Naboo

Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf


Befreit atmete Faith auf. Hier draußen war ihr viel wohler zumute als daheim. Nichts hatte sie von der Wanderung in die Sümpfe abhalten können, insbesondere nicht die ängstlichen Vorbehalte ihrer Mutter. Um der Wahrheit die Ehre zu geben hatten gerade die Vorbehalte Faith geradezu darin bestärkt, diese Wanderung zu unternehmen.
Sie war alleine und dafür war sie dankbar, denn es hatte zeitweilig so ausgesehen, als hätte ihr Vater, sie bei dieser Wanderung zu begleiten. Befeuert wurde sein Wille durch ihre Mutter. Aber sie hatte in einer ruhigen Minute mit ihm geredet und ihm klargemacht, wieviel ihr diese Wanderung, ganz auf sich alleine gestellt, bedeutete.
Naboo war schließlich ein friedlicher Ort, also kein Grund, Panik zu schieben.
Insbesondere nachdem sich das Imperium endgültig von diesem Planeten verzogen hatte.
Die Zeit der imperialen Besatzung hatte Faith als nicht sonderlich positiv in Erinnerung. Aber als Schülerin waren ihre Mittel, sich irgendwie gegen das Imperium zu wehren ziemlich begrenzt. Jetzt gehörte Naboo wieder zur Republik, aber wo hier die Vorteile lagen, erschloß sich Faith nicht. Ihre Heimat hatte ziemlich gelitten, weil sie zur Republik gehört hatte. Am besten man ließ sie mit diesem politischen Kram in Ruhe. Es gab genügend Gründe zur Frustration, da mußte man sich nicht noch der politischen Lage widmen.
Ihre Job machte ihr Spaß und auch irgendwie nicht. Es war einerseits so faszinierend, besonders weil die Firma, für die Faith arbeitete, intergalaktisch tätig war, aber anderseits so frustrierend, Belege von Planeten zu verbuchen, die man wahrscheinlich niemals im Leben persönlich sehen würde.
Mit ihren neunzehn Jahren war sie eigentlich viel zu jung für einen solchen Pessimismus, aber Reisen waren nicht gerade günstig und es gab bei weitem mehr Ziele als Geld. Es war einfach viel zu viel Reise am Ende des Geldes übrig. Sie sparte seit ihrer Ausbildung auf eine größere Reise und die Wanderung in die Sümpfe stellte ihren einzigen Urlaub dar. Die Wanderung ließ sich ohne besondere Schwierigkeiten mit den Sachen auf die Beine stellen, die ihr sowieso schon zur Verfügung standen.
Und ihre Eltern wollten, obwohl sie mittlerweile ihr eignes Geld verdiente, keinen Credit für Kost und Logis haben. Eigentlich hatte sie wirklich gut daheim, keine Vorschriften und verständnisvolle Eltern. Nun gut, bis auf die Sache mit der Reiselust verständnisvoll. Diese Reiselust sahen die Eltern als Marotte ihrer Tochter nicht so gerne, während Faith diese Ansicht ihrerseits als Marotte einstufte.

In diesen Gedanken vertieft, sah sich Faith um, ohne im Augenblick ihre Umgebung im ersten Augenblick zu registrieren.


"Wie ärgerlich…!"

Vielleicht hätte sie bei ihren Selbstbetrachtungen ein bißchen besser auf den Weg achten sollen. Jetzt hatte sie sich verlaufen. Nun zumindest nicht direkt verlaufen, aber sie war nun von dem Weg abgewichen, den sie kannte und eigentlich noch einmal entlang wandern hatte wollen.

"Nun, dann auf in ein neues Abenteuer."

Sarkasmus war nicht gerade Faiths Stärke, aber an dieser Stelle klang nicht wenig davon in ihrer Stimme mit. Die Sümpfe waren nun wirklich kein neues Abenteuer, denn sie war hier schon ziemlich oft gewesen. Und auch wenn sie immer wieder etwas Neues entdeckte, so war ihr das nicht genug. Denn letztendlich war und blieb es Naboo.
Mit einer jähen Aufwallung von Frustration trat Faith einen zu ihren Füßen liegenden Stein und traf so gut, daß sich der Stein eine schöne Flugkurve beschrieb und dann mit einem satten Knall landete.
Einen Augenblick war Faith irritiert. Dieser Knall hatte so gar nichts mit dem Geräusch gemeinsam, welcher ein Stein, der auf dem Sumpfboden aufschlug, verursachte.



Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf
 
Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf


Das komische Geräusch, das der Stein beim Aufprall verursacht hatte, hatte anscheinend doch nichts zu bedeuten gehabt.
Wahrscheinlich hatte sie es sich auch nur eingebildet oder sich schlicht und einfach verhört. Wahrscheinlich war der Stein auf irgendeinen anderen Stein oder einen liegengelassenen Gegenstand gefallen. Die Bewohner von Naboo achteten darauf, daß sie ihre Lebensräume nicht verschmutzen und keiner hätte seinen Müll hier liegengelassen, aber Naboo war für Touristen von Interesse und manchmal waren die Besucher wirklich nicht das Gelbe vom Ei.
Aber sie hatten wenigstens mal einen anderen Planeten gesehen außer ihren Heimatplaneten. Alleine das, war schon beneidenswert.

Interessiert blickte sich Faith um. In diesem Teil des Lianorm- Sumpfes war sie noch nie gewesen. Für sie stellte das kein Problem dar, aber sie hatte mit ihren Vater eine Route abgesprochen, damit ihre Mutter sich nicht unnötig sorgte.
Dabei räumte Faith ihnen keine 24 Stunden ein, bis zu Kontrollfreaks mutierten und sich auf den Weg machen würden, um zu sehen, ob ihre Tochter nun verhungert, verdurstet oder von irgendwelchen wilden Tieren zerfleischt worden war. Lächerlich war das.
Also mußte sie sehen, daß sie zurück auf ihre Route gelangte, aber erst einmal wollte sie sich diese Gegend genauer ansehen.
Sie konnte sehen, daß sich wenige Meter vor ihr die Lichtverhältnisse änderten, also schloß sie daraus, daß sie auf eine Lichtung zuging.
Sie hatte gerade die Lichtung betreten, als sie auf ein Ungetüm aufmerksam wurde und wie festgewurzelt stehen blieb.
Mit großen Augen blickte sie auf das Monstrum und fragte sich, ob die Sumpfgeister Rache nahmen, indem sie Müll zu einem Lebewesen zusammen setzten. Zumindest sah das Monstrum so aus, wie eine überdimensionierte Fischdose.
Dummerweise kam diese Fischdose nun auf sie zu, Faith schluckte trocken und wünschte sich sehnlichst, daß sich ihre Füße in Bewegung setzten, aber mit den Wünschen war das so eine Sache, denn anscheinend machten ihre Füße gerade mit der Fischdose gemeinsame Sache.
Und nun stand die lebendige Fischdose nur eine Armeslänge von ihr entfernt. Das war entschieden zu nah, viel zu nah, aber ihre Füße schienen nach wie vor nicht das zu machen, was sie wollte.
Das leise Zischen, das zu hören, als sich der Helmverschluß öffnete, löste in Faith den unseligen Wunsch aus, laut zu kichern. Wenigstens hatte es nicht Plopp gemacht. Wenigstens war auf den Rest ihres Körpers Verlaß und sie schaffte es das hysterische Kichern zu unterdrücken.
Solange man nicht wußte, wie es um den Humor des Gegenübers bestellt war, sollte man solche Dinge besser lassen.

Das Lebewesen nahm den Helm ab und zum Vorschein kam ein Mann, dessen Alter Faith aber schwer schätzen konnte.
Abgesehen von seinem komischen Anzug schien er ganz normal zu sein. Wobei normal relativ war, denn wer lief schon hier in einem solchen Anzug durch die Gegend.
Aber diesen Gedanken konnte Faith gar nicht weiterverfolgen, denn Mr. Konserve ließ sich auf ein Knie herunter und war damit mit ihr auf Augenhöhe.
Faith klappte der Mund leicht auf und sie blickte ihn mit großen Augen an.
Gut, er war größer als sie, aber es gab noch keinen Grund, darauf herumzureiten, daß er größer war als sie.


"Ich bin vom Weg abgekommen."

antworte sie auf seine Feststellung, daß das nicht ihr Tag sei.
Na, bravo, wenn er nicht schon vorher gedacht hatte, sie wäre zehn Jahre alt, dann jetzt. Besser sie paßte auf, was sie sagte, sonst fragte er sie noch, ob sie ihre Mama verloren hätte.
Faith verschränkte vor Ärger über sich selbst die Arme vor der Brust. Besser sich ärgern als sich zu fürchten. Und die Sache mit dem Tag wollte ihr gar nicht gefallen.
Bei dem nächsten Satz blickte sie ihn entgeistert an. Die Sache mit der verlorenen Mama wäre ihr bei weitem lieber. Hätte sie besser nicht gesagt, daß sie vom Weg abgekommen wäre.


"Töten?"

echote Faith beinahe tonlos, während ihr Gehirn versuchte, diese Information zu verarbeiten und Überlebensstrategien zutage zu fördern. Aber da gab es bedauerlicherweise nicht viel, sie war schließlich Buchhalterin und keine gewiefte Agentin. Bilanzen eigneten sich nicht wirklich in einer Situation.
In diesem Moment, wie aus dem Strudel wirrer Gedanken, kam ihr ein Wort in den Sinn. Andere…
Faith schaute an Mr. Konserve vorbei und erblickte noch mehr Konserven.
Wo war sie denn hierhin geraten?


"Töten?!?"

Faith brüllte nun nicht gerade, aber es kam dem schon sehr nahe.
Sie fand, daß das nicht gerade ihre beste Entscheidung war, ihn beinahe anzubrüllen, aber irgendwie waren ihre Überlebensinstinkte stark verstaubt.


"Die einzige, die in einer unangenehmen Situation steckt, bin wohl ich, Mr. Konser…"

Faith biß sich auf die Zunge. Ihn Mr. Konserve zu nennen, wäre nicht gut.
Und jetzt hatten ihre Füße anscheinend auch keine Lust mehr auf eine Zusammenarbeit mit ihm, denn sie konnte einen Schritt zurückmachen, was sie nur knapp außerhalb seiner Armlänge brachte.
Wie gemein war das denn, daß er aufgrund seiner Größe auch noch längere Arme haben mußte.


"Hören Sie, Mister. Ich wollte sie mit dem Stein nicht treffen. Ich habe ihn einfach weggetreten. Tut mir leid, wenn sie eine Beule in dem schicken Anzug haben."

Faith fragte sich, was sie da gerade redete. Eine Beule war ihm wahrscheinlich völlig egal, aber es waren Leute schon für weniger getötet worden.

