Die Idolon Flotte | 1
Mile Toral als junger Lieutenant | Halloween-Special 2017 2018 | PSW-Kanon | Charaktervorgeschichte
„Rückfall in den Normalraum besteht bevor. T- 5 Minuten.“ Meldete der junge Leutnant Toral von der Navigationskonsole ohne eine Spur von Hektik in seiner Stimme. Der alte Commander brummte nur zur Antwort ein „Danke“, während der erste Offizier, Lt. Commander Dorn Rey seine Stoppuhr startete, als Mile seine Meldung beendet hatte. Ein unangenehmes Gefühl machte sich in dem jungen Offizier breit, der auf diesem Schiff die Navigationsabteilung leitete. Es wurde nicht dadurch leichter, dass Rey direkt hinter ihm stand und er seinen warmen Atem im Nacken spürte. „T -4 Minuten“, meldete Mile erneut, der nur ein abfälliges Schnauben seitens des älteren ersten Offiziers als Antwort bekam „4 Sekunden zu spät, Lieutenant. Das ist inakzeptabel.“ „Ja, Sir!“ entgegnete Mile in einem neutralen Tonfall, der seinen Unmut nicht zum Ausdruck brachte. „Rey, lassen sie gut sein“, brummte Cal Damaris, seines Zeichen Commander und schon Teil des Inventars, der jedoch selten bei solchen Aussagen darauf achtete, dass sie auch langfristig durchgesetzt wurden. Commander Damaris war schon Teil des Schiffes als es gebaut wurde – zumindest munkelte man das – und damals flog das Schiff noch unter Alt-republikanischer Flagge. Mittlerweile stellte niemand diese Tatsache in Frage und es wurde oft genug gescherzt, dass Cal Damaris sogar ein Geist war, der sich nicht vom Diesseits und seiner geliebten Deliverance, einem Carrack-Kreuzer im Dienste seiner Majestät, trennen konnte. Dorn Rey bestätigte die Anweisung seines Commanders nicht und ließ seine Taschenuhr weiterlaufen. „Die restliche Mannschaft soll auf die Stationen. Bemannt die Turbolaser und die Sternjäger.“
„Jawohl, Commander“, bestätigte diesmal Dorn Rey das Gesagte und entfernte sich etwas von Mile, um den entsprechenden Befehl zu geben: „Gefechtsalarm!“ brüllte der strenge erste Offizier und die Brückencrew setzte den Befehl sofort in die Tat um. Diesmal startete, zu Miles Glück, Rey seine Taschenuhr neu, um diesmal die Leistung der Crew zu überprüfen. „Ankunft in 3 Minuten“, stellte Mile vor seiner Konsole sitzend fest, etwas entspannter, da Dorn Rey nicht in unmittelbarer Nähe war, aber dennoch so konzentriert, wie es seine Arbeit von ihm verlangte.
„Waffenstationen und Sternjäger sind besetzt“, kam die Meldung von den entsprechenden Stationen.
„10 Sekunden langsamer als beim letzten Mal“, verbreitete Rey seine schlechte Laune auf der Brücke und Mile gestatte sich einen Blick zu seinem Kameraden an der Feuerleitstation, der sich unwillkürlich angespannt hatte – diesmal stand Dorn Rey hinter ihm. Die nächsten drei Minuten geschah nichts weiter Spektakuläres und die Deliverance fiel ohne große Vorkommnisse in den Normalraum zurück. Die Sensorik meldete keinerlei feindliche Schiffe vor Ort und ansonsten war auch alles ruhig. „Ist die Deliverance klar zum Gefecht?“ fragte der bärtige Commander seinen ersten Offizier. Dieser salutierte und meldete: „Die Deliverance ist bereit und erwartet ihre Befehle!“
„Sehr gut, suchen wir uns nun ein Versteck. Der Konvoi sollte bald vor Ort erscheinen.“ befahl der Commander seelenruhig. Dorn Rey machte aus diesem Befehl etwas ganz anderes, fast schon bedrohliches als er sprach: „Navigation. Halbe Kraft voraus, verstecken wir uns hinter Onith-wesk-yrt-nern-5486.“ Damit meinte er den größten Asteroiden in der näheren Umgebung. „Halbe Fahrt voraus, setze Kurs. Geschätzte Ankunftszeit in …“ Mile gab die entsprechenden Befehle in die Konsole ein und seine Finger huschten über die Tastatur: „4 Minuten.“ Er hörte das charakteristische Klicken, als die Taschenuhr wieder ansprang und ein leichtes Ziehen manifestierte sich in dem Magen des jungen Lieutenants und zeigte sich auch in seinem Gesicht, als er seine Mundwinkel genervt verzog. „Mr. Strax, geben sie halbe Fahrt voraus“, befahl Mile dem Steuermann, einen etwas älteren Petty Officer, der dies bestätigte und das Schiff anschließend langsam Fahrt aufnahm.
