Agriworld-2079

[M'shinni-Sektor :: Agriworld-2079 :: zentrale Agrarregion :: außerhalb der Hauptmetropole :: verborgenes Nebenlandefeld] Ylaine Vao

Die Mauer gab noch die Wärme des Nachmittags ab, während unterhalb des Landefeldes die ersten Bewässerungsdüsen anliefen und einen feinen Wassernebel über die niedrigen Kulturen legten. Ylaine hatte die Hände auf dem rauen Stein abgestützt und den Kopf ein wenig zurückgenommen, sodass die kühlere Luft auch die Haut unter ihren Lekku erreichte. Aus der Wartungshalle klang das Rattern eines Werkzeugs, begleitet vom Rollen eines Wagens über die Fugen des Hallenbodens und dem tiefen Brummen einer Pumpe hinter den Windschutzreihen. Über der Stadt löste sich ein heller Punkt aus einer Reihe aufsteigender Frachter, schwenkte nach Süden und kreuzte die Bahn eines zweiten Schiffes, bevor er wieder zwischen die Gebäude sank. Kaum war er hinter einem Speicher verschwunden, änderten zwei weitere Positionslichter ihren Kurs und kamen einander dabei so nahe, dass sie die Finger fester gegen den Mauerabschluss drückte. Höher am Himmel flackerte etwas auf und hinterließ einen weißen Fleck vor ihren Augen. Sie hatte sich bereits von der Mauer gelöst, als V7 vom Jäger her eine schrille Tonfolge ausstieß.

Warme Luft strich aus einer Entlüftung des Jägers über ihre Hand, während sie sich an der Leiter hochzog und in die offene Kanzel beugte. Noch bevor sie im Sitz Platz genommen hatte, legte V7 die Verkehrsmeldungen auf den Lautsprecher, aus dem mehrere Stimmen zugleich nach freigegebenen Korridoren fragten oder unbekannte Kontakte meldeten. Eine Anweisung, sämtliche Anflüge auszusetzen, brach unter dem Ruf eines Piloten ab. Dann fiel das Wort imperial. Die Twi'lek rief die Übersicht des Nahbereichs auf, in der zwischen den wechselnden Kurslinien ziviler Schiffe neue Kontakte erschienen, von denen zwei als TIE-Jäger ausgewiesen wurden. Über dem äußeren Frachtbezirk zuckte eine Folge grüner Lichtstriche auf. Ylaine richtete sich im Cockpit auf, als einer der aufsteigenden Transporter aus seiner Bahn kippte, sich mit aufflammenden Triebwerken noch einmal fing und hinter den flachen Dächern verschwand. Wenig später warf ein Lichtschein die Speicher als schwarze Umrisse gegen die Stadt, bevor sich zwischen ihnen eine dunkle Wolke ausbreitete und die letzten sichtbaren Lichter verschluckte. Als das dumpfe Rollen der Explosion das Landefeld erreichte, klirrte hinter ihr eine Scheibe der Wartungshalle. Ihre Hand lag bereits auf der Triebwerkssteuerung. Sie hätte versuchen können, den Jäger mit eingeklappten Flügeln in geringer Höhe über die Felder hinauszubringen, doch auf der Anzeige führte die vorbereitete Aufstiegsroute mitten durch den Raum, aus dem die neuen Kontakte kamen. Während V7 die Route verwarf und eine zweite Berechnung begann, meldete einer der gerade vom Stadtgebiet abgedrehten Frachter über den Verkehrskanal, dass er beschossen werde. Die Rangerin nahm die Hand von der Steuerung und brach die Startsequenz ab.

