Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Ian
Der Kuss intensivierte sich. Es war noch immer kein fordernder Kuss, kein impulsiver, verlangender, alles vergessender, leidenschaftlicher Kuss, aber ein Kuss, der dafür umso mehr bedeutete. Eowyn hatte beinahe das Gefühl, Ian zum ersten Mal zu küssen, und in gewisser Weise war es auch so. Diese Eowyn und dieser Ian küssten sich gerade zum ersten Mal, versuchten herauszufinden, wo sie standen, was funktionierte, was nicht - was sie spürten, und vielleicht, was sie dem anderen bedeuteten. Das kleine Flattern in Eowyns Bauch war noch immer vorhanden, und es traute sich sogar, ein kleines bisschen zu wachsen, sich auszubreiten und vorsichtig Luft zu holen.
Sie spürte Ian. Sie spürte ihn. Er war wirklich und wahrhaftig da, und beinahe hätte sie sich fallen lassen, ihre Barriere aufgegeben und ihren Geist geöffnet, um Ian noch näher zu sein, aber sie hielt sich rechtzeitig zurück. Nein. Sie war nicht so weit - und vor allem wollte sie nicht, dass Ian etwas mitbekam, von dem sie nicht wollte, dass er es erfuhr. Auf jedenfall nicht heute.
Ian löste sich schließlich wieder, vorsichtig, nur ein kleines bisschen, war ihrem Gesicht immer noch nahe, und strich über ihre Wangen. Sie waren nass... sie hatte geweint. Und für eine Sekunde war Eowyn wieder weg, auf Bastion, im Verhörraum - wo ihr Thanatos ebenfalls die Tränen aus dem Gesicht wischte, kurz bevor... sie zuckte zusammen, presste die Lippen aufeinander, ließ ihre Augen weiterhin geschlossen, zwang sich aber dazu, Ian nicht wegzustoßen, im Gegenteil - ihn mit ihrer noch bandagierten Hand am Hinterkopf festzuhalten, sollte er sich lösen wollen. Sie wollte das hier. Sie wollte das hier so sehr, das hier... war richtig, und alles andere... war so falsch, so falsch...
Tief atmete sie durch, öffnete ihre Augen und verdrängte auch die Scham darüber, dass Ian zum ersten Mal wirklich über ihre Narben auf ihrem Gesicht strich. Sie spürte es genau, diese Unebenheiten, diese Stellen, die sich... anders anfühlten. Fester, unflexibler. Aber... sie war zu erschöpft, um viel darüber nachzudenken.
Er fand seine Stimme wieder. Ja, Eowyn hatte geahnt, dass Ian auch nicht schlafen konnte... besonders in der letzten Nacht nicht. Aber er klang zuversichtlich und stark, so, wie sie ihn eben kannte. Es war... schön, dass er so nahe bei ihr war, unglaublich schön, und gleichzeitig aber... erschreckend. Sie war so kurz davor gewesen, ihn zu verlieren, mehrmals - einerseits auf Bastion, andererseits an die Herzinfarkte. Dass er nun hier war, war das reinste Wunder, und Eowyn wagte nicht zu glauben, dass es dabei blieb, aus so, so vielen Gründen. Wie hoch war schon die Wahrscheinlichkeit? Wie groß waren die Chancen, dass er erneut einen Infarkt bekam? Wie groß die, dass sie nicht mehr zueinander finden würden? Wie groß war die Möglichkeit, dass er, entgegen seiner jetzigen Aussagen, sie nicht mehr würde lieben können, jetzt, wo sie nicht mehr sie war? Und wie groß die Chance, dass er nicht damit klarkam, was mit ihr auf Bastion geschehen war - und wofür sie sich beim Verhör entschieden hatte? Da waren so, so viele Gründe, dass er bald nicht mehr bei ihr sein würde, so viele, und doch... wie sollte sie klarkommen ohne ihn, ohne ihren Anker, ohne die Person, die sie auf Bastion einerseits zwar vielleicht mit gebrochen, aber andererseits dafür am Leben gehalten hatte?
