Carida

[Carida-System / Carida / Cliffside / Unterkunft des Ausbildungslehrgangs] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer (NSC)

Mit Beginn des regulären Lehrgangs war auch die Stubenbelegung geändert worden, sodass Kael seine Sachen am nächsten Morgen einige Türen weitertrug. Den Raum teilte er nun mit Staff Sergeant Jorad Venn, Corporal Nahl Verin und Private 1st Class Oren Vask. Bis zur Materialausgabe blieb ihnen gerade genug Zeit, die Schränke einzuräumen und die Angaben für den Vormittag durchzugehen. Auf dem Weg zum Sammelpunkt spürte Kael die vergangenen Tage noch in den Beinen. Besonders die Treppen machten sich bemerkbar, wenngleich die Bewegung das Ziehen allmählich löste und er auf dem letzten Stück bereits wieder mit Venn über den bevorstehenden Ausbildungsabschnitt sprach.

In der Ausgabe lagen die Rüstungsteile auf langen Tischen bereit. Kael ließ sich Unteranzug und Panzerung zuordnen, prüfte die einzelnen Befestigungen und begann nach Marrs Vorführung mit dem Anlegen. Beim Sitz der Rückenpartie half ihm Venn, der eine seitliche Verbindung noch einmal löste, als Kael die Arme hob. Danach lag die Platte auch bei der Bewegung sauber an. Das Gewicht verteilte sich ordentlich über den Körper. Auch beim Beugen blieben Brust- und Rückenplatte an ihrem Platz. Kael ging in die Hocke, richtete sich wieder auf und nahm das ungeladene E-11 auf, um den Anschlag zu prüfen. Die Schulterplatte ließ dem Kolben genügend Raum, nachdem er dessen Lage etwas angepasst hatte. Mit dem Sitz konnte er vorerst zufrieden sein. Wie brauchbar die Einstellung nach mehreren Stunden ausfiel, würde sich im Dienstbetrieb zeigen. Marr ging währenddessen die Schutzwirkung an mitgebrachten Treffermustern durch. Die Platten konnten Splitter abfangen und die Wirkung einzelner Blastertreffer mindern, bei einem direkten Treffer konnten auch die Platten durchschlagen werden. An den Gelenken bestand der Schutz vor allem aus dem Unteranzug. Kael sah sich eines der beschädigten Muster genauer an, bevor er im Gegenzug dem Staff Sergeant bei den hinteren Befestigungen half.

Als er den Helm aufsetzte, wurden die Stimmen um ihn herum zunächst dumpfer, ehe die Außenmikrofone zum Leben erwachten die Geräuschkulisse beinahe unangenehm detaillierten. In seinem Blickfeld erschienen die Versorgungsanzeigen, nach der Anmeldung im Lehrgangsnetz kamen die Kennungen der übrigen Teilnehmer hinzu. Über jeder Panzerung standen nun Name und Dienstgrad. Marr ließ sie die Anzeigefelder per Blick auswählen und wies ihnen anschließend verschiedene Funkkanäle zu. Den Wechsel zwischen Truppfrequenz und übergeordnetem Funk kannte jeder Soldat aus der Grundausbildung. Hier musste er sich vor allem die Lage der Zungenkontakte einprägen, damit er die Bedienung später ohne längeres Suchen ausführen konnte. Jemand fragte nach der getrennten Regelung von Funk und Außenwiedergabe, auch das wurde entsprechend demonstriert und man ließ der Gruppe einiges an Zeit sich mit der Steuerung vertraut zu machen und herumzuspielen bevor es weiterging.

Nachmittags ging es dann um die Eigenversorgung der Ausrüstung. Zwanzig Minuten Notluft standen als eigene Reserve neben den Angaben zur Energieversorgung. Filterbetrieb, Abdichtung und Umschaltung wurden am Gerät vorgeführt, bevor sie die Funktionen an ihren eigenen Rüstungen prüfen konnten. Bei den Energieanzeigen ließ Kael neben dem Ladestand den aktuellen Verbrauch eingeblendet. Die berechnete Restlaufzeit veränderte sich bereits, wenn er die Kühlung höher stellte und die aktive Sensorik zur Umgebungsabtastung hinzunahm. Er fragte nach den Verbrauchswerten, auf denen die jeweilige Schätzung beruhte. Marr rief die entsprechende Übersicht auf und ging mit ihnen die Betriebszustände durch. Die Werte aus dem Unterrichtsraum würden sie in den kommenden Tagen mit denen nach körperlicher Arbeit vergleichen. Ein Sergeant ließ sich noch zeigen, welche Versorgung bereits im Rückenmodul untergebracht war und welches zusätzliche Material sie für längere Geländeabschnitte mitführen sollten. Danach passten sie die Gürtel an und verstauten die zugeteilte Ausrüstung.

In den folgenden Tagen trugen sie die Panzerung beim körperlichen Training, auf dem Schießstand und während der weiteren Geräteausbildung. Kael verlegte nach dem ersten längeren Lauf eine Gürteltasche, deren untere Kante beim Steigen gegen seinen Oberschenkel drückte. Andere Einstellungen erwiesen sich auch über Stunden als brauchbar und blieben entsprechend bestehen. In einem abgedunkelten Unterrichtsraum erprobten sie die Sichtfunktionen des MFTAS an unterschiedlich starken Trennwänden. Wärmesicht hatte er bereits auf Galantos eingesetzt, sodass ihm vor allem der direkte Vergleich der Hindernisse etwas brachte. Hinter einer dünnen Platte blieb der vorbeigehende Ausbilder deutlich zu verfolgen. Hinter dem stärkeren Wandstück verlor sich ein großer Teil seiner Kontur, an der Kante erschien zunächst nur wieder eine Schulter. Kael wechselte zwischen Wärmebild und Restlichtverstärkung, während der Mann ins offene Blickfeld zurückkehrte. Die auf seiner Brust befestigte Nummer war erst dort zuverlässig zu lesen. Später wiederholten sie die Beobachtung mit Übungsnebel und wechselnder Beleuchtung. Bei der anschließenden Besprechung konnten sie ihre Wahrnehmung unmittelbar mit den Helmaufzeichnungen abgleichen.

