Weltraum (Neutral)

[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs, republikanischer Konvoi voraus


Eine Nebulon-B. Zwei Kanonenboote. Dahinter Transporter und mehr Jäger, als ihm lieb sein konnten. Auren starrte durch das Cockpitfenster. Zwischen den Staubschichten waren die auseinandergeklappten Flügel der ersten X-Wings deutlich zu erkennen. Die Neue Republik und keine Piraten in zusammengeschweißten Schrottkisten, sondern ein militärisch gesicherter Konvoi. Für einen kurzen Moment dachte er daran, was dieser Fund in seinem Einsatzbericht hermachen würde. Dann erschienen hinter den ersten Maschinen weitere Triebwerkslichter.

Le’els Stimme fuhr ihm dazwischen. Er presste die Zähne aufeinander. Ja, verdammt, er konnte zählen. Drei TIEs gegen diese Eskorte, ohne Unterstützung und ohne verlässliche Verbindung zum Träger. Selbst wenn er einen X-Wing erwischte, würden die übrigen ihn auseinandernehmen, bevor er sich einen zweiten aussuchen konnte.

"Ich sehe sie, Acht. Keine Angriffe. Wir drehen ab"

Er sicherte die bisherigen Sensoraufzeichnungen und die eingegangenen Kennungen. Die Positionsdaten waren weiterhin widersprüchlich, aber die Bilder und Transponderantworten würden wenigstens belegen, was sie gefunden hatten. Anschließend rief er die aufgezeichnete Anflugstrecke auf.

Die Linie auf seinem Display führte durch mehrere Kurskorrekturen zurück zur letzten verlässlichen Positionsbestimmung außerhalb des dichten Nebels. Wie genau sie noch war, konnte er nicht sagen. Die eigenen Steuerbewegungen waren jedoch gespeichert. Das war mehr, als ihm diese ständig springende Positionsanzeige bot.


"Wir gehen auf unserer aufgezeichneten Anflugstrecke zurück. Acht, Neun, Sichtkontakt halten. Wende nach Backbord, jetzt"

Auren legte seinen Jäger in die Kurve, seinen aggressive Flugtechnik nur andeutend. Die Konturen des Konvois wanderten seitlich aus seinem Blickfeld, während sich die helle Kante eines Gasfelds quer über die Cockpitscheibe schob. Der Druck der Gurte ließ ihn scharf durch die Nase einatmen. Junckers Faust machte sich wieder bemerkbar. Er hielt die Bewegung gleichmäßig und richtete die Maschine auf den ersten Abschnitt des Rückwegs aus. Die Steuerung reagierte sauber. Wenigstens darauf konnte er sich gerade verlassen.

Er erhöhte den Schub, ohne gleich die volle Leistung abzurufen. Wenn er seinen beiden Piloten hier davonflog, durfte er anschließend allein versuchen, sich durch den Dreck zu finden. Er kontrollierte ihre Positionen mit einem Blick durch das Seitenfenster und wechselte auf den Staffelkanal.


"Mynock Sieben an alle Mynocks. Republikanischen Konvoi gesichtet. Eine Nebulon-B, zwei DP20, sechs Transporter. Geschätzt drei Jagdstaffeln. Kehren auf Anflugstrecke zurück. Empfang bestätigen."

Rauschen. Er wiederholte die Meldung an die Absolution. Diesmal glaubte er, hinter dem Knacken eine Stimme zu hören, aber kein einziges Wort ließ sich verstehen.

"Scheiße"

Er ließ die Sendetaste los und schaltete zurück zum Rottenkanal.

"Noch keine Bestätigung. Wir müssen weiter raus, bis uns jemand hört. Neun, vergleich deinen aufgezeichneten Anflug mit meinem. Meld dich, wenn die Strecken auseinanderlaufen. Acht, behalt unseren Rücken im Auge."