Ich auch, kam rau aus ihrem geplagten Hals, ich auch - ich will es so sehr, Ian, ich will unbedingt, und... aber... Zu viel. Es war alles zu viel, alles zusammen, Elise hatte so recht gehabt - sie war nicht leer, sie war zu viel, und dieses "zu viel" in ihr brach nun, nach diesem furchtbar anstrengenden Vormittag, nach gestern erneut aus ihr heraus. Ein Aufschluchzen brach sich Bahn, halb Schrei, halb Weinen, während Eowyns Kopf nach vorne fiel, Richtung Ians Brust, und ihre rechte Hand an seinen Rücken hinabfuhr. Nun weinte sie wirklich, nicht tonlos, nicht unauffällig, sondern schluchzend, mit bebenden Schultern, während sie sich mit einer Wange an Ian presste, als würde er sich in der nächsten Sekunde in Luft auflösen. Bleib bei mir, Ian, flehte sie ihn an, und es war ihr egal, wie mitleiderregend es klingen musste, wie miserabel und wie erbärmlich. Bleib bei mir. Bleib bei mir. Sie hatte ihre schluchzende, oft laute und flehende Stimme nicht mehr unter Kontrolle, und auch nicht mehr das, was sie sagte. Überhaupt nicht mehr. Ich habe gelogen. Es ist nicht in Ordnung, falls du deinen Ring zurück willst, es ist nicht in Ordnung, falls du gehst, ich will nicht, dass du gehst, niemals, und sie... sie ist nicht weg, Ian, sie war nur... versteckt, du hattest die ganze Zeit recht, Elise hat sie gefunden, und... ich bin nicht mehr wie früher, trotzdem nicht, ich bin hässlich, ich bin gelähmt, ich bin kaputt, eine Mörderin, eine Kriegstreiberin, sie spuckte die Worte beinahe aus, aber... bleib bei mir, Ian, ich bitte dich, ohne dich, ich... ich bin erbärmlich, ich bin schwach, und du wirst mich vielleicht hassen, wenn ich mehr rede, mehr erzähle, von dort, aber... BITTE Ian - gib mir diese Chance, bleib bei mir!!! Sie brauchte ihn, so sehr, und wenn er erst einmal nur aus Mitleid bei ihr blieb - dann war es so. Sie würde irgendwie damit klarkommen. Oder es später lösen. Aber jetzt, jetzt... Jetzt brauchte sie ihn einfach nur. Weil sie nicht mehr konnte. Weil alles viel zu viel war, weil die ganze Galaxis Dinge von ihr wollte, alle möglichen Leute, ohne, dass sie selbst überhaupt wusste, wer sie eigentlich war, ohne, dass sie eine Chance gehabt hatte, zu heilen. Sie war völlig hilflos, völlig alleine, und wenn sie Ian jemals wirklich gebraucht hatte - dann jetzt.
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Ian
Der Kuss intensivierte sich. Es war noch immer kein fordernder Kuss, kein impulsiver, verlangender, alles vergessender, leidenschaftlicher Kuss, aber ein Kuss, der dafür umso mehr bedeutete. Eowyn hatte beinahe das Gefühl, Ian zum ersten Mal zu küssen, und in gewisser Weise war es auch so. Diese Eowyn und dieser Ian küssten sich gerade zum ersten Mal, versuchten herauszufinden, wo sie standen, was funktionierte, was nicht - was sie spürten, und vielleicht, was sie dem anderen bedeuteten. Das kleine Flattern in Eowyns Bauch war noch immer vorhanden, und es traute sich sogar, ein kleines bisschen zu wachsen, sich auszubreiten und vorsichtig Luft zu holen.
Sie spürte Ian. Sie spürte ihn. Er war wirklich und wahrhaftig da, und beinahe hätte sie sich fallen lassen, ihre Barriere aufgegeben und ihren Geist geöffnet, um Ian noch näher zu sein, aber sie hielt sich rechtzeitig zurück. Nein. Sie war nicht so weit - und vor allem wollte sie nicht, dass Ian etwas mitbekam, von dem sie nicht wollte, dass er es erfuhr. Auf jedenfall nicht heute.
Ian löste sich schließlich wieder, vorsichtig, nur ein kleines bisschen, war ihrem Gesicht immer noch nahe, und strich über ihre Wangen. Sie waren nass... sie hatte geweint. Und für eine Sekunde war Eowyn wieder weg, auf Bastion, im Verhörraum - wo ihr Thanatos ebenfalls die Tränen aus dem Gesicht wischte, kurz bevor... sie zuckte zusammen, presste die Lippen aufeinander, ließ ihre Augen weiterhin geschlossen, zwang sich aber dazu, Ian nicht wegzustoßen, im Gegenteil - ihn mit ihrer noch bandagierten Hand am Hinterkopf festzuhalten, sollte er sich lösen wollen. Sie wollte das hier. Sie wollte das hier so sehr, das hier... war richtig, und alles andere... war so falsch, so falsch...
