Lantillies

[Lantillies – Festgelände – Empfangspavillon] Ley’eth Daraay, Ensign Taryn Ka, Captain Reyess Korrill, Senatorin Rrooow, Senatorin Turima Belandri, Delres Briant, republikanische und lantillianische Delegationen

Ley’eth stand in jener Haltung zwischen militärischer Aufmerksamkeit und höfischer Gelassenheit, die sich über die Jahre so tief in ihr Auftreten eingeschrieben hatte, dass sie selbst kaum noch hätte sagen können, wo die eine begann und die andere endete, während Vorsitzende Briants Stimme über den Platz getragen wurde und sich zwischen den republikanischen Standarten, dem gläsernen Schimmer des Empfangspavillons und der dichten Menge rings um das Festgelände verlor. Die politischen Verhältnisse Lantillies' waren nicht ihr Ressort, die Abstimmung gefallen und ihr eigener Auftrag von deutlich handfesterer Natur, weshalb die Hapanerin Briants scharfe Abrechnung mit der vorherigen Regierung mit derselben aufmerksamen Neutralität über sich hinwegziehen ließ, die sie auch bei einem Lagebericht bewahrt hätte, dessen Details für andere Abteilungen von größerer Bedeutung waren als für die eigene.

Ein kurzer Blick zu Captain Korrill zeigte ihr, dass auch der Mon Calamari die Zeremonie mit jener vollkommen korrekten Aufmerksamkeit verfolgte, die sein Rang verlangte, wenngleich wenig an seiner Haltung darauf hindeutete, dass politische Reden zu jenen Dingen gehörten, denen er freiwillig mehr Zeit widmete als unbedingt erforderlich. Ley’eth ließ es bei dieser Feststellung bewenden und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder nach vorne, während hinter ihnen die beiden Platoons des 414. ihre Sicherungspositionen hielten, die republikanischen Standarten in der warmen Luft des Festgeländes arbeiteten und Taryn in dem ihr zugedachten Abstand still genug blieb, um beinahe mit der übrigen militärischen Begleitung zu verschmelzen.

Erst das ferne Anschwellen von Jägertriebwerken begann sich wie ein zweiter Ton unter Briants Stimme zu legen, zunächst kaum mehr als ein dumpfes Grollen jenseits der flachen Aufbauten, dann zunehmend deutlicher, bis Ley’eth nur einen Blick zum Himmel und den kurzen Abgleich mit dem bisherigen Ablauf benötigte, um zu wissen, dass etwas nicht stimmte. Die Vorsitzende war mit ihrer Rede noch nicht weit genug fortgeschritten und irgendwo hinter den Gebäuden näherten sich bereits mehrere Staffeln X-Flügler mit jener Geschwindigkeit, bei der sich ein Zeitplan nicht mehr durch ein paar hastig gestrichene Absätze retten ließ, wenn niemand rechtzeitig reagierte.

Fast im selben Augenblick kam Bewegung in die politische Gruppe neben ihr. Rrooow erhielt eine Information aus ihrer Begleitung, wandte ihre Aufmerksamkeit zu Briant und brachte die Vorsitzende mit wenigen Gesten dazu, den vorgesehenen Ablauf zu verlassen, worauf deren Rede schneller zu ihrem Ende fand, als ihre ursprüngliche Anlage hätte erwarten lassen, ohne vollkommen abzubrechen. Ley’eth verfolgte den Vorgang, ohne einen Schritt aus ihrer Position zu setzen. Die Jäger kamen zu früh, die Senatorin hatte es erkannt und Briant reagierte, mehr war für den Augenblick nicht erforderlich.

Turima Belandri übernahm noch bevor aus der kleinen Unsauberkeit etwas werden konnte, das auch jenen Besuchern auffiel, die nicht seit Jahren gewohnt waren, Zeitfenster in Sekunden und Anflugvektoren zu zerlegen, und allein die Ruhe, mit der die hapanische Senatorin den plötzlich knapper gewordenen Raum annahm, ließ Ley’eths Blick etwas länger auf ihr ruhen. Belandri versuchte weder verlorene Zeit durch zusätzliche Worte zurückzugewinnen noch der gekürzten Rede nachträglich jene Größe zu verleihen, die ihr der herannahende Überflug ohnehin nehmen würde, sondern gab dem Anlass genau so viel Form, wie die wenigen verbliebenen Augenblicke noch trugen, während hinter ihr bereits die Beitrittsurkunde herangebracht wurde und das Dröhnen über dem Festgelände zu einer Wand aus Schall anwuchs.

Dann brachen die ersten X-Flügler über den Rand des Empfangsbereiches hinweg in das Sichtfeld der Menge und für einige Herzschläge schien sich der gesamte Himmel über Lantillies in Bewegung zu setzen. Fast gleichzeitig mit dem Augenblick, in dem die Urkunde zwischen den politischen Vertreterinnen sichtbar wurde, lösten sich aus mehreren Maschinen die vorbereiteten Ladungen, platzten in Kaskaden aus Gold, Grün und Rot über den Pavillon und zogen glühende Schweife zwischen den nachfolgenden Formationen hindurch, während sich die Farben in Sichtfeldern, blanken Uniformteilen und dem Transparistahl der umliegenden Aufbauten brachen. Das Stimmenmeer unter ihnen schwoll an, tausende Köpfe richteten sich gen Himmel und für einige lange Sekunden gehörte der Platz weder den Rednerinnen noch den Politikern, sondern allein den republikanischen Jägern, die in enger Ordnung durch ein Feuerwerk zogen, dessen Licht selbst auf Ley’eths goldenen Augen einen flüchtigen Schimmer hinterließ.

