Truuine

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Command Sergeant Rayk Sperber hasste den Südpol. Nicht, weil er kalt und unwirtlich war und auch nicht, weil er von stinkenden, pelzigen Xenos bewohnt wurde, denen die Minderwertigkeit ihrer Rasse mit der Eisenstange eingeprügelt werden musste. Auch wenn das natürlich gute Gründe waren.

Nein, Rayk hasste den beschissenen Ruß, der den Himmel schwarz färbte, der das Eis schwarz färbte und der jetzt grade in diesem Moment seine weiße Aquatrooperrüstung verdammt nochmal schwarz färbte! Was für ein Drecksort!

Das Wetter, wenn man es denn so nennen wollte, war an diesem Tag äußerst scheiße. Selbst im Schutz des Basislagers, das die Planetaren Sicherheitskräfte Truuines inzwischen gut fünfzig Klicks tief im ‚Inland‘ errichtet hatten. Das Tal zwischen zwei aktiven Vulkanen in dem sie sich eingegraben hatten, mochte Schutz gegen schneidenden Wind bieten, doch dafür war hier der schwarze Schneefall konstant. Und heute hielt sich der Wind nicht einmal an die Abmachung fortzubleiben!

Als Rayk endlich sein Ziel erreichte, war seine ganze Putzarbeit der letzten Stunde bereits wieder umsonst. Dicke, schwarze Schlieren verunzierten seine gesamte Gestalt.

Fester als nötig schlug er die Tür des Wohncontainers hinter sich zu und rieb sich reflexhaft über den Unterarm. Die ölige Asche verschmierte auf dem weißen Plastoid jedoch nur.

Er seufzte und wandte sich an die Person, der sein Besuch galt.


„Private 1st class Meri.“ Er nickte dem roten Menschen zu. Sith hin oder her, mehr Respekt brauchte ein niederrangiger Soldat nicht von ihm erwarten. Noch dazu einer, dem mindestens ein paar artfremde Gene auf die rote Stirn geschrieben standen. Immerhin kein laufender Fisch, aber doch klar abseits des normalen Farbspektrum eines Menschen. Und dazu diese klar unnatürliche Körpergröße…

„Ich bin Command Sergeant Rayk Sperber, aktueller Befehlshaber von Gouverneur Solaris Garde. Wir haben auf Ith’aqua zusammen trainiert und an der Eiswand zusammen gekämpft. Es scheint mir, wir werden auch beim Sturm auf Port Ryloth das Vergnügen haben. Wird das da“, er deutete auf die Bandagen, die ein Auge und das halbe Gesicht des Menschen bedeckten „ein Problem darstellen?“

Rayk stellte Meri den Aurora-Helm des verräterischen Wookiee auf den Tisch, der eine Seite der kleinen Wohnzelle einnahm. Dann nahm er seinen eigen ab und klemmte sich diesen unter den Arm. Die Deckenlüftung strich kühl über die dunkle Haut seiner geschorenen Glatze.

„Hier ist Ersatz für Ihren zerstörten Helm, Soldat“, erklärte er.

Soweit er wusste, hatte man das Ding vor ein paar Tagen über einen integrierten Peilsender geortet und wieder eigesammelt. Solaris hatte sich die Aurorarüstungen ein hübsches Sümmchen kosten lassen und Rayk verstand, warum Meri nicht einfach einen neuen bekam. Beim Militär wurde eben brüderlich geteilt.


„Ich soll ebenfalls schöne Grüße von Gouverneur Solaris ausrichten. Er hat mir eine Nachricht für Sie mitgegeben“ Rayk zog einen kleinen Holoprojektor aus der Tasche und hielt ihn vor dem Private in die Höhe. Das kleine Gerät summte auf und das blau leuchtende Konterfei des Gouverneurs baute sich darüber auf.

„Seien Sie gegrüßt, Private 1st class Meri. Meinen Glückwunsch zum Sieg über Ihren Konkurrenten. Ihrem Bericht habe ich entnommen, dass der Kampf eine würdige Prüfung Ihrer Fähigkeiten war. Es ist bedauerlich, dass den Rebellen Port Ryloths seine Gefangennahme gelungen ist, bevor Sie die Aufgabe vollends zuendebringen konnten. Seien Sie jedoch unbesorgt, Sie werden noch Ihre Gelegenheit bekommen zu beenden, was Sie begonnen haben.
Trotz dieser unerfreulichen Wendung haben Sie sich zu meiner Zufriedenheit geschlagen, weshalb ich Sie zur Belohnung in den offiziellen Rang meines Schülers erhebe. Ich werde Sie in naher Zukunft in weitere Geheimnisse der Sith einweihen.
In den letzten Tagen werden Sie mein Wohlwollen über Ihre großzügigen Rationen gespürt haben. Darüber hinaus erteile ich Ihnen nun die Erlaubnis vor der kommenden Schlacht frei aus der Waffenkammer des Basislagers auszuwählen. Command Sergeant Sperber wird Sie im Anschluss an diese Nachricht dorthin führen.
In diesem Sinne: gute Arbeit und auf bald, mein Schüler.“

Bei den letzten Worten des Gouverneurs verkniff Rayk sich eine Grimasse. Er hatte mit Meri trainiert und wusste daher, wie wenig Rücksicht der Mann auf freundliche Truppen nehmen konnte. Ihm die freie Wahl diverser explodierender Dinge zu überlassen, erschien ihm…unbedacht. Aber es war die Entscheidung des Gouverneurs und solange er seine Truppe hinter Meri hielt und nicht zwischen ihn und den Feind kam…

„Machen Sie sich fertig und kommen Sie mit. Nach der Waffenkammer geht es direkt los. Details erkläre ich Ihnen unterwegs, aber so viel sei gesagt: Wir klopfen diesen pelzigen Bastarden endlich an die Haustür.“


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Das Licht im Eis erinnerte Enric Kreeger an die Adern eines kostbaren Steins, den man gegen eine Lampe hielt, um seine Fehler zu finden. Tief im Gletscher brannte ein kaltes Blau, durchzogen von milchigen Einschlüssen und jenen feinen Brüchen, welche die Beleuchtung mit derselben Sorgfalt hervorhob wie die makellosen Flächen. Davor standen die Gäste in grauen und dunklen Uniformen, schwerer Seide und sorgfältig gewähltem Schmuck. Wärme fiel von den Strahlern über ihre Gesichter, brachte Gold zum Glänzen und ließ die Rangabzeichen auf ihren Brüsten aufleuchten, während hinter ihnen die gewaltige Masse gefrorenen Wassers in ihrer eigenen Farbe verharrte. Zwischen den geschwungenen Galerien und ausladenden Terrassen glaubte Enric etwas von jener Alten Republik wiederzuerkennen, die selbst ihren Niedergang noch mit kostbaren Fassaden geschmückt hatte. Die übliche Kälte imperialer Architektur, ihre strengen Achsen und schmucklosen Flächen, wich hier einer verschwenderischen Lust an Raum und Licht. Über filigranen Brücken und warm beleuchteten Salons hingen die Hoheitszeichen des Reiches. Darunter genossen seine Würdenträger mit sichtlichem Behagen genau jene Pracht, deren Kosten sie in den Palästen vergangener Senatoren gewiss als Beweis der Dekadenz angeführt hätten. Ein beträchtlicher Aufwand, um Menschen für einige Stunden das Gefühl zu geben, an einem Ort zu stehen, der eigens auf ihre Ankunft gewartet hatte. Enric wusste solche Leistungen zu würdigen. Auf Byss hatte er oft genug erfahren, wie viele Hände, wie viele Lieferungen und wie viele rechtzeitig unterbundene Nachlässigkeiten erforderlich waren, damit ein einzelner Mann vor eine Versammlung treten und ihren Beifall entgegennehmen konnte.

