Coruscant

[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Rornans Büro ] Arlen, sowie (NPCs) Rornan

Widerwillig nickte Arlen auf Rat Elliundis Rüge hin, dass er sich nicht sicher sein konnte, dass keine Zivilisten vor Ort gewesen waren. Er hatte es in seinem Bericht eingeräumt, aber dieser Möglichkeit hatte er gedanklich nicht genug Raum gegeben. Es war wahr, er konnte nicht sicher sein. Es war nicht wahrscheinlich, doch konnte er mit der Möglichkeit leben, dass Zivilisten für die Befreiung Faiths gestorben waren? Würde er es unter diesen Bedingungen wieder tun? Wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann vermutlich ja.

Dies war jedoch erst der Beginn von Rat Elliundis Feedback gewesen. Ruhig kam er noch einmal auf Arlens Fehler zu sprechen den Planeten nicht rechtzeitig verlassen zu haben. Für einen Moment wollte Arlen sich erneut rechtfertigen, sein Handeln zu verteidigen, doch der Quermianer begegnete ihm mit etwas, das er nicht erwartet hatte: Mit Verständnis. Klinisch wie ein Arzt sezierte er das Vorgehen des Jedi-Ritters und zeigte ihm dann genau auf, wo er gescheitert war, wo er den Kodex aus dem Blick verloren hatte und wie er sein Verhalten in Zukunft anpassen musste. Denn sonst hatten er und alle anderen Umsonst gelitten. Die Worte trafen Arlen bis ins Mark und beschämt blickte er zu Boden. Er hatte geglaubt sein eigenes Versagen akkurat diagnostiziert zu haben, doch Rat Elliundis Worte führten ihm vor Augen, dass er erst am Anfang dieses Prozesses stand.

In die gleiche Richtung ging auch die nächste Frage des Rates. Elliundi machte klar, dass er explizit keine Antwort hören wollte. Arlen solle es für sich beantworten. Bedauerte er den Tod dieser Personen? Der Rat sprach im Kontext einer bestimmten Gegebenheit auf Kelada, doch spürte Arlen, dass da mehr hinter steckte. Erneut spürte er den Drang zu antworten, beherrschte sich jedoch. Was WAR die Antwort? Er bedauerte den Tod von Personen auf Kelada, sogar sehr viele von ihnen. Bedauerte er aber alle Wesen, die er getötet hatte? Den Kommodore und sein Geschwader, absolut. Die Zivilisten die er nicht hatte retten können? Jede Nacht. Doch Rat Elliundi zielte tiefer. Bedauerte Arlen die Soldaten die er getötet hatte, die Verbrecherbosse? War es ein Problem, wenn nicht? War das wirklich, wie ein Jedi sein sollte? In New IndSec hatte Arlen Faith erklärt, dass es sein Opfer war diese Taten auf sich zu nehmen, um die Galaxis vom Joch des Imperiums zu befreien. Doch tat er das wirklich, wenn er tötete, ohne zu fühlen? Plötzlich war er froh nicht sofort geantwortet zu haben. Dies waren Fragen, über die er nachdenken musste.

Rat Elliundi fuhr fort und kam nun direkt auf Arlens Muster von Fehlentscheidungen zu sprechen. Es durfte kein weiteres Mal geschehen und als Ansatzpunkt stellte er Arlens mangelnde Demut in den Raum. Es war ein Muster in den Antworten des Quermianers, eben noch hatte er über Arlens Jugend gesprochen. Beides gründete sich in einem Mangel an Erfahrung, die der Sith mit auf seine erste Mission genommen hatte. Überhaupt nach Kelada zu gehen hatte sich auf diese Faktoren gegründet. Er war ein frischer Jedi-Ritter gewesen, mit dem gesammelten Wissen eines erstklassig abgeschlossenen Studiums. Er hatte gedacht alles zu wissen, was er brauchte. Heute wusste er es besser.

