Onderon, Dxun (Japrael-System)

[ Mittlerer Rand / Japrael-System / Dxun / Über der Plattform ] Mol und Sliff

Auf der Plattform herrschte Chaos. Die Schlacht tobte und überall um sie herum kämpften und starben Mandalorianer und Trandoshaner im Gefecht darum, diesen Tag zu überstehen. Er wusste nicht was sie letztendlich bewogen hatte sich gegenseitig abzuschlachten und es war ihm auch so egal wie es nur sein konnte. Er gab nichts darauf wer gewann, beide Seiten hatten sich nicht als freundlich erwiesen und so durften sie seinetwegen alle draufgehen.

Nur eine Person war an diesem Kampf beteiligt, die er nicht so einfach ihrem Schicksal überlassen wollte - zum Guten oder zum Schlechten hin. Hart setzte der Drexl auf dem Metallboden auf, der stellenweise rutschig vom Blut der Kämpfenden war. Mol sprang ab und sah grade noch wie Sliff begann die verhältnismäßig kurze Distanz zur offenen Laderampe der Eisenheim zu überbrücken, doch das blendete er aus. Rasch blickte er sich um, sah jedoch nirgendwo die gesuchte Person - jedoch einen Ort so sie sich verbergen könnte.

Am Rand der Plattform war ein größerer Hangar aufgebaut worden, aus dessen offenem Tor ebenfalls Kampfgeräusche drangen. Mol hoffte inständig, dass der Gesuchte noch nicht gestorben war, war jedoch guten Mutes. Er hatte die Kampffähigkeiten lange genug aus erster Hand begutachten können, um sich relativ sicher zu sein, dass er niemand war der in den ersten fünf oder zehn Minuten einer Schlacht zu Grunde ging – auch wenn Glück zwangsläufig immer ein entscheidender Faktor war.

Entschlossen begann der Zabrak auf den Hangar zuzuhinken. Mit jedem Schritt schoss eine Welle von Schmerz durch sein linkes Bein und ein Schwall Blut über seinen Oberschenkel, doch das war ihm egal. Um ihn herum ging das Kämpfen und Sterben weiter. Ein Mandalorianer wurde von seinem Gegner mit knochenbrecherischer Gewalt zu Boden geschleudert, konnte sich jedoch wegrollen, bevor ein böse aussehendes Häutungsmesser sich in sein Gesicht bohren konnte. Blitzschnell riss er seinen Waffenarm nach vorne und befreite die Echse mit einer in seinem Waffenarm eingebauten Kreissäge von seinem Bein.

Der Trandoshaner ging mit einem wütenden Zischen zu Boden, schaffte es jedoch auf seinem Gegner zu liegen zu kommen und rammte ihm nun doch seine Waffe durch eine Schwachstelle an der Brust. Sterbend richtete dieser einen Blaster auf sein Gesicht und drückte mehrmals ab, bevor er selbst leblos zurücksank. So schnell er konnte bewegte sich Mol auf das umschlungene Paar zu und riss dann das Häutungsmesser an sich. Diese Waffe war zwar nicht ideal jedoch definitiv besser als nichts. Fast beiläufig gab er dem Mandalorianer den Rest, der offensichtlich noch nicht ganz tot gewesen war.

Dann hatte er das Tor endlich erreicht. Wie durch ein Wunder hatte er es geschafft nicht in weitere Kämpfe zu geraten, wurde nun jedoch Zeuge einer weiteren Auseinandersetzung. Der Goldene war anwesend, genau wie Zek Ssikarn und Thessa Ssirak. Also hatte er doch richtig gelegen! Doch was war das?! Letzterer lag mit dem Rücken gegen eine Kiste gelehnt und rührte sich nicht mehr. Kam er zu spät?

Die anderen beiden waren umso lebendiger. Mit einer Erbittertheit, die er dem kleinen Menschen fast nicht zugetraut hätte, stand dieser seinen Mann und wich Ssikarns knochenbrecherischen Schlägen mit einer Lässigkeit aus, die beinahe an Übermut grenzte. Der Goldene sprang, rannte und nutzte sein Jetpack und war der viel größeren Echse dabei immer einen Schritt voraus, die mit einem Schwert, dass in ihren riesigen Pranken eher wie ein Langdolch wirkte, nach ihm hieb. Wie hypnotisiert sah der Zabrak den Kämpfenden zu. Die schiere Präzision und die in der Luft liegende Spannung hatte etwas auf morbide Weise Faszinierendes, das ihm die Härchen auf seinen Armen zu Berge stehen ließ.

Dann, nur wenige Sekunden später, schien das Zusammentreffen sich bereits entscheiden zu wollen. Ssikarn bekam den Goldenen zu fassen, legte sie baumdicken, grüngeschuppten Arme um die Brust des anderen und drückte zu, so fest dass Mol beinahe das Ächzen des malträtierten Beskar der mandalorianischen Rüstung hören konnte. Unter seinem noch immer geschlossenen Helm schrie der Goldene auf und plötzlich ertönte ein Zischen, als Funken aus seinem Jetpack zu sprühen begannen. Ssikarn schmetterte ihn zu Boden und im nächsten Moment sauste die Flughilfe von dannen. Der Trandoshaner hob seine Waffe, um dem anderen den Rest zu geben, da erschütterte eine Detonation den Hangar.

Das Jetpack war an einer Wand explodiert und hatte in einer sengenden Entzündung des Gases ein mannshohes Loch in das Metall gebrannt, hinter dem tief, tief unten der brennende Dschungel zum Vorschein kam. Dadurch abgelenkt sah Ssikarn nicht, wie sein Gegner sich zwischen seinen Beinen hindurchrollte, den Waffenarm mit dem eingebauten Blaster hob und ein Dutzend Schüsse in seinem Oberkörper und Nacken versenkte. Der Trandoshaner ächzte und ging nach kurzem Wanken in einer mit Blutspritzern versetzten Staubwolke zu Boden. Der Goldene wartete kurz, setzte noch einen finalen Schuss in den Kopf der Echse und wandte sich dann Thessa zu, um ihm ebenfalls den Rest zu geben.

Der Tod Ssikarns war Mols Zeichen gewesen. So schnell und so leise er konnte, hatte er sich dem Anführer der Mandalorianer von hinten genähert. Grade als dieser abdrücken wollte, packte der Hüne ihn beim Nacken und hob ihn in die Höhe. Der Schuss ging fehl, der Goldene wollte Anstalten machen sich zu wehren, doch sein Gegner war schon zur aufgesprengten Öffnung in der Wand gehinkt. Kurz holte er aus, dann warf er den kleinwüchsigen Menschen hindurch. Der Goldene schrie als ihm klar wurde was passierte, griff nach der gezackten Kante des Loches, bekam sie jedoch nicht mehr zu fassen. Die Idee war gut, doch seine Arme waren zu kurz. Einen Moment später war er in einen Rauchschwaden eingetaucht und aus dem Blickfeld verschwunden.

Mol atmete auf. Er begann sich schon zu dem bewusstlosen Thessa umzudrehen, da bekam er einen Stoß ins Kreuz, der ihn nach vorne taumeln ließ. Seine Füße stolperten über das rußgeschwärzte, halb weggeschmolzene Metall, dann fiel er. Der Zabrak schrie auf, versuchte sich umzudrehen und griff blind nach oben, sich der Hoffnung hingebend, die grade eben dem Goldenen noch verwehrt geblieben worden war. Unter sich fühlte er nur Leere, sah sich schon dem brennenden Wald entgegenfallen, da berührten seine Finger etwas Heißes.

Verzweifelt packte er zu und ignorierte den Schmerz der Hitze und der scharfen Kante, die seine Haut zerschnitt. Einen Moment schien es, als würde er abrutschen, doch dann fand er Halt. Seine Rechte umklammerte einen Metallzacken wie den rettenden Anker der er war. Die Finger seiner Linken hielten noch immer das Häutungsmesser. Schnell zuckte sein Blick nach oben und sah den grade erwachten Thessa über ihm aufragen. Ein Blutrinnsal war aus einer aufgeplatzten Stelle über seinem rechten Auge geflossen und benetzte die Schuppen dieser Gesichtshälfte mit einem dunklen Rot. Ein Funken Trauer hatte sich in die sonst kalten Fischaugen geschlichen, dennoch sagte er:

„Ich habe mich entschieden, Kommandant. Ich habe nie vorausgesetzt das du mir vergeben würdest“

Die raue Stimme zischelte und der Trandoshaner – der ehemalige Freund und Kampfgefährte – hob seinen Fuß und legte ihn auf Mols Hand. Langsam erhöhte er den Druck und der Zabrak spürte, wie der blutige Griff sich zu lösen begann. Er hatte keine Antwort für Thessa. Alles was gesagt werden musste, hatte er auf dem Gipfel des Berges gesagt, der nun bis zur Unkenntlichkeit zerschmolzen worden war. Er flehte nicht. Nein. Das würde er nicht tun.

Stattdessen zog er sich in die Höhe. Er spürte wie das Metall die letzten Zentimeter überbrückte und auf seinen Knochen traf, der sah wie sein Blut aus der Wunde strömte und an der geschmolzenen Wand hinabtropfte und er spürte den Schmerz wie aus weiter Ferne... Er spürte ihn als stünde er neben sich - als gehöre er jemandem anderen. Zentimeter um Zentimeter erhob er sich in die Höhe, es gab ihm Schwung und dann riss er seine Linke mit dem Häutungsmesser nach Oben. Der Widerhaken an der Spitze des Messers sauste knapp am linken Bein der Echse vorbei, saß dann jedoch umso besser als er zurückgezogen wurde.

Thessa schrie überrascht auf, als es ihn von den Beinen riss und der hünenhafte Zabrak sich an ihm hochzog. Einen Moment später saß Mol auf seiner Brust und drosch mit beiden Fäusten auf das schuppige Gesicht ein. Sein Mund war geöffnet und ein tierischer Schrei entwich seinen Stimmbändern, den er, hätte er ihn gehört, nicht für seinen eigenen gehalten hätte. Wieder und wieder stießen seine Knöchel auf harte Schuppen, zerschmetterten Knorpel und rissen Zähne aus dem schrecklichen Gebiss. Ein Auge platzte und rötlich gelbe Flüssigkeit spritzte daraus hervor. Doch noch war Thessa nicht tot. Mol sah wie die grüne Brust sich hob und senkte und einen Moment war er versucht das Werk jetzt schon zu vollenden, doch dann besann er sich eines Besseren. Starb der Trandoshaner jetzt würde er im Jenseits ein Schönes Nachleben an der Seite seiner verräterischen kleinen Freunde fristen und das konnte der Zabrak nicht zulassen.

Halb wahnsinnig von dem Schmerz, der pochend versuchte durch den durch sein Unterbewusstsein errichteten mentalen Block zu dringen, lud er sich Thessa auf den Rücken und schleppte sich aus dem Hangar hinaus, wo der Kampf mit unverminderter Heftigkeit tobte. Eine Mandalorianerin war auf die Eisenheim aufmerksam geworden und versuchte mit allen Mitteln, die ihr ihre Rüstung bot, durch das gesenkte Notfallschott zu dringen. Sie war so konzentriert, dass sie den heranhumpelnden Zabrak nicht mehr kommen sah. Sie stieß einen gurgelnden Laut aus, als der Widerhaken des Messers sich tief in die Schwachstelle an ihrem Hals grub und ihre Kehle von einem Ohr zum anderen aufschlitzte. Zuckend und blutspritzend ging sie zu Boden.

