Kael Reed
König der Halbblüter
[Carida-System / Carida / Cliffside / Unterkunft des Ausbildungslehrgangs] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer (NSC)
Mit Beginn des regulären Lehrgangs war auch die Stubenbelegung geändert worden, sodass Kael seine Sachen am nächsten Morgen einige Türen weitertrug. Den Raum teilte er nun mit Staff Sergeant Jorad Venn, Corporal Nahl Verin und Private 1st Class Oren Vask. Bis zur Materialausgabe blieb ihnen gerade genug Zeit, die Schränke einzuräumen und die Angaben für den Vormittag durchzugehen. Auf dem Weg zum Sammelpunkt spürte Kael die vergangenen Tage noch in den Beinen. Besonders die Treppen machten sich bemerkbar, wenngleich die Bewegung das Ziehen allmählich löste und er auf dem letzten Stück bereits wieder mit Venn über den bevorstehenden Ausbildungsabschnitt sprach.
In der Ausgabe lagen die Rüstungsteile auf langen Tischen bereit. Kael ließ sich Unteranzug und Panzerung zuordnen, prüfte die einzelnen Befestigungen und begann nach Marrs Vorführung mit dem Anlegen. Beim Sitz der Rückenpartie half ihm Venn, der eine seitliche Verbindung noch einmal löste, als Kael die Arme hob. Danach lag die Platte auch bei der Bewegung sauber an. Das Gewicht verteilte sich ordentlich über den Körper. Auch beim Beugen blieben Brust- und Rückenplatte an ihrem Platz. Kael ging in die Hocke, richtete sich wieder auf und nahm das ungeladene E-11 auf, um den Anschlag zu prüfen. Die Schulterplatte ließ dem Kolben genügend Raum, nachdem er dessen Lage etwas angepasst hatte. Mit dem Sitz konnte er vorerst zufrieden sein. Wie brauchbar die Einstellung nach mehreren Stunden ausfiel, würde sich im Dienstbetrieb zeigen. Marr ging währenddessen die Schutzwirkung an mitgebrachten Treffermustern durch. Die Platten konnten Splitter abfangen und die Wirkung einzelner Blastertreffer mindern, bei einem direkten Treffer konnten auch die Platten durchschlagen werden. An den Gelenken bestand der Schutz vor allem aus dem Unteranzug. Kael sah sich eines der beschädigten Muster genauer an, bevor er im Gegenzug dem Staff Sergeant bei den hinteren Befestigungen half.
Als er den Helm aufsetzte, wurden die Stimmen um ihn herum zunächst dumpfer, ehe die Außenmikrofone zum Leben erwachten die Geräuschkulisse beinahe unangenehm detaillierten. In seinem Blickfeld erschienen die Versorgungsanzeigen, nach der Anmeldung im Lehrgangsnetz kamen die Kennungen der übrigen Teilnehmer hinzu. Über jeder Panzerung standen nun Name und Dienstgrad. Marr ließ sie die Anzeigefelder per Blick auswählen und wies ihnen anschließend verschiedene Funkkanäle zu. Den Wechsel zwischen Truppfrequenz und übergeordnetem Funk kannte jeder Soldat aus der Grundausbildung. Hier musste er sich vor allem die Lage der Zungenkontakte einprägen, damit er die Bedienung später ohne längeres Suchen ausführen konnte. Jemand fragte nach der getrennten Regelung von Funk und Außenwiedergabe, auch das wurde entsprechend demonstriert und man ließ der Gruppe einiges an Zeit sich mit der Steuerung vertraut zu machen und herumzuspielen bevor es weiterging.