Vor ihnen verschwand der nächste schwache Stern hinter einer dunklen Staubschicht. Auren folgte der gespeicherten Flugbahn und korrigierte den Kurs nur behutsam. Er wollte schneller werden. Jede Sekunde auf diesem Rückweg gab den Republikanern Gelegenheit, ihnen jemanden hinterherzuschicken. Gleichzeitig hatte er wenig Lust, mit hoher Geschwindigkeit wieder vor einem Kanonenboot aufzutauchen, weil er sich auf die falsche Anzeige verlassen hatte. Im Bereitschaftsraum hatte Thorne von Piraten gesprochen. Davon, Kontakte aufzuklären und zu melden. Genau das hatte er getan. Niemand konnte ernsthaft erwarten, dass er mit drei Maschinen einen solchen Konvoi angriff.

Trotzdem ärgerte es ihn, mit den Waffen unbenutzt davonzufliegen. Er sah kurz auf die gesicherten Daten. Die mussten zum Träger. Wenn dieser Fund etwas wert war, dann würde sein Name darunterstehen, doch dazu musste er erst einmal zurückkommen. Eine weitere Abtastung lief über das Sensorbild. Hinter ihnen flackerten zwei Rückmeldungen auf. Auren sah hin, wartete auf den nächsten Durchlauf und hoffte einen Moment lang, dass sie wie die übrigen Fehlkontakte verschwanden.

Sie blieben. Die Entfernungswerte waren unbrauchbar, doch beide Kontakte lagen ungefähr auf ihrem Rückkurs.


"Acht, Neun. Zwei mögliche Kontakte hinter uns. Könnt ihr sie sehen?"

Er schob den Leistungshebel ein Stück weiter vor. Das Summen der Triebwerke wurde tiefer, während er den TIE auf der errechneten Rückflugstrecke hielt.

"Wir bleiben zusammen. Weiter zurück Richtung Nebelrand und Absolution"

[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Rückflug entlang der aufgezeichneten Anflugstrecke – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ //Master Suit// Mira & Jake //

„Oh.“ Es dauerte einen Moment, bis Jakes Gehirn die neuen Informationen zu Miras Wesen nachhaltig verarbeitet hatte.“ Okay.“, beschloss er schließlich, bevor der Alderaaner ihr wieder direkt in die Augen sah und überzeugt fortfuhr. „Ändert nichts an dem was ich gesagt habe.“

„Und es ist auch ein klein bisschen beruhigend.“ Seine Schultern entspannten sich. „Ich habe gedacht du würdest nicht das beste Bild von dir haben. Aber in einem Stück und aus eigener Kraft verschwinden ist immer am besten. Wenn du nicht rennen kannst, gehst du, und wenn du nicht gehen kannst, kriechst du, und wenn du das auch nicht kannst ... suchst du dir jemanden, der dich trägt.“ Einen Moment betrachtete er Mira von oben bis unten. Seine Brauen zogen sich nachdenklich zusammen, bevor er mit einem etwas schiefen Lächeln wieder zu ihrem Gesicht aufsah. „Ich hoffe ich trete dir nicht zu nahe, aber bist du schwerer als rein biologische Frauen? Wenn man dich tragen müsste, ist das ein spürbarer Unterschied? Ich überlege, ob ich dich tragen könnte?“ Samin hätte das Thema garantiert bewusst falsch interpretiert und er wäre einer weiteren Ohrfeige näher gekommen.
Mira hingegen schilderte sogar ihre Nahrungsbedürfnisse.
„Hmmmm…Hmmmm.“, meinte er genüsslich, mit einem breiten Grinsen. „Spaltbares Material, das mag ich am Liebsten!“

Die Leidenschaft für kulinarisches und Spirituosen verwunderte Jake im ersten Moment, aber umso mehr er die Freude und Neugier in ihrer Stimme auf sich wirken lies, desto besser konnte er sich das mehr und mehr vorstellen.
Eine Bar wollte sie. Für einen Moment betrachtete Jake die junge Frau, platzierte sie im Geiste in unterschiedlichsten Bars die er im Laufe seines Lebens aufgesucht hatte und sie fand erstaunlich oft einen Platz darin, den sie wie selbstverständlich für sich einnahm. Er nickte sachte. Das würde gut passen, wirkte sogar einladend charmant. Selbst vor raueren Gästen dürfte Mira kaum etwas zu befürchten haben.

