Cato Neimoidia

[Cato Neimoidia, Tarko-se, Suburbia, Wohnung der Haakos] - mit Tari Haako und NSCs

Die Wohnung, die Sil und Tari Haako sich teilten, war eine typische in der Suburbia: In einem Hochhaus eine schäbige Zwei-Zimmerwohnung. Ein Zimmer diente als Kochstelle, während das andere Wohn- und Schlafzimmer für die beiden war. Sie teilten sich mit dem Flur eine Gemeinschaftsdusche. Diese wurde aber nicht oft gereinigt und darum duschte Tari meist in der Trainingshalle. Die Qualität dort war zwar auch alles andere als gut - aber wenigstens war es dort hygienischer. Müsste sein Vater nicht noch die Schulden seiner Mutter abbezahlen, hätten sie sich inzwischen eine bessere Wohnung, vielleicht sogar in einem besseren Viertel, leisten können. Aber dies war eben nicht der Fall.

Tari kam mit seinem zabrakischen Freund spät Nachts bei der Wohnung an. Beide waren inzwischen leicht angetrunken - aber durch den Fußweg an der kühlen Luft von der Kneipe zum Wohnblock waren sie zumindest nicht mehr betrunken. Tari klingelte, bevor er die Tür aufschloss. Er wollte seinen Vater nicht erschrecken.
Als Neimoidianer sind sie bei den meisten anderen Spezies verachtet. Und nochmal mehr bei den Armen und Ärmsten der Bevölkerung. Einmal schon wurden sie Nachts von einem wütenden Mob von Personen überfallen und in der eigenen Wohnung angegriffen. Der junge Neimoidianer brach sich dabei ein Paar Rippen - konnte aber auch mehrere Angreifer zu Boden schicken. Sein Vater verteidigte sie damals mit einem Küchenmesser. Auch er wurde verletzt. Konnte aber so wild Schaden mit dem Messer anrichten, dass die Angreifer sich zurückgezogen haben. Seitdem ist
Sil allerdings sehr schreckhaft und hat sich ein Vibromesser für den Fall der Fälle zugelegt.
Noch bevor
Tari die Tür aufschließen konnte, wurde sie ihm von seinem Vater geöffnet, der mit der Hand tatsächlich diese Klinge bereit hielt. Sein Vater sah um Jahre älter aus, als er eigentlich war. Der Absturz in die Suburbia, die hohe Verschuldung, der Streit mit dem Rest der Familie und das tägliche Malochen forderten ihren Tribut. Er konnte sich nicht so schnell und nicht so spurenarm an das Leben in der Suburbia anpassen wie sein Sohn.


"Tari. Und du hast Strongfoot mitgebracht. Überraschend - aber ich nehme an, dass dann euer Kampf fair geblieben ist. Kommt rein", begrüßte Sil die beiden Ankömmlinge. Und führte sie dann in das Wohnzimmer. Links und Rechts des Tisches standen die beiden Betten, an der Wand hing eine kleine Holo-Übertragungsfläche und in der Mitte stand ein rechteckiger Tisch, dessen eines kaputtes Bein mit Klebeband stabilisiert wurde und unter dessen Füßen unterschiedlich viele Karten lagen, um den unebenen Boden auszugleichen. Darum herum standen vier Stühle je unterschiedlicher Machart.
Sil setzte sich auf den gepolsterten mit der hohen Rückenlehne; Strongfoot ließ sich auf einen Hocker fallen und Tari fläzte sich in einen Stuhl, der geräuschvoll knarzte und ächzte.

"So, was verleiht uns die Ehre, dass du Strongfoot mit hierhergebracht hast? Ich nehme an, dass du gewonnen hast und nun ganz Ehrenmann bist?", griff Sil den Faden wieder auf. "Ja, dein Sohn hat mich leider besiegt. Ich war kurz zu unaufmerksam", brachte Strongfoot dröhnend hervor. Der Vater schaute seinen Sohn stolz und liebevoll an.
"Genau, Pa. Ich konnte durch Aufgabe gewinnen und somit wieder die hohe Siegprämie einstreichen. Aber das wollen wir nun nicht feiern... oder anders gesagt, dass haben wir zu zweit schon gefeiert", begann Tari - und merkte wie eine Traurigkeit und Angst in sein Inneres kroch und ihn zu lähmen schien, "Ich habe Strongfoot mitgebracht, um... um ihm die Wahreit zu sagen. Und um Abschied zu feiern."