Zischend öffnete sich das Notfallschott – offenbar geöffnet von Sliff der das Geschehen durch die Kameras beobachtet haben musste – und der Zabrak schleppte sich hinein. Verhältnismäßig schnell war er die Rampe hinauf und brachte Thessa nach hinten in den Backbord Frachtraum, wo er ihn mit den Handgelenken an eine Stange an der Wand fesselte. Zitternd erwachte das Schiff zum Leben und Mol spürte, wie die Eisenheim sich in die Lüfte erhob. Schnell war er beim Cockpit angekommen und erklomm die Leiter, die hinaufführte, blutige Abdrücke an allem hinterlassend was er berührte. Wie erwartet war Sliff da, jedoch auf die blutige Leiche eines Snivvianers, die Mol nur kurz fragend musterte, bevor er nach dem Steuerknüppel und damit den Waffenkontrollen griff. Kurz richtete er die Laserkanonen aus, dann spuckten sie schon kochendes Waffenfeuer. Einer der Repulsoren der riesigen Plattform explodierte, die sofort ins Trudeln geriet. Es brauchte jedoch noch einen weiteren Treffer, um sie endgültig zum Abstürzen zu bringen.

Man konnte beinahe sehen wie Bewegung in den Kampf kam, als die Kontrahenten realisierten was grade geschah. Doch Mol wartete nicht ab bis Mandalorianer und Trandoshaner sich wieder sammeln konnten. Gnadenlos eröffnete er das Feuer auf die Wesen, die klein wie Spielzeugfiguren versuchten dem glühenden Tod auszuweichen. Zwei Drexl vergingen samt Reitern, bevor die anderen sich auf ihr neues Ziel einschossen.

„bring uns hier raus“

Hauchte Mol, der inzwischen den Steuerknüppel losgelassen hatte und sich an das Transparistahl des Cockpits drückte, rote, tropfende Schlieren hinterlassend, immer dann wenn er sich bewegte.

[ Mittlerer Rand / Japrael-System / Dxun / Über der Plattform / Eisenheim / Cockpit ] Mol und Sliff
 
[Japrael-System | Dxun | Luftraum über dem Dschungel | Schwebende Plattform der Trandoshaner | Frachter Eisenheim] Sliff Quori; Mol in der Nähe

Sliff Quori checkte den Zustand des Schiffes: Es schien in Ordnung zu sein - in dem Rahmen in Ordnung, der für alte Frachter mit finanziell nicht ganz unabhängigen Besitzern normal war. Er konnte abheben, ins All gelangen und einen Hyperraumflug absolvieren: Was wollte man mehr. Hastig bemühte sich der Kobok, alles startbereit zu machen. Er war kein sehr erfahrener Pilot, kannte zum Glück aber alle wichtigen Grundlagen. Es würde bestimmt kein ganz bequemer und reibungsloser Flug werden, solange er am Steuer saß, aber sie würden hier weg kommen. Vorausgesetzt, Mol kam wieder, und zwar bald: Es war nur eine Frage der Zeit, bis andere Mandalorianer oder Trandoshaner bemerkten, was sie planten. Die Kriegerin bemühte sich mit aller Gewalt, sich Zutritt zum Schiff zu verschaffen. Entweder hatte sie ein persönliches Anliegen daran, Sliff zur Strecke zu bringen (was in Anbetracht der Vorfälle heute und vor einigen Tagen nicht verwunderlich wäre), oder es ging ihr um die Eisenheim. Womöglich war sie ein Preis dieses brutalen Kampfes und auch die Mandos hatten vor, sich auf dem Schiff in Sicherheit vor der geologischen Instabilität und ihren Feinden zu bringen. Jedenfalls war es nur eine Frage der Zeit, bis sie mit ihrem kleinen, aber gut sortierten Waffenarsenal das Schott durchbrechen doer den Frachter fluguntauglich machen würde. Wenn sie Hilfe bekam, würde es noch einmal schneller gehen.

Unter normalen Umständen - das hieß, bis vor wenigen Stunden - hätte Quori sich in einer solchen Situation eine Frist gesetzt, bis zu der er bereit war zu warten. Einen Zeitraum, in dem Mol die Chance für eine Rückkehr hatte, vor allem aber gewährleistet war, dass er selbst noch heil davon kommen würde. Exakt bei Ablauf dieses Zeitraums würde er abheben und davon fliegen, den Kameraden seinem Schicksal überlassend, und nicht einmal ein schlechtes Gewissen deswegen haben: Der Zabrak hatte seine Chance gehabt und sie vertan; das war nicht Sliffs Schuld. Doch nun sahen die Dinge anders aus. Nach vielen Jahren hatte der Kobok zum ersten Mal wieder erfahren, was Selbstlosigkeit war. Sein Gefährte hatte ihn getragen, um ihn nicht verletzt im Wald zurück lassen zu müssen, obwohl er davon keinen Vorteil, sondern sich nur selbst behindert hatte. Nach diesem Erlebnis konnte der Sith-Jünger sich einfach nicht an seine gewohnten Verhaltensmuster leiden. Er hatte das dringende Bedürfnis, Dxun zu verlassen, wollte es aber nicht alleine tun. Er musste so lange warten wie nur irgend möglich - oder vielleicht auch ein wenig länger. Niemand konnte ihm sagen, ob Mol überhaupt noch lebte und es überhaupt jemals zurück zum Schiff schaffen würde; aber den Vorwurf, ihn einfach zurückgelassen zu haben, würde der Kobok sich nicht machen. Erst wenn sein Leben akut in Gefahr war (weit akuter als durch die vage Möglichkeit, jederzeit von einem schweren Blaster oder einer Rakete getroffen zu werden) würde er vielleicht keine andere Wahl mehr haben. Die Zeit lief. Nervös hielt er Ausschau nach seinem Gefährten, während draußen Schläge und Schüsse gegen Schotten und Hülle krachten. Dann endlich entdeckte er eine große, breite Gestalt, die aus den Rauchschwaden trat und auf die Eisenheim zu kam. Es war Mol und er trug etwas Großes auf dem Rücken. Erst auf den zweiten Blick stellte es sich als Trandoshaner heraus. Darum also war es dem Zabrak gegangen. Er hatte einen Gefangenen gemacht oder eine Leiche geborgen, warum auch immer. Die Gründe waren Sliff nicht ganz klar, aber welche Rolle spielte das schon. Wichtig war nur, er war zurück; wenn er es an der wütenden Kriegerin vorbei schiaffte, konnten sie hier wegfliegen.

Was am Schott vor sich ging, konnte Sliff nicht sehen. Die kleine Außenkamera war dem Zorn der Mandalorianerin bereits zum Opfer gefallen. Aber er hörte durch den Lautsprecher, was vor der Tür geschah. Keine Geräusche eines heftigen Kampfes - nur einen kurzen, erbosten Aufschrei einer weiblichen Humanoidenstimme, dann ein gedehntes Röcheln. Und schließlich war nur noch Mols schweres Atmen zu vernehmen. Mehr als einmal hatte der Jünger diese Laute gehört und verstand, was sie bedeuteten. Obwohl es keine hundertprozentige Sicherheit gab, entriegelte er das Schott. Er hörte schwere, schlurfende Schritte und ein Blick über die Schulter zeigte ihm Mol, kein schöner Anblick, aber offenbar noch in verhältmismäßig guter Verfassung. Sliff zögerte nicht. Er warf den Repulsor und zeitgleich auch die Triebwerke an - dass dadurch eine heiße Gaswolke über die Plattform fegte und vielleicht den einen oder anderen Kämpfer verbrannte oder über die niedrige Brüstung stieß, war ihm nur recht. So schnell er konnte, steuerte er auf die finstere Aschewolke zu, die über dem nahen Vulkan hing. Sie sollte ihnen Deckung geben. Denn er sah gelbe und rote Blasterblitze am Schiff vorbei zischen und spürte auch zwei Einschläge. Es gab keine Warntöne und die Druckanzeigen blieben stabil - noch hatten sie kein Leck und hoffentlich auch keine anderen Defekte. Aber der Start der Eisenheim hatte offensichtlich Aufsehen erregt und Waffen beider Seiten auf sich gezogen. Der Kobok flog ein hektisches Manöver, um dem Feuer zu entgehen.


»Beim faltigen Sack des Imperators, wieso könnt ihr uns nicht einfach in Ruhe lassen!«
fluchte er, als er zwei Drexl bemerkte, die sich an ihre Fersen geheftet hatten. Die Tiere waren schneller und weniger, als er ihnen zugetraut hätte. Wer darauf saß, konnte er nicht erkennen. Anstatt weiter geradeaus fliegen zu können, blieb ihm nichts übrig, als von seinem Kurs abzuweichen. Eine scharfe Wende brachte ihn der Plattform wieder näher und in die Reichweite der Waffen beider Seiten. Von dort schlug ihnen noch kein Feuer entgegen, aber die Drexl-Reiter beharkten sie weiter.

In diesem Moment kam Mol ins Cockpit und setzte sich an die Waffenkontrollen. Ein kurzes, heftiges Gefecht begann, bestehend aus Ausweichmanövern und teils präzisen, teils ungezielten Blastersalven. Der Kobok konzentrierte sich allein aufs Fliegen; dass die Plattform zerstört wurde, bekam er überhaupt nicht mit. Nur registrierte er nach einer Weile, dass das Feuer verebbte. Mol hörte auf zu schießen. Er sah aus, wie Sliff sich fühlte: Als würde er gleich in Ohnmacht fallen. Sein Blut und vielleicht auch das von anderen verteilte sich an der Cockpitscheibe, an die er sich lehnte; es tropfte auf den Boden und vermischte sich dort mit dem von Sliff und dem Snivvianer. Aber jetzt waren sie in der Aschewolke und endlich außer Reichweite aller feindlichen Waffen. Der Kobok zog den Bug des Frachters steil nach oben. Als sie die Wolke verließ, war die Eisenheim hoch genug in den dünneren Luftschichten, um stärker zu beschleunigen. Schnell wie ein Blitz nahm sie die letzten Kilometer bis hinauf in den leeren Raum, wo Quori den Navigationscomputer anwies, einen Sprung aus dem System heraus zu berechnen. Das Ziel war ihm egal - nur weg von hier. Kurz darauf waren sie unterwegs in Richtung Uyter im Mid Rim. Der Computer hatte mehrere Teilsprünge und Richtungswechsel vorausberechnet.

»Wir sind unterwegs«, sagte er, ohne genau zu wissen, ob Kommandant Mol ihn überhaupt hörte. Dieser sah aus, als wäre er eingeschlafen, und reagierte nicht sichtbar. »Wir haben jetzt eine Stunde bis zum nächsten Sprung.«

Eine Stunde also, in der keine bösen Überraschungen zu erwarten waren. Nur sie, das Schiff und die Hyperraumschleier vor dem Fenster. Das bläuliche Wabern hatte eine regelrecht hypnotische Wirkung auf den Kobok. Er leistete der Erschöpfung keinen Widerstand mehr, ließ sich einfach zurück in das Sitzpolster sinken und war im nächsten Moment irgendwo zwischen Schlaf und Ohnmacht.

[Hyperraum | von Dxun nach Uyter | Frachter Eisenheim | Cockpit] Sliff Quori, Mol
 
[ Mittlerer Rand / Japrael-System / Dxun / Über der Plattform / Eisenheim / Cockpit ] Mol und Sliff

In einem tranceähnlichen Zustand betrachtete Mol den Aufstieg durch die Atmosphäre. Hätte man ihn in diesem Moment geschüttelt und gefragt wer er war und wo er sich befand – beim besten Willen! – er hätte nicht antworten können. Zu tief saß die Müdigkeit, der Schock, die Strapazen… Er war erschöpft. Nicht nur körperlich, sondern vor allem geistig. Das letzte Mal hatte er sich nach Corsin so ausgelaugt gefühlt…damals als beinahe seine ganze Einheit in einem imperialen Hinterhalt ausgelöscht worden war…

Irgendwann wich das schwarz der Aschewolke und des Rauches dem makellosen Blau des Himmels. Zumindest was man durch den Schleier aus Rot blau nennen wollte. Der Zabrak konnte nicht sagen, ob die Wolke vor seinen Augen lag, oder von dem Blut auf dem Transparistahl herrührte und es war ihm auch denkbar egal. Im Hintergrund hörte er Atem, doch sein mürber Geist konnte ihn keiner Quelle zuordnen.

