Prefsbelt IV

[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s


Im Gouverneurspalast von Blue One war das große Informations- und Lagezentrum seit Stunden ununterbrochen in Betrieb. Der ehemalige Besprechungssaal, dessen hohe Decken und hellen Steinflächen ursprünglich für kleine Empfänge und diplomatische Veranstaltungen gedacht gewesen waren, hatte sich inzwischen vollständig in ein operatives Zentrum verwandelt. Wo debattiert, gesprochen und diskutiert worden waren, standen nun Projektoren, Kommunikationsstationen und taktische Konsolen. In der Mitte des Raumes schwebte über dem langen Holotisch die Darstellung von Red One und den umliegenden Minenstädten, ein dreidimensionales Relief aus Steppe, Fels und Staub, durchzogen von den leuchtenden Kennungen imperialer Einheiten.

Techniker arbeiteten konzentriert entlang der Wandstationen, Verbindungsoffiziere wechselten sich an den Kanälen ab, während ständig neue Daten aus dem vorgeschobenen Hauptquartier von Veran Koss oder aus dem Orbit von Captain Skywalkers Verband einliefen. Jeder im Raum wusste, dass die entscheidende Phase der Operation begonnen hatte, und dennoch lag über allem eine kontrollierte Ruhe, die weniger aus Gelassenheit als aus Disziplin entstand.

Theranos Zesh stand am Rand des Projektionstisches und verfolgte die Lageentwicklung seit geraumer Zeit ohne sich zu setzen. Seine Hände waren hinter dem Rücken verschränkt, der Blick ruhig und wachsam auf die holografische Darstellung gerichtet, während sich die Linien der Westgruppe langsam durch die zerstörten Straßenzüge der Minenstadt bewegten.

Der Orbitalbeschuss hatte das Kräfteverhältnis dort innerhalb weniger Minuten verändert. Was zuvor eine befestigte Verteidigungsstellung gewesen war, lag nun offen und aufgerissen vor den vorrückenden Einheiten. Dennoch beobachtete Theranos die Bewegungen aufmerksam, denn aus Erfahrung wusste er, dass der gefährlichste Moment oft erst nach dem Durchbruch kam. Ein Gegner, der sich zurückzog, konnte noch immer Fallen hinterlassen, besonders einer wie Robert Kern, der seine Positionen offensichtlich mit Geduld vorbereitet hatte.

Ein Verbindungsoffizier trat neben den Tisch.


„Neue Meldung aus der Weststadt, Exzellenz. Legat Koss bestätigt das Eindringen in das Stadtzentrum. Der Widerstand ist nur noch vereinzelt.“


Theranos nickte leicht, ohne den Blick von der Projektion zu lösen.

„Zivilisten?“
fragte Theranos.

“Vereinzelte Personen wurden gefunden und werden gerade aus dem Gebiet herausgebracht.“
Die entsprechenden Kennungen erschienen kurz darauf auf der Anzeige. Mehrere Transporter bewegten sich langsam aus der Stadt hinaus, eskortiert von Einheiten der Blauen Legion. Theranos betrachtete die Bewegung für einen Moment. Es waren nicht viele Menschen gewesen, die dort noch geblieben waren. Die meisten hatten das Gebiet offenbar schon zuvor verlassen oder waren geflohen, als sich die Operation abgezeichnet hatte.

Ein zweiter Offizier meldete sich.

„Im Verwaltungsbereich der Stadt wurde ein provisorisches Führungszentrum entdeckt. Mehrere Karten, Datenspeicher und Kommunikationsgeräte konnten gesichert werden.“

Theranos Augen verengt sich ein wenig.
„Konnten wir sinnvolle Informationen aus den Daten entnehmen?.“

Der Offizier nickte und kurz darauf wurden die ersten Bilder eingespielt. Auf den Karten waren Verteidigungslinien rund um die Stadt eingezeichnet, mehrere davon lagen außerhalb der Bereiche, die man bislang gesehen hatte. Beim Näherrücken der imperialen Einheiten hatten Sensoren zudem verborgene Minenfelder und vorbereitete Sprengstellungen registriert, die offenbar Teil einer tiefer gestaffelten Verteidigung gewesen waren.

Theranos betrachtete die Daten schweigend.

Der Orbitalbeschuss hatte nicht nur die sichtbaren Stellungen zerstört, sondern auch einen großen Teil dieser vorbereiteten Zonen, bevor sie überhaupt aktiviert werden konnten. Ohne diese Entscheidung hätte der Angriff vermutlich deutlich länger gedauert und deutlich mehr Verluste gefordert.


„Er hat deutlich mehr vorbereitet, als wir gesehen haben“, sagte Theranos schließlich ruhig.
Theranos erinnerte sich an die Berichte über Kern, an die Beschreibung eines Mannes, der selten nur eine Linie plante, sondern meist mehrere Ebenen gleichzeitig vorbereitete.

Ein weiterer Bericht eines Offiziers folgte.

„Unterhalb des Verwaltungsgebäudes wurde ein Tunnelzugang entdeckt. Stabil ausgebaut. Die Richtung führt direkt nach Red One.“

Für einen Moment blieb Theranos still stehen und betrachtete die Linie, die auf der Projektion vom westlichen Stadtrand aus in Richtung der Hauptstadt des Distrikts führte. Die Entfernung war nicht groß. Der Tunnel konnte als Fluchtweg gedacht gewesen sein, vielleicht aber auch als Verbindung für Nachschub oder schnelle Truppenbewegungen.

Der Gouverneur dachte kurz darüber nach, wie Kern diese Phase vermutlich geplant hatte. Die Verteidigung der Minenstadt hätte den imperialen Angriff verlangsamen sollen, während gleichzeitig vorbereitete Minenfelder und Untergrundstellungen aktiviert worden wären, sobald die Angreifer tiefer in das Gebiet vorgedrungen wären.

Der Orbitalbeschuss hatte diesen Plan abrupt beendet.

Da kam eine erneute Meldung aus dem Norden.


„Die Einheiten im Canyon berichten, dass der Widerstand dort plötzlich abgebrochen ist. Feindliche Kräfte ziehen sich fluchtartig nach Süden zurück und unsere Truppen folgen ihnen langsam und werden nach dem Canyon Stellung beziehen.“

Die Projektion wechselte kurz, und die Bewegung der Nordgruppe wurde auf dem Holo sichtbar. Die Fahrzeuge bewegten sich in vorsichtigen Abständen durch die schmale Schlucht, Späher gingen voraus, während der Rest der Kolonne diszipliniert folgte. Während etwas entfernt ein wilder Haufen von Fahrzeugen und Personen gerade aus dem Canyon kam und sich in Richtung Red One bewegte.

Theranos betrachtete die Anzeige aufmerksam.

Die Nachricht überraschte ihn nicht. Der Beschuss im Westen hatte nicht nur die Verteidigung zerstört, sondern auch eine klare Botschaft gesendet. Jeder, der sich noch im Canyon befand, wusste inzwischen, dass die imperiale Flotte bereit war, schwere Waffen einzusetzen.


„Die Nordgruppe soll ihr Tempo halten“, sagte Theranos ruhig. „Keine Hast. Der Canyon wird vollständig gesichert.“

Der Verbindungsoffizier bestätigte.

Für einige Sekunden blieb es still im Raum, während die Projektion nun die gesamte Region zeigte. Die Linien der imperialen Einheiten bewegten sich von drei Seiten auf Red One zu. Die Weststadt war praktisch gesichert, die Nordgruppe näherte sich dem Ausgang des Canyons, und die Einheiten im Südosten sammelten sich neu.

Da kam Theranos eine Idee.


“Geben Sie mir nochmals Captain Thade",
sagte Theranos und nach ein paar Augenblicken stand erneut die Leitung zur Huntress.

“Grüße Captain, eine hervorragende Darbietung Imperialer Stärke." sagte der Gouverneur und nickte positiv.
“Wie dem auch sei, im Norden ziehen sich Truppen des Feindes in Richtung Red One zurück, obwohl sie mehrmals aufgefordert wurden sich zu ergeben. Ich hoffe, sie können dafür sorgen, dass diese Truppe Red One nicht erreicht, um sich nachher gegen uns zu. Womöglich könnte ein präziser Luftschlag da Abhilfe schaffen,...ich zähle auf Sie Captain.” und nach ein paar Sekunden endete die Übertragung.

Theranos trat einen Schritt vom Tisch zurück und blickte kurz durch die hohen Fenster des Lagezentrums hinaus über Blue One. Die Hauptstadt lag ruhig unter dem späten Nachmittagshimmel, im Horizont spiegelte das Meer das letzte Licht, und von hier aus war nichts von den Kämpfen zu sehen, die sich weit entfernt in der staubigen Steppe abspielten.

Er wusste jedoch, dass sich der entscheidende Teil der Operation nun schnell nähern würde.

Als er sich wieder der Projektion zuwandte, lagen seine Gedanken bereits beim nächsten Schritt. Wenn Koss die Weststadt als neuen Gefechtsstand nutzte, die Nordgruppe den Canyon vollständig kontrollierte und die Bergkette im Süden von Truppen und der Artillerie besetzt wurde, dann würde Red One bald von drei Seiten unter Druck geraten.

Er legte eine Hand ruhig auf den Rand des Projektionstisches.
Red One lag nun deutlich sichtbar im Zentrum der Projektion.


„Kern hat nicht mehr viel Raum“,
sagte Theranos leise.

Und wenn alles so weiterlief wie bisher, würde dieser Raum bald vollständig verschwinden.



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Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel


Die Patrouillen über Red One hatten sich für Reyan inzwischen zu einer ziemlich zähen Angelegenheit entwickelt. Seit über einem Tag zog die Betastaffel ihre Bahnen über der Wüstenregion, während unter ihnen die imperialen Bodentruppen langsam in die Städte vorrückten und sich dabei gelegentlich mit Rebellenverbänden herumschlugen. Für die Piloten bedeutete das jedoch meist wenig mehr, als den Kurs zu halten, Sensoranzeigen zu beobachten und darauf zu warten, dass irgendwo etwas geschah, das ihre Anwesenheit tatsächlich rechtfertigte.

Reyan hatte nichts gegen Geduld, aber irgendwann begann selbst seine gute Laune unter der Monotonie zu leiden. Mehrere Stunden Patrouille, danach ein paar Stunden Ruhephase, dann wieder von vorne – das Ganze so lange, bis selbst der spannendste Ausblick auf Red One seinen Reiz verlor.

Als schließlich erste Meldungen über Gefechte im Westen Red Ones eintrafen, hatte er für einen Moment gehofft, dass ihre Staffel ebenfalls eingreifen würde. Doch kam leider kein Befehl, keine Anordnung…..nichts. Die Bodentruppen schienen das Problem dort ohnehin recht schnell zu lösen, und so blieb der Betastaffel nichts anderes übrig, als weiterhin ihre Kreise zu ziehen.

Reyan hatte sich gerade dabei ertappt, gedanklich auszurechnen, wie viele Minuten noch bis zum Ende dieser Patrouille fehlten, als unter ihnen plötzlich mehrere Explosionen aufleuchteten.


Dann explodierte praktisch die ganze Stadt die sie gerade überflogen.

Mehrere gewaltige Sprengladungen detonierten beinahe gleichzeitig und schleuderten eine riesige Wolke aus Staub, Betonfragmenten und metallischen Trümmern in den Himmel. Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich die scheinbar ruhige Luft über der Südlichen Stadt in ein chaotisches Durcheinander aus Rauch, Feuer und auseinanderbrechenden Gebäuden.

Die Warnanzeigen seines TIE/ba reagierten sofort.

Schrapnell prallte gegen die Deflektorschilde und ließ den Jäger spürbar erzittern, während Reyan instinktiv am Steuerknüppel zog und den Jäger in einen steilen Steigflug brachte.


„Na endlich“,
murmelte er in seinen Helm, während er den Schub erhöhte.

Über Funk hörte er Kals Stimme, wie er allen Befahl hochzuziehen


„Beta 9 verstanden“, antwortete Reyan knapp, obwohl er bereits schon im Steigflug war. Nach Vex Meinung war jeder, der diesen Befehl wirklich gebraucht hatte und nicht selbst instinktiv nach oben geflogen war, sowie kein guter Pilot. Denn auch für solche Momente, hatte sie sehr oft trainiert.

Doch noch während er den Steigflug fortsetzte, donnerte es unter ihm und der ganze Hang oberhalb der Stadt geriet ins Rutschen und stürzte in einer gewaltigen Lawine aus Fels, Schutt und Gebäudetrümmern ins Tal. Gleichzeitig breitete sich eine Staubwolke immer weiter aus, die innerhalb weniger Augenblicke den gesamten Luftraum nun komplett verschluckte.

Die Sicht vor der Cockpitkanzel sank auf praktisch nichts.

Reyan konzentrierte sich auf seine Instrumente und hielt den Steuerknüppel fest, während der TIE/ba durch die Turbulenzen der aufsteigenden Staubwolke geschüttelt wurde.


„Okay… das ist dann doch etwas mehr Action als geplant“,
murmelte er trocken.

Als er über der Staubdecke ankam und feststellte, dass sein Jäger etwas mitgenommen war, konnte er nicht weit weg von sich Kal entdecken und begab sich zu ihm.

Die Betastaffel hatte sich gerade erst wieder halbwegs gesammelt, als mehrere grüne Energiestrahlen durch den Himmel über Red One rissen

Reyan zog unwillkürlich leicht am Steuerknüppel, um den Jäger stabil zu halten, während die Turbolasersalven durch die gewaltige Staubwolke schnitten, die noch immer über der zerstörten Stadt hing. Wo die Strahlen auf den aufgewirbelten Staub trafen, rissen sie förmlich Schneisen in das graue Gewölk, bevor sie mit brutaler Energie auf der Oberfläche in der Umgebung der westlichen Stadt einschlugen und dort Explosionen entfachten.

Für einen kurzen Moment verfolgte Reyan das Schauspiel, während er seinen TIE/ba wieder in Formation hinter Kals Position brachte.

Reyan ließ den Blick kurz über seine Anzeigen wandern, überprüfte automatisch noch einmal Schildwerte und Sensorstatus, bevor er den Funk öffnete.

"Wenn das da oben nicht ursprünglich Teil unseres Plans war, dann hat irgendjemand gerade sehr schwere Gegenargumente in die Diskussion eingebracht.“

Reyan blieb dicht hinter Kal und hielt den Luftraum im Blick. Denn eines war inzwischen ziemlich klar geworden, dieser Einsatz würde heute doch noch interessanter werden.


Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel
 
Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Das Orbitalbombardement hatte den gewünschten Zweck erzielt. Thade war überaus zufrieden mit der Leistung seiner Eingreifgruppe. Sicher, in der Auswertung der Kampfdaten nach der Schlacht würde es einiges zu diskutieren geben, aber insgesamt konnte diese Phase des Gefechts vorläufig als voller Erfolg betrachtet werden. Die vorgeschobenen Stellungen des Feindes waren vollständig vernichtet worden und die Truppen Robert Kerns befanden sich im ungeordneten Rückzug. Ein gewisser Teil des Feindes schien außerdem zu desertieren, was Bände über die Moral der Söldner des entlassenen Gouverneurs sprach. Dennoch. Als nächstes stand die Erstürmung Red Ones an und Stadtgefechte wie dieses waren keine einfache Angelegenheit. Unzähliges konnte hier schief gehen und die Bodentruppen, die ihnen zur Verfügung standen, waren alles andere als erfahren im Stadtkampf. Sie würden Red One also nicht im Sturm nehmen.

Lieutenant Farmel unterbrach die Gedanken des Chiss. „Kommandant, Gouverneur Zesh wünscht erneut mit Ihnen zu sprechen.“ Ohne Umschweife setzte Thade sein Headset wieder auf, um das Gespräch anzunehmen. „Danke, Lieutenant. Legen Sie den Gouverneur auf meine Ohren.“ Kurz darauf erschien Theranos Zeshs Antlitz über dem Holotisch. >>Ich grüße Sie Gouverneur, was kann ich für Sie tun?<< Die Stimme des Chiss war ruhig und kontrolliert. Nichts vom dem Druck, der auf ihm lastete war zu hören. Genauso wenig ließ Thade seine Irritation darüber durchblicken, dass sich Theranos Zesh nach so kurzer Zeit schon wieder in die operative Leitung der Operation Small Hunt einmischte, obwohl er höchst selbst Thade eigentlich das Oberkommando übertragen hatte.

>>Vielen Dank Herr Gouverneur, ich werde Ihr Lob an die Geschützmannschaften weiterleiten. - Ja, die Bewegungen des Feindes sind uns nicht entgangen. Machen Sie sich keine Sorgen, die Truppen im Norden werden die Stadt nicht erreichen.<< Tatsächlich war der einzige Grund, dass Thade den Befehl zum Angriff noch nicht gegeben hatte, dass er nun stattdessen mit Theranos Zesh reden musste. Naturgemäß erwähnte Thade das mit keiner Silbe. >>Der Angriff auf die Stadt wird wie plant stattfinden. Wir werden methodisch vorgehen und den Feind ermüden, bevor Ihre Blaue Legion in Begleitung Ihrer Propagandateams die Stadt einnehmen wird. Robert Kern wird uns nicht entkommen.<< Damit schien der Gouverneur dann auch zufrieden zu sein. Kurz darauf war das Gespräch beendet und Thade konnte sich wieder der Operationsleitung zuwenden.

„Flugleitstation, die Zetastaffel des 152. Geschwaders soll den fliehenden Feind im Norden davon abhalten, die Stadt Red One zu erreichen. Die Gammastaffel soll sie begleiten.“ Die beiden Staffeln befanden sich in der Wolkendecke über dem Operationsgebiet und würden in kürzester Zeit zuschlagen können. Betastaffel befand sich zwar schon dort, aber jetzt wo Teile des Feindes zu desertieren begonnen hatten, wollte Thade kein Risiko eingehen. „Betastaffel soll sich zusammen mit den Jägern der planetaren Kräfte auf die fliehenden Raumschiffe konzentrieren. Niemand soll entkommen. Sollte jemand durch das Netz schlüpfen, soll sich Alphastaffel darum kümmern...und sollte Colonel Rorsam nicht alles abdecken können, haben Sie Freigabe unsere Kanonenboote auf die Jagd zu schicken.“ Dieses dreistufige Netz sollte mehr als genügen, um jedes fliehende Schiff abzufangen. Sie hatten es hier immerhin nicht mit Elitetruppen zu tun.

Major Ellnath, setzen Sie sich mit dem Trägerschiff in Verbindung. Die Stunde für unsere Orbitallandung ist gekommen. Ich will unsere Truppen im Norden der Stadt Red One sehen. Bringen Sie das gesamte Bataillon runter.“ Der Kommandant von Thades Bodentruppen setzte an, zu protestieren, was der Chiss mit einer Geste unterband. „Ich weiß, dass sich an diesen Koordinaten noch feindliche Einheiten befinden, doch das werden unsere Bomber geändert haben, bis die Landefähren aufsetzen.“ Major Ellnath schien immer noch nicht glücklich mit der Situation zu sein, doch er machte sich nun daran, Thades Befehle umzusetzen und mehr verlangte der Chiss auch gar nicht. Er war nicht darauf angewiesen, seine Untergebenen glücklich zu machen. Sie mussten lediglich seiner Führung folgen.

„Kommunikation, stellen Sie eine Verbindung zu Legat Koss her.“ Es war Zeit, die Einnahme der Stadt Red One anzugehen, doch nach dem Rückschlag im Südosten des Sektors würden sie ihr Vorgehen anpassen müssen. >>Ah, Legat Koss. Gute Arbeit soweit. Ich möchte, dass Sie mit der Hauptstreitmacht nun einen Belagerungsring um die Stadt Red One bilden. Befrieden Sie die Vororte im Osten, Süden und Westen. Den Norden übernimmt die Verstärkung aus dem Orbit. - Rücken Sie aber nicht auf die Stadt selbst vor. Wir werden den Feind zunächst ermüden.<< Der Legat war erheblich besser als Major Ellnath darin, seine Gefühle zu den Befehlen im Zaum zu halten. Das schätzte der Chiss sehr an Veran Koss. >>Und halten Sie die Blaue Legion zurück. Ich will sie für die letzte Phase ausgeruht wissen. Wir werden mit der Legion die Stadt stürmen und dabei die Propagandabilder für den Gouverneur erzeugen, die wir im Südosten nicht machen konnten. Sobald der Feind ermüdet ist.<<

Noch während Thade und Veran Koss die Details des Belagerungsrings rund um Red One besprachen, kam die Meldung herein, dass der Luftschlag gegen die fliehenden Truppen im Norden der Stadt erfolgreich verlaufen war und die Bomber nun zum Aufmunitionieren zurück zu ihrem Trägerschiff im Orbit kehrten. Es folgten Stunden enger Absprachen zwischen den beiden Kommandanten. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Jede Einheit wurde genau positioniert, jeder Artillerie- und Luftschlag im Stadtgebiet lange erwogen. Sie mussten die Stadt halbwegs intakt erobern, um die wirtschaftliche Entwicklung von Prefsbelt IV nicht zu beeinträchtigen. Das machte ihre Arbeit zwar alles andere als leicht, doch die Zeit war auf ihrer Seite und Thade war ein geduldiger Mann.

Nachdem der Belagerungsring geschlossen war und auf dem Landweg ein entkommen so ausgeschlossen wurde, stiegen vereinzelt Raumschiffe aus der Stadt auf, um eine Flucht zu wagen. Es war unmöglich zu sagen, ob in einem der Schiffe sich
Robert Kern versteckt hielt, also konnten Sie es sich einfach nicht leisten, auch nur eines der Schiffe entkommen zu lassen. Also machten ihre Luftstreitkräfte erbarmungslos Jagd auf alles, was sich in die Luft begab. Die imperialen Kampfpiloten ließen niemanden auch nur die Stratosphäre von Prefsbelt IV hinter sich lassen. Unterdessen hielten die Bodentruppen den Druck auf die Stadt Red One aufrecht. Immer wieder wurden kurze Vorstöße in die Außenbezirke unternommen und es vergingen keine 10 Minuten, in denen nicht irgendwo in der Stadt Artilleriefeuer niederging.

Robert Kerns Söldner würden die ganze Nacht über nicht zur Ruhe kommen, während Veran Koss die Fronttruppen am Boden ständig durch frische Soldaten ersetzen konnte. Der Legat und Thade schafften es sogar, sich abwechselnd für ein paar Stunden zur Ruhe zu begeben, während Robert Kern und seine Leute kein Auge zumachen konnte. Eine Stunde vor Sonnenaufgang über der Stadt Red One entschied der Chiss dann, dass es endlich Zeit für die letzte Phase der Operation war. Jede Luftabwehrbatterie des Feindes war mit präzisen Artillerieschlägen zerstört worden, genauso wie jedes Bodenfahrzeug mit einem Angriff aus der Luft vernichtet worden waren. Die feindlichen Stellungen an der Stadtgrenze hatten sich die ganze Nacht über andauernden Gefechten ausgesetzt gewesen und damit war der feind ausgelaugt und so schwach er nur sein konnte. Ausgiebige Luftaufklärung und auch Sensorüberwachung aus dem Orbit hatte ein klares Bild der Aufenthaltsorte der feindlichen Truppen und etwaiger Geiseln gezeichnet. Die Truppen am Boden waren so bereit sie nur sein konnten. Den Feind konnten sie nur noch weiter schwächen, indem sie die Stadt mit flächendeckenden Bombardements dem Erdboden gleichmachten, was weder Thade noch Veran Koss und am wenigsten Theranos Zesh wollten. Also leitete ein kurzer, pointierter Funkspruch den Sturm auf die Stadt ein. >>Legat Koss, es ist soweit. Der anstehende Sonnenaufgang wir den Propagandateams die passende Szenerie bieten. Setzen Sie die Blaue Legion in Bewegung.<<

Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Huntress: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
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Das Orbitalbombardement bot von hier oben ein wahrlich beeindruckendes Schauspiel. Die grünen Turbolaserstrahlen brachten eine trügerische Schönheit mit sich, die nicht darüber hinwegtäuschen konnte, wieviel Tod und Vernichtung sie auf der Planetenoberfläche anrichteten. Die Zerstörungskraft war ohnegleichen und selbst hier oben, mehrere Kilometer über den Einschlagpunkten war sehr gut erkennbar, wie absolut die Macht war, die das Imperium auf die Rebellen niedergehen ließ. Es war ein wahrlich glorreicher Anblick für den Kuati, der keinerlei Mitgefühl mit den Opfern am Boden empfinden konnte. Wenn es nach Kal ging, verdienten diese Verräter am Imperium genau dieses Schicksal. Sie hatten es immerhin selbst gewählt.

Keine 10 Minuten nachdem das letzte Bombardement geendet hatte änderte sich die Lage am Boden drastisch. Vereinzelt kam der Gegnern aus seinen Löchern gekrochen und versuchte zu fliehen. Nach allem was
Kal auf seinen Sensorschirmen erkennen konnte, war die Aktion alles andere als koordiniert. Kurz darauf reagierten die imperialen Streitkräfte. Gamma- und Zetastaffeln sanken auf den Sektor nieder, um fliehende Bodentruppen mit einem Bombardement zu vernichten, während die Betastaffel den Befehl erhielt, zusammen mit dem Luft-/Raumelement der Planetenverteidigungsstreitkräfte die fliehenden Raumschiffe abzuschießen. Wohlgemerkt abzuschießen. Es würde keine Warnschüsse geben und keine Aufforderung zur Kapitulation. Der Gedanke zauberte ein kaltes Lächeln auf Kals Gesicht.

Nachdem der Befehl ausgesprochen war, wandte sich der Kuati an seine beiden Flügelmänner.
>>Perlim, Vex: Ihr habt es gehört. Alles was sich über dem Sektor Red One bewegt und keinen Transponder des imperialen Militärs sendet, ist zur Jagd freigegeben. Sollte unsere Formation nach dem heutigen Tag nicht die meisten Abschüsse der Staffel aufweisen, lasse ich euch alle Jäger der Staffel abschrubben. Lockere Formation. Sucht euch eure Ziele selbst aus, aber bleibt in meiner Nähe. Los geht’s!<< Kaum hatte Kal diese Worte ausgesprochen, ging er schon in den Sturzflug über, um die nächst gelegenen Ziele anzufliegen. Mit einem Daumenschnippen schaltete der Kuati seine Zielerfassung auf die Raketenwerfer um. Fast unmittelbar ertönte ein unbeständiger Signalton, während der Zielcomputer versuchte, eine klare Zielerfassung herzustellen.

