Cranan 12

Ivor Karn

thug life
Cranan 12
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[ Infos zum Planeten: Cranan 12 (engl.) ]

[ Zugehörigkeit: Neutral ]
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Namhafte Lokalitäten
Guildspine - Die graue Hauptsiedlung des Planeten, halb Minenverwaltung, halb Frachtdrehscheibe. Ein Ort aus Förderquoten, Sirenen, Staub und Männern in zu sauberen Mänteln, die nie selbst unter Tage gehen.

Inducement Plaza
Ein sarkastischer Spitzname für den Verwaltungsbezirk, in dem Gildenvertreter, Zwischenhändler und lokale Funktionäre Geschäfte „aushandeln“. Der Name spielt auf die Mischung aus Anreizen und Drohungen an, mit der der Planet seit jeher gelenkt wird.​
Dustmarket
Ein improvisiertes Viertel aus Bars, Ersatzteilhändlern, Schrotthöfen und Schlafkojen. Wer dort arbeitet, verkauft Erzproben, Werkzeuge, Medikamente, gefälschte Papiere oder Informationen darüber, welcher Aufseher gerade Schulden hat.​
Red Marker Station
Eine abgelegene Bahnstation für Förderzüge und schwere Erztransporte. Der Ort ist klein, windig und unerquicklich, aber genau deshalb ideal für diskrete Übergaben, stille Entsorgungen und Treffen, die besser in keinem Logbuch auftauchen.​
Haven 9
Ein heruntergekommener, überraschend beliebter Arbeiterbezirk am Rand der Industriezone. Billige Schlafkapseln, laute Kantinen, Schlägereien nach Schichtende und genau die Sorte Bars, in denen man in einer Nacht mehr über Cranan 12 erfährt als aus jedem offiziellen Bericht.​

Black Vein Basin - Ein riesiges Tagebaugebiet, dessen Gestein von dunklen Erzadern durchzogen ist. Der Name klingt poetisch, ist aber bloß Arbeiterhumor für ein Loch, das täglich weitere Leben, Maschinen und Jahre frisst.

Crystal Gate - Ein Kontroll- und Zollbezirk am Rand der großen Frachtrouten. Offiziell sorgt man hier für Sicherheit entlang der Crystal Passage. Inoffiziell entscheidet sich hier, welche Ladung sauber registriert wird und welche mit ein paar Credits plötzlich unsichtbar werden kann.

Excarga Yard - Das größte Verladefeld in Orbitnähe, benannt nach der Route, über die der meiste Reichtum den Planeten verlässt. Hier stehen Erzcontainer wie Häuserblocks, und alles riecht nach heißem Metall, Treibstoff und Schweiß.

The Smelter Rows - Ein endloser Gürtel aus Raffinerien, Schmelzöfen und Abgasfahnen außerhalb der Hauptsiedlung. Tagsüber flimmert die Luft, nachts leuchtet der Horizont wie ein schmutziger Sonnenaufgang.

The Twelve Shafts - Ein alter Sammelbegriff für den historischen Kern der Abbauzonen. In der Praxis meint jeder damit etwas anderes: Förderkomplexe, Schächte, Arbeiterquartiere oder das ganze vernarbte Herz des Planeten.
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Besonderheiten
Cranan 12 liegt im Äußeren Rand, im Arkanis-Sektor des Cranan-Systems, entlang der Crystal Passage, und gilt als terrestrische Welt, deren wirtschaftlicher Wert ganz aus ihren Erz- und Mineralvorkommen erwächst. Der Planet war einst wohlhabend und produktiv, zugleich jedoch eng in die Interessen der Minengilde eingespannt: Im Arkanis-Sektor war Cranan 12 die einzige Welt, die von ihr direkt kontrolliert und ausgebeutet wurde, während ein Großteil der Lieferungen über die Cranan-Excarga-Route nach Excarga ging. Dadurch haftet dem Planeten der Charakter eines prosperierenden, aber fremdbestimmten Rohstoffstandorts an — eines Ortes, dessen Reichtum in Förderanlagen, Frachtrouten und Abhängigkeiten gebunden ist. Die Minengilde selbst reicht bis in die Frühzeit der Raumfahrt zurück, war unter der Republik eine der großen quasi-politischen Handelsmächte, überstand die zahlreichen Kriege der Galaxis und blieb auch unter dem Galaktischen Imperium eigenständig genug, um als Lieferant strategischer Rohstoffe weiterzumachen.
 
