Prefsbelt IV

[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s


Im Gouverneurspalast von Blue One war das große Informations- und Lagezentrum seit Stunden ununterbrochen in Betrieb. Der ehemalige Besprechungssaal, dessen hohe Decken und hellen Steinflächen ursprünglich für kleine Empfänge und diplomatische Veranstaltungen gedacht gewesen waren, hatte sich inzwischen vollständig in ein operatives Zentrum verwandelt. Wo debattiert, gesprochen und diskutiert worden waren, standen nun Projektoren, Kommunikationsstationen und taktische Konsolen. In der Mitte des Raumes schwebte über dem langen Holotisch die Darstellung von Red One und den umliegenden Minenstädten, ein dreidimensionales Relief aus Steppe, Fels und Staub, durchzogen von den leuchtenden Kennungen imperialer Einheiten.

Techniker arbeiteten konzentriert entlang der Wandstationen, Verbindungsoffiziere wechselten sich an den Kanälen ab, während ständig neue Daten aus dem vorgeschobenen Hauptquartier von Veran Koss oder aus dem Orbit von Captain Skywalkers Verband einliefen. Jeder im Raum wusste, dass die entscheidende Phase der Operation begonnen hatte, und dennoch lag über allem eine kontrollierte Ruhe, die weniger aus Gelassenheit als aus Disziplin entstand.

Theranos Zesh stand am Rand des Projektionstisches und verfolgte die Lageentwicklung seit geraumer Zeit ohne sich zu setzen. Seine Hände waren hinter dem Rücken verschränkt, der Blick ruhig und wachsam auf die holografische Darstellung gerichtet, während sich die Linien der Westgruppe langsam durch die zerstörten Straßenzüge der Minenstadt bewegten.

Der Orbitalbeschuss hatte das Kräfteverhältnis dort innerhalb weniger Minuten verändert. Was zuvor eine befestigte Verteidigungsstellung gewesen war, lag nun offen und aufgerissen vor den vorrückenden Einheiten. Dennoch beobachtete Theranos die Bewegungen aufmerksam, denn aus Erfahrung wusste er, dass der gefährlichste Moment oft erst nach dem Durchbruch kam. Ein Gegner, der sich zurückzog, konnte noch immer Fallen hinterlassen, besonders einer wie Robert Kern, der seine Positionen offensichtlich mit Geduld vorbereitet hatte.

Ein Verbindungsoffizier trat neben den Tisch.


„Neue Meldung aus der Weststadt, Exzellenz. Legat Koss bestätigt das Eindringen in das Stadtzentrum. Der Widerstand ist nur noch vereinzelt.“


Theranos nickte leicht, ohne den Blick von der Projektion zu lösen.

„Zivilisten?“
fragte Theranos.

“Vereinzelte Personen wurden gefunden und werden gerade aus dem Gebiet herausgebracht.“
Die entsprechenden Kennungen erschienen kurz darauf auf der Anzeige. Mehrere Transporter bewegten sich langsam aus der Stadt hinaus, eskortiert von Einheiten der Blauen Legion. Theranos betrachtete die Bewegung für einen Moment. Es waren nicht viele Menschen gewesen, die dort noch geblieben waren. Die meisten hatten das Gebiet offenbar schon zuvor verlassen oder waren geflohen, als sich die Operation abgezeichnet hatte.

Ein zweiter Offizier meldete sich.

„Im Verwaltungsbereich der Stadt wurde ein provisorisches Führungszentrum entdeckt. Mehrere Karten, Datenspeicher und Kommunikationsgeräte konnten gesichert werden.“

Theranos Augen verengt sich ein wenig.
„Konnten wir sinnvolle Informationen aus den Daten entnehmen?.“

Der Offizier nickte und kurz darauf wurden die ersten Bilder eingespielt. Auf den Karten waren Verteidigungslinien rund um die Stadt eingezeichnet, mehrere davon lagen außerhalb der Bereiche, die man bislang gesehen hatte. Beim Näherrücken der imperialen Einheiten hatten Sensoren zudem verborgene Minenfelder und vorbereitete Sprengstellungen registriert, die offenbar Teil einer tiefer gestaffelten Verteidigung gewesen waren.

Theranos betrachtete die Daten schweigend.

Der Orbitalbeschuss hatte nicht nur die sichtbaren Stellungen zerstört, sondern auch einen großen Teil dieser vorbereiteten Zonen, bevor sie überhaupt aktiviert werden konnten. Ohne diese Entscheidung hätte der Angriff vermutlich deutlich länger gedauert und deutlich mehr Verluste gefordert.


„Er hat deutlich mehr vorbereitet, als wir gesehen haben“, sagte Theranos schließlich ruhig.
Theranos erinnerte sich an die Berichte über Kern, an die Beschreibung eines Mannes, der selten nur eine Linie plante, sondern meist mehrere Ebenen gleichzeitig vorbereitete.

Ein weiterer Bericht eines Offiziers folgte.

„Unterhalb des Verwaltungsgebäudes wurde ein Tunnelzugang entdeckt. Stabil ausgebaut. Die Richtung führt direkt nach Red One.“

Für einen Moment blieb Theranos still stehen und betrachtete die Linie, die auf der Projektion vom westlichen Stadtrand aus in Richtung der Hauptstadt des Distrikts führte. Die Entfernung war nicht groß. Der Tunnel konnte als Fluchtweg gedacht gewesen sein, vielleicht aber auch als Verbindung für Nachschub oder schnelle Truppenbewegungen.

Der Gouverneur dachte kurz darüber nach, wie Kern diese Phase vermutlich geplant hatte. Die Verteidigung der Minenstadt hätte den imperialen Angriff verlangsamen sollen, während gleichzeitig vorbereitete Minenfelder und Untergrundstellungen aktiviert worden wären, sobald die Angreifer tiefer in das Gebiet vorgedrungen wären.

Der Orbitalbeschuss hatte diesen Plan abrupt beendet.

Da kam eine erneute Meldung aus dem Norden.


„Die Einheiten im Canyon berichten, dass der Widerstand dort plötzlich abgebrochen ist. Feindliche Kräfte ziehen sich fluchtartig nach Süden zurück und unsere Truppen folgen ihnen langsam und werden nach dem Canyon Stellung beziehen.“

Die Projektion wechselte kurz, und die Bewegung der Nordgruppe wurde auf dem Holo sichtbar. Die Fahrzeuge bewegten sich in vorsichtigen Abständen durch die schmale Schlucht, Späher gingen voraus, während der Rest der Kolonne diszipliniert folgte. Während etwas entfernt ein wilder Haufen von Fahrzeugen und Personen gerade aus dem Canyon kam und sich in Richtung Red One bewegte.

Theranos betrachtete die Anzeige aufmerksam.

Die Nachricht überraschte ihn nicht. Der Beschuss im Westen hatte nicht nur die Verteidigung zerstört, sondern auch eine klare Botschaft gesendet. Jeder, der sich noch im Canyon befand, wusste inzwischen, dass die imperiale Flotte bereit war, schwere Waffen einzusetzen.


„Die Nordgruppe soll ihr Tempo halten“, sagte Theranos ruhig. „Keine Hast. Der Canyon wird vollständig gesichert.“

Der Verbindungsoffizier bestätigte.

Für einige Sekunden blieb es still im Raum, während die Projektion nun die gesamte Region zeigte. Die Linien der imperialen Einheiten bewegten sich von drei Seiten auf Red One zu. Die Weststadt war praktisch gesichert, die Nordgruppe näherte sich dem Ausgang des Canyons, und die Einheiten im Südosten sammelten sich neu.

Da kam Theranos eine Idee.


“Geben Sie mir nochmals Captain Thade",
sagte Theranos und nach ein paar Augenblicken stand erneut die Leitung zur Huntress.

“Grüße Captain, eine hervorragende Darbietung Imperialer Stärke." sagte der Gouverneur und nickte positiv.
“Wie dem auch sei, im Norden ziehen sich Truppen des Feindes in Richtung Red One zurück, obwohl sie mehrmals aufgefordert wurden sich zu ergeben. Ich hoffe, sie können dafür sorgen, dass diese Truppe Red One nicht erreicht, um sich nachher gegen uns zu. Womöglich könnte ein präziser Luftschlag da Abhilfe schaffen,...ich zähle auf Sie Captain.” und nach ein paar Sekunden endete die Übertragung.

Theranos trat einen Schritt vom Tisch zurück und blickte kurz durch die hohen Fenster des Lagezentrums hinaus über Blue One. Die Hauptstadt lag ruhig unter dem späten Nachmittagshimmel, im Horizont spiegelte das Meer das letzte Licht, und von hier aus war nichts von den Kämpfen zu sehen, die sich weit entfernt in der staubigen Steppe abspielten.

Er wusste jedoch, dass sich der entscheidende Teil der Operation nun schnell nähern würde.