„Ich kann mir das richtig gut vorstellen.“ Ein feines Schmunzeln blitzte auf, als er sich ein Stück zurücklehnte. Dann hob er eine Augenbraue und fragte, trotz der Belustigung in seinem Gesicht durchaus ernst: „Sag mal, kann ich Teilhaber werden? Ich werde bald mehr Credits haben, als gut für mich ist? Und das hört sich nach einer sicheren Investition an. Aber an einer Verköstigung würde ich trotzdem Interesse anmelden.“

Dass sie ihre Mom mochte, war wenig überraschend und gleichzeitig tiefgreifend beruhigend. Das Verhältnis der beiden schien also ganz gut und stabil zu sein. Auch zuvor hatte die Sephi - irgendwie weigerte sich sie als Androidin zu bezeichnen - schon erzählt, dass es ihre und nicht Moores Idee gewesen war, die Lebensversicherung für den Infiltrationstrupp zu sein. Er kam nicht umher zu bemerken, dass ihre Wangen rot wurden und sie offensichtlich ablenkte.

„Ich hatte ja eigentlich mit einer Antwort à la ‚Alle, die an Bord sind‘ gerechnet. Aber nun liegt irgendwie die Vermutung nahe, dass es da eine ganz spezielle Person an Bord gibt.“
Jakes Grinsen, das er vergeblich zu unterdrücken versuchte, wurde breiter. Mit gespielter Verlegenheit legte er sich eine Hand auf die Brust

„Mira ich fühle mich ja wirklich geschmeichelt. Ich weiß wir haben gerade auch einen Moment und du bist auch sehr… sehr attraktiv, aber…“ Weiter kam er nicht. Ein Lachen entwich ihm, und er senkte kurz den Kopf, während seine Schultern bebten. Immer noch belustigt fügte er hinzu: „Wenn du einen Wingman oder ne Ablenkung brauchst, sag Bescheid.“

„Ja, Tableflip.
Das muss sein, das ist so etwas wie ein kosmisches Gesetz.“ Er nickte mit übertriebener Würde, bevor er freundschaftlich ihre Schulter mit seiner anstubste. „Lachend gefällst du mir viel besser als so schweigsam, versessen ins Spiel, oder Tische rausreißend. Lachen steht dir gut.“

Ihre Tränen ließen sie weicher und nahbarer erscheinen, Jake war froh, dass sie sich diese Momente in seiner Nähe entdecken ließ. „Niemand kann immer stark sein. Jeder braucht Verschnaufpausen und wenn man mal unter einer Last zusammenbricht ist es gut Freunde zu haben, die dir aufhelfen, den Staub von deinen Schultern klopfen und dir bekräftigen, dass wenn du eine Pause brauchst, sie gerne die Last eine Weile für dich tragen. Oder dass du das kannst, je nach Situation.“

Da immer mal wieder einzelne Tränen ihren Weg über Miras Wangen liefen, fing Jake an in seinem Overall nach einem Tuch zu suchen, mit der Rüstung, könnte sie sich kaum das salzige Nass trocknen. Aber er fand nichts, ließ sich komplett rücklings auf das Bett fallen, bekam das Kissen zu greifen und richtete sich wieder auf. Mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen hielt er es ihr hin, um damit die Tränen trocknen zu können. Was besseres war aktuell nicht greifbar, und Jake war schon immer der Meinung gewesen, dass man mit dem arbeiten musste, was man hatte.