"Sie sind eine ganze Gruppe von Leuten, von denen mich jeder einzelne ungespitzt in den Boden rammen könnte."

Bedauerlicherweise war Weglaufen keine Option, obwohl Faith stark gegen diesen Drang ankämpfen mußte.

"Ich dagegen kann ihnen wahrscheinlich nicht einmal gegen das Schienbein treten, ohne mir den Fuß dabei zu brechen. Das nenne ich unangenehme Sitation."

Irgendwie hatte sie nicht das Gefühl, daß das großes Mitleid mit ihrer Situation wecken würde.

"Vielleicht erklären sie mir einfach, warum die Situation für sie unangenehm ist. Da läßt sich sicherlich eine Lösung finden."

Faith fand das Angebot sehr verlockend. Zumindest für sich. Im Moment sah ihre Haben- Seite miserabel aus, denn da stand nur die Aussicht auf ein Ableben.

"Wenigstens kurz und schmerzlos?"

rutschte ihr die Frage, die unbewußt im Hinterkopf formuliert hatte, heraus.



Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf - Faith, Cal und die versammelte Truppe
 
Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf - Faith, Cal und die versammelte Truppe



Faith beobachte Mr. Konserve mit einer Mischung aus Nervosität, Anspannung, flatternden Nerven und einer stoischen Ergebenheit.
Für einen Augenblick schien es ihr, als hätte er sich amüsiert, aber dann war diese Gesichtsregung auch wieder vorbei. Und wer konnte schon sagen, was er eigentlich amüsant fand.

Und dennoch sie konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, als er sich den Helm aufsetzte, daß sich die Lage verschlechtert hatte. Und zwar nicht zu ihren Gunsten.
Seine Stimme klang mit dem Helm irgendwie anders, wesentlich unsympathischer.
Faith gratulierte sich zu ihrer tollen Menschenkenntnis, immerhin hatte ihr Henker eine nette Stimme. Das war enorm tröstlich in solchen Moment.
Selbstverständlich war es ihre eigne Schuld, denn erstens hatte sie wandern gehen müssen, und zwar alleine, und dann hatte sie nicht auf den Weg geachtet und war in diese Situation geraten.
Abermals spürte sie, wie sich ein hysterisches Kichern seinen Weg bahnen wollte. Abenteuer hatte sie erleben, ferne Planeten bereisen wollen und es nicht einmal aus den Sümpfen ihre Heimat herausgeschafft.

Und was redete er denn da für ein dummes Zeug?


"Das ist verdammt nochmal mein Leben. Ich nehme das persönlich. Und einfach ist es auch nicht."

schrie sie ihm ihren Prostest über das baldige Ende ihres Lebens entgegen. Da fand sie es auch nicht mehr tröstlich, daß alles schnell und ziemlich schmerzlos vorbei sein würde.
Sie konnte nicht einmal mit Sicherheit ausschließen, daß sie ihm einige unschöne Dinge an den Kopf, oder eher Helm geworfen hätte, wenn nicht in diesen Moment eine andere Konserve, die sich im Laufe des kurzen Gesprächs an sie herangeschlichen hatte, von hinten zugepackt hätte.
Faith war so schockiert über diesen Angriff, daß sie es der Konserve nicht einmal schwer machte. Die Luft, die sie eigentlich gebraucht hätte, um Mr. Konserve ihren Protest entgegenzuschreiben, entwich ungenutzt. Sie wehrte sich nicht gegen den Griff, weil sie zu schockiert und verwirrt über die Ereignisse war.


„Ich habe Red Bescheid gesagt. Sie haben Blaster dabei. Dann können wir die ganze Sache zu Ende bringen.“

Faith schluckte, als sie diesen Satz hörte und ihr Lebenswille meldete sich wieder. Energisch wand sie sich im Griff der Konserve, aber da war nichts zu machen. Der Griff war einfach zu gut platziert und die Person, die ihn anwandte, wusste genau, wie viel Kraft sie benötigte, um die Gefangene ruhig zu halten.
Sie beschloss, daß sie den Konserven kein Schauspiel bieten würde. Sollten sich diese Sadisten woanders schadlos halten.
Trotzdem lehnte sie matt gegen die sie festhaltende Person, als ein Speeder mit noch weiteren Personen ankam und die rotfarbige Frau flötete, sie hätten alles dabei.
Dieses verdammte Pack tat so, als wäre das hier ein Picknick. Allerdings konnte sie auch hier mit keiner Unterstützung rechnen, denn Mr. Konserve gab hier Ton und Tempo an. Und er hatte eben beschlossen, daß die Kleine ins Gras beißen sollte und alle Anwesenden verrichteten ihren Dienst.

Anscheinend hatte Mr. Konserve nicht vor, sich selbst die Finger schmutzig zu machen, sondern gab einer Frau den verfluchten Blaster.
Faith hatte das Gefühl, daß sich die Zeit ewig zu dehnen schien und dabei noch nie so schnell verflog wie in diesen letzten Augenblicken ihres Lebens. Sie hatte das Gefühl, daß jede Zelle förmlich danach schrie, am Leben bleiben zu wollen.
Mit morbider Faszination blickte sie auf den Blaster und in die Mündung, irgendwie schaffte sie es nicht die Augen zu schließen.
Sie hörte den Schuss und es erschien ihr, als verließe der Bolzen in Zeitlupe den Lauf und bewege sich auf sie zu.
Und dann mit einem Mal war es vorbei. Wenigstens hatte er nicht gelogen. Schnell und sie hatte kaum etwas gespürt.
Faith stürzte in die Dunkelheit.



Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf - Faith, Cal und die versammelte Truppe
 
Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf - Beldon - improvisierte Zelle


Es war merkwürdig.
Faith hatte das Gefühl, daß ihr Körper schwer war, sehr schwer.
Sie hatte das Gefühl, daß sie gar keine Kontrolle über ihren Körper hatte.
In ihr stritten sich der unbändige Wunsch, die Augen zu öffnen und eine große Furcht vor dem, was nun auf sie wartete.
Die letzen Erinnerungen kamen auf einmal mit unverminderter Wucht über sie. Der auf sie gerichtete Blaster, die versammelten Konserven und der Bolzen, der auf sie zuschoß.
Und jetzt?
Ihre Muskulatur schmerzte, als hätte sie Naboo laufend einmal im Rekordtempo umrundet. Zudem konnte sie nur froh sein, daß sie nichts gegessen hatte, denn sonst hätte sie sich in diesem Augenblick übergeben. Schon mit leeren Magen fiel es ihr schwer, das Bedürfnis, sich übergeben zu müssen, zu kontrollieren.
Und ihr war kalt. Sie fror fürchterlich, was dazu bewegte, sich zusammenzurollen, um die eigene Körperwärme besser zu nutzen. Eine Decke schien sie nicht zu haben oder aber diese war weg.
Ihr Körper schien auf irgendwas zu liegen, was weder sonderlich hart noch weich war, aber auch keine unangenehmen Gerüche ausdünstete.
Sie legte einen Arm über den Kopf, um das vorhandene Licht abzuschirmen und öffnete vorsichtig die Augen. Sie gab ihrem Körper die Zeit, sich an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen, während sie lauschte.
Sie hörte… nichts..., stellte sie entsetzt fest. Die typischen Geräusche des Lianorm- Sumpfes waren nicht da. Und wenn sie ihre Sinne nicht gänzlich trogen, waren das hier nicht der typische Geruch, geschweige denn der typische Untergrund des Sumpfes, in denen Faith mit ihren Eltern oft genug gewandert war, um die Schönheit einer solchen Landschaft zu entdecken.
Doch hier war nichts dergleichen und Faith zog behutsam einen Arm weg, um sich das Elend, in das sie geraten war, anzusehen.
Das gedämpfte Licht, das nun ungehindert in ihre Augen dringen konnte, tat einen Augenblick fürchterlich weh. Vor ihren Augen flimmerte es und sie sah mehr schwarze Flecken als irgendwas anderes.
Aber dann hatte sich der Körper an diese Änderung gewöhnt und protestierte nicht länger dagegen und Faith konnte sich umsehen.
Ihr Blick glitt über metallene Wände, die von einem schwachen Licht, was von einer einzigen Glühbirne an der Decke zu kommen schien, beleuchtet wurden.
Das schien auch schon alles zu sein, was es zu entdecken gab. Eine Glühbirne spendete dem Raum oder was das immer hier war, dürftiges Licht oder verursachte vielmehr mehr Schatten.
So langsam, aber sicher gewöhnten sich ihre Augen daran und das Licht verursachte keine bohrenden Kopfschmerzen. Allerdings blieben ihr diese in einem dumpf pochenden Gefühl erhalten.
Sie hatte festgestellt, daß sie auf einer Matratze lag, was ihr beinahe ein gequältes Stöhnen entlockt hätte, aber tapfer unterdrückte sie diesen natürlichen Impuls.
Wo war sie hier nur hineingeraten? Und warum lebte sie noch, nachdem Mr. Konserve ihr doch versichert hatte, daß ihr Tod nur die einzige Option darstellte.
Faith stützte die Arme auf und drückte sich in eine sitzende Position. Ihr Körper revoltierte an mehreren Fronten gegen diese Bewegung. Der Kopfschmerz verwandelte sich in einen Bohrer, der ihre Schädeldecke schier sprengen wollte, ihr Mageninhalt drängte nach oben, während ihre Muskeln zitterten. Die Tatsache, daß ihr sowieso schon kalt war, machte die Umstände nicht besser.
In diesem Augenblick hätte sie wahrscheinlich Naboo für Kopfschmerztabletten und eine Decke getauscht und das war ein beschämendes Gefühl.
Vor paar Stunden, zumindest hoffte sie, daß es paar Stunden waren, denn sie hatte jegliches Zeitgefühl eingebüßt und wollte sich gar nicht ausmalen, daß es sogar ein längerer Zeitraum gewesen sein könnte, hatte sie von großen Abenteuern geträumt. Aber auf dieses Desaster war sie gar nicht vorbereitet gewesen. Vielleicht kam ihre Unzufriedenheit und ihre Sehnsucht daher, daß sie instinktiv wußte, daß sie gar keine Anstalten machten, ihre Situation zu ändern. Reisen fielen einem nicht in den Schoß, man mußte von alleine losgehen.
Wenigstens hatte sie ihre Kleidung noch am Körper, das war ihr eine Erleichterung, obwohl das eigentlich ihre geringste Sorge sein sollte. Dennoch war die Integrität ihres Körpers eine große Erleichterung für sie.

