Truuine


[Truuine - Nahe Moraband - Gletscherhöhlen der Gala - VIP-Bereich der Nebenbühne]
Agustin, Aren, Ridley Solaris sowie weitere Galagäste


Agustin hörte den Ausführungen des Gouverneurs aufmerksam zu und nahm schließlich doch einen vorsichtigen Schluck aus seinem Glas. Der Geschmack war weniger abschreckend, als der Anblick des darin befindlichen Tieres zunächst vermuten ließ. Begeisterung löste das Getränk bei ihm trotzdem nicht aus. Wesentlich interessanter war ohnehin, was Solaris über die militärische Lage zu berichten hatte.

Dass die Offensive derart eindeutig zugunsten des Imperiums verlief, überraschte Agustin angesichts der ihm bekannten Kräfteverhältnisse kaum. Etwas anderes tat es hingegen durchaus. Der Governor hatte den ursprünglichen Angriff zur Errichtung des Brückenkopfes persönlich angeführt und gedachte offenbar, auch bei einer weiteren Offensive selbst einzugreifen. Agustins Blick wanderte für einen Augenblick zu jenem Lichtschwert, dessen Existenz ihm aus den Holonachrichten längst bekannt gewesen war. Offenbar handelte es sich tatsächlich um mehr als ein bloßes Symbol seiner Verbindung zum Sith-Orden.

Der Bastioner wusste durchaus zu schätzen, wenn ein Mann bereit war, für seine eigenen Entscheidungen Risiken einzugehen. Trotzdem wäre Agustin selbst niemals auf die Idee gekommen, sich während des Dubrillioner Bürgerkrieges mit einem Blaster an die Spitze eines Sturmangriffs zu stellen. Nicht aus mangelnder Bereitschaft zum persönlichen Risiko, sondern weil ein toter Governor seiner Verwaltung denkbar wenig nutzte. Jedoch wusste er auch, dass Aren durchaus auch dazu neigte, selbst Hand anzulegen. Wohl ein Überbleibsel aus seiner Zeit beim Militär.

Ein leichtes Schmunzeln zog über seine Züge.


"Sie haben sich seit unserem letzten Treffen offenbar einige neue Betätigungsfelder erschlossen"

Bemerkte Agustin und deutete mit seinem Glas kaum merklich in Richtung des Lichtschwertes.

"Ich kann den Reiz durchaus nachvollziehen, eine Offensive persönlich zu führen. Versuchen Sie lediglich, Truuine dabei nicht seinen Governor zu nehmen. Das beste Militär der Galaxis ersetzt nur schwer den Mann, bei dem am Ende sämtliche Fäden zusammenlaufen."

Der Tonfall blieb trocken genug, dass die Worte weniger wie eine Belehrung denn wie die Feststellung Mannes wirkten.

Bei den folgenden Worten des
Gouverneurs hob Agustin schließlich leicht eine Augenbraue. Ein Planet, geformt durch ambitionierten und zielstrebigen Willen. Es war eine Formulierung, die ebenso gut aus seinem eigenen Mund hätte stammen können. Vielleicht erklärte genau das einen Teil der Sympathie, die er bereits bei ihrem ersten Treffen für Solaris entwickelt hatte. Der junge Governor besaß jene Eigenschaft, die Agustin bei Verwaltern deutlich höher bewertete als Herkunft, gesellschaftlichen Rang oder gepflegte Rhetorik: Er wollte die Zügel in die Hand nehmen und gestalten. Und offenbar konnte er es auch.

Agustin ließ seinen Blick erneut durch die Gletscherhalle schweifen. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung war keine bloße kulturelle Spielerei. Sie zog Kapital, Einfluss und Aufmerksamkeit an. Auf einer Welt, die vor wenigen Jahren noch darum gekämpft hatte, überhaupt als ernstzunehmender Bestandteil des Imperiums wahrgenommen zu werden, war allein die Zusammensetzung der heutigen Gästeliste ein politischer Erfolg.


"Mit ambitioniertem und zielstrebigem Willen lassen sich erstaunlich viele Probleme lösen"

Ein kühles Lächeln begleitete die Worte.

"Bei unserem ersten Treffen wollten Sie Truuine wirtschaftlich entwickeln und gleichzeitig aus seiner strategischen Bedeutungslosigkeit herausführen. Wenn ich mich heute hier umsehe, würde ich sagen, dass zumindest der erste Teil inzwischen weit über das Planungsstadium hinaus ist."

Agustin nahm einen weiteren, diesmal weniger skeptischen Schluck des Squigs.

"Welcher Wirtschaftszweig steht denn noch in den Startlöchern?"