„Tränen sind gut. Sie helfen uns Gefühle zu verarbeiten und sie kommen in unterschiedlichsten Ausführungen. Ich hoffe, dass diese hier Tränen der Erleichterung sind,
einfach weil du deinen Gedanken Platz verschaffst und sie nicht mehr dein Herz zerdrücken. Manchmal braucht man auch einfach jemanden, der einen in den Arm nimmt, einfach nur da ist und einem sagt, dass man nicht alleine ist. Dass die eigenen Bedenken, Sorgen und Ängste ihre Berechtigung haben und man deswegen nicht weniger wert ist. Angst vor dem Tod zu haben, ist natürlich und gesund. Sie darf uns nur nie lähmen.“

Jake richtete sich wieder auf und breitete die Arme andeutungsweise aus. Mit leicht angehobenen Brauen wartete er einen Moment und überließ ihr die Entscheidung, ob sie das Angebot annehmen wollte. Mehr als eine Schulter zum Anlehnen und eine Umarmung anbieten konnte er nicht; sie ungefragt an sich zu ziehen, würde er sich nicht herausnehmen.

„Weißt du, eine Freundin fragte mal, ob ich soviel grinse, schmunzele oder lache, weil es die harmloseste Art ist dem Tod die Zähne zu zeigen. Und ich glaube sie hat mit der Annahme Recht, der Scheiß den ich schon überlebt habe ist nicht normal.“ Für einen Atemzug blieb er nachdenklich. Als er Mira wieder ansah, kehrte das vertraute, schiefe Grinsen zurück. „Aber vielleicht mache ich auch alles richtig, und wenn ich den Tod angrinse, grinst er nickend zurück. Ich finde das ist ne schöne Vorstellung. Wie zwei alte Freunde.“ Damit könnte Jake sprich- und wortwörtlich leben.

„Du meinst einzigartig.“ Jake hob das Kinn ein wenig und zwinkerte Mira mit dem linken Auge zu. „Zugegeben, ich bin was für Kenner.“
Mittlerweile hatte er angefangen mit dem rechten Bein zu wippen und wollte noch so vieles wissen. Vielleicht half es auch ihr die Gedanken und Pläne an später zu ordnen. Denn später würde nach Bakura sein, es half Ziele zu haben die einem durch schwere Zeiten motivierten.

„Weißt du schon wo du die Bar aufmachen willst? Was für ein Flair du haben willst und wo deine Bar gut hinpassen würde? Es gibt viele tolle Orte in der Galaxie und wenn du einen Piloten brauchst, kann ich dir ein gutes Angebot machen." Während er sprach, beschrieb er mit einer Hand einen kleinen Bogen, als könne er die Möglichkeiten vor ihnen ausbreiten. "Ich vermute es soll eher ein Ort für einen angenehmen Abend oder zum Feiern sein? Kein Wasserloch irgendwo in den Randgebieten oder auf einer Waystation?“ Er hob fragend die Brauen.


// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ //Master Suit// Mira & Jake //
 
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Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder


Samin überraschte etwas, dass Dany sich so entschieden gegen die Idee aussprach, Mira im Ernstfall zurückzulassen. Die Mandalorianerin hatte gerade noch über den zerstörten Sabacctisch geschimpft und erklärte nun, dass sie die Androidin keinesfalls ihrem Schicksal überlassen würde. Aber warum eigentlich nicht? Genau für solche Situationen war sie konstruiert worden und offenbar so widerstandsfähig, dass sie Dinge überleben konnte, der jedes andere Mitglied der Gruppe töten würde. Wenn man diese Fähigkeit nicht nutzte, wozu war sie dann überhaupt dabei? Samin betrachtete Dany einen Moment von der Seite. Irgendwie war es dennoch ziemlich anständig von ihr. Auch, wenn die Chiss ihre Bedenken nicht vollständig teilen konnte.