Jemand schien sich ihrer Zelle, oder was das auch immer hier sein sollte, genähert zu haben und machte sich durch dreimaliges Klopfen bemerkbar. Sie hatte das Gefühl, der ganze Raum vibrierte und ihr Körper nahm diese Vibration auf, während ihr Kopf zu explodieren schien. Die Sehnsucht nach einem Kissen, das sie sich über den Kopf und vor allem über die Ohren drücken konnte, trieb ihr ebenso wie der Kopfschmerz die Tränen in die Augen, die verdächtig schimmerten, aber was die Lichtverhältnisse schwer zu sehen war.
Und die Stimme erkannte sie sofort. Mr. Konserve. Sie wünschte ihn augenblicklich zur Hölle.
Sie wandte den Kopf in die Richtung, wo sich der Raum geöffnet hatte. Sie erkannte zwei Personen, einmal die Rothäutige, die den Konserven die Waffe gebracht hatte und Mr. Konserve persönlich.
Auch wenn sie als Naboo zu Gewaltlosigkeit und friedlicher Konfliktlösung erzogen worden war, konnte sie die Mordgelüste, die bei seinem Anblick in ihr aufwallten, nicht unterdrückten.
Aber das war ihr lieber als in Tränen auszubrechen. Sie wollte den Konserven kein Schauspiel bieten, blieb nur abzuwarten, wie lange sie den Vorsatz durchhalten konnte.
Schon das Wort "Essenszeit" hatte auf Faiths Gesicht einen indignierten Gesichtsausdruck hervorgerufen, aber als die Rothäutige ein Tablett zur ihr hinüberschob und Faith einen Blick darauf warf, wechselte ihr Gesichtsausdruck zu eindeutig angewidert.
Das lag allerdings nicht an dem Essen, sondern daran, daß ihr schon der Anblick, gleich welchen Essens im Moment alles andere als behagte.
Die glaubten doch nicht im Ernst, daß sie etwas essen würde, daß möglicherweise mit irgendwelchen Mittelchen versetzt worden war.
Zudem kam die Tatsache, daß sie hier keine Möglichkeit sah, sich zu erleichtern. Und darum betteln wollte sie auch nicht. Kein Schauspiel für diese Leute. Wahrscheinlich hoffte dieses Pack darauf, denn sonst konnte sie es sich nicht erklären, warum man ihr eigentlich kein Besteck auf das Tablett gelegt hatte. Sollte sie mit den Fingern essen?
Eigentlich sollte das ihre geringste Sorge sein, aber anscheinend hatte ihr Verstand beschlossen, sich mit den kleinsten Sorgen auseinanderzusetzen, um nicht überfordert zu werden. Und diese Situation stellte für Faith eine komplette Überforderung dar.


„Und, wie ist es zu sterben?“

Die Worte von Mr. Konserve sicherten mit beschämender Langsamkeit in ihren Verstand. Dieser Mistkerl machte sich über sie lustig. Die Hölle war noch viel zu gut für diesen Kerl.
Und in ihrem im Moment nicht ganz einwandfrei funktionierenden Verstand setzten seine Worte etwas in Gang, was Faith unter normalen Umständen niemals nur in Erwägung gezogen hätte.


"Kann ich ihnen nicht sagen, weil sie es doch wohl vermasselt haben."

erwiderte Faith mit zusammengebissenen Zähnen, die daher rührten daß sie sich vorgebeugt hatte, um das Tablett zu sich zu ziehen und in die Hände zu nehmen. Alleine diese Bewegung war schon dazu angetan, sich zu übergeben und Faith war erstaunt, daß sie diesen Wunsch durch ihre Willenskraft in der Lage war, zu unterdrücken.
Sein Tonfall war eindeutig süffisant gewesen. Faith war sich hier ziemlich sicher. Mr. Konserve war ein ausgewiesener Sadist.


"Jetzt nehme ich das selbst in die Hand!"

Diese Androhung hätte unter Umständen besser gewirkt, wenn ihre Stimme nicht so matt geklungen hätte. Aber man konnte nicht alles haben.
Sie umfaßte das Tablett fester und fixierte die beiden in der Tür stehenden Personen mit zusammengekniffenen Augen.


"Ist das hier ihr kleines Wartezimmer zur Hölle?"

Faith fragte sich, wo sie Kraft und den Mut hernahm, so frech zu klingen. Das war mit Abstand nicht die beste Wahl der vorhandenen Mittel. Aber devot war sie niemals gewesen und alles in ihr sträubte sich dagegen, jetzt damit anzufangen.

"Wissen Sie was? Weil sie das nicht ordentlich hinbekommen haben, helfe ich ihnen."

Das klang so, als bettele sie förmlich um den Tod, wobei sie sich nur nach Hause zu ihren Eltern wünschte. Alleine dieser Gedanke schnürte ihr die Kehle zu und sie merkte, daß sie knapp davorstand, in Tränen auszubrechen.

"Ich verhungere lieber!"

Sie mobilisierte ihre Willens- und Kraftreserven in diesem Augenblick, um die Verzweiflung nicht gewinnen zu lassen, und mit den letzten drei Worten schleuderte Faith das Tablett in Richtung Tür.
Das war mit Sicherheit nicht ihre beste Entscheidung gewesen, dachte sie bestürzt und der Gedanke an ihre Eltern, ihre körperliche Verfassungen und die sich nun bahnbrechende Erkenntnis, daß sie enorme Angst hatte, waren verantwortlich dafür, daß sie ein Aufschluchzen nicht unterdrücken konnte.
Mühsam rang sie mit Fassung, während sie einerseits erschöpft, anderseits verängstigt darauf wartete, was nun geschehen würde.
Es verlangte ihr eignes ab, den Kopf in Richtung der beiden zu wenden, um zu sehen, was sie erwartete.




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Hätte Faith die Reaktionen ihrer beiden Kidnapper in einem Film gesehen, hätte sie in diesem Moment mit Sicherheit schallend gelacht.
Während sich Madame Rothaut mit einem Sprung hinter Mr. Konserve in Sicherheit brachte, aber trotzdem einen Teil der Fluggeschosse in Form ihrer Henkersmahlzeit abbekam, schien Mr. Konserve die Meinung zu vertreten, daß aus dem Weg zu springen, unter seiner Würde und ein Zeichen von Schwäche wäre. Sie hätte wahrscheinlich der Filmfigur sogar zu diesem Einfall gratuliert, aber das war kein Film, es war die Realität.
Und es war keine besonders gute Idee gewesen, schweige denn etwas, wofür man sich selbst gratulieren konnte.
Entsetzt blickte sie auf die Rothaut, die ihren Unmut in ziemlich deutlichen Worten zum Ausdruck brachte. Wenn es nicht um ihr Leben gegangen wäre, hätte sie ihre Tat vor Scham erröten lassen, von dem Vokabular der Rothäutigen mal ganz zu schweigen. Es war eine gänzlich andere und fremde Welt, auf die Faith hier einen Blick werfen konnte.

Aber so schaute sie nur mit vor Entsetzen weit geöffneten Augen zu, wie die Rothäutige nach ihrem Blaster griff. Jetzt war es also wirklich soweit. Ihr ruhiges Leben hatte sich durch eine Reihe von Unglücksfällen und Fehlentscheidungen in eine Katastrophe verwandelt und steuerte mit ungebremster Fahrt auf das Ende zu.
Dabei machte ihr die Ruhe von Mr. Konserve weitaus mehr zu schaffen als die aufgebrachte Art seiner Begleiterin oder was diese auch immer sein mochte.
Sie konnte zu seinem Worten nur stumm nicken, es kam ihr gar nicht in den Sinn, ihn darauf hinzuweisen, daß sie gar kein Essen mehr hatte, womit sie werfen konnte.
Stattdessen hatten sich ihre Gedanken bei den Worten verfangen, daß sie gar nicht seine unangenehme Seite kennenlernen wollte.
Da hatte er recht, sie wollte ihn gar nicht kennenlernen. Er sollte verschwinden. Wie ein schlechter Traum sich einfach immer in Luft auflöste. Das mußte einfach ein schlechter Traum sein. Und sie wollte endlich aufwachen. Aber nichts dergleichen passierte.
Obwohl Mr. Konserve sich keinen Schritt bewegte, rückte Faith mit dem Rücken an die Wand ihrer Zelle, zog die Beine an sich und legte die Arme drum. Sie zitterte am ganzen Körper und hoffte beinahe, sich irgendwie so klein machen zu können, daß er sie nicht mehr beachtete.
Doch seine nächste Frage riß sie förmlich aus diesem kleinen, trügerischen Selbstschutz.
Das blanke Entsetzen, das bei seiner Frage in ihren Zügen zu lesen war, war eigentlich Antwort genug. Faith war nicht dazu erzogen worden, zu lügen. Es war höchst wahrscheinlich, daß man ihr selbst die kleinste Lüge im Gesicht ablesen konnte.
Ihre Eltern wußten, daß sie hier im Lianorm- Sumpf war. Und was noch schlimmer war, sie wußte, daß ihre Eltern sich auf jeden Fall überzeugen würden, ob es ihr gut ging. Sie hatte diese Fürsorge als lästig empfunden und für einen Augenblick gab sie sich der Illusion hin, daß es für sie die Rettung bedeutete. Einen Augenblick später wurde ihr bewußt, daß ihre Eltern diesen Leuten nichts entgegenzusetzen hatten. Sie waren friedliche Bürger, Naboo ein friedlicher Ort. Ihre Eltern würden ahnungslos, schutzlos und wehrlos ein.
Faith schüttelte vor Entsetzen mit dem Kopf.


"Nein, bitte nicht."

flüsterte sie mit heiserer Stimme. Er und seine Bande konnten sich einfach auf die Lauer legen und ihre Eltern aus dem Hinterhalt erledigen. Mit Sicherheit würde sie nicht zulassen, daß die O'Donaills ein Wiedersehen hier feierten.
Mit einem Male war sie auf den Beinen, die Reaktionen, mit denen ihr Körper gegen diese heftige Bewegung protestierte, ignorierte sie, denn ihre Gedanken galten ihren Eltern.
Sie mußte ihn davon überzeugen, daß diese keine Gefahr waren.


"Ich bin alleine wandern gegangen."

Das hatte sie ihm bereits im Wald gesagt, aber jetzt war ihr Tonfall flehend. Sie flehte ihn damit förmlich an, ihr zu glauben.
Ihr Blick fiel auf die Tür, hektisch wog sie die Optionen gegeneinander ab und entschied sich dagegen. Sie hatte nicht einmal den Ansatz einer Chance, an ihm vorbeizukommen. Und selbst wenn ihr das gelänge, wären mit Sicherheit seine Gefährten in der Nähe und hielten sie auf.
Sie entschied sich dagegen.