Als er sich wieder der Projektion zuwandte, lagen seine Gedanken bereits beim nächsten Schritt. Wenn Koss die Weststadt als neuen Gefechtsstand nutzte, die Nordgruppe den Canyon vollständig kontrollierte und die Bergkette im Süden von Truppen und der Artillerie besetzt wurde, dann würde Red One bald von drei Seiten unter Druck geraten.

Er legte eine Hand ruhig auf den Rand des Projektionstisches.
Red One lag nun deutlich sichtbar im Zentrum der Projektion.


„Kern hat nicht mehr viel Raum“,
sagte Theranos leise.

Und wenn alles so weiterlief wie bisher, würde dieser Raum bald vollständig verschwinden.



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Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel


Die Patrouillen über Red One hatten sich für Reyan inzwischen zu einer ziemlich zähen Angelegenheit entwickelt. Seit über einem Tag zog die Betastaffel ihre Bahnen über der Wüstenregion, während unter ihnen die imperialen Bodentruppen langsam in die Städte vorrückten und sich dabei gelegentlich mit Rebellenverbänden herumschlugen. Für die Piloten bedeutete das jedoch meist wenig mehr, als den Kurs zu halten, Sensoranzeigen zu beobachten und darauf zu warten, dass irgendwo etwas geschah, das ihre Anwesenheit tatsächlich rechtfertigte.

Reyan hatte nichts gegen Geduld, aber irgendwann begann selbst seine gute Laune unter der Monotonie zu leiden. Mehrere Stunden Patrouille, danach ein paar Stunden Ruhephase, dann wieder von vorne – das Ganze so lange, bis selbst der spannendste Ausblick auf Red One seinen Reiz verlor.

Als schließlich erste Meldungen über Gefechte im Westen Red Ones eintrafen, hatte er für einen Moment gehofft, dass ihre Staffel ebenfalls eingreifen würde. Doch kam leider kein Befehl, keine Anordnung…..nichts. Die Bodentruppen schienen das Problem dort ohnehin recht schnell zu lösen, und so blieb der Betastaffel nichts anderes übrig, als weiterhin ihre Kreise zu ziehen.

Reyan hatte sich gerade dabei ertappt, gedanklich auszurechnen, wie viele Minuten noch bis zum Ende dieser Patrouille fehlten, als unter ihnen plötzlich mehrere Explosionen aufleuchteten.


Dann explodierte praktisch die ganze Stadt die sie gerade überflogen.

Mehrere gewaltige Sprengladungen detonierten beinahe gleichzeitig und schleuderten eine riesige Wolke aus Staub, Betonfragmenten und metallischen Trümmern in den Himmel. Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich die scheinbar ruhige Luft über der Südlichen Stadt in ein chaotisches Durcheinander aus Rauch, Feuer und auseinanderbrechenden Gebäuden.

Die Warnanzeigen seines TIE/ba reagierten sofort.

Schrapnell prallte gegen die Deflektorschilde und ließ den Jäger spürbar erzittern, während Reyan instinktiv am Steuerknüppel zog und den Jäger in einen steilen Steigflug brachte.


„Na endlich“,
murmelte er in seinen Helm, während er den Schub erhöhte.

Über Funk hörte er Kals Stimme, wie er allen Befahl hochzuziehen


„Beta 9 verstanden“, antwortete Reyan knapp, obwohl er bereits schon im Steigflug war. Nach Vex Meinung war jeder, der diesen Befehl wirklich gebraucht hatte und nicht selbst instinktiv nach oben geflogen war, sowie kein guter Pilot. Denn auch für solche Momente, hatte sie sehr oft trainiert.

Doch noch während er den Steigflug fortsetzte, donnerte es unter ihm und der ganze Hang oberhalb der Stadt geriet ins Rutschen und stürzte in einer gewaltigen Lawine aus Fels, Schutt und Gebäudetrümmern ins Tal. Gleichzeitig breitete sich eine Staubwolke immer weiter aus, die innerhalb weniger Augenblicke den gesamten Luftraum nun komplett verschluckte.

Die Sicht vor der Cockpitkanzel sank auf praktisch nichts.

Reyan konzentrierte sich auf seine Instrumente und hielt den Steuerknüppel fest, während der TIE/ba durch die Turbulenzen der aufsteigenden Staubwolke geschüttelt wurde.


„Okay… das ist dann doch etwas mehr Action als geplant“,
murmelte er trocken.

Als er über der Staubdecke ankam und feststellte, dass sein Jäger etwas mitgenommen war, konnte er nicht weit weg von sich Kal entdecken und begab sich zu ihm.

Die Betastaffel hatte sich gerade erst wieder halbwegs gesammelt, als mehrere grüne Energiestrahlen durch den Himmel über Red One rissen

Reyan zog unwillkürlich leicht am Steuerknüppel, um den Jäger stabil zu halten, während die Turbolasersalven durch die gewaltige Staubwolke schnitten, die noch immer über der zerstörten Stadt hing. Wo die Strahlen auf den aufgewirbelten Staub trafen, rissen sie förmlich Schneisen in das graue Gewölk, bevor sie mit brutaler Energie auf der Oberfläche in der Umgebung der westlichen Stadt einschlugen und dort Explosionen entfachten.

Für einen kurzen Moment verfolgte Reyan das Schauspiel, während er seinen TIE/ba wieder in Formation hinter Kals Position brachte.

Reyan ließ den Blick kurz über seine Anzeigen wandern, überprüfte automatisch noch einmal Schildwerte und Sensorstatus, bevor er den Funk öffnete.

"Wenn das da oben nicht ursprünglich Teil unseres Plans war, dann hat irgendjemand gerade sehr schwere Gegenargumente in die Diskussion eingebracht.“

Reyan blieb dicht hinter Kal und hielt den Luftraum im Blick. Denn eines war inzwischen ziemlich klar geworden, dieser Einsatz würde heute doch noch interessanter werden.


Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel
 
Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Das Orbitalbombardement hatte den gewünschten Zweck erzielt. Thade war überaus zufrieden mit der Leistung seiner Eingreifgruppe. Sicher, in der Auswertung der Kampfdaten nach der Schlacht würde es einiges zu diskutieren geben, aber insgesamt konnte diese Phase des Gefechts vorläufig als voller Erfolg betrachtet werden. Die vorgeschobenen Stellungen des Feindes waren vollständig vernichtet worden und die Truppen Robert Kerns befanden sich im ungeordneten Rückzug. Ein gewisser Teil des Feindes schien außerdem zu desertieren, was Bände über die Moral der Söldner des entlassenen Gouverneurs sprach. Dennoch. Als nächstes stand die Erstürmung Red Ones an und Stadtgefechte wie dieses waren keine einfache Angelegenheit. Unzähliges konnte hier schief gehen und die Bodentruppen, die ihnen zur Verfügung standen, waren alles andere als erfahren im Stadtkampf. Sie würden Red One also nicht im Sturm nehmen.

Lieutenant Farmel unterbrach die Gedanken des Chiss. „Kommandant, Gouverneur Zesh wünscht erneut mit Ihnen zu sprechen.“ Ohne Umschweife setzte Thade sein Headset wieder auf, um das Gespräch anzunehmen. „Danke, Lieutenant. Legen Sie den Gouverneur auf meine Ohren.“ Kurz darauf erschien Theranos Zeshs Antlitz über dem Holotisch. >>Ich grüße Sie Gouverneur, was kann ich für Sie tun?<< Die Stimme des Chiss war ruhig und kontrolliert. Nichts vom dem Druck, der auf ihm lastete war zu hören. Genauso wenig ließ Thade seine Irritation darüber durchblicken, dass sich Theranos Zesh nach so kurzer Zeit schon wieder in die operative Leitung der Operation Small Hunt einmischte, obwohl er höchst selbst Thade eigentlich das Oberkommando übertragen hatte.

>>Vielen Dank Herr Gouverneur, ich werde Ihr Lob an die Geschützmannschaften weiterleiten. - Ja, die Bewegungen des Feindes sind uns nicht entgangen. Machen Sie sich keine Sorgen, die Truppen im Norden werden die Stadt nicht erreichen.<< Tatsächlich war der einzige Grund, dass Thade den Befehl zum Angriff noch nicht gegeben hatte, dass er nun stattdessen mit Theranos Zesh reden musste. Naturgemäß erwähnte Thade das mit keiner Silbe. >>Der Angriff auf die Stadt wird wie plant stattfinden. Wir werden methodisch vorgehen und den Feind ermüden, bevor Ihre Blaue Legion in Begleitung Ihrer Propagandateams die Stadt einnehmen wird. Robert Kern wird uns nicht entkommen.<< Damit schien der Gouverneur dann auch zufrieden zu sein. Kurz darauf war das Gespräch beendet und Thade konnte sich wieder der Operationsleitung zuwenden.

