Nal Hutta, Nar Shaddaa (Y'Toub-System)

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Es dauerte ein wenig, doch dann öffnete Sam endlich die Tür zum Apartment. Sie war bewaffnet und nicht sonderlich glücklich die Gruppe zu sehen. Silas wurde bei dem Gedanken, dass sie hier als Verräterin oder ähnliches abgestempelt wurde, sichtlich böse. Wutentbrannt schaute sie Sam, dann ihren Blaster, der auf die Gruppe gerichtet war und dann wieder Sam an.

"Sag mal, hast du nicht mehr alle Latten am Zaun? Wir reißen uns den Arsch auf, lassen uns von irgendwelchen hirnlosen Trotteln beschießen und jetzt willst du im Ernst behaupten, wir wollen euch wegen ein paar lumpigen Credits verraten? Du spinnst doch."

Silas lief rot an und schaute dann Nevis an.

"Vertraust du uns etwa auch nicht oder willst du deine Freundin hier mal ein wenig zurückpfeifen?"

Silas, jetzt mehr enttäuscht als wütend, wandte sich der Tür zu und warf dabei einen kurzen Blick auf Spectre und Etara.

"Das ist mir echt zu blöd. Ich weiß nicht ob die es Wert ist, sich zusammenschießen zu lassen. Wenn ihr mich sucht, ich bewache den Flur. Falls die beiden sich beruhigen, könnt ihr mich gerne rufen."

Kopfschüttelnd verließ sie den Raum und blickte sich auf dem Flur um. Am Ende des Ganges, nicht weit von den Treppen, war eine Nische, vermutlich für Reinigungsdroiden oder so. Von da aus konnte Silas den Bereich im Auge behalten ohne selber aufzufallen. Sie zerstörte die beiden Lampen in der Nähe, um im Schatten zu verschwinden zu können, zog ihre Kapuze tief ins Gesicht und setzte sich, beide Vibromesser griffbereit. Auch wenn Silas sich sicher war, dass sie nicht verfolgt wurden, wollte sie keine Sekunde länger in dem Raum sein. Für die Zabrak war das Verhalten von Sam völlig unverständlich. Oder hatte sie mal wieder überreagiert?

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Nar Shaddaa, in Lucys Appartement, Sam und Nevis


Sam brauchte Bacta. Die Togruta fing sofort an zu suchen. Im Bad fand sie nichts. Unter der Spüle in der Küche wurde sie dann aber fündig. Nebenbei hatte sie Verbandszeug aus einem kleinen Karton am Boden aufgesammelt. Was hier alles so herum lag!? Sie atmete auf. Sie hatte etwas gefunden! Schnell lief sie zu Sam. Jene hatte sich ins Bad begeben und saß auf dem zugeklappten Toilettensitz. Die Wunde am Arm sah übel aus. Sie sollte einfach etwas Bacta drüber kippen. Mit zittriger Hand tat sie das. Es tat ihr mit weh. Das war schließlich ihre Sam! Nevis wollte auch nichts falsch machen. Es war zu viel des Guten und tropfte den Boden voll. Verbandszeug war jetzt dran! Umständlich packte Nevis die Binde aus und verband die Wunde. Hoffentlich würde es nicht vom Arm rutschen!?

“Ich hoffe, das hält. Wie lange wird das dauern, bis es geheilt ist? Was glaubst du?”

Sam betrachtete ihre Wunde am Kopf. Die sah auch übel aus. Das wirkte recht tief aufgeplatzt. Sie müsste genäht werden. Nevis sah sie erschrocken und ängstlich zugleich an. Das konnte ja was werden? Sie hatte noch nie etwas genäht. Erstmal suchte sie nach Nähzeug. Wem gehörte die Wohnung bloß? In einer Schublade fand sie etwas. Umständlich fädelte sie den Faden durchs Nadelöhr. Hallo, sie machte sowas zum ersten Mal! Bloß wenn man dermaßen zitterte wie Nevis, konnte das auch nicht schneller gehen. Sam nahm ihr das plötzlich aus der Hand und nähte sich die Wunde vorm Spiegel selber zu. Zum wiederholten Male atmete Nevis auf. Sam wollte sich wohl nicht von jemandem nähen lassen, die so angsterfüllt daherschaute und vor allem so zitterte. Nevis sah nur erschrocken zu, wie Sam die Nähnadel durch ihre Haut stach. Sie war ungemein tapfer!

Dann sollte sie das Bad verlassen. Sam wollte sich frisch machen. Es schien ihr nach etwas Ruhe ein wenig besser zu gehen. Womöglich hatte sie auch ein Schmerzmittel genommen, was jetzt wirkte!? Nevis ging raus und spürte ihren leeren Magen. Er tat richtig weh. Nevis suchte in der Küche, die in puncto Nahrung nicht gut bestückt war, aber fand zwei Büchsen mit Eintopf irgendeiner Art. Sam kam schon und griff danach und wärmte sie auf. Kurz darauf saßen sie sich an einem kleinen Tisch gegenüber und aßen heiße Suppe. Das tat vielleicht gut! Doch was noch besser tat, war das große Lob von Sam. Es sei heute knapp gewesen und ohne Nevis wäre Sam, laut ihren eigenen Worten, Banthafutter gewesen. Nevis hätte mittlerweile echt was drauf. Nevis strahlte. Ihre Wangen glühten.


“Deine Idee mit dem Müllwagen und dem Sprung war aber auch nicht von schlechten Eltern!”,

gab sie ein berechtigtes Lob zurück. Endlich sprach Sam über Julio. Das wurde auch Zeit. Sie hatte ihn eingeweiht, dass sie zur Black Sun wollte. Sam sagte ihm, sie sähe da jede Menge Vorteile, für sich selbst, für alle, auch für Julio. Ihr Entschluss stände fest. Doch Julio schrie herum und wollte davon nichts wissen. Er wurde richtig böse. Sam brüllte zurück. Sie gingen im Bösen, im Streit auseinander. Nevis sah sie schockiert an und dachte nach und zog Vergleiche.

“Dennoch, er war im Grunde dein Vater. Wie kann man gleich seine Mörder losschicken?! Das spricht nicht für ihn! Das wäre ja so, als wenn wir uns irgendwann mal heftig zoffen würden, und du mir gleich Mörder auf den Hals hetzen würdest. Du bist mir auch wie eine Mutter. Der tickt doch nicht richtig! Ich meine, immerhin warst du ehrlich und hast ihn eingeweiht. Verrat ist doch nur, wenn es hinterm Rücken geschieht!? Ich hasse ihn!”

Wie sollte das nur ausgehen? Er würde sie jetzt zeitlebens jagen? Doch Letzteres sprach Nevis lieber nicht aus. Das wusste Sam ganz alleine. Die Suppe schmeckte plötzlich nicht mehr ganz so gut wie vorher. Die Stimmung war mehr als bedrückend. Nevis war verzweifelt.

Plötzlich klopfte es an der Wohnungstür. Nevis bekam einen Schreck und ihre Augen wurden riesengroß. Sie hielt in der Bewegung inne, sich den letzten Löffel zum Mund führen zu wollen. Sie hörten Silas draußen. Es war Silas. Nevis erkannte die Stimme. Sam stand auf. Gut, dass es ihr besser ging. Nevis stand ebenfalls auf. Sam machte sich am Riegel und der Kette zu schaffen. Nevis schob mit ganzer Körperkraft die Kommode zur Seite, die sie vorgeschoben hatte. Ihr Herz klopfte. Es war irgendwie Freude. Hoffnung auf Hilfe. Sam öffnete die Tür. Die ganze Black Sun Truppe stand davor und Nevis freute sich richtig, sie zu sehen und lächelte. Sogar über Lucys Erscheinen. Sam fragte noch, ob man ihnen gefolgt wäre, denn das wäre richtig übel. Das wollten sie nicht hoffen. Sam sah noch raus ins Treppenhaus, versicherte sich und verbarrikadierte wieder die Tür. Allerdings schoben sie die Kommode nicht davor. Dafür waren sie jetzt nicht mehr alleine, was Nevis stark beruhigte.

Doch kaum waren sie drinnen und die Tür zu, wendete sich das Blatt. Nevis erschrak richtig. Sam zog den Blaster und richtete ihn auf die Besucher. Was zum Teufel…? Was übersah Nevis gerade? Warum reagierte Sam so? Nevis wirkte erschrocken und fragend zugleich. Sie war total durcheinander. Sam fragte die Truppe, ob sie hier wären, um sich ihr Kopfgeld zu holen. Jetzt wurde Nevis klar, an was Sam dachte. Unmöglich wäre das nicht, auch wenn Nevis nicht an sowas gedacht hatte. Zuzutrauen wäre es einigen auch!? Oder? Silas schrie energisch zurück. Sie war entrüstet und angepisst zugleich und reagierte als Erste. Ob sie ihnen nicht vertrauen würde, wurde Sam gefragt. Offenbar hatten sie die ganze Zeit versucht zu helfen, wie sich heraus stellte.


Sam! Es ist nicht jeder wie Julio, dein Ziehvater!” ,

warf Nevis ein. Ob es Gehör fand, war abzuwarten. Die Frage war natürlich, ob sie sich Vertrauen leisten konnten. Das mit der Wohnung war eine super Hilfe gewesen, könnte aber auch genauso gut eine Falle gewesen sein. Auf der anderen Seite hatte Silas Nevis`völliges Verständnis. Sie konnten jede Hilfe gebrauchen und so behandelte man nicht die, die genau das taten, nämlich Helfen! Doch Sam war wie ein gebranntes Kind. Und womöglich hatte sie recht!? Es war immerhin nicht ganz abwegig. Sam hatte sie mit ihrem guten Instinkt für sowas durchs Leben auf Nar Shaddaa gebracht. Nevis war immer auf ihrer Seite. Sie war ihre Ziehmutter. Doch als Silas sie jetzt anfuhr, sie sollte mal ihre Freundin zurückpfeifen und sie fragte, ob sie ihnen auch misstraute, war Nevis hin und hergerissen. Sie ließ sich kurz Zeit mit ihrer Antwort und erkundete mit ihrem Machtsinn die Atmosphäre. Sie konnte keinen Verrat erkennen, war aber unausgebildet, was die Macht betraf.

Sam?!.... Versteht doch, wir wissen einfach nicht mehr, wem wir vertrauen können. Es ist alles so kompliziert. Danke für den Tipp mit der Wohnung! Das hat uns echt geholfen. Wir können Hilfe gut gebrauchen.”,

versuchte Nevis zu deeskalieren. Silas zog für sich Konsequenzen aus der ganzen Angelegenheit und ließ sie alle stehen. Sie verzog sich. Sie wollte weder zur Zielscheibe werden, noch das sich länger antun. Sie wollte nur noch raus hier. Silas wollte den Flur bewachen. Nevis konnte trotz lauter Loyalität Sam gegenüber, nicht anders, als dass es ihr leid tat. Dieses Gefühl konnte sie nicht ignorieren. Auch die Frage, die sich ihr aufdrängte.

“Ist das Silas` Wohnung?”

Irgendwie kam Nevis durch die ganzen Umstände und weil sie vor der Tür ihren Namen gesagt hatte, zu diesem Schluss. Nevis wusste nicht, was sie tun sollte?! Am liebsten wäre sie ihr gleich hinterher gerannt. Aber sie musste neben Sam bleiben. Was sollte sie tun? Eine verfahrene Situation! Sie durfte Sam auch nicht bloß stellen vor den Anderen. Fragend sah sie zu Sam. Nevis ging zu ihr und zog sie zu sich runter und flüsterte ihr ins Ohr:

Sam, ich kann keine bösen Absichten oder Verrat mit der Macht erkennen. Soll ich mal nach Silas schauen?”


Nar Shaddaa, im Versteck( Appartement von Lucy): Nevis, Silas, Sam, Lucy, Spectre und Etara
 
|| Outer Rim Territories || Hutten-Raum || Nar Shaddaa || Raumhafen, Laroys Landebucht || Lucy Dent, Etara, Spectre und Silas ||



‘Bitte tut uns nichts! Wir haben Kinder bei uns!’ Überall waren Blut und leblose Körper. Mittendrin stand sie. Schwarz angezogen, bedrohlich wie ein Raubtier. Ohne den Hauch einer Emotion legte sie an und schoss die Frau nieder. Danach hüllte sich alles in ein dunkles Schwarz.

