Ossus (Adega-System)

kommend von Weltraum (Neue Republik)
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Tage später fiel die StarExplorer im Adega-System aus dem Hyperraum. Ossus lag vor ihnen. Der Planet füllte langsam die Sichtscheibe des Cockpits, grün und lebendig, kaum noch jenes verheerte Ödland, von dem alte Aufzeichnungen berichteten. Wolken zogen über weite Ebenen und zerklüftete Landstriche. Irgendwo darunter lagen die Überreste eines Ordens, der länger existiert hatte als manches Sternenreich und dessen Wissen noch immer Schicht für Schicht aus der Erde geborgen wurde. Ferak saß schweigend am Steuer. Keine Alarm schrillte, keine Piratenschiffe stürzten sich aus dem Hinterhalt auf sie, keine Blockade riegelte den Planeten ab.
Sein Blick wanderte über die Sensoranzeigen. Einmal. Ein zweites Mal. Die Werte änderten sich nicht. Der Zabrak lehnte sich langsam zurück und atmete tief durch. Vielleicht hatten sie Glück. Vielleicht war es auch nur eine Falle, vielleicht... machte er sich zu viele Gedanken. Die Landefreigabe führte sie zu einem republikanischen Raumhafen, der vor allem Versorgungsflüge, wissenschaftliche Expeditionen und den Verkehr zu den verschiedenen Ausgrabungsstätten abfertigte. Die StarExplorer setzte zwischen Frachtern, Forschungsschiffen und einigen kleineren Kuriermaschinen auf. Ferak fuhr die Systeme herunter und blieb noch einen Moment im Pilotensitz sitzen. Sein Blick ging in Richtung des Schiffes, als könnte er durch Wände und Deckplatten hindurch bis zur Krankenstation sehen. Meisterin Kenobi war noch immer nicht erwacht. Juna würde bei ihr bleiben. Nicht nur, weil die Rattataki inzwischen mehr über Sahras Zustand wusste als er. Ihr eigener Arm brauchte ebenfalls Aufmerksamkeit. Der Zabrak hatte ihr seine Hilfe angeboten, doch sie hatte dankend abgelehnt und auf Suse verwiesen.

Wenig später verließ der Padawan die StarExplorer. Sein Lichtschwert hing an seinem Gürtel, über den Roben und eine kleinen Tasche trug er einen langen Staubmantel. Im Raumhafen ließ er sich den Weg zur Fahrzeugvermietung weisen und mietete eines der robusteren Speederbikes, die für die Wege zu den weiter entfernten Forschungsstationen und Grabungsstätten gedacht waren. Er kontrollierte die Maschine kurz. Energiezelle, Repulsoren, Steuerung. Das Gefährt würde genügen, befand der Padawan von Iridonia. Ein breites Tuch schlang er sich um Mund und Nase. Die Staubbrille folgte. Dann setzte sich der Zabrak auf das Speederbike und ließ den Motor aufheulen.
Wenige Augenblicke später schoss er aus dem Raumhafen. Der Wind riss an seinem Mantel und ließ den schweren Stoff hinter ihm wie eine Sturmwolke herpeitschen. Ferak beugte sich leicht über die Steuerholme und beschleunigte. Die Landschaft von Ossus flog an ihm vorbei. Grüne Flächen wechselten sich mit trockeneren, von Wind und alten Stürmen gezeichneten Gebieten ab. Felsformationen ragten aus der Erde, ausgewaschen und zerklüftet, stille Zeugen einer Welt, die sich mehr als einmal verändert hatte. Ferak ließ die Macht an den Rändern seiner Wahrnehmung fließen. Er suchte nicht gezielt, er nahm nur wahr und Raste mit einer Geschwindigkeit über die Planetenoberfläche und an Hindernissen vorbei, die nur die Macht ermöglichte. Das Dröhnen des Speeders. Das Schlagen des Windes gegen seine Kleidung. Den eigenen Atem hinter dem Tuch. Und darunter den langsamen Rhythmus seines Herzens, die Trommeln. Ruhig, beides im Einklang.

