Coruscant

Coruscant – Jedi-Tempel, Trainingsraum, alleine

Parieren, parieren, parieren, ducken, drehen, parieren, angreifen, ausweichen, parieren... Mit der Zeit wurde Eowyn langsamer und fand allmählich in das Hier und Jetzt zurück, bevor sie das Lichtschwert deaktivierte. Ihr Atem ging fürchterlich schnell, und sie verfluchte im Stillen die Trainingspausen. Ja, vielleicht hatten auch die Anstrengungen der letzten Tage und Wochen damit zu tun, und vermutlich hätte sie nicht gleich auf hundert Prozent gehen sollen. Aber sie hatte das hier jetzt gebraucht, so dringend, wie ein Fisch das Wasser brauchte und ein Vogel die Freiheit des Himmels. Und ja, es hatte geholfen. Auch wenn die Gedanken und Vorwürfe nicht verschwunden waren, langsam hatte Eowyn das Gefühl, dass sie sie nicht mehr vollkommen überrannten, dass sie beginnen konnte, sie zu ordnen. Und vielleicht, vielleicht würde sie dann doch mit Ian reden. Oder es ihm zumindest anbieten... Sie konnte ihn nicht einfach so aufgeben, ohne den Versuch, es ihm zu erklären. Das wäre... feige. Nicht nach allem, was sie miteinander durchgemacht hatten. Und was sollte er schon tun? Im schlimmsten Fall würde er sie anschreien oder auch erst gar nicht mit ihr reden, aber damit würde sie leben können. Nicht aber damit, sich zu fragen, ob ein Gespräch etwas geändert hätte. Da waren schon zu viele Missverständnisse zwischen ihnen beiden gewesen, und eigentlich hatte sie sich geschworen, das nicht noch einmal zuzulassen. Auch wenn sie da natürlich nicht an eine Situation wie diese gedacht hatte... Eowyn seufzte schwer, während sie nach ihrer Wasserflasche griff und sie leertrank. Nein, das hier war mehr als nur ein Missverständnis, was gab es da falsch zu verstehen? Ian hatte gehandelt, sie hatte gehandelt. Daran gab es nichts falsch zu verstehen. Daran gab es höchstens etwas nicht zu verstehen... Denn obwohl sie rein vom Kopf her meinte zu wissen, weshalb Ian all das getan hatte - ob sie es wirklich verstehen konnte? Spielte das vielleicht mit hinein in ihr Schuldbewusstsein? Unwillig schüttelte sie den Kopf und wischte sich den Schweiß mit ihrem Ärmel vom Gesicht. Nein, keine Grübeleien jetzt. Dann konnte sie gleich wieder von vorne anfangen. Sie durfte diesen Gedanken einfach keinen Raum geben... nicht, bevor sie nicht mit Ian gesprochen hatte. Wenigstens so lange musste sie durchhalten, sie war eine Jedi, verdammt noch mal.
Ob er schon aus dem Bactatank heraus war? Vorsichtig streckte sie ihre Machtfühler nach Ian aus. Er schien zumindest nicht bewusstlos zu sein... aber wirklich wahrnehmen konnte sie ihn nicht. Er war offensichtlich abgeschirmt, aber das war nicht verwunderlich. Mitten unter den Jedi hätte sie an seiner Stelle wohl auch keine Lust darauf, dass jeder alles mitbekam. Auch wenn Eowyn keine Ahnung hatte, was hinter "alles" steckte. War er erleichtert, dass Kyran lebte? War er wütend auf sie, oder enttäuscht? Wenn sie ehrlich war hatte Eowyn nicht den blassesten Schimmer, was nun in Ian vorgehen konnte, wie sie leicht schmerzlich feststellte. Sie kannte ihn bei weitem nicht so gut, wie sie vielleicht kurz gedacht hatte. Nun ja... vielleicht würde sie es später erfahren.
Jetzt aber brauchte sie erst einmal eine Dusche, sonst würde Ian sie alleine schon ihres Geruches wegen aus dem Zimmer werfen.
In ihrem momentanen Zimmer hatte sie darauf keine Chance, aber Eowyn machte mit diesem Problem kurzen Prozess und ließ sich ein zweites Zimmer zuteilen. Welche Wahl hatte sie sonst? Und es war ja nicht so, als würde momentan wie auf Lianna irgendein Mangel an Unterkünften herrschen... Schon zu den Hochzeiten der Republik, vor dem offenen Krieg mit dem Imperium, hatte es dieses Problem nicht gegeben.


Eiige Zeit später verließ sie ihr ursprüngliches Zimmer in angenehmerem Zustand wieder. Sie musste zugeben, dass sie ein wenig getrödelt hatte - und gezögert. Nur, weil sie beschlossen hatte, sich Ians Vorwürfen zu stellen hieß das nicht, dass sie es gerne tat, vor allem, weil es bedeutete, sich auch wieder konkret dem zu stellen, was sie getan hatte. Also war es ihr sinnvoll erschienen, erst einmal eine provisorische Aufhängung für ihr zweites Lichtschwert zu improvisieren. Aber alles noch weiter hinauszuschieben war sinnlos, es würde nur noch schlimmer werden und nichts daran ändern. Nein, sie würde es jetzt hinter sich bringen.
Hinterher... nun ja. Sie würde einfach nicht an hinterher denken.
Ihr Herz klopfte unweigerlich schneller, als sie sich Ians Zimmer näherte, aber schon kurz bevor sie an die Tür klopfte wurde ihr klar, dass etwas nicht stimmte - Ian war nicht darin. Sie hätte ihn schon längst wahrnehmen müssen... außer natürlich, er verschleierte sich völlig. Sie runzelte die Stirn und griff in der Macht hinaus. Nein, in diesem Zimmer konnte sie ihn nicht spüren... und auch sonst nirgendwo in der medizinischen Abteilung. Vielleicht wirklich verschleiert? Eowyn klopfte an die Tür und wartete, klopfte nach einiger Zeit erneut. Sie zögerte. Wenn er sich genau vor
ihr versteckte? Andererseits, dann kannte er sie ebenfalls nicht so gut wie er dachte. Sie hatte sich entschlossen, mit ihm zu reden, und so einfach würde sie nicht aufgeben. Vorsichtig öffnete sie die Tür. Ian?, fragte sie laut in den Raum, ohne hineinzusehen. Keine Antwort, keine geworfenen Gegenstände als Reaktion. Also lugte sie um die Ecke, nur um einen leeren Raum vorzufinden. Eowyn seufzte und kam sich leicht lächerlich vor, bevor ihr klar wurde, was das bedeutete. Er war nicht hier... Beunruhigt begann sie, Ian in der Macht zu suchen und wurde schnell fündig - doch nirgendwo hier in der Nähe. Erleichtert atmete sie auf - immerhin war er nicht einfach abgetaucht und verschwunden. Dennoch, sie hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wo er war, dämmerte ihr langsam, sie wusste nicht, weshalb er gegangen war. Was war geschehen? Sie war nicht so egozentrisch davon auszugehen, dass er den Tempel nur wegen ihr verlassen hatte - das würde er nicht tun, ihm war es viel zu wichtig, zu helfen, selbst, wenn er sie nicht mehr sehen wollte. Nein. Es musste zumindest noch weitere Gründe geben - aber eigentlich war das erst einmal egal.
Er war nicht hier. Er war irgendwo da draußen...
Da draußen, wo das Virus herrschte, ohne, dass sie wusste, wo er war. Vielleicht mochte es zwischen ihnen vorbei sein, aber das hieß nicht, dass sie ihn sich selbst überlassen würde, was auch immer los war. Abgesehen davon hatte sie Verantwortung übernommen. Es war ihre Pflicht, zu wissen, wo Ian sich befand - und das war eben eine dieser Situationen, vor denen sie sich so gefürchtet hatte. Wenigstens zogen hier beide Wünsche an einem Strang.

Stang, Ian!, entfuhr es ihr, als sie sich umdrehte und zum Tempelausgang eilte. Wie war er überhaupt hinausgekommen? Vermutlich hatte es keinen interessiert... Musst du mir das antun? Nicht, dass er vermutlich auch nur einen Gedanken daran verschwendete, welche Sorgen sie sich machen würde, wenn er nicht da war. Natürlich nicht. Warum war er gegangen? Warum? Er konnte noch nicht gesund sein! Alisah... vielleicht hätte sie sie fragen sollen, vielleicht hatte sie etwas mitbekommen? Oder einer der Ärzte, Iv Calad? Zu spät. Und sie hatte auch keine Möglichkeit, jemanden von ihnen zu kontaktieren, hatte sie doch keine Frequenzen... Zurückzulaufen war ebenfalls unsinnig, denn die Chance, dass jemand etwas wusste, war einfach zu gering, um darauf zu setzen.
Nun gut. Sie würde Ian suchen, und wenn sie ihn nicht fand zurückkehren und nachfragen - auch wenn das bedeutete, einzugestehen, dass sie in diesem Punkt versagt hatte und mit mehr als nur einer kleinen Strafpredigt zu rechnen hatte. Das spielte keine Rolle, hier ging es darum, Ian zu finden. Er war vermutlich noch geschwächt, und dann hier draußen, angreifbar durch das Virus - absolut keine gute Kombination. Er war hier irgendwo, aber die Macht funktionierte leider nicht wie ein Suchradar, und es war Jahre her, dass Eowyn dieses Gebiet gekannt hatte. Auf Coruscant war das gleichbedeutend mit "niemals gekannt", und hier gab es einfach zu viele Ebenen...
Nach Ian rufend lief sie durch die Straßen, fragte hin und wieder, ob jemand Ian gesehen hatte - aber es half nicht sonderlich, dass sie keine Ahnung hatte, welche Kleidung er vermutlich trug. Auch wenn Ians Größe doch wenigstens zumindest etwas hilfreich sein sollte - niemand hatte ihn gesehen, wenn überhaupt geantwortet wurde. Und wenn Ian wirklich nicht gefunden werden wollte - dann hatte sie theoretisch auch keine Chance. Vielleicht war nach ihm zu rufen auch keine sonderlich gute Idee... Einen Moment lehnte sie sich an eine Hauswand und schloss die Augen. Wenn er gegangen war, dann wollte er niemanden sehen. Ihn zu rufen war kontraproduktiv. Anderseits, wie sollte sie ihn sonst finden? Und vielleicht war es gar nicht so, er hätte sich sonst komplett verschleiert... Ach, in die Sonne mit diesen Spekulationen!
Noch eine Viertelstunde. Wenn sie ihn dann nicht gefunden hatte, dann würde sie zum Tempel zurückgehen, etwas anderes blieb ihr nicht übrig, wie sie mit einem unguten Gefühl im Bauch und einem Kloß im Hals feststellte. Warum hatte sie nicht gleich nach dem Aufwachen mit ihm geredet, auf ihn gewartet? Warum hatte sie so getrödelt? Alles ging schief. Alles, einfach alles...


Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, alleine
 
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Coruscant – Jedi-Tempel - medizinische Abteilung 1 – mit Ian

Sie verstand kaum was er sagte, so leise sprach Ian und er konnte sie wieder nicht wirklich ansehen. Doch als sie verstand was er da gesagt hatte...
Er war der Meinung , sie wusste es nicht?
Für einen Moment blieb Alisah der Mund offen stehen. Sie sollte nicht wissen aus welcher Dunkelheit sie kamen? Hatte er vergessen wer sie war, wer ihr erster Meister gewesen war, wer ihr Vater war, wer ihre Tante war und vor allem, wessen Schülerin sie am Ende gewesen war. Sie hatte Dunkelheiten gesehen... .
Doch wenn er davon ausging, dass sie, trotz all dem, nicht wusste was er durchschritten hatte... . Wo war er? Was hatte er erlebt? Sie musterte ihn eindringlich und wollte gerade ihren Mund öffnen um zu einer Frage an zu setzen, als Rick herein kam und die Situation so ein zu schätzen schien, das er sie beschützen müsste.


Nein,... er hat nicht...

Wollte sie gerade ansetzen die Situation zu klären und griff beruhigen nach Rick's Hand, die er schützend auf ihre Schulter gelegt hatte.
Doch Ian war schneller und er reagierte empört ob der Unterstellung, er habe ihr etwas tun wollen.
Im Grunde hatte er ja auch recht. Er hatte nur geholfen, hatte Kyran sogar das Leben gerettet. Doch das Rick so reagiert hatte war nicht die Schuld des Jungen sondern allein der von Alisah. Das war ihr klar, sie hatte am Anfang erklärt Ian wäre gefährlich und Rick hatte bei all dem Trouble um Kyran's Geburt wohl nicht alles mitbekommen. Verdammter Mist!


Ian!

Rief sie ihm nach als er sich an ihr Vorbei schob und beinahe fluchtartig den Raum verließ.
Er war so schnell fort, das keine Reaktion möglich war und auch keine Richtigstellung dessen was ihn so aufgebracht hatte.
Das Letzte, dass er gesagt hatte, bevor er davon gestürmt war, schockte Alisah bei all dem am meisten. Das hörte sich an als wollte er alles beenden, als wäre die Hilfe für Kyran ein Versuch gewesen einen Schussstrich zu ziehen. Einen Endgültigen. Das konnte Ian nicht ernst meinen, das hatte er nur im Rage gesagt. Oder? Noch einen Moment starrte sie die mittlerweile wieder geschlossene Türe an.
Was sollte sie tun? Was wenn er das doch so meinte wie er es gesagt hatte. Wem sollte sie das sagen? Einem der Ärzte? Einem der Jedi? Beides würde bedeuten, dass sie ihn suchen würden. Gut! Aber es hieße auch, das sie ihrem Verdacht nachgehen würden und so wie Ian drauf war, würde es das nur schlimmer machen. Selbst suchen konnte sie ihn auch nicht. Ein bisschen mit dem Stuhl herum schweben war eine Sache, gezielt und angestrengt nach jemandem suchen, der einen ohnehin nicht sehen wollte, eine ganz Andere.
Was sollte sie nur tun?
Eowyn! Mit einem Mal war Alisah klar, dass es nur eine Person gab, der sie Nachricht geben konnte ohne Ian zu schaden. Die Frau, deren bloße Erwähnung ihm vorhin jenes Lächeln auf die Lippen gezaubert hatte, das sie so gut kannte und das er vor langer Zeit auch für sie hatte.
Nur wie sollte sie sie erreichen. Sie kannte die Frau nicht. Erst recht wusste Alisah nicht wie sie sie direkt erreichen konnte. Verdammt, wieso musste alles so kompliziert sein!
Grübelnd sah Alisah sich um. Ob einer der Ärzte oder ein Droide wusste wie sie die Jedi erreichen konnte? Dann fiel Alisah's Blick auf den Terminal direkt neben der Türe.
Bürokratie war überall in der Galaxis und in einem so großen Gebäude wie dem Jeditempel musste es eine Art Verwaltung geben. Eine Verwaltung in der es auch Informationsfluss geben musste. Also schwebte sie zu jenem Terminal und nach einigem Suchen hatte sie eine zentrale Informationsweiterleitung gefunden.
Schnell gab sie eine Nachricht ein und bemühte sich dabei nicht zu direkt zu sein. Wer wusste schon, wer das alles mit las oder ob ein Analyseprogramm mit lief, das Schlüsselwörter überprüfte und gegebenen Falles Alarm gab.


***Comnachricht mit der Bitte sie an Eowyn El'mireth weiter zu leiten***

Ich weiß nicht an wen ich mich wenden soll. Aus diesem Grund schicke ich Ihnen diese Nachricht und hoffe sie kommt an.
Ich mache mir Sorgen um Ian, wir hatten einen Disput und es gab ein Missverständnis. Er ist fort gegangen und war sehr aufgeregt. Die Ärzte lassen nicht zu das ich ihn suche. Bitte könnten sie nach ihm sehen. Ihnen vertraut er sicher.

Ich mache mir wirklich Sorgen!

***Comnachricht Ende***


Die Nachricht war kurz doch Alisah wagte nichts Eingehenderes zu schreiben. Sie hoffte einfach das die Jedi begriff und das sie etwas tun konnte.
Eilig sandte sie die Nachricht los, atmete tief durch und wandte sich erst jetzt wieder Rick zu.
Armer Junge, er war für den Moment bestimmt verunsichert und es war ihre Schuld!


Er hat nicht dich gemeint Rick! Seine Vorwürfe gingen eher gegen mich und er hat recht damit!
Ich hätte schon längst Einiges erklären müssen.
Wir kennen uns von Früher, von unserer Zeit bei den Sith und aus diesem Grund war ich besorgt.
Aber er ist keine Gefahr! Ganz sicher nicht! Im Gegenteil.
Ian hat Kyran mit gerettet. Er hätte sogar beinahe sein eigenes Leben dabei gelassen. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat er seine Lebensenergie auf den Kleinen übertragen und ihn damit gestärkt.
Du musst dir also, was Ian betrifft, keine Sorgen machen.


Alisah gab sich Mühe möglichst beruhigend zu lächeln auch wenn sie sich noch immer Sorgen um Ian machte. Aber im Moment konnte sie nichts tun. Zumindest nicht für Ian aber doch für Rick. Und so wandte sie sich wieder dem Brutkasten zu während sie mit Rick sprach.

Du hast über uns gewacht! Aber hast du dir Kyran überhaupt schon angesehen?
Noch ist er sehr zerbrechlich und die vielen Schläuche. Aber bald ist er stärker und dann werd ich deine Hilfe noch viel mehr brauchen.