Die Worte des Rates bezüglich Arlens Kontrollverlust gegenüber der Dunklen Seite waren dann noch schärfer. Erneut stellte er in Frage, ob Arlen sich der wirklichen Tragweite seiner Handlungen bewusst war und verschrieb weitere Maßnahmen. Er würde Arlens Entwicklung fortan im Auge behalten, doch der Sith selbst musste seinen inneren Frieden finden. Arlen nickte. Er verstand was der Quermianer versuchte ihm sagen und glaubte auch die Konsequenzen eines weiteren Versagens erfassen zu können. Stumm nickte er ein weiteres Mal und gab sein Bestes die Kritik zu verstehen und zu verinnerlichen. Es würde viel Arbeit bedürfen Maßnahmen zu ergreifen, um diese Fehler nicht zu wiederholen. Und Arlen war fest entschlossen dies auch zu tun, bevor er den Tempel das nächste Mal auf einer Mission verließ.

Schließlich kam die Sprache natürlich noch auf den widerwärtigen Propagandaartikel. Hatte Arlen gehofft Rat Elliundi würde ihm widersprechen und vielleicht doch noch einen Lichtblick am Horizont erkennen, so wurde er enttäuscht. Auch er sah hier einen katastrophalen Fehler, der eine akzeptable Mission in ihr Gegenteil verkehrt hatte und drückte schließlich den Kern seines Rates ein weiteres Mal aus: Arlen musste Frieden finden und seine Grenzen kennenlernen. Erneut nickte Arlen. Er fühlte sich elend, versuchte jedoch nicht in Selbstmitleid abzugleiten. Er hatte versagt, schwere Fehler gemacht und war vermutlich nur knapp harten Konsequenzen aus dem Weg gegangen. Wobei…als nächstes kam die Sprache genau auf dieses Thema.

Einerseits sprach Rat Elliundi allgemein darüber, dass er nun gesucht wurde und vorsichtig sein musste. Auch hier nickte Arlen, auch wenn er skeptisch war, wie schlimm es wirklich werden würde. Das Imperium mochte ihn entstellt haben, doch war er befreit worden, bevor sie sein neues Gesicht ins System hatten aufnehmen können. Die Aufzeichnungen waren zerstört worden und so gab es kein aktuelles Fahndungsplakat. Sogar die Imperiale Frachterkommandantin hatte ihn als entstellten Zeltron, anstatt als einen Sith identifiziert. Doch Arlen widersprach Elliundi nicht, dies wäre nur unnötige Haarspalterei gewesen.

Doch nun kam er zu wirklichen Konsequenzen des Rates. Einerseits würde man ihn im Auge behalten, andererseits nahm man ihm bis auf Weiteres die Erlaubnis einen Padawan auszubilden. Tha’klen würde ihm entzogen und anderweitig zugewiesen werden. Unwillkürlich schloss Arlen die Augen und atmete aus. Er hatte die:n Verpine zu Beginn eigentlich nicht ausbilden wollen, hatte es für zu gefährlich gehalten. Doch nun diese Worte zu hören, schmerzte schlimmer als er es sich hätte ausmalen können. Nicht nur war es die sichtbare Konsequenz wie sehr er in den Augen des Rates versagt hatte, auch nahm man ihm ein:e treue:n Begleiter:in, dien mit ihm durch die Hölle gegangen war.


„Ich danke…für Eure Zeit und Euren weisen Rat.“

, sagte Arlen schließlich mit brüchiger Stimme.

„Ich werde mein Bestes tun meine Fehler nicht zu wiederholen.“

Er würde es müssen, wenn er seinen Beitrag im Krieg gegen das Imperium leisten wollte.

„Wäre es in Ordnung, wenn ich Tha’klen die Nachricht selbst überbringe?“

Tief atmete er durch und schluckte. Da war noch ein Thema, das er bisher nur am Rande erwähnt hatte.

„Ich habe noch eine Sache, Rat Elliundi, die mir besonders im Lichte Eurer Kritik an meinem emotionalen Zustand relevant erscheint. Ich erwähnte meine emotionale Bindung zu Faith Navalon. Dies sind Gefühle, die noch aus unserer gemeinsamen Padawanzeit stammen, die wir aber erst auf Kelada erkannten. Dort mussten wir jedoch auch auf unser Machtverhältnis als Padawan und Ritter achten. Wir einigten uns also darauf keine Beziehung einzugehen, bevor wir Kelada nicht verlassen und diese Angelegenheit vor den Rat gebracht hatten. Faith und ich lieben uns, so viel ist klar geworden, doch wie steht der Rat dazu? Bevor ich mir die Gefühle eingestanden habe, habe ich versucht sie zu verdrängen. Dies hat nicht geklappt. Habt Ihr eine Empfehlung wie ich mit ihnen umgehen kann, ohne meinen Frieden zu gefährden? Gibt es von Eurer Seite her Auflagen, oder gar ein Veto?“

Kurz pausierte Arlen und überlegte, ob er etwas vergessen hatte. Dann plötzlich fiel ihm siedend heiß ein, wie seine Empfehlung vom Anfang in diesem Licht klingen musste.

