Truuine

Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“
[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Abyston / Neue Schiffsfabrik ] Ridley, sowie tausende von Soldaten, Arbeitern und weiteres Personal

Ridley schenkte erst dem menschlichen Vorarbeiter Alani Inc.s ein breites Lächeln, bevor hen die Strahlkraft von hens Zähnen den Holokameras zuwandte. Das performative Händeschütteln wurde wie immer für das Holonet aufgezeichnet. Dann hob der Mensch zu sprechen an und die wortreiche Führung durch die Schiffsfabrik begann. Einem Außenstehenden wäre die Flut an technischen Details vielleicht allzu trocken und langweilig erschienen, doch Ridley lauschte mit Spannung, während hen dem Vorarbeiter durch ein schaulustiges Spalier aus Fabrikarbeitern folgte.

Während sie so von Schiffsquader zu Schiffsquader schwammen, winkte und lächelte Ridley hens Untertanen durchgehend zu. Die bunte Mischung aller möglichen aquatischen Spezies hatte freundliche Gesichter aufgesetzt und winkte zurück, auch wenn Jubel nur vereinzelt ausbrach. Es war nichts, was Ridley ihnen übelnahm. Eine freundliche Grundeinstellung konnte erwartet werden, echte Liebe verlangte jedoch harte Arbeit. Dennoch spürte hen wann immer hen hens Machtsinne nach den Arbeitern ausstreckte, positive Gefühle und teils echte Dankbarkeit unter den Wesen, denen hen hier eine ehrliche Anstellung verschafft hatte.

Nach einer Weile ertappte der Gouverneur sich dabei, wie hen sich durch das Schwelgen im Machtsinn von den Worten des Vorarbeiters ablenken ließ. Hen hätte es vorher nicht für möglich gehalten, doch hens frisch erweckter sechster Sinn war eine deutlich ganzheitlichere Erfahrung, als bloß ein Bad in der Menge zu nehmen. Die wahren Intentionen in den Herzen von hens Untertanen zu spüren, anstatt nur ihre Mienen zu lesen, hatte etwas zutiefst…befriedigendes. Ridley war sich sicher, dass hen diese Erfahrung lange im Gedächtnis bleiben würde. Ein Ansporn, wenn manche verblendeten Rebellen es sich in den Kopf setzten alles, was sie hier bauten, in Frage zu stellen. Wann immer die lästige Stimme in hens Hinterkopf nach dem Sinn all der Mühen fragte. Denn anders als so vielen von hens Kollegen in der Verwaltung ging es Ridley nicht um Macht per se, sondern um das Wissen die Galaxis mit hens Wirken ein wenig zum Guten verändern zu können.

Die Führung endete schließlich mit der Vorstellung der neuen und verbesserten Seachange. Mit sichtlicher Begeisterung – er hatte selbst an ihr gearbeitet – erläuterte der Vorarbeiter alle Änderungen die man an dem Schiff vorgenommen hatte. Besonders detailliert ging er dabei auf den neuen und verbesserten Hyperraumantrieb ein und betonte mit einem stolzen Lächeln, dass die Seachange aufgrund der Natur der Abystoner Wasserwerft nicht nur atmosphären- sondern auch bis zu hundert Metern Tiefe seetauglich war. Schließlich beendete der Mann seinen Vortrag und Ridley dankte ihm mit einem Händedruck. Anschließend schwamm hen zu einer eigens für diesen Zweck aufgebauten Schwebebühne und manövrierte sich zum Rednerpult. Dort hatte man ein rotes Band für einen Fotomoment mit der Seachange im Hintergrund aufgespannt.


„Meine Bürger!“

, begann Ridley mit einem breiten – und ehrlichen! – Lächeln.

„Heute habe ich die Ehre einen weiteren Erfolg dieses Planeten zu verkünden. In den vergangenen Monaten wurde diese monumentale Wasserwerft erst entworfen, dann errichtet und heute schon läuft das erste Schiff vom Stapel. Wie Sie sehen, sind noch viele Einheiten mehr in Arbeit, aber dies ist unser Erstlingswerk. Ein Monument dessen, was wir mit Entschlossenheit und Vision erreichen können! In diesem Augenblick beschäftigt diese Fabrik 2.859 Arbeiter. 2.859 Schicksale die für ihr Geld einer ehrlichen Arbeit nachgehen können, um ihre Familien zu ernähren. Meine Freunde, ich glaube dies ist ein Erfolg zu nennen.“

Unter den eigens für diesen Zweck versammelten Claqueuren brach bei diesen Worten Jubel aus, doch Ridley spürte, dass dies an sich nicht nötig gewesen wäre. Denn auch die echten Arbeiter, die von weiter entfernt zusahen, stimmten in den Applaus mit ein.

„Ich will Sie gar nicht mit langen Reden langweilen, denn dass es Truuine mit jedem Tag besser geht, erkennen Sie selbst. Lassen Sie mich nun das erste Schiff der Abystoner Wasserwerft einweihen. Willkommen zu deinem neuen Leben, Seachange!“

Unter eindrucksvollem Applaus nahm Ridley eine übertrieben große Schere vom Rednerpult und durchschnitt das rote Band. Einen Moment lang gab Ridley den Holokameras die Gelegenheit das Bild unter frenetischem Flackern einzufangen, dann verließ hen die Bühne und gesellte sich wieder zu Severide und dem Vorarbeiter. Bevor es zurück nach Moraband ging, wollten sie noch den Fortschritt an dem Jäger des Sith begutachten, der treffend von Bloody Ball in Eissplitter umbenannt worden war. Jäger und kleinere Schiffe wurden jedoch im unteren Bereich der Fabrik, am Meeresboden des Festlandsockels produziert, weswegen ihr Weg sie zu einem aquatischen Lift führte, der sie in wenigen Sekunden hinabbringen würde. Selbst aus der Ferne konnte Ridley erkennen, dass auch dort unten ein Spalier aus schaulustigen Arbeitern auf sie wartete.


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Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“
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Gedankenverloren schaute Ridley auf die wogenden Tangfelder des Festlandssockels, während der Seeaufzug sie auf die unterste Etage der Fabrik brachte. Im Geiste war hen bereits auf halbem Weg zurück nach Moraband und dort dabei eine Soresu-Schrittfolge auszuprobieren, die hen in der Nacht zuvor in einem Trainingsholo gesehen hatte. Die genauen Modifikationen von Severides Jäger interessierten den Gouverneur kaum, doch war es zum einen sicherlich sinnvoll über die Eissplitter bescheid zu wissen, als auch bei den Arbeitern hier unten Gesichtspflege zu betreiben.

Mit einem sanften Summen kündigte der Aufzug schließlich an, sein Ziel erreicht zu haben. Hier unten waren die Abteilungen deutlich kleiner, immerhin wurden hier andere Modelle bearbeitet als an der Oberfläche. Zur Rechten und Linken des Aufzugs, hinter dem Spalier aus gespannt im Gang treibenden Fabrikarbeitern, erkannte Ridley eine Reihe von TIE-Fightern in allen Stadien des Umbaus zu TIE-Booten. Auch erkannte hen das LAAT/i wieder, in dem hen abgeschossen worden war und das sich grade auf halben Weg befand, vollständig repariert zu werden.

Freundlich nickte der Gouverneur auch den hier anwesenden Untertanen zu und schwamm dann Severide und dem Vorarbeiter nach, die hen den Gang entlang zur richtigen Abteilung führten. Dort, im klaren Wasser von grellen Strahlern angeleuchtet, schwebte der ehemals rote Jäger des Sith. Neben einem neuen Anstrich in Meerblau, hatte die Maschine ebenfalls einen Sitz mehr und bessere Schilde spendiert bekommen. Mit einem verlegenen Lächeln erklärte der Vorarbeiter was genau für diese Modifikationen alles geopfert hatte werden müssen und schloss dann mit der Feststellung, dass der Begriff ‚Abfangjäger‘ für den schwer modifizierten TIE-Interceptor wohl nicht mehr gelten konnte.

Nun doch beeindruckt musterte der Gouverneur den Jäger eingehender. Ridley war bei weitem kein Technikexperte, doch erkannte hen die Problematik eine dafür nicht ausgelegte Maschine mit einem zusätzlichen Sitz, einem Schildgenerator und einem Hyperraumantrieb auszustatten. Vor allem, wenn die Maschine auch weiterhin annähernd ähnliche Geschwindigkeiten erzielen sollte. Die Enthüllung, dass Passagiere nur noch etwa 10kg in Gepäck transportieren konnten, ohne die Eissplitter zu überladen, ließ hen dann doch grinsen.


„Das heißt wir dürfen beide nicht viel zunehmen, sonst fliegt sie nicht mehr?“

, fragte Ridley, was für allgemeine Heiterkeit unter den Anwesenden sorgte. Dann hörte hen jedoch wieder interessiert zu, als der Vorarbeiter auf die modifizierte Bewaffnung zu sprechen kam. Da die Eissplitter in Sachen Geschwindigkeit und Wendigkeit nicht mehr mit einem regulären Vertreter ihrer Baureihe mithalten konnte – und da der Hyperraumantrieb ungehörig viel Saft fraß – hatte man die vier Frontkanonen schlicht entfernt. Alternativ hatte man, um Strom zu sparen, einen Erschütterungsraketenwerfer sowie eine Doppellaserkanone verbaut, welche jedoch an einem Turm unter dem Cockpit angebracht waren. Auf diese Weise war der Bordschütze und Co-Pilot deutlich flexibler und hatte trotzdem eine brauchbare Bewaffnung, mit der wendigere, aber schlechter gerüstete Feinde aufs Korn genommen werden konnten. Amüsiert verfolgte Ridley die Freude Severides bei dieser Enthüllung und klopfte hens Meister schelmisch auf die Schulter.

Schließlich kam der Vorarbeiter zum Ende. Mit Stolz in der Stimme erläuterte er, dass die Eissplitter direkt im Anschluss an das Gespräch an die Oberfläche gebracht werden würde. Dort würde dann auch das Cockpit, das für die letzten Arbeitsschritte versiegelt worden war, wieder begehbar gemacht werden. Alles in allem, so der Mensch, würde Severide sein Schiff in unter einer Stunde wieder nach Lust und Laune fliegen können.


„Danke für die ausführliche Erklärung! Mir war nicht klar, wie viel man aus so einem kleinen Schiff herausholen kann, wenn man es sich nur in den Kopf setzt.“

, sagte Ridley zu den Arbeitern im Allgemeinen und zum Vorarbeiter im Speziellen, was hen einen fröhlichen Applaus einbrachte. Freundlich nickte hen den Anwesenden zu und machte sich daran dem Vorarbeiter zurück zum Aufzug zu folgen, der sie zurück zur Oberfläche und zur nun endgültig fertigen Seachange bringen sollte.


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Durchschnittlichkeit war ein Segen. Ein für die Umgebung passendend gekleidetes humanoides Lebewesen von durchschnittlicher Größe und Statur und mit einem Ausdruck vager Zustimmung im Gesicht fiel in einer Menge nicht auf. Kam man mit dieser Person ins Gespräch und stellte fest, dass ihre Stimme weder laut noch leise war und ihr intellektuelles Vermögen scheinbar weder sonderlich groß noch sonderlich klein, dass ihr Akzent keinen Grund für neugierige Nachfragen lieferte und man sich darauf verlassen konnte, dass sie ihre Arbeit zwar nicht brillant, aber geräuschlos und zuverlässig erledigte, starb in der Regel der letzte Rest von aufflackernder Neugier. Ein Lebenslauf, der ordentlich, aber nicht perfekt war, solide finanzielle Verhältnisse, keine gravierenden Vorstrafen, hier und da mal ein kurzer, unverfänglicher Plausch mit den Kollegen, und schon fand man sich mitten in einer gewaltigen imperialen Rüstungsfabrik wieder. Bloß ein weiteres Rädchen in einer riesigen Maschinerie, so unwichtig, dass man keinen zweiten Blick wert war, so unbedeutend, dass man schlicht und ergreifend nicht auffiel. Die Person, die für ihren Zweck auf Truuine den Namen "Koli Marsan" trug - gängige, aber nicht zu weit verbreitete menschliche Namen - hätte genau so gut ein Droide sein können oder eine der viele Maschinen, an denen hier gearbeitet wurde. Gehüllt in einen grauen Arbeitsoverall und mit den für die unterirdische Arbeit notwendigen Geräten versehen war sie eine von vielen. Ihre Vorarbeiter hatten keinen Grund, sich über sie zu beklagen, ihre Kollegen kannten sie als zuverlässig und höflich, und hätte sich jemand die Mühe gemacht, in ihrem Privatleben nachzuforschen, wären die Ergebnisse so banal wie harmlos gewesen. Schließlich hatte jemand viel darin investiert, dass es genau so aussah.