„Flugleitstation, die Zetastaffel des 152. Geschwaders soll den fliehenden Feind im Norden davon abhalten, die Stadt Red One zu erreichen. Die Gammastaffel soll sie begleiten.“ Die beiden Staffeln befanden sich in der Wolkendecke über dem Operationsgebiet und würden in kürzester Zeit zuschlagen können. Betastaffel befand sich zwar schon dort, aber jetzt wo Teile des Feindes zu desertieren begonnen hatten, wollte Thade kein Risiko eingehen. „Betastaffel soll sich zusammen mit den Jägern der planetaren Kräfte auf die fliehenden Raumschiffe konzentrieren. Niemand soll entkommen. Sollte jemand durch das Netz schlüpfen, soll sich Alphastaffel darum kümmern...und sollte Colonel Rorsam nicht alles abdecken können, haben Sie Freigabe unsere Kanonenboote auf die Jagd zu schicken.“ Dieses dreistufige Netz sollte mehr als genügen, um jedes fliehende Schiff abzufangen. Sie hatten es hier immerhin nicht mit Elitetruppen zu tun.

Major Ellnath, setzen Sie sich mit dem Trägerschiff in Verbindung. Die Stunde für unsere Orbitallandung ist gekommen. Ich will unsere Truppen im Norden der Stadt Red One sehen. Bringen Sie das gesamte Bataillon runter.“ Der Kommandant von Thades Bodentruppen setzte an, zu protestieren, was der Chiss mit einer Geste unterband. „Ich weiß, dass sich an diesen Koordinaten noch feindliche Einheiten befinden, doch das werden unsere Bomber geändert haben, bis die Landefähren aufsetzen.“ Major Ellnath schien immer noch nicht glücklich mit der Situation zu sein, doch er machte sich nun daran, Thades Befehle umzusetzen und mehr verlangte der Chiss auch gar nicht. Er war nicht darauf angewiesen, seine Untergebenen glücklich zu machen. Sie mussten lediglich seiner Führung folgen.

„Kommunikation, stellen Sie eine Verbindung zu Legat Koss her.“ Es war Zeit, die Einnahme der Stadt Red One anzugehen, doch nach dem Rückschlag im Südosten des Sektors würden sie ihr Vorgehen anpassen müssen. >>Ah, Legat Koss. Gute Arbeit soweit. Ich möchte, dass Sie mit der Hauptstreitmacht nun einen Belagerungsring um die Stadt Red One bilden. Befrieden Sie die Vororte im Osten, Süden und Westen. Den Norden übernimmt die Verstärkung aus dem Orbit. - Rücken Sie aber nicht auf die Stadt selbst vor. Wir werden den Feind zunächst ermüden.<< Der Legat war erheblich besser als Major Ellnath darin, seine Gefühle zu den Befehlen im Zaum zu halten. Das schätzte der Chiss sehr an Veran Koss. >>Und halten Sie die Blaue Legion zurück. Ich will sie für die letzte Phase ausgeruht wissen. Wir werden mit der Legion die Stadt stürmen und dabei die Propagandabilder für den Gouverneur erzeugen, die wir im Südosten nicht machen konnten. Sobald der Feind ermüdet ist.<<

Noch während Thade und Veran Koss die Details des Belagerungsrings rund um Red One besprachen, kam die Meldung herein, dass der Luftschlag gegen die fliehenden Truppen im Norden der Stadt erfolgreich verlaufen war und die Bomber nun zum Aufmunitionieren zurück zu ihrem Trägerschiff im Orbit kehrten. Es folgten Stunden enger Absprachen zwischen den beiden Kommandanten. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Jede Einheit wurde genau positioniert, jeder Artillerie- und Luftschlag im Stadtgebiet lange erwogen. Sie mussten die Stadt halbwegs intakt erobern, um die wirtschaftliche Entwicklung von Prefsbelt IV nicht zu beeinträchtigen. Das machte ihre Arbeit zwar alles andere als leicht, doch die Zeit war auf ihrer Seite und Thade war ein geduldiger Mann.

Nachdem der Belagerungsring geschlossen war und auf dem Landweg ein entkommen so ausgeschlossen wurde, stiegen vereinzelt Raumschiffe aus der Stadt auf, um eine Flucht zu wagen. Es war unmöglich zu sagen, ob in einem der Schiffe sich
Robert Kern versteckt hielt, also konnten Sie es sich einfach nicht leisten, auch nur eines der Schiffe entkommen zu lassen. Also machten ihre Luftstreitkräfte erbarmungslos Jagd auf alles, was sich in die Luft begab. Die imperialen Kampfpiloten ließen niemanden auch nur die Stratosphäre von Prefsbelt IV hinter sich lassen. Unterdessen hielten die Bodentruppen den Druck auf die Stadt Red One aufrecht. Immer wieder wurden kurze Vorstöße in die Außenbezirke unternommen und es vergingen keine 10 Minuten, in denen nicht irgendwo in der Stadt Artilleriefeuer niederging.

Robert Kerns Söldner würden die ganze Nacht über nicht zur Ruhe kommen, während Veran Koss die Fronttruppen am Boden ständig durch frische Soldaten ersetzen konnte. Der Legat und Thade schafften es sogar, sich abwechselnd für ein paar Stunden zur Ruhe zu begeben, während Robert Kern und seine Leute kein Auge zumachen konnte. Eine Stunde vor Sonnenaufgang über der Stadt Red One entschied der Chiss dann, dass es endlich Zeit für die letzte Phase der Operation war. Jede Luftabwehrbatterie des Feindes war mit präzisen Artillerieschlägen zerstört worden, genauso wie jedes Bodenfahrzeug mit einem Angriff aus der Luft vernichtet worden waren. Die feindlichen Stellungen an der Stadtgrenze hatten sich die ganze Nacht über andauernden Gefechten ausgesetzt gewesen und damit war der feind ausgelaugt und so schwach er nur sein konnte. Ausgiebige Luftaufklärung und auch Sensorüberwachung aus dem Orbit hatte ein klares Bild der Aufenthaltsorte der feindlichen Truppen und etwaiger Geiseln gezeichnet. Die Truppen am Boden waren so bereit sie nur sein konnten. Den Feind konnten sie nur noch weiter schwächen, indem sie die Stadt mit flächendeckenden Bombardements dem Erdboden gleichmachten, was weder Thade noch Veran Koss und am wenigsten Theranos Zesh wollten. Also leitete ein kurzer, pointierter Funkspruch den Sturm auf die Stadt ein. >>Legat Koss, es ist soweit. Der anstehende Sonnenaufgang wir den Propagandateams die passende Szenerie bieten. Setzen Sie die Blaue Legion in Bewegung.<<

Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Huntress: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
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Das Orbitalbombardement bot von hier oben ein wahrlich beeindruckendes Schauspiel. Die grünen Turbolaserstrahlen brachten eine trügerische Schönheit mit sich, die nicht darüber hinwegtäuschen konnte, wieviel Tod und Vernichtung sie auf der Planetenoberfläche anrichteten. Die Zerstörungskraft war ohnegleichen und selbst hier oben, mehrere Kilometer über den Einschlagpunkten war sehr gut erkennbar, wie absolut die Macht war, die das Imperium auf die Rebellen niedergehen ließ. Es war ein wahrlich glorreicher Anblick für den Kuati, der keinerlei Mitgefühl mit den Opfern am Boden empfinden konnte. Wenn es nach Kal ging, verdienten diese Verräter am Imperium genau dieses Schicksal. Sie hatten es immerhin selbst gewählt.

Keine 10 Minuten nachdem das letzte Bombardement geendet hatte änderte sich die Lage am Boden drastisch. Vereinzelt kam der Gegnern aus seinen Löchern gekrochen und versuchte zu fliehen. Nach allem was
Kal auf seinen Sensorschirmen erkennen konnte, war die Aktion alles andere als koordiniert. Kurz darauf reagierten die imperialen Streitkräfte. Gamma- und Zetastaffeln sanken auf den Sektor nieder, um fliehende Bodentruppen mit einem Bombardement zu vernichten, während die Betastaffel den Befehl erhielt, zusammen mit dem Luft-/Raumelement der Planetenverteidigungsstreitkräfte die fliehenden Raumschiffe abzuschießen. Wohlgemerkt abzuschießen. Es würde keine Warnschüsse geben und keine Aufforderung zur Kapitulation. Der Gedanke zauberte ein kaltes Lächeln auf Kals Gesicht.

Nachdem der Befehl ausgesprochen war, wandte sich der Kuati an seine beiden Flügelmänner.
>>Perlim, Vex: Ihr habt es gehört. Alles was sich über dem Sektor Red One bewegt und keinen Transponder des imperialen Militärs sendet, ist zur Jagd freigegeben. Sollte unsere Formation nach dem heutigen Tag nicht die meisten Abschüsse der Staffel aufweisen, lasse ich euch alle Jäger der Staffel abschrubben. Lockere Formation. Sucht euch eure Ziele selbst aus, aber bleibt in meiner Nähe. Los geht’s!<< Kaum hatte Kal diese Worte ausgesprochen, ging er schon in den Sturzflug über, um die nächst gelegenen Ziele anzufliegen. Mit einem Daumenschnippen schaltete der Kuati seine Zielerfassung auf die Raketenwerfer um. Fast unmittelbar ertönte ein unbeständiger Signalton, während der Zielcomputer versuchte, eine klare Zielerfassung herzustellen.