"Meine Eltern wissen, welchen Weg ich gehen wollte."

Faith war es nicht aufgefallen, aber ihr liefen einige Tränen die Wange entlang.

"Ich bin doch nur vom Weg abgekommen. Einfach nur vom Weg abgekommen."

Die Verzweiflung, die Faith ausstrahlte, war mit Händen greifbar.

"Ich tue alles… Bitte."

Die Kapitulation mochte absolut sein, aber das Wissen, daß diese Leute ihr Leben bereits schon vorher in den Händen hatten, war absolut niederschmetternd. Sie selbst hatte gar nichts mehr in den Händen. Sie war nur noch Spielball dieser Leute, von denen sie nicht einmal wußte, was sie wollten oder taten, geschweige denn den Namen wußte.
Aber diese Leuten hielten das Leben ihrer Eltern in den Händen.



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Faith konnte nur nicken, als dieser Fremde, der es geschafft hatte, binnen weniger Stunden, zumindest hoffte Faith, daß es nur Stunden waren, ihr Leben auf den Kopf zu stellen, und das nicht in positiver Hinsicht, sie anwies, ihm später auf eine Karte den von ihr eigentlich geplanten Weg zu zeigen.
Kurz darauf verwarnte er sie noch einmal deutlich, nicht mehr mit Essen durch die Gegend zu werfen.
Faith war viel zu sehr in den Sorgen um ihre Eltern gefangen, um nachvollziehen zu können, warum er auf diesem einmaligen Fauxpas so herumritt. Sie hatte doch schon versprochen, alles zu tun, was er wollte, aber anscheinend traute er ihr nicht.
Aber sie traute ihm noch viel weniger.


"Ich habe verstanden."

antworte sie daher mit etwas heiserer Stimme. Seine Drohungen konnte er sich schenken. Faith war sowieso nicht der personifizierte Widerstand und diese Situation zerrte bereits an ihren Nerven. Abenteuerlust in allen Ehren, aber das war kein Abenteuer, das war Selbstmord.
Sie blickte ihm nach, als er diesen komischen Raum, der ihren Kerker darstellte und zuckte zusammen, als sich die Tür hinter ihm schloß. Absolut niedergeschlagen ging sie zum anderen Ende des Raumes und lehnte sich an die metallene Wand. Es war ihr, als habe sie alle Kraft verlassen. Sie rutschte kraftlos mit den Rücken die Wand entlang und blieb auf dem Boden sitzen. In der Ecke fühlte sie sich sicherer, als auf der Matratze.
Ihre Gedanken kreisten um ihre Eltern, wie lästig ihr die liebevolle Fürsorge gewesen war, weil sie das Gefühl hatte, daß ihre Freiheit beschnitt.
Warum hatte sie auch unbedingt alleine gehen wollen? Sie hatte einige Freunde, die ihre Leidenschaft fürs Wandern teilten und mit Sicherheit gerne mitgekommen wären.
Faiths Gedanken kreisten in dieser Zeit um so viele Dinge, daß sie sich beinahe wie gerädert fühlte, als Mr. Konserve abermals den Raum betrat. Diesmal hatten er und seine Begleiterin sich nicht vorher bemerkbar gemacht. Warum kamen sie eigentlich immer zu zweit?
Sie blickte matt zu der Togruta, als diese meinte, daß sie nicht verstehe, warum Faith überhaupt noch am Leben sei. Allerdings hatte Faith keine Kraft dagegen zu protestieren, daß man jemanden mit ihrem Tod einen Gefallen getan hätte.
Nach wie vor verstand Faith nicht, wer diese Leute waren und warum sie selbst anscheinend eine Bedrohung darstellte. Was immer die auch getrieben haben mochten, als Faith aufgetaucht war, ihr war nichts Besonderes aufgefallen.

Außerdem hatte ihr Mr. Konserve eine Frage gestellt und Faith blickte auf das Datapad mit der Karte.
Augenblicklich runzelte die Stirn und griff nach dem Datapad, um dieses näher zu sich zu ziehen.
Trotzdem gab es hier ein Problem und sie mußte aufpassen, daß die beiden nicht dachten, sie wolle diese in die Irre führen.
Sie suchte in der Karte nach irgendwelchen Auffälligkeiten, die ihr weiterhelfen konnten. Aber das war gar nicht so einfach, denn sie kannte den Sumpf von klein auf. Sie war hier so oft mit ihrer Familie gewandert, daß sie das Gefühl hatte, daß sie diesen Ort beinahe im Schlaf kannte. Im Laufe der Jahre hatte sie einige Lieblingswege für sich entdeckt, aber die standen auf keiner Karte.
Und da er ihr nur einen Ausschnitt der Umgebung zeigte, hatte sie große Mühe, sich überhaupt zurecht zu finden.


"Es tut mir leid, ich kann nicht."

Vorsichtig legte sie das Datapad auf den Boden, damit bloß niemand in Erwägung zog, sie wollte dieses durch die Gegend werfen.

"Wir wandern nicht nach Karten, sondern richten uns nach markanten Geländebegebenheiten."

versuchte sie ihre Hilflosigkeit zu erklären.

"Wenn ich nicht am verabredeten Ort sein werde, werden meine Eltern davon ausgehen, daß ich verunglückt bin und den Rettungsdienst alarmieren."

In einem solchen Fall rückten Suchmannschaften aus, um die möglicherweise verletzte Person lebend bergen zu können. Auch wenn das Gebiet groß sein mochte, ihre Eltern kannten die Lieblingswege ihrer Tochter. Und man würde dort anfangen, wo sie losgegangen war.

"In den Suchmannschaften sind geübte Spurenlesen, die schon so manches Mal den entscheidenden Hinweis auf Vermißte fanden."

Auch Freiwillige schlossen sich den Suchmannschaften an. Sie selbst hatte auch schon mehrmals an solchen Suchen teilgenommen. Nicht selten verirrten sich Kinder und in diesem Fall zählte jede Minute.


Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf - Beldon - improvisierte Zelle - Cal, Red und Faith
 
Naboo- System - Naboo - Lianorm-Sumpf - PCL-27 "Beldon" - improvisierte Zelle - Cal, Red und Faith


Wirklich begeistert schien Mr. Konserve von den Einzelheiten, die ihm Faith lieferte, nicht zu sein. Aber das war nun wirklich nicht ihr Problem.
Der Blick, den er ihre Richtung warf, sprach Bände und zwar Bände über einen kaum zu verhehlenden Mißmut.
Außerdem war es doch gar nicht so ungewöhnlich, was in Gang gesetzt wurde. Der Sumpf mochte zwar ein beliebtes Ausflugsziel bei manchen sein, aber es war nach wie vor eine Wildnis. Eher unwahrscheinlich, daß jemand, der sich hier verletzte, sich einfach so Hilfe holen konnte. Ganz abgesehen davon, daß es Lebewesen gab, die eine Situation zu ihren Gunsten nutzen.


„Mach dir keine all zu großen Hoffnungen!“

meinte er beim Herausgehen, nachdem er das Datapad wieder an sich genommen hatte. Faith blickte ihm resigniert nach. Welche Hoffnungen?
Jemals wieder ihre Eltern zu sehen? Diese Hoffnung hatte sie begraben.
Daß er und seine Bande sich in Luft auflösten? Daran glaubte sie auch nicht mehr.
Hier lebend rauszukommen? Diese Hoffnung hatte sie auch nicht mehr.
Sie hatte an für sich gar nichts mehr, außer dieser Zelle, in der sie den Launen anderer ausgeliefert war. Sie hatte nicht einmal mehr die Macht über ihr eignes Leben.
Jetzt saß sie abermals zu Untätigkeit und Unwissenheit verdammt in diesem Raum, den sie in der Zeit, in der sie hier war, wirklich zu hassen gelernt hatte.
Ihr Blick glitt zu Decke, in die in diversen Abständen Löcher geschlagen worden waren. Das hatte schon Ähnlichkeit mit Transportkäfigen.
Wenn diese Leute sie umbringen wollten, brauchten sie nur die Löcher zu stopfen und abwarten.
Für Faith war die Frage im Moment nicht, ob, sondern nur wann sie sterben würde. Allerdings fragte sie sich, warum Mr. Konserve hier so lange fackelte.
Es war erstaunlich, daß sie sich nicht mehr gegen ihr Schicksal auflehnte. Hatte sie instinktiv begriffen, daß sie in diesem Fall den Kürzeren ziehen würde?
Was auch kein Kunststück war, diese Leute schienen mit Waffen ohne Schwierigkeiten umgehen zu können. Sie konnte das nicht und fand diesen Umstand für sich genommen schon ärgerlich. Und die Tatsache, daß sie überhaupt keine Waffe besaß, fand sie noch ärgerlicher.
Obwohl es eher unwahrscheinlich war, daß sie sich damit Mr. Konserve und seine Bande vom Leib halten hätte können.

Faith konnte nicht einmal sagen, wieviel Zeit vergangen war, ihr Chrono war in ihrem Rucksack, als sich die Tür erneut öffnete.
Zu ihrem Erstaunen entfuhr ihr ein ziemlich entnervter Seufzer. Und warum waren sie eigentlich immer zu zweit. Wahrscheinlich hatte wohl niemand außer ihr mitbekommen, daß sie ungefährlich war.
Was wollten sie denn jetzt schon wieder?
Sollte sie sie einen Abschiedsbrief schreiben, damit sie den Mord als Selbstmord tarnen konnten?

Ihr Blick fiel auf das, was eine der beiden Personen in der Hand hatte.
Sie wünschte sich, daß ihre Miene Gleichgültigkeit ausgedrückt hätte, aber das tat sie nicht. Sie blickte die beiden von unten mit einer Mischung aus Entsetzen und Furcht an.