Als sie durch die Gänge glitt, warf Koli einen kurzen, prüfenden Blick auf ihr Chrono und glich die Zeit mit den Angaben des kleinen Reinigungsdroiden ab, den sie mit einer Kamera und einem Peilsender ausgerüstet hatte, um als ihre Augen und Ohren zu dienen. Einer der Vorteile, als Reinigungspersonal zu arbeiten, war die Tatsache, dass man viel Zeit alleine und Zugang zu sehr vielen Bereichen hatte, und das Sicherheitspersonal durchsuchte nur ungern bestimmtes Material, wenn es ausreichend eklig und dreckig war. Erstaunlich, was man mit diesem Trick alles in eine Anlage wie diese bringen konnte. Ein hauchdünnes Lächeln zupfte an Kolis Mundwinkeln, verschwand aber ebenso rasch wieder und machte einem ein wenig stumpfen, müden Ausdruck Platz. Es war eine Kunst, abgekämpft zu gucken, die Augen scheinbar unaufmerksam an der Wand kleben zu lassen, sich in einer trägen Haltung nach einer langen Schicht Richtung Feierabend zu schleppen - und dabei jedes Detail der Umgebung wie ein Schwamm aufzusaugen und sich für den großen Tag vorzubereiten. Heute war es soweit. Heute würde Ridley Solaris sterben. Und wahrscheinlich auch einige weitere Lebewesen, aber deren Schicksal war von untergeordneter Bedeutung.

Eine rasche Bewegung von Kolis Fingern und auf ihrem Datapad machte ein besonders seichtes Holodrama, bei dem es um eine pseudo-tragische Romanze zwischen einem Sith und einer Jedi ging, der Übertragung aus der Kamera des Reinigungsdroiden Platz. Das Signal war gut, trotz der Interferenzen in dieser Umgebung. Nach den großen Reden der Zielperson und der Besichtigung näherte sich der Besuch nun seinem Ende. Koli justierte leicht den Blickwinkel des Droiden, bis sie Solaris wieder genau im Zentrum hatte. Der Gouverneur und die Entourage waren auf dem Rückweg und näherten sich dem Aufzug, der sie alle wieder nach oben bringen würde. In einem Holodrama hätte Koli nun einen flotten, vielleicht etwas morbiden Spruch gemurmelt oder ihrem Opfer eine letzte Warnung gegeben, dass der Tod gekommen war. Aber dies war kein Holodrama, und so drückte die vermeintliche Arbeiterin lediglich einen Knopf.

Es war erstaunlich, was man alles in einer Anlage wie dieser platzieren konnte, wenn man sie zu reinigen hatte. Zum Beispiel konnte man außer einer Kamera und einem Peilsender auch eine hochmoderne EMP-Granate in einem kleinen, unauffälligen Droiden, wie sie zu Dutzenden hier herumschwammen, verstecken. Und man konnte sogar den Aufzug, der zur Oberfläche führte, mit improvisierten Sprengsätzen versehen und diesen zeitgleich zünden, so dass es sämtliche ungeschützten technischen Geräte in der Umgebung mit einem Schlag ausfielen und der Weg nach oben in einer Unterwasserexplosion in hunderte Teile zerbarst. Koli fragte sich, ob ihre Opfer zuerst der Druckwelle zum Opfer fallen, ertrinken oder ersticken würde, entschied dann allerdings, dass dies irrelevant war. Als das Bild auf ihrem Datapad schwarz wurde, wechselte sie wieder zum Holodrama, ließ den oberirdischen Teil der Anlage hinter sich und mischte sich unter die Menge dort, noch im Gehen drehte sie ihren Overall um und holte einen leichten Mantel aus ihrer Tasche, bevor sie ihr Haar lockerte und um die Ecke bog. Zeit, zu gehen.


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Zielstrebig bewegte die kleine Gruppe sich auf den Seeaufzug zu. Der Morgen war lehrreich, aber auch lang gewesen und nun freuten sich alle – bis auf Severide aber vielleicht schielte der schon in Richtung eines Zwangsarbeiters – auf ein ausgiebiges Mittagessen. Die Arbeiter im Spalier markierten den Abgang ihres Souveräns noch mit einer letzten Salve Applaus, dann schickte Ridley sich an die Aufzugkabine zu betreten.

Plötzlich jedoch breitete sich ein seltsames Gefühl in hens Magengegend aus. Ein merkwürdiges Unbehagen, das scheinbar direkt von der Kabine ausging und in hens Hinterkopf etwas schrie, das hen erst nach einigen Herzschlägen verstand. Gefahr! Tödliche Gefahr ging von dem Aufzug aus! Blitzschnell wechselte der Gouverneur einen Blick mit Severide. Die Augen des Sith waren zu Schlitzen verengt. Es spürte es auch! Mit einer Reaktionsfähigkeit, die Ridley sich in vielen Stunden des Soresu-Trainings angeeignet hatte, schoss hens Hand nach vorne und packte den Vorarbeiter am Kragen. Dann stieß hen Arme und Beine nach vorne und schoss wie ein Tintenfisch rückwärts. Vom Wasser gebremst, aber dennoch hart traf Ridley mit dem Rücken auf eine der Fabrikstreben, während der Vorarbeiter von der Macht der Bewegung hinaus in die offene See getragen wurde.

Mit vor Adrenalin geweiteten Pupillen sah der Gouverneur sich hektisch um und begegneten wie durch Zufall dem Blick der orange glühenden Lichtrezeptoren eines aquatischen Putzdroiden. Die kleine, krakenhafte Gestalt hatte sich mit allen zehn Tentakeln um die nächstgelegene Strebe geschlungen und – vielleicht war es nur Ridleys adrenalingepeitschte Fantasie – starrte hen unverwandt an. Dann geschahen mehrere Dinge gleichzeitig.

Seit Ridleys Flucht nach hinten mochten vielleicht zwei Sekunden vergangen sein, da erblühte die Kabine des Seeaufzugs in einem rotorangen Ball aus siedendem Wasser und Einzelteile stoben in alle Richtungen davon. Dunkle Wolken färbten das Meer, wo scharfes Schrapnell auf das weiche Fleisch der Arbeiter traf und mit einem Mal hallten durchdringende Schreie über den sandigen Meeresboden. Dann erstrahlte auch der kleine Putzdroide in einem unnatürlich grellen blau und die Lichtrezeptoren färbten sich schwarz. Zuckende, bläuliche Blitze leckten nach der Strebe und breiteten sich dann in alle Richtungen aus. Ridley spürte kaum, wie der Puls an hen vorbei und durch hen hindurch fuhr. Verstand nicht einmal was genau geschehen war. Mit schlagendem Herzen blickte hen sich um, erleichtert selbst ohne Kratzer davongekommen zu sein. Auch hens Entourage schien unverletzt, grade formierten sich die Aquatrooper wie ein Wall aus weißem Plastoid um den Gouverneur, während Severide an hens Seite geschwommen kam.

Gestresst wische Ridley sich mit dem Finger eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich in dem Durcheinander gelöst hatte. Oder besser gesagt: Hen versuchte es. Die Aktion scheiterte nicht an der Bewegung, die hens Arm vollführte, als wäre er dafür geboren worden. Nein, es war die bionische Hand, die schlaff im Wasser hing, wie ein Stück Seetang. Und dann stellte der Gouverneur fest, dass ein Geräusch, das hens Unterwassertrips stets begleitet hatte, verstummt war. Nicht länger stieß das Atemimplantat des Gouverneurs ein stetiges Summen aus, während es Sauerstoff aus dem Meerwasser in hens Lungen filterte. Nein. Plötzlich waren die Lungen des Gouverneurs ganz auf sich gestellt und mit einem Mal war ihr flüssiger Inhalt ein ernstes Problem!

Panik durchzuckte den Gouverneur, als hen feststellte, dass hen keine Luft bekam. Hektisch versuchte hens Körper süße Atemluft einzusaugen, doch hier am Meeresboden war diese ein rares Gut. Ridleys Brust krampfte und hens Körper ruckte in wilden Zuckungen, während hen vergeblich versuchte etwas gegen den Wassertod zu unternehmen, der in der Tiefe seine klammen Finger nach hem ausgestreckt hatte. Aus weit aufgerissenen Augen starrte Ridley stumm flehend zu Severide hinüber. Doch der Rand von hens Blickfeld färbte sich bereits dunkel, während hens Körper sich krampfhaft hierhin und dorthin wand. Verzweifelt auf der Suche nach Sauerstoff.


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Die kleine Entourage rund um den Gouverneur Truuines klapperte eine Station nach der anderen an der frisch gebackenen Schiffsfabrik ab. Die kurze Ansprache vor der Einweihung der Seachange fand auch unter den ganzen Arbeitern guten Anklang und Matthew hoffte das dieser Geist sich auch bald auf die restliche Bevölkerung Truuines ausweiten würde. Dann würde Ihr wackeliger Frieden tatsächlich halt gewinnen und der ganze Planet konnte sich endlich an wachsendem Wohlstand erfreuen.

Die Besichtigung der Eissplitter jedoch war so etwas wie der Höhepunkt der Tour für Matthew. Die bisherigen Modifikationen an seinem Jäger hatte er selbstständig vorgenommen. Jetzt jedoch geschultes Personal dafür zu haben hatte sich bezahlt gemacht. Abgesehen von der neuen Lackierung hatte der Jäger neue Schilde, ein völlig überarbeitetes Waffensystem sowie einen Co-Pilotensitz erhalten. Im Zweifel konnte der schwer modifizierte Jäger nun als Notfallfahrzeug für den Matthew und einen weiteren Passagier dienen. Da die Seachange außerdem eine Andockbucht für einen Jäger erhalten hatte konnten sie den Jäger anstelle einer Rettungskapsel verwenden, oder für Gelegenheiten, in denen ein Consular-Kreuzer einfach zu auffällig wäre.

Sie bewegten sich auf den Aufzug, mit dem Sie zur Seachange zurückkehren wollten, zu als Matthew eine Warnung in der Macht verspürte. Ein Blick zu seinem Schüler bestätigte, dass dieser es auch fühlen konnte. Matthew bewegte sich ruckartig von der Kabine fort und beförderte mit der Macht zwei Ihrer Leibgarden aus der Reichweite der Kabine, da explodierte das Gefährt auch bereits in einer gelb-roten Blume kochend heißen Wassers.

Matthew blickte sich um und wollte sich gerade auf den Gouverneur zubewegen als von einer Strebe der Fabrik plötzlich ein Ball grell blauen Lichtes aufblitze und sich in das umgebende Wasser ausbreitete. Die Antriebe aller Aquatrooper setzten mit einem Male aus und Matthew musste mittels Muskelkraft zum Gouverneur weiter schwimmen.

Der Anführer Truuines schien unverletzt und versuchte sich eine lose Strähne Haar wieder zurecht zu rücken, doch irgendwas stimmte nicht. Matthew begriff es nicht sofort, doch dann wurde ihm klar, was er gerade beobachtet hatte. Eine Ionenladung oder ein sonstiges EMP-Gerät hatte die Hände des Gouverneurs lahmgelegt. Die Frage die Matthew nicht sofort zu beantworten wusste war jedoch, ob der Respirator des Gouverneurs ebenfalls betroffen war. Doch da begann Matthews Schüler auch schon unter einem Krampf des Brustkorbs zu zucken.

„Gouverneur!“ Matthew fasste den Mann bei den Schultern und blickte sich hektisch um. Sie hatten nichts, wohin sie sich bewegen konnten. Die Oberfläche war ohne technische Hilfsmittel gute fünf Minuten entfernt und da die Lunge des Arkaniers ohne seinen Respirator mit Wasser gefüllt war würde auch ein Notfalltank wie Matthew sie verwendete nichts nützen.

„Konzentrieren Sie sich. Sie müssen sich beruhigen. Nutzen Sie die Atemkontrolle, um bei Bewusstsein zu bleiben!“, Matthew war dazu übergegangen seine Anweisungen nicht laut, sondern mittels der Macht an seinen Schüler zu senden.