Tief atmete sie durch, öffnete ihre Augen und verdrängte auch die Scham darüber, dass Ian zum ersten Mal wirklich über ihre Narben auf ihrem Gesicht strich. Sie spürte es genau, diese Unebenheiten, diese Stellen, die sich... anders anfühlten. Fester, unflexibler. Aber... sie war zu erschöpft, um viel darüber nachzudenken.
Er fand seine Stimme wieder. Ja, Eowyn hatte geahnt, dass Ian auch nicht schlafen konnte... besonders in der letzten Nacht nicht. Aber er klang zuversichtlich und stark, so, wie sie ihn eben kannte. Es war... schön, dass er so nahe bei ihr war, unglaublich schön, und gleichzeitig aber... erschreckend. Sie war so kurz davor gewesen, ihn zu verlieren, mehrmals - einerseits auf Bastion, andererseits an die Herzinfarkte. Dass er nun hier war, war das reinste Wunder, und Eowyn wagte nicht zu glauben, dass es dabei blieb, aus so, so vielen Gründen. Wie hoch war schon die Wahrscheinlichkeit? Wie groß waren die Chancen, dass er erneut einen Infarkt bekam? Wie groß die, dass sie nicht mehr zueinander finden würden? Wie groß war die Möglichkeit, dass er, entgegen seiner jetzigen Aussagen, sie nicht mehr würde lieben können, jetzt, wo sie nicht mehr sie war? Und wie groß die Chance, dass er nicht damit klarkam, was mit ihr auf Bastion geschehen war - und wofür sie sich beim Verhör entschieden hatte? Da waren so, so viele Gründe, dass er bald nicht mehr bei ihr sein würde, so viele, und doch... wie sollte sie klarkommen ohne ihn, ohne ihren Anker, ohne die Person, die sie auf Bastion einerseits zwar vielleicht mit gebrochen, aber andererseits dafür am Leben gehalten hatte?
Ich auch, kam rau aus ihrem geplagten Hals, ich auch - ich will es so sehr, Ian, ich will unbedingt, und... aber... Zu viel. Es war alles zu viel, alles zusammen, Elise hatte so recht gehabt - sie war nicht leer, sie war zu viel, und dieses "zu viel" in ihr brach nun, nach diesem furchtbar anstrengenden Vormittag, nach gestern erneut aus ihr heraus. Ein Aufschluchzen brach sich Bahn, halb Schrei, halb Weinen, während Eowyns Kopf nach vorne fiel, Richtung Ians Brust, und ihre rechte Hand an seinen Rücken hinabfuhr. Nun weinte sie wirklich, nicht tonlos, nicht unauffällig, sondern schluchzend, mit bebenden Schultern, während sie sich mit einer Wange an Ian presste, als würde er sich in der nächsten Sekunde in Luft auflösen. Bleib bei mir, Ian, flehte sie ihn an, und es war ihr egal, wie mitleiderregend es klingen musste, wie miserabel und wie erbärmlich. Bleib bei mir. Bleib bei mir. Sie hatte ihre schluchzende, oft laute und flehende Stimme nicht mehr unter Kontrolle, und auch nicht mehr das, was sie sagte. Überhaupt nicht mehr. Ich habe gelogen. Es ist nicht in Ordnung, falls du deinen Ring zurück willst, es ist nicht in Ordnung, falls du gehst, ich will nicht, dass du gehst, niemals, und sie... sie ist nicht weg, Ian, sie war nur... versteckt, du hattest die ganze Zeit recht, Elise hat sie gefunden, und... ich bin nicht mehr wie früher, trotzdem nicht, ich bin hässlich, ich bin gelähmt, ich bin kaputt, eine Mörderin, eine Kriegstreiberin, sie spuckte die Worte beinahe aus, aber... bleib bei mir, Ian, ich bitte dich, ohne dich, ich... ich bin erbärmlich, ich bin schwach, und du wirst mich vielleicht hassen, wenn ich mehr rede, mehr erzähle, von dort, aber... BITTE Ian - gib mir diese Chance, bleib bei mir!!! Sie brauchte ihn, so sehr, und wenn er erst einmal nur aus Mitleid bei ihr blieb - dann war es so. Sie würde irgendwie damit klarkommen. Oder es später lösen. Aber jetzt, jetzt... Jetzt brauchte sie ihn einfach nur. Weil sie nicht mehr konnte. Weil alles viel zu viel war, weil die ganze Galaxis Dinge von ihr wollte, alle möglichen Leute, ohne, dass sie selbst überhaupt wusste, wer sie eigentlich war, ohne, dass sie eine Chance gehabt hatte, zu heilen. Sie war völlig hilflos, völlig alleine, und wenn sie Ian jemals wirklich gebraucht hatte - dann jetzt.
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Ian



