noch immer ein wenig.

Nachdem Theranos einige Tänze mit der Verlobten des Moffs absolviert hatte, begaben sie sich wieder zurück an die Tafel und Theranos unterhielt sich noch etwas mit dem Moff. Während sie sich über die bevorstehende Gala auf Truuine, über Reisen, Architektur und die unterschiedlichen Kulturen verschiedenster Welten unterhielten, verging die verbleibende Zeit des Balles beinahe unbemerkt. Es folgten noch einige angenehme Gespräche mit Gästen, ein letzter gemeinsamer Toast auf die Zukunft des Sektors und schließlich die allmähliche Verabschiedung der letzten Besucher.


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Ein paar Tage später fand er sich im Hangar des Gouverneurspalastes wieder, wo die elegante Mesh'lane bereits auf ihre Gäste wartete. Gemeinsam mit Aren, Adriana, dem frisch ernannten Gouverneur T'rsop sowie Captain Kal Andrim trat er an die Rampe der luxuriösen Yacht heran. Schon auf den ersten Blick wurde deutlich, weshalb diese Schiffsklasse in der gesamten Galaxis einen beinahe legendären Ruf genoss. Die klaren Linien, die harmonischen Proportionen und die dezente Eleganz wirkten weder protzig noch überladen, sondern vermittelten genau jene zurückhaltende Exklusivität, die Theranos seit jeher besonders zu schätzen wusste.

Während noch ein paar letzte Sicherheitschecks gemacht wurden, ließ Theranos die vergangenen Tage noch einmal vor seinem inneren Auge Revue passieren. Der Besuch Aren Vayliuars war weit mehr gewesen als ein protokollarischer Aufenthalt eines Moffs. Gemeinsam hatten sie Burgen, Denkmäler und militärische Einrichtungen besichtigt, der Marinegruft die Ehre erwiesen, bedeutende Industrie- und Infrastrukturprojekte vorgestellt und selbst jene noch im Bau befindliche schwimmende Stadt besucht, die gemeinsam mit Truuine entstehen sollte. Rückblickend erfüllte es Theranos mit stiller Zufriedenheit, dass Prefsbelt IV seinen Gast nicht nur mit Pracht und Repräsentation empfangen, sondern vor allem mit greifbaren Ergebnissen überzeugt hatte. Nichts von alledem war bloße Fassade gewesen.

Hinter jedem Gebäude, jedem Projekt und jeder Investition standen Monate harter Arbeit, unzählige Entscheidungen und Menschen, die bereit gewesen waren, gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Rückblickend war Theranos überzeugt, dass genau dies letztlich der Grund gewesen war, weshalb Aren ihm sein Vertrauen ausgesprochen hatte. Nicht einzelne Bauwerke oder Festakte hatten den Moff überzeugt, sondern das Gesamtbild eines Planeten, der begonnen hatte, sich Schritt für Schritt selbst neu zu erfinden.


Nachdem der Butler Greyson sie mit makelloser Höflichkeit begrüßt hatte, folgte Theranos dem Butler durch das helle, modern eingerichtete Foyer, dessen poliertes Holz, geschmackvolle Skulpturen und ausgewählte Gemälde dem Schiff beinahe den Charakter einer Residenz verliehen. Schon nach den ersten Schritten durch das Foyer hatte Theranos bemerkt, mit welcher Sorgfalt jedes einzelne Detail aufeinander abgestimmt worden war. Nichts wirkte zufällig. Farben, Materialien und Proportionen bildeten ein harmonisches Gesamtbild, das Eleganz ausstrahlte, ohne diese ständig zur Schau stellen zu müssen. Genau diese Form von Luxus hatte ihn schon immer weit mehr beeindruckt als jeder überladene Prunk. Wahre Qualität musste sich nicht in den Vordergrund drängen. Gerade ihre Selbstverständlichkeit verlieh ihr jene Eleganz, die künstlicher Prunk niemals erreichen konnte.

Wenig später führte ihn der Weg durch einen breiten Flur zu einem der Gästequartiere, dessen Tür sich lautlos öffnete.

Schon der erste Raum ließ erkennen, dass hier selbst ein Gästezimmer kaum Wünsche offenließ. Ein kleiner, stilvoll eingerichteter Salon mit bequemen Sitzgelegenheiten, Holonet-Anschluss, einer gut ausgestatteten Minibar und mehreren geschmackvoll ausgewählten Kunstwerken bot weit mehr Komfort, als manche Gouverneursresidenz auf anderen Welten aufweisen konnte. Dahinter schloss sich das eigentliche Schlafzimmer an, dessen großzügiges Bett, eleganter Schreibtisch und das Fenster mit Blick auf die unendliche Schwärze des Alls dem Raum zugleich Behaglichkeit und Ruhe verliehen.

Während Greyson ihm die Räumlichkeiten zeigte, ertappte sich Theranos bei einem Gedanken, über den er selbst hätte lachen können. Noch vor einem Jahr hätte er sich vermutlich kaum vorstellen können, jemals auf einer der exklusivsten Yachten der Galaxis als Gast untergebracht zu werden. Das Leben besaß eine bemerkenswerte Eigenart, einen genau dann an Orte zu führen, mit denen man nie gerechnet hatte. Vielleicht war genau das einer der Gründe, weshalb er sich davor hütete, die Zukunft jemals zu sehr planen zu wollen.



Als Greyson gegangen war, begutachtete Theranos sein Zimmer weiter. Neugierig trat Theranos schließlich weiter in das angrenzende Badezimmer und ließ den Blick über den hellen Marmor gleiten, der Wände und Boden gleichermaßen schmückte. Als er den kleinen Whirlpool entdeckte, erschien unwillkürlich ein amüsiertes Lächeln auf seinem Gesicht.