Kal wäre es lieber gewesen, gegen Republikaner anzufliegen. Aber als Offizier ihrer Majestät konnte er nicht wählerisch sein. Rebellen niederzuschlagen war keine glorreiche Arbeit, doch irgendwer musste sie tun. Und der Kuati würde seine Pflicht erfüllen. Ohne zu zögern, feuerte er das erste Geschoss ab, sobald der Zielcomputer die Zielerfassung bestätigte und schaltete dann auf die Laserkanonen um, um ein anderes Ziel unter Feuer zu nehmen. Innerhalb weniger Sekunden zerstörte Kal so zwei feindliche CloakShape Sternenjäger, während Perlim und Vex ihre eigenen Ziele unter Feuer nahmen und zerstörten. Seiner Jägereskorte so beraubt versuchte der feindliche Transporter mit Gewalt durchzubrechen, aber Kal dachte gar nicht daran, das zuzulassen. Zwei Raketen genügten, um den Deflektor des Transporters zu überlassen und seinen Antrieb zu beschädigen. Zerstört war er nicht. Doch er zog eine Rauchfahne hinter sich her und ging in den Sinkflug über, offenbar nicht mehr in der Lage, die Gravitation des Planeten zu überwinden. Flight-Lieutenant Perlim feuerte ihrerseits ebenfalls auf den Transporter, der daraufhin unkontrolliert gen Planetenoberfläche zu trudeln begann.

Tod waren Besatzung und Passagiere vermutlich nicht. Aber
Kal glaubte auch nicht, dass sie den Aufprall überleben würden, also suchte er sich die nächsten Ziele aus. >>Perlim, Vex, gute Arbeit, aber der Kampf hat gerade erst begonnen. Formiert euch bei mir, wir nehmen als nächstes die Ziele in Sektor Osk-4 vor.<< Trotz allem unerschütterlichen Pflichtgefühl hinterließ das Gefecht einen faden Beigeschmack als ein weiterer CloakShape unter Kals Laserfeuer verging. Es war mehr als klar, dass die Rebellen über minderwertiges Gerät und keine ordentliche Ausbildung verfügten. Sehr wahrscheinlich waren diese Leute nicht einmal überzeugt von Robert Kerns Sache. Warum gaben sie also nicht einfach auf? Nun, die Antwort auf diese Frage war offensichtlich. Auf Hochverrat stand die Todesstrafe. Vereinzelt würde sie vielleicht in lebenslange Zwangsarbeit umgewandelt werden, das galt aber höchstwahrscheinlich keinesfalls für die kämpfende Truppe der Rebellen. Da war es also kein Wunder, dass diese Leute ihr Glück in der Flucht versuchten...die geringe Chance, dass es klappen könnte, war Anreiz genug.

Kal schnalzte mit der Zunge als ein Kopfjäger unter seinem Laserfeuer explodierte. Mit einer eng geflogenen Kurve, die so sonst wohl nur ein TIE Defender leisten konnte, hängte er sich anschließend hinter ein Paar Y-Flügler, die dem Kuati in seinem schnelleren, wendigeren TIE/ba niemals würden entkommen können. Sofort begannen die beiden Museumsstücke von Raumjägern mit Ausweichmanövern. Es waren scheinbar die simplifizierten Modelle ohne Geschützturm, denn kein Abwehrfeuer ging von ihnen aus. Dafür brachen sie in unterschiedliche Richtungen aus und zwangen Kal so dazu, sich für einen der beiden zu entscheiden. Seine Entscheidung viel auf das Führungsschiff. So alt der Y-Flügler auch war, das Schiff war verdammt zäh, das Laserfeuer des Kuati richtete zunächst nicht viel an dessen Deflektorschild aus, also schaltete er kurzentschlossen wieder auf seine Werfer um und jagte dem Feind einen Torpedo ins Heck, sobald er eine gesicherte Zielerfassung hatte. Kals Ziel explodierte augenblicklich, der Torpedo hatte wohl seinen Reaktor getroffen. Unterdessen hatte sich Flight-Lieutenant Perlim den anderen Y-Flügler geschnappt und auch Vex war nicht untätig gewesen.

Doch nun kehrte erst einmal Ruhe für sie ein, das waren die letzten Ziele in unmittelbarer Umgebung gewesen. Kurze Zeit später erreichte
Kal ein Rückrufbefehl. Kurz überlegte er, ihm zu widersprechen. Allerdings war es ihm unmöglich zu sagen, wie lange die Schlacht noch gehen würde. Also war es nicht das schlechteste, zurück zum Trägerschiff zu fliegen, um aufzutanken und aufzumunitionieren. Außerdem käme den Piloten eine kleine Ruhepause nach so vielen Stunden im Cockpit gerade gelegen. >>Gute Arbeit Perlim und Vex. Aber das war es für's erste für uns. Formation hinter mir einnehmen, wir haben uns eine Pause redlich verdient.<< Der Aufstieg in den Orbit war trügerisch friedvoll. Unter ihnen im Red One Sektor ging das Sterben aber ohne Unterlass weiter.

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Im Lagezentrum des Gouverneurspalastes von Blue One war die Nacht bereits weit vorangeschritten, doch Müdigkeit spielte in diesem Raum keine Rolle mehr. Seit Beginn der Operation liefen Meldungen aus Red One nahezu ohne Unterbrechung ein, und der große Holotisch in der Mitte des Saales zeigte ein Bild, das sich im Laufe der letzten Stunden spürbar verändert hatte.

Die westliche Minenstadt, die zuvor den Schlüssel zur gesamten Region gebildet hatte, lag nun unter imperialer Kontrolle. Auf der Projektion waren die Linien der Einheiten von Veran Koss deutlich zu erkennen, wie sie sich durch die Straßen und Industriekomplexe der Stadt verteilten, während dahinter Transporter, medizinische Module und Versorgungseinheiten nachrückten.

Weiter nördlich arbeitete sich die Kolonne aus dem Canyon heraus, langsam, vorsichtig, so wie Koss es angeordnet hatte. Selbst auf der holografischen Darstellung wirkte die Schlucht wie ein dunkler Schnitt in der Landschaft, ein natürlicher Korridor aus Fels und Staub, der nun Stück für Stück unter Kontrolle gebracht wurde.


Und in der Mitte des gesamten Reliefs lag Red One.

Die Stadt wirkte aus der Distanz beinahe unscheinbar, eine Ansammlung niedriger Gebäude, halb in den Fels gebaut, halb in die offene Ebene hinausragend. Doch Theranos wusste, dass dieser Eindruck täuschte. Red One war kein gewöhnlicher Außenposten. Die Stadt war über Jahrzehnte gewachsen, hatte sich um die Erzadern der Region herum entwickelt und war zu einem der wichtigsten industriellen Zentren des Distrikts geworden.

Sie zu zerstören wäre einfach gewesen.
Sie einzunehmen, ohne sie zu ruinieren, war die eigentliche Herausforderung.

Theranos Zesh stand seit geraumer Zeit am Rand des Projektionstisches und verfolgte die Lageentwicklung mit der ruhigen Konzentration eines Mannes, der sich bewusst war, dass jede Bewegung auf dieser Projektion letztlich auf eine Entscheidung zurückging, die er selbst getroffen hatte.

Seine Hände lagen hinter dem Rücken verschränkt, während sein Blick immer wieder zwischen den verschiedenen Frontabschnitten wechselte. Die Weststadt war gesichert. Die Nordgruppe näherte sich dem Ausgang des Canyons. Die Einheiten im Südosten sammelten sich neu nach der Katastrophe, die dort stattgefunden hatte.

Der Verlauf der Operation war nicht ohne Opfer geblieben. Das war ihm bewusst.
Doch er wusste ebenso, dass ein Zögern in solchen Situationen oft nur zu noch größeren Verlusten führte.

Ein Verbindungsoffizier trat neben den Tisch.

„Neue Meldung Exzellenz. Unsere Offiziere an der Front bestätigt den erfolgreichen Luftschlag gegen die fliehenden Kräfte im Norden. Die meisten Gruppen wurden noch vor der Stadtgrenze abgefangen.“

Theranos nickte leicht.
Auf der Projektion war zu erkennen, wie sich mehrere Signaturen auflösten, während andere abrupt ihre Richtung änderten oder ganz verschwanden. Ein Teil von Kerns Söldnern hatte offenbar versucht, sich abzusetzen. Einige waren erfolgreich gewesen, die meisten jedoch nicht.


„Die Desertionen nehmen zu“, bemerkte einer der Offiziere.
Theranos betrachtete die Anzeige einen Moment länger.
Es überraschte ihn nicht. Viele der Männer, die Kern um sich gesammelt hatte, waren keine ideologischen Kämpfer gewesen. Es waren Söldner, Opportunisten, ehemalige Sicherheitskräfte, die sich einer Sache angeschlossen hatten, solange sie ihnen Vorteile versprach.
Nun standen sie einer imperialen Eingreifgruppe gegenüber, während über ihnen Kriegsschiffe im Orbit lagen.
Loyalität hatte unter solchen Umständen selten lange Bestand.

Kurz darauf erschien das Bild von Captain Thade Skywalker über dem Holotisch. Das schmale Gesicht des Chiss blieb ruhig und konzentriert, während er seinen Bericht übermittelte.
Theranos hörte aufmerksam zu, während Thade das weitere Vorgehen erläuterte. Red One sollte nicht im Sturm genommen werden. Stattdessen würde ein Belagerungsring entstehen, der den Feind über Stunden hinweg zermürben sollte, während Artillerie und Luftschläge gezielt eingesetzt wurden, um seine Bewegungen einzuschränken.

Die Blaue Legion würde erst in der letzten Phase eingesetzt werden.
Theranos verstand die Logik dieser Entscheidung sofort. Ein überstürzter Angriff auf eine befestigte Stadt hätte unnötige Verluste bedeutet. Außerdem wollte niemand Red One dem Erdboden gleichmachen. Die Stadt war zu wichtig für die wirtschaftliche Zukunft d
es Distrikts.
Das Gespräch endete kurz darauf, und die Projektion kehrte wieder zur Übersicht der gesamten Region zurück.

Für einige Sekunden blieb Theranos still am Tisch stehen.
Der Belagerungsring begann sich zu schließen.
Von Westen rückten Koss’ Einheiten weiter vor. Im Norden näherte sich die Kolonne dem Ausgang des Canyons. Selbst im Südosten waren bereits wieder erste Bewegungen zu sehen.

Robert Kern hatte immer weniger Raum.
Theranos trat schließlich einen Schritt zurück, auch wenn er es nicht laut aussprechen würde so war er doch irgendwie froh das Captain Thade Skywalker hier aufgetaucht war. Er war sich zumindest sicher das die Anwesenheit von Ihm und seinen Kreuzern viele Imperiale Leben bewahrt hatte.

Die Lage war stabil. Die nächsten Stunden würden vor allem von Thade und Koss koordiniert werden, und zum ersten Mal seit Beginn der Operation erlaubte er sich einen kurzen Moment Abstand.

Er verließ den Lagebereich und ging den langen Korridor entlang zu seinem Büro.
Der Unterschied zur Atmosphäre des Gefechtsstandes war sofort spürbar. Hier war es stiller. Die Geräusche der Kommunikationsstationen lagen hinter dicken Türen, und durch die großen Fenster fiel das kühle Licht der Nacht über den See von Blue One.

Der Schreibtisch war mit mehreren Datapads bedeckt, die während der letzten Stunden eingetroffen waren.
Theranos setzte sich nicht, sondern nahm das oberste Pad in die Hand und begann die eingegangenen Nachrichten durchzugehen. Ein Teil davon betraf logistische Fragen der Operation, andere waren Berichte aus verschiedenen Verwaltungsbereichen des Planeten.



Dann blieb sein Blick zuerst an einer Nachricht von Ridley Solaris hängen, die er sich sofort ansah.

Das Hologramm baute sich vor ihm auf, zunächst das imperiale Wappen, das sich langsam drehte, bevor es verblasste und die Gestalt von Ridley Solaris sichtbar wurde, in jener aufrechten, bewusst gewählten Haltung, die weniger Zufall als vielmehr Ausdruck eines Mannes war, der genau wusste, wie er wahrgenommen werden wollte.

Theranos betrachtete das Bild aufmerksam, ohne sich von der Inszenierung ablenken zu lassen, und ließ den Blick einen Moment länger auf der geöffneten Flasche Imperialis Sensus ruhen, auf der blauen Kiste, auf dem Glas in Solaris’ Hand, während sich in seinem Inneren ein leiser, kaum merklicher Anflug von Zufriedenheit einstellte, der jedoch nicht in seinem Ausdruck sichtbar wurde.

Dann begann Gouverneur Solaris zu sprechen.

Die Erwähnung des Gouverneurspalastes, die Anerkennung der Gastfreundschaft, die Unterbringung von Major Varro und seinen Einheiten, all das war mehr als bloße Höflichkeit. Es war ein bewusst gesetztes Signal, ein Ausdruck von Respekt, aber auch von Gleichrangigkeit, von einem Verhältnis, das sich nicht nur über Befehle definierte, sondern über Kooperation.

Als Solaris von den Vorbereitungen auf Truuine sprach, vom bevorstehenden Vorgehen gegen die Rebellen, von der Disziplin Varros und dem erfolgreichen Einsatz bei der Übernahme der Werft, nahm Theranos diese Informationen mit der gleichen ruhigen Aufmerksamkeit auf, mit der er zuvor den Verlauf der Operation in Red One verfolgt hatte, während sich in seinem Denken bereits Verbindungen formten, Möglichkeiten, Überschneidungen, ein größeres Bild, das sich über mehrere Systeme hinweg spannte.

Der Verweis auf den „neuen Besitz“ ließ ihn einen kurzen Moment innehalten, nicht weil er überrascht gewesen wäre, sondern weil er sich der Tragweite dieser Entwicklung bewusst war, die über den reinen militärischen Erfolg hinausging und sich in die wirtschaftliche und strategische Struktur des Sektors einfügte.

Als Solaris schließlich das Glas anhob und die Flasche Imperialis Sensus sichtbar in den Mittelpunkt seiner Inszenierung rückte, ließ Theranos den Blick für einen Moment bewusst darauf ruhen, nicht aus Eitelkeit, sondern weil er erkannte, welche Wirkung sich hier entfaltete.

Der Wein stand dort nicht nur als Geschenk sonder als Zeichen.

Als verbindendes Element zwischen zwei Gouverneuren, als stilles Symbol eines Bündnisses, das sich nicht nur über militärische Kooperation definierte, sondern über gemeinsame Wahrnehmung, über Stil, über ein Verständnis von Repräsentation, das über das Funktionale hinausging.

Theranos registrierte diese Wirkung mit jener ruhigen Zufriedenheit, die sich nicht in sichtbarer Reaktion entlud, sondern sich vielmehr in der Gewissheit äußerte, dass eine Idee, die einst nur ein Konzept gewesen war, nun begonnen hatte, ihren eigenen Platz innerhalb dieses Gefüges einzunehmen.

Während Solaris den Toast aussprach und das Glas hob, ließ er die Szene noch einen Moment auf sich wirken, nahm die Details wahr, die bewusste Inszenierung, die Haltung, den Ton, bevor die Übertragung endete und das Hologramm langsam verblasste.

Theranos war erfreut das Legat Kland den Aufenthalt offensichtlich als sehr positiv beschrieben hatte und das auch das Geschenk wohlbehalten angekommen war.


Doch lang konnte er nicht über die Worte des Gouverneurs nachdenken denn es gab noch eine zweite Nachricht und zwar eine Nachricht der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur.
Theranos öffnete die Nachricht und ließ den Text langsam über das Pad gleiten.

GALA DER KRISTALLENEN KLÄNGE.
Der Ort: Truuine.
Die Gletscherhöhlen nahe der Hauptstadt Moraband.

Ein Werk des manaanischen Klangkünstlers Bel Zhirio sollte dort uraufgeführt werden, eine räumliche Klangkomposition, die speziell für die natürlichen Hallräume dieser Höhlen erschaffen worden war.

Theranos lehnte sich leicht gegen die Tischkante, während er weiterlas.

Die Beschreibung der Veranstaltung ließ ihn unwillkürlich an die großen kulturellen Veranstaltungen denken, die er während seiner Zeit auf Corulag besucht hatte. Kunst, die nicht in einem Konzertsaal entstand, sondern an einen bestimmten Ort gebunden war, hatte immer eine besondere Wirkung.

In den eisigen Hallen der Gletscherhöhlen musste ein solches Werk eine beeindruckende Wirkung entfalten.
Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
Seit seiner Jugend hatte er Kunst nie als bloßen Luxus betrachtet. Für ihn war sie Ausdruck einer Zivilisation, die sich nicht nur über militärische Macht definierte, sondern über Kultur, Schönheit und geistige Ordnung..
Ein Imperium, das nur kämpfte, konnte nicht dauerhaft bestehen.

Er legte das Pad wieder auf den Tisch und aktivierte den Interkom.

„Miss Marris.“
Die Antwort kam sofort.
„Ja, Exzellenz?“
„Ich habe die Einladung zur Gala der Kristallenen Klänge auf Truuine soeben gelesen.“

Eine kurze Pause folgte.
„Ich erinnere mich an die Veranstaltung, Sir. Sie wurde vor kurzem im Holonet angekündigt.“
Theranos nickte leicht, obwohl sie ihn nicht sehen konnte.
„Tragen Sie sie in meinen Kalender ein. Ich beabsichtige teilzunehmen, senden Sie eine Zusage an die Gesellschaft.“
„Sehr wohl, Exzellenz.“

Er beendete die Verbindung.

Noch einmal blickte er auf die Einladung. Ein Abend unter Künstlern, Diplomaten und Förderern der imperialen Kultur würde ein willkommener Kontrast zu den Ereignissen dieser Nacht sein.
Das würde eine schöne Abwechslung werden und endlich hätte er die erfreuliche Möglichkeit Gouverneur Solaris in Person kennen zu lernen.

Doch dieser Abend lag noch in der Zukunft.

Theranos nahm das nächste Datapad zur Hand und überflog einige Berichte aus den anderen Regionen des Planeten. Infrastrukturprojekte, Sicherheitsmeldungen, wirtschaftliche Entwicklungen – all jene Dinge, die auch während eines militärischen Einsatzes weiterliefen.
Nach einigen Minuten legte er die Unterlagen wieder beiseite.
Sein Blick glitt kurz durch die großen Fenster hinaus über den dunklen See.

Dann wandte er sich wieder der Tür zu.
Der Angriff auf Red One würde bald beginnen.
Und Theranos Zesh hatte nicht die Absicht, diesen Moment zu verpassen und so machte er sich auf den Weg zurück zum Lagezentrum.


[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
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[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast] – mit Dr. T’rsop, Wächtern und Theranos

Dr. T’rsop schritt mit schnellen Schritten durch die Nacht auf den Palast des Gouverneurs auf Prefsbelt IV zu. Er trug sein Gelehrtengewandt in den Farben des Planeten. Nachdem sich in den letzten Stunden die Ereignisse überschlagen hatten, hielt er es doch für eine gute Idee, im Zentrum des Geschehens – oder besser: im Zentrum der Planung und Ideen – mit dabei zu sein. Dafür hatte er sogar seine Studien zur Umwandlung von Anorganischem zu Organischem liegen lassen – und seine Vorbereitungen zur nächsten Vorlesung, die er nebenbei erstellen wollte. Wenn Wandel und Bedeutung riefen, sollte man ihnen folgen. Die wenigen Menschen, die zu dieser Unzeit noch unterwegs waren machten einen großen Bogen um ihn - zu bedrohlich und fremd wirkte er als hochgewachsener Pau'aner in einem menschenzentrierten System des Imperiums. aber davon ließ er sich nicht beirren und schritt weiter zielstrebig auf den Palast zu.

Über seinen Kopf flogen kreischend ein Paar TIE-Jäger. Genervt steckte sich T’rsop seine Ohrenschützer in seine empfindlichen Ohren, um diese zu schützen.
„Das erzeugt keine Ehrfurcht. Dieses Getöse ist kein Bisschen subtil. Es sorgt zwar für Aufmerksamkeit und vielleicht Angst. Aber um wirklich langfristig Ordnung zu erhalten, braucht es etwas mit Substanz. Wenn man zum Beispiel wüsste, dass automatische Laser aus dem Nichts einen niederstrecken würden, wenn man die Regeln bräche. Oder, noch besser, wenn man so von der eigenen Zivilisation überzeugt wäre, dass man gar nicht an Verbrechen denken würde…“, dachte er.
Dann wurde sein Gemüt etwas entspannter, als er sich dem beeindruckenden Palastgebäude näherte. Nicht ganz sein persönlicher Stil – aber hier wussten die Erbauer, wie man Autorität und Würde präsentierte. Er schritt die Stufen hoch und wurde – natürlich – von einem der Wächter angehalten.
„Was wollen Sie hier?“, fragte ihn der alternde Wächter. And der Betonung der Anrede erkannte T’rsop gleich zweierlei: Der Wächter erkannte ihn nicht – und hielt ihn allein seines Fremdspezies-Seins wegen für dubios. Also nichts Neues. So erging es ihm die letzten anderthalb Jahrhunderte. Und er dachte nicht einmal daran, stehen zu bleiben.
Während er weiterging antwortete er:
„Sehr löblich, dass du so dienstbeflissen bist. Aber Prefsbelt hat gerade wahrlich andere Sorgen als einen harmlosen Pau’aner, der wichtige Dinge zu erledigen hat.“
Dies verdutzte den Mann kurz. Doch dann schloss er auf und stellte sich kurz vor dem Eingang zum Palast direkt vor den hochgewachsenen Gelehrten. „Halt, ich muss Sie kontrollieren“, versuchte der Wächter es erneut.
Ein Zucken flog über das Gesicht T’rsops, bevor er seine Stimme erhob:
„Was erlaubst du dir eigentlich? Ich bin anerkanntes Mitglied der Akademie – und zwar vermutlich schon seit vor der Geburt deiner Großeltern. Und ich habe Wichtiges zu erledigen! Also aus dem weg!“
Der Wächter zuckte zusammen und machte sich daran, den Weg freizumachen.

Doch dann kam von der Seite dessen Vorgesetzter angeeilt und verhinderte erneut, dass der Pau’aner eintreten konnte. In seinem Inneren war er aber zufrieden, dass doch pflichtbewusste Menschen hier auch Dienst taten – trotzdem wurde er etwas zornig wegen der erneuten Unterbrechung.
„Sir, das glauben wir Ihnen. Aber wir dürfen Sie – gerade in der jetzigen Situation – nicht hindurchlassen ohne Überprüfung“, sagte der junge Offizier sachlich.
„Hier“, raunte T’rsop und zerrte aus einer seiner Gewandtaschen die kleine blassgrüne Anstecknadel, die ihn sowohl als Administrator von Monspolis kennzeichnete als auch einen Datensatz mit seinen Personalinfos enthielt. Diese hielt er dem Kommandanten der Wächter fast direkt unter die Nase. Dieser runzelte wütend die Stirn – doch als er die Nadel gescannt hatte, wurden seine Augen groß.
„Dr. T’rsop, welch eine Überraschung, dass Sie uns beehren. Treten Sie ein.“ Mit diesen Worten machte er den Weg frei und T’rsop trat in den Palast, wobei er sich die Nadel an den Kragen seines Gewandes heftete. „Wohin wollen Sie denn? Was ist Anlass Ihres Besuchs?“, fragte der Offizier, der ihm folge.
„Was ist der Anlass meines Besuches?“, griff T’rsop die Frage auf, „Langfristig das Gedeihen unserer Welt und Gesellschaft. Kurzfristig das zu tun, wofür ich meine Sicherheitsfreigaben habe: Den Gouverneur und seinen Stab beraten.“ Nun blickte der Mensch verwirrt drein. T’rsop beherrschte sich, unterdrückte den Impuls, seine Augen zu verdrehen und erläuterte dann nochmal: „Ich muss mit dem Gouverneur sprechen. Ich muss in sein Hauptquartier.“
D-das geht nicht. Da ist gerade Einsatzlage. Da darf niemand rein“, versuchte sich der Offizier. Aber dann fiel ihm der Gast auch schon ins Wort: „Spar uns Zeit und Nerven. Lass mich in die Zentrale gehen.“
Der Offizier schluckte, blieb aber hartnäckig:
„Aber es soll da keiner stören. U-und zur militärischen Beratung haben Sie keine Befugnisse.“
„Name und Kennung?“, unterbrach der Gelehrte und Berater sein Gegenüber und brachte es damit aus der Fassung. „Äh… was? Achso. Ich bin Paul Geris", antwortete der Wächter und gab dann seine Dienstnummer an, welche sich T'rsop mental abspeicherte.
„Sehr gut Paul Geris. Ich werde Sie lobend erwähnen, wenn alles gut gelaufen ist. Dass Sie mitgedacht haben und einen brillanten Denker und Berater in einer Notlage durchgelassen haben. Dass Sie Weitsicht gezeigt haben und sich für größere Aufgaben qualifizieren können. Oder Sie fragen einen Ihrer Vorgesetzten, der entsprechende Kenntnisse hat, und werden feststellen, dass ich als Sonder-Berater schon länger in Kontakt mit Gouverneur Zesh bin. Insbesondere in dieser Robert-Kern-Sache. Aber dadurch verlieren wir wertvolle Zeit und das kann vielleicht zu einem Kataklysmus führen. Und“, nun erhob T’rsop seine Stimme sehr, „dann will ich nicht in Ihren Schuhen stecken.“
Der Wächter wurde in der kurzen Ansprache bleich – blickte nochmal zu der Nadel des Beraters und auf sein Datapad. Hin und her. Selbst Unstudierte konnten erkennen, dass dieser Mann gerade Pflichten der Vorschrift und des Ethos miteinander abwog – auch wenn er selbst das vermutlich niemals so benennen könnte. Schließlich nickte er und führte T’rsop tatsächlich zur Kommandozentrale.

Die Tür glitt fast lautlos auf und der Pau’aner schritt würdevoll ein. Die Stimmung war konzentriert, sodass er zunächst nicht bemerkt wurde. Jeder Anwesende starrte auf Konsolen, scrollte Datapads oder war im Funkgespräch vertieft. Einige Sekunden ließ T'rsop die Lage auf sich wirken. Diesen Kosmos an Emotionen, Zielen und physischen Abläufen. Nur der Gouverneur Theranos Zesh war nirgends zu sehen. Schließlich machte er auf sich aufmerksam.

„Tachchen, werte Kommandozentrale“, füllte seine Stimme den gesamten Raum, ohne dass er laut wurde. Einige Anwesenden zuckten zusammen und die Köpfe schwangen in seine Richtung herum - der Pau'aner liebte es einfach, andere aus der Fassung zu bringen und aus der Reserve zu locken, konnte man doch so wunderbar den wahren Charakter erspüren. Zeitgleich betrat auch Theranos den Raum. Auch auf dessen Gesicht zeichnete sich für den Bruchteil eines Augenblicks Verwirrung ab, bevor er wieder den Ausdruck annahm, der im Lexikon auch gut neben dem Begriff 'freundliches Pokerface' abgebildet sein könnte. „Dr. T’rsop, welch eine Ehre, dass Sie gekommen sind. Und dann direkt so schnell“, begrüßte er den Neuankömmling distanziert-freundlich. T’rsop dachte bei sich, dass diese Förmlichkeit doch etwas unnötig sei – privat duzten sie sich doch und nahmen nicht ihre Titel in die Anrede. Aber er wollte Theranos Autorität auch nicht untergraben - und er wusste, dass der Gouverneur zu den Personen zählte, denen Form und Etikette wichtig waren. Daher grüßte er nun freundlich zurück: „Gouverneur Theranos Zesh. Danke, dass Sie mich selbst in dieser Lage der Konzentration persönlich begrüßen. Ich bin schnellstmöglich gekommen. So ein wichtiges Mikro-Ereignis möchte ich doch nicht verpassen... Wie ich sehe, waren meine Informationen doch recht fruchtbar.“ Er setzte ein gewinnendes Lächeln auf – kein Grinsen, da er wusste, dass seine spitzen Zähne Menschen verunsicherten. Dann fuhr er fort und zeigte ausladend auf den Holotisch im Zentrum des Raumes: „Aber darüber können wir später plaudern. Wie sieht die aktuelle Lage aus?“

[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] – mit Dr. T’rsop, Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Das Gebiet um Red One | HQ der Bodentruppen | - Legat Veran Koss sowie Offiziere und andere NPC´s


Während im Gouverneurspalast von Blue One die Lageentwicklung aufmerksam verfolgt wurde, erreichten die Befehle aus dem Orbit und aus dem Flottenverband gleichzeitig das vorgeschobene Hauptquartier der Bodenstreitkräfte.