Valérias Hand lag leicht auf seinem Unterarm. Sie trug ein tief dunkelgrünes Kleid, dessen Stoff bei jeder Bewegung einen gedämpften Glanz annahm, und eine alte Brosche, die bereits auf Familienaufnahmen zu sehen gewesen war, deren beschädigte Projektionen Enric selbst wiederhergestellt hatte. Er kannte das kleine Schmuckstück bis zu einer winzigen Unregelmäßigkeit in seiner Fassung. An diesem Morgen hatte er bemerkt, dass sie es gewählt hatte, und ihr beim Anlegen einen Augenblick länger zugesehen, als nötig gewesen wäre. Jetzt stand sie neben ihm, aufrecht und gelassen, das fleischgewordene Ebenbild einer Nymphenstatue aus Moenia, betrachtete die Versammlung mit jener Aufmerksamkeit, die andere häufig für bloße gesellschaftliche Gewandtheit hielten. Ihre Finger übten einen kaum merklichen Druck aus, als zwei Gäste in ihrer Nähe einander mit überschwänglichen Versicherungen ihrer Verbundenheit begrüßten.

„Sie haben sich am Eingang bereits begrüßt“, sagte sie leise.

Enric ließ seinen Blick auf der Bühne ruhen.


„Dann war offenbar noch jemand nicht anwesend, der es sehen sollte.“

Ihr Lächeln blieb klein genug, um ihnen beiden zu gehören.

Am Vorabend waren sie spät auf Truuine eingetroffen. Durch die Scheiben ihres Shuttles hatte Moraband wie eine Ansammlung sorgsam gehüteter Lichter in der polaren Dämmerung gelegen, umgeben von Eis und der Dunkelheit ferner Wasserflächen. Die Anflugfreigabe war ohne Verzögerung erteilt worden. Am Boden hatten ein Beamter mit kältegeröteten Händen und zwei Angehörige des Protokolls gewartet. Namen, Titel und Unterbringung waren vorbereitet gewesen.
Enric hatte die Begrüßung mit der gebotenen Höflichkeit erwidert und sich den Namen des zuständigen Beamten gemerkt, nachdem dieser eine Unklarheit beim Gepäck durch eine einzige leise Anweisung behoben hatte. Solche Menschen waren brauchbar. Beim anschließenden Essen hatte Valéria von den Gästen gesprochen, die sie während der kommenden Tage zu treffen erwartete, und Enric hatte die dienstlichen Mitteilungen ungeöffnet gelassen. Erst später, als sie bereits zu Bett gegangen war, hatte er noch einmal die Zusammenstellung der Delegationen durchgesehen. Auf Byss führte Corvin während seiner Abwesenheit die laufenden Geschäfte. Acht gemeinsame Jahre sollten genügen, um einige Tage ohne die Hand des Gouverneurs an jedem einzelnen Vorgang auszukommen.

Heute hatte sich die Hauptstadt hinter ihnen zurückgezogen und dem Gletschermassiv Platz gemacht. Schon beim Anflug war die Größe der Veranstaltung erkennbar gewesen. Zwischen den beleuchteten Terrassen bewegten sich Besucher in langen, sich teilenden Strömen; Shuttles senkten sich auf die ausgewiesenen Landeflächen, und über den Gipfeln erschienen in regelmäßigen Abständen die kleinen, dunklen Silhouetten patrouillierender Jäger. Ihre Einladung hatte ihnen kurze Wege eröffnet. Die Kontrollen waren dennoch gründlich gewesen,
Enric hatte seine Kennung ohne Kommentar vorgelegt. Die Regeln eines Gastgebers zu achten gehörte zu jener Disziplin, die er auch von Besuchern auf Byss verlangte. Ein Gouverneur, der an einer Zugangskontrolle seinen Rang gegen einen pflichtbewussten Untergebenen ausspielen musste, hatte gewöhnlich bereits an anderer Stelle zu wenig dafür getan, dass dieser Rang etwas bedeutete.

Nun hob sich die Stimme der Solistin über die Versammlung. Das Gespräch in ihrer Nähe verebbte, bis nur noch vereinzelt Glas auf Glas traf und Stoff leise über Stoff strich.
Enric verstand genug von den altertümlichen Wendungen, um dem Versprechen von Recht, Würde und gemeinsamer Ordnung zu folgen. In dem Gesang lag eine Feierlichkeit, die ihm vertraut war, obwohl er das Werk zuvor nie gehört hatte. Sie erinnerte ihn an die großen Säle seiner Jugend, an seinen Vater in dunkler Festkleidung und an jene frühen imperialen Zeremonien des noch jungen Galaktischen Imperiums, erhoben aus der kalt werdenden Asche der korrupten Alten Republik, bei denen Erwachsene mit ernsten Gesichtern von einer Zukunft gesprochen hatten, deren Größe ihren Kindern noch selbstverständlich erschienen war. Sein Vater hatte den Aufstieg des letzten legitimen Kanzlers unterstützt und den Beginn eines Reiches erlebt. Enric war mit der Erwartung erzogen worden, das einmal Errungene weiterzuführen. Der Gedanke hatte ihn durch seine Studien getragen, durch die staubigen Vertragsarchive auf Ambria und schließlich bis in jene Räume auf Byss, in denen während der Blockade jede ausgegebene Ration gegengezeichnet worden war.

Das Heulen der TIE-Triebwerke drang in die Musik. Zwölf Jäger strichen in geschlossener Formation über das Gelände, schwarze Flächen vor dem fahlen Himmel, und für einen Augenblick schien ihre Bewegung die ganze Versammlung nach oben zu ziehen. Die Präzision des Überflugs gefiel ihm, ebenso die Zurückhaltung, mit der die Formation wieder hinter den Bergen verschwand. Dann stieg das Feuerwerk auf. Gold zerfiel über dem Eis, Silber rann in breiten Lichtfächern über die Höhlenwände, und im Schmuck seiner Frau fing sich ein roter Widerschein.
Valéria hatte den Kopf leicht gehoben. Das wechselnde Licht glättete für einen flüchtigen Moment die Jahre um ihre Augen, und Enric sah etwas von der jungen Frau wieder, die ihm auf Corulag mit vollkommen ruhiger Stimme erklärt hatte, weshalb eine seiner damaligen Gewissheiten ausgesprochen bequem für ihn selbst gewesen war. Er hatte sich später häufiger an diesen Satz erinnert als an die gesamte übrige Unterhaltung.

Als der Beifall einsetzte, klatschte er mit gemessenen Bewegungen. Die Aufführung hatte ihren Zweck erfüllt. Unter den Gästen standen Männer und Frauen, deren Zuständigkeiten ganze Welten umfassten, und für einige Minuten hatten sie alle in dieselbe Richtung geblickt. Solche Augenblicke besaßen ihren Wert, gerade nach einem Herrscherwechsel. Enric wusste, wie rasch aus den Versicherungen ewiger Treue neue Formulierungen werden konnten, sobald ein anderer Name über den Erlassen stand. Unter der Imperatrix würde sich nun zeigen, welche Verdienste wieder Gewicht erhielten und welche Karrieren vor allem davon gelebt hatten, dass andere im Schatten bleiben mussten. Er hatte lange genug Gelegenheit gehabt, diese Unterscheidung zu studieren.