Die Frage war keineswegs nur höfliches Interesse. Der Myto-Sektor würde in den kommenden Kriegsjahren gewaltige Mengen an Rohstoffen, Versorgungsgütern und industrieller Kapazität benötigen. Falls Solaris auf Truuine etwas entwickelte, das sich sinnvoll in diese Strukturen einbinden ließ, bestand wenig Anlass, damit zu warten, bis irgendein Beamter auf Bastion zufällig dieselbe Idee bekam.

Für einen kurzen Moment sah Agustin zu
Aren hinüber. Erst am vergangenen Abend hatten sie mehrere Stunden darüber gesprochen, wie eng sich die wirtschaftlichen Strukturen ihrer Sektoren künftig miteinander verzahnen ließen. Zweifelsohne, dachte der Bastioner, musste diese Rechnung zeitnah um mehr als zwei Namen erweitert werden.

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Agustin, Aren, Ridley Solaris sowie weitere Galagäste
 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
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Wie erwartet zog Ridleys Erwähnung teilweise selbst an vorderster Front mitzukämpfen, die Aufmerksamkeit von hens Gesprächspartnern auf sich. Amüsiert kommentierte Prada, dass hen sich seit ihrem letzten Treffen wohl neue Betätigungsfelder erschlossen hatte und deutete mit seinem Glas auf hens Lichtschwert. Dann wieder ernst empfahl er jedoch vorsichtig zu sein, da das beste Militär eben nicht jemanden ersetzen konnte, bei dem am Ende alle Fäden zusammenliefen. Ridley nickte.

“Ein wohlkalkuliertes Risiko, Moff Prada, dass das Nützliche mit dem Nötigen verbindet”, erklärte hen und nahm einen weiteren Schluck von hens Drink. “Dem Gegner ein freies Schussfeld auf den Sturmangriff zu nehmen und so viele der Vorteile einer Verteidigungsstellung zu negieren, ist natürlich ein äußerst nützlicher Effekt. Für die Moral, für die Kriegskasse…für Ausgleichszahlungen an Verletzte und Hinterbliebene. Aber es ist natürlich auch eine Aufgabe, die meine Akolythen, die Schülerin meines Vizegouverneurs, oder schlicht Vizegouvereur Severide selbst durchführen können.”

Hens Augen fanden Matthew, der sich heute bewusst in schwarzgoldene Sithroben gekleidet am Rand der Menge aufhielt, und prostete ihm zu. Dann fokussierte sich hens Blick auf eine bekannte Gestalt leicht versetzt zwischen hem und dem Vizegouverneur. Cestus Varro nahm Haltung an und salutierte, als sich ihre Augen begegneten, dann nickte er mit einem leichten Lächeln. Ridley nahm das als Zeichen, dass sich die Gespräche mit Gouverneur T’rsop und Sektoradjutant Zesh als erfolgreich erwiesen hatten. Gerne hätte Ridley sich bei dem noch-Major nach dem aktuellen Stand erkundigt, doch das Gespräch mit den beiden Moffs war schlicht und ergreifend gerade wichtiger.

Ridley schenkte dem Mann ein Nicken als Antwort und wandte sich dann wieder Prada zu:


“Dennoch sehe ich diese Aktivität als nötig an, um meine eigenen Fähigkeiten zu schärfen. Im Training lässt sich nur begrenzt viel simulieren, sodass Praxis an einem gewissen Punkt nötig ist, um weiterzukommen. Noch besser, wenn es kontrollierte Praxis ist, mit freundlichen Soldaten im Rücken, einem medizinischen Team auf Standby und weiteren Sith an der Seite.”

Beiläufig hatte Ridley im Sprechen damit begonnen, den rechten Ärmel von hens Uniform hochzukrempeln, was ein komplexes Muster auf Narben an hens Unterarm enthüllte.

“Ich habe mich auf die Ausbildung zum Sith - neben meinen anderen Pflichten - nur eingelassen, da die Neue sogenannte Republik äußerstes Interesse daran bewiesen hat, mich mit einem Attentat auszuschalten. Wenn ich mich grade nicht verzähle, waren es bislang ein halbes Dutzend Anläufe, einer kreativer als der andere. Wie der schändliche Mord an unserem geliebten Imperator Allegious bewiesen hat, ist die Entsendung eines Jedi-Attentäters nur die nächste Eskalationsstufe. Ich beabsichtige, dafür bereit zu sein. Was jedoch Praxiserfahrung und…weiteres, extrakurrikulares Engagement im Orden verlangt.”

Hen zuckte mit den Schultern und lächelte entwaffnend. “Was zusammenlaufende Fäden angeht…ja. Mein Ableben wäre in der Tat ärgerlich. Doch agiert mein Team autonom genug, dass mein Projekt auch einen Enthauptungsschlag überlebt, bis die imperiale Hierarchie einen Nachfolger benennen kann. Dezentralisierung und Delegation - schlicht aus Risikomanagement. Da ich mein Team von Grund auf neubesetzen konnte, gibt es auch kaum Widerstände durch Inkompetenz, Bequemlichkeit, oder Vetternwirtschaft. Für den Moment zumindest.”