„Nun“, murmelte er leise zu sich selbst, während er sich noch einmal langsam im Raum umsah, „hier wird es sich bis Truuine zweifellos ausgezeichnet aushalten lassen.“

Für einen kurzen Moment blieb er noch am Fenster stehen und blickte hinaus auf das geschäftige Treiben des Hangars, ehe er seinen Mantel ordentlich ablegte, das Datapad auf dem Schreibtisch platzierte und sich innerlich bereits auf die Gespräche vorbereitete, die

diese Reise mit sich bringen würde. Eines war ihm schon jetzt bewusst: Die kommenden Tage würden nicht nur den Beginn seines neuen Amtes markieren, sondern vermutlich auch den Auftakt jener Zusammenarbeit, welche die Zukunft des gesamten Prefsbelt-Sektors entscheidend prägen sollte. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf sein Gesicht.

Gestern hatte er noch einen Planeten verwaltet. Morgen würde er beginnen, einen ganzen Sektor mitzugestalten. Und obwohl die Aufgabe ungleich größer geworden war, verspürte er keine Furcht. Lediglich jene angenehme Mischung aus Vorfreude und Verantwortung, die ihn immer dann begleitete, wenn er wusste, dass etwas Bedeutendes begann.

Mit diesem Gedanken wandte er sich schließlich von dem Fenster ab. Die Reise hatte noch nicht einmal begonnen, und doch hatte Theranos das Gefühl, gerade das nächste Kapitel eines völlig neuen Lebens aufzuschlagen.


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weiter auf Truuine
 
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T'rsop schritt wild auf seinem Datapad tippend durch die beeindruckenden Hallen und Gänge des Palastes. Sein Ziel war der Hangar. Um ihn herum war eine ganze Traube verschiedener Assistenten und Untergebenen. Ohne diese anzuschauen verteilte der neue Gouverneur Prefsbelt IV Aufgaben und regelte die Zeit seiner Abwesenheit auf dem Planeten, die wegen der Teilnahme an der Gala der kristallen Klänge vor ihnen lag.
"Setz dich mit dem Interims-Statthalter Meiner von Red One zusammen. Spätestens wenn ich wieder von Truuine zurück bin, sollten wir mit der Tunnelerschließung und -planung beginnen. Vorher soll er die Liste mit den Mitgliedern des Ausschusses senden, damit wir sie prüfen können."
"Vereinbart einen Termin in der Zeit nach meiner Rückkehr mit den hohen Vertretern der Wirtschaft und der Banken unseres Planetens."
"Du, organisiere die Befragung und Analyse des Volkes zu einer möglichen Reform des Arbeitswesens."
"Sende mir alle wichtigen Unterlagen zum Nereus-Projekt. Alphabetisch und nicht thematisch geordnet - ich will mich nicht von einer vermeintlich gut gemeinten Vorsortierung zu verfrühten Urteilen leiten lassen."
"Frag die Admiralität des Sektors an, wen wir von denen verstärkt in unsere Werftarbeiten einbinden können."

...
Schließlich waren alle mit Aufgaben versorgt worden und gingen in ihre Büros, trafen sich mit wichtigen Personen und versuchten, ihre Aufgaben zu erfüllen. Mit
T'rsop allein zurück blieb einzig Gregor Bayl. Die beiden hatten fast den Hangar erreicht. Der Pau'aner reichte dem Legaten und Freund das Datapad, während er selbst sich eine Süßigkeit aus einer seiner Gewandtaschen fischte und genüsslich in den Mund steckte.
"Das war doch für diese kurze Zeit im Dienst doch ein gelungener Einstieg", gratulierte ihm Gregor. T'rsop zuckte die Schultern. Er hätte einiges besser machen können und hatte auch seiner Meinung sehr viel Zeit mit Repräsentation verschwendet.
Am Tag nach dem Ball hatte er seine erste Ansprache an die Bevölkerung als Gouverneur von Prefsbelt IV gehalten. Er hatte mit rhetorischem Augenzwinkern festgestellt, dass er nicht
Theranos sei (er sei um einiges älter und hübscher). Um danach dann ernst zu werden und seine Vision kundzutun von einem erstarkenden und vitalen Gemeinwesen von Prefsbelt IV, welches für das soziale Ökosystem des Sektors und des ganzen Imperiums heilsam und ein Vorbild werden sollte. Von der Wichtigkeit des Einzelnen im großen Ganzen - und des Ganzen als Lebensboden für den einzelnen.
Die platzierten Klatscher der Propaganda leisteten ebenfalls gute Arbeit - auch wenn
T'rsop wusste, dass seine Rede sehr gut war und alle, die nicht prinzipiell gegen ihn eingestellt waren, in eine positiv-hoffnungsvolle Grundstimmung für das Kommende gebracht hatte.

Nun blickte er
Gregor in die Augen: "Es war... passabel."
Nach einer kurzen Pause sprang er dann zum nächsten Thema: "Gregor, ich weiß die Verwaltung und Leitung des Planetens bei dir in guten Händen. Kümmer dich um das laufende Geschäft - und meld dich bei mir über mein Privat-Datapad, sollte der Planet dem Untergang nahe sein. Dann weiß ich, dass ich nicht mehr zurückkommen werde und mein Glück woanders suche."
Dabei blieb T'rsop so ernst, dass Außenstehende es für die Wahrheit hätten halten können. Aber das subtile Kopfnicken in Richtung des Legaten und die leicht aneinandergelehnten Hände ließen den Legaten durch ihre lange Bekannt- und Freundschaft verstehen, dass das wieder einer der schelmischen Scherze des Pau'aners war. Und so grinste er und gelobte: "Natürlich, mein Gouverneur. In diesem Falle würde ich vermelden, dass ich den Untergang verwalte."

Nach ein Paar letzten Instruktionen, verabschiedeten sich die beiden Männer per Handschlag voneinander. Nach einem letzten Hinweis des Legaten, der T'rsop darauf aufmerksam machte, dass er zu diesem Anlass doch seinen Orden und vor allem seine Gouverneurs-Insignien tragen sollte, verdrehte der Gouverneur stöhnend die Augen und heftete sich beides an. In Gedanken diese beiden Anstecker für das potentielle Verschlechtern seiner Körperhaltung verurteilend.