„Ich…äh, ich versichere Euch, dass meine Empfehlung vorhin nichts damit zu tun hatte sie schneller befördert zu sehen. Meine Einschätzung basiert auf meinen Beobachtungen während der Mission, nicht auf meinen Emotionen ihr gegenüber.“

, schloss er lahm.


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Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Mittlere Ebenen ║ 'Quantum Lounge' Draen Tel'Set & Riuen

Wie ein Held der taten wirkte Tel’Set wirklich nicht, aber wem sah man Heldentum schon an? Einem mit Narben übersätem Mann, einer gebrochenen Frau? Nein, diese Dinge waren unsichtbar. Weder verriet ein scheuer, noch ein sicherer Blick etwas über Heldenmut.

„Das Gute: Ich brauche keinen Helden.“ Hilfe, ja, die würde er auf Thearterra benötigen. Hilfe, ein bisschen Mut, doppelt so viel Leichtsinn. Na ja, also doch ein bisschen Held. Fragen und Hypothesen waren nicht gerade Riuens Stärke, aber vielleicht lag gerade darin auch eine Schwäche von ihm. Der Chiss fand lieber heraus, anstatt zu fragen und Möglichkeiten durchdenken? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, das war stets sein Motto gewesen. Ja, natürlich, gute Strategien und Taktiken waren ihm nicht fremd, aber niemals würde er Stunden über einen Problem brüten und – ach, auch das war nicht wahr. Er hatte Stunden gesessen und gelesen, über Seuchen, Ghule, Viren. Wenn die Situation es erforderte war Riuen durchaus in er Lage zu tun, was getan werden musste. Trotzdem – sitzen und über etwas brüten würde niemals zu seinem Hobby werden. Er war ein Macher, kein Denker. Am Ende brachte es in den allermeisten Situationen nichts, Gedanken hin und her zu wälzen und die immer gleichen Wege zu nehmen, in der Überzeugung, man wäre sie doch bisher noch gar nicht gegangen.
Ian war das beste Beispiel dafür: Immer am Denken, am Abwägen, am überlegen. Am Ende war seine Erkenntnis doch die Gleiche. Und genau das war es, zu was die, die alles Zerdachten am Ende wieder kamen: mit immer neuen Sätzen zu immer gleichen Schlüssen. Ian, der alles wieder gut machen musste, auch das, für das er nichts konnte. Dann natürlich Eowyn, die am Ende immer verlor. Zwei Beweise dafür, wie sinnlos es war, sich zu viele Gedanken zu machen

Tel’Set schien schließlich schwieg und schien sich noch einmal alles Gesagte durch den Kopf gehen zu lassen. Alles in allem musste es seltsam sein, in einer Bar auf einen fremden zu treffen, der nach Hilfe auf einer waghalsigen Mission fragte. Hätte Riuen, sich, wäre er Draen gewesen einfach sitzen gelassen und wäre gegangen? Tja, wer wusste das schon. Eigentlich hatte er sein Gegenüber gar nicht
wirklich um Hilfe gebeten. Der Mann hatte erklärt Arzt zu sein, Riuen hatte gesagt, dass er etwas herausfinden wollte. So waren sie überhaupt erst auf all das gekommen. Wollte er wirklich einen Fremden mit auf einen ihm unbekannten Planeten nehmen? Wirkte schon ganz schön verzweifelt das Ganze und ja, Riuen war verzweifelt und auch das hatte Seltenheitswert. Wo er zurück beim Thema Gedanken machen war. Mir nichts, dir nichts auf imperialen Boden zu reisen, war an und für sich schon hirnrissig genug. Einen Tempel aufzusuchen um dort nach Ghulen zu suchen, sich selbst nicht beißen und infizieren zu lassen, das war nicht nur hirnrissig, nein, es war hochgradig lebensmüde und mal ehrlich … Draen Tel’Set mitnehmen? Riuens Com riss ihn aus den Gedanken, und es war bereits das zweite Mal, dass sich der Apparat meldete. Seltsamerweise nun mit einem Gefühl. Dem, unbedingt auf sein Com sehen zu wollen.