„Hat Ihr Respirator ein Notfallsystem? Sie müssen nur wenige Minuten durchhalten dann kann ich Sie zur Oberfläche bringen.“, Matthew blickte zu dem Sergeant, der die Leibgarde des Gouverneurs heute ins Feld geführt hatte. „Sergeant, ich brauche diese Schwimmflossen.“


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„Gouverneur!“

, schnitt die Stimme Severides wie eine Klinge durch den Nebel, den ein Mangel an Sauerstoff bereits über Ridleys Geist gelegt hatte. Hen war, als höre hen die Worte von hens Vizegouverneur sowohl im Wasser als auch direkt in hens Verstand. Es half hen hens rasende Gedanken zu fokussieren und zu verstehen, was der Sith von hen wollte. Atemkontolle! Ja! Das hatte Ridley doch neulich erst geübt! Mit brennenden Lungen versuchte hen verzweifelt in einen meditativen Zustand zu gleiten, musste jedoch rasch feststellen, dass hen zu aufgewühlt war! Die beruhigende Aura des Praxeums war weit, weit weg und hens stetig kleiner werdendes Sichtfeld steigerte mit jeder verstreichenden Sekunde hens Panik, anstatt dass hen sie ausblenden konnte!

Dann fiel es dem Gouverneur wie Schuppen von den Augen. Ein logischer Schluss, für den hem zuvor die Perspektive gefehlt hatte. Der Groschen fiel und mit einem Mal stemmte der Gouverneur sich nicht mehr gegen die rasende Panik, sondern kanalisierte sie. Hens Angst verlieh hen Macht und hens Macht verlieh hen die Kraft die drohende Bewusstlosigkeit zurückzuschlagen. Der schwarze Rahmen um hens Blickfeld löste sich auf. Plötzlich wieder Herr henser Sinne schaute hen Severide direkt an. Die Ruhe selbst fragte der Sith nach einem Notfallsystem des Implantats, was in Ridley eine Erinnerung an die erste Einweisung hervorrief, die hen für den Respirator erhalten hatte. Langsam nickte der Gouverneur und hob die Hände, um das System zu aktivieren. Doch hens bionische Extremitäten versagten hen noch immer ihren Dienst und so glitten sie schlaff und nutzlos von hens Seiten ab. Hätte Ridley den Sauerstoff erübrigen können, hätte hen laut geflucht. So krächzte hen stattdessen:


„Notfallsystem…Aktivierungssequenz…Rippen. Rechts, zehn, neun, acht. Dann links, zehn, zehn, acht…“

Einen Augenblick blickte Severide den Gouverneur eindringlich an, dann fuhren seine Hände an Ridleys Brustkorb. Einige Sekunden lang befühlte er den Stoff der Gouverneursuniform, dann packte er Ridley am Kragen und riss das Oberteil kurzerhand entzwei. Schwach zuckte Ridley beschämt als unter dem weißen Stoff ein beiger Binder zum Vorschein kam, doch Severide schien das Kleidungsstück gar nicht zu registrieren. Stattdessen begann legte er eisige Finger an die Rippen des Gouverneurs und imitierte die gehauchte die Frequenz. Er brauchte zwei Versuche – Ridley hatte in vorrauseilendem Gehorsam aus Severides Sicht die Seiten vertauscht – doch dann nahm hens Lungenimplantat wieder sein bekanntes Summen auf. Erleichtert gab der Gouverneur hens Atemkontrolle auf und erlaubte es hens Körper wieder auf Sauerstoff zurückzugreifen. Erlöst atmete hen aus, nur um hens Lungen wieder mit frischem Wasser zu füllen.

„Die…Notfallenergiezelle ist limitiert…Die Versorgung reicht für vielleicht zweieinhalb Minuten. An der Oberfläche musst du…das Wasser aus meinen Lungen bekommen…Oberfläche reicht nicht…ich muss an Land…“

, würgte Ridley, doch da hatte Severide hen schon bei der Hüfte gepackt und schwamm wie der Teufel gen Oberfläche. Einige Momente lang versuchte hen sich an ihm festzuhalten, erinnerte sich dann jedoch der Nutzlosigkeit von hens Händen und ließ sich stattdessen mitzerren. Die Notfallzelle war in Windeseile aufgebraucht, doch erlaubte ihr durchdringendes Piepen es Ridley rechtzeitig einen tiefen Zug Wasser zu nehmen und sich erneut in die Technik der Atemkontrolle zu vertiefen. Doch spürte hen auch, dass hen am Ende von hens Kräften war. Schließlich waren die schwarzen Ränder um hens Blickfeld zurück, die sich diesmal nicht langsam, sondern in Windeseile ausbreiteten. Grade erkannte der Gouverneur die sich rasch nähernde, glitzernde Oberfläche des Wassers, da umfing hen die Schwärze vollends. Ridleys Kopf trieb kraftlos zur Seite und hen erschlaffte bewusstlos in den Armen Severides.


[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Abyston / Wasseroberfläche ] Ridley und Matthew
 
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Die letzten Luftblasen verließen Matthews Lunge in dem Moment in dem sein Schüler die Anweisung verstand. Eine Notfallversorgung die über eine Sequenz der Rippen eingegeben wurde. Die nach wie vor nutzlosen Hände des Gouverneurs konnten sie aber nicht selbst aktivieren. Matthew tastete über die Uniform seines Schülers, konnte jedoch die einzelnen Rippen nicht erspüren, also riss er ihm die Uniform von der Brust. Darunter Trig der Arkanier einen eng anliegenden Binder der in etwa auf höher der letzten Rippe endete. Daher waren die einzelnen Knochen wohl nicht unter der Uniform erspürbar gewesen. Matthew gab die Sequenz ein, doch nichts geschah. Hatte der Gouverneur in der eine die Seiten verwechselt? Matthew versuchte es anders herum und dann erklang das leise Brummen in Ridley’s Brust das wohl außer ihm selbst nur der Anzat zu hören vermochte.

Der Sergeant hatte Matthew in der Zwischenzeit die Schwimmflossen von einem seiner Soldaten an den Stiefeln befestigt und daher zögerte der Sith nicht lange sondern griff sich den Gouverneur und schwamm auf die Oberfläche zu. Die Aquatrooper machten ihrem Namen alle Ehre und hielten so gut es geht mit dem schwimmenden Vize-Gouverneur mit, ohne ihre Antriebssysteme fielen sie jedoch hinter dem Machtnutzer zurück.

„Die Seachange soll auftauchen und an der Wasseroberfläche auf uns warten, und jemand soll den verdammten Medi-Droiden zur Einstiegsrampe schaffen!“, in Ermangelung von Sauerstoff hatte der Anzat auch diese Anweisung mit der Macht an die Leibgarde weitergegeben. Dann konzentrierte er sich darauf schneller zu schwimmen.

Ridley hing wie eine Puppe in Matthews Arm und schon bald erklang ein warnendes Piepen aus der Brust des Gouverneurs. Matthews eigene Lunge brannte wie Feuer, er hatte keine Zeit gehabt einen Atemzug aus seinem Tauchkanister zu nehmen. Er wusste nichtmal ob dieser nach dem EMP überhaupt noch funktionierte und nun wurde selbst für den Anzat die Luft knapp.

„Durchhalten, Ridley!“, Matthew wusste nicht ob sein Schüler diese Anweisung überhaupt noch wahrnahm. Dunkle Ränder begannen sein Sichtfeld einzugrenzen doch er stämmige sich dagegen. Er würde nicht zulassen, dass jemand ihn auf diese Weise seines Schüler beraubte und ganz sicher würde er nicht einfach so ertrinken. Trotz, Wille, Wut und Angst, er fokussierte alles was er hatte in die Macht und legte noch einen Zahn zu. Der Kopf seines Schüler kippte zur Seite und der Arkanier verlor jegliche Körperspannung. Fast da..

Sie durchstießen die Wasseroberfläche und wurden vom wummern der Antigravity Triebwerke der Seachange begrüßt. Matthew sog die Luft tief in seine Lunge, orientierte sich und schwamm auf die Einstiegsrampe des Schiffes zu die genau an der Wasseroberfläche schwebte.

Er zerrte den Gouverneur an Bord, Lieutenant Rus half ihm den Ohnmächtigen Arkanier die Rampe hinauf zu schaffen wo bereits ein Medidroide mit einer äußerst langen Nadel auf sie wartete.

[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | nahe Abyston | oberhalb des Festlandsockels | Seachange] Matthew, Ridley, Lieutenant Rus, Medi-Droide
 
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[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Moraband / Praxeum / Ridleys Quartier ] Ridley

Wie eine Manaaner Seehummel zwischen bunten Blüten, huschte Ridley in hens Quartier hin und her. Über eine Handvoll in die Decke eingesetzter Lautsprecher spielten die belebenden Töne einer arkanianischen Popband und gaben den Bemühungen des Gouverneurs einen fröhlichen Takt. Strategisch zentral platziert, stand ein breiter Schrankkoffer aufgeklappt am Fußende von Ridleys großzügigen Doppelbett. Nach und nach füllte sich er sich mit Gegenständen, die Ridley aus allen Ecken des Zimmers hervorkramte. Es waren die Vorbereitungen auf eine Reise in die Imperiale Hauptstadt Bastion, zu der Severide Ridley nach einigen eingehenden Gesprächen hatte überzeugen können.

Die Servomotoren in den frisch reparierten Händen des Gouverneurs summten, während hen hens gesammeltes Make-Up in einen überdimensionierten Kulturbeutel räumte. Nach dem versuchten Attentat vorgestern, hatte man keine Zeit damit verloren Ridley erst wieder in hens gewohnte Form zu versetzen und dann nötige Verbesserungen vorzunehmen. Dass Rebellen es überhaupt fertiggebracht hatten den Gouverneur mit einer wohlplatzierten EMP-Granate außer Gefecht zu setzten, hatten sie nur einem unwahrscheinlichen Zusammenspiel technischer Grundbedingungen und organischer Unachtsamkeit zu verdanken gehabt.

Ridleys kybernetischer Respirator war nämlich eigentlich über einen integrierten Ionenschild bestens gegen Angriffe dieser Natur geschützt. Was jedoch übersehen worden war, war die Tatsache dass sich Ionenschilde auf Gruppenimmunität aller Implantate stützten. Man hatte schlicht und einfach nicht bedacht, dass die neu verbauten Hände nicht auf diese Weise geschützt gewesen waren. Ein Fauxpas, der unter anderen Umständen kein Problem gewesen wären. Immerhin unternahm nicht jeder imperiale Würdenträger, sich nur auf seinen kybernetischen Respirator verlassend, Spaziergänge am Meeresboden. Dennoch war es ein Versehen, für das Doktor Melchior sich ziemlich sicher in genau diesem Moment in einer Zelle des IGD verantworten musste. An sich jedoch war es ein einfach zu lösendes Problem: Man hatte die bionischen Hände nun schlicht und ergreifend ebenfalls mit Ionenschilden nachgerüstet.

An sich musste man den Rebellen jedoch fast schon zu ihrem Einfallsreichtum gratulieren, dass sie nicht nur die Verwundbarkeit des Gouverneurs erkannt, sondern auch ein Attentat in genau der für sie denkbar besten Situation organisiert hatten. Selbst Severide hätte Ridley nicht retten können, würde hen nicht langsam, aber sicher selbst zum Sith ausgebildet werden. Eine Tatsache, die noch immer wohlweißlich ein wohlgehütetes Geheimnis war, und hen jetzt mindestens ein Mal das Leben gerettet hatte. Natürlich war dies ein Ansporn hens Bemühungen zu verdoppeln – wer wusste schon was den Rebellen beim nächsten Attentatsversuch einfiel! – und hatte zu der Entscheidung beigetragen nun auch wirklich zeitnah nach Bastion zu fliegen.

Es war ein Glück für Ridley, dass der Haupttempel des Sith-Ordens sich auf derselben Welt – sogar in derselben Stadt! – wie das imperiale Machtzentrum befand. So konnte die Ordenszugehörigkeit des truuiner Gouverneurs noch ein bisschen länger verheimlicht werden. Offiziell war die Reise nun rein politisch und Ridley hatte sich bereits für einige Veranstaltungen angemeldet, von denen hen glaubte, dass sie hen politisch weiterbringen konnten. So hatte Ridley sich für ein von der Gesellschaft zum Ausbau diplomatischer Zusammenarbeit zum Wohle des Imperiums ausgerichtetes Dinner angekündigt, sich zu einem Treffen mit einem Vertreter des Kollegium der Förderer des Galaktischen Imperiums verabredet und in hens Terminkalender vermerkt, einem Stammtisch der Governance beizuwohnen. Alles in allem würden es auch neben allen von Severide geplanten Trainingseinheiten einige vielbeschäftige Tage auf der Imperialen Thronwelt werden. Doch Ridley freute sich darauf.