Ein Vormittag in der Trainingshalle galt den Bewegungen im Nahbereich. Mit gepolsterten Übungsklingen sollten sie festgelegte Flächen am Brustpanzer und an den Oberarmen des Partners berühren, während dieser den Abstand veränderte immer in den festen Stubengruppen. Kael arbeitete zunächst mit Venn, Vask beobachtete die Ausführung, bevor sie die Rollen tauschten. Die kurze Waffe verlangte einen geringeren Abstand, als er ihn vom Vibroschwert gewohnt war. Das Einschätzen der Reichweite und der Bewegung seines Gegenübers blieb ihm vertraut genug, um sich auf die Rüstung konzentrieren zu können. Venn gab ihm beim ersten langsamen Durchgang ausreichend Gelegenheit, die Bewegung mit den Schulterplatten zu erproben, zog sich danach aber zügiger aus seiner Reichweite zurück. Kael ging mit, erreichte die markierte Fläche und nahm die Klinge nach der kontrollierten Berührung wieder zurück. Beim Rollenwechsel musste er seinerseits auf Venns Annäherung reagieren. Die Panzerung ließ ihm dabei mehr Bewegungsraum, als er nach dem ersten Anlegen und den Übungen der letzten Tage erwartet hatte. Marr ließ beide die Folge noch einmal zeigen, bevor sie das Tempo steigerten. Vask hielt den Abstand geringer als Venn, sodass Kael häufiger die Richtung wechselte, um dessen Klinge auszuweichen. Als sie die Rollen erneut tauschten, behielt er den Abstand bei und setzte ihm nach, bis die Klinge die markierte Fläche erreichte. Die erste Woche ging auf diese Weise in die zweite über. Zwischen Waffenarbeit und körperlichem Training kamen weitere Unterrichtsabschnitte hinzu, bereits gezeigte Abläufe wurden unter wechselnden Bedingungen wiederholt. Beim Laufen stieg der Energieverbrauch der Kühlung deutlich an. Auf der Stube beschäftigten sie sich gelegentlich noch mit den Aufzeichnungen einzelner Durchgänge, fehlerhafte Abläufe analysieren die man am nächsten Tag weiter ausschleifen konnte.

Gegen Ende der zweiten Woche verbanden die Ausbilder den klassischen Schießstand mit einer Belastungsübung. Als Kael seinen Rucksack am Sammelpunkt absetzte, zog der Schweiß bereits unter dem Kragen entlang. Die letzten Steigungen hatte er noch in den Oberschenkeln, beim Aufrichten drückte die Brustplatte für einen Moment gegen die tiefe Atmung. Er nahm die Feldflasche und trank, während vor ihm der nächste Teilnehmer auf die Schießbahn geschickt wurde. Über die freie Fläche kam Wind vom Meer, der den Nebel aus der Übungsanlage in flachen Streifen zwischen die Begrenzungen trieb. Kael sah ihm nach, bis die Schwaden unter dem Dach des ersten Abschnitts verschwanden. Die Bahn hatte er am Vormittag bereits zweimal durchlaufen. Dabei waren sie nach einzelnen Aufgaben angehalten worden, um Einstellungen zu ändern oder sich die Aufzeichnungen anzusehen. Nun sollten sie den gesamten Ablauf ohne Unterbrechung ausführen. Er ließ die Flasche wieder am Gürtel einrasten und nahm das E-11 auf.

Vom Zugang aus konnte Kael die niedrigen Trennwände und das abgedunkelte Dach überblicken. Dahinter lag der mit Übungsnebel gefüllte Abschnitt, am anderen Ende führte die Bahn wieder ins Freie. Die Figurenscheiben standen auf beweglichen Trägern und waren mit großen Nummern auf der Brust versehen. Welche davon beschossen werden sollten, würde die Kontrollstelle erst während des Durchgangs über Funk mitteilen. Die übrigen blieben gesperrt. Hinter den Trennwänden waren die beheizten Scheiben auch mit Wärmesicht zu verfolgen, ihre aufgedruckten Nummern ließen sich dabei jedoch nicht zuverlässig unterscheiden. Das hatten sie bei den ersten Durchgängen bereits sehen können. Kael setzte den Helm auf und meldete sich auf der zugewiesenen Frequenz. Marr wartete, bis die Verbindung bestätigt war, dann gab sie ihm die Bahn frei. Er ging an der Markierung vorbei, nahm das Gewehr höher und wechselte unter dem Dach auf Restlichtverstärkung. Auf der linken Seite setzte sich der erste Träger in Bewegung.


„Ziele vier und acht.“ Die Vier stand frei auf der Brust der heranfahrenden Scheibe. Kael brachte die Waffe in den Anschlag und schoss, bevor der Träger seinen Weg hinter die nächste Blende fortsetzte. Das Aufleuchten des Treffers blieb durch den Blendschutz gedämpft. Rechts kam eine weitere Figur zum Vorschein, deren Nummer nicht zum Auftrag gehörte. Er ging an ihr vorbei und bekam die Acht erst am hinteren Ende des überdachten Bereichs zu sehen. Zwischen ihm und der Scheibe stand eine niedrige Mauer, über die Brust und Kopf des Ziels hinausragten. Kael ging am vorgesehenen Stand in die Hocke. Der Kolben lag sicher an der Schulter, beim Einziehen des Ellenbogens blieb genügend Spielraum zwischen Unterarm- und Brustpanzer. Er erfasste die Brustfläche und gab seine Schüsse ab. Noch während die Scheibe zurückfuhr, richtete er sich auf und meldete die beiden Ziele. Die Atmung war im Helm deutlich zu hören. Auf dem Weg zum nächsten Abschnitt bekam er sie allmählich ruhiger, ohne dafür stehen bleiben zu müssen.