Dann wich das Blau wieder Schwarz und wurde kurz darauf zu hellen Striemen, die etwas Hypnotisches an sich hatten. Wie aus weiter Ferne drangen Worte an seine Ohren und rissen ihn halb aus seiner Trance. Wie ein Schlafwandler wandte er sich um und sah auf den Kobok hinab, der sich im Pilotensitz zusammengekauert hatte. Wie schon vorher im Wald streckte Mol die Arme aus und hob Sliff vorsichtig in die Höhe. Die Leiter aus dem Cockpit hinab war schwer zu überwinden, doch schließlich schaffte er es und trug seinen Freund zum anderen Ende des Schiffes, wo in den eigentlich als Stauräume gedachten Kammern eine Art Medistation mit eigenem kleinen Droiden improvisiert worden war. Langsam setzte er ihn auf eine der Liegen ab und wies die Maschine an ihr Bestes zu tun um ihn zusammenzuflicken.

Den mechanischen Kommentar hörte er gar nicht mehr. Er hatte sich bereits umgewandt und war zur Lounge gehinkt, wo er einen Schrank öffnete und wahllos eine Flasche Fusel griff. Mit einem Stöhnen ließ er sich in einen der aufgestellten Sessel fallen und beachtete garnicht, dass er hässliche Blutflecken auf dem beigefarbenen Stoff hinterließ. Mit zittrigen Fingern schraubte er die Flasche auf und setzte sie an die Lippen. Die blauviolett wabernde Flüssigkeit schmeckte scharf und rann brennend seine Kehle hinab, doch es war ihm nicht unwillkommen.

Mol trank und trank, stürzte Schluck um Schluck hinunter, bis er sich schließlich verschluckte und hustend Alkohol spuckte. Schwer atmend erholte er sich nach einer weiteren Minute und setzte ungerührt wieder die Flasche an die Lippen. Schließlich stellte er sie ab, mit leichter Verwunderung feststellend, dass er sie nur zur Hälfte geleert hatte. Dennoch breitete sich ein warmes Gefühl in seiner Magengegend und betäubte den Schmerz in seiner zerrissenen Hand, seinem Oberschenkel, eigentlich seinem ganzen Körper. Der Geruch nach Feuer und Tod klebte ihm noch immer in der Nase und schien verhindern zu wollen, dass er endgültig von der grünen Hölle, zu der Dxun geworden war, entkam.

Bleierne Müdigkeit legte sich über seine Glieder und so hatte er keine Ahnung wie lange er ins Leere gestarrt hatte, doch schließlich ertönten langsame und schwerfällige Schritte aus dem hinteren Teil des Schiffes.


[ Mittlerer Rand / Hyperraum Richtung Uyter / Eisenheim / Lounge ] Mol

Weiter im Weltraum (neutral)
 
~ Mittlerer Rand ~ Japrael-System ~ Dxun ~ am Rand des Dschungels ~ Steven


Gemeinsam mit den letzten Sonnenstrahlen erreichte Steven das Haus auf der Lichtung. Die untergehende Sonne färbte die Holzhütte in ein warmes, goldenes Gelb und der Wind wehte sanft durch die Blätter der alten Bäume. Es war ein ruhiger und dennoch anstrengender Tag gewesen. Steven hatte Feuerholz für die nächsten Nächte vorbereitet und Nahrung aus einer der entfernten Siedlungen besorgt. Steven stellte den Behälter mit der blauen Milch auf einer Bank ab und hielt für einen Moment inne, während er das Haus betrachtete. Er stellte für sich selbst fest, dass die Hütte in dem mystischen Licht der Abendsonne sogar recht wohnlich aussah. Der junge Mensch war zwar nie ein großer Handwerker gewesen aber dennoch hatte er es irgendwie geschafft, das einstmals fast verfallene Haus zu einem trockenen Plätzchen zu machen. Es war allerdings in keiner Weise vergleichbar mit seiner Unterkunft in der Jedi-Basis und schon gar nicht mit seinen Gemächern auf Cirrus. Dennoch, es reichte für ihn aus und was noch wichtiger war: es beschäftigte ihn über Wochen.

Ablenkung war genau das, was Steven brauchte. Er konnte wahrscheinlich nicht einmal genau sagen, wie er diesen Ort gefunden hatte und was ihn hierherführte. Wieso genau dieser Planet!? Es war ein Gefühl, ein Drang aufzubrechen gewesen, der den Baron von Cirrus handeln ließ. Spätestens seit Thyferra war seine Verbindung zur Macht in gewisser Weise gestört. Er konnte nicht mehr im Reinen meditieren, nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen und manchmal wusste er nicht mehr was die richtige Entscheidung war, welche Entscheidung die Macht von ihm verlangte. Er hatte schon länger diese Gedanken, war mit sich und der Macht im Unreinen, aber dieses Gefühl, welches er nun auf Correlia hatte... es war anders als bisher, die Macht leitete ihn hierher, sie drängte ihn an diesen Ort.

Steven hat seinen Gefühlen wieder vertraut, hat der Macht gehorcht und dennoch: Wie so vieles hatte auch dies seinen Preis gehabt. Er hat die Mission auf Alderaan abgebrochen. Viele Seelen somit enttäuscht und niemanden etwas über seine Pläne gesagt; weder Familie noch Freunde wussten wo er war, sein Schiff war zurück auf Cirrus, hierhergekommen war er mit einem alten Frachter und über unzählige Umwege. Michael, der Jedi-Rat, Tenia.. keiner wusste wo er war, wie es ihm ging und was überhaupt los war. Doch spielte das eine Rolle? Waren Gefühle wirklich hilfreich bei dieser Sache oder standen sie ihm und den anderen mal wieder im Weg? Hätte man ihm vor wenigen Wochen erzählt, er würde einfach mal so Hals über Kopf verschwinden, den Luxus und seine Stellung aufgeben, Steven hätte herzhaft gelacht. Aber irgendwas hatte sich verändert, irgendetwas in ihm. Es war dieses Gefühl, es war wie ein Instinkt. Ein tiefsitzender Instinkt, der ihn hierherführte. Es war warum auch immer wichtig, dass er hierherkam, allein und ohne Einmischungen von außen. Steven hatte dieses Gefühl seit dem Beginn der Mission auf Alderaan, vielleicht auch schon früher und nun ging er dem Gefühl nach, obwohl er anfänglich noch vergeblich versuchte diesem Drang zu widerstehen.

Steven wusste nicht genau wie lange er jetzt schon hier auf diesem Planeten war. Dxun war ein Mond von Onderon einem kleinen Planeten im mittleren Rand. Onderon besaß große Städte war aber überwiegend wenig besiedelt. Umso weniger Siedlungen ließen sich auf seinem Mond Dxun finden. Der Händler, der den Baron hier abgesetzt hatte, wünschte ihm für seine Zeit auf diesem Mond viel Glück. Später stellte sich heraus, wieso der Händler seine Worte wählte: Dxun war ein Brutnest für gefährliche Prädatoren. Flora und Fauna waren gleichsam tödlich, wenn man nicht mit Bedacht vorging. Die Macht oder viel mehr seine gestörte Verbindung zur Macht war dabei keine große Hilfe. Manchmal viel es dem Jedi-Ritter schon schwer auch nur das kleinste Lebewesen ins einer Nähe richtig wahrzunehmen. Viele Stunden verbrachte Steven mit der Jagd, mit der Instandsetzung der Hütte und mit dem Nachdenken. Er versuchte zu meditieren, seine Mitte und seine Rolle in der Galaxis wiederzufinden, doch bis zu diesem Moment hatte er damit keinen Erfolg gehabt.

Der Baron von Cirrus bereitete gerade das Lagerfeuer für die Nacht vor als seine Gedanken erneut abschweiften. Er fühlte plötzlich Lebewesen im Dschungel. Es waren keine Raubtiere und doch schienen die Lebewesen um eine Beute zu streifen. Der Jedi-Ritter lief in seine Hütte und holte eine Metallkiste vom Küchenschrank. Er öffnete die kleine, knarzende Schatulle und fand darin einen in Stoff eingewickelten Gegenstand, welcher sich nach dem Entpacken als sein edles Lichtschwert offenbarte. Er hielt seine Waffe kurz in der Hand und aktivierte sie über den roten Aktivatorknopf. Mit einem zischenden Geräusch erhellte das Lichtschwert die dunkle Hütte in einem hoffnungsvollen, starken grün. Steven versuchte in die Macht hinaus zu fühlen, um den rechten Weg zu finden, eine Entscheidung zu treffen. Er wusste nicht, was dort im Wald vor sich ging, ob jemand seine Hilfe benötigte oder ob er sich überhaupt einmischen sollte. Steven deaktivierte das Lichtschwert und drückte es an seinen Gürtel. Er hatte sich entschieden, ob mit der Macht oder ohne: jemand benötigte seine Hilfe und es war seine Pflicht als Jedi und zukünftiger Herrscher eines gesamten Planeten!

Vorsichtig schlich der Baron von Cirrus durch das dichte Unterholz des Dschungels. Er konnte kaum etwas sehen, doch die Klinge seines Lichtschwerts würde ihn verraten und der oder dem Hilfesuchenden wohlmöglich nur weitere Gefahr bringen. Steven versuchte so gut es ging keinerlei Geräusche im Dickicht zu erzeugen und ging nun gebückt hinter einem großen Felsen in Deckung. Steven spürte die Kälte und Feuchtigkeit der Nacht an dem Stein, genau wie er die Gefahr vor sich fühlen konnte. Ein prüfender Blick verriet ihm, dass es sich wohl um Verbrecher handelte, die eine Geisel in ihrer Gewalt hatten. Es war vermutlich eine junge Frau, dem ein Stoffbeutel über den Kopf gezogen wurde. Die Kriminellen waren in der Überzahl, Steven konnte drei Menschen mit Blastern erkennen, die sich zu streiten schienen. Einer von ihnen zielte immer wieder auf die Geisel und drohte damit abzudrücken. Die Situation war also äußerst dringlich und erforderten ein Eingreifen des Jedi. Steven blickte herab zu seinem Gürtel. Er hatte zwar nun nicht mehr die Macht auf seiner Seite, doch er war immer noch ein hervorragender Schwertkämpfer und konnte mit diesem Abschaum kurzen Prozess machen. Er lockerte das Lichtschwert und umfasste den Griff mit festem Druck. Dann begab er sich aus seiner Deckung. Er aktivierte das Lichtschwert und die grüne Klinge erleuchtete die Rinde der Dschungelbäume.


„Sieh‘ mal einer an! Noch einer!“

raunte einer der Gauner in Stevens Richtung und zielte nun mit dem Blaster auf ihn. Er hatte wohl nicht verstanden wen er vor sich hatte. Steven grinste entschlossen.

„Einer von uns hat heute einen sehr schlechten Tag.“

Plötzlich stießen fünf weiteres Bandenmitglieder zu den zwielichtigen Typen dazu.
Die Kriminellen waren nun deutlich in der Überzahl. Es würde ein Blutbad werden! Was sollte er nun tun? Steven blickte sich um, die Kriminellen hatten ihn umzingelt und zielten mit ihren Blastern auf ihn. Er könnte sie alle mit Leichtigkeit töten oder er könnte die Macht nutzen, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Doch das mit der Macht war in seinem Fall derzeit ein großes Problem. Also doch der blutige Weg?
Steven deaktivierte seine Waffe befestigte das Lichtschwert an seinem Gürtel. Nein, das wollte er nicht tun. Die Macht war nicht mehr mit ihm, aber er war mit der Macht und er vertraute auf ihren Willen. Doch ein Versuch konnte ja nicht schaden.