[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Moraband / Praxeum / Ridleys Quartier ] Ridley
 
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[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Moraband | Landefeld des Praxeums | Seachange] Matthew

Matthew verstaute seine Habseligkeiten in seiner Kabine auf der Seachange und hängte sich sein Lichtschwert an den Gürtel. Zum ersten Mal seit langer Zeit brauchte er nicht ständig die Vibroklinge an seinem Gürtel tragen, sondern konnte sich standesgemäß Ausrüsten. Über seiner Gouverneursuniform trug er einen langen schwarzen Umhang. Das schwarz des Umhangs gab einen guten Kontrast zu der weißen Uniform und betonte das der Vize-Gouverneur Truuines ein Mitglied des Sith Ordens war. Zusätzlich zu Lichtschwert und seiner Dienstpistole hatte er sein Messer im Stiefel und das Lanvarok umgeschnallt. Am rechten Unterarm hatte er sich eine Armschirne mit der Bedieneinheit seines RK1 Droiden versehen und die Kontrolle über die Schiffssysteme der Eissplitter eingepflegt.

Zum ersten Mal, seit er Teil der Truuiner Verwaltung geworden war, war Matthew offiziell als Sith und nur in zweiter Funktion als Vize-Gouverneur unterwegs und er war erfreut darüber.
Die Eissplitter war an der Seachange angedockt und während das Schiff den Pre-Flight durchlief fanden sich die Leibgarden der beiden Funktionäre an Bord des Kreuzers und der sie begleitenden Lamda-Fähre ein. Lieutenant Rus hatte die Aquatrooper in die Begebenheiten des Schiffs eingewiesen und Matthew machte sich auf den Weg den Gouverneur an Bord zu begrüßen.

An der Rampe angekommen kam der Arkanier zusammen mit Mata und Zweien seiner Leibwachen ihm bereits entgegen. Die Assistentin des Gouverneurs nahm ein paar letzte Anweisungen entgegen und machte sich auf den Weg zurück zum Praxeum.
„Gouverneur, wir sind Abflugbereit. Da wir während des Fluges ein wenig Zeit haben habe ich mir die Freiheit genommen einen der Lagerräume für eine Trainingseinheit vorzubereiten und habe eure Leibgarde eingeladen daran Teil zu nehmen.“

Matthew deutete einen Gang des Schiffes entlang: „Ich hoffe ihr habt euch von unserem letzten Tauchgang erholt?“ Matthew lauschte der Antwort seines Schülers, dass heute Training würde körperlich sehr fordern daher wollte er sicher gehen das Ridley sich vollständig erholt hatte. „Ich hoffe Ihr habt euer Schwert dabei, Gouverneur. Ihr solltet diese Waffe steht’s bei euch haben, besonders jetzt wo wir auf dem Weg ins Zentrum unseres Ordens sind.“

Im „Traingsraum“ wartete bereits die Leibwache des Gouverneurs. Es hatte ein wenig Überzeugungsarbeit seitens des Anzat gebraucht bis die CO dem Training zugestimmt hatte, wusste sie ja bisher nichts über die Ausbildung die Ihr Schutzbefohlener bisher bereits durchlaufen hatte.

„Wie gesagt ihr werdet heute mit eurer Leibwache trainieren. Stellt euch in die Mitte und aktiviert eure Waffe. Spürt die Intentionen jedes einzelnen Troopers. Wer wird zuerst feiern? Spürt der Macht nach und blockiert den Schuss.“

Einige Momente geschah nichts, Matthew war sich sicher das der Gouverneur erwartete mit echter Munition beschossen zu werden. Doch heute waren die Regeln etwas anders. Der erste Betäubungsbolzen löste sich und sauste auf den in der Soresu Grunhaltung verharrenden Arkanier zu. Der Schuss traf ihn an der Wade und der Gouverneur ging in die Knie.

„Nochmal.“

[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Abflug von Moraband | Seachange | Lagerraum] Matthew, Ridley, Ridleys Leibwache (NPCs)

Weiter im Weltraum (Imperium)
 
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Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“
[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Moraband / Seachange ] Ridley und Matthew

„Wieder vollkommen wiederhergestellt, danke der Nachfrage!“

, antwortete Ridley auf Severides Erkundigung und schenkte ihm ein breites Lächeln. Die Aussicht auf weiteres Training während des Fluges war verlockend und hen war schon gespannt, was genau hens Meister eingefallen war, um ausgerechnet hens Leibgarde zu involvieren. Während sich hinter ihnen die Laderampe der Seachange schloss, machten Ridley und Severide sich auf den Weg in Richtung Trainingsraum. Mit einem sanften Rucken hob die Korvette vom Landefeld ab und machte sich auf den Weg gen Sprungpunkt. Durch den verbauten Hyperraumantrieb der Klasse 1 würde ihre Reise gen Bastion etwas mehr als zwei Standardtage dauern.

Es war das erste Mal, dass Ridley die Gelegenheit hatte das Schiff von innen zu betrachten. Ihre Reise von der Einweihung zurück nach Moraband war ja im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen und so staunte der Gouverneur beim Anblick des generalüberholten Schiffes nicht schlecht. Nicht nur äußerlich hatte man der Seachange in der Abystoner Wasserwerft einen neuen Anstrich verpasst, auch von innen konnte sie sich sehen lassen. Königsblauer Teppichboden in Wellenmustern ließ ihre Schritte federn und auch die Wände waren in Meerestönen gehalten. Alle sichtbaren Oberflächen wirkten edel und zufrieden stellte der Gouverneur fest, dass hen sich im Zweifel nicht schämen musste, beispielsweise Sektoradjutant Prada an Bord einzuladen.


„Meine Waffe ist hier.“

, gab Ridley auf Severides Frage nach hens Lichtschwert zurück und fummelte es aus einer Umhängetasche hervor, die hen für die Reise um hens Oberkörper geschlungen hatte.

„Der Nachteil des Duellgriffes ist, dass ich mein Schwert nicht mehr bequem im Ärmel tragen kann. Aber vielleicht kann ich es ja im Orden offen tragen, wenn wir meine Identität anderweitig verbergen. Ich denke, wenn ich eine Sithmaske anlege, sollte ich zumindest auf dieser Reise die Charade aufrechterhalten können, nicht?“

Mit einem Zischen öffnete sich die Tür des Trainingsraumes und mit einem weiteren, sanften Rucken fiel das Schiff in den Hyperraum. Ridleys Hälfte der an Bord weilenden Aquatrooper erwartete sie bereits. Die Soldaten hatten ihre Helme abgenommen und lehnten und standen bequem im Raum verteilt. Bei ihrem Eintreten nahmen sie jedoch gesammelt Habachtstellung ein und entspannten sich erst wieder, als Ridley abwinkte. Dann fing hen den Blick von Command Sergeant Akwaake auf und die Soldatin begann zu grinsen. Amüsiert zog der Gouverneur eine Augenbraue hoch, nahm dann jedoch gehorsam in der Mitte des Raumes Aufstellung, während hens Leibgarde sich in einem lockeren Kreis um hen versammelte. Mit ruhiger Stimme erklärte Severide die Übung und erntete ein überraschtes Lachen von seinem Schüler, bevor dieser Begriff, dass der Anzat es ernst meinte.

Zischend erwachte Ridleys rote Lichtschwertklinge zum Leben und hen strecke hens Sinne aus. Dann löste sich jedoch bereits ein Schuss und plötzlich breitete sich ein taubes Gefühl in hens Wade aus. Vornehm fluchte der Gouverneur, was hens Leibgarde ein Schmunzeln entlockte, doch Severide ließ sich nicht beirren. Ein weiteres Mal wurde die Übung eingeleitet und diesmal gelang es Ridley tatsächlich den ersten Schuss abzufangen, bevor zwei Betäubungsbolzen in die Brust hen zu Boden schickten. Ächzend rappelte hen sich auf, aktivierte erneut hens Lichtschwert, gab jedoch nicht sofort das Zeichen bereit zu sein.

Einen Augenblick lang reflektierte Ridley hens Vorgehen und beschloss es diesmal ein wenig anders zu machen. Beinahe ertrunken zu sein, hatte hen einsehen lassen, dass es im Zweifel durchaus seine Daseinsberechtigung hatte auf hens Emotionen zurückzugreifen. Es war noch immer kein Gedanke der hen wirklich zusagte, doch wenn hen zwischen Sterben und sich unbehaglich fühlen wählen musste, dann war die Wahl klar. Und diese Übung sollte hen ja durchaus für den Ernstfall vorbereiten.

Mit einem Nicken signalisierte Ridley hens Leibgarde hens Bereitschaft und erneut lösten sich Schüsse. Diesmal versuchte der Gouverneur jedoch nicht alle Geschosse aus einem meditativen Zustand heraus abzuwehren, sondern probierte sich die zuvor noch so präsente Angst vor dem Ertrinken in Erinnerung zu rufen. Konzentriert versuchte hen sich vorzustellen nicht hens Leibgarde, sondern echte Feinde vor sich zu haben, die nichts lieber tun würden als hen zu erschießen. Der Effekt war berauschend. Hatte Ridley die Intentionen der Schützen zuvor nur vage wahrgenommen, so schien hens Machtsinn mit einem Mal extrem Geschäft. Der Schuss fiel und wie von selbst blockte die Klinge, bevor sie herumwirbelte und den nächsten Bolzen aus der Luft pflückte. Vier, fünf Treffer konnte Ridley so abwehren, bevor hen erneut schmerzhaft zu Boden ging. Doch das spornte hen nur noch mehr an. Mit einem kämpferischen Brummen wischte Ridley sich Blut von der aufgeplatzten Lippe und ließ den Schmerz in die Übung mit einfließen. Hen war bereit für einen weiteren Versuch.


[ Innerer Rand / Hyperraum Richtung Bastion / Seachange / Laderaum ] Ridley und Matthew, sowie Ridleys Leibgarde

Weiter im Weltraum (Imperium)
 
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|| Nachricht an Ridley Solaris ||
Absender: Anthony Antares, Gouverneur von Kelada

Mit einem freundlichen Blick und warmer Stimmenlage begann Anthony zu sprechen.

“Seien Sie gegrüßt Gouverneur Solaris!

Ihre Komplimente hinsichtlich meiner Rede schmeicheln mir sehr. Ich muss leider gestehen, dass ich bisher noch nicht das Privileg genießen durfte, auch Ihrer Rede zu lauschen. Leider lässt Kelada mir nicht viel Zeit, weswegen meine Antwort auch erst jetzt kommt, aber ganz bestimmt werde ich das Anhören Ihrer Rede nachholen.

Basierend auf Ihren Vorschlägen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit bin ich ebenfalls der Überzeugung, dass unsere beiden Planeten wirtschaftliche Synergien entwickeln können, die dem Imperium in seiner Mission von großem Nutzen sein werden. Wir konnten bereits einige Populationen aquatischer Nicht-Menschen ausmachen, die womöglich für sie in Frage kommen könnten. Der Export unseres Neutroniums wäre eine etwas kompliziertere Angelegenheit, doch bin ich zuversichtlich, dass wir auch das bewerkstelligen werden.

Sie sind auf Kelada jederzeit willkommen, Ridley Solaris. Die Besprechung einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit heiße ich immer willkommen.

Lange lebe das Imperium!”


Die Übertragung endete und das Hologramm des Gouverneurs von Kelada zerfiel.

|| Ende der Übertragung ||
 
[ Innerer Rand / Truuine-System / Orbit von Truuine / New Tide ] Tikklas und Vorn, sowie einige Sklaven und Soldaten

„Aufwachen, ihr Maden! Genug gefaulenzt!“

, schnauzte Tikklas die Gefangenen an und stieß mit ihrem Schockstab gegen das Kraftfeld, dass das bunte Sammelsurium intelligenter Wesen hinter ihm unter Kontrolle hielt. Die Anweisungen der Blubreen hatten beinhaltet nach Möglichkeit Vertreter aquatischer Spezies auf den Sklavenmärkten Nar Shaddaas zu erwerben, doch im Zweifel auch andere Humanoide mitzubringen. Eine Option, der Tikklas, wie sie zu ihrer Schande zugeben musste, erschreckend oft hatte nachkommen müssen. Doch wie sollte man auch mal eben so zwanzigtausend Sklaven zu einem angemessenen Preis kaufen, wenn diese dann auch noch alle aquatisch sein sollten?! Aus diesem Grund regten sich hinter dem Kraftfeld beunruhigend viele Gliedmaßen, für die eine Fortbewegung im Wasser vergleichbar schwierig werden würde.