„Ich glaube, es bringt nichts, jetzt schon darüber zu diskutieren, wer auf Bakura zurückgelassen wird“
, warf sie schließlich als Neutralitätsversuch ein und sah zwischen den beiden Frauen hin und her. „Im Optimalfall kommen wir mit allen zurück.“

Sie lächelte Dany kurz zu, ehe Moore ihre Erklärung fortsetzte. Diese war also selbst keine Androidin, sondern eine Sephi mit Implantaten, die es ihr ermöglichten, unmittelbar mit allerhand Technik zu interagieren. Samin zog eine Augenbraue hoch. Das war nicht weniger seltsam, erklärte aber einiges, wie die merkwürdigen Holoprojektionen in Moores Appartement. Dass die beiden Frauen darüber hinaus Informationen und sogar Gefühle miteinander teilen konnten, war dann die eigentlich gewöhnungsbedürftigere Vorstellung. Sie konnte also einfach mit ihrem Kopf auf Computer zugreifen und mit Mira kommunizieren, ohne dass irgendjemand etwas davon mitbekam? Samin versuchte sich vorzustellen, wie das funktionieren sollte und dachte unweigerlich daran, wie es wohl wäre, wenn sie und ihre Tochter einfach so Gedanken und Emotionen austauschen konnten. Würde es die Sache vereinfachen? Oder nur noch verkomplizieren?

„Das heißt, Mira kannte Ihre Karten und Sie kannten Miras? Und trotzdem hat Dany gewonnen?“

Samin presste beeindruckt die Lippen aufeinander, pfiff anerkennend und wackelte mit dem Kopf in Richtung der Mandalorianerin.

„Nicht schlecht, Dany.“

Moore ging kurz darauf auch noch auf die Frage ein, ob sie Mira selbst erschaffen hatte. Sie war zumindest an ihrer Entwicklung beteiligt. Maßgeblich. Samin hörte aufmerksam zu, während die Sephi beschrieb, wie das Projekt eigentlich gedacht und schließlich eingestellt worden war.

„Sie haben sie also praktisch zweimal erschaffen?“
, fragte Samin nachdenklich. „Erst als Waffe. Dann als Tochter?“

Die Chiss betrachtete Dr. Moore mit einer eigenartigen Mischung aus Anerkennung, Faszination und Ablehnung. Immerhin hatte sie etwas getan, dass Samin durchaus nachvollziehen konnte. Sie hatte in ihren eigenen Augen ein Kind gerettet, das sonst keine Zukunft gehabt hätte und ihm ein Zuhause gegeben. Als Moore schließlich erklärte, weshalb sie Mira überhaupt zu ihrer Tochter gemacht hatte, weichte Samins Gesichtsausdruck auf. Die harten Züge ihrer Chiss-Herkunft wichen den weicheren, nahbaren menschlichen Konturen. Die erste Version ihrer Implantate hatte die Sephi unfruchtbar gemacht. Sie konnte keine eigenen Kinder bekommen.

„Das tut mir leid“,
sagte Samin nach einer Weile, weil sie nicht wusste, was sie darauf erwidern sollte. Die Offenbarung war unerwartet persönlich. So sehr, dass es Samin beinahe unangenehm war und sie sich fühlte, als wären ihre Fragen zu sehr in die Privatsphäre ihrer Auftraggeberin eingedrungen. Aber sie mussten nun einmal wissen, mit was sie es zu tun hatten. Und nun hatte sie einen Ansatz, den sie nur zu gut verstehen konnte: Den Wunsch nach einem Kind und die Angst, dieses Kind wieder zu verlieren. Die Wissenschaftlerin hatte ihnen gerade etwas anvertraut, was sie vermutlich nicht jedem erzählte. Entsprechend wollte Samin darauf nicht mit irgendeiner oberflächlichen Bemerkung reagieren. Denn es machte tatsächlich einen Unterschied, das Warum zu kennen.

„Jetzt verstehe ich es. Ich habe meine Tochter dreizehn Jahre lang nicht gesehen. Und jetzt, wo ich sie endlich wiederhabe, würde ich vermutlich alles tun, um sie nicht noch einmal zu verlieren.“

Sie lächelte schwacher, ehe sie den Blick senkte. Es war merkwürdig, dass sie ausgerechnet mit dieser Frau etwas gemeinsam hatte. Eine Frau, die offensichtlich für die Black Sun arbeitete, mit einer künstlich erschaffenen Tochter, die gleichzeitig Kampfmaschine war, zusammenlebte und über technische sowie finanzielle Möglichkeiten verfügte, von denen Samin bis vor wenigen Minuten nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

„Jetzt verstehe ich, warum Sie Mira Ihre Tochter nennen“
, ergänzte sie und sah wieder auf.