Nach einiger Zeit erschienen die ersten Markierungen der Ausgrabungsstätte am Horizont. Antennen ragten zwischen alten Felsformationen auf. Provisorische Gebäude und wissenschaftliche Module standen dort, wo seit Jahren Schicht für Schicht Vergangenheit freigelegt wurde. Transportgleiter bewegten sich zwischen den einzelnen Bereichen. Arbeiter trugen Geräte und Fundkisten über das Gelände. Und da waren Jedi. Ferak spürte sie, noch bevor er die traditionellen Roben zwischen den Forschern erkannte. Ihre Präsenzen lagen ruhig in der Macht, konzentriert, aufmerksam. Keine Krieger auf einem Schlachtfeld. Gelehrte. Archäologen. Hüter von Dingen, deren Bedeutung sich manchmal erst Jahrhunderte nach ihrer Entdeckung offenbarte. Der Padawan nahm den Schub zurück. Das Speederbike wurde langsamer und glitt schließlich zwischen einigen abgestellten Transportern zum Stillstand. Der Zabrak stellte den Motor ab und schwang sich von der Maschine. Erst jetzt zog er das Tuch von Mund und Nase und schob die Staubbrille auf seine Stirn. Einige Köpfe drehten sich zu ihm. Ferak ignorierte die Blicke zunächst. Seine Augen wanderten über die Grabung. Er registrierte Zugänge, Fahrzeuge, Lagerbereiche, Arbeitsgruppen. Keine Wachtrupps, nur zwei altersschwache Doriden die den Perimeter abschritten.
Dann ging er auf eine Gruppe Archäologen zu, einer der Archäologen, ein Jedi löste sich aus einer kleinen Gruppe und kam ihm entgegen. Ein älterer Mann, dessen Roben bereits deutliche Spuren von Staub und Arbeit trugen. Kein Ratsherr. Kein Tempelgelehrter hinter hohen Mauern. Jemand, der seine Hände offenbar ebenso häufig in Erde und Schutt steckte wie in alte Schriften. Ferak blieb vor ihm stehen und neigte respektvoll den Kopf.


"Padawan Ferak Koltari."
Seine tiefe Stimme trug ruhig über den Platz.
"Wir haben auf Coruscant Euren Bericht und die übersandten Funde erhalten. Ich komme im Namen des Ordens. Wir sind Eurem Hilferuf gefolgt."
Der Archäologe musterte ihn einen Moment, vielleicht auch deshalb, weil der hünenhafte, gehörnte Zabrak mit dem staubbedeckten Mantel nicht unbedingt dem Bild entsprach, das man sich von Unterstützung für eine archäologische Expedition machte. Dann entspannte sich seine Haltung merklich. Er begrüßte Ferak und erklärte ihm, dass man tatsächlich mit jemandem vom Orden gerechnet hatte. Vielleicht nur nicht unbedingt mit ihm allein. Der Zabrak verzog keine Miene.
"Meine Meisterin ist erkrankt."
Eine kurze Pause.
"Ich bin hier."
Mehr Erklärung hielt er nicht für notwendig.

Der Archäologe schien für einen Augenblick etwas sagen zu wollen, entschied sich dann aber dagegen. Stattdessen bedeutete er Ferak, ihm zu folgen. Sie bewegten sich durch die Grabungsstätte. Vorbei an halb freigelegten Mauern, markierten Fundstellen und sorgfältig abgesperrten Bereichen. Während sie gingen, setzte der Jedi-Archäologe ihn ins Bild. Die Piraten waren kein Heer, keine Besatzungsmacht. Sie kamen in kleinen Gruppen. Schnell. Unregelmäßig. Manchmal vergingen Wochen ohne einen Zwischenfall, dann gab es innerhalb weniger Tage mehrere Angriffe. Sie stahlen Werkzeuge, technische Geräte und Fundstücke. Nicht immer die wertvollen. Genau das war das Problem. Ferak hob leicht eine Augenbraue.
Der Archäologe erklärte weiter. Wertvolle Statuetten waren zurückgelassen worden. Seltene Schriftfragmente ebenfalls. Dafür verschwanden beschädigte Datenträger, mechanische Bauteile oder Artefakte, deren Zweck noch gar nicht bestimmt worden war. Plunder. Zumindest auf den ersten Blick. Feraks Gedanken gingen zurück nach Coruscant. Zu der metallenen Kugel. Zu Juna. Zu dem orangefarbenen Kristall. Viele Dinge, die wertvoll erscheinen, sind nur Plunder. Und mancher Plunder ein Schatz. Sein Kiefer spannte sich leicht. Die Piraten wussten vielleicht nicht, wonach sie suchten. Aber jemand wusste es.