Veran Koss stand im oberen Stockwerk des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der westlichen Minenstadt, das nun zum neuen Gefechtsstand umfunktioniert worden war. Manche Fenster waren teilweise geborsten, und durch die offenen Rahmen zog der trockene Nachtwind der Steppe, der den Geruch von Staub, verbranntem Erz und Maschinenöl mit sich trug.

Unterhalb des Gebäudes bewegten sich Kolonnen von Transportern durch die Straßen. Versorgungskisten wurden abgeladen, MedEvac-Einheiten richteten ihre Stationen ein, und mehrere Trupps der Blauen Legion und Planetaren Sicherheitskräfte waren von hier oben zu sehen. Die Stadt war inzwischen vollständig unter Kontrolle der Imperialen Streitkräfte, doch niemand ließ die Wachsamkeit sinken.

Koss stand mit verschränkten Händen hinter dem Rücken am Fenster und blickte nach Osten.
In der Ferne begann der Canyon. Dahinter, kaum zwei Kilometer weiter, lag Red One.
Selbst in der Nacht war die Silhouette der Stadt noch etwas zu erkennen. Mehrere Fabrikschlote ragten aus den Felsen heraus, und über einzelnen Gebäuden standen noch schwache Rauchfahnen. Zwischen den beiden dunklen Bergkämmen wirkte die Stadt wie ein schwerer, unbeweglicher Block aus Beton und Erz.


Ein Offizier trat neben ihn.

„Neue Befehle aus dem Orbit, Sir.“

Koss wandte sich um und ging zurück zum Holotisch, auf dem sich inzwischen mehrere Projektionen überlagerten. Die Linien der Bodentruppen waren klar zu erkennen. Die Ostgruppe in der gesicherten Minenstadt, die Nordgruppe kurz vor dem Ausgang des Canyons und die Südostkräfte hatten sich wieder reorganisiert.

Kurz darauf erschien das Bild von Captain Thade Skywalker über dem Tisch.

Der Chiss wirkte ruhig, fast ungerührt, während er seine Anweisungen übermittelte. Seine Jäger würden die fliehenden Kräfte im Norden abfangen, während zusätzliche Staffeln die Luft über dem gesamten Operationsgebiet sichern sollten. Kein Schiff sollte Red One verlassen können. Koss hörte aufmerksam zu und nickte nur immer hin und wieder, um zu signalisieren, dass er alles verstand.

Kurz darauf bestätigten bereits die ersten Meldungen die Wirkung dieser Maßnahmen. Mehrere kleinere Schiffe hatten versucht, aus Red One zu starten, doch kaum hatten sie Höhe gewonnen, waren sie von imperialen Jägern abgefangen worden. Einige wurden zur Landung gezwungen, andere wurden abgeschossen, bevor sie die Stratosphäre erreichen konnten.
Gleichzeitig traf eine weitere Nachricht ein. Ein Bataillon aus dem Orbit würde nördlich der Stadt landen und dort den sich langsam um die Stadt ziehenden Belagerungsring schließen.

Koss betrachtete die neuen Kennungen auf der Projektion, die nun langsam auf die nördlichen Ebenen herunterglitten.

Thades Stimme erklang kurz darauf erneut über die Verbindung. Er wollte, dass die Hauptstreitmacht die Vororte sicherte, während die Verstärkung aus dem Orbit den Norden übernahm. Die Blaue Legion sollte zunächst zurückgehalten werden.

Koss nickte leicht. Der Plan war logisch. Die Legion war die bestausgebildete Einheit auf Prefsbelt IV. Sie sollte nicht in einem langen Abnutzungskampf verschleißen, sondern in der letzten Phase eingesetzt werden, wenn der Widerstand der Verteidiger bereits gebrochen war.



„Verstanden, Captain“, sagte Koss ruhig und begann sofort damit, die Befehle weiterzugeben.Die westlichen Einheiten rückten langsam weiter nach Süden vor und sicherten die äußeren Vororte von Red One. Artilleriestellungen wurden auf den Hügeln rund um die Minenstadt eingerichtet, während mobile Geschütze in Stellung gingen.

Im Norden setzte unterdessen die erste Welle der Landefähren auf. Die Truppen aus dem Orbit sicherten rasch ihre Landezonen und begannen damit, ihre Linien in Richtung der Stadt auszudehnen.
Nach und nach nahm alles Form an. Es war kein schneller Angriff. Es war eine methodische, kontrollierte Bewegung, bei der jede Einheit genau wusste, welchen Abschnitt sie zu halten hatte.
Und während sich diese Linien immer enger um Red One legten, begann eine lange Nacht.

Immer wieder stiegen imperiale Jäger auf, um neue Ziele anzugreifen. Vereinzelte Artilleriesalven schlugen in den äußeren Bezirken der Stadt ein. Kleine Vorstöße tasteten die Verteidigungslinien ab, nur um sich anschließend wieder zurückzuziehen.

Die Verteidiger wurden nicht in Ruhe gelassen.

Koss beobachtete die Entwicklung stundenlang. Mehrfach wechselten die Einheiten an der Front ihre Positionen, frische Trupps übernahmen die äußeren Linien, während erschöpfte Soldaten nach hinten verlegt wurden.
Der Feind hingegen hatte diese Möglichkeit nicht.
Die Sensoranzeigen zeigten immer wieder Bewegungen innerhalb der Stadt, doch sie wirkten zunehmend unkoordiniert. Einzelne Gruppen versuchten auszubrechen, andere zogen sich tiefer ins Stadtgebiet zurück.

Die erste Aufnahme zeigte einen Vorstoß am äußeren Rand der Stadt. Eine Einheit der planetaren Sicherheitskräfte hatte gerade eine breite Zufahrtsstraße erreicht, als plötzlich schweres Blasterfeuer aus den oberen Stockwerken zweier Gebäude einsetzte.

Eine Handvoll Soldaten gingen sofort zu Boden, während der Rest der Einheit instinktiv in Deckung ging. Der Truppführer versuchte noch, die Linie zu stabilisieren, während der Beschuss anhielt.
Noch bevor jemand groß reagieren musste, schob sich in der Übertragung ein TX-225 nach vorne, das Geschütz hob sich, richtete sich auf die betroffenen Etagen und feuerte eine kurze, harte Salve.
Die Gebäudefront brach auf. Staub und Trümmer stürzten nach unten, das Feuer verstummte, und die Infanterie setzte sofort nach.
Koss nickte kaum merklich und löste sich von dem Holo.


Ein paar Schritte weiter meldete jemand scharf.
„Kontakt, schnelle Bewegung auf der Südachse!“

Koss und ein paar andere Offiziere traten an den nächsten Projektor.

Eine Einheit bewegte sich gerade durch eine schmale Straße, als plötzlich drei Speederbikes aus einer Seitengasse hervorbrachen. Einer der Fahrer richtete sich halb auf, riss einen Gürtel von seiner Schulter und schleuderte ihn in die Formation der Soldaten.
Mehrere kleine Metallkörper lösten sich im Flug.
Die Explosion folgte unmittelbar. Die Druckwelle riss die Einheit auseinander, schleuderte die Soldaten gegen Fahrzeuge und Mauern, während die Speeder bereits wieder verschwanden, als wären sie nie da gewesen.

Für einen Moment war nur Chaos, dann begannen die Überlebenden, sich neu zu ordnen.

„Straßen enger kontrollieren“, sagte Koss ruhig. „Sperren setzen, Ich will keine freien Korridore mehr für solche Durchbrüche und geben Sie den Vorfall weiter, dass sich die anderen Einheiten darauf einstellen können.“ beendete der den Satz. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging sofort zum nächsten Projektor.


Am nächsten Tisch war die Lage etwas festgefahren, als Koss näher trat.

Das Bild zeigte einen kleinen Platz, verbaut mit Kisten, Erzcontainern und improvisierten Deckungen. Zwischen diesen Strukturen hatten die Rebellen eine Stellung mit zwei E-Web´s eingerichtet und hielten die gesamte Straße unter Feuer.
Die Schüsse schnitten durch die Dunkelheit und zwangen mehrere Trupps zurück. Ein Soldat versuchte noch, sich nach vorne zu arbeiten, wurde jedoch getroffen und brach zusammen.


„Sie kommen nicht durch“, sagte der Offizier leise mehr zu sich als zu jemand anderem.

Im Bild setzte sich ein ITT-P Transporter in Bewegung, fuhr nicht zurück, sondern direkt nach vorne, stellte sich quer zur Straße und schirmte die Infanterie mit seiner Panzerung ab.
Hinter ihm formierten sich die Trupps neu und kurz darauf flog eine Ladung im hohen Bogen über die Deckung hinweg.
Die Explosion riss die Stellung auseinander, die schweren Blaster verstummten, und die Linie setzte sich wieder in Bewegung.
Koss sah noch einen Moment zu, dann ging er weiter.

Ein dumpfer Schlag ließ mehrere Offiziere gleichzeitig aufblicken.

„Explosion im östlichen Wohnblock!“

Die Aufnahme hatten einen engen Straßenzug, gezeigt in dem ein schweres Fahrzeug gerade vorrückte, begleitet von Infanterie vorgerückt war.
Dann war die Seitenwand eines Gebäudes Explodiert.
Die gesamte Front des Hauses wurde herausgerissen und stürzte auf die Straße. Trümmer trafen das Fahrzeug seitlich, mehrere Soldaten wurden unter dem Schutt begraben und für einen Moment füllte Staub das Bild.

Ein Offizier fluchte leise.

„Diese Bastarde sprengen ihre eigenen Gebäude.“

Koss verzog leicht den Mund und massierte sich kurz seine Schläfen. “Sorgen Sie dafür, dass die Gebäude an den Straßen, die wir mit Fahrzeugen durchqueren, in Zukunft besser gesichert sind.” Dann atmete er einmal kurz durch, er wusste das die Einheiten der Planetarensicherheitskräfte die letzten Jahre, komplett unterbesetzt waren und vollkommen unerfahren waren. Aber mit solcher Inkompetenz hatte er doch nicht gerechnet. Immerhin wusste er nun, was er nach dieser Operation zu tun hatte.


Er bewegte sich wieder zum Hauptterminal blieb einen Moment stehen, ließ sich mehrere Feeds gleichzeitig anzeigen, während sich die Bilder überlagerten.

Vorstöße.
Rückzüge.
Kurze, harte Gefechte, die ebenso schnell wieder abebbten.

Mit jeder Stunde wurde deutlicher, dass die Verteidiger kaum noch zur Ruhe kamen.


Gegen Ende der Nacht trat einer der Verbindungsoffiziere erneut zu Koss.

„Legat Koss, wir haben eine Nachricht von Captain Skywalker.“
Koss trat zum Holotisch.

Die Projektion zeigte inzwischen ein sehr klares Bild der feindlichen Positionen. Die meisten Fahrzeuge der Verteidiger waren zerstört, die Luftabwehrstellungen ausgeschaltet, und die äußeren Verteidigungslinien wirkten deutlich geschwächt.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang fiel schließlich die Entscheidung.
Thades Stimme erklang über die Leitung. Der Zeitpunkt war gekommen.
Koss sah kurz hinaus zum Horizont, wo sich über den Bergen bereits ein erster heller Streifen abzeichnete.
Dann richtete er den Blick wieder auf die Projektion. Die Blaue Legion wartete bereits in ihren Sammelräumen am Rand der Stadt.

Der Angriff auf Red One würde mit dem ersten Licht des Morgens beginnen.



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Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel


Mit dem Moment, in dem Kal den Angriff freigab, änderte sich für Reyan endlich die gesamte Dynamik des Einsatzes. Die lange Phase aus monotonen Patrouillen und ereignislosem Kreisen wich nun zu einer Vielzahl fliehender Signaturen, die sich unkoordiniert über den Luftraum verteilten.

Reyan ließ sich davon nicht beeindrucken. Stattdessen zog sich ein leichtes, selbstsicheres Lächeln über seine Lippen, während er den Schub erhöhte und seinen TIE/ba aus der Formation löste, um sich eines der näheren Ziele herauszugreifen. Die Anzeigen vor ihm füllten sich mit Bewegungen, doch schon nach wenigen Augenblicken filterte sein Blick automatisch das heraus, was für ihn zählte.

Ein einzelner Jäger, leicht versetzt zur Hauptgruppe, versuchte Abstand zu gewinnen.

Reyan brachte den Jäger mit einer fließenden Bewegung in Position und ließ den Zielcomputer arbeiten, während er gleichzeitig den Abstand verkürzte. Der Signalton schwankte zunächst, fing sich dann jedoch, als sich die Silhouette des Gegners klar vor ihm abzeichnete.

Er wartete einen kurzen Moment länger, als es vielleicht nötig gewesen wäre, dann feuerte Vex.

Die ersten Treffer ließen den Deflektorschild des gegnerischen Jägers sichtbar aufglühen, doch der Pilot reagierte sofort und brach in ein hektisches Ausweichmanöver aus, das ihn scharf nach links aus Reyans Visier zog. Für einen Augenblick wirkte es beinahe chaotisch, fast verzweifelt, als würde der andere Pilot versuchen, dem unvermeidlichen Treffer irgendwie zu entgehen.

Reyan folgte ihm umgehend. Er erhöhte den Schub nur minimal, ließ den TIE/ba ruhig und kontrolliert nachziehen und korrigierte seine Flugbahn mit kleinen, präzisen Bewegungen, die mehr aus Gewohnheit als aus bewusster Anstrengung entstanden. Für ihn war das kein hektisches Gefecht, sondern eine saubere Verfolgung, bei der er genau wusste, wann er Druck aufbauen musste und wann es reichte, einfach dran zu bleiben.

Für einen kurzen Moment schnitt ein beschädigter Jäger seinen Kurs, zog eine Rauchspur hinter sich her und zwang Reyan dazu, auszuweichen. Er reagierte instinktiv, ließ den TIE in eine seitliche Rolle kippen und zog ihn sauber wieder in die ursprüngliche Linie zurück, ohne dabei das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren.

Der Abstand hatte sich kaum verändert.
Als der Zielcomputer erneut eine stabile Erfassung meldete, zögerte Reyan nicht mehr. Ein weiterer Feuerstoß traf den CloakShape im hinteren Bereich, durchbrach den geschwächten Schild und ließ den Jäger im nächsten Augenblick in einem hellen Feuerball auseinanderbrechen.

Reyan zog seine Maschine leicht nach oben, ließ die Trümmer unter sich vorbeiziehen und richtete den Blick wieder auf das größere Gefechtsbild.
Überall im Luftraum bewegten sich Kontakte. Einige versuchten, sich geordnet zurückzuziehen, andere brachen in panischer Flucht auseinander, während die imperialen Staffeln systematisch jeden einzelnen davon aufgriffen und ausschalteten. Für einen kurzen Moment verfolgte Reyan das Geschehen, ohne sofort ein neues Ziel zu wählen, als würde er die Situation bewusst überblicken, statt sich kopflos in den nächsten Angriff zu stürzen.


Kurz darauf meldete sich Kal erneut über Funk. In seinem Ton lag eine knappe Anerkennung für die bisherigen Abschüsse, doch zugleich machte er unmissverständlich klar, dass der Einsatz noch längst nicht beendet war. Er forderte die beiden auf, sich wieder bei ihm zu sammeln und gemeinsam die nächsten Ziele anzugehen.

Reyan quittierte die Anweisung mit einem kurzen Funkspruch und zog seinen Jäger in eine weite, saubere Kurve, um sich wieder an Kals Position anzunähern. Während er sich neu einordnete, bemerkte er, dass sich der unmittelbare Luftraum bereits deutlich geleert hatte. Die meisten Kontakte waren zerstört oder in tiefere Schichten abgedrängt worden, wo sich andere Einheiten um sie kümmern würden.

Der nächste Angriff folgte schneller, als er erwartet hatte.
Gemeinsam mit der Staffel nahm er weitere Ziele ins Visier, kleinere Gruppen von Jägern und vereinzelte Transporter, die versuchten, sich aus dem Sektor zu lösen. Reyan konzentrierte sich erneut auf seine Anzeigen, griff sich ein weiteres Ziel heraus und brachte es mit einer kurzen, präzisen Salve zur Explosion, ohne dabei unnötige Energie zu verschwenden oder sich länger als nötig binden zu lassen.


Es war kein chaotisches Gefecht mehr. Es war systematisches Abarbeiten.
Erst als sich schließlich keine unmittelbaren Ziele mehr in ihrer Umgebung befanden, kehrte eine trügerische Ruhe in den Luftraum zurück. Die Sensoranzeigen wurden übersichtlicher, die Bewegungen weniger hektisch, und für einen Moment wirkte es beinahe so, als hätte sich das Gefecht einfach erschöpft.

Kurz darauf nachdem Vex noch ein paar Abschüsse für sich verbuchen konnte, erreichte ihn bereits der Rückruf.
Kal meldete sich erneut und beendete den Einsatz für die Betastaffel vorerst. Seine Worte waren knapp, aber eindeutig.

Reyan spürte, wie sich die Anspannung langsam aus seinen Schultern löste, auch wenn seine Aufmerksamkeit weiterhin vollständig auf den Instrumenten lag. Er brachte seinen TIE/ba sauber hinter Kal in Position und ließ den Jäger in den Aufstieg übergehen, während sich die Formation geschlossen in Richtung Orbit bewegte.


Der Übergang wirkte beinahe unwirklich ruhig.
Unter ihnen lag Red One, noch immer von Staub und Rauch verhüllt, durchzogen von vereinzelten Explosionen und den Nachwirkungen des Bombardements, während über ihnen die kalte, klare Weite des Alls wartete.

Reyan ließ den Blick ein letztes Mal über seine Anzeigen wandern, überprüfte automatisch die wichtigsten Systeme und lehnte sich dann einen Hauch zurück, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben.

Ein schwaches Grinsen blieb auf seinem Gesicht.
Ganz so langweilig war dieser Einsatz am Ende dann doch nicht gewesen.
Die Betastaffel verschwand kurz darauf im Orbit.
Für sie war es fürs Erste vorbei.



Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / ] Theranos Zesh


Die Schritte von Theranos Zesh hallten gedämpft über den glatten Boden des Korridors, während sich hinter ihm die Tür zu seinem Büro lautlos schloss und die kurze Phase der Ruhe, die er sich genommen hatte, wieder jener konzentrierten Betriebsamkeit wich, die seit Beginn der Operation den gesamten Gouverneurspalast durchzog.

Als er die Einsatzzentrale erreichte, glitt die Tür zur Seite und gab den Blick frei auf den vertrauten Raum der letzten Tage frei, in dem sich die verschiedenen Ebenen der Operation überlagerten, ohne sich gegenseitig zu stören. Holoprojektionen schwebten in gestaffelten Höhen, Offiziere arbeiteten an ihren Stationen, während Meldungen aus Red One in ruhigem Ton weitergegeben und sofort in die laufenden Lagebilder integriert wurden.

Noch bevor Theranos einen weiteren Schritt tat, fiel sein Blick auf die Gestalt, die sich aus dieser funktionalen Ordnung und den anderen Anwesenden deutlich abhob.

Es war der Verwalter und Berater Dr. T’rsop.
Der hochgewachsene Pau’aner, mit seiner leicht gebeugten Haltung, die dunkelgraue Haut mit den tiefen Linien und die ruhigen, kleinen Augen, die mehr aufnahmen, als sie preisgaben, machten ihn zu einer Figur, die man nicht übersehen konnte, auch wenn man es gewollt hätte.

Als Theranos seine Weg vorsetzte, drehte sich gerade der Pau'aner zu Ihm um.
Sein Gesicht trug jenen Ausdruck, der sich in den letzten Tagen als verlässlich erwiesen hatte, eine Mischung aus kontrollierter Ruhe und höflicher Distanz, in der sich weder Überraschung noch Ablehnung erkennen ließen, sondern lediglich die Bereitschaft, das, was vor ihm lag, in die bestehende Ordnung einzuordnen.


„Dr. T’rsop“, begann er ruhig, während er näher trat und kurz den Blick über die umliegenden Projektionen gleiten ließ, bevor er sich wieder direkt seinem Gegenüber zuwandte, „welch eine Ehre, dass Sie gekommen sind. Und dann direkt so schnell“.
Denn schnell war er wirklich gewesen, hatte er denn erst vor kurzem nach Herrn T'rsop schicken lassen und nicht erwartete das er so schnell hier war. Aber was hatte er anderes von dem pflichtbewussten Pau'aner erwartet.
Ein kaum wahrnehmbares Nicken folgte, nicht als Bestätigung, sondern als Übergang.


„Ihre Hinweise, Informationen und Theorien in den vergangenen Tagen haben uns in eine Richtung geführt, die sich als zutreffend erwiesen hat“, fuhr er fort, wobei seine Stimme weder Lob noch Überraschung transportierte, sondern vielmehr eine sachliche Anerkennung dessen, was sich aus den gelieferten Informationen entwickelt hatte.

Auf die Frage wie denn die Lage sei, antwortete Thernaos mit einer leichten Bewegung seiner Hand deutete er zum Zentralen Holotisch dessen Projektion sich kurz darauf veränderte.
Red One trat in den Vordergrund.
Die äußeren Bezirke waren klar unter Kontrolle, die Linien der eigenen Einheiten geschlossen, ihre Bewegungen ruhig und präzise, während sich im Zentrum der Stadt noch eine Verdichtung erkennen ließ, ein Bereich, in dem sich die letzten Reste eines Widerstandes sammelten, der seine ursprüngliche Struktur längst verloren hatte.


Theranos trat einen halben Schritt näher an den Tisch und drehte sich leicht zum Dr. ohne dabei die Ruhe seiner Haltung zu verändern.

„Die Stadt ist isoliert“, erklärte er in gleichbleibendem Tonfall, während die Darstellung einzelne Bewegungen im Norden und Westen nachzeichnete und die Entwicklungen der letzten Stunden sichtbar machte. „Fluchtbewegungen wurden konsequent unterbunden, die äußeren und mittleren Bezirke sind mittlerweile gesichert, und sämtliche Zugänge stehen unter Kontrolle unserer Kräfte.“

Die Projektion verschob sich leicht und fokussierte den inneren Distrikt.
Der offene Platz, die vereinzelten Gebäude, das Verwaltungszentrum.


„Der verbleibende Widerstand konzentriert sich in diesem Bereich“, führte Theranos weiter aus, während sein Blick ruhig auf der Darstellung ruhte, als würde er nicht nur das sehen, was war, sondern zugleich die nächsten Schritte daraus ableiten. „Ein Abschnitt, der in seiner offenen Struktur nur begrenzte Möglichkeiten für eine nachhaltige Verteidigung bietet, jedoch ausreichend Raum lässt, um bei unkoordiniertem Vorgehen unnötige Verluste zu verursachen.“

Er ließ den Blick kurz über die Projektion wandern, bevor er sich wieder T’rsop zuwandte.
„Aus diesem Grund wurde auf einen unmittelbaren Sturm verzichtet“, sagte er, wobei sich in seiner Stimme nun eine leichte, fast unmerkliche Nuance von Erklärung zeigte, nicht als Rechtfertigung, sondern als logische Fortsetzung dessen, was sich bereits abzeichnete. „Die gegnerischen Kräfte wurden gebunden, über einen längeren Zeitraum unter konstantem Druck gehalten und in Bewegungen gezwungen, die ihre eigene Struktur zunehmend aufgelöst haben.“

Ein kurzer Moment verging, während im Hintergrund neue Daten eingespielt wurden und sich die Lage weiter aktualisierte.
„Was wir jetzt sehen, ist kein organisierter Widerstand mehr“, fuhr Theranos for. „Es sind vereinzelte Reaktionen, die aus der Situation heraus entstehen, ohne dass ihnen noch ein übergeordnetes Konzept zugrunde liegt.“
Ein Offizier trat kurz an den Tisch, übermittelte eine aktuelle Meldung, die Theranos mit einem knappen Nicken aufnahm, ohne seinen Gedankengang zu unterbrechen.

„Anscheinend sind Sie genau richtig eingetroffen, die Blaue Legion steht bereit“, sagte er anschließend, während sich auf der Projektion die entsprechenden Einheitenpositionen hervorhoben. „Der Angriff auf den inneren Distrikt wird in Kürze beginnen, unterstützt durch vorbereitete Aufklärung, abgestimmte Scharfschützenpositionen und gezielte Feuerunterstützung, sodass die vorrückenden Einheiten ihre Bewegung weitgehend ungehindert durchführen können und um ein perfektes Bild für unser Medienteam zu liefern.“

Theranos wandte sich nun wieder dem dem Holotisch zu und sprach weiter aber diesmal lauter so das Ihn alle hören konnte.
"Nun gut, es ist soweit alle hergehört". Alle Gespräche und Arbeiten erstarben abrupt und lauschten Theranos.


"Es ist soweit, die Blaue Legion wird nun zum alles entscheidenden Angriff übergehen, ich erwarte nochmal alles von Ihnen. Konzentration, Kommunikation, sowie Überwachung und Aufklärung in Perfektion. Nichts, aber auch Garnichts darf uns entgehen das letzte was wir brauchen ist das uns Kern irgendwie entkommt oder sonstiges. Wir sind die Augen und Ohren diese Gefechtes und wir werden uns keine Fehler erlauben." er lies das gesagt ein paar Herzschläge lang im Raum stehen bevor er fortfuhr. "Machen Sie sich alle bereit, in zehn Minuten wird der Angriffsbefehl erteilt."

Daraufhin begann das treiben im Raum kurz etwas hektisch zu werden, Offiziere liefen hin und her, Befehle wurden gegeben und Daten nochmals angefragt.

Theranos grinste kaum merklich, denn heute würde es enden und diese Pestilenz mit den Namen Kern wäre dann endlich beseitigt.
Dann blickte er wieder zum Dr.
"Nun Dr. werden wir in kürze Zeuge werden wie die Ära der Korruption ein Ende nimmt."


[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Dr. T'rsop Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Das Gebiet um Red One | HQ der Bodentruppen | - Legat Veran Koss sowie Offiziere und andere NPC´s


Der erste Schimmer des Tages legte sich in blassem, kaltem Licht über die Ränder von Red One, während sich der innere Distrikt langsam aus der Nacht löste und jene offene, weit einsehbare Fläche freigab, die ihn zum Zentrum der Stadt machte und ihm zugleich jede echte Verteidigungsfähigkeit nahm.