Und so betrat er die private Raumjacht des Moffs. Er wusste ihren Stil zu schätzen - auch wenn sie seinem Geschmack nicht wirklich entsprach.
Bei der Aufforderung, sich wie zu Hause zu fühlen, war sich
T'rsop bewusst, dass er das wohl nur in seinem Zimmer tun sollte. Und nicht in Gemeinschaft der anderen.
Die Reise nach Truuine verlief entspannt und er hatte Zeit, sowohl mit dem Moff ins Gespräch zu kommen - auch wenn er ihn dabei wohl trotz viel Mühe dennoch etwas irritierte - als auch mit
Theranos zu planen, plaudern und zu philosophieren und auch mit den anderen Reisenden Kontakte zu knüpfen.


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An: T’rsop, Gouverneur von Prefsbelt IV
Von: Liena Mariss, Sekretärin des Gouverneurs
Betreff: Aktuelle Entwicklungen in der Werftregion / Geologischer Fund im Zuge der Ausbauarbeiten auf Red One / Kapazitätsengpässe im landwirtschaftlichen Raum Gold One


Sehr geehrter Herr Gouverneur T’rsop,

ich möchte Sie über drei Entwicklungen informieren, die im Laufe der vergangenen Tage an das Büro des Gouverneurs herangetragen wurden und meiner Einschätzung nach Ihre Aufmerksamkeit verdienen. Da ich davon ausgehe, dass Sie die weniger erfreuliche Angelegenheit bevorzugt zuerst hinter sich bringen möchten, beginne ich mit einer Entwicklung im Umfeld des großen Werftkomplexes, die bislang zwar noch keine unmittelbare Gefahr für den Betrieb darstellt, sich ohne rechtzeitiges Eingreifen jedoch zu einem erheblichen lokalen Problem entwickeln könnte.


Meldung 1: Zwischenfälle im Umfeld des Werftkomplexes​

Wie Ihnen aus den Unterlagen zur Entwicklung des Werftstandortes bekannt sein dürfte, ist die Zahl der dort beschäftigten Arbeiter, Techniker, Ingenieure, Zulieferer und sonstigen Beschäftigten mittlerweile auf deutlich über zehntausend Personen angewachsen. Ein erheblicher Teil dieser Menschen lebt unmittelbar am Werftstandort in jener provisorischen Containersiedlung, die ursprünglich lediglich als vorübergehende Unterkunft während der ersten Bauphasen vorgesehen war. Während die eigentlichen Werftanlagen in den vergangenen Monaten mit beträchtlichen finanziellen und materiellen Mitteln erweitert wurden, konnte die zivile Entwicklung des Standortes mit diesem Wachstum bislang nicht Schritt halten. Die Containersiedlung erfüllt ihren grundlegenden Zweck als Wohn- und Versorgungsstandort, bietet ihren Bewohnern außerhalb des Arbeitsalltages jedoch nur sehr begrenzte Möglichkeiten für Einkauf, Freizeit und gesellschaftliches Leben.

Diese Situation hat dazu geführt, dass Beschäftigte der Werft zunehmend die kleinen umliegenden Ortschaften aufsuchen. Besonders betroffen ist eine größere, landwirtschaftlich geprägte Siedlung auf einem erhöhten Plateau außerhalb des eigentlichen Werfttales, deren Bevölkerung gegenwärtig auf etwa viertausend Einwohner geschätzt wird.

Der Ort verfügt über mehrere Gasthäuser, Geschäfte, Handwerksbetriebe und kleinere Dienstleister und hat vom Wachstum der Werft wirtschaftlich durchaus erheblich profitiert. Händler berichten von steigenden Umsätzen, örtliche Gastbetriebe verzeichnen wesentlich mehr Kundschaft als noch vor einigen Montaten, und verschiedene Werkstätten sowie andere Betriebe haben ihre Kapazitäten aufgrund der zusätzlichen Nachfrage bereits erweitert. Mehrere Bewohner vermieten inzwischen Unterkünfte oder bieten Dienstleistungen für Werftbeschäftigte an, sodass die wirtschaftliche Bedeutung des Komplexes für die Ortschaft keineswegs bestritten wird.


Gerade dieser wirtschaftliche Aufschwung geht jedoch zunehmend mit Spannungen einher. Die überwiegende Mehrheit der Werftbeschäftigten verursacht nach vorliegenden Berichten keinerlei Schwierigkeiten, allerdings genügt bei einer Belegschaft dieser Größe bereits ein kleiner Anteil weniger disziplinierter Personen, um regelmäßig für Unmut zu sorgen. Insbesondere an arbeitsfreien Abenden und nach Schichtwechseln reisen größere Gruppen in die Ortschaft, wobei übermäßiger Alkoholkonsum in der Vergangenheit mehrfach zu Lärmbelästigungen, Sachbeschädigungen und kleineren Auseinandersetzungen geführt hat. Beschwerden über achtlos zurückgelassenen Abfall, beschädigte landwirtschaftliche Flächen und rücksichtslos abgestellte Speeder haben ebenfalls zugenommen und das Verhältnis zwischen Teilen der örtlichen Bevölkerung und den Werftarbeitern zunehmend belastet.

Vor wenigen Tagen ist diese bereits länger bestehende Spannung erstmals in größerem Umfang eskaliert. Nach einem zunächst gewöhnlichen Streit vor einem der örtlichen Gasthäuser schlossen sich auf beiden Seiten weitere Personen der Auseinandersetzung an, sodass innerhalb kurzer Zeit mehrere Dutzend Werftarbeiter und Einwohner an einer umfangreichen Schlägerei beteiligt waren.