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Stille kehrte ein und Tari rang mit sich selbst, wie er anfangen sollte. Und was er überhaupt sagen sollte - sein Plan stand ja eigentlich schon fest. Und dennoch: Die Angst davor, dass etwas schiefgehen könnte, dass er den Rückhalt bei einem seiner wenigen Freunde verlieren könnte und dass seine Entscheidung falsch sein könnte, schnürte ihm fast die Kehle zu. Vielleicht sollte er den Vorfall doch einfach ignorieren - er hatte seinem Vater das Leben gerettet und das war doch das wichtigste... oder?
Auf der anderen Seite wusste er aber auch, dass er mit der Gabe der Macht viel mehr Ungerechtigkeit und Unterdrückung bekämpfen könnte als als Ringkämpfer. Egal, wie gut und einflussreich er dabei auch werden würde.
So holte er tief Luft.


"Tari, jetzt komm schon raus mit der Sprache", riss ihn Strongfoot aus seinem inneren Ringen, und wandte sich dann Sil zu, "Stimmt es wirklich, dass unser grüner Muskelberg Tari die Macht nutzen kann?"
Sil nickte nach einem kurzen bestätigenden Blickwechsel mit seinem Sohn. "Ja. Es stimmt. Mein kleiner Tari kann die Macht nutzen. Aber er sollte am besten selbst die Geschichte erzählen - oder sie für sich behalten. Mir steht nicht zu, mehr zu sagen."

Alle Augen richteten sich wieder auf Tari. Dieser knackte seine Fingerknöchel und lockerte seine Nacken- und Halsmuskeln wie vor oder nach einer Trainingseinheit. Dann begann er zu berichten:
"Es war etwa vor einem halben Jahr. Du weißt ja, dass Pa sich mit zusätzlichen Hausmeisterarbeiten über Wasser hält - neben seinem Beruf als Verkäufer. Und unser wunderbares Mehrbutzenhaus ist ja, wie du siehst sehr marode. Wir hatten zu dieser Zeit schon mehrere Monate lang ein undichtes Dach. Und da hat sich Pa drum gekümmert, es wieder dicht zu machen. Ich kam gerade von meinem Training und Arena-Putzen zurück nach Hause und es wurde schon dunkel.
Pa war auch am Abbauen und Aufräumen und gerade wieder vom Gerüst unten angekommen. Es fisselte schon und der Wind nahm kräftig zu. Und ich sah es - war aber noch meterweit entfernt: Eine Windböe erfasste eine große neue Dachziegel und kippte sie über das Gerüst. Sie fiel runter - genau auf die Stelle, an der mein Pa stand und mir zuwinkte.
Und ich wusste, dass ich bei allem Willen niemals schnell genug bei ihm sein würde. Ich war fassungslos... und ohne es zu merken, schrie ich und reckte meinen Arm nach vorne. Und wie gesagt: Ich stand meterweit von ihm entfernt. Also eigentlich eine dumme Aktion der Hilflosigkeit. Aber wie von einem gewaltigen Windstoß getroffen wurde mein Pa nach hinten gestoßen und landete auf seinem Hintern. Gut drei oder vier Meter von der Stelle entfernt, an der er davor noch gestanden hatte und auf der fast im selben Moment die Ziegel aufschlug und in tausend Splitter zersprang."


Beim Erzählen durchlebte Tari das Geschehene noch einmal wie beim tatsächlichen Ereignis - nur, dass er nun mehrere Perspektiven vor seinem inneren Auge in den Blick nehmen konnte. Und er konnte auch sehr intensiv die Gefühle, die ihn damals im Griff hatten, wieder wahrnehmen: Schock, Ohnmacht, Angst, Erstaunen, Freude. Alle in nie von ihm gekannter Stärke. Und sie waren bei seinem Erzählen fast ebenso stark wieder da gewesen. Doch auf eine andere Art und Weise, die der junge Neimoidianer nicht in Worte fassen konnte. Irgendwie - als wären es zwar immer noch seine eigenen Gefühle, aber von außen auf ihn einströmend, falls das Sinn ergibt.
"Ja, mein Sohn hat mir damals auch ein Paar Rippen gebrochen - wie immer etwas zu übermütig", reagierte nun sein Vater freundlich lachend auf den Bericht seines Sohnes. Dann wurde er wieder ernst. "Aber du hast mir damit unzweifelhaft das Leben gerettet. Und ja, Strongfoot, das ist wirklich so passiert. Mein Sohn hat die Macht."

Nun wurde es wieder einen Moment still in dem Raum. Und schließlich fixierte der Zabrak seinen Freund mit einem ernsten Blick. "Okay. Du kannst also die Macht nutzen. Aber warum willst du dann den Planeten verlassen?"
Nun kam der heikelste Teil des Abends. Tari wusste sehr genau, was er wollte. Aber war es sicher, Strongfoot davon zu erzählen? Aber er hatte ihm schon so viel Wahrheit erzählt - könnte er jetzt noch überzeugend lügen? Und wieder einmal sehnte sich der junge Neimoidianer in den Ring zurück. Da gab es zwar auch Finten und Tricks - aber diese waren natürlich und intuitiv zu meistern. Und es waren ehrlichere Tricks als die, mit denen man versuchte, mit schwierigen Situationen zwischen Personen umzugehen. Vielleicht hätte er das alles gar nicht aufbringen sollen - oder es während ihres Kampfes tun sollen.
Aber gut, beides war jetzt nicht mehr möglich. Ihm blieb wohl nichts anderes übrig, als zu antworten.