Moff Pradas nächster Kommentar bezog sich auf einen von Ridleys Sätzen, der ihm offensichtlich positiv aufgefallen war. Mit ambitioniertem und zielstrebigem Willen ließen sich viele Probleme lösen.

Ridley nickte und lauschte den nächsten Worten von hens gegenüber, der den Bogen noch einmal zu ihrem letzten Treffen spannte und sich dann erkundigte, von welchem Wirtschaftszweig in den Startlöchern hen denn gesprochen hatte.


“Moff Vayliuar werde ich hiermit zwar nichts Neues erzählen, da die Fourb-Gruppe natürlich involviert ist - aber es geht um die wirtschaftliche Erschließung von Truuines Monden. Aktuell wird über die Lieferung von Eis von Kyyne nach Cona verhandelt, doch der wirklich interessante Teil wird im Bergbau auf Naar liegen. Unter der aggressiven Salzsole liegen wertvolle Materialien wie etwa Neutronium verborgen, die besonders im Schiffsbau geschätzt werden.”

Ridley nahm einen Schluck von hens sich langsam dem Ende zuneigenden Drink, um hens Zunge noch einmal zu befeuchten.

“Es ist ein komplexes Projekt mit nicht zu unterschätzenden Hindernissen, aber zusammen mit der Fourb-Gruppe die den unterirdischen Abbau übernimmt und der Verwaltung von Quarzite, die uns einen soliden Weltraumaufzug zum Abtransport bauen wird, scheinen die größten Probleme unter Kontrolle zu sein.”

Ridley lächelte, warf einen Blick in hens Glas und richtete hens Augen dann wieder auf hens Gegenüber.

“In der Tat haben wir viele unserer wirtschaftlichen Ziele erreicht. Truuines Bevölkerung hat sich verdoppelt, Wirtschaftszweige werden aufgebaut und diversifiziert, und aufwendige Infrastrukturprojekte mittels immer neuer Arbeiterlieferungen umgesetzt. Was strategische Bedeutungslosigkeit angeht boxen wir mit knapp acht Millionen Einwohnern zwar deutlich oberhalb unserer Gewichtsklasse was Kolto, Schiffsbau und Verarbeitung kriegswichtiger Materialien angeht, aber es fehlt an Größenordnung. So wie ich das sehe, muss Truuine ab diesem Punkt skalieren. Eine Werft im Orbit, Ansiedelung einer Pharmaindustrie, um das meiste aus unserem Kolto zu machen, Bergbau im großen Stil auf Naar.”

Für einen Moment überlegte Ridley, ob hen etwas vergessen hatte.

“Und dasselbe natürlich auch beim ewigen Thema der Bevölkerungssteigerung. Eine weitere Verdopplung in absehbarer Zeit wäre ein guter Anfang - auch wenn wir noch keine guten Pläne in der Schublade haben, wie das abgesehen von bewährten Methoden anzufangen ist.”


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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Schiffswerft im Orbit des Planeten / GSD 'Fides'] - mit Commander Dur Tovi, Captain Thade Skywalker und Lieutenant Commander Baran Gargatosh

Commander Tovi stöhnte, als das Signal des baldigen Austritts aus dem Hyperraum ihn aus seinem traumlosen Schlummer riss. Und dann erneut, als sich seine Wirbelsäulenverletzung beim Aufstehen meldete.
Bevor er wieder auf die Brücke ging, trank er ein Glas Wasser und betrachtete seine bürokratische Arbeit. Auf die versendeten Beileidsbekundungen und Anträge auf Beihilfen. Auf die doch erheblich lang gewordene Schadensliste, die mit Sicherheit in den nächsten Stunden noch um einiges durch die Techniker- und Medizinteams ergänzt werden würde. Auf seine Nachrichten an die Truppen in der ehemaligen Piratenbasis. Auf seine persönlichen Kampfnotizen und die inzwischen vom Schiffcomputer fertig analysierten und kategorisierten Daten der letzten Gefechte. Wohlgemerkt nur analysiert und kategorisiert - eine Interpretation ließ sich der Commander stets erst von der Technologie geben, nachdem er selbst und seine Mitoffiziere Deutungen gegeben hatten. Er wollte sein eigenständiges Denken wahren und schärfen. Schließlich strebte er noch ein Paar Beförderungen an.