„Ihr wollte eure Geisel freilassen und dann in den Dschungel verschwunden.“

Steven versuchte mit der Macht den Geist der Kriminellen zu manipulieren, doch er spürte nichts. Das einzige was passierte war, dass das zynische Lachen eines der Kriminellen durch den Dschungel hallte. Er ging zu der Geisel hin und zog ihr die Kapuze vom Kopf. Steven konnte es nicht glauben. Tenia! Was machte sie hier? Und wie ist sie in diese Lage gekommen. Steven fühlte den Drang zu seinem Lichtschwert zu greifen und sie zu befreien.
Doch dann trat einer der Banditen näher an den Baron heran und hielt ihm eine Blasterpistole an den Kopf. Der Kriminelle lachte noch ein mal auf und drückte dann ab.

Als Steven die Augen wieder öffnete lag er Mitten im Dschungel vor einem Baustamm. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages blendeten in seinen Augen und unzählige Vogelrufe halten durch den Wald. Was war geschehen? Steven raffte sich auf und blickte sich sitzend um. Die Banditen waren nicht zu sehen und auch von der Geisel fehlte jegliche Spur. Steven versuchte aufzustehen und bemerkte eine Veränderung. Er spürte die Pflanzen und Tiere des Dschungels! Nicht nur schemenhaft, sondern ganz genau. Er konnte ihre Präsenzen erspüren und auch seine eigene Machtenergie konnte er fühlen. Es war fast so, als wäre nichts gewesen, doch dennoch war alles anders. Steven verstand jetzt was die Macht ihm sagen wollte: seine Gefühle zu Tenia haben ihn Fehler machen lassen. Das Desaster auf Thyferra ist nur passiert, weil er Tenia schützen wollte. Michael hätte das damals nie tun sollen und Steven sah nun ein, dass er es für jemand anderen auch nicht zugelassen hätte. Aber für Tenia hatte er jemanden töten lassen. Er hatte das Verraten wofür die Jedi standen, er hatte Eigensinnig gehandelt. Er hatte Fehler begangen und sah dies nun ein. Steven blickte durch die Baumkronen in den Himmel von Dxun und lächelte. Es war an der Zeit.



~ Mittlerer Rand ~ Japrael-System ~ Dxun ~ am Rand des Dschungels ~ Steven
 
-> weiter von Bastion

Japrael-System | Hyperaumaustrittpunkt nahe Onderons | an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel

Die Reise von Bastion nach Dxun war ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Der kürzlich begonnene Krieg hatte die Alarmbereitschaft der imperialen Sicherheitskräfte zwar auf das Maximum erhöht und das Reisen nicht unerheblich erschwert, allerdings kamen sie mit den Freigabecodes des Sith-Ordens, über die Sedros verfügte ohne größere Probleme an allen Kontrollpunkten durch. Der reinblütige Sith hatte nicht einmal auf seine Machtkräfte zurückgreifen müssen, um den Prozess zu beschleunigen. Den Sith eilte ein gewisser Ruf voraus und im Imperium ging man den Sith lieber aus dem Weg oder machte es ihnen recht, was auch immer sie verlangten. Jedenfalls, wenn man wusste, was gut für einen war. Der Personenkreis, der den Sith im Weg stehen durfte, war dann doch eher übersichtlicher Natur und stand an Macht und Autorität weit über dem durchschnittlichen Imperiumsbürger und Beamten oder Offizier.

Der Austritt aus dem Hyperraum im Japrael-Sektors des gleichnamigen Sektors verlief ruhig. Sie waren weitab des Planeten Onderon auf der dunklen Seite des äußersten Mondes des Planeten in den Normalraum zurück gekehrt.
Sedros hoffte so, den Sensoren der Bewohner des Planeten zu entgehen. Er hatte nicht vor, mit den Bewohnern Onderons zu interagieren und jetzt, wo die Spannungen zwischen Imperium und Republik so hoch wie lange nicht mehr waren, wollte der reinblütige Sith kein Risiko eingehen. Er fürchtete den Konflikt zwar nicht, es würde aber doch ausgesprochen lästig sein, sich mit den lokalen Sicherheitskräften und vielleicht einem übermütigen Republikkommando rumärgern zu müssen, das sich so früh im Krieg einen namen machen wollte, indem es ein oder zwei Sith ausschaltete oder sogar gefangen nahm. Er hatte einfach besseres mit seiner Zeit anzufangen.

Für ihren Anflug auf Dxun würde
Sedros die Obsidian Gauntlet also selbst steuern. Es verfügte zwar nicht über eine Tarnvorrichtung, allerdings hatte er einige Modifikationen an dem Schiff vornehmen lassen, die ein unbemerktes Kommen und Gehen zumindest nicht unmöglich machten. Der schwarze Lack zum Beispiel diente nicht nur dazu, das Schiff vor dem Sternenhimmel schwer erkennbar zu machen, es schluckte auch einen nicht unerheblichen Teil des Sensorechos, das das Schiff sonst erzeugen würde. Sie würden sich außerdem langsam bewegen, um zu verhindern, dass sich die Triebwerke allzu sehr aufheizen und so auf thermalen Sensoren aufleuchteten wie die Reklame eines Nachtclubs der Hutten auf Nar Shaddaa. Der größte Vorteil war aber der Pilot selbst. Sedros konnte sich ganz auf die Macht verlassen, um zu navigieren. Entsprechend blieben die Sensoren der Obsidian Gauntlet im Passivmodus und würden ihre Anwesenheit hier genauso wenig verraten, wie der abgeschaltete Transponder des Schiffes.

“Während wir uns Dxun nähern, möchte ich, dass du dich der Macht öffnest. Sei nicht zu enttäuscht, wenn du aus dieser Entfernung noch nichts wahrnehmen kannst. Sobald es aber soweit ist, beschreibe mir, was du wahrnimmst. Onderon selbst hat ungefähr 4 bis 5 Millionen Bewohner und ein komplexes Ökosystem. Die drei äußeren Monde sind kaum mehr als tote Steinkugeln im All. Dxun, der innerste Mond und unser Ziel aber ist von einem von der dunklen Seite der Macht durchdrungenen Dschungel umgeben und…nun, ich will nicht zu viel verraten.” Damit war erst einmal genug gesagt. Sedros öffnete sich ebenfalls der Macht und streckte seine Machtfühler aus, um nach Hinterhalten Ausschau zu halten und selbst Dxun aus der Ferne genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wie erwartet verblassten die Präsenzen Onderons neben seinem Mond Dxun. Der Mond umspannende Dschungel barg eine schiere Unzahl an Lebewesen, denen der Planet einfach nicht gerecht wurde. Natürlich war das nicht alles. Dxun wurde seinem Ruf mehr als gerecht. Der Mond war unverkennbar ein Nexus der dunklen Seite der Macht. Es war schon eine Weile her, dass sich der reinblütige in dieser Pracht hatte Sonnen können, doch die Zeichen waren unverkennbar. Von Dxun ging eine Machtaura unverkennbarer wie unnatürlicher Kälte aus. Entsprechend fühlte es sich unglaublich falsch an, sich dem Mond zu nähern. Die dunkle Seite stemmte sich immerhin gegen die natürliche Ordnung der Macht und entsprechend wurde jedes Lebewesen von einem Ort, den die dunkle Seite für sich vereinnahmt hatte, auf einem instinktiven Level abgestoßen.

Der reinblütige Sith jedoch, fühlte sich wie für seine Spezies typisch von so einem Ort geradezu angezogen. Auch wenn er tatsächlich noch nie hier gewesen war, fühlte es sich für
Sedros mehr wie eine Heimkehr als alles andere an. Entsprechend freute er sich schon darauf, die von der dunklen Seite der Macht durchtränkte Luft des Mondes zu atmen, wenngleich ihm sehr wohl bewusst war, dass Darel das ziemlich sicher anders sehen würde. Sein Schüler hatte zwar schon von der dunklen Seite der Macht gekostet und sie im Übungskampf genutzt. Er hatte auch einige Zeit im Sith-Tempel auf Bastion gelebt und selbst wenn der Thronsitz der Imperatorin ebenfalls von der dunklen Seite der Macht durchtränkt war, so kam der Nexus auf Bastion, sofern man ihn denn so überhaupt nennen konnte, in keinem Sinne dem gleich, was da auf der winzigen, aber wachsenden Kugel vor dem Cockpitfenster auf sie wartete. Die dunkle Seite der Macht war immerhin seit Tausenden von Jahren auf Dxun heimisch, während der Tempel auf Bastion keine 100 Jahre alt war.

Nach kaum zwei Stunden füllte Dxun das Cockpitfenster komplett aus und
Sedros schwenkte die Obsidian Gauntlet in einen Orbit über dem Mond ein, der dafür sorgen würde, dass sie in dessen Sensorschatten vor Onderon abgeschirmt bleiben würden. Einmal gelandet, würden sie vermutlich kaum mehr zur Ruhe kommen, also hatte der reinblütige Sith es jetzt alles andere als einig. Stattdessen suchte Sedros mit seinen Machtfühlern nach einer Eingebung, wo er denn am besten landen sollte, während er Darel einen Blick zuwarf. “Du hattest jetzt einige Zeit, dich an Dxun zu gewöhnen. Also erforsche deine Gefühle und sage mir, was du von diesem Ort hältst." Sollte Darel jetzt kalte Füße bekommen, war hier oben im Orbit noch der beste Moment, etwas dagegen zu unternehmen.

Japrael-System | Orbit um Dxun, im Sensorschatten Onderons | an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel
 
-> kommend von Bastion

Japrael-System | Hyperaumaustrittpunkt nahe Onderons | an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel


Die letzten Tage waren ohne Zwischenfälle verlaufen, gleichmäßig, beinahe ruhig, getragen von einer Struktur, die Darel sich selbst auferlegt hatte und an der er festhielt, ohne sie in Frage zu stellen. Training, Analyse, Meditation und das fortlaufende Studium der verfügbaren Daten wechselten sich aus der bewussten Entscheidung heraus ab, dass er jede verfügbare Zeit nutzen wollte.

Gerade die letzten Stunden hatte er sich intensiver mit der Flora und Fauna des Planeten beschäftigt. Welche Pflanzen und Tiere waren gefährlich oder giftig, was waren ihre Merkmale und welche Gegengifte gab es. Auch wenn Darel sicher war, dass sein Meister dies alles wusste, war ihm auch klar, dass er sich nicht darauf verlassen durfte.


Als sie aus dem Hyperraum heraustraten und sich die vertrauten Linien vor dem Sichtfenster wieder in Sterne auflösten, war es nicht die Bewegung des Schiffes, die Darels Aufmerksamkeit band, sondern das, was dahinter lag, noch bevor es vollständig sichtbar wurde.

Darel richtete sich in seinem Copiloten-Sitz leicht auf, während sich sein Blick nach vorne verlagerte und sich das erste Bild des Systems formte. Onderon lag in der Ferne, ruhig, beinahe unscheinbar, doch seine Wahrnehmung blieb nicht dort haften, weil sich etwas anderes bereits deutlicher abzeichnete.

Dxun.

Zunächst war es nur ein Eindruck, schwer greifbar, kaum mehr als ein leises Unbehagen, das sich nicht aus einem konkreten Gedanken speiste, sondern sich unterhalb dessen bildete, was er bewusst erfassen konnte. Es war kein klarer Druck, keine überwältigende Präsenz, sondern vielmehr ein Zustand, der sich von allem unterschied, was er bisher wahrgenommen hatte, als würde etwas nicht vollständig in das passen, was er bisher als selbstverständlich angenommen hatte.

Sein Meister erklärte ihm, dass er möglicherweise zunächst nichts wahrnehmen würde, und gerade dieser Hinweis blieb hängen, weil er ihn dazu zwang, seine eigene Erwartung bewusst zurückzunehmen, anstatt sich von dem Drang leiten zu lassen, sofort ein Ergebnis zu erzwingen. Dennoch lag genau darin eine leise Spannung, da sich in ihm der Anspruch regte, nicht einfach nur abzuwarten, sondern aktiv zu erfassen, was sich ihm zeigen würde, sobald er sich darauf einließ.