/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Guildspire ʭ Ivor Karn und Beewohner \\\

Wenn Cranan 12 ein Herz besaß, dann schlug es tief unter der Kruste, eingeklemmt zwischen Förderbohrern, hydraulischen Pressen und den schmutzigen Gebeten jener Arbeiter, die jeden Morgen mit Staub in den Augen und Metallgeschmack auf der Zunge erwachten. An der Oberfläche blieb davon nur ein grauer Puls aus Sirenen, Abgasfahnen und endlosen Güterzügen, die sich durch die Industrieebenen fraßen wie eiserne Würmer durch faulendes Fleisch. Über Guildspine hing der Himmel in der Farbe alter Asche, niedrig, schwer und vom permanenten Glimmen der Schmelzöfen entzündet, als habe jemand den Horizont in Brand gesetzt und anschließend vergessen, das Feuer wieder zu löschen. Darüber hingen, fast schon verhöhnend, die riesigen Darius-G-Klasse Frachter der Minengilde, welche die aus der porösen und stark perforierten Kruste des Planeten herausgebrochenen Schätze in die Galaxis transportierten.
Die Hauptsiedlung des Planeten war halb Verwaltungsapparat, halb Frachtnarbe, ein Ort, an dem selbst der Regen schmutzig fiel und auf den Panzerplatten der Gehwege ölige Schlieren hinterließ. Tagsüber krochen Kolonnen aus Arbeitern aus den Wohnblöcken von Haven 9 in Richtung The Smelter Rows, eingepackt in billige Atemfilter, geflickte Thermojacken und jene stumme Erschöpfung, die ein Wesen bekam, wenn sein Leben in Schichten, Quoten und Lohnabzügen gemessen wurde. Nachts fraßen sich die Neonreklamen des Dustmarket durch den Staub, in kranken Farben, die auf rostigen Fassaden flackerten und Dinge versprachen, die auf Cranan 12 immer teurer waren als angegeben: Schlaf, Rausch, Wärme, Medizin, Vergessen.


Ivor Karn hatte in diesem Drecksloch inzwischen vier Wochen verbracht. Vier Wochen waren auf einem Planeten wie diesem genug, um den Husten der Arbeiter von den Lügen der Aufseher unterscheiden zu lernen. Genug, um zu wissen, welcher Sicherheitsmann am Crystal Gate seine Mutter in einem Pflegehabitat auf Arkanis finanzierte, welcher Zwischenhändler am Inducement Plaza seine Bestechungsgelder in Glücksspielchips verwandelte und welcher Bahnmeister an der Red Marker Station jeden dritten Förderzug zehn Minuten zu früh aus dem System loggte. Genug, um aus einem Auftrag eine Untersuchung zu machen und aus einer Untersuchung eine Liste von Namen, Schulden, Gewohnheiten, Angstreaktionen und gebrochenen Versprechen. Er war als Vollstrecker gekommen, mit einem Black-Sun-Auftrag im Gepäck und genug Feuerkraft im Mantel, um aus einem Missverständnis ein lokales Ereignis zu machen. Geblieben war er als Detektiv, widerwillig, schlecht gelaunt und mit jener besonderen Sorte Geduld, die nur Wesen besaßen, die gelernt hatten, dass Gewalt oft am besten wirkte, wenn sie noch im Raum stand und lächelte.

„Vier Wochen für ein verschwundenes Paket“, hatte er am Morgen in den beschlagenen Spiegel seiner Schlafkapsel in Haven 9 geknurrt, während das rote Licht seines Kyberauges zwischen Rostflecken und alten Rasierklingen reflektierte. „Ich werde langsam häuslich. Jemand erschießt mich besser, bevor ich Vorhänge kaufe.“

Niemand hatte gelacht. In den Nachbarkapseln hatten zwei erschöpfte Minenarbeiter geschnarcht, ein Rodianer hatte in ein Tuch gehustet, und irgendwo hinter der Wand hatte eine defekte Heizleitung geklungen wie ein sterbendes Ronto. Ivor hatte trotzdem mit einem müden Grinsen seine Reißzähne präsentiert. Manche Witze waren für die Galaxis gedacht. Andere nur für das eigene Überleben.