Mehrere Personen mussten anschließend medizinisch versorgt werden, zudem entstanden Schäden an zwei Gastbetrieben, mehreren Fahrzeugen und verschiedenen Einrichtungen entlang der betroffenen Straße. Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es keinen Hinweis auf eine politisch motivierte Auseinandersetzung oder organisierte imperialfeindliche Aktivitäten; vielmehr scheint es sich um die Eskalation eines seit längerer Zeit schwelenden sozialen Konfliktes gehandelt zu haben.

Der örtliche Ortsvorsteher reagierte darauf mit einem vorläufigen Zutrittsverbot für Beschäftigte der Werft, dessen rechtliche Grundlage derzeit allerdings geprüft wird. Die Situation verschärfte sich anschließend erneut, als einige Werftarbeiter die Ortschaft dennoch aufsuchen wollten und am Ortseingang von einer größeren Gruppe Bewohner aufgehalten wurden. Mehrere landwirtschaftliche Fahrzeuge waren quer über die Zufahrtsstraße gestellt worden, einzelne Einwohner führten persönliche Blaster beziehungsweise zur Abwehr gefährlicher Wildtiere bestimmte Waffen mit sich. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurden mindestens zwei Warnschüsse abgegeben, nach gegenwärtigem Kenntnisstand jedoch niemand verletzt.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die örtliche Bevölkerung bislang weder die Werft als solche noch deren wirtschaftliche Bedeutung grundsätzlich ablehnt. Ebenso wäre es meines Erachtens falsch, die Beschäftigten des Werftkomplexes insgesamt für das Verhalten einzelner Gruppen allein verantwortlich zu machen. Vielmehr scheint die gegenwärtige Situation auf ein strukturelles Problem hinzuweisen, das bereits während der bisherigen Entwicklung entstanden ist: Der industrielle Ausbau des Standortes ist der Entwicklung seiner zivilen Infrastruktur erheblich vorausgeeilt.

Sollten Sie eine langfristige Lösung anstreben, wäre daher neben der kurzfristigen Befriedung der Situation insbesondere zu prüfen, ob die bislang provisorische Containersiedlung wesentlich schneller als bisher zu einem regulären Wohn- und Versorgungsstandort ausgebaut werden sollte. Zusätzliche Geschäfte, gastronomische Einrichtungen, Freizeitangebote, dauerhafte Wohngebäude und eine geordnete öffentliche Infrastruktur könnten den Druck auf die umliegenden Ortschaften erheblich reduzieren, ohne deren wirtschaftliche Vorteile aus der Nähe zur Werft vollständig zu beseitigen.

Oder man schüttete Geldmittel für die Ortschaften in der Umgebung aus um deren generelle Wirtschaft, Infrastruktur sowie auch das Sicherheitspersonal auszubauen.

Solche Maßnahmen würde zugleich die Attraktivität des Werftstandortes für qualifizierte Arbeitskräfte erhöhen und könnte damit auch unmittelbar im Interesse des weiteren Werftausbaus liegen.

Ich empfehle zunächst Gespräche mit der Werftleitung, Vertretern der betroffenen Ortschaft sowie den zuständigen planetaren Sicherheitsbehörden, bevor dauerhafte Maßnahmen angeordnet werden. Eine gewaltsame Räumung der gegenwärtigen Blockade wäre selbstverständlich möglich, erscheint mir angesichts der bislang vorliegenden Informationen jedoch als unnötige Eskalation eines Problems, das seinen Ursprung weniger in politischem Widerstand als in den Begleiterscheinungen des raschen wirtschaftlichen Wachstums hat.

Alternativ hat sich Legat Bayl dazu bereit erklärt, sich vor Ort um diese Angelegenheit zu kümmern und bittet um Information, wie sie wünschen das Problem anzugehen.


Meldung 2: Geologische Entdeckung im Zuge der Arbeiten auf Red One​

Erfreulicher sind die jüngsten Meldungen aus Red One. Im Rahmen der vorbereitenden Vermessungs- und Ausbauarbeiten für die geplante Erweiterung des dortigen unterirdischen Tunnel- und Verkehrsnetzes wurden in mehreren tieferen Gesteinsschichten mineralische Auffälligkeiten festgestellt. Die daraufhin angeordneten ersten Untersuchungen haben inzwischen bestätigt, dass mindestens eine der angeschnittenen Formationen wirtschaftlich interessante Erzkonzentrationen enthält. Die genaue Größe und Qualität des Vorkommens kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht verlässlich angegeben werden, allerdings halten die beteiligten Geologen weitere Untersuchungen ausdrücklich für gerechtfertigt.

Besonders erfreulich ist dabei, dass nach derzeitigem Stand kein grundsätzlicher Konflikt zwischen einem möglichen Abbau und dem geplanten Ausbau des Tunnelsystems bestehen muss. Sollte sich bei den weiteren Vermessungen herausstellen, dass eine der vorgesehenen Haupttrassen unmittelbar durch wirtschaftlich bedeutende Bereiche des Vorkommens führt, ließe sich die betreffende Route nach Einschätzung der beteiligten Planer mit vertretbarem Aufwand verlegen oder entsprechend anpassen. In bestimmten Bereichen wäre sogar denkbar, die ohnehin notwendigen Erschließungsarbeiten teilweise mit späteren Zugängen zu möglichen Abbauanlagen zu verbinden, sofern die geologischen Untersuchungen dies als sinnvoll bestätigen.

Über den unmittelbaren Wert des gefundenen Erzes hinaus halte ich die Entwicklung insbesondere für Red One selbst für interessant. Der Standort besitzt noch immer einen Ruf, der wesentlich stärker von seiner schwierigen Vergangenheit geprägt ist, als es seiner gegenwärtigen Entwicklung gerecht wird. Eine Wiederbelebung des Bergbaus könnte neue Unternehmen, Fachkräfte, Investitionen und zusätzliche Infrastruktur nach Red One bringen und damit einen wirtschaftlichen Impuls schaffen, der weit über den eigentlichen Wert des geförderten Materials hinausgeht. Gerade in Verbindung mit dem geplanten Ausbau des unterirdischen Verkehrsnetzes könnte sich daraus langfristig die Möglichkeit ergeben, Red One wieder stärker als regulären Wirtschafts- und Industriestandort innerhalb Prefsbelt IVs zu etablieren.

