Kashyyyk, Trandosha (Kashyyyk-System)

Wenige Minuten vor Beginn der Schlacht

| Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Kachirho | Sektor Varro | Fabrikhalle | Lieutenant Tarkus & andere Imperiale sowie Wookiee-Arbeiter |

Der dritte Zug hatte seine Positionen in der Fabrikhalle bezogen. Die Sturmtruppler waren an Zugängen, Wartungsstegen und Verbindungstreppen postiert. Ihre Abstände waren aus eingedrilltem Selbstverständnis so gewählt, dass sie untereinander Sichtkontakt hielten und einander decken konnten, ohne den Arbeitsablauf der Wookiees zu beeinträchtigen. Schließlich waren sie hier, weil die Arbeitskräfte einen wichtigen Beitrag zur imperialen Wirtschaft leisteten und dies auch weiterhin gewährleistet werden sollte. Tarkus konnte dabei nur spekulieren, warum man einen Zug Sturmtruppen dazu einsetzte, Fabrikarbeiter zu überwachen. Doch warum sollte er die Befehle seiner Vorgesetzen infragestellen? Es hatte hier augenscheinlich Subordination gegeben. Vermutlich hatte man die berüchtigten Wookieetreiber gewählt, um ihnen Beine zu machen. Die Sicherung des Betriebes bedeutete also nicht, ihn zu stören, sondern dafür zu sorgen, dass er wie geplant weiterlief.

Der Lieutenant hatte sich mit dem Zugführungsteam im Büro des Fabrikleiters eingerichtet. Es lag oberhalb der zentralen Halle und bot durch eine breite Sichtscheibe einen guten Blick auf den Produktionsbereich. Die Luft war hier angenehm temperiert - nicht, dass die Sturmtruppler davon etwas merkten. Auf mehreren Monitoren waren Produktionsdaten und Schichtpläne zu sehen. Zudem gab es eine angemessene Zahl von Überwachungsbildschirmen, die den Überblick, auch über die Peripherie der Anlage, verbesserten. Persönliche Gegenstände suchte man hier vergeblich. Der Fabrikleiters war ein mustergültiger imperialer Verwalter. Er hatte Tarkus über aufgefallene Verzögerungen im Betriebsablauf unterrichtet, von verpassten Quoten und weiteren Störungen, die schließlich darin gemündet hatten, dass Arbeitskräfte türmen gegangen waren. Tarkus hörte ihm zu, ohne nachzufragen. Es gab keinen Anlass, an der Darstellung zu zweifeln und Zweifel ohne Grundlage waren aus seiner Sicht nichts weiter als gedanklicher Ballast. Nun waren sie ja hier. Es würde keine weiteren Probleme geben.

Die Stunden vergingen, während der Lieutenant immer wieder an die Sichtscheibe trat und hinab in die Halle blickte, wo die schwerfälligen, aber kraftvollen Wookies in gleichmäßigen Bewegungen arbeiteten. Was sie herstellten, wusste Tarkus nicht. Es handelte sich um irgendwelche elektronischen Teile, die wichtig für das Imperium waren. Mehr brauchte er nicht wissen. Im fiel auf, dass manche der Wookiees Ketten trugen, die sie an ihre Arbeitsplätze band. Schockhalsbänder waren hingegen allgegenwärtig. Auf Nachfrage erklärte der Fabrikleiter ihm, dass jene Pelzträger, die bekannt für Scherereien seien, vorsorglich an die Ketten gelegt wurden. Tarkus nickte unter seinem schneeweißen Helm. Das war eine gute Maßnahme. Von hier oben wirkte während dieser Stunden alles geordnet, beinahe träge. Doch er kannte die Wookiees inzwischen gut genug, um zu wissen, dass diese Perspektive trügen konnte. Kontrolle war wichtig.

Ein leises Klicken I'm Helm kündigte in diesem Moment einen eingehenden Funkspruch an. Tarkus aktivierte den Kanal, ohne den Blick von der Halle zu lösen. Der Fabrikleiter warf ihm einen kurzen Blick zu, schwieg aber.


"- hier Garnisonszentrale an alle Sicherungseinheiten in den inneren Sektoren. In den unteren Plattformbereichen wurden weitere Markierungen entdeckt. Die Übersetzer haben sie als Wookiee-Parolen identifiziert. Der Inhalt ist potentiell aufrührerisch. Die Kontrollen werden verschärft. Alle Einheiten bereithalten für weitere Befehle."

Tarkus ließ den Blick weiter über die Halle schweifen. Von hier aus war nichts ungewöhnliches zu erkennen. Und das sollte unter seiner Aufsicht auch so bleiben. Er wandte sich dem Fabrikleiter zu.

"Die Lage außerhalb scheint unruhiger zu werden", sagte er. Der Tonfall war weder warnend, noch beschwichtigend. Reine Feststellung. "Hier drin sollte alles so bleiben, wie es ist."

Der Mann nickte sofort. "Die Aufseher sind angewiesen, Gespräche unter den Arbeitern zu unterbinden."
Tarkus verkniff sich ein Schnaufen. Die sogenannte 'Sprache' der Wookiees war als solche kaum zu erkennen. Was die imperialen Aufseher als leises Stöhnen oder die Wanzenschleuderversion eines Räusperns interpretieren mochten, konnten in Wahrheit komplexe Gespräche sein.

"Gespräche lassen sich nicht vollständig unterbinden", entgegnete Tarkus ruhig. "Bewegungen schon."
Er schwieg einen Moment, während er seine nächsten worte mit der gleichen Sorgfalt wählte, mit der er Befehle formulierte. Auch, wenn das hier keiner war:

"Ich empfehle", sagte er schließlich, "die aktuellen Schichten ohne Welchsel fortzufahren. Keine neuen Arbeiter von außen, solange die Situation dort nicht klar ist. Keine Durchmischung."

Der Fabrikleiter runzelte leicht die Stirn. "Das würde eine Doppelschicht bedeuten. 48 Stunden durchgehende Arbeit."
Tarkus nickte, diesmal deutlicher, sodass es sich auf den Helm übertrug.

"Diejenigen, die hier sind, bleiben. Und diejenigen draußen bleiben draußen. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme."

Der Mann überlegte. Tarkus ließ ihm Zeit. Ihm war die Symptomatik imperialer Verwaltungsangestellter mit dem Minimum an Macht bekannt. Deshalb empfahl der Sturmtruppler. Gegen eine klare Anweisung würde man sich wehren. Zumal der Fabrikleiter am Ende immernoch die Produktionsfähigkeit der Fabrik im Blick haben musste. Das konnte er - unter allen gegebenen Umständen - einfach besser einschätzen, als ein Sturmtruppen-Offzier.

"Ich werde es umsetzen", sagte der Fabrikleiter schließlich. "Zumindest vorübergehend."

Damit war die Angelegenheit für Tarkus erledigt. Die Lage von Außerhalb würde den Betrieb nicht beeinflussen, solange verhindert wurde, dass man sie hereinträgt.

Weitere Stunden vergingen im Anschluss. Immer wieder berichteten Funksprüche von kleineren Zwischenfällen, von Arbeiterkolonnen, die sich weigerten, Anweisungen zu befolgen, von Patrouillen, die aus dem Schatten höherer Ebenen beworfen wurden. Doch die Fabrik war gesichert. Die Fabrik blieb ruhig. Tarkus hörte den Funksprüchen zu, registrierte sie und ordnete sie ein, ohne einzugreifen, solange sein Bereich reibungslos funktionierte. Das imperiale Kommando würde diesen kleinen Störungen der Ordnung in Kürze ein Riegel vorsetzen, dessen war er sich sicher.

Doch gegen Ende der Schicht veränderte sich der Ton im Funkverkehr. Zunächst kaum merklich. Es gab kurze Pausen, dann Wiederholungen. Die Stimmen wurden gefühlt hektischer, die Einsatzplanung zerfahrener. Es gab Nachfragen zu Befehlen, deren Ablauf eigentlich selbstverständlich sein sollte. Tarkus schenkte dem Ganzen zunächst keine sichtbare Aufmerksamkeit, doch das alles kommulierte sich irgendwann derart, dass er entschloss, seinen Helm abzusetzen und sich an ein Terminal im Büro begab, von dem aus er sich erhoffte, der zerfahrenen Kommunikation besser folgen zu können. Doch statt einer stabilen Verbindung war da nur noch Rauschen. Mit ausdruckslosem Gesicht betätigte er einen Schalter, in dem Glauben, den falschen Kanal ausgewählt zu haben. Weiterhin nichts. Sein Blick fiel auf den Helm, dann auf seinen Funker, der in genau diesem Moment aufsah und mit dem Kopf schüttelte.

"Verbindung zur Garnision abgebrochen, Sir. Ich höre nur noch Rauschen und abgehackte Stimmen."

Tarkus erhob sich wieder, nahm seinen Helm und setzte ihn auf. Er stand reglos im Büro des Fabrikleiters und lauschte in das leere Rauschen des Kanals hinein, während unter ihm die Wookiees weiterarbeiteten. Ein unheimliches Gefühl stellte sich in ihm ein. Das Gefühl, dass sich etwas zusammenzog und sie eher früher als später erfahren würden, was sich in die perfekte Ordnung des Imperiums einmischte.

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[ Kashyyyk | RSD 'Red Nova' | Brücke | Captain Shov Gernerel & Brückencrew ]

Shov beobachtete die Entwicklungen auf dem taktischen Holotisch. Um die 'Red Nova' herum begann nun das kontrollierte Chaos. Blaue, rote und grüne Hologramme, die sich gegenseitig auslöschen spiegelten wider, was außerhalb des von dicker Panzerung und kräftigen Schilden geschützten Republikanischen Sternzerstörers vor sich ging. Leben wurden ausgelöscht. Auf beiden Seiten. Immer mehr Jäger lösten sich aus den Gefechten der Einheiten um Commodore Bomwell und eilten der 'Red Nova' sowie der 'Sunshine' zur Hilfe. E-Wings, A-Wings und eine Staffel X-Wings hatten sich in das waghalsige Gefecht mit den übermächtigen TIE-Defendern gestürzt. Viele von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben. Shov schloss für eine Sekunde die Augen in stillem Gedenken. Eine Respektsbekundung. Ihr Einsatz sorgte dafür, dass der Angriff der Kommandogruppe 'Golan' wie geplant ausgeführt werden konnte.