Dann fiel sein Blick auf seine zuletzt verschickte Nachricht. Eine Direktnachricht an das Büro vom Truuiner
Gouverneur Ridley Solaris. Eine Nachricht, in der Tovi sein ehrliches Lob für das Vorgehen des Gouverneurs mit einem dienstlichen Anliegen verband, welches der Commander schon seit einiger Zeit anstrebte:


"Sehr geehrter Gouverneur Solaris.
Es war mir eine Pflicht und zugleich Ehre, dass ich Ihnen bei der Befriedung und Sicherung des neutralen Raums bei Ihrem Planeten helfen durfte. Besonders geehrt hat mich die Zusammenarbeit mit Captain Skywalker und Lieutenant Commander Gargatosh.
Aus der Befriedung wurde anschließend direkt noch eine Rettungsmission für einen Imperialen Konvoi auf dem Handelsweg zwischen Gyndine und Fabrin.
Bei dieser gab es härteren und organisierteren Widerstand der Piraten, als es normalerweise üblich ist. Es waren sogar zwei Chimären-Marauders bei den Gesetzlosen. Dies und im Zusammenhang mit der strategischen Basis im neutralen Raum lässt mich vermuten, dass diese Piraten Teil einer großen Organisation sein könnten und nicht einfache Räuber.
Falls Sie weitere militärische Operationen dagegen planen - auch in Zusammenarbeit mit den umliegenden Systemen - stünde ich mit der 'Fides' bereit.
Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Sie in Ihrem Kampf gegen Schmuggel und Piraterie auf ganzer Linie siegen werden.

Ein Anliegen habe ich aber noch - in Anbetracht des Krieges und der Bedrohung durch die Piraten. Ich kommandiere ein Trägerschiff (GSD). Allerdings sind alle meiner vier Staffeln normale TIE-Jäger. Effizient und optimal für die Präsenz in befriedeten Gebieten. Allerdings leider doch zu schwach für Kampfeinsätze, die sich nun in Zukunft für uns mehren würden. Würden Sie bei der Admiralität und den militärischen Werften mich bei meinem Antrag auf ein-zwei Geschwader von TIE-Abfangjägern unterstützen?
Denn ich denke, dass meine Mannschaft und ich mit noch besseren Maschinen und Ausrüstung den Dienst für die Ordnung des Imperiums noch besser leisten können. Auf Kosten jeglicher Rebellion.
Ich bedanke mich vielmals und hochachtungsvoll.
Lang lebe das Imperium!"


Vielleicht würde Tovi ja jetzt endlich etwas aufstocken können. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, wusste er tief in seinem Inneren, dass er bis jetzt aus einer Mischung von seinen politisch aneckenden Meinungen und seinen bis jetzt ausgebliebenen strategischen Sternleistungen diesen Antrag mehrfach verwehrt bekommen hatte.
Noch weniger einzugestehen für ihn, und dafür umso bewusster, war, dass er bis vor kurzem auch keine schweren Missionen zu bewältigen hatte. Die letzten Stunden waren seit seiner Beteiligung am Eleminieren eines anderen Piratennests vor über sechs Jahren.

Aber vielleicht würde sich für ihn ja jetzt die Möglichkeit ergeben, in Ausstattung und Einsätzen und daher mittelfristig im Rang aufzusteigen. Und endlich an entscheidenderen Punkten die Sicherheit und das Wohl der Imperialen Bevölkerung zu wahren.
Bei den Gedanken daran konnte er einem zufriedenen Lächeln nicht widerstehen.
Noch einmal unter Schmerzen gestreckt und der Commander ging schnellen - und vorsichtigen - Schrittes aus seinem Büro raus und betrat die wenige Meter entfernte Brücke.

Nach der Übergabe des Kommandos kam nun sicherlich gleich eine der nervigeren Aufgaben eines Schiffskommandanten. Kaum hatte er diesen Gedanken, wurden sie auch schon von der Werft kontaktiert:

"GSD 'Fides'. Senden Sie uns ihre Schiffscodes und nennen Sie Ihr Anliegen", ertönte die monotone Stimme eines Manner, der in seinen Zwanzigern oder Sechzigern sein konnte und den lieben langen Tag nichts anderes machte, als diese Routineaufgaben zu erfüllen.

Tovi nickte dem Sensoroffizier zu, damit dieser die Berechtigungs- und Verifizierungscodes der 'Fides' übermittelte. Zeitgleich antwortete der Commander:
"Hier spricht Commander Dur Tovi von der 'Fides'. Wir kommen, zusammen mit Captain Thade Skywalker - 546 - und Lieutenant Commander Baran Gargatosh - MAR -, zurück von unserer Befriedungsmission im Asteroidenfeld nahe der Handelsroute von Gyndine und Fabrin. Dort haben wir auch dem Imperialen Konvoi mit der Kennung IM-3495-D gegen einen Piratenüberfall beigestanden sowie einen Carrack erbeutet. Wir haben Schäden erlitten und bitten um Reparaturmaßnahmen."
Die Kennung las der Commander von seinem Datapad aus den Schlachtdaten ab, wusste er doch, wie wichtig eine genaue Dokumentation zur Überprüfung und Zuordnung war - und damit für eine schnelle Bearbeitung.