Gerade, als er das wirklich tun wollte, begann Lockenkopff erneut zu sprechen. Ernst, bedächtig und es klang, sehr danach, als wolle er wirklich mit auf die Mission, von der er kaum etwas wusste. Klang so? Nein, ein paar Sekunden später war der Klang Entschlossenheit gewichen. Ruhiger Entschlossenheit, dem jeder sensationelle Nuance fehlte. Dieser Mann wollte ihn wirklich auf eine Mission begleiten, die der Chiss nicht einmal näher beschreiben hatte?
Tel’Sets Blick suchte den seinen und Riuen fühlte, etwas in sich aufkommen, das sich seltsam anfühlte. Normalerweise hätte er Spott empfunden, immerhin war das, was er hier implizit vorgeschlagen hatte, an Waghalsigkeit (und Irrsinn!) kaum zu überbieten. Doch da war etwas im Blick dieses Mannes, das so aufrichtig war, dass es Riuen Ehrfurcht einflößte. Ja, etwas, das verhinderte, dass Spott überhaupt aufkommen konnte.

„Wenn Sie tatsächlich bereit sind, mir bei einer Mission zu helfen, die mehr als gefährlich wäre, könnte ich zumindest bei der zweiten Frage sehr einfach antworten.“ Er konnte seinem gegenüber kaum sagen, dass er vorhatte, direkt zu einem Rat zu spazieren und um seine Beförderung zu bitten. Konnte noch weniger sagen, dass er als Ritter wohl die ein oder andere Person für seine Mission gewinnen konnte. „Ich kann uns direkt zum Orden führen und ich habe da schon eine Idee, wie uns geholfen werden kann, weil ich rein zufällig,“ was er kaum verschweigen musste, liefen die meisten Jedi doch in Robe herum und waren damit wunderbar zu erkennen, „zu ihnen gehöre.“ Klang nicht gerade nach dem besten Lockmittel. Ich-bin-ein-Jedi-und-frage-einen-Nichtjedi-und-dann-erst-die-Jedi. „Ja, klingt wenig überzeugend. Weiß ich. Aber ich komme ohne Umschweife zur Sache. Was, wenn ich Ihnen sage, dass da mehr in Ihnen schlummert, als der Mediziner, der Sie sind? Sie haben bestimmt schon einmal etwas gespürt, dass Sie nicht zuordnen konnten. Etwas, das sich nicht erklären ließ. Ich kanns erklären.“ Aber nicht hier und nicht so und außerdem. „Ich muss wirklich auf mein verfluchtes Comlink sehen.“ Gesagt, getan. Und dann, klonk, fiel es direkt auf den Tresen und von dort zum Boden, und Riuen fiel zusätzlich alles aus dem Gesicht.
Elise. Da war eine Nachricht von Elise und sie schrieb, sie schrieb, dass wach war. Sie war wach.
Wach.
WACH!
Riuen konnte nicht verhindern, dass er auflachte, schockiert, entgeistert. Ungläubig. Und er konnte nicht verhindern, dass er mit der Macht nach seinem Com griff. Innerhalb von Sekunden schwebte es zurück zu ihm. „
Sie ist wach“, kam tonlos und der Chiss klang wie jemand, der nicht wusste, ob er schockiert oder überglücklich sein sollte. Er starrte auf sein Com, als ein Dutzend Emotionen über sein Gesicht huschten.
„Jetzt hast Du es gesehen. Wenn Du mehr wissen willst, kommst du jetzt mit. Ich kann keine Sekunde länger warten.“ Womit Riuen ein paar Credits, die die Rechnung beider begleichen würde, auf den Tresen legte und aufsprang. Nichts würde ihn länger in dieser Bar halten. Er wollte rennen, sofort und auf der Stelle. Es war keine Beinahe Ungeduld mit der er Draen ansah. Es war Ungeduld.



Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Mittlere Ebenen
║ 'Quantum Lounge' Draen Tel'Set & Riuen
 
[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ]
Faith, Zweibein und Malek


Ein freundliches Lächeln begleitete den Händedruck. Faith ließ seine Hand los und blieb einen Moment stehen, während sie ihn etwas genauer betrachtete. Nicht etwa prüfend oder misstrauisch, einfach nur neugierig. Er wirkte nicht wie ein Wichtigtuer.
Teyr sagte ihr nichts. Mit dem Namen sprang kein Bild in ihren Kopf, aber die Art, wie er es ausgesprochen hatte, reichte aus. Sie glaubte, den Unterton in seiner Stimme zu erkennen. Man sprach so über Orte, an denen man Dinge erlebt hatte.


“Klingt, als wärst du da nicht zum Spaß gewesen.”

Sie sagte es ohne Schwere. Nur als nüchterne Feststellung. Zweibein schwebte indessen etwas höher und gab ein zufriedenes Piepen von sich, als wäre sein Fehlverhalten vergessen und er damit aus dem Schneider. Faith warf ihm einen kurzen Seitenblick zu.

“Ziemlich ist untertrieben. Er hat bewusst auf dich gezielt und gut getroffen.”

Ein schiefes Grinsen huschte über ihr Gesicht.

“Irgendwas ist mit seiner Verhaltensplatine nicht in Ordnung.”

Sie verlagerte ihr Gewicht auf ein anderes Bein, ließ das Trainingslichtschwert locker in der Hand kreisen, deaktiviert. Malek fragte, ob sie ihm zeigen würde, wie Blasterfeuer abzuwehren war.

“Klar!”, stimmte sie direkt zu. “Auch wenn du die Theorie wahrscheinlich besser kennst als ich.”

In ihren Worten steckte kein falscher Stolz oder Kleinreden ihrer Fähigkeiten. Sie meinte es ernst.

“Die Haltungen, Formen, Bewegungsabläufe, Übergänge … ich hab’ das alles gelernt, ja. Aber ich hab’s nie so wirklich … Ich kann es nicht perfekt. Also wenn du keine Rüge von deinem Meister willst, schau es dir nicht bei mir ab.”

Sie zuckte lachend mit den Schultern.

“Wahrscheinlich braucht man das als Grundlage. Aber wenn ich in dem Moment, wo es wichtig wird, darauf achte, werde ich langsamer und mache Fehler. Das ist, was ich meinte.”

Faith ging ein paar Schritte zur Seite, nicht weg von ihm, sondern so, dass sie beide mehr Platz hatten.

“So bin ich beim nächsten Schritt, bevor ich den aktuellen noch ausführe.”

Kurz verzog sie den Mund, als sie über die richtigen Worte nachdachte, um ihre Gedanken zu formulieren.

“Das ist nicht falsch. Aber es macht mich … starr. Nicht flexibel genug. Und dann reicht so ein kleiner gelber Blitz auf den Hintern …”

Sie nickte in Richtung Zweibein und trat wieder einen halben Schritt näher.

“... und man ist raus. Deshalb hab’ ich irgendwann aufgehört, perfekt sein zu wollen.”

Ein schroffes Grunzen folgte, als ihr Atemzug von einer gewissen Amüsiertheit unterbrochen wurde.

“Ich war Padawan von Meisterin Chesara. Sie hat während des Trainings sehr darauf geachtet, dass ich alles richtig mache. Aber dann waren wir im Dschungel von Felucia … und da ist mir klargeworden, dass es verdammt egal ist, wie sauber du deine Form ausführst.”

Sie tippte sich an die Stirn, um zu verdeutlichen, dass sie eine Erkenntnis gewonnen hatte.

“Am Ende geht es darum, zu überleben und andere zu schützen.”

Nun sah sie Malek direkt an.

“Damit will ich nicht sagen, dass es unwichtig ist, sauber zu trainieren. Nur, dass man im Moment bleiben muss. Achte auf dich, aber auch auf die Umgebung. Nutze die Macht, sie ist dein Verbündeter.”