Jetzt stand er im Dustmarket, dort, wo die Hauptstraße aus aufgeplatztem Ferrobeton zwischen Ersatzteilbuden, Imbissständen und illegalen Medkiosken hindurchführte, und ließ den Blick über eine Menge gleiten, die zu müde war, um neugierig zu wirken, und zu arm, um ungefährlich zu sein. Sein Kamm ragte über die meisten Köpfe hinweg, knapp über zwei Meter Raubtierkontur unter einem Mantel, dessen Säume vom Säureregen ausgefranst waren. Aschgraue Schuppen zogen sich über seine breite Schnauze, von Narben und alten Brandstellen unterbrochen, während sein organisches Auge in einem matten Orangegelb brannte. Das andere Auge glühte rot in der zerfurchten linken Gesichtshälfte, wo Metall, Kunstnerven und grob eingesetzte Panzersegmente die Erinnerung an einen Thermaldetonator zusammenhielten. Der Cyber-Scanner-Arm an seiner rechten Seite tickte leise, als die Sensoren durch das Gewühl tasteten. Billige Implantate in einer billigen Welt. Es passte zu Cranan 12 wie Dreck unter Fingernägeln. An einem Stand verkaufte eine alte Weequay-Frau aufbereitete Atemfilter, deren Dichtungen so porös wirkten, dass selbst Optimismus hindurchsickern würde. Daneben feilschten zwei Nautolaner um gefälschte Schichtmarken für The Twelve Shafts, während ein Mensch mit glasigem Blick kleine Ampullen gegen Schmerzen anbot, die garantiert halfen, solange man weder Leber noch Zukunft brauchte. Über allem hing der Geruch von altem Frittieröl, heißen Kabeln, nassem Staub, billigem Schnaps und Erzpartikeln, die in jede Falte krochen und den Leuten langsam beibrachten, wie es sich anfühlte, von innen zu rosten.

Seine organischen wie kybernetischen Augen glitten über verschiedene Läden, während er seine Kontakte mental durchging. Da war
Vexa Brill, eine falleenische Barkeeperin aus Haven 9, deren Lächeln sanft genug war, um Männer zum Reden zu bringen, und deren Gedächtnis schärfer arbeitete als jede Kamera im Gildenbezirk. Da war Toorn Pakk, ein Ughnaught-Schrotthändler am Rand des Dustmarket, der angeblich alles besorgen konnte, solange es irgendwann einmal Schrauben besessen hatte. Da war Myr Vanthe, eine menschliche Zollschreiberin am Crystal Gate, deren Loyalität zur Mining Guild immer exakt bis zur nächsten unbezahlten Glücksspielschuld reichte. Und da war Galdren Zoska, Bahnaufseher der Red Marker Station, ein Twi'lek mit schlechten Zähnen, guten Ohren und der Angewohnheit, bei jedem Satz so zu schwitzen, als stünde sein eigener Name bereits auf einem Leichenschein. Aus solchen Leuten baute man auf Cranan 12 Wahrheit. Aus Feigheit, Gier, Sehnsucht, verletztem Stolz und der gelegentlichen Drohung, jemandem das Leben mit einem Lächeln aus den Gelenken zu drehen.

Die verschwundene Fracht war aus dem Excarga Yard gekommen, offiziell eine Reihe falsch verbuchter Erzcontainer, inoffiziell ein Black-Sun-Paket, dessen Inhalt auf keinem Manifest stand und dessen Wert hoch genug war, dass drei Männer inzwischen tot, zwei Datensätze gelöscht und ein Sicherheitsdroide der Mining Guild in Einzelteilen im Abwasserkanal unter The Smelter Rows gelandet war. Der Auftrag war simpel formuliert gewesen: Fracht finden, Beteiligte identifizieren, Schaden begrenzen. Simpel formulierte Aufträge hatten in Ivors Erfahrung dieselbe Verlässlichkeit wie gebrauchte Thermaldetonatoren. Am ersten Tag hatte er geglaubt, irgendein lokaler Frachtdieb habe sich übernommen. Am siebten Tag roch es nach einem internen Leck am Crystal Gate. Am vierzehnten Tag führte die Spur zu einem Zwischenkonto am Inducement Plaza, sauber genug gewaschen, dass nur jemand mit Verwaltungszugang den Dreck darunter hätte verbergen können. Am einundzwanzigsten Tag tauchte eine medizinische Lieferung in Haven 9 auf, bezahlt mit Credits, die aus genau jener verschwundenen Frachtkette stammten. Am achtundzwanzigsten Tag hatte Ivor begriffen, dass jemand die Ware genutzt hatte, um Arbeiterquartiere zu versorgen, Streikzellen zu bewaffnen und Transportpässe für Familien zu kaufen, die aus den Schächten verschwinden wollten, bevor die nächste Quote sie endgültig verschluckte. Das machte die Sache ärgerlich.

