Serie Babylon Berlin

Sehr atmosphärischer und starker Trailer. Bin sehr gespannt, wie sie das ganze abschließen - gerade mit dem historischen Kontext, an dem die Serie jetzt angelangt ist.
 
Ich freue mich sehr auf die fünfte Staffel von Babylon Berlin. Das liegt natürlich an Gereon Rath und Charlotte Ritter, vor allem aber an dem historischen Moment, den die Serie inzwischen erreicht hat. Mit Januar und Februar 1933 sind wir endgültig dort angekommen, worauf Babylon Berlin eigentlich seit der ersten Staffel zuläuft. Die Weimarer Republik steht vor ihrem Ende.

Das verändert für mich auch die Spannung der Serie. Bisher wussten wir als Zuschauer immer, was irgendwann kommen wird, während die Figuren noch in einer Welt lebten, deren Zukunft für sie offen war. Jetzt holt die Geschichte sie ein. Hitler wird Reichskanzler und innerhalb weniger Wochen beginnt sich Deutschland fundamental zu verändern. Damit stellt sich für viele Figuren zwangsläufig die Frage, wie sie sich unter den neuen Verhältnissen verhalten. Wer passt sich an? Wer macht begeistert mit? Wer erkennt überhaupt rechtzeitig, was gerade passiert? Und wer versucht, sich dagegenzustellen?

Besonders gespannt bin ich darauf, wie die Serie Berlin selbst inszeniert. Die Stadt war für mich immer eine der eigentlichen Hauptfiguren von Babylon Berlin. Dieses wilde Gemisch aus Nachtleben, Armut, kulturellem Aufbruch, Kriminalität, politischer Gewalt und erstaunlicher Modernität hat einen erheblichen Teil des Reizes ausgemacht. Nun beginnt genau dieses Berlin zu verschwinden. Dafür braucht es vermutlich gar nicht ständig die ganz großen historischen Ereignisse. Viel interessanter könnte sein, wenn sich der Umbruch zunächst im Alltag bemerkbar macht. Menschen verschwinden, Kollegen verhalten sich plötzlich anders, Zeitungen ändern ihren Ton und in Behörden verschieben sich Machtverhältnisse. Was gestern noch selbstverständlich war, kann wenige Wochen später gefährlich sein.

Natürlich bleibt auch der Kriminalfall erhalten. Charlotte beschäftigt sich mit einer Mordserie an ehemaligen Frontsoldaten, Gereon verschwindet und eine Akte über Hitlers Vergangenheit im Ersten Weltkrieg spielt offenbar ebenfalls eine Rolle. Das klingt ziemlich typisch nach Babylon Berlin, wo Krimi, Verschwörung und Zeitgeschichte schon immer kräftig miteinander vermischt wurden. Ich hoffe allerdings, dass man es diesmal mit den großen Verschwörungskonstruktionen nicht übertreibt. Der Februar 1933 liefert eigentlich schon genug Drama.

Und dann heißt es nach fünf Staffeln tatsächlich Abschied nehmen. Das finde ich schade, gleichzeitig erscheint mir der Zeitpunkt ausgesprochen passend. Eine Serie über die Weimarer Republik und ihre Widersprüche kann kaum einen wirkungsvolleren Endpunkt finden als den Moment, in dem diese Welt endgültig zerbricht.

Gerade deshalb könnte die fünfte Staffel für mich sogar die stärkste werden. Wir wissen schließlich längst, wie diese Geschichte ausgeht. Spannend ist nicht, ob die Demokratie untergeht, sondern wie Menschen erleben, dass sich ihre vertraute Welt innerhalb kürzester Zeit verändert. Wenn Babylon Berlin diesen Übergang ähnlich eindringlich einfängt, wie die Serie zuvor das Berlin der späten zwanziger Jahre zum Leben erweckt hat, dann könnte uns ein ziemlich großartiges und vermutlich auch ziemlich bedrückendes Finale bevorstehen.
 
Habe die letzten Tage Staffel 5 gebinged:

Die erste Hälfte fand ich richtig gut. Der Kiminalfall mit der Verschwörung um Hiters "eingebildete Bildheit" im Krieg war sehr spannend. Die Machtergreifung der Nazis war bedrückend, eindinglich und sehr realstisch (erinnerte an den Vormasch aktueller rechter Parteien).

Ab Gideons Rückkehr ist das Tempo aber viel zu hoch. Das WIedersehen mit Lotte fand ich eher enttäuschend und zu wenig emotional. Die Krankenakte Hitlers spielt auf einmal so gut wie keine Rolle mehr und geht es nur noch um das geplante Attentat auf ihn und den historischen Reichstags-Brand. Auch gab es am Ende kaum mehr eine Verabscheidung von den Charakteren. Lotte und Rath trennen sich nachdem sie ihn bei dem Brand gerettet hat, Lotte flieht in die Schweiz und Rath bleibt in Berlin (warum?). Nach all den Jahren hatte ich mir eigentlich einen emotionaleren Abschied gewünscht. Die obligatorischen 12 statt 8 Folgen wären wohl besser gewesen, so wirkt es etwas, als habe man die Serie nur noch schnell beenden wollen.

Insgesamt ist "Babylon Berlin" aber trotzdem eine tolle Serie und sollte man eine Gesamtbox auf DVD erscheinen, werde ich sie mir vielleicht zulegen. Gebe der Serie gsamt gute

8 von 10 Punkten!

Staffel Ranking:
1. Staffel 1 / 2 (ist ja ein Buch)
2. Staffel 3
3. Staffel 5
4. Staffel 4
 
Bei der Geschichte um Hitlers Krankenakte frage ich mich, ob eine Veröffentlichung wirklich so viel hätte bewirken können, wie sich die Figuren davon versprechen. Nehmen wir einmal an, die Akte hätte existiert und die Behandlung wäre genauso abgelaufen wie in der Serie. Das hätte zunächst öffentliche Empörung ausgelöst und Hitler politisch geschadet. Aber zwischen einer skandalträchtigen Enthüllung und dem Ende seiner politischen Karriere liegt ein entscheidender Unterschied.

Propagandistisch wäre die Wirkung keineswegs eindeutig gewesen. Seine überzeugten Anhänger hätten die Unterlagen vermutlich als Fälschung abgetan. Ein Goebbels hätte daraus womöglich sogar eine Heldengeschichte gestrickt: der Frontsoldat, der für Deutschland leidet und sich mit eisernem Willen wieder aufrichtet. Die Akte hätte Hitler also nicht nur schaden, sondern seiner Propaganda zusätzliches Material liefern können. Entscheidend wäre gewesen, wer die Deutungshoheit über das Dokument gewann.

Tatsächliche politische Konsequenzen hätte die Veröffentlichung erst gehabt, wenn Hindenburg oder Hitlers konservative Unterstützer daraus den Entschluss gefasst hätten, ihm ihre Unterstützung zu entziehen. Eine Zeitung konnte einen Skandal auslösen, aber nicht automatisch Mehrheiten verändern oder politische Entscheidungen erzwingen. Dass diese Männer ausgerechnet wegen einer alten Krankenakte umgedacht hätten, kann ich mir schwer vorstellen. Zumal im Februar 1933 die Pressefreiheit bereits eingeschränkt wurde und politische Gegner zunehmend um ihre Sicherheit fürchten mussten. Wer die Geschichte an die Öffentlichkeit brachte, hätte womöglich mehr zu verlieren gehabt als Hitler selbst.
 
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