Die örtliche Flugleitung wies zivile Schiffe zur sofortigen Landung an, kam bei der Wiederholung jedoch nur bis zur Hälfte, bevor ein Krachen die Übertragung überlagerte. Ylaine legte den Empfang auf ihr Komlink und wandte sich beim Abstieg einem Skrilling am Rand der Mulde zu, der ein Funkgerät dicht vor die Atemröhren seines Gesichts hielt. Die Ärmel seines offenen Arbeitsmantels waren bis über die Ellenbogen zurückgeschlagen. Hinter ihm trat eine Frau aus der Halle und blieb mit einer Hand am Tor stehen, bis das nächste Grollen sie unter den Türsturz zurückweichen ließ. Von hier unten verdeckten die Hügel den größten Teil der Stadt, über deren Dächern der Rauch im Abendlicht aufstieg. Der Skrilling senkte sein Funkgerät erst, als die Rangerin ihn fragte, ob sie den Jäger in der Halle unterstellen könne, sah zum X-Wing hinüber und wies auf die breite Wartungsbucht, in der ein Erntefahrzeug ohne vorderen Aufbau stand. Wenn sie es zur Seite bekamen, konnte der Jäger weit genug hinein, um die Tore zu schließen. Seine Kollegin schaltete das Fahrwerk frei, während Ylaine mit ihm die Bodensicherungen löste und die Versorgungsleitungen aus dem Weg zog. Knapp über dem Boden schwebend führte sie den XJ3 rückwärts in die geräumte Bucht und ließ sich von den beiden Arbeitern einweisen. In einem aufgeschnittenen Bewässerungstank spiegelte sich das Rot einer fernen Explosion. Sobald der Jäger auf seinem Fahrwerk ruhte, schaltete sie die Antriebe ab und hörte über dem Summen der Lüftung das Schleifen der Torhälften, die der Skrilling vor dem Jäger zusammenzog. Ein schmaler Streifen Abendlicht wanderte über die Verkleidung und erlosch. Die Statusfelder der vier Saatgutbehälter blieben grün, als sie die aktiven Sensoren abschaltete und V7 anwies, den Flugverkehr weiter passiv zu verfolgen. Er sollte beim Schiff bleiben und sie über ihr Komlink verständigen, sobald er eine gesicherte Verbindung zu republikanischen Stellen bekam. Aus dem Fach hinter dem Sitz nahm sie die Datenkarte, schob sie in die verschließbare Innentasche ihrer Jacke und rief auf ihrem Datapad die Kontaktdaten des Hauptlabors auf.

Neben Nessas Kennung stand noch der Vermerk zur Rücksendung der Wachstumsdaten. Ylaine wählte die Verbindung an und sah über den Rand des Geräts zum Hallentor, bis der unbeantwortete Ruf abbrach. Auch am allgemeinen Anschluss meldete sich niemand, sodass sie ihre Kennung mit der Bitte um Rückmeldung hinterließ und die gespeicherte Stadtkarte öffnete. Ob die Archivarin noch in den Versuchskammern stand oder längst auf dem Heimweg war, wusste sie nicht. Sie vergrößerte den Forschungsbezirk und zog die Karte bis zu jener Kreuzung weiter, an der auf ihrem Rückweg ein beladener Gleiter hatte warten müssen, weil sich zwei Familien mitten auf dem Weg verabschiedet hatten. Unten hatte die Frau den Jäger bereits an die Hallenversorgung angeschlossen. Ihr Kollege stand vor einem Wandterminal, aus dessen Lautsprecher das Besetztzeichen einer Leitung kam. Als die Rangerin neben ihn trat, erklärte er ihr, dass seine Tochter in einem Verpackungsbetrieb am Stadtrand arbeite und ihre Schicht vor einer halben Stunde hätte enden sollen. Er brach ab, um den Ruf erneut auszulösen. Ylaine ließ sich den Betrieb auf der Karte zeigen, notierte den Namen seiner Tochter und legte ihren Weg zum Hauptlabor daran vorbei, bevor sie ihre Komlinkkennung in seinem Gerät hinterlegte.