Seitlich von unten herauf sah sie Rick ins Gesicht, musterte seine Züge und fühlte sich irgendwie für ihn verantwortlich. Er war Radan's Schüler und ob sein Meister nun anwesend war oder nicht, für Alisah gehörte der oft so stille, nachdenkliche Junge zu ihrer kleinen Familie.

Coruscant – Jedi-Tempel - medizinische Abteilung 1 – mit Rick
 

Coruscant – in der Nähe des Jedi-Tempels (15 Minuten entfernt) - Gasse - Ian


Die Macht half Ian nicht dabei, die Schmerzen, die von seinem Herzen ausstrahlten, einzudämmen und die Schmerzen halfen auch nicht dabei, sich von seinen Gefühlen abzulenken. So saß Ian einfach nur an die Hauswand gekauert da und versuchte, so ruhig wie möglich zu atmen, um wenigstens so Herr über den Schmerz zu werden. ‚Ihr müsst Euch schonen‘, schoss der ernste Satz Calads zurück in Ians Kopf. ‚Es war Euer Glück, dass Eowyn so schnell eingegriffen hat, nur den Bruchteil einer Sekunde später, wäre es zu spät gewesen‘. Und genau jetzt, jetzt in dieser Sekunde wünschte Ian sich nichts mehr, als das Eowyn diese verfluchte Sekunde gezögert hätte. Keine Ohnmacht hätte ihn ereilt, sondern etwas, was weitaus endgültiger gewesen wäre, etwas, dass allem ein Ende gesetzt hätte. Alles hätte einfach aufgehört. Seine Gedanken, seine Gefühle, diese verfluchte Schuld – alles. Oh, er hatte sich allem gestellt, seiner Vergangenheit, seinen Taten, selbst den Jedi, er hatte gestanden, hatte versucht zu helfen, versuchte beständig das richtige zu tun, aber es war zu viel und es würde schlimmer werden. Wie, wie hatte er nur zu Allegious gehen und sich dazu bereit erklären können, diesen Vertrag zu unterzeichnen? Wie hatte er so feige sein können? Warum nur, warum hatte er sich nicht gegen Allegious gestellt? Warum hatte er so lange gezögert? Warum hatte dieses Monster ausgerechnet ihn gewählt? Warum, warum, warum.


Das war keine Dunkelheit mehr, es war Finsternis, Finsternis, die komplett von jedem Funken Licht abgeschnitten war und selbst wenn irgendwo ein Funke entstanden wäre, die Finsternis hätte ihn sofort verschluckt, vertilgt, noch ehe sich ein Lichtlein hätte ausbreiten können. Und diese Finsternis würde bleiben, sein ewiger Schatten denn bei allem, was er heute, morgen und vielleicht auch in einer Woche noch Gutes tun konnte, es würde das, was geschehen war, nicht mildern, nicht rückgängig machen, nicht verbessern. Das Virus breitete sich weiter aus und er hatte gesehen, wie Alisah dagegen gekämpft und fast verloren hatte. Ian wusste, was das für viele andere bedeuten würde und er wusste auch, dass er nicht dagegen zu tun vermochte. Selbst wenn er noch einem oder zwei helfen konnte – der Großteil würde sterben. Der Großteil würde sterben, weil er von Anfang an falsch gehandelt hatte. Wäre er nur früher zu den Jedi gegangen, nicht nach Nar Shaddaa, nicht nach Coruscant. Direkt nach Erteilen der Aufgabe. Schon mit dem Treffen im Luftleeren Raum hatte Ian alles verzögert, schon vor diesem Treffen hätte er gestehen müssen. Schon dort und vielleicht wäre alles anders gekommen. Die Jedi hätten mehr Zeit gehabt, sich vorzubereiten.
Die Morde auf Telos waren das eine gewesen, aber dieses Virus? Etwas völlig anderes. Und er durfte nicht einmal ehrlich sein, was das betraf, nicht darüber sprechen. Warum stellte man ihm niemanden zur Seite? Einen männlichen Jedi, einen Rat, jemanden, mit dem er sprechen konnte? Nein, sie hielten ihn halb gefangen, die meisten hielten ihn für jemanden, der anderen etwas tat, aber keiner, keiner suchte das Gespräch mit ihm und so fühlte Ian sich allein, allein mit einer Last von Schuld, allein mit der Last der Wahrheit. Und hatte nicht wenigstens Alisah ein Recht darauf, zu erfahren, was und wer sie eigentlich beinahe auf dem Gewissen gehabt hätte? Was machten die Jedi überhaupt mit der Information, die Ian ihnen gegeben hatte? Ian wusste es nichts, denn so wie man ihn alleine mit all dem ließ, ließ man ihn auch im Dunkeln, was das betraf. Seine Glaubwürdigkeit stand genauso unter Frage wie er selbst und was blieb, war nicht nur das Bedrückende Wissen, zu spät gehandelt zu haben, sondern die noch viel bedrückendere Tatsache, fast nichts ausrichten zu können. Was war er mehr, als ein Eindringling bei den Jedi, ein ehemaliger Sith. Und was war er bei den Sith mehr, als ein elender Hochverräter? Ian war nicht einmal zwischen die Fronten geraten, sondern stand alleine im Nichts, denn weder passte er auf die eine, noch auf die andere Seite. Das, was übrig blieb, war Schuld. Zu spät von den Sith gegangen zu sein, zu spät gehandelt zu haben, zu feige gewesen zu sein. Und dann wollte er helfen, tat etwas, was den Jedi auch nicht gefiel und was blieb, war wiederum Schuld. Was war Ian mehr, als ein Mensch, der beständig das falsche tat und noch beständiger darauf hingewiesen wurde? War da aber auch nur einer, der ihm sagte, wie er richtig handeln sollte? Jemand, der ihm Anleitung gab? Nein. Sie ließen ihn allein damit. Mit seiner Schuld, mit seinem Wissen, mit allem. Er wusste nicht einmal, wie die Republik entscheiden würde, er wusste gar nichts. Nichts über das Virus, nichts darüber, wie die Jedi gegen das Virus kämpften, nichts. Nur, dass er schuld war. Und da wünschte Ian sich erneut, dass Eowyn seine Technik nicht einfach unterbrochen hätte. War nicht sie diejenige gewesen, die auf dem Schiff einfach gegangen wäre? Und hatte er nicht viel mehr als sie, ein Recht dazu, sich zu wünschen, dass man ihn endlich gehen ließ?

Hör auf damit.
Du kannst immer noch helfen.

Doch um welchen Preis? Und was konnte er schon ausrichten?
Wie konnte Allegious nur so einfach gewinnen? Wie konnte er nur so einfach gewinnen?



Coruscant – in der Nähe des Jedi-Tempels (15 Minuten entfernt) - Gasse - Ian

 
Coruscant, Jedi-Tempel - Ratssaal im Turm - Sarid, Warblade und Wes

Eigentlich hatte Wes gedacht, dass es nicht unbedingt einfach sein würde, einen Heiler zu finden, der sowohl kompetent war (und somit glaubwürdig; zudem war es dem Orden nicht angemessen, falsch zu spielen und einen falschen Heiler zu präsentieren) als auch die Nerven hatte, sich neben der Riesenaufgabe hier auf Coruscant auch noch wechselnden Reportern zu stellen. Doch Sarid hatte sofort einen Namen parat, eine Jedi-Ritterin, die Wes sogar kannte und die Aufgabe auch tatsächlich zutraute: Brianna Kae. Bei dem Namen musste Wes automatisch mitgrinsen. Chesara hingegen wäre Wes' erster Gedanke gewesen, aber wie alle Räte auf Coruscant würde sie besseres zu tun haben, als die Medien zu beschäftigen. Mehr noch, eine so erfahrene Heilerin war dringend benötigt, um ihre Anstrengungen zu koordinieren. Wenn jemand der Heiler jenseits des Offensichtlichen blicken und dem Ursprung und den Hintergründen auf die Spur kommen konnte, dann sie.

Ähnliche Gründe sprachen dagegen, Sarid War begleiten zu lassen. Jedi mit Führungsqualitäten waren gefragt. Hier wimmelte es bereits jetzt von Jedi und mehr würden kommen. Jemand musste organisieren, die potentielle Schlagkraft des Ordens in sinnvolle Bahnen lenken und einen 500-Mann-Trupp Soldaten konnte man auch nicht einen beliebigen Ritter anführen lassen.


»Oh ja, ich kenne Brianna. Sie dürfte perfekt für diese Aufgabe sein. Sie ist mehr als attraktiv und tut alles dafür, im Mittelpunkt zu stehen. Zudem scheint sie zwischenzeitlich tatsächlich sowas wie Verantwortungsbewusstsein entwickelt zu haben – wir haben für eine Weile Padawane getauscht und habe nur Positives gehört. Ich kenne die Berichterstattung von Denon, sie kann sich verkaufen, soviel steht fest. Aber ich wusste nicht, dass sie dafür Ärger mit dem Rat bekommen hat?«


Wunderte sich Wes, der von der Mission auf Taris und dessen Nachspiel nichts wusste.

»Wir finden auch jemand Geeigneten, um den Admiral zu begleiten. Eine attraktive weibliche Jedi wäre hier ebenfalls optimal – aber nicht dich, Sarid. Deine Qualitäten brauchen wir hier dringender, wohingegen es genug attraktive junge Ritterinnen gäbe, die hervorragende Kämpferinnen sind und auch in der Unterstadt von Coruscant ihre Frau stehen würden. Was ist mit deinen früheren Padawanen, Rilanja und Nei? Wäre eine von ihnen nicht geeignet für diese Aufgabe?«

Dass der Admiral sich zudem um das imperiale Treiben auf Coruscant kümmern wollte, war eine gute Sache. Es mochte einfach, oder vielmehr zu einfach sein, dem Imperium die Schuld an der Epidemie zuzuweisen, aber zu glauben, dass es diese Situation nicht ausnutzen konnte und würde, Friedensvertrag hin oder her, war geradezu närrisch. Wes nickte daher sofort bestätigend.

Sarids Kompromissvorschlag, die weniger gefährdeten Spezies unter den Heilern zu verpflichten und es den übrigen mit einem nachdrücklichen Hinweis auf die Dringlichkeit freizustellen, war ebenfalls gut.


»Ja, so machen wir es – außer bei Kae, sie muss kommen. Ich weiß nicht, wie gefährdet Echani sind, aber wahrscheinlich weniger als reine Menschen und außerdem denke ich, dass wir auf unser mediales Aushängeschild aufzupassen wissen. Ich denke ohnehin nicht, dass sie sich diese Gelegenheit entgehen lassen würde, und genauso wenig, dass es viele andere gibt. Meine ehemalige Padawan Tara fühlt sich aber zum Beispiel nicht wohl hier, als Mutter eines kleinen Kindes, im Angesicht der Gefahr. Als Togruta würden wir sie zwar auch so zwingen, herzukommen, wäre sie eine Heilerin, aber dieses Bild hatte ich jedenfalls im Kopf.«

Anschließend wurde die Unterbringung der Soldaten angesprochen, die Sarid bereitwillig zusicherte, ohne den Admiral jedoch explizit zu erwähnen.

»Seit unser Gast, Admiral. Es wird uns eine Freude sein, Euch und Eure Leute im Tempel zu beherbergen.«

Wes dachte daran, War Blade eines der Ratsquartiere zuzuweisen. Es war nur pragmatisch, eines weniger von ihnen verstauben zu lassen, wohingegen Faktoren wie nahe Landepads und schneller Zugang zu den Kommunikations- und anderen zentralen Einrichtungen dafür sprachen. Allerdings würde der Admiral Wes' Einschätzung nach ablehnen, wenn er es ihm sagte. Er würde es früh genug erfahren…


Leider war er wohl der einzige ranghohe Offizier auf Coruscant, was den Taanaber ein wenig wunderte. Ob die Militärführung vom fernen Dac aus die Lage hier richtig einzuschätzen wusste? Nur zum Vergleich, grob zwei Drittel des Jedi-Rats war gerade hier auf Coruscant, eine Tatsache, die sie unbedingt publik machen mussten, wie ihm einfiel.

Damit war die Besprechung mit dem Militär auch schon erledigt.


»Uns ist es ebenfalls eine Freude, Admiral Blade. Was vor uns liegt, mag abschreckend wirken, aber ich bin überzeugt davon, dass wir später sagen können werden, alles in unserer Macht stehende getan zu haben – hoffentlich vor dem Hintergrund einer besiegten Seuche. Möge die Macht mit Euch sein, Admiral!«


Schloss Wes und verbeugte sich zum Abschied. Auffällig, dass das erste Thema danach, welches Sarid aufbrachte, das Kantinenessen war.

»Oh, hast du Hunger? Die Kantine gibt es leider noch nicht wieder, aber einen agamarianischen Nunabrater, der gar nicht schlecht ist. Ich habe zwar gerade erst gegessen, würde dich aber selbstverständlich begleiten. Die Verpflegung ist allerdings tatsächlich ein Problem, und ich sichte zur Zeit Angebote. Mit der Aussicht, dass wir hier bald 501 Mäuler mehr zu stopfen haben, sage ich dem Ortolaner zu. Ortolanische Küche klingt reizvoll, findest du nicht? Ich habe ihm nicht gleich zugesagt, weil ich nicht sicher bin, ob er einen Auftrag in der Größenordnung stemmen kann. Aber andererseits haben wir noch Platz für diverse weitere Kantinenpächter und da die Alternative Bantha King heißt… wenn du verstehst, was ich meine.«


Deutete der Jedi-Rat vielsagend an.

»Bist du einverstanden damit, Admiral Blade eines der Ratsquartiere zu geben? Ich denke, wir können einem so wertvollen Verbündeten gegenüber ruhig gastfreundlich sein und von der Ausstattung her wäre es ein großer Vorteil für ihn… ganz pragmatisch betrachtet. Ansonsten mache ich mich dann daran, die Nachricht an die Heiler zu verfassen.«

Coruscant, Jedi-Tempel - Ratssaal im Turm - Sarid und Wes
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, alleine

Bevor Eowyn ihren Weg fortsetzte piepte ihr Komlink. Hoffnung stieg gleichzeitig mit Angst in ihr auf. Wenn das jetzt allerdings eine Nachricht von Aketos, oder, noch schlimmer, einfach nur eine Verwaltungsnachricht oder dergleichen war, dann... Mit angehaltenem Atem las sie die Nachricht, während ihr so langsam alles ein bisschen klarer wurde. Darum also war er gegangen... Missverständnis? Verdammt!
Verdammt, verdammt!
Kraftlos schlug sie mit der Faust gegen die Mauer. Das hatte gerade noch gefehlt. Verdammt, sie hätte bei Ian bleiben sollen. Dann wäre das alles hier nie passiert... Aber sich selber Vorwürfe zu machen, dafür war später noch genug Zeit. Auch, um Alisah für die Nachricht zu danken, die zumindest etwas Klärung mit sich brachte - ohnehin hatte Eowyn keinen Schimmer, wie sie Alisah direkt antworten konnte. Nein, jetzt war es umso dringlicher, dass sie Ian fand, und wenn sie in in der nächsten Viertelstunde nicht selber fand, dann würde sie nicht zurückgehen - das kostete zu viel Zeit, und Alisahs Nachricht hatte viel zu eindringlich gewirkt. Wenn sie ihr sogar auf solchen Umwegen diese Nachricht zukommen ließ, wenn sie zwei Mal betonte, wie sehr sie sich sorgte - dann war hier wirklich Eile geboten. Wenn sie ihn also nicht fand, dann musste sie von hier aus um Hilfe und Unterstützung bitten, auch wenn sie sich über die Folgen darüber noch nicht ganz im Klaren war. Aber auch hier, darüber konnte sie sich später Gedanken machen. Er wirkte "aufgeregt", hatte Alisah geschrieben... was hatte sie damit gemeint? Verflixt, hätte sie doch etwas genauer sein können... aber es war offensichtlich, weshalb sie es nicht gewesen war.
Unwichtig. Sie musste Ian finden, so schnell wie möglich, und das würde sie auch schaffen. Es wäre doch gelacht, bei der Verbindung die Ian und sie hatten. Sie musste sich nur genug konzentrieren...
Eowyn schloss die Augen, blendete die Leute um sich herum aus und tauchte tief ein in die Macht. Ians Präsenz war schon die ganze Zeit spürtbar gewesen, hier, irgendwo im Umreis von ein paar Kilometern. Aber wo genau... Es war ihr auch jetzt nicht ganz klar, doch es blieb ihr nichts anderes übrig, als zu vertrauen. Zu vertrauen, dass die Macht sie leiten würde, auch wenn gerade diese Führung in den letzten Wochen und Monaten meist eher ausgeblieben war.