Von all den Dingen, die an diesem Tag geplant, abgestimmt und in Programme geschrieben worden waren, gehörte ausgerechnet dieser beinahe missglückte Übergang zu jenen Augenblicken, die später vermutlich am häufigsten über Holonetkanäle und Nachrichtenbilder laufen würden, ohne dass außerhalb eines kleinen Kreises überhaupt jemand erfahren musste, wie knapp die Einzelteile tatsächlich ineinandergegriffen hatten. Ley’eth betrachtete das Ergebnis beinahe wie eine sauber ausgeführte taktische Finte, deren Wirkung am Ende sehr viel wichtiger war als der Weg dorthin, bevor die letzten X-Flügler über den Pavillon hinwegzogen und das schwere Grollen ihrer Triebwerke langsam wieder der Menge wich.

Mit ihrem Verschwinden löste sich auch die zuvor beinahe starre Ordnung des offiziellen Teils allmählich auf. Gläser wurden gereicht, erste kleinere Gesprächsgruppen bildeten sich zwischen Delegierten und Offizieren und jene Personen, die noch wenige Minuten zuvor anhand einer festgelegten Reihenfolge ihre Plätze eingenommen hatten, begannen sich wieder nach Bekanntschaften, Interessen und jenem schwer greifbaren Geflecht gesellschaftlicher Zweckmäßigkeit über den Pavillon zu verteilen, das Ley’eth von Hapes mindestens so vertraut war wie jede Flottenformation. Bre’lyas Marines verblieben an den Rändern des Empfangsbereiches, die beiden Standarten weiterhin deutlich sichtbar, während Taryn im Hintergrund bei ihr blieb und die Veranstaltung aus einer Nähe erlebte, die kein Dossier und kein Briefing vollständig hatte ersetzen können.

Ley’eth nahm eines der angebotenen Gläser entgegen und blieb zunächst dort, wo man sie sehen konnte. Für den Augenblick war genau das vermutlich ihre eigentliche Aufgabe. Die „Nightingale“ lag mit ihren Schiffen über dem Planeten, ihre Marines standen wenige Meter entfernt und die Countess des Wachen Meeres trug die Uniform jener Republik, deren Schutzversprechen an diesem Tag ebenso sehr zur Schau gestellt wurde wie die frisch unterzeichnete Urkunde. Dass sich dazu noch eine hapanische Senatorin auf dem Podium befand und Ley’eth selbst einen Lebenslauf mitbrachte, der von den Forces of Hope bis zurück in den regulären Dienst führte, machte die Auswahl ihres Verbandes kaum zufälliger und bestätigte eher jene Vermutung, die sie bereits vor ihrer Ankunft gehegt hatte.

Rrooow fand sie wenig später zwischen den militärischen Gästen und richtete ihre Frage nach einigen einleitenden Worten genau auf jenen Teil ihrer Anwesenheit, über den Ley’eth bereits vor dem Eintreffen im System nachgedacht hatte. Die Vermutung, die Königinmutter könne ihren Einfluss geltend gemacht haben, erschien ihr dabei keineswegs außergewöhnlich. Ihre Majestät verfügte über genügend politisches Gewicht, um hapanische Interessen dort bemerkbar zu machen, wo sie es für notwendig hielt, und Ley’eth wäre die Letzte gewesen, die darin etwas Ungewöhnliches gesehen hätte.

Sie hob das Glas ein wenig an, ohne davon zu trinken, und hielt den Blick ruhig auf der wesentlich größeren Togorianerin.


„Von einer direkten Intervention Ihrer Majestät ist mir nichts bekannt, Senatorin.“

Ihre Stimme blieb weich, fast höfisch in ihrer Ruhe und doch präzise genug, dass sich hinter den Worten kein Bedürfnis verbarg, mehr Gewissheit vorzutäuschen als tatsächlich vorhanden war.

„Ausschließen würde ich sie allerdings nicht. Meine Befehle kamen vom republikanischen Oberkommando, doch dass man ausgerechnet die ‚Nightingale‘ für Lantillies ausgewählt hat, halte ich selbst kaum für einen Zufall.“

Für einen kurzen Moment glitt ihr Blick über den Empfang hinweg zu Turima Belandri, bevor er zu Rrooow zurückkehrte.

„Senatorin Belandris Anwesenheit dürfte man dabei ebenso berücksichtigt haben wie die Nähe zum Konsortium. Auch mein eigener Werdegang dürfte bei der Auswahl kaum übersehen worden sein.“

Die metallischen Finger ihrer rechten Hand lagen ruhig um den schlanken Stiel des Glases und für einen Augenblick zeichnete das Licht des späten Tages die goldenen Segmente ebenso deutlich nach wie die feinen Verzierungen jenes rotbraunen Mantels, dessen Schnitt und Wirkung inzwischen beinahe ebenso zu ihrem öffentlichen Bild gehörten wie Rangabzeichen und Uniform.

„Eine ehemalige Offizierin der Forces of Hope, die heute wieder unter republikanischer Flagge einen Kampfverband führt, gibt ein recht brauchbares Bild ab, wenn man neuen Mitgliedswelten zeigen möchte, was aus dieser Republik geworden ist. Dass diese Offizierin zudem eine hapanische Countess ist, dürfte die Entscheidung kaum unattraktiver gemacht haben.“

Am äußeren Rand des Pavillons erschienen inzwischen weitere Galauniformen zwischen den lokalen Würdenträgern, darunter einige jener Piloten, deren X-Flügler nur kurze Zeit zuvor noch in Feuerwerksfarben über den Köpfen der versammelten Gäste hinweggezogen waren, doch Ley’eth schenkte der Bewegung kaum mehr als einen kurzen Blick und ließ ihre Aufmerksamkeit bei der Senatorin vor sich.