Die Moderatorin kündigte Gouverneur und Gastgeber
Ridley Quinn Solaris an, und Enric wandte seine Aufmerksamkeit dem Gastgeber zu. Das Weiß der Kleidung hob sich deutlich von der Umgebung ab, der Griff des Lichtschwerts ergänzte die Rangzeichen um eine Befugnis, deren Reichweite sich in keiner gewöhnlichen Dienstordnung erschöpfend festhalten ließ. Enric betrachtete das Gesicht, das Lächeln, die Haltung am Rednerpult. Ein Gouverneur und ein Sith. Auf Byss hatte er unter Männern gedient, bei denen diese Verbindung Ansprüche hervorgebracht hatte, die binnen einer Stunde den Haushaltsplan eines ganzen Jahres verschlingen konnten. Solaris hatte immerhin einen Anlass geschaffen, bei dem ein beträchtlicher Teil des Aufwandes von jenen bewundert wurde, die künftig zu seiner Finanzierung beitragen mochten.

Die Frage nach dem Wesen der Kunst war ein geschickter Beginn.
Enric hörte zu, während Solaris die Begegnung mit Vertretern der Rebellion aufgriff und aus ihr eine Gegenüberstellung von ungezügelter Freiheit und gestaltender Ordnung entwickelte. Er konnte dem Gedanken folgen. Ein Werk verlangte Entscheidungen, Fertigkeit und die Bereitschaft, Möglichkeiten zu verwerfen. Wer alles zugleich erhalten wollte, brachte selten etwas von Bestand hervor. Dass der Gastgeber diese Überlegung bis zur Imperatrix und hinunter in die Amtsstuben der örtlichen Verwaltung führte, verriet ein gutes Gespür für sein Publikum. Man hatte genügend Verwalter versammelt, um mit der Aussicht, in ihrer täglichen Arbeit etwas Schöpferisches zu erkennen, einen aufmerksamen Saal zu gewinnen.

Dennoch blieb
Enrics Blick einen Moment an einer der hohen Eiswände hängen. Der Bildhauer mochte seinem Material eine Form aufzwingen. Anschließend konnte er zurücktreten und andere die Pflege seines Werkes übernehmen lassen. Ein Gouverneur fand sein Werk jeden Morgen aufs Neue vor, hungrig, verschuldet, ehrgeizig, bisweilen bewaffnet. Die Beamten wurden alt, die Pumpen verschlissen, die Söhne verdienter Männer erwiesen sich als kostspielige Enttäuschungen. Auch eine großartige Vorstellung musste den Tag überstehen, an dem ein Frachter ausblieb und drei Bezirke gleichzeitig Brennstoff verlangten. Gouverneurin Solaris sprach von dem Willen, Ordnung zu schaffen. Enric dachte an die Jahre, die erforderlich waren, um sie zu erhalten, und empfand jene stille, schwer zu befriedigende Ungeduld, die ihn in letzter Zeit häufiger begleitete. Er dachte auch an die Jahre, in denen Ordnung das letzte war, was dem Galaktischen Imperium zuteil wurde. Der Sith Bruderkrieg, Lord Janem Menari und der Aufstieg des Noghri. „Wie bereitwillig sie von Ordnung sprechen, sobald die Trümmer fortgeschafft sind. Ich erinnere mich an Menaris Niederlage. An Allegious und den Preis, den Byss für seinen Sieg bezahlen sollte. Der Noghri bestieg den Thron, und wir zählten Vorräte, während über unseren Köpfen die Vernichtung einer ganzen Welt erwogen wurde. Später durfte ich mich dafür rechtfertigen, dass diese Welt noch existierte. Ein Jahr Hausarrest, Verhöre und schließlich die Gnade, wieder jene Arbeit verrichten zu dürfen, die sie selbst weiterhin von mir benötigten. Nun trägt eine Imperatrix die Krone, und die Herren sprechen wieder von Beständigkeit. Ich würde gern erfahren, welcher von ihnen sie einmal unter den Bedingungen bewahrt hat, die man mir zumutete.“ Sein Gesicht blieb aufmerksam der Bühne zugewandt. Für diese Jahre wurden selten Bühnen errichtet.

Er ließ davon nichts in sein Gesicht treten. Die Rede war dem Anlass angemessen, ihr Gedankengang klar, ihre Zuspitzung wirksam. Als
Solaris schließlich auch dem bedeutenden Werk eines Rebellen einen imperialen Charakter zuschrieb, bewegte sich Enrics Mundwinkel um ein Geringes. Der Satz würde wiederholt werden. Vermutlich war das seine wichtigste Aufgabe.

Valéria neigte sich ein wenig zu ihm.

„Er gibt seinen Gästen etwas, das sie mit nach Hause nehmen können.“

„Hoffentlich bleiben ihm auch einige ihrer Zusagen.“

„Du könntest ihm das sagen.“

Enric sah sie an. In ihren Augen lag der vertraute Anflug von Belustigung, der ihm gelegentlich verriet, dass sie eine seiner Überlegungen längst zu Ende gedacht hatte.

„Wenn sich die Gelegenheit ergibt.“

Mit den abschließenden Danksagungen kehrte seine Aufmerksamkeit zur Bühne zurück. Bel Zhirio, die Gesellschaft, die Förderer und die Organisatoren erhielten ihre Würdigung; danach erklärte Solaris die Gala für eröffnet. Enric beteiligte sich am Beifall und ließ die Hände erst sinken, als die ersten Gäste wieder nach ihren Gläsern griffen. Um sie herum nahmen die Gespräche ihren Lauf auf, zunächst zögernd, dann mit jener rasch wachsenden Selbstverständlichkeit, die eine gemeinsame Darbietung hinterließ. Ein Kellner bot Getränke an. Der Gouverneur von Byss nahm ein schmales Glas und reichte Valéria das ihre, ehe er den Blick über die Anwesenden gleiten ließ.

Den Pau’aner bemerkte er jenseits einiger Stehtische. Die hochgewachsene Gestalt und das markant gefurchte Gesicht erleichterten die Zuordnung. Der Name stellte sich unmittelbar ein. Dr.
T’rsop, inzwischen Gouverneur von Prefsbelt IV. Enric hatte die Ernennung gelesen, ebenso die Hinweise auf den Wechsel seines Vorgängers in die Sektorverwaltung. Ein neues Amt, eine neue Verteilung von Erwartungen, eine Welt, auf der der Name Kreeger bislang vor allem auf den Dienstausweisen seines jüngsten Sohnes zu finden war.

Nerio hatte sich auf Prefsbelt IV einer Arbeit verschrieben, deren Ergebnisse sein Vater gewöhnlich erst durch Berichte erfuhr. Quellen, Ermittlungen, Zusammenhänge, die sich mit jedem weiteren Absatz zu verzweigen schienen. Maxirons Verantwortung ließ sich einfacher benennen. Ein kapitales Schiff, eine Besatzung, ein Befehl. Enric wusste durchaus, welchen Wert die Tätigkeit des Sicherheitsbüros besaß. Ganze Verwaltungen konnten von Männern abhängen, die rechtzeitig die richtige Frage stellten. Bei Nerio und seinem eigenwilligen Naturell fiel es ihm dennoch leichter, das Unvollständige zu erkennen als das bereits Geleistete. Der Junge verfügte über Verstand. Es wurde Zeit, dass daraus eine Stellung erwuchs, deren Gewicht auch außerhalb seiner eigenen Behörde spürbar war.