Schuldige mit guten Gründen waren die schlimmsten. Sie redeten zu viel, starben schlecht und ließen einem am Ende Gedanken zurück, die sich mit Schnaps allein kaum vertreiben ließen. Ein Hologramm flackerte über einem nahen Verwaltungsmast auf und zeigte das Emblem der Mining Guild, flankiert von einer sanften Frauenstimme, die eine Erhöhung der Sicherheitsstufe im Black Vein Basin als Maßnahme zum Schutz der Arbeitsgemeinschaft bezeichnete. Unten auf der Straße spuckte ein alter Nikto in den Staub. Ein Kind mit zu großen Augen sammelte leere Nährpastebehälter aus einer Rinne, während zwei private Sicherheitskräfte der Gilde vorbeimarschierten, sauber gepanzerte Stiefel, saubere Blaster, saubere Gesichter hinter verspiegelten Visieren. Alles an ihnen sah aus, als wäre es gerade erst ausgepackt worden. Alles um sie herum sah aus, als wäre es schon vor Jahren weggeworfen worden.
Ivor zog den Mantel enger um die Flakweste und ließ die Metallfinger seiner rechten Hand einmal knacken. Das Geräusch ging im Dröhnen eines startenden Erztransporters beinahe unter.

„Na schön, Cranan“, murmelte er und setzte sich in Bewegung. „Zeig mir, wo du deine Leichen versteckst. Ich habe heute gute Schuhe an.“

Sein Ziel lag jenseits des Dustmarket, draußen bei der Red Marker Station, wo die Förderzüge aus The Twelve Shafts kurz hielten, bevor sie Richtung Excarga Yard weiterliefen. Voss hatte endlich geredet. Eine Übergabe sollte stattfinden, spät in der Schichtpause, zwischen zwei Transportfenstern, in einem Wartungstunnel unter Gleis Drei. Angeblich brachte jemand eine Datenspule mit, auf der die echten Frachtumleitungen verzeichnet waren. Angeblich wollte dieser Jemand nur Credits und sichere Passage. Angeblich hatte die Mining Guild keine Ahnung. Ivor glaubte an "angeblich" ungefähr so fest wie an günstige Kybernetik mit lebenslanger Garantie.
Der Weg zur Station führte durch ein Viertel, das auf keiner touristischen Karte existiert hätte, sofern Cranan 12 überhaupt Touristen gesehen hätte, die ihre eigenen Organe behalten wollten. Schlafbaracken standen dort in Reihen wie Strafblöcke, aus dünnem Plasteel, innen feucht vom Atem zu vieler Körper, außen verkrustet vom Staub der Raffinerien. Zwischen ihnen hingen Kabelbündel wie schwarze Lianen. Aus offenen Türen drang das Klappern billiger Geschirrbleche, das Husten von Kindern, das Murmeln alter Holoübertragungen und der Streit von Leuten, denen die Kraft für echte Wut längst fehlte. Über einer Kantine blinkte ein Schild, auf dem ein lächelnder Droide eine dampfende Mahlzeit präsentierte. Darunter löffelten Arbeiter graue Brühe aus Schalen, deren Rand bereits abgeschlagen war. Der Thuggatoris sah hin, länger als er wollte. Vielleicht, weil er aus solchen Rändern kam. Vielleicht, weil jeder Planet seine eigene Art hatte, Wesen klein zu machen. Vielleicht, weil
Dravin Ryk’sa in manchen Nächten mit derselben brüchigen Hilflosigkeit in seinem Stuhl saß wie diese Leute in ihren Kantinen, und Ivor für einen Moment daran erinnert wurde, dass man manche Schulden in keinem System sauber ausbuchen konnte.