„Darf ich fragen, was Sie an eine Intervention Hapans denken ließ?“

[Lantillies – Festgelände – Empfangspavillon] Ley’eth Daraay, Ensign Taryn Ka, Captain Reyess Korrill, Senatorin Rrooow, Senatorin Turima Belandri, Delres Briant, republikanische und lantillianische Delegationen, Piloten des 96. Jagdgeschwaders
 
// Lantillies /\ Festgelände /\ Empfangspavillon /\ Captain Reyess Korrill, Captain Ley’eth Daraay, Senatorin Rrooow und weitere Gäste \\​


Die Begrüßung durch Vorsitzende Delres Briant war kurz und ausgesprochen höflich ausgefallen. Captain Reyess Korrill hatte sie mit einem angemessenen Nicken erwidert und anschließend den ihm zugedachten Platz eingenommen.

Die Worte der Senatorin Rrooow über die abschreckende Wirkung der republikanischen Flottenpräsenz waren ihm dabei durchaus im Gedächtnis geblieben. Wenn allein die Anwesenheit ihrer Schiffe ausreichte, um weitere Piratenüberfälle zu verhindern, dann erfüllten sie bereits einen Teil ihres Auftrags. Ein vernünftiger Einsatz militärischer Mittel.

Anschließend hatte die Vorsitzende ihre Rede begonnen. Und Reyess sehr schnell festgestellt, dass die Aussichten auf ein baldiges Ende der Veranstaltung schlechter standen als zunächst angenommen. Zunächst folgte er den Ausführungen über die Geschichte Lantillies', die politische Isolation und die Versäumnisse der vergangenen Regierung. Dann schweiften seine Gedanken ab.

Traktorstrahler Drei. Der Wartungsbericht lag noch ungelesen auf seinem Schreibtisch. Nach der letzten Modernisierung waren die Projektionsspulen erneuert worden. Die Werft hatte sämtliche Funktionstests als erfolgreich vermerkt, aber die Trident hatte seitdem noch kein größeres Schiff unter tatsächlicher Last eingefangen. Reyess ging im Kopf die Prüfschritte durch. Energiezufuhr trennen, Restladung der Feldgeneratoren ableiten, Kühlkreislauf überprüfen, Projektionsspulen auf thermische Abweichungen untersuchen. Die Dienstvorschrift verlangte anschließend eine vollständige Kalibrierung der Feldprojektoren. Ein zeitraubendes Verfahren, das sich bei ordnungsgemäßer Wartung eigentlich vermeiden lassen sollte. Eigentlich. Er würde Brel Tunn danach fragen müssen.

Briants Stimme drang wieder in sein Bewusstsein. Sie sprach inzwischen über die Notwendigkeit gemeinsamer Sicherheit. Reyess nickte beinahe unmerklich. Richtig, die Sicherheit. Und bei Traktorstrahler Drei musste noch die thermische Schutzabschaltung geprüft werden. Seine feinen Barteln hatten sich bereits während der ersten Minuten leicht versteift. Nicht, weil er der Vorsitzenden widersprochen hätte. Die meisten ihrer Argumente waren durchaus vernünftig. Aber gute Argumente wurden durch Wiederholung nicht zwangsläufig besser. Als das ferne Dröhnen von Sternjägertriebwerken herüberschwappte, hob er deshalb beinahe dankbar den Blick. Zunächst sah er lediglich einige Anwesende, die sich zum Himmel wandten. Dann bemerkte er die plötzliche Bewegung in der politischen Delegation. Senatorin Rrooow gab der Vorsitzenden ein Zeichen. Briant reagierte erstaunlich schnell. Eine Rede, die eben noch den Eindruck erweckt hatte, mehrere Epochen lantillianischer Geschichte behandeln zu wollen, erreichte innerhalb weniger Sätze ihren Abschluss. Reyess blinzelte, das war unerwartet effizient. Auch Senatorin Turima Belandri bewies bemerkenswerte Fähigkeiten. Ihre anschließende Ansprache fiel kurz, präzise und dennoch vollkommen angemessen aus. Keine unnötigen historischen Exkurse, keine Wiederholungen, ein klarer Abschluss. Vielleicht hatte er Senatoren bisher tatsächlich zu pauschal beurteilt. Er beschloss, diese Einschätzung vorerst nicht zu verallgemeinern. Dann übernahm der Himmel die Veranstaltung.

Drei Staffeln X-Flügler zogen über das Festgelände. Die Maschinen hielten ihre Abstände sauber, die gestaffelten Formationen waren auch aus seiner Position gut zu erkennen. Reyess folgte ihnen mit seinen goldenen Augen. Sechsunddreißig Maschinen. Er betrachtete die Ausrichtung der Rotten, die Abstände zwischen den Staffeln und die koordinierte Kursänderung beim erneuten Anflug. Ordentliche Arbeit. Dann öffneten sich über ihnen die Feuerwerksladungen. Goldene, grüne und rote Funken breiteten sich zwischen den Formationen aus, während unter ihnen Vorsitzende Briant und Senatorin Belandri die Beitrittsurkunde für die Holokameras präsentierten. Reyess ließ den Blick zwischen dem Dokument, den Kameras und den Jägern wandern. Wenn das so geplant gewesen war, musste er den Verantwortlichen eine außerordentlich gute Koordination bescheinigen. Wenn nicht, würde spätestens morgen vermutlich jemand behaupten, dass es so geplant gewesen war. Das Ergebnis war jedenfalls eindrucksvoll. Auch wenn er persönlich der Ansicht war, dass Protonentorpedowerfer für andere Dinge entwickelt worden waren.