Zwischen den verstreuten Resten des Marktplatzes, umgestürzten Ständen, zerborstenen Kisten und den Spuren der vorangegangenen Kämpfe hatte sich die Blaue Legion gesammelt, ihre Formationen geschlossen, die Abstände exakt eingehalten, während sich hinter ihnen die letzten Einheiten aus den äußeren Bezirken neu ordneten und die vorbereiteten Unterstützungspositionen ihre finalen Abstimmungen erhielten.

Über dem gesamten Areal hielten sich Aufklärungsdroiden in festgelegten Höhen, ihre Sensoren erfassten jede Bewegung im inneren Distrikt, während die Datenströme in Echtzeit in die taktischen Systeme einliefen und ein nahezu vollständiges Lagebild erzeugten, das keine Bewegung unbeachtet ließ. In den umliegenden Gebäuden hatten Scharfschützenteams ihre Positionen bezogen, ihre Sichtlinien abgestimmt, ihre Zielbereiche längst definiert, während weiter zurück schwere Unterstützung bereitstand, um auf jede aufkommende Gegenwehr unmittelbar reagieren zu können.

Ein Befehl ging durch die Reihen. Er war nicht laut, nicht inszeniert, sondern getragen von jener ruhigen Selbstverständlichkeit, die keinen Zweifel daran ließ, dass er ausgeführt werden würde.

Und so setzte sich die blaue Legion in Bewegung. Die ersten Einheiten traten aus den Randbereichen hinaus auf den offenen Platz, ihre Schritte gleichmäßig, ihre Formation stabil, während sich die Bewegung ohne sichtbaren Bruch entwickelte und sich der gesamte Verband geschlossen nach vorne verlagerte.

Für einen Augenblick lag eine trügerische Ruhe über dem Platz, in der sich lediglich das gedämpfte Geräusch von Ausrüstung, das ferne Summen der Droiden und das leise Verschieben der Formationen bemerkbar machten, bevor aus den Rändern des Distrikts die ersten Schüsse hervorbrachen und sich das zuvor angedeutete Gefecht in eine klare, sichtbare Realität verwandelte.


Vereinzelte Schüsse brachen aus den Rändern des Platzes hervor, aus Fenstern, hinter notdürftig errichteten Barrikaden und aus improvisierten Stellungen, die kaum mehr waren als ein letzter Versuch, den Vormarsch aufzuhalten. Blasterbolzen schlugen in den Boden, in Metall, sowie in die Reihen der Legionäre ein, doch die Linie der Legion blieb unbeeinflusst, ihre Bewegung änderte sich nicht und ihre Ordnung blieb bestehen.

Die Reaktion der Legionäre erfolgte unmittelbar. Ziele wurden erfasst, Daten weitergegeben, und noch bevor sich aus dem vereinzelten Feuer eine koordinierte Verteidigung entwickeln konnte, griffen die vorbereiteten Maßnahmen ineinander. Scharfschützen schalteten präzise einzelne Positionen aus, während gezielte Mörsereinschläge aus der Distanz jene Punkte trafen, an denen sich der Gegner zu sammeln versuchte.

Die Legion rückte weiter vor, ihre Linie verschob sich Meter um Meter über den Platz, ohne an Geschlossenheit zu verlieren, während jede Gegenwehr, die sich zeigte, noch im Ansatz gebrochen wurde.

Ein Trupp von Verteidigern brach aus einer Seitenlinie hervor, versuchte mit einem schnellen Vorstoß die Flanke zu erreichen, doch die Bewegung war bereits erkannt worden, bevor sie vollständig ausgeführt werden konnte, und wurde noch in der Annäherung zerschlagen, während die ersten Angreifer fielen und die übrigen in Unordnung auseinander liefen.

Ein S-1 Firehawke Schwebepanzer schob sich nach vorne, seine schwere Laserkanone im Geschützturm richtete sich aus und zerstörte mit einem kontrollierten Schuss eine der letzten Barrikaden, die den Weg zum Zentrum noch blockierten, während die Infanterie die entstandene Lücke sofort nutzte und ihre Position weiter nach vorne verlagerte.


Die eigens für solche Momente gemachten Fahnen der Legion wurden sichtbar.

Blau und Weiß mit der Wappen von Prefsbelt IV hoben sie sich deutlich gegen den Staub des Platzes ab, getragen von Männern, die sich mit derselben ruhigen Konsequenz bewegten wie die gesamte Formation, als wäre dieser Vormarsch kein Risiko, sondern die logische Fortsetzung eines bereits entschiedenen Gefechts.

Das Verwaltungsgebäude rückte näher. Die letzten Verteidiger hatten sich im Bereich des Verwaltungsgebäudes gesammelt, einige hielten ihre Positionen in den Eingangsbereichen, andere suchten Deckung in den oberen Ebenen, doch ihr Feuer wirkte zunehmend unkoordiniert, als würde jeder für sich kämpfen, ohne Verbindung, ohne klare Führung, während die Einschläge der imperialen Kräfte präziser wurden und eine Stellung nach der anderen systematisch zum Schweigen brachten.
Die vordersten Einheiten der Blauen Legion begannen bereits, sich auf die Zugänge auszurichten, die Bewegungen abgestimmt, die Formationen eng geführt, während sich der Druck auf den verbleibenden Widerstand stetig erhöhte und die letzten Meter bis zum Gebäude zu einem Punkt wurden, an dem sich entscheiden musste, ob dieser Abschnitt mit einem Sturm enden würde.

Noch bevor dieser Schritt tatsächlich eingeleitet werden konnte, verschob sich die Situation.

Vor dem Gebäude entstand Bewegung, die sich deutlich von den bisherigen Gefechtsmustern unterschied. Mehrere Gestalten traten aus der Deckung, ihre Waffen gesenkt, ihre Bewegungen unsicher, während sie einen Mann nach vorne drängten, dessen Zustand erkennen ließ, dass er nicht mehr Teil eines Widerstandes war, sondern dessen Ende verkörperte.
Als sich vor dem Eingangsbereich Bewegung abzeichnete und mehrere Gestalten mit gesenkten Waffen aus der Deckung traten, ließ die Blaue Legion ihren Vormarsch nicht abrupt enden, sondern ging in eine kontrollierte Verlangsamung über, bei der die Formation geschlossen blieb und jede Bewegung weiterhin abgestimmt erfolgte, während die erhobenen Waffen ihre Ausrichtung beibehielten und die Zielerfassung unverändert stabil blieb.

Inmitten dieser Gruppe wurde ein Mann nach vorne gedrängt, seine Schritte unsicher, seine Haltung schwer, und obwohl er noch keine Worte sprach, war bereits aus der Art, wie er sich bewegte und wie die anderen ihn behandelten, erkennbar, dass sich die Situation grundlegend verschoben hatte.


Robert Kern.

Nicht mehr als zentrale Figur eines organisierten Widerstandes, sondern als dessen letzter, sichtbarer Rest, der nun vor den Linien der Legion stand, während hinter ihm Stimmen laut wurden, brüchig und von aufgestauter Wut durchzogen, in denen sich Vorwürfe, Enttäuschung und die späte Erkenntnis mischten, dass die Versprechen, denen sie gefolgt waren, nie mehr gewesen waren als Mittel zum Zweck.

Seine Kleidung war verschmutzt, seine Haltung schwer, und in seinem Auftreten lag nichts mehr von der Kontrolle, die ihn einst getragen hatte, während hinter ihm Stimmen laut wurden, brüchig, durchzogen von Wut und Enttäuschung, Worte über Verrat, über eine vorbereitete Flucht, über einen Tunnel, der ihn allein aus der Stadt hätte führen sollen, während die übrigen zurückgelassen worden wären.

Die Situation klärte sich rasch, als ein kurzer Befehl durch die Reihen der blauen Legion ging. Ein Sicherungstrupp trat vor, entwaffnete die Gruppe, trennte die Männer voneinander und übernahm Kern ohne Zögern, während sich die restlichen Einheiten weiterhin auf ihre Positionen konzentrierten und die Kontrolle über den Platz nicht aus der Hand gaben.

Kern wurde in Richtung eines bereitstehenden HAVr A9 Floating Fortress Transportpanzers geführt, dessen Laderampe bereits geöffnet war, während sich die Medienteams neu ausrichteten und den Moment aus mehreren Perspektiven festhielten.
Im Zentrum dieses Bildes wurde Robert Kern unterdessen von zwei Soldaten der Legion abgeführt, seine Hände gesichert, seine Schritte schwer und ohne Widerstand, während ihn die Linsen der Medienteams aus nächster Nähe begleiteten und jede Bewegung festhielten bevor er ohne großen Widerstand in den Transporter gebracht wurde und sich die Türen hinter ihm schlossen.

Mit diesem Moment veränderte sich die gesamte Szenerie.
Die letzten vereinzelten Schüsse verklangen, Gefangene wurden systematisch zusammengeführt und abtransportiert, während sich die Blaue Legion neu ausrichtete und den inneren Distrikt vollständig sicherte.

Über dem Platz stieg eine der Aufklärungsdroiden langsam weiter auf und weitete das Sichtfeld, während die übermittelten Sensordaten und Bildaufnahmen ein immer umfassenderes Lagebild des inneren Distrikts zeichneten, in dem sich die Linien der Blauen Legion klar und geordnet abzeichneten und die letzten Bewegungen des Gefechts in eine strukturierte Phase der Sicherung übergingen.

Das Bild weitete sich weiter.
Der gesamte innere Distrikt lag nun unter imperialer Kontrolle, die Linien eindeutig, die Bewegungen geordnet und frei von jeder Ungewissheit.

Legat Veran Koss, der all dies vom vorgeschobenen Hauptquartier geleitet hatte, stand an seinem Holotisch die Arme hinter seinem Rücken verschränkt und konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen als die Legionäre Kern in den Transporter buxierten.
“An alle Einheiten, Operation Small Hunt war erfolgreich und gilt nun als beendet und Robert Kern ist in Gewahrsam. Das Imperium hat gesiegt".

Es war geschafft, Red One war gesichert und Frieden war wieder auf Prefsbelt IV eingekehrt.


Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Das Gebiet um Red One | HQ der Bodentruppen | - Legat Veran Koss sowie Offiziere und andere NPC´s
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Dr. T'rsop Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s


Im Lagezentrum des Gouverneurspalastes hatte sich die Atmosphäre in den letzten Minuten spürbar verdichtet, auch wenn sich an der äußeren Ordnung des Raumes kaum etwas verändert hatte. Die Holoprojektionen zeigten weiterhin die vertrauten Linien, die sich über den inneren Distrikt von Red One legten, Offiziere arbeiteten mit ruhiger Präzision an ihren Stationen, Meldungen wurden aufgenommen, gefiltert und weitergegeben, doch unter dieser kontrollierten Oberfläche lag nun eine Spannung, die sich nicht mehr aus Unsicherheit speiste, sondern aus der Gewissheit, dass sich die Operation ihrem endgültigen Abschluss näherte.

Theranos Zesh stand gemeinsam mit Dr. T'rsop und anderen Offizieren am Rand des zentralen Projektionstisches und verfolgte die Entwicklung mit unbewegter Aufmerksamkeit, während sich auf der Darstellung die letzten Bewegungen der Blauen Legion über den offenen Platz abzeichneten.
Er sah, wie sich die Formationen weiter nach vorne schoben, wie die Abstände gehalten wurden, wie einzelne Widerstandsnester präzise ausgeschaltet wurden, ohne dass sich die Linie auch nur für einen Moment auflöste.
Eine der Projektionen vergrößerte sich, als ein taktischer Offizier den Fokus auf den Bereich des Verwaltungsgebäudes legte, wo sich das Geschehen nun sichtbar verdichtete und die letzten Meter des Vormarsches eine Bedeutung annahmen, die über den reinen Raumgewinn hinausging.

Theranos beobachtete, wie eine der letzten Barrikaden unter gezieltem Feuer nachgab, wie ein schweres Fahrzeug nachrückte und mit einem kontrollierten Schuss die verbliebene Deckung aus dem Weg räumte, während die Infanterie den entstehenden Raum sofort nutzte und ihre Position weiter nach vorne verlagerte, ohne dabei an Ordnung zu verlieren. Die Bewegungen wirkten nicht erzwungen, nicht hektisch, sondern eingebettet in einen Ablauf, der bereits vor Beginn des Angriffs angelegt worden war und sich nun mit jener Präzision entfaltete, die nur aus konsequenter Vorbereitung entstehen konnte.

Weitere Bilder wurden eingespielt, während mehrere Aufklärungsdroiden ihre Flughöhe reduzierten und sich dem inneren Bereich des Distrikts näherten, wodurch die Übertragungen an Schärfe gewannen und die einzelnen Bewegungen der Beteiligten klarer erkennbar wurden. Einzelne Verteidiger versuchten noch, ihre Positionen zu halten, doch ihre Aktionen wirkten isoliert, voneinander getrennt und ohne jede übergeordnete Koordination, als hätten sie den Zusammenhang längst verloren.

Als dann auch noch die letzten Barikaden durchbrochen wurden, reagierte Theranos nicht, doch sein Blick folgte jeder Veränderung auf der Projektion, während sich vor seinen Augen langsam die Struktur des Gegners endgültig auflöste.

Kurz darauf veränderte sich die Situation.
Mehrere Gestalten traten aus der Deckung vor dem Verwaltungsgebäude hervor, ihre Waffen gesenkt, ihre Bewegungen unkoordiniert und von einer Unsicherheit geprägt, die sich deutlich von dem zuvor beobachteten Widerstand unterschied, während sich in ihrer Mitte ein einzelner Mann befand, der von den anderen nach vorne gedrängt wurde und dessen Auftreten bereits aus der Distanz erkennen ließ, dass sich die Dynamik der Situation grundlegend verschoben hatte.

Theranos’ Blick verengte sich leicht, nicht aus Überraschung, sondern aus jener konzentrierten Bewertung, die jede Abweichung vom erwarteten Ablauf sofort einordnete, während die Aufklärungsdroiden ihre Position anpassten, näher heranflogen und die Bildschärfe der Übertragung erhöhten, sodass die Konturen klarer wurden und sich die Szene mit jeder Sekunde präziser darstellte.
Für einen kurzen Moment blieb die Bewegung im Vordergrund, das unruhige Zusammenspiel der Figuren, die Gesten, das Drängen, bis schließlich die Identifikation erfolgte und die Bestätigung über die Verbindung in den Raum getragen wurde, ruhig formuliert und dennoch von einer Wirkung, die sich unmittelbar in der Wahrnehmung aller Anwesenden niederschlug.

Es handelte sich um Robert Kern
Die nachfolgenden Aufnahmen verdichteten das Bild weiter, während sich erkennen ließ, wie die Gruppe um ihn herum keine geschlossene Einheit mehr bildete, sondern sich in widersprüchlichen Bewegungen auflöste, begleitet von Stimmen, die selbst durch die gefilterte Übertragung als brüchig und aufgewühlt wahrnehmbar waren, in denen sich Vorwürfe, Enttäuschung und die späte Erkenntnis mischten, dass die Situation längst außer Kontrolle geraten war.

Aus den Fragmenten der Audioübertragung ließen sich einzelne Begriffe herauslösen, Hinweise auf einen Fluchtversuch, auf vorbereitete Wege, auf ein Vorgehen, das offenbar nicht für alle vorgesehen gewesen war, und noch bevor jemand im Raum diese Zusammenhänge in Worte fasste, setzte sich für Theranos das Gesamtbild zusammen, das keine weiteren Erklärungen mehr benötigte.
Seine eigenen Leute hatten ihn übergeben.
Nicht aus Loyalität gegenüber dem Imperium und nicht aus einem plötzlichen Wandel ihrer Überzeugungen, sondern aus der nüchternen Einsicht heraus, dass es keinen gemeinsamen Ausweg mehr gab und dass der Mann, dem sie gefolgt waren, sie längst als entbehrlich betrachtet hatte.
Ein Offizier bestätigte diese Einschätzung mit gedämpfter Stimme, sachlich formuliert und dennoch mit dem Unterton dessen, was für alle ersichtlich geworden war, während sich die Szene auf der Projektion weiter stabilisierte und der letzte Rest einer zuvor vorhandenen Ordnung endgültig zerfiel.

Die Reaktion im Raum erfolgte nicht in Form eines offenen Ausbruchs, sondern zeigte sich in kleinen, kaum wahrnehmbaren Veränderungen, in einem leichten Nachlassen der angespannten Haltung, in kurzen Blicken, die ausgetauscht wurden, in einzelnen Gesten, die erkennen ließen, dass sich die über Stunden aufgebaute Spannung nun auflöste, ohne dass jemand den Anspruch hatte, diesen Moment für sich zu beanspruchen.


Theranos nahm diese Veränderungen wahr, ohne sie zu kommentieren, während sein Blick erneut über die Projektion glitt, auf der nun deutlich zu sehen war, wie Robert Kern abgeführt wurde, wie die Blaue Legion ihre Formation hielt und die Kontrolle über den inneren Distrikt vollständig festigte, während sich gleichzeitig die Medienteams neu ausrichteten und den Moment aus verschiedenen Perspektiven festhielten, um ihn für die öffentliche Wahrnehmung aufzubereiten.

Ein langsamer Atemzug folgte, bewusst gesetzt und kaum sichtbar, während die Anspannung der vergangenen Tage einer klaren, ruhigen Gewissheit wich, dass der eingeschlagene Weg zum Ziel geführt hatte und sich nun in einem stabilen Ergebnis manifestierte.

Am Rand des Lagezentrums stand ein Pult mit eingebautem Holoprojektor, schlicht und funktional, es war für Theranos vorbereitete worden um nach der Operation eine Rede zu halten um die Bevölkerung von dessen Ausgang zu informieren. Als Theranos näher trat, stellte ein Techniker die Verbindung her.
Für einen kurzen Augenblick ließ Theranos den Blick ruhig nach vorne gerichtet, während sich hinter ihm die Einsatzzentrale weiterhin in geordneter Aktivität bewegte, als sichtbarer Ausdruck jener Struktur, die diesen Sieg erst ermöglicht hatte.
Dann machte er sich bereit für die Übertragung




\\ Sonderübertragung //​

\\ der planetaren Regierung von Prefsbelt IV//​


- gesendet an alle Empfangsgeräte auf Prefsbelt IV -

Achtung, Achtung. Sonderübertragung der planetaren Regierung von Prefsbelt IV. Bitte bleiben Sie an den Empfangsgeräten. Die Übertragung beginnt in 10 Sekunden …

(Ein Countdown läuft. Trommelwirbel, das Wappen des Imperiums erscheint. Dann öffnet sich das Bild: Gouverneur Theranos Zesh steht hinter einem Rednerpult, streng und aufrecht, die Hände klar aufgestützt. Ein kurzer Atemzug, dann spricht er, fest und eindringlich.)

„Bürgerinnen und Bürger von Prefsbelt IV.“
Seine Stimme war ruhig, klar und von jener kontrollierten Autorität getragen, die keine Lautstärke benötigte, um Gewicht zu entfalten.

„Die verdeckte Operation in Red One die Sie alle mittlerweile wahrscheinlich mitbekommen haben ist abgeschlossen. Die Stadt befindet sich nun wieder vollständig unter Kontrolle unserer Kräfte, und der ehemalige Gouverneur Robert Kern wurde festgenommen.“
Er ließ den Worten Raum, ohne sie zu inszenieren.

„Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie schnell Ordnung ins Wanken geraten kann, wenn sie untergraben wird, und wie entschlossen wir handeln müssen, um sie wiederherzustellen. Die Männer und Frauen, die an diesem Einsatz beteiligt waren, haben ihre Aufgabe mit Disziplin, Präzision und Verantwortungsbewusstsein erfüllt.“
Sein Blick blieb ruhig.
„Prefsbelt IV kann ab heute wieder zur Ruhe kommen.“
Ein kurzer Herzschlag verging.

„Die aktuell geltenden Einschränkungen bleiben für die kommenden Tage bestehen, um die vollständige Stabilisierung der Lage zu gewährleisten. In den darauffolgenden Tagen wird die Ausgangssperre aufgehoben, und wir werden diesen Erfolg gemeinsam feiern und zelebrieren.“
Ein kaum sichtbares Lächeln lag für einen Augenblick auf seinem Gesicht.

„Eine offizielle Feier wird vorbereitet, als Zeichen unseres Erfolges und als Ausdruck dessen, was wir gemeinsam erreicht haben.“
Seine Stimme blieb bis zum letzten Wort ruhig und klar.

„Für Prefsbelt IV. Für das Imperium.“
Die Übertragung endete.

Nach ein paar Sekunden, verschwand das Hologramm des Gouverneur und tauschte mit dem Imperialen Wappen, welches mit einer paar Sekunden andauernden Musik begleitet wurde, eher die Übertragung endete.


Theranos blieb noch einen Moment am Pult stehen, bevor er sich wieder dem Lagezentrum zuwandte, in dem die Arbeit bereits weiterging, als hätte es keinen Abschluss gegeben, sondern lediglich den Übergang in eine neue Phase.
Immerhin mussten die Städte wieder aufgebaut, neue Stadthalter ernannt und man musste sich um die Logistik die Zivilisten und die Nacharbeit kümmern um auch jeden möglichen Mitverschwörer noch zu fassen bevor die Spur kalt war.


[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Dr. T'rsop Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] – mit Dr. T’rsop, Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s

Sachlich und präzise wurde Dr. T’rsop von dem Gouverneur in die Lage eingeführt. Keine unnötige blumige Ausdrucksweise, keine übertriebene Dramatik. Theranos Zesh war ein geborener Verwalter und Administrator, wie der Pau’aner wieder einmal feststellte. In dieser Weise erhielt er schnell einen Überblick. Der Widerstand sollte wirklich bald gebrochen werden.

„… um bei unkoordiniertem Vorgehen unnötige Verluste zu verursachen. Aus diesem Grund wurde auf einen unmittelbaren Sturm verzichtet“, schloss Theranos gerade seine Ausführungen. T’rsop nickte wieder leicht; das hatte Theranos wieder gut gemacht. Denn bei einem Aufstand ging es nicht primär um hehre Ziele oder Macht – sondern um eine Stimmungslage, ein – echtes oder gefühltes – extremes Missverstehen. Um Enttäuschung und Wut. Einen Aufstand brutal niederzuschlagen mochte unmittelbar Ruhe durch Angst bringen. Aber mittel- oder langfristig würden diese Gefühle wie ein feiner Wein reifen – und irgendwann für Kopf- oder Magenschmerzen sorgen. Wenn man diesen emotionalen Konflikt aber entschärfte und behandelte, könnte die Gesellschaft wieder genesen und zusammenwachsen. Und das sollte das Ziel sein, damit eine Zivilisation sich weiterentwickeln kann.

Inzwischen hatte sich die Stimmungslage des Gouverneurs geändert, wie der Berater feststellte. Fast unmerklich, aber Theranos‘ Mundbereich hatte sich minimal entspannt und in seine Worte schlich sich eine Vorform optimistischer Erwartung, als er auf die bald angreifende Blaue Legion zu sprechen kam. Und T’rsop konnte ihn nachvollziehen. Er war zwar kein militärischer Experte – aber er konnte Personen und Emotionen gut einschätzen und Daten kombinieren. Andernfalls wäre er niemals so leise und in vielen verschiedenen Bereichen erfolgreich geworden. Jedenfalls wirkte das Personal fokussiert, aber nicht angespannt. Und nirgends blinkten Warnhinweise auf. Im Idealfall würde das Kapitel Robert Kern also wirklich in Bälde sein Ende finden. Und damit ein Sieg gegen die Korruption errungen werden, welche T’rsops Meinung nach das Arbeiten der Gesellschaft auf das Wesentliche hin behinderte.
„Nun, Dr., werden wir in kürze Zeuge werden wie die Ära der Korruption ein Ende nimmt“, wandte sich der Gouverneur nun direkt an ihn als hätte er seine Gedanken bemerkt. Und der Berater blinzelte ihn in verbundener Anerkennung und Zustimmung zu.

Und dann begann der Angriff der Blauen Legion, ohne Verzögerung und Probleme, auch durch die großartige Vorarbeit durch Flotte, Geheimdienst und anderen Akteuren. T’rsops Hand umschloss sein Kinn, als sich eine Veränderung in der Übertragung ergab: Kerns Rebellen schienen den Widerstand aufgegeben zu haben. Stattdessen wurde eine Person von ihnen regelrecht ausgeliefert. Die Augen des Gelehrten weiteten sich kurz, denn Erkenntnis machte sich in ihm breit. Robert Kern wurde von seinen eigenen Leuten verraten. „Tja, Korruption gebiert keine Treue. Aufgedeckte und vorher verborgene Feigheit keine Sympathie“, dachte der Pau’aner, der von diesem Ergebnis nicht überrascht wurde. Und dennoch zufrieden war, dass die Verluste relativ geringgehalten wurden und nicht zu viele Fanatiker in Kerns Reihen entstanden waren.

T’rsops Blick glitt zu Theranos. Dieser atmete gerade ein. Er hat also schon an das Folgende gedacht. Und tatsächlich: Ohne großes Theater oder Vorankündigung machte sich der Gouverneur auf den Weg zu seinem Übertragungspult – und begann direkt eine Rede an die Bevölkerung Prefsbelts. An einer politischen Rede hatte der Pau’aner aber gerade kein Interesse. Zwar wusste er um Theranos Redegewandtheit – auch wenn sie ihm persönlich eine Spur zu beherrscht war; Theatralik an der richtigen Stelle belebte wunderbar Emotionen (vielleicht sollte er Theranos bei Gelegenheit mal zu einer privaten Rhetorikstunde einladen) – aber er hatte den langen Weg von Monspolis zur Hauptstadt nicht in Kauf genommen, um an etwas teilzunehmen, das er auch bequem in seinem Büro oder von seinem Sofa aus mitverfolgen hätte können.

Also wandte sich T’rsop um und ging zielstrebig auf ein Terminal zu.
„Danke, ich setze mich jetzt hier hin“, sprach er leise die dort arbeitende Menschenfrau an. Diese blickte ihn verwirrt an und stammelte: „Ich verstehe nicht…“ Und da griff sie der Pau’aner schon vor Ungeduld und hob sie halb aus ihrem Sitz und setzte sich. Wortlos drückte er ihr seine ID-Nadel in die Hand und begann seine Arbeit. Er rief sich eine Versorgungskarte von Prefsbelt IV auf das Terminal. Zeitgleich holte er aus einer seinen tiefen Gewandtaschen sein persönliches Datapad und entsperrte es. Und schon flogen seine langen dünnen Finger über das Pad, hin und wieder zu dem Terminal, während seine Augen hin- und herzuckten. Die Außenwelt und selbst sein extrovertierter Schalk verschwanden – nur noch Daten und seine Aufgabe waren ihm präsent. Er erstellte eine Liste von Missionen und Ideen, wie man auf die jetzige Situation schnell und richtig reagieren könnte. Dazu hatte er sich schon auf seinem Hinflug Gedanken und Notizen gemacht – denn er mochte es nicht, etwas ganz spontan und unvorbereitet zu tun. Die besten Entscheidungen traf man aus Wissen und Vorbereitung. T’rsop benachrichtigte seine Kontaktpersonen und Angestellten, leitete Missionen in die Wege und notierte in einem Dokument mit jeweiliger Verlinkung Einsatz und Status. Und so entstand seine Liste:

  • Versorgungszug A und B aus Monspolis in Begleitung der ersten Monspolis Akademie Kompanie mit humanitären Hilfsgütern nach Red One. AutorisiertGestartet.
  • Prof. Dr. Smitt mit seinem Abschlusskurs angehender Architekten aus Monspolis nach Red One. AutorisiertIn Vorbereitung.
  • Prof. Dr. Edgar und Dr. Lioa zur psychosozialen Versorgung und Organisation aus Monspolis nach Red One. AutorisiertGestartet.
  • Die Feierlichkeiten der Kultur und schönen Künste in drei Monaten von Monspolis verlegt nach Red One. Anfrage weitergeleitetStatus offen.
Damit hatte T’rsop diejenigen Dinge in die Wege geleitet, die er selbst autorisieren und in Auftrag geben durfte. Aber das stellte ihn noch nicht zufrieden. So fragte er auch andere Administratoren und Legaten an. Manche von ihnen kannte er nur förmlich – bei anderen hingegen erwachten kurze Erinnerungen an Geschehnisse und Erlebnisse mit ihnen, ihren Eltern bis hin zu Urgroßeltern. Aber in diesen Erinnerungen erging sich T’rsop nicht, sondern ließ sie nur kurz über sich fließen, um zielstrebig seine Arbeit fortzuführen. Und so erweiterte sich seine Liste.