Sie setzte sich in Bewegung, langsamer diesmal, und ohne, andauernd nach Ian zu rufen. Wie konnte er so nah sein und gleichzeitig doch so fern? Die falsche Ebene... sie war eine Ebene zu hoch, stellte sie nach einigen Minuten fest. Ganz einfach... Sie öffnete die Augen und begann, etwas schneller zu laufen, immer schneller, bis sie sich ihres Weges beinahe sicher war und rannte. Hier unten war weniger los, und je näher sie Ian kam, desto seltener traf sie auf jemanden. Tiefe Erleichterung durchströmte sie, als sie Ian schließlich auf dem Boden kauernd sehen konnte - Erleichterung darüber, ihn gefunden zu haben; Erleichterung darüber, dass es ihm gut ging konnte sich nur leider nicht einstellen. Nicht so, wie er dasaß...
Sie wurde langsamer, verfiel in ein ruhiges Gehen. Jetzt, wo sie ihn gefunden hatte musste sie ihr weiteres Vorgehen bedenken. Irgendetwas hatte ihn aufgewühlt, und dann die Sache gestern... vielleicht wollte er sie erst Recht nicht sehen. Trotzdem musste sie es irgendwie schaffen, ihn wieder zurück in den Tempel zu bekommen, um jeden Preis. Es wäre so viel leichter, wenn sie wissen würde, was in ihm vorging, oder wenigstens, was genau vorhin geschehen war, aber das nutzte nichts, sie hatte nun einmal keine Ahnung. Klar war nur, dass
ihre Gefühle und Vorwürfe sich selbst und ein bisschen auch ihm gegenüber nun in die letzte Ecke ihres Kopfes verschoben werden mussten, und darum bemühte sie sich immens.
Mit einigem Abstand zu Ian blieb Eowyn schließlich stehen. Hatte er sie schon bemerkt, oder war er in sich versunken? Sie schluckte. Sie sollte wieder einmal etwas sagen... Nur womit anfangen? Zögernd ging sie in die Hocke. Es kam ihr albern vor, aus großer Höhe mit Ian zu reden...

Was ist los, Ian?, fragte sie schließlich leise das Naheliegendste, das ihr in den Sinn kam. Was machst du hier draußen, alleine? Nein, dass sie sich Sorgen gemacht hatte war wohl nicht so klug zu erwähnen. Kann ich... Ha, ja, natürlich. Trotzdem. Sie musste es ihm anbieten, auch wenn sie sich dabei völlig hilflos fühlte. Kann ich dir irgendwie... helfen?

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, alleine
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, Ian

So oft Ian sich auch sagte, dass er aufhören sollte, so hörte das, was er fühlte nicht auf und da gab Ian es auf, sich gegen all das zu wehren, was in seinem inneren geschah. Ein einziges Chaos, das in ihm tobte und sich nicht beruhigen ließ. Wenigstens fehlte diesmal Wut, wenigstens breitete sich dieses Gefühl nicht in ihm aus. Doch ob diese bodenlose Hoffnungslosigkeit besser war? Sie ließ ihn auf andere Art elend fühlen, doch auch gegen sie setzte Ian sich nicht länger zur Wehr, denn es machte keinen Sinn und er war den ständigen Kampf gegen seine Gefühle leid. So oft, so oft hatte er versucht zu verdrängen, zu bekämpfen, so oft hatte er versucht die richtige Entscheidung zu treffen, die richtige Stimme gewinnen zu lassen, das richtige zu tun und jedes Mal schien er dabei zu versagen. Wo war sein verfluchter Meister? Wo war Noctious an den er sich hätte wenden können? Der Gand hatte ihn einfach im Stich gelassen, so wie jeder andere, der die Rolle eines Anleiters getragen hatte. Spurlos verschwunden, wie die Verbindung, die er zu ihm geschaffen hatte. War es der Weg der Macht, ihn beständig in die Einsamkeit zu führen, ihn alleine Entscheidungen treffen zu lassen, die am Ende doch allesamt nicht richtig waren? Wäre er doch bloß ohne diese Bürde geboren worden. Wäre die Macht nicht gewesen, so vieles wäre anders. Keine grundlegend falschen Entscheidungen. Machtlosigkeit hätte ihn zu einem normalen Menschen gemacht, der vergleichsweise einfache Entscheidungen getroffen hätte. Niemals, niemals wäre er in einen Strudel und einen Sog aus Schuld geraten. Wo die Macht so perfekt darin war, ihn in die Irre zu führen, taugte sie so wenig dafür, ihm dabei zu helfen, aus dieser Irre wieder hinaus zu finden. Wie konnte es sein, dass andere, wie Allegious scheinbar so einfach Entscheidungen trafen, die andere leiden ließ? Wie konnte es sein, dass Allegious schlief und lebte, ohne sich zu sorgen? Dass er atmete, lebte und seine Macht ausweitete, ohne, dass ihn so etwas wie ein schlechtes Gewissen geißelte? Während Ian sich nicht einmal mehr selbst in die Augen sehen konnte, waren da eine Menge Sith, die so skrupellos handeln konnten, dass Ian sich fragte, wie es ihnen gelang, überhaupt noch zur Ruhe zu finden. Allegious hatte ihn absichtlich gewählt und obwohl Ian ihn verraten hatte, hatte er gegen ihn verloren. Denn war es diesem Monster nicht gelungen, ihn zu brechen? Fühlte er sich jetzt nicht genau so – zerbrochen, innerlich zerrissen? Allegious hatte gewusst, dass er ein Zweifler war, wer hatte das nicht gewusst? Es passte so perfekt in Allegious Charakter, ausgerechnet Ian zu erwählen und Ian konnte beim besten Willen keine Dankbarkeit dafür empfinden, auch wenn er sich sehr wohl daran erinnerte, dass Eowyn gesagt hatte, dass sie nahezu froh darüber war, dass es Ian war, der die Wahrheit wusste. Er wollte diese Wahrheit nicht mehr wissen und am liebsten die Augen davor verschließen. Hätte Allegious doch nur einen anderen erwählt; nicht über das Virus Bescheid zu wissen, wäre um so vieles besser gewesen, als mit diesen Gefühlen zu leben. Wäre, hätte, könnte. Würden sie immer seine Feinde bleiben? Was sollte, was konnte er tun? Die Antworten die Ian sich selbst dazu geben konnte, waren derart ernüchternd, dass sie seine Hoffnungslosigkeit nur weiter anfachte. Wie ließ sich ein Virus, das eine Symbiose der dunklen Seite war, besiegen? Wie ließ sich aufhalten, dass dieses Virus sich weiter ausbreiten konnte? Und wie konnte er auf angemessene Weise dabei helfen? Was war schon angemessen, was war schon richtig? Nicht einmal auf diese beiden einfachen Fragen hatte Ian eine Antwort und so verfluchte er innerlich sowohl die Ernüchterung, als auch die Hoffnungslosigkeit. Er verfluchte Allegious, die Macht und das gesamte Imperium und er verfluchte sich selbst. Wie gerne hätte er in den Himmel geschrien, gefragt, was er tun sollte – doch eine Antwort hätte ihm das ohnehin nicht gebracht und so starrte Ian schlicht auf den Boden, bohrte seinen Blick in die Straße und schloss am Ende doch die Augen.

Ruhe. Wie sehr sehnte er sich endlich nach Ruhe, nach dem Gegenteil von Chaos. Nach Anleitung, nach Antworten, nach Ruhe. Und weshalb wurde nicht wenigstens einer dieser Wünsche erfüllt?
Leise hörte Ian schritte näher kommen, Schritte, die ihn nicht einmal aufblicken ließen, denn es spielte keine Rolle, wer oder was da kam. Gefahr spürte er nicht und selbst wenn…


Erst als er ihre Stimme hörte, erkannte Ian, dass es Eowyn war. Was los war, es er hier machte, ob sie ihm helfen konnte? Leise atmete er aus, hob für Sekunden den Blick, ließ ihn dann wieder sinken.
Alleine sein,“ war die erste, leise Antwort die vielleicht offensichtlich, aber in jedem Fall die Wahrheit war. „Alleine sein und mir wünschen, dass mir endlich jemand hilft.“ Und… „Alleine sein, und erkennen, dass es diesen jemand nicht gibt.“ Er seufzte leise, resigniert, hob den Blick. „Ich meine, ich weiß, dass du da bist und dafür bin ich so dankbar, ich wüsste nicht einmal, was ich ohne dich tun sollte, aber…“ Er schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen, strich sich über das Haar, ließ die Hände, den Kopf gesenkt, in den Nacken gleiten.

Warum ist das alles passiert?“, fragte er dann. „Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde, aber es fühlt sich so an, als kann ich es nicht aushalten Eowyn und ich weiß nicht, was ich dagegen noch tun soll. Ich… fühle mich hoffnungslos und ich fühle mich schuldig und ich wünschte,…“, ‚dass du mich nicht aufgehalten hättest.‘ „Warum lässt die Macht mich ständig im Stich und gibt mir keine Antworten, keine richtige Anleitung? Was auch immer ich tue, es scheint immer das falsche zu sein und ich will, dass das endlich aufhört.“ Ian gab die Position seiner Hände auf, ließ sie wieder auf den Boden sinken und schüttelte den Kopf.

„Ich weiß genau, warum er mich ausgewählt hat, diese Vorverhandlungen zu unterzeichnen und ich weiß, dass es falsch und feige ist das zu sagen, aber ich wünschte, ja, ich wünschte, er hätte einen anderen damit betraut. Jemand, dem es von Anfang an egal gewesen wäre. Ich wünschte, ich wüsste nichts über dieses Virus und wäre nicht so sehr darin verstrickt. Warum kann es nicht einmal, wenigstens ein einziges Mal einfacher für mich sein? Warum? Ich bin hier her gekommen und ich will helfen und anstatt hier irgendetwas richtig zu machen ist das, was ich tue auch immer nur falsch. Es fühlt sich gerade so an, als sei nicht nur ständig alles ein großer Fehler, sondern als sei ich genau das. Ein einziger, großer Fehler und das…“ Hilflos hob er die Hände, ließ sie wieder sinken. „Das tut einfach nur weh.“

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, Eowyn und Ian
 
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Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, bei Ian

Ians Antwort war genau das, wovor Eowyn Angst gehabt hatte. Alleine sein... sie störte. Sein Blick war undefinierbar, aber wenigstens strahlte er ganz sicher keine Wut oder keine Verbitterung ihr gegenüber aus. Wenn er ihr ihre Tat gestern vorwarf, dann war das momentan zumindest nicht das Thema. Nein, hier steckte mehr dahinter. Und ja... sie hatte zugegebenermaßen nach Alisahs Nachricht Schlimmeres erwartet. Immerhin war er ansprechbar... immerhin war er ruhig.

Alleine sein. Hilfe. Die er nicht bekam.
Das saß... Aber hatte er nicht Recht? Sie hatte ihn im Stich gelassen. Aus Gründen, aus Gründen, die sie immer noch für richtig hielt, aber... was, wenn er sie gebraucht hätte? Alles lief schief. Egal was sie tat...
Weg.
Verdrängen.

Ian.

Und er relativierte auch sofort, was er gesagt hatte. Dennoch... es klang mehr wie eine Sache, die er schließlich sagen musste. Sein "aber" war deutlich genug. Sie war für ihn da, aber sie half nicht. Das war ein Unterschied, ein deutlicher - aber sie durfte es nicht persönlich nehmen. Das war das, was er empfand, und sie würde später darüber nachdenken. Wenn er das Gefühl hatte, alleine zu sein... dann war es so. Dann musste dieses Problem irgendwie gelöst werden, ohne, dass sie die Beleidigte spielte, Verletztheit hin oder her.

Ist schon in Ordnung, murmelte sie und setzte sich ebenfalls an die Hauswand, hielt noch immer den Abstand ein.
Sie runzelte dann leicht die Stirn. Warum war
was passiert? Das mit Alisah? Mit Kyran? Das Virus? Sein Leben allgemein? Je mehr er sagte, desto hilfloser fühlte sie sich selbst. Wunderbar, zwei Hilflose nebeneinander. Ian öffnete sich ihr, er erzählte erstaunlich offen, was ihn bewegte, doch... er hatte Recht. Sie konnte ihm nicht helfen.
Doch was meinte er damit, dass er das Falsche tat? Ja, die Sache mit Kyran war vielleicht nicht zwingend absolut
richtig gewesen, aber falsch? Es kam auf den Standpunkt an... Alisah würde sicher nicht sagen, dass es falsch gewesen war. Und Kyran irgendwann auch nicht.
Aber dann war er da. "Er". Allegious, immer wieder lief alles auf Allegious hinaus. Allegious, bei dessen Namen Eowyn schon Gefühle bekam, die sie nicht bekommen durfte, je mehr Ian davon redete.
Seine Wünsche waren so nachvollziehbar, und auch wenn es die Gründe für diese gerade nicht ganz sicher waren... aber seine Worte trafen Eowyn mitten ins Herz. Und ihr war gleich klar, dass sie ohnehin keine Antwort darauf finden konnte. Das war unmöglich... also brauchte sie es erst gar nicht versuchen.
Sie drehte sich halb zu Ian hin, lehnte nur noch mit einer Schulter an der Wand.
Auch wenn du es mir vielleicht nicht glaubst, aber du magst vieles sein - nur ganz sicher kein Fehler. Du bist kein Fehler, hörst du? Eindringlich sah sie zu ihm hinüber. Aber als ob er ihr das einfach so abnehmen würde. Sie würde nicht. Ich meine... sieh dich an. Du hast Fehler gemacht, ja, das ist unbestreitbar. Aber du selbst bist keiner. Ich weiß, das Argument ist alt, aber wie kannst du ein Fehler sein, wenn du mir das Leben gerettet hast? Wenn du aus mir einen besseren Menschen gemacht hast? Wenn du mich dazu gebracht hast, über Dinge nachzudenken, über die ich vorher keinen Gedanken verschwendet habe? Alleine das zeigt doch, dass du kein Fehler sein kannst. Wer Dinge richtig macht ist kein Fehler. Ob er das verstand? Unwahrscheinlich... Sie seufzte.
Ich verstehe deinen Wunsch, ich verstehe, dass du am Liebsten nicht in dieser Sache darinstecken würdest. Aber ich kann dir auch hier nur sagen, was ich dir schon öfter gesagt habe. Oh fantastisch. Sie war wirklich nicht hilfreich! Langsam überrollte sie Verzweiflung. Diese Sache hat dich zu mir geführt... ja, das ist einer der egoistischsten Gründe, und es ist vermutlich nicht richtig. Aber... Und außerdem, hauptsächlich... wir wissen Bescheid. Ohne dich... Ohne dich würden wir noch immer völlig im Dunkeln tappen. Vielleicht gibt es jetzt diese kleine Chance... Ian, was hättest du tun sollen? Der Imperator hätte dich ohne zu zögern vernichtet, hättest du gezögert. Und hätte er jemand anderen beauftragt... Müde schüttelte Eowyn den Kopf. Nar Shaddaa wäre anders verlaufen, und wir wüssten nichts. Du hast Dinge verändert, Ian, auch wenn du es nicht sehen magst. Du hast Leute verändert. Du hast mich verändert. Du hast mir einmal gesagt, dass ich zu viel von mir verlange, tust du das nicht auch von dir? Du darfst dir nicht die Schuld für ein Virus aufladen, für das du nicht verantwortlich bist.
Ich weiß, dass es dich belastet. Ich weiß es, ich verstehe es, ich sehe es jeden Tag, jede Stunde. Aber es ist und war niemals deine Schuld. Bürde dir nicht auf, was einem Scheusal wie dem Imperator zugesprochen werden sollte. Er ist verantwortlich. Er alleine. Gib ihm nicht noch mehr Macht über dich, indem du dich für seine Taten verantwortlich fühlst. Genau das wünscht er sich vermutlich...

Nicht hilfreich. Nicht hilfreich, ihm auch noch Vorwürfe zu machen... Tut mir Leid, schob Eowyn leise hinterher.

Aber ich verstehe nicht ganz, was du meinst. Du hast doch geholfen. Was hast du falsch gemacht, hier, auf Coruscant? So weit ich zuletzt mitbekommen habe, sind Kyran und Alisah gesund, und das ist alleine dein Verdienst. Definitiv nicht ihrer... Definitiv nicht. Ian, du hast das Verrückteste getan, was ich vermutlich je gesehen habe. Du hast dich beinahe selbst für dieses kleine Wesen geopfert - und du willst mir sagen, dass du ein Fehler bist? Eowyn schüttelte ungläubig den Kopf, bevor sie erneut über Ians vorherige Worte nachdachte. Was kannst du nicht aushalten, Ian? Wofür fühlst du dich schuldig - für das Virus? Und was wünschst du dir?
Erneut seufzte sie, lehnte den Kopf an die Wand. Die Macht gibt auch mir keine Führung... vielleicht erwarten wir zu viel. Vielleicht liegt das Problem darin, dass wir nicht richtig zuhören... vielleicht... vielleicht sollten wir erst einmal auf uns selber hören, bevor wir uns an die Macht wenden.
Ach, ich weiß nicht.
Eowyn schnaubte. Ich rede dummes Zeug. Ich...
Sie hielt kurz inne, schloss die Augen. Sie redete und redete wieder einmal. Wie immer. Es war so typisch... Viel Gerede, keine Substanz. Ian hatte es eigentlich ganz gut gesagt.
Es tut mir Leid, Ian. Eowyn sah ihn wieder an. Ich kann dir nicht helfen. Ich wünschte, ich könnte es, ich würde alles dafür geben, du hast so viel für mich getan, aber... du hast es schon ganz richtig erkannt. Ich schaffe es einfach nicht.
Ich wünschte, ich könnte diesen Schmerz von dir nehmen. Ich wünschte, ich könnte dir zeigen, was ich sehe. Ich wünschte... ich wünschte ich könnte die sein, die du brauchst. Aber bitte... Ian, sieh mich an. Gib nicht auf, nur weil ich es nicht kann. Ich weiß, dass da jemand ist, der dir helfen kann. Vielleicht einer der Räte - sie wissen Bescheid, mit ihnen kannst du reden. Vielleicht kann ich...
Sie stockte. Nein, Wes sollte sie wohl lieber nicht bitten. Vielleicht kann ich jemanden finden. Irgendjemand musste da einfach sein. Irgendjemand. Sie hätte es früher sehen müssen. Sie hatte gedacht, sie würde es schaffen, sie würde Ian zur Seite stehen können, er könne sich auf sie verlassen. Aber das konnte er nicht, und selbst wenn er sich öffnete, sie konnte ihm immer wieder, immer wieder nur die gleichen Dinge erzählen, wie eine alte Frau, die nicht mehr wusste, was sie gestern gesagt hatte, oder wie ein Holo, das man einmal aufgenommen hatte. Sie drehten sich im Kreis, und für Ian wurde dieser Kreis offensichtlich immer enger. Was, wenn sie ihn dabei verlor? Noch immer war sie sich nicht sicher, ob das nicht schon längst geschehen war... daher wohl eher... was, wenn Ian sich selbst dabei völlig verlor? Gib nicht auf, hörst du?, bat sie ihn noch einmal, leiser, sah ihn eindringlich an.