Der Mond wirkte auf den ersten Blick unscheinbarer, kleiner, beinahe von Onderon überlagert, und doch zog er die Aufmerksamkeit auf eine Weise an sich, die sich nicht erklären ließ, da sich die Oberfläche als ein durchgehender, dichter Dschungel zeigte, ein nahezu geschlossenes Geflecht aus Vegetation, das keine klaren Linien erkennen ließ. Kein sichtbares Gleichgewicht, keine ruhigen Zonen, sondern ein Bild, das von Bewegung und Verdichtung geprägt war, als würde sich dort alles gleichzeitig behaupten müssen.


In diesem Moment, traten Berichte, die er in den vergangenen Tagen gelesen hatte, unwillkürlich in den Vordergrund, einzelne Bilder, einzelne Hinweise, die sich nun mit dem verbanden, was er tatsächlich vor sich sah. Beschreibungen von massiven Raubtieren, die sich lautlos durch das Unterholz bewegten, von Kreaturen, deren bloße Größe ausreichte, um einen unvorbereiteten Gegner zu überrennen, aber ebenso von kleineren, unscheinbaren Lebensformen, deren Gefahr sich erst bemerkbar machte, wenn es bereits zu spät war.

Auch die Pflanzenwelt war ihm im Gedächtnis geblieben, als ein aktiver Bestandteil dieser Umgebung. Pflanzen, Gewächse und Ranken, die mit Gift arbeiteten, wenn man ihnen zu nahe kam, wodurch sich ein Gesamtbild ergab, das weniger an eine natürliche Landschaft erinnerte als an ein System, das sich gegen Eindringlinge zur Wehr setzte.

Als zwei Stunden später der Planet kurz vor Ihnen lag, wies Sedros ihn an, sich der Macht zu öffnen, zögerte Darel nicht, sondern folgte der Aufforderung unmittelbar, ließ die äußeren Reize zurücktreten, schloss seine Augen und richtete seine Aufmerksamkeit nach innen, bevor er sie von dort aus vorsichtig nach außen ausdehnte.

Zunächst blieb alles diffus.

Onderon war präsent, ruhig, vielschichtig, doch in einer Form, die sich einordnen ließ, die nicht gegen seine Wahrnehmung arbeitete, sondern sich in sie einfügte. Es war ein komplexes System aus Leben, Bewegung und Struktur, das sich zwar nicht vollständig greifen ließ, aber dennoch in sich stimmig wirkte.

Dxun hingegen entzog sich dieser Einordnung.

Je mehr er versuchte, den Mond zu erfassen, desto deutlicher wurde, dass sich seine Wahrnehmung daran rieb, nicht weil sie versagte, sondern weil das, was er zu greifen versuchte, nicht in die gewohnte Ordnung passte. Es war dichter, unruhiger, durchzogen von etwas, das sich nicht klar benennen ließ, und doch war es da, konstant, als würde sich ein Druck aufbauen, der nicht von außen kam, sondern aus dem Inneren dieses Ortes selbst.

Es war kein einzelner Punkt, keine klare Quelle, sondern eine Vielzahl von Eindrücken, die sich überlagerten und ein Gesamtbild ergaben, das sich nicht einfach so ruhig betrachten ließ. Gleichzeitig lag darin eine Form von Intensität, die sich nicht allein als Bedrohung einordnen ließ, sondern ebenso eine gewisse Klarheit besaß, eine Direktheit, die sich nicht versteckte.

Je weiter er sich darauf einließ, desto mehr verdichtete sich der Eindruck, dass dieser Mond nicht einfach nur von der dunklen Seite berührt war, sondern von ihr durchzogen, als würde sie nicht nur vorhanden sein, sondern den gesamten Raum formen, ihn überlagern und jede andere Wahrnehmung in den Hintergrund drängen. Es war kein einzelner Fokuspunkt, keine Quelle, die sich isolieren ließ, sondern ein durchgehender Zustand, der sich über alles legte und dabei eine Intensität erzeugte, die sich nicht ignorieren ließ.

Seine Finger spannten sich leicht an, während sich ein feiner, kaum wahrnehmbarer Film von Kälte über seine Haut legte, der nicht von der Umgebung herrührte, sondern aus dem entstand, was er wahrnahm. Es fühlte sich nicht falsch im einfachen Sinne an, sondern vielmehr widersprüchlich, als würde sich etwas gleichzeitig gegen ihn richten und ihn dennoch festhalten, als würde dieser Ort nicht nur existieren, sondern lebendig wirken.

Sein Blick glitt kurz zu Sedros, bevor er wieder nach vorne sah.


„Es fühlt sich… dichter an,..kalt und rau“, begann er ruhig, während er die Worte bewusst wählte, statt sie einfach auszusprechen. „Als würde sich dort alles überlagern… und gleichzeitig gegen etwas arbeiten, das ich nicht vollständig greifen kann.“ Ein erneuter Schauer lief ihm über den Rücken und versuchte, das ungute Gefühl mit einem leichten Grinsen zu überspielen. “Definitiv kein Ort den man gerne sein zuhause nennt.”

Er hielt einen kurzen Moment inne, bevor er fortfuhr.

„Onderon wirkt… geordnet, ruhig und friedlich dagegen. Dxun ganz und gar nicht, aber ich hatte auch nichts anderes erwartet, den Berichten zufolge."

Mehr fügte Darel nicht hinzu.

Doch in der Art, wie er die Wahrnehmung der Dunklen Seite aufrechterhielt, ohne sie abzuschütteln zu wollen, lag bereits eine Veränderung, die ihm selbst nicht entging.



Japrael-System | Orbit um Dxun, im Sensorschatten Onderons | an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel
 
Japrael-System | Orbit um Dxun, im Sensorschatten Onderons | an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel

Sehr zur Zufriedenheit des reinblütigen Sith, zeigte sein Schüler ein ordentliches Verständnis Dxuns. Sicher, einiges war nur sehr oberflächlich, doch Sedros wusste sehr gut, dass man manches am besten durch persönliche Erfahrung lernte und so nickte er Darel bestätigend zu, statt ihn zu schelten. “Sehr gut erkannt, mein Schüler. Die Macht hat zwar keinen artikulierten Willen wie du und ich und auch kein Bewusstsein, von dem wir wüssten, aber es gibt dennoch eine gewisse Ordnung der Dinge, der sie folgt und zu der sie stets zurückkehren will.” Während der Erklärung zuckten Sedros die Mundwinkel als hätte er einen Witz gehört, den nur er verstand. “Ausgebildete Machtnutzer wie wir, können ihr dennoch unseren Willen aufzwingen und sie dazu zwingen, Dinge zu vollbringen, die sonst eigentlich unmöglich werden.”

Mit einem Nicken zum Mond hinter dem Cockpitfenster leitete Sedros das Ende der Lehrstunde ein. “Was du hier wahrnimmst, ist das Ergebnis Jahrtausende langem Exzesses. Dieser Ort hier wurde nachhaltig durch die Dunkle Seite berührt und verändert. Und weil normalsterblichen Wesen wie dir die deinen Instinkten widersprechende dunkle Seite so fremd ist, fühlst du dich instinktiv von diesem Ort abgestoßen.” Sedros nahm sich da bewusst aus. Als reinblütigem Sith war für ihn die dunkle Seite so natürlich, wie das Bewegen von Armen und Beinen.

Damit begann
Sedros das Landemanöver einzuleiten. Zum Glück besuchten immer mal wieder Sith diesen ansonsten sich selbst überlassenen Mond, sodass er nicht allzu lange suchen musste, um einen geeigneten Landeplatz zu finden. “Mache dir keine Sorgen. Ich werde dich Kontrolle und Moderation lehren, damit du nicht so entartest wie Dxun.” Natürlich lag es letztlich an Darel selbst, ob er sich die dunkle Seite zum Werkzeug machte oder ihr Sklave wurde. Viele Sith scheiterten katastrophal an diesem Balanceakt. Aber eben dieser hohen Fehlschlagrate zum Trotz, war das Unterfangen, die Wege der dunklen Seite der Macht zu lernen, das Risiko wert. Die Vorzüge der dunklen Seite waren einfach zu groß und mannigfaltig.

Der Eintritt in die Atmosphäre verlief ruhig. Am Horizont war zwar ein Sturm erkennbar, doch der war fast 1,000 Kilometer von ihrem Zielort entfernt und den Sensoranzeigen zufolge, würden die aktuell herrschenden Winde ihn nur weiter weg tragen. Ein Schwarm Drexls erschien auf den Sensoren, als sie sich der Landezone näherten, sie schienen sich jedoch nicht weiter für die Obsidian Gauntlet zu interessieren.
Sedros war das nur recht. Er hatte zwar keine Zweifel an den Fähigkeiten seines Schiffes, gegen eine Horde übergroßer Insekten wollte er sie jedoch nicht testen, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ. Die Tiere schienen die Nähe des Grabes, dessen Spitze sich über die Baumdecke des Dschungels erhob, zu meiden. Warum genau, war nur schwer zu sagen. Für den Moment aber genügte, dass es funktionierte. Und so setzten sie unweit, vielleicht 20 Gehminuten entfernt, des Sith-Grabes auf einer Lichtung auf.

“Das war der einfache Teil. Suche deine Sachen zusammen, wir brechen in 10 Minuten auf. Ich habe zwei Rucksäcke mit Überlebensausrüstung zusammengestellt. Nichts allzu schweres, ich habe nicht vor, hier länger als unbedingt nötig zu verweilen.” Damit entließ Sedros seinen Schüler. Darel war schon ein erwachsener Mann und brauchte keine Aufsicht dabei, sich passend zu kleiden. Stattdessen zog sich der reinblütige Sith in sein eigenes Quartier zurück. Ein letztes Mal nutzte er die Nasszelle. Die Überrobe hing Sedros in den Kleiderschrank. Dxun war ein überaus heißer Ort und hier gab es für den reinblütigen Sith ohnehin keinen Grund, seine Natur mit einer Kapuze zu verbergen. Die wadenhohen Kampfstiefel und sonstige Kleidung würden vollkommen ausreichen, Sedros vor der Witterung zu schützen. Der schwarz lackierte und damit zur Robe passende Lanvarok an seinem linken Unterarm war so zwar deutlich sichtbar, aber eine Metallarmschiene hier zu tragen, würde kaum auffallen. Jedenfalls nicht mehr als das Lichtschwert, das griffbereit an seiner Gürtelschlaufe befestigt war.

Auf andere Waffen aus der Waffenkammer verzichtete
Sedros. Sie erwarteten hier keine heftigen Kämpfe und außerdem hatten sie mit dem Gepäck schon schwer genug zu tragen. Als Darel endlich an der Ausstiegsluke erschien, reichte Sedros ihm einen für Jedi genauso wie für Sith typischen Allzweckgürtel. “Ein handelsüblicher Hosengürtel ist nicht ideal dafür, ein Lichtschwert zu halten. Der hier ist viel besser und er hat auch praktische Taschen für das Nötigste, das du neben einem Lichtschwert immer am Körper haben solltest. - Sollte er irgendwann einmal kaputt gehen oder du Ersatz für eines der Teile benötigen, hilft dir der Quartiermeister im Tempel weiter.” Sedros musterte Darel, während der Schüler den Gürtel anlegte. Jetzt sah der Schüler so langsam fast beinahe wie ein ordentlicher Sith aus.

Damit schulterte
Sedros seinen eigenen Rucksack, der neben der Überlebensausrüstung auch die Werkzeuge trug, die der reinblütige Sith glaubte, für die Ernte der Dunkelwurz-Essenz zu benötigen. Das Gewicht lag ihm schwer auf den Schultern, natürlich war das kein Problem für einen geübten Machtnutzer wie ihn. Darels Rucksack war zum Glück erheblich leichter. Er brachte vielleicht 10 kg auf die Waage. Als Sedros das Schott öffnete, wurden die beiden direkt von der brütenden Hitze des Dschungels erschlagen. Der reinblütige Sith bevorzugte eine trockene Hitze, aber auch die hohe Luftfeuchtigkeit des Dxuner Dschungels würde er tolerieren können. Und so marschierte er leichtfüßig die Rampe hinab, um den Mond endlich zu betreten.