"Aufstehen!"

forderte eine der Personen und Faith reagierte instinktiv irrational. Sie schüttelte vehement den Kopf und drückte sich gegen die Wand.
Ein ziemlich genervter Laut war die Antwort und dann griff eine der Personen nach ihrem Arm und zog sie auf die Füße.
Faith wand sich in dem Griff, aber selbst das Gezappel konnte das Unvermeidliche nicht hinauszögern.
Die zweite Person stülpte ihr einen schwarzen Sack über den Kopf, den Faith durch heftiges Schütteln loszuwerden versuchte.
Sie wollte ihnen entgegen schreien, daß diese Band ihr wenigstens in die Augen schauen konnte, wenn man sie schon erschoß, aber dieses dämliche Ding über ihrem Kopf ließ sie kaum Luft bekommen.
Schon alleine durch diesen Umstand erlahmte ihre ohnehin nicht sehr ausgeprägte Gegenwehr schnell.
Und dann wurde sie anscheinend aus dem Raum geführt, und auch wenn sie nur gedämpfte Geräusche hörte, so hatte sie das Gefühl, daß das Geräusch ihrer Schritte irgendwie komisch klang. Ihr Vater hatte ihr beigebracht, wie man sich bei Nacht und in der Dunkelheit halbwegs orientieren konnte und auf diese Erfahrung griff Faith zurück. Sie zählte die Schritte und achtete so gut es ging auf alles, was ihr Aufschluß geben konnte.
Sie waren nicht weit gegangen, das Geräusch, das die Schritte verursachten, hatte sich nicht verändert. Anscheinend wechselte man nur den Raum in irgendeinen Gebäude.
Faith wollte sich gar nicht ausmalen, was das für sie bedeutete.
Das Geräusch einer sich öffnenden Tür war ihr wohlbekannt, aber niemand war so überrascht wie sie, als ihr plötzlich die Sicht wiedergegeben wurde.
Die Lichtverhältnisse waren gänzlich anders, so daß sie die Augen zusammenkneifen mußte.
Verständnislos drehte sie sich um und blickte zu den beiden Personen, die sie hierhin geführt hatten.


"Keinen Blödsinn!"

wurde sie gewarnt, bevor sich die Türe schloß.
Faith brauchte einige Sekunden, um die Fassungslosigkeit abzuschütteln und blickte sich dann um. Das hier war ein Zimmer. Mit einem richtigen Bett, Schränken und anderen Dingen, die Faith im Moment nicht interessierten. Die zweite Tür war eindeutig faszinierender und Faith fand eine kleine Nasszelle vor.
Und so albern es auch sein mochte, das erste, was sie tat, war das Wasser aufzudrehen und sich Hände und Gesicht zu waschen.
Während sie sich die Hände abtrocknete, versuchte sie fieberhaft zu ergründen, was diese neue Wendung zu bedeuten hatte.
Und es war auch nur wenig erstaunlich, daß ihr nur Negatives einfiel, denn bisher hatte ihr das Zusammentreffen mit diesen Leuten nur Kummer beschert.
Sie verließ die kleine Nasszelle und wanderte stattdessen in dem Raum auf und ab. Viel Platz hatte sie hierfür nicht, aber sie war es gewohnt sich zu bewegen und die Untätigkeit der vergangenen Stunden hatte ihr doch an den Nerven gezerrt.
Sie wußte nicht, wieviel Zeit vergangen sein mochte, als sie plötzlich unter ihren Füßen eine Vibration spürte, zudem setzte kurz vorher ein komisches Dröhnen ein.
Faith fand dieses Geräusch laut, aufdringlich und aus allen Richtungen kommend.
Und dann fügte sich eines zum anderen. Diese Vibration und die Geräusche gehörten zu einem Schiff. Und das war kein Zimmer, sondern eine Kabine. Und das Schiff war gestartet worden.
Von dieser Erkenntnis war Faith so überrascht, daß sie auf das Bett setzte oder vielmehr plumpsen ließ.


Naboo- System - Naboo - in Richtung Orbit - PCL-27 "Beldon" - Kabine - Faith
 
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- Naboo - Theed - Norden - Haus der Trineers - Deanna, Graham -
Durch die Haustür zu kommen war doch immer wieder wie in eine andere Dimension zu treten. Hier gab es keinen Tod, hier gab es keine Gewalt, hier gab es kein Leid. In ihrem Haus gab es Sicherheit, Wärme und Geborgenheit. Und der Mann der all dies verkörperte, stand in der Küche und kochte für sie beide.

„Hallo Liebes“.

Graham blickte sie über die Schulter an und lächelte und sah einfach nur müde aus. Richtig, heute hatte er sich den ganzen Tag über mit der lästigen Bauaufsicht herumschlagen müssen.

„Na?“

Ihre schweren Beine erlaubten ihr nicht mehr als zu ihm herüber zu schlurfen. Ein Kuss auf seine Wange musste ihn eigentlich entschädigen, dafür das sie wieder mal viel zu spät heim kam.

„Wie ist es mit der Bauaufsicht gelaufen?“

„Scheisse!“

„So gut also!“

Sie schmunzelte über diese derbe aber vermutlich sehr passende Umschreibung seines Arbeitstages. Die Gebäude die ihr Liebster baute waren für ihn regelrechte Babys vom den ersten Zeichnungen bis zur Fertigstellung des Baus. Deanna liebte ihren Ehemann für seine leidenschaftliche Art, auch wenn dies manchmal bedeutete das er mitten in der Nacht eine Eingebung hatte, aufsprang und mit der Arbeit in seinem Büro im Keller ihres Hauses begann. Als junge Frau hatte sie es jedes mal unheimlich aufgeregt wenn ihr Ehebett kalt geblieben war und sich oft mit ihm gestritten. Aus heutiger Sicht empfand sie ihre Empörung von damals schlicht als unfair. Er schenkte ihr nicht nur immer wenn er bei ihr war immer volle Aufmerksamkeit und das seit fast 35 Jahren Ehe, nein Graham war stets geduldig mit ihr gewesen wenn es um ihre Arbeit ging. Was waren denn Nächte ohne ihn im Vergleich zu den Sorgen und seelischen Strapazen die sie ihm schon bereitet hatte? Sie erinnerte sich an diesen Zwischenfall der sie als blutjunge Polizistin frisch nach ihrem Abschluss an der Akademie fast umgebracht hatte. Sie hatte einen flüchtigen Verdächtigen alleine durch einen Park verfolgt und ihn auch eingeholt. Dummerweise hatte er sich nicht so problemlos verhaften lassen wie sie es sich in ihrem Kindskopf vorgestellt hatte. Solch einen Fehler hatte sie in dreissig Jahren Polizeidienst nie wieder gemacht. Noch heute schüttelte sie sich bei den Gedanken an das Geräusch das das lange Messer gemacht hatte, als es am Rand ihrer Schutzweste vorbei senkrecht in ihre Schulter gefahren war. Graham, damals genau wie sie gerade 20 Jahre alt geworden hatte daraufhin wochenlang allein für den vierjährigen Aldridge gesorgt, den Haushalt geworfen und ihr am Krankenbett beigestanden. Von der ersten Nacht in der es so schlecht für sie ausgesehen hatte , über die ersten Fortschritte bis zu diesen schmerzlich frustrierenden Momenten in denen sie wieder auf die Beine gewollt, aber nicht gekonnt hatte. Graham hatte so viel Zorn abbekommen...ihn ihr nicht übel genommen und ihr trotzdem die Hand gehalten.

Der Gedanke an den so unendlich niedlichen kleinen knopfäugigen Baby Aldridge vertrieb letztendlich die Gedanken.


„Essen? Wein? Ein guter Holofilm?“

Der Blaster landete genau wie ihre Marke auf dem Küchentisch, Deanna beschloss wie jeden Abend mit diesen beiden Insignien ihres Jobs auch den Stress des Tages ab zu legen.

„Und dann auf dem Sofa einschlafen?“

Graham lachte laut auf.

„Wie alte Leute das so machen hm?“

Tatsächlich hatten die beiden das mit dem auf dem Sofa einschlafen schon immer drauf gehabt. Die Tage waren seit dem sie sich kannten anstrengend. Ein nicht geplantes Kind, Ausbildung, Studium, Karriere, noch ein Kind (geplant aber völlig durchgeknallt)...sie hatten alles zusammen durch gemacht. Und alle, von ihren Eltern bis zu ihren Freunden hatten darauf gewettet das sie sich irgendwann trennen würden, das sie überfordert vor der Verantwortung kapitulieren würden.

Wieso dachte sie eigentlich jetzt über ihr Leben mit Graham nach? Weil ihr Hochzeitstag erst vor einer Woche statt gefunden hatte? Für eine Sekunde blitzte das Bild der jungen Frau vor ihr auf, derren Aussage noch eben vor Dienstschluss im Revier aufgenommen hatte. 18 Jahre alt..ein Baby..mittellos.. Ihr Freund, kaum älter hatte sie grün und blau geprügelt nach einem Streit um 20 Credits... Wie konnte sie da nicht an Graham denken? Graham der immer gut zu ihr gewesen war, ein unerschütterlicher Fels, ihr seelisches Zuhause....welch unfassbaren Segen hatten ihr die Schöpfer mit ihm zuteil werden lassen.

„Bevor wir gleich mit Heizdeckchen und Bettsöckchen einschlafen deckst du aber noch eben auf ja? Ich denke der Fisch ist fertig“.

Ihre Hand hatte schon fast den Knauf des Küchenschrankes erreicht als ihr Comlink piepste. Die Polizistin zog es aus der Hosentasche und konnte sich ein entnervtes Aufstöhnen nicht verkneifen.

"Verdammt das Revier hat sich gemeldet.."

- Naboo - Theed - Norden - Haus der Trineers - Deanna, Graham -
 
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- Naboo - Theed - Zentrum - Tatort "Wohnhaus" - Deanna, Adam Archer -

Ihr Bett war der schönste Ort im Universum. Dort gab es eine bequeme Matratze, dort gab es eine flauschige warme Decke, dort gab es ein tolles Kissen und Graham an dessen Füßen man sich so schön wärmen konnte.....

Die Naboo sah mit gerümpfter Nase durch die Frontscheibe nach draussen. Es war kalt, es regnete, es war verdammt noch mal Schlafenzeit.

„Auf geht’s!“

Deanna nickte ihrem jungen Kollegen, den sie in ihrem Dienstspeeder mitgenommen hatte, aufmunternd zu. Adam Archer würde gleich seinen ersten Tatort sehen. Der Frischling arbeitete erst seit einer Woche in ihrem Revier, war gerade von der Polizeischule gekommen. Und natürlich strotze er vor Selbstbewusstsein, trug die Uniform mit Stolz und meinte wie alle Babys das sie schon richtige echte Polizisten waren. Er würde gleich erfahren das dem nicht so war. Sie wusste noch nicht was genau passiert war, doch wenn sie so spät noch zu einem Tatort gerufen wurde, war eine große Schweinerei passiert.

„Was müssen wir zuerst tun Archer?“

Sie ging mit ihm auf den regelrechten Pulk der Kollegen zu, die Warnlichter der charakteristisch schwarzen Polizeispeeder blinkten grell durcheinander in die verregnete Nacht hinein.

„Tatort sichern, Zeugen befragen, Beweismittel sichern“.

Ein Lächeln huschte über das Gesicht der erfahrenen Polizistin. Was für eine gut auswendig gelernte Antwort.