Doch immerhin würden sie arbeiten können. Oh, ja. Darauf hatte Tikklas geachtet. Wer schon nicht truuines Wasser würde atmen können, oder künstliche Flossen nötig haben würde, sah zumindest angemessen belastbar aus! Besonders stolz war sie dabei auf einen Fang, den sie quasi beim Abfliegen noch gemacht hatte. Mit seinen mehr als zwei Metern Körpergröße und sicherlich 150kg Gewicht würde der Menschwasauchimmer (Vorn Aphadon Meri) seinen Kaufpreis im Nu mit körperlicher Arbeit aufwiegen können. Kurz begegnete Tikklas Blick dem der rötlichen Augen, sah dann jedoch wieder weg. Ein Schaudern unterdrückend rieb sie sich die Kiemen an ihrem Hals, die unangenehm am Kragen ihrer imperialen Offiziersuniform rieben. Die Kleidung war für Menschen gemacht und zwickte an den unmöglichsten Stellen. Doch immerhin war sie zu tragen ein Privileg, das sie dem jungen Gouverneur Truuines zu verdanken hatte.


„Aufstehen, aufstehen, wir landen gleich!“

, schnauzte Tikklas einen Sklaven an, der sich für ihren Geschmack zu langsam rührte und drehte sich dann um, um die weiteren Zellen des Gozanti-Kreuzers abzulaufen. Das Schiff, die ‚New Tide‘ wie sie erst neulich umbenannt worden war, beinhaltete ein paar hundert der eingekauften Ware, die wie Vieh in neu eingebaute Zellen gepfercht waren. Der Rest war auf weiteren, baugleichen Schiffen nach Truuine unterwegs. Zwanzigtausend neue Seelen für Solaris‘ Traum aus der Hinterweltlerwelt etwas zu machen.

Wenige Minuten später setzte der Kreuzer merklich am Boden auf. Tikklas trat zur Laderampe, die sich im nächsten Moment zu öffnen begann und sog dann auch schon die tropische Luft ein, die durch den rasch größer werdenden Spalt zu strömen begann. Draußen hatte die Sonne bereits damit begonnen unterzugehen und tauchte die weite Durabetonfläche des Abystoner Raumhafens in ein rötliches Licht. Pfützen eines vergangenen Regenschauers spiegelten den rasch sinkenden, orangenen Stern am Himmel wider, dessen unterer Rand bereits die Skyline Abystons erreicht hatte. Die Stadt schmiegte sich an die Flanke des Vulkans, der diese Insel überhaupt erst erschaffen hatte, war vom Raumhafen aus jedoch nur schwer im Detail auszumachen.

Als die Laderampe den Duraton berührt hatte, strömte ein Dutzend Soldaten, die Sturmblaster in der Armbeuge, ins Innere des Schiffes. Die Männer und Frauen gehörten nicht wie Tikklas zu den Planetaren Sicherheitskräften, sondern zu Solaris‘ Söldnertrupp, der Schwarzen Garde. Der zuständige Offizier salutierte und die Blubreen tat es ihm gleich. In knappen Worten erstattete sie Bericht, dann brüllte der Offizier Befehle. Soldaten öffneten prompt die erste Zelle und ihre Insassen wurden im Gänsemarsch aus dem Schiff geführt. Tikklas schloss sich ihnen an und genoss es, wieder in heimischen Gefilden zu sein.

Die New Tide war, wie vier ihrer Schwesterschiffe auch, zentral auf dem Raumhafenlandefeld gelandet. Auch dort verließen grade frische Sklaven die Laderäume und versammelten sich in Grüppchen von vielleicht zehn Wesen zwischen den Schiffen und der Zeltstadt, wo sie weiterverarbeitet werden würden. Organisiert wurde alles von einer Kompanie Schwarzgardisten zu Fuß und vielleicht drei Kompanien Planetarer Sicherheitskräfte, die wie Tikklas auch in erster Linie Nichtmenschen waren. Blubreen wie sie selbst waren dabei ein seltener Anblick, machten doch Karkarodon und Patrolianer den Löwenanteil aus. Im Hintergrund hatte man eine Handvoll
Swift Assault Panzer und einige ULAVs geparkt, die wohl einem rebellischen Sklaven endgültig nahebringen sollten, dass es hier kein Entrinnen gab.

Tikklas Schritte führten sie zur Zeltstadt, von wo aus ein Mitglied der Verwaltung das Ausladen überwachen würde. Selbstbewusst trat sie durch den Atmosphäreschild des Kommandozeltes und wäre fast erschrocken zurückgezuckt. Statt des üblichen Clerks, den sie hier erwartet hatte, sah sie sich der persönlichen Assistentin des Gouverneurs, Mata Timone höchstselbst, von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Zackig salutierte Tikklas vor der Karkarodon, die sie aus ihrem Rollstuhl heraus eingehend musterte. Dann schürzte Timone die Lippen und rückte ihre runde Nickelbrille zurecht.


„Ich sehe Sie sind erfolgreich zurückgekehrt, Miss Tikklas. Aber nur mit 52,6% aquatischer Spezies, wie ich sehe. Ihnen ist bekannt, dass wir ein Ziel von 80% benannt hatten?“

, fragte sie kurz angebunden und die Blubreen bemerkte, wie sie zu schwitzen anfing.

„Ja, natürlich, Clerk Timone. Die Hutten hätten jedoch für einen höheren Anteil mehr Credits verlangt, als ich verantworten konnte. Ich bin sicher, Sie werden meiner Argumentation zustimmen, wenn Sie meinen Bericht gelesen haben.“

, gab sie zurück und war stolz darauf, nicht ins Stocken gekommen zu sein.

„Das werden wir sehen. Läuft sonst alles nach Plan?“

„Die Ware ist gesund und wird in diesem Moment ausgeladen. Alles ist bereit für den Gesundheitscheck und die anschließende Weiterverteilung.“

Erneut salutierte Tikklas zackig und Timone nickte.

„Gut. Gesellen Sie sich zu mir, bis wir hier fertig sind. Anschließend habe ich neue Anweisungen für Sie.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, wendete Timone ihren Blick von Tikklas ab und die Bluebreen drehte sich um, um sich neben sie zu stellen. Vom Kommandozelt aus hatte man einen guten Blick auf die Prozedur, der die Neuankömmlinge sich zu unterziehen hatten. Die Soldaten hatten damit begonnen die ersten Grüppchen in eine Reihe von Medizelten zu treiben, wo der wichtigste Schritt ihrer Ankunft absolviert werden würde. Der Gesundheitscheck entschied, wo man sie einsetzen würde, worauf eine umfangreiche Kombiimpfung folgte. Tikklas wusste, dass es auf Truuine gar nicht so viele Krankheiten gab, die einem Humanoiden gefährlich werden konnten, doch wurde mit der Spritze auch ein Elektrochip verabreicht. Zwar erhielt jeder Sklave und Zwangsarbeiter Truuines die Möglichkeit sich wieder zu einem Bürger mit fast allen Rechten hochzuarbeiten, doch würde kein Träger eines Chips den Planeten je wieder verlassen dürfen. So zumindest die Idee.

Schweigend schauten sie zu, wie ein Grüppchen nach dem anderen in die Medizelte gescheucht wurde, wo sie wenig später einzeln wieder hinausgestolpert kamen. Weitere Soldaten nahmen sie von dort aus in Empfang und sortierten sie je nach Einteilung zu neuen Gruppen, die entweder sofort mit Fahrzeugen den Raumhafen verließen oder auf wartende Lambdafähren bugsiert wurden. Dabei stach Tikklas eine Gruppe von vielleicht zwei Dutzend Sklaven ins Auge, da diese, statt sofort abtransportiert zu werden, im direkten Schussfeld eines ULAVs aufgereiht wurden. Tatsächlich erkannte sie sogar einen von ihnen wieder, war es doch der massige Humanoide (Vorn), den sie selbst kurz vor ihrem Abflug von Nar Shaddaa eingekauft hatte. Aus dieser Gruppe stach er jedoch nicht wirklich hervor, wiesen doch die meisten von ihnen eine ähnliche Statur auf. Tatsächlich war er sogar eine Handbreit kleiner als der
Houk zu seiner linken und der Trandoshaner zu seiner rechten. Vermutlich ging es für diese Wesen auf direktem Wege zu einem Arbeitsposten, an dem körperliche Belastbarkeit wichtig war. Tikklas beneidete sie nicht um ihre nahe Zukunft.

Es dauerte vielleicht zwei Stunden, bis alle Neuankömmlinge den medizinischen Check und ihre Verteilung hinter sich hatten. Zumindest all jene paar hundert, die mit der New Tide und ihren Schwestern in Abyston eingetroffen waren. Die anderen Schiffe waren im Vorfeld auf Osicia und Moraband verteilt worden, oder warteten noch im Orbit auf ihre Landefreigabe. Clerk Timone, die den Prozess bis zum Schluss gebannt verfolgt hatte, wendete nun ihren Rollstuhl, um Tikklas direkt anzusehen.


„Also dann. Zumindest die Arbeitsfähigkeit der Ware kann ich nicht beanstanden. Ihr neuer Auftrag ist wie folgt: Die Gruppe dort hinten ist Ihnen bereits aufgefallen. Das sind spezielle Arbeiter, die auf direkte Anweisung des Gouverneurs für die Mountain Lodge bestellt sind. Ein Lambda-Shuttle steht Ihnen zur Verfügung, überwachen Sie den Transport. Anschließend melden Sie sich auf der New Tide zurück. Sie können gehen.“

, sagte Timone und Tikklas musste unter ihrem stechenden Blick schlucken. Dann salutierte sie und machte sich auf den Weg zu der für die Mountain Lodge bestimmten Gruppe. Jetzt war ihr auch klar, warum man körperlich eindrucksvolle Exemplare für diese Position abgesondert hatte. Das geheime Gefängnis für politische Gefangene in den Bergen des Nordpols war so gut wie ausbruchssicher und was auch immer diese Sklaven dort zu tun haben würden, würde unter Garantie Knochenarbeit werden. Tikklas beneidete sie nicht um ihr Schicksal. Unterdessen hatten Soldaten damit begonnen den unglücklichen Handschellen und Schockhalsbänder anzulegen. In dem engen Laderaum des Lambdashuttles wäre ein Sklavenaufstand – vor allem dieser Sklaven! – alles andere als angenehm. Kurz gesellte die Blubreen sich zum diensthabenden Offizier, bevor der Beladevorgang begann. Ungefähr ein Zehntel passte samt bewaffnetem Geleitschutz in das Shuttle. Also würden sie wohl einige Male fliegen müssen. Tikklas seufzte.

Vielleicht zwanzig Minuten später hob die Fähre ab. Die Sklaven hatte man an ihre Sitze gefesselt. In sicherer Entfernung standen Soldaten, die Gewehre im Anschlag und warteten auf ihre Ankunft am Nordpol. Die Fähre war vielleicht zehn Minuten unterwegs, da aktivierte sich im hinteren Teil des Schiffes mit einem Signalton ein ausladendes Holobildnis. Das Konterfei war das Mata Timones, die die anwesenden Sklaven adressierte. Die Aufzeichnung zeigte die Karkarodon in ihrer ganzen Pracht – samt Rollstuhl – wohl um zu signalisieren, dass die üblichen Regeln des imperialen Rassismus auf Truuine nur vermindert galten.


„Willkommen auf Truuine, neue Arbeiter. Mein Name ist Clerk Mata Timone, persönliche Assistentin unseres verehrten Gouverneurs Ridley Solaris. Sie haben das Glück auf Truuine eingetroffen zu sein, denn hier gelten andere Regeln, als Sie es gewöhnt sein dürften. Auf diesem Planeten ist ihre aktuelle Misere nur temporär. Sie befinden sich am Boden unserer sozialen Hierarchie, aber hier müssen Sie nicht verbleiben! Arbeiten Sie gut und bilden sich in unserem großzügigen Abendschulenangebot weiter, werden Sie sich schon bald auf dem aufsteigenden Ast wiederfinden. Ob Mensch oder Nichtmensch, auf Truuine zählt nur Leistung! Leistung bedeutet sozialen Aufstieg und ein Leben abseits der Minen, der Fabrik, oder der Baustelle. Lesen Sie alles über Ihre zahlreichen Optionen in den Prospekten, die in Ihren Zellen zur Einsicht ausgelegt wurden. In diesem Sinne, viel Erfolg!“

Tikklas seufzte amüsiert in Erwartung diese Rede heute noch ein paar Mal hören zu dürfen.