Lucy wurde wach. Sie hatte für die Fahrt die Augen geschlossen und war eingeschlafen. Hier und da hatte ihr Körper kurz gezuckt, allerdings nur leicht. Sie hatte einen Alptraum. Die Gruppe hatte Spectre wieder eingesammelt und erreichte nun den Apartmentkomplex mit ihrer Wohnung. Langsam stieg sie aus dem Wagen und streckte sich kurz, ehe sie vorging, um den Weg zu weisen. Eigentlich wollte sie Etara den Vortritt lassen zu klopfen, doch Silas übernahm das bereits. Gut. Es war immer noch besser, als wenn sie es tat, auch wenn die gespielte Freizügigkeit dazu führte, dass die Kopfgeldjägerin auf Abwegen sich an die Stirn fasste. Es dauerte kurz, aber tatsächlich öffnete sich die Tür.

Zusammen betraten sie das kleine Apartment und Sam schien etwas gereizt zu sein. Alleine bei der Sache mit dem Verfolgt werden… Hielt Sam sie wirklich für solche Stümper? Doch was dann folgte, war doch ein wenig übertrieben. Entspannt ging Lucy zu ihrer Spüle, holte ein Glas aus dem Schrank und goss sich etwas Wasser ein. Kopfgeld? Stimmt, da war was. Ihr Blick fiel auf Nevis, welche auch ihr zugelächelt hatte. Eine Geste, die sie erwiderte mit einer gewissen Anerkennung im Blick.. Die beiden mussten durch die Hölle gegangen sein. Vorsichtig legte Lucy ihren Mantel ab während Silas schon den Raum verließ und selbst Nevis auf Sam einredete seufzte Lucy und trank einen Schluck.


“Sam? Denkst du wirklich, wir würden ohne Verstärkung her kommen wenn wir euch wollten? Nevis ist empfänglich für die Macht und kann sie gut nutzen. Sie wäre ein zu großes Risiko mit nur einer Person, die weiß wie sie die umlegen kann, einer noch recht unerfahrenen Frau und dazu noch einer Verletzten.”

Damit setzte sich Lucy an den Tisch und schaute Sam genau an.

“Selbst wenn du anfängst zu schießen… Ich bin noch am ehesten ersetzbar, aber die beiden Frauen da?”

Lucy nickte zu den Beiden Chiss.

“Selbst wenn du beide töten kannst. Legst du dich mit der Blacksun an. Dagegen sind Julios Schläger ein Kindergeburtstag.”

Ruhig nahm sie einen Schluck aus ihrem Glas. Bei Nevis Frage lächelte Lucy der Togruta zu.

“Sie gehört mir. Wir haben versucht, euch zu finden, als wir von der Sache mit eurem Schiff erfahren haben. Ich dachte, ich gebe euch einen Hafen, an dem wir uns treffen können. Wären wir euch weiter nur gefolgt, dann wäre eure Spur erkaltet. Während Etara euch kontaktierte, ließ ich eine falsche Spur legen, dass ich euch jagen würde. Einfach für den Notfall, dass ihr beiden nicht hier seid und wenigstens die Chance besteht euch lebend aus der Scheiße raus zu bekommen. Weil mich jemand kontaktiert, wo man euch dann festgehalten hätte...”

Es war die einfachste Erklärung. Scheinbar wollte Nevis los und nach Silas schauen. In dem Moment stand Lucy kurz auf und zog ihre Stiefel aus. Nun legte sich ein breites Grinsen auf die Lippen der Menschenfrau.

“Ich weiß sie stinken gerade, ich werde sie noch sauber machen. Aber wenn du die Stiefel noch haben willst, Nevis? Mir sind die auf Dauer doch ein wenig zu klein und ich habe eindeutig bessere Schuhe hier. Tut mir Leid, dass ich dich so angemacht habe. War ne Scheißzeit.”

Damit setzte sich Lucy wieder an den Tisch und wartete ab, was die anderen sagen würden. Egal was nun passieren würde, wahrscheinlich würde Sam zuerst sie erschießen, da Lucy direkt vor der Blondine saß. Das sollte Etara und Spectre die Zeit zum Reagieren geben, sollte Sam etwas dummes versuchen. Ruhig, als würde sie an einem Tresen sitzen, leerte Lucy ihr Glas. Alles hing nun davon ab, was Sam tun würde oder wie Etara nun reagierte. Es fühlte sich ein wenig an wie in diesen schlechten Holostreifen, wo beide Seiten wussten, dass wenn sie schießen würden, würden sie alles verlieren. Alles, was Lucy nun getan hat, hat den Einsatz für die Gruppe verringert, zumindest dem Anschein nach. Verlieren würden aber alle, sobald Sam schießen würde. Auch wenn es nur eine Hand voll Lebewesen war, na gut, vielleicht drei, so würde die Zahl derer, die Sam und Nevis jagen, nur steigen. Eigentlich selbst das nicht. Wenn sie hier jetzt starb, dann würde wohl kaum jemand davon erfahren. Es wäre eine Schande, so drauf zu gehen. Natürlich hätte Lucy auch einfach unterm Tisch ihren Blaster ziehen können, doch hier ging es nicht um Macht, sondern Vertrauen, dass man aufbauen musste. Eine gezogene Waffe würde dem entgegenwirken.



|| Outer Rim Territories || Hutten-Raum || Nar Shaddaa || Lucys Appartment || Lucy Dent, Etara, Spectre Sam und Nevis, draußen Silas ||
 
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Der Empfang in dem zum zeitweiligen Versteck auserkorenen Apartment von Lucy war von eher frostiger Natur, was angesichts der Umstände aber wenig überraschend war. Angesichts des von Sam auf sie gerichteten Blasters legte Etara bloß den Kopf schief, grinste und zeigte demonstrativ ihre leeren Hände und schlug ihren Mantel noch ein wenig weiter auf, damit die Menschenfrau sehen konnte, dass ihre Besucherin wohl eher nicht vorhatte, sie umzulegen. Immerhin wurden die Piratin und ihre Begleiter dann doch herein gebeten, dort am Tisch saß auch die junge Togruta Nevis, die angesichts der angespannten Situation ein wenig deplatziert wirkte, sich aber ganz wacker hielt.

Etara schlenderte gänzlich entspannt hinein und setzte sich, leger schlug sie ihre langen Beine übereinander und schaute sich aus roten Augen kurz in dem Apartment um. Ihr neues Teammitglied hatte es ihr doch ganz nett, musste man sagen, der rustikale Charme des Schmugglermondes war hier kräftig am Wirken, da wurden so einige Erinnerungen bei der hübschen Chiss wach. Diese schob sie aber erst einmal beiseite, um sich ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Sam wollte wissen, ob jemand der Gruppe gefolgt war, und Etara schüttelte langsam den Kopf, ihre Stimme ruhig und melodisch, aber auch gewürzt mit dem rauen Zungenschlag der Welt, auf der sie aufgewachsen war.


„Nah. Und falls doch, endet es nicht gut für unsere Verfolger.“

Ein Lächeln huschte über die Gesichtszüge der blauhäutigen Kriminellen, das an einen Firaxanischen Hai erinnerte: Sehr viele Zähne, ganz wenig Freundlichkeit. Es war offensichtlich, dass Sam und Nevis auf der Hut waren, die beiden machten den Eindruck, als rechneten sie damit, dass gleich eine ganze Horde von Schlägern herein stürmen würde. Keine falsche Einstellung, vorsichtig zu sein, aber das Misstrauen erstreckte sich auf Etara selbst, die davon ein wenig verstimmt war, und so verschränkte sie die Arme vor der Brust und blickte die Blondine und das junge Mädchen eindringlich an. Eine Heilige war sie nicht und wollte sie nicht sein, aber man konnte sich auf sie und ihr Wort verlassen, das war sowohl vernünftig als auch Teil der Form von Verbrecherehre, die man ihr beigebracht hatte.

„Doch, ihr wisst, wem ihr vertrauen könnt. Mir. Und zwar nicht wegen sentimentalem Firlefanz, sondern weil ihr Teil meines Teams seid. Wer zu mir gehört, gehört zu mir – voll und ganz. Hab ich immer so gehandhabt, werde ich immer so handhaben, weil ich damit gut gefahren bin.“

In Etaras Gesicht war ein harter Zug getreten, der deutlich machte, dass sie keine hohlen Phrasen von sich gab, sondern es sehr, sehr ernst meinte. Während Lucy eher entspannt reagierte und sogar eine Brücke baute, über die die anderen gehen konnten, um sich zusammenzuraufen, wirkte Silas verärgert, die Zabrak zog es vor, draußen Wache zu halten, bis sich die Lage geklärt hatte. Um die Wogen etwas zu glätten und klar zu machen, dass sie nicht in feindlicher Absicht hier war, lehnte sich die schlanke Chiss ein wenig nach vorn, stützte ihr Kinn auf einer Hand und musterte Sam eingehend, ihr Blick wanderte einmal vom Blaster nach oben und dann wieder nach unten, begleitet von einem flinken, aber nicht zu übersehenden Augenzwinkern und einem schiefen, wohlwollenden Grinsen, in Etaras Stimme lag nun ein spielerisch-flirtender Ton, der sie etwas weicher klingen ließ.

„Süße, Du bist ja wirklich eine Hübsche und ich mag Deine Attitüde, aber denk lieber nochmal gründlich drüber nach, ob es eine gute Idee ist, mit dem Blaster vor meinem Gesicht herumzufuchteln. Mich juckt es nicht sonderlich, aber erstens kann meine Freundin bei so was sehr unangenehm werden und zweitens hast Du wahrlich genug Ärger am Hals, als dass Du Dich auch noch mir anlegen willst. Wegen dem mickrigen Kopfgeld würd ich nicht mal morgens aufstehen, geschweige denn jemanden verraten, der gute Arbeit geleistet hat. Also...wen muss man hier angraben, um was zu trinken zu bekommen? Und wenn wir uns alle ein bisschen entspannt haben, könnt ihr zwei mich ja mal auf den Stand der Dinge bringen und mir erklären, was hier eigentlich los ist. Dank Lucys Gastfreundschaft und Silas´ Wachsamkeit haben wir ein wenig Zeit. Bis jetzt weiß ich nur was von irgendeinem Ziehvater und dem, was die Handlanger von dem Typen ausgeplaudert haben – nicht sehr beeindruckend. So kleine Fische verspeise ich zum Frühstück. Nun?“

Entweder würde man sich jetzt etwas beruhigen oder es würde knallen, aber so oder so, es musste weitergehen. Die Piratin war nicht im Auftrag der Black Sun nach Nar Shaddaa gekommen, um sich im Kleinkram zu verlieren, sondern um den Hutten ein ordentliches Stück vom Kuchen wegzuschnappen. Dafür brauchte sie kompetente und motivierte Leute, und wenn sie deren Privatfehden klären musste, damit sie voll bei der Sache waren, war sie bereit, diesen Preis zu zahlen. Außerdem war Blondchen wirklich was für die Augen und hatte die richtige Einstellung – mit so jemanden konnte Etara arbeiten. Es wurde Zeit, herauszufinden, ob dem wirklich so war...

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Die Stimmung war angespannt, aber Sam dachte nicht daran, den Blaster wegzustecken. Sie war nicht naiv. Keine der Frauen war aus Nächstenliebe hier oder weil sie sich um die Blondine gesorgt haben, das glaubte Sam nicht. Die Gruppe verfolgte ein bestimmtes Ziel, so wie man es auf Nar Shaddaa nunmal tat. Am Ende warteten immer zwei Dinge: der Tod und Credits. Am Ende des Tages gab es einen neuen Auftrag, einen neuen Job und das ganze wiederholte sich, bis man letztlich selbst ein letztes Mal in die Mündung eines Blasters schaute. Sam hatte sich schon lange damit abgefunden, irgendwann Mal ein gewaltvolles Ende zu finden. Sie kannte es nicht anders. Im hohen Alter auf irgendeinem Balkon sitzen und darauf warten, dass es zu Ende ging? Nie und nimmer konnte sie sich so etwas vorstellen.