Nachmittags ging es dann um die Eigenversorgung der Ausrüstung. Zwanzig Minuten Notluft standen als eigene Reserve neben den Angaben zur Energieversorgung. Filterbetrieb, Abdichtung und Umschaltung wurden am Gerät vorgeführt, bevor sie die Funktionen an ihren eigenen Rüstungen prüfen konnten. Bei den Energieanzeigen ließ Kael neben dem Ladestand den aktuellen Verbrauch eingeblendet. Die berechnete Restlaufzeit veränderte sich bereits, wenn er die Kühlung höher stellte und die aktive Sensorik zur Umgebungsabtastung hinzunahm. Er fragte nach den Verbrauchswerten, auf denen die jeweilige Schätzung beruhte. Marr rief die entsprechende Übersicht auf und ging mit ihnen die Betriebszustände durch. Die Werte aus dem Unterrichtsraum würden sie in den kommenden Tagen mit denen nach körperlicher Arbeit vergleichen. Ein Sergeant ließ sich noch zeigen, welche Versorgung bereits im Rückenmodul untergebracht war und welches zusätzliche Material sie für längere Geländeabschnitte mitführen sollten. Danach passten sie die Gürtel an und verstauten die zugeteilte Ausrüstung.
In den folgenden Tagen trugen sie die Panzerung beim körperlichen Training, auf dem Schießstand und während der weiteren Geräteausbildung. Kael verlegte nach dem ersten längeren Lauf eine Gürteltasche, deren untere Kante beim Steigen gegen seinen Oberschenkel drückte. Andere Einstellungen erwiesen sich auch über Stunden als brauchbar und blieben entsprechend bestehen. In einem abgedunkelten Unterrichtsraum erprobten sie die Sichtfunktionen des MFTAS an unterschiedlich starken Trennwänden. Wärmesicht hatte er bereits auf Galantos eingesetzt, sodass ihm vor allem der direkte Vergleich der Hindernisse etwas brachte. Hinter einer dünnen Platte blieb der vorbeigehende Ausbilder deutlich zu verfolgen. Hinter dem stärkeren Wandstück verlor sich ein großer Teil seiner Kontur, an der Kante erschien zunächst nur wieder eine Schulter. Kael wechselte zwischen Wärmebild und Restlichtverstärkung, während der Mann ins offene Blickfeld zurückkehrte. Die auf seiner Brust befestigte Nummer war erst dort zuverlässig zu lesen. Später wiederholten sie die Beobachtung mit Übungsnebel und wechselnder Beleuchtung. Bei der anschließenden Besprechung konnten sie ihre Wahrnehmung unmittelbar mit den Helmaufzeichnungen abgleichen.
Ein Vormittag in der Trainingshalle galt den Bewegungen im Nahbereich. Mit gepolsterten Übungsklingen sollten sie festgelegte Flächen am Brustpanzer und an den Oberarmen des Partners berühren, während dieser den Abstand veränderte immer in den festen Stubengruppen. Kael arbeitete zunächst mit Venn, Vask beobachtete die Ausführung, bevor sie die Rollen tauschten. Die kurze Waffe verlangte einen geringeren Abstand, als er ihn vom Vibroschwert gewohnt war. Das Einschätzen der Reichweite und der Bewegung seines Gegenübers blieb ihm vertraut genug, um sich auf die Rüstung konzentrieren zu können. Venn gab ihm beim ersten langsamen Durchgang ausreichend Gelegenheit, die Bewegung mit den Schulterplatten zu erproben, zog sich danach aber zügiger aus seiner Reichweite zurück. Kael ging mit, erreichte die markierte Fläche und nahm die Klinge nach der kontrollierten Berührung wieder zurück. Beim Rollenwechsel musste er seinerseits auf Venns Annäherung reagieren. Die Panzerung ließ ihm dabei mehr Bewegungsraum, als er nach dem ersten Anlegen und den Übungen der letzten Tage erwartet hatte. Marr ließ beide die Folge noch einmal zeigen, bevor sie das Tempo steigerten. Vask hielt den Abstand geringer als Venn, sodass Kael häufiger die Richtung wechselte, um dessen Klinge auszuweichen. Als sie die Rollen erneut tauschten, behielt er den Abstand bei und setzte ihm nach, bis die Klinge die markierte Fläche erreichte. Die erste Woche ging auf diese Weise in die zweite über. Zwischen Waffenarbeit und körperlichem Training kamen weitere Unterrichtsabschnitte hinzu, bereits gezeigte Abläufe wurden unter wechselnden Bedingungen wiederholt. Beim Laufen stieg der Energieverbrauch der Kühlung deutlich an. Auf der Stube beschäftigten sie sich gelegentlich noch mit den Aufzeichnungen einzelner Durchgänge, fehlerhafte Abläufe analysieren die man am nächsten Tag weiter ausschleifen konnte.
