Kashyyyk, Trandosha (Kashyyyk-System)

Wenige Minuten vor Beginn der Schlacht

| Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Kachirho | Sektor Varro | Fabrikhalle | Lieutenant Tarkus & andere Imperiale sowie Wookiee-Arbeiter |

Der dritte Zug hatte seine Positionen in der Fabrikhalle bezogen. Die Sturmtruppler waren an Zugängen, Wartungsstegen und Verbindungstreppen postiert. Ihre Abstände waren aus eingedrilltem Selbstverständnis so gewählt, dass sie untereinander Sichtkontakt hielten und einander decken konnten, ohne den Arbeitsablauf der Wookiees zu beeinträchtigen. Schließlich waren sie hier, weil die Arbeitskräfte einen wichtigen Beitrag zur imperialen Wirtschaft leisteten und dies auch weiterhin gewährleistet werden sollte. Tarkus konnte dabei nur spekulieren, warum man einen Zug Sturmtruppen dazu einsetzte, Fabrikarbeiter zu überwachen. Doch warum sollte er die Befehle seiner Vorgesetzen infragestellen? Es hatte hier augenscheinlich Subordination gegeben. Vermutlich hatte man die berüchtigten Wookieetreiber gewählt, um ihnen Beine zu machen. Die Sicherung des Betriebes bedeutete also nicht, ihn zu stören, sondern dafür zu sorgen, dass er wie geplant weiterlief.

Der Lieutenant hatte sich mit dem Zugführungsteam im Büro des Fabrikleiters eingerichtet. Es lag oberhalb der zentralen Halle und bot durch eine breite Sichtscheibe einen guten Blick auf den Produktionsbereich. Die Luft war hier angenehm temperiert - nicht, dass die Sturmtruppler davon etwas merkten. Auf mehreren Monitoren waren Produktionsdaten und Schichtpläne zu sehen. Zudem gab es eine angemessene Zahl von Überwachungsbildschirmen, die den Überblick, auch über die Peripherie der Anlage, verbesserten. Persönliche Gegenstände suchte man hier vergeblich. Der Fabrikleiters war ein mustergültiger imperialer Verwalter. Er hatte Tarkus über aufgefallene Verzögerungen im Betriebsablauf unterrichtet, von verpassten Quoten und weiteren Störungen, die schließlich darin gemündet hatten, dass Arbeitskräfte türmen gegangen waren. Tarkus hörte ihm zu, ohne nachzufragen. Es gab keinen Anlass, an der Darstellung zu zweifeln und Zweifel ohne Grundlage waren aus seiner Sicht nichts weiter als gedanklicher Ballast. Nun waren sie ja hier. Es würde keine weiteren Probleme geben.

Die Stunden vergingen, während der Lieutenant immer wieder an die Sichtscheibe trat und hinab in die Halle blickte, wo die schwerfälligen, aber kraftvollen Wookies in gleichmäßigen Bewegungen arbeiteten. Was sie herstellten, wusste Tarkus nicht. Es handelte sich um irgendwelche elektronischen Teile, die wichtig für das Imperium waren. Mehr brauchte er nicht wissen. Im fiel auf, dass manche der Wookiees Ketten trugen, die sie an ihre Arbeitsplätze band. Schockhalsbänder waren hingegen allgegenwärtig. Auf Nachfrage erklärte der Fabrikleiter ihm, dass jene Pelzträger, die bekannt für Scherereien seien, vorsorglich an die Ketten gelegt wurden. Tarkus nickte unter seinem schneeweißen Helm. Das war eine gute Maßnahme. Von hier oben wirkte während dieser Stunden alles geordnet, beinahe träge. Doch er kannte die Wookiees inzwischen gut genug, um zu wissen, dass diese Perspektive trügen konnte. Kontrolle war wichtig.

Ein leises Klicken I'm Helm kündigte in diesem Moment einen eingehenden Funkspruch an. Tarkus aktivierte den Kanal, ohne den Blick von der Halle zu lösen. Der Fabrikleiter warf ihm einen kurzen Blick zu, schwieg aber.


"- hier Garnisonszentrale an alle Sicherungseinheiten in den inneren Sektoren. In den unteren Plattformbereichen wurden weitere Markierungen entdeckt. Die Übersetzer haben sie als Wookiee-Parolen identifiziert. Der Inhalt ist potentiell aufrührerisch. Die Kontrollen werden verschärft. Alle Einheiten bereithalten für weitere Befehle."

Tarkus ließ den Blick weiter über die Halle schweifen. Von hier aus war nichts ungewöhnliches zu erkennen. Und das sollte unter seiner Aufsicht auch so bleiben. Er wandte sich dem Fabrikleiter zu.