"Commander Tovi. Übersenden Sie uns die Schadensdaten und wir werden sehen, wann wir Sie reinschieben können", verkündete die monotone Stimme einige Minuten später. Einige Minuten, die dem Kommandanten der 'Fides' wie eine Ewigkeit vorkamen und insbesondere im Kontrast zu der Schlacht, in der in Sekundenbruchteilen Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden mussten, seine Nerven mehr anspannten als manch Angriff auf sein Schiff.
Aber
Tovi blieb zunächst ruhig. Er wusste, dass alles seine Ordnung haben musste. Nur wenn alles korrekt ausgefüllt war, würde die richtige Familie die Belobigung oder Sterbebenachrichtigung ihres Sohnes erhalten; der Sternenzerstörer die richtige Menge an richtigem Treibstoff; das Lazarett seine neuen Bacta-Lieferungen; die Soldaten ihren Urlaub.

Doch all dieses Wissen konnten nichts gegen seinen Frust und seine Ungeduld gegenüber dem Werftoffizier ausrichten. Zu sehr war es ein Kontrast zu dem Führen eines Kampfschiffes - und zu sehr sehnte sich der Kuati nach dem Ende des heutigen dienstlichen Tages, einer Dokumentation über Schiffbau und endlich eine Dusche.
Er nickte dem Sensoroffizier erneut zu, damit dieser den Schadenskatalog übermittelte. Mit einem Blick auf die nun in Sichtweite schwebende Werft, bekam der Commander die berechtigte Sorge, ob diese eher kleine Werft überhaupt die Geschütze seines Schiffes reparieren und ersetzen könnte. Zumindest den Hüllenbruch sollten sie gut in den Griff bekommen.
Notfalls müsste die 'Fides' ohne volle Feuerkraft zur nächsten großen militärischen Werft fliegen.


"Bitte haben Sie einen Moment Geduld. Wir schauen, ob Platz für Sie da ist", kam die nächste Aktualisierung des Status.
"Ob Platz für Sie da ist?", dachte
Tovi erzürnt. Und wies dann noch einmal darauf hin:
"Als Teil der Imperialen Flotte, die gerade von einem militärischen Einsatz zurück ist, haben die 'Fides', die 'Huntress' und die 'Reconquista' Priorisierung A+", wies er sein unbekanntes Gegenüber in sachlicher Sprache hin, in die er aber die scharfe Betonung eines Offiziers einbaute.
Nach einer weiteren kurze Pause kam die - doch etwas entschuldigend klingende - Antwort:

"Selbstverständlich Commander. Bitte haben Sie noch etwas Geduld. Wir sollten bald fertig sein."

Der Commander nickte zufrieden und fragte sich, warum er das hatte extra sagen müssen - es stand doch alles (zumal detaillierter und rechtlich stichfester in den übermittelten Daten. Das war wohl ein Geheimnis der Bürokratie.

Während sie also warteten schaute
Tovi aus dem Brückenfenster und sah mit gedrehtem Kopf auch die anderen beiden - die nun ja anderen drei - Schiffe ihrer Einsatztruppe. Die 'Reconquista' sah mindestens so schlecht aus wie die 'Fides'. Captain Skywalker schien am besten weggekommen zu sein.
Stolz und Ehre fühlte er in seiner Brust, als er an die beiden anderen Offiziere dachte. Es waren nur zwei relativ kurze Schlachten gewesen - und doch hatten sie sich als gutes Team entpuppt und waren ein Beweis für die Qualität der Imperialen Akademien. Ohne einander wäre vermutlich jedes ihrer Schiffe komplett zerstört oder zum Rückzug gezwungen worden.

Und nun würden sie gleich ihre Abschlussbesprechung haben. Er hatte von
Skywalker schon die Anfrage bekommen, ob des Platzes und der Einfachheit halber wieder auf der 'Fides' getagt werden könne. Was Tovi natürlich niemals verneint hätte - sein Schiff wurde dadurch ja zu so etwas wie der Besprechungszentrale und das Hauptquartier. Was er natürlich niemandem sagte, sich aber an dem Gedanken gütlich tat.
Daher zog er sein Kommlink und öffnete einen allgemeinen Schiffskanal:
"Tagungsraum herrichten und für eine Besprechung vorbereiten. Schildert den Weg dahin aus - wenn ich es recht gesehen habe, ist der direkte Lift zu diesem Raum von den Schäden betroffen und nicht nutzbar. Und bereitet einen angemessenen Empfang vor."
Dieser angemessene Empfang würde anstatt Sturmtrupplern zwar mit Unteroffizieren vorlieb nehmen müssen - aber so war das halt, wenn die komplette Schiffsdivision an Trupplern entweder in einer befriedeten Piratenbasis auf Abholung wartete.