Dann vibrierte sein Comlink. Das Signal kam verschlüsselt, dreifach umgeleitet, mit einem Black-Sun-Schlüssel, der alt genug war, um beleidigend zu wirken.
Ivor nahm den Anruf an, ohne stehen zu bleiben.

Eine verzerrte Stimme legte sich in sein Ohr.
„Krayt. Dein Zeitfenster schließt sich. Die Fracht interessiert inzwischen höhere Ebenen.“

„Höhere Ebenen“, knurrte Ivor. „Klingt nach Leuten, die lange genug oben waren, um Höhenangst verdient zu haben.“

„Du wurdest geschickt, um ein Problem zu lösen.“

„Ich löse gerade fünf. Eins davon redet mit mir.“

Ein kurzes Schweigen. Dann: Bring die Ware zurück. Die Umstände sind zweitrangig.“

Der hünenhafte Reptiloide trat über eine Pfütze, in der sich das rote Glimmen seines Kyberauges spiegelte. Für einen Moment sah es aus, als würde etwas Kleines und Böses aus dem Wasser zurückstarren.

„Klar“, sagte er. „Und falls die Umstände anfangen zu schreien?“

„Dann sorg dafür, dass sie leiser werden.“

Die Verbindung brach jäh ab. Ivor blieb erst an der nächsten Kreuzung stehen. Vor ihm ragten die Transportmasten der Red Marker Station aus dem Dunst, schmal, windschief und von Warnlichtern gesäumt, während hinter ihnen die Gleise in Richtung Black Vein Basin liefen, hinaus zu jenem gigantischen Loch, das täglich Maschinen, Knochen und Lebensjahre fraß. Ein Förderzug donnerte in der Ferne über eine Brücke, beladen mit dunklem Erz, das im Licht der Raffinerien wie geronnenes Blut glänzte. Er schob eine CryoBan-Granate tiefer in die Manteltasche, prüfte mit dem Daumen den Sitz der Unterarm-Vibroklinge und ließ den EE-4 Karabiner unter dem Stoff ein Stück gegen den Riemen gleiten. Sein Grinsen kam langsam, breit und hässlich, ein Raubtierausdruck mit zu viel Humor darin.

„Leiser werden“, wiederholte er die Stimme nachäffend und ging auf die Station zu. „Immer dieselbe Musik. Keiner fragt je, ob ich tanzen kann.“

Am Eingang der Red Marker Station standen zwei Gildensöldner unter einem flackernden Heizpilz und versuchten so auszusehen, als hätten sie den Wind, den Staub und die Langeweile unter Kontrolle. Der eine legte die Hand an den Blaster, als er Ivor kommen sah. Der andere erkannte ihn früher. In seinem Helm spiegelte sich der rote Punkt des Kyberauges.

„Karn“, sagte er, und der Name klang in seinem Mund wie eine schlechte Nachricht.

Ivor blieb vor ihnen stehen, groß genug, breit genug und schmutzig genug, um den ganzen Eingang wie eine persönliche Beleidigung wirken zu lassen. Aus dem Inneren der Station wehte kalte Luft, vermischt mit Ozon, Schmierfett und dem metallischen Kreischen alter Bremsen. Irgendwo unter Gleis Drei wartete ein Informant mit einer Datenspule. Irgendwo in den Schatten wartete garantiert jemand mit einer Waffe. Und irgendwo zwischen Fracht, Aufstand, Syndikat und Gilde lag die Wahrheit, eingewickelt in so viele Lügen, dass sie beinahe nach Heimat roch.


Ivor Karn zeigte mit einem Grinsen den beiden Wachen seine Zähne.

„Jungs“, sagte er freundlich, beinahe jovial, „ich bin wegen der Führung hier. Man sagte mir, Cranan 12 hätte unterirdisch einiges zu bieten.“

Der Söldner mit der Hand am Blaster schluckte. Ivor beugte sich ein wenig vor, gerade weit genug, dass das rote Auge in dessen Visier brannte.

„Entspannt euch. Wenn heute alles glattläuft, müsst ihr nur so tun, als hättet ihr mich nie gesehen.“ Sein rechter Arm surrte, als die Metallfinger sich öffneten und wieder schlossen. „Und falls es schiefgeht“, fügte er hinzu, während hinter ihm ein neuer Förderzug durch den Staub heranbrüllte, „habt ihr wenigstens eine verdammt gute Geschichte für die Cantina.“

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