Die Defender hatten auf die neue Bedrohung augenblicklich reagiert. Die grünen Markierungen der imperialen Elite-Jäger lösten sich aus ihren bisherigen Positionen, die hauptsächlich Torpedo-Anflüge auf Shovs Schiff als Ziel hatten, brachen ihre Angriffe ab und drehten hart ein. Sie verhielten sich dabei nicht defensiv, nicht ausweichend. Sie gingen frontal rein, brutal, als hätten sie nur darauf gewartet.

Der Captain verschränkte die Arme fester ineinander. Die Projektion zeigte, wie sich die beiden verfeindeten Gruppen geradezu ineinander fraßen. Für das ungeübte Auge waren nun keine Manöver mehr erkennbar, keine eleganten Abfangkurven. Das war reiner Dogfight, in denen die imperialen Jäger tödlich wirkten. Sie waren schneller, hatten die besseren Waffen. Doch sie konnten sich auf dem Schlachtfeld nicht länger frei bewegen. Die Republikaner waren zahlenmäßig überlegen und hielten sie davon ab, koordiniert und gezielt auf die größeren Ziele zu wirken. Jeder Defender im Dogfight, war ein Defender weniger, der auf die 'Red Nova' zielte.

"Herbe verluste auf beiden Seiten", meldete Lieutenant Lotha pflichtbewusst nach einigen Sekunden. Ihre Stimme lieb sachlich.
'Herb' war dabei eine relativierende Beschreibung. Rote Markierungen erloschen schneller, als Shov folgen konnte. Doch auch grüne folgten. Nicht in Schwärmen, nicht spektakulär, sondern einzeln. Punktuell. Und teuer.


"Wir könnten die 'Sunshine' zur Feuerunterstützung reinschicken", gab Reys zu bedenken.

Shov dachte nach.

"Das ist ein Gemetzel", sagte er leise. Reys hatte einen Punkt. Das würde einigen republikanischen Piloten potentiell das Leben retten.

Doch so schnell der melancholische Moment gekommen war, war er auch wieder vorbei. Er war Kommandant eines Schiffes. Er hatte Verantwortung für tausende Leben. Und dennoch war er nur ein Zahn im Kriegsrad, das mit diesem Angriff auf Kashyyyk ins Rollen geraten war. Er hatte eine Aufgabe, die er erfüllen würde, koste es was es wolle - im Zweifel eben republikanische Leben.

"Negativ, XO. Das würde die 'Sunshine' nur zum leichten Ziel machen."

Die Jägergefechte verschoben sich langsam, zogen sich auseinander. Die grünen Markierungen, die imperialen Jäger, begannen, sich aus dem Zentrum zu lösen und neu zu sammeln. Sie flogen nicht weiter in Richtung der republikanischen Kommandogruppen, sondern zurück - in Richtung der 'Resolut Spear', die ihrerseits nahe der Golan-Station Deckung suchte.
"Beide Seiten lösen sich", bestätigte Lieutenant Commander Reys. "Sie sammeln sich bei der Golan-Station."

Shov nickte. Ein erster Zwischensieg.

"Wir bluten sie aus."

Während die schweren Geschütze der 'Red Nova' weiter unaufhaltbar in Richtung der 'Resolut Spear' feuerten, betätigte er einen Knopf und zwei Regler am Holotisch, um die Perspektive zu wechseln. Er wollte sehen, was beim Rest der Kommandogruppen 'Golan' vor sich ging. Als hätte es nur diesen Impuls gebraucht, hallte im gleichen Moment die Stimme seiner Kommunikationsoffizierin über die Brücke.

"Commodore Bomwell meldet, dass die imperiale Jäger- und Punktverteidigung ausgeschaltet wurde. Jägerschirm und Bomber haben freies Flugfeld. Sein Befehl lautet sammeln und gemeinsamer Angriff auf die verbleibenden Kräfte sowie die Golan-Station."

"Aye. Bestätigen Sie den Befehl", sagte Shov mit unveränderter Miene. Dann richtete er sich auf und ließ den Blick über die Brücke gleiten. Alle Brückensektionen arbeiten unermüdlich.

"Solange wir sammeln, feuern wir weiter. Keine Annäherung, kein alleiniger Vorstoß. Druck halten."

Der Blick kehrte zum Holotisch zurück, zur Golan-Station, die noch immer wie ein bedrohlicher Koloss über allem hing. Der Plan stand weiterhin: Angriff in voller Formation. Die Bomber würden die Waffen der Station ausschalten, während die kapitalen Schiffe das Feuer auf sich zogen und die Jäger den verbliebenen imperialen Järgerschirm beschäftigte.

[ Kashyyyk | RSD 'Red Nova' | Brücke | Captain Shov Gernerel & Brückencrew ]
 
[Orbit über Kashyyyk | 2. Flügel/96. Jagdgeschwader (Staffeln Mynock & Shyyyo) im Jägerschirm von Kommandogruppe Golan | Mynock 5] Lieutenant Neelyn Vandrik

„Das war gute Arbeit, Mynock 5. Unser Sektor scheint für den Moment sauber und genau die Atempause kommt gerade richtig. Ich gehe mit Ihnen in Formation bis meine Energiereserven wieder aufgefüllt sind.“

Neelyn beobachtete wie sich Ced mit seinem Flügelmann Ravka hinter ihn und seine Rotte klemmte. Sein Jäger hatte einige Brandflecken, die andeuteten, dass er zahlreiche Treffer eingesteckt hatte. Kein Wunder, dass er seine Kanonen und Schilde frisch aufladen musste. „Roger, Mynock 9,“ bestätigte er mit gerunzelter Stirn. „Ich hoffe, Ihr Vogel hält noch zusammen? Sieht aus, als hätten Sie einiges abbekommen.“ Mit geübten Handgriffen schaltete Neelyn den Rest der Staffel auf sein HUD auf und nahm Kurs auf Mynock 1, der in etwas Abstand mit seiner verbliebenen Rotte einsam seine Bahnen zog. Das Gefecht in ihrem Jagdgebiet schien sich beruhigt zu haben – ohne Zweifel würde die kurze Pause aber nicht allzu lange dauern. „Rotte, nutzt die Verschnaufpause zur Aufladung der Energiereserven. Wir schließen auf Punkt 3-1-8 zum Rest der Staffel auf. Ich glaube kaum, dass wir viel Zeit haben, bevor wir in den nächsten Brennpunkt geworfen werden.“ Seine Augen scannten die Schild- und Kanonenanzeige auf dem HUD und wanderten dann zur Sensoranzeige. Knapp unter 50% Schildkapazität und ca. 80% Ladung der Kanonen. Neelyn deaktivierte abermals die Torpedowerfer, von denen ohnehin nur noch einer einsatzbereit und geladen war, und zwackte dann einen Teil der Antriebsenergie für die Schilde ab, die für seinen Geschmack zu wenig Ladung hatten.

Das Sensorbild um die ‚Red Nova‘ sorgte für einen kalten Schauer auf seinem Rücken. Von den fast zwanzig Signaturen der Republik, die gegen die Defender ins Gefecht gegangen waren, waren weniger als die Hälfte übrig: lediglich vier der Bogwings waren noch im Gebiet, sowie ein einsamer A-Wing und drei der E-Wings, die gegen die Elite des Imperiums ins Gefecht gezogen waren, tauchten noch auf seiner Anzeige auf. Doch auch die TIE Defender hatten Verluste erlitten, auch wenn diese im Vergleich in keinem Verhältnis standen. Immerhin hatten die Republikaner einen Achtungserfolg erkämpft: die verbliebenen sechs Defender zogen sich in Richtung der Golan-Station zurück. Der Preis dafür waren zahlreiche Trümmerstücke zerstörter Jäger, wie beispielsweise den abgerissenen Flügel eines X-Wings, den er gerade noch so aus der Entfernung erkennen konnte. Wie als hätte Major Chonda seine Gedanken gelesen, drang die Stimme des Staffelkommandanten aus seinem Komm. Noch dazu passte der Pantoraner seinen Kurs an und hielt nun auf die ‚Red Nova‘ zu. „Staffel hier Mynock Leader, wir haben neue Befehle aus dem Flugleitstand bekommen. Wir sammeln uns mit dem restlichen Jägerschirm. Während der Rest der Formation die Station angreift, kümmern wir uns um die Defender, um unsere Bomber zu schützen. Offensichtlich hatte die erste Welle nur begrenzten Effekt.“ Neelyn spürte einen eisig kalten Kloß in seiner Magengrube wachsen, angesichts des emotionslosen, gleichgültigen Tons seines Kommandanten. Der Major war ohne Zweifel für höhere Ehren geboren, wie Vandrik angewidert dachte, als er den eleganten Euphemismus für ‚die anderen wurden abgeschlachtet‘ hörte. Wie konnte er nur so emotionslos über Piloten sprechen, mit denen er noch vor einem halben Tag die Messe geteilt hatte?

Mynock 5 und 9, ordnen Sie sich hinter mir ein. Keil-Formation. Sobald der Rest der Formation aufgeschlossen hat, gehen wir in die Offensive und neutralisieren die Bedrohung durch die feindliche Elite …“ Wieder so eine Beschönigung, dachte Neelyn missmutig. „Die Trägerkampfgruppe schickt uns Teil der Reserve, aber bis diese da ist, sind wir am Ball.“ Die kalte Stimme des Majors hielt für einen Moment inne. Ced, Vandrik, keinerlei Experimente mehr! Halten Sie Ihre Leute beisammen, dann haben wir eine Chance.“ Neelyn sah gar keine Notwendigkeit mehr zu tun, als den Befehl zu bestätigen und ordnete sich kommentarlos mit Jantel und Berand in die Formation ein. Mit wenigen Handgriffen hatte er seine Energieverteilung wieder ausgeglichen – er hoffte inständig, dass die Schilde ausreichen würden. Seine Kiefer waren eng aufeinandergepresst und eine Ader unweit seines rechten Auges zuckte nervös, als sie die ‚Red Nova‘ erreichten und gemeinsam mit dem Rest des Jägerschirms vor der Kampfgruppe beschleunigten und sich abermals auf den Zusammenprall mit den feindlichen Jägern vorbereiteten. Wie flinke Mücken stießen die Defender immer wieder hinter der Kampfstation und dem GSD-Zerstörer, der sich gerade in den Schutz der Golan zurückzog, hervor, ehe sie wieder gewandt in den Schutz der Masse an Durastahl der Orbitalplattform zurückkehrten; sie verspotteten sie förmlich mit ihrer Geschwindigkeit und Wendigkeit. „Torpedos, Mynock 5?“ hörte Neelyn Berand fragen. „Negativ, Mynock 6. Kein frontaler Einsatz. Die Biester sind zu schnell, zu wendig, zu gut bewaffnet. Sparen Sie sich die letzten Torpedos für Verfolgungsschüsse.“ Torpedos waren entgegen der verbreiteten Meinung ein probates Mittel gegen Jäger, gerade die moderneren Modelle, wie die die sie geladen hatten. Gleichwohl waren sie im Vergleich mit den fortgeschrittenen Erschütterungsraketen der High-End-Abfangjäger etwas langsamer und weniger agil. Einen Xg-1 Sternenflügler oder einen TIE/in würden sie damit noch aus dem All wischen können. Aber einen TIE Defender? Mit der Menge an Kanonen konnte er ein Sperrfeuer in seinen Weg legen, dass einen direkten Zielanflug fast unmöglich machte.