Ich empfehle daher, zunächst eine umfassendere geologische Untersuchung des Fundgebietes anzuordnen und vor einer endgültigen Anpassung der Tunnelplanung abzuwarten, welchen Umfang die Vorkommen tatsächlich besitzen. Sollten sich die bisherigen Ergebnisse bestätigen, könnten anschließend Vertreter des Bauwesens, der Wirtschaftsverwaltung und gegebenenfalls geeigneter Bergbauunternehmen gemeinsam prüfen, ob und in welchem Umfang eine wirtschaftliche Erschließung sinnvoll wäre.


Meldung 3: Kapazitätsengpässe im landwirtschaftlichen Raum Gold One

Ergänzend möchte ich Sie noch über eine Entwicklung im Raum Gold One informieren. Die unter Gouverneur Zesh eingeleiteten Fördermaßnahmen sowie die Erweiterung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen haben in den vergangenen Monaten zu einem deutlichen Wachstum der regionalen Produktion geführt. Da ein erheblicher Teil der dortigen Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetriebe staatlich geführt wird, sind größere Erweiterungen der bestehenden Infrastruktur genehmigungspflichtig und können nicht eigenständig durch die einzelnen Betriebe vorgenommen werden.

Nach aktuellen Meldungen stoßen insbesondere die vorhandenen Lager-, Kühl- und Umschlagskapazitäten inzwischen zunehmend an ihre Grenzen. Der Verband zur Förderung der Landwirtschaft hat deshalb die Errichtung mehrerer neuer, groß dimensionierter Lager- und Logistikkomplexe im Umfeld von Gold One beantragt. Neben zusätzlichen Lagerflächen sollen dabei auch die Zufahrtswege, Energieversorgung und Transportanbindungen der betroffenen Gebiete verbessert werden, da die bestehende Infrastruktur mit dem gestiegenen Produktionsvolumen zunehmend überfordert ist.

Die entsprechenden Unterlagen wurden bereits an Legat Torven Krail, den zuständigen Legat des Wirtschaftsressorts, weitergeleitet. Legat Kreil hat angekündigt, sich selbst ein Bild von der Situation zu machen und die beantragten Maßnahmen gemeinsam mit den verantwortlichen Stellen vor Ort prüfen zu lassen.



Eine unmittelbare Entscheidung Ihrerseits ist daher gegenwärtig nicht erforderlich. Ich wollte Sie dennoch über die Entwicklung informieren, da es sich um eine direkte Folge der bisherigen wirtschaftlichen Förderung Gold Ones handelt und bei entsprechender Genehmigung in absehbarer Zeit mit größeren Bau- und Infrastrukturmaßnahmen in der Region zu rechnen ist.


Die entsprechenden Unterlagen, zur ersten Schadensmeldungen aus der Werftregion sowie die vorläufigen geologischen Berichte von Red One und genauere Informationen zu Gold One lasse ich Ihnen gemeinsam mit diesem Bericht im Anhang zukommen .

Hochachtungsvoll

Miss Mariss
Büro des Gouverneurs
Prefsbelt IV


Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Blue One | Gouverneurs Palast | - Liena Marris
 
Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Blue One | Gouverneurs Palast | - Liena Marris


Es war bereits spät geworden, als Liena noch immer hinter ihrem Schreibtisch im Vorzimmer des Gouverneurs saß.

Ihr eigener Arbeitsbereich nahm einen guten Teil des Raumes ein, der zugleich als Empfangs- und Wartebereich für jene diente, deren Anliegen tatsächlich bis zum Gouverneur vorgelassen wurden. Mehrere Terminals, Aktenablagen und kleinere Datenarchive füllten die Regale hinter ihr, während auf der gegenüberliegenden Seite einige Sitzgelegenheiten für Besucher bereitstanden. Von hier aus liefen Termine, Nachrichten, Anfragen und nicht selten auch jene Probleme zusammen, die besser gelöst wurden, bevor sie überhaupt den Schreibtisch des Gouverneurs erreichten.

Für heute hatte Liena ihre Liste beinahe vollständig abgearbeitet.

Die Nachricht über die Entwicklungen bei der Werft, auf Red One und in Gold One hatte sie erst vor kurzer Zeit an Gouverneur T’rsop übermittelt. Eigentlich hatte sie bereits vorgehabt, ihre Terminals herunterzufahren und den restlichen Papierkram auf den kommenden Morgen zu verschieben, als eine neue verschlüsselte Nachricht auf ihrem Bildschirm erschien.

T’rsop hatte bereits geantwortet.

Ein zufriedenes Lächeln huschte über Lienas Gesicht, während sie die Nachricht öffnete.
Offenbar teilte ihr neuer Vorgesetzter auf jedenfall schon mal eines mit seinem Vorgänger das Arbeit nicht unnötig lange liegen blieb.
Liena las die Anweisungen aufmerksam durch und machte sich anschließend ohne weiteres Zögern wieder an die Arbeit.

Die Werftleitung erhielt die Weisung, ihre Beschäftigten ausdrücklich auf die Konsequenzen weiterer Übergriffe hinzuweisen. Gleichzeitig leitete Liena die Aufhebung des verhängten Zutrittsverbotes an die zuständigen Stellen weiter und informierte die planetaren Sicherheitsbehörden über die angeordnete, begrenzte Verstärkung ihrer Präsenz in der Region.

Anschließend ließ sie erste Kontakte zu mehreren Veranstaltungs-, Gastronomie- und Cateringunternehmen herstellen, die kurzfristig zusätzliche Angebote in den umliegenden Ortschaften bereitstellen konnten. Die zuständigen Stellen erhielten zugleich den Auftrag, eine begrenzte staatliche Anschubfinanzierung vorzubereiten.