Schließlich, nach einer weiteren Stunde des Wartens und einer des Andockens an die Werft, öffnete er den Kanal zu
Skywalker und Gargatosch:
"Captain Skywalker, Lieutenant Commander Gargatosh. Wir sind soweit. Es würde mich sehr freuen, Sie gleich wieder im Besprechungssaal der 'Fides' willkommen zu heißen."

Einsatzstatus der 'Fides':

Schilde: 80%
Hülle: 52% - Schäden: leichter Hüllenbruch auf der Steuerbordseite, zerstörte Leitungen und Turbolifts im angrenzenden Bereich
Geschütze: 70% - Schäden: zerstörte Geschütze: 2 Zwillingsturbolaser (Steuerbord), beschädigte Geschütze: 1 Zwillingsturbolaser (Bug), 2 Vierlingslaserkanonen (Steuerbord), beschädigte Zielerfassung Torpedowerfer (Bug)
Protonentorpedowerfer: Front 06/20, Heck 14/20
Das Schiff befindet sich in Reparatur und Aufmunitionierung.
Jägereskorte: Staffel 1 10/12 TIE/ln, Staffel 2 12/12 TIE/ln, Staffel 3 9/12 TIE/ln, Staffel 4 10/12 TIE/ln
Truppenmoral: Hoch


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Agustin, Aren, Ridley Solaris sowie weitere Galagäste


Agustin hörte den Ausführungen des Gouverneurs aufmerksam zu. Ein halbes Dutzend Attentatsversuche waren selbst für imperiale Verhältnisse eine bemerkenswerte Bilanz. Unter diesen Umständen erschien ihm die Entscheidung, sich im Sith-Orden ausbilden zu lassen, durchaus nachvollziehbar. Noch interessanter fand er allerdings, dass Solaris seinen Verwaltungsapparat offenbar so aufgebaut hatte, dass dieser auch ohne ihn funktionieren konnte. Ein Problem, mit dem sich Agustin in den vergangenen Wochen selbst intensiv beschäftigt hatte. Mit dem Unterschied, dass er auf Dubrillion über Jahre gewachsene Strukturen hatte aufbrechen müssen, während der junge Governor seine Verwaltung weitgehend nach eigenen Vorstellungen hatte gestalten können. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

"Bei der Dezentralisierung unserer Verwaltungsapparate scheinen wir uns mit erstaunlich ähnlichen Problemen beschäftigt zu haben. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung versichern, dass es wesentlich einfacher ist, Kompetenzen zu verteilen, als anschließend tatsächlich darauf zu verzichten, sie selbst auszuüben."

Ein schmales Schmunzeln begleitete die Worte, ehe Agustins Aufmerksamkeit wieder den wirtschaftlichen Plänen Truuines galt. Die Erschließung Naars war angesichts seiner Rohstoffvorkommen ausgesprochen interessant. Dass Aren über die Fourb-Gruppe bereits daran beteiligt war, überraschte ihn dagegen kaum. Sein alter Freund verstand es bekanntlich, sich vielversprechende Gelegenheiten frühzeitig zu sichern. Was Agustin allerdings wesentlich stärker beschäftigte, war die angestrebte Größenordnung der wirtschaftlichen Expansion. Acht Millionen Einwohner waren eine überschaubare Grundlage für derart ambitionierte Vorhaben.

"Eine Orbitalwerft, pharmazeutische Industrie und großflächiger Rohstoffabbau. Bei lediglich acht Millionen Einwohnern dürfte die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte mittelfristig zu Ihrem größten Problem werden. Selbst dann, wenn Ihnen eine weitere Verdopplung der Bevölkerung gelingt."

Agustin nahm einen weiteren Schluck seines inzwischen beinahe geleerten Getränks und warf Aren einen kurzen Seitenblick zu. Die wirtschaftlichen Verflechtungen ihrer beiden Sektoren hatten sie erst am vergangenen Abend ausführlich diskutiert. Vielleicht bot sich hier tatsächlich eine Gelegenheit, den Kreis zu erweitern.

"Ich würde jedenfalls nicht ausschließen, dass sich einige Ihrer Vorhaben mit unseren Interessen im Norden verbinden lassen. Myto und Prefsbelt verfügen über industrielle Kapazitäten und etablierte Wirtschaftsstrukturen, während Aren bereits unmittelbar an Ihren Projekten beteiligt ist. Vielleicht sollten wir unsere zuständigen Verwaltungen bei Gelegenheit an einen Tisch bringen und prüfen, wo eine Zusammenarbeit sinnvoll wäre."