Der Blick ihrer roten Augen fiel auf Dany. Die Mandalorianerin hatte sich trotz der noch recht frischen Bekanntschaft bereits als ausgesprochen verlässliche Begleiterin erwiesen. Und das, obwohl ihr Aufeinandertreffen mit einer Schießerei, einem zerstörten Frachter und einer Festnahme begonnen hatte. Inzwischen kam es Samin beinahe selbstverständlich vor, dass ihre kleine Gruppe zusammengehörte. War das nicht absurd? Vielleicht war das einfach ihr innerer Drang nach einer Einheit?


„Wisst ihr, was verrückt ist? Vor zwei Wochen war ich noch eine imperiale Heldin.“

Sie ließ den Blick zwischen Moore und Dany wandern.

„Ich kannte keinen von euch. Jetzt fliegen wir diese Luxusyacht, ich habe mehr Credits als jemals zuvor, meine Tochter ist ein paar Räume weiter und ich unterhalte mich mit einer Mandalorianerin und einer kybernetischen Wissenschaftlerin über deren Androiden-Tochter.“

Von dem alten Freund, der aus dem Nichts aufgetaucht war, ganz zu schweigen. Sie schnaubte amüsiert und schüttelte dann lachend den Kopf.

„Ich weiß nichts über euch. Und trotzdem kommt es mir nun vor, als würde ich euch gut genug kennen, um euch zu vertrauen. Ich hoffe, dass ich das nicht bereuen werde.“

Nun suchte sie gezielt den Blick der Sephi.

„Ihre Tochter wird auf Bakura nicht sterben. Egal, was Sie beide geplant haben. Dafür sorgen wir schon.“

Samin legte Dany eine Hand auf die Schulter, wofür sie sich auf die Zehenspitzen stellen musste.

„Vielleicht bekomme ich einfach noch etwas mandalorianisches Schießtraining? Nur für den Fall der Fälle.“

Erneut lächelte die Chiss.

„Wo hast du eigentlich kämpfen gelernt? Und von wem?“

Es war an der Zeit, noch mehr über die Mitglieder dieser selten merkwürdigen Crew zu erfahren. Und wo blieb eigentlich Jake?


| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Sitzecke beim Cockpit |
Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira im Quartier //

Dany hatte die Arme noch immer vor der Brust verschränkt. Moores zunächst recht kühle Antwort gefiel ihr nicht besonders. Vorhin hatte sich das alles schließlich noch ganz anders angehört. Lebensversicherung, Feindfeuer auf sich ziehen und möglicherweise nicht zurückkommen. Und jetzt sollte das plötzlich nur eine von unzähligen Möglichkeiten sein, die man selbstverständlich bereits durchgerechnet hatte? Welche Mutter kalkulierte überhaupt so nüchtern den Tod ihrer eigenen Tochter ein, auch wenn der angeblich nur eine Notlösung sein sollte?

Allerdings ließ Dany die
Silberhaarige ausreden. Je länger Moore sprach, desto mehr verstand sie zumindest, wie es zu dieser Planung gekommen war. Es gab also doch einen Rückzugsweg für Mira. Sogar mehrere. Dass die Androidin unter bestimmten Voraussetzungen wiederhergestellt werden konnte, war ebenfalls eine ziemlich bemerkenswerte Information. Dany war sich nur nicht sicher, ob sie das wirklich beruhigend finden sollte. Mira war schließlich kein kaputter Blaster, bei dem man einfach ein paar Teile austauschte und anschließend weitermachte.

Aber immerhin hatte
Moore ihre Tochter keineswegs einfach abgeschrieben.