Das alles klang ziemlich einfach, wenn sie darüber sprach. Aber natürlich war es eine schwierige Aufgabe, ein Lichtschwert richtig zu schwingen und dabei auch noch auf seine Machtsinne zu achten. Es war nichts, was man erklären konnte. Zumindest hatte sie - als Padawan - da keine lehrreichen, weisen Worte für. Ihrer Meinung nach musste man es erleben. Immer wieder. Bis es in Fleisch und Blut überging.
An dieser Stelle aktivierte Faith ihr Trainingslichtschwert wieder. Das vertraute, ionisierende Summen erfüllte den Raum.


“Für mich fühlt es sich nicht so an, als würde ich etwas aktiv tun”
, sagte sie nach einem Moment, während sie das Lichtschwert locker in der Hand drehte, um ein Gefühl dafür zurückzugewinnen. “Es ist eher, als würde ich meinem eigenen Hirn befehlen, dass es mir nicht im Weg stehen soll.”

Sie lachte leicht, als sie selbst hörte, wie merkwürdig ihre Worte klangen. Erneut verzog sie den Mund, als sie nach den richtigen Worten suchte.

“Am Anfang habe ich immer versucht, die Macht wie ein Werkzeug zu benutzen. Bewusst. So nach dem Motto: Jetzt konzentriere ich mich. Jetzt fühle ich. Jetzt reagiere ich.”

Die Padawan schüttelte den Kopf.

“Das ist anstrengend und schränkt die Macht nur ein.”

Faith stellte sich in eine entspannte Grundhaltung. Nicht die exakte Position, wie sie in den Lehrbüchern stand. Sondern eine, die natürlicher für sie war. Die Knie waren leicht gebeugt, die Schultern locker, der Griff nicht verkrampft.

“Du musst die Macht nicht kontrollieren. Nur dich selbst.”

Sie schloss die Augen.

“Ich nehme wahr, was da ist. Geräusche, Luft, Bewegung. Dein Atem zum Beispiel. Oder Zweibeins Repulsoren. Dann entscheide ich nicht mehr, wann und wie ich mich bewege. Der Moment entscheidet.”

Ein kurzer Atemzug folgte, als sie die freie Hand leicht anhob.

“Los, Zweibein.”

Der Droide summte begeistert auf und schoss sofort zur Seite. Sofort löste sich ein erster gelber Blitz. Mit weiterhin geschlossenen Augen hob sich Faiths Klinge wie von selbst und fing den Schuss sauber ab. Auch den nächsten, aus einem anderen Winkel. Dabei drehte sie sich nur minimal, nur so viel wie nötig. In ihren Grundbewegungen war die Ausführung der Form erkennbar, aber sie verlieh ihr eine eigene Dynamik, ganz so, wie sie es brauchte.

“Ich denke nicht darüber nach, woher der Schuss kommt”, sagte sie ruhig, zwischen den nächsten zwei Abwehrbewegungen.Ich weiß, dass er kommt. Und mache einfach.”

Der nächste Blitz kam schneller. Sie wich einen halben Schritt aus und ließ den Schuss vorbeiziehen, statt ihn zu blocken. Genau diese Tat verschaffte ihr die Gelegenheit, den darauffolgenden, auf die gegenüberliegende Seite gezielten Angriff abzuwehren.

“Ich entscheide auch nicht vorher, wie ich reagiere. Die Macht weiß, was zu tun ist”
,keuchte sie, als Zweibein erneut das Tempo erhöhte. Zwei kurze Salven hintereinander. Ihre Bewegungen wurden kurz fließender, geschmeidiger statt hektisch. Dann hob sie die Hand. Zweibein stoppte abrupt und piepte fast enttäuscht. Faith öffnete die Augen.

“Versuch es mal”, sagte sie in Richtung Malek.

“Und noch was: Das hier ist Training. Wenn du getroffen wirst, wirst du halt getroffen.”

Ein erneutes, leichtes Schulterzucken.

“Das passiert. Passiert mir auch ständig. Wichtig ist ja nur der Lerneffekt.”

[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ]
Faith, Zweibein und Malek
 
// Nachricht an Den Orden der Jedi (z.Hd. Meisterin Rissa Vendon) \\
Absender:
Ridley Solaris, Gouverneur von Truuine
Verschlüsselte Übertragung, Direktkanal

Das Hologramm des Imperialen Wappens erscheint und dreht sich zwei Mal. Das Wappen erlischt und Ridley Solaris wird als Hologramm dargestellt, sitzend von der Hüfte aufwärts. Im Hintergrund steht ein Bücherregal mit teuer aussehenden Einbänden. Solaris lächelt in die Holokamera und nickt ihr freundlich zu.