Silas reagierte sehr emotional auf die Situation. Sie richtete ein paar verärgerte Worte an Nevis und Sam, worauf die ehemalige Soldatin nur die Augen verdrehen konnte.

"Ist nichts Persönliches, Kleine."

Dann stürmte die Zabrak aus dem Apartment. Gut, eine weniger. Betont lässig gaben sich nun Lucy und Etara. Es war also die Wohnung der Kopfgeldjägerin. Sam zog eine Augenbraue überrascht nach oben. Nach allem, was zwischen ihnen vorgefallen war, hätte sie nicht gedacht, dass Lucy einen solchen Aufwand betreiben würde, um ihnen zu helfen. Sie hatte sogar eine falsche Spur gelegt, um andere Kopfgeldjäger abzuschrecken. Etara erklärte sich ebenfalls. Sie wollte ihr Team zusammenhalten. Darauf konnte sich Sam durchaus einen Reim machen. Die Blauhaut gab zwar gerne den Ton an, hatte sich bisher aber auch wie eine Teamspielerin verhalten. Dass sie so verrückt war und für Sam so weit gehen würde, wunderte die Blondine dennoch. Als auch noch Nevis auf sie einredete, begannen die Zweifel zu bröckeln und die Furcht vor Verrat etwas abzuebben. Nevis hatte recht. Sie mussten irgendjemandem vertrauen können, auch wenn es Sam nicht passte, ausgerechnet auf diese Truppe angewiesen zu sein. Dass Nevis mit ihren speziellen Fühlern keine Gefahr spürte, war schließlich der letzte Punkt, der Sam überzeugte. Sie hob beide Hände in die Luft und sicherte für alle sichtbar den Blaster, bevor sie ihn sich vorn in die Hose steckte. Nur für den Fall, dass das hier doch nur ein Schauspiel war.

"Nichts für ungut. Heute ist nicht mein Tag."

Sam ging zurück zu dem Tisch, wo noch ihre Dose mit Eintopf stand und sich auch Lucy niedergelassen hatte. Sie schnappte sich die Dose und nahm ein paar Happen zu sich, während sie die Gäste für einen Moment musterte. Nevis wollte nach Silas sehen, worauf Sam nur nickte. Die Blauhaut dagegen wollte wissen, was denn überhaupt los war.

"Julio und ich haben uns gestritten. Lass das meine Sorge sein, ich regle das. Habt ihr vielleicht etwas von Paul gehört?"

Dass der Droide nicht bei ihnen war, war ungewohnt für Sam. Die massige Präsenz des zynischen Droiden hatte sich auf Dauer zu einem Gefühl der Sicherheit entwickelt, das Sam jetzt vermisste. Es war alles einfacher, wenn ein zwei Meter großer und schwer bewaffneter Droide hinter einem stand.

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Nar Shaddaa, im Versteck( Appartement von Lucy): Nevis, Silas, Sam, Lucy, Spectre und Etara


Nevis`Worte bewegten etwas in Sam. Sie kam plötzlich runter und lenkte ein und senkte die Waffe und wurde zugänglicher. Es wäre heute nicht ihr Tag, stammelte Sam entschuldigend. Nun, das war schon mal ein Anfang, die Wogen zu glätten. Nevis atmete auf. Sam nickte ihr zu, dass sie ruhig mal nach Silas schauen sollte. So schön, so gut, aber was sollte sie dort angekommen, zu ihr sagen? Nevis fiel bei ihren Überlegungen sofort etwas ein. Sie ging in die Küche und suchte und fand eine Tüte Chips. Okay, das Verbrauchsdatum war schon abgelaufen, doch sie war nur einige Tage drüber und ungeöffnet. Das würde hoffentlich gehen. Beim Gang zur Tür, Sam erzählte den Leuten gerade alles, hielt Nevis die Tüte mit fragendem Blick in Richtung Lucy hoch und machte Andeutungen, ob sie sie nehmen könnte. Sie erlaubte es.

Nevis entriegelte die Tür und klappte hinter sich zu und ging zu Silas. Sie saß in einer Nische, wo die Treppe begann. Nevis sah sie sofort, weil ihr rotes Haar leuchtete und sie in diese Richtung lief, da sie sie auf einer der Stufen sitzend vermutet hatte.


“Ähm, darf ich mich zu dir setzen, Silas? Im Appartement geht es jetzt gemütlicher zu. Ich habe etwas mitgebracht.”

Nevis riss die Tüte auf und hielt sie ihr hin. Ein verführerischer Duft stieg ihnen in die Nase.

“Nimm ruhig! Es tut mir leid, Silas. Und ich weiß, Sam auch. Wir hatten einen richtig miesen Tag heute. Ich hing mit nur einer Hand an einem Gerüst hoch oben über einer Kreuzung und wurde beschossen. Ich sag` dir, mir war echt mulmig zu mute. Sam hat zwei Mal mächtig etwas abbekommen. Und wir haben unser Zuhause verloren. Da kann man schon mal paranoid werden. Ihr Ziehvater steckt dahinter. Er war sonst immer total nett zu uns.”

Unten ging plötzlich die Tür. Nevis verstummte augenblicklich und sah Silas bedeutungsschwer an. Nun, hier wohnten natürlich auch andere Leute. Es war ein großes Mietshaus. Aber Nevis hatte da so ein Bauchgrummeln. So ein richtig blödes Gefühl. Und genau das flüsterte sie Silas ins Ohr:

“Ich habe ein Scheiß-Gefühl!”

Nevis griff zum Blaster, legte ihn griffbereit neben sich hin und zum Kom-Gerät. Sie tippte rasch an alle ein:

Com -Nachricht von Nevis an alle in der Wohnung:


“Gefahr”

Nachricht Ende.

Wie hatte man sie gefunden? Wenn sie Glück hatten, waren es nur Zwei und die hatten Julio noch nicht Bericht erstattet, was ja eigentlich auch am logischsten war, denn sie suchten in Zweiergruppen. Nevis griff zum Blaster und hielt ihn fest in der Hand. Und nun? Sollten sie in die Wohnung zurück oder von oben schießen?


Nar Shaddaa, im Treppenhaus der Fluchtwohnung: Silas und Nevis, in der Wohnung: Lucy, Sam, Etara und Spectre, von unten heraufkommend ihre Gegner-Anzahl unbekannt
 
[Nar Shaddaa | Schattenstadt | Lucys Apartment ] Spectre, Nevis, Etara. Silas, Lucy, Sam



Wachsam folgte die Attentäterin den anderen in die Wohnung, die sicher schon besserer Tage in Ihrem Leben gesehen hatte. Die Lage war angespannt, verständlich für das, was den Dreien widerfahren war. Die Sprengung des Schiffes und die anschließende Flucht hatten viel gekostet, und nicht nur Kredits. Das Vertrauen war zumindest angekratzt. Spectre verhielt sich sehr ruhig und lehnte sich an die Wand neben der Tür. Manchmal war das stille Beobachten alles, was man tun konnte, und jede Zuckung kam einer Provokation gleich. Das war so eine Situation.

Aber Nevis überraschte die Chiss mit Ihrem wogen-glättenden Ansprache. Das hatte die Maritima der Black Sun nicht von der Kleinen erwartet und nickte Ihr anerkennend zu. Erst als Sam die Waffe wegpackte entspannte sich die Chiss sichtlich.


„Verständlich, wer würde sich nach so einem Tag auch gut fühlen…“


Quittierte sie den Spruch der Blonden (
Sam).

„Das mit Eurem Schiff ist Mist, ich hoffe darauf war nichts Unersetzbares. Paul steht noch im Hangar bei der Mechankerin. Julios Leute stehen Schmiere und beobachten alles, aber der Droide ist sicher.“


Informierte Sie Sam während Nevis mit etwas zu Essen den Raum verließ, um Silas draußen Gesellschaft zu leisten. Spectre wandte sich wieder Sam zu.


„Ich mag vorgreifen, aber mit dem, was passiert ist kannst Du vergessen, dass das mit Julio nur Dein Problem ist. Von mir aus kannst Du gerne federführend sein, ist ja persönlich, aber nicht ohne uns. Wir sind ein Team und egal wie schräg manches zwischen Teammitgliedern gelaufen ist, es geht um mehr, als dass wir als Black Sun uns von einem kleinen Fisch ins Essen spucken lassen.
Deine Probleme behindern unser Team an der Arbeit, also sind es unsere Probleme und unsere Probleme beseitigen wir, auf die eine oder andere Weise.“


Plötzlich blinken alle Coms auf. Die Nachricht war uneindeutig. Was, Wie viele, von wo und wer?


Lucy? Zweiter Ausgang? Ist deine Gegend hier.“

Damit zog Sie Ihren Blaster und stieß sich von der Wand ab und ging seitlich ans Fenster, um hinauszusehen. Aber die Nebengasse war frei, niemand zu sehen.


„Hier scheint frei zu sein. Wer könnte das sein?“

Es gab mehrere Möglichkeiten. Sicher,, es könnten Julios Leute oder Spitzel sein, die über Lucys Angebot hier nachforschten, oder gar einen Angebot machen wollten, es könnte aber auch eine ganz andere Gefahrenquelle sein. Die Hutten, die wegen der Gefängnissache unterwegs waren oder einfach der Eigentümer, der die Miete kassieren wollte. Gefahr war in dem Metier, in dem sich die beiden Chiss bewegten, einfach gesagt nicht einfach zu definieren. Und jeder da draußen könnte eine Gefahr darstellen.



[Nar Shaddaa | Schattenstadt | Lucys Apartment ] Spectre, Nevis, Etara. Silas, Lucy, Sam
 
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Silas hockte in der Nische und machte sich Gedanken darüber, wie lange es noch dauern würde, bis das Geballer im Apartment startet. Plötzlich öffnete sich die Tür und Nevis kam heraus, blickte sich kurz um und eilte dann direkt auf Silas zu. Sie setzte sich neben sie und reichte ihr eine Chipstüte. Scheinbar hatten sich drinnen die Wogen geglättet. Na gut, soll Etara das regeln, sie würde erstmal aus der Schusslinie bleiben.

"Setz dich ruhig. Ich muss mich entschuldigen, ich reagiere schnell emotional und voreilig, aber die Situation ging mir auf den Keks. Aber ich kann verstehen das sie so reagiert, bei der Vorgeschichte."

Silas wurde sichtlich ruhiger und lächelte Nevis freundlich an.

"Danke das du rausgekommen bist um mir das zu sagen. Ich werde ..."


Silas hielt sofort inne als sie Nevis Gesichtsausdruck erkannte. Sie hatte Gefahr gewittert und teilte das nun auch den anderen mit. Silas zog sofort ihre Messer und lauschte. Tatsächlich, es kam jemand die Treppe hoch. Sie wandte sich an Nevis und flüsterte ihr zu.

"Ich höre Schritte, die hoch kommen. Lass sie an uns vorbei gehen und schauen, was sie vorhaben."

Es dauerte nur etwa 20 Sekunden bis die Schritte so laut wurden, dass sie nicht mehr weit entfernt sein konnten. Silas und Nevis machten sich bereit und drückten sich tiefer in den Schatten der Nische. Da kamen sie auch schon um die Ecke, zwei Rodianer, ein Mann und eine Frau. Auf den ersten Blick unbewaffnet und zu auffällig miteinander streitend, als dass sie zu der Gang gehören könnten. Sie gingen an der Apartmenttür vorbei, in dem sich der Rest der Truppe befand und verschwanden in Zimmer C-331, vier Zimmer weiter den Gang hinunter.

Erleichtert schnaufte Silas durch und legte Nevis die Hand auf die Schultern.


"Falscher Alarm. Sag den anderen Bescheid, dass die Luft rein ist. Hast du ne Idee wie es weitergehen soll?"