Hinter der nächsten Trennwand war der Nebel dichter. Mit der Restlichtverstärkung sah Kael noch die nahe Wegkante, die weiter entfernten Aufbauten verschwanden dagegen in einer hellen, kaum gegliederten Fläche. Er schaltete auf Wärmesicht. Rechts zeichneten sich zwei Figuren hinter einer dünnen Wand ab, eine davon bewegte sich langsam auf eine Öffnung zu. Der Sockel verdeckte ihre Beine, eine stärkere Stütze unterbrach für einen Moment auch den Oberkörper. Kael meldete die beiden Kontakte und ging bis zur nächsten Markierung vor.
„Ziel elf.“ Die vordere Scheibe erreichte die Öffnung. Dort fiel Licht aus einer über dem Durchlass montierten Lampe auf die Brustfläche. Kael wechselte zurück auf Restlicht und erkannte eine Zwölf. Er ließ die Figur weiterfahren, während die zweite hinter ihr aus der Deckung kam. Deren Nummer blieb zunächst hinter der Kante verborgen. Die Schulter war bereits frei, dann erschien die Brust mit der Elf. Kael nahm das Ziel auf und schoss, während die Scheibe bereits wieder auf die gegenüberliegende Wand zuglitt. Der letzte Treffer lag noch auf der hellen Fläche, bevor sie dahinter verschwand. Er blieb mit der Waffe auf der Öffnung, bis auch deren hinterer Rand wieder frei war, dann gab er die Meldung weiter und folgte dem Weg aus dem Nebel. An der Ausgangsmarkierung stellte er die normale Sicht wieder her.

Draußen fiel das Licht wesentlich heller zwischen die Aufbauten. Der Blendschutz regelte nach, während der Lieutenant die letzten Ziele überblickte. Zwei standen nah beieinander, ein weiteres bewegte sich am hinteren Ende der Bahn quer zu seiner Richtung. Die Kontrollstelle nannte dessen Nummer. Er ging am letzten Stand auf ein Knie und brachte die Waffe hoch. Die Belastung war jetzt vor allem in den Schultern zu spüren. Der Lauf bewegte sich mit seiner Atmung, bis er ihn beim Ausatmen auf der Brustfläche halten konnte. Er schoss, folgte dem Träger noch ein Stück und nahm die Waffe erst herunter, als die Scheibe hinter der Begrenzung verschwunden war. Nach der Abschlussmeldung kam die Aufforderung, die Waffe zu sichern und die Bahn zu verlassen. Kael stand auf und ging zum Prüfer. Beim Vorzeigen des E-11 merkte er, wie feucht seine Hand im Handschuh geworden war. Er gab das Gewehr zur Kontrolle weiter und nahm den Helm ab. Der Wind strich ihm über Stirn und Schläfen, draußen waren die Geräusche der Anlage wieder leiser als über die Außenmikrofone. Hinter ihm begann bereits der nächste Durchgang.

Marr rief die Trefferübersicht auf und sah anschließend in die Aufzeichnung aus dem vernebelten Abschnitt.
„Sie haben alle aufgerufenen Ziele ausgeschaltet. Keine Treffer auf den gesperrten Scheiben. Innerhalb der geforderten Zeit.“ Auf dem Bildschirm erschien noch einmal die Elf an der Öffnung, kurz darauf fuhr sie bereits wieder aus dem Bild. Kael hatte das Zeitfenster beim Schießen länger eingeschätzt. Er beugte sich etwas vor und sah sich den Wechsel von der Wärmeaufnahme zum Restlichtbild an, während Marr den Zeitpunkt des letzten Treffers einblendete. Dann ließ sie die Aufnahme weiterlaufen und trug das Ergebnis ein. Kael nahm seine Waffe wieder entgegen und ging zur Sammelstelle zurück. Dort legte er den Helm neben den Rucksack, öffnete die Feldflasche und setzte sich zu den Teilnehmern, die ihren Durchgang bereits beendet hatten.

[Carida-System / Carida / Cliffside / Schieß- und Ausbildungsgelände] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer (NSC)
 
[Carida-System / Carida / Ausbildungsgelände der Imperialen Akademie / Hochland] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer (NSC)

Nach mehreren kürzeren Geländeübungen stand nun ein ganztägiger Orientierungsmarsch an. Am Vorabend hatten sie die Ausrüstung gepackt und die möglichen Wege zwischen den Kontrollpunkten verglichen. Kael arbeitete nun mit Sergeant Sela Dorn, Corporal Cera Talvek und Sergeant Jalen Orvek zusammen, mit denen er seit der letzten Neueinteilung auch seine Stube teilte. Die Führung wechselte bei diesen Aufgaben. Für diesen Tag war Dorn eingeteilt, Kael übernahm den Funkverkehr mit der Übungsleitung und dem Transport, der sie am Abend aufnehmen sollte. Beim Durchgehen der letzten Etappe hatten sie eine Stunde Reserve eingeplant. Nach dem letzten Kontrollpunkt mussten sie nur noch einen quer zum Hang verlaufenden Pfad bis zu einem breiteren Abstieg nehmen. Dieser führte auf den Fahrweg im Tal, an dem die Übernahmestelle lag.

Der Transport hatte sie noch vor Sonnenaufgang abgesetzt. Mit zeitlichem Abstand brachen die vier Gruppen auf, jede mit einem versiegelten Ausbildungsbehälter als zusätzlicher Last. Ihr Behälter saß quer hinter dem Gepäck auf einer Halterung, die sich an allen vier Tragerahmen befestigen ließ. Sie setzten ihn bei den vereinbarten Wechseln um und kamen auf den ersten Abschnitten gut voran. Kael trug ihn während eines längeren Anstiegs. Dort merkte er besonders, wie weit die zusätzliche Last hinter seinem Rücken saß und beim Aufsteigen an den Trägern zog. Gegen Mittag lichtete sich der Wald. Der Weg führte zwischen niedrigeren Büschen weiter aufwärts, später lagen überwiegend offene Steinflächen vor ihnen. Kael stellte die Kühlung nach und ging hinter Talvek weiter. Die Kontrollpunkte fanden sie ohne Schwierigkeiten, nach der letzten Bestätigung lag der größte Teil des Marschtags hinter ihnen.