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Tari atmete einmal tief durch. Und dann antwortete er: "Ich möchte ein Jedi werden."
Stille. In seines Vaters Augen sah der junge Neimoidianer Stolz und Zuneigung. Als sein Blick weiter zu Strongfoot wanderte, sah er hingegen Unglauben und Zweifel. Die er gut nachvollziehen konnte. Schließlich wurden nur die wenigsten Wesen Jedi - und er war gerade dabei, sich einen großen Ruf als Ringkämpfer aufzubauen. Mit seiner Jugend, seinem Talent und seinem Herz könnte er es sicher zu weltweitem Ruhm bringen. Und vielleicht sogar sektorweit durchstarten.

"Bist du verrückt?", brach der Zabrak nach einem Moment die Stille. Und darauf folgte erneut Schweigen. Was sollte Tari auch darauf antworten. Sein Plan war waghalsig; er würde alles zurücklassen, was er sich so mühsam aufgebaut hatte. Und er würde auch seinen Vater Sil nicht mehr unterstützen können. Und doch hatte gerade dieser ihn dazu ermuntert. Dass er seine Gabe nicht verschwenden solle. Und dass er als Jedi wirklich für das Gute sich einsetzen könnte.
"Ich würde gerne nein sagen... aber ich verstehe, dass es so klingt. Aber du musst das verstehen: Ich kann die Macht nutzen - und sollte das trainieren." Nach einer kurzen Pause mit Blick auf Strongfoot fügte er hinzu: "Versteh mich bitte. Du bist Kämpfer, genau wie ich. Und wir hatten schon gute Anlagen und unseren eisernen Willen - konnten aber erst auf die Erfolgsspur einbiegen, nachdem wir beiden ein Ziel vorgegeben und uns selbst gestählt hatten. So möchte ich das auch mit der Macht machen."

"Tari. Du lässt uns alle allein. Und wie du selbst schon gesagt hast: Du bist gerade auf die Erfolgsspur eingebogen. Warum beschleunigst du nicht? Wenn ich ehrlich bin, hast du doch das Zeug dazu, der beste Kämpfer hier zu werden. Sogar besser als ich selbst. Schmeiß das nicht weg. Und überhaupt: Was soll dann aus deinem alten Herrn werden?", versuchte es der Zabrak nochmal mit einem Hauch von Trotz in der Stimme.
Tari war sich gar nicht bewusst gewesen, wie tief ihre Freundschaft wirklich war. Und das Argument mit seinem Vater war auch wirklich hart zu entkräften. Aber bevor sich Tari dieser Aufgabe stellen konnte, meldete sich Sil selbst zu Wort:
"Strongfoot. Ich bin dankbar für deine Sorge um mich. Aber ich werde schon zurechtkommen - es wird hart sein, aber machbar. Inzwischen bin ich doch Teil der Suburbia geworden und kenne die Tricks und Kniffe.
Aber Tari ist eine Chance geschenkt worden, wie sonst nur den wenigsten. Und du weißt selbst sehr gut, wie sehr sich Tari gegen die Mobber und Halsabschneider einsetzt. Als Jedi würde er einflussreiche Freunde finden und könnte dort für Gerechtigkeit sorgen, wo es die meisten nicht schaffen würden."


Diese besonnenen Worte aus dem Mund eines in Armut verfallenen Neimoidianers verfehlten ihre Wirkung nicht. Tari war wütend auf sich selbst, da ihm die Tränen kamen - welche er mit Willenskraft und Augenreiben erfolgreich zurückdrängte. Und auch Strongfoot wirkte bewegt. Schließlich wandte sich dieser noch einmal Tari direkt zu: "Bist du dir sicher?"
"Bin ich mir sicher, ob das richtig ist? Nein. Aber ich bin mir sehr sicher, dass ich ein Jedi werden will. Und dann gegen Tyrannei und Mobberei in den Krieg ziehen werde."
Strongfoot nickte grimmig - und dann breitete sich ein Lächeln auf dem Gesicht des Zabraks aus. "Na gut. Wenn das so ist: Mach sie fertig! Hals- und Beinbruch für jeden, der dir im Weg steht."
"Und Hals- und Beinbruch für jeden, der dir im Ring gegenübersteht", erwiderte Tari erleichtert.
Der Zabrak blieb ernst - auch wenn jetzt Freundlichkeit mit dabei war - und hakte nach:
"Und wann willst du aufbrechen?"

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