Gegen Ende der zweiten Woche verbanden die Ausbilder den klassischen Schießstand mit einer Belastungsübung. Als Kael seinen Rucksack am Sammelpunkt absetzte, zog der Schweiß bereits unter dem Kragen entlang. Die letzten Steigungen hatte er noch in den Oberschenkeln, beim Aufrichten drückte die Brustplatte für einen Moment gegen die tiefe Atmung. Er nahm die Feldflasche und trank, während vor ihm der nächste Teilnehmer auf die Schießbahn geschickt wurde. Über die freie Fläche kam Wind vom Meer, der den Nebel aus der Übungsanlage in flachen Streifen zwischen die Begrenzungen trieb. Kael sah ihm nach, bis die Schwaden unter dem Dach des ersten Abschnitts verschwanden. Die Bahn hatte er am Vormittag bereits zweimal durchlaufen. Dabei waren sie nach einzelnen Aufgaben angehalten worden, um Einstellungen zu ändern oder sich die Aufzeichnungen anzusehen. Nun sollten sie den gesamten Ablauf ohne Unterbrechung ausführen. Er ließ die Flasche wieder am Gürtel einrasten und nahm das E-11 auf.
Vom Zugang aus konnte Kael die niedrigen Trennwände und das abgedunkelte Dach überblicken. Dahinter lag der mit Übungsnebel gefüllte Abschnitt, am anderen Ende führte die Bahn wieder ins Freie. Die Figurenscheiben standen auf beweglichen Trägern und waren mit großen Nummern auf der Brust versehen. Welche davon beschossen werden sollten, würde die Kontrollstelle erst während des Durchgangs über Funk mitteilen. Die übrigen blieben gesperrt. Hinter den Trennwänden waren die beheizten Scheiben auch mit Wärmesicht zu verfolgen, ihre aufgedruckten Nummern ließen sich dabei jedoch nicht zuverlässig unterscheiden. Das hatten sie bei den ersten Durchgängen bereits sehen können. Kael setzte den Helm auf und meldete sich auf der zugewiesenen Frequenz. Marr wartete, bis die Verbindung bestätigt war, dann gab sie ihm die Bahn frei. Er ging an der Markierung vorbei, nahm das Gewehr höher und wechselte unter dem Dach auf Restlichtverstärkung. Auf der linken Seite setzte sich der erste Träger in Bewegung.
„Ziele vier und acht.“ Die Vier stand frei auf der Brust der heranfahrenden Scheibe. Kael brachte die Waffe in den Anschlag und schoss, bevor der Träger seinen Weg hinter die nächste Blende fortsetzte. Das Aufleuchten des Treffers blieb durch den Blendschutz gedämpft. Rechts kam eine weitere Figur zum Vorschein, deren Nummer nicht zum Auftrag gehörte. Er ging an ihr vorbei und bekam die Acht erst am hinteren Ende des überdachten Bereichs zu sehen. Zwischen ihm und der Scheibe stand eine niedrige Mauer, über die Brust und Kopf des Ziels hinausragten. Kael ging am vorgesehenen Stand in die Hocke. Der Kolben lag sicher an der Schulter, beim Einziehen des Ellenbogens blieb genügend Spielraum zwischen Unterarm- und Brustpanzer. Er erfasste die Brustfläche und gab seine Schüsse ab. Noch während die Scheibe zurückfuhr, richtete er sich auf und meldete die beiden Ziele. Die Atmung war im Helm deutlich zu hören. Auf dem Weg zum nächsten Abschnitt bekam er sie allmählich ruhiger, ohne dafür stehen bleiben zu müssen.