Orvek trug inzwischen den Behälter. Dorn ging voraus, der Pfad verlief zunächst beinahe eben über den Osthang. Unterhalb war zwischen den Felsen ein Stück des Fahrwegs zu sehen. Kael suchte dessen Verlauf bis zu der freien Fläche ab, die sie am Vorabend als Übernahmestelle markiert hatten. Der direkte Abstieg schien von hier aus nicht mehr weit entfernt. Als Dorn hinter der nächsten Biegung anhielt, trat er neben Talvek und sah an ihr vorbei. Ein Teil des Hangs war über den Weg gerutscht. Weiter vorne fehlte dessen äußere Hälfte vollständig, unterhalb zog sich eine steile Rinne zwischen größeren Felsblöcken hinunter. An der Wand standen noch einzelne Reste der alten Wegkante, zwischen denen der Boden ebenfalls weggebrochen war. Kael ließ den Blick bis zum anderen Ende der Abbruchstelle gehen. Dort setzte sich der Pfad fort, über die Lücke führte kein durchgehender Tritt. Mit dem Behälter würden sie schon an den schmalen Reststücken hängen bleiben.

Die Truppführerin öffnete die Karte. Kael trat so zu ihr, dass er die Anzeige mit einsehen konnte. Sie hatten vor dem letzten Kontrollpunkt eine Abzweigung passiert, von der ein zweiter Weg zu einem höher gelegenen Sattel anstieg. Von dort verlief ein anderer Pfad in dasselbe Tal hinunter und mündete weiter nördlich auf den Fahrweg. Dafür mussten sie zurück, noch einmal aufsteigen und anschließend ein längeres Stück bis zur Übernahmestelle gehen. Kael verfolgte die eingezeichnete Verbindung und sah zum oberen Hang hinauf. Bis zu einer vorspringenden Felskante ließ sich der Pfad erkennen.
„Bis zur Kante liegt kein Geröll auf dem oberen Weg. Dahinter kann ich ihn von hier nicht mehr sehen.“ Dorn folgte seinem Blick und verglich die sichtbare Strecke mit der Karte. „Wir nehmen den Sattel. An der Abzweigung wechseln wir den Behälter. Reed, melden Sie die Sperrung und unseren Umweg.“ Kael gab Position, Zustand des Weges und die neue Route durch. Die Übungsleitung bestätigte und verständigte den Transport. Für den zusätzlichen Weg veranschlagte Dorn eine Dreiviertelstunde. Von ihrer eingeplanten Reserve blieben damit etwa fünfzehn Minuten, sofern sie auf der oberen Strecke ihr bisheriges Tempo halten konnten. Ein Teil des Abstiegs würde nun in die Dunkelheit fallen.

An der Abzweigung nahm Kael den Helm ab und trank, bevor sie den Behälter auf seinen Rahmen umsetzten. Orvek stützte das Gepäck, als er die Träger aufnahm und sich aufrichtete. Die Last zog zunächst nach hinten. Kael zog den Hüftgurt fest, ließ das Gewicht darauf sinken und setzte den Helm wieder auf. Auf den ersten Metern konnte er noch den ganzen Fuß aufsetzen, dann wurde der Weg steiler. Er verkürzte die Schritte und hielt den Blick auf Talveks Stiefel gerichtet, bis sie die Felskante hinter sich hatten. Oberhalb führte der Pfad in längeren Bögen weiter. Von dort sah Kael den abgerutschten Abschnitt noch einmal unter sich. Die Rinne verschwand hinter einem Felsblock, weiter südlich war der ursprünglich vorgesehene Abstieg zu erkennen. Sie waren bereits ein gutes Stück über ihn hinausgestiegen. Er wandte sich wieder dem Weg zu und folgte Talvek um die nächste Kehre. Beim Anheben der Beine zog es inzwischen über den Knien. Bis zum Sattel blieben sie nur einmal kurz stehen. Kael ließ die Hände an den Trägern liegen und atmete durch, während Dorn vorausging, um den Beginn des anderen Abstiegs einzusehen.

Oben kam Wind über die flache Einsenkung. Das letzte Licht lag noch auf den höheren Felsen, der Hang vor ihnen bereits im Schatten. Dorn stieg als Erste über die Kuppe. Kael ließ den unteren Teil der Route auf seiner Anzeige stehen. Die Übernahmestelle lag nun südlich von ihnen, unterhalb mehrerer Kehren und des letzten Stücks auf dem Fahrweg. Er sah auf die verbleibende Zeit. Der zusätzliche Aufstieg hatte den größten Teil ihrer Zeitreserve verbraucht. Schon der Beginn des Pfads war deutlich schmaler als der Weg am Morgen. Kael wollte dem Transport erst eine Ankunftszeit nennen, wenn er nach den ersten Kehren einschätzen konnte, wie zügig sie mit dem Behälter absteigen würden. Als Talvek den Sattel verließ, folgte er ihr mit einigen Schritten Abstand.