„Starten sie die TIE, sie sollen die Gegend auskundschaften“, kam ein erneuter Befehl des Commanders, der die Befehlskette durchlief, um dann in einer Erschütterung, die das ganze Schiff erfasste zu enden, als die Raumjäger sich von den Andockklammern trennten und in Richtung des Asteroiden flogen. Dort angekommen ließ Mile das Schiff vorsichtig an anderen Asteroiden vorbei manövrieren, während die Lasergeschütze gefährliche Brocken anvisierten und zerstörten.
„Geschätzte Ankunftszeit des Geleitzuges in 30 Standardminuten.“ meldete der erste Offizier an den Commander.
„Richten sie die Deliverance aus. Danach in den Schleichmodus übergehen. Öffnen sie außerdem einen Kanal an die Mannschaft!“ entgegnete der Kapitän. Mile begann schon mit der Umsetzung der Befehle, während Dorn Rey sie schon an ihn weitergab. Währenddessen tönte die voluminöse Stimme des Commanders durch das ganze Schiff:
„Alle mal herhören. Wir sind jetzt in Position und erwarten Zusammentreffen mit dem Feind um 1600. Ende.“
„Deliverance in Position und Maschinen auf Leerlauf“, meldete Mile dem imperialen Protokoll entsprechend.
„Jetzt heißt es warten, lassen sie die TIEs zurrückkehren“, brummte Commander Damaris, „Gibt es Hinweise über die verbündeten Handelsstörer?“, fragte er weiter.
„Nein, Sir. Kein Hinweise, aber das hat nichts zu sagen …“, meldete der Offizier an der Kommunikation.
„Ja, ja ich weiß Funkstille.“ entgegnete der Commander des Kreuzer mürrisch und murmelte noch hinter her: „hoffentlich sind wir nicht das einzige Schiff hier …“
Mile schluckte, da er doch nah genug saß, um die gemurmelten Worte seines Commanders zu hören. Es war geplant, dass sich einige weitere Carrack-Kreuzer hier sammeln sollten, doch konnte man durch die befohlene Funkstille nicht sagen, ob sie es bisher geschafft hatten. Allein wäre ihre Mission ein Selbstmordkommando. Die Zeit bis zur Ankunft des Konvois verging so zäh, wie die Schleimspur eines Hutten. Die Ventilation auf der Brücke schaffte es nicht die komplette Wärme abzuleiten und Mile musste sich oft den Schweiß von der Stirn wischen. Doch das Warten hatte jäh ein Ende, als auf einmal mehrere Lichtblitze die Brücke erhellten.
„Mehrere aufkommende Schiffe. Identifikation steht noch aus“, kam der Ruf von der Sensorik und der erste Offizier brummte: „Die Bastarde sind zu früh, dass muss die Vorhut sein, bleiben sie auf passiver Sensorik.“
Cal Damaris ging ein paar Schritte in Richtung des Sichtfensters und zog nachdenklich seine Stirn kraus. „Sehen sie das, Dorn? Die Silhouette ähnelt corellianischen Schiffen. Was meinen sie? CR90 oder CR90a?“
Auch Lt. Commander Rey folgte nun seinem Vorgesetzten und blickte aus dem Fenster hinaus während er nachdenklich die Schiffe draußen musterte. „Möglich. Hoffen wir, das wir nicht alleine sind, sonst wird das hier ein kurzer Kampf für uns.“
Diesmal ein großer Lichtblitz, der auf ein großes Schiff oder das Auftauchen mehrerer kleiner Schiffe hindeutete. „Sir, passive Sensoren melden multiple Kontakte.“
„Bereithalten! Gefechtsalarm.“ ertönte die Stimme des Commanders und kurz darauf schrillte ein Alarm an Bord des Schiffes los und die Beleuchtung wechselte von dem grellen farblosen Licht zu rot.