Das Abwehrfeuer der Station gegen die Kampfgruppe begann und eine Wand aus glühenden Turbolaserblitzen schoss durch das All und wieder wurde Vandriks Cockpit von der unbändigen Energie in helles Licht getaucht. Weniger als anderthalb Klicks. Neelyn schluckte, als er sah, wie ihre Ziele ein letztes Mal aus dem Schatten der Golan hervorbrausten und dann bedrohlich auf sie zuhielten. „Formation lockern, aber beieinanderbleiben! Keiner fliegt für sich, die Dinger bekommen wir nur gemeinsam klein,“ befahl er, bevor er einen der vordersten Defender aufschaltete und schon der ersten Salve an grünen Laserblitzen und bläulichen Ionenbolzen ausweichen musste.​

[Orbit über Kashyyyk | 2. Flügel/96. Jagdgeschwader (Staffel Mynock) im Jägerschirm vor Kommandogruppe Golan | Mynock 5] Lieutenant Neelyn Vandrik
 
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[Orbit über Kashyyyk | 2. Flügel/96. Jagdgeschwader (Staffeln Mynock, Shyyyo & Bogwing) im Jägerschirm von Kommandogruppe Golan | Mynock 9] | Lieutenant Fayr Ced

T2 klang alles andere als begeistert über den Zustand von Fayrs X-Flügler und der Corellianer konnte ihm da dieses mal ausnahmsweise nicht einmal widersprechen. Jetzt war nur leider nicht die Zeit, nach Lehrbuch vorzugehen und sich beim ersten Anzeichen von technischen Problemen aus dem Gefecht zurückzuziehen. Dafür stand einfach zu viel auf dem Spiel. Der Kanzler zählte auf sie und viel wichtiger noch, die Wookiees taten es auch. Aber selbst Neelyn hatte ähnliche Sorgen, die Fayr adressieren musste.

>>Keine Sorge, Mynock 5. Zwei, drei Flugstunden bekomme ich aus der Mühle noch raus. Mit etwas Liebe vielleicht sogar vier.<<

Dabei klang Fayr erheblich zuversichtlicher als er innerlich tatsächlich war und die schmerzhaft langsam steigenden Energieanzeigen für Deflektorschilde und Laserbatterien bestätigten den Corellianer in seinem Bauchgefühl. Und so langsam war die Hitzeentwicklung des Reaktors nicht nur eine warnende Anzeige auf einem Statusbildschirm. Nein, so langsam wurde es auch spürbar warm hinter Fayrs Rücken. Aber natürlich war das alles nichts, was ihn davon abhielt, Kurs zu halten. Er würde so viel aus dem X-Flügler herausholen, wie auch nur irgendwie menschenmöglich war.

Major Chondas Nachrichten hörten sich alles andere als gut an. Die TIE Defender waren noch da draußen und richteten ihrem Ruf entsprechend unglaubliche Schäden. Sie wurden als nächstes in diesen Fleischwolf geworfen. Nun gut. Fayr war fest entschlossen die Imperialen teuer für ihre heutigen Taten und ihre Verbrechen an den Wookiees bezahlen zu lassen.

>>Mynock 9 bestätigt Ihre Befehle, Mynock Leader. Wir sind an Ihrem Flügel. Möge die Macht mit uns sein.<<

Mit einem leichten Schwenk brachte Fayr sich selbst und Mynock 12 in Position. Der Corellianer rollte mit den Schultern und leckte sich über die Lippen. Ihre Ruhepause war viel zu kurz gewesen, doch die Zeit drängte viel zu sehr. Also würde er das beste aus dieser miesen Situation machen.

[Orbit über Kashyyyk | 2. Flügel/96. Jagdgeschwader (Staffeln Mynock, Shyyyo & Bogwing) im Jägerschirm von Kommandogruppe Golan | Mynock 9] | Lieutenant Fayr Ced
 
[Orbit über Kashyyyk kurz vor der Golan-Station | GSD “Resolut Spear” | Brücke | Commander Marrec Veynar & Brückencrew]


Die Resolute Spear bebte in einem gleichmäßigen, tiefen Rhythmus. Es waren keine einzelnen Schläge mehr, die das Schiff erschütterte, sondern der konstante Druck eines Gegners. Auf den Anzeigen sanken die Werte nicht sprunghaft, sondern stetig, und auch wenn Marrec es nicht wirklich wahrhaben wollte, so wusste er, dass die Resolut Spear nicht mehr lange am Gefecht teilnehmen konnte. Er hatte gewusst, dass er nicht gegen die Red Nova gewinnen würde, aber mit einer so schnellen Niederlage hatte er nicht gerechnet. Er würde später alle Berichte durchgehen, um zu sehen, was, beziehungsweise welche Fehleinschätzung dazu geführt hatte. Aber jetzt, so wusste er, musste er zuerst so lange wie möglich aushalten und so viele wie möglich von diesen ehrenlosen Republikaner vernichten.

Commander Marrec Veynar stand auf der Kommandoplattform, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und ließ den Blick über die taktische Projektion gleiten. Die Red Nova feuerte immer noch in gleichmäßigen Salven, diszipliniert und präzise.


„Statusbericht“, fragte Marrec ruhig.

„Deflektorschilde bei vierzig Prozent Gesamtleistung, Sir”. meldete ein Offizier

Ein weiterer meldete:
„Rumpfintegrität bei fünfundsechzig Prozent. Mehrere äußere Panzerplatten beschädigt. Sektion Sieben und Zwölf abgeschottet, Druckverlust nach einem schwerem, aber keine Verluste gemeldet.“

Veynar nickte langsam. Es waren keine kritischen Meldungen. Noch nicht, aber kurz davor. Aber sie zeichneten ein klares Bild. Die Resolute Spear kämpfte, doch sie zahlte für jede weitere Minute.

Auf dem Holo verschoben sich die Jägersignaturen. Imperiale Staffeln sammelten sich dichter am Schiff, zogen sich aus weiten Verfolgungen zurück. Die TIE Defender lösten sich aus den aggressiven Anflügen und begannen, wieder stärker defensiv zu wirken, banden gegnerische Jäger, ohne sich weiter nach vorne zu wagen.

Veynar ließ den Blick kurz über die Projektion der gegnerischen Jäger gleiten. Er sah die Muster, die Wiederholungen, die kleinen Pausen, in denen sich neue Formationen bildeten. Die Republik zahlte ebenfalls einen großen Preis. Aber sie konnte ihn sich leisten.

Ein weiterer Treffer lief über den Rumpf, ließ eine Konsole kurz flackern, bevor die Notstromversorgung einsprang. Ein Techniker meldete eine Überhitzung im Energieknoten, nichts Dramatisches, aber ein weiteres Zeichen dafür, dass die Systeme am Limit arbeiteten.

Veynar atmete langsam aus.

Die Resolute Spear hatte ihren Auftrag erfüllt. Sie hatte gebunden, verzögert und Schaden verursacht. Sie hatte Zeit gekauft, damit sich die Station auf den Kampf vorbereiten und die Flucht von bestimmten Personen durchführen konnte. Mehr, als man von einem Gladiator-Klasse-Zerstörer gegen einen Republic Klasse Sternenzerstörer wie die Red Nova hätte erwarten dürfen.


„Navigation“, sagte Veynar schließlich. „Status unseres Anflugvektors zur Golanstation.“

„Kurs in Richtung Golan-Station ist stabil. Distanz zur Red Nova nimmt zu aber sie hält ihren Druck aufrecht.“ kam die sofortige Antwort.

„Gut.“ Veynar ließ den Blick kurz zur Darstellung der Station wandern. Sie lag nun deutlich vor ihm, ein massiver, unbeweglicher Punkt, den es zu schützen galt.

Während draußen weitere Salven durch den Raum zuckten und die Schilde der Resolute Spear erneut aufleuchteten, blieb Marrec reglos stehen. In seinem Gesicht lag keine Verbitterung, kein Ärger über das, was sich abzeichnete. Nur die ruhige Akzeptanz eines Offiziers, der verstand, wie wichtig es war, nach außen hin die Ruhe zu bewahren.

Die Golan-Station kam näher, während die Resolute Spear ihren Kurs weiter anpasste und sich in eine Position brachte, aus der heraus sie sowohl verteidigen, als auch fliehen konnte.

Veynar verschränkte die Hände nun vor der Brust und ließ den Blick ein letztes Mal über die Anzeigen wandern.
Sie würden hier bleiben, solange es möglich war. Sie würden kämpfen, solange sie Wirkung erzielen konnten. Aber wenn der Punkt kam, an dem das Gleichgewicht endgültig kippte, würden Sie fliehen.

Die Resolute Spear verlangsamte leicht, brachte sich für ein letztes Gefecht zur Verteidigung der Station in Stellung, die Fluchtvektoren bereits berechnet, die Systeme vorbereitet.
Der Kampf war noch nicht vorbei, aber Marrec Veynar hatte entschieden, wie lange er ihn führen würde.