Als die letzten Maschinen verschwanden und der Applaus langsam verebbte, senkten sich seine Barteln wieder etwas. Offenbar wurden die restlichen Reden verschoben, das war die zweite erfreuliche Entwicklung des Tages. Mit dem Ende des offiziellen Teils veränderte sich die Atmosphäre unter dem Empfangspavillon. Die strenge Ordnung der Delegationen löste sich auf. Kleinere Gruppen bildeten sich, Gespräche begannen und Bedienstete bewegten sich mit Tabletts voller Sektgläser zwischen Uniformen, Festkleidung und politischen Würdenträgern. Reyess nahm eines der angebotenen Gläser entgegen. Er betrachtete es kurz, dann den Inhalt. Schließlich stellte er sich etwas abseits und beobachtete das Geschehen. Er hatte bereits mehrfach an offiziellen Empfängen teilgenommen. Oft genug, um zu wissen, wie sie funktionierten. Das bedeutete allerdings nicht, dass er sie beherrschte. Auf einem Kommandodeck wusste jeder, weshalb er dort war. Es gab Zuständigkeiten, Meldungen und klare Erwartungen. Selbst ein unerwarteter Gefechtsalarm besaß eine gewisse Ordnung. Hier dagegen unterhielten sich Personen über Dinge, die offenbar keinerlei unmittelbare Entscheidung erforderten. Man wechselte Gesprächspartner, stellte Fragen, deren Antworten niemanden wirklich zu interessieren schienen, und lächelte an Stellen, an denen nach Reyess' Einschätzung überhaupt nichts Bemerkenswertes gesagt worden war. Er nahm einen kleinen Schluck, das Getränk war nicht schlecht. Der Empfang deshalb noch lange nicht gut.

Sein Blick wanderte über die Gesellschaft und blieb kurz an einigen neu eingetroffenen Flottenoffizieren hängen. Zwei jüngere Piloten in tadellosen Uniformen waren inzwischen von einem örtlichen Begleiter zum Empfang geführt worden. Vermutlich Angehörige des Jagdgeschwaders, das gerade noch den Himmel über Lantillies beleuchtet hatte. Reyess betrachtete sein Glas. Es war inzwischen beinahe ebenso nutzlos wie der Anlass, aus dem man es ihm gereicht hatte. Wenigstens musste er damit nichts unterschreiben. Sein Blick suchte nach Captain Daraay. Die Hapanerin war bereits in ein Gespräch mit Senatorin Rrooow vertieft, natürlich. Eine Angehörige des hapanischen Adels hatte vermutlich gelernt, sich auf solchen Veranstaltungen zu bewegen, lange bevor sie erstmals eine militärische Uniform getragen hatte.

Er hingegen hatte gelernt, wie man einen beschädigten Kühlmittelverteiler bei laufendem Reaktor überbrückte. Im Augenblick schien ihm ihre Ausbildung die nützlichere zu sein. Andererseits war er nicht nach Lantillies gekommen, um den Nachmittag mit einem Glas in der Hand zu verbringen. Ihre beiden Eingreifgruppen operierten inzwischen im selben System. Die gemeinsame Verteidigung war eingerichtet, doch über den weiteren Einsatz der versammelten Kräfte würde man sich früher oder später unterhalten müssen. Und Reyess bevorzugte früher.

Er setzte sich in Bewegung. Als er die beiden Frauen erreichte, sprach Captain Daraay gerade über ihre Auswahl für den Einsatz bei Lantillies. Königinmutter, hapanische Interessen, republikanisches Oberkommando. Reyess blieb neben den beiden stehen und hörte zunächst zu.

Aus dem Dossier der Hapanerin kannte er die wesentlichen Stationen ihrer Karriere. Forces of Hope, frühere Gefechtseinsätze, die Rückkehr in den regulären Dienst und schließlich das Kommando über Nightingale. Dass das Oberkommando ihre Herkunft und ihren Titel bei der Auswahl berücksichtigt haben könnte, überraschte ihn wenig. Politiker mochten solche Bilder. Eine hapanische Adlige unter republikanischer Flagge, ein Mon-Calamari-Captain auf einem traditionsreichen Kreuzer und dahinter eine halbe Flotte. Es ließ sich ausgezeichnet verkaufen. Daraay stellte schließlich die Frage, weshalb die Senatorin überhaupt eine Intervention Hapans vermutete. Reyess hätte darauf keine Antwort gehabt. Und genau deshalb ließ er die Frage dort, wo sie hingehörte. Stattdessen wartete er einen passenden Augenblick ab und neigte den Kopf leicht in Richtung der beiden Frauen.