Kal wäre es lieber gewesen, gegen Republikaner anzufliegen. Aber als Offizier ihrer Majestät konnte er nicht wählerisch sein. Rebellen niederzuschlagen war keine glorreiche Arbeit, doch irgendwer musste sie tun. Und der Kuati würde seine Pflicht erfüllen. Ohne zu zögern, feuerte er das erste Geschoss ab, sobald der Zielcomputer die Zielerfassung bestätigte und schaltete dann auf die Laserkanonen um, um ein anderes Ziel unter Feuer zu nehmen. Innerhalb weniger Sekunden zerstörte Kal so zwei feindliche CloakShape Sternenjäger, während Perlim und Vex ihre eigenen Ziele unter Feuer nahmen und zerstörten. Seiner Jägereskorte so beraubt versuchte der feindliche Transporter mit Gewalt durchzubrechen, aber Kal dachte gar nicht daran, das zuzulassen. Zwei Raketen genügten, um den Deflektor des Transporters zu überlassen und seinen Antrieb zu beschädigen. Zerstört war er nicht. Doch er zog eine Rauchfahne hinter sich her und ging in den Sinkflug über, offenbar nicht mehr in der Lage, die Gravitation des Planeten zu überwinden. Flight-Lieutenant Perlim feuerte ihrerseits ebenfalls auf den Transporter, der daraufhin unkontrolliert gen Planetenoberfläche zu trudeln begann.

Tod waren Besatzung und Passagiere vermutlich nicht. Aber
Kal glaubte auch nicht, dass sie den Aufprall überleben würden, also suchte er sich die nächsten Ziele aus. >>Perlim, Vex, gute Arbeit, aber der Kampf hat gerade erst begonnen. Formiert euch bei mir, wir nehmen als nächstes die Ziele in Sektor Osk-4 vor.<< Trotz allem unerschütterlichen Pflichtgefühl hinterließ das Gefecht einen faden Beigeschmack als ein weiterer CloakShape unter Kals Laserfeuer verging. Es war mehr als klar, dass die Rebellen über minderwertiges Gerät und keine ordentliche Ausbildung verfügten. Sehr wahrscheinlich waren diese Leute nicht einmal überzeugt von Robert Kerns Sache. Warum gaben sie also nicht einfach auf? Nun, die Antwort auf diese Frage war offensichtlich. Auf Hochverrat stand die Todesstrafe. Vereinzelt würde sie vielleicht in lebenslange Zwangsarbeit umgewandelt werden, das galt aber höchstwahrscheinlich keinesfalls für die kämpfende Truppe der Rebellen. Da war es also kein Wunder, dass diese Leute ihr Glück in der Flucht versuchten...die geringe Chance, dass es klappen könnte, war Anreiz genug.

Kal schnalzte mit der Zunge als ein Kopfjäger unter seinem Laserfeuer explodierte. Mit einer eng geflogenen Kurve, die so sonst wohl nur ein TIE Defender leisten konnte, hängte er sich anschließend hinter ein Paar Y-Flügler, die dem Kuati in seinem schnelleren, wendigeren TIE/ba niemals würden entkommen können. Sofort begannen die beiden Museumsstücke von Raumjägern mit Ausweichmanövern. Es waren scheinbar die simplifizierten Modelle ohne Geschützturm, denn kein Abwehrfeuer ging von ihnen aus. Dafür brachen sie in unterschiedliche Richtungen aus und zwangen Kal so dazu, sich für einen der beiden zu entscheiden. Seine Entscheidung viel auf das Führungsschiff. So alt der Y-Flügler auch war, das Schiff war verdammt zäh, das Laserfeuer des Kuati richtete zunächst nicht viel an dessen Deflektorschild aus, also schaltete er kurzentschlossen wieder auf seine Werfer um und jagte dem Feind einen Torpedo ins Heck, sobald er eine gesicherte Zielerfassung hatte. Kals Ziel explodierte augenblicklich, der Torpedo hatte wohl seinen Reaktor getroffen. Unterdessen hatte sich Flight-Lieutenant Perlim den anderen Y-Flügler geschnappt und auch Vex war nicht untätig gewesen.

Doch nun kehrte erst einmal Ruhe für sie ein, das waren die letzten Ziele in unmittelbarer Umgebung gewesen. Kurze Zeit später erreichte
Kal ein Rückrufbefehl. Kurz überlegte er, ihm zu widersprechen. Allerdings war es ihm unmöglich zu sagen, wie lange die Schlacht noch gehen würde. Also war es nicht das schlechteste, zurück zum Trägerschiff zu fliegen, um aufzutanken und aufzumunitionieren. Außerdem käme den Piloten eine kleine Ruhepause nach so vielen Stunden im Cockpit gerade gelegen. >>Gute Arbeit Perlim und Vex. Aber das war es für's erste für uns. Formation hinter mir einnehmen, wir haben uns eine Pause redlich verdient.<< Der Aufstieg in den Orbit war trügerisch friedvoll. Unter ihnen im Red One Sektor ging das Sterben aber ohne Unterlass weiter.

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Im Lagezentrum des Gouverneurspalastes von Blue One war die Nacht bereits weit vorangeschritten, doch Müdigkeit spielte in diesem Raum keine Rolle mehr. Seit Beginn der Operation liefen Meldungen aus Red One nahezu ohne Unterbrechung ein, und der große Holotisch in der Mitte des Saales zeigte ein Bild, das sich im Laufe der letzten Stunden spürbar verändert hatte.

Die westliche Minenstadt, die zuvor den Schlüssel zur gesamten Region gebildet hatte, lag nun unter imperialer Kontrolle. Auf der Projektion waren die Linien der Einheiten von Veran Koss deutlich zu erkennen, wie sie sich durch die Straßen und Industriekomplexe der Stadt verteilten, während dahinter Transporter, medizinische Module und Versorgungseinheiten nachrückten.

Weiter nördlich arbeitete sich die Kolonne aus dem Canyon heraus, langsam, vorsichtig, so wie Koss es angeordnet hatte. Selbst auf der holografischen Darstellung wirkte die Schlucht wie ein dunkler Schnitt in der Landschaft, ein natürlicher Korridor aus Fels und Staub, der nun Stück für Stück unter Kontrolle gebracht wurde.


Und in der Mitte des gesamten Reliefs lag Red One.


Die Stadt wirkte aus der Distanz beinahe unscheinbar, eine Ansammlung niedriger Gebäude, halb in den Fels gebaut, halb in die offene Ebene hinausragend. Doch Theranos wusste, dass dieser Eindruck täuschte. Red One war kein gewöhnlicher Außenposten. Die Stadt war über Jahrzehnte gewachsen, hatte sich um die Erzadern der Region herum entwickelt und war zu einem der wichtigsten industriellen Zentren des Distrikts geworden.

Sie zu zerstören wäre einfach gewesen.
Sie einzunehmen, ohne sie zu ruinieren, war die eigentliche Herausforderung.

Theranos Zesh stand seit geraumer Zeit am Rand des Projektionstisches und verfolgte die Lageentwicklung mit der ruhigen Konzentration eines Mannes, der sich bewusst war, dass jede Bewegung auf dieser Projektion letztlich auf eine Entscheidung zurückging, die er selbst getroffen hatte.

Seine Hände lagen hinter dem Rücken verschränkt, während sein Blick immer wieder zwischen den verschiedenen Frontabschnitten wechselte. Die Weststadt war gesichert. Die Nordgruppe näherte sich dem Ausgang des Canyons. Die Einheiten im Südosten sammelten sich neu nach der Katastrophe, die dort stattgefunden hatte.

Der Verlauf der Operation war nicht ohne Opfer geblieben. Das war ihm bewusst.
Doch er wusste ebenso, dass ein Zögern in solchen Situationen oft nur zu noch größeren Verlusten führte.

Ein Verbindungsoffizier trat neben den Tisch.

„Neue Meldung Exzellenz. Unsere Offiziere an der Front bestätigt den erfolgreichen Luftschlag gegen die fliehenden Kräfte im Norden. Die meisten Gruppen wurden noch vor der Stadtgrenze abgefangen.“

Theranos nickte leicht.
Auf der Projektion war zu erkennen, wie sich mehrere Signaturen auflösten, während andere abrupt ihre Richtung änderten oder ganz verschwanden. Ein Teil von Kerns Söldnern hatte offenbar versucht, sich abzusetzen. Einige waren erfolgreich gewesen, die meisten jedoch nicht.