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, bei Ian
 
[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Gänge] Snow, Mas, Faith, Skyan

Auf die Erwähnung des Astromechdroiden hin warf der braunhaarige Padawan einen kurzen Blick über die Schulter und entdeckte die R2-Einheit, die ihnen rumpelnd folgte. Der Droide hatte recht offensichtlich schon bessere Tage gesehen. Sein Chassis war verbeult, ein wenig Rost zeichnete sich ab und zudem bewegte er sich dadurch, dass er das mittlere Bein nicht nutzte holprig und ungelenk fort. So trug Faiths Droide ein unstetes Poltern zu der hektischen Geräuschkulisse bei.

Über die allgemeine Unruhe legte sich
Faiths weiche Stimme und sie erklärte, dass sie schon kurze Zeit auf dem Stadtplaneten verbracht hatte. Sie gingen im Gespräch durch die weiten Gänge des Tempels und Skyan nutzte die Gelegenheit seine Gesprächspartnerin etwas genauer zu bertrachten. Eine der wesentlichen Fähigkeiten auf den Festen des serennoschen Adels war es sein Gegenüber so unauffällig zu betrachten, dass es kein Fauxpas darstellte, aber so umfassend, dass man sich ein möglichst detailliertes Bild bilden konnte. Schon das Übersehen von winzigen Ansteckern oder Auszeichnungen konnte am Hof schnell den sozialen Tod bedeuten. Faiths Blick dagegen war zwar gründlich, aber von Diskretion war sie so weit entfernt wie der Outer Rim von den Kernwelten. Der Adelige nahm ihr das keineswegs übel, immerhin befanden sie sich ja nicht auf einem serennoschen Hoffest.

Weitaus dezenter ließ er kurz seinen Blick über sie schweifen. Die Padawan war von durchaus attraktiver Gestalt, sie wirkte trainiert und schlank. Die dunkelblonden Haare wurden in einer losen Frisur auf ihrem Kopf festgehalten, was ihr hübsches Gesicht noch stärker betonte. Er schätzte sie auf einige Jahre jünger und sie war einige Zentimeter kleiner als er. Insgesamt wirkte sie auf den serennoschen Prinzen grazil und fröhlich.

Als sie weitersprach fixierte der Adelige ihre braunen Augen und zog verwundert die Stirn kraus als für einen Moment, so kurz wie ein Blitzschlag, die Heiterkeit aus ihren Augen verschwand und sich ein Schatten über sie legte. Ihr Sprachfluss stockte abrupt, als hätte sie sich an etwas verschluckt. Der Moment währte nur so lange wie ein Blinzeln und kaum hatte sie sich korrigiert, rang sich die blonde Padawan ein Lächeln ab. Der plötzliche Umschwung der Gefühle irritierte den Padawan, aber er nickte nur kurz höflich und tat, als sei ihm nichts aufgefallen.

Geschickt wechselte
Faith das Thema und der Geräuschpegel schwoll schnell an, als sie eine Art Empfangszimmer betraten, das vollgestopft mit einer bunten Mischung aus allen Möglichen Bewohnern der Galaxis war. Es herrschte ein ausgemachtes Chaos gegen das die überforderten Behörden hinter den Schaltern ankämpften wie ein Damm gegen den stetigen Strom eines Flusses. Irgendwie schaffte es Mas die frisch angekommenen Jedi zu registrieren und ihnen Quartiere zuzuweisen.


"Gerne, eine gute Idee.", antwortete er auf den Vorschlag Faiths hin, "Bis dann."

Glücklicherweise war es ihm ohne größeres Herumirren schon nach kurzer Zeit gelungen sein Quartier zu finden. Zischend öffnete sich die Tür und Skyan trat in die kleine Kammer ein. Er warf sein Gepäck in eine Ecke des Zimmers und verriegelte die Tür, wodurch schlagartig jedes Geräusch aus dem Zimmer verschwand. Verächtlich schnaubend setzte sich der Padawan auf das karge Metallgestell, was wohl das Bett darstellen sollte. An die spartanischen Unterkünfte würde er sich wohl nie gewöhnen können. Schon die Unterbringung in Lianna war definitiv nicht seinem Maßstab entsprechend, aber auf Coruscant schmerzte der Verzicht auf Luxus gleich doppelt. Ein einziges Gleitertaxi trennte ihn von Suiten, die sich der Großteil der Bewohner der Galaxie nicht einmal vorstellen konnten. Unmotiviert verzichtete Skyan darauf sein Gepäck in den metallenen Spint zu räumen und begab sich in die Nasszelle um sich nach dem längeren Flug zu erfrischen.

Etwas sehnsüchtig blickte er durch das Transparistahl-Fenster auf die mächtigen Wolkenkratzer Coruscants. Ihm missfiel der Umstand, dass er als Prinz von Serenno in einer schäbig eingerichteten Kammer in einem baufälligen Tempel ohne wirkliche Aufgabe festsaß. Seine Reisen nach Coruscant waren bisher immer voller Luxus und Ausschweifungen gewesen. Es war das erste Mal, dass er seine Nächte nicht in einem Luxusappartement in den teuersten Hotels der oberen Ebenen verbrachte.

Nach kurzer Zeit riss er sich von dem Anblick los und ließ die gigantischen Wolkenkratzer hinter der sich zischend schließenden Tür zurück. Er bahnte sich den Weg durch die gefüllten Gänge des Tempels und war froh als er eine Karte fand, die ihm den Weg zu den Trainingsräumen zeigte. In dem Gang selber waren mehrere Räume vorhanden, einige waren jedoch durch Absperrungen blockiert und einige Droiden wuselten in Restaurationsarbeiten davor herum.
Skyan betrat den Raum, dessen grobe Restauration schon einigermaßen abgeschlossen war. Es standen mehrere Schränke mit reichlich Trainingsmaterial herum und der Boden war mit Matten ausgelegt. Überbleibsel des Duftes von frisch aufgetragener Farbe hingen in der Luft. Der Raum war leer und so besah sich der Padawan die Trainingsmaschinen. Er nahm einen Kampfelematen heraus, die einzige Maschine, die ihm vertraut war, stellte sie auf niedrige Intensität ein und startete die Einheit. Skyan entledigte sich seiner Jacke und surrend hob der kleine Droide ab. Da der mit Trainingswaffen gefüllte Schrank unter Verschluss stand, begnügte sich der Prinz damit seine Beweglichkeit zu trainieren indem er den heißen Schüssen der Kugel auswich.


[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Trainingsraum] Skyan
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, mit Eowyn

„Eowyn, hör auf damit, bitte“, widersprach er ihr, ohne wütend zu werden, viel mehr lag etwas Bittendes in seiner Stimme. Sie sollte nicht versuchen ihn von etwas zu überzeugen, für das es keine Überzeugung gab, sie konnte ihm noch so oft das Gegenteil sagen, das, was er fühlte, war etwas anderes. „Ich habe Dinge getan, die nicht nur falsch, sondern verwerflich waren und es spielt keine Rolle, ob ich sie bereue oder nicht, ich habe sie getan und ich kann sie nicht rückgängig machen. Selbst wenn ich mir selbst verzeihen könnte, wie soll ich gerade mit dem Wissen über das Virus umgehen? Du bist nicht dabei gewesen, als Allegious das Virus demonstriert hat. Er hat mir gedroht und ich war feige genug, auf seine Drohung zu hören, ich habe alles in Kauf genommen, ich habe zugestimmt, ich hätte, schon als er das Virus demonstrierte, handeln müssen. Eowyn, ich hätte handeln müssen, aber ich habe es nicht getan. Und jetzt bin ich hier, hier auf diesem versuchten Planeten und ich hätte Alisah fast verloren, wenn ich nicht getan hätte, was ich getan habe. Und am Ende bekomme ich auch dafür nur Vorwürfe, lasse mir sagen, dass das, was ich getan habe, nicht richtig ist. Hätte ich sie und ihr Kind sterben lassen sollen?“ Das hätte er nicht zulassen können, aber wer auf diesem verfluchen Planeten verstand diese Sicht der Dinge? Die einzige, die darüber Bescheid wusste, wie wichtig ihm es war zu helfen, war Eowyn. Eowyn, die seine Technik abgebrochen hatte.

„Wenn ich Alisah und ihr Kind ansehe, fühle ich mich schuldig dafür, dass sie überhaupt krank geworden sind und um ihr Leben kämpfen mussten und ich darf Alisah nicht einmal die Wahrheit sagen. Hat sie denn nicht das Recht zu erfahren, warum sie krank geworden ist? Ich komme hier her, spiele den Retter, aber das bin ich nicht, denn ich bin verantwortlich, verstehst du? Ich habe damals nicht gehandelt, ich habe mich nicht gegen Allegious gestellt. Hätte ich es doch getan! Mein eigenes, jämmerliches Leben habe ich über das aller anderen gestellt, obwohl ich sofort Skrupel hatte, habe ich nichts getan, habe versucht mich zu beruhigen, mir zu sagen, dass das was ich tue gar nichts mit mir, sondern nur mit Allegious zu tun hat. Aber das ist nicht wahr, denn ich habe die Dinge in die Wege geleitet, ich habe für eine Zeitverzögerung gesorgt und dafür, dass die Republik glaubt, dass dem Imperium wirklich etwas am Frieden liegt. Ich habe gelogen. Ich habe nicht nur gelogen, ich habe gezögert.“ Für Sekunden verstummte Ian, starrte auf den Boden und kämpfte doch gegen die Gefühle an, die sich seiner bemächtigten. Gegen die Ohnmacht der Trauer gegen die ungeweinten Tränen. Er hatte nicht das Recht dazu, in Selbstmitleid zu fallen.

„Ich habe nicht einfach dafür gesorgt, dass Wesen leiden, Eowyn, ich habe dafür gesorgt, dass sie sterben und wie, sag mir wie soll ich mir das verzeihen? Während ich hier sitze und nichts weiter tue als reden, werden weitere Wesen sterben und ich kann es nicht verhindern, weil ich das Virus nicht aufhalten kann. Vielleicht ist es mir gelungen, es bei Alisah zu verlangsamen, aber es ist nicht weg. Sie ist nicht gesund und die anderen, die anderen sind es auch nicht.“ Vermutlich würden sie es auf lange Sicht auch nicht werden. Wenn er die anderen nur retten konnte, indem er sich selbst vergaß – wie sollte er da helfen? Er hatte nur ein Leben. Ein einziges, verfluchtes Leben.
„Ich will, dass es aufhört, ich will normal sein, ich will keine Entscheidungen mehr treffen, durch die andere sterben. Ich will diese Macht nicht mehr, ich will, dass es endlich aufhört.“ Die Verzweiflung brach durch seine Stimme durch. „Meine innere Stimme hat mich in die Irre geführt und ich kann nicht mehr klar sehen, nicht mehr klar denken, ich weiß nicht mehr, was richtig ist und was nicht und es hört nicht auf. Es hört einfach nicht auf.“ Er zögerte, sah dann zu Eowyn hinüber und schüttelte den Kopf. „Es stimmt nicht, was du sagst. Du bist der einzige Mensch, in dessen Gegenwart ich mich nicht wie ein Monster fühle und du machst, dass ich anders sein will, dass ich besser sein will, ja sogar, dass ich besser sein kann.“ Doch es genügte nicht – er genügte nicht. „Ich will nicht aufgeben Eowyn, aber es fühlt sich hoffnungslos an und je mehr ich darüber nachdenke, umso hoffnungsloser wird es. Es ist, als wäre ich in einer endlosen Wüste, auf der Suche nach Wasser und immer wenn ich glaube, eine Wasserstelle gefunden zu haben, ist es nichts weiter, als eine Luftspiegelung. Ja, ich weiß, ich sollte mich zusammenreißen und mir sagen, dass alles gut werden wird, aber so fühlt es sich nicht an. So fühlt es sich einfach nicht an. Ich müsste an diesem Virus erkrankt sein Eowyn, ich und nicht all die anderen.“

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, mit Eowyn
 
[Coruscant - Jedi-Tempel - Hangar] Anakin Solo

»Ein Trainingslichtschwert. Ich habe bereits einen Kristall, aus dem Tempel. Vermutlich war es nicht ganz klar gewesen, wann wir das nächste Mal die Gelegenheit haben würden, einen Lichtschwertkristall erlangen zu können. Ich denke, ich bin es daher fast gewohnt, viel Zeit auf einem Schiff zu verbringen. Wir werden uns sicher gut verstehen.« , meinte Levice mit einem Blick auf die Farore. Der Name kam ihr bekannt vor, vielleicht aus einer anderen Sprache, aber sie konnte ihn nicht sicher zuordnen.
Die Padawan hatte angenommen, dass sie den Tempel direkt zumindest zeitweise wieder verlassen würden, aber zumindest schien das vorerst nicht der Fall zu sein, wie sie mit überrascht hochgezogenen Augenbrauen feststellte. Aber es war nur logisch, dass ihr Meister sich zunächst ein Bild über ihren Ausbildungsstand machte - zudem glich die Bewegung, den Schwertübungen versprachen, die Meditationsübung aus. Ein begeistertes Lächeln bahnte sich seinen Weg. Zwar war ihr Verhältnis zu Meditationen nach wie vor ein verhaltenes. Jedoch war der Ausblick auf vertraute Routinen nach den letzten Wochen wie ein kleines Geschenk. Plötzlich war sie froh, im Gegenteil nicht allzu viel gefrühstückt zu haben, denn ein voller Magen neigte dazu, ihre Konzentration zu mildern und ihre Bewegung zu hindern.

Levice folgte ihrem Meister in Richtung der vermutlich nahegelegensten Trainingsräume.
Je mehr sie vom Inneren des Tempels sah, desto deutlicher wurde ihr, wie groß die Bemühungen für einen Wiederaufbau ausfallen mussten. Zusammen mit den Kosten- und Arbeitsfaktoren, die sich von vornherein schwer einkalkulieren ließen, musste der Aufwand immens sein. Dennoch fühlte es sich ein wenig historisch an, sich in dieser Zeit im Tempel zu befinden, auch wenn es nicht die glanzvollste Ära dieser Heimatstätte der Jedi war.
Sie umrundete eine zusammengehäufte Ansammlung von zu Bruch gegangenen Einrichtungsgegenständen und nicht mehr funktionsfähigen Elektrogegenständen, die mit der Geduld lebloser Dinge auf ihren Abtransport warteten.
Der Flur war in diesem Trakt war höher als die übrigen, die sie zuvor passiert hatten und deutete bereits die höher gelegenen Deckenpartien der angrenzenden Räumlichkeiten an. Die meisten der Zugänge waren als unbenutzbar gekennzeichnet. Überhaupt schien der Bereich der Trainingsräume einer der am wenigsten hergerichteten zu sein, was in Anbetracht ihrer Wichtigkeit in der momentanen Krise nicht verwunderlich war.
Zwei der Räume waren immerhin zugänglich und einer von ihnen auch nicht in Benutzung.

Levice trat nach ihrem Meister durch die doppelte Türöffnung und ließ ihren Blick schweifen. Der Trainingsraum war nicht mit der Halle auf Wukkar zu vergleichen, in der sie zuletzt geübt hatte und auch nicht mit den Räumen auf Lianna.
Bereits optisch unterschieden sie sich, sogar der Geruch war anders. Sie fühlte ihre Schritte ganz leicht federn und stellte nach einem genaueren Blick fest, dass der Boden und die unteren Hälften der Wände aus Holz gefertigt waren, altem, robusten Holz.

»Die Räume sind.. schön.« entfuhr es ihr aus Überraschung in Ermangelung eines treffenderen Adjektivs zugleich. »Auf Wukkar habe ich verschiedene Kata eingeübt, Varianten des Shii-Cho, zur Vorbereitung auf Soresu, denke ich. Ich wünschte, dort hätte es so viel Platz gegeben.«
Die nur oberflächlichen Lichtschwerteinkerbungen am Boden, den Wänden und zu ihrer ausgesprochenen Neugierde auch an den Decken ließen in Anbetracht des nachgiebigeren Materials auf die herausragenden Fähigkeiten der Jedi schließen, die in den vergangenen Jahrhunderten ihre Schwertkünste weiterentwickelt und verfeinert hatten.
Levice legte ihre äußere Tunika ab und platzierte das zu warme Kleidungsstück sorgsam gefaltet am Rand. Sie durchquerte das erste Viertel des Raumes und ließ sich mit einer gewohnten Bewegung in aufrechter Meditationshaltung nieder.