Das größere Treffen zwischen Werftleitung, Ortsvertretern, Sicherheitsbehörden und Verwaltung setzte sie für die Zeit nach der Gala auf die vorläufige Terminplanung.

Auch die übrigen Anweisungen waren rasch weitergeleitet.

Die wissenschaftlichen Teams auf Red One wurden darüber informiert, dass die Untersuchung der neu entdeckten Erzvorkommen fortan erhöhte Priorität besaß. Die Verantwortlichen für den Ausbau des Tunnelsystems sollten ihre Planungen zunächst flexibel halten, bis belastbarere geologische Daten vorlagen.

Gold One hingegen verblieb wie vorgesehen vorerst im Zuständigkeitsbereich von Legat Torven Krail.
Erst nachdem die letzten Nachrichten versandt, Bestätigungen eingegangen und die entsprechenden Vorgänge in das Verwaltungssystem eingetragen worden waren, lehnte sich Liena für einen Moment in ihrem Stuhl zurück.

Über T’rsop wusste sie mittlerweile die wichtigsten Dinge.
Zumindest jene, die für ihre tägliche Arbeit notwendig waren.
Doch das war nicht dasselbe wie bei Theranos Zesh.

Nach längerer gemeinsamer Arbeit hatte sie bei ihrem ehemaligen Gouverneur häufig bereits gewusst, welche Unterlagen er verlangen würde, bevor er selbst daran gedacht hatte, danach zu fragen. Bei T’rsop war sie davon noch weit entfernt.

Das würde sich ändern.

Seine Personalakte allein umfasste Jahrzehnte an Verwaltungs und Beratungstätigkeit, wissenschaftliche wie philosophische Arbeiten und vieles mehr. Mehr als genug Material also, um die eine oder andere ruhige Abendstunde sinnvoll zu verbringen.

Liena war ohnehin nie besonders gut darin gewesen, Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen und sie sowie viele andere waren Gespannt welchen frischen Wind der neue Gouverneur in die Regierung von Prefsbelt IV bringen würde.



Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Blue One | Gouverneurs Palast | - Liena Marris
 
Prefsbelt IV | Niedriger Orbit | Pilotenquartiere an Bord des Trägerschiffes | Reyan „Vex“ Vexler



Das warme Wasser lief Reyan über Schultern und Rücken, während er mit geschlossenen Augen unter der Dusche stand und die Anstrengung des vergangenen Trainings langsam aus seinen Muskeln wich. Einige Zeit war inzwischen seit dem großen Ball im Gouverneurspalast vergangen, doch gelegentlich musste er noch immer an diesen Abend zurückdenken.

Und was für ein Abend das gewesen war.

Die prächtigen Räumlichkeiten, das hervorragende Essen, die Musik und natürlich die zahlreichen Gäste hatten selbst seine Erwartungen übertroffen. Nachdem der offizielle Teil mit den Auszeichnungen und Beförderungen beendet gewesen war, hatte sich die Stimmung zunehmend gelockert. Reyan hatte mit seinen Kameraden angestoßen, sich angeregt mit Casey unterhalten und später auch die Gelegenheit genutzt, mit der einen oder anderen Dame das Tanzparkett unsicher zu machen. Dass seine frisch verliehene Auszeichnung dabei durchaus Aufmerksamkeit erregt hatte, war ihm selbstverständlich nicht entgangen.

Er musste bei dem Gedanken grinsen. Die Ausgehuniform hatte sich an diesem Abend wirklich bezahlt gemacht.

Besonders die Verleihung des Verdienstordens von Prefsbelt IV war ihm in Erinnerung geblieben. Noch vor wenigen Monaten hatte er sich als vergleichsweise junger Pilot in der Betastaffel beweisen müssen, und nun hatte ihm der Gouverneur persönlich die Hand geschüttelt und ihn vor zahlreichen hochrangigen Persönlichkeiten ausgezeichnet. Zusammen mit seiner Anerkennung als Fliegerass war das ein beachtlicher Schritt gewesen, auf den er durchaus stolz war.

Allerdings war er an diesem Abend nicht der Einzige gewesen, der Grund zum Feiern gehabt hatte.
Kal Andrim.

Sein Rottenführer hatte mit seiner Beförderung zum Captain und den erhaltenen Auszeichnungen einen gewaltigen Karrieresprung hingelegt. Reyan freute sich aufrichtig für ihn, immerhin hatte er in den vergangenen Einsätzen oft genug erlebt, was Kal als Pilot und Offizier leistete. Die beiden waren inzwischen ein eingespieltes Team gewesen, und auch wenn Reyan das vermutlich niemals offen zugegeben hätte, war ihm sein Rottenführer längst mehr als nur ein gewöhnlicher Vorgesetzter.

Unter anderen Umständen, fernab von Dienstgraden und militärischer Hierarchie und so weiter, konnte sich Reyan sogar vorstellen, mit Kal befreundet zu sein.

Gleichzeitig hatte ihn Kals Beförderung aber auch ein wenig gewurmt. Nicht aus Missgunst, denn verdient hatte er sich den Rang zweifellos. Vielmehr war Kal für ihn immer auch ein Maßstab, an dem er seine eigenen Fähigkeiten messen konnte. Jemand, zu dem er aufsah und den er eines Tages übertreffen wollte.
Nun war dieser Mann Captain, mehrfach ausgezeichnet und auf dem Weg nach Truuine, wo er gemeinsam mit hochrangigen Vertretern des Imperiums an einer weiteren Gala teilnehmen würde.

Während Vex hier weiterhin seine Runden drehte.

