Scream 7
Für mich ist
Scream 7 leider der schwächste Film der ganzen Reihe. Er schwächelt in genau den Bereichen, die für diese Reihe immer entscheidend waren: interessante neue Figuren, eine glaubwürdige Dynamik zwischen ihnen und ein Whodunnit, das wirklich trägt. Die neuen Charaktere bleiben blass, ihre Beziehungen entwickeln kaum Spannung, und das Rätsel um Ghostface wirkt erschreckend dünn. Gerade im Vergleich zu den stärkeren Teilen fällt das unangenehm auf.
Ein Problem: Sidney Prescott. Dass sie wieder im Zentrum steht, mag erst einmal wie ein Geschenk klingen. Sie ist die Ikone der Reihe, das Gesicht, das viele mit Scream verbinden. Und Neve Campbell bringt auch diesmal wieder genau diesen harten, wachen, leicht müden Blick mit, der Sidney so glaubwürdig macht. Man nimmt ihr sofort ab, dass sie das alles schon viel zu oft erlebt hat. Man glaubt ihr auch die Wut, wenn klar wird, dass der Albtraum wieder von vorne beginnt.
Auf dem Papier ist das eine perfekte Rückkehr. In der Praxis gibt es allerdings einen Haken, und der bremst den Film von Anfang an: Jeder weiß, dass Sidney unantastbar ist. Das ist nicht einmal als Vorwurf gemeint. Es ist einfach das, was passiert, wenn eine Figur über Jahre hinweg zum Mythos wird. Der Film kann sich noch so sehr bemühen, sie in Gefahr zu bringen. Er kann sie durch dunkle Flure schicken, sie in genau die Situationen werfen, bei denen man früher die Luft angehalten hat. Aber heute sitzt man da und denkt: Ja, okay. Sidney wird das überleben.
Und sobald dieser Gedanke einmal fest im Kopf sitzt, bricht ein riesiger Teil der Spannung weg. Der Film versucht, das zu umgehen, indem er die Gefahr stärker auf andere Figuren verteilt. Aber auch das funktioniert nur halb, weil die emotionale Bindung fehlt.
Besonders deutlich wird das in der Beziehung zu Sidneys Tochter. Offensichtlich soll sie der neue emotionale Anker sein. Die Figur, bei der es wirklich weh tut, wenn sie in Gefahr gerät. Das ist eigentlich eine gute Idee. Gerade weil Sidney inzwischen so viel Panzer entwickelt hat, müsste der Film über die Tochter wieder an den Punkt kommen, an dem es wirklich persönlich wird.
Nur fühlt sich diese Mutter Tochter Beziehung nicht lebendig an. Alles ist da, was man erwartet: Sidneys schlechtes Gewissen, weil sie ihre Tochter beschützen will. Der Konflikt, weil die Tochter ein eigenes Leben führen möchte und nicht in Watte gepackt werden will. Die Angst, dass das alte Trauma auf die nächste Generation übergreift. Aber es bleibt bei Behauptungen.
Die Szenen zwischen den beiden wirken, als wären sie geschrieben worden, um einen Punkt im Drehbuch abzuhaken. Man hört Sätze, die man schon hundertmal gehört hat. Man versteht, was gemeint ist, aber man fühlt es nicht. Es fehlen diese kleinen Dinge, an denen man merkt, dass hier wirklich zwei Menschen mit gemeinsamer Geschichte aufeinandertreffen. Zwei Menschen, die sich lieben, sich kennen, sich auch mal nerven. Stattdessen wirkt die Tochter oft wie eine Figur, deren Hauptaufgabe darin besteht, bedroht zu werden. Nicht wie jemand mit eigenem Charakter, mit Ecken, mit Humor oder einer Eigenart, die im Gedächtnis bleibt.
Und das ist besonders schade, weil Scream früher gerade über seine Figuren funktioniert hat. Nicht nur über die Morde. Nicht nur über das Rätsel. Sondern über das Gefühl, dass da echte Menschen in dieser Geschichte stehen, denen man gern zusieht. Dass Nebenfiguren mehr waren als bloßes Füllmaterial.
In den stärkeren Teilen der Reihe waren Nebenfiguren das Salz in der Suppe. Man konnte sich an Sprüche erinnern, an Macken, an Dynamiken. Da war ein Randy, der nervig sein konnte, aber eben auch herzlich und klug. Da war Tatum, die nicht einfach nur die beste Freundin war, sondern Energie in jede Szene brachte. Selbst Gale Weathers war immer mehr als nur Reporterin. Sie hatte Ego. Sie hatte Biss. Dieses toxische Charisma, das einfach Spaß macht.