Die Meditation kam in der Regel zuerst, sodass sie kaum damit rechnete, zunächst ihre Fertigkeiten mit dem Lichtschwert zu präsentieren. Zu meditieren bedeutete auch, sich in der Macht zu verwurzeln und sollte in der Konsequenz den Fokus, die gesamte Wahrnehmung schärfen. Nach Levice insgeheimer Beobachtung waren ihre Lichtschwertübungen höchstens tagesform- und nicht meditationsabhängig. Aber man hatte seit ihrer Kindheit versucht, sie vom Gegenteil zu überzeugen, sodass sie immerhin gewillt war, sich auf die Möglichkeit einzulassen.
Der Gedanke gewann ironische Züge, als Levice sich entsann, zu Beginn ihrer letzen Meditationsübung noch am Vorabend eingeschlafen zu sein. Sicher war dieser Umstand teilweise der anhaltenden Erschöpfung geschuldet, der sie über längere Zeit ausgesetzt gewesen war, aber das war nur ein Teil des Ganzen.

»Die Meditation zuerst?«, fragte sie dennoch, während sie bereits zögerlich nach der Macht tastete, die sich hier im Tempel bereitwilliger auf den Wink der Padawan erhob, als sie es auf Lianna je getan hätte.

[Coruscant - Jedi-Tempel - Trainingsraum] Anakin Solo
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, bei Ian

Aufhören? Womit? Überhaupt zu reden, ihn zu nerven, auf ihn einzusprechen? Es war Eowyn nicht ganz klar, was Ian meinte, aber sie blieb erst einmal still. Und sie drehten sich wirklich im Kreis. Wie oft hatten sie so ein Gespräch auf die eine oder andere Art schon geführt? Und nie, niemals hatte Eowyn bei Ian irgendetwas erreichen können, nicht das kleinste bisschen. Die Liebe, die sie für ihn empfand, machte sie vielleicht wirklich blind, blind dafür, dass jemand Ian nicht als den heute wunderbaren Mann sehen konnte - Ian selbst eingeschlossen. Sie verstand es nicht. Wie konnte er nicht sehen, wie er sich verändert hatte? Das änderte nichts per se an seiner Schuld diese Morde begangen zu haben, und diese Schuld konnte sie ihm nicht nehmen, auch wenn sie, auf eine verschrobene Art und Weise, die Taten durchaus irgendwie nachvollziehen konnte. Doch das Virus... Wie konnte er nicht sehen, dass er daran nicht schuld war?
Eowyn lehnte den Hinterkopf wieder an die Mauer und schloss die Augen. Es war aussichtslos. Einfach aussichtslos. Aber wenn sie ihn nicht bald erreichte... er würde ihr entgleiten. Sie saß hier neben ihm und spürte genau, wie er sich entfernte. Seine Verzweiflung... nein, es war noch nicht einmal mehr richtige Verzweiflung. Beinahe schon Resignation - weshalb sie ihn auch unbedingt darum gebeten hatte, nicht aufzugeben. Auf was keine direkte Antwort kam. Bestes Zeichen dafür, dass sie ihn verlor.

Und jetzt verstand Eowyn auch Alisahs Aufregung. Was auch immer vorhin passiert war - auch, wenn Ian momentan so ruhig war, das war vielleicht sogar noch schlimmer - es bedeutete viel. Zu viel, zu viel, wie sie momentan tragen konnte. Ian brauchte jemand anderen, mit dem er reden konnte. Sie konnte nicht reden. Worte und sie... ein Schlamassel. Selbst
wenn ihr einmal etwas Kluges einfiel, so machte sie es doch damit kaputt, dass sie es nicht in Worte fassen konnte. Sie war eine Kämpferin. Einen Gegner mit dem Schwert oder im Nahkampf zu besiegen war so viel einfacher als das hier. Lieber würde sie vermutlich selbst gegen den Imperator antreten als dieses Gespräch zu führen - das sollten Leute tun, die es konnten. Aber nun musste sie mit Worten kämpfen, einen Kampf, den sie eigentlich überhaupt nicht gewinnen konnte, bei dem aber so viel auf dem Spiel stand.
Bloß kein Druck.


Sie drehte ihren Kopf wieder, wandte sich Ian wieder zu. Und dann?, fragte Eowyn leise. Und wenn du das Virus hättest, was dann? Sie wartete einen Moment, bevor sie weiterredete. Früher oder später wärst du tot. Ist das übrigens der Grund, weshalb du hier draußen bist?, fragte sie ruhig, unsicher, ob sie die Antwort überhaupt hören wollte. Sie wünschte, sie könnte ihn einfach bitten, zurück ind en Tempel zu kommen, aber sie befürchtete, so weit war er noch nicht. Du wärst tot, und damit meine Hoffnung, dass wir hier noch irgendetwas ausrichten können. Und du hättest nie die Chance gehabt, es diesem... Eowyn atmete durch. Es Allegious zu zeigen. Wenn sie jetzt einmal nur von den unmittelbaren Folgen sprach und die Folgen auf sie völlig außer Acht ließ. Ian am Virus erkrankt - diese Vorstellung war zu schrecklich, als dass Eowyn sie länger als nur einen Hauch in ihrem Kopf lassen wollte. Sie wusste genau, was das und vor allem die Folge für sie bedeuten würde. Ganz genau. Aber es zu erwähnen wäre Erpressung. Und würde zu nichts bringen. Und würde sie außerdem, ganz nebenbei, auch als die schwache Person zeichnen, die sie momentan war.
Willst du, dass er von deinem Tod erfährt, am besten noch durch das Virus? Es würde ihn nur bestätigen. Ian, Allegious ist ein Monster. Du weißt das. Vielleicht wusste er auch genau, dass dieser Auftrag dich zerstören würde. Glücklicherweise hat er nicht mit deiner Stärke gerechnet.
Ian, du hast dich gegen den Imperator aufgelehnt. Das alleine ist eigentlich schon ein Todesurteil für jeden, und du wunderst dich, dass du gezögert hast?
Eowyn schüttelte den Kopf. Ja sicher. Es wäre wunderbar gewesen, wenn du mit dieser Information schnurstracks... ja, was gemacht hättest? Auffordernd sah Eowyn Ian an, wartete aber keine Antwort ab. Richtig, was hättest du schon tun sollen? Nach Lianna fliegen? Man hätte dir niemals geglaubt. Du hattest doch überhaupt keine Chance! Und denke nicht, dass die Republik an diesen Frieden glaubt... du hast Joseline gehört. Hart lachte Eowyn auf. Die Republik glaubt offensichtlich nicht einmal selber daran. Es ist alles nur ein großer Witz! Sie haben gewusst, worauf sie sich einlassen, sind das Risiko bewusst eingegangen.
Ich kann dich offensichtlich nicht davon überzeugen, dass das Virus nicht deine Schuld war, das nichts, was mit dem Virus geschah, mit dir in Verbindung gebracht werden kann. Aber denke doch logisch. Wärest du direkt nach Lianna gekommen, niemand hätte dir geglaubt, wir wären exakt in der gleichen Situation. Hättest du den Auftrag abgelehnt, Allegious hätte dich ohne zu zögern umgebracht. Welche Wahl hattest du? Was hättest du tun können? Da ist nichts!
, beantwortete sie die Frage sofort selbst. Sie hatte sich ein wenig in Rage geredet und atmete erst einmal durch. Und jetzt komme mir nicht damit, dass du es nicht einmal in Betracht gezogen hast, denn so war es nicht. Du hattest Zweifel. Du hattest sie, ich weiß das. Aber angesichts der Ausweglosigkeit, wer kann da solche Entschlüsse fassen? Diese Zeitverzögerung, von der du sprichst - du hättest sie überhaupt nicht verhindern können. Müde stützte Eowyn den Kopf wieder ab. Immer und immer wieder das Gleiche... es war sinnlos. Sie wusste gar nicht, weshalb sie sich immer wieder darauf einließ. Sie sollte es lassen.

Ian, es ist nicht deine Aufgabe, dieses Virus aufzuhalten. Ich bin mit dir hier hergekommen, weil ich hoffte, dass es dir helfen würde, wenn du etwas tun kannst, aber langsam... Nein, es half nicht. Du hast nicht dafür gesorgt, dass sie sterben. Meinst du, ich könnte es mit meinem Gewissen vereinbaren, hier zu sitzen und zu sehen, was du verbrochen hättest? Eowyn schüttelte leicht den Kopf. Ich kann hier nur sein, weil ich weiß, dass du nicht dafür verantwortlich bist. Und wenn du das erkennst, ich glaube, dann wirst du wieder klarer sehen. Ich glaube, dann wirst du nicht mehr nach Wasser suchen müssen, weil du es nicht mehr brauchst. Dann wird alles vielleicht aufhören.
Ich weiß nur nicht, wie du es sehen kannst. Ich werde nicht mehr versuchen, dich davon zu überzeugen, es hat keinen Sinn. Irgendwann wirst du mich dafür noch mehr nicht leiden können. Aber... wenn du möchtest... ich kann jemand anderen bitten, mit dir zu reden. Ein Rat vielleicht, oder...
Es gefiel ihr nicht. Es gefiel ihr ganz und gar nicht. Alisah? Ich weiß nicht, ob es möglich ist, vielleicht bekomme ich eine Ausnahmegenehmigung für sie... Ich bezweifle es ehrlich gesagt, aber... ich weiß es nicht, wenn ich es nicht versucht habe. Und vielleicht... Sie sah Ian ernst an. Vielleicht musst du beginnen, damit zu leben. Es zu akzeptieren. Niemand gewinnt dabei, wenn du vor lauter Vorwürfen zu Grunde gehst. Niemand außer Allegious...

Es war alles zu wirr. Zu chaotisch... dass Eowyn Ian nicht helfen konnte traf aber vielleicht nicht auf alles zu. Und vielleicht wurde es Zeit, über den Auslöser von all dem zu sprechen. Zumindest das, von dem Eowyn glaubte, dass es der Auslöser war, wie und warum auch immer. Und es gefällt mir nicht, was du da gesagt hast. Was bedeutet das - du spielst den Retter? Wann hast du dich verstellt? Wann hast du etwas gespielt? Ian, du hast immer nur getan, was dein Herz dir gesagt hat. Mir mag es nicht gefallen, nein, mehr noch, es mag sein, dass es mir Angst macht, auf verschiedenen Ebenen, und es mag auch sein, dass ich es nicht gutheiße. Aber es war deine Entscheidung, die ich respektiere. Sie verzog das Gesicht. Ja, natürlich. Die sie respektierte. Als ob Ian ihr das abnehmen würde, nach dem, was sie getan hatte. Viel mehr war es wohl eher ein Schlag ins Gesicht. Aber dazu würde sie noch kommen... Jetzt ging es um Ian.
Du sagst, die Macht spricht nicht zu dir, aber vielleicht stimmt das nicht. Es... ist ein seltsamer Weg, aber... wer weiß das schon? Du hast etwas getan, von dem ich noch nie gehört habe, das niemand sich auch nur trauen würde, auszuprobieren. Ja, vielleicht war es falsch. Mir wurde gesagt, dass es moralisch fragwürdig sei, solch eine Technik anzuwenden - und das mag manchmal so sein. Ich kann deine Entscheidung nicht verstehen, aber es ist dein Leben. Und wenn du es opfern wolltest, um Kyrans zu retten... Wer bin ich, dir das vorzuwerfen? Ob man sich nun vor einen Blasterschuss wirft, oder es auf diese Weise macht - ein Opfer bleibt ein Opfer, und es zu geben... wie kann es falsch sein?
Ian, du hast dieses Leben gerettet. Aufopferungsvoll und ohne an dich selbst zu denken.
Sie sah ihn an. Erkenne wenigstens, wenn du etwas Gutes tust. Sehe nicht nur das Schlechte. Sehe auch das Gute.
Eowyn wandte den Blick dann zu Boden.

Was ich getan habe... Ian, es tut mir Leid. Oder... Sie presste die Zähne aufeinander. Es tat ihr Leid, aber... Doch unwichtig. Es tat ihr Leid. Nicht die Folgen, aber die Tat tat ihr Leid. Es tut mir Leid, bestätigte sie schließlich. Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe. Einen großen Fehler, und ich würde es verstehen, wenn du... wenn du mich nicht mehr sehen möchtest. Ich hätte deinen Entschluss gleich respektieren müssen, aber... Flehend sah sie Ian doch an. Ich dachte, es ist ohnehin sinnlos. Ich dachte, das Baby wird ohnehin nicht überleben, und... sie holte tief Luft und senkte den Blick wieder, ich konnte dich nicht so einfach gehen lassen. Nicht so. Nicht so... sinnlos, wie ich dachte... Kurz wanderte ihr Blick in den Himmel, dann sah sie Ian an, dieses Mal gezwungen, sie durfte ihm nicht ausweichen. Sie musste ihm immerhin in die Augen sehen, während sie darum bat, und bei allen Planeten jetzt bloß nicht ihre Fassung verlieren. Ian, es tut mir Leid, es tut mir wirklich Leid, das musst du mir glauben! Ich weiß, ich habe nicht das Recht, aber... verzeih mir bitte. Und wenn du es jetzt nicht kannst... Vielleicht kannst du es irgendwann.

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, bei Ian
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, mit Eowyn

Dann hätte jemand dieses Virus, der es verdient“, sagte Ian tonlos, ohne Eowyn dabei anzusehen, wohlwissend, dass ihr diese Antwort nicht gefallen würde.Ich könnte besser versuchen es zu heilen, ich könnte… ich könnte vielleicht etwas tun, denn wäre es in mir, könnte ich ausprobieren und würde ich Schaden daran nehmen, wäre es einfach nur ich.“ Ian sah erst zu Eowyn hinüber, als sie ihm die absurde Frage stellte, ob er hier war, um sich anstecken zu können.Nein Eowyn, das bin ich nicht“, sagte ernst, auch wenn ihm eine reichlich sarkastische Antwort dazu eingefallen wäre – die Eowyn nicht verdiente.
„Ich bin hier, weil ich es im Tempel nicht mehr ausgehalten habe. Alisah und ihr Kind zu sehen, die Frage von Rick zu ertragen, ob ich ihr etwas angetan hätte. Als würde ich… Auch das ist es. Ich bin für die anderen immer nur das, was ich einmal war. Ein Sith, ein Mörder, jemand, der jemand anderem etwas tut.“ Das schlimme daran war, dass Ian den anderen diese Sicht nicht einmal verübeln konnte. Sie hatten Recht und das war bei weitem das Schlimmste.

„Welche Stärke denn?,“ brauste Ian das erste Mal, seit Beginn dieses Gespräches auf. „Jemand anders wäre gar nicht so lange bei den Sith gewesen. Du wärst es nicht gewesen. Ich habe mein Leben über das aller anderen gestellt. Das ist… Ich schäme mich dafür. Was für ein Leben ist es gewesen, dass ich da schützen wollte? Was für ein Leben ist das gewesen? Hätte er mich auf der Stelle niedergestreckt, wäre es egal gewesen, völlig ohne Bedeutung. Es hätte mich nicht in diese Position gebracht.. Es wäre…“ Ians Atmung beschleunigte sich, als er sich dazu zwang, nicht weiter zu sprechen, seine Stimme, die immer energischer wurde, zu kontrollieren. Die Augen schließend, atmete er laut aus, denn das letzte was er jetzt wollte, war in eine Diskussion mit Eowyn zu geraten und alles, alles was er nun hätte sagen können, hätte sie verletzt und es hätte heute nicht mehr so gestimmt, wie damals. Hätte er sich verweigert, hätte Allegious ihn umgebracht. Niemals hätte Ian Eowyn kennen gelernt. Doch so glücklich wie er über diesen wundervollen Zufall war… wie konnte er jetzt überhaupt an sein eigenes Glück denken? Das war einfach nicht richtig.

„Dich noch mehr nicht leiden können? Was redest du da für dummes Zeug?“ Wenn es jemanden gab, den Ian nicht leiden konnte, dann war es sicher nicht Eowyn und so runzelte er verständnislos die Stirn, als er sie ansah. Doch Eowyn sprach weiter und Ian empörte sich erneut.
„Ich brauche nicht mit jemandem darüber zu reden, schon gar nicht mit Alisah. Was soll ich ihr sagen? Dass ich sie fast umgebracht hätte? Dass es mir Leid tut? Weißt du, was sie von mir will? Dass ich der Patenonkel ihres Kindes werde! Ausgerechnet ich, das ist das lächerlichste, was ich je von ihr gehört habe und der absurdeste Wunsch, den sie an mich hätte richten können. Wenn sie wüsste, was ich mit dem Virus zu tun habe, würde sie sich wünschen, dass du mich nicht davon abgehalten hättest, ihr Kind auf diese Weise zu retten. Und das,“ er wollte es nicht sagen, doch es sprudelte aus ihm heraus, „mit Recht.“

Er seufzte, als Eowyn ihn missverstand, was den Retter betraf. Sicherlich hatte er sich nicht verstellt, das hatte er nicht gemeint.Es ist, als hätte ich die Hand eines Kindes auf eine heiße Herdplatte gedrückt, nur um sie danach zu heilen.“ Musste er nicht so wirken? Wie jemand, der allein durch sein schlechtes Gewissen besonders reumütig tat? Jemand, der versuchte wieder gut zu machen, obwohl das nicht ging?