Auf dem steinigen Untergrund kostete der Abstieg mehr Kraft, als das geringe Gefälle zunächst vermuten ließ. Kael fing die Last bei jedem tieferen Tritt ab und suchte die festen Stellen zwischen dem losen Gestein. In der beginnenden Dunkelheit schaltete er die Restlichtverstärkung hinzu. Die Kanten der Felsplatten wurden wieder deutlicher, ebenso die Spur, der Dorn voraus folgte. An einem Vorsprung hielt Talvek an, drehte sich seitlich und ging an der Wand entlang, bevor sie auf einem breiteren Stück wieder stehen blieb. Kael wartete, bis sie ihm Platz gemacht hatte. Er setzte zunächst einen Fuß auf den schmalen Absatz. Beim Nachziehen musste er den Oberkörper drehen. Der Behälter ragte an beiden Seiten über das Gepäck hinaus, seine hintere Kante konnte er selbst nicht sehen.
„Die Ecke ist noch am Fels.“ Orveks Hand lag am äußeren Rand des Behälters. Kael hielt an, veränderte den Winkel und spürte, wie Orvek die Kante vorbeiführte. Dann setzte er auch den anderen Fuß auf das breitere Wegstück und ging weiter. Er blieb dort, bis auch Orvek die Stelle passiert hatte, anschließend schlossen sie zu den beiden Frauen auf. Unterhalb der nächsten Kehre wurde der Pfad breiter. Kael konnte die Schritte wieder verlängern und sah zwischen den Büschen bereits den Fahrweg.

Kurz darauf meldete sich der Transporter.
„Gruppe drei, hier Übernahme. Wir stehen am vereinbarten Punkt. Melden Sie Position.“ Kael prüfte die letzte Wegmarkierung. Noch eine Kehre bis zum Fahrweg, danach mussten sie der Trasse nach Süden folgen. Bis zum Ende des Übernahmefensters blieb knapp eine halbe Stunde. „Gruppe drei unterhalb des Sattels, letzte Kehre vor dem Fahrweg. Voraussichtlich in einer Viertelstunde bei Übergabe." Nach der Bestätigung gab er die Information auf dem Gruppenkanal weiter. Auf dem Fahrweg konnten sie nebeneinander gehen. Kael fand wieder in einen gleichmäßigen Schritt und sah hinter der nächsten Biegung die Lichter des wartenden Fahrzeugs. Dorn ging bis zur geöffneten Rampe vor und meldete die Gruppe an. Kael folgte ihr und blieb stehen, als der Unteroffizier zum Behälter trat.

Kennung und Versiegelung wurden geprüft, die vier Teilnehmer bestätigt. Gemeinsam nahmen sie den Behälter ab und verstauten ihn neben der Rampe. Kael richtete sich auf und bewegte die Schultern, bevor er seinen Rucksack abnahm. Beim Lösen des Hüftgurts ließ der Druck an der empfindlichen Stelle über dem Beckenknochen nach. Er befestigte das Gepäck und setzte sich auf die Bank. Dorn zeigte dem Unteroffizier die gesperrte Passage auf ihrer Karte. Kael nahm den Helm herunter, zog die Handschuhe aus und legte beides neben sich. Er streckte die Beine ein Stück aus. Als der Transporter anfuhr, lehnte er sich zurück und schloss für einen Moment die Augen.


[Carida-System / Carida / Ausbildungsgelände der Imperialen Akademie / Hochland / Militärtransporter auf dem Rückweg nach Cliffside] Kael Reed, Sela Dorn, Cera Talvek, Jalen Orvek und militärisches Personal (NSC)
 
[Carida-System / Carida / Ausbildungsgelände der Imperialen Akademie / Killing House] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer, Ausbildungspersonal (NSC)

Der Trainingsdroide hinter dem Pult hatte seine Waffe bereits gesenkt, als Korr die Positionen für das Halten des Kontrollraums zuwies. Kael war an der Rückseite des Pults entlanggegangen und hatte gerade den letzten Winkel eingesehen. „Raum frei.“ Seine Meldung überlagerte den Rest einer Anweisung, die der Sergeant im selben Augenblick an Daal richtete. Der Private blieb neben dem Pult stehen. „Welcher Zugang?“ Korr wiederholte die Zuweisung zur Hoftür. Nowak hielt den Außenzugang weiter im Blick, bis Daal an ihr vorbeigegangen war, dann wechselte sie zum Fenster. Kael übernahm den Durchgang zur Halle. Nach dem Ende des Abschnitts kam Marr mit Sorel in den Raum und ließ sie an die vorherigen Plätze zurückgehen. „Noch einmal ab der Raummeldung. Korr, lassen Sie Reed abschließen, bevor Sie neu einteilen.“ Sie wiederholten den Übergang, bevor Marr die Anlage für die nächste Gruppe freigab.

Seit dem Marsch im Hochland waren einige Tage mit regulärem Dienst und vorbereitenden Übungen vergangen. Die neue Stube teilte Kael mit Sergeant Tavin Korr, Private 1st Class Sorren Daal und Private Tessa Nowak. Für zwei Tage arbeiteten sie nun in derselben Anlage, deren Räume zwischen den Durchgängen mit Trainingsdroiden und Darstellern neu besetzt wurden. Der Auftrag bestand darin, den Kontrollraum zu übernehmen und bis zur Ablösung zu halten. Die angrenzende Halle lag im rechten Winkel zum Raum, sodass ihr breites Tor vom Fenster aus schräg gegenüber zu sehen war. Eine Tür in der seitlichen Trennwand verband die beiden Bereiche. Links von den unverglasten Fenstern lag der schmale Außenzugang zum Hof. Die Werkbänke verdeckten vom Kontrollraum aus den größten Teil des Weges zwischen Hallentor und innerem Durchgang. Beim ersten Rundgang hatte Kael sich die Sicht von beiden Seiten angesehen. Marr hatte ihnen außerdem die Treffererfassung an den Schutzanzügen der Darsteller und den Droiden gezeigt. Getroffene Gegner schieden aus dem laufenden Durchgang aus.

Am folgenden Morgen führte Nowak die Gruppe. Ein Darsteller zog sich diesmal nach kurzem Feuerwechsel aus der Halle in den Hof zurück, während ein Droide hinter einer der weiter hinten stehenden Werkbänke blieb. Der Weg zum Kontrollraum lag unter Beschuss. Kael musste bis zur nächsten Einbaukante vor, ehe er den Droiden sehen konnte. Bis sie den Raum erreichten, brauchten sie deutlich länger als am Vortag.