„Der Gouverneur von Prefsbelt IV“, sagte er leise zu seiner Gattin.

Valéria folgte seinem Blick.


„Nerios Dienstort.“

Er nickte. Sie betrachtete ihn noch einen Augenblick, und Enric kannte sie gut genug, um die unausgesprochene Bitte darin zu verstehen. Heute bot sich zunächst die Gelegenheit, einen neuen Amtskollegen kennenzulernen. Alles Weitere würde davon abhängen, was dieser Mann zu sagen hatte.

Gemeinsam gingen sie zwischen den Stehtischen hindurch.
Enric hielt sein Glas tief, damit es bei der Begrüßung nicht zwischen ihnen stehen würde, und verlangsamte seine Schritte, als sie den Pau’aner erreichten. Aus der Nähe war dessen Erscheinung noch auffälliger, doch Enrics Aufmerksamkeit galt dem Rangabzeichen und dem Gesicht darüber. Auf Byss beaufsichtigte ein Abyssin sein Innenressort mit einer Gewissenhaftigkeit, die manchem menschlichen Würdenträger gut angestanden hätte. Wer im imperialen Verwaltungsapparat als Nichtmensch aufstieg, hatte gewöhnlich besondere Fähigkeiten, besondere Förderer oder lange Erfahrung darin, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Welche Voraussetzungen T’rsop mitbrachte, würde sich zeigen. Der Pau'aner befand sich in einem Gespräch mit einer Person, wahrscheinlich Teil seiner Entourage, sodass das Paar Kreeger wartete, bis deren Gespräch abebbte, bevor sie herantraten. Knapp nickte der Gouverneur der anderen Person zu, bevor er sich dem nichtmenschlichen Gouverneur zuwandte.

„Gouverneur T’rsop“, sprach er ihn an, mit einer leichten Neigung des Kopfes und jener ruhigen Deutlichkeit, die auch im Gesprächslärm keine angehobene Stimme erforderte. „Enric Kreeger, Gouverneur von Byss. Darf ich Ihnen meine Frau vorstellen, Valéria Kreeger.“

Er ließ der Vorstellung den ihr gebührenden Augenblick, bevor er dem Amtskollegen die freie Hand entgegenstreckte.

„Meine Glückwünsche zu Ihrer Ernennung. Prefsbelt IV ist eine bedeutende Verantwortung. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Amtsführung.“

Die Höflichkeit war aufrichtig genug. Ein gut verwalteter Planet lag im Interesse des Reiches, und Enric sah keinen Anlass, einem Mann bereits bei der ersten Begegnung die Möglichkeit abzusprechen, sich seines Amtes würdig zu erweisen. Sein grüner Blick ruhte aufmerksam auf dem Gesicht des Pau’aners, als er mit derselben gelassenen Förmlichkeit fortfuhr.


„Mein jüngster Sohn dient beim Imperialen Sicherheitsbüro auf Prefsbelt IV. Die jüngsten Veränderungen auf Ihrer Welt habe ich daher mit besonderem Interesse verfolgt. Welche Aufgaben werden Ihre Aufmerksamkeit zunächst am stärksten beanspruchen?“

Enric nahm einen kleinen Schluck und ließ dem Gouverneur Zeit für seine Antwort. Neben ihm hielt Valéria ihr Glas locker am Stiel, während hinter ihnen die Gespräche wieder anschwollen und das Licht der Eiswände über die Schultern der Gäste glitt. Die Frage war höflich genug, um als gewöhnliches Interesse unter Amtskollegen zu gelten, doch Enric war gespannt, welchen Teil seiner neuen Verantwortung der Pau’aner zuerst nennen würde. Aus Berichten kannte er dessen Ernennung; nun wollte er hören, wie der Mann selbst über die Welt sprach, die man ihm anvertraut hatte. Er wandte sich ihm ein wenig stärker zu und schenkte ihm jene ungeteilte Aufmerksamkeit, die seine Untergebenen auf Byss ebenso als Auszeichnung wie als Zumutung kannten.

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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Major Cestus Varro, Gouverneur Enric Kreeger und viele weitere

Noch während T'rsop überlegte, wie und bei wem er natürliche Konversation vortäuschen könnte, erledigte sich das Problem von selbst: Ein Truppler der Blauen Legion von Prefsbelt IV kam in Paradeuniform zu ihm und begann ein Gespräch - das voraussichtlich wenigstens etwas Dienstliches sein würde.
Der Pau'aner irrte sich nicht. Der große und trainierte Mann stellte sich als
Major Cestus Varro vor. T'rsop betrachtete den Major genauer. Entschlossenes Gesicht, definierte Haltung, eisblaue Augen, in denen Disziplin und Selbstbewusstsein schimmerten. Und, wenn der Gouverneur von Prefsbelt IV nicht ganz falsch lag, dem Hauch von Erwartung. Diese lag vermutlich in seinem neuen Amt begründet - was Fluch und Segen zugleich war. Denn zum Einen öffneten sich so Ohren und Möglichkeiten, die ihm vorher verschlossen geblieben wären - doch zum Andern verbanden sich mit diesen Erwartungen stets auch Ansprüche und Wünsche.
Egal. Er würde sich anhören, was dieser Soldat zu sagen hatte, ohne vorschnell Urteile zu fällen. Auch wenn es nie schadete, die Persönlichkeit des Gegenübers zu lesen.

Nach der Begrüßung - und dem automatisch kommentierten
"T'rsop reicht. Oder, wenn es sein muss, Gouverneur T'rsop" seitens des Gelehrten - verwies Cestus auf eine neue Gelegenheit, die sich ergeben habe und die der Major nun mit seinem Gouverneur besprechen wollte.
Der Pau'aner zog neugierig die Augenbrauen hoch. Das hörte sich interessant an - und es schien dem Major so dringend und wichtig zu sein, dass er es zeitnah besprochen und geklärt haben wollte.

"Major Cestus Varro. Schön, einen Offizier unserer Blauen Legion zu sehen - und einen Veteranen noch dazu, wenn ich mich recht erinnere. Sprich frei heraus. Was ist diese Gelegenheit, die es am Schopfe zu ergreifen gilt?", forderte T'rsop den Major freundlich auf, ins Detail zu gehen, während er sich zeitgleich bei einer Bedienung zwei Wasser sowie Meeresfrüchte und Süßigkeiten bestellte.

Nachdem er das erledigt hatte, konzentrierte er sich voll und ganz auf
Cestus, welcher erfreulicher Weise nicht lange um den heißen Brei herumtanzte, sondern gleich zum Eigentlichen kam: "Gouverneur Solaris hat mir heute Morgen angeboten, künftig das Kommando über seine persönliche Leibwache zu übernehmen und im Zuge dessen zu den imperialen Sturmtruppen, genauer gesagt zu den Aquatroopern, zu wechseln..."