  • Kriseninterventionsteam aus Grey One zur Unterstützung von Prof. Dr. Edgar und Dr. Lioa aus Grey One nach Red One. Autorisierung benötigtStatus offen.
  • Minenvorstand und Bergbau von Red One angefragt zur Inspektion der Tunnel. Autorisierung benötigtStatus offen.
  • Geheimdienst und Trupp der Blauen Legion zur Beaufsichtigung der Inspektion der Tunnel beordern. Autorisierung benötigtStatus offen.
  • Überblick über das gesamte Tunnelnetzwerk Prefsbelts IV angefordert zur Erarbeitung eines Schutz- und Verteidigungskonzepts. Autorisierung benötigtStatus offen.
  • Dankes- und Lobesfeier für die Einsatzkräfte zusätzlich zu dem offiziellen Festakt organisieren. Autorisierung benötigtStatus offen.
Nach kurzem Überlegen ergänzte er auf seiner Liste – allerdings zusätzlich verschlüsselt – eine direkte Nachricht an Theranos, in der er verdächtige Personen in hohen Positionen (vor allem im Bereich der Infrastruktur und des Bergbauwesens) zur Überprüfung und Befragung auflistete sowie seinen Verdacht festhielt, dass die Tunnelsysteme um Red One wesentlich größer, tiefer und vernetzter sein könnten, als ursprünglich gedacht. Um das zu überprüfen – und nutzen – zu können brauchte er die Freigabe über alle Tunnelkarten und das Kommando über ein Suchteam. Dann hatte er alles, was er in der Kürze der Zeit ruhigen Gewissens regeln und anstoßen konnte.

So stellte er das Terminal wieder auf seine Ausgangsanzeige und erhob sich. Kurz streckte er seinen Rücken ganz durch, um ihn etwas zu entlasten. Danach schritt er durch den Raum. Zuerst zu der Frau, deren Platz er sich geliehen hatte.
„Vielen Dank, dass ich deinen Platz nutzen durfte. Das hat mir die Arbeit erleichtert“, bedankte er sich und neigte in ehrlicher Dankbarkeit für ihre Akzeptanz seines Handelns das Haupt. „Es freut mich, dass ich Ihnen helfen konnte, Dr. T’rsop“, erwiderte diese diszipliniert und reichte ihm seine ID-Nadel. Er nahm sie, warf sie einmal hoch in die Luft, fing sie auf und verstaute sie wieder in einer seiner Taschen.

Dann blickte er sich im Raum um. Nach kurzer Zeit hatte er Theranos gefunden. Dieser hatte gerade augenscheinlich seine Rede beendet und war dabei, sich neuen Aufgaben zu widmen. Nach einem kurzen Kontrollblick auf sein Datapad schickte der Pau’aner dem Gouverneur Prefsbelts IV seine Auflistung auf dessen Datapad, was der internen Kommunikation zwischen ihnen diente.
„Gouverneur Zesh“, sprach T’rsop Theranos an und stellte sich an dessen Seite,

„ich habe Ihnen eine Auflistung von Missionen geschickt, die ich angeordert habe, beziehungsweise auf Autorisierung hoffe. Allesamt halte ich diese Missionen für wichtig und heilsam. Ich habe drei Hauptaufgaben identifiziert, die wir haben, um den Schaden durch Kerns Rebellion und deren Niederschlagung wieder zu heilen: Wir müssen das Antlitz der Stadt heilen, der Seele der Gesellschaft Linderung verschaffen und die losen Enden beseitigen. Architektonisch haben wir die Infrastruktur wieder instand zu setzen und das Antlitz von Red One zu versorgen – das wird die Stärke und Gesundheit unserer Zivilisation zeigen. Für den sozialen Frieden – auch und gerade in langfristiger Sicht – müssen wir die Betroffenen und Opfer beider Seiten schnellstmöglich sowohl humanitär als auch sozial-psychologisch versorgen. Dadurch werden die einfachen Menschen spüren, dass die Regierung keinen Hass auf sie als Personen hat und dass es ihr wirklich um das Wohle Prefsbelts geht. Dadurch werden langsam aber sicher Misstrauen und Animositäten abflachen. Und dann sollten wir die losen Enden noch finden und verschnüren. Details dazu sollten inzwischen auf einem dein… Ihrer Datapads angekommen sein. Für weitere Hilfe stehe ich zur Verfügung.“ Bei den letzten Worten schaute T'rsop dem Gouverneur forschend-interessiert und offen neugierig direkt in die Augen.

[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] – mit Dr. T’rsop, Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
Zuletzt bearbeitet:
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Dr. T'rsop Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s


Die Übertragung war beendet, die letzten Worte verklungen, und während sich die Aufmerksamkeit der Einsatzzentrale langsam wieder auf ihre regulären Abläufe verlagerte, trat Theranos Zesh vom Pult zurück und setzte sich in Bewegung.

Er schritt durch den Raum, während um ihn herum die Offiziere, Techniker und Verbindungseinheiten bereits damit begannen, die eingehenden Datenströme zu bündeln, Berichte zu strukturieren und die Ereignisse der letzten Stunden in eine klare Form zu bringen, und obwohl niemand laut wurde, lag doch eine spürbare Veränderung in der Atmosphäre, eine Entspannung, die sich nicht in offenen Gesten zeigte, sondern in kleinen Blicken, in kurzen Bewegungen, in dem stillen Einverständnis, das sich einstellt, wenn ein Ziel erreicht wurde, auf das über lange Zeit hingearbeitet worden war.

Noch bevor er die Tür erreichte, trat Dr. T’rsop an seine Seite, als hätte er genau diesen Moment abgepasst, und Theranos erkannte bereits an der Haltung des Pau’aners und an der ruhigen Zielstrebigkeit, mit der dieser sich einfügte, dass die vergangenen Minuten von ihm nicht ungenutzt geblieben waren.

Der Dr. machte Theranos in ruhigem Ton darauf aufmerksam, dass eine Zusammenstellung von Maßnahmen bereits übermittelt worden sei, von denen ein Teil unmittelbar angestoßen worden war, während andere noch seiner ausdrücklichen Autorisierung bedurften.

Theranos verlangsamte seinen Schritt kaum merklich, griff in einer fließenden Bewegung nach seiner Aktentasche und zog das Datapad hervor, dessen Oberfläche augenblicklich aktiv wurde und die übermittelte Datei in den Vordergrund rückte, sodass er unmittelbar mit der Durchsicht beginnen konnte.




„Einen Moment, Doktor“, erwiderte er ruhig, während sein Blick sich auf die ersten Einträge legte und er begann, die Liste in jener konzentrierten Ruhe zu erfassen, die es ihm erlaubte, Zusammenhänge nicht nur zu erkennen, sondern sofort einzuordnen während er gleichzeitig den Erklärungen des Doktors lauschte.

Die Versorgungszüge aus Monspolis, begleitet und abgesichert, mit klar definierten humanitären Gütern, fügten sich ebenso logisch in das Bild wie die Entsendung von Fachpersonal aus dem Bereich der Architektur und der psychosozialen Betreuung, während die geplante Verlagerung kultureller Veranstaltungen bereits erkennen ließ, dass T’rsop nicht nur an die unmittelbare Stabilisierung dachte, sondern an die Wiederherstellung eines funktionierenden gesellschaftlichen Gefüges.

Theranos blieb schließlich stehen, nicht abrupt, sondern in einer ruhigen Selbstverständlichkeit, als hätte er diesen Punkt bewusst gewählt, um sich der Lektüre vollständig zu widmen, während die Einsatzzentrale um ihn herum weiterarbeitete, ohne ihn zu unterbrechen.

Sein Blick vertiefte sich, als er die Punkte erreichte, die noch auf Autorisierung warteten, insbesondere jene, die sich mit der Untersuchung der Tunnelsysteme, der Sicherung kritischer Infrastruktur und der Einbindung zusätzlicher Kräfte beschäftigten, und als er schließlich die verschlüsselte Nachricht öffnete, wurde deutlich, dass sich hinter den bisherigen Erkenntnissen weitere Strukturen verbergen konnten, die bislang nur in Ansätzen sichtbar gewesen waren.

Er nahm sich die Zeit, diese Informationen vollständig zu erfassen, ließ sie nicht nur über sich hinwegziehen, sondern setzte sie in Beziehung zu dem, was bereits bekannt war, und während er dies tat, begann seine Hand sich bereits zu bewegen, indem er einzelne Punkte bestätigte, Freigaben erteilte und notwendige Autorisierungen setzte, ohne dabei zu zögern oder innezuhalten, da die Entscheidungen nicht aus einem Impuls heraus entstanden, sondern aus einer klaren, durchdachten Einschätzung der Lage.

Theranos sah kurz vom Datapad auf und sah T’rsop an, und in diesem Moment lag in seiner Mimik eine Form von Anerkennung, die nicht laut ausgesprochen werden musste, um verstanden zu werden.



„Ihre Maßnahmen greifen an genau den Stellen an, an denen wir jetzt Stabilität benötigen deswegen werde ich ihre Anfragen autorisieren.“, sagte er ruhig, während seine Stimme jene kontrollierte Klarheit beibehielt, die ihn auszeichnete, „Sie verbinden die unmittelbare Sicherung der Lage mit einer Perspektive, die über den heutigen Tag hinausreicht.“

Er ließ den Blick kurz über die Umgebung gleiten, bevor er fortfuhr.

„Sie bestätigen damit einmal mehr, warum Legat Bayl Sie in dieser Weise einbindet, und ich sehe keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass Ihre Rolle in den kommenden Entwicklungen noch an Bedeutung gewinnen wird.“

Theranos lies das Datapad kurz sinken, während sich sein Blick für einen Moment in die Ferne richtete, als würde er bereits die nächsten Schritte vor sich sehen.

„Red One wird sich erholen“, sagte er anschließend, nun mit einer Nuance von Gestaltung in seiner Stimme, die über die reine Analyse hinausging, und wir werden diesen Prozess aktiv lenken. Ich beabsichtige, eine direkte Verkehrsverbindung von Blue One in Richtung Red One zu schaffen, eine durchgehende Route entlang der bestehenden Strukturen und durch das Wüstengebiet, abgesichert, infrastrukturell erschlossen und dauerhaft kontrolliert.“

Er machte eine kurze, natürliche Pause, bevor er den Gedanken weiterführte.

„Diese Verbindung wird nicht nur den Handel stärken und die Versorgung sichern, sondern auch ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass dieser Teil des Planeten nicht am Rand steht, sondern fest in unsere Ordnung eingebunden ist. Eine Red Route, wenn man es klar benennen möchte.“

Sein Blick kehrte zu T’rsop zurück.

„Darüber hinaus werden sich weitere Möglichkeiten ergeben, wirtschaftlich wie kulturell, und ich bin überzeugt, dass Sie dazu Ansätze entwickeln werden, die über das Erwartbare hinausgehen.“


Für einen Moment ließ er diese Worte stehen, bevor er fortfuhr.

„Ich danke Ihnen, Doktor. Ihre Arbeit hat maßgeblich dazu beigetragen, dass dieser Einsatz in der vorliegenden Form abgeschlossen werden konnte.“

Während Theranos die entsprechenden Punkte auf dem Datapad noch einmal überflog und die Einträge zu den Tunnelsystemen und deren Untersuchung erneut in den Fokus rückten, hob er den Blick leicht und ergänzte in ruhigem, aber bestimmtem Tonfall:
„Die Untersuchung der Tunnelstrukturen wird Priorität haben und deshalb möchte ich, dass Sie dabei nicht isoliert vorgehen. Binden Sie das ISB in sämtliche relevanten Prozesse mit ein.“

Sein Blick blieb für einen Moment auf T’rsop gerichtet, nicht prüfend, sondern klar in der Erwartung, dass diese Anweisung ohne weitere Erläuterung verstanden wurde.

„Diese Strukturen sind nicht über Nacht entstanden, und wir können nicht davon ausgehen, dass alle Zusammenhänge bereits offengelegt wurden“, fuhr er fort, während sich seine Stimme kaum veränderte, jedoch eine spürbare Schärfe in der inhaltlichen Ausrichtung lag. „Der ISB wird prüfen, wie es möglich war, dass sich ein derartiges Netzwerk entwickeln konnte, wer daran beteiligt war und ob weitere Verbindungen bestehen, die bislang unentdeckt geblieben sind.“

Er ließ den Gedanken einen Moment stehen, bevor er ihn in eine größere Perspektive einordnete.

„Gleichzeitig ist es wichtig, dass diese Zusammenarbeit sichtbar ist. Nicht als Eingriff, sondern als koordinierte Maßnahme innerhalb imperialer Strukturen. Wir stellen damit sicher, dass Verwaltung, Sicherheit und Aufklärung ineinandergreifen und nicht nebeneinander arbeiten.“

Ein kaum merkliches Nicken folgte.

„Sorgen Sie dafür, dass die entsprechenden Verbindungen hergestellt werden. Ich werde die notwendigen Freigaben unterstützen.“



Dann wandte er sich leicht zur Seite und ließ seinen Blick durch den Raum gehen, bis sich die Aufmerksamkeit der Anwesenden erneut auf ihn richtete.

„Meine Damen und Herren“, begann er in ruhigem Ton, der dennoch den gesamten Raum erreichte, „ich danke Ihnen für Ihre Leistungen. Schließen Sie die laufenden Arbeiten ab, finalisieren Sie die Berichte und stellen Sie die Systeme entsprechend um. Danach erwarte ich, dass Sie die notwendige Ruhe in Anspruch nehmen.“

Dann nickte Dr. T’rsop zu.

„Doktor, wenn Sie mich nun entschuldigen, ich muss alles auf die Ankunft des Moffs vorbereiten, der in den nächsten Tagen eintreffen sollte.“

Dann setzte er seinen Weg fort, verließ die Einsatzzentrale und machte sich auf den Weg zu seinem Büro, während hinter ihm die geordnete Betriebsamkeit eines erfolgreichen Einsatzes nahtlos in die nächste Phase überging.



[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Dr. T'rsop Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Orbit von Prefsbelt IV | Brücke der "Heart of Prefsbelt" ] - Aren Vayliuar, Captain Jerome Assai, Brückencrew

Das Wirrwarr des Hyperaum löste sich auf und durch die großen Fenster der Brücke wurde Prefsbelt sichtbar. Obwohl Aren nun schon seit einigen Jahren im Prefsbelt-Sektor seinen Dienst tat, hatte er bisher noch nie das namensgebende System besucht. Um ihn herum herrschte ein reges Treiben, Befehle wurden gegeben und befolgt und ein jeder wusste, was seine Rolle als Zahnrad in dieser Maschinerie war. Aren selbst stand mit auf dem Rücken verschränkten Armen am Kopf der Brücke und blickte hinaus. Gerade schoben sich an der "Heart of Prefsbelt" die beiden Begleitkreuzer der Eingreiftruppe vorbei, ein Gladiator- und ein Vindicator-Klasse Sternenzerstörer. Aren hatte von seinem Weisungsrecht gegenüber den Sektorverteidigungskräften Gebrauch gemacht um in enger Absprache mit Admiral Iven eine kleine Eingreiftruppe nach Prefsbelt IV zu beordern. Er wusste zwar, dass Gouverneur Zesh die Situation weitestgehend geregelt hatte, doch hatten die Nachrichten, die ihm der Gouverneur immer wieder geschickt hatte, genügend beunruhigt, um auf Nummer sicher zu gehen und für den Fall der Fälle einige schlagkräftige Schiffe in der Hinterhand zu haben. Die "Heart of Prefsbelt" war - genau wie ihr Captain - als Victory-1-Klasse Sternenzerstörer ein Relikt in der Sektorflotte von Prefsbelt und würde wahrscheinlich in Bälde Modernisierungen zum Opfer fallen, doch - erneut genau wie ihr Captain - hatte sich das Schiff über die Jahre einen beinahe legendären Ruf im Sektor erarbeitet. Es war außerdem von Vorteil, dass die Victory-1-Klasse als einziges Kapitales Schiff Atmosphäre tauglich war. Zum einen hatten sich die Aktivitäten des umtriebigen Ex-Gouverneurs Kern ausschließlich auf den Planeten begrenzt, und so war mehr von Bodenbombardierungen als von Raumschlachten auszugehen (wenn überhaupt) und zum anderen machte es doch auch nochmals einen anderen Eindruck, wenn sich ein Schlachtkreuzer nicht nur im Orbit hielt, sondern direkt über den Köpfen zahlloser treuer imperialer Bürger in die Atmosphäre eintauchte und über der Hauptstadt in der Luft hing.

,,Exzellenz, wir tauchen nun in das Orbit Prefsbelt IVs ein und haben danach bereits die Freigabe, im Luftraum über Blue One zu ankern. Wenn es euch beliebt, wäre mir eine Freude euch zu eurem Shuttle zu begleiten."

Captain Assai war ein alter, aber noch immer äußerst verlässlicher Offizier der Flotte. Während der kurzen Reise von Yaga-Minor nach Prefsbelt hatten sie sich auch zumindest etwas unterhalten können, was das positive Bild, welches Aren aus Berichten und Erzählungen über den Offizier bereits hatte, nur nochmals gefestigt und verstärkt. Aren nickte ihm zu und bedeute ihm, voran zu gehen. Sie verließen die Brücke und marschierten durch die Gänge des Sternenzerstörers in Richtung Hangar. Flottensoldaten salutierten ihnen, doch für den Captain war dies reine Normalität, sodass er einfach vorbeischritt. Für Aren hatte es beinahe etwas nostalgisches, auch, wenn er doch eigentlich so oft in Kontakt mit dem Militär kam.

,,Eure Verlobte wird, wie geplant, erstmal auf der "Heart of Prefsbelt bleiben?"

Aren nickte. Auch, wenn sich die Lage auf dem Planeten beruhigt hatte, wollte er doch kein Risiko eingehen. Und zum anderen fühlte Adriana sich derzeit auch nicht übermäßig wohl und wollte sich schonen und vorbereiten für die Gala der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur, welche sie nach diesem Termin auf Truuine besuchen würden.

,,Vorerst ist das der Plan, ja. Sie will sich noch etwas erholen. Sollte es sich anbieten, wird sie vielleicht nachkommen. Admiral Iven teilte mir mit, dass es kein Problem wäre, wenn Sie mit Ihrer Eingreiftruppe für eine kurze Zeit noch hier im Prefsbelt-System auf Abruf bereit stehen? Nicht, dass ich wirklich denke, dass es Not tut."

,,Exakt, eure Exzellenz. Die Befehle sind, dass wir mindestens für die Dauer eures Aufenthaltes bei Prefsbelt IV verbleiben, um danach eine Analyse der Gefahrenlage vorzunehmen um zu überprüfen, ob eine solch erhöhte Präsenz der Flotte weiterhin für nötig erachtet wird. Entspricht dies euren Vorstellungen, Sir?"

Aren wusste es durchaus zu schätzen, dass der Captain soviel Wert auf seine Meinung legte, besaß er doch lediglich ein Weisungsrecht, aber noch lange keine Befehlsgewalt über die Sektorflotte. Mit einem solchen Mann, der zudem die Rückendeckung von Admiral Iven besaß, hatte er volles Vertrauen darein, dass alle Eventualitäten nicht zu Problemen ausarten würden. Und auch diese komischen Kompetenzstreitigkeiten, von welchen Gouverneur Zesh im Bezug auf einen gewissen Captain Skywalker gesprochen hatte, würden so hoffentlich noch einfach abzuwiegeln sein, falls sie überhaupt ein Problem darstellten.

,,Voll und ganz, Captain. Ich vertraue in diesem Fall völlig auf die Einschätzung von Ihnen und dem Admiral. Kern war ein gefährliches Individuum und Prefsbelt IV ist von erheblicher Bedeutung - die hier getätigten Investitionen dürfen nicht gefährdet werden - aber das ist ihnen und Admiral Iven ja vollumfänglich bewusst."

Sie gingen weiter durch die Gänge, bis sie im Hangar ankamen. Seine Yacht stand hier direkt neben einem Shuttle der Lambda-Klasse, welches er für den kurzen Flug zur Planetenoberfläche nutzen würde. Er wollte nicht, dass er in einer Stadt, die in den letzten Tagen so viele Schicksalsschläge hatte verkraften müssen, er durch unnötige Extravaganz und Luxus auffiel. Diesen würde er sich wieder auf dem Weg nach Truuine gönnen können. Hier ging es nun um dienstliche Effizienz. Kurz vor der Rampe zum Shuttle, vor der bereits ein Sekretär sowie Mitglieder seiner Garde warteten, drehte er sich nochmals zu Captain Assai um und reichte ihm die Hand.

,,Vielen Dank, Captain. Ich hoffe sie werden eine entspannte Zeit hier über Blue One haben, aber ich denke nicht, dass es noch irgendetwas gäbe, was Ihnen Probleme bereitet."

Der Captain erwiderte den Handschlag und salutierte dann. Aren stieg in das Shuttle und bereitete sich für die Ankunft auf Prefsbelt vor. Der Flug selber würde nur wenige Minuten dauern. Von einem Bediensteten nahm er seinen Imperialen Ritterorden entgegen, den er sich um den Hals legte und penibel auf seiner äußerst gepflegten Uniform platzierte. Dann warf er sich einen langen, dunklen Mantel über und nahm auf einem der Sitze platz. Sobald sie abgehoben hatten, waren sie quasi schon da.

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Orbit von Prefsbelt IV | Hangar der "Heart of Prefsbelt" | Lambda-Shuttle ] - Aren Vayliuar
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Gouverneursbüro] Theranos Zesh



Theranos löste den Blick für einen Moment vom Schreibtisch und blickte hinüber zu den hohen Fenstern. Hinter denen sich die Straßen von Blue One bereits in einer ungewöhnlichen Dichte bewegten, da sich seit den frühen Morgenstunden immer mehr Menschen in Richtung der ausgewiesenen Bereiche entlang der Ankunftsroute des Moffs sammelten, während Banner, Projektionen und das geordnete Auftreten der Sicherheitskräfte ein Gesamtbild erzeugten, das nicht nur Vorbereitung erkennen ließ, sondern gezielt auf Wirkung angelegt war, als hätte die Stadt selbst verstanden, dass dieser Tag nicht einfach ein Besuch war, sondern ein Moment, der in Erinnerung bleiben sollte.

Die Vorbereitungen der letzten drei Tage hatten diese Wirkung lediglich verdichtet, beschleunigt und verfeinert, denn der Großteil dessen war bereits lange zuvor geplant und in Grundzügen angelegt worden. Sodass es nun nur mehr darum gegangen war, dem Anlass gerecht zu werden. Jedes Detail, jede Dekoration zu perfektionieren und jede Abfolge so zu setzen, dass sie nicht zufällig wirkte, sondern wie das Ergebnis eines durchdachten Gesamtkonzepts. Theranos Ziel war es dem Moff ein Monumentales willkommen zubereiten, eines das noch größer und besser war als das der damaligen Delegation von Truuine.

Die Entscheidung, den Moff nicht direkt in den Gouverneurspalast und dessen Hangar einfliegen zu lassen, sondern ihn in der größten Landebucht des Raumhafens landen zu lassen, der genau so wie der Raumhafen geschmückt und dekoriert worden war. Des Weiteren hatte man einen langen Teppich von der Landebucht bis zum Ausgang und weiter bis zur Schwebe Limousine legen lassen.

Die Idee, den Moff und den Gouverneur durch die Stadt zu chauffieren, erlaubte es, die Bevölkerung nicht nur über die Ankunft des Moffs zu informieren, sondern auch aktiv einzubinden. Sie zu einem sichtbaren Teil dieses Moments zu machen und damit jene emotionale Bindung zu erzeugen, die weit über reine Loyalität hinausging und sich in Bildern, Erinnerungen und persönlicher Wahrnehmung verankern würde.
Sein Blick kehrte langsam zu den Unterlagen zurück, wobei sich die verschiedenen Aspekte der Vorbereitung in seinem Kopf nicht als einzelne Punkte darstellen, sondern als ineinandergreifende Zahnräder.

Der Raumhafen, die Route, die Präsenz der Truppen, die mediale Inszenierung, der vorbereitete Gästeflügel, die geplanten Abläufe des Nachmittags mit der Urteilsverkündung sowie die Auszeichnungen an die Truppen, die Ernennungen neuer Verwalter und Posten sowie die Abendveranstaltung miteinander verbunden waren und sich gegenseitig verstärkten, während zugleich deutlich wurde, dass hinter all dem nicht nur Organisation, sondern eine klare strategische Linie stand.
Der Palast selbst war in diesen Ablauf ebenso eingebettet worden wie die späteren Programmpunkte, angefangen bei der Urteilsverkündung au der Tribüne am Hauptplatz vor dem Palast bis hin zu den begleitenden Veranstaltungen, den geladenen Gästen aus Verwaltung, Militär, Akademie und kulturellen Einrichtungen sowie die Eliten aus der Industrie und der Wirtschaft, die gemeinsam ein Bild erzeugen sollten, das nicht nur Macht, sondern auch Stabilität, Ordnung und Zukunft vermittelte.



Ein leises Signal aus dem Kommunikationssystem durchbrach schließlich die gedankliche Kontinuität, ohne sie abrupt zu unterbrechen, nahm Theranos es mit ruhiger Selbstverständlichkeit auf, während seine Aufmerksamkeit sich unmittelbar auf die eingehende Verbindung richtete.


„Miss Marris“, sagte er in gleichbleibendem Tonfall.