„Die Desertionen nehmen zu“,
bemerkte einer der Offiziere.
Theranos betrachtete die Anzeige einen Moment länger.
Es überraschte ihn nicht. Viele der Männer, die Kern um sich gesammelt hatte, waren keine ideologischen Kämpfer gewesen. Es waren Söldner, Opportunisten, ehemalige Sicherheitskräfte, die sich einer Sache angeschlossen hatten, solange sie ihnen Vorteile versprach.
Nun standen sie einer imperialen Eingreifgruppe gegenüber, während über ihnen Kriegsschiffe im Orbit lagen.
Loyalität hatte unter solchen Umständen selten lange Bestand.

Kurz darauf erschien das Bild von Captain Thade Skywalker über dem Holotisch. Das schmale Gesicht des Chiss blieb ruhig und konzentriert, während er seinen Bericht übermittelte.
Theranos hörte aufmerksam zu, während Thade das weitere Vorgehen erläuterte. Red One sollte nicht im Sturm genommen werden. Stattdessen würde ein Belagerungsring entstehen, der den Feind über Stunden hinweg zermürben sollte, während Artillerie und Luftschläge gezielt eingesetzt wurden, um seine Bewegungen einzuschränken.

Die Blaue Legion würde erst in der letzten Phase eingesetzt werden.
Theranos verstand die Logik dieser Entscheidung sofort. Ein überstürzter Angriff auf eine befestigte Stadt hätte unnötige Verluste bedeutet. Außerdem wollte niemand Red One dem Erdboden gleichmachen. Die Stadt war zu wichtig für die wirtschaftliche Zukunft d
es Distrikts.
Das Gespräch endete kurz darauf, und die Projektion kehrte wieder zur Übersicht der gesamten Region zurück.

Für einige Sekunden blieb Theranos still am Tisch stehen.
Der Belagerungsring begann sich zu schließen.
Von Westen rückten Koss’ Einheiten weiter vor. Im Norden näherte sich die Kolonne dem Ausgang des Canyons. Selbst im Südosten waren bereits wieder erste Bewegungen zu sehen.

Robert Kern hatte immer weniger Raum.
Theranos trat schließlich einen Schritt zurück, auch wenn er es nicht laut aussprechen würde so war er doch irgendwie froh das Captain Thade Skywalker hier aufgetaucht war. Er war sich zumindest sicher das die Anwesenheit von Ihm und seinen Kreuzern viele Imperiale Leben bewahrt hatte.

Die Lage war stabil. Die nächsten Stunden würden vor allem von Thade und Koss koordiniert werden, und zum ersten Mal seit Beginn der Operation erlaubte er sich einen kurzen Moment Abstand.


Er verließ den Lagebereich und ging den langen Korridor entlang zu seinem Büro.
Der Unterschied zur Atmosphäre des Gefechtsstandes war sofort spürbar. Hier war es stiller. Die Geräusche der Kommunikationsstationen lagen hinter dicken Türen, und durch die großen Fenster fiel das kühle Licht der Nacht über den See von Blue One.

Der Schreibtisch war mit mehreren Datapads bedeckt, die während der letzten Stunden eingetroffen waren.
Theranos setzte sich nicht, sondern nahm das oberste Pad in die Hand und begann die eingegangenen Nachrichten durchzugehen. Ein Teil davon betraf logistische Fragen der Operation, andere waren Berichte aus verschiedenen Verwaltungsbereichen des Planeten.

Dann blieb sein Blick an einer Einladung hängen.
Die Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur.
Theranos öffnete die Nachricht und ließ den Text langsam über das Pad gleiten.

GALA DER KRISTALLENEN KLÄNGE.
Der Ort: Truuine.
Die Gletscherhöhlen nahe der Hauptstadt Moraband.

Ein Werk des manaanischen Klangkünstlers Bel Zhirio sollte dort uraufgeführt werden, eine räumliche Klangkomposition, die speziell für die natürlichen Hallräume dieser Höhlen erschaffen worden war.

Theranos lehnte sich leicht gegen die Tischkante, während er weiterlas.

Die Beschreibung der Veranstaltung ließ ihn unwillkürlich an die großen kulturellen Veranstaltungen denken, die er während seiner Zeit auf Corulag besucht hatte. Kunst, die nicht in einem Konzertsaal entstand, sondern an einen bestimmten Ort gebunden war, hatte immer eine besondere Wirkung.

In den eisigen Hallen der Gletscherhöhlen musste ein solches Werk eine beeindruckende Wirkung entfalten.
Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
Seit seiner Jugend hatte er Kunst nie als bloßen Luxus betrachtet. Für ihn war sie Ausdruck einer Zivilisation, die sich nicht nur über militärische Macht definierte, sondern über Kultur, Schönheit und geistige Ordnung..
Ein Imperium, das nur kämpfte, konnte nicht dauerhaft bestehen.

Er legte das Pad wieder auf den Tisch und aktivierte den Interkom.

„Miss Marris.“
Die Antwort kam sofort.
„Ja, Exzellenz?“
„Ich habe die Einladung zur Gala der Kristallenen Klänge auf Truuine soeben gelesen.“

Eine kurze Pause folgte.
„Ich erinnere mich an die Veranstaltung, Sir. Sie wurde vor kurzem im Holonet angekündigt.“
Theranos nickte leicht, obwohl sie ihn nicht sehen konnte.
„Tragen Sie sie in meinen Kalender ein. Ich beabsichtige teilzunehmen. Senden Sie außerdem eine Zusage an die Gesellschaft.“
„Sehr wohl, Exzellenz.“

Er beendete die Verbindung.

Noch einmal blickte er auf die Einladung. Ein Abend unter Künstlern, Diplomaten und Förderern der imperialen Kultur würde ein willkommener Kontrast zu den Ereignissen dieser Nacht sein.
Das würde eine schöne Abwechslung werden und endlich hätte er die erfreuliche Möglichkeit Gouverneur Solaris in Person kennen zu lernen.

Doch dieser Abend lag noch in der Zukunft.

Theranos nahm das nächste Datapad zur Hand und überflog einige Berichte aus den anderen Regionen des Planeten. Infrastrukturprojekte, Sicherheitsmeldungen, wirtschaftliche Entwicklungen – all jene Dinge, die auch während eines militärischen Einsatzes weiterliefen.
Nach einigen Minuten legte er die Unterlagen wieder beiseite.
Sein Blick glitt kurz durch die großen Fenster hinaus über den dunklen See.

Dann wandte er sich wieder der Tür zu.
Der Angriff auf Red One würde bald beginnen.
Und Theranos Zesh hatte nicht die Absicht, diesen Moment zu verpassen und so machte er sich auf den Weg zurück zum Lagezentrum.


[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast] – mit Dr. T’rsop, Wächtern und Theranos

Dr. T’rsop schritt mit schnellen Schritten durch die Nacht auf den Palast des Gouverneurs auf Prefsbelt IV zu. Er trug sein Gelehrtengewandt in den Farben des Planeten. Nachdem sich in den letzten Stunden die Ereignisse überschlagen hatten, hielt er es doch für eine gute Idee, im Zentrum des Geschehens – oder besser: im Zentrum der Planung und Ideen – mit dabei zu sein. Dafür hatte er sogar seine Studien zur Umwandlung von Anorganischem zu Organischem liegen lassen – und seine Vorbereitungen zur nächsten Vorlesung, die er nebenbei erstellen wollte. Wenn Wandel und Bedeutung riefen, sollte man ihnen folgen. Die wenigen Menschen, die zu dieser Unzeit noch unterwegs waren machten einen großen Bogen um ihn - zu bedrohlich und fremd wirkte er als hochgewachsener Pau'aner in einem menschenzentrierten System des Imperiums. aber davon ließ er sich nicht beirren und schritt weiter zielstrebig auf den Palast zu.