Eowyns nächsten Worte verwirrten Ian
. „Ein Opfer?“ Freudlos lachte er auf. „Das war kein Opfer. Und nach allem, was Calad gesagt hat, war es falsch, verantwortungslos und…“ Ian war die Hände in die Luft.Wäre es etwas Gutes gewesen, hätte ich mir seine Moralpredigt und die von Alisah nicht anhören müssen. Und wäre es etwas Gutes gewesen, hättest du nicht einschreiten müssen.“ Hatte Eowyn ihn bis eben noch verwirrt, schockierte sie ihn mit ihren nachfolgenden Worten umso mehr.Eowyn“, begann Ian dann leise, sah sie dabei an, mit etwas, das einem Lächeln nahe kam, „du bist so… ein Dummerchen. Wie könnte ich den Menschen, der mich so fühlen lässt, wie du es tust, nicht mehr sehen wollen?“ Wie konnte er den einzigen Menschen, der ihn sich nicht mehr alleine fühlen ließ, nicht mehr sehen wollen?
„Ich verzeihe dir nicht, weil es das nichts zu verzeihen gibt. Und dieser Entschluss, ich hab ihn nicht einmal wirklich gefasst. Ich habe gespürt, dass mir… Kyran entgleitet und das wollte ich nicht zulassen. Alles andere… Eowyn, wahrscheinlich bin ich derjenige, der um Verzeihung bitten muss.“ Sie in diesen Handlungszwang gebracht zu haben. „Aber ich kann nicht. Es war sicher nicht meine Absicht dich in diese Situation zu bringen. Und weißt du, selbst Alisah ist dir dankbar, dafür, dass du getan hast, was du getan hast und ich…,“er seufzte leise, „bin es auf gewisse Art vielleicht auch. Schließlich brauchst du jemanden, mit dem du dich streiten kannst,“ versuchte er sich an einem schiefen Lächeln. „Und ich brauche dich auch,“ fügte er dann leise hinzu.

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, mit Eowyn
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, bei Ian

Prüfend sah Eowyn Ian an. Er meinte das ernst. Er meinte das wirklich ernst! War er gestern auch auf den Kopf gefallen, oder was war da los? Sie konnte das nicht ernst nehmen. Nein. Du redest Unsinn, sagte sie ungläubig kopfschüttelnd. Am Virus experimentieren geht auch auf andere Art, als sich selber anzustecken. Wusste er wirklich, was er da gerade sagte? Das hier wirkte alles langsam schon fanatisch. Ja, er würde wirklich alles tun, um eben irgendetwas tun zu können. Alles. Absolut alles. Wie lange würde das noch gut gehen? Sie hatte ihn gestern schon um Haaresbreite beinahe verloren. Sie würde nicht immer auf ihn aufpassen, ihn zur Vernunft bringen können. Nicht, wenn er mit einem solchen Drang daran arbeitete. Geflissentlich überhörte sie den Satz, dass er den Virus verdiente. Was sollte sie darauf sagen? Erneut damit beginnen, ihm zu erzählen, wie viel in ihm steckte und wie wenig er... ach, sie war es ja sogar schon Leid, es vor sich selber zu wiederholen!
Einen Moment blickte sie Ian an, als er ihr versicherte, nicht wegen des Virus hier draußen zu sein, dann nickte sie langsam.
Gut. Wenigstens meinte er das auch ernst.
Noch.

Ich kann mir vorstellen, dass das sehr belastet, antwortete sie dann. Aber du musst ihnen Zeit geben. Gib ihnen Zeit, und sie werden sehen und verstehen. Alisah hat damit schon begonnen, schon ein wenig - sie hat dich helfen lassen. Joseline hat es verstanden. Derya Forlin hat es verstanden, und es werden mehr. Je mehr du ihnen zeigst, wer du wirklich bist, desto mehr werden sie es sehen. Und sie werden es sehen, glaube mir. Wenn du noch ein wenig durchhältst... War er deswegen geflohen? Oder war es eine Kombination gewesen? Es war so vieles, was ihn belastete. Wenn sie ihm doch nur wenigstens einen Teil davon nehmen konnte!

Sie kniff ein wenig die Augen zusammen. Er sah es wirklich nicht. Er sah alles so verdreht, von einem falschen Standpunkt aus. Wie konnte sie ihm einfach nur seinen Kopf wenden, ihm zeigen, dass alles andersherum war? Du fragst, welche Stärke? Wirklich? Vielleicht die Stärke, die dich davon abhielt, nach dem Vertrag wieder nach Bastion zurückzukehren. Oder die Stärke, die dich dazu brachte, mich zu warnen. Die Stärke, die dich zur Einmischung trieb und zum Diebstahl des Artefakts. Die Stärke, mir in diese völlig ausweglosen Situation mit diesem Twi'lek zu helfen. Die Stärke, auf diese Droge zu verzichten. Die Stärke, mir alles, wirklich alles zu gestehen. Die Stärke, nach Lianna aufzubrechen, und schlussendlich, die Stärke, alles zu gestehen - auch wenn dies bedeutete, dein Leben in die Hand derer zu legen, die du verabscheust.
Wenn das alles nicht bedeutet, dass du Stärke besitzt, was ist Stärke dann? Niemand ist stark, der einer Versuchung widersteht, die keine ist. Stärke ist es, wenn es einem schwerfällt, und man es dennoch tut. Du sagst, ich wäre niemals so lange bei den Sith gewesen? Woher willst du das wissen? Ich weiß es nicht, hätte mein Leben anders ausgesehen. Abgesehen davon spielt das keine Rolle. Ich kann dir genausowenig sagen, ob ich die Stärke besessen hätte, nach all dem umzudrehen - ehrlich gesagt bezweifle ich es, und ich bin froh, dass ich dergleichen bisher noch nicht erfahren musste. Ian, du besitzt Stärke. Und genau damit, mit deiner Flucht, mit deinem Geständnis, damit konnte der Imperator nicht rechnen. Damit hast du ihn sicher überrascht. Es mag sein, dass diese Stärke nicht immer da ist - aber Ian, bei wem ist sie das? Wichtig ist, dass wir uns wieder an sie erinnern. Und das tust du. Du hast ertragen, was immer man dir aufgebürdet hat, seitdem du bei den Jedi bist.

Schmerzlich sah sie ihn dann an. Was er sagte, es klang so vertraut. Anders... aber dennoch vertraut. Sein Leben über das von anderen. Ians Leben über das von Kyran.
Du hast dein Leben über das von anderen gestellt - und du meinst, das sei verwerflich? Du meinst, das sei nicht natürlich? Noch einmal, Ian - was hättest du sinnvolles tun können, um es zu verhindern? Ich sehe keine Lösung. Er hätte jemand anderen geschickt. Jemanden mit weniger Gewissensbissen. Du hättest dich geopfert - für nichts.
Aber...
Müde schüttelte Eowyn den Kopf. Lassen wir das. Ich überzeuge dich nicht, du mich nicht. Und du bist noch nicht einmal in der Verfassung für so etwas.

Abwehrend hob sie die Hände. Schon gut, schon gut. Ich dachte nur... sie versteht dich vielleicht besser, als ich es tue... ihr... ihr habt schließlich eine Vergangenheit... Eine Vergangenheit, an die Eowyn eigentlich am liebsten nicht denken wollte. Aber was er sonst erzählte... vielleicht war Alisah doch anders, als sie es sich vorstellte. Ich finde den Gedanken gar nicht so falsch, murmelte sie leise, und die Frau stieg auf ihrer Sympathieskala ein wenig an, doch der Gedanke an die ehemalige Sith wurde sofort von Ians Worten verdrängt. Schockiert sah Eowyn ihn an. Mit Recht?!? War es schon so weit? Erst das mit dem Virus, nun dieser Satz. Das wies alles in die gleiche Richtung - Ian kümmerte sein eigenes Leben nicht mehr, und bei diesem Verdacht wurde ihr eiskalt. War es ihm so egal? War er schon an einem Punkt, an dem es ihm nicht mehr kümmerte, was aus ihm selbst wurde? Auf Va'art noch hatte er sich davor gefürchtet, das wusste sie. Und nun? Bildete sie sich das ein? Sie musste Ian im Auge behalten, was auch immer geschah. Ganz genau.
Abwesend schüttelte sie verständnislos den Kopf. Heiße Herdplatte... heilen. Das ergab keinen Sinn. Wieder die falsche Perspektive. Er hatte die Hand nicht daraufgelegt. Er hatte höchstens...
Das stimmt nicht. Meinetwegen hast du das Kind nicht vor der heißen Platte gewarnt. Nicht mehr. Du hast die Platte weder angemacht, noch die Hand daraufgelegt... Auch wenn es nichts nutzen würde. Nichts. Sie sollte aufhören damit, wirklich.

Doch, es war ein Opfer, beharrte Eowyn. Und seit wann lässt du dir von anderen etwas einreden? Von mir tust du es doch auch nie! Ausgerechnet von Alisah? Vielleicht hatte sie sie doch richtig eingeschätzt... Und Calad... Ich hatte ebenfalls die Freude mit ihm. Er meint es gut, aber ein paar seiner Ansichten... ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll.

Das Thema jetzt darauf zu bringen, was sie getan hatte, mochte nicht sonderlich klug sein, doch es wurde Zeit. Sie konnte nicht neben Ian sitzen und es unangesprochen lassen. Sie konnte ihm nicht etwas von Moral und richtig und falsch, von Stärke erzählen, ohne selbst nicht ihre Schwächen zuzugeben, auch wenn das bedeutete, dass diese kurzen Momente ohne Vorwürfe vorbei waren.
Ians Gesicht verzog sich, und Eowyn war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte, bis sie das angedeutete Lächeln erkannte. Schon wieder... schon wieder hatte sie Ian falsch eingeschätzt. Es war eine ungeheure Erleichterung, dass wenigstens
Ian ihr diese Tat nicht vorwarf - und Eowyn hoffte, dass es sein Ernst war. Er sollte sie um Verzeihung bitten - aber er konnte nicht? Eowyn zog die Stirn kraus. Sie war sich nicht sicher, was er damit meinte, doch viel interessanter war die Sache mit Alisah. War der jungen Frau nicht klar, was sie da getan hatte? War ihr nicht klar, dass sie mit dem Leben ihres Sohnes gespielt hatte? Vielleicht war es das tatsächlich nicht. Vielleicht sah sie nur das Ergebnis, nicht aber das, was beinahe passiert wäre... Eowyn schauderte. Doch zum ersten Mal begann sie, Ian zu verstehen. Ian mochte ihr verzeihen... und das half, das tat es wirklich. Doch das grundlegende Problem, die Sache, die sie getan hatte, die Dinge, zu denen sie fähig war - dies verschwand nicht so einfach. Es war da, noch immer. Ian behauptete, sie wäre nie so lange bei den Sith gewesen? Eowyn wünschte mittlerweile, sie hätte noch vehemmenter widersprochen. Diese Stärke, die sie Ian aufgezählt hatte, diese Stärke, in diesem Ausmaße - das besaß sie nicht. Sie war feige, sie war egoistisch. Und Ian sah es nicht einmal.
Sie warf ihm einen kurzen Blick zu, der sein Lächeln einfing. Sein Lächeln... sie liebte sein Lächeln. Sie hatte es in den letzten Tagen vermisst.
Eowyn versuchte, es ihm zurückzuschenken, doch da war zu viel, was er gesagt hatte, zu viel, was sie getan hatte.
Du hast Recht. Deshalb brauche ich dich unbedingt... Es tat gut, zu hören, dass er sie brauchte, trotz allem. Aber nicht nur deshalb, schloss sie dann leise. Ich bin froh, dass du mich nicht fortschickst... aber Ian, so leicht, wie du es abtust, ist es nicht. Kurz schweifte ihr Blick auf die gegenüberliegende Hauswand ab. Er war nicht dabei gewesen. Er war bewusstlos gewesen. Er hatte nicht gewusst, wie lange sie mit dieser Entscheidung hatte leben müssen, ohne zu wissen, dass Kyran überlebt hatte. Wie sie sich damit abgefunden hatte - und wie sehr sie sich in ihrer Entscheidung geirrt hatte und hatte lernen müssen, damit zu leben.
Nein, er war nicht dabei gewesen. Aber das war besser so. Er hatte ihr soeben sein halbes Herz ausgeschüttet, er gehörte vermutlich längst ins Bett oder dergleichen. Sie waren schon lange genug hier draußen. Sie würde mit ihm reden, sobald sie ihre eigenen Gedanken besser geordnet hatte. Oder wenigstens, sobald sie wieder im Tempel waren.
Dennoch, eine Sache musste sie noch wissen. Kurz sah sie wieder zu Boden, bevor sie ihn fragend anblickte.
Wie geht es dir? Bist du bereit zum Zurückgehen, kannst du das überhaupt? Soll ich ein Taxi organisieren? Alisah macht sich Sorgen um dich... und du solltest dich noch ausruhen. Sie zögerte. Das Thema war eigentlich abgeschlossen... dennoch. Aber eines noch. "Es gibt nichts zu Verzeihen", aber du bist "nur auf gewisse Weise vielleicht froh über das, was ich getan habe"? Das passt nicht zusammen, Ian.

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, bei Ian
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, mit Eowyn

Sie verstand es nicht und er redete sicher keinen Unsinn. „Wenn ich selbst Träger des Virus wäre, hätte ich viel mehr Möglichkeiten, ich würde spüren wie es wirkt, ich könnte ganz anders handeln. Auf den eigenen Körper einzuwirken ist völlig anders, als auf den anderer, vor allem, wenn man etwas Gutes tun will.“ Wenn er selbst dieses verfluchte Virus in sich tragen würde, könnte Ian es anders beobachten – besser. Und möglicherweise würde er so viel schneller an den Ursachenherd geraten. Es sei denn, jemand ließ mit sich experimentieren, wie ein Tier und das war sicher nicht Sinn und Zweck und zudem war es nicht der Weg der Jedi und auch kein Weg, den Ian einschlagen wollte. Nein, bei sich selbst sahen die Optionen ganz anders aus, er musste keine Rücksicht nehmen, musste sich nicht sorgen. Es wäre viel einfacher gewesen! Wenigstens ließ Eowyn sich begreiflich machen, dass Ian nicht hier draußen saß, um sich anzustecken. Dafür hätte er einen belebteren Ort gesucht.
Aber er hatte bisher nicht eine Sekunde einen Gedanken dran verschwendet, sich wirklich anstecken zu wollen. Denn so sehr Ian auch helfen wollte – diese Entscheidung konnte er nicht ohne weiteres treffen. Nicht, da er Eowyn hatte. Ohne sie würde die Sachlage ganz anders aussehen, das konnte Ian zugeben. Ohne sie, hätte er diesen Gedanken vermutlich viel eher in Erwägung gezogen. Und ausgeführt.

Den anderen zeigen, wer er wirklich war? Beinahe hätte Ian sich dazu hinreißen lassen, Eowyn an den Kopf zu werfen, das sie selbst nicht einmal wusste, wer sie war. Wie konnte sie ihm da diesen Ratschlag geben? Doch der Dunkelhaarige hielt sich zurück, ein solcher Kommentar wäre weder zielführend, noch angebracht gewesen und nur, weil er gerade alles andere als im Reinen mit sich war, musste er Eowyn keinen brachialen Seitenhieb versetzen.

Ihre nächsten Worte kamen so voller Überzeugung, dass Ian das erste Mal ins Grübeln kam, ohne, dass eine trotzige Stimme in ihm erklang, die Eowyn sagen wollte, dass das, was sie da sagte, nicht stimmte. „
Ich verabscheue die Jedi nicht mehr“, war der einzige Punkt, dem Ian auf Anhieb widersprechen konnte. Neben: „Ich weiß es, weil ich dich kenne.“ Eowyn hätte sich eher die Hand abgeschlagen, als den Weg einer Sith einzuschlagen, da war Ian sich völlig sicher. Seine Vergangenheit entschuldigte seinen Weg nicht, selbst wenn sie ihn vielleicht verständlicher machte. Nein, Eowyn hatte sicher ihre Schwächen, doch keine davon ließ sie Gefahr laufen, zu einer Sith zu werden. Ja, sie war hin und wieder ungeduldig und impulsiv, aber sie war nicht aggressiv. Zwischen Wut und Aggression gab es einen großen Unterscheid, auch wenn das eine sehr schnell zum anderen führen konnte. Aber um all das ging es nicht und da tauschte auch schon wieder die Frage der Schuld auf. Die Frage, nach Lösungen, anderen Wegen, anderen Entscheidungen. Was wäre geschehen, wenn Ian gleich den Mut besessen und zu den Jedi gegangen wäre? Ian schloss die Augen und seufzte, schüttelte dann den Kopf. Keiner hätte ihm zugehört, seine Aura wäre noch viel zu dunkel gewesen. Eowyn war – ob sie wollte oder nicht – ein Schlüssel in dieser Gleichung. Ohne sie hätte er sein Ziel, vergessen zu wollen, verfolgt. Ohne sie, wäre er ins Exil gegangen, hätte sich mit dieser Droge zufrieden gegeben und auf den Tod gewartet. „Ich weiß es nicht“, gab er also zu, leise, zerknirscht. Denn so sehr Ian auch versuchte sich zu fragen, was er anders hätte machen können, da war nichts. Außer der glorreichen Erkenntnis, besser nie den Weg der Sith gegangen zu sein. Diese Antwort, wenn auch sicher irgendwie berechtigt, verlor hier allerdings jegliche Konsistenz.

„Sicher, sie versteht mich besser als du“, zog Ian eine Grimasse. „Gerade nach unserer Vergangenheit ist es fast schon so etwas wie ein Wunder, dass wir uns überhaupt noch ansehen können, ohne dem anderen sofort an die Gurgel zu springen.“ Doch jede Feindseligkeit für Alisah war im Keim erstickt worden, als er sie so krank hatte daliegen sehen und nun schien es, als hätten sie die Fronten geklärt und mehr als ein Friedensabkommen geschlossen. Dennoch, dennoch war Alisah sicher nicht die richtige Person, sein Herz auszuschütten. Nicht, weil sein Vertrauen in sie sicher noch immer getrübt war. Nein, allein sein Anteil an dem Virus verbat es ihm, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Das Verbot von Rätin Joseline tat es ohnehin. Ian würde Alisah im Dunkeln lassen müssen – etwas, was ihm nicht gefiel, denn war das Verschweigen der Wahrheit nicht eine Lüge? Aber man hatte ihm die Hände gebunden und wenn jemals herauskam, dass Allegious der Erschaffer des Virus war, würde der dünne Boden, auf dem Alisah und er standen, vermutlich zerbrechen, sobald sie ihm auch nur eine einzige Frage zum Virus und Allegious stellte.