"Verzeihen Sie die Unterbrechung, meine Damen."
Seine tiefe, raue Stimme war im Stimmengewirr des Empfanges unverkennbar. Er wandte sich zunächst an die Senatorin.
"Was die politischen Hintergründe unserer Entsendung betrifft, kann ich Ihnen wenig sagen, Senatorin. Die militärische Entscheidung war jedenfalls vernünftig. Captain Daraays Verband hatte die Sicherung des Systems bereits eingerichtet, als wir eintrafen. Unsere Eingliederung verlief ohne Schwierigkeiten."
Ein knappes Nicken in Richtung der Hapanerin. Bei Reyess war das ein durchaus ernst gemeintes Lob. Dann ließ er seinen Blick kurz über den Empfang schweifen, bevor er wieder zu Daraay sah.
"Apropos Eingreifgruppen, Captain. Wenn Sie nach den Feierlichkeiten etwas Zeit erübrigen können, würde ich gerne mit Ihnen über die weitere Verwendung unserer Verbände sprechen."
Er ließ die Worte einen Moment stehen. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt, auf einem Empfang über Flottenoperationen zu sprechen. Aber mit jeder weiteren Minute erschien ihm das als zunehmend vernünftige Alternative zum gesellschaftlichen Teil der Veranstaltung. Seine Barteln bewegten sich leicht.
"Nicht hier, selbstverständlich. Ich bevorzuge für solche Gespräche eine taktische Karte."
Er hob das Sektglas ein kleines Stück, als müsse er seine Anwesenheit damit nachträglich rechtfertigen. Dann nahm er einen weiteren, ausgesprochen kleinen Schluck. Vielleicht würde aus diesem Empfang doch noch etwas Nützliches entstehen.


// Lantillies /\ Festgelände /\ Empfangspavillon /\ Captain Reyess Korrill, Captain Ley’eth Daraay, Senatorin Rrooow und weitere Gäste \\​
 
[Lantillies | Festgelände | auf dem Weg zum Empfangspavillon] Neelyn Vandrik, Fayr Ced, diverse Würdenträger (NPCs)

Der kurze Zeitraum, der ihm und Ced zur Verfügung gestanden hatte, um sich – während des Flugs noch dazu! – nach dem Formationsmanöver über dem Festgelände landfein zu machen, hatte Neelyns Stimmung nicht unbedingt aufgehellt. Ebenso wenig war es praktisch gewesen, dass sich der Corellianer natürlich die Nasszelle im einzigen Moment unter den Nagel gerissen hatte, da Commodore Zertus Shuttle noch fest auf dem Hangarboden gestanden hatte. Duschen unter Flugbedingungen; keine Erfahrung, die er in nächster Zeit wiederholen wollte. Die künstliche Schwerkraft und die Noppen auf dem Boden des Baderaums hatten ihren Beitrag dazu geleistet, dass er keinen peinlichen häuslichen Unfall gehabt hatte, aber die Turbulenzen direkt nach dem Atmosphäreneintritt hatten zumindest dafür gesorgt, dass er sich den Kopf gestoßen hatte. Nun, wenig später, rieb er sich vorsichtig über die Beule unter seiner schwer bezähmbaren Mähne und versuchte dabei seine sorgsam zurechtgekämmte Frisur nicht zu ruinieren. Allein der Anblick des für seine Verhältnisse viel zu sehr herausgeputzten Diplomaten, der sie auf den Weg in den Festpavillon geleitete, sorgte dafür, dass Vandrik die Stirn runzelte. Solange sich Ceds Prophezeiung vom guten Essen auf dem Empfang bewahrheitete, würde er diesen kleinen Ausflug vermutlich überleben.

“Ein schöner Tag auf diesem schönen Planeten, nicht wahr? Führen Sie uns bitte zu den Würdenträgern, junger Mann.” Der Corellianer hatte bereits wieder geradezu absurd gute Laune, was seine eigene Stimmung nur weiter ruinierte. Für jemanden, der es hasste, Aufgaben zu erfüllen, die nichts mit dem Fliegen seines Jägers zu tun hatten, war Ced eindeutig zu gut drauf. Wie machte der Kerl das bloß? Mit dem Ansatz einer Weltuntergangsmiene im Gesicht betrat Neelyn den großen Pavillon und sah sich um. Zahlreiche Würdenträger, Politiker und Militärs standen herum, toasteten sich mit mehr oder minder vollen Schaumweingläsern zu und – so zumindest seine Vermutung – beweihräucherten sich selbst, tauschten inhaltsleeren Small Talk aus und lächelten überfreundlich in die diversen Holokameras. Ihr Wegbegleiter im Seidenanzug nickte ihnen höflich zu, bevor er irgendwie zwischen mehreren Stehtischen und herumeilenden Kellnern verschwand. „Buffet auf 10 Uhr, Fayr,“ raunte er seinem Begleiter zu, bevor seine Augen an einer Twi’lek-Dame hängenblieben, die im eleganten Geschäftsblazer und mit einem Presseausweis um den Hals Schnappschüsse machte und eifrig Notizen auf ihrem Datapad machte. „Und Journalistin auf 2 Uhr. Besser keine Aufmerksamkeit erregen ...“