Seine Kollegin verstaute den Verbandskasten der Halle und zwei Wasserbehälter auf einem kleinen Transportgleiter, mit dem sie zu den nahen Arbeiterunterkünften fahren wollte, wo es einen Keller unter dem alten Kühlhaus gab. Dort könnten fürs Erste auch Bewohner aus der Stadt unterkommen. Der Skrilling ging nach draußen, um die Zufahrtbeleuchtung abzuschalten, während die Twi'lek ihren Feldmedpac aus der Ausrüstungshalterung nahm und den braunen Wettermantel überzog. Durch die offene Seitentür kam der Geruch feuchter Erde herein, vermischt mit einem scharfen Brandgeruch, der ihr beim Einatmen im Hals hängen blieb. Sie legte den Trageriemen des Blastergewehrs über die Schulter und überprüfte die Verbindung zu V7, bevor sie durch die Seitentür ins Freie trat. Am Gleiter zeigte ihr der Skrilling einen schmalen Weg entlang des Bewässerungsgrabens, der unterhalb der Speicherhallen auf die stadtwärtige Versorgungsstraße führte und die breite Kreuzung vor den Silos umging. Mit der Sensorbrille vor den Augen ging sie zwischen den bepflanzten Böschungen hinunter und hörte hinter sich den Antrieb des Gleiters anspringen, dessen Scheinwerferlicht über die Baumstämme wanderte und in Richtung der Unterkünfte verschwand.

Auf der Versorgungsstraße kamen ihr bereits Fahrzeuge entgegen, darunter ein offener Lastgleiter mit Passagieren, die zwischen leeren Erntekisten auf der Ladefläche saßen und sich an den Seitenwänden festhielten. Auf dem Beifahrersitz hatte eine Skrilling ein Kind quer über die Knie genommen, dessen nackter Fuß unter einer Jacke hervorragte und bei jedem Schlingern gegen die Tür stieß. Die Rangerin trat in den nassen Randstreifen und wartete, bis der Gleiter vorbeigezogen war, ehe sie ihren Weg fortsetzte.

Weiter unten lag die Stadt wieder offen vor ihr. Rauch verdeckte Teile des Frachtbezirks und zog in langen Bahnen über die Gewächshäuser, deren Beleuchtung zwischen den dunklen Dächern noch immer brannte. Sie nahm das Komlink auf und versuchte erneut, das Hauptlabor zu erreichen, während sie den Weg hinunterging. Wasser lief aus einer beschädigten Bewässerungsleitung über den Asphalt und füllte die Abdrücke ihrer Stiefel im weichen Randstreifen.


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Darth Angelus


Angelus hörte die Antwort seines ehemaligen Schützlings noch, als er bereits aus dem Maschinenunterstand trat. Ein brauchbarer ehemaliger Meister fand sich also nicht an jeder Ecke. Auch in dieser Hinsicht hatte Craton während seiner Ausbildung offenbar etwas gelernt. Das wölfische Lächeln blieb noch einige Augenblicke auf seinen Lippen, dann verschwand es. Hinter ihm würde Craton seinen eigenen Weg nehmen. Angelus blickte sich nicht noch einmal um, denn es bestand kein Grund dazu. Von diesem Augenblick an befand sich der Mirialander nicht mehr auf Agriworld. Er war nicht auf diesem Gehöft gewesen, hatte niemals auf diesem Boden gestanden und ganz gewiss keine achtzehn imperialen Sturmtruppen unter dem Schein einer blauen Lichtschwertklinge niedergemacht. Irgendwo weit entfernt befand sich ein Sith-Krieger auf Bastion, der in Kürze eine vollkommen legitime Anfrage erhalten würde, sich an die Front im galaktischen Norden zu begeben. Etwa dreißig Stunden würde es dauern, vielleicht mehr, vielleicht weniger.

Angelus trat zwischen den Trümmern hindurch und überschlug die Zeit noch einmal im Kopf, bis Meister und Schüler vereint sein würden. Dieses Mal ganz offiziell. Bis dahin sollte allerdings noch etwas anderes geschehen sein: der
Zirkel der Assassinen. Angelus' Mundwinkel zuckte kurz. Cratons Reaktion auf dieses eine Wort war ihm nicht entgangen. Das kurze Stocken, dann die Frage. Schließlich jener Moment, in dem mehrere bislang voneinander getrennte Gedanken im Kopf des Mirialaners offenbar ineinandergegriffen hatten. Sehr gut. denn mehr hatte Angelus ihm nicht geben wollen. Manche Türen verloren schließlich einen erheblichen Teil ihres Reizes, wenn man jemanden einfach nur hindurchschob und nicht selbst hindurchschreiten ließ.