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Die Lage hatte sich merklich beruhigt, die Stimmung entspannt, und auch wenn Etara Nervenkitzel liebte, war sie mit dieser Entwicklung keineswegs unglücklich. Ihr Team musste sich nicht die Hände halten und schwülstige Lieder trällern, aber an die Gurgel gehen sollten sie sich definitiv nicht. Dafür gab es auf dem Schmugglermond bereits mehr als genug Feinde und Hindernisse, an denen man sich austoben konnte. Und so nickte die blauhäutige Piratin knapp, als Sam ihren Blaster sicherte und verstaute – griffbereit, aber nicht mehr bedrohlich auf sie gerichtet. Schießereien auf so engem Raum waren ein bisschen wie schlechter Sex – sehr kurz und dann lagen alle nur noch tatenlos herum. Etare neigte leicht den Kopf in Richtung Spectre, die das Geschehen ruhig aus der Ecke verfolgt hatte, und schenkte ihrer Freundin ein dankbares Lächeln. Die Attentäterin war von allen Anwesenden zweifellos am zuverlässigsten, und das wusste die Chiss sehr zu schätzen.

Für ein paar Sekunden traf sich der Blick ihrer roten Augen, dann wandte sich Etara wieder Sam zu, die blonde Menschenfrau gab eine kurze Erklärung ab, die man großzügig als Entschuldigung aufnehmen konnte. Als Reaktion lehnte sich Etara ein wenig nach vorn und musterte ihre Gegenüber noch einmal. Sie hatte Schneid, wusste aber auch, wann genug war, das waren gute Eigenschaften. Die Piratin zuckte demonstrativ mit den Schultern, strich sich eine Strähne ihres schwarzen Haars aus dem Gesicht und zeigte weiße Zähnen in einem mit einem Augenaufschlag verknüpften Grinsen, ein koketter Tonfall hatte sich erneut in ihre melodische Stimme geschlichen.


„Kommt vor. Vielleicht wird es ja zumindest noch Deine Nacht.“

Auf diese zweideutigen, versöhnlichen Worte folgte ein Zwinkern, in das man wahrscheinlich alles, was man wollte, hineininterpretieren konnte. Aber so sehr es auch Spaß machte, ein wenig zu flirten – bis jetzt allerdings mit wenig Echo – es stand Arbeit an. Die Blondine erklärte, dass sie die Angelegenheit mit ihrem einstigen Ziehvater selber klären wollte, und erkundigte sich nach dem Verbleib des Droiden, Paul. Eine stolze, unabhängige Geste, aber ein bisschen wagemutig angesichts der Tatsache, dass sie und Nevis bis jetzt eher vor dessen Häschern geflohen waren statt anzugreifen.

Etara verzichtete aber vorerst auf eine Antwort, da sie spürte, dass ihre Leibwächterin etwas zu sagen hatte, und wenn die andere Chiss den Mund aufmachte, hatte das in der Regel Hand und Fuß. Und tatsächlich fasste ihre Freundin die Situation angemessen bündig zusammen und verkündete, was auch Etara durch den Kopf ging. Also nickte die hübsche Nichtmenschin knapp und tippte zustimmend auf den Tisch, an den sich auch Lucy gesetzt hatte. Auch diese war bis jetzt eine positive Überraschung, mit solchen Leuten ließ sich etwas bewegen. Etara sprach nüchtern und sachlich, wobei sie für jedes Argument einen Finger aufklappte, um ihre Punkte zu unterstreichen.


„Was Spec sagt. Mit dem Blechkameraden ist soweit alles in Ordnung und wenn der Wunsch besteht, ihn herauszuhauen, kann ich das arrangieren. Und beim anderen hat sie ebenfalls recht. Von dem Moment an, in dem ein Mitglied meines Teams angegriffen wird, ist es mein Problem. Wenn wir die Hutten vom Thron stoßen wollen, müssen wir voll bei der Sache sein und deutlich machen, dass man sich mit uns nicht anlegt. Mit keinem von uns. Also lass Dir ein wenig unter die Arme greifen, Sam. Was genau mit Julio passiert, überlasse ich Dir. Aber so oder so wird er aufhören, eine Belastung zu sein, das steht fest.“

In Etaras roten Augen lag ein Ausdruck von Unerbittlichkeit. An diesen Worten gab es nichts zu rütteln und zu diskutieren. Sie war eine flexible Anführerin und hörte auf die Meinung anderer, aber schlussendlich musste jemand den Laden zusammenhalten und die Entscheidungen treffen, und das war sie, anders überlebte man nicht oder hatte Erfolg. Wie zur Bestätigung dessen ging eine Komnachricht von Nevis ein, die Silas nach draußen gefolgt war, eine Warnung. Etara stand sofort auf und zog und entsicherte in einer fließenden Bewegung ihre Blasterpistolen, während sie neben der Küchentür in Deckung ging und sich an die Wand drückte. Die Chiss atmete ganz gleichmäßig und blendete alles andere aus, um sich ganz auf ein mögliches Feuergefecht zu konzentrieren. Angespannte Sekunden vergingen...und dann Entwarnung. Etara hielt noch einen Moment inne, dann nickte sie kurz, sicherte und verstaute ihre Waffen wieder und ließ den Nacken knacken, als sie sich von der Wand abstieß.

„Falscher Alarm? Bleibt trotzdem wachsam. Wenn niemand eine bessere Idee hat, würde ich sagen, wir bleiben erst mal hier, stärken und erholen uns und versuchen, eine Mütze Schlaf zu bekommen. Alles weitere dann, sobald wir fit genug sind, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Oder unvernünftige.“

Die Piratin lachte kurz und gönnte sich dann einen Schluck aus den Vorräten, die Lucy großzügigerweise bereitgestellt hatte. Schmunzelnd prostete sie ihrer Gastgeberin zu, bevor sie sich Spectre Handgelenk schnappte und es auf Gesichtshöhe brachte. Während sie die andere Chiss aus roten Augen ansah, leckte sie langsam mit der Zunge über ihren Handrücken, grinste, verharrte so einen Moment und ließ sich dann wieder auf einen Stuhl fallen. Gemütlich schlug sie ihre langen Beine übereinander und harrte der Dinge, die da kommen würden. Etara war bereit – für solche Herausforderungen war sie geboren worden.

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Nach allem was passiert war, war die aktuelle Lage irgendwie merkwürdig. Gut, Lucy hatte sich selbst da rein gebracht, dennoch war es merkwürdig, wenn sie Leuten Unterschlupf gewährte, die sie eigentlich nicht leiden konnte. Zumindest bisher. Umgekehrt hatten Nevis und auch Sam erst einmal genug durch. Daher war es für sie auch absolut in Ordnung, dass sich alle an den Resten in diesem Apartment bedienten. Nachdenklich beobachtete die Weißhaarige das Gespräch zwischen Etara und Sam. Am Ende waren sie ein Team und Geschäftspartner.

Als Nevis allen eine Nachricht schickte, wanderte der Blick der Frau zur Tür, blieb aber erst einmal sitzen. Eigentlich wusste quasi niemand, wo sie wohnte. Daher wäre es merkwürdig, sollte jemand hier Stress machen. Auf der anderen Seite sollte ihnen jemand gefolgt sein… Bei Etaras Frage nach einem zusätzlichen Ausgang schaute Lucy zu der fragenden Chiss und schaute sie ernst an.

"Schlafzimmerfenster. Ihr müsst zwar springen, könnt so aber die Feuerleiter des Nachbargebäudes erreichen. Sollte es wirklich Probleme geben… Ihr haut ab und ich kaufe euch die nötige Zeit. Eigentlich dürften die Leute aber glauben, dass ich euch alle nicht Abkann und ans Messer liefere sobald sich mir die Chance bietet.”

Lucy schaute dann auf ihr Chrono und dachte kurz nach. Was allerdings Julio anging… sie stand auf und holte sich noch ein Bier, bot auch noch den anderen eines an, ehe sie sich an eine Wand lehnte. Sie war nun, da die Schmerzen kaum noch spürbar waren, viel fokussierter auf das, was um sie herum passierte.

“Ich brauche ein paar Dinge. Munition für meine Waffen. Wenn ihr Julio angreifen wollt… Mit diesen Spielzeugen komme ich nicht weit…”

Damit tippte Lucy auf die Blaster, welche sie vor der Suche zusätzlich mitgenommen hatte.


“Eigentlich spare ich auf ein paar Dinge, mit denen ich meine Munition selbst gießen kann. Und Julio ist nicht Lacta… da können wir nicht einfach rein spazieren… auf der anderen Seite…”


Sie schaute zu Sam.


“Vielleicht kennst du Julios Alltag. Geht er gerne irgendwo hin? Restaurants, irgendwelche öffentlichen Orte? Sag Etara und Spec alles was du weißt. Ich muss nach draußen was nachschauen.”


Damit ging Lucy in ihr Schlafzimmer, schlüpfte in ein paar Schuhe und ging vor die Tür. Sie atmete einmal tief durch und schaute erst einmal den Gang hinunter bis zu einem Fenster. Dort starrte die Frau auf eine bestimmte Stelle. Sie war noch da. Gut. Damit ging Lucy runter zu einer Bettlerin und legte ihr ein kleines Säckchen mit Credits hin. Es war eine alte Frau, die dort immer saß. Man konnte sie leicht übersehen, aber sie sah alles… wenn man sie bezahlte. Lucy bezahlte sie, falls jemand hier auftauchen sollte, der nicht hierher gehörte und nach Ärger aussah. In diesem Falle sollte die Frau ihr eine Nachricht schreiben. Irgendetwas reichte da schon.

Damit ging Lucy zurück in die Richtung ihres Apartments und bemerkte erst jetzt Silas und Nevis. Mit einem freundlichen Lächeln setzte sich Lucy zu den Beiden und schaute auf die Chips und dann auf Nevis.


“Und? Alles klar hier?”


Sie war deutlich entspannter als noch beim letzten Mal, wo Lucy mit Nevis zu tun hatte. Sie schaute beide an.

“Ich hoffe, dass wir hier erst einmal sicher sind. Wir alle brauchen noch Ruhe… Wir haben wahrscheinlich bald genug Stress. Julio… die Hutten… Verdammt!”

Erst jetzt bemerkte die Frau, dass sie selbst bereits den Hutten allein den Krieg erklärt hatte. Lacta hatte sicher eine Familie. Dieser Ort war wahrscheinlich nicht auf Dauer sicher. Selbst wenn Lucy immer ihre Spuren verwischt hatte, so war es nur eine Frage der Zeit, bis die ihre Adresse herausgefunden hätten. Sie sollten aber noch etwas Zeit haben. Sollte es wirklich so weit kommen, dann würde sie Silas und Nevis die Flucht ermöglichen. Es war ihr Krieg. Nicht der der Gruppe. Das Gerücht streuen, dass Lucy nicht mit der Blacksun zusammenarbeitete, hatte vermutlich dazu geführt, dass man sie nun wieder eher ins Auge fassen würde. Daran hatte sie nicht gedacht. Sie saßen wirklich zusammen in dieser Scheiße.


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Nar Shaddaa, im Treppenhaus der Fluchtwohnung: Silas und Nevis, in der Wohnung: Lucy, Sam, Etara und Spectre, von unten heraufkommend ihre vermeintliche Gegner-Anzahl unbekannt


Auch Silas schien sich beruhigt und heruntergekommen zu sein. Das fand Nevis beruhigend. Sie sollte sich zu ihr setzen. Das tat Nevis auch. Schnell meinte Silas, dass sie sich entschuldigen müsste. Und das sie Verständnis hätte. Nevis griff nun auch in die Chipstüte und knusperte vor sich hin. Alles war gut. Silas war froh, dass Nevis rausgekommen war. Sie lächelte. Ihr Lächeln war schön und tat gut. Nevis lächelte zurück.

Doch dann wurde Nevis unruhig. Es kam jemand die Treppe hoch. Und Nevis beschlich ein ungutes Gefühl. Darauf reagierte sie mit einer Nachricht an die Anderen, um zu warnen, und mit dem Griff zur Waffe. Vorbereitet zu sein, konnte entscheidend sein. Silas schlug vor, sich tief in die Nische abwartend zu setzen. Nevis nickte und tat es ihr gleich. Ihr Herz pochte immer wilder und lauter, je näher die Schritte kamen. Ein Pärchen kam herauf. Sie stritten. Nevis hielt die Luft an. Beide liefen ohne sie zu bemerken, an ihnen vorbei. Sie beachteten auch die Appartementtür nicht einmal, hinter der Sam und die Black Sun Truppe war. Es handelte sich um Nachbarn von Lucy. Nevis spürte Silas`Hand auf ihrer Schulter und wie sie laut ausatmete. Falscher Alarm, meinte sie. Nevis nickte lächelnd. Man war sie froh und erleichtert. Nevis war total durchgeschwitzt.