Ein fast seliges Lächeln stahl sich unterbewusst auf die Gesichtszüge des reinblütigen Sith. Man konnte hier die dunkle Seite der Macht förmlich auf der Zunge schmecken. Es war fast so, als würde er nach Hause kommen. Natürlich war das ein trügerisches Gefühl, das war
Sedros mehr als bewusst. Die dunkle Seite der Macht mochte verführerisch sein, wenn es denn nützlich war. Doch der reinblütige Sith würde nicht in seiner Wachsamkeit nachlassen. Stattdessen holte er das Bedienelement für die drei DRK-1 Spähdroiden heraus, die sie mitgebracht hatten. Nach ein paar wenigen Eingaben öffnete sich eine Luke in der Oberseite der Obsidian Gauntlet und die drei Droiden flogen nacheinander in den Himmel, um die Umgebung abzuscannen. Aktuell war nichts verdächtiges zu sehen, aber das hieß auch nicht, dass sich schon Raubtiere auf den Weg gemacht hatten, um zu überprüfen, was hier gelandet war und ob es sich als Mahlzeit eignete.

Japrael-System | Dxun, Landeplatz unweit des Grabes | vor der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel
 
Japrael-System | Orbit um Dxun, im Sensorschatten Onderons | an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel


Darel nahm das bestätigende Nicken seines Meisters wahr, ohne darauf weiter einzugehen. Doch die Worte, die folgten, gingen nicht einfach an ihm vorbei, sondern blieben hängen, während er versuchte, sie für sich einzuordnen.

Die Vorstellung, dass die Macht selbst keinem eigenen Willen folgte, sondern einer Art grundlegender Ordnung unterlag, widersprach nicht dem, was er bisher erlebt hatte, und dennoch lag in Sedros’ Worten etwas, das über diese einfache Erkenntnis hinausging, weil es bedeutete, dass Kontrolle nicht darin bestand, etwas zu verstehen, sondern darin, es bewusst zu lenken und durchzusetzen.

Als Sedros anschließend erklärte, was Dxun war und wodurch dieser Ort geprägt worden war, verlagerte sich Darels Aufmerksamkeit wieder nach außen, zurück auf den Mond, der sich unter ihnen ausbreitete, und je näher sie kamen, desto deutlicher wurde, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Ort handelte.

Das hier war kein Zustand, der einfach existierte, sondern etwas, das über lange Zeit entstanden war, sich entwickelt und verändert hatte, und genau darin lag der Unterschied, den Darel nun langsam zu begreifen begann, während er registrierte, dass auch seine eigene Reaktion darauf kein Störfaktor war, den er verdrängen musste, sondern ein Teil dessen, womit er umgehen lernen musste.
Das Gefühl blieb bestehen, unangenehm, aber noch nicht überwältigend, vielmehr wie ein unterschwelliger Druck, der sich nicht vollständig einordnen ließ, aber auch nicht stark genug war, um seine Kontrolle zu gefährden, solange er ihn bewusst wahrnahm und nicht zuließ, dass er sich verselbstständigte.

Als die Sensoren zuvor den Schwarm Drexls erfasst hatten, hatte Darel diesen Hinweis nicht einfach zur Kenntnis genommen, sondern bewusst im Hinterkopf behalten, und je länger er darüber nachdachte, desto weniger erschien ihm ihr Verhalten zufällig, denn die Kreaturen hielten nicht nur Abstand, sondern mieden ein bestimmtes Gebiet, ohne dass sich auf den ersten Blick ein klarer Grund erkennen ließ.
Sein Blick glitt unwillkürlich noch einmal in die Richtung, in der sich das Grab über die Baumkronen erhob, kaum sichtbar, aber deutlich genug, um nicht übersehen zu werden, und genau dort lag der Punkt, der ihn kurz innehalten ließ.

Die dunkle Seite war überall auf diesem Mond. Das hatte er bereits gespürt. Warum also genau dieser Ort? Warum nicht der gesamte Dschungel?
Die Frage blieb offen, doch sie setzte sich fest, nicht als Zweifel, sondern als etwas, das er später verstehen würde, sobald sich ihm mehr zeigte als das, was er aus der Distanz erfassen konnte. Vielleicht würde er seinen Meister noch dazu befragen.

Als Darel zurückging, um sich fertig zu machen, griff er ohne langes Zögern nach dem leichteren schwarzem Trainingsgewand aus der Akademie, das er bereits während der Reise genutzt hatte, da es nicht nur ausreichend Bewegungsfreiheit bot, sondern auch für solche Bedingungen gut war.
Das Material lag angenehm leicht auf der Haut, ohne sich vollzusaugen oder die Hitze zusätzlich zu stauen, wodurch es die entstehende Wärme besser ableiten und ihn nicht unnötig belastete, was unter diesen Umständen wichtig war.

Es war zwar keine wirkliche Rüstung, aber es war ausreichend und hatte genug Schutz an den wichtigsten Stellen.
Dxun stellte bereits genug Anforderungen, er musste sie nicht noch erhöhen in dem er Falsche Kleidung wählte.

Als er wieder am Schott ankam, reichte Sedros ihm schließlich eine Allzweckgürtel. Darel nahm ihn ohne Zögern entgegen, ließ den Blick einen kurzen Moment darüber gleiten. Sogleicht legte er den Gürtel an, prüfte den Sitz und hängte sein Lichtschwert daran.

Ein kaum sichtbares, kurzes Grinsen huschte über sein Gesicht, mehr ein innerer Moment als eine offene Reaktion, bevor er sich wieder fing und den Blick leicht senkte.

„Danke Meister, er passt gut, ich werde gut darauf achtgeben.“

So ganz war Darel aus seinem Meister noch nicht schlau geworden. In einem Moment wirkte er zurückhaltend, beinahe streng, und zugleich auf eine nüchterne Weise doch freundlich. Im nächsten jedoch, wie er es bereits in der Akademie erlebt hatte, konnte er sich in eine regelrechte Bestie verwandeln. Darel nahm an, dass diese Höflichkeit und Ermutigung weniger ihm selbst galten, sondern vielmehr damit zusammenhingen, dass er tat, was sein Meister von ihm verlangte, und die Ergebnisse so schnell lieferte, wie dieser es erwartete. Dass es etwas Persönliches war, glaubte er nicht. Immerhin war sein Meister ein Sith.
Darel würde genau aufpassen, wann sein Meister Andeutungen zeigte, um von seiner einen in die andere Gestalt zu wechseln. Aber darüber würde er später weiter grübeln.


In diesem Moment öffnete Sedros das Schott. Die Hitze traf ihn unmittelbar und ohne Übergang, schwer und feucht, sodass die Luft beinahe greifbar wirkte und sich sofort auf seine Haut legte, während sich darunter gleichzeitig dieses andere Gefühl verstärkte, das nichts mit der Umgebung selbst zu tun hatte, sondern aus der Nähe dieses Ortes entstand.
Sein Körper reagierte darauf, nicht heftig, aber deutlich genug, um es nicht zu übersehen, ein leichtes Spannen im Nacken, ein feiner Schauer entlang der Arme, den er wahrnahm, während er den Schritt nach draußen setzte, ohne stehen zu bleiben.

Sein Blick glitt über die Umgebung, während sich das Bild nun vollständig zusammensetzte, dichter Dschungel, kaum Licht, das den Boden wirklich erreichte, Geräusche aus verschiedenen Richtungen, die sich nicht klar zuordnen ließen, und eine ständige Bewegung im Unterholz, die keinen festen Ursprung erkennen ließ.

Das Wissen, das er sich zuvor die letzten Tage angeeignet hatte, verband sich dabei mit dem, was er tatsächlich sah, sodass die Vorstellungen von Raubtieren, versteckten Gefahren und giftigen Pflanzen nicht mehr theoretisch wirkten, sondern sich nahtlos in das einfügten, was ihn umgab, und genau darin lag der Unterschied, der ihm klar machte, dass hier nichts neutral war.

Sein Griff spannte sich leicht um den Rucksackriemen, kaum sichtbar, während er weiterging und die Umgebung nicht nur betrachtete, sondern bewusst erfasste, ohne sich von ihr überfordern zu lassen.

Als Sedros die Spähdroiden startete, glitt sein Blick kurz zu ihnen, folgte ihrer Bewegung für einen Moment, bevor er sich wieder löste, da ihm klar war, dass das, was sie erfassen konnten, nur ein Teil dessen war, was tatsächlich vorhanden war.



Japrael-System | Dxun, Landeplatz unweit des Grabes | vor der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel
 
Japrael-System | Dxun, Landeplatz unweit des Grabes | vor der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel

Für den Moment blieb es ruhig. So ruhig ein Dschungel jemals werden konnte jedenfalls. Unzählige von der Vegetation verborgen gehaltene Tiere erzeugten genauso wie der Wind im Blätterdach eine wahre Kakophonie an Tönen, die alles andere als still wahr. Sie würden auf der Hut bleiben müssen, denn unter dieser Geräuschkulisse würden Raubtiere es ein leichtes haben, sich an sie unbemerkt anschleichen und im Wirrwarr des Lebens hier würde es auch gar nicht so einfach sein, ein bestimmtes Wesen in der Macht zu spüren, wenn man eben nicht von seiner Existenz wusste.

Genau darum nahm Sedros sich jetzt die Zeit,
Darel noch ein paar Tipps zu geben. “Das Lichtschwert ist in den richtigen Händen eine überaus mächtige Waffe. Auch wenn du die Grundlagen verinnerlicht hast, wird es noch eine ganze Weile dauern, bis du kompetent mit dem Lichtschwert umgehen können wirst.” Weder Vorwurf noch Herabsetzung lag in der Stimme des reinblütigen Sith. Es war eine neutral formulierte Feststellung, die schlicht der Wahrheit entsprach. Auch wenn das Lichtschwert die Waffe der Wahl für Jedi wie Sith war, so dauerte es doch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, den Umgang mit der Waffe zu meistern. Manche Machtnutzer schafften es sogar Zeit ihres Lebens nicht.

“Lass dich nicht von der Kraft der Klinge zu tödlichen Fehlern verleiten. Auch wenn das Lichtschwert so ziemlich alles schneiden kann, so nützt ein Stich in das Herz oder Gehirn doch herzlich wenig, wenn du trotz eines tödlichen Schwertstreichs von einem toten Körper begraben wirst.” Eine halbe Tonne anstürmenden Fleisches oder auch eines Droidenkörpers konnte unkontrolliert tatsächlich verheerende Schäden anrichten, wenn man damit kollidierte oder sogar davon eingeklemmt wurde. “Es gibt auch eine erstaunliche Anzahl an Substanzen, die explosiv oder auf andere und überaus unangenehme Art auf den Kontakt mit einer Lichtschwertklinge reagieren. Bevor du also einen Behälter aufschneidest oder einer Wand einen neuen Durchgang verpassen willst, prüfe lieber zweimal, ob das auch wirklich eine gute Idee ist.” Nicht zuletzt würde Sedros dann auch nach einem neuen Schüler suchen müssen, was er doch lieber vermeiden wollte. Zu viel hatte er bereits in Darel investiert, um sich diese Zeitverschwendung antun zu wollen.

Das war aber auch genug der Warnung für den reinblütigen Sith. Sollte sein Schüler tatsächlich so dumm sein, sich selbst durch den unsachgemäßen Umgang mit dem Lichtschwert zu verletzten oder sogar zu umzubringen, dann war dieser Umstand allein Beweis genug dafür, dass
Darel untauglich war. Stattdessen überprüfte Sedros die Sensordaten der ausgesandten Droiden und prüfte auch seine Machtsinne. “Und jetzt komm, wir haben heute noch viel vor.” Der Weg zum Grab stellte sich dann überaus mühselig dar. Die vom Bordcomputer aufgrund der Distanz zum Grab berechneten 20 Gehminuten stellten sich als mehr als optimistisch heraus. Sicher, Sedros hätte mithilfe der Macht das Unterholz meiden und die Bäume als Sprungplattformen nutzen können, um den Weg innerhalb weniger Minuten zurückzulegen…Darel jedoch war noch nicht soweit die Macht derart kontrolliert, stark und in kurzer Folge wiederholt einsetzen zu können.