Der Archäologe führte ihn weiter zu einem abgesperrten Bereich am Rand der eigentlichen Grabung. Dort war der Fels erst vor kurzer Zeit geöffnet worden. Provisorische Stützen hielten einen schmalen Zugang frei. Eine Kammer, klein, alt. Und offenbar der Grund, warum die Angriffe häufiger geworden waren. Ferak blieb vor dem Eingang stehen. Das Trommeln in seinem Inneren veränderte sich, nur leicht, ein Schlag außerhalb des Rhythmus.
Seine Augen verengten sich hinter den schwarzen und gelb-orangen Tätowierungen. Dann sah er zu dem Archäologen.

"Zeigt mir, was Ihr gefunden habt... bitte."

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Der Jedi-Archäologe führte Ferak tiefer in die Ausgrabung hinein. Der schmale Zugang, den man erst vor wenigen Tagen freigelegt hatte, zwang selbst kleinere Wesen dazu, den Kopf einzuziehen. Für den hochgewachsenen Zabrak war er beinahe lächerlich eng. Mehr als einmal strichen seine Hörner gefährlich nahe am alten Gestein entlang, während er dem Forscher und dessen Padawan folgte.
Dahinter öffnete sich eine kleine Kammer. Kein großer Tempelraum. Keine gewaltige Halle voller Statuen und verborgener Schätze. Der Raum war kaum größer als der Trainingsbereich der StarExplorer. Ein niedriger steinerner Tisch bildete das Zentrum. Darum verliefen eingelassene Kreise und feine metallische Linien durch den Boden. Einige endeten abrupt an den Wänden, andere gingen dort in flache Reliefs über. Punkte, Kreise, Linien. Sterne, hätte Ferak zunächst gesagt. Der Archäologe erklärte, dass man dieselbe Annahme getroffen hatte. Seit der Freilegung versuchten sie, die dargestellten Konstellationen bekannten Sternkarten zuzuordnen. Man hatte gegenwärtige Karten verwendet, historische Archive konsultiert und selbst die Eigenbewegung einzelner Systeme über Jahrtausende zurückgerechnet. Einige Positionen passten, andere nicht. Und jedes Mal, wenn sie glaubten, einen Teil des Musters verstanden zu haben, widersprach ein anderer Abschnitt ihrer Theorie.