Als Eowyn auf den gleichen Speeder aufsprang, wie Alisah, lachte er bitter auf und setzte zu einer hitzigen Antwort an, die vor Sarkasmus – wenn nicht gar Zynismus - nur so triefte.
„Natürlich, der Gedanke ist wunderbar. Am besten setzen wir selbst noch Kinder in die Galaxis und irgendwann, wenn sie alle groß genug sind, erzähle ich ihnen allen gemeinsam einen kleinen Schwenk aus meiner Vergangenheit. Das würde ihnen sicher gut tun. Aber ein schlechtes Beispiel könnte natürlich auch hilfreich sein. Dann könnten sie ihren Freunden erzählen, was für einen Scheißkerl sie in ihrer Familie haben und wenn dann alle anderen mit dem Finger auf mich zeigen, würden sie vor Stolz sicher übergehen. Ja, natürlich ist der Gedanke gar nicht so falsch.“ Oh, er konnte sich das Szenario bestens ausmalen und am Ende würde man nicht nur ihn, sondern auch Eowyn meiden, weil sie einen derart schlechten Geschmack hatte - alle würden denken, dass etwas nicht mit ihr stimmte. Der perfekte Ausgangspunkt für eine kleine, nette, glückliche Familie. Ob Patenonkel oder Vater, beide Gedanken waren absurd, völlig ausgeschlossen und doch versetzen sie Ian einen gehörigen Stich und obwohl seine Worte der Wahrheit entsprachen, bereute er, sie laut ausgesprochen zu haben und so rieb er sich die Schläfen und atmete erneut, geräuschvoll aus. „Ich…es tut mir leid.“ Was gab es anderes dazu zu sagen? Es war ein Wunschtraum von Ian, den er hatte platzen sehen. Ein Wunschtraum, den er selbst zerstört hatte. Es brachte nichts, ihm nach zu trauern und doch tat die Tatsache, sich so weit von diesem ursprünglichen Wunsch entfernt zu haben, weh. Dieser Wunschtraum würde bleiben, was er war - ein unerfüllter Traum für den er nicht passte, für den er nicht, nein, für den er nie in Frage kommen würde. Niemals zuvor trug Eowyns Satz von damals, er stünde dem im Wege, was einer Familie am nächsten kam, so viel Aussagekraft und Wahrheit, wie in diesem Moment - auch das schmerzte gewaltig. Denn er stimmte, war Gewissheit und entsprach der bitteren Wahrheit. Wenngleich er ihre Familie war, würde er verhindern, diese Familie vergrößern zu können. Was war, konnte Ian nicht ausblenden und das was gewesen war, hatte Eowyn vielleicht verzeihen, doch jemand anderes? Kein Kind konnte mit solch einer Bürde Leben. Kein Kind sollte mit solch einer Bürde Leben. Es war schlimm genug, dass Eowyn damit leben musste. Vielleicht kam sie einmal rückblickend zu der Ansicht, dass sie einen großen Fehler gemacht hatte und auch dafür war es besser, sie blieben alleine ohne (Paten-)Kinder. „Ich bin einfach nicht geeignet für so etwas“, schob er leise und bedauernd hinterher.

So leicht, wie er es abtat, war es nicht? „Was meinst du damit?“, hakte er nach.

„Ich schätze, solange ich nicht wieder renne, ist alles in Ordnung.“ Denn die Schmerzen von vorhin hatten ihm deutlich gezeigt, dass er Calads Rat besser beherzigen sollte. Ian war offensichtlich nicht der einzige, der etwas nicht verstanden hatte, denn auch Eowyn fragte genauer nach, auch wenn am Ende das Fragezeichen in ihrem Satz fehlte. Ian seufzte leise, dann drehte er sich das erste mal direkter zu Eowyn, ohne die Hauswand im Rücken zu spüren. „Doch, es passt zusammen, wenn ich es dir erkläre,“ setzte Ian langsam zu einer Antwort an und fürchtete sich davor, schon wieder zu gefühlsduselig zu werden. „Calad hat mir gesagt, was passiert wäre, hättest du nicht eingegriffen und…“ Die Schmerzen eben waren Beweis genug dafür gewesen, wie richtig er damit lag. „Eowyn, wenn ich dich ansehe, dann weiß ich, dass sich jeder Tag mehr lohnt.“ Sie war ein Grund – wenn nicht der Grund – nicht völlig töricht zu handeln und nicht aufzugeben. „Selbst wenn ich mir manchmal wünsche, nicht geboren worden zu sein, wenn ich mir wünsche, dass alles endet… wenn ich bei dir bin, kann ich all das für den Moment vergessen, weil du es irgendwie schaffst, dass in mir zu wecken, was ich immer sein wollte. Und das lässt mich mich nicht völlig wertlos fühlen “ Nein, es ließ in sich wertvoll fühlen, menschlich - liebenswert und nicht wie ein Monster. Es sorgte dafür, dass er sich nicht nur nicht mehr alleine fühlte, sondern auch nicht mehr alleine war. Es machte ihn besser und ließ den Wunsch entstehen und den Antrieb, noch besser zu werden und es auch zu bleiben.

„Aber jetzt lass uns besser gehen. Langsam.“
Mit diesen Worten rappelte er sich vorsichtig auf und reichte Eowyn die Hand.

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, mit Eowyn
 
Zuletzt bearbeitet:
Coruscant – Jedi-Tempel - medizinische Abteilung 1 – mit Alisah

Er sah Ian nach und dann zu Alisah. Er hörte ihr zu und bekam nun ein schlechtes Gewissen. Er hatte zu voreilig gehandelt. Betroffen sah er zu Alisah und hörte ihr dann zu.

"Kyran?"

fragte er dann und sah zu dem Brutkasten, zu welchen er mit Alisah ging. Als er das kleine, empfindliche Wesen da sah musste er lächeln. Innerlich dankte er der Macht das seine Gebete wohl er hört worden waren. Vorsichtig legte er eine Hand gegen die Scheibe und sah lächelnd zu dem kleinen Jungen

"Hey Kleiner. Ich hoffe es geht dir bald besser."

sagte er und sah dann zu Alisah, als sie ihn wieder ansprach. Entschlossen nickte er

"Natürlich. Ich helfe so gut ich kann."

sagte er. Solange Radan nicht da war, war er der Mann im Haus und hatte für seine neue Familie zu sorgen. Das würde er auch tun, mit allem was er hatte. Besorgt musterte Alisah dann etwas und umkreiste sie auch.

"Wie geht es dir den Alisah? Ich hoffe inzwischen besser. Ich hab mir große Sorgen gemacht, hatte Angst. Ich betete zu der Macht das sie euch und euer Kind schützen möge."

erzählte er und lächelte dann wieder

"Ich bin froh das meine Gebete wohl erhört wurden und es Euch wieder gut geht. Wenn irgendetwas ist, sagt es ruhig. Ich helfe so gut ich kann."


bekräftigte er seinen Entschluss noch mal und sah dann wieder in den Brutkasten

"Auch für ihn werde ich so gut ich kann da sein."



Coruscant – Jedi-Tempel - medizinische Abteilung 1 – mit Alisah
 

Coruscant, Jedi-Tempel, vor der medizin. Abteilung: Ribanna und Tara



“Ja, ich habe schon darüber nachgedacht, aber ...ich habe zwar das medizinische Wissen und auch den Zugang zur Macht, doch paradoxerweise fehlt mir leider das Talent zum Heilen. Es fällt mir sehr schwer und es ist auch etwas, was ich dir nicht beibringen kann. Wo ich dich anderen Jedi zuweisen muss, um jene Lektionen zu lehren. Die Macht hat also etwas anderes mit mir vor. Mir ist ein anderer Weg vorbestimmt.”


Erklärte die Jedi ihrer Padawan.


Später traf sie ihre Padawan in Trainingskleidung vor dem besagten Trainingsraum und sie betraten jenen gemeinsam.



“Erstmal machen wir uns warm, danach dehnen wir uns und nachdem wir uns verausgabt haben, haben wir unseren Körper und Geist genügend von Stress und anderen einwirkenden Dingen befreit, so dass wir leichter einen Zugang zur Macht finden können.


Meinte Tara und begann mit dem Ausdauertraining. Zur Musik liefen sie im Trainingsraum im Kreis und machten danach einige Kardioübungen, so dass sie ordentlich ins Schwitzen kamen. Danach dehnten sie ihren Körper, nachdem sie warm genug waren und begannen mit Sprungübungen über Kisten, Hocker und Bänke und auch das Springen auf einem Trampolin kam zum Einsatz.


“Gut gemacht. Fürs erste Mal nicht schlecht. Immerhin ist es wichtig, dass ein Jedi eine gute Kondition und Ausdauer hat. Ich habe das lange unterschätzt. Man merkt, dass du einmal Tänzerin warst.”


Lobte Tara ihre Schülerin und setzte sich dann auf eine Matte in den Schneidersitz und zeigte Ribanna, dass sie es ihr gleich tun sollte.


“Schließ deine Augen und spüre die Wärme in deinem Körper und deinen schnellen Atem vom Training. Lege zur Hilfe ruhig deine Hände auf den Bauch. Horche in dich hinein und spüre wie sich dein Körper nach dem Training anfühlt und beschreibe es mir.”


Tara gab ihrer Schülerin ein wenig Zeit dafür.


“Danach spüre deine Umgebung und spüre, wie dein Herzschlag langsam ruhiger wird. Nimm deine Umgebung wahr. Wie hört sie sich an, wie ist die Temperatur, wie riecht sie und vielleicht kannst du sogar spüren...wie sich der Raum anfühlt. Wo ist der Raum zu Ende? Wo genau sind die Wände? Spüre sie und lass deine Augen geschlossen. Du spürst wo die Hocker sind und die Bänke worüber wir gesprungen sind….und vielleicht spürst du auch noch etwas anderes. Etwas, was sich deutlich von all den Gegenständen unterscheidet.


Sagte Tara sehr langsam und mit Pausen, während sie mit ihrer Padawan meditierte. Vielleicht würde ihr die Veränderung in der Macht auffallen. Die Aura von Tara. Manche beschrieben sie als wohlige Wärme, die man mit der Macht spürte oder sah sogar vor dem geistigen Auge den Raum und sah die Aura in bestimmten Farben. Das war bei jedem anders und Tara war gespannt, wie sich Ribanna dabei schlug.


“Falls dich fremde Gedanken stören, dann schiebe sie weg und konzentriere dich nur auf das Hier und Jetzt. Auf den Raum, auf deine Atmung, deine Wärme, die Hocker und auf mich.”


Flüsterte Tara leise, während das Licht leicht gedämpft war.


Coruscant, Jedi-Tempel,Trainingsraum: Ribanna und Tara
 
[Coruscant-System | Coruscant | Jedi Tempel | Hangar] - Liia Mas, Skyan, Faith

Die kleine Gruppe um den Jedi Mas Nerlo setzte sich in Richtung des Tempels in Bewegung. Liia war fasziniert von den in sich verschlungenen, nicht enden wollenden Gängen, von der Größe allgemein. Kein Vergleich zur Jedi-Basis auf Lianna, dachte sie sich. Doch so beeindruckend die Größe auch war, so schnell viel ihr auch auf das viel beschädigt wurde. Auf ein warum konnte sie nur Mutmaßungen anstellen. Es schien jedenfalls noch lange zu dauern bis die Restaurationen abgeschlossen waren, obwohl man beinahe Überall wo die Gruppe entlangging Personen, bei ihrer Arbeit am Tempel beobachten konnte. Liia versuchte sich zwanghaft zu merken, wo wichtige Punkte des Tempels lagen, damit sie sich nicht direkt wieder verlaufen würde. Es blieb allerdings bei diesem einen, kläglichen, Versuch, da sie noch nie in einem so großen Ort unterwegs war. Sie empfand es schon fast ein wenig bedrückend so viel gezeigt zu bekommen. Hinzu kam noch, dass sie den Erklärungen des Jedi eher schlecht folgen konnte, da sie meistens noch mit dem Verinnerlichen der vorigen Erklärung beschäftigt war.

Bei einem Stop der Gruppe, blickte sie kurz Neben sich und sah Skyan im Gespräch mit Faith. Sie wollte nicht einfach in das Gespräch hineinreden sagte sie sich, doch sie wusste genau das es ihrer Schüchternheit geschuldet war, dass sie sich nicht in die Konversation einklinkte. Die grauhaarige, junge Frau mit den blauen Augen blieb also wieder einmal Still. Sie ließ für einige Sekunden die Umgebung auf sich wirken. Man konnte den Trubel der in dem gesamten Gebäude, auf dem gesamten Planeten, förmlich spüren. Wie Schwingungen die einen durchdrangen und ihre Energie dabei übertragen. Ihre gedanklichen Ausführungen wurden jedoch jäh unterbrochen als die Gruppe ihren Rundgang fortsetzte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und einige kopfschmerzliche Erfahrungen später betraten sie ein spärlich eingerichtetes Empfangszimmer, in der Nähe des Haupteingangs. Sie wurden offiziell Angemeldet. Die Anmeldung nahmen umher schreitende Droiden vor, von denen Liia glaubte das es die selben wie auf Lianna wären, also zumindest das selbe Fabrikat. Sie begann zu schmunzeln. Nach und nach bekamen die drei Neuankömmlinge Datapads, auf denen sie später Weisungen erhalten würden.

Liia war überaus erleichtert als Mas die Gruppe wieder aus dem Raum führte, viel länger hätte sie es dort nicht mehr ausgehalten. Leute drängten aufeinander, waren Laut und die Luft war stickig so das ihr das Atmen schwerer viel, vom Geruch einmal abgesehen.

Als nächstes wurden sie zu den Quartieren geführt. Das der Weg von kurzer Dauer sei war zu Bezweifeln, dachte sie scherzhaft und konnte sich sogar ein Lächeln nicht verkneifen.

Als sie wieder nach einer gefühlten Ewigkeit dort ankamen, wurde festgelegt, dass sie sich ein Zimmer mit Faith teilen sollte.

Aufgrund dieser Entscheidung war Liia in Gedanken hin und her gerissen. Nicht weil Liia ein problem mit ihr hätte, sie fand sie sogar sympathisch. Nein, ihr machte mehr sorgen, dass wenn sie noch einmal einen solchen Albtraum wie die, die sich bei ihr in letzter Zeit zu häufen schienen, haben würde, sie direkt als Verrückt abgestempelt werden würde. Da es aber nichts nützte sich darüber jetzt den Kopf zu zerbrechen, betrat sie gemeinsam mit ihrer Zimmergenossin und ihrem Droiden, ihre neue Bleibe. Diese war spärlich eingerichtet, die Freude stand Liia aber ins Gesicht, als sie sah das sie wieder in einem richtigen Bett liegen könne und das eine richtige Dusche vorhanden war. Sie wusste schon gar nicht mehr wann sie das letzte mal heiß geduscht hat. Es mochte Faith vielleicht komisch vorkommen, doch diese Räumlichkeit ist weitaus mehr als Liia gewohnt war.

Sie ließ sich auf ihr Bett fallen, drehte sich auf den Bauch und blickte zu Faith, die es sich ihrerseits auf ihrem Bett gemütlich gemacht zu haben schien.


"Ehm- Nun ja, eigentlich noch nicht. Wenn ich ehrlich bin, es ging alles so schnell. Anfangs wollte ich nur einmal die Jedi-Basis auf Lianna besuchen. Wie ich da hingekommen bin willst du gar nicht wissen." scherzte sie mit einem Lächeln. "Als ich dort angekommen bin wurde ich direkt getestet, wurde hierhin geflogen und.. Jetzt bin ich hier. Und du? bist du schon länger bei den Jedi?" gab sie als Antwort auf Faith´s Frage und entgegnete mit der selben, freundlich und ließ ihren Blick einmal über Faith schweifen.

[Coruscant-System | Coruscant | Jedi Tempel | Quartier] - Liia, Faith, Zweibein
 
Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, bei Ian

Völlig entgeistert sah Eowyn Ian an. Du meinst das wirklich ernst... Ist dir nicht klar, dass das Virus dich so sehr schwächen würde, dass du irgendwann weder dich noch andere heilen könntest? Und es würde schneller gehen, als du etwas herausfinden würdest. Ian, deine Ideen... sie machten ihr Angst. Wahnsinnige Angst. Erst die Sache mit Kyran. Nun das. Ihr Verdacht erhärtete sich zusehends. Er war blind... einfach blind. Deine Ideen sind nicht zu Ende gedacht... Bitte... komm nicht auf den Gedanken, irgendsoetwas zu tun, ohne mit mir zu sprechen! Du musst mir das versprechen, hörst du? Es war ihr egal, ob er ihr dieses Versprechen geben wollte oder nicht, er würde. Mit durchdringendem Blick sah sie zu ihm hinüber. Er würde ihr das versprechen. Er musste. Sonst... sonst würde sie nicht mehr schlafen können, aus Angst, er konnte etwas Dummes anstellen.