Für den dritten Durchgang übernahm Kael die Führung. Er ließ die Skizze zwischen ihnen auf dem Tisch liegen und besprach vor allem den Übergang nach der Einnahme. Nowak sollte die Hoftür übernehmen, Korr den inneren Zugang zur Halle. Daal bekam die Fensterseite, von der aus er auch das Hallentor beobachten konnte. Kael wollte zunächst im Raum bleiben und dort unterstützen, wo es erforderlich wurde. Die Wege kannten sie inzwischen, Zahl und Verteilung der Gegenseite blieben offen. Als sie wenig später vor dem Eingang warteten, hörte er hinter der Wand das Surren eines Droidenantriebs, dazwischen Schritte auf dem Hallenboden. Er meldete die Gruppe bereit und nahm das E-11 höher, als die Freigabe kam.

Zwischen den Werkbänken war nur ein Teil der Halle einzusehen. Der erste Beschuss kam von links, wo ein Droide hinter einem niedrigen Einbau hervorgetreten war. Kael ging neben dem Eingang in den Anschlag und traf den Droiden, bevor dieser die nächste Werkbank erreichte. Dessen Statusleuchte wechselte, der Antrieb hielt an. Weiter hinten musste die Gruppe ihre Bewegung unterbrechen, als ein Darsteller zwischen zwei Einbauten hindurch auf den Zugang feuerte. Daal bekam ihn von seiner Seite aus zu sehen. Kael blieb an der Kante, bis der Mann die Waffe senkte, dann gingen sie weiter. Die letzten Schüsse kamen aus dem Kontrollraum. Korr erwiderte das Feuer durch den Durchgang, während Kael noch den Gang zwischen den Werkbänken im Blick hielt. Erst als Korr und Nowak den Raum übernommen hatten, folgte er mit Daal. Hinter dem Pult stand ein ausgeschiedener Darsteller mit gesenkter Waffe. Nowak ging zur Hoftür, Korr blieb am inneren Durchgang. Kael trat neben das Pult und sah durch die Fenster auf die leere Fläche vor dem Hallentor.

Daal hatte seinen Platz kaum erreicht, als sich hinter einem abgestellten Behälter auf der anderen Hofseite zwei Gestalten bewegten. Die ersten Übungspulse trafen die Fensterrahmen, Nowak zog sich aus der freien Türöffnung zurück. Kael ging an das rechte Fenster, während Daal die Bewegung am Behälter meldete. Von hier konnte er Nowaks Seite des Hofs mit überblicken. Der Droide, der neben dem Behälter hervorgekommen war, blieb nach dem kurzen Feuerwechsel stehen. Sein Begleiter erreichte ein niedriges Transportgestell und ging dahinter in Deckung. Kael schaltete die Wärmesicht hinzu. Durch die dünne Seitenblende ließ sich verfolgen, wie der Mann geduckt zum anderen Ende wechselte. Er gab Nowak die Bewegung durch. Kurz darauf meldete sich Daal.
„Zwei am Hallentor. Gehen hinein.“ Als Kael hinübersah, verschwand gerade noch eine Gestalt hinter dem Torrahmen. Die Werkbänke versperrten Korr die Sicht auf die Neuankömmlinge. Für den Hof brauchte Kael Daal jetzt nicht mehr am Fenster.

„Daal zu Korr. Nowak und ich halten den Hof.“ Daal ging hinter dem Pult vorbei. Kael wandte sich wieder dem Transportgestell zu, über dessen Rand der Darsteller bereits seine Waffe schob. Nowaks Feuer zwang ihn zurück, gleichzeitig kamen von der Hallenseite die ersten Schüsse. Korr meldete einen Droiden hinter der vorderen Werkbank. Kael hörte Daal an seinem Zugang antworten, während er am Fenster erneut in den Anschlag ging. Der Darsteller im Hof hatte seine Stellung verlassen. Für wenige Schritte war er zwischen Gestell und Mauer zu sehen, dann schlugen Übungspulse dicht neben Kaels Fensteröffnung ein. Er zog den Kopf hinter den Fensterrahmen zurück und verlor den Mann aus dem Blick. Nowak meldete ihn weiter links an der Mauer. Kael blieb tief, bis er durch die Öffnung wieder etwas vom Hof sehen konnte. Von der Tür aus hatte Nowak den besseren Winkel auf diesen Abschnitt. Er überließ ihr den Mann und suchte die Fläche vor dem Hallentor ab.

Dort kam ein weiterer Darsteller vom Behälter herüber. Kael sah ihn erst, als er die Mauer verlassen hatte und beinahe am Tor stand. Er gab die Bewegung an Korr und Daal weiter, dann traf erneuter Beschuss den Rahmen über ihm. Als er wieder hinaussah, war der Eingang leer. Aus der Halle hörte er mehrere kurze Feuerstöße, konnte den Darsteller aber nicht mehr sehen. Er hielt das E-11 auf den Hof gerichtet. An der Hoftür lehnte sich Nowak kurz vor und sah am Rahmen vorbei. Kael richtete sich am Fenster etwas auf und sah den Mann an der Mauer, der gerade auf ihre Bewegung reagierte. Er schoss, bevor der Darsteller die Waffe herumführen konnte. Der Mann senkte die Waffe und hob eine Hand. Kael ließ den Blick über den Hof gehen. Am Behälter wechselte jemand die Seite, das Tor blieb offen.

Korr meldete vom inneren Durchgang, dass der Gegner am Tor ausgeschieden sei. Der Droide hinter der Werkbank feuerte noch auf den inneren Durchgang. Kael ließ Daal bei ihm und meldete der Übungsleitung, dass sie den Kontrollraum hielten. Kurz darauf begann vom Behälter aus ein weiterer Angriff. Nowak erwiderte das Feuer, Kael blieb am rechten Fenster. Diesmal sah er den Darsteller früh genug, um ihn auf dem Weg zum Transportgestell zu beschießen. Der Mann blieb dahinter, während von links weitere Übungspulse gegen die Außentür trafen. Kael musste sich wieder vom offenen Rahmen lösen. Als die Übungsleitung schließlich die Ablösung meldete, hatte auch in der Halle das Feuer aufgehört. Marr beendete den Durchgang, ließ sie die Waffen sichern und rief die Gruppe zum Auswertestand.