Ferak ging langsam um den steinernen Tisch herum. Sein Blick folgte den Linien. Der Jedi-Forscher sprach weiter. Die Kammer war alt. Sehr alt. Wahrscheinlich älter als ein Großteil der freigelegten Gebäude in diesem Abschnitt der Anlage. Gleichzeitig fanden sich Spuren späterer Veränderungen. Andere Hände hatten an den Mechanismen gearbeitet. Einzelne Elemente ersetzt. Linien ergänzt. Mehrere Generationen von Jedi hatten diesen Raum offenbar gekannt. Und benutzt. Ferak blieb stehen. Er war kein Archäologe. Er verstand wenig von der Datierung alter Legierungen und noch weniger davon, wie man aus einer halb zerstörten Inschrift Rückschlüsse auf längst vergangene Kulturen zog. Er war Wächter, Krieger, Pilot. Sein Blick glitt erneut über die Punkte und Linien. Pilot... Der Gedanke blieb. Langsam legte Ferak eine Hand auf den Rand des steinernen Tisches und schloss die Augen. Die Macht war da. Sie lag nicht verborgen in der Kammer. Sie wartete nicht darauf, von ihm entdeckt zu werden. Sie war überall, wie immer. In dem Stein. In den beiden Jedi neben ihm. Im Staub, der durch den schmalen Zugang hereingetragen worden war. Ferak atmete. Und dehnte seine Wahrnehmung aus. Zunächst geschah nichts, doch dann spürte er einen Tropfen. Das Bild war nicht wirklich da. Nicht so, wie er einen Gegenstand mit seinen Augen sah. Es war eher eine Erinnerung an ein Gefühl. Wasser, das durch Gestein drang. Ein einzelner Tropfen, der eine Spalte fand. Dann ein zweiter. Rinnsale entstanden. Manche versickerten. Andere flossen weiter. Sie trafen auf Widerstände, teilten sich und fanden neue Wege. Einige wurden von etwas Gewaltigem erfasst. Ihre Richtung änderte sich. Sie wurden herumgezogen, beschleunigt und an anderer Stelle wieder ausgespien. Weitere Rinnsale kamen hinzu. Für einen kurzen Moment glaubte Ferak, etwas Größeres darin zu erkennen. Einen Strom. Fast einen Fluss. Er versuchte danach zu greifen. Das Bild zerfiel. Der Zabrak öffnete langsam die Augen.

Sein Blick lag wieder auf dem Relief. Die Punkte waren noch immer dort. Aber plötzlich sah er die Linien deutlicher. Er runzelte die Stirn.

"Was, wenn es kein Sternenbild ist?"
Der Archäologe verstummte. Sein Padawan sah von Ferak zur Wand und wieder zurück. Der Forscher fragte, was er damit meinte. Ferak schwieg einen Moment. Er hasste es, über Dinge zu sprechen, die er selbst nicht verstand. Worte machten Vermutungen schnell zu Wahrheiten, wenn man nicht vorsichtig mit ihnen umging.
"Ich weiß es nicht."
Sein Blick folgte einer der eingelassenen Linien.
"In der Macht fühlt es sich nicht an wie Orte."
Er hob die Hand und deutete langsam über das Relief. Von einem Punkt zum nächsten. Dann weiter.
"Eher wie eine Strömung."
Eine kurze Pause.
"Vielleicht ein Pfad?"

Es klang beinahe wie eine Frage. Der Archäologe trat näher an den Tisch. Zum ersten Mal seit sie die Kammer betreten hatten, erklärte er nichts. Er betrachtete. Ferak ließ ihn denken. Nach einiger Zeit begann der Forscher leise über frühe Formen der Hyperraumnavigation zu sprechen. Aus Zeiten, bevor Navicomputer in Sekunden ganze Routen berechneten und standardisierte Hyperraumwege von Generationen von Piloten genutzt wurden. Frühe Navigatoren hatten sich entlang bekannter Masseschatten bewegt. Sie hatten kurze Sprünge gewagt, Stern für Stern, System für System. Gravitation war nicht nur Gefahr gewesen. Richtig berechnet konnte sie Orientierung geben. Ferak hörte aufmerksam zu. Das verstand er, nicht jedes Detail, aber das Prinzip. Man setzte keinen Kurs zu einem Ziel, fand den nächsten sicheren Abschnitt, und dann den nächsten. Wie Wasser.
Der Forscher ging nun schneller um den Tisch herum. Sein Padawan begann bereits, Aufzeichnungen auf einem Datapad aufzurufen. Namen alter Navigationsschulen fielen. Pilgerwege. Frühe Jedi-Expeditionen. Ferak beobachtete schweigend. Er hatte keine Antwort gefunden. Aber vielleicht hatten sie bisher nur die falsche Frage gestellt. Der Archäologe blieb schließlich vor einem Teil des Mechanismus stehen. Mehrere kreisförmige Führungen verliefen dort ineinander. Feine Metallschienen bildeten Bahnen um eine kleine Vertiefung im Stein. Feraks Blick blieb daran hängen. Kreise, Führungen, eine Bahn, die verfolgt werden musste. Vor seinem inneren Auge sah er eine metallene Kugel. Juna. Den dünnen Stab in ihren Fingern. Die kleine Kugel an dessen Ende, die sie vorsichtig durch einen verborgenen Mechanismus geführt hatte. Der Archäologe bemerkte seinen Blick und fragte, ob etwas sei. Ferak antwortete zunächst nicht.