Die eigentliche Überraschung folgte jedoch erst danach. Dany hörte zu, wie die Silberhaarige von
Miras Erschaffung berichtete, von einem gescheiterten Experiment und davon, wie sie die Überreste dessen vor der Abschaltung gerettet hatte. Dass Moore selbst keine Kinder bekommen konnte und Mira deshalb nicht nur als technisches Projekt, sondern tatsächlich als Tochter hatte großziehen wollen, ließ Danys anfängliche Empörung allmählich schwinden.

Das war schon eine verdammt andere Geschichte. Sie betrachtete
Moore nachdenklich. Die Frau hatte sich also nicht einfach irgendeine künstliche Kampfmaschine angeschafft und ihr zum Spaß das eigene Gesicht verpasst, auch wenn sie diesen Teil der Story noch immer etwas befremdlich fand. Sie hatte einem "Wesen", das andere längst aufgegeben hatten, ein zweites Leben ermöglicht.

Und offenbar hatte sie dabei selbst erst lernen müssen, was es bedeutete, eine Mutter zu sein.

Dany konnte sich nicht vorstellen, wie das alles funktioniert hatte. Aber sie wusste, wie es war, in einer Familie aufzuwachsen, in der man sich aufeinander verlassen konnte. Auf Shinbone war das nie besonders kompliziert gewesen. Ihre Eltern hatten gearbeitet, sich um ihre Kinder gekümmert und dafür gesorgt, dass niemand allein mit seinen Problemen dastand. Dass
Moore sich für Mira genau das gewünscht hatte, konnte Dany durchaus verstehen.

Ihr Gesichtsausdruck wurde allmählich weicher. Ganz überzeugt war sie noch immer nicht. Aber sie musste der Wissenschaftlerin wohl zugestehen, dass diese ihre Tochter keineswegs leichtfertig opfern wollte.

Als
Moore sich schließlich sogar dafür bedankte, dass Dany für Mira eingetreten war, löste die Mandalorianerin ihre verschränkten Arme. Für einen Moment wirkte sie beinahe verlegen. Dann nickte sie der Silberhaarigen zu.

"Schon gut"

Ein kleines Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

"Sie sollten ihr nur beibringen, entweder besser Sabacc zu spielen oder mit Niederlagen besser umzugehen"

Ihr Blick wanderte zu den noch immer verstreuten Karten und Chips.

"Sonst haben Sie bald keine Tische mehr"

Samins Bemerkung über den Kartensieg hatte Dany zwischenzeitlich allerdings ebenfalls aufhorchen lassen. Moore und Mira hatten ihre Karten gekannt? Beide? Und trotzdem hatte sie gewonnen? Natürlich, die Chiss hatte recht. Shab, das machte den Sieg ja noch viel besser!

Dany erwiderte den anerkennenden Blick der Chiss mit einem ausgesprochen zufriedenen Grinsen.


"Alles eine Frage der richtigen Taktik"

Welche Taktik das gewesen sein sollte, ließ sie natürlich offen, weil es für sie offenbar keine Funktionierende gab. Anschließend hörte sie Samin zu. Vor zwei Wochen noch eine imperiale Heldin, jetzt eine gesuchte Deserteurin auf einer Luxusyacht mit einer mandalorianischen Kopfgeldjägerin, einer Wissenschaftlerin und deren künstlich erschaffener Tochter. Dany musste bei dieser Aufzählung selbst etwas schmunzeln.

Vor zwei Wochen hatte sie immerhin noch ein Schiff besessen. Ein beschissenes Schiff zwar, bei dem ständig irgendetwas kaputtging, aber immerhin ihr eigenes. Jetzt war ihre Dawn Chaser Geschichte, dafür hatte sie Aussicht auf eine halbe Million Credits und saß mit Leuten zusammen, deren Lebensläufe teilweise so absurd waren, dass Dany sich inzwischen ernsthaft fragte, ob sie überhaupt noch irgendetwas überraschen konnte.