„Eure Exzellenz“, meldete sich Miss Marris mit jener klaren, professionellen Stimme, die selbst in Momenten erhöhter Betriebsamkeit niemals an Struktur verlor, „der Moff ist soeben in das System eingetreten. Die Heart of Prefsbelt hat den Orbit erreicht und die Landevorbereitungen wurden eingeleitet. Das Shuttle wird in Kürze in Richtung Raumhafen Blue One aufbrechen.“

Theranos nahm die Information ohne sichtbare Regung auf, während sich in seinem Blick dennoch eine leichte Fokussierung zeigte.
„Sehr gut“, erwiderte er ruhig, „halten Sie alle Stationen auf Bereitschaft und bestätigen Sie die finalen Abstimmungen entlang der Route, alles muss perfekt sein.“

„Bereits erfolgt, Exzellenz“,
antwortete Marris ohne Zögern, „die Sicherheitskräfte haben ihre Positionen eingenommen, die Medienteams sind bereit, und sämtliche Koordinationsstellen melden volle Einsatzfähigkeit.“

Ein kaum merkliches Nicken folgte, während Theranos sich in einer ruhigen, fließenden Bewegung erhob, wobei sich in dieser Geste weniger Aufbruch als vielmehr Übergang zeigte, als würde er nicht zu einem Ereignis aufbrechen, sondern sich in eine bereits laufende Inszenierung einfügen, deren Ablauf längst feststand.

Seine Hand glitt für einen Moment über den Stoff seines Mantels, strich eine kaum sichtbare Falte glatt, während sein Blick kurz an einer reflektierenden Oberfläche hängen blieb, in der sich seine Erscheinung nur angedeutet spiegelte, ausreichend, um letzte Details zu prüfen, ohne dass daraus eine bewusste Handlung gemacht wurde.

Die vergangenen Tage hatten nicht nur die Stadt vorbereitet, sondern auch ihn selbst, angefangen bei den zahllosen Gesprächen, Entscheidungen und Abstimmungen bis hin zu den kleineren, fast beiläufig wirkenden Maßnahmen, die dennoch ihren Platz im Gesamtbild hatten, von der Auswahl der Kleidung bis zur bewussten Kontrolle von Haltung und Auftreten, da er wusste, dass dieser Empfang nicht allein für den Moff gedacht war, sondern für alle, die ihn sehen würden.


„Informieren Sie Legat Bayl, dass ich mich nun auf den Weg zum Raumhafen mache“, fügte er hinzu, während er sich bereits in Richtung Tür wandte, „und stellen Sie sicher, dass die Abstimmung mit den TIE-Staffeln exakt nach Zeitplan erfolgt.“

„Sehr wohl, Exzellenz.“

Mit diesen Worten endete die Verbindung, und Theranos trat aus seinem Büro hinaus und machte sich auf den Weg durch den Palast.

Draußen, jenseits der großen Tore, wartete bereits der vorbereitete Konvoi, angeführt von der eleganten Cabrio-Schwebelimousine, die Theranos ausgesucht hatte um erstens den Moff mehr von der Stadt und die Stadt Ihn und den Moffe sehen zu lassen.
Dahinter weitere Fahrzeuge in präziser Formation, ergänzt durch sichtbare, aber nicht aufdringliche Präsenz der Sicherheitskräfte.
Theranos trat hinaus, ließ den Blick ein letztes Mal über die Szenerie gleiten, die sich vor ihm ausbreitete, von den ersten Menschenansammlungen in der Ferne bis hin zu den aufgestellten Bannern des Prefsbelt Sektors und des Imperiums sowie die Projektionen, des Moffs. Dann setzte er sich in Bewegung.



Als Theranos in die wartende Cabrio-Schwebelimousine einstieg und sich die Türen lautlos hinter ihm schlossen, setzte sich der Konvoi in Bewegung, zunächst ruhig und kontrolliert, dann mit jener gleichmäßigen Dynamik, die keine Eile erkennen ließ, sondern lediglich Präzision, während sich die Fahrzeuge entlang der festgelegten Route durch Blue One bewegten und sich die Stadt vor den getönten Sichtfeldern in einem Bild entfaltete, das gleichermaßen vertraut und doch verändert wirkte.

Entlang der Straßen hatten sich bereits Menschen versammelt, geordnet, geführt und doch sichtbar von einer Erwartung getragen, die sich nicht allein aus Anweisungen speiste, sondern aus der klar erkennbaren Bedeutung des Ereignisses, während Banner, Projektionen und in den Himmel gerichtete Lichtlinien das Bild ergänzten und die Präsenz des Imperiums nicht nur sichtbar, sondern spürbar machten.
Hier und dort waren Formationen der Blauen Legion positioniert, ergänzt durch Einheiten der planetaren Sicherheitskräfte, deren Aufstellung nicht allein der Absicherung diente, sondern ebenso Teil des Gesamtbildes war, das Stärke und Kontrolle vermittelte, während über ihnen in festgelegten Abständen TIE-Jäger ihre Bahnen zogen und mit ihrem charakteristischen Klang eine akustische Kulisse erzeugten, die sich tief in die Wahrnehmung der Anwesenden einprägte.

Theranos ließ den Blick ruhig durch die Szenerie gleiten und war zufrieden mit dem, was Legat Bayl, Veran Koss, Dr. T’rsop sowie andere berater und er gemeinsam geplant hatten.

Zwischen den Eindrücken der vorbeiziehenden Stadt glitten seine Gedanken für einen Moment zu den weiteren Abläufen des Tages, zu den Einladungen, die in den vergangenen Tagen noch gezielt versendet worden waren, bewusst auch an jene Offiziere und Einheiten, deren Beitrag entscheidend gewesen war, darunter Thade Skywalker sowie Kal Andrim und die Piloten seiner Staffel, deren Präsenz am Abend nicht nur Anerkennung darstellen sollte, sondern zugleich die Verbindung zwischen militärischem Erfolg und öffentlicher Wahrnehmung sichtbar machte.
Der Gedanke daran fügte sich nahtlos in das Gesamtbild ein, da dieser Tag nicht mit der Ankunft des Moffs enden würde, sondern sich in den folgenden Stunden weiter entfalten sollte, von der Urteilsverkündung bis hin zu dem Ball, bei dem sich die verschiedenen Ebenen der Macht, der Kultur und der Gesellschaft in einem Raum begegnen würden.



Die Fahrzeuge verlangsamten sich leicht, als der Raumhafen in Sicht kam, dessen weitläufige Struktur sich bereits aus der Distanz in einer Form präsentierte, die deutlich machte, dass auch hier in den letzten Tagen keine Fläche unberührt geblieben war, während die Zufahrten gesichert, die Übergänge strukturiert und die offenen Bereiche gezielt so gestaltet worden waren, dass sie sowohl Kontrolle als auch Größe vermittelten.

Als der Konvoi schließlich in den abgesperrten Bereich einfuhr und zum Halten kam, öffneten sich die Türen, und Theranos stieg aus dem Cabrio aus. Während sich Medienteams positionierten, schwebende Kameraplattformen ihre Höhen justierten und die ersten Aufnahmen bereits eingefangen wurden, noch bevor der eigentliche Anlass begonnen hatte.

Sein Auftreten wurde unmittelbar registriert und mit jener stillen Aufmerksamkeit, die sich aus klarer Hierarchie ergab, während vereinzelte Blitze von Aufnahmegeräten aufleuchteten und die ersten Bilder entstanden, die später Teil der offiziellen Berichterstattung sein würden.
Der Raumhafen selbst wirkte in diesem Moment weniger wie ein funktionaler Verkehrsknotenpunkt als vielmehr wie ein Ort, der bewusst in eine repräsentative Form gebracht worden war, mit gespannten Bannern, einer Architektur, die durch Licht, Bewegung und Präsenz zusätzlich betont wurde, während sich im Hintergrund die gewaltigen Strukturen der Landebuchten erhoben und den Blick unweigerlich nach oben zogen. Auch vor dem Raumhafen standen mehrere Einheiten sowie eine Kapelle die ein Imperiales Musikstück spielen würde sobald der Moff ins freie treten würde.

Theranos setzte sich in Bewegung, begleitet von einer kleinen, präzise abgestimmten Eskorte, während sich vor ihm der Weg zur VIP-Landebucht öffnete, in der sich die vorbereiteten Einheiten in ihrer finalen Aufstellung befanden.

Dort hatten sich die Formationen der Blauen Legion positioniert, ergänzt durch Sturmtruppen und Einheiten der planetaren Sicherheitskräfte, deren Präsenz nicht nur Sicherheit gewährleistete, sondern zugleich ein Bild erzeugte, das Disziplin und Geschlossenheit ausstrahlte, während die Fläche selbst frei gehalten wurde, klar strukturiert, bereit für die Ankunft dessen, auf den alles ausgerichtet war.
Vor dem Übergang zur offenen Ankunftszone warteten bereits jene, die diesen Moment aus nächster Nähe miterleben würden, Vertreter der Verwaltung, der Wirtschaft und der kulturellen Einrichtungen, deren Erscheinungsbild ebenso sorgfältig gewählt war wie ihre Platzierung, während jenseits der Absperrungen die breite Bevölkerung stand, getrennt und doch sichtbar verbunden durch das gemeinsame Ausrichten auf denselben Punkt.

Als Theranos die letzten Meter zurücklegte, erkannte er bereits die vertrauten Gestalten, die sich im inneren Bereich gesammelt hatten, darunter Legat Gregor Bayl, dessen Präsenz ebenso selbstverständlich wirkte wie die von Veran Koss, der die Sicherheitslage mit jener ruhigen Aufmerksamkeit überwachte, die keine Unsicherheit zuließ sowie Commander der Blauen Legion Rethan Vaal der die Einheiten in den ersten Reihen in der Paradeuniform Inspizierte.

Theranos trat an ihre Seite, ließ den Blick ein letztes Mal über die gesamte Szenerie gleiten, die sich nun vollständig entfaltet hatte, von den aufgestellten Einheiten bis hin zu den wartenden Menschen, von den schwebenden Kameras bis zu den hochragenden Strukturen des Raumhafens und dem Teppich der von der Landebucht bis zur Limousine führte. In diesem Moment war keine weitere Anpassung notwendig.

Alles war vorbereitet. Alles war bereit, um den Moff mit allen ehren zu empfangen.



[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Gouverneursbüro] Theranos Zesh sowie NPC´s Legat Gregor Bayl, Legat Veran Koss, Commander Rethan Vaal.
 
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Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Zentralbüro des ISB Besprechungsraum Agent Kreeger und Master Agent Corvin Threx, Agent Serik Halven, Agent Darius Kel und Agent Cassandra Voss [NPCs] Δ

Im Imperialen Sicherheitsdienst sprach man selten von Wahrheit. Wahrheit war ein Begriff für Gerichte, für Protokolle, für öffentliche Verlautbarungen. Was hier zählte, war Erkenntnis – und Erkenntnis war nichts, das man fand. Sie wurde freigelegt, Schicht für Schicht, wie Gewebe unter einem präzisen Schnitt. Nerio Kreeger hatte nie verstanden, warum so viele Offiziere glaubten, Kontrolle entstehe durch Präsenz. Truppen, Patrouillen, sichtbare Macht – all das mochte Ordnung suggerieren, doch es behandelte lediglich die Oberfläche. Die eigentliche Arbeit begann dort, wo nichts sichtbar war. In Gesprächen, die nicht geführt werden sollten, in reißenden Datenströmen, die niemand beachtete und einen mitreißen konnten oder in Menschen, die mehr wussten, als sie sagten. Ein Informant war in dieser Welt kein Werkzeug, sondern ein Symptomträger. Offene Quellen wie Handelsregister, Logbücher, banale Verwaltungsdaten waren oft die ehrlichsten Aussagen eines Systems, gerade weil sie nicht als solche gedacht waren. Sie waren seine Welt, in der die Suche nicht nach einem Symptom, sondern dem Kern des Erregers dazu diente den krankenden Körper der Gesellschaft bei der Genesung zu helfen.

Der Besprechungsraum im Zentralbüro des Imperialen Sicherheitsbüros auf "Blue One" war von jener nüchternen Funktionalität, die jede Individualität erstickte, noch bevor sie sich ausprägen konnte. Glatte Oberflächen, gedämpftes Licht, die Projektion eines rotierenden Datenmodells über dem Tisch. Es war ein Raum, der darauf ausgelegt war, Gedanken zu ordnen und Menschen gegeneinander auszurichten.

Am Kopfende stand Master Agent Corvin Threx, unbeweglich, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Sein Blick ruhte nicht auf den Daten, sondern auf den Anwesenden. Bewertung begann hier nie mit Fakten. Zur Linken saß Agentin Cassandra Voss, deren Stimme bereits den Raum füllte, ruhig, kontrolliert, mit jener Selbstverständlichkeit, die weniger auf Wissen als auf Wirkung zielte. Neben ihr Agent Darius Kel, der ihre Ausführungen mit präzise gesetzten Ergänzungen versah, als hätte er sie bereits erwartet. Auf der gegenüberliegenden Seite Agent Serik Halven, schweigsam, beobachtend, mit der Geduld eines Mannes, der wusste, dass zu frühe Worte selten Gewicht hatten. Daneben verweilte Agent Kreeger selbst.
Er saß, wie er es immer tat, weder angespannt noch entspannt, sondern in einem Zustand kontrollierter Bereitschaft. Sein Blick glitt über die Projektion, ohne sich festzusetzen. Noch waren es nur Daten. Fragmente ohne Zusammenhang. Die anderen sprachen über Verbindungen, über erste Auffälligkeiten, über mögliche Ansatzpunkte. Es war das übliche Muster: Sichtbares wurde benannt, Offensichtliches strukturiert, erste Hypothesen in den Raum gestellt. Agent
Kreeger hörte zu. Er tastete die gesagten Worte nach Anhaltspunkten ab, sowie nach dem, was darunter lag. Wo jemand zu schnell schloss. Wo jemand zögerte. Wo ein Detail betont wurde, das keines war. Diese Zusammenkünfte waren kein bloßer Informationsaustasusch, vielmehr waren sie koordinierte Theaterstücke deren Sinn war zu erkennen, welcher Agent sich auch gegen den Willen der anderen durchsetzen konnte und seine Informationen so präsentieren konnte, dass erkenntlich wurde, wie das feindliche System zersetzt werden konnte.

Er wartete, denn Geduld sein Instrument. Erst als die ersten Linien gezogen waren, als jeder im Raum sich positioniert hatte, hob er leicht den Blick. Keine Geste, die Aufmerksamkeit forderte und die Zwischengespräche nach dem letzten Beitrag verstummten erst, als er das Tischmikrofon vor ihm aktivierte.


„Wenn wir uns auf das konzentrieren, was sichtbar ist,“ begann er ruhig, „werden wir nur bestätigen, was bereits bekannt ist.“

Seine Stimme war sanft, aber klar, getragen von einer Sicherheit, die keiner Betonung bedurfte.

„Unsere Mittel der Informationsbeschaffung bedeuten nicht, Daten zu sammeln. Wir müssen Abwesenheiten erkennen. Reaktionen, die im Kontext um Ex-Gouverneur Kern hätten erfolgen müssen und ausgeblieben sind.“

Ein kaum merklicher Stillstand legte sich über den Raum. Kreeger ließ den Blick über die anderen gleiten, verweilte einen Augenblick zu lang bei Kel, einen Moment zu kurz bei Voss.

„Wer Kern jetzt isoliert betrachtet, untersucht nur den Tumor. Ich will wissen, welches Gewebe ihn genährt, abgeschirmt und vor jedem Zugriff bewahrt hat.“

Nerio Kreeger lehnte sich mit jener kontrollierten Gelassenheit zurück, die den Eindruck erweckte, als habe er nichts weiter getan, als eine nüchterne Bemerkung in den Raum zu stellen, einen Gedanken von der Art, wie sie in Besprechungen dieser Art dutzendfach geäußert wurden und ebenso rasch wieder vergingen. Doch die Wirkung seines Satzes hatte nichts Flüchtiges an sich. Die Äußerung war wie ein sauber geführter Schnitt gefallen, der die Oberfläche eines bis dahin scheinbar geordneten Befundes öffnete und darunter jenes unruhige, schlecht verheilte Gewebe sichtbar machte, das alle anderen bis zu diesem Moment entweder übersehen oder aus Bequemlichkeit nicht berührt hatten.
Für den Bruchteil einer Sekunde veränderte sich die Atmosphäre im Raum. Es war kein sichtbarer Wandel, keiner, den man in einem Protokoll hätte festhalten können, und doch nahm
Kreeger ihn so deutlich wahr, wie ein geübter Diagnostiker das kaum merkliche Zittern eines Muskels oder die minimale Verfärbung an einer Wundkante wahrnahm. Agentin Cassandra Voss, die bis eben mit der glatten Sicherheit gesprochen hatte, die sie sich über Jahre ehrgeiziger Anpassung an den Tonfall imperialer Hierarchien angeeignet hatte, hielt einen Moment zu lange still, als müsse sie entscheiden, ob sie die Richtung seiner Bemerkung aufgreifen oder ihr Gewicht herunterspielen sollte. Darius Kel, dessen Talent nie darin bestanden hatte, Gedanken zu entwickeln, sondern sie im rechten Augenblick aufzugreifen und mit gefälliger Schärfe zu versehen, senkte den Blick auf die Projektion, als suche er dort bereits nach einem Weg, die neue Linie für sich zu beanspruchen, noch bevor sie jemand anderem zugeschrieben werden konnte. Nur Serik Halven, der schweigsamste unter ihnen, zeigte fast gar nichts. Doch auch in seiner reglosen Haltung lag diese feine Spannung, die verriet, dass er verstanden hatte, was mit einem einzigen Satz geschehen war: Der Fokus hatte sich verschoben.

Master Agent
Corvin Threx sagte zunächst nichts. Er stand noch immer am Kopfende des Tisches, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, das Gesicht von jener undurchdringlichen Ruhe geprägt, die weniger Selbstbeherrschung als Übung war. In Männer wie ihn hatte das Galaktische Imperium über Jahre hinweg investiert, bis jede spontane Regung, jeder allzu menschliche Reflex, aus Haltung und Stimme getilgt war und nur noch das blieb, was nach außen hin wie Autorität wirkte und in Wahrheit die höchste Form disziplinierter Undurchsichtigkeit darstellte. Gerade deshalb achtete Kreeger bei ihm nie auf Worte als Erstes. Es waren die kaum wahrnehmbaren Verschiebungen, die ihn interessierten: die Länge eines Schweigens, die Richtung des ersten Blicks, die Frage, wem Aufmerksamkeit gewährt und wem sie entzogen wurde.

„Fahren Sie fort, Agent Kreeger“, sagte Threx schließlich, und seine Stimme war so gleichförmig, dass man sie fast für interesselos hätte halten können, wäre darin nicht jene minimale Nuance gelegen, die im ISB mehr bedeutete als offene Zustimmung.

Kreeger neigte kaum merklich den Kopf. Er hatte nicht die Absicht, seinen Vorteil durch Eitelkeit zu verwässern. In einem Raum wie diesem gewann nie derjenige, der am meisten sprach, sondern der, dessen Worte sich als unentrinnbar erwiesen, sobald sie einmal im Denken der anderen verankert waren.

„Wenn wir wissen wollen, wer Kern geholfen hat, dann dürfen wir nicht bei persönlicher Loyalität oder finanzieller Verstrickung stehen bleiben“, sagte er mit ruhiger Präzision. „Ein Netzwerk wie dieses entsteht nicht allein durch aktive Komplizenschaft. Es wächst dort, wo Schwäche auf Gelegenheit trifft. Bei Verwaltungsstellen, die Abweichungen nicht weiterleiten. Bei Vorgesetzten, die Unregelmäßigkeiten als lästige Störung behandeln, statt als Warnzeichen. Bei Beamten, die lieber in einem gesunden Organismus leben möchten, als zuzugeben, dass sie bereits Teil eines erkrankten Systems sind.“

Er ließ die Worte einen Augenblick stehen, nicht als dramatische Pause, sondern wie ein Arzt, der nach dem ersten Schnitt nicht sofort weiterarbeitet, sondern prüft, wie tief das Instrument bereits eingedrungen ist.

„Wir sollten die offenen Quellen nicht als Beiwerk behandeln“, fuhr er fort, und nun glitt sein Blick für einen Sekundenbruchteil zu Agentin Voss hinüber, gerade lang genug, um deutlich zu machen, dass er die bislang bevorzugte Richtung der Analyse für zu oberflächlich hielt. „Öffentliche Ausschreibungen, Handelsregister, Kommunikationsmuster zwischen Behörden, Versetzungen im mittleren Apparat, selbst banale Presseverlautbarungen und regionale Bekanntmachungen. All das ergibt selten für sich genommen ein belastbares Bild. Doch in der Summe zeigen solche Materialien, wo die Oberfläche eines Systems künstlich geglättet wurde. Wo auffällig wenige Beschwerden auftauchen oder wo Personal unvermittelt verschwindet. Wo Entscheidungen zu geräuschlos durchgehen, obwohl sie Widerstand hätten auslösen müssen.“

Darius Kel öffnete den Mund in jener geschmeidigen Eile eines Mannes, der sich angewöhnt hatte, gute Gedanken nie unkommentiert im Raum stehen zu lassen, wenn die Gefahr bestand, dass ihr Ursprung einem anderen zugeschrieben werden könnte. Er beugte sich leicht nach vorn, die Hände lose auf der Tischkante, und legte jene Spur gönnerhafter Zustimmung in seine Stimme, die bei genauerem Hinhören stets ein verkleideter Angriff war.

„Ein eleganter Gedanke, Agent Kreeger“, sagte er, und schon die Art, wie er elegant betonte, machte deutlich, dass er das Wort nicht als Lob, sondern als Verdacht verstand. „Aber wir führen hier keine theoretische Vorlesung über institutionelle Trägheit. Wenn Kern ein Netzwerk hatte, dann hatte er Menschen. Kontakte, Helfer, Nutznießer. Irgendwann kommt jeder Punkt, an dem man nicht länger das Gewebe analysiert, sondern das Messer an die Stelle setzt, wo der Abszess sitzt.“

Kreeger wandte ihm den Blick zu, langsam, fast höflich interessiert, als habe Kel soeben eine bemerkenswerte, wenn auch nicht ganz ausgereifte Diagnose vorgetragen. „Und genau dort irren Sie“, entgegnete er mit ruhiger Präzision. „Wer zu früh schneidet, verwechselt Entzündung mit Ursache. Dann entfernt er Gewebe und lässt die Infektion im Blut.“

Ein kaum hörbares Ausatmen ging von Cassandra Voss aus, das sich mit gutem Willen als Belustigung hätte deuten lassen, mit etwas weniger gutem jedoch ebenso als stille Einladung, den Schlagabtausch fortzusetzen. Sie verschränkte die Arme und legte den Kopf leicht schief, ihre Miene von jener kontrollierten Schärfe, mit der ehrgeizige Menschen gern den Eindruck erwecken, sie betrachteten ein Problem bereits aus größerer Höhe als alle anderen.

„Sie sprechen von Infektionen, Symptomen, Gewebe“, sagte sie, „als ließe sich ein planetarer Verwaltungsapparat mit einem anatomischen Lehrbuch entschlüsseln. Vielleicht sollten wir uns daran erinnern, dass Prefsbelt IV kein Patient ist, sondern ein politischer Raum. Menschen handeln dort nicht, weil ein Organismus reagiert, sondern weil Interessen aufeinandertreffen.“

„Interessen“, erwiderte Kreeger ohne die geringste Eile, „sind nur die höflichere Bezeichnung für Prozesse, die man nicht gründlich genug untersucht hat. Ein Mann wie Kern überlebt nicht jahrelang, weil alle um ihn herum ideologisch gebunden oder persönlich loyal wären. Er überlebt, weil sich Opportunismus, Nachlässigkeit, Angst und stillschweigende Berechnung zu einem Zustand verbinden, den jeder Einzelne für harmlos erklärt, solange er selbst davon profitiert. Sie können das Politik nennen, wenn es Ihnen angenehmer ist. Der Befund bleibt derselbe.“

Serik Halven, der bis dahin geschwiegen hatte, hob nun den Blick von der Projektion. Seine Stimme war tiefer als die der anderen, zurückhaltend, aber nicht zögerlich, eher von jener Art Nüchternheit, die man bei Menschen fand, die ihre Wirkung nie durch Lautstärke suchten. „Dann sprechen wir also von einem Klima des stillen Einverständnisses. Gut. Aber ein Klima lässt sich schlecht verhaften. Irgendwann brauchen wir Namen, Transaktionen, Verbindungen, Bewegungsmuster. Alles andere produziert Berichte, keine Ergebnisse.“

Kreegers mildes Lächeln vertiefte sich um kaum mehr als einen Schatten. „Selbstverständlich brauchen wir Namen, Agent Halven. Nur halte ich es für klüger, sie nicht dort zu suchen, wo sie sich bereits aufdrängen. Die offensichtlichen Helfer werden längst in Panik geraten, Spuren bereinigen, Loyalitäten neu sortieren, Akten säubern oder sich selbst als unverzichtbare Kronzeugen in Stellung bringen. Mich interessieren zuerst die Randfiguren. Buchhalter, Assistenten, Verbindungsoffiziere, Sachbearbeiter in den unteren Rängen der Verwaltung. Menschen, die nie im Zentrum standen und gerade deshalb gesehen haben, wie Entscheidungen vorbereitet, verzögert oder lautlos umgeleitet wurden. Nicht die lauten Informanten, die liefern, was man hören will. Die stillen. Die, die aus Groll, Ehrgeiz oder Angst sprechen, ohne die Tragweite ihrer Beobachtungen zu begreifen.“

Kel verzog den Mund zu einem Lächeln, das mit Mühe den Anschein professioneller Höflichkeit wahrte. „Oder mit anderen Worten: Sie möchten zunächst mit Kränkungen und Eitelkeiten arbeiten.“

„Mit menschlicher Verlässlichkeit“, korrigierte Kreeger. „Nichts spricht so bereitwillig wie verletzter Stolz, solange man ihn nicht plump behandelt.“

„Und während Sie Empfindlichkeiten pflegen“, warf Agentin Voss ein, „sollten die tatsächlich relevanten Akteure Zeit gewinnen, ihre Konten zu säubern, Depots zu räumen und ihre Kontakte zu verbrennen?“

Kreeger wandte sich ihr zu, nun mit einem Anflug jener seidigen Freundlichkeit, die in seinem Fall stets gefährlicher war als offene Härte. „Agentin Voss, wer seine Spuren zu früh verwischt, offenbart oft mehr, als er verbirgt. Panik ist ein äußerst kooperativer Zustand. Man muss ihr nur Raum geben, sichtbar zu werden.“

Für einen Moment lag etwas Elektrisches in der Luft, etwas, das mit der eigentlichen Untersuchung nur am Rand zu tun hatte und doch für den Ausgang dieser Mission beinahe ebenso bedeutsam sein mochte. Nicht bloß fachliche Differenz. Stellungskämpfe, die Gewicht hatten und Karrieren machen oder beenden konnten. Die kaum verhüllte Frage, wessen Methode in den Augen des Vorgesetzten als diejenige erscheinen würde, die nicht nur Scharfsinn, sondern Führungsreife verriet. Corvin Threx hatte dem Ganzen bislang mit unbewegter Ruhe beigewohnt, doch hielten alle inne, als sich der Master Agent vorbeugte. Es war keine dramatische Bewegung, keine Geste, die Autorität behaupten musste, weil seine Autorität im Raum längst wie ein geräuschloses Gravitationsfeld wirkte. Dennoch genügte dieser Schritt, um das letzte Nachzittern des Schlagabtauschs einzufangen und zum Verstummen zu bringen.