Hinter der nächsten Trennwand war der Nebel dichter. Mit der Restlichtverstärkung sah Kael noch die nahe Wegkante, die weiter entfernten Aufbauten verschwanden dagegen in einer hellen, kaum gegliederten Fläche. Er schaltete auf Wärmesicht. Rechts zeichneten sich zwei Figuren hinter einer dünnen Wand ab, eine davon bewegte sich langsam auf eine Öffnung zu. Der Sockel verdeckte ihre Beine, eine stärkere Stütze unterbrach für einen Moment auch den Oberkörper. Kael meldete die beiden Kontakte und ging bis zur nächsten Markierung vor. „Ziel elf.“ Die vordere Scheibe erreichte die Öffnung. Dort fiel Licht aus einer über dem Durchlass montierten Lampe auf die Brustfläche. Kael wechselte zurück auf Restlicht und erkannte eine Zwölf. Er ließ die Figur weiterfahren, während die zweite hinter ihr aus der Deckung kam. Deren Nummer blieb zunächst hinter der Kante verborgen. Die Schulter war bereits frei, dann erschien die Brust mit der Elf. Kael nahm das Ziel auf und schoss, während die Scheibe bereits wieder auf die gegenüberliegende Wand zuglitt. Der letzte Treffer lag noch auf der hellen Fläche, bevor sie dahinter verschwand. Er blieb mit der Waffe auf der Öffnung, bis auch deren hinterer Rand wieder frei war, dann gab er die Meldung weiter und folgte dem Weg aus dem Nebel. An der Ausgangsmarkierung stellte er die normale Sicht wieder her.
Draußen fiel das Licht wesentlich heller zwischen die Aufbauten. Der Blendschutz regelte nach, während der Lieutenant die letzten Ziele überblickte. Zwei standen nah beieinander, ein weiteres bewegte sich am hinteren Ende der Bahn quer zu seiner Richtung. Die Kontrollstelle nannte dessen Nummer. Er ging am letzten Stand auf ein Knie und brachte die Waffe hoch. Die Belastung war jetzt vor allem in den Schultern zu spüren. Der Lauf bewegte sich mit seiner Atmung, bis er ihn beim Ausatmen auf der Brustfläche halten konnte. Er schoss, folgte dem Träger noch ein Stück und nahm die Waffe erst herunter, als die Scheibe hinter der Begrenzung verschwunden war. Nach der Abschlussmeldung kam die Aufforderung, die Waffe zu sichern und die Bahn zu verlassen. Kael stand auf und ging zum Prüfer. Beim Vorzeigen des E-11 merkte er, wie feucht seine Hand im Handschuh geworden war. Er gab das Gewehr zur Kontrolle weiter und nahm den Helm ab. Der Wind strich ihm über Stirn und Schläfen, draußen waren die Geräusche der Anlage wieder leiser als über die Außenmikrofone. Hinter ihm begann bereits der nächste Durchgang.
Marr rief die Trefferübersicht auf und sah anschließend in die Aufzeichnung aus dem vernebelten Abschnitt. „Sie haben alle aufgerufenen Ziele ausgeschaltet. Keine Treffer auf den gesperrten Scheiben. Innerhalb der geforderten Zeit.“ Auf dem Bildschirm erschien noch einmal die Elf an der Öffnung, kurz darauf fuhr sie bereits wieder aus dem Bild. Kael hatte das Zeitfenster beim Schießen länger eingeschätzt. Er beugte sich etwas vor und sah sich den Wechsel von der Wärmeaufnahme zum Restlichtbild an, während Marr den Zeitpunkt des letzten Treffers einblendete. Dann ließ sie die Aufnahme weiterlaufen und trug das Ergebnis ein. Kael nahm seine Waffe wieder entgegen und ging zur Sammelstelle zurück. Dort legte er den Helm neben den Rucksack, öffnete die Feldflasche und setzte sich zu den Teilnehmern, die ihren Durchgang bereits beendet hatten.