Sorel ließ zunächst den Wechsel Daals zur Hallenseite zeigen. Anschließend bat Kael darum, die Szene am Hallentor aus Daals Helmaufnahme zu zeigen. Er wollte wissen, wann der Mann zwischen den Werkbänken sichtbar geworden war. Auf der Aufnahme verdeckte zunächst ein hoher Einbau den Eingang. Kaels Warnung war bereits zu hören, als Daal die Waffe zum schmalen Zwischenraum nahm, durch den der Darsteller wenig später hervorkam. Marr hielt das Bild dort an und ging mit ihnen die unterschiedlichen Sichtbereiche durch. Danach bekam Daal die Führung für den nächsten Durchgang. Er nahm die Skizze vom Tisch und legte sie etwas abseits auf eine freie Bank. Kael trat mit Korr und Nowak dazu und hörte sich die neue Einteilung an.


[Carida-System / Carida / Ausbildungsgelände der Imperialen Akademie / Killing House / Auswertestand] Kael Reed, Tavin Korr, Sorren Daal, Tessa Nowak und Ausbildungspersonal (NSC)
 
[Carida-System / Carida / Ausbildungsgelände der Imperialen Akademie / Dschungelgebiet / Zeitweiliger Stützpunkt] Kael Reed und weitere Lehrgangsteilnehmer, Ausbildungspersonal (NSC)

Der Regen setzte ein, als sie die letzten Behälter unter die Plane schoben. Kael stellte seinen Rucksack auf eine der flachen Unterlagen und sah zu, wie das Wasser an deren Rand vorbeilief. Für die nächsten vier Tage hatten sie diesen Teil des Ausbildungsgebiets zugewiesen bekommen. Von hier aus übernahmen die Gruppen Sicherungsdienste, besetzten Beobachtungspunkte und arbeiteten an vorgesehenen Geländeaufgaben. Die Durchgänge im Killing House lagen inzwischen einige Tage zurück. Mit der letzten Stubenrotation waren Corporal Ilyra Senn, Corporal Varek Drass und Private 1st Class Deyra Kevora zu seinen neuen Übungspartnern geworden. Kael hatte sich an das Tempo unter Caridas höherer Gravitation gewöhnt, während die Belastung der vergangenen Wochen immer deutlicher nachwirkte. Nach längeren Arbeiten am Boden musste er sich beim Aufrichten Zeit lassen. In den kurzen Pausen setzten sich die Teilnehmer auf Behälter oder zusammengelegte Unterlagen, häufig noch bevor jemand das nächste Thema für ein Gespräch gefunden hatte.

Am ersten Nachmittag brachte Marr einen Sanitätsausbilder zu ihnen. Unter einer zweiten Plane wiederholten sie die Verwundetenversorgung mit dem ausgegebenen Material. Eine Erste-Hilfe Auffrischung schadete, nie hier würde aber nochmal eine Schippe an Fachwissen draufgelegt. Am Modell übten sie, Verletzungen auch unter der Ausrüstung zu erkennen und die Versorgung mit der Vorbereitung zum Abtransport zu verbinden. Der Ausbilder zeigte ihnen außerdem die zerlegbare Bergungstrage. Sturmtruppen waren autonome Infanterie, es war in ihrem Einsatzgebieten nicht immer klar ob man auf die Armee für Exfiltration oder Support-Elemente zugreifen konnte, also waren oftmals Basislösungen ein sinnvoller Alternativweg. Beim ersten gemeinsamen Aufnehmen hoben sie eine Seite etwas früher an, setzten wieder ab und stimmten sich vor dem nächsten Versuch genauer ab, ein Hoch auf die Sonst geläufigere Repulsortechnik. Später wiederholten sie denselben Vorgang zwischen den Bäumen auf unebenem Untergrund und schlechtem Stand. Kael arbeitete dabei mit Senn zusammen, die bisher im Sanitätsdienst einer Heereseinheit verwendet worden war. Sie wechselten die Plätze am Modell und kamen beim zweiten Durchgang ohne längere Unterbrechung durch die Aufgabe.

Der folgende Tag brachte längere Wege zwischen den Beobachtungspunkten und mehrere Stunden Sicherungsdienst. Zwischen den Schauern tropfte es von den Blättern weiter, sodass Kael beim Ablegen seiner Ausrüstung darauf achtete, die geöffneten Taschen unter der Plane zu behalten. Nach einer Ablösung reinigte er die verschmutzten Teile seines E-11 und richtete die Sachen für den nächsten Dienst. Beim Essen streckte er die Beine auf der Unterlage aus. Für Unterhaltungen blieb Gelegenheit, meistens verwendeten sie die freie Zeit jedoch zum Essen oder Schlafen. Die nächste Ablösung kam regelmäßig früher, als ihm lieb gewesen wäre.

Am dritten Vormittag waren sie auf dem Rückweg von einem Beobachtungspunkt, als die Übungsleitung einen Verwundeten meldete. Ein Soldat der benachbarten Sicherungsgruppe war nach einem Treffer über eine Böschung gestürzt. Drass ließ sich die Position bestätigen und änderte ihren Weg. Kael schloss den zuletzt geöffneten Verschluss seines Rucksacks und folgte ihm durch das nasse Unterholz bis an einen alten Versorgungsweg. Unterhalb der Kante lag ein Mann in Felduniform. Am linken Oberarm lag die nachgebildete Trefferwunde offen, der Ärmel war mit Blutimitat verschmiert. Das rechte Bein lag angewinkelt zwischen den Wurzeln. Ein Stück abseits stand der Sanitätsausbilder.
„Reed und Senn übernehmen die Versorgung. Abbinden und stabilisieren, Kevora sie bereiten die Trage vor.“ Drass blieb am Weg und setzte die Meldung an das Sanitätsteam ab. Kael legte den Rucksack neben dem Verwundeten ab, wechselte die Handschuhe und kniete sich an dessen linke Seite.