„Genug“, sagte er, und das Wort war weder laut noch scharf, aber es fiel mit der Endgültigkeit eines Siegels.

Sein Blick glitt erst über
Kel, dann über Voss, streifte Halven und blieb für den winzigen Bruchteil eines Augenblicks auf Kreeger ruhen, gerade lang genug, um zu zeigen, dass ihm weder Inhalt noch Ton des Austauschs entgangen waren.


„Sie alle haben teilweise recht“, fuhr Threx fort. „Und weil das so ist, wird keiner von Ihnen den Luxus haben, seine bevorzugte Methode für die einzig gültige zu halten.“

Er berührte die Projektion, und das Datenmodell über dem Tisch veränderte sich. Verwaltungsstränge, Sicherheitszonen, Kommunikationslinien, personelle Schnittstellen. Prefsbelt IV lag nun offen vor ihnen wie ein geöffneter Apparat, noch nicht verstanden, aber bereits in seine verletzlichen Abschnitte zerlegt.

„Agentin Voss, sagte Threx zuerst, „Sie nehmen die offenen Quellen. Presse, Handelsregister, öffentliche Verwaltungsvermerke, Ausschreibungen, Ernennungen, Versetzungen. Ich will keine bloße Zusammenfassung dessen, was ohnehin jeder lesen kann. Ich will Anomalien. Sprachmuster. Lücken. Stellen, an denen die offizielle Oberfläche glatter wirkt, als sie sein dürfte.“

Agentin Voss nickte knapp. Es war die Bewegung einer Frau, die einen Auftrag entgegennahm und zugleich bereits darüber nachdachte, wie sie dessen Reichweite zu ihrem Vorteil auslegen konnte.

„Agent Kel, fuhr Threx fort, „Sie gehen auf die sichtbaren Machtapparate. Fangen Sie mit der blauen Legion an, fahren Sie mit den Sicherheitskräfte fort, überprüfen sie lokale Kommandostrukturen und verbliebene Loyalitäten innerhalb der planetaren Exekutive. Ich will wissen, wer derzeit Ordnung behauptet, wer sie tatsächlich herstellt und wer unter dem Deckmantel der Neuorganisation eigene Positionen absichert.“

Kel richtete sich unmerklich auf. Das war Terrain, auf dem man Präsenz zeigen konnte. Kreeger registrierte es, ohne es sich anmerken zu lassen.

„Agent Halven. Sie nehmen die verdeckten Geld- und Versorgungslinien, nicht Kern selbst; dafür gibt es bereits andere Stränge die von anderen Ermittlungsgruppen meiner geschätzten Kollegen bearbeitet werden. Mich interessieren die Reststrukturen. Depots, ausgelagerte Bestände, inoffizielle Transportwege sowie auffällige Personalbewegungen in den Bereichen Logistik und Beschaffung. Wenn noch verborgenes Material oder loyale Zellen existieren, will ich ihre Konturen kennen, bevor sie selbst begreifen, dass wir sie betrachten.“

Serik Halven nickte nur einmal, fast reglos, und doch wirkte es bei ihm weniger wie Zustimmung als wie ein inneres Verriegeln des Auftrags.

Dann fiel der Blick des Master Agents auf Kreeger.


„Agent Kreeger.Die Anrede allein schien die Luft im Raum neu zu ordnen. „Sie untersuchen das Versagen der Wahrnehmung“, sagte Threx. „Ich will von Ihnen keine Jagd auf die prominentesten Helfer Kerns, zumindest noch nicht. Sie bauen mir ein Bild der strukturellen Blindheit. Welche Stellen hätten reagieren müssen und haben es nicht. Wer hat Warnzeichen gesehen und entwertet. Wer hat Vorgänge verzögert, weichgezeichnet, nach unten delegiert oder in Routinen erstickt. Nutzen Sie Quellen, die nicht wissen, dass sie Quellen sind, bis es zu spät ist. Personal unterhalb der Entscheidungsebene, nehmen Sie sich die Assistenzen vor. Ich will, dass sie mit Sachbearbeitern und Verbindungsoffiziere sprechen. Finden Sie mir die Stellen, an denen das System aufgehört hat, sich selbst zu schützen.“

Ein kaum wahrnehmbares Flackern ging durch Kreegers Blick. Kein Triumph, schon gar nicht Zufriedenheit, eher jene stille Bestätigung, die ein Diagnostiker verspürte, wenn ein anderer Fachmann erkannt hatte, wo der eigentliche Herd lag. Threx ließ den Blick noch einmal über alle vier gleiten.

„Sie arbeiten gemeinsam“, sagte er, und für den Hauch einer Sekunde lag in seiner Stimme eine Kälte, die deutlich machte, dass er den Wert dieses Wortes ebenso gut kannte wie dessen Grenzen. „Sie berichten an mich. Direkt. Keine Zurückhaltung von Ergebnissen. Keine privaten Aktenreservoirs. Keine verspäteten Meldungen in der Hoffnung, mit einem vollständigen Befund glänzen zu können.“

Sein Schweigen danach war beredt genug, um den ungesagten Nachsatz jedem Einzelnen ins Bewusstsein zu treiben. Kreeger senkte den Blick für einen Moment auf die Projektion, nicht unterwürfig, nicht demütig, sondern mit jener inneren Sammlung, in der Gedanken bereits begannen, sich in Linien, Kontakte und Ansatzpunkte zu verwandeln. Um ihn herum regten sich die anderen fast gleichzeitig, jeder mit eigener Spannung, eigenem Ehrgeiz, eigenem Kalkül. Nach außen würde man kooperieren. Dateien teilen. Berichte synchronisieren. Erkenntnisse in der Sprache gemeinsamer Pflichterfüllung austauschen. Darunter aber hatte der eigentliche Einsatz soeben erst begonnen. Nerio Kreeger wusste mit jener kalten Klarheit, die ihn von vielen seiner Kollegen unterschied, dass Prefsbelt IV nicht nur untersuchen würde, wer Robert Kern über Jahre hinweg getragen hatte, sondern auch, welcher von ihnen imstande war, aus einem kranken System mehr herauszulesen als bloße Schuld. Nämlich die Mechanik seines Versagens.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Zentralbüro des ISB Besprechungsraum Agent Kreeger und Master Agent Corvin Threx, Agent Serik Halven, Agent Darius Kel und Agent Cassandra Voss [NPCs] Δ
 
Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Die Meldung der Festnahme Robert Kerns löste eine Welle der Erleichterung auf der Brücke der Huntress aus. Ersten Berichten zufolge war der Rädelsführer dieser kleinen Rebellion von seinen eigenen Söldnern der blauen Legion übergeben worden. Sie versuchten so wohl, ihr Strafmaß abzumildern. Für Thade aber waren die Gründe trivial und unbedeutend. Wichtig war einzig, dass die Schlacht gewonnen und damit Prefsbelt IV wieder befriedet war. Um die Details würden sich Theranos Zesh und sein Legatenstab kümmern. „Gefechtsalarm aufheben und auf erhöhte Alarmbereitschaft für die nächsten 6 Stunden zurückstufen. Die Eingreifgruppe soll einen Standardorbit über Red One einnehmen. Colonel Corrend, erhalten Sie die Jägerpatrouillen aufrecht. Sollten irgendwelche Nachzügler einen Ausbruch versuchen, dürfen sie keinesfalls in den Hyperraum entkommen.“ Die weiteren Details der Überwachung des Luftraums und niedrigen Orbits über Red One überließ der Chiss dann aber seinen Offizieren. Sie waren mehr als fähig, diese Aufgabe ohne seine aktive Überwachung auszuführen.

Stattdessen wandte sich
Thade der Situation am Boden zu. „Kommunikation, stellen Sie eine Verbindung zum vorgeschobenen Hauptquartier am Boden her, ich möchte mit Legat Koss reden.“ Kurze Zeit später erschien das Antlitz des Legaten vor dem Chiss über dem Holotisch. >>Meinen Glückwunsch Legat, Sie haben heute einen bedeutenden Sieg für das Imperium errungen. Die von mir entsandten Bodentruppen stehen Ihnen so lange wie nötig zur Verfügung. Ich empfehle aber, sie so schnell wie möglich durch lokale Kräfte zu ersetzen. Dies hier soll ein Sieg Prefsbelt IVs sein und nichts anderes. Geben Sie bitte auch meine Empfehlung an den Gouverneur weiter. Wir bleiben hier oben in Bereitschaft, für den Fall, dass wider erwarten noch etwas unvorhergesehenes passiert.<< Und damit beanspruchte Thade auch nicht weiter die Zeit des Legaten. Es gab noch viel zu tun am Boden.

Aber auch hier oben im Orbit endete die Arbeit so schnell nicht. Die Schlacht musste ausgewertet und die Leistungen aller Teile der Einsatzgruppe mussten bewertet werden. Sie hatten keine Verluste erlitten oder Schäden an den Schiffen davon getragen, das bedeutete aber auch nicht, dass es kein Verbesserungspotential gab. Nach der auf allen Frequenzen übertragenen Rede des Gouverneurs beschloss der Chiss außerdem, dass es jetzt an der Zeit war, einen Zwischenbericht an die Admiralität zu senden.
Gouverneur Zesh hatte die Lage unter Kontrolle und das sollte auch der Personenkreis erfahren, der sich darum besorgt gezeigt hatte. Die Produktionsanlagen der Werft würden wie geplant ihren Betrieb aufnehmen.
_______

Einige Tage später rief ein Gefechtsalarm Thade auf die Brücke. Lieutenant Commander Murbau stand am Holotisch und schien geradezu kreidebleich zu sein. „Captain, wir haben mehrere ungeplante Hyperraumaustritte. Sternenzerstörer, drei Stück. Vitory-1, Gladiator und Vindicator Klasse.“ Mit ruhigem aber bestimmten Schritt trat Thade an den Holotisch heran und betrachtete die Sensordaten persönlich. „Und warum der Gefechtsalarm, Nummer 1? Wir befinden uns tief im Imperialen Territorium und das sind Schiffstypen, die hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich von unserem Militär genutzt werden.“ Sein erster Offizier hatte wie immer überreagiert. So langsam erwartete Thade nichts anderes von dem Mann. „Sensorik, gleichen Sie die gesendeten Kennungen der drei Schiffe mit unserer Datenbank ab.“ Es dauerte keine Minute, bis eindeutig bestätigt war, dass die drei Ankünfte zu den Sektorverteidigungsstreitkräften des Prefsbeltsektors gehörten. „Gefechtsalarm beenden. Nummer 1, Vorsicht ist zwar besser als Nachsicht. Vergessen Sie dabei aber nicht Ihre Sorgfaltspflicht.“

Thade hatte die Stimme nicht erhoben, das sah er einfach nicht als nötig für eine simple Zurechtweisung an. Lieutenant Commander Murbau zuckte trotzdem zusammen als wäre er geschlagen worden. Der Chiss beschäftigte sich aber schon nicht mehr mit der Vergangenheit und wandte sich stattdessen der Gegenwart zu. „Kommunikation, entrichten Sie dem Führungsschiff, der Heart of Prefsbelt, meine Grüße aus und heißen sie hier im System willkommen. Senden Sie dann meinen Schlachtbericht zu Operation Small Hunt und versichern dem Kommandanten, dass ich für alle Fragen jederzeit zur Verfügung stehe.“ Die nächsten Stunden und Tage würden ein heißes Pflaster darstellen, dass war Thade mehr als bewusst. Der lokale Gouverneur hatte ihre Anwesenheit hier zwar recht schnell akzeptiert, das musste aber nicht ebenso für die lokalen Militärs gelten. Immerhin hatte er hier in ihrem Revier gewildert.

Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Huntress: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Besprechungsraum Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ

Das Verwaltungszentrum von Prefsbelt IV war eines jener Gebäude, deren Architektur weniger dazu diente, Menschen zu beherbergen, als ihnen fortwährend zu signalisieren, dass sie sich in einem Apparat befanden, der schon lange vor ihnen existiert hatte und auch lange nach ihnen noch fortbestehen würde. Hohe, nüchterne Korridore zogen sich durch das Innere wie sauber gezogene Schnitte durch graues Gewebe, unterbrochen von Sichtfenstern, hinter denen Schreibtische, Archivstationen und Arbeitsnischen lagen, in denen Beamte mit jener routinierten Hast arbeiteten, die weder Eile noch Hingabe verriet, sondern nur Gewöhnung. Die Luft war kühl, trocken und gefiltert. Sie roch nach Metall, nach Reinigungsmitteln und nach jener sterilen Ordnung, mit der Institutionen ihre Fäulnis zu überdecken versuchten. Nerio Kreeger mochte diese Orte weil Gebäude wie dieses selten logen. Menschen logen. Akten konnten manipuliert, Aussagen korrigiert, Berichte weichgezeichnet werden. Doch Gewohnheiten, Blickverläufe, die Länge eines Zögerns, der kaum merkliche Wechsel im Tonfall, sobald ein bestimmter Name fiel, das alles waren als Schnittachsen ehrlicher als jede unterschriebene Erklärung. Er ging langsam, ohne erkennbare Hast, die Hände lose hinter dem Rücken verschränkt, und ließ den Blick über die Arbeitsbereiche gleiten, als prüfe er lediglich die räumliche Organisation eines ihm neu zugewiesenen Sektors. In Wahrheit registrierte er jede kleine Unregelmäßigkeit mit der stillen Präzision eines Mannes, der gelernt hatte, dass sich Krankheit selten dort zeigte, wo man laut nach ihr suchte. Zu viele Türen standen offen, als wolle man Transparenz demonstrieren. Zu viele Gesichter waren kontrolliert, als sei bereits eingeübt worden, wie man unter Untersuchung Normalität mimte. Und vor allem herrschte hier jene besondere Form der Ruhe, die nie aus Gelassenheit entstand, sondern aus Anpassung: Der innere Reflex eines Apparats, der gelernt hatte, sich unter Druck regungslos zu geben, weil Bewegung Aufmerksamkeit erzeugte.
Er war auf dem Weg in das Archivbüro der ehemaligen Gouverneursverwaltung, wo man ihm eine gewisse Zera Meren, leitende Protokoll- und Weiterleitungsbeamtin, zugewiesen hatte. Kein hoher Rang oder kein großer Name, kein Mensch, der auf einer Liste prominenter Helfer Robert Kerns je besonders weit oben gestanden hätte. Gerade deshalb war sie interessant. Männer wie Kern fielen selten durch ihre engsten Verbündeten, außer sie schafften eine Atmosphäre des Misstrauens, die nicht durch harte Dominanz im Keim erstickt wurde. Männern wie dem Ex-Gouverneur wurden gefährlich durch jene zweite und dritte Reihe aus Verwaltungsleuten, Assistenzen, Verbindungspersonal und stillen Organisatoren, die weder entschieden noch befahlen, aber die Reibung aus den Abläufen nahmen und damit jene Form von reibungsloser Normalität erzeugten, in der jedes Vergehen irgendwann wie bloße Routine erschien.

Am Ende eines Quergangs trat eine Gestalt aus einem Seitensektor und blieb mit derselben kontrollierten Selbstverständlichkeit stehen, mit der man im ISB nie zufällig jemandem begegnete.
Cassandra Voss trug ihre Uniform makellos wie immer, als sei selbst die Schärfe der Stoffkanten Teil einer persönlichen Disziplin, die sie mit besonderem Fleiß kultivierte. Ihr Blick streifte ihn nur kurz, doch ihr Lächeln war von jener höflichen Präzision, in der ein erfahrener Offizier mehr Misstrauen als Freundlichkeit unterbrachte.

„Agent Kreeger“, sagte sie in einem Ton, der beiläufig wirken wollte und gerade deshalb zu sauber gesetzt war. „Ich hoffe, Sie verbringen Ihre Zeit nicht mit zu viel Theorie. Prefsbelt belohnt derzeit eher jene, die sich an verwertbare Namen halten.“

Kreeger erwiderte die Andeutung mit einem milden Neigen des Kopfes, als habe sie ihm ein aufrichtiges Kompliment gemacht. „Agentin Voss. Namen sind nützlich, wenn man weiß, warum sie so lange unangefochten geblieben sind. Ich bin sicher, Sie werden mir mitteilen, falls Sie bereits auf etwas gestoßen sind, das mehr ist als Bewegung an der Oberfläche.“

Nichts in ihrem Gesicht veränderte sich deutlich, und doch war für einen Atemzug spürbar, dass beide den kleinen Stoß exakt dort verortet hatten, wo er hatte landen sollen. Dann setzte sie ihren Weg fort, ohne sich noch einmal umzudrehen, und Kreeger ging weiter, nun mit jener inneren Schärfung, die aus der Erinnerung erwuchs, dass diese Mission nicht nur nach außen hin Untersuchung, sondern auch nach innen hin ein geräuschloser Wettstreit war. Unter Master Agent Corvin Threx’ Aufsicht würde jeder belastbare Befund Gewicht haben. Und Gewicht entschied im ISB selten nur über die Qualität einer Arbeit.

Zera Meren erwartete ihn in einem schmalen Büro, dessen Ordnung beinahe pedantisch wirkte. Die Arbeitsflächen waren leer bis auf ein Datenpad, zwei sauber übereinandergelegte Mappen und eine versiegelte Tasse, die seit einiger Zeit nicht mehr berührt worden war. An der Wand hinter ihr liefen Protokollstränge in gedämpfter Projektion, Verwaltungskennziffern und Weiterleitungsmarker, die einem ungeübten Blick wie sinnlose Ordnung erscheinen mochten und einem geübten gerade deshalb etwas über die Menschen verrieten, die täglich mit ihnen arbeiteten. Meren war eine Frau in den späten Vierzigern, mit sorgfältig zurückgenommenem Ausdruck und jener Müdigkeit um die Augen, die nicht aus Schlafmangel entstand, sondern aus jahrelanger Übung im Maßhalten. Sie erhob sich sofort, als er eintrat.

„Agent Kreeger, sagte sie. „Man teilte mir mit, Sie wünschten Einsicht in die internen Weiterleitungsabläufe der früheren Gouverneursverwaltung.“

„Nicht nur Einsicht“, erwiderte er ruhig, während er Platz nahm, ohne sie je direkt zu bedrängen. „Ich möchte verstehen, wie hier gearbeitet wurde. Akten erzählen viel. Menschen erzählen, was Akten nicht für erwähnenswert hielten.“

Die Antwort verfehlte ihr Ziel nicht. Ein kaum wahrnehmbares Zögern glitt über ihr Gesicht, nicht stark genug, um Unsicherheit zu verraten, aber deutlich genug, um zu zeigen, dass sie die Reichweite des Gesprächs neu einschätzte. Kreeger registrierte es, ohne darauf hinzuweisen. Ein Diagnostiker, der seinen Patienten jede Reaktion sofort auslegte, tötete oft den nützlichsten Teil der Untersuchung.

„Die Verwaltungswege waren standardisiert“, sagte sie schließlich. „Freigaben liefen über die jeweiligen Fachbereiche, weiter an die Koordinationsstelle und von dort entweder direkt an das Gouverneursbüro oder in die zuständigen Unterabteilungen. Unregelmäßigkeiten wurden, sofern relevant, protokolliert.“

„Sofern relevant“, wiederholte Kreeger mit sanfter Höflichkeit. „Ein bemerkenswerter Begriff. Relevant für wen?“

Meren senkte kurz den Blick auf ihr Pad. „Für den jeweiligen Vorgang, Agent.“

„Natürlich.“ Er lehnte sich leicht zurück, als gönne er ihr die Erleichterung einer vorläufig akzeptierten Erklärung. „Verzeihen Sie. Ich neige dazu, Verwaltungsbegriffe zu ernst zu nehmen. Es ist eine Berufskrankheit. Man gewöhnt sich daran, dass hinter ihnen meist mehr verborgen liegt als hinter offenen Drohungen.“

Sie reagierte nicht auf den halben Scherz, doch ihre Finger, bislang exakt aufeinandergelegt, verschoben sich um einen kaum merklichen Abstand. Kreeger ließ die Stille kurz wirken, gerade lange genug, um den Wunsch entstehen zu lassen, sie selbst zu füllen.

„Mich interessiert weniger, wie ein idealer Ablauf gedacht war“, sagte er dann, seine Stimme unverändert ruhig, fast entgegenkommend. „Mich interessiert, wann Abläufe begannen, sich zu verändern. Nicht sichtbar oder offiziell. In den kleinen Dingen. Welche Vorgänge häufiger zurückgegeben wurden oder welche Meldungen plötzlich nicht mehr denselben Verteiler erreichten. Vielleicht sogar welche Formulierungen man benutzte, um Rückfragen abzuschwächen.“

Meren sah ihn nun direkt an. Zum ersten Mal war in ihrem Blick etwas wie Vorsicht, vielleicht sogar der instinktive Versuch, die Größe der Gefahr zu bemessen, die von einem höflichen Mann ausging, der nicht nach Schuld fragte, sondern nach Gewöhnung. „Solche Veränderungen“, sagte sie, „waren meist Reaktionen auf politische Prioritäten. Unter Gouverneur Kern wurden Verfahren gestrafft. Entscheidungen sollten schneller umsetzbar sein.“

„Gestrafft“, murmelte Kreeger, als koste er das Wort. „Ein weiterer Ausdruck, den Verwaltungen lieben, wenn sie nicht sagen möchten, dass man Reibung entfernt hat.“

Er beugte sich leicht vor, nicht aggressiv, sondern mit jener Form aufmerksamer Nähe, die in Verhören gefährlicher war als jede Drohgebärde.Frau Meren, verstehen Sie mich bitte richtig. Ich unterstelle Ihnen weder aktive Beihilfe noch besondere Nähe zu Kern. Im Gegenteil. Menschen in Ihrer Position sehen oft am klarsten, was geschieht, gerade weil niemand sie fragt. Sie sitzen an den Rändern der Entscheidung, dort, wo der Apparat seine wahre Gestalt annimmt. Mich interessiert, ab wann bestimmte Vorgänge hier nicht mehr als Störung behandelt wurden, sondern als etwas, das man eben hinnimmt.“

Sie schwieg. Hinter ihr flimmerte eine Liste alter Weiterleitungskennungen, monoton, technisch, unscheinbar. Kreeger sah nicht auf die Projektion. Er sah sie an. Es war selten der Blick auf die Daten, der eine Wahrheit freilegte. In dem Moment, in dem ein Mensch begriff, dass das, was er jahrelang für belanglos gehalten hatte, nun plötzlich Gewicht bekam.

„Es gab…“ Sie brach ab, richtete sich neu auf und wählte einen anderen Ansatz. „Unter Kern wurden manche Vermerke anders eingestuft. Nicht mehr als auffällig. Eher als intern zu bereinigen.“

„Von wem veranlasst?“

„Nicht immer direkt von oben.“ Nun hatte ihre Stimme einen anderen Klang, leiser, weniger glatt. „Oft kam die Anpassung aus den mittleren Ebenen. Man wollte keine Verzögerungen oder unnötigen Rückfragen. Wenn bestimmte Umleitungen oft genug erklärt worden waren, wurden sie irgendwann nicht mehr als meldewürdig betrachtet.“

Da war er. Kein Geständnis, keine Enthüllung, kein großer Name. Nur ein Satz der doch ein anderes Licht auf eine Quelle warf, als würden nun mit einem anderen Lichteinfall neue Botschaften zwischen den Aurebesh Zeilen zu lesen sein. Und doch erkannte Kreeger darin mit derselben kalten Klarheit, mit der ein Arzt im unscheinbaren Fieberanstieg den Beginn einer Sepsis sah, den ersten belastbaren Befund dieser Mission: Es war kein Schweigen, dass Kern geschützt hatte, die Banalität der Gewöhnung hatte die Klinge der gegenseitigen Kontrolle, Hemmungen und Gegengewichte stumpf gemacht. Der Apparat hatte gelernt, Abweichungen nicht mehr als Alarm, sondern als Verwaltungston zu lesen.

Kreeger nickte langsam, als hätte Frau Meren ihm lediglich bei einer technischen Unklarheit geholfen.
„Dann“, sagte er beinahe sanft, „beginnen wir genau dort.“

Er hatte Frau Meren mit ruhiger Höflichkeit angewiesen, sämtliche umklassifizierten Vorgänge der letzten Standardjahre, einschließlich ihrer ursprünglichen Kennzeichnungen, internen Weiterleitungsvermerke und nachträglichen Bearbeitungsanmerkungen, ausschließlich an seine persönliche Sichtung zu übermitteln und bis auf Weiteres niemanden über den Gegenstand ihres Gesprächs in Kenntnis zu setzen.

Als er das Büro wenig später wieder verließ, blieb hinter ihm dieselbe geordnete Stille zurück, mit der Prefsbelts Verwaltung ihre eigenen Fäulnisstellen seit Jahren überdeckt hatte, doch für
Nerio Kreeger hatte sich der Charakter des Planeten in einem einzigen, beiläufig gesprochenen Satz bereits verändert. Nicht Gier allein hatte Robert Kern geschützt, nicht bloß Loyalität oder Angst, es war etwas weitaus Tückischeres: Die langsame Verwandlung des Unzulässigen in Gewohnheit, die stillschweigende Übereinkunft eines Apparats, Warnzeichen nicht mehr als Warnzeichen lesen zu wollen. Während die kalten Lichter des Korridors sich auf dem polierten Boden brachen und irgendwo hinter Türen, Sichtfenstern und Datenwänden ein ganzes Verwaltungsgefüge weiterarbeitete, als sei es gesund, empfand Kreeger jene nüchterne, beinahe unangenehme Zufriedenheit, die ihn stets dann ergriff, wenn sich aus diffuser Vermutung ein erster belastbarer Befund schälte. Der Patient lebte noch, gewiss. Aber nun wusste er endlich, wo das Gewebe weich geworden war.