In einer Geschwindigkeit, die er für würdevoll oder doch zumindest unauffällig befand, wanderte Vandrik hinüber zum Buffet, wo er erst einmal verdutzt feststellte, dass es keinerlei Bier oder Ale gab, sondern lediglich unterschiedlichste Weine, feinperlende Champagner und exotische Cocktails zu trinken gab. Vermutlich zu gewöhnlich, schätzte er und unterdrückte ein Seufzen. Der Pilot nahm sich einen Kelch kühlen Weißweins und eine Auswahl an unterschiedlichsten Häppchen auf einem kleinen Silbertablett. Natürlich gab es auch kein Steak. Sein Blick wanderte ein weiteres Mal von links nach rechts, verkrampft wie ein alderaanisches Reh, das vor in den Kegel eines Landspeeders gewandert war. Jetzt wo er vor Ort war, war er sich noch unsicherer als zuvor, wie er sich am besten verhalten sollte. Einerseits hatten Ced und er den Befehl bekommen, sich hier in die Veranstaltung einzufügen und sich als ‚Kriegshelden‘ vermarkten zu lassen, ähnlich wie preisgekrönte Banthakühe. Das hieß Holobilder, Small Talk führen und sich möglicherweise interviewen lassen. Gleichzeitig war das eigentlich auch genau das, was er partout nicht wollte. Sein Mund verzog sich für einen Augenblick zu einer starren Linie seiner aufeinander gepressten Lippen. So albern er diese Aufgabe auch fand, es war seine Pflicht, seinen Befehlen Folge zu leisten. Was sollte er folglich tun? „Ced,“ brummte Neelyn trocken seinem ehemaligen Staffelkameraden zu. „Ich will hier verdammt nochmal raus. Und wenn’s geht, ohne mit irgendjemand reden zu müssen.“ Dieser Ort war eine perfekte Neelyn-Falle!

In einiger Entfernung nahm er wahr, wie er kurz von einer hochgewachsenen Flottenoffizierin gemustert wurde, die sich mit einer Togorianerin unterhielt, die Neelyn bereits auf Holoaufnahmen des TCNN-Nachrichtenkanals gesehen hatte. Senatorin Rrraaarrr oder so etwas? Oder war das Shyriiwook? Während die Senatorin schon allein durch ihre Gestalt einen Eindruck hinterließ, hielt sich ihre Gesprächspartnerin in einer Art und Weise, die andeutete, dass sie Empfänge dieser Art gewöhnt war. Die kleine Gruppe wurde noch komplettiert durch einige lokale Würdenträger und einen weiteren Captain der Flotte, einen Mon Calamari mit bläulicher Haut, der als einziger einen gewöhnlichen Dienstanzug der republikanischen Marine trug – und wenn Neelyn seine Haltung und Mimik richtig interpretierte, dann war er reichlich unbeeindruckt bis genervt von der Veranstaltung. Immerhin einer, der hier nicht lächelte wie ein Jawa, der einen intakten Astromech aufgegabelt hatte. Oder wie ein Corellianer, der ein Gratisbuffet entdeckt hatte! Darauf nahm der frischernannte Staffelkommandant erst einmal einen herzhaften Schluck des zugegebenermaßen exzellenten Weins.

[Lantillies | Festgelände | im Empfangspavillon] Neelyn Vandrik, Fayr Ced, zahlreiche Würdenträger, Presseangehörige und Militärs (NPCs)​
 
Zuletzt bearbeitet:
Lantilles | Festgelände | im Empfangspavillon | Fayr Ced, Neelyn Vandrick, diverse Würdenträger, Presseangehörige und Militärs (NSC)

Im Gegensatz zu Fayr selbst, schien Neelyn das Ambiente hier so gar nicht zuzusagen. Der Corellianer nahm es leichter und klopfte seinem Kameraden auf die Schulter, um ihn ein wenig aufzulockern. “Ich verrate jetzt mal mein Geheimrezept. Wir konzentrieren uns auf das Angenehme und ignorieren den ganzen Rest. Und wenn uns jemand irgend etwas fragt, verlieren wir uns einfach in Details.” Fayr grinste tatsächlich wie ein alderaanisches Honigkuchenpferd von Ohr zu Ohr, als er das Neelyn ins Ohr flüsterte. “Meiner Erfahrung nach interessieren sich die meisten Leute nicht für Details. Die Reporterin überlass mal ganz mir.” Tatsächlich wirkte Fayr nicht so, als schenkte er auch nur irgendjemandem hier sonderliche Beachtung.

Und damit schob sich der Corellianer vor seinen Schützling und bediente sich nach Gutdünken an diesem Buffet, bis die Reporterin auf die beiden Kampfpiloten in Ausgehuniformen nicht nur aufmerksam wurde, sondern auch auf die Kampfpiloten zutrat. “Einen schönen guten Tag, meine Herren. Ich bin Liv'trai Sen von der Lantillies Gazette, dürfte ich Ihnen ein paar Fragen stellen?” Tatsächlich ließ die Twi’Lek weder Fayr noch Neelyn Zeit, eine Antwort zu formulieren. “Die Bürger von Lantillies haben für den Beitritt zu einer demokratischen Gemeinschaft gestimmt, nicht für eine Militarisierung. Wenn die Neue Republik für Freiheit und Demokratie steht – warum fühlt sich der heutige Tag für die Bevölkerung dann eher wie der Beginn einer Besatzung nach angeblichem imperialen Vorbild anstatt wie ein Tag der Befreiung an? ”

Bei dieser direkt offensiven Frage gefror dem Corellianer tatsächlich das Lächeln auf den Lippen. Damit hatte er nicht gerechnet, schon gar nicht ganz am Anfang dieser schönen Feierhier. “Also was die Bevölkerung von Lantillies angeht, da müssen Sie sie schon selbst fragen, wie sie sich fühlt. Ich bin nur ein einfacher Mann und kann ja schlecht für alle hier auf Ihrem wunderschönen Planeten sprechen.” Der Corellianer ließ es sich nehmen, bei seinen letzten Worten in die Linse des Kameradroiden zu prosten, der über der linken Schulter der Twi’Lek schwebte. “Aber Sie haben Glück, ich kann Ihnen tatsächlich eine ganze Menge darüber erzählen, welcher logistischer Aufwand dahinter steckt, auch nur eine einzige Staffel X-Flügler zu unterhalten…”