Der Gouverneur nickte leicht - noch nicht zur Bestätigung, sondern erstmal nur zur Kenntnisnahme.
Inzwischen wurde seine Bestellung gebracht. Er gab
Cestus ein Wasser und nahm für sich selbst den Rest. Dies geschah ohne nachzudenken. Seine Gedanken waren schon bei dem Anliegen des Veteranens.
Er wusste von
Cestus nicht viel. Aber ein Major wurde man nicht ohne Weiteres. Und noch weniger wurde jeder x-beliebige Soldat gebeten, Kopf der Leibgarde eines Gouverneurs zu werden.
Folglich könnte es ein Verlust für Prefsbelt IV sein, wenn
Cestus die Aufgaben und das Verwaltungsgebiet wechselte...
Auf der anderen Seite war die Gesellschaft nicht nur ein planetares Phänomen, sondern auch ein intergalaktisches - und würden sich beide im Ungleichgewicht entwickeln, könnte das langfristig schlimme Folgen haben. Das Gefüge zerbrechen oder zumindest dafür sorgen, dass er selbst nichts Bedeutsames im Makrobereich erwirken könnte.


"Was ist deine Aufgabe in der Galaxis?", fragte T'rsop schließlich den Major.
Dieser konnte seine Verwirrung nicht wirklich verbergen - straffte sich dann aber und antwortete ohne Stocken:
"Ich bin Major der Blauen Legion und kämpfe für das Imperium."
Äußerlich ließ sich der Gouverneur nichts anmerken, strahlte weiterhin Zugewandtheit und Interesse aus. Innerlich war er etwas enttäuscht, dass dieser Mann nicht in größeren Visionen dachte.
"Selbstverständlich. Das ist deine Aufgabe als Major. Aber als Person - was ist deine Aufgabe in der Galaxis?", hakte er dann nochmal nach. Denn er wollte ergründen, ob Cestus Eigenantrieb hatte und ob er das Potential für Größeres in sich hatte - und darauf aufbauend dann, ob es ein Verlust oder eine Chance oder auch beides wäre, ihn ziehen zu lassen.

Cestus überlegte kurz, räusperte sich und antwortete schließlich: "Ich möchte Recht und Ordnung in der Galaxis bewahren, dem Imperium dienen und dessen Feinde zerschlagen. Und die Menschen vor Chaos schützen."
Kurz und präzise. Wie aus einem Propaganda-Buch - aber vollkommen ehrlich und überzeugt gemeint, wie T'rsop feststellte. Cestus hatte also ein Selbstbild einer Bestimmung - auch wenn er dieses nicht geschickt in Worte kleiden konnte. Der Pau'aner kannte sich mit Krieg und Soldaten nicht wirklich aus. Und beide Themenfelder interessierten ihn nicht sonderlich. Aber er konnte sich gut vorstellen, dass eine solche Motivation einen hervorragenden und loyalen Soldaten machten. Und Leibwächter für Schlüsselfiguren und -stellen des Systems.
Er nickte unmerklich. Dieser Major wäre vermutlich sehr gut geeignet für die Stelle des Kopfes der Leibwächter von
Ridley. Nicht nur aufgrund seines Könnens, sondern auch von seinem Wesen her.

T'rsop schaute dem Soldaten tief in die Augen. "Major Cestus Varro. Danke, dass du diesen Karriereschritt vorher mit mir abgesprochen hast. Meinen Segen hast du für deinen Wechsel; und natürlich auch alle Unterschriften für die nötigen Formalia, sobald diese auf meinem Tisch liegen.
Ich möchte mich nicht aufdrängen und erdreisten, dir militärische Wünsche mitzugeben - dazu bin ich nicht von meinem Leben und meinen Erfahrungen her berechtigt. Aber dennoch wünsche ich dir viel Glück - Aquatrooper."


Er schüttelte Cestus die Hand und nahm sich dann einen Schluck Wasser, gefolgt von ein Paar Snacks. Der Major bedankte sich und salutierte vor ihm; und blickte danach an ihm vorbei und schien jemanden kommen zu sehen. Denn er nahm wieder Haltung an und nickte dem Gouverneur leicht zu. Dieser erwiderte die stumme Verabschiedung und wandte sich danach um, um die Neuankömmlinge zu betrachten.

Am liebsten hätte er die Augen verdreht. Es war ein anderer Gouverneur. Das heißt, hier müsste
T'rsop wieder besonders auf Etikette und das ganze Gedöns achten, um nicht mögliche politische Partner zu verstören oder zu verärgern.
Wie ihm auch
Theranos in einer persönlichen Nachricht über Datapad noch einmal eingeimpft hatte - irgendwas von Verantwortung und der Stellung gemäß und anderen Würdenträgern, die nicht so umsichtig und offen seien wie der Sektor-Adjutant. Der Gouverneur verachtete diesen Tanz von Etikette, unnötigen Erwartungen und zeitfressenden Sozial-Gesprächen, die doch nur dazu dienten, miteinander Dienstliches zu klären.
Er verachtete diesen Tanz - und doch kannte er ihn gut. So war ihm bewusst, dass zu grobe 'Fehltritte' oder verletzte Egos anderer Gouverneure und Verwalter nervige Folgen haben können. Und nicht nur für ihn selbst, sondern auch für
Theranos, der ja nun die pechvolle Rolle hatte, sein Bürge zu sein.
"Andererseits geschieht ihm das nach seinem Coup ganz recht...", musste
T'rsop dann doch in sich hinein schmunzeln.

Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder den beiden Neuankömmlingen zu, die nun in Begrüßungsreichweite waren. Es handelte sich um einen hochgewachsenen Mann, an dessen Seite vermutlich seine Frau stand. Beide strahlten Selbstvertrauen und Autorität aus. Dem passte sich der Gelehrte an und veränderte seinen Stand so, dass er Gleiches widerspiegelte.
Der andere Gouverneur stellte sich vor als
Enric Kreeger, seine Frau als Valeria Kreeger.

Kurz weiteten sich die Augen
T'rsops, als er erfuhr, dass Enric Gouverneur von Byss war. Byss - eine so historische Welt mit durchaus mystisch anmutenden Geheimnissen.
"Gouverneur Kreeger, Milady Kreeger", grüßte der Gouverneur von Prefsbelt IV zurück und neigte dabei jeweils kurz sein Haupt. Nicht zu tief und nicht zu wenig. Er wusste, dass es in manchen Kulturen angesehen war, Frauen mit einem Handkuss zu begrüßen - etwas was dem Gelehrten komplett abwegig war. Achte auf dies und vergiss nicht jenes - aber schlabber direkt die Hand einer Person ab, die du hoch achten sollst.
Etikette war schon beinahe lustig, wenn sie nicht so lästig wäre.
Und so beließ er es bei dieser Begrüßungsform, die seines Wissens nach (fast) alle Höflichkeitsformen passabel finden.

Währenddessen begrüßte ihn der Gouverneur von Byss in seinem neuen Amt und reichte ihm die Hand.

"Vielen Dank für Ihre Glückwünsche", nahm T'rsop die Wünsche an und drückte die Hand seines Kollegens fest. Und schon ging das Gespräch weiter. Der Mensch berichtete davon, dass sein Sohn - Nerio Kreeger - im ISB von Prefsbelt IV arbeitet und dass er daher die letzten Ereignisse mit Interesse verfolgt habe. Um dann galant überzuleiten, welche Aufgaben für ihn in nächster Zeit am wichtigsten sein werden.

Der Gelehrte entschied sich, der Reihe nach zu antworten:

"Wie klein ist doch die Galaxis. Bis jetzt habe ich noch nichts über Ihren Sohn gehört - was ja auch die höchste Auszeichnung für einen Geheimdienstler sein sollte, oder? Ich bin gespannt, wann wir uns dann das erste Mal bei einem Meeting zur planetaren Sicherheit oder so über den Weg laufen werden.
Und nun zu Ihrer Frage."
T'rsop nutzte die natürliche Pause, um eine kleine Krabbe sowie ein Bonbon zu greifen und beide zeitgleich zu essen. Nachdem er ruhig gekaut und runtergeschluckt hatte, fuhr er fort und blickte dabei beide Kreegers gleichberechtigt an.

