Es sind halt 1-2 Wochen Elend und dann geht alles wieder vermeintlich seinen Gang. In diesem Zeitraum nehme ich schon einen Moment des Bewusstwerdens wahr, aber die individuell spürbaren Auswirkungen sind für die Mehrheit dann eben doch nicht so gravierend und nachhaltig, dass es anhält. Selbst 120 Hitzetote in Köln, und das ist ja wie im Artikel beschrieben nicht mal belegt, sind für eine Millionenstadt am Ende keine beeindruckende Dimension.
Das so zu schreiben finde ich extrem traurig.
Es geht um weit mehr, als "nur" 120 Tote, die mit/durch/aufgrund von Hitze gestorben sind. Und es geht auch nicht nur um Köln.
Es geht auch um Krankenhäuser und Pflegepersonal das absolut am Limit ist, weil über 1500 Einsätze am Tag nun mal einfach zu viele sind.
Die individuell spürbaren Auswirkungen werden viel zu oft gekonnt wegignoriert und irgendwie ist das, was du schreibst, symptomatisch.
Wir sprechen nicht von 120 Toten insgesamt und wenn wir uns mal ansehen, wie es weltweit aussieht, sprechen wir von 500.000 Toten Pro Jahr, weltweit, Tendenz
steigend. Und das könnte man nun einfach verhindern.
Die Klimakrise ist halt auch ...und jetzt zitiere ich tatsächlich Luisa Neubauer, eine Vorstellungskrise. Vor allem, wenn man den Symptomen ausweichen kann, da schließe ich mich ausdrücklich mit ein. Ich habe in der letzten Woche meine klimatisierte Residenz hauptsächlich früh morgens verlassen. Da war mein größtes Problem, dass ich mir abends am Edelstahlgriff der Haustür fast die Flosse verbrannt habe. Und jetzt ist es wieder relativ chillig und in ein paar Wochen sowieso abgehackt, bis die nächste Welle kommt.
Mir fällt es richtig, richtig schwer hier nicht direkt auszuflippen, auch wenn du betonst, dass du persönlich ja ausweichen kannst.
Die Wahrheit ist, dass diese Krise uns einfach alle angeht, weil sie früher oder später einfach so viele Leben kosten wird, dass es eigentlich nach mehr, als unterlassener Hilfeleistung schreit, dass so wenig dafür getan wird, dass sich da sehr schnell etwas verbessert.
Was bedeutet es für Vorerkrankte, für Kleinkinder, für ältere Menschen, für Obdachlose, für Menschen in Dachgeschosswohnungen ohne Klimaanlage, für Tiere - allein der Blick nur auf Deutschland muss einem doch Angst machen.
Das wäre ja nicht mal der Blick über den Tellerrand. Was ein überlastetes Gesundheitssystem bedeutet, könnte ich jetzt genauso anbringen wie, schlechte Ernten durch Trockenheit.
Aber wie funktioniert es hier in Deutschland und anderswo so gut? Im Großen und Ganzen ist es doch so: Augen schließen, eigene Privilegien weiter nutzen und auf das Große und Ganze Scheißen. Weil:
Ich allein kann sowieso nicht ändern
Guck dir China/USA/Platzhalter an
Aber ich will nicht verzichten
Aber mich betrifft es ja nicht
Aber in Afrika scheint ja auch die Sonne
Klimaveränderung hat es immer schon gegeben
Aber mein Schnitzel/Flug/WM lass ich mir nicht verbieten
Heiß ist doch voll schön, spar ich mir den Urlaub
Also ich kann ja in meinen Garten, in den Schatten
Hitze macht
mir halt nichts aus
Platzhalter für weitere, egoistische Kommentare
Schon krass schwer, hier nicht misanthropisch zu werden. Normal müssten wir alle auf die Straße und ich hab total Schiss davor, dass wir in spätestens 10 Jahren bereuen, uns nicht alle auf die Straße geklebt zu haben.