[Orbit über Kashyyyk in Unmittelbarere nähe der Golan-Station | GSD “Resolut Spear” | Brücke | Commander Marrec Veynar & Brückencrew]

Schilde: 40%, Rumpf: 65%
 
[Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Rrraahkruff-Eiland | Lichtung nahe des Ufers] - Agentin Chi-Maia Chonda ("Glyph")

Chi-Maia hakte eine gedankliche Checkliste ab, von der der Erfolg ihres Treffens mit Grarrshk Tarrokk abhing – und vielleicht ihre Gesundheit. Wookiees waren natürlich nicht zwangsläufig aggressiv. Genau genommen hatte sie während ihres Studiums und auch im Militär eine Reihe von großartigen Wookiees getroffen: offen, pflichtbewusst und loyal. Hätte sie Interesse an tiefergehenden Beziehungen gehabt wie andere Studenten, die weniger zielstrebig an ihre Bildung herangingen, dann wären sie ohne Zweifel großartige Freunde geworden. Aber diese Exemplare einer sehr speziellen Spezies waren es gewöhnt unter anderen Kulturen zu sein, kannten die sozialen Konventionen anderer Rassen. Wookiees, die lediglich Kashyyyk kannten, waren eine gänzlich andere Angelegenheit: gegenüber Außenseitern waren sie oft stur, stolz und leicht reizbar. Insbesondere ein Häuptling und Kriegsherr wie Tarrokk würde Fingerspitzengefühl erfordern. Es galt den Ort des ersten Treffens ebenso gut zu wählen, wie die Worte und – für stolze Kriegerkulturen wie die der Wookiees oft noch wichtiger – die Gesten gegenüber hochrangigen Figuren wie dem Anführer des lokalen Widerstands. Wichtiger noch, es galt die richtige Fassade aufzubauen. Chi-Maia stand zu dem, was sie gegenüber Sequoia und Lt. Skoll in der ersten Besprechung im Green Excelsior Inn gesagt hatte. Sie hielt wenig von mutigen, halsbrecherischen Frontalangriffen, die das bevorzugte Mittel altmodischer Kriegshäuptlinge wie Tarrokk war. Krieg war dreckig, unfair und von kaltem Kalkül bestimmt – zumindest, wenn man den Krieg gewinnen wollte. Sie würde den alten Pelzberg vorsichtig beeinflussen müssen und jedes Wort abwägen müssen, um ihn ihr gesonnen zu halten.

So stand sie jetzt erwartungsvoll auf einer kleinen Lichtung unweit des goldenen Sandstrands des kleinen Inselchens, auf dem sie ihr ‚Forschungslager‘ aufgeschlagen hatte. Nur ein einzelner Soldat ihres Sicherheitsteams der Void Fangs, sowie Agent Caliper standen bei ihr, wobei beide ihre Waffen gesichert auf dem Rücken und am Gürtel trugen. Der Ort war bewusst gewählt. Das satte Grün des Urwalds, das hier in die Uferzone überging, bot einen gewissen Sichtschutz, war aber gleichzeitig nicht dicht genug, um einen echten Hinterhalt zu ermöglichen. Die Tatsache, dass sie lediglich zu dritt waren, sollte andeuten, dass sie keine Bedrohung waren. Gleichzeitig stand Glyph gerade, gelassen und unbewegt in der Mitte der Lichtung, die Arme hinter ihrem Rücken verschränkt: ein Zeichen des Selbstbewusstseins. Sie beobachtete, wie zwei kleine Wookiee-Katamarane anlegten und eine Gruppe von sechs Wookiees näherkamen. Sie schürzte die Lippen und sog tief die frische Seeluft ein, die hier unter den Palmen ein wenig kühler und weniger schwül war, als in den Höhlen oder dem Urwald, wo sich ihr Camp befand. An der Spitze des Trupps näherte sich ein hünenhafter Wookiee mit silbrig glänzender Mähne und einem weißen, blinden Auge. Tarrokk. Der Häuptling trug zwei sich kreuzende Schultergurte, an denen zahlreiche Energiezellen hingen, sowie mehrere Messer. In seinen schaufelgroßen Pranken trug er einen schweren Bowcaster und auf seinen Rücken hatte er ein breites Vibroschwert geschnallt. Sie lächelte kühl. Offensichtlich schätzte der Wookiee ein gutes Schauspiel ebenso wie sie, nur dass sein Auftritt plump und berechenbar war: seine Gefolgsleute und betraten die Lichtung schwer bewaffnet und gerüstet, wie als gelte es ein Duell um die Herrschaft in einem Clan auszufechten. Bedrohlich und einschüchternd nahmen die Wookiees in einem Halbkreis am Rand der Lichtung Aufstellung ohne ihre Waffen zu senken.

Aus dem Augenwinkel sah sie Caliper, der seitlich hinter ihr stand unsicher sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern. Sie spürte ärgerliche Irritation in ihr wachsen, aber reagierte nicht. Stattdessen blieb sie geradestehen, die Hände weiter hinter dem Rücken ineinandergelegt und ließ sich das sanfte, kühle Lächeln nicht aus dem Gesicht wischen. Der erste Schritt dieser Verhandlung war sich nicht einschüchtern zu lassen. Ehrengebundene Kriegsherren wie Tarrokk respektierten niemanden, der sich furchtsam unterwarf. So wartete sie stattdessen, bis der Hüne langsam auf sie zu kam und knappe anderthalb Meter vor ihr stehen blieb, sein eines verbliebenes Auge spöttisch von oben herab auf sie herunter gerichtet. Ein abschätziges, halb amüsiertes Schnauben kam über die pelzigen Lippen, bevor er mit tiefer, kehlig-brummender Stimme zu sprechen anfing.

[„Du musst der Handlanger der Republik sein, der meinte ein paar Sklaven befreien, würde reichen, um mich ebenfalls zum Handlanger der Republik zu machen.“] Das Lächeln der Agentin wurde breiter und sie schaute unerschrocken zu dem Wookiee auf. Sie hatte sich die ersten Worte in Shyriiwook bereits vor Stunden zurechtgelegt: [„Die Republik erweist dir, Grarrshk Tarrokk, Kriegshauptmann des Hrrngyarr-Clans, Respekt und bittet um deine Unterstützung.“]

Langsam löste Glyph eine ihrer Hände und klopfte sich dann kräftig dreimal auf ihre Brust und senkte leicht den Kopf, bevor sie in gewöhnlichen Basic weitersprach. „Gleichzeitig bitte ich, Dr. Santara Fyal, Agentin des Geheimdienstes der Republik, um Vergebung für meine schäbige Aussprache in Shyriiwook. Und ich bevorzuge es, Diener der Republik genannt zu werden.“ Das eine, bohrende Auge des Wookiees verengte sich ein wenig und er legte den Kopf schief. Sie war sich nicht sicher, aber vielleicht war es Überraschung, die sie sah. Überraschung, dass sie weder vor den Kopf gestoßen war, noch eingeschüchtert. Überraschung, dass sie Wissen über die Sitten Kashyyyks vorweisen konnte. Überraschung, dass sie es sogar wagte, ihn höflich zu korrigieren.

[„Für einen Außenseiter knurrst du beinahe überzeugend, aber ich bin dankbar, nicht mehr davon hören zu müssen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Republik so bescheiden auftreten würde … so respektabel. Der letzte Kontaktversuch der Republik war voller Forderungen und leerem Geschwätz, kaum mehr als ein kurze Windböe in den Wipfeln. Ein Mann sprach mit mir, der sich hinter seinem Pseudonym und einem verzerrten Holobild versteckte, anmaßend nach einem mächtigen Baum benannt, wie um mich zu beeindrucken.“] Glyph unterdrückte ein amüsiertes Gluckern. Tarrokks Beschreibung von Sequoia deckte sich mit ihrem Eindruck: er war ein Mann, der zwar die Wookiees bewunderte, aber sie nicht wirklich verstand. Der Häuptling senkte seine Waffe und hing sie sich über die breite, haarige Schulter, bevor er ihre Grußgeste erwiderte. Jeder Prankenschlag auf seine Brust klang wie als klopfe man an eisenharte Rinde eines Wroshyr-Baums. [„Ich werde zuhören, aber zuerst möchte ich deinen echten Namen wissen, Spionin der Republik. Du trittst auf wie ein selbstbewusster Krieger, aber zu den Eigenschaften eines Kriegers gehört auch Ehre und Ehrlichkeit.“]

Glyph hatte diese Forderung bereits erahnt und spürte einen erste Welle Frustration und Ungeduld, die sie aber sofort beiseiteschob. Selbstverständlich wäre es zielführender gewesen, auf weitere noble Gesten zu verzichten und direkt zum Kern der Materie, dem Krieg, zu kommen. Es war aber offensichtlich, dass das nur passieren würde, wenn sie auf die Spielregeln des Dialogs einging und sie würde nicht so plump vorgehen, wie ihr Führungsoffizier. Zugleich war es ebenso selbstverständlich, dass sie nicht ihre echte Identität preisgeben würde, angesichts der damit verbundenen der Gefahr für sie und ihre Familie. „Mein Deckname ist Santara Fyal, mein Codename ist Glyph, aber mein tatsächlicher Name ist Cho Malichi. Meine Familie kommt von Pantora, aus der Yoloida-Provinz.“ Glyph senkte noch einmal ehrerbietig den Kopf, bevor sie wieder gelassen den Blick Tarrokks entgegnete, entschlossen ihre Nervosität nicht nach außen zu zeigen. Der alte Wookiee war ihr einziger Zugang zum Untergrund auf Kashyyyk und Teil ihrer Aufgabe war auch, die Unterstützung des Widerstands in Anspruch zu nehmen, um die Landung der Armee zu unterstützen. Tarrokk schwieg und musterte sie für mehrere, für Chi-Maia endlos scheinende Atemzüge prüfend. Schließlich nickte er ihr zu.