“Ich bin auch völlig wie Sam überreizt. Jetzt gehen die Pferde auch mit mir durch. Das war einfach zu heftig heute. Ich sehe jetzt auch überall Gefahr. ….Julios Leute hatten uns im Motel aufgespürt gehabt. Sie sind gut, zu gut!”

Sie nickte, als Silas vorschlug, drinnen Entwarnung zu geben. Rasch zückte sie ihr Comgerät und tippte erneut

an Alle außer Silas:


“Entwarnung! Falscher Alarm! Sorry! Nachricht Ende”

Nevis steckte nun alles weg.

“Ich scheine total überspannt zu sein. Normalerweise kann ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen. Ich bin aber froh, dass ich mich geirrt habe! Lieber irre ich mich!”

Nevis lachte erleichtert und griff nun wieder in die Chipstüte.

"Lecker, oder?! Die machen echt süchtig. Willst du auch noch?”

Lucy kam zu ihnen und fragte, ob alles klar sei. Nevis nickte leicht beschämt. Sie hatte mit ihrer ersten Nachricht sicherlich für Unruhe gesorgt. Lucy hatte sich nun auch zu ihnen gesetzt. Nevis hielt ihr die Chipstüte hin. Viel war nicht mehr drin.

“Magst du?”

Sie meinte, erstmal müssten sie jetzt Ruhe haben. Aber nicht sehr lange. Lucy wirkte richtig nett. Nevis war froh, dass Sam und sie Freunde um sich hatten. So war alles viel einfacher. Und so machte sich Nevis über ihren letzten Satz, über Hutten und Konsorten, nicht ganz so viele Sorgen. Sie wollte den Moment genießen.

“Ich war eben übernervös. Es waren deine Nachbarn. Das Rodianerpaar. ....Man hatte uns selbst im Motel aufgespürt. Da wir glücklicherweise schon im Gehen waren, konnten wir ihnen entwischen. Ich bin echt froh, über eine Pause.“

Dann stellte sich Nevis hin und machte Beiden vor, wie sie hoch über der Kreuzung gehangen hatte und sparte nicht an Details. Obwohl die Situation sehr ernst gewesen war, konnte sie beim Vormachen bereits darüber Lachen und sorgte für eine eher lustige Atmosphäre. Das sorgte für Entspannung ihrerseits. Da alles mit dem Kran angefangen hatte, zeigte sie auch das Messer herum, was sie von Arya geschenkt bekommen hatte, denn darauf war sie sehr stolz. Andere Mädchen in ihrem Alter zeigten eben ihren neusten Lipgloss herum, sie eben ihr feines Vibromesserchen. So war das eben!

Plötzlich hörte man es laut Schreien, Poltern und Krachen und klägliche Frauenschreie aus der Wohnung, in die das Rodianerpaar hineingegangen war. Nevis hielt inne und horchte auf. Das klang aber nach einem Ehekrach der besonders üblen Sorte. Die Tür C- 331 wurde aufgerissen. Der Rodianermann rannte mit hochrotem Kopf aus der Wohnung, an ihnen vorbei, ohne sie zu bemerken und die Treppe hinunter. Die Tür ließ er sperrweit angel offen. Nanu? Nevis blickte vielsagend und fragend zugleich in die Gesichter von Silas und Lucy. Nevis erhob sich zögerlich, ging dann aber zur besagten offenstehenden Tür der Nachbarn und schlug die Hände vors Gesicht. Die Frau lag blutüberströmt und tot in ihrer Wohnung. Jetzt begriff die junge Togruta, weshalb sie so ein mieses Gefühl gehabt hatte. Hier war etwas Schlimmes passiert. Sicher, eigentlich ging es sie nichts an. Aber es war erschreckend. Sie winkte Lucy und Silas herbei.



Nar Shaddaa, Flur vor Lucys Wohnung: Lucy, Silas und Nevis
 
Nar Shaddaa / Schattenstadt / Apartment von Lucy / Sam, Nevis, Etara, Silas, Lucy, Spectre

Sam war erleichtert als sie davon hörte, dass Paul in Sicherheit war. Laut Spectre war er immer noch in seinem Versteck am Raumhafen, der jedoch von Julios Leuten beobachtet wurde. Das waren wertvolle Informationen, mit denen sie einen neuen Plan schmieden konnten. Doch natürlich blieben ihre knappen Aussagen zum Geschehen nicht unkommentiert. Beide Blauhäute versuchten Sam klar zu machen, dass die Blondine diesen Kampf nicht alleine führen musste. Eigentlich sollte sie sich davon geschmeichelt fühlen, das wusste sie. Aber in ihrem Magen rumorte es kräftig bei dem Gedanken daran, in diesen Konflikt noch mehr Leute reinzuziehen. Sie hatte Nevis und Paul deswegen schon in Gefahr gebracht und es nur knapp mit heiler Haut in ein sicheres Versteck geschafft. Sie konnte nicht erkennen, wie vier weitere Frauen da den Unterschied machen sollten, Black Sun hin oder her.

"Du verstehst es nicht", sagte Sam deshalb zu Spectre. "Julio ist hier auf Nar Shaddaa kein kleiner Fisch. Er hat sich hier ein riesiges Netzwerk aufgebaut, hat seine Finger überall mit drin und verfügt neuerdings über Waffen, auf die sogar das Imperium neidisch wäre. Er kennt Nar Shaddaa und seine Leute, weiß wer Einfluss hat und wen man bestechen oder umlegen muss, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Selbst die Hutten respektieren ihn, immerhin haben sie in seinen Krieg noch nicht eingegriffen. Die Black Sun mag ihr galaxisweites Netzwerk haben, aber hier unten auf Nar Shaddaa habt ihr nichts zu melden."

Auch Etara betonte nochmals, dass Julio jetzt das Problem des ganzen Teams war. Sam spürte, wie Wut und Verzweiflung langsam in ihr hochkochten. Wollte man sie nicht verstehen oder waren sie zu hochnäsig, um es zu kapieren? Doch bevor sie ihrem Ärger Luft machen konnte, piepte ihr ComLink. Sie warf einen Blick darauf und sprang gleichzeitig mit den beiden Chiss auf. Nevis warnte sie vor einer Gefahr und Sam hatte mittlerweile gelernt, den Gefühlen der Kleinen zu vertrauen. Sie zog ihren Blaster aus der Hose und ging hinter dem Sofa in Deckung. Kurze Zeit später folgte jedoch die Entwarnung. Sam seufzte. Vielleicht waren die Antennen der Kleinen doch nicht so gut wie gedacht.

"An Julio ranzukommen ist unmöglich. Er wurde in den ersten Wochen des Krieges gegen die Raiders schwer verletzt. Seitdem hat er seine Werkstatt nicht mehr verlassen. Die Werkstatt selbst liegt in einem Wolkenkratzer, oberste Etage, Hangar inklusive. Man müsste sich durch das ganze Gebäude kämpfen, um da hoch zu kommen. Anfliegen ist auch nicht drin. Im Sektor sind mehrere Raketensysteme versteckt. Wenn denen etwas komisch vorkommt, werden keine Fragen gestellt, die drücken einfach auf den Knopf und jeder Gleiter geht zwei Sekunden später in Flammen auf."

Nun kam der erste vernünftige Vorschlag von Etara. Sie sollten sich alle zunächst ausruhen. Entscheidungen würden sie danach treffen. Tatsächlich waren die Augenlider der Blondine mittlerweile schwer wie Durastahl. Sie nickte, sah demonstrativ in die andere Richtung als es zwischen den Chiss privat wurde und legte sich stattdessen auf die Couch. Wie eine Decke breitete sie ihren Mantel über sich aus und steckte den Blaster in die Ritze zwischen Sitzfläche und Lehne. Sie schlief sofort ein.

Nar Shaddaa / Schattenstadt / Apartment von Lucy / Sam, Nevis, Etara, Silas, Spectre
 
[Nar Shaddaa | Schattenstadt | Lucys Apartment | Etara, Spectre, Lucy, Silas, Sam, Nevis

Dickköpfig wie ein Bantha war diese Sam, das stellte Etara nicht ohne eine gewisse Anerkennung fest. Die Blondine tat sich sichtlich schwer, irgendeine Form von Hilfe bei ihrer Fehde mit diesem Julio zu akzeptieren, und Etara konnte sich den komplizierte Gefühlscocktail ihrer Gegenüber durchaus lebhaft vorstellen. Verrat tat weh, ganz besonders dann, wenn er von jemanden kam, den man genuin gemocht hatte. Aber wegen einer solchen Privatangelegenheit würde die Chiss ganz sicher nicht ihre Operation auf dem Schmugglermond ins Stocken kommen lassen.

Wer sich ihr den Weg stellte, wurde umgedreht oder umgelegt. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann, und schlussendlich würde die Piratin sich alles nehmen, was sie wollte. Mit der Einstellung war sie bis jetzt gut gefahren und sie sah keinen Anlass, daran etwas zu ändern. Und so lächelte sie ein perlweißes Lächeln, als ihre Gesprächspartnerin erklärt hatte, wie mächtig dieser Julio sei und dass die Black Sun auf Nar Shaddaa nichts zu melden hatte.


Noch nicht.“

Im Licht der darauf folgenden Informationen musste allerdings auch die abenteuerlustige und wagemutige Verbrecherin im Stillen zugeben, dass dieser Kerl nach einer harten Nuss klang. Konnte sie es sich leisten, die Ressourcen zu entbehren, um ihn hoch zu nehmen? Im Krieg gegen die Hutten wurde alles gebraucht, aber einen Störfaktor in ihrem Rücken konnte Etara auch nicht gebrauchen. Darüber würde sie nachdenken müssen, und zwar lang und gründlich, und so nickte die Chiss schließlich versöhnlich und hob eine Hand, um zu signalisieren, dass sie verstanden hatte.

„Unmöglich kommt in meinem Wörterbuch nicht vor. Aber ja, das klingt nach etwas, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Vorschlag zur Güte: Wir stellen Julio erst einmal hinten an, gönnen uns eine Mütze Schlaf und sehen dann, was als nächstes ansteht. Also, süße Träume.“

Etara grinste kurz und zog dann Spectre an sich, um es sich gemütlich, weich und warm zu machen, und nachdem sich Nevis´ Sorge als falscher Alarm entpuppt hatte, schlief die Blauhäutige rasch ein, ihre Blaster griffbereit, aber ruhig wie ein junges Nexu. Es war tatsächlich erst das Gepolter und Geschrei aus einer der Nachbarwohnung und die Schritte ihrer Gefährtinnen, die sie aufweckten. Etara sprang auf und huschte hinaus, schon damit rechnend, dass ein huttisches Killerkomando vor der Tür stand – aber das ganze entpuppte sich als weitaus weniger bedrohlich.

Die Chiss legte ihren Kopf schief und spähte aus roten Augen in die verwüste Wohnung, in der eine unnatürlich verdrehte Rodianerin reglos am Boden lag. Man musste kein Genie sein, um aus dem, was sie zuvor auf dem Gang gesehen und gerochen hatte – den Gestank vom billigem Fusel und Aggression – seine Schlüsse zu ziehen.

Etara seufzte und legte Nevis eine Hand auf die Schulter, um sie sanft, aber bestimmt von dem Tatort wegzudrehen, dann nickte sie Lucy und Silas zu, die gerade dazu kamen. Die Stimme der Chiss war kühl und abgeklärt. Sie war auf dem Schmugglermond groß geworden, solche Szenen waren zwar unschön, aber nichts Neues für sie.


„Ich hoffe mal, die anderen Nachbarn sind ruhiger, Lucy. Wir sollten das aufräumen, damit es keine unnötige Aufmerksamkeit gibt. Oder wir sehen es als Fingerzeig, aufzubrechen.“

So oder so wollte Etara der Sache keine unnötige Aufmerksamkeit schenken. Sie hatte größere Aufgaben und Gefahren zu meistern, da blieb für solche Dinge keine Zeit, mochten sie auch noch so übel sein. Wenn sie jeden oder jede umlegen wollen würde, der seine oder ihre Partnerin oder Partnerin misshandelte, würde sie als alte Frau auf dem Schmugglermond sterben – darauf hatte sie nun wirklich keine Lust.