Seid gegrüßt, Meisterin Vendon!

Ich bedaure die Umstände, unter denen sich unsere Wege auf Umbara zuletzt getrennt haben, jedoch freut es mich nun umso mehr Euch über diesen Weg noch einmal kontaktieren zu können. Leider fehlte mir Eure direkte Com-Nummer, weswegen ich Euren Orden als Adressaten gewählt habe. Ich hoffe ausdrücklich, dass Euch keine Scherereien entstanden sind, von einem Sith kontaktiert zu werden. Wenn doch, bitte ich selbstverständlich um Entschuldigung.

Solaris lächelt breit.

Ich versichere Euch jedoch, dass mein Anliegen rein praktischer Natur ist – es ist sogar sehr verwandt mit dem Gegenstand unserer Verhandlungen auf Umbara. Vielleicht ist Euch bekannt, dass ein Mitglied Eures Ordens vor nicht allzu langer Zeit ein Schiff meiner Verwaltung – ein Gozanti-Kreuzer namens ‚New Tide‘ – auf republikanisches Gebiet entführte. Ich bin natürlich nicht so naiv zu glauben über den Verbleib der Fracht, oder gar das Schiff selbst verhandeln zu können. Jedoch befand sich an Bord ebenfalls eine Crew, die deren Sicherheit und Verbleib mir sehr am Herzen liegt. Dabei geht es konkret 32 Mitglieder meiner Verwaltung oder Planetarer Sicherheitskräfte, die durch die Handlungen Eures Ordensmitglieds in Kriegsgefangenschaft geraten sind. Mit dieser informellen Nachricht möchte ich nachforschen, ob ein Austausch dieser Gefangenen (und/oder ihrer Leichen) mit Euch als vermittelnder Person im Bereich des Möglichen läge.

Natürlich steht auch Truuine nicht mit leeren Händen da. Unsere lokale Schiffsfabrik wurde über lange Zeit durch das republikanische Unternehmen Alani, Inc. geführt. Jedoch stellte sich zu unserem Bedauern heraus, dass das Personal am Boden dazu verführt wurde, truuiner Rebellen zu helfen. Den verantwortlichen Republikanischen Staatsbürgern – insbesondere der Unternehmensaufseher Oleg Rustamov und der Leitende Ingenieur Alik Mantell – droht natürlich für ihre Handlungen ein Prozess. Mein Vorschlag ist, dass wir stattdessen einen 1 zu 1 Austausch organisieren. Meine Crew gegen Eure Staatsbürger.

Darüber hinaus habe ich noch einen Alternativvorschlag. Natürlich wurde nach der Entführung der New Tide ein Kopfgeld von 5 Millionen Credits auf Euer Ordensmitglied, Arlen Merillion, ausgesetzt. Weitere 2,5 Millionen wurden für die Ergreifung seiner Komplizin, Faith Navalon ausgesetzt, sowie 1,25 Millionen auf eine weitere Verpine, deren Identität wir noch nicht feststellen konnten. Mein Vorschlag wäre, die Kopfgelder auf Navalon und die Verpine fallenzulassen und auf Merillion zumindest zu verringern. Ich glaube an dieser Möglichkeit hätte auch Euer Orden ein Interesse.

Ich danke Euch für Eure Zeit und Aufmerksamkeit in dieser Sache und hoffe, dass wir hier zum Vorteil beider Seiten noch einmal zusammenkommen können. Wie auf Umbara immer wieder betont wurde, sollte man nie aufhören miteinander zu sprechen. Im Anhang findet Ihr eine Liste unserer vermisster Crewmitglieder, sowie die festgenommen Republikanischen Staatsbürger. Ebenfalls könnt Ihr auf meine Com-Nummer zugreifen, falls Ihr mir direkt antworten wollt.

Ich entsende meine besten Wünsche und verbleibe

Gezeichnet, Gouverneur Ridley Solaris.

\\ Ende der Nachricht //
 
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