[„Sei mir willkommen, Cho Malichi von Pantora. Wenn es wirklich stimmt, was meine Brüder und Schwestern nach ihrer Befreiung auf dieser Insel berichtet haben, liegt Krieg im Wind, ein Krieg, der die Kraft hat, selbst tief verwurzelte Bäume auszureißen. Sage mir, Cho Malichi, wird die Republik wirklich kommen?“] Glyph spürte die Anspannung von sich abfallen. Sie mochte einen Verbündeten angelogen haben, aber im Endeffekt tat sie dies, um sich selbst zu schützen. Jemand, wie Tarrokk, dessen Leben eine stete Spirale zwanghafter Bestätigung der eigenen Ehre darstellte, würde diesen Wunsch zweifelsfrei nicht verstehen, ihn angesichts der Täuschung vermutlich sogar beleidigend finden. Sollte er herausfinden, dass sie gelogen hatte, würde sein Vertrauen in die Republik schweren Schaden nehmen und seinen Willen zu kooperieren zerstören. Aber für den Moment war es wichtiger einen Fuß in die Tür zu bekommen. Schließlich plante sie keine persönlichen Bande zu dem übergroßen Waldbewohner zu knüpfen, sondern ihn zu benutzen. Wenn es die Republik schaffte, das Imperium vom Planeten zu vertreiben, würden sich ohne Zweifel auch andere Führungspersonen auf Kashyyyk finden, die pragmatischere Ansichten vertraten als der Hüne vor ihr und bereit waren zu kooperieren. „Ja, die republikanische Flotte hat im Orbit die Schlacht eröffnet und unsere Soldaten haben vor wenigen Stunden die Radarstation auf Varuuk zerstört. Der Krieg ist da.“ Sie deutete auf Caliper neben sich. „Wir wurden geschickt, um die Invasion mit der Hilfe des Widerstands zu unterstützen.“

[„Es freut mich ebenso wie es mich überrascht, dass die Republik doch noch etwas Feuer in ihrem Herzen gefunden hat, nachdem Kashyyyk so lange aufgegeben und die Klagen meines Volkes ignoriert wurden.“]
Ungeduldig hörte Chi-Maia dem Häuptling zu und konzentrierte sich darauf, ihre Miene neutral erscheinen zu lassen, obwohl sie die Anschuldigungen irritierten. Im Brummen des Wookiees klang beißende, gar wütende Enttäuschung heraus. Sicherlich verständlich, angesichts des Leidens zahlloser Wookiees auf dem Planeten, die vom Imperium mit brutaler Gewalt unter dem Vorwand von ‚Erziehungsmaßnahmen‘ und unter fadenscheinigen Argumenten zur ‚Arbeit am Allgemeinwohl‘ gezwungen, kurz und knapp versklavt wurden. Gleichwohl bot sich dieses traurige Schauspiel nicht nur auf Kashyyyk, sondern auf zahlreichen Welten unter imperialer Kontrolle und kein noch so fanatischer, wütender und ehrenhafter Kampfeswille hätte zu einem totalen Sieg im letzten Krieg führen können. Die Republik hatte den Frieden, ihrer Einschätzung nach, ebenso sehr gebraucht wie das Imperium. [„Wie können wir die Republik unterstützen, Agentin?“]

Glyphs Lächeln wurde breiter. Sequoia mochte vielleicht rührselig sein, wenn es um die Wookiees ging, aber er hatte zumindest seine Zeit als Schläferagent genutzt, um sich ein ausgiebiges Bild von Kashyyyk und seinen imperialen Einrichtungen zu machen. Das erste Ziel, das er vorgeschlagen hatte, war dementsprechend für ihre Zwecke gut gewählt. Sie zog einen kleinen Holoprojektor aus der Tasche und legte ihn in ihre offene Hand. Surrend erschien eine Projektion eines kleinen Inselchens ungefähr 15 Klicks von Kachirho entfernt. Die Insel teilte sich in einen steilen Hügel mit einem kleinen imperialen Außenposten und einen flacheren, sumpfigeren Teil aus dichten Mangroven. Die Mangroven teilten sich in zwei Arme, zwischen denen mehrere Piers und kahle Betonanlagen lagen, an denen imperiale Schnellboote gedockt waren. „Wir haben eine Idee, von denen sowohl die Republik als auch deine Krieger profitieren. Die Landung unserer Truppen steht kurz bevor und es wäre von Vorteil, wenn das Imperium seine Truppen zu verschiedenen Brennpunkten schicken muss und deshalb nur langsamer reagieren kann.“ Glyph deutete mit ihrer anderen Hand auf den kleinen Außenposten. „Unsere Spezialkräfte werden den Außenposten überfallen, brauchen aber Unterstützung. Wenn wir die Wookiees im Dock befreien, riskieren wir einen Gegenangriff von der Wachmannschaft auf dem Hügel. Wenn wir den Posten zuerst vernichten, riskieren wir das Leben der Wookiees.“ Natürlich war auch das gelogen. Lt. Skoll, den sie mit dem Überfall beauftragen wollte, und seine Void Fangs waren mehr als fähig beide Ziele zu erreichen, ohne Tarrokks Widerstandsgruppe auch nur ansatzweise zu involvieren, aber damit Operation Homecoming Erfolg hatte, mussten sie seine Guerilla stärken. Nur Erfolge würden andere Gruppen davon überzeugen, sich unter Tarrokks Banner zu sammeln und mit ihm gemeinsame Sache zu machen – und als Erfolg würde der Überfall nur gelten, wenn es zumindest so schien, als sei die eigentliche Arbeit von seinen Wookiee-Kriegern erledigt worden.

Der Kriegshäuptling brummte nachdenklich und deutete dann auf die vor Ort liegenden Boote. [„Ein solider Plan. Wir könnten diese Patrouillenboote auch sehr gut gebrauchen und jeder befreite Sklave verstärkt den Willen der anderen Stämme gegen das Imperium aufzustehen und die Ketten zu sprengen, mit denen das Imperium uns unterwerfen will. Für die Ehre und Freiheit Kashyyyks.“] Tarrokks Begleiter jaulten zustimmend, bis der ergraute Häuptling die Pranke hob. Er knurrte einen Befehl, woraufhin ein deutlich jüngerer, aber kaum weniger imposanter Wookiee mit fast schwarzem Fell hervortrat. [„Das hier ist Tarrpekk, mein zweiter Mann. Er wird sich mit dir und deinen Kriegern koordinieren, während ich den Angriff anführe.“] Glyph legte die Faust auf die Brust und nickte ihm zu, eine Geste die Tarrpekk erwiderte. Dann nahm sie zwei kleine, zylinderförmige Geräte aus dumpfem Metall, die sie aus einer der Taschen an ihrem Gürtel herauskramte und dann dem Häuptling und seinem Gefolgsmann übergab. „Kommunikatoren mit moderner Verschlüsselungstechnik und Sendeantennen, die auf schwer ortbaren Frequenzen senden. Nur gemeinsam sind wir stark.“ Sie streckte dem Häuptling ihren Unterarm entgegen, den dieser nach kurzem Zögern ergriff. [„Ehre und Stärke, Cho Malichi. Ich werde meine Krieger vorbereiten …“] Die Agentin nickte ernst und wechselte dann wieder in Shyriiwook. [„Ehre und Stärke, Grarrshk Tarrokk.“]

Es war eine zutiefst ironische Situation, befand Chi-Maia mit einer Spur beißenden Zynismus, als sie Tarrokk mit seinem Gefolge zurück in die Katamarane steigen sah. Männer wie der einäugige Wookiee-Häuptling glaubten inbrünstig an Ehrlichkeit und direkte Worte ohne Hinterlist, aber schienen so oft zu blind, um den Zauber wohlgewählter Worte zu durchschauen. In anderen Worten hätte sie ehrlich heraus gesagt, dass ihre Geheimdienstzelle plante, Tarrokk mit einem Angriff für die Wookiees in Kachirho in Szene zu setzen, dessen Erfolg durch das Mitwirken republikanischer Spezialkräfte von vorneherein fast garantiert wäre: der alte Häuptling hätte zweifellos abgelehnt und hätte es als Beschmutzung seiner Ehre betrachtet. So hatte sie ihm dasselbe Konzept unter der Illusion verkauft, dass die Republik seine Hilfe brauchte, um den Plan durchzuführen, um Wookieeleben zu retten. Männer wie der Wookieehäuptling nannten es vielleicht Manipulation. Chi-Maia nannte es ein gerechtfertigtes Mittel zum höheren Zweck. Sie grinste kühl und erfreute sich einen Moment an ihrem Erfolg, bevor sie sich Caliper zuwandte. „Wie ist der Zustand unserer Aufklärungsdroiden?“ Der Twi’lek zuckte entschuldigend mit der Schulter. „Eine der zwei verbliebenen Droiden ist einsatzbereit. Der Zweite braucht noch einen Reset und etwas Liebe von einem Hydrospanner nach der Aktion in der Garnison in Kachirho." Glyph nickte nachdenklich und ging die Operationsplanung vor ihrem geistigen Auge durch. Ein Auge im Himmel über der Insel würde reichen - musste reichen. Eine der drei AS23-Luftbild-Droiden, die sie mit nach Kashyyyk gebracht hatten, war bei ihrer Ablenkungsoperation über der Garnison abgestürzt, nachdem Calipers Feldmodifikationen den Droiden überlastet hatten: der Twi’lek hatte die intelligenten Fluggeräte mit Brandbomben bestückt und diese über Außengebäuden der Garnison abwerfen lassen. Eine gute Idee, auch wenn der Droide nicht für derartige Einsätze gebaut worden war. Ein akzeptabler Preis für das, was sie vor Ort erreicht hatte, wie sie fand.

[„Dein Name ist nicht Cho Malichi.“] Die Worte in Shyriiwook rissen sie aus dem Strom geordneter Überlegung und brachten sie aus dem Konzept. Für einen kurzen Augenblick hatte sie ihre Gesichtszüge nicht unter Kontrolle, spürte Verunsicherung und Überraschung. Tarrpekk gluckste knurrig. [„Ich werde dich nicht verraten. Es war mir klar, nachdem du gesagt hast, dass du für den Geheimdienst arbeitest.“] Die dunklen Augen des Wookiees fixierten sie unangenehm, bevor Tarrpekk sich den in der Ferne rauschenden Wellen zuwandte. [„Grarrshk Tarrokk ist ein großer Häuptling und ein tapferer Krieger. Aber er kennt nur Kashyyyk, versteht nur die Sitten unserer Heimat. Er ist ein ehrenhafter, anerkannter und unermüdlicher Anführer, wenn auch ein nur zweitklassiger Stratege.“] Abermals konnte Glyph nicht anders als überrascht zu sein. Es war ungewöhnlich, dass ein Gefolgsmann eines Stammeshäuptlings derart offen vor Außenseitern seinen Anführer kritisierte. Hinter Tarrpekk steckte offensichtlich mehr, als sie vermutet hatte. Sie machte eine mentale Notiz, den Wookiee im Auge zu behalten und den Vorfall später mit Sequoia zu besprechen. „Die Republik braucht Anführer wie ihn, wenn sie Kashyyyk helfen will, sich vom Imperium zu befreien,“ antwortete sie mit Verve, wenn auch wenig echter Überzeugung. Sie hatte das unbestimmte Gefühl, dass Tarrpekk ihr Spiel mit Worten sehr genau durchschaute. Glyph seufzte, bevor sie nach ihrem Kommunikator griff und ihn auf die richtige Frequenz einstellte. Fang One, hier Glyph. Ich hätte da eine Bitte …“

[Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Rrraahkruff-Eiland | Lichtung nahe des Ufers] - Agentin Chi-Maia Chonda ("Glyph")
 
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Kashyyyk / nördlich von Kachirho / in den Bäumen / Brako, 28. Kompanie

Wie Raubvögel saßen sie auf den dicken Ästen eines gigantischen Wroshyr-Baums. Es war immer noch Nacht. Fernes Donnergrollen und unregelmäßige Lichtblitze beherrschten die Atmosphäre auf Kashyyyk. Brako wusste nicht, wie die Invasion der Neuen Republik aktuell verlief. Um nicht entdeckt zu werden, blieben die Langstreckenkommunikatoren zunächst aus. Das 36. Luftlandebataillon war tief hinter feindlichen Linien abgesprungen und befand sich in der Nähe des schwer befestigten imperialen Stützpunktes Kammwacht. Entscheidungen mussten hier sorgfältig abgewogen werden, sonst waren die Leben der 28. Kompanie schnell in Gefahr. Brako wusste das. Die meisten seiner Leute wussten das. Lieutenant Vesh gehörte offenbar nicht dazu.