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[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast] - mit Dr. T'rsop und NSCs

Theranos Zesh verabschiedete sich mit dem Verweis auf die Vorbereitungen zur Ankunft des Moffs. Was der Gouverneur fast schon beiläufig erwähnte, irritierte Dr. T'rsop kurz. Er hatte nichts mitbekommen von einem anstehenden Besuch des Moffs - immerhin Verwaltungsoberhaupt des gesamten Prefsbelt-Systems. Also entweder hatte der Gouverneur ihm gerade ohne große Schau Interna mitgeteilt, oder - was T'rsop auch nicht ausschließen wollte, er war schließlich ein vielbeschäftigter Mann - er hatte tatsächlich diese Nachricht in all dem Trubel um Kern nicht registriert.
Schließlich zuckte der Pau'aner aber mit den Schultern. Es konnte ihm auch relativ egal sein - es würde kommen, wie es kommen würde. Und er hatte Wichtigeres zu tun.
So machte sich
T'rsop auf in eine der Bars des Gouverneurspalastes und bestellte sich einen großen Kaf sowie einen kleinen Drink. Wie gewohnt begegneten ihm von den anderen, zu allermeist menschlichen, Gästen Blicke der Ablehnung. Für Menschenaugen war er gewiss keine Schönheit. Für fremdenfeindliche Menschenaugen eine Bedrohung. Aber sollten sie ihm ruhig feindselig gegenübersitzen. Sie wussten ja nicht, was für eine Position er jetzt schon inne hatte. Außerdem waren sie ja Getriebene. Sie hatten nur etwa ein Zehntel der Zeit, um etwas Bedeutsames zu erreichen als er selbst. So setzte sich der Berater in eine abgelegene Ecke des Saales und nahm sich einen großen Schluck des Kafs. Sodann öffnete er sein Datapad und machte sich an die Arbeit.
Er blickte auf seine Auflistung und nickte unmerklich.
Theranos hatte alle seine Anfragen genehmigt und in die Wege geleitet. Das Kriseninterventionsteam aus Grey One war gestartet, die Dankes- und Lobesfeier für die Truppen genehmigt und eine detaillierte Auflistung der (offiziellen) Tunnelsysteme für ihn zugänglich gemacht. Das Team der bald fertigen Architekten würde morgen früh nach Red One aufbrechen. Er instruierte Prof. Dr. Smitt nochmal, dass er und seine Studenten darauf Wert legen sollen, dass Red One in Schönheit und Erhabenheit wieder aufgebaut werden sollten. Und dass - wenn möglich - dazu die Trümmer beschädigter und zerstörter Gebäude wiederverwertet werden sollten. Außerdem legte er dem Prof. nahe, dass dies für seinen Kurs durchaus als Abschlussarbeit gewertet werden könnte - denn die äußerliche Heilung einer Stadt ist wesentlich mehr Leistung als das Entwerfen eines seltsamen neuen Gebäudestils für Exzentriker, wie er ihm mit einem augenzwinkernden Blick auf seine eigen Abschlussarbeit im Gebiet Architektur mitteilte.
Ein weiterer Schluck aus dem Kaf. Und auf zur nächsten Aufgabe. Seine Finger flogen über sein Datapad, als er seine Nachricht an den Mienenvorstand und die Bergbaugilde verfasste:


Ich grüße den Mienenvorstand unter Vorsitz von Dr. Erla Cour und die Bergbaugilde unter Vorsitz von Tito Red,
ich hoffe, ihr habt die Schrecken und Tragödien der letzten Zeit unbeschadet überstanden. Es ist eine wahre Schande und ein schwerer Schlag, dass Robert Kern durch seine Sturrsinnigkeit und seine Selbstzentrierung so ein Unheil über Stadt und Bevölkerung von Red One gebracht hat. Wie ihr dem Anhang entnehmen könnt, hat mich Gouverneur Theranos beauftragt, die Tunnelsysteme auf Schädigungen und noch versteckten Anhängern Kerns zu überprüfen.
Bitte stellt mir dafür schonmal ein Team erfahrener Bergleute und Tunnelaufseher zur Verfügung. Ich freue mich auch, wenn eine kleine Delegation aus euren Gremien Teil dieser Mission werden. Mit der wir die letzten giftigen Reste von Kerns Versagen und Rebellieren neutralisieren und Red One wieder erblühen lassen werden.
Ich werde zeitnah weitere Informationen senden und mit meinem Teil des Teams dazustoßen.
Auf gute Zusammenarbeit.
Dr. T'rsop, Sonder-Berater im Stab des Gouverneurs Theranos Zesh und Administrator von Monspolis


T'rsop versandte die Nachricht. Selbstverständlich hatte er nicht erwähnt, dass in seinem Team ISB-Agenten sein würden. Das würde ihr eigenes Unterfangen erschweren - und er wollte es dem ISB auch nicht schwerer als nötig machen. Womit der nächste Baustein erreicht war: Die Involvierung des ISB. Der Pau'aner griff zu seinem Drink und nippte daran - ließ die süße Schwere des Getränks einen Moment sein Wesen ergreifen. Ließ seine Geschmacksknospen nur genießen und im Moment sein. Dann schluckte er runter und öffnete wieder die Augen. Das würde er nicht per Nachricht machen. Das sollte er persönlich und direkt in die Wege leiten. So bearbeitete er noch kurz andere Aufgaben und koordinierte die Einsätze in Grey One weiter. Als er dann schließlich seinen Kaf ausgetrunken hatte, nippte er erneut an seinem Drink, bevor er das Koordinationszentrum des ISB anrief. Vermutlich lag es an der Verifizierung seines persönlichen Datapad-Zugangs, dass er nach nur wenigen Minuten durchgestellt wurde. "ISB-Hauptquartier Prefsbelt. Was kann ich für Sie tun?", fragte eine alte Männerstimme. T'rsop ließ sein Gegenüber zwei Augenblicke länger warten als nötig - es sollte neugierig und etwas aus der Reserve gelockt werden. Dann begann er: "Guten Tag. Ich bin T'rsop. Und da ich mit dem ISB spreche, wissen Sie den Rest über mich schon, oder?" Doch der Mann am anderen Ende der Leitung ging nicht auf seinen Witz ein, sondern fuhr monoton fort: "Dr. T'rsop, bitte nennen Sie mir Ihre ID-Nummer." Der Pau'aner verdrehte die Augen - wie kann man so langweilig sein? - und nippte erneut an seinem Drink. Dann gab er seine ID-Nummer durch und wurde so als der, der er war, bestätigt. "Danke, Dr. T'rsop. Was kann ich für Sie tun?"
"Ich wurde von unserem Gouverneur Theranos Zesh beauftragt, mit dem ISB zusammen die Geheimnisse zu lüften, die unser Verräter Robert Kern noch hat. Vor allem Kontaktpersonen und die Tunnelwelt unter Red One", erklärte der Pau'aner. Kurze Zeit später kam die Antwort: "Daran arbeiten wir selbstverständlich schon mit unseren besten Agenten. Wir werden uns bei Ihnen melden und in Kontakt treten, wenn das ISB vorbereitet ist."
"Ist das ISB nicht immer vorbereitet? Oder braucht es nur noch etwas Zeit, um bei mir selbst einen ausreichenden Background-Check zu machen?", fragte der Sonderberater mit einer Betonung, die unklar ließ, ob er trocken scherzte, oder ob es eine ernst gemeinte Frage war. Die Person am anderen Ende der Leitung deutete es als ernstgemeint: "Also... Dr. T'rsop. Sie sind ein langjähriges und noch nie auffällig gewordenes Mitglied der Prefsbelter Bürgerschaft. Angesehen in Akademie und im Stab des Gouverneurs. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass wir Sie verdächtigen würden."
"Und das soll ich einem Geheimdienst glauben? Es ist doch Ihre Aufgabe, die Sicherheit des Imperiums zu gewährleisten. Und da muss man dann auch schonmal in die Keller der Leute schauen - oder nicht? Aber wie auch immer. Sie haben meine Kontaktdaten und melden sich, wenn alles stimmig ist." Etwas verwirrt bestätigte der ISB-Angestellte - der seiner Reaktion nach entweder kein Agent sondern reiner Bürokrat war, oder aber ein exzellenter Agent, der das Spiel mit T'rsop zur Perfektion mitspielte - das und legte schließlich auf. T'rsop war gespannt darauf, bald mit echten ISB-Agenten zusammenzuarbeiten. Er hatte noch nie (bewussten) Kontakt zu diesen gehabt und war interessiert an ihren Methoden - und ob sie für einen intellektuell-rhetorischen Schlagabtausch zu haben waren.

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Wenige Tage später war
T'rsop auf dem Weg zum Gerichtsprozess gegen Robert Kern. In der einen Hand hielt er eine Tüte mit seinem Lieblingsschnuck: Von Schokolade umgossene rohe Meeresfrüchte. Mit der anderen Hand pickte er sich genüsslich eines dieser Exemplare und kaute sie zufrieden. Gestern hatte er noch via Holo-Übertragung sein Seminar der Rhetorik für Monspolis gehalten. Da er ja in Blue One verweilte, um schnell und vernetzend agieren zu können, hatte er sich kurzerhand entschlossen, dass er die Lehreinheit nicht ausfallen oder vertreten ließ, sondern dass er die Rede über Holographie zum Thema machte und den Studenten zeigte und sie üben ließ, wie sie mit der Größe der Holo-Projektion, dem Detailreichtum oder der Detaileinschränkung der Übertragung und weiterer Funktionen ihre Rede und ihren Auftritt perfektionieren konnten. Danach hatte er sich die Tunnelverzeichnisse angeschaut und erste Skizzen für die Idee einer unterirdischen Schnellverbindung zwischen den großen Städten Prefsbelts IV. erstellt.
Und nun würde das Kapitel Robert Kern einen offiziellen Abschluss finden - auch wenn die Nachwehen zumindest den inneren Kreis der Verwaltung von Prefsbelt IV sowie dem ISB noch wochenlang beschäftigen würden. Inzwischen war er nur noch wenige Meter von der Kontrolle hin zu dem Gerichtsplatz entfernt. Also aß er noch schnell die letzten beide Leckereien aus seiner Tüte und warf diese in einen der nahestehenden Müllsammler. Nun war er bereit. Er fischte aus einer seiner Gewandtaschen seine ID-Anstecknadel und befestigte sie, strich sein Gelehrtengewand glatt und machte sich mental auf dem Prozess bereit. "Hoffentlich wird das kein Schauprozess, sondern wirklich die Suche nach Wahrheit und der Bedeutung der Taten Kerns. Ein Aufeinandertreffen von Argumenten und Präsentation. Denn das Volk soll ja nicht nur gesagt bekommen, dass Kern falsch gehandelt hat. Es muss begreifen, wie lächerlich diese egoistische Korruption war. Es muss fühlen - emotional fühlen - dass Theranos und die Regierung von Prefsbelt IV überlegen sind. Und nicht Abscheu gegen diese entwickeln, da der Prozessausgang schon feststeht - und schon gar nicht sollte Mitleid erweckt werden, wenn Kern gar keine Chance hätte sich zu verteidigen. Aber wir werden sehen", dachte
T'rsop, bevor er schließlich in die Sicherheitsüberprüfung eintrat.

[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gerichtsplatz] -
mit Dr. T'rsop und anderen
 
Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Besprechungsraum Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ

Der Arbeitsraum, den man Nerio Kreeger im Verwaltungssektor zugewiesen hatte, war kaum mehr als eine schmale Zelle für Akten, Licht und Konzentration, ein Ort ohne jede dekorative Ablenkung, dessen eigentliche Funktion darin bestand, die Gedanken auf jene trockene, unerbittliche Weise zu ordnen, wie sie in imperialen Institutionen geschätzt wurde. Eine einzige Sichtscheibe ließ das fahle Grau des Nachmittags herein, doch selbst dieses Licht wirkte hier nicht natürlich, sondern gefiltert, geglättet, seiner Wärme beraubt. Auf der Arbeitsfläche vor ihm entfalteten sich unterdessen die Datensätze, die Zera Meren ihm hatte zukommen lassen: Umklassifizierte Vorgänge, alte Kennzeichnungen, interne Weiterleitungsvermerke, nachträgliche Bearbeitungsanmerkungen, alles versehen mit den nüchternen Kennziffern jener Verwaltungssprache, die den Zweck hatte, Entscheidungen so lange in Neutralität zu kleiden, bis niemand mehr genau sagen konnte, wo Verantwortung begonnen und wo sie sich verflüchtigt hatte. Agent Kreeger arbeitete ohne Hast, doch mit jener kontrollierten Unerbittlichkeit, die aus einem bloßen Lesen eine Sezierung machte. Er suchte nicht nach einzelnen Namen, noch nicht, nicht nach dem einen Dokument, das alles erklärte, nicht nach dem spektakulären Beweis, den ungeduldige Ermittler so gern mit Fortschritt verwechselten. Ihn interessierten die wiederkehrenden Entlastungsformeln, die sprachlichen Sedativa, mit denen man Alarm in Routine verwandelte. Intern zu bereinigen. Nicht priorisiert. Im Rahmen administrativer Straffung zurückgestellt. Je öfter er diese Wendungen las, desto deutlicher trat zutage, dass hier nicht gelegentlich kaschiert, sondern systematisch beruhigt worden war. Das System hatte nicht weggesehen, lediglich den Blickwinkel und damit auch die Klassifizierung entsprechend angepasst.

Gerade als er eine Reihe von Freigaben übereinanderlegte, deren Bearbeitung unter verschiedenen Kennungen auffällig ähnliche Verkürzungen des Prüfwegs aufwies, meldete das Pad eine neue Markierung. Ein Name, zuvor nur am Rand sichtbar, trat nun aus dem Geflecht technischer Vermerke hervor, nicht weil er prominent gewesen wäre, sondern weil seine Unscheinbarkeit zu sauber wirkte, um Zufall zu sein.
Sellia Dray, Leiterin für Sachmittelvergabe, bis vor sechs Monaten. Kein Rang, der politische Schlagzeilen erzeugte und die man in den Vordergrund rückte, wenn man ein Regime durchleuchten wollte. Doch ihr Name war an Stellen verzeichnet, an denen Sonderfreigaben nicht nur vermerkt, sondern beschleunigt worden waren. Ausstattungen für Gouverneursveranstaltungen. Kurzfristige Sonderposten. Wiederkehrende Bedarfsanpassungen, die formal banal wirkten und sich gerade deshalb so tief in den Verwaltungsfluss hatten einschreiben können. Kreeger ließ die Daten nebeneinander aufziehen, vergrößerte Zeitfenster, verglich Freigabeketten, strich die Abläufe von allem Beiwerk frei, bis nur noch der nackte Rhythmus übrig blieb. Drays Abteilung arbeitete mit jener Art von stiller Verlässlichkeit, auf die ein Mann wie Robert Kern sich verlassen haben musste.

Seine Arbeit wurde jedoch jäh unterbrochen. Die Tür glitt mit dem diskreten Summen auf, das in imperialen Einrichtungen die höflichere Form einer räumlichen Zäsur war, und Agent
Darius Kel trat ein, geschniegelt wie immer, mit jener makellosen Präzision im Auftreten, hinter der man weniger Disziplin als Absicht vermuten durfte. Er blieb nicht an der Schwelle stehen, sondern bewegte sich mit absichtsvoll gemessenen Schritten bis an die Kante des Raumes, als wolle er durch bloße Haltung deutlich machen, dass er nicht aus Zufall hier war.

„Agent Kreeger, sagte er und ließ den Blick flüchtig über die geöffneten Dateien gleiten, ohne dabei offen neugierig zu wirken. „Ich hoffe, Ihre administrativen Tiefenbohrungen fördern inzwischen mehr zutage als interessante Begriffsnuancen. Master Agent Threx erwartet zum Ende des Zyklus erste belastbare Namen.“

Kreeger hob nur langsam den Kopf. „Dann hoffe ich für Sie, Agent Kel, dass Ihre Namen mehr Substanz besitzen als bloße Sichtbarkeit. Es wäre unerquicklich, falsches Gewebe zu entfernen und die Infektion tiefer im System zu belassen.“

Kels Mund zog sich zu etwas zusammen, das den Anschein eines süffisanten Lächelns trug, aber zu straff dafür saß. „Manche von uns ziehen es vor, Ergebnisse zu liefern, statt sie zu beschreiben.“

„Und manche“, erwiderte Kreeger mit sanfter Höflichkeit, „verwechseln Bewegung mit Fortschritt.“

Für einen Augenblick blieb Kel vollkommen still, und in dieser Stille lag mehr Schärfe als in jedem offen ausgesprochenen Angriff. Dann trat er einen halben Schritt näher, gerade genug, um Vertraulichkeit zu imitieren.

„Ich würde ungern erleben, dass Sie mit einer klugen Theorie im Rücken dastehen, während andere bereits vorzeigen können, wer Kern konkret getragen hat.“

Kreeger lehnte sich keinen Millimeter zurück, erwiderte jedoch nichts, dieser Punkt ging an Agent Kel. Dieser hingegen hielt seinen Blick noch einen Herzschlag lang, nickte schließlich knapp, extrahierte die Daten aus dem Datenzugangspunkt dieses Büros, die er ursprünglich holen wollte und verließ den Raum mit jener glatten Beherrschtheit, die ihre eigentliche Aussage nicht im Gehen, sondern im Timing besaß. Threx erwartete Ergebnisse. Nicht irgendwann. Bald. Der Hinweis war kein kollegiales Entgegenkommen gewesen, sondern eine sauber verkleidete Warnung: Wer zuerst lieferte, definierte, wonach die anderen zu suchen hatten. Kreeger ließ die Tür sich schließen und sah wieder auf den Namen Sellia Dray. In einer weniger angespannten Lage hätte er sich die Ruhe genommen, ihr Umfeld zunächst über Akten, Bewegungsdaten und indirekte Kontaktlinien auszuleuchten. Doch nun lag über der Untersuchung jene zusätzliche Verdichtung, die nicht allein vom Fall, sondern von der Gegenwart der anderen ausging. Agent Kel würde liefern wollen, Voss ebenso. Agent Halven schwieg zu viel, um ungefährlich zu sein. Ihr Vorgesetzer, Corvin Threx, war nicht der Mann, der Geduld mit methodischer Reinheit verwechselte, wenn anderswo bereits greifbare Resultate auf dem Tisch lagen.

Seufzend öffnete der Agent nun
Drays Personalakte. Keine disziplinarischen Vermerke. Keine offene Beanstandung. Beurteilungen von beinahe provokanter Durchschnittlichkeit: Korrekt, effizient, loyal, belastbar unter Druck. Solche Formulierungen waren selten Lob. Meist bedeuteten sie, dass jemand über Jahre hinweg so funktional geblieben war, dass niemand Anlass gesehen hatte, genauer hinzusehen. Vor sechs Monaten hatte sie die Position aufgrund der ganzen Causa Kern verlassen. Versetzung in einen nachgeordneten Sektor der planetaren Materialrevision, administrativ begründet, unspektakulär, beinahe demütigend in ihrer Unauffälligkeit. Genau die Art von Bewegung, die auf Prefsbelt IV inzwischen verdächtiger war als jeder dramatische Einschnitt.

Wenige Minuten später war Kreeger bereits wieder auf den Korridoren des Verwaltungssektors unterwegs, vorbei an Sichtfenstern, hinter denen Datenbearbeiter mit gesenkten Köpfen arbeiteten, als hofften sie, unter den Blicken der Untersuchung unsichtbar zu werden. Sellia Drays neue Dienststelle lag nicht im Kernbereich der laufenden Untersuchung, sondern in einem nachgeordneten Sektor der planetaren Materialrevision, weit genug entfernt vom ehemaligen Machtzentrum, um auf dem Papier wie eine gewöhnliche Verwaltungsversetzung zu wirken, und gerade deshalb verdächtig genug, um Kreegers Aufmerksamkeit nicht wieder loszulassen. Doch Dray selbst war an diesem Zyklus nicht greifbar. Ein knapper Vermerk in der Personalübersicht sprach von einer Außensichtung älterer Bestandslisten in einem peripheren Depot, eine Erklärung von jener bürokratischen Schlichtheit, die entweder vollkommen harmlos oder mit Bedacht gewählt war. Kreeger hätte sie sofort anfordern können. Er tat es nicht. Zumindest noch nicht. Menschen wie Sellia Dray sprachen selten gut, wenn man sie zu früh mit der Erkenntnis konfrontierte, dass sie in den Fokus geraten waren. Besser war es, zunächst das Gewebe um sie herum zu prüfen, den Druckverlauf, die Reaktionsketten, die Narbenbildung im Apparat.

So führte ihn die Spur nicht zu ihr, sondern zu einem Mann namens
Edrik Vaun, einem schmalen, glattrasierten Mittvierziger mit jener unauffälligen Präzision im Auftreten, wie sie nur Verwaltungsbeamte entwickelten, die über Jahre hinweg gelernt hatten, dass man in ihrer Position am sichersten lebte, wenn man weder erinnerungswürdig noch angreifbar wirkte. Vaun hatte unter Dray gearbeitet, zunächst als einfacher Prüfsachbearbeiter, später als Koordinator für Rückläufe und Nachvermerke. Er war demnach kein Entscheidungsträger, doch einer jener stillen Funktionsträger, ohne die kein Verwaltungsapparat auch nur einen halben Zyklus störungsfrei überstand. Sein Büro war klein, fast unerquicklich ordentlich, mit zwei termingenau gestapelten Aktenkuben, einer laufenden Sichtmaske und jener abgestandenen Luft, die sich in Räumen hielt, in denen selten offen gesprochen wurde. Als Kreeger eintrat, erhob Vaun sich so rasch, dass es beinahe mechanisch wirkte, und schon in dieser einzigen Bewegung lag jene feine Überkorrektheit, die nichts mit Respekt, sondern mit Vorsicht zu tun hatte.

„Oh, wie kann ich Ihnen behilflich sein?“, sagte er und bemühte sich um einen Ton, der sachlich klingen sollte, aber an den Rändern bereits trockener wurde, als ihm lieb sein konnte. „Man teilte mir mit, es gehe um frühere Vorgänge in der Sachmittelvergabe.“

„Unter anderem“, erwiderte Kreeger, während er Platz nahm, ohne Eile, ohne Druck, und gerade deshalb mit jener unangenehmen Selbstverständlichkeit, die Menschen rascher zum Sprechen brachte als offene Schärfe. „Mein Name ist Agent Kreeger und ich versuche zu verstehen, ab welchem Punkt bestimmte Sonderfreigaben auf Prefsbelt IV ihren Ausnahmecharakter verloren haben. Ihre Abteilung scheint dafür ein geeigneter Ausgangspunkt zu sein.“

Vaun setzte sich erst, als Kreeger ihm mit einem kaum merklichen Nicken zu verstehen gab, dass er dies dürfe. Seine Hände blieben zunächst sorgfältig gefaltet, doch die Spannung darin war so fein, dass nur ein geübter Blick sie überhaupt bemerkt hätte.

„Sonderfreigaben waren nichts Ungewöhnliches“, sagte er schließlich. „Gerade im Umfeld des Gouverneursbüros nicht. Veranstaltungen, protokollarische Empfänge, kurzfristige Bedarfe, all' solche Dinge erzeugen naturgemäß Abweichungen vom regulären Ablauf.“

„Naturgemäß“, wiederholte Kreeger mit einer so milden Höflichkeit, dass das Wort sich fast wie Zustimmung anhörte. „Ein interessanter Begriff. Verwaltungen benutzen ihn gern, wenn sie aus wiederholten Eingriffen irgendwann Normalität formen.“

Vauns Blick flackerte nur einen Augenblick, doch es genügte. Erneut, analog zur Beamtin Meren, verriet die Sprache und der Duktus der Organisationsstruktur dieser Verwaltungseinheit, wie eine simple Aneinanderreihung von Silben zur Camouflage für den Tumor der Korruption werden konnten.

„Die Freigaben liefen formal korrekt“
, sagte er rascher, als es für eine wirklich ruhige Antwort nötig gewesen wäre. „Jedenfalls nach dem, was uns übermittelt wurde.“

„Uns“, sagte Kreeger leise, und dieses eine Wort genügte, um aus der Erklärung eine neue Frage zu machen.

Vaun zögerte. Nicht lang aber lang genug, um das Misstrauen des Agenten von Hosnian Prime zu wecken.


„Die Beschaffungsstelle“, präzisierte er, „arbeitete nicht isoliert. Bei Sonderposten für Gouverneursveranstaltungen kamen Vorgänge häufig bereits mit Priorisierungsvermerken aus anderen Stellen. Zum einen wäre da das Protokollbüro, die Stabstelle Sicherheitskoordination, gelegentlich auch über die Veranstaltungsaufsicht. Wenn die Kennzeichnung entsprechend gesetzt war, verkürzte sich der Prüfweg.“

„Wer setzte diese Kennzeichnung?“ hakte der Agent nach.

Vaun senkte den Blick auf die Tischkante, als hoffe er, dort eine neutralere Oberfläche zu finden als in Kreegers Gesicht. „Nicht immer dieselbe Stelle. Aber unter Direktorin Dray galt irgendwann die Praxis, bestimmte Veranstaltungsbedarfe nicht mehr als vollumfänglich prüfpflichtige Sonderfälle zu behandeln, sondern als administrativ vorgeklärte Vorgänge. Das sparte Zeit.“

Kreeger
antwortete nicht sofort. Er ließ das Gesagte sich im Raum ablagern, bis Vaun selbst spürte, dass er soeben mehr offenbart hatte, als ihm bei Gesprächsbeginn lieb gewesen war.

„Mit anderen Worten“, sagte Kreeger dann ruhig, „es gab eine Kategorie von Vorgängen, die ihren Ausnahmecharakter behielten, aber prozedural so behandelt wurden, als seien sie keiner besonderen Aufmerksamkeit mehr würdig.“

Der Beamte schluckte kaum sichtbar. „Es war... effizient.“

„Ja“, sagte Kreeger, und nun lag in seiner Stimme jener fast bedauernde Unterton, mit dem ein Arzt einem Patienten mitteilt, dass er die Bedeutung seines eigenen Befundes leider sehr gut verstanden habe. „Effizienz ist häufig nur der höflichere Name für gezielt entfernte Reibung.“

Der Beamte schwieg. Hinter ihm liefen auf der Sichtmaske alte Freigabeprotokolle durch, Zahlenkolonnen, Prüfkürzel, Registraturmarker, nichts, was einen ungeübten Beobachter innehalten ließ. Für Kreeger hingegen hatten die Dinge in diesem Augenblick bereits begonnen, sich zu ordnen. Sellia Dray war möglicherweise nicht die Architektin des Vorgangs gewesen. Vielleicht nicht einmal dessen eigentliche Nutznießerin. Aber unter ihr hatte sich offenbar eine Praxis verfestigt, mit der man Sonderposten des Gouverneursumfelds aus der Sphäre der Auffälligkeit in jene der Verwaltungsgeläufigkeit verschob. Genau das war es, wonach er gesucht hatte: kein spektakulärer Verrat, sondern ein Verfahren, das Anomalien so lange glättete, bis niemand sie mehr als solche behandelte.

„Ich möchte sämtliche Vorgänge sehen“, sagte Kreeger schließlich, ruhig, klar, ohne jede Schärfe, „bei denen unter Drays Leitung Veranstaltungsbedarfe mit verkürztem Prüfweg freigegeben wurden. Einschließlich der ursprünglichen Priorisierungsvermerke, aller Gegenzeichnungen und jeder nachträglichen Umklassifizierung. Und ich möchte wissen, wer außerhalb Ihrer Abteilung diese Praxis nicht nur kannte, sondern als selbstverständlich zu betrachten begann.“

Vaun hob den Blick, und jetzt war es keine bloße Nervosität mehr, die in seinem Gesicht lag, sondern das unbehagliche Erwachen eines Menschen, der begriff, dass eine Gewohnheit, die jahrelang als administratives Rauschen durchgegangen war, soeben in den Rang eines Untersuchungsgegenstands erhoben worden war.

Als
Kreeger den Raum wenig später verließ, wusste er, dass Sellia Dray nicht länger nur ein Name in einer Aktenreihe war, sie war eine Schwelle. Noch war sie nicht das Ziel der Untersuchung, noch nicht, aber ein Übergangspunkt zwischen bloßer Unordnung und methodisch erzeugter Blindheit. Eine Vorladung war notwendig, wie ihm langsam klar wurde, um als präzise vorbereitete Inzision Licht in das Dunkel zu bringen.

Δ Äußerer Rand Prefsbelt-Sektor Prefsbelt IV Blue One Verwaltungskomplex Büro im Amt für Vergabewesen Agent Kreeger und die emsigen Bürokraten Δ
 
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