"Ja..."
Das Wort kam langsam, fast abwesend. Seine Gedanken waren weit entfernt. Auf Coruscant. Zwischen den Funden, die aus genau dieser Ausgrabung dorthin geschickt worden waren. Er blinzelte und sah wieder auf den Mechanismus.
"Unter den Funden, die Ihr nach Coruscant geschickt habt, war eine Kugel."
Er deutete auf die kreisförmigen Führungen.
"Der Mechanismus war ähnlich."

Nun war die Aufmerksamkeit des Forschers endgültig geweckt. Er stellte mehrere Fragen hintereinander. Nach der Größe. Dem Material. Wie die Kugel geöffnet worden war. color=#FFC125]Ferak[/color] beantwortete, was er konnte. Nicht mehr. Was Juna in der Kugel gefunden hatte, erwähnte er erst, als der Archäologe ausdrücklich danach fragte. Kristalle. Mehrere. Einer davon hatte auf Juna reagiert. Was das bedeutete? Ferak wusste es nicht. Und der Forscher offenbar ebenso wenig. Vielleicht war das gut so. Nicht alles musste sofort einen Namen bekommen.
Sie verließen die Kammer wenig später. Der Archäologe sprach bereits mit seinem Padawan über eine vollständige Neubewertung der Reliefs. Alte Sternkarten sollten nicht mehr nur auf Positionen, sondern auf historische Hyperraumbeobachtungen und bekannte Masseschatten untersucht werden.
Ferak hörte nur halb zu. Dann heulten die Repulsoren. Das Geräusch schnitt durch das kleine Tal, laut, mehrfach. Von den Felswänden zurückgeworfen, bis es schien, als kämen die Maschinen aus jeder Richtung zugleich. Die Wirkung auf die Ausgrabung war unmittelbar. Köpfe fuhren herum, Werkzeuge wurden fallen gelassen. Einige Archäologen gingen instinktiv in Deckung. Ferak sah ihre Reaktion. Sie kannten das Geräusch.

Die beiden Wächterdroiden am Rand des Lagers drehten sich bereits in Richtung des Taleingangs. Die ersten Speeder schossen zwischen den Felsen hervor. Blaue Ionenimpulse zuckten über das Gelände. Der erste Wächterdroide brach mitten in der Bewegung zusammen. Der zweite schaffte es noch, seine Waffe anzuheben, bevor ein weiterer Impuls in seinen Torso schlug. Ein elektrisches Knistern lief über seine Panzerung. Dann war auch er still. Etwas flog von einem der Speeder. Ferak erkannte die Granate einen Herzschlag, bevor sie aufschlug.
"Deckung!"
Weißer Rauch quoll zwischen den Zelten hervor. Eine zweite Granate detonierte mit einem dumpfen Schlag. Mehrere Forscher sanken benommen zu Boden. Stun. Feraks Lichtschwert lag plötzlich in seiner Hand. Die tief orangefarbene Klinge erwachte mit ihrem vertrauten Fauchen. Der Jedi-Archäologe stand einige Schritte entfernt. Auch seine Waffe war aktiviert. Sein Padawan hatte sich vor eine Gruppe von Forschern gestellt. Ein Blasterbolzen schnitt durch den Rauch. Die Klinge des Forschers fing ihn ab. Ein zweiter folgte. Dann ein scharfes Knallen, kein Blaster. Das Projektil schlug neben dem Padawan in eine Transportkiste und riss Splitter aus dem Material. Slugthrower! Feraks Augen verengten sich. Die Piraten wussten, dass hier Jedi waren. Und sie waren vorbereitet. Doch sie griffen die Jedi nicht an, nicht wirklich. Sie hielten sie beschäftigt.