Über seinen Kopf flogen kreischend ein Paar TIE-Jäger. Genervt steckte sich T’rsop seine Ohrenschützer in seine empfindlichen Ohren, um diese zu schützen.
„Das erzeugt keine Ehrfurcht. Dieses Getöse ist kein Bisschen subtil. Es sorgt zwar für Aufmerksamkeit und vielleicht Angst. Aber um wirklich langfristig Ordnung zu erhalten, braucht es etwas mit Substanz. Wenn man zum Beispiel wüsste, dass automatische Laser aus dem Nichts einen niederstrecken würden, wenn man die Regeln bräche. Oder, noch besser, wenn man so von der eigenen Zivilisation überzeugt wäre, dass man gar nicht an Verbrechen denken würde…“, dachte er.
Dann wurde sein Gemüt etwas entspannter, als er sich dem beeindruckenden Palastgebäude näherte. Nicht ganz sein persönlicher Stil – aber hier wussten die Erbauer, wie man Autorität und Würde präsentierte. Er schritt die Stufen hoch und wurde – natürlich – von einem der Wächter angehalten.
„Was wollen Sie hier?“, fragte ihn der alternde Wächter. And der Betonung der Anrede erkannte T’rsop gleich zweierlei: Der Wächter erkannte ihn nicht – und hielt ihn allein seines Fremdspezies-Seins wegen für dubios. Also nichts Neues. So erging es ihm die letzten anderthalb Jahrhunderte. Und er dachte nicht einmal daran, stehen zu bleiben.
Während er weiterging antwortete er:
„Sehr löblich, dass du so dienstbeflissen bist. Aber Prefsbelt hat gerade wahrlich andere Sorgen als einen harmlosen Pau’aner, der wichtige Dinge zu erledigen hat.“
Dies verdutzte den Mann kurz. Doch dann schloss er auf und stellte sich kurz vor dem Eingang zum Palast direkt vor den hochgewachsenen Gelehrten. „Halt, ich muss Sie kontrollieren“, versuchte der Wächter es erneut.
Ein Zucken flog über das Gesicht T’rsops, bevor er seine Stimme erhob:
„Was erlaubst du dir eigentlich? Ich bin anerkanntes Mitglied der Akademie – und zwar vermutlich schon seit vor der Geburt deiner Großeltern. Und ich habe Wichtiges zu erledigen! Also aus dem weg!“
Der Wächter zuckte zusammen und machte sich daran, den Weg freizumachen.

Doch dann kam von der Seite dessen Vorgesetzter angeeilt und verhinderte erneut, dass der Pau’aner eintreten konnte. In seinem Inneren war er aber zufrieden, dass doch pflichtbewusste Menschen hier auch Dienst taten – trotzdem wurde er etwas zornig wegen der erneuten Unterbrechung.
„Sir, das glauben wir Ihnen. Aber wir dürfen Sie – gerade in der jetzigen Situation – nicht hindurchlassen ohne Überprüfung“, sagte der junge Offizier sachlich.
„Hier“, raunte T’rsop und zerrte aus einer seiner Gewandtaschen die kleine blassgrüne Anstecknadel, die ihn sowohl als Administrator von Monspolis kennzeichnete als auch einen Datensatz mit seinen Personalinfos enthielt. Diese hielt er dem Kommandanten der Wächter fast direkt unter die Nase. Dieser runzelte wütend die Stirn – doch als er die Nadel gescannt hatte, wurden seine Augen groß.
„Dr. T’rsop, welch eine Überraschung, dass Sie uns beehren. Treten Sie ein.“ Mit diesen Worten machte er den Weg frei und T’rsop trat in den Palast, wobei er sich die Nadel an den Kragen seines Gewandes heftete. „Wohin wollen Sie denn? Was ist Anlass Ihres Besuchs?“, fragte der Offizier, der ihm folge.
„Was ist der Anlass meines Besuches?“, griff T’rsop die Frage auf, „Langfristig das Gedeihen unserer Welt und Gesellschaft. Kurzfristig das zu tun, wofür ich meine Sicherheitsfreigaben habe: Den Gouverneur und seinen Stab beraten.“ Nun blickte der Mensch verwirrt drein. T’rsop beherrschte sich, unterdrückte den Impuls, seine Augen zu verdrehen und erläuterte dann nochmal: „Ich muss mit dem Gouverneur sprechen. Ich muss in sein Hauptquartier.“
D-das geht nicht. Da ist gerade Einsatzlage. Da darf niemand rein“, versuchte sich der Offizier. Aber dann fiel ihm der Gast auch schon ins Wort: „Spar uns Zeit und Nerven. Lass mich in die Zentrale gehen.“
Der Offizier schluckte, blieb aber hartnäckig:
„Aber es soll da keiner stören. U-und zur militärischen Beratung haben Sie keine Befugnisse.“
„Name und Kennung?“, unterbrach der Gelehrte und Berater sein Gegenüber und brachte es damit aus der Fassung. „Äh… was? Achso. Ich bin Paul Geris", antwortete der Wächter und gab dann seine Dienstnummer an, welche sich T'rsop mental abspeicherte.
„Sehr gut Paul Geris. Ich werde Sie lobend erwähnen, wenn alles gut gelaufen ist. Dass Sie mitgedacht haben und einen brillanten Denker und Berater in einer Notlage durchgelassen haben. Dass Sie Weitsicht gezeigt haben und sich für größere Aufgaben qualifizieren können. Oder Sie fragen einen Ihrer Vorgesetzten, der entsprechende Kenntnisse hat, und werden feststellen, dass ich als Sonder-Berater schon länger in Kontakt mit Gouverneur Zesh bin. Insbesondere in dieser Robert-Kern-Sache. Aber dadurch verlieren wir wertvolle Zeit und das kann vielleicht zu einem Kataklysmus führen. Und“, nun erhob T’rsop seine Stimme sehr, „dann will ich nicht in Ihren Schuhen stecken.“
Der Wächter wurde in der kurzen Ansprache bleich – blickte nochmal zu der Nadel des Beraters und auf sein Datapad. Hin und her. Selbst Unstudierte konnten erkennen, dass dieser Mann gerade Pflichten der Vorschrift und des Ethos miteinander abwog – auch wenn er selbst das vermutlich niemals so benennen könnte. Schließlich nickte er und führte T’rsop tatsächlich zur Kommandozentrale.

Die Tür glitt fast lautlos auf und der Pau’aner schritt würdevoll ein. Die Stimmung war konzentriert, sodass er zunächst nicht bemerkt wurde. Jeder Anwesende starrte auf Konsolen, scrollte Datapads oder war im Funkgespräch vertieft. Einige Sekunden ließ T'rsop die Lage auf sich wirken. Diesen Kosmos an Emotionen, Zielen und physischen Abläufen. Nur der Gouverneur Theranos Zesh war nirgends zu sehen. Schließlich machte er auf sich aufmerksam.

„Tachchen, werte Kommandozentrale“, füllte seine Stimme den gesamten Raum, ohne dass er laut wurde. Einige Anwesenden zuckten zusammen und die Köpfe schwangen in seine Richtung herum - der Pau'aner liebte es einfach, andere aus der Fassung zu bringen und aus der Reserve zu locken, konnte man doch so wunderbar den wahren Charakter erspüren. Zeitgleich betrat auch Theranos den Raum. Auch auf dessen Gesicht zeichnete sich für den Bruchteil eines Augenblicks Verwirrung ab, bevor er wieder den Ausdruck annahm, der im Lexikon auch gut neben dem Begriff 'freundliches Pokerface' abgebildet sein könnte. „Dr. T’rsop, welch eine Ehre, dass Sie gekommen sind. Und dann direkt so schnell“, begrüßte er den Neuankömmling distanziert-freundlich. T’rsop dachte bei sich, dass diese Förmlichkeit doch etwas unnötig sei – privat duzten sie sich doch und nahmen nicht ihre Titel in die Anrede. Aber er wollte Theranos Autorität auch nicht untergraben - und er wusste, dass der Gouverneur zu den Personen zählte, denen Form und Etikette wichtig waren. Daher grüßte er nun freundlich zurück: „Gouverneur Theranos Zesh. Danke, dass Sie mich selbst in dieser Lage der Konzentration persönlich begrüßen. Ich bin schnellstmöglich gekommen. So ein wichtiges Mikro-Ereignis möchte ich doch nicht verpassen... Wie ich sehe, waren meine Informationen doch recht fruchtbar.“ Er setzte ein gewinnendes Lächeln auf – kein Grinsen, da er wusste, dass seine spitzen Zähne Menschen verunsicherten. Dann fuhr er fort und zeigte ausladend auf den Holotisch im Zentrum des Raumes: „Aber darüber können wir später plaudern. Wie sieht die aktuelle Lage aus?“

[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Gouverneurspalast / Lagezentrum-Hauptquartier] – mit Dr. T’rsop, Theranos Zesh, Offiziere und andere Angestellte sowie NPC´s
 
Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV System | Das Gebiet um Red One | HQ der Bodentruppen | - Legat Veran Koss sowie Offiziere und andere NPC´s


Während im Gouverneurspalast von Blue One die Lageentwicklung aufmerksam verfolgt wurde, erreichten die Befehle aus dem Orbit und aus dem Flottenverband gleichzeitig das vorgeschobene Hauptquartier der Bodenstreitkräfte.

Veran Koss stand im oberen Stockwerk des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der westlichen Minenstadt, das nun zum neuen Gefechtsstand umfunktioniert worden war. Manche Fenster waren teilweise geborsten, und durch die offenen Rahmen zog der trockene Nachtwind der Steppe, der den Geruch von Staub, verbranntem Erz und Maschinenöl mit sich trug.

Unterhalb des Gebäudes bewegten sich Kolonnen von Transportern durch die Straßen. Versorgungskisten wurden abgeladen, MedEvac-Einheiten richteten ihre Stationen ein, und mehrere Trupps der Blauen Legion und Planetaren Sicherheitskräfte waren von hier oben zu sehen. Die Stadt war inzwischen vollständig unter Kontrolle der Imperialen Streitkräfte, doch niemand ließ die Wachsamkeit sinken.