[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Lambda-Shuttle / Auf dem Weg zur Mountain Lodge ] Tikklas und Vorn, sowie einige Sklaven und Soldaten
 
[Truuine System - Orbit von Truuine - Raumschiff "New Tide" - Vorn, Tikklas (Ridley Solaris-NPC), andere Gefangene und imperiales Personal]

Wann würde es enden? Wann würden die vielen Momente, Szenen, Szenarien und ganzen Tage endlich enden, in denen Vorn nicht Herr der Lage war? Er war es die letzten vier oder fünf Jahre gewesen. Nun, technisch gesehen war er es auch in dieser Zeit nicht gewesen, doch es gab Freiheit und Freiheiten und er kannte den Unterschied. Als Maggas Vollstrecker war er so frei, wie es kaum ein Wesen in diesem Universum sein konnte. Denn er war mit absoluter Sicherheit in göttlicher Hand. Diese würde ihn genau so wenig im Stich lassen, wie er es seinerseits tun würde. Natürlich war Vorn für Magga keine Marionette oder jedes Detail von vorn bis hinten vorherbestimmt. Der Gott war allwissend und folglich konnte er auch in die Zukunft sehen. Und natürlich alles beeinflussen, wenn er denn wollte. Da Vorn sich nun in dieser Situation befand, konnte nur einen Grund haben. Magga wollte es so. Er hatte dem Hünen so viel gegeben, das er anderen Menschen vorenthalten hatte. Warum sollte er das tun, wenn nicht... nun, wegen eines Plans? Als Vollstrecker musste Vorn ihn noch nicht verstehen. Nur Vertrauen haben und alles in seiner Macht tun, damit er gelang. Denn Magga wiederum vertraute ja auf ihn. Der Riese sollte eine Reise antreten. Von der bekannten Kolonie bis zu einem noch unbekannten Punkt irgendwo in der Galaxis. Aber was dazwischen passierte, war nicht einmal vorherbestimmt. Maggas Lehren besagten dies klipp und klar. Das Ziel war unantastbar. Der Weg dorthin hingegen... verhandelbar. Als Vorns Gedankengang erneut diesen Punkt erreicht hatte – auch um sich selbst zu beruhigen -, sah er auf.

Eine der Wärterinnen suchte scheinbar seinen Blick. Er erwiderte ihn stoisch, wie ein Räuber es tat, wenn er satt war und Beute betrachtete, die in naher Zukunft zu Fleisch zwischen seinen Zähnen werden würde. Vorn verachtete diese winzigen Kreaturen mit ihren komischen Uniformen. Fast ausnahmslos alle waren nicht nur klein - was in Ordnung gewesen wäre -, sondern auch offensiv dürr und kränklich schwach. Als wollten sie ihm bewusst zeigen, wie wenig sie sich selbst bedeuteten und wie wenig Wert sie auf ihr eigenes Überleben legten. Wäre Vorn nicht in dieser Situation, er hätte jeden einzelnen dieser Imperialen eigenhändig zerbrechen können. Buchstäblich. Doch was diesen uniformen und zugleich doch diversen Figuren an körperlicher Kraft fehlte, machten sie mit Technologie wett. Vieles, das Vorn in letzter Zeit gesehen und zum Teil auch am eigenen Leib hatte erleben müssen, war zu Hause in der Qualität schon seit Jahrhunderten nicht mehr möglich gewesen. Nicht einmal für den
Atronachen. Die Stärke der Waffen, die einfach nur betäuben sollten, ließen selbst Vorn machtlos zurück. Was für alle Beteiligten schlecht ausgehen würde. Er hatte sich alle ihre Gesichter gemerkt und es war Maggas und sein eigener Wille sie alle zur Rechenschaft zu ziehen. Später. Womöglich viel später, denn Vorn hatte vor mitzuspielen. Sein Gott hatte ihn mit geradezu anstrengender Geduld ausgestattet. Genauer gesagt mit der Disziplin Geduld zu haben. Seine primitiven Instinkte riefen nämlich nach Blut.

Als die Wärterin weiter sprach und deshalb alle aufstanden, tat es auch Vorn und er lies dabei seinen Blick schweifen. Er kannte durch die Archive zu Hause viele Spezies, doch wenn er ehrlich war, dann hatte er sich nie wirklich die Mühe gemacht sich alle zu merken. Denn eigentlich hatte er nicht damit gerechnet die Kolonie jemals zu verlassen und in der gab es nur Menschen. Und in den vier Nachbarkolonien Evocii, Rodianer, Nikto und Gamorreaner. Jetzt befanden sich gleich sieben Spezies in der selben Zelle, die er zwar von Bildern her kannte, aber deren Bezeichnung verloren gegangen waren. Was nicht überraschte. Vorn konnte sich Gesichter relativ gut merken, doch Worte... nun, sie mussten angewendet werden, damit er sie sich merken konnte. Deshalb konnte er so gut in den Sprachen der vier Nachbarkolonien fluchen und das eine oder andere Körperteil benennen. Aber auch nicht viel mehr. Auf jeden Fall waren sie alle erbärmlich schwach. In der Zelle gegenüber gab es immerhin einen Trandoshaner, die er schon immer einmal herausfordern wollte. Aber bei sich? Alles Winzlinge. Nicht einer hatte auch nur so getan, als wolle er Vorns Vormachtstellung beenden. Die dem Hünen aber eh nichts brachte, da es in dieser Zelle nicht viel gab. Und mit „nicht viel“ war „gar nichts“ gemeint. Er hätte ihnen höchstens die Kleidung abnehmen können.

Ein guter Punkt. Daran musste Vorn noch arbeiten. Man hatte ihm seine Robe zwar gelassen, doch er hatte längst mitbekommen, dass dies nicht mehr lange so sein würde. Außerdem war sie arg in Mitleidenschaft gezogen worden, als die fetten schwitzigen Grunzer dieses schleimigen Hutten sich auf ihn gestürzt hatten. Noch so ein Gesicht, welches er sich gemerkt hatte. Nur den Namen seines kurzzeitigen Sklavenmeister hatte er nicht mitbekommen. Vermutlich wegen des Blutrausches, welcher seine Ohren in Watte gepackt hatte. Wie dem auch sei. Vorn konnte sich für eine gewisse Zeit von seiner Robe trennen.
Magga tolerierte Pragmatismus. Sofern Vorn sich bei der nächstbesten Gelegenheit wieder seines Standes entsprechende Kleidung besorgte, wurde ihm diese Phase nicht negativ ausgelegt. Gleiches galt für seine andere Ausrüstung.
Als er an diese dachte, verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck. Dies schien einen der Bewaffneten falsch verstanden zu haben und hielt seine Waffe plötzlich etwas fester und zielte noch mehr auf Vorn, tat aber noch nichts. Doch das war nicht sein Problem. Als würde er sich das „schlecht gelaunt sein“ verbieten lassen.

Bevor Vorn seine von ihm geraubte Ausrüstung visualisieren konnte, mussten sie schon aussteigen. Irgendwie hatte er die komplette Landung verpasst, derart in Gedanken war er gewesen. Kaum hatte Vorn die künstliche Atmosphäre des Schiffes verlassen, welche ihm von seiner Kolonie her sehr vertraut war, musste er sich zusammenreißen, um die Lebendigkeit des neuen Planeten scheinbar gleichgültig hinzunehmen. Tatsächlich aber spürte er, wie sein Körper sie positiv aufnahm. Seine Kolonie war ein sicherer, aber vollständig künstlicher und im Grunde lebloser Hafen in einem unendlichen Ozean aus Chemie und Tod gewesen. Eine Mischung aus Mine, Fabrik und Siedlung. Alles auf einen so engen Raum zusammengestellt, dass man selten die Chance bekam, sich frei zu fühlen. Danach war er in dem Shuttle gewesen. Dann auf Nar Shaddaa. Jetzt, in diesem Moment, war Vorns Körper das erste Mal in 30 Jahren mit echter Natur konfrontiert und er spürte bereits eine Emotion unter der Oberfläche aufkeimen, da disziplinierte er sich selbst und sah sich um, statt einfach nur die frische Luft zu atmen, das warme Licht auf der Haut zu spüren oder den Wind zu hören. Nein. Es gab auch hier genug Künstlichkeit.

Vorn sah viele unbekannte Raumschiffe, kleinere Gleiter und Fahrzeuge. Alle hatten sie dieses künstliche, aber effiziente militärische Äußeres und es bedurfte nicht einmal das Symbol des Imperiums, um sie als solche zu identifizieren. Hinzu kamen die unterschiedlichen Bewaffneten. Es gab hier zwei oder drei Gruppen, die wohl alle irgendwie zusammengehörten und dann doch wieder nicht. Manche sahen uniformer aus als andere und doch wirkte kaum einer von ihnen fehl am Platz. Insekten, ja, winzig und dürr, ja, kaum fähig einen echten Zweikampf zu überleben, ja, aber dennoch... selbstbewusst? Oder vielleicht eher „sie wussten was sie taten“. Sklavenhandel war also ein großes Ding in diesem Imperium. Und es sah ähnlich aus wie bei dem Hutten auf Nar Shaddaa. Auf jeden Nicht-Sklaven-Diener/Mitarbeiter kamen zehn oder gar hundert Sklaven. Dennoch glaubte Vorn an keinen erfolgreichen Aufstand. Er sah auf den ersten Blick vielleicht zehn oder zwanzig brauchbare Kämpfer. Der Rest hatte bereits als Kind vor der Welt kapituliert. Nutzlos.

Sie wurden schließlich in Zelte geführt. Ähnlich wie beim Hutt musste er sich einigen Test unterziehen und es wurden seinem Geschmack nach zu viele Flüssigkeiten aus und anderes Zeug in seinen Körper gepumpt. Alles in allem war es aber professioneller als auf dem Mond und ging geradezu maschinell schnell, was Vorn nur Recht sein konnte. Er würde hart arbeiten müssen, hatte man ihm gesagt. Also nicht hier, wo Wind und Sternenlicht einem entgegen kam. Vorn rechnete mit einer Anlage unter der Erde. Vielleicht sogar nahe oder unter Wasser, auch wenn er darauf nun wirklich verzichten konnte. In seiner alten Kolonie gab es maximal Trinkwasser. Schon für die Körperhygiene hatten sie auf Chemie zurückgreifen müssen. Er konnte also nicht schwimmen.

Als er das Zelt verließ, wurde Vorn von seiner ursprünglichen Gruppe getrennt und zu einer anderen geschickt, die schon eher seinem Geschmack entsprach. Es waren alles ausnahmslos Hünen, manche regelrecht Riesen und von der Muskelmasse her mindestens auf seinem eigenen Level. Oh ja, hier fühlte er sich schon wohler. Und natürlich zugleich bedroht. Ähnlich wie er musterten auch seine Nachbarn ihrerseits ihre neuen Kameraden und je nachdem, was sie sahen, hoben sie mal eine Braue, grinsten oder lachten gar. Der Trandoshaner direkt neben Vorn zischte. Es war nicht einmal derselbe wie noch auf dem Flug. Vorn drehte langsam den Kopf, musterte die übermannsgroße Echse bewusst langsam und sah dann wieder weg. Mit einer Mischung aus Schnauben, Grummeln und Seufzen quittierte er den Trandoshaner, der seinerseits mit etwas ähnlichem antwortete. Sie würden sich, sofern möglich, noch heute an die Kehle gehen. Der Riese auf der anderen Seite hingegen schien kein Interesse an Vorn zu haben. Stattdessen wirkte er eher so, als wolle er die Imperialen lieber schon gestern mit seinen Fäusten gespaltet haben. Verständlicherweise.

Irgendwann ging es weiter. Ein Schiff, welches einem Vogel ähnelte, landete und sie sollten einsteigen. Aus Gründen aber nicht alle. Kurz war Vorn versucht den Imperialen falsche Planung oder Inkompetenz vorzuwerfen, doch er wollte nicht den selben Fehler machen wie zuvor. Er konnte die durch Schockwaffen verursachten Nachwirkungen immer noch am Rücken spüren. Auch Insekten können sich zur Wehr setzen. Und Nester bauen. Also stieg er kommentarlos ein. Überhaupt hatte er bisher kein Wort gesagt. In den Lehren von
Magga wurde sich gar nicht mal so wenig Zeit für Ungläubige genommen und wie man sich verhalten soll, sollte man ihnen begegnen. Eine dieser Lehren befolgte Vorn mit seiner Wortkargheit. Das würde sich aber noch ändern.