Der Twi'lek hatte seinen Platoon dreißig Minuten zu spät zum Treffpunkt Delta-Seven gebracht. Dreißig Minuten, in denen die Kompanie bewegungslos in den Bäumen gehockt hatte. Dreißig Minuten, in denen jede imperiale Patrouille sie hätte aufspüren können. Brako hatte nichts gesagt, als Vesh endlich auftauchte. Aber er hatte dafür gesorgt, dass der Lieutenant in seiner Nähe blieb. Auf Kashyyyk konnte er sich keine Einzelgänger leisten. Vesh hatte schon öfters für Schwierigkeiten gesorgt, aber der Captain hatte gehofft, dass der Offizier sich in einem Einsatz wie diesen zusammenreißen würde. Die Frage war jetzt nur, wie er mit ihm weitermachen konnte. Es gab zu viel zu tun, er konnte nicht den Babysitter für Vesh spielen. Er atmete noch einmal tief durch.


"Lieutenant Vesh." Seine Stimme durchschnitt die Stille. "Auf ein Wort. Jetzt."

Der Twi'lek erhob sich zögerlich. Brako führte ihn ein paar Meter abseits, wo die Äste zu einer kleinen Plattform zusammenwuchsen. Fern genug, dass die Männer nicht jedes Wort mitbekamen. Nah genug, dass sie sahen: Der Chef hatte die Situation im Griff. Als sie außer Hörweite waren, verschränkte Brako zwei seiner vier Arme. Die anderen beiden ruhten auf seinem Gürtel. Eine Geste, die zugleich entspannt und wachsam wirken sollte. Es war eine Haltung, die er schon damals in der Bäckerei auf Denon perfektioniert hatte, wenn Lieferanten zu spät kamen oder Angestellte sich stritten. Damals wie heute ging es darum, Mitarbeiter zu führen, nicht zu brechen.

"Du hast deine Leute 30 Minuten zu spät zum Sammelplatz gebracht. Warum befolgst du meine Befehle nicht?"

Er ließ die Worte sacken, bevor er fortfuhr. Im Hintergrund knackte ein Ast unter dem Gewicht eines Soldaten. Ruhig beobachtete er die Reaktion des Offiziers, was in der Dunkelheit von Kashyyyk nicht gerade einfach war.

"Du willst dich beweisen. Das verstehe ich. Vielleicht sogar eine Auszeichnung verdienen. Ich will dich aber eindringlich daran erinnern, dass das hier keine Simulation ist. Wir kämpfen gegen das Imperium. Du weißt nicht wie das ist. Das imperiale Militär hat fähige Frauen und Männer, die wahrscheinlich jetzt schon eine gute Idee haben, wie sie die Invasion von Kashyyyk zum Desaster für die Neue Republik machen können. Deswegen improvisieren wir hier nicht, so lange wir es nicht müssen. Es zählt der Plan und das Vertrauen in mich. Du vertraust mir doch, oder?"

Der Twi'lek senkte zunächst den Blick, nickte dann aber.

"Ja, Sir."

Brako nickte zufrieden.

"Gut. Wegtreten, Soldat."

Nun war es an der Zeit, die nächsten Schritte einzuleiten. Er aktivierte sein Comlink am Handgelenk.

"Anvil Actual, hier Hammer Actual. Sind bei Delta Seven und bereit für Aufbruch zu Minus Cresh. Wie ist euer Status?"

Hinter dem Rufnamen verbarg sich Captain Halver Jannic von der 30. Kompanie. Die 30. sollte sie beim Angriff auf die Astkreuzung unterstützen.

"Hammer Actual, hier Anvil Actual." Die Stimme von Captain Jannic knisterte leise durch den verschlüsselten Kanal. Irgendetwas lag darin, das Brako nicht gefiel. "Wir sind etwa ein Klick südsüdwest von eurer Position, halten uns in der Deckung. Ich habe einen Transporter beim Anflug verloren. Alle KIA."

Brako spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog. Ein ganzer Transporter. 20 Soldaten, vielleicht mehr. Mit einem Schlag ausgelöscht, bevor sie überhaupt kämpfen konnten. Mit versteinertem Gesicht nahm er die Verlustmeldung zur Kenntnis. Das war fast ein ganzes Platoon.

"Verstanden, Anvil Actual. Breaker Actual soll die Verwundeten aufnehmen. Sobald Thunder Actual hier ist, richten wir einen Medevac ein. Aufbruch in T-10."

"Bestätige, Hammer Actual."

Mit einem klicken schloss sich die Verbindung und der Besalisk winkte Lieutenant Thava Korr zu sich. Er schob den Gedanken über die Verluste beiseite. Jetzt war nicht die Zeit zum Trauern.

"Wir rücken gleich aus. Vesh soll die Spitze übernehmen, ich will ihn beschäftigt halten. Du bleibst mit deinen Leuten bei mir in der Mitte, zusammen mit Moll. Torris bildet die Nachhut."

Die rothäutige Togruta nickte knapp. "Marschgeschwindigkeit?"

"Langsam und leise, Feindkontakt vermeiden wir. Die 30. folgt uns etwa ein Klick entfernt, südsüdwest. Wenn's schiefgeht, sind wir auf uns allein gestellt."

Brako richtete sich auf, alle vier Arme griffen nach seinem Ausrüstungsgurt, überprüften Munition, Granaten, Blaster. Alte Gewohnheiten. In der Ferne grollte es wieder. Näher diesmal.

Kashyyyk / nördlich von Kachirho / in den Bäumen / Brako, 28. Kompanie
 
Kashyyyk ||| Wawaatt-Archipel ||| unbenannte Nebeninsel südöstlich Varuuks ||| In Sichtweite der imperialen Sendestation & Trockendock

Der Rauch von Varuuk war noch nicht ganz verweht, als der nächste Auftrag eintraf. Lieutenant Ozymandias Skoll stand im Halbdunkel einer natürlichen Felsmulde, die Hände auf dem Holotisch abgestützt, den Glyphs Drohnenfeed in kaltem Blau über sein weißes Fell flackernd. Die Projektion zeigte eine kleine Insel, kaum mehr als ein schmaler Streifen Land zwischen Fels und Dschungel, doch strategisch sauber gewählt. Ein niedriger Küstenwall, dahinter ein künstlich eingeebneter Bereich mit Sendemast, Generatorhäuschen und einem Bunkerkomplex von überschaubarer Größe. Ein zweites Areal, einige hundert Meter entfernt, lag wie eine Narbe im Ufer: das Trockendock. Drei imperiale Patrouillenboote lagen dort, ein Katamaran aufgebockt, daneben Krananlagen und ein hölzernes Gerüst, an dem Wookiees unter Aufsicht arbeiteten.

„Schockkragen-Relais“, murmelte Sergeant Veyra Damos und zoomte mit zwei Fingern auf die Sendestation. „Primäre Steuerung für mindestens vier Arbeitskommandos im Archipel. Fällt das hier aus, verlieren sie die unmittelbare Kontrolle.“

Ozzy nickte langsam. Er sah nicht nur Metall und Struktur, er sah unsichtbare, aber wirksame Ketten, die gesprengt werden mussten.

„Garnisonsstärke?“ fragte er ruhig.

Die Stimme des Aufklärungsdroiden kam über den verschlüsselten Kanal, klar, professionell.
Zwölf reguläre Infanteristen. Zwei Unteroffiziere. Vier imperiale Vorarbeiter am Dock. Schwere Waffen nur im Hauptposten. Keine fest installierte Flak. Sensorik lokal, nicht orbital angebunden. Die Anlage ist autark.“

Autark. Das gefiel ihm. Autark bedeutete isoliert und das wiederum bedeutete verletzlich. Ozzy ließ den Blick über das Hologramm wandern. Die Insel war kein Bollwerk. Sie war ein funktionaler Außenposten, errichtet für Kontrollea aber nicht mit einer eklatanten Verteidigungskapazität. Zumindest nicht gegen das, was auf sie zukommen würde. Das Galaktische Imperium rechnete hier nicht mit einem Schlag. Schon gar nicht jetzt, da Varuuk gefallen war. Sie würden reagieren, gewiss aber zuerst würden sie versuchen sich zu orientieren, wenn aus mehreren Richtungen die Schläge auf sie einprasseln würden.

„Zielpriorität eins“, sagte Ozzy leise, mehr Feststellung als Befehl, „Sendestation vollständig vernichten. Kein Backup. Kein Notsignal.“

„Ziel zwei“, ergänzte Damos, „Verstärkung abfangen. Niemand verlässt die Insel.“

„Ziel drei“, fuhr Ozzy unbeirrt fort, „Dock sichern und die Freisetzung der Sklaven durch die Wookiee Partisanen gewährleisten. Im Bestfall machen sie die Boote manövrierfähig.“

Er schwieg einen Moment. Seine roten Augen glitten zum Trockendock, wo die Wookiees arbeiteten. Selbst im unscharfen Drohnenbild sah man die gebeugten Rücken, die schweren Ketten, das gelegentliche Aufflackern eines Schockimpulses.

„Tarrokks Leute?“ fragte er.

„In Bereitschaft auf einer Nachbarinsel“, antwortete Glyph. „Sie greifen erst ein, wenn das Dock frei ist. Offiziell wird es ihr Schlag.“

Ozzy nickte. Politisch klug. Militärisch ebenso. Die Wookiees mussten ihre eigene Befreiung sehen, nicht die eines fremden Kommandos.