Reyan schnaubte amüsiert, griff nach dem Duschgel und schüttelte leicht den Kopf. Immerhin war er erst zweiundzwanzig Jahre alt. Es gab genügend Zeit, sich einen Namen zu machen, und die vergangenen Wochen hatten eindrucksvoll bewiesen, dass er auf dem richtigen Weg war.
Trotzdem hätte er gegen ein wenig mehr Abwechslung nichts einzuwenden gehabt.

Seit Kals Abreise war der Dienst für die verbliebenen Piloten der Betastaffel wieder weitgehend in seinen gewohnten Rhythmus zurückgekehrt. Die üblichen Kontrollen, Bereitschaftsdienste, kleinere Übungen und gelegentliche Simulatorstunden bestimmten den Tagesablauf, während sie auf weitere Anweisungen warteten. Nach den Ereignissen über Red One war diese Ruhe sicherlich nicht das Schlechteste, doch für jemanden wie Reyan verlor selbst ein angenehmer Tag irgendwann seinen Reiz.

Zumindest hatte er dadurch wieder ausreichend Gelegenheit, sich seinem Training zu widmen.

Auch heute hatte er mehrere Stunden im Sportraum verbracht. Ein ausgiebiges Aufwärmprogramm, Lauftraining, Kraftübungen und anschließend eine ordentliche Einheit für Beweglichkeit und Dehnung. Das lange Sitzen im Cockpit machte sich schließlich auch bei einem jungen, sportlichen Piloten bemerkbar, und Reyan hatte wenig Interesse daran, irgendwann wie einer jener älteren Offiziere herumzulaufen, die bereits beim Aufstehen aus einem Sessel Geräusche von sich gaben, die eher zu einem beschädigten Repulsorlift passten.
Nach einem letzten Schwall warmen Wassers stellte er die Dusche ab, griff nach einem Handtuch und trocknete sich ab.



Wenig später betrat er den Wohnbereich seines Quartiers, noch immer damit beschäftigt, sich die hellbraunen Haare trocken zu rubbeln. Seine Trainingskleidung landete in der vorgesehenen Ablage, bevor er sich frische Unterwäsche und ein schlichtes Diensthemd aus dem Schrank nahm. Während er sich anzog, wanderte sein Blick kurz zu dem Verdienstorden, den er nach dem Ball sorgfältig verwahrt hatte.

Ein kleines, zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht. Er würde schon noch dafür sorgen, dass weitere Auszeichnungen dazukamen.
“Die erste von vielen”, sagte er und schloss den Schrank.

Gerade als er sich auf die Bettkante setzen wollte, ertönte ein dezenter Signalton von seinem dienstlichen Datapad.
Reyan blickte auf.

Zunächst schenkte er dem Gerät wenig Aufmerksamkeit. Vermutlich irgendeine Dienstplanänderung, eine weitere Bereitschaftsmeldung oder eine jener administrativen Mitteilungen, die grundsätzlich dann eintrafen, wenn man gerade etwas anderes vorhatte.
Er nahm das Datapad vom Schreibtisch und aktivierte die Anzeige.

Doch statt einer gewöhnlichen Mitteilung erschien das Siegel des imperialen Oberkommandos auf dem Bildschirm. Darunter blinkte ein Hinweis, dass eine persönlich adressierte, verschlüsselte Nachricht eingegangen war.

Reyan hob überrascht die Augenbrauen.
„Na, was haben wir denn da?“, murmelte er und setzte sich nun doch auf die Bettkante.

Er bestätigte seine Dienstkennung und durchlief die erforderliche Authentifizierung. Nach wenigen Augenblicken wurde die Übermittlung entschlüsselt und eine förmliche Personalverfügung aufgerufen.
Sein Blick wanderte zunächst über den Absender, anschließend über die Betreffzeile.

Eignungsfeststellung für eine militärische Sonderverwendung.

Jetzt war seine Aufmerksamkeit geweckt.
Reyan richtete sich etwas auf und begann, die Nachricht sorgfältig zu lesen.

Darin wurde ihm mitgeteilt, dass er aufgrund seiner bisherigen dienstlichen Leistungen für ein gesondertes Auswahlverfahren des imperialen Oberkommandos vorgemerkt worden war. Er wurde angewiesen, sich zu einem festgelegten Termin persönlich bei einer zuständigen Dienststelle einzufinden, wo seine Eignung für eine weiterführende militärische Verwendung festgestellt werden sollte.

Weitere Informationen über den konkreten Zweck würden ihm erst nach seiner Ankunft mitgeteilt werden. Außerdem enthielt die Verfügung einen ausdrücklichen Hinweis auf die Vertraulichkeit des Vorgangs.



Reyan las die Nachricht ein zweites Mal und lehnte sich langsam dann zurück.
Ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Na, sieh mal einer an.“

Das war interessant. Verdammt interessant sogar.
Eine persönliche Verfügung des Oberkommandos, eine gesonderte Auswahl und eine mögliche Sonderverwendung. Das klang ganz danach, als würde man irgendwo neue Kräfte für eine besonders anspruchsvolle militärische Aufgabe zusammenstellen.
Vielleicht eine neue Eliteformation des Sternenjägerkorps? Eine spezialisierte Kampfstaffel für besonders gefährliche Einsätze? Möglicherweise sogar eine Verwendung unmittelbar an der Front, wo er endlich Gelegenheit bekommen würde, sich mit anderen Piloten zu messen.
Die Vorstellung gefiel ihm ausgesprochen gut.

Seine Gedanken wanderten beinahe automatisch zu Kal.

Ob sein frisch beförderter Captain bei der Sache die Finger im Spiel hatte? Vielleicht hatte er Reyan irgendwo empfohlen oder bei einem Gespräch mit wichtigen Offizieren seinen Namen fallen lassen. Andererseits hatten seine Leistungen über Prefsbelt IV durchaus für sich gesprochen, und seine jüngste Auszeichnung dürfte ebenfalls ihren Weg in die entsprechenden Personalakten gefunden haben.