„Richtig mein Junge, aber in welcher Reihenfolge machen wir das?“

Der blonde Bube blickte sie irritiert an um sich schnell wieder zu fangen. Hatte sie ihn mit ihrer Frage verunsichert, oder mit dieser ganz speziellen Ansprache? Zumindest an zweiteres würde er sich gewöhnen müssen, was die Fragen anging, er hatte eben Pech heute mit der Chefin raus zu müssen.

„Nun ja“

Er wartete auf sie als sie beim durchschreiten der Absperrung ihre Marke zeigen musste. Einer der schönen Privilegien ihres Ranges war es neben dem Nachts eigentlich nicht arbeiten zu müssen seine Zivilkleidung tragen zu dürfen.

„Also man muss zu aller erst den Tatort sichern, der Rest...im Idealfall hat man Kollegen dabei um sychron die Beweise zu sichern und eben die Zeugen befragen zu können. Wenn ich alleine wäre dann würde ich zuerst die Zeugen befragen, damit ich derren Erinnerungen möglichst frisch und unverfälscht bekomme“.

Und ein weiteres mal heute wurde sie an ihr unendlich dummes zwanzigjähriges Ich erinnert, das so mutig allein los gelaufen war um jenen Verdächtigen zu fassen der sie fast umgebracht hatte. Sie hatte solch einen Fehler nie wieder gemacht und sie würde jeden Frischling davor bewahren solche Fehlentscheidungen zu treffen.

„Sie gehen niemals allein an einen Tatort“.

Deanna blickte an dem luxuriösen Haus hinauf auf das sie jetzt durch einen gepflegten Vorgarten zu gingen. Wohlhabende Opfer....ein erstes eventuelles Schema zeichnete sich in ihrem Kopf ab. Wobei sie dieses nicht verfestigte, sie wusste noch gar nichts über den Fall.

„Aber Ma'am. Was ist wenn irgendwer an einem Tartort noch am Leben ist. Wie kann ich da auf Verstärkung warten?“

„Sie wissen nie was Sie erwartet Mr. Archer. Am Ende des Tages ist im schlimmsten Falle, der in unserem Job jederzeit eintreffen kann, ist ein toter Cop ein verdammt schlechter Cop“.

Archer nickte, und sie hoffte das er ihre Worte wirklich verstanden und nicht nur abgenickt hatte. Er war ihrem Revier zugeteilt, es würde sich über die Jahre zeigen ob er zugehört hatte. Theed war alles in allem, wenn man bedachte das es eine planetare Hauptstadt war, eine extrem friedliche Megacity. Die Verbrechensrate war verschwindend gering, doch die Polizei hatte mit den paar Prozent die auf dem Flimsiplast so süß aussahen zu tun. Auch in Theed gab es Raub, Gewalt, Erpressung, Prostitution und Mord. Und das Central Polizeirevier das sie jetzt seit 10 Jahren leitete hatte traurigerweise am meisten mit jenen Themen zu tun und das obwohl es sich im reichsten Viertel der Stadt befand. Sie hatte bisher einen Frischling verloren, die Captains der anderen Reviere nannten das eine Top Quote. Sie hasste es einfach nur das die junge Polizistin Alana Kynal, sie würde ihren Namen nie vergessen, tot war. Sie hasste es das die junge Frau nicht mehr zu ihrem Mann zurück gekehrt war, niemals das Baby bekommen hatte das sie sich gewünscht hatte, den Rest ihres Lebens nicht leben durfte. Ein Selbstmörder hatte beschlossen sie mit in den Tod zu reissen, und das war passiert weil sie sich ihm allein genähert hatte. Man mochte ihr diese doch sehr weibliche Sicht auf ihren Beruf und die Dinge die damit einhergingen verzeihen. Aber gerade die jungen Cops lagen ihr sehr am Herzen und weckten mütterliche Gefühle in ihr.

„Captain Trineer!“

Deanna schüttelte ungläubig den Kopf als sie ein sehr guter alter Bekannter an der Treppe des Hauses empfing.

„Captain Agathon“

Sie lächelte breit als sie ihren ehemaligen Partner wieder erkannte. Sie und Jules hatten fünfzehn Jahre lang zusammen den knochenharten Streifendienst absolviert. Er war wie ein Bruder für sie...auch wenn Graham das zu Anfang nicht geglaubt hatte.

„Wie geht es dir Jules?“

Sie ging auf ihn zu und drückte ihn, Deanna war über das Wiedersehen mehr als erfreut.

„Wollen sie schon rein oder eben auf mich warten Archer?“

Sie hatte ihn natürlich nicht vergessen, der Junge stand betreten neben ihr und wusste offensichtlich nicht wie er sich jetzt verhalten sollte. Oder war er gar entsetzt darüber wie ausgelassen sich diese beiden alten Knacker begrüßten, wo sich im Haus vermutlich die Leichen stapelten? Nun noch toter konnte keiner da im Haus werden wenn sie zwei Minuten später rein ging.

„Ich geh schon rein Ma'am!“

Sprach er und reihte sich in den unablässigen Reigen der Uniformierten die an Deanna und Jules vorbei eilten ein.

„Frischling?“

„Ja“

„Erster Tatort?“

„Ja“

„Er wird gleich die Weihe erhalten“

Beide sahen sich erst an, dann kicherten sie wie Schulmädchen, dann fingen sie sich wieder. Auch wenn man über die Jahre doch ein wenig abstumpfte, Deanna wusste immernoch wo sie sich jetzt gerade befand. Es wurde Zeit sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

„Ich habe ein paar Bonbons für den Burschen in der Tasche für die schönen Momente nach der Weihe“.

Sie grinste nach diesem letzten Scherz und wittmete sich jetzt wirklich der Arbeit.

„Auch wenn ich mich noch so freue dich zu sehen, was machst du hier in meinem Revier? Und was ist hier passiert?“

Jules, dessen schon immer leicht lichte Haare jetzt einem rasierten Kopf gewichen waren, kniff die Augen zusammen als müsse er sich anstrengen um an jedes Detail zu denken.

„Nun ich bin hier weil der Alptraum da drinnen jetzt schon vier mal in meinem Revier passiert ist. Ich glaube das der oder die Täter ihren Radius erweitert haben, die Parallelen sind zu groß ich bin davon überzeugt das das hier eine Serie ist“.

Eine Serie...Mordserien waren ********.... Ihr Bett...das wäre jetzt toll...der schönste Ort im Universum...


- Naboo - Theed - Zentrum - Tatort "Wohnhaus" - Deanna, Jules Agathon, diverse Polizisten -
 
- Naboo - Theed - Zentrum - Tatort "Wohnhaus" - Deanna, Archer, Jules -​

Agathons Miene erhellte sich als seine Vermutung zur Wirklichkeit wurde. Der Frischling, Archer, kam keine Minute nachdem er die Villa betreten hatte regelrecht aus der Haustür geschossen. Ein paar unschöne Würgelaute später und er hatte sein Abendbrot feierlich an das schöne Blumenbeet unter sich übergeben.

„Weist du noch? Unser erster Tatort?“

Natürlich wusste sie das noch, man vergaß den ersten Tatort nicht. Ein tötlicher Streit zwischen Bandenmitgliedern in einem ihrer Clubhäuser. Und obwohl die Bilder von den 5 Leichen, zersiebt von Blasterschüssen, sie bis in die Seele schockiert hatten, hatte das alles einen anderen Kontext als der Ort heute gehabt. Damals hatten Arschlöcher andere Arschlöcher umgebracht.

„Sicher. Aber bleib fair Jules, das hier ist was anderes“.

„Wieso? Sind die Leute weniger tot als diese Kerle damals?“

Erstaunt über seine Worte zog die Polizistin die Augenbrauen hoch, natürlich wurde man in diesem Beruf fast zwangsläufig zynisch, aber das hier?

„Das hier ist eine Familie gewesen Jules. Da sind Kinder in dem Haus die nicht mehr die Gelegenheit bekommen werden ihr Leben überhaupt im Ansatz zu beginnen. Das waren keine verkommenen nutzlosen Punks wie diese Leute damals“.

Sie kannte ihn seit 30 Jahren, Jules war eigentlich immer der ruhigere gewesen, der sensiblere und vernünftigere Cop. Jules hatte sie in jungen Jahren oft vor Ärger geschützt den ihr das eigene große Temperament eingebracht hatte. Sie kannte ihn nicht so kühl, vermutlich war die Arbeit in seinem Revier, das in einer weitaus unschöneren Gegend als ihres lag, daran schuld.

„Wie auch immer, wie geht es Graham und den Kindern?“

Die im Ansatz begonnene Grundsatzdiskussion war also beendet. Deanna beschloss hier nicht weiter nach zu haken. Es war viel zu spät in der Nacht, sie freute sich trotz allen ihn wieder zu sehen, und Jules war ein Sturkopf. Diskussionen mit ihm lohnten sich nur wenn man Interesse an einem langen langen Dialog hatte.

„Also Graham geht es fantastisch, er liegt nämlich gerade im Bett und schläft weist du? Und was die Kinder angeht“.

Sie dachte kurz an ihre wertvollsten Schätze, und schon huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.

„Miranda ist derzeit bei Aldridge auf Lianna, es geht beiden gut“.

Ein Grinsen huschte über das in Würde gealterte Gesicht von Jules, er war wie ein Onkel für die Kinder gewesen, hatte ihre Leben von Anfang an verfolgt.

„Ach ja, ich hätte es gerne gesehen wenn sie mit Donnie zusammen gekommen wäre“.

Das Gesicht seines hübschen Jungen, Donald, kam ihr in den Sinn. Er war ein wenig jünger als Miranda und immer ein wenig in sie verliebt gewesen. Doch das sie seine wirklich charmanten Avancen stets abgelehnt hatte, hatte Ursachen die man mit keinem Blumenstrauß noch mit Pralinen überwinden konnte.

„Ich auch! Ganz ehrlich Jules. Aber sie früstückt eben von der anderen Seite des Buffets, da kann man nichts machen“.

„Du meinst wohl da kann MANN nichts machen“.

Und wieder lachten die beiden an einem Ort an dem es einfach unangebracht war, aber auch irgendwie menschlich. Und dann konnten sie es nicht mehr herauszögern und mussten von diesem kurzen nostaligschen Ausflug in die Vergangenheit und ins Familienidyll wieder zurück in die Realität. Und von der Realität des schönen Vorgartens der Villa direkt über ein paar Stufen hinein in einen realen Alptraum.

„Bei den Schöpfern“.

Deanna hielt sich schon im Eingang ein Taschentuch vor die Nase. Ein fürchterliches Geruchsgemisch aus Blut, Körperflüssigkeiten und verbrannten Fleisch lag in der Luft. Hier hatte jemand kräftig gewütet.

„Captain?“

Sie sah auf als Detective Gram, einer ihrer Ermittler, vor sie trat.