Aufeinmal zuckten Turbolasersalven durch das All vor ihnen und zerfetzten einen Transporter des Konvois – scheinbar waren doch noch verbündete Kräfte vor Ort. „So beginnt es … Mr. Toral. Äußerste Kraft voraus. Kurs auf drei-vier-drei.! Jäger starten, aktiven Scan beginnen.“
„Kurs drei-vier-drei liegt an. Äußerste Kraft voraus!“
„Jäger sind gestartet!“
„Aktiver Scan beginnt. Feindkontakt bestätigt.“
Ein kleines Schlachtfeldhologramm erschien und zeigte verbündete sowie feindliche Kräfte. Auch auf Miles Navigationskonsole wurden die feindlichen und verbündeten Schiffe angezeigt. So konnte der junge Lieutenant erkennen, dass noch fünf weitere Carracks anwesend waren – und auch somit 24 TIE-Jäger – der Feind allerdings hatte neben einer Vorhut aus zwei corellianischen Korvetten noch einen Neutron-Star Transportkreuzer, samt Geleitschutz aus zwei Nebulon-B Fregatten und zwei weiteren CR90 Korvetten. Der Hauptteil des weiteren Konvois bestand aus mehreren GR-75 Transportern, die schon fast ein Sinnbild der Rebellion waren.
„Unsere Jäger sollen mit den anderen TIEs zusammen Feindjagd machen! Konzentriert unser Feuer auf die vordere Korvette.“
Die Befehle wurden umgesetzt und die vier Jäger der Deliverance schlossen zu den anderen TIEs auf, um sich der Übermacht von ganzen sieben feindlichen Staffeln zu stellen. Mile rechnete damit, dass keiner der Piloten diesen Einsatz überleben würde. Jägerpiloten waren im Imperium nicht mehr als Kugelfutter und das war etwas das der junge Lieutenant angesichts der feindlichen Überlegenheit bei den Jagdmaschinen ziemlich wurmte und kurz fragte er sich, ob es fair war, dass er hier so gut geschützt war und den Piloten der Tod schon vorherbestimmt war. Die Waffen der Schiffe feuerten ununterbrochen aufeinander und die beiden CR90 der Vorhut hielten auf die Deliverance zu, begannen aber mit einem Wendemanöver, als sie merkten, dass der schnellere Carrack-Kreuzer ihre Formation durchbrechen wollte. Der Carrack wurde durchgeschüttelt, als die Turbolasersalven der Korvetten auf ihn einhämmerten, Mile wurde hin und her geworfen und er hatte Problem damit sich an seiner Station zu halten.
„Wir haben die feindlichen Korvetten passiert“, meldete die Sensorik und veranlassten den Commander einen neuen Befehl zu geben: „Mr. Toral, bringen sie uns unter den Neutron-Star Kreuzer. Feuer auf ihn konzentrieren.“
„Aye, Sir, setze neuen Kurs … neuer Kurs liegt an“, die langsamen Nebulon-B Fregatten waren überfordert damit eine effektive Verteidung aufzubauen, da die Carracks ihnen zu schnell entwischen konnten und die geschickten Kommandeure sich immer im Heck einer der Fregatten aufhielten und somit der massiven Frontbewaffung entgingen. Allerdings passierte das, womit nicht nur Mile gerechnet hatte. Die massive feindliche Jägerüberlegenheit hatte alle verbündeten TIEs erledigt und nun konnten sich die sieben Staffeln des Feindes, bestehend aus X-Flüglern nun den Carracks widmen. Eine der Staffeln hatte es nun auf die Deliverance abgesehen und schoss dabei eine Salve Protonentorpedos ab – ein weiterer Vorteil der X-Flügler gegenüber TIE-Fightern. Mile begann schon die Front des Kreuzers auf die Torpedosalve auszurichten, während sein erster Offizier den Befehl brüllte und die Vierlingslaser begannen auf die herannahende Gefahr zu feuern.