[Carida-System / Carida / Cliffside / Schieß- und Ausbildungsgelände] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer (NSC)
Mit Beginn des regulären Lehrgangs war auch die Stubenbelegung geändert worden, sodass Kael seine Sachen am nächsten Morgen einige Türen weitertrug. Den Raum teilte er nun mit Staff Sergeant Jorad Venn, Corporal Nahl Verin und Private 1st Class Oren Vask. Bis zur Materialausgabe blieb ihnen gerade genug Zeit, die Schränke einzuräumen und die Angaben für den Vormittag durchzugehen. Auf dem Weg zum Sammelpunkt spürte Kael die vergangenen Tage noch in den Beinen. Besonders die Treppen machten sich bemerkbar, wenngleich die Bewegung das Ziehen allmählich löste und er auf dem letzten Stück bereits wieder mit Venn über den bevorstehenden Ausbildungsabschnitt sprach.
In der Ausgabe lagen die Rüstungsteile auf langen Tischen bereit. Kael ließ sich Unteranzug und Panzerung zuordnen, prüfte die einzelnen Befestigungen und begann nach Marrs Vorführung mit dem Anlegen. Beim Sitz der Rückenpartie half ihm Venn, der eine seitliche Verbindung noch einmal löste, als Kael die Arme hob. Danach lag die Platte auch bei der Bewegung sauber an. Das Gewicht verteilte sich ordentlich über den Körper. Auch beim Beugen blieben Brust- und Rückenplatte an ihrem Platz. Kael ging in die Hocke, richtete sich wieder auf und nahm das ungeladene E-11 auf, um den Anschlag zu prüfen. Die Schulterplatte ließ dem Kolben genügend Raum, nachdem er dessen Lage etwas angepasst hatte. Mit dem Sitz konnte er vorerst zufrieden sein. Wie brauchbar die Einstellung nach mehreren Stunden ausfiel, würde sich im Dienstbetrieb zeigen. Marr ging währenddessen die Schutzwirkung an mitgebrachten Treffermustern durch. Die Platten konnten Splitter abfangen und die Wirkung einzelner Blastertreffer mindern, bei einem direkten Treffer konnten auch die Platten durchschlagen werden. An den Gelenken bestand der Schutz vor allem aus dem Unteranzug. Kael sah sich eines der beschädigten Muster genauer an, bevor er im Gegenzug dem Staff Sergeant bei den hinteren Befestigungen half.
Als er den Helm aufsetzte, wurden die Stimmen um ihn herum zunächst dumpfer, ehe die Außenmikrofone zum Leben erwachten die Geräuschkulisse beinahe unangenehm detaillierten. In seinem Blickfeld erschienen die Versorgungsanzeigen, nach der Anmeldung im Lehrgangsnetz kamen die Kennungen der übrigen Teilnehmer hinzu. Über jeder Panzerung standen nun Name und Dienstgrad. Marr ließ sie die Anzeigefelder per Blick auswählen und wies ihnen anschließend verschiedene Funkkanäle zu. Den Wechsel zwischen Truppfrequenz und übergeordnetem Funk kannte jeder Soldat aus der Grundausbildung. Hier musste er sich vor allem die Lage der Zungenkontakte einprägen, damit er die Bedienung später ohne längeres Suchen ausführen konnte. Jemand fragte nach der getrennten Regelung von Funk und Außenwiedergabe, auch das wurde entsprechend demonstriert und man ließ der Gruppe einiges an Zeit sich mit der Steuerung vertraut zu machen und herumzuspielen bevor es weiterging.