Und damit begann eine mehrere Minuten lange Tortur, in der der Corellianer sein unfreiwilliges Opfer mit einer unglaublichen Informationsdichte in Windeseile darüber informierte, was alles dazu gehörte, eine kleine Militäreinheit wie eine einzelne Raumjägerstaffel kampfbereit zu halten. “Und nun rufen Sie sich mal in Erinnerung, dass allein meine Einheit aus ganzen 6 Staffeln besteht, von denen nur drei X-Flügler haben. Die anderen Staffeln mit anderen Jägertypen brauchen ganz andere Ersatzteile und das verkompliziert die Sache ungemein.” Es wurde recht schnell ziemlich eindeutig, dass die Twi’Lek nicht damit gerechnet hatte, so sehr unter den Tisch geredet zu werden. Ihr erster Fluchtversuch scheiterte kläglich dadurch, dass Fayr ihr äußert geschickt und vollkommen unzufällig in den Weg trat und zwischen sich, Neelyn und dem Buffettisch. “Aber seien Sie unbesorgt, denn das alles muss nicht zu Lasten der Wirtschaft von Lantillies sein. Viele Dinge lassen sich auch örtlich herstellen. Hören Sie jetzt ganz genau zu, das wird Ihre Industrie- und Handelskammer jetzt brennend interessieren.”

Es folgte eine wahre Tirade an technischen Details, die tief Blicken ließ, was den scheinbar unerschöpflichen technischen Sachverstand des Corellianers anging. Es dauerte keine fünf Minuten, bis die Twi’Lek vollkommen aufgegeben hatte. Sie hatte Schlagzeilen für die Titelseite ihres Klatschblattes gesucht, stattdessen aber einen überaus trockenen Vortrag für den Wirtschaftsteil einer Fachzeitschrift erhalten. “Das ist alles wirklich sehr interessant und wird unsere Leser garantiert brennend interessieren…aber jetzt…jetzt…entschuldigen Sie mich bitte. Senator? Senator! Auf ein Wort bitte!” Die Twi’Lek schob sich nun doch recht unhöflich zwischen den Schultern der Piloten hindurch und trat geradezu fluchtartig den Rückzug in einen anderen Bereich des Festzeltes antrat. “So warten Sie doch, ich konnte Ihnen noch gar nicht die ordnungsgemäße Pflege und Wartung der Lenzpumpe erklären!” Fayr schaute der Reporterin kopschüttelnd nach. “Manieren hat die…also wirklich.” Ein Moment der Stille folgte, bevor er auflachen musste, als hätte er den besten Witz der Woche erzählt und stieß dabei dann Neelyn mit dem Ellenbogen in die Rippen. “Also wo waren wir? Achja, das Buffet. Während ich die ganze Zeit geredet habe, konntest du dich hier unbehelligt durchfressen. Kannst du irgendwas empfehlen?” Der Corellianer war fest entschlossen, bei der Verköstigung der hiesigen Speisen aufzuholen.

Lantilles | Festgelände | im Empfangspavillon | Fayr Ced, Neelyn Vandrick, diverse Würdenträger, Presseangehörige und Militärs (NSC)
 
[Lantillies – Festgelände – Empfangspavillon] Ley’eth Daraay, Ensign Taryn Ka, Captain Reyess Korrill, Senatorin Rrooow, republikanische und lantillianische Delegationen

Das noch wenige Minuten zuvor streng geordnete Bild des Empfangs hatte sich inzwischen beinahe wie eine Formation nach dem Ende eines Manövers in kleinere Gruppen aufgelöst, zwischen denen Uniformen, Gläser und die Vertreter einer erstaunlichen Zahl politischer Interessen langsam ihre eigenen Bahnen fanden, als Captain Korrill erneut zu Ley’eth und der hochgewachsenen Togorianerin trat. Seine zielgerichtete Rückkehr entging der Hapanerin ebenso wenig wie der Umstand, dass der Mon Calamari kaum Zeit darauf verwandte, den gesellschaftlichen Teil seiner Annäherung länger auszudehnen als notwendig, bevor er auf die militärische Lage und schließlich jenes Verteidigungsnetz zu sprechen kam, das die „Nightingale“ und ihre Begleitschiffe bereits vor dem Eintreffen der „Trident of Ruisto“ über dem System aufgespannt hatten.

Ley’eth ließ ihn ausreden und nahm seine Anerkennung mit deutlich größerer Befriedigung auf, als es irgendein Kompliment zu ihrer Landung oder dem militärischen Schauspiel der vergangenen Stunden vermocht hätte. Das Urteil eines Mon-Calamari-Captains wog für sie schwer, immerhin gehörten die unverwechselbaren Schiffe ihrer Werften und jene Raumfahrer, die sie seit den ersten Tagen der Rebellion geführt hatten, zu einer militärischen Tradition, der Ley’eth seit Beginn ihrer eigenen Laufbahn mit erheblicher Hochachtung begegnete und Korrill sprach über etwas, dessen Qualität sich weder durch gesellschaftliche Umgangsformen noch durch eine besonders eindrucksvolle Inszenierung vortäuschen ließ.