"Ja, Prefsbelt IV hat eine düstere Zeit hinter sich. Die Korruption Robert Kerns hat die Gesellschaft vergiftet und drohte, den Planeten zurückzuwerfen. Glücklicherweise konnte Theranos mit seinem Team - Sie wissen sicherlich, dass ich als Sonderberater mitwirkte - dieses Geschwür beseitigen.
Folglich ist nun die Genesung der Gesellschaft das nächste Ziel. Ein Ziel, was nicht einfach durch ein Bisschen Propaganda erreicht werden kann. Multikausal und mannigfaltig sollten wir daran arbeiten.
Die Gesellschaft muss in ihrem Vertrauen zueinander und auch zu dem Verwaltungssystem wieder gestärkt werden. Dies strebe ich unter anderem dadurch an, dass Red One - letzte Bastion Kerns vor seiner Niederlage - als wichtige Stadt von Prefsbelt IV wieder aufgebaut wird und dass der gesamte Planet mithilfe des dortigen Tunnelnetzes eine unterirdische Bahnverbindung zu allen großen Städten bekommt. Zeitgleich sollten Kulturangebote gefördert werden, die die Gesellschaft einen und ihnen eine Identität geben. Imperial und gleichzeitig erkennbar prefsbeltisch. Dies geschieht durch die Arbeit von Monspolis und unserem Projekt Nereus.
Außerdem müssen die letzten Reste der Organisation und Korruption Kerns leise beseitigt werden - das ist zur Zeit eine der Hauptaufgaben des ISB bei uns.
Aber nur auf dem innenpolitischen Bein kann man nicht stehen. Theranos hat ja schon das große Bauprojekt unserer neuen Werft begonnen. Dieses werde ich fortsetzen und zur Vollendung bringen - unseren Teil zum Krieg und der Imperialen Ordnung beitragen. Auch über unseren Orbit hinaus kann unser Planet meiner Überzeugung nach wirken und strahlen.
Aber um Ihrer Frage gerecht zu werden: Was mich zunächst am stärksten beanspruchen wird..."


T'rsop gönnte sich eine ehrliche Pause zum Nachdenken. Sein Blick ging dabei durch Enric und Valeria hindurch, während seine Gedanken strukturierten und analysierten, was im direkten Moment die wichtigsten Aufgaben für Prefsbelt IV seien.
Schließlich hatte er seine Antwort und Priorisierung gefunden und er fokussierte sich wieder auf die beiden Menschen:

"Mit Blick auf die aktuelle Lage und der möglichen Zukunft von Prefsbelt IV als über sich hinaus wirkend und weisend werden meine ersten Schritte sein, die Identität und Kultur der Gesellschaft imperial zu festigen. Und dazu braucht es zum Gelingen eine blühende Wirtschaft und sinnvolle Investitionen. Das werde ich nach dieser Gala als erstes und entschlossen anpacken."

Nach der Reaktion des Gouverneurs von Byss bot er diesem und seiner Frau etwas von seiner Meeresfrüchte- und Süßigkeitenplatte an. Er erwartete nicht, dass diese seinen Geschmack teilten und beides vermengen würden - aber für ihn war es unhöflich, als einziger etwas zu Essen zu haben und es nicht zum Teilen anzubieten. Und die beiden konnten ja, wenn sie wollten, sich auch nur ein Teilchen nehmen.
Er selbst griff sich auch welche und aß sie.

Schließlich hatte er aber selbst noch Interesse und sprach
Enric wieder an: "Gouverneur Kreeger. Byss ist ja ebenfalls ein Planet mit einer bewegten und bewegenden Geschichte und mit... ich würde sagen, höchst faszinierenden, Geheimnissen. Wie ist es, für einen solch bekannten und wichtigen Planeten Gouverneur zu sein?"
Gespannt wartete der Pau'aner auf die Antwort seines Amtskollegens.

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Angenehm spürte der Gouverneur den festen Händedruck seines Amtskollegen und erwiderte ihn mit derselben wohldosierten Kraft, bevor er die Hand wieder sinken ließ. Es kam nicht von ungefähr, dass viele Wesen der Art und Weise, wie sie dieses doch mittlerweile galaktisch verbreitete Modikum an Respekt anhand der Stärke oder Schwäche der ausführenden Hand bewerteten. Die kurze Veränderung in den Augen des Pau’aners beim Namen Byss war ihm aufgefallen. Er kannte diesen Ausdruck, hatte ihn in verschiedenen Gesichtern und unter den unterschiedlichsten Umständen gesehen, gelegentlich begleitet von einer Frage, häufiger von jener plötzlichen Vorsicht, die sich einstellte, wenn ein Gespräch unverhofft die Nähe bedeutenderer Dinge streifte. Der Name seiner Welt besaß noch immer Gewicht. Er trug die Erinnerung an einen Thron, an Sith und an Entscheidungen, deren Folgen weit über den Tiefkern hinausgereicht hatten. Für manche schien bereits die Erwähnung zu genügen, um hinter einem gewöhnlichen Verwaltungstitel verschlossene Türen und unerklärliche Vorgänge zu vermuten. Enric Kreeger hatte früh gelernt, diesen Vorstellungen ihre Arbeit zu überlassen. Die Bemerkung über Nerios Unauffälligkeit nahm er mit einer geringen Neigung des Kopfes entgegen. Neben ihm lächelte Valéria höflich, während das warme Licht der Strahler einen schmalen Goldsaum über die Fassung ihrer Brosche legte.

„Diskretion gehört zu seinem Beruf“, erwiderte Enric. „Ich erwarte, dass seine Arbeit sich in den Ergebnissen seiner Dienststelle bemerkbar macht.“

Er beließ es dabei.
Nerios Verwendung würde darüber entscheiden, ob er jemals an einer Sicherheitsbesprechung mit dem Gouverneur teilnahm, und Enric gedachte weder eine solche Begegnung anzuregen noch den Eindruck zu erwecken, er suche auf einer Gala nach einem kürzeren Dienstweg für seinen Sohn. Der Name eröffnete Möglichkeiten. Was ein Mann aus ihnen machte, musste irgendwann seine eigene Leistung sein und nicht auf den wackeligen Stelzen des Nepotismus fußen. Dass diese Überzeugung gegenüber dem jüngeren seiner Söhne erheblich strenger ausfiel als gegenüber manchem anderen Angehörigen ihres Standes, kam ihm auch jetzt nicht in den Sinn.

Als Gouverneur
T’rsop nach einer Krabbe und einer Süßigkeit griff und beides gemeinsam aß, ruhte Enrics Blick einen Augenblick auf der Platte. Dann kehrte er zum Gesicht seines Gegenübers zurück. Er hatte an genügend fremden Tafeln gesessen, um sich ein Urteil über die Gewohnheiten einer Spezies erst dann zu erlauben, wenn er ihre Bedeutung kannte. Allerdings bedurfte es einiger Selbstbeherrschung, den Zusammenhang zwischen dem klebrigen Bonbon und dem zarten Krabbenfleisch überhaupt erwägen zu wollen. Valéria schien das weniger zu beschäftigen. Ihre Aufmerksamkeit galt dem Pau’aner und Enric wusste, dass sie dessen Einbeziehung in das Gespräch registrierte. Sie schätzte es, wenn ein Mann die Frau neben einem Amtsträger für fähig hielt, mehr als die Einrichtung eines Salons zu beurteilen.