Damit blieb ihnen also nur der Fußweg und auch wenn sie mithilfe ihrer Lichtschwerter das widerspenstigste Unterholz wegschneiden konnten, so brauchten sie doch reichlich mehr als eine Stunde, bevor sie auf dem von reichlich Wurzelzwerk überwucherten Vorplatz des Grabes ankamen. So mühselig das Ganze auch war, der reinblütige Sith lebte bei der Plackerei regelrecht auf. Das lag nicht nur daran, dass der Mond von er dunklen Seite der Macht vereinnahmt war, der Dschungel selbst war der Grund dafür. Sicher, das feuchte Klima war nicht gerade
Sedros’ bevorzugte Umgebung. Die Macht selbst aber wurde vor allem von lebender Materie erzeugt und nach der langen Reise durch den Hyperraum und das All zwischen Bastion und Dxun hatte das sprühende Leben um sie herum eine geradezu vitalisierende Wirkung auf ihn.

Hier auf dem Vorplatz hatte die friedliche Wanderung dann aber auch ihr Ende. Kaum hatten
Sedros und Darel sich orientiert, stürmte eine kleine Herde wild gewordener Bomas auf sie zu. Das Trio von Spähdroiden, das über dem Platz kreiste oder die Ankunft der Sith, vermutlich eine Kombination aus beidem, schien den Tieren so gar nicht zu gefallen. Sofort aktivierte Sedros sein Lichtschwert, um dem Ansturm zu begegnen und Darel war nur wenige Atemzüge langsamer. Was den reinblütigen Sith betraf, war das hier eine gute Aufwärmübung, würde alles weitere doch sicher nicht so simpel und so ehrlich sein, wie ein Kampf auf Leben und Tod.

Und so stürzte sich
Sedros mit einem Lächeln in das Getümmel. Er stürmte auf den größten Boma zu und sprang im letzten Moment in einem Salto über das nach ihm schnappende Tier herüber, während er mit dem Lichtschwert dessen Rücken die Wirbelsäule entlang vom Nacken bis zu den Hüftknochen zerschnitt. Danach kam er mit einer Grazilität auf, die das schwere Gewicht auf seinem Rücken Lügen strafte. Natürlich konnte er es sich nicht erlauben, dass die Ausrüstung im Rucksack hier im Kampf beschädigt wurde, also machte der reinblütige Sith direkt einen Satz zurück und filetierte zwei weitere Bomas in einer Pirouette, noch bevor die beiden Tiere es geschafft hatten, komplett zu wenden. In kaum drei Sekunden ebenso viele Rudelmitglieder verloren zu haben, drängte den Rest des Rudels zu mehr Vorsicht, gemeinsam schafften Sedros und Darel es gemeinsam dann aber recht schnell und ohne größere Probleme, sich ihrer Widersacher zu entledigen.

Als sie ihre Lichtschwerter deaktivierten und wieder an ihre Gürtel hingen, schaute sich
Sedros aufmerksam um. Da war irgend etwas am Rande seiner Wahrnehmung. Etwas, das unverkennbar präsent war und sich doch gleichzeitig nicht greifen lief. Sie waren nicht allein, doch was auch immer es war, es wollte sich ihnen noch nicht offenbaren. “Bleib wachsam, die Kadaver werden andere Tiere auf der Suche nach einer leichten Mahlzeit anlocken.” Die Situation gefiel dem reinblütigen Sith zwar nicht, doch er war hier, um einen Auftrag zu erledigen. Also konnte er sich nicht lange mit der Jagd nach etwas beschäftigen, das auch nicht mehr als ein Machtecho sein mochte, wenn nicht sogar ein Hirngespinst. Stattdessen trat er entschiedenen Schrittes näher an das Grab heran.

Hinter dem Vorplatz wartete eine gepflasterte Allee auf sie, die links und rechts von weit über 6 Meter hohen Statuen berobter Gestalten gesäumt war.
“Schau dir das an Darel. Jeder Sith, dem du begegnen wirst, strebt auf seine Art und Weise nach Reichtum, Macht und Ruhm. Natürlich bedeuten diese Worte nicht für jeden Sith dasselbe. Das grundlegende Prinzip ist jedoch immer dasselbe.” Mit ausladenden Gesten deutete der reinblütige Sith auf jede der Statuen. Sie alle schienen unterschiedliche Personen darzustellen, manche männlich, andere wiesen weibliche züge auf. Einige waren offenbar bewusst beschädigt worden. Die Gesichtszüge der übrigen waren jedoch von den Naturgewalten ebenso unkenntlich gemacht worden.“Nach den üblichen Maßstäben haben diese Sith hier all das erreicht. Eine Frage müssen wir uns jedoch stellen.” Damit wandte sich Sedros seinem Schüler zu und hob mahnend einen Finger. “Heute findet man die Namen dieser Sith bestenfalls in uralten, praktisch vergangenen und vergessenen Aufzeichnungen und niemand spricht mehr von ihnen. Ihr Reich ist vor Jahrtausenden schon untergegangen, denn sie hatten auf Sand gebaut.” Diese Worte ließ Sedros einen Moment sacken, bevor er seine Frage stellte. “Was wir uns also fragen müssen, ist schlicht, waren all’ die Bestrebungen, die diese Männer und Frauen hier auf sich genommen hatten, die damit verbundenen Mühen und Entbehrungen wirklich wert?”

Einen Moment lang suchte Sedros das Gesicht seines Schülers ab. Dann wandte er sich um und ging die Allee zwischen den Statuen hinab zum Grab hin. Er erwartete nicht sofort eine Antwort. Er wollte lediglich Darel zum Nachdenken anregen. Später würden sie noch genug Zeit haben, über das Thema zu diskutieren. Die Frage war letzten Endes auch so alt wie die Sith selbst und Sedros selbst hatte auch keine abschließende Antwort darauf, wonach genau zu streben sich wirklich lohnte. Zum Glück aber war die Macht sein ständiger Begleiter und ihm Untertan. Er würde also viele Jahre Zeit haben, eine Antwort zu finden und dann ihr zu folgen.

Japrael-System | Dxun | Vorplatz des Grabes | Sedros und Darel
 

Japrael-System | Dxun, Landeplatz unweit des Grabes | vor der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel


Darel nahm die Worte seines Meisters aufmerksam auf, ohne sie zu unterbrechen, während sie sich ihren Weg durch den dichten Dschungel bahnten, und auch wenn seine Aufmerksamkeit weiterhin auf die Umgebung gerichtet blieb, ging das Gesagte nicht verloren, sondern wurde bewusst aufgenommen und eingeordnet, da ihm längst klar war, dass jede dieser scheinbar nüchternen Hinweise vielleicht mehr Gewicht hatte, als es auf den ersten Blick den Anschein machte.

Die Warnung im Umgang mit dem Lichtschwert wirkte dabei nicht wie eine bloße Belehrung, sondern vielmehr wie eine notwendige Korrektur eines Denkansatzes, den Darel bis zu diesem Moment nicht vollständig hinterfragt hatte. Denn auch wenn ihm die zerstörerische Kraft der Klinge bewusst gewesen war, hatte er sie stets als Vorteil betrachtet, als ein Werkzeug, das ihm Überlegenheit verschaffte, ohne dabei die Konsequenzen zu bedenken, die sich aus genau dieser Kraft ergeben konnten, wenn sie unbedacht eingesetzt wurde.

Dass ein tödlicher Treffer nicht zwangsläufig bedeutete, dass die Gefahr gebannt war, sondern im Gegenteil neue Risiken entstehen konnten, war ein Gedanke, der sich sofort festsetzte, weil er logisch war und zugleich eine Lücke offenbarte, die Darel bisher nicht wahrgenommen hatte, und genau aus diesem Grund reagierte er nicht mit Rechtfertigung oder Einwand, sondern mit stiller Zustimmung, während sich in ihm bereits der Entschluss formte, diesen Aspekt gezielter zu vertiefen, sobald sich die Gelegenheit dazu ergab.


„Ich verstehe, Meister, danke für diese Lektion "
, sagte er schließlich ruhig, ohne den Blick von der Umgebung zu lösen, während er die Worte bewusst wählte und ihnen Gewicht gab. „Ich muss gestehen, dies hatte ich so bisher nicht berücksichtigt.“

Ein kurzer Moment verging, in dem er das Gesagte noch einmal durchging, bevor er ergänzte, ohne dabei belehrend oder ausschweifend zu wirken.
„Ich werde mich damit genauer befassen, sobald wir zurück sind.“

Mehr sagte er nicht, doch in der Art, wie er es äußerte, lag bereits die klare Absicht, diese Schwäche nicht bestehen zu lassen.

Der Weg selbst stellte sich derweil als deutlich anspruchsvoller heraus, als Darel gedacht hatte. Der Dschungel ließ ihnen keinen Raum, sich frei zu bewegen, sondern sie zwang sie Schritt für Schritt durch ein Geflecht aus Wurzeln, dichtem Unterholz und schwer einsehbaren Bereichen vorzuarbeiten, in denen jeder Meter neu geprüft werden musste.

Darel spürte, wie sich mit der Zeit eine unterschwellige Spannung in ihm aufbaute, nicht aus körperlicher Erschöpfung, sondern aus dem Umstand, dass sich diese Umgebung seiner gewohnten Herangehensweise entzog, da sie keine klaren Linien bot, keine festen Strukturen, an denen man sich orientieren konnte, sondern stattdessen von Unübersichtlichkeit und ständiger Bewegung geprägt war, wodurch sich seine gewohnte Art zu analysieren und vorauszuplanen immer wieder an Grenzen stieß.

Hinzu kam die Präsenz der dunklen Seite, die sich mit jedem Schritt verdichtete und nicht mehr nur als fernes Gefühl wahrnehmbar war, sondern sich zunehmend aufdrängte, ohne dass sich daraus konkrete Informationen gewinnen ließen, da alles gleichzeitig präsent war und nichts klar hervortrat, was es ihm erschwerte, einzelne Gefahren von der allgemeinen Bedrohung zu unterscheiden.
Mehr als einmal blieb sein Blick für den Bruchteil eines Moments an einer Bewegung hängen, die sich im nächsten Augenblick wieder als Teil des allgemeinen Hintergrundrauschens entpuppte, oder er registrierte ein Gefühl, das ihn kurz innehalten ließ, ohne dass sich daraus eine eindeutige Quelle ableiten ließ, und auch wenn er sich selbst dazu anhielt, diese Eindrücke nüchtern zu bewerten, ließ sich nicht vollständig verhindern, dass sich darunter eine leichte Gereiztheit bildete, die aus dem Umstand, dass ihm die Kontrolle über die Situation nicht in dem Maß zur Verfügung stand, wie er es gewohnt war.

Er zwang sich jedoch, diesen Zustand nicht als Schwäche zu betrachten, sondern als Teil der Anpassung, die dieser Ort erforderte, und hielt seinen Fokus aufrecht, während er Schritt für Schritt weiterging. Aber es wurde ihm immer mehr bewusst, dass er spontaner werden musste und sein altes Muster wohl oder übel, früher oder später bis zu einem gewissen Maß ablegen musste, um als Sith zu bestehen.
Als sie schließlich den Vorplatz des Grabes erreichten, war es nicht das Bauwerk selbst, das seine Aufmerksamkeit zuerst band, sondern die Bewegung im Randbereich seiner Wahrnehmung, die sich diesmal nicht im allgemeinen Hintergrund verlor, sondern sich deutlich genug abzeichnete, um als eigenständig erkannt zu werden.

Noch bevor er den Ursprung klar identifizieren konnte, trat bereits eine Gruppe von Kreaturen aus dem Unterholz hervor, deren Erscheinung sich unmittelbar mit dem verband, was er in den vergangenen Tagen studiert hatte.