„Auf Einschlag vorbereiten!“ brüllte der Commander, als eine weitere Staffel X-Flügler heranraste und ihre Torpedos abfeuerte und die Deliverance somit in die Zange nahmen, wenn nicht …
„Neuer Kurs …“, befahl Mile dem Steuermann und überging dabei seinen ersten Offizier, sowie den Commander, und ließ das Schiff abdrehen und unter der einen Torpedosalve hinwegtauchen, doch nun hatten sie alle 24 zielerfassenden Protonentorpedos hinter sich. Die Heckgeschütze konnten aber jetzt besser auf die nun weniger gefächerten Torpedos feuern und sie so leichter auf’s Korn nehmen. Der Carrack schoss aus dem Schatten des Neutron-Star hervor und sofort hämmerten weitere Salven auf die Schilde ein. Diesmal konnten die beidrehenden Nebulons gut auf sie feuern …
„Hüllenschäden in Sektion C. Wartungsteams unterwegs“, Explosionen und weitere Erschütterungen schüttelten den Kreuzer durch. Diesmal heftiger als zuvor und Miles Magen versuchte dagegen zu rebellieren, während sich der junge Mensch an seiner Station festkrallte.
„Konzentriert all das Feuer auf die Gallofrees!“ ertönte die Stimme des Commanders, „Mr. Toral, bereiten sie den Sprung durch die Lichtmauer vor, auf mein Zeichen“, sofort begann Mile mit den Berechnungen für einen Notsprung, während sein XO, Sub-Lieutenant Barak Elson, Miles andere Pflichten übernahm und das Schiff durch die Gallofrees hindurch steuern ließ und für ideale Feuerpositionen sorgte. Einige Gallofrees fielen dem Feuer des Carracks zum Opfer, doch auch diese Transporter waren bewaffnet und deckten das imperiale Schiff Salven über Salven mit Feuer ein.
„Der Geheimdienst hat mit weniger Gegenwehr gerechnet“, fluchte der erste Offizier, „diese Versager…“
„Hüllenbruch in Sektion D. Abschottung läuft.“
„Notsprung berechnet!“ meldete Mile erleichtert und führte den Sprung aus, als der Befehl dazu kam. Der junge Mann gestattete sich ein erleichtertes Seufzen, als er sah, wie die Sterne sich zu Streifen zogen, nur um dann dem charakteristischem Blau des Hyperraums zu weichen. Er betätigte einen Knopf und sofort fuhren Durastahlplatten vor die Sichtfenster.
„Commander! Der LI meldet einen Abfall der Reaktorleistung. Wir…“ Eine Explosion erschütterte das Schiff, Mile schlug es von seinem Sitzplatz und er rappelte sich wieder auf, um schnell seinen Platz an der Navigationskontrolle einzunehmen. Seine linke Hand schmerzte und seine Stirn pochte.