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Eigentlich komisch, wie sich alles änderte. Man hörte auf zu rauchen oder rettete jemanden, den man noch vor Kurzem lieber selbst getötet hätte. Umgekehrt waren Nevis und Sam gerade in einer sehr schwierigen Situation und dazu könnte Lucy selbst mit einem vollständigen Team besser ihre Rechnungen bezahlen, als wenn sie ihre verbliebenen Ressourcen in die Jagd auf zwei Wesen verschwendete ohne wirklich etwa dadurch zu gewinnen. Schon bald bot Nevis ihr Chips an und Lucy nickte und nahm sich ein Paar, während Nevis von den Nachbarn erzählte. Nachbarn? Ein Rodianerpaar? Irgendwo hier lebte eine junge Rodianerin. Sie war wirklich nett und hatte Lucy einmal ein paar Verbände besorgt, als sie angeschossen worden war. Sie hatte keine Fragen gestellt und war auch allgemein eher von der ruhigen Sorte. Vielleicht hatte sie auch einfach nur jemanden für die Zukunft gefunden. Auf der anderen Seite zogen in dieses Gebäude ständig neue Bewohner ein, während andere quasi einfach verschwanden.

Bei dem Schauspiel der Togruta, nachdem sie von dem Hotel erzählt hatte, lächelte Lucy freundlich.


“Klingt wirklich so, als hättet ihr einiges durchgemacht.”

Allgemein war die Atmosphäre sehr entspannt und ausgelassen. Es tat einfach gut, mal ein wenig zu entspannen und zu lachen. Allgemein taute Nevis auch der Weißhaarigen gegenüber auf, wodurch Lucy es auch tat. Es war wohl an der Zeit ein paar Dinge klarzustellen.

“Ich glaube, ich sollte mich für mein Verhalten entschuldigen. Das Casino, das ihr überfallen habt… Es war zu dem Zeitpunkt meine letzte Chance, irgendwie ein paar Credits zu bekommen, um die Miete zu zahlen. Ich bin eigentlich komplett pleite. Und die Schmerzmittel haben mir ziemlich den Verstand zerschossen. Inzwischen glaub ich, dass du ganz okay bist.”

Damit hielt Lucy der Togruta eine Hand hin und lächelte freundlich.

“Ich bin normalerweise nicht so ein Stinkstiefel. Tut mir Leid. Wollen wir nochmal bei null anfangen?”

Doch sollte es nicht so weit kommen. Schreien, Poltern und Krachen. Dann klägliche Schreie von einer Frau aus einer Wohnung, aus der ein männlicher Rodianer wenig später herausrannte. Was war denn das? Nevis rannte schon los, während die Kopfgeldjägerin erst noch aufstehen musste, wodurch ihr Körper ihr klar machte, dass sie eigentlich doch noch etwas Schlaf brauchte. So erreichte selbst Etara vor ihr die offene Tür des Apartments, aus dem die Schreie kamen. Bei Etaras Worten schaute Lucy den Gang runter, ehe ihr Blick zu Nevis wanderte.


“Wir sollten nichts anfassen. Ihr verschwindet so schnell es geht. So wie ich ein paar der Nachbarn komme, sind bald die Ordnungshüter da…”


In der Tat wirkte es so, als würden die Nachbarn auch auf das Theater aufmerksam. Sie mussten hier weg. Schnell.


“Ihr müsst hier weg. Wenn ich einfach verschwinde, fällt das auf oder man wirft mir vor, was getan zu haben. Ich habe was Nichtmenschen angeht in dieser Gegend einen miesen Ruf und die halben Ordnungshüter stehen auf der Gehaltsliste der Hutten, die andere Hälfte auf der irgendwelcher Gruppierungen. Ich glaube, wirklich sauber sind nur die wenigsten. Wenn Nevis und Sam von irgendwem gesehen werden, der den Hutten oder diesem Julio den Arsch küsst… Dann war die ganze Arbeit Sam und Nevis zu finden umsonst.”


Es war wirklich besser. Sie würde hier bleiben. Verdammt! Normalerweise war es hier ruhig, wenn man mal von ein paar Betrunkenen im Hof absah. Sowas war das letzte, was die Gruppe brauchte. Hoffentlich schafften die anderen es zu verschwinden ohne aufzufallen. Innerlich fluchte Lucy ohne Ende. Manchmal hatte man einfach kein Glück, aber Sam und Nevis? Sie hatten gerade mehr Pech als die Kopfgeldjägerin in ihrer gesamten Laufbahn hatte. Und das sollte was heißen. Hoffentlich kamen auch die Ordnungshüter und nicht irgendwelche Schläger der Hutten. Die Situation war nicht gut, überhaupt nicht. Auf der anderen Seite würde jeder seinen Teil nun dazu beitragen, dass alles gut geht. Es war wirklich besser, wenn die anderen so schnell wie möglich von hier weg kamen.


“Ich werde mich später melden. Sollte nichts von mir bis Mitternacht kommen ist irgendetwas passiert. Nur zur Sicherheit.”


Damit schaute Lucy ernst zu Silas und Etara.


“Nehmt die Feuerleiter hinter dem Apartment. Von meinem Schlafzimmerfenster aus könnt ihr sie erreichen.”


So eine verfluchte Bantha-Kotze. Manchmal ging auch alles schief.




|| Outer Rim Territories || Hutten-Raum || Nar Shaddaa || Lucys Appartment || Lucy Dent, Etara, Silas und Nevis draußen, drinnen Etara, Spectre und Sam ||
 
[Nar Shaddaa | Schattenstadt | In Lucys Apartment | Etara, Spectre, Lucy, Silas, San, Nevis

Na super, dachte sich Silas, als das Geschrei in der Nachbarwohnung verebbte und der wütende Ehemann aus der Wohnung gerannt kam. Nevis überprüfte die Frau und fand sie leblos vor. Wut kochte in Silas hoch und sie wollte schon hinter dem Mann her ins Treppenhaus stürmen, doch beruhigte sie sich schnell wieder. Kein Grund die Gruppe in Probleme zu stürzen wegen einer unbekannten Toten. Lucy wies ihnen den Weg zur Feuerleiter hinunter in die Gasse hinter dem Haus. Sie hatte Recht, dies war nicht der Zeitpunkt zu warten und ins Visier der Behörden zu kommen. Silas stürmte an den anderen vorbei und zischte Etara zu.

"Ich schnapp mir diesen Penner. Keine Sorge, niemand wird etwas mitbekommen. Ich beeile mich und wenn ihr weg sein solltet, lass mir unten eine Info, wohin."


Dann rutschte sie die Feuerleiter in die Tiefe, zog ihre Kapuze über und rannte Richtung Vordereingang. Als sie die Hauptstraße erreichte, verlangsamte sie ihre Schritte und versuchte in den Schatten unterzutauchen. Sie behielt den Eingang des Appartmentkomplexes im Auge, denn schon bald müsste der Rodianer das Haus verlassen.

Es dauerte noch fast eine ganze Minute, da öffnete sich die Vordertür und der Mann verließ das Gebäude. Er ging mit schnellen Schritte die Straße entlang, in ihre Richtung und an ihr vorbei. Silas wartete kurz und folgte ihm dann. An der übernächsten Gasse holte sie den Rodianer ein, setzte ihr bezauberndstes Lächeln auf und tippte ihn auf die Schulter.


"Hey mein Süßer, warum denn so eilig? Lust auf einen schönen Abend?"

Der Rodianer dreht sich wütend um und wollte sie offenbar direkt anschreien. Doch plötzlich wurde sein Blick ruhiger und interessierter. Er musterte Silas von oben bis unten. Er griff ihre Hand und küsste sie flüchtig.

"Na Kleines. Wie komm ich zu dieser Ehre? Ich heiße Brougg und du? Wollen wir zu dir gehen?"

Silas lächelte ihm noch aufreizender zu, legte ihren Arm um den Rodianer, in einer Art und Weise, die später keine Spuren hinterlassen würde und machte mit der anderen Hand ihr Vibromesser griffbereit. Sie führte ihn in die nächste Gasse und blickte sich kurz um. Es war wenig los und in der Gasse war es dunkel und eng. Als sie merkte das die Gasse auch wirklich leer war, blickte sie ihrem Opfer tief in die Augen.

"Wie kann es sein, dass so ein hübscher Bursche ungebunden ist?"


Er erwiderte: "Es hat sich einfach nicht die richtige gefunden. Aber vielleicht bis du da endlich die Frau, die zu mir passt."

Mit diesen Worten drückte er Silas gegen die Wand und versuchte sie zu küssen. Doch sie hatte bereits ihr Vibromesser gezogen und rammte es Brougg knapp unters Herz. Er hatte starke Schmerzen, war aber nicht lebensbedrohlich verletzt und schaute sie mit aufgerissenen Augen an. Mit der freien Hand, hielt er ihm den Mund zu und zischte:

"So ein dreckiger Bastard wie du wird keiner Frau mehr zu nahe kommen. Ich hab gesehen, was du mit der Frau in dem Zimmer angerichtet hast. Das konnte ich dir nicht durchgehen lassen."

Bei den letzten Worten zog sie die Klinge nach oben, direkt in das Herz ihres Gegenübers. Er sank tot zu Boden und Silas versteckte den Körper unter Gerümpel und Müll, der in der Gasse rumlag. Zufrieden wandte Silas sich wieder Richtung Appartmentgebäude, in der Hoffnung, der Rest der Truppe ist noch in der Gasse oder hatte zumindest eine Nachricht hinterlassen. Hoffentlich konnte Etara verstehen, dass sie diese Tat begehen musste und würde sie immernoch bei der Black Sun aufnehmen.

[Nar Shaddaa | Schattenstadt | Gasse vor Lucys Apartment | Silas, Einwohner der Gegend (NPC)
 
Nar Shaddaa / Schattenstadt / Apartment von Lucy / Sam, Etara, Spectre

Sam erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Hatte da jemand geschrien? Ihre Hand fand schnell den Blaster zwischen den Polstern. Sie konnte nicht sagen, ob sie nur ein paar Minuten oder mehrere Stunden geschlafen hatte. Ob sie sich wirklich erholt hatte, würde sich erst nach einer Tasse Kaffee und einer Zigarette erweisen. Die Blondine sah gerade noch, wie Etara gerade das Apartment verließ. Sie lauschte. Keine Schüsse, keine Schreie. Was auch immer da draußen los war, es konnte nicht so schlimm sein, entschied Sam und versuchte sich aufzurichten. Ein stechender Schmerz in ihrer Schulter erinnerte sie sofort daran, in was für einer schwierigen Lage sie aktuell war. Sam grunzte vor Schmerzt genervt und unternahm dann einen zweiten Versuch. Sie steckte den Blaster zurück in ihren Mantel, fischte die Zigarettenschachtel aus den Tiefen ihrer Tasche und begann zu rauchen.

"Auch eine?", fragte sie Spectre, erwartete jedoch nicht, dass das Schoßhündchen von Etara darauf einging. Dann stand sie ebenfalls auf und schaute nach dem Rest ihrer Truppe. Sie hörte die Stimmen der anderen aus der Wohnung gegenüber, doch bevor sie die Tür erreichten, kam ihr schon Lucy entgegen, die sichtlich in Eile war, während Silas rasch in Richtung Treppen ging. Sam nahm einen weiteren Zug von ihrer Zigarette. So viel Stress am Morgen gefiel ihr nicht.

"Was ist denn los?"

Das mit dem Kaffee musste wohl warten. Die Kopfgeldjägerin drängte die Gruppe ins Schlafzimmer auf ein Fenster zu. Von dort aus sollten sie die Feuerleiter nutzen, um abzuhauen. Sam ließ sich ohne weitere Fragen auf den Fluchtplan ein und schluckte den Protest dagegen vorerst hinunter. Sie hasste es, wenn sie nicht die Kontrolle hatte und sich auf andere verlassen musste. Der Überfall auf das Casino vor ein paar Wochen hatte ihr gezeigt, dass das schnell schlecht für sie ausgehen konnte.