Vielleicht hatte das Oberkommando also ganz von selbst erkannt, dass man einen Piloten wie ihn besser nicht dauerhaft mit gewöhnlichen Patrouillen beschäftigen sollte.
Reyan grinste bei diesem Gedanken noch etwas breiter.
Die Wahrheit würde er schon irgendwann erfahren.
Er stellte sich bereits vor, wie Kal irgendwann von seiner neuen Verwendung erfuhr. Während der Herr Captain auf Truuine mit Gouverneuren und anderen hohen Persönlichkeiten verkehrte und später wer weiß wo. Würde sein ehemaliger Flügelmann vielleicht schon bald für irgendeine speziell ausgesuchte Kampfeinheit fliegen.

Das wäre doch etwas.

Und wenn er eines Tages mit weiteren Abschüssen, einem zusätzlichen Orden oder vielleicht sogar einer eigenen Beförderung vor ihm stand, würde Kal sicherlich erkennen müssen, dass sein ehemaliger Beta Neun ebenfalls nicht untätig geblieben war.
Reyan schmunzelte und schüttelte über seine eigenen Gedanken leicht den Kopf.

Noch war überhaupt nichts entschieden. Die Nachricht sprach ausdrücklich von einer Eignungsfeststellung, und selbst sein ausgeprägtes Selbstvertrauen änderte nichts daran, dass er zunächst einmal das Auswahlverfahren bestehen musste. Immerhin hatte man ihn noch nicht einmal darüber informiert, wofür er eigentlich ausgewählt werden sollte.
Doch allein die Tatsache, dass sein Name offenbar in irgendeiner höheren Dienststelle Aufmerksamkeit erregt hatte, war Grund genug, sich darüber zu freuen.



Er stand auf, trat an seinen Schreibtisch und legte das Datapad darauf ab. Anschließend rief er seine bevorstehenden Dienstverpflichtungen auf, um sich einen Überblick über die nächsten Tage zu verschaffen.
Eine Reise stand bevor, und bis zum angegebenen Meldetermin würde er dafür sorgen müssen, dass seine persönlichen Angelegenheiten geregelt waren. Auch die erforderliche dienstliche Abmeldung würde er rechtzeitig veranlassen.

Die verbleibende Zeit wollte er allerdings keineswegs ungenutzt verstreichen lassen.

Wenn das Oberkommando tatsächlich nach besonders geeigneten Piloten suchte, würde er dafür sorgen, dass seine Fähigkeiten keinen Anlass zu Zweifeln boten. Zwar wusste er nicht, welche Prüfungen ihn erwarteten, doch gerade deshalb erschien es ihm sinnvoll, seine bisherigen Kenntnisse noch einmal gründlich aufzufrischen.

Einige zusätzliche Simulatorstunden konnten jedenfalls nicht schaden. Anspruchsvolle Abfangmanöver, wechselnde Gefechtssituationen, Flüge unter erschwerten Bedingungen und vielleicht ein paar Übungen, bei denen selbst erfahrene Piloten ordentlich ins Schwitzen kamen. Besonders die taktischen Möglichkeiten seines TIE/ba wollte er sich noch einmal genauer ansehen, um die Maschine noch besser kennenzulernen. Er kannte seine Maschine inzwischen ausgesprochen gut, doch zwischen einem hervorragenden Piloten und einem wirklichen Meister seines Handwerks lagen manchmal nur wenige Sekunden und das Wissen, wie man die vorhandenen Systeme im entscheidenden Moment richtig einsetzte. Vielleicht würde er sich ein bisschen mehr mit den Mechanikern zusammen tun.

Auch die theoretischen Grundlagen würde er sich noch einmal vornehmen. Dienstvorschriften, Einsatzbefehle, Formationsmanöver und die taktischen Verfahren des Sternenjägerkorps. Vieles davon beherrschte er längst, anderes hatte sich im Laufe der Zeit etwas in den Hintergrund geschoben. Immerhin wollte er bei einer möglichen Befragung nicht dastehen wie ein frisch ausgebildeter Kadett.

Dazu kam natürlich das körperliche Training. Ein paar zusätzliche Einheiten im Sportraum, etwas mehr Ausdauer und vielleicht wieder regelmäßiger an seiner Beweglichkeit arbeiten. Er war bereits in hervorragender Verfassung, doch das war schließlich kein Grund, sich darauf auszuruhen.
Bei aller Begeisterung war ihm durchaus bewusst, dass er sich nicht innerhalb dieses Zeitraums auf jede denkbare Herausforderung vorbereiten konnte. Aber er konnte zumindest dafür sorgen, dass er mit einem guten Gefühl zu diesem Auswahlverfahren erschien.

Für einen Moment betrachtete er noch einmal die verschlüsselte Verfügung. Was auch immer ihn dort erwartete, er würde so vorbereitet erscheinen wie es nur möglich war.
Vielleicht bedeutete dieser Auftrag endlich den nächsten Schritt seiner Laufbahn. Neue Kameraden, neue Herausforderungen und mit etwas Glück eine Maschine, mit der er sein Können unter noch anspruchsvolleren Bedingungen unter Beweis stellen konnte.

Reyan nahm das Datapad wieder in die Hand und bestätigte den Empfang der Verfügung.
Anschließend legte er es mit einem zufriedenen Lächeln zurück auf den Schreibtisch.

„Tja, irgendjemand muss den Laden schließlich am Laufen halten“, meinte er leise zu sich selbst und strich sein Diensthemd glatt.

Während er sich noch einmal durch die Haare fuhr, war seine Laune bereits deutlich gestiegen.
Kal mochte inzwischen Captain sein und auf Truuine seinen wohlverdienten Ruhm genießen. Reyan gönnte ihm das von Herzen.

Aber vielleicht war jetzt auch für ihn die Gelegenheit gekommen, den nächsten Schritt zu machen.
Und eines stand für ihn ohnehin fest.
Jeder brauchte einen Vex.

Offenbar hatte man das inzwischen sogar beim Oberkommando begriffen.



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