„Commander, wir haben …“, er stockte kurz verwundert und begann damit die Panzerplatten vor dem Sichtfenster wieder hochfahren zu lassen. „… wir haben den Hyperraum wieder verlassen!“
Der erste Offizier stürzte sofort zur Sensorik, leichte Panik schwang in seiner Stimme mit: „Wie das? Ein Abfangkreuzer?“
„Negativ“, kam es überraschenderweise von der Maschinenraumüberwachung, „der Reaktor hatte eine automatische Sicherheitsabschaltung und wir wurden vorzeitig aus dem Hyperraum geholt. Die Explosion war nicht wirklich eine, sondern nur der unsaubere Rückfall in den Normalraum.“
„Sir, melde multiple Kontakte. Dreadnought Klasse. Zwei Klicks vor uns.“
Kurze Stille auf der Brücke, ehe Commander Cal Damaris räuspernd das Schweigen durchbrach: „Gibt es eine Kennung?“
„Negativ, Sir. Es werden keine Identifikationscodes ausgestrahlt oder irgendeine andere Art von Emission. Keinerlei Aktivität, Sir.“
„Wie steht es mit dem Maschinenraum? Berichte vom LI?“
„Er konnte den Reaktor wieder auf halbe Leistung hochfahren. Sublicht funktioniert. Lebenserhaltung auch, doch für einen Hyperraumsprung reicht die Energie nicht aus.“
Murmelnd wandte sich der Commander an seinen ersten Offizier und sie besprachen das weitere Vorgehen. Mile wusste, dass er nicht lauschen sollte, doch fingen seine Ohren, dass ein oder andere Wort auf: „…sollten uns das ansehen … Ersatzteile … Prisengeld … Risiko … Seuche? … nur einen Teil rüber schicken …“ Dann wandte sich Dorn Rey ab und seine kalten Augen fixierten Mile, dessen Nackenhaare sich sofort aufstellten: „Mr. Toral setzen sie Kurs zwo-null-null auf den vordersten Dreadnought. Kleine Fahrt Voraus. Andocken vorbereiten.“
Lieutenant Toral bestätigte die Befehle und der Carrack flog langsam – um die Maschinen nicht zu überlasten – in Richtung des nächsten Dreadnoughts. Der Anblick war atemberaubend und gruselig zugleich. Eine Flotte von Dreadnoughts, unfassbar viele, weiß-grau lackiert, wie ein Haufen Knochen, hing vor ihnen im Weltraum und zeigten keinerlei Anzeichen von Leben.
„Wie laufen die Reparaturen von Sektion D und C?“ kam eine geflüsterte Frage Damaris‘ an einen von Miles Kameraden.
„Vermutlich in einem Standardtag abgeschlossen, Sir. Allerdingsollten wir danach die Werft aufsuchen …“
„Hm …“ brummte der Commander nur zur Antwort in seinen Bart und wandte sich wieder ab.
„Lieutenant Toral, wie lange noch?“ kam eine schneidende Frage von Dorn Rey, der seine Stoppuhr bereithielt und Mile bekam leider nicht mit, wie viele der Gallofrees zerstört wurden, als Damaris diese Frage an die Sensorik stellte.
„Zwei Standardminuten, Sir“, antwortete Mile geflissentlich und seufzte unhörbar auf, als er das charakteristische Klicken der Stoppuhr hörte. Doch zum Erstaunen Miles und zum noch größeren Erstaunen Dorn Reys schaffte es Mile sogar, das der Carrack innerhalb dieser zwei Minuten an dem Dreadnought andockte und sogar eine Verbindung herstellte. Immer wieder blickte Mile aus dem Sichtfenster und bestaunte diese altehrwürdigen Schiffe. Die Dreadnoughts waren zwar doppelt so lang wie ein Carrackkreuzer, aber dafür massiver und größer und fassten bis zu 20.000 Seelen. Der Carrack hingegen nur knapp 1.000 Seelen. Und da draußen waren viele dieser Schiffe. Was wohl passiert war? Eine Katastrophe? Gab es Überlebende.
„Lieutenant Toral! Machen sie sich bereit. Sie und eine Gruppe Techniker werden übersetzen und überprüfen, ob sie den Dreadnought flugbereit machen können. Sie setzen über, sobald die Marineinfanterie den Maschinenraum samt Brücke gesichert hat.“ wandte sich der erste Offizier an Mile, der erst einen Augenblick brauchte um verstehen, was ihm da gerade befohlen wurde: Er sollte an Bord eines Schiffes gehen, das groß genug war für 20.000 Mann und überprüfen ob es sich bewegen konnte? Und die 142 Marineinfanteristen des Carracks sollten das Schiff ‚sichern‘, das im Idealfall knapp 3.000 Infanteristen an Bord hatte? Der Carrack war für solch eine Aufgabe sicherlich nicht ausgelegt und Mile konnte die Gier in den Augen seines Vorgesetzten sehen. Doch auf der anderen Seite: Die Infanterie ging zuerst rein und wenn sie auf Widerstand stoßen würde, würde Mile sicherlich nicht rübergeschickt werden. Bevor Dorn das Zögern Miles beanstanden konnte, antwortete der Lieutenant von Muunilinst: „Jawohl, Sir!