Er trat vom Hologramm zurück und sah seine Void Fangs an. Dreißig Männer und Frauen, aufgeteilt in Rudel, kampferprobt, ruhig. Das Weiß seines Fells leuchtete schwach im Dämmerlicht, als er sprach.


„Wir schlagen zweigeteilt zu. Erst die Sendestation. Lautlos. Kein Alarm. Danach bewegen wir uns schnell Richtung Dock. Zwei Rudel sichern die Zufahrten. Ein Rudel blockiert den Küstenstreifen. Wenn die Garnison reagiert, reagiert sie in unsere Waffen.“

Er machte eine kurze Pause.

„Denkt daran: Wir befreien nicht. Wir ermöglichen die Befreiung aus eigener Kraft.“

Ein leises, zustimmendes Murmeln ging durch die Reihen. Sie verstanden. Bevor sie aufbrachen, gab es diesen kurzen, seltsamen Moment der Stille, der jedem Einsatz vorausging. Kein offizielles Ritual, kein gemeinsamer Ruf, nur kleine, persönliche Gewohnheiten, die niemand kommentierte und die doch jeder kannte. Rinna Solvek kniete neben ihrer Ausrüstung, löste den Energieregler ihres Blasters, setzte ihn neu ein und klopfte zweimal mit dem Fingerknöchel gegen das Gehäuse, als prüfe sie nicht Technik, sondern Verlässlichkeit. Sergeant Damos zog ihre Handschuhe langsam über, fingerte einen Augenblick länger an der Naht entlang, als müsste sie sicherstellen, dass nichts sie im entscheidenden Moment verriet. Jalen Korr saß abseits auf einer umgestürzten Kiste und strich mit dem Daumen über eine kaum sichtbare Kerbe an seinem Gewehrkolben, ein Überbleibsel aus einem früheren Gefecht, das er nie hatte ausbessern lassen.
Einige überprüften stumm die Magazine ein letztes Mal, andere ließen die Finger kurz über vibroverstärkte Klingen gleiten. Einer murmelte etwas Unverständliches, vielleicht ein Gebet, vielleicht nur eine Erinnerung an jemanden, der nicht mehr zurückgekehrt war. Niemand fragte nach. Man respektierte es. Männer und Frauen, die in den letzten Jahren mehr Gefechte gesehen hatten als andere in einem ganzen Leben, wussten, dass Kontrolle eine Illusion war. Aber Vorbereitung war es nicht.
Ozzy selbst sprach nicht. Er stand etwas abseits, prüfte ruhig den Sitz seiner Rüstung, zog die Gurte seiner Schulterhalterung nach, bis sie exakt dort lagen, wo sie liegen mussten. Dann strich er sich einmal über das weiße Fell am Unterarm, als entferne er unsichtbaren Staub. Ein letzter Blick in die Runde. Keine Worte. Nur Nicken.

Es war Zeit.


Kashyyyk ||| Wawaatt-Archipel ||| unbenannte Nebeninsel südöstlich Varuuks ||| In Sichtweite der imperialen Sendestation & Trockendock
 
[Orbit über Kashyyyk | 2. Flügel/96. Jagdgeschwader (Staffel Mynock) im Jägerschirm vor Kommandogruppe Golan | Mynock 5] Lieutenant Neelyn Vandrik

Grelles Grün und Blau zuckten über Neelyns Gesicht, als er der ersten Salve Laserblitze und Ionenfeuer seines Ziels auswich. Die schiere Menge an Feuer, die der Defender ihm und seiner Rotte entgegenspie, war größer als alles, was er bisher in Jägerkämpfen erlebt hatte. Ihm blieb nichts als ruppig seinen Steuerknüppel nach unten zu drücken und kurz abzutauchen. Die ersten blauen Laser aus den Kanonen seiner Rotte begannen zu antworten. Abrupt riss er den Jäger wieder nach oben, um ebenfalls das Feuer zu eröffnen, schaffte es jedoch lediglich ein paar einzelne Schüsse zu setzen, bevor sie an ihrem Ziel und einem weiteren TIE Defender vorbeizogen. Aus dem Augenwinkel sah Neelyn in etwas Entfernung einen Verbündeten in Chondas Formation in einem Funkenregen vergehen. „Poodoo,“ hörte er die Bestätigung von Jantel aus seinem Komm. „Das war Mynock 2,“ fügte Berand hinzu. Ein kalter Stich traf sein Herz. Sie hatten gerade ihren XO verloren. Lt. Sartori war eine humorvolle und effiziente Vorgesetze gewesen. Neelyn würde sie vermissen – aber jetzt galt es erst einmal die Schlacht zu überleben. „Ruhig bleiben, Mynock 6 und 7. Wir nehmen unsere Rache jetzt und wir werden sie genießen,“ antwortete er in einer Kühle und Abgeklärtheit, die ihrem Staffelkommandanten alle Ehre gemacht hätte, auch wenn eine tiefe Wut tief in ihm brodelte. Taktik war jetzt alles. Sie hatten es gerade mit einer Gruppe aus zwei überlegenen Feindjägern zu tun. Wenn die Defender gemeinsam agierten, würden Neelyn und seine Rotte verlieren. Mit hektischen Blicken verschaffte sich Neelyn einen Überblick über seine Situation. Zwar waren er und seine Flügelleute bereits am Beidrehen, um abermals in einen Angriffswinkel zu kommen, aber sie waren trotz der verbesserten Wendigkeit ihrer X-Flügler klar im Nachteil: wenn sie auf einen Dogfight setzten, konnten sie nicht gewinnen.

Berand, Jantel, ich werde mich in einem Moment von der Formation absondern und die Defender provozieren. Sie bleiben beieinander. Sobald die beiden Banditen an meinem Arsch sind, drängen Sie einen mit Torpedos ab und schnappen sich den zweiten TIE.“ Es war ein sehr riskantes Manöver, aber angesichts der bisherigen Verluste bevorzugte Neelyn es, wenn er die Gefahr auf sich nahm, anstatt es seinen Flügelleuten zu befehlen. Seine Taktik setzte auf Arroganz und Druck. Ihr Feind gehörte zur imperialen Militärelite. Sie würden wissen, was das Ziel ihres Manövers war, aber würden sie der Versuchung widerstehen können, einen einzelnen X-Wing davonziehen zu lassen, der noch dazu anderweitig im Nahkampf eine Übermacht herstellen konnte? Wichtiger noch: ihr Feind würde ihre herannahende Reserve bereits auf den Sensoren haben. Aggressivität war die einzige Chance nicht überwältigt zu werden. Zumindest hoffte Vandrik, dass die Imps zu ähnlichen Schlüssen kommen würden. Seine Flügelleute bestätigten, woraufhin er einen rüden Kurswechsel einleitete, der von den beiden Defendern wegführte, hin zur Golan-Station. Reeloh, du musst deine Augen offenhalten. Warne mich vor allem, was uns aufschaltet oder im Anflug auf uns ist. Ich werde mich gleich aufs Manövrieren konzentrieren müssen,“ befahl Neelyn streng.

„Bereite dich darauf vor die Schilde auf mein Zeichen komplett ins Heck zu verlegen.“ Die Schildprojektoren waren durch die häufige Wiederaufladung und Energieverlagerung heiß gelaufen und würden diese Ladungsmenge in eine Richtung nicht lange aufrechterhalten können, aber ein defekter Schildprojektor war zumindest für den Moment das kleinere Problem: die Energie-Überlastung würde angesichts des Feuers der Defender ohnehin nur von kurzer Dauer sein. Der Astromech pfiff vorwitzig. „Ja, die Defender werden vermutlich wirklich unseren Schildprojektor vor dem Hitzetod retten.“ Doch die schrille Warnung, die der Droide als nächstes abgab, wischte sein kurzes Schmunzeln anstandslos beiseite. Es schien als sei sein Plan aufgegangen. Mynock 5, halten Sie durch! Wir bringen uns in Position.“ Neelyn begann seinen Kurs anzupassen: immer wieder änderte er seinen Flugvektor etwas ab, sodass er keine gerade Linie flog, ohne dabei aber die generelle Flugrichtung anzupassen. Er musste möglichst lange Distanz wahren. Eine weitere Warnung seines Astromech sorgte dafür, dass Neelyn direkt Ausweichmanöver einleitete: er rollte abrupt nach rechts, um direkt danach nach unten auszubrechen und schließlich wieder seine ursprüngliche Flugrichtung einzuschlagen. Erste Salven schossen an seinem Jäger vorbei. „Schilde aufs Heck. Jetzt!“ herrschte Neelyn rauer, als ihm lieb war, als er den ersten Treffer kassierte.

Sofort blinkte ein gelbes Warnsymbol an seinem HUD auf, das auf die überlasteten Heckprojektoren hinwies, aber er ignorierte es. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel begann, in dem Vandrik immer wieder das Maximum an Manövern aus seinem Jäger holte, das seine Konstruktion, Wendigkeit und Antriebe zuließen. Trotzdem wurde er immer wieder getroffen. Seine Schildanzeige purzelte in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. „Torpedos sind raus, Mynock 5!“ Neelyn spürte einen kurzen Moment Erleichterung, denn die Menge an Feuer ließ sofort deutlich nach. „Gleich haben wir ihn, Lieutenant,“ versicherte Berand zuversichtlich, doch dann schlugen seine Annäherungssensoren lauthals aus. Ein Blick in seinen Heckspiegel und auf seine Sensoranzeige bestätigte ihm, dass sich der Defender unangenehm genähert hatte: er musste die Geschwindigkeit erhöht haben, um zu ihm aufzuschließen: wenn er zu nah an ihm dran war, würden Mynock 6 und 7 nicht mehr schießen, da sie in Gefahr liefen in zu treffen. „Verdammt, verdammt,“ zischte Neelyn lauthals, als eine mehrere Schüsse seine Maschine trafen. Wieder blinkte drohend das rote Warnsignal ‚Shields‘. Unter 25% Ladung. Eine geradezu absurde Idee schoss in sein Hirn. Er ignorierte das warnende Fiepen Reelohs und verringerte minimal den Schub, um den Abstand weiter zu verringern und positionierte sich gefährlich frontal vor dem feindlichen Jäger. Mit mehreren schnellen Handgriffen und dem Ansatz eines Grinsens, öffnete er die Luke des rucksackgroßen Laderaums seines Jägers, der etwas versetzt hinter seinem Cockpit an der Unterseite des X-Flüglers lag und der Werkzeug und Überlebensausrüstung enthielt. Mit minimaler Verzögerung riss er den Steuerknüppel nach unten und brach hart nach oben aus.