Nachmittags ging es dann um die Eigenversorgung der Ausrüstung. Zwanzig Minuten Notluft standen als eigene Reserve neben den Angaben zur Energieversorgung. Filterbetrieb, Abdichtung und Umschaltung wurden am Gerät vorgeführt, bevor sie die Funktionen an ihren eigenen Rüstungen prüfen konnten. Bei den Energieanzeigen ließ Kael neben dem Ladestand den aktuellen Verbrauch eingeblendet. Die berechnete Restlaufzeit veränderte sich bereits, wenn er die Kühlung höher stellte und die aktive Sensorik zur Umgebungsabtastung hinzunahm. Er fragte nach den Verbrauchswerten, auf denen die jeweilige Schätzung beruhte. Marr rief die entsprechende Übersicht auf und ging mit ihnen die Betriebszustände durch. Die Werte aus dem Unterrichtsraum würden sie in den kommenden Tagen mit denen nach körperlicher Arbeit vergleichen. Ein Sergeant ließ sich noch zeigen, welche Versorgung bereits im Rückenmodul untergebracht war und welches zusätzliche Material sie für längere Geländeabschnitte mitführen sollten. Danach passten sie die Gürtel an und verstauten die zugeteilte Ausrüstung.
In den folgenden Tagen trugen sie die Panzerung beim körperlichen Training, auf dem Schießstand und während der weiteren Geräteausbildung. Kael verlegte nach dem ersten längeren Lauf eine Gürteltasche, deren untere Kante beim Steigen gegen seinen Oberschenkel drückte. Andere Einstellungen erwiesen sich auch über Stunden als brauchbar und blieben entsprechend bestehen. In einem abgedunkelten Unterrichtsraum erprobten sie die Sichtfunktionen des MFTAS an unterschiedlich starken Trennwänden. Wärmesicht hatte er bereits auf Galantos eingesetzt, sodass ihm vor allem der direkte Vergleich der Hindernisse etwas brachte. Hinter einer dünnen Platte blieb der vorbeigehende Ausbilder deutlich zu verfolgen. Hinter dem stärkeren Wandstück verlor sich ein großer Teil seiner Kontur, an der Kante erschien zunächst nur wieder eine Schulter. Kael wechselte zwischen Wärmebild und Restlichtverstärkung, während der Mann ins offene Blickfeld zurückkehrte. Die auf seiner Brust befestigte Nummer war erst dort zuverlässig zu lesen. Später wiederholten sie die Beobachtung mit Übungsnebel und wechselnder Beleuchtung. Bei der anschließenden Besprechung konnten sie ihre Wahrnehmung unmittelbar mit den Helmaufzeichnungen abgleichen.
Ein Vormittag in der Trainingshalle galt den Bewegungen im Nahbereich. Mit gepolsterten Übungsklingen sollten sie festgelegte Flächen am Brustpanzer und an den Oberarmen des Partners berühren, während dieser den Abstand veränderte immer in den festen Stubengruppen. Kael arbeitete zunächst mit Venn, Vask beobachtete die Ausführung, bevor sie die Rollen tauschten. Die kurze Waffe verlangte einen geringeren Abstand, als er ihn vom Vibroschwert gewohnt war. Das Einschätzen der Reichweite und der Bewegung seines Gegenübers blieb ihm vertraut genug, um sich auf die Rüstung konzentrieren zu können. Venn gab ihm beim ersten langsamen Durchgang ausreichend Gelegenheit, die Bewegung mit den Schulterplatten zu erproben, zog sich danach aber zügiger aus seiner Reichweite zurück. Kael ging mit, erreichte die markierte Fläche und nahm die Klinge nach der kontrollierten Berührung wieder zurück. Beim Rollenwechsel musste er seinerseits auf Venns Annäherung reagieren. Die Panzerung ließ ihm dabei mehr Bewegungsraum, als er nach dem ersten Anlegen und den Übungen der letzten Tage erwartet hatte. Marr ließ beide die Folge noch einmal zeigen, bevor sie das Tempo steigerten. Vask hielt den Abstand geringer als Venn, sodass Kael häufiger die Richtung wechselte, um dessen Klinge auszuweichen. Als sie die Rollen erneut tauschten, behielt er den Abstand bei und setzte ihm nach, bis die Klinge die markierte Fläche erreichte. Die erste Woche ging auf diese Weise in die zweite über. Zwischen Waffenarbeit und körperlichem Training kamen weitere Unterrichtsabschnitte hinzu, bereits gezeigte Abläufe wurden unter wechselnden Bedingungen wiederholt. Beim Laufen stieg der Energieverbrauch der Kühlung deutlich an. Auf der Stube beschäftigten sie sich gelegentlich noch mit den Aufzeichnungen einzelner Durchgänge, fehlerhafte Abläufe analysieren die man am nächsten Tag weiter ausschleifen konnte.