Er hörte die Ausführungen über Prefsbelt IV ohne Unterbrechung an. Hinter ihnen wurden Gläser auf einem Tablett abgestellt und irgendwo zwischen den Stehtischen erhob sich ein kurzes Lachen, das unter der hohen Decke weiterzutragen schien, als seinem Urheber bewusst sein mochte.
T’rsop sprach von Genesung, Vertrauen und Identität, von unterirdischen Verkehrswegen, Kulturangeboten und einer Werft. Für einen Moment klang er wie sein Sohn, der auch die befremdliche Eigenschaft hatte, seine Arbeit in medizinische Terminologien zu betten, als sei das alles ein großes Rollenspiel. Einer der vielen Gründe, wieso er mit ihm fremdelte. Enric ordnete die Vorhaben während des Zuhörens nach ihren Voraussetzungen. Für eine Bahn brauchte man vermessene Trassen, Energie, Werkstätten und Personal, dessen Zuverlässigkeit über die ordnungsgemäße Unterschrift auf einer Verpflichtungserklärung hinausging. Eine Werft verlangte gesicherte Zulieferungen und Jahre der Ausbildung. Wer demnach einen korrupten Apparat erneuern wollte, musste herausfinden, welche der verbliebenen Hände bereits beim nächsten günstigen Angebot wieder offenstanden. „Ambria hatte ebenfalls voller Männer gesessen, die nach ihrer Verhaftung plötzlich nur noch unbedeutende Gehilfen gewesen sein wollten.“
Damals waren es Liefermengen und Zahlungsnachweise gewesen, deren Abweichungen sich zunächst geringfügig ausgenommen hatten. Erst nebeneinandergelegt hatten sie gezeigt, wie viele Personen von demselben Mangel lebten. Die Verhaftungen waren der einfache Teil gewesen. Schwieriger war es gewesen, Ersatz zu finden, der am folgenden Morgen wusste, welche Transporte wohin mussten. Der Gouverneur erinnerte sich an übernächtigte Beamte, an versiegelte Lagertüren und an das Gesicht eines Zwischenhändlers, der bis zuletzt geglaubt hatte, seine Bekanntschaften würden mehr wiegen als die Beweise. Er hatte den Mann beinahe bewundert für die Ausdauer seines Irrtums.

„Sie übernehmen eine Welt, auf der öffentliche Gewalt zu lange privaten Interessen gedient hat“, sagte Gouverneur Kreeger schließlich. „Unter solchen Umständen ist Misstrauen eine vernünftige Gewohnheit. Die Bevölkerung wird einige Zeit benötigen, um sie wieder abzulegen.“

Seine Stimme blieb ruhig. Er hatte keinen Anlass, den neuen Gouverneur vor dessen eigener Antwort in die Rolle eines Schülers zu drängen.
T’rsop hatte an der Beseitigung Kerns mitgewirkt. Daraus ließ sich zumindest schließen, dass ihm die Schwierigkeiten seiner Welt vertrauter waren, als es die gefälligen Begriffe einer ersten Vorstellung erkennen ließen.

„Der Wiederaufbau von Red One dürfte Ihnen dabei helfen. Menschen erinnern sich recht genau daran, unter wessen Verantwortung ihre Häuser verfallen sind und wer sie wieder bewohnbar gemacht hat. Vorausgesetzt, zwischen der Ankündigung und dem fertigen Dach vergeht nicht so viel Zeit, dass beides miteinander verwechselt wird.“ Er hielt kurz inne, während sein Daumen über den kühlen Stiel des Glases glitt. „Bei Ihren Tunnelverbindungen würde mich vor allem interessieren, wie weit die personelle und wirtschaftliche Prüfung der beteiligten Unternehmen gediehen ist. Ein großes Bauvorhaben bietet den verbliebenen Nutznießern einer alten Verwaltung ausgezeichnete Möglichkeiten, unter neuen Namen wieder unentbehrlich zu werden. Sie kennen die Verfahren, die örtlichen Bedürfnisse und meist auch jene Beamten, denen die Prüfung ihrer Angebote zufällt.“

Das war eine Frage, die sich
Enric selbst gestellt hätte, lange bevor er den ersten öffentlichen Termin an einer Baustelle wahrnahm. Man konnte eine Familie enteignen und ihre wichtigsten Angehörigen verurteilen. Ihre Schwäger blieben, ihre Gläubiger, ihre früheren Angestellten; Männer, die sich während der Ermittlungen hilfreich gezeigt hatten und nun glaubten, ihre Hilfe müsse mit Aufträgen vergolten werden. Kerns Name mochte von den Türen verschwunden sein. Enric hätte wissen wollen, wer die Schlüssel aufbewahrte.

„Dass Sie die Werft fortführen, begrüße ich ausdrücklich“
, fuhr er fort. „Die gegenwärtige Lage verlangt, dass unsere Welten ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Wir haben lange genug erlebt, welchen Nutzen die Republik aus jeder Atempause zieht. Nun wird sich erweisen müssen, ob die Jahre des Friedens wenigstens auf unserer Seite gründlich genutzt wurden und ihre Kaderschmieden entsprechendes Führungsmaterial produziert haben.“

Er äußerte den Gedanken mit derselben Sachlichkeit, mit der er über die Finanzierung eines Depots gesprochen hätte. Während der Geltung des Vertrages hatte er dessen Bestimmungen öffentlich geachtet und seine Spielräume sorgfältig genutzt. Seine Überzeugung war davon unberührt geblieben. Der Anspruch des Galaktischen Imperiums hatte an einer Unterschrift keinen natürlichen Endpunkt gefunden. Auf den Karten waren Linien gezogen worden, und jenseits dieser Linien hatten andere Regierungen begonnen, den vorläufigen Zustand wie ein erworbenes Recht zu behandeln.
Enric hatte diese Gewöhnung stets für gefährlicher gehalten als manche offene Drohung.

Valéria strich mit dem Daumen über eine kleine Perle von Feuchtigkeit an ihrem Glas.

„Gemeinsame Vorhaben geben den Menschen auch Gelegenheit, wieder außerhalb ihrer alten Abhängigkeiten miteinander zu arbeiten“, bemerkte sie. „Bei Ihren kulturellen Einrichtungen dürfte viel davon abhängen, wem Sie vor Ort Verantwortung übertragen.“

Enric wandte den Kopf leicht zu ihr. Der Gedanke entsprach ihrer Erfahrung mit gesellschaftlichen Verpflichtungen, mit Förderern und jenen Familien, die ihre Anwesenheit bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung gern mit einem dauerhaften Anspruch auf Einfluss verwechselten. Er schätzte, dass sie ihn ohne Ausschmückung vorbrachte.

Als
T’rsop ihnen anschließend die Platte anbot, dankte Valéria und wählte eine einzelne Süßigkeit. Enric lehnte mit einer höflichen Bewegung der freien Hand ab. Das Gespräch hatte seine Aufmerksamkeit stärker gebunden, als irgendein Appetit es vermocht hätte, und beim Anblick der miteinander vermischten Speisen war dieser ohnehin gering geblieben. Stattdessen nahm er einen kleinen Schluck. Hinter dem Pau’aner zog ein Kellner zwischen zwei Gruppen hindurch, deren Mitglieder einander so zugewandt standen, dass niemand Platz machen zu müssen glaubte. Erst als einer der Gäste einen halben Schritt zurücktrat, konnte das Tablett passieren.