Doch Agustin dachte bereits einen Schritt weiter. Der Mangel an Arbeitskräften war ihm keineswegs fremd. Auf Dubrillion hatte er im Zuge der Niederschlagung des südlichen Aufstandes und der anschließenden Neuordnung der betroffenen Gebiete beträchtliche Bevölkerungsgruppen unter staatliche Kontrolle gebracht. Nicht alle davon waren für anspruchsvolle industrielle Tätigkeiten geeignet, doch beim Aufbau von Infrastruktur, bei Transportarbeiten und in der Rohstoffgewinnung bestanden andere Anforderungen als in den Entwicklungsabteilungen einer Werft. Und angesichts des bevorstehenden Krieges war ohnehin damit zu rechnen, dass das Imperium früher oder später weitere Gebiete und damit zusätzliche Arbeitskräfte unter seine Kontrolle bringen würde.

"Was Ihren unmittelbaren Personalbedarf betrifft, könnte ich Ihnen darüber hinaus zusätzliche Gefangene und Arbeitskräfte aus dem dubrillianischen Süden zur Verfügung stellen. Ich werde prüfen lassen, welche Kontingente wir entbehren können."

Der Bastioner sprach darüber mit derselben nüchternen Selbstverständlichkeit, mit der er zuvor über industrielle Kapazitäten und wirtschaftliche Zuständigkeiten gesprochen hatte.

"Und sobald der Krieg weitere Welten unter unsere Kontrolle bringt, könnte ich mich bei den zuständigen Stellen dafür starkmachen, dass ein Teil des dort neu gewonnenen Humankapitals bevorzugt Truuine zugewiesen wird. Damit werden Sie Ihren Bedarf an Fachkräften sicherlich nicht vollständig decken können, aber zumindest die arbeitsintensiven Teile Ihrer Infrastruktur- und Erschließungsprojekte ließen sich erheblich beschleunigen."

Der Moff hielt einen Augenblick inne. Selbstverständlich war dieses Angebot nicht vollkommen uneigennützig. Wenn der Myto-Sektor die wirtschaftliche Entwicklung Truuines unterstützte, musste daraus langfristig auch ein entsprechender Nutzen für die eigenen Interessen erwachsen. Der Bastioner setzte das Glas ab und wandte sich wieder vollständig Solaris zu.

"Im Gegenzug würde ich natürlich erwarten, dass die daraus entstehenden Rohstofflieferungen und industriellen Erzeugnisse bevorzugt Myto, Prefsbelt und den übrigen strategisch wichtigen Sektoren des Nordens zugutekommen. Gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Krieg wäre es ausgesprochen sinnvoll, unsere Versorgungs- und Produktionskapazitäten enger miteinander zu verzahnen. Schließlich soll sich eine solche Zusammenarbeit für alle Beteiligten auszahlen."

Ein schmales, geschäftsmäßiges Lächeln erschien auf seinen Zügen. Es war schon bemerkenswert, wie viele wirtschaftliche und politische Möglichkeiten sich auf einer Veranstaltung eröffneten, deren eigentlicher Zweck darin bestand, Kunstwerke zu betrachten. Abella hätte an dieser Feststellung vermutlich wenig Freude gehabt. Agustin hingegen war zunehmend überzeugt davon, dass die Reise nach Truuine eine ausgezeichnete Entscheidung gewesen war. Und das zum zweiten Mal.

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| Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Theranos Zesh, Kanto Garison, Kael Reed; weiter entfernt Ridley Solaris, Kal Andrim, Lucien Velcrest, Agustin Prada, Aren Vayliuar, T'rsop, Lucien Velcrest, Cestus Varro, Nira Merash, Matthew Severide und allerhand weiterer Gäste

Während Lily das bereitgestellte Glas entgegennahm und sich Theranos‘ Präsentation zuwandte, blieb Alizée mit den übrigen Begleitern in angemessenem Abstand hinter ihnen. Vermutlich bereitete sie bereits die nachfolgende Bestellliste auf einem ihrer mitgeführten Datenpads vor. Doch soweit war es noch nicht.

Anfangs bemühte sich die Gouverneurin von Bastion durchaus, den Ausführungen zu folgen. Die Namen der angebotenen Weine prägten sich ja gerade so eben noch ein, ebenso wie die grobe Unterscheidung zwischen den verschiedenen Sorten. Danach verloren sich Theranos und Kael jedoch in einer prätentiös anmutenden Unterhaltung zweier selbsternannter Kenner, der sie aus zweierlei Gründen nicht folgen konnte: fehlende Fachkenntnis und fehlendes Interesse. Sie probierte den Wein, hörte mit gesellschaftlich nicht zu kritisierender Mimik zu und stellte ziemlich schnell fest, dass es für ihr eigenes Urteil vollkommen egal war, weshalb dieses Getränk nun so schmeckte, wie es schmeckte. Entweder gefiel es ihr oder eben nicht. Wein war für sie einfach nur Wein. Aber was ertrug man nicht alles für einen aufgefüllten Keller?