"Die Lage außerhalb scheint unruhiger zu werden", sagte er. Der Tonfall war weder warnend, noch beschwichtigend. Reine Feststellung. "Hier drin sollte alles so bleiben, wie es ist."

Der Mann nickte sofort. "Die Aufseher sind angewiesen, Gespräche unter den Arbeitern zu unterbinden."
Tarkus verkniff sich ein Schnaufen. Die sogenannte 'Sprache' der Wookiees war als solche kaum zu erkennen. Was die imperialen Aufseher als leises Stöhnen oder die Wanzenschleuderversion eines Räusperns interpretieren mochten, konnten in Wahrheit komplexe Gespräche sein.

"Gespräche lassen sich nicht vollständig unterbinden", entgegnete Tarkus ruhig. "Bewegungen schon."
Er schwieg einen Moment, während er seine nächsten worte mit der gleichen Sorgfalt wählte, mit der er Befehle formulierte. Auch, wenn das hier keiner war:

"Ich empfehle", sagte er schließlich, "die aktuellen Schichten ohne Welchsel fortzufahren. Keine neuen Arbeiter von außen, solange die Situation dort nicht klar ist. Keine Durchmischung."

Der Fabrikleiter runzelte leicht die Stirn. "Das würde eine Doppelschicht bedeuten. 48 Stunden durchgehende Arbeit."
Tarkus nickte, diesmal deutlicher, sodass es sich auf den Helm übertrug.

"Diejenigen, die hier sind, bleiben. Und diejenigen draußen bleiben draußen. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme."

Der Mann überlegte. Tarkus ließ ihm Zeit. Ihm war die Symptomatik imperialer Verwaltungsangestellter mit dem Minimum an Macht bekannt. Deshalb empfahl der Sturmtruppler. Gegen eine klare Anweisung würde man sich wehren. Zumal der Fabrikleiter am Ende immernoch die Produktionsfähigkeit der Fabrik im Blick haben musste. Das konnte er - unter allen gegebenen Umständen - einfach besser einschätzen, als ein Sturmtruppen-Offzier.

"Ich werde es umsetzen", sagte der Fabrikleiter schließlich. "Zumindest vorübergehend."

Damit war die Angelegenheit für Tarkus erledigt. Die Lage von Außerhalb würde den Betrieb nicht beeinflussen, solange verhindert wurde, dass man sie hereinträgt.

Weitere Stunden vergingen im Anschluss. Immer wieder berichteten Funksprüche von kleineren Zwischenfällen, von Arbeiterkolonnen, die sich weigerten, Anweisungen zu befolgen, von Patrouillen, die aus dem Schatten höherer Ebenen beworfen wurden. Doch die Fabrik war gesichert. Die Fabrik blieb ruhig. Tarkus hörte den Funksprüchen zu, registrierte sie und ordnete sie ein, ohne einzugreifen, solange sein Bereich reibungslos funktionierte. Das imperiale Kommando würde diesen kleinen Störungen der Ordnung in Kürze ein Riegel vorsetzen, dessen war er sich sicher.

Doch gegen Ende der Schicht veränderte sich der Ton im Funkverkehr. Zunächst kaum merklich. Es gab kurze Pausen, dann Wiederholungen. Die Stimmen wurden gefühlt hektischer, die Einsatzplanung zerfahrener. Es gab Nachfragen zu Befehlen, deren Ablauf eigentlich selbstverständlich sein sollte. Tarkus schenkte dem Ganzen zunächst keine sichtbare Aufmerksamkeit, doch das alles kommulierte sich irgendwann derart, dass er entschloss, seinen Helm abzusetzen und sich an ein Terminal im Büro begab, von dem aus er sich erhoffte, der zerfahrenen Kommunikation besser folgen zu können. Doch statt einer stabilen Verbindung war da nur noch Rauschen. Mit ausdruckslosem Gesicht betätigte er einen Schalter, in dem Glauben, den falschen Kanal ausgewählt zu haben. Weiterhin nichts. Sein Blick fiel auf den Helm, dann auf seinen Funker, der in genau diesem Moment aufsah und mit dem Kopf schüttelte.

"Verbindung zur Garnision abgebrochen, Sir. Ich höre nur noch Rauschen und abgehackte Stimmen."

Tarkus erhob sich wieder, nahm seinen Helm und setzte ihn auf. Er stand reglos im Büro des Fabrikleiters und lauschte in das leere Rauschen des Kanals hinein, während unter ihm die Wookiees weiterarbeiteten. Ein unheimliches Gefühl stellte sich in ihm ein. Das Gefühl, dass sich etwas zusammenzog und sie eher früher als später erfahren würden, was sich in die perfekte Ordnung des Imperiums einmischte.

| Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Kachirho | Sektor Varro | Fabrikhalle | Lieutenant Tarkus & andere Imperiale sowie Wookiee-Arbeiter |
 
Zurück
Oben