„Danke, Captain. Ich werde es an meine Leute weitergeben. Wir gehören zu den Verdammten die viel Zeit haben diese Dinge zu perfektionieren.“

Die Positionierung des Verbandes, die Abstimmung der Patrouillenräume und all jene unspektakulären Entscheidungen, durch die ein zunächst fremdes Schiff in ein bestehendes Lagebild eintreten konnte, ohne dass die halbe Kommandostruktur damit beschäftigt war, Zuständigkeiten neu auszuhandeln, gehörten zu jener lästigen Grundlagenarbeit die man meist nur dann wirklich bemerkte, wenn sie schlecht ausgeführt wurde und das entstehende Chaos einen Verband wertvolle Minuten kosten konnte. Zu den Verdammten zu gehören die sich an der Seitenlinie des Krieges aufhielten und nichts anderes zu tun hatten als diese Arbeit der Mannschaft in Fleisch und Blut einzuprügeln, zahlte also selten auf irgendeine Beförderungskonto ein. Dass Korrill ausgerechnet darauf aufmerksam geworden war, sagte viel über den Offiziere aus, augenscheinlich war er mit ähnlichem Blut für die Raumfahrt und demselben Feuer ausgestattet das die Hapanerin selbst in sich trug.

Sein anschließender Vorschlag, sich nach dem Ende der Feierlichkeiten über die weitere Verwendung ihrer beiden Verbände auszutauschen, weckte Ley’eths Interesse erheblich unmittelbarer als der Sekt in ihrer Hand und der Blick, mit dem sie den Mon Calamari bedachte, gewann etwas von jener wachen Schärfe zurück, die sonst nur auf der Brücke eines Kriegsschiffes in ihren Augen aufblitzen. Sie beherrschte dieses gesellschaftliche Terrain, vermutlich besser als viele der Anwesenden überhaupt zu würdigen wussten, wenn sie aber Staatsgeplänkel, ewige Abtasterei und Schattenspiel hätte haben wollen, dann hätte sie das Hapanische Seidenkleid niemals gegen die Republikanische Uniform austauschen müssen.


„Gern. Sobald unsere Anwesenheit hier ihren repräsentativen Zweck erfüllt hat, sollte sich in einer der Offizierslounges nahe des Festgeländes ein ruhigerer Tisch finden lassen. Bei einem brauchbaren Drink spricht es sich ohnehin besser über das gemeinsame Handwerk.“

Für einen Moment hob Ley’eth den Blick über Korrills Schulter hinweg, vorbei an den republikanischen Standarten und hinaus zu jenem Himmel, unter dem irgendwo weit außerhalb ihrer Sicht die Schiffe ihrer beider Eingreifgruppen ihre Bahnen zogen. Dort oben lagen sie, die Werkzeuge... unbenutzt und vergessen, zumindest fühlte es sich in manch stiller Stunde so an.

„Ich bin in den vergangenen Jahren lange genug von den eigentlichen Fronten ferngehalten worden. Wenn ich die Wahl habe, verbringe ich den Rest des Tages lieber über einer Strategieplanungen oder Taktikkarten anstatt mir hier wie so oft lächelnd und winkend die Beine in den Bauch zu stehen.“ Äußerte sie in gemäßigtem Ton etwas schnippisch. Am äußeren Rand des Pavillons tauchten unterdessen weitere republikanische Galauniformen zwischen den lokalen Würdenträgern auf, darunter zwei Offiziere des Jagdkorps, deren Abzeichen sie dem 96. zuordneten, das vor einigen Momenten den Himmel über der Zeremonie mit X-Flüglern, Triebwerksdonner und Feuerwerk ausgefüllt hatte. Ley’eth schenkte ihrer Ankunft einen kurzen Blick, bevor eine Bewegung an ihrer Seite ihre Aufmerksamkeit wieder näher heranzog. Taryn trat gerade weit genug an sie heran, um ihr ein schmales Datapad reichen zu können, ohne sich selbst in das noch immer laufende Gespräch der ranghöheren Gäste zu drängen. Auf dessen Oberfläche liefen die ersten Auszüge der öffentlichen Berichterstattung zusammen, Holonetmeldungen, Bilder der Beitrittsurkunde, Aufnahmen der Flugshow und jene ersten Fragen, mit denen Reporter versuchten, aus dem politischen Schauspiel dieses Tages eine Geschichte zu formen... Schlagzeilenhungrige Wortakrobatik... Hauptsache plakativ und kontrovers. Ley’eth überflog mehrere Westmeldungen recht beiläufig, bis eine Formulierung ihren Blick festhielt, in der die massive republikanische Präsenz auf Lantillies nicht als Schutz, sondern als mögliche beginnende Besatzung gerahmt wurde.

Ihre goldenen Augen verharrten etwas länger auf den wenigen Zeilen. Rings um den Pavillon standen noch immer zwei Platoons republikanischer Marines in feierlicher Uniform, über ihren Köpfen ragten die Standarten der Neuen Republik auf und jenseits des blauen Himmels lagen genügend Kriegsschiffe im Orbit, dass sich das gewählte Wort für eine Kamera, den richtigen Bildausschnitt und eine zugespitzte Frage zumindest mühelos mit Bildern unterfüttern ließ. Die Hapanerin ließ das Datapad sinken und wandte den Blick in Richtung der Kameras, bevor ihre Aufmerksamkeit zu Senatorin Rrooow zurückkehrte.


[Lantillies – Festgelände – Empfangspavillon] Ley’eth Daraay, Ensign Taryn Ka, Captain Reyess Korrill, Senatorin Rrooow, republikanische und lantillianische Delegationen, Offiziere des 96. Jagdgeschwaders
 
Zurück
Oben