Sie stiegen über die Feuerleiter hinunter in die Gassen von Schattenstadt. Lucy wollte zurück bleiben, weswegen Etara nun wieder die Führung übernahm. Sam wollte die Abwesenheit der anderen Frauen nutzen, um über die nächsten Schritte zu sprechen. Kurz vor dem Einschlafen hatte sie den ein oder anderen Gedanken gefasst, den sie mit der Blauhaut besprechen wollte und sie vermutete, dass es besser war, wenn das vorerst unter ihnen blieb.


"Etara, ich hab über meine ... unsere Situation nachgedacht. Ich glaube allerdings, dass dir meine Ideen nicht gefallen werden."

Sam zündete sich eine weitere Zigarette an. Tatsächlich gefielen diese Ideen ihr selbst nicht, aber aktuell hatten sie kaum Optionen. Sie mussten mit dem Arbeiten, was sie hatten.

"Wir kriegen Julio nur klein, wenn wir unsere Karten richtig ausspielen. Wir sind aber nicht die einzigen Spieler am Tisch, verstehst du? Auch die Hutten und die Raiders haben ein starkes Blatt auf der Hand. Die Raiders haben schon ein paar Trümpfe abgelegt, um Julio auszuschalten, begegnen ihm aber aktuell auf Augenhöhe. Die Hutten halten sich noch zurück und warten ab, wie sich das Spiel entwickelt."

Sie seufzte kurz auf. Was redete sie da für einen Quatsch. Ihr fehlte definitiv der Kaffee.

"Was ich damit sagen will: wenn wir den Raiders auf die Sprünge helfen und die Hutten dazu bringen, sich in den Konflikt einzumischen, schwächen wir alle Parteien bis auf uns. Wir könnten im entscheidenden Moment zuschlagen und alle drei Spieler in einem Zug ausschalten. Dafür müssten wir aber auch etwas riskieren. Die Raiders werden von einem Adligen von Serenno namens Rudogast von Gallwitz gelenkt. Ich glaube, ihr zwei würdet euch ganz gut verstehen. Ich bin allerdings ein rotes Tuch für ihn. Nevis, Paul und ich sind ihm auf Serenno gehörig auf den Zeiger gegangen und haben ein paar seiner Spielzeuge und Leute in die Luft gesprengt. Ich und Nevis könnten uns dafür bei den Hutten einschleimen. Die wissen sicher schon von meinem Bruch mit Julio und denken, dass Lucy hinter meinem Kopfgeld her ist. Mit meinem Wissen um Julio habe ich für die Hutten allerdings einen größeren Wert als ein paar Tausend Credits."

Zumindest war das ihre Hoffnung. Wenn es blöd lief, könnten die Hutten auch deutlich ungemütlicher werden.

Nar Shaddaa / Schattenstadt / Straße / Sam, Nevis, Etara, Spectre
 
[Nar Shaddaa | Schattenstadt | Lucys Apartment | Etara, Spectre, Lucy, Silas, Sam, Nevis

Die Ereignisse überschlugen sich, und unter anderen Umständen hätte Etara an dem glorreichen Chaos reichlich Gefallen gefunden. Aber auf dem Schmugglermond war die lebenslustige Chiss ernster und vorsichtiger unterwegs als üblich, denn sie wusste nur zu gut, dass sie hier verdammt aufpassen musste. Die Tatsache, dass dieses Versteck jetzt verbrannt war, ärgerte sie zwar, aber so etwas war unvermeidlich. Wenn man die unterlegene Partei war und im Verborgenen agierte, musste mit so etwas gerechnet werden. Glücklicherweise gab es auf Nar Shaddaa im allgemeinen und in der Schattenstadt im speziellen jede Menge Orte, an denen man sich verkriechen konnte. Also hob die blauhäutige Kriminelle bei Lucys Meldung und Warnung schlicht den Daumen und nickte kurz in die Runde.

Als Silas allerdings nachdrücklich erklärte, dass sie noch etwas zu erledigen hatte, legte Etara den Kopf schief und musterte die andere Frau. Wollte sie sich absetzen? Nein, so klang es nicht, offenbar war die Zabrak wirklich auf dem Kriegspfad und dürstete nach Gerechtigkeit. Zwar war Etara es nicht völlig gleichgültig, was nebenan passiert war, aber im Moment hatte sie andere Prioritäten. Sie hatte allerdings keine Lust auf lange Diskussionen und auch nicht darauf, ein fähiges Teammitglied vor den Kopf zu stoßen, also signalisierte sie mit einer Handbewegung Zustimmung sowohl zu ihr als auch zu der blonden Kopfgeldjägerin, die zurückbleiben wollte.


„Einverstanden. Melde Dich und viel Glück. Also gut, Leute: Abflug! Silas, klär die Sache, aber flott. “

Die Chiss wartete gar nicht groß auf irgendeine Reaktion, sondern setzte sich prompt in Bewegung und kletterte geschickt aus dem Fenster, huschte die Feuerleiter herunter und landete mit einem großen Satz auf dem nassen Durabeton. Etara ließ den Nacken knacken und hielt die Hände an den Holstern, für den Fall, dass sie flink ihre Blasterpistolen zücken musste. Aus roten Augen behielt sie die Umgebung im Auge, während die anderen nachrückten. Bei Sam schien der Stress für erhöhtes Nachdenken und Redebedarf gesorgt zu haben, Etara schenkte der Menschenfrau angesichts ihrer Einleitung ein trockenes Grinsen und eine gewölbte Augenbraue, ihre Stimmlage verriet aber, dass sie aufmerksam zuhörte.

„Überrasch mich, Süße.“

Und das tat die Söldnerin auch. Offenbar hatte sie sich einige Gedanken gemacht und der skizzierte Plan klang zumindest grundsätzlich solide und machbar. Eine Schwächung ihrer Feinde – und potentiellen Feinde – war auf jeden Fall wünschenswert. Die Tatsache, dass sich die Gruppe aufteilen würde und das hieß, dass Etara dem bunten Haufen vertrauen musste, sie nicht ans Messer zu liefern, schmeckte ihr weniger. Aber ein gewisses Risiko musste die Piratin eben eingehen, und soweit es unter Verbrechern möglich war, traute sie den anderen über den Weg – oder zumindest deren Selbsterhaltungstrieb, sich nicht mit der Black Sun anlegen zu wollen. Etara fuhr sich übers Kinn, dann nickte sie kurz, ein kalkulierender Ausdruck in ihren roten Augen.

„Kurzversion: Wir hetzen die drei Gruppierungen gegeneinander auf und erledigen sie, wenn sie geschwächt sind. Clever. Gefällt mir. Das Aufteilen weniger, aber wenn es nicht anders geht, muss es eben so sein. Gib mir alles, was Du über diesen von Gallwitz hast, mit dem komm ich klar. Übertreib es bei den Hutten nicht. Ich hasse es, gute Leute zu verlieren.“

Ein Adliger von Serenno also. Etara grinste wohlig, als sie sich an ihren letzten Kontakt mit der Oberschicht erinnerte, und sie wollte gerade etwas sagen, als Silas zu der Gruppe in der Gasse stieß. Etara warf einen kurzen Blick auf ihr Chrono, dann auf die Gehörnte, dann wieder auf ihr Chrono, und sie stieß einen anerkennenden Pfiff aus. Die war flink, kein Zweifel, und wohl auch erfolgreich gewesen. Die Chiss nahm die andere Frau genauer in Augenschein und als sie das Blut auf ihrem Vibromesser bemerkte, grinste sie etwas breiter und ging betont langsam auf Silas zu. Sie blieb direkt vor der Zabrak stehen, griff nach ihrem Handgelenk und hob es auf Gesichtshöhe. Während sie die Gehörnte aus roten Augen ansah, leckte sie mit der Zunge ein paar Tropfen von deren Hand, wischte sich dann über den Mund und lachte. Es war wichtig, dass diese Truppe nicht vergaß, wie Etara drauf war. Die Blauhäutige machte einen Schritt zurück und blickte in die Runde.

„Geregelt? Fein. Oh...endgültig geregelt, hm? Grimmige Rächerin, steht Dir. Aber passt zukünftig auf Flecken auf. Okay, hergehört: Wir teilen uns auf und gehen das Problem aus verschiedenen Richtungen an. Gebt Bericht, wenn es geht, ansonsten Treffen, Ort folgt. Gehen wir es an.“

Und so setzte sich die Piratin in Bewegung, weg von der Seitengasse und hin zu ihrem Speeder. Mit den neuen Informationen ließ sich etwas anfangen und mit etwas Glück dafür sorgen, dass ihre Probleme gegenseitig erledigten. Das, fand Etara, war seine sehr charmante Aussicht...

[Nar Shaddaa | Schattenstadt | Straße | Etara, Spectre, Silas, Sam, Nevis
 
|| Outer Rim Territories || Hutten-Raum || Nar Shaddaa || Lucys Appartment || Lucy Dent, Etara, Silas und Nevis draußen, drinnen Etara, Spectre und Sam ||


Es war recht einfach. Sobald die anderen Weg waren, rief Lucy die Ordnungshüter. Wie zu erwarten, sollten die Behörden in einer Stadt wie dieser eine Weile brauchen. Zeit, die Lucy nutzte, um die Spuren der anderen zu beseitigen, ohne dass es zu auffällig wäre. Wenig später wartete sie vor dem Tatort, bei dem nun ein paar andere Bewohner aufgetaucht waren. Es dauerte etwas ehe die Behörden wen für den Fall abstellen konnten. Lucy erklärte die Sache, dass sie Lärm gehört und dann die Tür offen, sowie die Frau tot aufgefunden hätte. Natürlich gehörte sie aufgrund ihrer Arbeit zu den Verdächtigen. So wurde die Kopfgeldjägerin aufgefordert, ihre Waffen abzulegen und mit auf die Wache zu kommen. Etwas stimmte nicht. In dieser Gegend wurde so viel getan, da war es merkwürdig, dass jemand Lucy wegen eines Verdachts schon festnahm. Überraschenderweise wurde sie aber nicht wegen der Leiche, sondern über eine Blondine und eine gewisse Togruta befragt. Es brauchte nicht lange und Lucy ahnte, worauf es hinaus lief. Das hier waren irgendwelche korrupten Schläger, die man hier eingeschleust hatte.

Das weitere Verhör lief ähnlich weiter wie vorher. Lucy bestritt eine Verbindung zu irgendwem. Sie würde alleine arbeiten. Sam und Nevis würde sie selbst am liebsten zur Rechenschaft ziehen und die Blacksun? Die wären für die Weißhaarige ein rotes Tuch, nachdem man sie so sehr hat abblitzen lassen. Klar war alles eine verzerrte Variante der Wahrheit, doch es war auch überzeugend. So schaute der Beamte seinen Kollegen an, ehe beide einander zu nickten und sie packten. Jedoch ging es nicht in eine Zelle, sondern zu einem Shuttle. Irgendetwas stimmte hier nicht. Man zog Lucy einen Sack über den Kopf. Die Reise dauerte eine gefühlte Ewigkeit.

Irgendwann setzte das Shuttle auf und man zerrte Lucy grob von ihrem Platz, ehe man sie auf einen Stuhl setzte, auf dem sie festgebunden wurde. Hatte Lacta vielleicht doch genug Freunde gehabt, die sich rächen wollten, oder war es eine anderer Auftraggeber, der sie nun beseitigen würde. Wieder ließ man sie zappeln. Es war wahrscheinlich ein plumper Versuch, sie einzuschüchtern. Vielleicht auch der Versuch zu zeigen, wer hier der dominante Part war.

Irgendwann zog man Lucy den Sack vom Kopf und da stand er. Mister: "Ich nehme den Mund zu voll” persönlich, oder wie man ihn nannte… Julio.