Ja, er mochte die Jedi nicht mehr verabscheuen... nicht alle. Aber er hatte es getan, noch vor Wochen. Ihm das nun aber hinterherzuschieben wäre nicht richtig, denn zum ersten Mal konnte Ian nicht auf Anhieb Gegenargumente finden. Ein Zeichen... ein gutes Zeichen? Vielleicht war das der Punkt, an dem sie würde nachhaken müssen, wenn es zu einer weiteren dieser elendigen Diskussionen kommen würde. Ein kleiner Sieg... vielleicht nicht einmal ein Sieg, aber vielleicht hatte sie ihn wenigstens ein klitzekleines bisschen zum Nachdenken gebracht. Es wäre ein Anfang. Auch zu seiner Theorie mit den Sith sagte sie nichts, denn es war müßig, über so etwas zu reden. Sie kannten die Wahrheit nicht, und auf was-wäre-wenn-Spielchen hatte sie nun wirklich keine Lust. Nicht auf diese Art und Weise.

Eowyn seufzte. Das Verhältnis Alisah-Ian würde sie wohl noch eine ganze Weile nicht ganz durchblicken. Einerseits wollte Alisah Ian zum Patenonkel machen, andererseits liefen sie Gefahr, sich an die Gurgel zu springen? Erneut fragte Eowyn sich, was zwischen den beiden eigentlich vorgefallen war, und ob Ian es ihr irgendwann erzählen würde. Aber offensichtlich sollte sie aufpassen, wenn sie die junge Mutter erwähnte - denn sonst sprang Ian irgendwann ihr an die Gurgel. Es war ja nur ein Gedanke gewesen... Sie hatte gedacht, dass es vielleicht helfen würde.
Auf ihre gemurmelten Worte hin explodierte Ian allerdings beinahe schon, und Eowyn fuhr erschrocken zurück, sah Ian mit großen Augen an. Was er da sagte schmerzte, und das gleich auf mehreren Ebenen. Es schmerzte zu sehen, wie sehr Ian sich selbst verachtete. Wie sehr er ausschloss, irgendwann für irgendjemanden jemals ein Vorbild sein zu können. Und dabei wäre er ein so gutes Vorbild... jetzt natürlich, nicht früher. So viele furchtbare Wesen setzten Kinder in die Welt, ohne darüber nachzudenken. Doch Ian... Wie einfach er es abtat. Wie... lächerlich er es machte, dass sie beide jemals Kinder haben könnten. Als wäre diese Vorstellung das absurdeste, verrückteste, das die Galaxis jemals gesehen hatte. Oh, sie verstand, dass er vor so etwas Angst haben musste. Aber... so vehement. So... völlig ausgeschlossen.
Ja, sicher, sie schloss es auch aus. Für den Moment. Die letzten Jahre hatten gezeigt, dass Kinder unmöglich waren, und momentan sah Eowyn keine Lösung. Aber... sie war jung. So viele Dinge änderten sich - und ihr Wunsch nach einer Familie würde all diese Dinge sicher überstehen. Wer wusste schon, ob sie in zehn Jahren noch eine Jedi war? Wer wusste schon, ob sie dies in
einem Jahr noch sein würde, nach all dem, was in den letzten Wochen und Monaten passiert war? Nicht, dass sie einen Abschied plante. Nicht, dass sie sich vorstellen konnte, ohne die Jedi zu leben. Doch... war es auszuschließen? Völlig, vollkommen?
Ian schloss Kinder aus. Es schloss es aus, obgleich es dafür keinen Grund gab. Er schloss es sogar nicht nur aus, er zog es ins Lächerliche. Dabei wäre er ein wunderbarer Vater, dessen war sie sich sicher, sein Geschichtentalent, sein Humor, sein Denken, sein Wesen, sein Talent zum Nachdenken anzuregen, und sie würde sich auf ihn verlassen können. Sie hatten nie über Kinder gesprochen... weshalb auch? Das hieß, eigentlich hatten sie schon.
Sie hatte darüber gesprochen - nicht aber Ian. Für so etwas war es auch noch viel zu früh... Dennoch, er tat es ab, einfach so, als wäre es das Selbstverständlichste der Galaxis. Kurz, für zwei, drei Sekunden, bevor sie sie verdrängen konnte, stiegen Tränen in ihre Augen, als sie sich vorstellte, was unter anderen Voraussetzungen, in anderen Situationen, mit anderen Grundlagen hätte sein können. Sie, Ian, ihr Elternhaus... Kinder, zwei oder drei wenigstens. Am besten mit Ians wunderbaren brauen Augen, mit seinem Lachen... Der Garten, halb verwildert, und Ian, der mit ihnen auf der Wiese hinter dem Haus tobte. Wie sie auf ihn hinaufklettern, sich an ihn hängen würden... wie sie irgendwann auf der Wiese landeten, lachend und triumphierend...
Eowyn blinzelte.
Schob die Bilder mit aller Kraft beiseite.
Ihr Traum, von dem sie ohnehin gedachte hatte, dass er niemals in Erfüllung gehen würde, war soeben auf brutale Art und Weise in Grund und Boden gestampft worden. Doch es sollte sie nicht verletzen. Es war ohnehin unmöglich...
Sie selbst schloss es schon aus. Aber es war ihr Traum, ihr großer, einziger Traum, und vielleicht hielt sie dennoch, trotz allem, ein wenig an ihm fest. Träumte davon, dass es vielleicht, eines Tages, ja doch eine Lösung geben konnte, jetzt, wo sie zum ersten Mal jemanden hatte, mit dem der Traum ein kleines Stückchen näher rückte... Nicht so. Ganz sicher nicht, wenn Ian mit einer solchen... ja, mit einer solchen Verachtung von sich selbst redete. Der Mann, den sie liebte, der Mann, der ihr Herz war, er empfand für sich selbst offensichtlich nur Verachtung. Wie hatte sie das früher nicht sehen können, zumindest nicht in diesem Ausmaß? Es war ihr klar gewesen... irgendwie. Aber... so? Die vielen kleinen Hinweise, die sie heute bekam... es war furchteinflößend. Furchteinflößend und schmerzlich.
Stumm nickte sie nur, konnte nichts sagen, als Ian sich entschuldigte. Was sollte sie auch sagen? "Oh, nein, Ian, du wärst ein wundervoller Vater." "Ian, du wärst ihr Vater, sie würden das verstehen." "Tu doch so, als wäre es eines von deinen Märchen." Ja, sicher. Eine Antwort unsinniger und lächerlicher als die andere, auf unterschiedliche Arten und Weisen. Und sie würde froh sein können, wenn Ians Wutausbruch sie nicht an die Hauswand nagelte.
Nein, er stritt es so vehement ab. Es gab nichts, was sie darauf antworten konnte, rein gar nichts.


Er war nicht geeignet für so etwas? Eowyn schnaubte. So viele waren nicht geeignet für so etwas. Ian gehörte nicht dazu. Ganz sicher nicht. Und auch, wenn sie Gefahr lief, in wenigen Sekunden in Deckung gehen zu müssen, sie musste darauf antworten. Das sehe ich anders, erwiderte Eowyn ebenso leise, beließ es aber dabei. Doch er sollte wissen, wie sie dachte. Wenn er es nicht ohnehin schon längst tat... Doch er sollte es sicher wissen.

Sie hätte nichts sagen sollen. Ihre Bitte um Verzeihung hätte ausgereicht, aber ihr Mund war wie immer schneller als ihr Verstand. Sie würde mit Ian reden. Doch sie musste ohnehin, irgendwann bekam er sowieso alles heraus, und sie musste endlich beginnen, ehrlicher zu ihm sein. Auch wenn es ihr nicht gefiel - denn ihr Problem, ihre Erkenntnis beruhte auf seiner Aktion. Er würde sich seine Gedanken dazu machen... Aber sie hatte keine Wahl, nicht, wenn sie ändern wollte, was bisher zu Problemen geführt hatte.
Kopfschüttelnd sah sie Ian an.
Lass uns später darüber reden, bitte. Es kann warten. Es musste außerdem warten. Ian musste zurück in den Tempel, er konnte noch nicht gesund sein.

Ian hingegen begann mit seiner Erklärung - vermutlich war die seine auch wesentlich weniger ausführlich als die ihre. Doch was er sagte... waren harte Worte, Worte, die Eowyn beinahe noch mehr trafen als seine Verspottung der Idee, jemals eigene Kinder zu haben. Sie trafen und ihr die letzte Gewissheit gaben, dass ihre Vermutungen nicht falsch gewesen waren. Sie war froh, dass sie saß, denn ihre Beine hätten sie in diesem Moment niemals tragen können. "Wenn ich mir wünsche, nicht geboren worden zu sein, dass alles endet." Kälte durchfuhr sie wie ein Blitz. Damit kam sie nicht klar. Damit konnte sie nicht umgehen, wie sollte sie damit umgehen? Sie brauchte Hilfe. Ian brauchte Hilfe. Wenn alles so weiterging... Dann stand nicht mehr die Frage im Raum, ob sich ihr Traum vielleicht doch irgendwann in einer fernen, fernen Zukunft erfüllen würde, sondern die Frage, ob noch überhaupt jemand da war, mit dem sie diesen Traum verwirklichen könnte. Noch nie hatte Ian so offen und so sehr davon geredet, was er von seinem Leben hielt, und Eowyn fühlte sich hilflos, so hilflos, so unglaublich hilflos. Hilflos, erschrocken, entsetzt und voller Angst. Was war das für ein Abgrund, an dem Ian da stand? Stand er überhaupt noch? Sie hoffte inständig, dass nicht sie die Person war, die ihn am Fallen hinderte. Das würde sie nicht ertragen. Das würde sie nicht schaffen. Das wäre... dann wäre alles schon aus.
Sie brachte es fertig,
Schön, das zu hören, zu murmeln, während sie Ian weiter ansah, ihm zusah, wie er sich langsam, mühevoll erhob. Wie war er überhaupt so weit gekommen? Er gehörte wirklich schnell auf die Krankenstation - hoffentlich schafften sie es zurück... Eowyn blickte auf die Hand, die er ihr hinhielt. Die linke... Sie zögerte kurz, bevor sie sie vorsichtig ergriff, Ian zum ersten Mal seit ihrem Abschiedskuss gestern berührte. Es tat gut, ihn zu fühlen... dennoch. Sie fühlte sich so fern, so abgegerenzt... so, als stünde sie kilometerweit von ihm entfernt. Sie kam nicht zu ihm durch. Sie erreichte ihn nicht... oder besser gesagt, kaum. Wo war die Nähe, die Vertrautheit, die sie in seiner Gegenwart sonst immer spürte? Wo war ihr Band? Ians Abschirmung konnte nicht der Grund dafür sein. Sie wünschte, sie könnte sich an ihn lehnen, ihn halten, sich von ihm halten lassen, sich deutlich machen, dass alles gut war, doch irgendetwas hielt sie davon ab. Es war beinahe, als würden sie sich wieder weniger kennen... oder kam es nur ihr so vor? Vielleicht bildete sie sich etwas ein. Hoffentlich bildete sie sich etwas ein... Vielleicht war morgen, in ein paar Tagen alles wieder gut. Hart schluckte sie den Kloß hinunter, der es sich in ihrem Hals in den letzten Momenten gemütlich gemacht hatte. Sie durfte nicht aufgeben. Auch wenn sie momentan noch nicht wusste, wie sie das anstellen sollte.

Coruscant – Straßen in der Nähe des Jedi-Tempels, auf dem Rückweg zum Tempel, mit Ian
 
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Ameda Distrikt ~ Garten des Kimble Forschungsinstituts ~ an Bord der Farore

Nei hinterließ den inzwischen eingetroffenen Sicherheitsbeamten Informationen zu dem Gebäudekomplex, ihrem Fund und den Ereignissen, bevor sie sich ruhigen Gewissens auf den Rückweg machte. Während die Sekitari sich von dem durchnästen Rasen weg, schwerfällig dem inzwischen aufgeklarten Himmel entgegen bewegte, folgte die Jedi den immer kleiner wirkenden Beamten und ihren Arbeitswegen bis sie schließlich gar nicht mehr erkennbar warn. Ganz so ruhig war ihr Gewissen doch nicht.


Sich in den für coruscantische Verhältnisse überschaubaren Luftverkehr einreihend, konnte Nei endlich dem Autopiloten die Steuerung ihres Schiffes anvertrauen und sich um ihre Verletzung kümmern. Die nun folgenden Stunden über gönnte Nei sich ein wenig Schlaf, aus dem sie nur ab und zu für kurze Zeit erwachte, wenn ihr Körper ihr einen Positionswechsel nahe legen wollte.

"Ihre Verletzung sieht nicht gut aus, Meisterin Sunrider."


ertönte die trotz des blechernen Klangs empathievolle Stimme des Medi-Droiden. Nei hatte es für zurecht für ratsam gehalten vor allem anderen einen Arzt aufzusuchen.


"Aber Sie könne aufatmen. Eine Infektion mit dem Virus können wir glücklicherweise ausschließen und gegen eine Entzündung der Wunde nehmen sie einfach das hier - die nächsten drei Tage, morgens und abends."


Die aus drei Fingern geformte, metallgraue Hand des Droiden reichte der Jedi eine kleine Plastikdose in der sich die angesprochenen Tabletten befanden. Nachdem die Wunde gereinigt und fachmännisch verbunden worden war, durfte Nei die Station zu ihrer Erleichterung auch schon wieder verlassen. Ihr Shirt zog sich Nei sehr vorsichtig wieder an, denn insbesondere beim Hineinschlüpfen beider Arme zog es mächtig in der linken Seite ihres Bauches. Ihre Jacke warf sie für den kurzen Weg zurück in ihr Quartier nur über die Schultern. Aufrichtig bedankte sie sich noch bei ihrem behandelnden Arzt und verabschidete sich höflich.

Nei ertappte sich dabei Erleichterung zu empfinden, dass Qienn sich nicht in ihrem gemeinsamen Quartier befand. Sicherlich hätte die Besorgnis ihrer Freundin zu einem langen Austausch über die Ereignisse im Ameda Distrikt geführt und dafür fehlte es Nei im Moment schlicht an Kraft und Geduld. Der Anblick des frisch bezogenen Bettes reichte ihr völlig. So ließ sie sich fallen, spürte sogleich schmerzlich, dass sie sich lieber vorsichtig hätte hinlegen sollen und war dennoch zu schnell eingeschlafen, als dass sie ihrer Wunde noch einen rückversichernden Blick widmen konnte.

Jedi Tempel ~ Quartier von Nei
 
Jedi Tempel ~ Trainingsraum ~ mit Levice

"Warte ab bis der große Trainingsraum mit den Swimmingpools wiederaufgebaut wurde."

antwortete Anakin auf die Bemerkung von Levice. Schön war nicht das Wort, das er selbst benutzt hätte und scheinbar auch nicht das was die junge Frau meinte, doch er glaubte genau zu verstehen, was und wie sie es meinte.

"Er wird seinen Zweck erfüllen."


fügte er hinzu, sich mit einer Mischung aus Zufriedenheit darüber, dass sie überhaupt einen so großen Raum für sich allein nutzen konnten und gleichzeitiger Enttäuschung darüber, dass dieser nur ein Schatten seiner einstigen Pracht war.

"Was machst du da?"


fragte Anakin überrascht, als er sich Levice zu wandte und feststellen musste, dass sie sich auf dem Boden niedergelassen hatte. Mit einer eindeutigen Handbewegung signalisierte er seiner Schülerin sich wieder zu erheben.

"Gib mir dein Trainingslichtschwert."


Er hatte bereits damit gerechnet, dass Levice noch nicht mehr als ein Trainingslichtschwert mit sich führen durfte. Womit er nicht gerechnet hatte, war das Missverständnis ihrerseits.
Mit ein paar wenigen Handbewegungen hatte er den Griff der Übungswaffe aufgeschraubt, entfernte ein paar Teile, verbog ein paar andere, zerkaute ein Stück Plastik bevor er es an eine neue Position neben der Energiezelle wieder einfügte und schließlich alles wieder zusammen setzte. Ein kaum erkennbares Teil steckte er in seine Hosentasche bevor er Levice das Lichtschwert wieder zurück gab.


"Es wird nicht ewig zusammen halten. Du wirst dir bald ein Eigenes bauen müssen."

Sein ernster Blick vermochte nicht ganz das sich auf seinen Lippen andeutende Lächeln zu verbergen, während er darauf wartete, dass Levice die nun scharfe Waffe wieder an sich nahm.

"Mit der Macht als deinen Verbündeten wirst du schnell erkennen - falls du es nicht schon getan hast - dass sich Muster überall wieder finden, in der Natur, im Menschen, in jedem Wesen. Wir sind mit einander verbunden, auch wenn wir es nicht immer wahrnehmen, so ist diese Verbindung doch da und du, Levice, bist eine der glücklichen, die diese Verbindung sehen und nutzen kann."


begann Anakin zu erklären.

"Ich bin mir sicher, dass du zuverlässig einen meditativen Zustand aufrecht erhalten kannst und auch das Shii-Cho ist dir sicher alles andere als fremd. Aber das ist nicht wie die Dinge in der Praxis funktionieren. Du musst deine innere Harmonie wahren können, während du dein Lichtschwert führst, ein richtiges Lichtschwert."


Anakin nahm einen geringen Abstand von wenigen Metern Entfernung von Levice ein, sich ihr direkt zuwendend.

"Zeig mir dein Soresu."


forderte er seine Schülerin mit der Bestimmtheit eines Jedi Rates auf.

"Und dabei möchte ich, dass du dich der Macht öffnest und deinen Fokus auf mich gerichtet behälst."


Jedi Tempel ~ Trainingsraum ~ mit Levice
 
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