Dass Samin ihnen trotz der kurzen Bekanntschaft bereits vertraute, ließ Dany allerdings kurz nachdenklich werden. Sie hätte vermutlich dasselbe sagen können. Zwei Jahre lang war sie mehr oder weniger allein durch den Outer Rim gezogen. Von Planet zu Planet, von einem Kopfgeld zum nächsten. Anfangs hatte ihr die Vorstellung gefallen, niemandem Rechenschaft schuldig zu sein und einfach ihr eigenes Ding zu machen. Doch besonders glücklich war sie damit nie gewesen. Irgendwann waren selbst die Abende in der Dawn Chaser verdammt einsam geworden. Nicht, dass sie deshalb gleich nach einer Ersatzfamilie gesucht hätte oder so einen Shab. Aber es war schon angenehm, wieder Leute um sich zu haben, mit denen man reden, lachen und sich gelegentlich über ein ausgeartetes Kartenspiel aufregen konnte.

Dany ließ den Blick kurz zwischen Moore und Samin wandern. Vor wenigen Tagen hatte sie keinen dieser Menschen gekannt. Jetzt saß sie hier und stellte fest, dass sie ihre Gesellschaft tatsächlich mochte. Sogar die der Verrückten. War sie nur noch wegen des Geldes hier? Wahrscheinlich nicht.

Als die Chiss schließlich erklärte, dass Mira auf Bakura nicht sterben würde, und Dany dabei eine Hand auf die Schulter legte, sah die Mandalorianerin zu ihr hinunter. Die Berührung überraschte sie ein wenig und Dany merkte, wie sie etwas versteifte. Nicht weil es ihr unangenehm gewesen wäre. Im Gegenteil. Sie erwiderte
Samins Lächeln.

"Na, das will ich hoffen"

Dann kam die Frage nach ihrem Schießtraining. Dany hob leicht die Braue.

"Auf Shinbone"

Sie zuckte mit den Schultern, als wäre damit eigentlich schon alles erklärt. Wenn man diesen Ort kannte, dann wusste man eben Bescheid.

"Hauptsächlich von meinem Vater. Meine Eltern haben in der Minensiedlung gearbeitet, in der ich aufgewachsen bin. Und Piraten hatten leider regelmäßig die Idee, dass sie sich dort einfach bedienen könnten."

Dany schnaubte leise.

"Also musste sich irgendwann jeder verteidigen können. Mein Vater hat mir beigebracht, wie man mit einem Blaster umgeht. Später kamen andere dazu. Ein bisschen Nahkampf, Schießen, Deckung suchen und solche Sachen. Was man eben braucht, wenn irgendwelche Arschlöcher mit Waffen vor der Tür stehen."

Sie ließ den Blick kurz zwischen Moore und Samin wandern.

"War jetzt keine besonders ruhmreiche Kriegerausbildung, falls du das meinst. Meine Eltern waren Arbeiter. Keine berühmten Söldner oder irgendwelche legendären Mandalorianer. Aber auch in ihren Adern fließt deren Blut. Das meiste habe ich ohnehin erst durch praktische Erfahrung gelernt, seit ich vor zwei Jahren losgezogen bin, um mir als Kopfgeldjägerin meine Credits zu verdienen."

Dazu kamen natürlich hunderte Stunden körperlichen Trainings. Sie sah Samin wieder an.

"Aber wenn du Schießtraining willst, können wir das gerne machen. Sobald wir auf Zanbar einen geeigneten Platz finden."

Ein schelmisches Grinsen zog über ihr Gesicht.

"Und dafür zeigst du mir vielleicht ein paar von deinen Flugmanövern. Aber am besten so, dass ich meinen Mageninhalt behalten kann."

Dany legte leicht den Kopf schief.

"Abgemacht?"

Dann fiel ihr noch etwas ein. Dany wandte sich wieder Moore zu, diesmal mit einem deutlich freundlicheren Gesichtsausdruck.

"Ach, und Dr. Moore? Sie können mich übrigens ruhig duzen. Dany reicht völlig."

Sie grinste leicht.

"Bei Miss Valthor komme ich mir immer so vor, als hätte ich irgendwas ausgefressen"

// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore //
 
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