—>wenige Monate später


Endlich ein fester Job. Julio hatte ihr einen Job angeboten und eine fürstliche Bezahlung tat den Rest, um Lucy zu überzeugen. Dieser Mann brauchte wohl Leute, denen er vertrauen konnte. Da kam ihm jemand schon sehr recht, der in letzter Zeit ein wenig Staub aufgewirbelt und einen gemeinsamen Feind hatte. Es war am Anfang noch recht einfach geworden, mit den anderen den Kontakt zu halten, doch bemerkte die junge Frau, dass man sie im Auge behielt. Daher brach der Kontakt langsam ab. Es war einfach nicht möglich, sich auszutauschen, wenn man nicht alleine gelassen wurde. Irgendwie war Lucy sicher, dass ihr Com abgehört wurde. Sie wollte kein Risiko eingehen. Immer wenn sie glaubte eine neue Variante zu finden, dann wurde es auch schon zu riskant. Selbst ihr Droide ist irgendwann abgeschossen worden, weil man glaubte, dass es ein Gerät von einer feindlichen Fraktion sein könnte. Damit war ihr letzter Plan gescheitert, nachdem sie sogar mit abgerichteten Nagern versucht hatte, Botschaften zu verschicken, bis jemandem ein Tier mit einer Nachricht in die Hände gefallen war. Nur knapp konnte Lucy den Verdacht von sich auf jemand anderen lenken.

Aber das alleine war kein großes Problem. Immer wieder musste Lucy auch in die Kämpfe Julios eingreifen, wodurch sie auch Gefahr lief, auf jemanden zu schießen, der eigentlich ihr Partner war. Sie war so überzeugend in ihrer Rolle, dass man wahrscheinlich durch den Kontaktabbruch leicht glauben könnte, dass sie wirklich für Julio arbeitete. So endete Lucy irgendwann abends in ihrer Stammkneipe. Man hatte sie auch ausnahmsweise mal alleine gelassen. Wenigstens für ein paar Sekunden hatte sie Ruhe. Sie schaute in ihr Alé, ehe sie den Rest herunter stürzte, um den Weg in ihr Apartment anzutreten. Irgendwie musste sie einen sicheren Kontakt zu den anderen aufbauen. Aber wie? Sie war gerade das erste Mal in Wochen sicher, nicht verfolgt oder abgehört zu werden. Vermutlich weil sie ihre Arbeit nun zuverlässig genug machte, um nicht durchgängige Überwachung zu brauchen.

Seufzend lief Lucy in eine Gasse, die den Weg zu ihrem Apartment deutlich verkürzen würde. Und nun? Wie sollte sie die nächsten Schritte kennen? Am Ende konnte sie nicht fragen und man konnte sie auch nicht erreichen. Hatte man sie vielleicht auch schon aufgegeben? So ein verdammter Dreck! Warum hatte Lucy sich nur für diesen Mist bereit erklärt?! Kurz blieb sie stehen und kratzte sich am Nacken. Wirklich lästig. Gerade wo sie angefangen hatte, die Togruta und auch Silas zu mögen. In diesem Moment glaubte Lucy nicht alleine zu sein und legte instinktiv eine Hand auf ihre Waffe. Es war einer der Blaster von Julio. Klassische Stangenware. Sie hasste diese Dinger. Sie wollte ihre eigenen Waffen nutzen, doch mochter er keine Projektilwaffen. War hier wirklich jemand oder war es nichts?


|| Outer Rim Territories || Hutten-Raum || Nar Shaddaa || Gasse nahe des Cantina „Raucous Rancor“ || Lucy Dent ||
 
Nar Shaddaa / Hutten-Territorium / Sam, Nevis, Paul, Hutten-Schläger

"Warum zahlst du nicht einfach, Rylar? Dann können wir gehen und uns in der nächsten Bar besaufen. So müssen wir hier bleiben und deinen Laden auseinandernehmen."

"Nein, bitte nicht! Der Laden ist alles, was ich noch habe!" Die Augen des Twi'leks weiteten sich vor Furcht und er schaute sich hektisch um. Er kannte Sam und die Schlägertruppe bereits und er wusste, dass sie keine Scherze machte. "Ich habe noch ein paar wenige Ersparnisse. Aber wenn ich euch die überlasse, wie soll ich den restlichen Monat überstehen?" Sam zuckte mit den Schultern. "Was geht mich das an, Rylar? Wer einen Laden auf Zorbas Territorium eröffnet, muss regelmäßig zahlen. Das weißt du, das weiß ich, meine Güte, der ganze beschissene Planet weiß das. Also hol die scheiß Credits bevor ich die Geduld verliere."

Der Twi'lek wimmerte kurz, senkte dann aber den Kopf. Er wusste, dass er keine Chance hatte. Neben der bedrohlichen Erscheinung von Paul hatte Sam noch zwei Weequay, einen Nikto und einen Klatooinianer dabei. Sie hatten sichtbar Langeweile und jeder wusste, dass gelangweilte huttische Gangster oft auf schlimme Ideen kamen. Entsprechend dauerte es nicht lange, bis Rylar hinter einem Tresen eine kleine Schatulle hervorholte und sie Sam gab. Sie öffnete das Kästchen kurz und warf einen prüfenden Blick hinein. Es war nicht viel, aber sollte reichen.

"Warum nicht gleich so, Rylar? Zorba dankt dir für deine Dienste und deine Treue. Wir sehen uns in einem Monat wieder."

Sie steckte die Schatulle in ihre Manteltasche und nahm einen kleinen Peilsender in die Hand. Sie aktivierte und deaktivierte ihn drei Mal. Vor Monaten hatte sie mit Etara dieses Zeichen ausgemacht, um Geschäfte zu identifizieren, die unter dem Schutz der Hutten standen. Seit sie in die Dienste von Zorba dem Hutten getreten ist, hatte sie so einige Signale an die Chiss übermittelt - oder zumindest hoffte Sam das. Die Blondine hatte nichts mehr von ihr oder den anderen gehört, seit sie sich getrennt hatten. Sie wusste nicht, ob die Signale durchkamen, ob die anderen überhaupt noch am Leben waren und ob ihr Plan funktionierte. Die Kontaktaufnahme wäre auch zu gefährlich. Zorba traute Sam nicht, das war ihr klar. Über Wochen hinweg hatte der Hutte sich geweigert, Sam irgendwelche Aufträge zu geben. Dass Sam für Julio gearbeitet hatte, wusste er natürlich. Dass es einen Bruch in der Beziehung gab, wusste er ebenfalls. Zunächst durften sie gegen Bezahlung im Elysium Heights unterkommen, dem Hotel und Sitz von Zorba. So lange sie bezahlten, gewährte der Hutte ihnen Schutz. Doch Sam war hartnäckig geblieben. Immer wieder wurde sie vorstellig bei ihm und bat um Arbeit. Zorba gab schließlich nach. Mehrere Wochen lang trieben sie als Teil einer Truppe Schutzgelder ein, bevor Sam ihren eigenen Bezirk und ihre eigenen Leute bekam.

Von Außen bekam sie jedoch wenig mit. "Übertreib es bei den Hutten nicht", hatte Etara ihr damals gesagt und an diesen Ratschlag wollte sie sich halten. Sie hatte kein einziges Mal nach Julio oder dem Bandenkrieg gefragt, um keinen Verdacht auf sich zu ziehen und hatte das auch den anderen Beiden eingetrichtert. Es blieb ihnen nichts übrig, außer Etara zu vertrauen. Etwas, was Sam schwer fiel, aber die Chiss hatte nun schon oft bewiesen, dass sie Sam gegenüber loyal war.

Sie kehrten zurück zum Hotel. Für Sam war es bereits Routine: sie nahmen den Turbolift ins Untergeschoss und gingen an einen vergitterten Schalter, hinter dem ein vernarbter Trandoshaner stand. Seine massige Gestalt war von schuppiger Haut bedeckt, die in verschiedenen Grüntönen schimmerte, während seine gelben Augen die Umgebung mit scharfem Blick durchdrangen.


"Guten Abend, Kryzzar! Siehst wie immer gut aus."

Der Trandoshaner schnaubte. Er hielt nicht viel von Sam und ließ sich das bei jeder Gelegenheit anmerken. "Quatsch nicht rum, Cochran. Hat Rylar bezahlt?" Sam holte die Schatulle aus ihrer Manteltasche und knallte sie schwungvoll auf das Tresen.

"Na klar. Ich hab meine Leute im Griff, das weißt du doch."

Sam zwinkerte dem Trandoshaner zu, der die Provokation mit einem weiteren Schnauben quittierte. Er nahm das Kästchen, leerte die Credits aus und begann zu zählen. Anschließend tippte er etwas in sein Terminal ein und schob ihr ein paar Credits zu. "Das ist euer Anteil. Und jetzt hau ab, dein Anblick widert mich an."

"Danke, ebenso!" Mit einer flüssigen Handbewegung wischte sie die Credits vom Tresen und schnippte auf dem Weg zum Turbolift Nevis und Paul ihren Anteil zu.

Nar Shaddaa / Hutten-Territorium / Elysium Heights / Sam, Nevis, Paul,
 
Nar Shaddaa, Flur vor Lucys Wohnung: Lucy, Silas und Nevis


Die Beiden waren zur Nachbarwohnung gekommen. Lucy warnte sie, nichts anzufassen. Hatte sie irgendwas berührt? Nee! Lucy schickte sie rein zu den Anderen. Sie sollten aus den verschiedensten Gründen sofort die Feuertreppe benutzen und die Wohnung verlassen. Nevis war tief im Inneren ein gutes Mädchen. Ihr Gerechtigkeitssinn sagte ihr, sie müssten wegen dem, was Nebenan geschehen war, etwas unternehmen, doch Sam wollte los. Silas fehlte! Nanu? Ging es Silas wie Nevis und sie wollte den Mörder bestrafen? Andererseits mussten sie auf sich selbst achten. Ganz besonders Sam und Nevis wegen Julio, weshalb Nevis den Anweisungen von Lucy und Etara auch gehorchte. Doch unruhig sah sie sich immer wieder zu Silas um. Hoffentlich war das von ihr kein Fehler?! Wo blieb sie nur? Verdammt. Was hatte sie vor? Wann kam sie endlich?!

Sie mussten los. Als Nevis mit Lucy und Silas draußen gewesen war, war in der Wohnung einiges abgesprochen worden. Sie teilten sich auf. Das fand die kleine Togruta sehr schade. Endlich hatte sie sich auch mit Lucy angefreundet und versöhnt. Sie hatten sich auf ihre Initiative hin die Hand gereicht und sie hatte gemeint, dass sie normalerweise nicht so ein Stinkstiefel wäre. Da musste Nevis lächeln. Sie wollte bei Null anfangen.


“Gerne! Nichts lieber als das! Ich muss mich auch entschuldigen. Ich hoffe, es tut nichts mehr weh! Fangen wir bei Null an. Übrigens, so übel bist du wirklich nicht. Ganz im Gegenteil, ich finde dich recht nett. Ich bin froh, dass wir uns vertragen haben. Freunde!”

Und kaum war das passiert, war sie mit Sam wieder alleine unterwegs. Sie mussten zu den Hutten. Übles Gesindel in Nevis`Augen. Sie suchten angeblich bei denen Schutz vor Julio. Nun gut, beschützen ließen sie sich tatsächlich, da sie wirklich auf Schutz angewiesen waren. Irgendwann arbeiteten sie auch für sie. Aber nicht grundlos und undercover! Nevis fehlten die Anderen von der BS. Aber Sam war mit ihnen in Kontakt. Sie befolgten mit allem, was sie hier taten, einen Plan. Irgendwie war es zwar ziemlich hinterhältig, was sie mit den Hutten machten, denn sie standen unter deren Schutz und erhielten für ihre Arbeit auch Geld. Andererseits konnte man mit den Hutten nicht so befreundet sein, wie mit der BS Gruppe unter Etara. Und obwohl sie nur kurz mit ihnen zusammen gewesen waren, fehlten diese Nevis. Doch der Plan war für alle gleich. Sie alle unterwanderten Gruppen, um an Informationen zu gelangen. Einige waren auch bei den von Gallwitz.

Ihre Arbeit hier war lausig. Sie waren Schlägertrupps, um Geld einzutreiben. Also vor Nevis hatte keiner Angst, soviel war gleich erstmal gesagt. Anfangs versuchte sie es mit einer Gesichtsmaske, um ihr liebliches Äußeres zu verbergen. Doch ihre hohe wohlklingende Mädchenstimme, die fast wie Gesang wirkte, war nicht sehr bedrohlich. Also hielt sich daher Nevis nun immer im Hintergrund und hielt sich zurück. Sam hatte Leute mit dabei, die das besser hin bekamen, die dafür passender waren und auch so aussahen und wirkten.



Nar Shaddaa, undercover bei den Hutten: Sam und Nevis und Paul
 
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