In
Scream 7 bleiben die Nebenfiguren dagegen erschreckend blass. Sie sind da, sie haben Namen, vielleicht ein oder zwei Eigenschaften, und das war es. Aber kaum jemand bekommt wirklich Raum, eine eigene Note zu entwickeln.
Und dann passiert etwas, das einem Slasher richtig wehtut. Wenn jemand stirbt, ist es einem fast egal.
Das klingt hart, aber genau da liegt das Problem. Ein Scream Film lebt davon, dass man bei jeder Figur denkt: Bitte nicht die. Oder auch: Oh nein, die wird es wohl nicht lange machen, aber ich mag sie trotzdem. Dieses gleichzeitige Mitfiebern und Misstrauen, diese Mischung aus Sympathie und Verdacht, das ist der Motor der Reihe.
Wenn die Figuren austauschbar sind, läuft dieser Motor nur im Leerlauf. Dann wird Mord zur Mechanik. Ein Moment, der visuell knallt, aber innerlich nichts trifft.
Auch der Whodunnit Aspekt überzeugt diesmal nicht. Die späteren Träger der Ghostface Maske werden dramaturgisch kaum vorbereitet. Sie bleiben Randfiguren, narrative Staffage ohne echtes Gewicht. Und genau dadurch fehlt das Entscheidende: die nachträgliche Plausibilität der Enthüllung.
Gerade die stärksten Filme der Reihe, etwa Scream oder Scream 2, lebten davon, dass die Ghostface Killer schon früh Teil des Alltags waren. Figuren wie Billy Loomis oder Stu Macher waren von Anfang an präsent. Sie führten Gespräche, zeigten Eifersucht, Verletzlichkeit, Ironie. Sie hatten Beziehungen zu den späteren Opfern. Und genau diese scheinbar harmlosen Momente machten die spätere Demaskierung so stark. Man konnte im Rückblick Spuren erkennen. Kleine Hinweise. Doppeldeutige Sätze. Minimale Irritationen. Der Reiz lag nicht nur in der Überraschung, sondern in der Erkenntnis, dass das Bedrohliche die ganze Zeit da war, mitten im Vertrauten. Die Täter waren keine äußeren Eindringlinge, sondern Freunde, Partner, Kommilitonen. Das erzeugte dieses unangenehme Gefühl, der eigenen Umgebung nicht mehr trauen zu können.
In Scream 7 fehlt diese soziale Verankerung. Die späteren Täter stehen zu lange außerhalb des emotionalen Zentrums. Sie interagieren zu wenig mit den Hauptfiguren, bleiben konturlos, entwickeln keine ambivalenten Spannungen. Wenn die Enthüllung kommt, wirkt sie nicht wie eine zwingende Konsequenz der Erzählung, sondern eher wie eine nachträgliche Setzung.
Ein guter Whodunnit braucht nicht nur Überraschung, sondern Vorbereitung. Szenen müssen doppelt lesbar sein. Man muss im Nachhinein denken: Natürlich, es war alles da. Hier fehlt genau dieses Gefühl. Die Auflösung verpufft emotional.
Und weil die Nebenfiguren insgesamt so wenig Profil haben, wirkt selbst die Gewalt wie ein Abhaken. Jemand wird kurz aufgebaut, ein bisschen verdächtig gemacht, stirbt, und weiter geht es. Man hat nicht das Gefühl, dass der Film sich wirklich für seine Figuren interessiert. Er interessiert sich für das Spielbrett, nicht für die Spielfiguren.
Das passt vielleicht zu einem reinen Slasher. Aber Scream war nie nur ein reiner Slasher. Scream lebte immer auch von Persönlichkeit.
Am Ende bleibt für mich der Eindruck, dass Scream 7 ausgerechnet seine größte Stärke zu seinem größten Problem macht. Sidney Prescott zurückzuholen, verleiht dem Film Nostalgie. Aber es nimmt ihm auch das Risiko. Wenn die zentrale Figur nicht wirklich sterben kann, muss der Film auf anderen Ebenen härter arbeiten.
Er müsste eine neue Figur so stark machen, dass man sich an sie klammert. Er müsste Nebenfiguren schaffen, die man nicht verlieren will. Er müsste ein Rätsel bauen, das wirklich trägt. Genau das gelingt ihm nicht.
Sidneys Tochter hätte dieser neue Anker sein können, aber sie bleibt zu flach, und ihre Beziehung zu Sidney wirkt zu konstruiert. Die Nebenfiguren hätten Leben hineinbringen können, aber sie bleiben austauschbar. Und der Whodunnit, eigentlich der Motor des Ganzen, läuft unrund, weil die Auflösung nicht überzeugt und die Logik in der Luft hängt.
In solchen Momenten merkt man, wie sehr Scream von guter Konstruktion lebt. Wenn die Konstruktion wackelt, sieht man plötzlich die Drähte.