In dem Schiff selber wurde Vorn – und alle anderen Gefangenen – an ihre Sitze gefesselt und dann trotzdem noch von Wachen mit Waffen bedroht.
Wie viele von ihnen mussten wohl zerfetzt werden, um so ein Sicherheitskonzept zu rechtfertigen, fragte sich Vorn und grinste grausam in sich hinein. Er konnte es ihnen nicht verübeln. Wenn man so zerbrechlich war wie... nun, Knochen, dann handelte man derart ängstlich. Sie hatten allen Grund dazu. Diese blaue Frau war auch nicht besser. Der Hüne hatte sie schon abgeschrieben und doch war sie hier. Andererseits hatte sie ihn auch gekauft und wer, wenn nicht diese Gruppe, war es wert persönlich überwacht zu werden? Vorn ließ gerade seinen Blick über ihre weiblichen Kurven schweifen, da tauchte plötzlich ein Hologramm auf.

Es war ein...
Fischding. Vorn kannte den Namen der Spezies, doch er fiel ihm gerade nicht ein. Viel wichtiger war, dass sie im Prinzip wie Trandoshaner dazu taugten im Zweikampf herausfordert zu werden. Wenn es da nicht diese Schwäche gab, welche diese Fische dazu zwang sich ständig unter Wasser bewegen zu müssen, damit sie nicht ersticken. Das hatte Vorn schon als Kind dramatisch komisch gefunden. Also komisch im Sinne von zum Sterben lachhaft. Wie konnte es eine solche Spezies geben, wenn man sie durch simples festhalten töten konnte? Es erhöhte ihren Status auch nicht, dass sie sich herablassend in eine Art Thron sitzend zeigte. Und dann kam es noch besser. Also schlimmer. Die Worte des Fisches klangen derart weibisch kindisch, dass Vorn kurzzeitig glaubte zu träumen. Doch nein, es war die Realität. Sie schwafelte ein derart unsinniges Zeug, dass sie jedweden Respekt verlor, den der gläubige Hüne vor imperialen Autoritäten hätte haben können. Schule? Sich aus der Sklaverei hoch arbeiten? Soziale Hierarchie? Vorn war kurz davor gewesen das Imperium besser zu finden als die Hutten auf Nar Shaddaa. Immer noch tötenswert, aber besser. Aber nach der Nummer? Das war zu viel. In einem Anfall aus nicht mehr zu beherrschendem Unglauben und Wut ließ er seine Arme schlagartig nach vorne schnellen. Sie kamen natürlich nicht weit, doch die Kraft dahinter war offensichtlich. Der für ihn zuständige Bewaffnete hob auch sogleich seine Waffe und zielte direkt auf seinen Kopf.

„Können wir diesen Schwachsinn endlich hinter uns lassen und mit der Schinderei anfangen?“ brüllte er lauter als notwendig und ignorierte das Hologramm dabei bewusst. Die blaue Offizierin, die so bemüht tapfer zu wirken versuchte, starrte er hingegen an. Oh ja. Wenn sich die Gelegenheit ergab, würde er sie durchs Bett jagen. War schon viel zu lange her...

[Truuine System - Truuine - Lambda-Shuttle - Auf dem Weg zu Ziel X - Vorn, Tikklas (Ridley Solaris-NPC), andere Gefangene und imperiales Personal]
 
[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Lambda-Shuttle / Auf dem Weg zur Mountain Lodge ] Tikklas und Vorn, sowie einige Sklaven und Soldaten

Der Sklaventransport bisher war viel zu ruhig verlaufen. Den ganzen Weg von Nar Shaddaa hatten die meisten von ihnen sich ergeben in ihr Schicksal gefügt und ihren neuen Herren keine Probleme bereitet. Das war der Vorteil an Sklaven im Kontrast zu Kriegsgefangenen oder anderen Zwangsarbeitern. Diese hatten ihr Feuer noch lange nicht so gründlich ausgetreten bekommen, wie Wesen, die Monate oder gar Jahre unter der Knute der Hutten hatten leben müssen. Daher war Tikklas nicht unbedingt überrascht darüber, als es dann doch Theater gab, nur darüber wie lange es gedauert hatte.

Der Übeltäter war ausgerechnet der Hüne, den sie selbst erworben hatte. Clerk Timones Rede hatte bei ihm offensichtlich nicht den gewünschten Effekt von Hoffnung erweckt, sondern anscheinend seinen Respekt vor der Truuiner Verwaltung untergraben. Mit grölender Stimme fragte er, wann sie endlich diesen Schwachsinn hinter sich bringen würden, um endlich mit der Schinderei anzufangen. Dabei warf er Tikklas einen so offensichtlich lüsternen Blick zu, dass ihr die Schuppen zu Berge gestanden wären, wäre dies ihr erster Tag gewesen. Doch das war er nicht und sie war auch nicht von ungefähr in ihre jetzige Position versetzt worden. Während der Rest der Transporterinsassen beifällig zu grölen begonnen und die Soldaten ihre Waffen fester gepackt hatten, zog Tikklas seelenruhig ihr Datapad aus der Tasche.

Mit routinierten Bewegungen ging sie die Anwesenden durch und fand ihren Pappenheimer schließlich als Vorletzten in der Liste. Vorn irgendwas, uninteressant, bla bla, also. Während die Heiterkeit innerhalb der Fähre weiter anstieg, wählte Tikklas Vorns Schockhalsband an, begegnete dem widerwärtigen Blick aus seinen Augen mit Abschätzigkeit und begann damit ihn auf kleiner Flamme zu köcheln. Das war der Vorteil an Schockhalsbändern im Vergleich zu Schockstäben – wie sie mit einem schmalen Lächeln feststellte – man musste sich nicht die Hände schmutzig machen und konnte die Strafe personalisiert einstellen. Nach und nach kehrte wieder Ruhe unter den Sklaven ein, während feiner Dampf und leichte Schmorgeräusche vom Urheber der Störung auszugehen begannen. Zu seiner Anerkennung musste man sagen, dass Vorn immerhin keinen Ton verlor. Das veranlasste Tikklas dazu die Dosis noch ein wenig hochzudrehen, während sie mit beiläufigem Interesse das unkontrollierbare Muskelzucken und Augenrollen verfolgte, während ein Bach aus Speichel seine Brust besudelte und sich mit einem unziemlichen Geräusch auch seine anderen Körperflüssigkeiten entleerten. In der Fähre war unterdessen Totenstille eingekehrt.

Für den unwissenden Betrachter musste es aussehen, als täte Vorn grade seine letzten Atemzüge. Das war natürlich Sinn und Zweck der brandneu angeschafften Halsbänder. Abschreckung durch die übertriebene Visualisierung von Leid. Das machte die Dinger aber auch wiederum teuer und daher für den Moment nicht im großen Stil einsetzbar. Leise summte Tikklas, während sie Vorn noch eine kleine Extradosis für den Weg mitgab und dann das Menü für Denkzettel öffnete. Wirklich ausgefeilt diese Halsbänder! Da der Kerl ja abgesehen von einem Exempel ja auch noch eine gute Arbeitskraft hergeben sollte, ignorierte die Blubreen alle Optionen, die etwas mit Verkrüppelung zu tun hatten. Stattdessen schickte sie noch einen Bonusimpuls durch Arm- und Beinmuskeln, der diese für die nächsten vierundzwanzig Stunden größtenteils unbrauchbar machen würde. Sollte Vorn doch sehen, wie groß und stark er sich fühlte, am Boden einer Zelle herumzukriechen alles war, was er noch zu Stande brachte. Natürlich kam der Bonusimpuls mit einem weiteren eindrucksvollen Schauspiel inklusive wildem Zittern, weißem Dampf und Verbrennungsgeruch einher, wonach Tikklas annahm, ihr Punkt sei illustriert.


„Du und du, ihr beide seid dafür verantwortlich, dass der da erfolgreich in seiner Zelle ankommt.“

, wies Tikklas den Houk und Trandoshaner an, die auch auf dem Landefeld schon Vorns Nachbarn gewesen waren und steckte dann das Datapad wieder weg. Zu einer Rede setzte sie gar nicht erst an, warum auch? Das hätte nur ihre Illustration banaler Grausamkeit untergraben. Die Sklaven hatten eine klare Wahl präsentiert bekommen. Zuckerbrot oder Peitsche. Die Option für einen sozialen Aufstieg, oder alle Nettigkeiten, die das Imperium sonst seinen Zwangsarbeitern zukommen ließ. Gouverneur Solaris, der Retter in der Not, oder Gouverneur Solaris der Albtraum all jener, die sich gegen ihn stellten.

Schließlich setzte die Lambdafähre wieder auf. Die anderen Sklaven hatten nach der Machtdemonstration keinen Mucks mehr von sich gegeben, entweder weil sie genug hatten oder – in Vorns Fall, trotz vollständig vorhendenem Bewusstsein – weil sie es nicht konnten. Die Laderampe öffnete sich und so ziemlich das Gegenteil ihres letzten Stopps offenbarte sich den Neuankömmlingen. Der Temperaturunterschied von etwa sechzig grad traf sogar Tikklas unvorbereitet. Draußen herrschte polare Nacht und dazu auch noch ein Schneesturm. Dicke, weiße Schneeflocken flatterten aus der Dunkelheit und begannen augenblicklich damit einen Teppich auf der Laderampe zu bilden.


„Abmarsch, ihr Maden!“

, brüllte Tikklas und überwachte wie die Sklaven sich von ihren Sitzen aufrichteten und dann im Gänsemarsch nach draußen gingen. Den Abschluss machte die kleine Gruppe um Vorn. Houk und Trandoshaner brauchten einen Moment, bis sie herausgearbeitet hatten, wie sie ihn mit gefesselten Händen tragen sollten. Dann packten sie ihn jedoch an Armen und Beinen zwischen sich, wobei der Trandoshaner rückwärts die Rampe heruntergehen musste. Das ging natürlich bei diesem Wetter nicht gut und einen Moment später fanden sich Echse und Mensch in einem Bündel aus Gliedmaßen auf einem harten Untergrund aus Eis und Fels wieder. Der Houk eilte hinterher und unter leisem Fluchen und Zischen wurde die Fracht wieder gepackt und weitergetragen. Ein wenig musste Tikklas bei dem Gedanken schmunzeln, dass vermutlich das Einzige, was schlimmer als eine vollgeschissene Hose war, eine vollgeschissene Hose bei diesem Wetter sein musste. Wie schnell es wohl dauerte, bis Exkrement und Urin bei etwas 45 Grad Minus und diesem windigen Wetter einfroren? Nun, Vorn würde es herausfinden.

Ihr Weg führte die Sklaven über den Felsvorsprung, auf dem sich die Mountain Lodge einst befunden hatte. Noch immer standen hier Container, in denen jedoch inzwischen Personal, statt Gefangene untergebracht wurden. Doch die neue Lodge, wo es für die Arbeiter nun hinging, befand sich im Berg selbst. Diese hier waren nicht die ersten, die für dieses Projekt hierher geschifft worden waren und so führte ihr Weg sie zunächst durch einen breiten Tunnel, zu einem etwas wohnlicheren Bereich im Inneren. Hier herrschte auch wieder eine etwas lebensbejahendere Temperatur, in der die Sklaven ihrer letzten Kleidung beraubt und nackt bis auf Handschellen und Halsbänder in einen Duschraum gescheucht wurden. Hier standen einige schon länger hier lebende Zwangsarbeiter bereit, die sie mit heißem Wasser abspritzten, in das ein türkis fluoreszierendes Färbemittel gemischt worden war. Selbst in der polaren Nacht wollte man ja die gefrorene Leiche eines Flüchtlings wiederfinden können.

Tikklas verfolgte die Prozedur bloß aus Pflichtgefühl. Die Sklaven waren ihr anvertraut worden und mindestens einmal wollte sie den Willkommensprozess also auch verfolgen. Nach dem Duschen wurden die Neuankömmlinge getrocknet und erhielten endlich wettergerechte Kleidung. Natürlich fluoreszierte diese auch. In diesem Schritt wurden ihnen dann auch noch Halsbänder und Handschellen abgenommen, bevor sie schließlich auf ihren Zellen landen sollten. Hoffentlich in Erwartung der morgigen Arbeit. An sich befanden sie sich auch wieder nur auf einer Baustelle, würden sie doch ihr Blut, ihren Schweiß und ihre Tränen dafür ausgeben ein Gefängnis in den knackend kalten Stein des nördlichen Gebirges zu graben.

Als die letzten Sklaven in ihren Zellen verschwunden waren – wieder waren es Vorn und seine Freunde, die den noch immer nackten Menschen mit einem Kleiderbündel auf der Brust zwischen sich trugen – sah Tikklas dann auch ihre Arbeit als getan an. Kurz sprach sie mit dem Vorarbeiter und kehrte dann zur Lambdafähre zurück. In Abyston warteten noch eine ganze Reihe weiterer Sklaven, aber immerhin würde sie diesen nicht mehr beim Duschen zuschauen.


