Mystery Backrooms

S-3PO

zum Superhelden umformatierter Protokolldroide

Das hier ist wirklich etwas Außergewöhnliches. Ein Phänomen wird inszeniert, das man so noch nicht auf der Kinoleinwand gesehen hat. Ein Gefühl von konstanter Spannung und kompletter Irritation, eingehüllt in seltsam traumhaften Bildern, die teilweise an 3D-Games der späten 90er und frühen 2000er erinnern.

Ejiofor ist sowieso eine Bank, und Reinsve macht ebenfalls einen großartigen Job. Hat Potential für ein kleines Franchise, und könnte gerade in Kombination mit den YouTube-Videos ein würdiger Nachfolger für den leider etwas vermasselten Cloverfield-Mythos sein.

Auch Wahnsinn, dass das hier ein 20-jähriger Visionär umgesetzt hat. 8/10

Wer hat ihn noch gesehen? Und wer kennt die YouTube-Serie? Bin gespannt auf eure Interpretationen und Meinungen.
 
Backrooms
Je länger ich über Backrooms nachdenke, desto mehr überzeugt mich die psychologische Interpretation des Films. Man kann die Backrooms natürlich als reale Parallelwelt verstehen. Interessanter wird es für mich aber, wenn man sie als Metapher für das Unterbewusstsein liest. Die endlosen Flure, die verlassenen Räume und die ständigen Ortswechsel wirken dann nicht wie Science-Fiction, sondern wie eine Reise durch die eigene Psyche.

Genau an diesem Punkt drängt sich ein Vergleich mit David Lynch auf. Filme wie Mulholland Drive oder Lost Highway arbeiten ebenfalls mit Traumlogik, instabilen Identitäten und dem Gefühl, dass hinter der sichtbaren Realität noch etwas anderes verborgen liegt. Wer Lynchs Filme kennt, wird sich bei Backrooms immer wieder an diese Atmosphäre erinnert fühlen.

Wenn man die Backrooms als Unterbewusstsein versteht, ergeben viele Dinge plötzlich mehr Sinn. Die Räume wirken wie Erinnerungsfragmente. Man erkennt etwas Vertrautes, aber es passt nie ganz zusammen. Jeder kennt dieses Gefühl aus Träumen. Man befindet sich scheinbar in einem bekannten Gebäude, merkt aber nach und nach, dass die Architektur unmöglich ist. Türen führen an seltsame Orte, Räume verändern sich, und trotzdem akzeptiert man das alles im Traum als normal. Genau so funktionieren die Backrooms.

Auch die Kreaturen lassen sich in dieser Lesart anders betrachten. Sie sind dann nicht einfach Monster, die irgendwo in einer fremden Dimension leben. Sie wirken eher wie verdrängte Anteile der eigenen Persönlichkeit, wie Ängste, Schuldgefühle oder Dinge, die man lieber nicht sehen möchte. Die Figuren begegnen letztlich nicht einer fremden Welt, sondern sich selbst.

Das ist auch der Punkt, an dem die Nähe zu David Lynch besonders deutlich wird. In seinen Filmen ist die äußere Welt oft ein Spiegel innerer Zustände. Räume, Personen und Ereignisse folgen nicht immer einer logischen Handlung, sondern eher den Bewegungen des Unterbewusstseins. Trotzdem gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Lynch und Backrooms.

Lynch interessiert sich am Ende immer für Menschen. Seine Filme sind zwar rätselhaft, aber hinter den Rätseln stecken sehr konkrete Gefühle. In Mulholland Drive geht es um Sehnsucht, Enttäuschung, Schuld und Selbsttäuschung. In Lost Highway spielen Angst, Eifersucht und Identitätsverlust eine zentrale Rolle. Die surrealen Elemente entstehen aus diesen Konflikten heraus. Deshalb wirken seine Filme trotz aller Verrücktheit oft erstaunlich emotional.

Bei Backrooms habe ich dagegen häufig den Eindruck, dass der Ausgangspunkt ein anderer ist. Hier steht zuerst die faszinierende Idee der Backrooms im Mittelpunkt. Die Räume sind das eigentliche Ereignis. Die Geschichte versucht dann, diesen Räumen Bedeutung zu geben. Das funktioniert oft gut, aber nicht mit derselben emotionalen Tiefe wie bei Lynch.

Das liegt wahrscheinlich auch daran, woher die Backrooms ursprünglich kommen. Sie sind als Internetmythos entstanden. Ihr Erfolg beruhte auf einem einzigen starken Bild: endlose leere Räume, die gleichzeitig vertraut und unheimlich wirken. Dieses Bild besitzt eine enorme Kraft. Fast jeder spürt sofort dieses Gefühl von Verlorenheit und Orientierungslosigkeit. Aber ein starkes Bild allein macht noch keine große Geschichte.

Genau hier zeigt sich für mich, warum David Lynch letztlich die stärkeren Filme gemacht hat. Seine Filme beginnen nicht mit einer faszinierenden Idee, sondern mit menschlichen Erfahrungen. Die seltsamen Bilder, die Träume und die Rätsel entstehen daraus. Bei Backrooms ist es umgekehrt. Die faszinierende Welt ist zuerst da, die psychologische Bedeutung kommt danach.

Das bedeutet aber nicht, dass Backrooms oberflächlich wäre. Gerade die psychologische Lesart macht den Film deutlich interessanter. Die Backrooms werden zu einem Labyrinth des eigenen Inneren. Jeder Gang führt tiefer in verdrängte Bereiche der Persönlichkeit. Jede neue Ebene konfrontiert die Figuren mit Dingen, denen sie eigentlich ausweichen möchten.

Trotzdem erreicht der Film für mich nicht die Wirkung eines Mulholland Drive. Bei Lynch bleiben am Ende nicht nur die Bilder hängen, sondern vor allem die Menschen. Man versteht vielleicht nicht jede Szene, aber man spürt die Trauer, die Sehnsucht oder die Verzweiflung dahinter. Diese emotionale Wucht ist bei Backrooms deutlich schwächer ausgeprägt.

Deshalb finde ich den Vergleich mit Lynch berechtigt. Er macht aber auch die Grenzen von Backrooms sichtbar. Der Film schafft ein faszinierendes Labyrinth und nutzt es für interessante Gedanken über Identität, Erinnerung und das Unterbewusstsein. Lynch ging noch einen Schritt weiter. Seine Labyrinthe waren nie Selbstzweck. Sie führten immer zu den Menschen zurück, die sich darin verirrt hatten. Genau deshalb wirken seine besten Filme für mich bis heute tiefer und nachhaltiger.
 
Zurück
Oben