Comicverfilmung Justice League

Zack Snyders Justice League ist der Beweis, dass mehr Laufzeit einen Film nicht besser macht, sondern nur länger.

Steppenwolf sieht optisch nicht mehr ganz so bescheuert aus, wirkt aber durch die tausend kleinen Teile seiner Rüstung wie ne Lavalampe. Das ist seine interessanteste Eigenschaft. Warum er diese sklavische Loyalität zu Darkseid zelebriert, wird nicht klar. Damit ist der Antagonist, und damit die eigentliche Triebfeder des Films, genau wie in der Kinofassung, im Wesentlichen kaputt.

Batmans Charakterisierung als ballernder Killer ist immer noch absolut indiskutabel. Einzig Flash und Cyborg hat diese Fassung wirklich gut getan. Aber "Eltern" als Motivationsschema ist dann auch irgendwie ein Dauerprogramm und jede Heldenfigur in diesem DCEU ist irgendwie in sigifikanter Weise davon betroffen. Das fühlt sich nicht richtig an.

Unter dem Strich ist das Machwerk nicht besser, sondern nur anders dämlich und das komplett inkohärente Ende mit Zeitsprüngen, Traumsequenzen und Deathstroke aus dem Zaubererhut, macht deutlich, dass Snyder eben auch nicht wirklich wusste, was er da eigentlich erzählen wollte. Und den Soundtrack von Danny Elfman finde ich einfach besser, als den von Tom Holkenborg.
 
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Ich fand, dass der Snyder‘Cut deshalb deutlich besser war, gerade weil er mehr Exposition beinhaltet hat. (Egal ob gut oder schlecht. Aber zumindest ist eine Form von greifbarer Materie beim Snyder‘Cut dagewesen im Gegensatz zur Kinoversion. Das ist schon ein massiver Pluspunkt für mich.)

Die Kinofassung fand ich derart grauenvoll, dass es schon fast eine Überwindung war, die neue Schnittfassung anzusehen.

Als ich aber dann mal drin war im Film…:

Gefühlt sind die vier Stunden Synder‘Cut bei mir tatsächlich schneller vorbei gewesen als die zwei Stunden Dauerbelastung von Joss Whedons Version.
 
Wie schon oft gesagt: Ich bin absolut kein Fan von Zack Snyder. Den meisten seiner Filme fehlt Tiefgang und erzählerische Finesse, stattdessen gibt es immerhin etwas fürs Auge. Mehr leider nicht. Eine Ausnahme war sicherlich "Watchmen". Ein Film, der zu begeistern wusste und rundum gelungen inszeniert war. Und auch wenn mir "Batman v Superman" durchaus gefallen hat, kränkelt der Film an den typischen Snyder-Problemen.

"Justice League" (der Kino-Cut) war dann so belanglos, dass ich den Großteil schon wieder vergessen habe. Bei dem Snyder-Cut dachte ich mir im ersten Moment: Warum? Der Film ist so vergessenswerter Blockbuster-Durchschnitt, dass ich beim besten Willen keinen Grund gefunden habe mir das anzugucken...

Letztlich war das Interesse aber doch so groß, dass ich mir das Ding gestern endlich gegeben habe (muss man sich ja echt nen Abend für reservieren...4 Stunden :D): Snyders "Justice League" ist ein anderer Film. Erzählt zwar die gleiche Geschichte, aber nimmt sich die benötigte Zeit für seine Charaktere. Man braucht Sitzfleisch, und trotzdem wird einem auf die 240 Minuten Laufzeit nie langweilig. Und das ist schon eine Leistung.
Die Bildgewalt, die Snyder sowieso beherrscht, wird erst durch den Tiefgang emotional greifbar. Das hat er schon bei "Watchmen" geschafft, und auch hier merkt man, dass ihm die komplette Narrenfreiheit gut getan hat.

Der Film hat hier und da natürlich immer noch die erzählerischen Schwächen, die so typisch für ihn sind. Und einige Krankheiten der Originalstory kann auch diese Version nicht kaschieren. Trotzdem gilt mein vollster Respekt allein schon dieses Projekt quasi alleine zu stämmen. Und ich hab mich sehr gut unterhalten gefühlt, die Länge hilft mir vor allem die Vision, die Snyder scheinbar nicht in 2,5 Stunden erzählen kann, besser zu verstehen.

Hoffen wir, dass das Snyderverse eine Chance bekommt. Ich schaue mir davon gerne weitere 4 Stunden an.

Die Traumsequenz mit u.a. dem Joker am Ende war der Hammer. Gerne mehr von diesen Aufeinandertreffen.
 
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