Gegen Ende der zweiten Woche verbanden die Ausbilder den klassischen Schießstand mit einer Belastungsübung. Als Kael seinen Rucksack am Sammelpunkt absetzte, zog der Schweiß bereits unter dem Kragen entlang. Die letzten Steigungen hatte er noch in den Oberschenkeln, beim Aufrichten drückte die Brustplatte für einen Moment gegen die tiefe Atmung. Er nahm die Feldflasche und trank, während vor ihm der nächste Teilnehmer auf die Schießbahn geschickt wurde. Über die freie Fläche kam Wind vom Meer, der den Nebel aus der Übungsanlage in flachen Streifen zwischen die Begrenzungen trieb. Kael sah ihm nach, bis die Schwaden unter dem Dach des ersten Abschnitts verschwanden. Die Bahn hatte er am Vormittag bereits zweimal durchlaufen. Dabei waren sie nach einzelnen Aufgaben angehalten worden, um Einstellungen zu ändern oder sich die Aufzeichnungen anzusehen. Nun sollten sie den gesamten Ablauf ohne Unterbrechung ausführen. Er ließ die Flasche wieder am Gürtel einrasten und nahm das E-11 auf.
Vom Zugang aus konnte Kael die niedrigen Trennwände und das abgedunkelte Dach überblicken. Dahinter lag der mit Übungsnebel gefüllte Abschnitt, am anderen Ende führte die Bahn wieder ins Freie. Die Figurenscheiben standen auf beweglichen Trägern und waren mit großen Nummern auf der Brust versehen. Welche davon beschossen werden sollten, würde die Kontrollstelle erst während des Durchgangs über Funk mitteilen. Die übrigen blieben gesperrt. Hinter den Trennwänden waren die beheizten Scheiben auch mit Wärmesicht zu verfolgen, ihre aufgedruckten Nummern ließen sich dabei jedoch nicht zuverlässig unterscheiden. Das hatten sie bei den ersten Durchgängen bereits sehen können. Kael setzte den Helm auf und meldete sich auf der zugewiesenen Frequenz. Marr wartete, bis die Verbindung bestätigt war, dann gab sie ihm die Bahn frei. Er ging an der Markierung vorbei, nahm das Gewehr höher und wechselte unter dem Dach auf Restlichtverstärkung. Auf der linken Seite setzte sich der erste Träger in Bewegung.
„Ziele vier und acht.“ Die Vier stand frei auf der Brust der heranfahrenden Scheibe. Kael brachte die Waffe in den Anschlag und schoss, bevor der Träger seinen Weg hinter die nächste Blende fortsetzte. Das Aufleuchten des Treffers blieb durch den Blendschutz gedämpft. Rechts kam eine weitere Figur zum Vorschein, deren Nummer nicht zum Auftrag gehörte. Er ging an ihr vorbei und bekam die Acht erst am hinteren Ende des überdachten Bereichs zu sehen. Zwischen ihm und der Scheibe stand eine niedrige Mauer, über die Brust und Kopf des Ziels hinausragten. Kael ging am vorgesehenen Stand in die Hocke. Der Kolben lag sicher an der Schulter, beim Einziehen des Ellenbogens blieb genügend Spielraum zwischen Unterarm- und Brustpanzer. Er erfasste die Brustfläche und gab seine Schüsse ab. Noch während die Scheibe zurückfuhr, richtete er sich auf und meldete die beiden Ziele. Die Atmung war im Helm deutlich zu hören. Auf dem Weg zum nächsten Abschnitt bekam er sie allmählich ruhiger, ohne dafür stehen bleiben zu müssen.