“ er wandte sich dann an seinen XO: „Sie übernehmen die Navigation!“ Anschließend erhob er sich und verließ die Brücke, er hatte sowieso keine andere Wahl. Die Gänge auf dem Carrack waren eng und an jedem Schott musste Mile sich ducken, um hindurch zu passen. Er ging zur Materialausgabe und ließ sich Waffe, samt Munition, sowie weitere Ausrüstungsstücke geben. Beim Gehen merkte er, dass seine Knie ein wenig zitterten. Vermutlich noch das Adrenalin der zurückliegenden Schlacht und auch ein wenig die Sorge um das, was ihn auf dem Dreadnought erwarten würde. Kurz darauf kamen schon die Techniker, mit denen er auf die Brücke gehen sollte, während ein anderes Team in den Maschinenraum sollte. Gemeinsam warteten sie in der Nähe der Luftschleuse darauf, dass die Marineinfanterie das Zeichen gab, dass alles in Ordnung sei. Leises Gemurmel besserte die Stimmung nicht gerade auf. Das Zeichen der Infanterie kam auch nach einiger Zeit und mit einem kurzen Blick zurück marschierte Mile mit seinem Team durch die Luftschleuse an Bord des Dreadnoughts. Einer der dort wartenden Soldaten kam mit schussbereiter Waffe im Arm auf Mile zu: „Lieutenant Toral, Sergeant Taluka. Mein Trupp wird sie zur Brücke eskortieren. Wenn sie mir bitte folgen würden …“ Mile schickte einen lässigen Salut in Richtung der Maschinenraumtechniker, der von Lieutenant Erran Defelice erwidert wurde. Und die beiden Technikerteams wurden von jeweils einem Trupp Marineinfanteristen zu ihrem Bestimmungsort gebracht. Der Weg war lange und folgte einem geraden und breiten Gang entlang, der klinisch sauber und wie fabrikneu wirkte. Fast so als ob sie dem Rückenmark des Schiffes folgen würden. Keine Anzeichen einer Benutzung und die helle Beleuchtung spiegelte sich schon fast unangenehm in dem weiß verkleideten Gang. Es war ruhig, zu ruhig für ein Schiff solch einer Größe und das einzige Geräusch war das stete Brummen der Belüftung.
„Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür was mit diesen Schiffen passiert ist? Mit der Besatzung? Hinweise zu der Herkunft?“, fragte Mile Sergeant Taluka.
„Negativ, Sir“, kam unvermittelt die Antwort, die mit einem Kopfschütteln des Flottensoldaten begleitet wurde, „meine Männer und ich haben keinerlei Hinweise gefunden. Es wirkt so, als ob die Besatzung, wenn es je eine gegeben hat, einfach wie von Geisterhand verschwunden ist.“ Ein leises Raunen ging durch die Gruppe der Techniker und als Mile sich umblickte konnte er sehen, wie einer der Flottensoldaten sich ein Grinsen verkniff. ‚Vermutlich packt der Sergeant gleich eine seiner Gruselgeschichten aus, die man sich so am Lagerfeuer erzählt‘, dachte Mile mürrisch.
„Wenn sie mich fragen, Sir“, die Stimme des Sergeants wurde verschwörerisch, „dann ist dieses Schiff und die gesamte Flotte verflucht und wir werden hier nie mehr heil rauskommen“
Ein leises Ächzen ertönte hinter Mile, der sein Gesicht missgelaunt verzog:
„Nun, ich habe sie aber nicht nach Aberglauben gefragt, Sergeant“, entgegnete Mile mit schneidender Stimme, der noch im Hinblick auf sein Team einen weiteren Satz hinzufügte: „Wenn wir alle unserer Arbeit nachkommen, dann kommen wir hier heil raus. Wir sollen das Schiff nur flugbereit machen und mit dem Carrack zurückbringen.“
„Wenn sie das sagen, Sir“, antwortete der Sergeant zerknirscht und Mile konnte fast erahnen, wie einer der Soldaten hinter ihm sich das Lachen verkneifen musste.
„Wie sieht es mit Turboliften aus?“, fragte Mile nun wieder, der des Laufens langsam überdrüssig war.
„Zu riskant, Sir. Könnten steckenbleiben…“
Mile nickte nur und entgegnete knapp: „Damit haben sie Recht, Sergeant. Danke.“