„Es gibt insgesamt sechs Opfer, der oder die Täter hat sie alle im Musikzimmer gleich hier drapiert“.

Der hochgewachsene Mann, der einige Notizen auf einem altmodischen Klemmbrett unter seinem Arm mit sich trug, bedeutete ihr zu folgen. Die Absätze ihrer Stiefeletten gaben ein lautes Klacken von sich, welches im recht großzügigen Eingangsbereich widerhallten. Musikzimmer, ein erster Hinweis, der oder die Täter hatten einen Sinn für Theatralik, man hätte auch die Küche wählen können. Raubmörder mordeten in der Regel eben genau da wo die Opfer sich gerade aufhielten. Gram hatte das Wort „drapiert“ benutzt, man hatte die Leichen also dorthin geschafft.

„Da wären wir Ma'am. Wir haben Sie nicht umsonnst aus dem Bett geholt“.

Deanna tätschelte ihm die Schulter, Gram war allgemein niemand der umsonnst für irgendwas Alarm schlug. Vor ihr ragte ein übergroßer Türrahmen, nein eher ein Torbogen auf, eigentlich war es schön hier. Stolz stellte sie fest das ihre Leute wie immer gute Arbeit leisteten, während sich im restlichen Haus bestimmt 20 Kollegen aufhielten war der Leichenfundort abgeriegelt, Blitzlicht hellte für Nanosekunden die Wände des Raumes auf.

„Willst du mit rein?“

Jules war für einige Momente aus ihren Gedanken verschwunden, hatte sich schweigend hinter ihr aufgehalten.

„Deswegen bin ich hier“.
- Naboo - Theed - Zentrum - Tatort "Wohnhaus" - Deanna, Jules -​
 
- Naboo - Theed - Zentrum - Tatort "Wohnhaus" - Deanna, Jules (NPC), Gram(NPC), diverse Ermittler und Tote -​

Das Erste was sie sah waren gepflegte teure Herrenschuhe. Das schwarze Leder glänzte und war blank poliert. Die Schuhe der Person die vermutlich dafür verantwortlich war das jene Lederschuhe so glänzten, sahen nicht mehr schön aus. Der vormals weiße Stoff war tiefrot, genau wie die Strumpfhose der Dame. Die obere Hälfte der Angestellten, die eine klassische Bediensteten Uniform trug, war gute zwei Meter weiter in einen Sessel gesetzt worden. Der Mann mittleren Alters, dem die schönen Lederschuhe gehörten, wirkte fast als würde er schlafen, sah man von seinen an den Schultern abgetrennten Armen ab...

„Wie heißen diese Leute Gram?“

Deanna atmete versehentlich durch die Nase ein, die Polizistin schüttelte sich als der Geruch ihren Verstand erreicht hatte. Gram nahm das Klemmbrett zur Hand und deutete nacheinander auf die Toten als würde er eine Inventarliste checken.

„Das sind Louis Fatany, seine Frau Amber und ihre drei Kinder, das sechste Opfer ist Pooja Adaris, das Kindermädchen“.

Die Polizistin quittierte die Informationen mit einem Nicken und besah sich den Rest der Szenerie, Mrs. Fatanys Kopf war abetrennt worden und starrte sie jetzt vom Bücherregal aus an. Die Kinder....

„Was haben die Fatanys für Berufe ausgeübt?“

Die beiden älteren Kinder, beide vom Alter her vermutlich dicht beieinander, vielleicht fünf und sechs Jahre alt,lagen aneinander gelehnt auf dem Sofa. Ihre kleinen Körper waren buchstäblich durchlöchert worden, die Kleidung war an den Kreisrunden tiefen Wunden in die Haut eingebrannt.....

„Er besitzt eine Büroartikel Firma, sie arbeitet als Buchhalterin für ihn“.

Eine sehr unspektakuläre Vita hatten die beiden. Eine Firma zu besitzen war in diesem Viertel Theeds nichts ungewöhnliches oder gar beneidenswertes. Büroartikel...auch da machte man sich wohl kaum Feinde. Die Bandbreite an Gründe für so eine Tat, nein für so ein Massaker war so unendlich breit gefächert. Sie hätte sich jetzt einfach nur einen einfachen Fall gewünscht, das die Fatanys skrupellose Verbrecher waren, aber wie es bisher aussah waren sie einfach eine normale, einigermaßen gut betuchte, Familie. Verdammt, guten Leuten durfte so etwas doch nicht passieren und Kindern schon gar nicht. Kinder...Deanna erinnerte sich an jedes arme Kind das ihr in ihrem Dienst begegnet war. An jedes misshandelte, verlassene, traumatisierte....tote Kind....

„Interesannt!“

Jules Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Der andere Captain trat vor das bizarre Gemälde.

„ In meinem Revier waren es nie so viele Opfer auf einmal, aber die abgetrennten Gliedmaßen waren exakt die gleichen. Es waren immer junge Ehepaare, Kinder nur wenn sie gerade im Haus waren. Die abgetrennten Gliedmaßen....waren immer die Gleichen. Dem Mann wurden die Arme abgetrennt, den Frauen der Kopf. Unser Pathologe hat festgestellt, das die Männer immer zu erst dran waren und noch eine ganze Weile gelebt. Und die Frauen...vermutlich mussten ihre Männer hilflos zuschauen wie... Naja auf jedenfall wurde den Frauen übler mitgespielt...“

„Was ist mit den Hausbediensteten? Gab es in deinem Revier auch tote Angestellte?“

„Deanna in meinem Revier kann sich keiner Dienstmädchen leisten“.

Wenn das hier wirklich ein Serientäter war, hatte er seinen Radius ganz schön erweitert. Ein neues Mammut Projekt war mit sofortiger Wirkung geboren. Sie wollte nicht dulden das das hier bei ihr noch einmal passierte. Es gab viel zu besprechen und ab zu gleichen....

„Schick mir direkt morgen früh deine Daten und deinen Pathologen, ich werde der Sonderkomission ab morgen vorsitzen. Tja Jules dann müssen wir uns dem gewaltigen bürokratischen Stress antun und unsere Leute zusammen arbeiten lassen. Ich brauche unbedingt deine Hilfe.“.

„Alles klar!“.

Jules bat einen der Tatort Fotografen zu ihm zu kommen. Er besah sich den Rumpf von der Nanny und lies ihn verschiedenen Blickwinkeln ablichten.

„Wir kommen nicht auf die Tatwaffe. Die Wunden der Opfer sind kautarisiert, es floss kaum bis gar kein Blut, an keinem Tatort“.

Deanna besah sich mittlerweile die Ehefrau und die Kinder.

„Ahja das erklärt allerdings den ekelhaften Brandgeruch.“

Ihr viel eine Information ein die sie stutzen lies. Da waren nur fünf Menschen, Gram hatte von drei Kindern gesprochen.

„Detective? Wo ist denn das dritte Kind?“.

Gram räusperte sich und deutete unter eine Kommode direkt neben der Eingangstür.

„Da drunter“.

Die Naboo trat vom Gemälde der Grausamkeit weg zu jener Kommode.

„Sind hier schon alle Spuren gesichert worden Gram?“

Würde sie es andernfalls riskieren sich hin zu knien, der Tatort wäre kontaminiert.

„Ja Ma' am. Es ist alles erledigt“.

Die Polizistin bat ihren Detective um eine Taschenlampe um direkt auf die Knie zu gehen. Mit einer Hand mit einem Taschentuch geschützt auf den feinen Teppich aufgestützt risikierte sie einen Blick unter die Kommode. Der Lichtkegel traf auf ein kleines Bündel das sie Momente später, nach dem anlegen der Handschuhe, aus seinem unwürdigen Versteck heraus zog.

Es war ein makelloser hübscher Säugling der aussah als würde er schlafen....

..............

Die Haustür viel ins Schloss, ihr Mantel flog die Kellertreppe herunter, genau wie der Rest ihrer Oberbekleidung, ihre Stiefelletten stellte sie sorgsam auf der Gummimatte direkt neben der Tür ab. Auch wenn sie sich nicht beschmutzt hatte fühlte sie sich dreckig wie nie nach diesem Einsatz. Ihre Kleidung würde ganz zeitig morgen in der Waschmaschine landen noch bevor sie wieder ins Revier fahren würde. Vermutlich war es einfach ihre Psyche die diese strickte Maßnahme benötigte. Der Gedanke in Kleidung durch ihr eigenes Haus zu laufen, mit der sie eben in diesem grotesken stinkenden Albtraum gewesen war, undenkbar, diese Welten durften sich nicht berühren. Und der Mittelpunkt ihrer heilen Welt, Graham, der Sinn ihres Lebens, durfte auch nicht von dieser negativen Energie berührt werden. So stieg sie erst frisch geduscht zu ihm ins Bett, in eines seiner T-Shirts war sie geschlüpft. Grahams Kleidung und er selbst, sein angenehmer Duft und seine bloße Präsenz waren die einzigen Möglichkeiten um die Bilder der Nacht zumindest für ein paar Stunden ab zu legen.

- Naboo - Theed - Norden - Haus der Trineers - Schlafzimmer - Deanna, Graham -​
 
[Naboo, Theed, Norden, Haus der Trineers, Schlafzimmer]- Graham Trineer

Als er die Eingangstür des Hauses sich öffnen hörte war Graham Trineer sofort hellwach. Er hatte sich ins Bett gelegt, in Ermangelung irgendwelcher fruchtbringender Alternativen und angesichts der fortgeschrittenen Stunde, kurz nachdem Deanna so kurzfristig wieder zum Revier beordert worden war, doch wirklich geschlafen hatte er nicht, in jenem ausladenden Bett, in dem ohne sie ganz einfach etwas fehlte. Manchmal hatte er das Gefühl, die gesamte Polizei von Theed bestand aus nur einer einzigen Person – Captain Deanna Trineer – die zwangsläufig jeden Tatort persönlich begutachten, jeden Straftäter persönlich verhaften und jeden Aufstand persönlich schlichten musste. Natürlich wusste er, dass das nicht stimmte, und natürlich wusste er, dass ihre Verflechtung in ihren Beruf nicht bedeutete, dass sie anderen Aspekten ihres Lebens weniger Priorität einräumte. Nach fast 35 Jahren Ehe wusste er so etwas – auch wenn einige Dinge sich vom ersten Tag kaum verändert hatten, so wie das Gefühl, zu wissen, dass sie jetzt endlich und vor allem unbeschadet nach Hause gekommen war. Auch das war – wie sie hatten erleben müssen – keine Selbstverständlichkeit.