„Was ist nach dem Treffer passiert?“ Während der Mann antwortete, legte Kael die dargestellte Armverletzung frei und nahm die von Kevora bereitgelegte Wundauflage entgegen. „Bin rückwärts über die Kante. Unten mit dem rechten Bein aufgekommen. Ich wollte wieder hoch, aber es geht nicht.“ Kael hielt die Auflage an ihrem Platz, während Senn den Verband vorbereitete. Der Sanitätsausbilder bestätigte für die Lage, dass die Blutung unter der Versorgung nachließ. Als Senn übernahm, konnte Kael sich dem Sturz zuwenden. Der Mann griff mit der freien Hand an die rechte Hüfte, sobald er seine Lage verändern wollte. Auf Nachfrage beschrieb er dort und im Oberschenkel starke Schmerzen. Kael sah zur Wegkante hinauf und ließ sich schildern, wie er aufgekommen war und ob er zwischenzeitlich das Bewusstsein verloren hatte. Der Mann verneinte und berichtete noch einmal von seinem Versuch aufzustehen.

„Bleiben Sie so liegen. Ich sehe mir das Bein an.“ Kael ging auf die andere Seite. Die sichtbare Trefferverletzung war inzwischen versorgt, über die Folgen des Aufpralls wusste er noch zu wenig. Er ließ sich die schmerzenden Stellen zeigen und fragte nach weiteren Beschwerden, während Senn Atmung und Kreislauf überprüfte. Der Mann beantwortete seine Fragen weiterhin klar. Der Sanitätsausbilder gab für die Übung an, dass der Puls beschleunigt war. Die Atmung blieb regelmäßig. Kael gab Drass die möglichen Verletzungen an Bein und Becken durch. Der Corporal ergänzte seine Meldung und verständigte sie anschließend über die vorgesehene Übernahme am Fahrweg. Sie stützten das Bein in der vorgefundenen Haltung, während Senn es unterpolsterte. Als das Bein auflag, nahm er den Druck seiner Hände langsam zurück. Der Mann entspannte die Hand an seiner Hüfte etwas. Kael fragte nach und bekam bestätigt, dass die Schmerzen beim ruhigen Liegen geringer geworden waren. Für den Transport mussten sie diese Unterstützung erhalten. Er ging mit Senn die Lage des Beins durch, bevor sie die Trage an den Körper heranführten. Der Sanitätsausbilder trat dazu und begleitete diesen Teil der Bergung. Kael hielt Oberschenkel und Knie in ihrer bisherigen Stellung, während sie den Verwundeten gemeinsam auf die Trage umlagerten.

Beim Anheben verzog der Mann das Gesicht.
„An der Hüfte. Das zieht wieder.“ Kael ließ die anderen halten und behielt die Unterstützung des Beins bei. „Lässt der Schmerz nach, wenn wir stillhalten?“ Nach einigen Augenblicken bestätigte der Mann. Senn kontrollierte, dass das Bein weiterhin auf dem Polster lag und durch die Bewegung nicht seitlich abgesunken war. Der Ausbilder beobachtete die Kontrolle und gab das Zeichen zum Fortsetzen. Sie beendeten die Umlagerung, schlossen die Verbindungen und sicherten den Verwundeten. Kael überprüfte noch einmal die Unterstützung auf seiner Seite. Der Armverband blieb erreichbar, als sie den Mann gegen Regen und Auskühlen abdeckten. Unter seinen Schulterplatten hatte sich während der Arbeit Wärme gesammelt. Er richtete sich langsam auf.

Bis zum Fahrweg war es nicht weit. Kael nahm einen der hinteren Griffe und hob mit den anderen an. Das Gewicht zog in den Unterarm, auf dem nassen Boden mussten sie ihre Schritte verkürzen. Drass führte sie bis zu einer breiteren Stelle, an der sie absetzten und die Trageplätze wechselten. Der Mann antwortete auf Senns Fragen weiterhin ohne Verzögerung. Kael nahm den neuen Griff und ging mit den anderen weiter, bis zwischen den Bäumen der Sanitätstransporter erschien.

Drass meldete sie beim Sanitätsteam an. Kael blieb neben dem Verwundeten und schilderte den Treffer, den anschließenden Sturz und die Beschwerden an Bein und Hüfte. Der übernehmende Sanitäter fragte, ob der Mann sich seit dem Sturz noch selbst bewegt habe.
„Er hat vor unserem Eintreffen versucht aufzustehen, war jedoch nicht möglich. Patient war durchgehend ansprechbar.“ Senn ergänzte die Angaben zum Armverband. Nachdem das Sanitätsteam übernommen hatte, zog Kael die Versorgungshandschuhe aus und nahm seine Ausrüstung auf. Der Darsteller legte die unverletzte Hand neben sich, während der Ausbilder den Durchgang beendete. Sie gingen zum Stützpunkt zurück, ergänzten nach dem Essen das benutzte Material und bereiteten sich auf ihre nächste Ablösung vor. Am letzten Morgen packte Kael die noch feuchten Sachen zusammen. Die Gruppen übergaben ihre Bereiche und brachten das Material zum Abholpunkt. Als er den Rucksack wieder aufnahm, war die Plane bereits abgebaut. Er folgte den anderen über den ausgetretenen Weg zum wartenden Transport.

[Carida-System / Carida / Ausbildungsgelände der Imperialen Akademie / Dschungelgebiet / Abholpunkt] Kael Reed, Teilnehmer und Ausbildungspersonal (NSC)
 
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