Koss stand mit verschränkten Händen hinter dem Rücken am Fenster und blickte nach Osten.
In der Ferne begann der Canyon. Dahinter, kaum zwei Kilometer weiter, lag Red One.
Selbst in der Nacht war die Silhouette der Stadt noch etwas zu erkennen. Mehrere Fabrikschlote ragten aus den Felsen heraus, und über einzelnen Gebäuden standen noch schwache Rauchfahnen. Zwischen den beiden dunklen Bergkämmen wirkte die Stadt wie ein schwerer, unbeweglicher Block aus Beton und Erz.


Ein Offizier trat neben ihn.

„Neue Befehle aus dem Orbit, Sir.“

Koss wandte sich um und ging zurück zum Holotisch, auf dem sich inzwischen mehrere Projektionen überlagerten. Die Linien der Bodentruppen waren klar zu erkennen. Die Ostgruppe in der gesicherten Minenstadt, die Nordgruppe kurz vor dem Ausgang des Canyons und die Südostkräfte hatten sich wieder reorganisiert.

Kurz darauf erschien das Bild von Captain Thade Skywalker über dem Tisch.

Der Chiss wirkte ruhig, fast ungerührt, während er seine Anweisungen übermittelte. Seine Jäger würden die fliehenden Kräfte im Norden abfangen, während zusätzliche Staffeln die Luft über dem gesamten Operationsgebiet sichern sollten. Kein Schiff sollte Red One verlassen können. Koss hörte aufmerksam zu und nickte nur immer hin und wieder, um zu signalisieren, dass er alles verstand.

Kurz darauf bestätigten bereits die ersten Meldungen die Wirkung dieser Maßnahmen. Mehrere kleinere Schiffe hatten versucht, aus Red One zu starten, doch kaum hatten sie Höhe gewonnen, waren sie von imperialen Jägern abgefangen worden. Einige wurden zur Landung gezwungen, andere wurden abgeschossen, bevor sie die Stratosphäre erreichen konnten.
Gleichzeitig traf eine weitere Nachricht ein. Ein Bataillon aus dem Orbit würde nördlich der Stadt landen und dort den sich langsam um die Stadt ziehenden Belagerungsring schließen.

Koss betrachtete die neuen Kennungen auf der Projektion, die nun langsam auf die nördlichen Ebenen herunterglitten.

Thades Stimme erklang kurz darauf erneut über die Verbindung. Er wollte, dass die Hauptstreitmacht die Vororte sicherte, während die Verstärkung aus dem Orbit den Norden übernahm. Die Blaue Legion sollte zunächst zurückgehalten werden.

Koss nickte leicht. Der Plan war logisch. Die Legion war die bestausgebildete Einheit auf Prefsbelt IV. Sie sollte nicht in einem langen Abnutzungskampf verschleißen, sondern in der letzten Phase eingesetzt werden, wenn der Widerstand der Verteidiger bereits gebrochen war.



„Verstanden, Captain“, sagte Koss ruhig und begann sofort damit, die Befehle weiterzugeben.Die westlichen Einheiten rückten langsam weiter nach Süden vor und sicherten die äußeren Vororte von Red One. Artilleriestellungen wurden auf den Hügeln rund um die Minenstadt eingerichtet, während mobile Geschütze in Stellung gingen.

Im Norden setzte unterdessen die erste Welle der Landefähren auf. Die Truppen aus dem Orbit sicherten rasch ihre Landezonen und begannen damit, ihre Linien in Richtung der Stadt auszudehnen.
Nach und nach nahm alles Form an. Es war kein schneller Angriff. Es war eine methodische, kontrollierte Bewegung, bei der jede Einheit genau wusste, welchen Abschnitt sie zu halten hatte.
Und während sich diese Linien immer enger um Red One legten, begann eine lange Nacht.

Immer wieder stiegen imperiale Jäger auf, um neue Ziele anzugreifen. Vereinzelte Artilleriesalven schlugen in den äußeren Bezirken der Stadt ein. Kleine Vorstöße tasteten die Verteidigungslinien ab, nur um sich anschließend wieder zurückzuziehen.

Die Verteidiger wurden nicht in Ruhe gelassen.

Koss beobachtete die Entwicklung stundenlang. Mehrfach wechselten die Einheiten an der Front ihre Positionen, frische Trupps übernahmen die äußeren Linien, während erschöpfte Soldaten nach hinten verlegt wurden.
Der Feind hingegen hatte diese Möglichkeit nicht.
Die Sensoranzeigen zeigten immer wieder Bewegungen innerhalb der Stadt, doch sie wirkten zunehmend unkoordiniert. Einzelne Gruppen versuchten auszubrechen, andere zogen sich tiefer ins Stadtgebiet zurück.

Die erste Aufnahme zeigte einen Vorstoß am äußeren Rand der Stadt. Eine Einheit der planetaren Sicherheitskräfte hatte gerade eine breite Zufahrtsstraße erreicht, als plötzlich schweres Blasterfeuer aus den oberen Stockwerken zweier Gebäude einsetzte.

Eine Handvoll Soldaten gingen sofort zu Boden, während der Rest der Einheit instinktiv in Deckung ging. Der Truppführer versuchte noch, die Linie zu stabilisieren, während der Beschuss anhielt.
Noch bevor jemand groß reagieren musste, schob sich in der Übertragung ein TX-225 nach vorne, das Geschütz hob sich, richtete sich auf die betroffenen Etagen und feuerte eine kurze, harte Salve.
Die Gebäudefront brach auf. Staub und Trümmer stürzten nach unten, das Feuer verstummte, und die Infanterie setzte sofort nach.
Koss nickte kaum merklich und löste sich von dem Holo.


Ein paar Schritte weiter meldete jemand scharf.
„Kontakt, schnelle Bewegung auf der Südachse!“

Koss und ein paar andere Offiziere traten an den nächsten Projektor.

Eine Einheit bewegte sich gerade durch eine schmale Straße, als plötzlich drei Speederbikes aus einer Seitengasse hervorbrachen. Einer der Fahrer richtete sich halb auf, riss einen Gürtel von seiner Schulter und schleuderte ihn in die Formation der Soldaten.
Mehrere kleine Metallkörper lösten sich im Flug.
Die Explosion folgte unmittelbar. Die Druckwelle riss die Einheit auseinander, schleuderte die Soldaten gegen Fahrzeuge und Mauern, während die Speeder bereits wieder verschwanden, als wären sie nie da gewesen.

Für einen Moment war nur Chaos, dann begannen die Überlebenden, sich neu zu ordnen.

„Straßen enger kontrollieren“, sagte Koss ruhig. „Sperren setzen, Ich will keine freien Korridore mehr für solche Durchbrüche und geben Sie den Vorfall weiter, dass sich die anderen Einheiten darauf einstellen können.“ beendete der den Satz. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging sofort zum nächsten Projektor.


Am nächsten Tisch war die Lage etwas festgefahren, als Koss näher trat.

Das Bild zeigte einen kleinen Platz, verbaut mit Kisten, Erzcontainern und improvisierten Deckungen. Zwischen diesen Strukturen hatten die Rebellen eine Stellung mit zwei E-Web´s eingerichtet und hielten die gesamte Straße unter Feuer.
Die Schüsse schnitten durch die Dunkelheit und zwangen mehrere Trupps zurück. Ein Soldat versuchte noch, sich nach vorne zu arbeiten, wurde jedoch getroffen und brach zusammen.


„Sie kommen nicht durch“, sagte der Offizier leise mehr zu sich als zu jemand anderem.

Im Bild setzte sich ein ITT-P Transporter in Bewegung, fuhr nicht zurück, sondern direkt nach vorne, stellte sich quer zur Straße und schirmte die Infanterie mit seiner Panzerung ab.
Hinter ihm formierten sich die Trupps neu und kurz darauf flog eine Ladung im hohen Bogen über die Deckung hinweg.
Die Explosion riss die Stellung auseinander, die schweren Blaster verstummten, und die Linie setzte sich wieder in Bewegung.
Koss sah noch einen Moment zu, dann ging er weiter.

Ein dumpfer Schlag ließ mehrere Offiziere gleichzeitig aufblicken.

„Explosion im östlichen Wohnblock!“

Die Aufnahme hatten einen engen Straßenzug, gezeigt in dem ein schweres Fahrzeug gerade vorrückte, begleitet von Infanterie vorgerückt war.
Dann war die Seitenwand eines Gebäudes Explodiert.
Die gesamte Front des Hauses wurde herausgerissen und stürzte auf die Straße. Trümmer trafen das Fahrzeug seitlich, mehrere Soldaten wurden unter dem Schutt begraben und für einen Moment füllte Staub das Bild.