Graham lächelte leicht, als er das Geräusch der benachbarten Dusche vernahm, das ihm verriet, dass es nicht mehr lange dauern konnte und erwog für einen Moment, sich tief schlafend zu stellen, um sie zur Begrüßung ein wenig zu ärgern. Es war schließlich schon spät – doch genau das ließ darauf schließen, dass welche Situation auch immer ihre Anwesenheit im Revier oder an irgendeinem Tatort erforderlich gemacht hatte, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen war, also ließ er sich. Sein Instinkt erwies sich als richtig – als sie schließlich durch die Schlafzimmertür kam und sich neben ihm nur in eines seiner Shirts gekleidet unter die Decke kuschelte, konnte er selbst im Zwielicht erkennen, dass irgendetwas in den vergangenen Stunden sie sehr mitgenommen hatte. Auch solche Momente kannte er – doch heute schien es schlimmer als übrig. Seine kleinen Scherze bezüglich der „Superpolizistin von Theed“ verbaten sich so natürlich von selbst.


„Hey“, flüsterte er zur Begrüßung leise und legte einen Arm um sie, locker genug, um ihr jederzeit die Möglichkeit zu geben, sich auf die andere Seite des Bettes zurückzuziehen, nur für den Fall, dass sie nach ihren Erlebnissen ein paar Momente für sich alleine brauchte. Im selben Moment merkte er jedoch, dass es Nähe war, die sie suchte, keine Distanz, und zog sie bestimmt an sich. Irgendetwas stimmte nicht.

„Willst du drüber reden?“, fragte er sie leise und strich ihr zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Wie schaffte sie es nur, immer noch so atemberaubend auszusehen wie am Tag, an dem sie sich das erste Mal getroffen hatten? Nur in ihren Augen konnte man die Erfahrung der Jahre erahnen… Augen, die so viele Dinge gesehen hatten, schreckliche Dinge, doch auch wunderschöne wie die Geburten ihrer beiden Kinder. Jetzt gerade schien ein Schleier vor ihnen zu liegen, durch den sie ihn ansah, ein Zeichen dafür, dass irgendetwas sie – die abgeklärte, toughe Polizistin – sehr mitgenommen hatte. Vielleicht war es keine gute Idee, sie dazu zu bringen, diese Erinnerungen wieder zu durchleben, indem sie ihm von ihnen erzählte.

„Lass dir Zeit…“


Er küsste sie auf den Mund und begann dann langsam damit, jeden Flecken an ihr, der in Reichweite schien, ebenfalls mit Küssen zu versehen, in der Hoffnung, so die Dunkelheit aus ihren Augen und ihren Gedanken vertreiben zu können, die Last zu lindern, die ihr Beruf ihr wieder einmal aufgebürdet hatte. Sie war das Licht seines Lebens und verdiente nicht weniger.

[Naboo, Theed, Norden, Haus der Trineers, Schlafzimmer]- Graham, Deanna
 
- Naboo - Theed - Norden - Haus der Trineers - Schlafzimmer - Deanna, Graham -​

„Lass dir Zeit…“

Die Bilder, diese bis ins Mark erschütternden Bilder, verschwanden für den Moment, als Graham tat was er eben tat. Seine Küsse taten genau wie diese sanfte aber bestimmte Umarmung ihr übriges. Hier bei ihm, da gab es keine toten Babys, da musste sie nicht Captain Trineer sein, sondern nur seine Frau. Und Grahams Frau durfte sich bei ihm anlehnen und sich einfach nur fallen lassen. Sie schmiegte ihr Gesicht an seines und lies sich von seinen leichten Bartstoppeln kitzeln. Die Naboo war sich gerade nicht sicher ob sie müde war, oder hellwach, ob sie jetzt glücklich sein sollte weil sie bei ihm war, oder vor Bestürzung und Erschöpfung weinen musste. Eine merkwürdige Mischung aus all diesen Zuständen kam über sie als sie ihn ihrerseits küsste, lang und innig. Sein Daumen schnellte zu ihren feuchten Augen und wischte sachte ihre Tränen weg. Sie dankte das wohl zehntausendste mal in ihrem Leben allen Schöpfern für den Segen und die Ehre seine Frau sein zu dürfen. Sie liebte ihn mehr als sich, konnte ohne ihn nicht leben, nicht atmen, nicht gehen...

„Eine tote Familie, sehr sehr junge Leute mit so schrecklich kleinen zerbrechlichen wunderschönen Kindern“.

Sie schmuste sich an seine nackte Brust, Graham war seit jeher ein Hitzespeicher und ertrug es nicht einen kompletten Schlafanzug zu tragen, und lies ihren Kopf einen Moment auf ihr ruhen. Für ein paar Momente kehrte Ruhe in den dämmrigen Raum ein als sie mit geschlossenen Augen seinem Herzschlag lauschte.

„Ich bin so unendlich dankbar dafür das unsere Kinder unversehrt zu diesen phantastischen Erwachsenen werden durften. So viele unschuldige Kinder durften das nicht“.

Und schon wurden die schlimmen Bilder von heute Abend mit wirklich schönen überlagert. Von ihrem ersten Tanz auf dem Schulball, über dieses kleine unschuldig süße Ereignis hin zu der aus dieser kleinen Sache resultierenden Geburt Aldridges. Miranda....der Moment in dem sie sich mit gerade mal fünf Jahren vor einem im Becken des Spaßbades auftauchendem Gungan erschrocken hatte. Ihr Bruder hatte sie sofort in seine Arme geschlossen und beschützt. Die beiden hatten sich zu grandiosen Erwachsenen entwickelt, blendend schön und mit gutem Charakter. Sie waren nicht mit...was auch immer... verbrannt, durchbohrt und getötet worden. Wie oft hatte sie schon im Privatleben oder auf dem Revier Eltern gehört die sich über ihre schlechten Kinder beschwerten. Sie wussten nicht welcher Segen und welche Gnade es war gesunde lebendige Kinder zu haben.

„Hast du eigentlich eine Ahnung wie sehr ich dich liebe?“

Sie zwang sich dazu wieder ins hier und jetzt zurück zu kehren, lies die Vergangenheit, diesen abscheulichen Fall vor ihrer Haustür...nur für ein paar Stunden...sie hatte das recht dazu...nur ein paar Stunden.... sie wollte einfach nicht verrückt werden, und spüren das sie noch lebendig war. Sie suchte seinen Blick und fand ihn durch das halbdunkel. Er hatte immer noch dieses Lausbuben Lächeln, sein leicht ergrautes Haar und Bartstoppeln taten diesem Charme nichts ab. Im Gegenteil, seine tiefdunklen Augen, in denen sie sich so gern verlor wurden so nur noch mehr betont. Und als hätte er diesen Gedanken irgendwie aufgeschnappt, und nach über drei Jahrzehnten tat er das doch hin und wieder, schlang er seine Arme um ihre Hüften als sie sich diesem Shirt entledigte und sich einfach nur an ihn schmuste...nur ein paar Stunden bei ihm sein und sich einfach um den Verstand Schmusen...

- Naboo - Theed - Norden - Haus der Trineers - Schlafzimmer - Deanna, Graham -​
 
[Naboo, Theed, Norden, Haus der Trineers, Schlafzimmer]- Graham, Deanna

Graham unterdrückte ein Seufzen und schloss seine Arme ein wenig fester um seine Frau, als er schließlich den Grund für ihre sichtlich getrübte Stimmung ergründete. Also wieder ein Tatort, der sie mitgenommen hatte – nach außen, und zugegebenermaßen auch im Kosmos seiner eigenen Arbeit, wirkten Naboo und Theed immer wie die idyllischsten Orte der Galaxis, fern von so kranken und zerfressenen Planeten wie Coruscant oder Taris, aber Deanna wurde tagtäglich mit der schlimmsten Seite ihres Planeten konfrontiert, wie sie schlussendlich doch jeder Ort hatte. Das Böse existierte überall und seine bewundernswerte Ehefrau hatte sich auf die Seite jener begeben, die es überall dort zu bekämpfen suchten, wo sie es fanden. Doch es zehrte an ihr. Und nichts fürchtete er mehr, als eines Tages nicht in der Lage zu sein, ihr den Halt zu geben, den sie brauchte.

Zärtlich küsste er ihre Stirn und strich ihr durch ihr weiches Haar, während sie sich mit geschlossenen Augen an ihn lehnte. Sein Herz wurde ihm immer ein wenig schwer, wenn er sie so von Aldridge und Miranda sprechen hörte – eine jede Mutter war stets in Sorgen um ihre Kinder (wie natürlich auch ein jeder Vater), doch eine Mutter, die wusste, welche hässlichen Seiten die Galaxis haben konnte, war zwar auf eine gewisse Art und Weise abgehärtet, auf eine andere jedoch umso verwundbarer.


„Das haben wir davon, dass du schon immer wusstest, was du wolltest…“, erwiderte er schmunzelnd in Anspielung auf jenen recht turbulenten Abend, der schließlich zur Geburt ihres Sohnes geführt hatte.

„Wir haben sie so lange beschützt, wie wir konnten“, fuhr er ernst fort.

„Und wir haben es geschafft, dass sie es von dem Moment an selbst konnten.“

Er wusste, dass diese Worte nur ein schwacher Trost waren angesichts der Bilder einer hingerichteten Familie, die Deanna in diesem Moment wohl verarbeiten, doch als sie sich mit bloßem Körper an ihn schmiegte und ihm ihrer Liebe versicherte, lächelte Graham erleichtert. Sie war für ihn wie vor all diesen Jahren, als er sich bis über beide Ohren in sie verliebt hatte, die elektrisierendste Frau dieser Galaxis, und das nicht nur, weil das Alter ihre Schönheit eher zur vollen Reife gebracht hatte, denn sie langsam zu verwelken. Sein Lächeln wurde ein wenig spitzbübisch, als er seine Hände um ihre Hüfte legte.

„Eine ungefähre Ahnung hab ich, ja…“, flüsterte er grinsend.

„Vielleicht sollte ich das noch abschließend untersuchen?“

Dann verschloss er ihren Mund mit einem liebevollen Kuss und zog sie endgültig an sich, um ihre Gedanken auf die angenehmste Art zu zerstreuen, die er sich vorstellen konnte…

Schließlich lagen sie nebeneinander, hörten nur die etwas schnelleren Atemzüge des jeweils anderen, das Pochen erhitzter Herzen, bevor er sich schließlich leicht auf die Seite drehte um sich mit seinem Gesicht an ihren Hals zu schmiegen und ihr dort ein paar winzige Küsse zu schenken. Ihm war nicht nach schlafen zumute – nicht, solange er nicht zweifelsfrei wusste, dass es ihr zumindest ein wenig besser ging.


„Was denkst du gerade?“

[Naboo, Theed, Norden, Haus der Trineers, Schlafzimmer]- Graham, Deanna
 
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