[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Nordpolares Gebirge / Mountain Lodge / Arbeiterzellen ] Tikklas und Vorn, sowie einige Sklaven und Soldaten
 
[Truuine System - Truuine - Lambda-Shuttle - Auf dem Weg zu Ziel X - Vorn, Tikklas (Ridley Solaris-NPC), andere Gefangene und imperiales Personal]

Die Reaktion fiel halb und halb aus. Einerseits konnte man bei Sklaven dieses Kalibers immer mit Zustimmung rechnen, wenn man Autoritäten angriff. Vorn kannte solches Geschmeiß aus seiner Zeit in der Kolonie. Nur war er dort immer in der herrschenden Klasse gewesen. Aktuell hieß diese Imperium und die zuvor so zerbrechlich wirkende Wärterin tat, was Vorn an ihrer Stelle auch getan hätte. Nicht mit den selben Mitteln, doch die Resultate dürften sich gleichen. Nicht annähernd so eingeschüchtert oder beleidigt, wie es dem Hünen lieb gewesen wäre, nahm die blaue Frau ein gräuliches Stück Technik heraus und tippte darauf herum. Noch so eine Sache, die der Mensch nicht aus der Kolonie kannte. Die dortige Technologie war nach Jahrhunderten ohne Nachschub von Außen nur noch grob und „händisch“ gewesen. Bildschirme, auf die man drücken konnte, sodass etwas geschah, kannte Vorn nicht. Die Hutten hatten sie auch nicht verwendet. Aber das Imperium mochte sie. Warum auch nicht. Klein und nützlich. Und zerbrechlich. Und effizient. Bevor die Frau ein letztes Mal auf das Pad drückte, kam dem Menschen der Gedanke, dass das Imperium und vor allem seine Einzelteile so ganz gut zusammengefasst werden konnten. Klein und zerbrechlich, ja, aber auch nützlich und effizient und gefährlich. Vor allem letzteres.

Vorn spürte den elektrischen Strom in dem Moment, als die Wärterin ein letztes Mal das Pad bediente. Einen elektrischen Schlag zu bekommen, sofern der einen nicht an Ort und Stelle tötete, war merkwürdig. Es war kein Schmerz in dem Sinne. Er kannte viele Formen des Schmerzes. Fleischwunden, Brandwunden, Schläge, Knochenbrüche und vor allem Magenschmerzen, ausgelöst durch andauernden Hunger. Schließlich hatte Vorn erst vor zwei Jahren den Entschluss gefasst, seine aktuelle Muskelmasse aufzubauen. Die 28 Jahre davor hatte er - wie alle in der Kolonie - permanent kurz vor dem Verhungern gestanden. Doch Strom war kein solcher Schmerz. Er war vielmehr Kontrollverlust, als alles andere. Seine Glieder, nein, eigentlich alles an und in seinem Körper zuckte unwillkürlich und er war einfach nicht dazu im Stande es zu verhindern. Etwas, dass ihn sogleich wütend machte. Wütend genug, um die ersten tatsächlichen Schmerzen ignorieren zu können. Seine Fesseln waren aber zu stark, ein Angriff unmöglich.

Als Vorn das erkannte, schaltete er auf den Überlebensmodus. Er plante nicht mehr, handelte nicht mehr. Irgendwo an der Oberfläche war er immer noch sauer und wünschte der Wärterin das Allerschlimmste, doch in seinem Inneren klammerte er sich – wie immer in solchen Zeiten – an
Maggas Lehren. Als allmächtiges Wesen hätte er seine Anhänger spielend leicht in eine isolierte Welt stecken und sie vor allen Schmerz und Leid beschützen können. Doch wie auch ein sterblicher Vater, der es wirklich gut mit seinen Kindern meinte, tat Magga das nicht. Wie sollte Vorn auch wachsen, wenn ihm jede Herausforderung genommen wurde? Nein. Dies gehörte zu dem Leben, welches er erleben musste. Hilflosigkeit gehörte genau so dazu wie jene Episoden, in denen er an der Macht war. Nun ja … nette Worte, schneller ausgesprochen, als man diese in der Realität tatsächlich durchstehen musste. Aber … die letzten zwei Jahre in der Kolonie waren... hart gewesen. Unschöne Entscheidungen sind getroffen worden. Meist von Vorn selbst. Die Bestrafung würde vorüber gehen. Magga war mit ihm.

Irgendwann war es das. Entgegen seiner Erwartungen war er nicht ohnmächtig geworden, wie schon zuvor in der Kolonie. Die Wärterin hatte so ziemlich alle Register gezogen, ohne ihn tatsächlich entkommen zu lassen. Ohnmacht wäre ein Segen gewesen. Sie gewährte ihn nicht und obwohl der Vollstrecker in Vorn dies durchaus respektieren konnte, wollte er sie dafür natürlich trotzdem fertig machen. Vor allem durch die Öffentlichkeit dieser Machtdemonstration. Es war kaum möglich Details zu erkennen, doch er war sich sicher, dass es heute keinen Kampf zwischen ihm und dem Trandoshaner geben würde. Der hatte vermutlich die Lust verloren, derart erbärmlich war Vorn gescheitert. Ein Umstand, der diesen noch wütender werden ließ, auch wenn dies nicht wirklich spürbar war. Er war so am Ende, dass er nicht einmal zornig sein konnte.

Was vielleicht sogar ganz gut war. Denn nun folgten weitere Schmähungen, als man ihn wie eine Puppe herum trug, in die Duschen stellte und danach samt neuer Kleidung in einen Trakt brachte, der relativ sauber wirkte. Vorn hatte während all dieser Zeit aufmerksam sein und so viele Details wie möglich in sich aufsaugen wollen, doch das war kaum möglich gewesen. Nun ja. Zumindest den Boden kannte er nun ganz gut, denn seine beiden Träger hatten sich natürlich nicht die Mühe gemacht ihn so zu tragen, dass er alles gut im Blick hätte haben können. Sie warfen ihn schließlich auf eine Art Bett. Befehle wurden gebellt und das Duo verschwand. Kurz darauf hörte Vorn mehr als das er sah, wie ein Droide zu ihm heran geschwebt kam. Auch diese künstlichen metallenen Menschen hatte es in der Kolonie nicht mehr gegeben. Sie waren Jahrhunderte vor seiner Geburt ausgefallen und dann ausgeschlachtet worden. Aber er wusste um ihre Existenz und Fähigkeiten. Dieser Droide sah aus wie ein Skelett ohne Beine, bewaffnet mit vielen fies aussehenden Werkzeugen und ein paar Sensoren.

Eine Zeit lang geschah nichts. Plötzlich, für Vorn aus dem Nichts gekommen, stand eine Person neben ihm. Gerade so weit in seinem Augenwinkel, dass der bewegungsunfähige Mensch nichts brauchbares erkennen konnte. Dann, ebenso plötzlich, ein kaltes Stück Etwas an seiner Schulter, fast im selben Augenblick ein Stich, gefolgt von kurz anhaltendem Druck und schon war die Injektionspistole wieder weg. Beeindruckend schnell kehrte Leben in seinen Arm und danach auch in den Rest seines Körpers zurück, doch aufstehen konnte er nicht. Er war inzwischen ans Bett gefesselt worden. Da er aber nun den Kopf drehen konnte, sah er die Person an. Medizinisches Personal, was auch sonst, aber viel mehr konnte der Hüne nicht sagen. Nicht einmal die Spezies war eindeutig zu identifizieren.


„Yagh“ räusperte Vorn sich lautstark und spuckte dann roten Speichel aus, wobei er auf den Imperialen zielte, aber lächerlich weit verfehlte. Er hatte sich offenbar selbst gebissen, spürte die Wunde aber nicht wirklich. Das Mittel der Spritze hatte ihm die nachhallenden Schmerzen nämlich nicht genommen. Einfach. Alles. Tat. Weh.

„Ey Fotze. Mach mich los und lass mich in meine Zelle. Sehe ich so aus, als bräuchte ich eure Behandlung?!“

Ehrlich gesagt brauchte er sie, sollte er in seiner Zelle nicht alleine sein. Aber das konnte er diesem dürren Imperialen ja wohl kaum so sagen...

[Truuine System - Truuine - Nordpolares Gebirge - Mountain Lodge - Krankenstation(?) - Vorn, med. Personal samt med. Droide]
 
[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Nordpolares Gebirge / Mountain Lodge / Krankenstation ] Qowrow und Vorn

Qowrows Kopf hämmerte, während er Gesicht nach unten, die Hände ans Krankenbett gekettet, auf seiner Liege lag. Mit schmerzhafter Genauigkeit konnte er spüren, wo ihn der schwere Fels gestern am Hinterkopf getroffen und ihn hierher befördert hatte. Noch immer wusste er nicht, ob der Stein einfach aus der Decke gebrochen war, oder ob ihn einer seiner Mitgefangenen versucht hatte zu töten. In jedem Fall würde er es herausfinden. Und wenn es ein Mordversuch gewesen war, dann würde der- oder diejenige schon herausfinden, dass man bei einem Wookiee lieber auf Nummer sicher gehen sollte…

Trüb sann das haarige Alien seinen Rachegedanken Adresse unbekannt nach, als eine plötzliche Bewegung die Stille der Krankenstation durchbrach. Einer der Ärzte, ein chronisch schlecht gelaunter Selkath namens Mitsuru, hatte den Raum betreten und machte sich nun an Qowrows katatonisch daliegenden Zellengenossen zu schaffen. Der Zustand war wohl künstlich herbeigeführt worden, denn einen Moment später spuckte der Mensch (?) und begann den Arzt erst zu beschimpfen und dann sinnlose Anweisungen zuzuzischen. Qowrow stöhnte. Ausgerechnet Mitsuru musste dieser Typ angehen? War der neu, oder was?!


„Halts Maul, Idiot, wenn du weißt, was gut für dich i-!“

, maulte Qowrow auf Shyriiwook, brach jedoch jäh ab als die schwarzen Augenperlen des Aliens sich auf ihn richteten.

„Du also auch noch, Flohpelz?! Euch beiden ist wohl zu warm hier oben!“

, ätzte Mitsuru und machte zwei Schritte zu einem Arzneimittelschrank hinüber. Qowrow lag eine Antwort auf der Zunge, die der Arzt jedoch ohnehin nicht verstehen würde. Stattdessen funkelte er feindselig den Mitgefangenen, der ihm das ganze Schlamassel überhaupt erst eingebrockt hatte. Mordversuch oder nicht, wenn er hier herauskam, wusste er schon ein gutes Ziel, um seinen Frust auszuleben. Denn was auch immer Mitsuru geplant hatte…

„So die Herren, dann wollen wir euch doch mal ein bisschen abkühlen. Eigentlich könnt ihr mir danken, denn eure Flöhe werdet ihr jetzt auch los.“

Qowrow riss an seinen Fesseln, während der Selkath zuerst auf den Menschen zutrat. Mit geschickten Fingern verpasste er ihm eine weitere Injektion und mit horrorgeweiteten Augen beobachtete der Wookiee, wie die Haare des Menschen nach wenigen Sekunden in dicken Büscheln auszufallen begannen. Nun brüllte der Wookiee erst recht, als Mitsuru einen Schritt auf ihn zumachte, in den perligen Augen ein bösartiges Funkeln.

Zwanzig Minuten später war alles vorbei. Mitsuru hatte nach getaner Teufelei seine eigentliche Arbeit wieder aufgenommen und sowohl Qowrow als auch den fremden Menschen für entlassungswürdig empfunden. Daraufhin hatte ein Squad Soldaten die Krankenstation betreten und die beiden abgeführt. Zurück zu den Zellblöcken und zur wütenden Freude des vor Kälte zitternden, nackten Wookiee in eine gemeinsame Doppelzelle. Als die Gittertür sich hinter ihnen schloss, hatte Qowrow dann auch nur noch Augen für seinen Zellengenossen.


„Das zahle ich dich heim.“

, versprach er ihm in Form eines wütenden Röhrens und entblößte dabei seine spitzen, weißen Eckzähne. Die Hände hatte er drohend vor sich ausgestreckt und malte sich bereits aus, seine schon eiskalten Finger um den Hals der Kreatur zu legen. Dieser Kerl hatte den letzten Fehler seines Lebens begangen…


[ Innerer Rand / Truuine-System / Truuine / Nordpolares Gebirge / Mountain Lodge / Zellblock / Doppelzelle ] Qowrow und Vorn
 
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