Zwischen Rauch und dem Heulen der Repulsoren schossen die Piraten durch die Lagerbereiche. Einer von ihnen hielt ein Datapad in der Hand. Sein Blick sprang zwischen der Anzeige und den weißen Grabungskennungen auf den Transportkisten hin und her. Eine Nummer wurde gerufen. Zwei Piraten rissen eine Kiste aus einer Halterung und befestigten sie an einem Lastenschlitten. Eine weitere Nummer, noch eine Kiste. Ferak sah ein Muster. Sie nahmen nicht, was teuer aussah, sie suchten, gezielt. Er setzte sich in Bewegung, doch ein Hagel aus Projektilen schlug vor ihm in den Boden. Stein splitterte. Die orange Klinge fuhr reflexartig hoch, bevor sein Verstand ihn daran erinnerte, dass es hier nichts zu reflektieren gab. Er änderte die Richtung. Drängte durch den Rauch, ein Pirat sah ihn kommen und gab seinem Speeder vollen Schub, zu spät. Ferak streckte die Hand aus, griff mit der Macht nach der Maschine. Der Speeder wurde seitlich versetzt. Nicht genug, um den Fahrer zu stürzen, aber genug, um ihn von den Forschern wegzudrängen. Die Piraten hatten, was sie wollten.
So plötzlich, wie sie gekommen waren, änderte sich ihr Verhalten. Die Repulsoren heulten auf. Ferak sah die Speeder auf den Ausgang des Tals zurasen. Er deaktivierte sein Lichtschwert und rannte. Das geliehene Speederbike stand dort, wo er es abgestellt hatte. Der Zabrak warf sich auf die Maschine, riss sie herum und beschleunigte. Der Mantel schlug hinter ihm durch die Luft. Staub peitschte gegen seine Brille. Vor ihm schossen die Piraten zwischen den Felsen hindurch. Ferak beugte sich über die Steuerholme. Die Speeder waren leicht und dadurch schneller. Aber ihre Fahrer nahmen die Kurven weit, er nicht, er vertraute der Macht. Der Zabrak schnitt durch eine Senke, zog hart an einer Felsformation vorbei und gewann mehrere Meter. Dann knallte hinter ihm ein Blaster, ein Schuss, daneben, dann och einer. Ferak warf einen kurzen Blick über die Schulter. Einer der Archäologen stand weit hinten am Rand der Grabung. Ein Jagd-Blaster lag auf einer der Kisten und er Zielte, ein dritter Schuss. Wieder nichts!Der vierte Impuls traf, nicht den Fahrer, den Repulsor des Speederbikes. Der hinterste Piratenspeeder sackte plötzlich zur Seite. Die Maschine schlug auf, drehte sich um die eigene Achse und pflügte durch den Staub. Feraks Kopf fuhr herum. Er zog sein Bike in eine enge Kurve. Die tief orange Klinge erwachte erneut. Der gestürzte Pirat kroch bereits zwischen den Trümmern hervor. Ferak raste auf ihn zu.

Der Mann hob den Kopf, für einen Moment sahen sie einander. Dann flackerte eine warnung in der Machtauf, Gefahr! Ein einzelner Schlag der Trommeln geriet aus dem Rhythmus, hinter ihm. Ferak reagierte. Er riss sein Speederbike zur Seite und stieß sich gleichzeitig von der Maschine ab. Sein Körper wurde durch die Macht aus der Bahn getragen. Ein Piratenspeeder schoss dort hindurch, wo er einen Herzschlag zuvor gewesen war. Der Luftdruck riss an seinem Mantel, die Stuerfinnen hätten ihn glatt durchbohrt. Ferak schlug im Staub auf, rollte über die Schulter und kam auf ein Knie. Der gestürzte Pirat lief und schaffte es den hinteren Teil des vorbeiziehenden Speeders zu Packen. Dann waren beide fort. Ferak stand langsam auf. Seine Klinge summte in der Stille, er sah den kleiner werdenden Speederpunkten nach. Der Ärger war da, er ließ ihn zu, prüfte ihn.
Er hatte die Gefahr hinter sich zu spät wahrgenommen. Sein Blick hatte nur auf dem gestürzten Gegner gelegen, er war im Tunnel gewesen, Jagdfieber. Eine Niederlage gegen einen Feind war eine Lektion. Nur gegen die eigene Angst durfte man niemals verlieren. Ferak atmete aus. Dann deaktivierte er sein Lichtschwert.
Im Staub neben den Trümmern lag etwas, ein Datapad. Der Zabrak hob es auf. Das Gehäuse war beschädigt, aber die Anzeige flackerte noch. Zahlenreihen liefen über das Display. Grabungskennungen. OSS-Aurek-517, OSS-Besh-113, weitere. Neben mehreren Nummern erschien dasselbe Symbol, drei konzentrische Kreise, eine geschwungene Linie die sie durchschnitt. Feraks Blick wurde schmal, er kannte das Symbol, aus der Kammer. Er tippte auf einen weiteren Eintrag, verschlüsselt, noch einen, ebenfalls. Ein beschädigter Nachrichtenkopf flackerte kurz über die Anzeige. Nur wenige Zeichen waren lesbar. Eine Anweisung, Datenfragmente. Und am Ende ein einzelner Buchstabe.
V.