Bomas.

Die Erkenntnis war da, noch bevor er sie bewusst aussprach, doch der Moment, in dem er weiter hätte analysieren können, blieb ihm nicht, da Sedros bereits reagierte.

Das Aufzünden des Lichtschwertes erfolgte beinahe gleichzeitig mit der Bewegung nach vorn, und während Darel noch den Griff um seine eigene Waffe schloss, hatte sein Meister die Distanz bereits überwunden.
Es war nur ein kurzer Moment, Verzögerung, ein Atemzug, nicht mehr. Doch er registrierte ihn.
Und genau das reichte aus, um in ihm einen kurzen Anflug von Unzufriedenheit auszulösen, da er wusste, dass er in diesem Augenblick nicht vorbereitet gewesen war, nicht im eigentlichen Sinne, sondern in der Umsetzung dessen, was er sich vorgenommen hatte.
Die Klinge seines Lichtschwertes erwachte einen Atemzug später zum Leben, während er bereits nachsetzte, den Abstand schloss und sich dem Kampf anschloss, ohne sich weiter mit dem Gedanken aufzuhalten, da er wusste, dass jede weitere Verzögerung nur zu seinem Nachteil gereichen würde.

Sein Blick erfasste die Bewegung seines Meisters nur noch am Rande, doch das, was er wahrnahm, genügte, um einen Eindruck zu hinterlassen.

Die Bewegungen waren nicht nur schnell, sondern präzise, kontrolliert, beinahe mühelos, während selbst das Gewicht der Ausrüstung keinen Einfluss auf seine Balance zu haben schien, und der Sprung über das erste Tier, gefolgt von dem gezielten Schlag entlang der Wirbelsäule, zeigte eine Sicherheit, die sich nicht aus bloßem Training erklären ließ, sondern aus Erfahrung.

Darel hatte keine Zeit, diesen Eindruck weiter zu verfolgen, da bereits das erste der Tiere auf ihn zustürmte, und anstatt sich auf einen direkten Gegenschlag einzulassen, wich er instinktiv aus, ließ die Masse des Körpers an sich vorbeiziehen und nutzte den Moment, um die Klinge kontrolliert zu so führen, dass er das Tier im vorbeilaufen traf, ohne sich seiner Bewegung vollständig auszusetzen.
Der Schnitt war sauber, aber nicht sofort tödlich, doch genau darin lag der Unterschied, den er unmittelbar erkannte, da er sich nicht auf den Effekt verließ, sondern in Bewegung blieb, Abstand gewann und das Tier sich erst hinter ihm verlor, während er sich bereits dem nächsten Gegner zuwandte. Diesmal war er vorbereitet.
Die Bewegung kam nicht mehr überraschend, sondern wurde antizipiert, und als das zweite Tier ansetzte, reagierte er schneller, ließ es näher herankommen, um die Richtung klar zu haben, bevor er sich zur Seite drehte und die Klinge gezielt einsetzte, tiefer, präziser, wodurch der Treffer unmittelbarer Wirkung zeigte.

Der Kampf dauerte nicht lange.
Gemeinsam mit seinem Meister gelang es, die verbleibenden Tiere schnell nieder zu kämpfen, wobei Darel sich zunehmend auf das konzentrierte, was er gerade gelernt hatte. Nämlich die Klinge, die Arbeit verrichten zu lassen.
Als schließlich das letzte der Tiere zu Boden ging und sich die unmittelbare Bewegung auflöste, blieb Darel einen Moment stehen, während sich seine Wahrnehmung wieder ausweitete und er prüfte, ob weitere Bewegungen folgten.

Sein Atem blieb kontrolliert, doch die Anspannung wich nicht vollständig.Nicht hier, nicht an diesem Ort.
Die Klinge seines Lichtschwertes erlosch mit einem leisen Zischen, doch Darel ließ den Griff noch einen Moment fest geschlossen, während sein Blick über die Umgebung glitt, langsamer nun, kontrollierter, als würde er bewusst prüfen, ob sich die Bewegung des Kampfes tatsächlich vollständig gelegt hatte oder ob sich darunter noch etwas verbarg, das sich nicht sofort zeigte.
Die Kadaver der Bomas lagen verstreut über den Vorplatz, schwer und reglos, doch die Geräuschkulisse des Dschungels hatte sich kaum verändert, was es schwierig machte, aus dem bloßen Hören heraus eine klare Einschätzung zu treffen, da das ständige Rascheln, Knacken und Summen weiterhin alles überlagerte, als hätte der Kampf selbst kaum eine Rolle gespielt im Gesamtbild dieses Ortes.

Für einen kurzen Moment verlagerte Darel seine Aufmerksamkeit nach innen, tastend, vorsichtig, nicht mit dem Anspruch, sofort etwas Greifbares zu finden, sondern eher, um zu prüfen, ob sich aus dem, was ihn umgab, irgendein klarer Eindruck lösen ließ.

Die Präsenz der dunklen Seite lag weiterhin wie ein durchgehender Druck über allem, gleichmäßig, ohne klaren Ursprung, sodass sich einzelne Eindrücke kaum voneinander trennen ließen, und selbst wenn sich irgendwo etwas veränderte, ging es beinahe sofort wieder in diesem Gesamtgefühl unter, als würde der Mond selbst jede klare Wahrnehmung verschlucken.


Darels Aufmerksamkeit verlagerte sich spürbar, als er bemerkte, dass sein Meister nicht unmittelbar weiterging, sondern für einen kaum wahrnehmbaren Moment innehielt, nicht offensichtlich, nicht so, dass es einem ungeübten Blick sofort aufgefallen wäre, doch deutlich genug, um erkannt zu werden, wenn man bewusst darauf achtete.

Sein eigener Blick folgte dieser Veränderung instinktiv, glitt über die Ränder des Vorplatzes hinaus in die dichteren Bereiche des Dschungels, dorthin, wo das Unterholz das Licht verschluckte und Bewegungen sich nur noch andeuten konnten, ohne sich klar zu zeigen, während er versuchte, das, was Sedros möglicherweise wahrnahm, selbst zu erfassen, ohne sich dabei zu sehr auf einen einzelnen Punkt zu versteifen.
Doch genau darin lag die Schwierigkeit, denn auch wenn sich das Gefühl nicht vollständig abschütteln ließ, dass etwas nicht stimmte, blieb es unklar, nicht greifbar genug, um es eindeutig zu benennen, und gerade diese Unbestimmtheit zwang ihn dazu, sich zurückzuhalten, anstatt vorschnell eine falsche Einschätzung zu treffen.
Ein kurzer Gedanke formte sich dennoch, leise, beinahe nebenbei, während er die Umgebung weiter beobachtete, ohne ihn weiter auszubauen, da er nicht sicher war, ob es sich um eine tatsächliche Wahrnehmung handelte oder lediglich um eine Reaktion auf die Anspannung, die dieser Ort unweigerlich mit sich brachte.

So blieb er ruhig, hielt seine Aufmerksamkeit breit gefächert und wartete ab, denn wenn sein Meister etwas wahrnahm, würde er darauf reagieren, und solange dies nicht geschah, bestand für Darel kein Anlass, vorschnell zu handeln oder sich von einer unklaren Wahrnehmung leiten zu lassen, die sich weder eindeutig einordnen noch verlässlich bestätigen ließ.

Die Worte Sedros’ über die Kadaver, lösten ihn schließlich aus dieser stillen Beobachtung, und ohne zu zögern nahm Darel sie auf, während ihm zugleich bewusst blieb, dass die Situation trotz des scheinbaren Endes des Kampfes keineswegs abgeschlossen war, da die Kadaver unweigerlich weitere Tiere anlocken würden und die Umgebung selbst kaum Vorwarnung bot, wenn sich etwas näherte.

Diese Einschätzung erschien ihm logisch, beinahe selbstverständlich, und doch hatte sie hier ein anderes Gewicht, da er inzwischen verstanden hatte, wie wenig Raum für Fehler blieb, wenn jede Bewegung, jedes Geräusch und selbst die Macht selbst nur begrenzt zuverlässige Hinweise lieferten.

Er neigte leicht den Kopf.

„Verstanden, Meister.“
Mehr war nicht notwendig, weder als Antwort noch als Absicherung, da der Inhalt klar war und keiner weiteren Ausführung bedurfte.

Während sie sich erneut in Bewegung setzten, verlagerte sich seine Aufmerksamkeit spürbar, nicht mehr nur nach vorne gerichtet, sondern breiter gefasst, so weit es ihm möglich war, ohne sich in den Eindrücken zu verlieren, wobei seine Hand unauffällig den Riemen seines Rucksacks justierte, mehr aus Gewohnheit als aus tatsächlicher Notwendigkeit.

Der Weg führte sie fort vom Vorplatz, hinein in einen Bereich, der sich deutlich von dem unterschied, was sie zuvor durchquert hatten, da sich vor ihnen eine gepflasterte Allee öffnete, deren Struktur inmitten des dichten, ungezähmten Dschungels beinahe fehl am Platz wirkte, als hätte sich hier einst etwas behauptet, das längst von der Zeit eingeholt worden war.
Unwillkürlich verlangsamte Darel seinen Schritt, nicht aus Zögern, sondern aus dem Bedürfnis heraus, das vor ihm liegende genauer zu erfassen, während sein Blick die Umgebung systematisch aufnahm und sich schließlich auf die massiven Statuen richtete, die zu beiden Seiten der Allee aufragten, hoch, teilweise beschädigt, teilweise von Witterung und Zeit gezeichnet, sodass viele Details verloren gegangen waren, ohne dass ihre ursprüngliche Bedeutung vollständig verschwunden wäre.

Es waren keine bloßen Verzierungen. Es waren Darstellungen.

Sein Blick glitt von einer zur nächsten, ruhig, ohne Hast, während er versuchte, Unterschiede zu erkennen, vielleicht Muster, doch vieles blieb undeutlich, da die Spuren der Zeit die ursprünglichen Formen verwischt hatten und nur Fragmente dessen übrig geblieben waren, was diese Figuren einst ausgemacht haben mochte.

Die Worte seines Meisters begleiteten diese Beobachtung, ohne sie zu unterbrechen, und während sich sein Blick erneut über die Statuen bewegte, setzten sich die Begriffe, die Sedros nannte, beinahe automatisch in seinem Denken fest.

Reichtum? Macht? oder Ruhm.
Es waren keine fremden Konzepte für ihn.
Im Gegenteil.

Sie waren ihm vertraut, tief verankert in dem, was man ihm beigebracht hatte, in dem, was von ihm erwartet worden war, und gerade deshalb blieb er für einen Moment still, als die Frage gestellt wurde, ohne sofort darauf zu reagieren, da ihm bewusst war, dass eine vorschnelle Antwort weder ausreichend noch durchdacht wäre.
Sein Blick verharrte auf einer der Statuen, deren Gesichtszüge kaum noch zu erkennen waren, und genau darin lag der Punkt, der sich in ihm festsetzte, da trotz der offensichtlichen Größe und Bedeutung, die diese Figur einst gehabt haben musste, kaum mehr etwas von ihr übrig war, das sie als Individuum kenntlich machte.

Sie hatten offenbar alles erreicht. Und doch war nichts davon geblieben.

Der Gedanke war nicht neu, doch in diesem Moment gewann er eine andere Schärfe, da er nicht mehr abstrakt war, sondern sich unmittelbar vor ihm zeigte, greifbar, sichtbar in dem, was übrig geblieben war und was nicht.
Darel ließ sich Zeit, während sie weitergingen, nahm er die Worte seines Meisters mit, ohne sie sofort zu beantworten, da er verstand, dass die Frage nicht darauf ausgelegt war, schnell beantwortet zu werden, sondern darauf, durchdacht zu werden.

Er würde später darüber philosophieren, doch zuerst war es wichtig, sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Deshalb folgte Darel seinem Meister und beobachtete weiter die Umgebung.



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