Serie A Knight of the Seven Kingdoms

Mir ist bewusst, dass ich in Bezug auf die Welt rund um Das Lied von Eis und Feuer ziemlich nerdig bin. Ich habe alle Romane mehrfach als Hörbuch gehört – und damit meine ich nicht zwei- oder dreimal, sondern eher um die 20-mal. Feuer und Blut sogar noch häufiger.

Gerade deshalb frage ich mich manchmal: Nehmen sich die Verantwortlichen vor einer Serienproduktion nicht noch einmal die Zeit, den Roman gründlich zu lesen und sich ein paar Notizen zu machen?

Mit diesem Staffelende hat man teilweise massiv in das zukünftige Material eingegriffen. Besonders das Ende fand ich wirklich problematisch. Zunächst dachte ich noch, es sei schade, dass man die Gelegenheit nicht genutzt hat, Aegons Abschied von seinem Vater – der im Buch offscreen stattfindet – hier zu zeigen. Und dann kommt die Enthüllung, dass Aegon ohne das Wissen seines Vaters einfach abgehauen ist.

Aus so vielen Gründen halte ich das für eine schlechte Entscheidung. Bei Aegon entsteht nun der Eindruck, dass er aus dem ganzen Fiasko nichts gelernt hat. Gleichzeitig wirkt Dunk deutlich schwächer als im Roman, wo er Maekar davon überzeugt, dass es das Richtige für Aegon ist, ihn als Knappen begleiten zu lassen. Vielleicht wollte man damit eine Grundlage schaffen, um die nächste Staffel mit Rückblenden zu füllen – aber was Charakterentwicklung und innere Logik betrifft, finde ich diese Entscheidung klar misslungen.

Aus Charaktersicht war das Ende im Buch einfach deutlich stärker.

Ich möchte mich aber nicht nur am Negativen aufhängen. Visuell war das Staffelende sehr schön umgesetzt – das sah wirklich gut aus. Generell wirkt die Welt in der Serie lebendiger als in HotD oder GoT. Abgesehen von King’s Landing wirken diese Serien oft erstaunlich leer, während hier spürbar mehr Leben herrscht.

Die Szene mit Lyonel Baratheon fand ich großartig, auch wenn ich seine Unzufriedenheit gegenüber den Targaryens nur bedingt nachvollziehen kann. Als Aegon versuchte, Aerion zu töten, war das eine starke Szene – fast schon Gänsehautmoment, besonders als sein Vater dort saß. Auch die Szene mit der Tochter von Lord Ashford hat mir gefallen.

Die Verbrennung von Baelor hätte jedoch imposanter inszeniert werden können. Schade fand ich, dass man ihn nicht klar gezeigt hat. Im Roman wird sehr schön beschrieben, dass sein Vater durchgesetzt hat, dass er ein prächtiges Gewand und keine Rüstung trug, weil er für ihn nicht nur ein Krieger war. Lediglich mit einem goldenen Helm wurde seine Kopfverletzung kaschiert. Das hätte ich gern gesehen. In GoT hat man schließlich auch andere Verbrennungen von Toten dargestellt – zumindest hätte man ihn auf dem Scheiterhaufen zeigen können.

Raymun Fossowey wirkt in der Serie etwas dümmlicher als im Roman, wo er insgesamt einen kompetenten Eindruck hinterlässt. Dass er sich hier ein Kind „andrehen“ lässt, hat bei mir eher Augenrollen ausgelöst. Generell habe ich das Gefühl, dass man teilweise zu sehr auf erzwungene Komik setzt. Ja, die Geschichte um Dunk und Egg ist humorvoller und leichter als die anderen Werke, aber während der Roman das richtige Maß findet, übertreibt die Serie es für meinen Geschmack etwas.

Insgesamt muss ich die Serie dennoch loben. Natürlich hat sie es bei mir schwer, weil ich die Vorlage sehr gut kenne. Mir ist auch bewusst, dass man einen Roman nicht eins zu eins adaptieren kann – vor allem, weil man dort viele Gedanken der Figuren direkt mitbekommt, was im Serienformat schwer umzusetzen ist. Ein gewisser kreativer Spielraum ist also notwendig. Löst man die Serie jedoch etwas von der Vorlage, muss ich zugeben: Sie macht vieles richtig und ist sehr unterhaltsam. Tatsächlich gefällt sie mir aktuell sogar besser als HotD. Die Charaktere sind einfach sehr gut besetzt.

Eine weitere Schwäche ist für mich allerdings der Soundtrack. Ich habe fast das Gefühl, als hätte die Serie keinen wirklich prägenden Score. Ich werde mir das Album noch einmal bewusst anhören und hoffe, die Serie bald erneut schauen zu können – vielleicht nehme ich die Musik dann intensiver wahr. Aber normalerweise liebe ich starke Soundtracks, weshalb ich auch so großer Fan von GoT, Star Wars oder Der Herr der Ringe bin. Diese Werke haben musikalische Themen, die ich regelmäßig höre – und genau das fehlt mir hier bislang etwas.

Um nicht negativ zu enden: Mir hat die Serie insgesamt gefallen und sie hat mich gut unterhalten. Ich freue mich definitiv auf weitere Staffeln.


Edit:
Was ich außerdem noch positiv hervorheben möchte: Die Diskussion um die Anzahl der Königreiche fand ich richtig gelungen. Besonders gut gefallen hat mir, dass anschließend ein angepasster Titel eingeblendet wurde – A Knight of the Nine Kingdoms.

Ich finde es ja ganz amüsant, dass das Königreich im Grunde aus reiner Bequemlichkeit immer noch so genannt wird, obwohl die Bezeichnung eigentlich nicht ganz korrekt ist. Zum Zeitpunkt der Eroberung waren die Flusslande nämlich kein eigenständiges Königreich mehr. Da Dorne jedoch zunächst nicht erobert wurde, passte die Zählung trotzdem irgendwie.

Als Dorne später dem Reich beitrat, hat es offenbar niemanden gestört – denn wenn man die Flusslande wieder herausrechnet, geht die Rechnung ja erneut auf. Und die Kronlande sind ohnehin noch einmal ein Sonderfall für sich.
 
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