Der Zirkel der Assassinen wusste längst genug. Angelus hatte zwar keine Aufnahme versprochen. Das konnte er nicht und, wesentlich wichtiger, wollte er das auch gar nicht. Ein Sith, der nur deshalb in einen Zirkel gelangte, weil sein ehemaliger Meister Kontakte spielen ließ oder Gefallen einforderte, war in den Augen eines Zirkelmeisters denkbar wenig wert. Was er
Craton verschafft hatte, war etwas anderes: Aufmerksamkeit. Eine Gelegenheit, gesehen zu werden. Danach musste der Mirialaner letztlich selbst dafür sorgen, dass ihnen gefiel, was sie sehen würden.

Nach dem, was Angelus in den vergangenen Stunden erlebt hatte, machte er sich darüber erstaunlich wenig Sorgen. Wenn alles so verlief, wie es sollte, würde der Zirkel Kontakt zu Craton aufnehmen, noch bevor dieser seine offizielle Reise an die Front antrat. Vielleicht eine Nachricht. Vielleicht eine Einladung. Vielleicht irgendeine jener unnötig geheimnisvollen Prüfungen, mit denen die Ordensmitglieder sich gern gegenseitig davon überzeugten, dass ihre Zirkel bedeutender waren als die aller anderen. Die genaue Form interessierte Angelus nicht. Entscheidend war lediglich, dass
Craton begriff, dass die Tür offenstand und die Gelegenheit zu nutzen wusste. Was danach geschehen würde, war eine gänzlich andere Geschichte. Sabar hatte Pläne mit Darth Naver und Craton. Noch waren sie nicht mehr als eine Handvoll reizvoller Möglichkeiten, doch große Dinge hatten schließlich die unangenehme Angewohnheit, immer irgendwo vergleichsweise klein beginnen zu müssen. Wenn sie es richtig anstellten, würde ihr Zusammentreffen auf Agriworld nicht bloß drei Sith aus unterschiedlichen Zirkeln zusammenführen. Es konnte der Beginn von etwas weitaus Größerem sein.

Der adelige Sith erreichte den Rand des Gehöfts. Hinter ihm fraßen sich die letzten Flammen durch das Grab des vermeintlichen Jedi, während weiter entfernt noch immer jene Sturmtruppen ihre zugewiesenen Sicherungspositionen hielten, denen Angelus ausdrücklich angewiesen hatte, genau das zu tun. Ihre Disziplin war beinahe rührend.

Mit wenigen Schritten ließ er die rauchenden Überreste hinter sich. Als die ersten weißen Rüstungen zwischen den Feldern sichtbar wurden, war von dem kurzen Wiedersehen im Maschinenunterstand nichts mehr an ihm zu erkennen. Darth Angelus kam allein vom Gehöft zurück. Der Jedi, der achtzehn ihrer Kameraden getötet hatte, war tot. Sein Lichtschwert befand sich als Trophäe unter dem schwarzen Umhang des Sith. Mehr mussten sie nicht wissen.

Angelus trat zu den verbliebenen Männern und verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Blick wanderte in Richtung der Siedlung und jener Forschungsanlage, in deren Innerem
Darth Naver noch immer seiner eigentlichen Beute nachging, begleitet von den Death Troopern. Nun hieß es warten. Eine Beschäftigung, für die Angelus gewöhnlich wenig Begeisterung aufbrachte. Heute jedoch gestattete er sich ausnahmsweise ein wenig Geduld.

[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Kleinstadt auf der Südhalbkugel – Peripherie – Gehöft ]
Darth Angelus, Sturmtruppen
 
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