Bei Gouverneur
T’rsops Frage nach Byss ließ der Mann von Hosnian Prime das Glas wieder sinken. Die Geheimnisse. Natürlich.
Er empfand darüber keine Verärgerung. Das Interesse war nachvollziehbar, vielleicht sogar aufrichtiger als manches wohlvorbereitete Lob der wirtschaftlichen Entwicklung seiner Welt. Dennoch lag in dem Wort eine Leichtigkeit, die schlecht zu den Dingen passte, an die es ihn erinnerte. Es gab auf Byss Türen, deren Schließung Verwaltungsaufwand bedeutete, und andere, bei denen ein Gouverneur gut daran tat, die geltenden Anweisungen sehr genau zu kennen. Die Neugier eines Besuchers endete gewöhnlich dort, wo seine Reise endete. Enric blieb zurück, mit den Menschen, den Gebäuden und den Folgen dessen, was darin beschlossen worden war.

„Man gewöhnt sich daran, dass der Name des Planeten einem stets ein wenig vorauseilt“, antwortete er. „Byss trägt eine Geschichte, deren Bedeutung auch nach einem Wechsel des Regierungssitzes fortbesteht. Wer dort Verantwortung übernimmt, verwaltet zugleich die Hinterlassenschaften früherer Herrscher und die Erwartungen jener, die sich ihnen noch immer verbunden fühlen.“ Das Eis hinter T’rsop fing einen wandernden Lichtreflex auf. Für einen Augenblick erschien eine der tiefen Spalten darin beinahe schwarz. „Ich habe Byss unter Lord Menari gedient, während des Bruderkrieges und nach seiner Niederlage. Die Aufgaben haben sich in dieser Zeit erheblich verändert. Es gab Jahre, in denen die Entwicklung des Planeten unsere Aufmerksamkeit beanspruchte, und Monate, in denen es vor allem darum ging, seine Bevölkerung weiter zu versorgen.“

Er ließ die Worte stehen. Über Rationen und Blockade konnte er sprechen, ohne der Erinnerung an Allegious mehr Raum einzuräumen, als sie an diesem Stehtisch verdiente. Der Noghri war tot. Die sorgfältig begründeten Vorbehalte, die man unter seiner Herrschaft gegen
Enrics weitere Verwendung erhoben hatte, lagen noch immer in irgendwelchen Archiven. Es würde sich zeigen, wie rasch jene Männer ihre Einschätzungen überarbeiteten, die inzwischen unter einem neuen Hoheitszeichen dieselben Schreibtische besetzten.

„Die Nähe zum Sith-Orden gehört dabei zum Wesen meines Amtes. Ich halte sie für eine Verpflichtung von besonderem Gewicht. Unter Imperator Phollow und Lord Menari haben wir erlebt, was entschlossene Führung durch den Orden für die Streitkräfte und das Reich erreichen konnte. Darauf gründet sich meine Überzeugung, dass den Sith die maßgebliche Führung des Imperiums zukommt.“

Er sprach die Namen ohne Hast und ohne die Stimme zu senken.
Menaris Niederlage war ihm bekannt genug, sie machte die Jahre zuvor nicht ungeschehen. In Enrics Augen besaß Herrschaft Voraussetzungen, die weder durch die Zustimmung wechselnder Mehrheiten noch durch das bloße Dienstalter eines Beamten geschaffen wurden. Der Orden verfügte über Kräfte, Wissen und einen Anspruch, denen eine funktionierende Verwaltung Dauer verleihen konnte. Dass einzelne Sith diese Stellung durch ihre Rivalitäten gefährdeten, hatte er erlebt. Daraus erwuchs für ihn vor allem die Forderung, dass ihre Macht einer gemeinsamen imperialen Führung dienen musste.

„Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass dieser Führungsanspruch auf verlässlichen Grundlagen ruht. Auf Byss bedeutet das, Einrichtungen zu erhalten, Personal mit Bedacht auszuwählen und Vorhaben des Ordens auch dann zu ermöglichen, wenn ihre Voraussetzungen erheblich über das Gewöhnliche hinausgehen.“


Sein Blick blieb auf dem Gesicht des Pau’aners. Er erinnerte sich an eine ähnliche Neugier bei jungen Beamten, die erstmals von einer Verwendung auf Byss erfuhren, an ihre Fragen nach Palästen und abgeschirmten Anlagen und an die Ernüchterung, wenn man ihnen zunächst die Zuständigkeit für einen Versorgungsbezirk übertrug. Manche hatten darin eine Herabsetzung gesehen. Die besseren waren geblieben und hatten begriffen, weshalb ihr Auftrag wichtig war.

„Was die Geheimnisse betrifft“, ergänzte er, und nun zeigte sich ein schwacher Anflug trockener Belustigung, „so besteht ein durchaus erheblicher Teil meiner Verantwortung darin, dass sie Gegenstand interessierter Fragen bleiben.“

Valérias Mundwinkel bewegten sich kaum merklich. Enric kannte den Ausdruck; sie hatte schon oft erlebt, wie ein Gast sich nach dieser Antwort entscheiden musste, ob er weiterfragen wollte. Er selbst ließ dem Gedanken nur einen kurzen Augenblick, bevor er den Faden aufnahm, der ihn an T’rsops Ausführungen am meisten beschäftigte.

„Ihre Absicht, eine erkennbare prefsbeltische Identität innerhalb der imperialen Ordnung zu festigen, interessiert mich deshalb. Örtliche Verbundenheit kann einem Gouverneur viel Arbeit abnehmen. Unter Kern scheint sie jedoch zumindest teilweise an dessen Person und Gefolgschaft gebunden gewesen zu sein.“

Er stellte sein Glas auf dem Rand des benachbarten Stehtisches ab, sorgsam genug, dass kaum ein Laut zu hören war. In seiner Haltung lag weiterhin die unaufdringliche Förmlichkeit einer ersten Begegnung, doch seine Aufmerksamkeit hatte sich verdichtet.
T’rsop hatte von Kultur und einer genesenden Gesellschaft gesprochen. Enric wollte erfahren, welchen Platz der neue Gouverneur jenen Ansprüchen einräumte, die sich durch eine bessere Versorgung allein kaum befriedigen ließen.

„Prefsbelt IV beherbergt eine der bedeutendsten Flottenakademien des Imperiums. Generationen von Offizieren haben dort gelernt, ihren Dienst über persönliche Interessen zu stellen. Inwieweit wollen Sie diese Tradition für die imperiale Identität Ihrer Bevölkerung nutzbar machen?“

Dafürhalten über genügend Vorbilder verfügen, um Pflicht und Zugehörigkeit mit Leben zu füllen. Ihn interessierte, welchen Platz T’rsop diesen Männern und Frauen in seinen Vorhaben einräumte und ob zwischen den Lehrsälen der Akademie und den Straßen ihrer Heimatwelt jene Verbindung bestand, die Enric beinahe selbstverständlich vorausgesetzt hatte. Neben ihm rückte Valéria ein wenig näher, als hinter ihr mehrere Gäste vorbeigingen. Er bot ihr beiläufig seinen Arm, während sein Blick mit unveränderter Aufmerksamkeit auf dem Pau’aner ruhte.


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