„Schönes Manöver, Mynock 5,“ hörte er Jantel nicht ohne Bewunderung sagen. Das Gerümpel hatte die Schilde des Defenders nicht beschädigt, aber doch den Piloten durch seine Einschläge im Frontschild vor seiner Pilotenkanzel für einen entscheidenden Moment die Sicht genommen. Der imperiale Pilot war offensichtlich gut, aber reagierte doch einen Moment zu spät auf das Manöver. Noch bevor er auch nur den Schubhebel auf Maximum schieben konnte, zerfetzten die Kanonen von Neelyns Flügelleuten den TIE. Mynock 5 lachte böse auf. „Ja, verdammt! So sieht Teamwork aus! Gute Arbeit, 6 und 7.“ Zumindest für einen Moment konnte er durchatmen. „Das war wohl der erste Abschuss eines TIE Defenders durch eine Notration aus Ackbars Algencrackern," feixte Berand, doch Neelyn hielt bereits nach dem anderen Defender Ausschau, der sich mittlerweile sicher des Torpedos entledigt hatte.

[Orbit über Kashyyyk | 2. Flügel/96. Jagdgeschwader (Staffel Mynock) im Jägerschirm vor Kommandogruppe Golan | Mynock 5] Lieutenant Neelyn Vandrik
 
Kashyyyk ||| Wawaatt-Archipel ||| Imperiale Nebeninsel ||| Annäherung an Sendestation & Dock

Die Annäherung erfolgte über das Wasser. Keine Para-Gleiter diesmal. Zu exponiert über offener See, zu abhängig vom Wind, zu riskant gegen eine Küstenlinie, die von erhöhten Positionen eingesehen werden konnte. Stattdessen drei von Ihnen erbeutete imperiale Katamarane, flach gebaut, zweckmäßig, mit der nüchternen Ästhetik militärischer Arbeitsfahrzeuge. Ihre Transponder waren nicht deaktiviert, sondern umgeschrieben. Mit dieser kleinen, aber entscheidende Differenz waren sie die Rancors im Rontoleder. Totgeschaltete Kennungen warfen Fragen auf, Routineverkehr hingegen beruhigte die Mannschaft im Wachturm. Ihre Silhouetten waren vertraut genug, um im Halbdunkel nicht weiter aufzufallen. Abgenutzter Lack. Ausgebesserte Stellen. Imperiale Seriennummern, die nun einer Liste zugeordnet waren, die irgendwo in einem Logbuch als „Rückkehr von Routinewartung“ vermerkt stand. Die Void Fangs trugen imperiale Arbeitsjacken über der Rüstung, grobe Stoffe, die nach Öl rochen und nach jahrelangem Einsatz in salziger Luft. Helme waren mit Tüchern oder Kappen halb verdeckt, Waffen unter Planen verborgen, als seien sie Ersatzteile oder Werkzeuge. Nur wer genau hinsah, hätte erkannt, dass diese Körperhaltung nicht die von Dockarbeitern war.
Der Motor vibrierte dumpf unter Lieutenant
Ozymandias Skolls Füßen, ein stetiges Brummen, das durch Metall und Knochen kroch. Das Wasser schlug in ruhigem Rhythmus gegen die Rümpfe, dunkle Wellen, die kaum Schaum trugen. Der Himmel war mondlos, nur ein dünner Sternenschleier spannte sich über das Meer, als habe jemand Nadelstiche in schwarzen Samt gesetzt.
Die Küstenlinie zeichnete sich langsam ab, zunächst als bloße Verdichtung der Dunkelheit, dann als klare Kontur: Ein niedriger Felswall, darüber schwache Lichter. Kein Leuchtturm, kein militärischer Glanz. Nur zweckmäßige Beleuchtung, gelblich und sparsam, ausreichend, um Arbeit zu ermöglichen, nicht um Pracht zu demonstrieren.
Ozzy stand am Bug, eine Hand locker an der Reling, die andere in der Nähe seiner verborgenen Waffe. Er roch das Salz in der Luft, das feuchte, metallische Aroma des Meeres. Und darunter – deutlich – Öl, Schmierfett und behandeltes Holz. Das Dock war nicht mehr als ein paar hundert Meter entfernt. Der Ort, an dem Arbeit und Ausbeutung, gepaart mit einem erstickenden imperialen Stiefel der Kontrolle auf sie wartete.

„Signal?“, fragte der Albino leise, ohne den Blick von der Insel zu nehmen.

Ein kaum hörbares Knistern in seinem Ohr, dann
Glyphs Stimme, gedämpft durch Distanz und Verschlüsselung. „Drohne eins über dem Ziel. Wärmesignaturen konstant. Keine Patrouillenbewegung außerhalb des Standardmusters. Dockbetrieb reduziert, Nachtrotation.“

Ozzy ließ sich die Information wie eine Koordinate im Kopf verankern. Nachtrotation bedeutete weniger Wachen, aber konzentriertere Kontrolle. Müdigkeit und Anspannung war ein Faktor auf beiden Seiten. Die Nachricht vom Beginn der Orbitalschlacht über ihnen dürfte selbst hier bekannt sein.

„Visuelle Bestätigung?“

„Zwei Posten am Steg. Einer am Mast. Bewegungsmuster träge.“

Er ließ den Blick über seine Männer schweifen. Keine Nervosität, lediglich die altbekannte, gespannte Konzentration. Private First Class Kael Vorr hatte den Kopf leicht gesenkt, als lausche sie einem inneren Takt. Corporal Verek Tan überprüfte ein letztes Mal den Sitz seines vibroverstärkten Messers, ohne hinzusehen. Sergeant Damos stand ruhig, die Hände locker verschränkt, als wäre dies eine Übung. Sergeant Drelka Marru hingegen zählte die Stimpaks, die sie griffbereit hatte, durch. Eine Kiste wurde verschoben, scheinbar beiläufig. Unter dem doppelten Boden ruhten keine Werkzeuge, sondern Ladungen. Ein anderer Soldat, der Rodianer Corporal Nikk Tavor zog einen Mantel enger um die Schultern und justierte darunter den Gurt seiner Sprengzündereinheit. Ozzy dachte an Tarrokk. An den alten Wookiee-Häuptling mit den starren Augen und dem brennenden Stolz. Er dachte an die Männer, die im Schatten warteten, bereit, sich den Ruhm dieser Befreiung zuzuschreiben und bereit, dafür zu sterben.

Er dachte auch an die Schockkragen und daran wie seine eigene Heimat ebenfalls unter dem imperialen Joch litt. Vielleicht war heute der erste Schritt zur Befreiung seiner Heimatwelt nicht auf dem heimischen Sand von Uvena III, sondern in den Dschungeln von Kashyyyk getan.
Die Sendestation war der Schlüssel. Solange sie stand, konnte jeder Vorarbeiter mit einem simplen Knopfdruck Schmerz verteilen. Ein unsichtbarer, allgegenwärtiger Schlagstock. Solange sie stand, war jede Befreiung nur temporär, jede Flucht nur eine Frage von Sekunden, bevor der Körper verraten wurde.


„Wir gehen zuerst in den Nerv“, konstatierte der republikansiche Offizier.

Die Katamarane glitten in die kleine Bucht, gedrosselt, die Motoren kaum mehr als ein leises Vibrieren. Ein imperialer Scheinwerfer tastete über das Wasser, langsam, methodisch. Der Lichtkegel streifte den Bug des vordersten Bootes, verharrte einen Atemzug zu lange. Der Shistavane spürte, wie sich in diesem Bruchteil einer Sekunde die gesamte Operation zusammenzog. Dann schwenkte der Strahl weiter. Routine. Erwartung von nichts. Vertrauen in die eigene Kontrolle. Sie legten an wie Arbeiter, bereit ihre Schicht zu beginnen und die schiere endlose, stupide Arbeit in diesem Zwangsarbeiterlager zu verrichten.
Seile wurden geworfen, Poller umschlungen, ein dumpfes Klacken von Metall auf Holz. Kein Sprung, kein hektisches Manöver. Die ersten Void Fangs gingen von Bord, mit jener trägen Selbstverständlichkeit, die man nur durch Übung perfektionieren konnte. Zwei Soldaten schoben eine schwere Kiste über den Steg, die Schultern leicht gekrümmt, als trügen sie Ersatzteile für eine Maschine. Der Alphawolf war der Letzte, der an Land ging. Der Boden unter seinen Stiefeln war feucht vom nächtlichen Tau. Holz knarrte leise. Aus dem Dockbereich klang das rhythmische Schlagen von Metall auf Holz, ein stumpfes Hämmern, das in regelmäßigen Abständen durch die Nacht schnitt. Ein Wookiee grunzte erschöpft. Ein Vorarbeiter fluchte scharf, gefolgt vom kurzen, unangenehmen Sirren eines aktivierten Schockgeräts.
Ozzy verharrte einen Moment, nahm alles in sich auf. Bei allem Schalk den er gerne von sich gab, bei allem Bravado, brach sein Herz jedes Mal, wenn er andere Wesen in diesen schweren Ketten unter dem imperialen Joch litten. Doch jetzt war nicht die Zeit sentimental zu werden, er würde dem Wookiee helfen können, wenn er seine Mission durchführte.

Dann hob er kaum merklich die Hand. Die vier Rudel lösten sich voneinander wie Tropfen, die auseinanderlaufen. Zwei bewegten sich entlang des Stegs Richtung Sendemast. Ein weiteres verschwand zwischen gestapelten Kisten. Ein viertes glitt am Rand des Docks entlang, als suche es nur einen geeigneten Platz für die Fracht. Die Sendestation ragte über allem auf. Ein schlanker Relaismast mit Antennenkranz, die sich im schwachen Licht matt abzeichneten. Am Fuß ein kleiner, gepanzerter Bunkerbau mit versiegelter Tür, Notstromaggregat an der Rückseite, Kabelstränge wie Adern, die sich in den Boden zogen. Selbst im Halbdunkel wirkte sie arrogant. Ein Finger, der sich in den Himmel reckte.


„Drei Minuten bis Positionsübernahme“, flüsterte Damos über den Kurzkanal.

Ozzy spürte, wie sich die Spannung in seinem Körper sammelte. Nicht als Nervosität. Als Fokussierung. Als dieses enge, klare Gefühl, das nur vor einem sauberen Schlag eintrat. Heute Nacht würden Ketten fallen.


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