Ein Offizier fluchte leise.

„Diese Bastarde sprengen ihre eigenen Gebäude.“

Koss verzog leicht den Mund und massierte sich kurz seine Schläfen. “Sorgen Sie dafür, dass die Gebäude an den Straßen, die wir mit Fahrzeugen durchqueren, in Zukunft besser gesichert sind.” Dann atmete er einmal kurz durch, er wusste das die Einheiten der Planetarensicherheitskräfte die letzten Jahre, komplett unterbesetzt waren und vollkommen unerfahren waren. Aber mit solcher Inkompetenz hatte er doch nicht gerechnet. Immerhin wusste er nun, was er nach dieser Operation zu tun hatte.


Er bewegte sich wieder zum Hauptterminal blieb einen Moment stehen, ließ sich mehrere Feeds gleichzeitig anzeigen, während sich die Bilder überlagerten.

Vorstöße.
Rückzüge.
Kurze, harte Gefechte, die ebenso schnell wieder abebbten.

Mit jeder Stunde wurde deutlicher, dass die Verteidiger kaum noch zur Ruhe kamen.


Gegen Ende der Nacht trat einer der Verbindungsoffiziere erneut zu Koss.

„Legat Koss, wir haben eine Nachricht von Captain Skywalker.“
Koss trat zum Holotisch.

Die Projektion zeigte inzwischen ein sehr klares Bild der feindlichen Positionen. Die meisten Fahrzeuge der Verteidiger waren zerstört, die Luftabwehrstellungen ausgeschaltet, und die äußeren Verteidigungslinien wirkten deutlich geschwächt.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang fiel schließlich die Entscheidung.
Thades Stimme erklang über die Leitung. Der Zeitpunkt war gekommen.
Koss sah kurz hinaus zum Horizont, wo sich über den Bergen bereits ein erster heller Streifen abzeichnete.
Dann richtete er den Blick wieder auf die Projektion. Die Blaue Legion wartete bereits in ihren Sammelräumen am Rand der Stadt.

Der Angriff auf Red One würde mit dem ersten Licht des Morgens beginnen.



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Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel


Mit dem Moment, in dem Kal den Angriff freigab, änderte sich für Reyan endlich die gesamte Dynamik des Einsatzes. Die lange Phase aus monotonen Patrouillen und ereignislosem Kreisen wich nun zu einer Vielzahl fliehender Signaturen, die sich unkoordiniert über den Luftraum verteilten.

Reyan ließ sich davon nicht beeindrucken. Stattdessen zog sich ein leichtes, selbstsicheres Lächeln über seine Lippen, während er den Schub erhöhte und seinen TIE/ba aus der Formation löste, um sich eines der näheren Ziele herauszugreifen. Die Anzeigen vor ihm füllten sich mit Bewegungen, doch schon nach wenigen Augenblicken filterte sein Blick automatisch das heraus, was für ihn zählte.

Ein einzelner Jäger, leicht versetzt zur Hauptgruppe, versuchte Abstand zu gewinnen.

Reyan brachte den Jäger mit einer fließenden Bewegung in Position und ließ den Zielcomputer arbeiten, während er gleichzeitig den Abstand verkürzte. Der Signalton schwankte zunächst, fing sich dann jedoch, als sich die Silhouette des Gegners klar vor ihm abzeichnete.

Er wartete einen kurzen Moment länger, als es vielleicht nötig gewesen wäre, dann feuerte Vex.

Die ersten Treffer ließen den Deflektorschild des gegnerischen Jägers sichtbar aufglühen, doch der Pilot reagierte sofort und brach in ein hektisches Ausweichmanöver aus, das ihn scharf nach links aus Reyans Visier zog. Für einen Augenblick wirkte es beinahe chaotisch, fast verzweifelt, als würde der andere Pilot versuchen, dem unvermeidlichen Treffer irgendwie zu entgehen.

Reyan folgte ihm umgehend. Er erhöhte den Schub nur minimal, ließ den TIE/ba ruhig und kontrolliert nachziehen und korrigierte seine Flugbahn mit kleinen, präzisen Bewegungen, die mehr aus Gewohnheit als aus bewusster Anstrengung entstanden. Für ihn war das kein hektisches Gefecht, sondern eine saubere Verfolgung, bei der er genau wusste, wann er Druck aufbauen musste und wann es reichte, einfach dran zu bleiben.

Für einen kurzen Moment schnitt ein beschädigter Jäger seinen Kurs, zog eine Rauchspur hinter sich her und zwang Reyan dazu, auszuweichen. Er reagierte instinktiv, ließ den TIE in eine seitliche Rolle kippen und zog ihn sauber wieder in die ursprüngliche Linie zurück, ohne dabei das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren.

Der Abstand hatte sich kaum verändert.
Als der Zielcomputer erneut eine stabile Erfassung meldete, zögerte Reyan nicht mehr. Ein weiterer Feuerstoß traf den CloakShape im hinteren Bereich, durchbrach den geschwächten Schild und ließ den Jäger im nächsten Augenblick in einem hellen Feuerball auseinanderbrechen.

Reyan zog seine Maschine leicht nach oben, ließ die Trümmer unter sich vorbeiziehen und richtete den Blick wieder auf das größere Gefechtsbild.
Überall im Luftraum bewegten sich Kontakte. Einige versuchten, sich geordnet zurückzuziehen, andere brachen in panischer Flucht auseinander, während die imperialen Staffeln systematisch jeden einzelnen davon aufgriffen und ausschalteten. Für einen kurzen Moment verfolgte Reyan das Geschehen, ohne sofort ein neues Ziel zu wählen, als würde er die Situation bewusst überblicken, statt sich kopflos in den nächsten Angriff zu stürzen.


Kurz darauf meldete sich Kal erneut über Funk. In seinem Ton lag eine knappe Anerkennung für die bisherigen Abschüsse, doch zugleich machte er unmissverständlich klar, dass der Einsatz noch längst nicht beendet war. Er forderte die beiden auf, sich wieder bei ihm zu sammeln und gemeinsam die nächsten Ziele anzugehen.

Reyan quittierte die Anweisung mit einem kurzen Funkspruch und zog seinen Jäger in eine weite, saubere Kurve, um sich wieder an Kals Position anzunähern. Während er sich neu einordnete, bemerkte er, dass sich der unmittelbare Luftraum bereits deutlich geleert hatte. Die meisten Kontakte waren zerstört oder in tiefere Schichten abgedrängt worden, wo sich andere Einheiten um sie kümmern würden.

Der nächste Angriff folgte schneller, als er erwartet hatte.
Gemeinsam mit der Staffel nahm er weitere Ziele ins Visier, kleinere Gruppen von Jägern und vereinzelte Transporter, die versuchten, sich aus dem Sektor zu lösen. Reyan konzentrierte sich erneut auf seine Anzeigen, griff sich ein weiteres Ziel heraus und brachte es mit einer kurzen, präzisen Salve zur Explosion, ohne dabei unnötige Energie zu verschwenden oder sich länger als nötig binden zu lassen.


Es war kein chaotisches Gefecht mehr. Es war systematisches Abarbeiten.
Erst als sich schließlich keine unmittelbaren Ziele mehr in ihrer Umgebung befanden, kehrte eine trügerische Ruhe in den Luftraum zurück. Die Sensoranzeigen wurden übersichtlicher, die Bewegungen weniger hektisch, und für einen Moment wirkte es beinahe so, als hätte sich das Gefecht einfach erschöpft.

Kurz darauf nachdem Vex noch ein paar Abschüsse für sich verbuchen konnte, erreichte ihn bereits der Rückruf.
Kal meldete sich erneut und beendete den Einsatz für die Betastaffel vorerst. Seine Worte waren knapp, aber eindeutig.

Reyan spürte, wie sich die Anspannung langsam aus seinen Schultern löste, auch wenn seine Aufmerksamkeit weiterhin vollständig auf den Instrumenten lag. Er brachte seinen TIE/ba sauber hinter Kal in Position und ließ den Jäger in den Aufstieg übergehen, während sich die Formation geschlossen in Richtung Orbit bewegte.


Der Übergang wirkte beinahe unwirklich ruhig.
Unter ihnen lag Red One, noch immer von Staub und Rauch verhüllt, durchzogen von vereinzelten Explosionen und den Nachwirkungen des Bombardements, während über ihnen die kalte, klare Weite des Alls wartete.

Reyan ließ den Blick ein letztes Mal über seine Anzeigen wandern, überprüfte automatisch die wichtigsten Systeme und lehnte sich dann einen Hauch zurück, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben.

Ein schwaches Grinsen blieb auf seinem Gesicht.
Ganz so langweilig war dieser Einsatz am Ende dann doch nicht gewesen.
Die Betastaffel verschwand kurz darauf im Orbit.
Für sie war es fürs Erste vorbei.



Prefsbelt IV | Luftraum über dem Südosten von Red One | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel
 
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