Hinter der nächsten Trennwand war der Nebel dichter. Mit der Restlichtverstärkung sah Kael noch die nahe Wegkante, die weiter entfernten Aufbauten verschwanden dagegen in einer hellen, kaum gegliederten Fläche. Er schaltete auf Wärmesicht. Rechts zeichneten sich zwei Figuren hinter einer dünnen Wand ab, eine davon bewegte sich langsam auf eine Öffnung zu. Der Sockel verdeckte ihre Beine, eine stärkere Stütze unterbrach für einen Moment auch den Oberkörper. Kael meldete die beiden Kontakte und ging bis zur nächsten Markierung vor. „Ziel elf.“ Die vordere Scheibe erreichte die Öffnung. Dort fiel Licht aus einer über dem Durchlass montierten Lampe auf die Brustfläche. Kael wechselte zurück auf Restlicht und erkannte eine Zwölf. Er ließ die Figur weiterfahren, während die zweite hinter ihr aus der Deckung kam. Deren Nummer blieb zunächst hinter der Kante verborgen. Die Schulter war bereits frei, dann erschien die Brust mit der Elf. Kael nahm das Ziel auf und schoss, während die Scheibe bereits wieder auf die gegenüberliegende Wand zuglitt. Der letzte Treffer lag noch auf der hellen Fläche, bevor sie dahinter verschwand. Er blieb mit der Waffe auf der Öffnung, bis auch deren hinterer Rand wieder frei war, dann gab er die Meldung weiter und folgte dem Weg aus dem Nebel. An der Ausgangsmarkierung stellte er die normale Sicht wieder her.
Draußen fiel das Licht wesentlich heller zwischen die Aufbauten. Der Blendschutz regelte nach, während der Lieutenant die letzten Ziele überblickte. Zwei standen nah beieinander, ein weiteres bewegte sich am hinteren Ende der Bahn quer zu seiner Richtung. Die Kontrollstelle nannte dessen Nummer. Er ging am letzten Stand auf ein Knie und brachte die Waffe hoch. Die Belastung war jetzt vor allem in den Schultern zu spüren. Der Lauf bewegte sich mit seiner Atmung, bis er ihn beim Ausatmen auf der Brustfläche halten konnte. Er schoss, folgte dem Träger noch ein Stück und nahm die Waffe erst herunter, als die Scheibe hinter der Begrenzung verschwunden war. Nach der Abschlussmeldung kam die Aufforderung, die Waffe zu sichern und die Bahn zu verlassen. Kael stand auf und ging zum Prüfer. Beim Vorzeigen des E-11 merkte er, wie feucht seine Hand im Handschuh geworden war. Er gab das Gewehr zur Kontrolle weiter und nahm den Helm ab. Der Wind strich ihm über Stirn und Schläfen, draußen waren die Geräusche der Anlage wieder leiser als über die Außenmikrofone. Hinter ihm begann bereits der nächste Durchgang.
Marr rief die Trefferübersicht auf und sah anschließend in die Aufzeichnung aus dem vernebelten Abschnitt. „Sie haben alle aufgerufenen Ziele ausgeschaltet. Keine Treffer auf den gesperrten Scheiben. Innerhalb der geforderten Zeit.“ Auf dem Bildschirm erschien noch einmal die Elf an der Öffnung, kurz darauf fuhr sie bereits wieder aus dem Bild. Kael hatte das Zeitfenster beim Schießen länger eingeschätzt. Er beugte sich etwas vor und sah sich den Wechsel von der Wärmeaufnahme zum Restlichtbild an, während Marr den Zeitpunkt des letzten Treffers einblendete. Dann ließ sie die Aufnahme weiterlaufen und trug das Ergebnis ein. Kael nahm seine Waffe wieder entgegen und ging zur Sammelstelle zurück. Dort legte er den Helm neben den Rucksack, öffnete die Feldflasche und setzte sich zu den Teilnehmern, die ihren Durchgang bereits beendet hatten.
[Carida-System / Carida / Cliffside / Schieß- und Ausbildungsgelände] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer (NSC)