Ferak starrte auf das Display. Dann tippte er erneut darauf, nichts. Er versuchte es ein zweites Mal. Die Verschlüsselung blieb. Der Zabrak brummte.

"Natürlich."
Juna hätte das Datapad vermutlich bereits beleidigt. Suse hätte irgendeinen Anschluss gefunden, von dem Ferak nicht einmal gewusst hätte, dass er existierte. Und wenige Minuten später hätte Juna ihm erklärt, dass die Verschlüsselung erbärmlich gewesen sei. Sein Blick wanderte zurück zur Ausgrabung. Aber Juna war bei Meisterin Kenobi, dort gehörte sie im Augenblick hin. Ferak klemmte das Datapad an seinen Gürtel, richtete das Speederbike auf und kehrte zum Lager zurück.
Der Rauch verzog sich bereits, die Verletzten wurden versorgt. Einer der Archäologen versuchte, einen der Wächterdroiden wieder in Betrieb zu nehmen. Der Jedi-Forscher und sein Padawan halfen den benommenen Expeditionsteilnehmern auf die Beine. Niemand war tot, Ferak nahm das zur Kenntnis. Die Piraten hatten es nicht darauf angelegt, auch das war eine Information. Er zeigte dem Jedi-Forscher das Datapad. Wenig später saß einer der Techniker der Expedition über dem beschädigten Gerät. Ein Datenarchäologe, wie man Ferak erklärte. Sein eigentliches Fachgebiet war die Rekonstruktion beschädigter Datenträger und alter Speichermedien. Moderne Verschlüsselung war nicht seine Stärke. Aber er konnte den Speicher sichern, den Cache rekonstruieren, vielleicht gelöschte Fragmente wiederherstellen, doch es würde dauern. Ferak stand hinter ihm, dann ging er drei Schritte nach links, drehte um, Fünf Schritte nach rechts. Der Techniker arbeitete weiter. Ferak kehrte zurück, sein Blick fiel auf das Datapad, der Techniker bat um Geduld. Der Zabrak brummte, er ging erneut auf und ab, Juna hätte das schneller gekonnt. Der Gedanke half nicht, slso zwang Ferak sich, stehen zu bleiben. Durchzuatmen, ruhe zu finden. Seine Arme verschränkten sich vor der Brust, eine Minute verging, vielleicht zwei. Dann sah er zum Jedi-Archäologen. Die Fakten lagen vor ihm, Piraten, Gezielte Fundnummern, Waffen, die gegen Jedi gewählt worden waren. Das Symbol aus der Kammer, eine verschlüsselte Nachricht. Meisterin Kenobi lag noch immer bewusstlos auf der StarExplorer, Juna war selbst auch verletzt. Und diese Ausgrabung wurde von Forschern verteidigt, die lieber Jahrtausende alte Schriften entschlüsselten, als eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Ferak atmete langsam aus.
"Wo kann ich eine verschlüsselte Botschaft an den Hohen Rat aufzeichnen und senden?"

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