Kaels zunehmend ausschweifende Beurteilungen machten die Sache nicht besser. Während er und Theranos sich mit einer Begeisterung austauschten, die an zwei aufeinandertreffende Vierjährige erinnerte, welche sich in einem imperialen Kinder-Block über das neueste Sternjäger-Modell unterhielten, beschränkte Lilivienne sich auf das Nippen an ihrem Glas. Irgendwann hörte sie zwangsläufig auf, die einzelnen Erläuterungen überhaupt richtig wahrzunehmen. Dass Theranos sich zwischendurch wegen eines hinzugetretenen Mannes entfernte, gewährte ihr wenigstens eine kurze Pause für die Ohren. Das abseits geführte Gespräch verfolgte sie nicht, nickte ihm jedoch mit einstudierter Freundlichkeit zu, als er zurückkehrte.

Als sich endlich eine Lücke im gegenseitig aufgebauschten Redeschwall der Weinexperten auftat, nutzte Lily sie, bevor einer von ihnen die Chance bekam, den Mund erneut zu öffnen.


„Ich fürchte, mein schlichtes Urteil ist eindeutig. Dieser Wein hier gefällt mir, und einige andere werde ich gewiss ebenfalls trinken können. Stellen Sie mir daraus doch bitte eine für Sie angemessen erscheinende Auswahl zusammen, die ich meinen Gästen auf Bastion präsentieren darf, Sektoradjutant.“

Ihr Lächeln blieb tadellos, wenngleich sie darin unwillkürlich eine gewisse Beanspruchung ihrer Geduld erkennen ließ.

„Ich traue Ihrer Expertise vollkommen. Alizée wird die Liste gerne entgegennehmen.“

Es lag nicht in ihrem Interesse, jede einzelne Flasche zu kennen, die in ihren Keller wandern sollte.

„Ich bin mir sicher, über eine angebrachte Kompensation werden wir uns einig. Auf die eine oder andere Weise.“

Sie lachte nun unschuldig. Natürlich war es nur Höflichkeit, Theranos eine Bezahlung für seine Waren anzubieten. Die Ansprache von Kanto Garison kam dabei im günstigsten Moment.

„Vielleicht gewähren Sie mir Einblick in den Stand von Quarzite, Gouverneur, während die Herren das Symposium dieser Verkostung fortführen?“

Ein fragender Blick in die Runde folgte. Um dem Vorschlag jedoch eine gewisse Verbindlichkeit zu verleihen, hakte sie sich kurzerhand nonchalant beim Arm des Adeligen unter. Erst nachdem sie einige Schritte vorangegangen waren, kehrte sie zu Kantos eigentlicher Frage zurück, während ihr Blick bereits zum gegenüberliegenden Stand von Quarzite wanderte.

„Sie sollten während dieser Tage auf keinen Fall Professor Nemdars Beitrag verpassen. Die Regionalverwaltung von Bastion hat das Projekt als Mäzen finanziert. Allein aus Gründen meiner eigenen Reputation muss ich Ihnen schon versichern, dass es erlebenswert ist.“

Ob sich der Professor diesen Vertrauensvorschuss tatsächlich verdiente, würden sie beide wohl zusammen herausfinden müssen. Ihr Lächeln verriet derweil jedoch, dass sie sich dieser Prüfung durchaus eingehend widmen wollte. Zunächst stand jedoch Quarzite auf dem Programm. Irgendwie war sie zudem froh, keine weitere gelehrte Abhandlung über den Inhalt eines Weinglases ertragen zu müssen.

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Lilivienne Évarielle d'Oridin, Theranos Zesh, Kanto Garison, Kael Reed; weiter entfernt Ridley Solaris, Kal Andrim, Lucien Velcrest, Agustin Prada, Aren Vayliuar, T'rsop, Lucien Velcrest, Cestus Varro, Nira Merash, Matthew Severide und allerhand weiterer Gäste
 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
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Ridley musste sich ein triumphierendes Grinsen verkneifen, während hen Moff Pradas Worten lauschte. Hens Politikergesicht war perfekt, doch war es wirklich schwer ernst zu bleiben, während der Mann in knappen Worten eine Analyse der vorliegenden Probleme durchführte und dann unumwunden seine Hilfe anbot.

Er sah die Verfügbarkeit von Fachkräften als Problem an? Er bot an zu prüfen, ob sich Ridleys Ambitionen an seine eigenen und Projekte und die Moff Vayliuars anbinden ließen. Ridley selbst identifizierte die generelle Anzahl Truuiner Einwohner als zu lösende Herausforderung? Moff Prada bot an, sich persönlich dafür einzusetzen, Dubrillioner Gefangene und Bürger im Krieg eroberter Welten bevorzugt Truuine zuzuweisen.

Und der Preis?

Ein sicherer Abnehmer für die auf Truuine verarbeiteten Rohstoffe. Also ein Win-Win, auch wenn dem Mann sicher auch vergünstigte Lieferpreise vorschwebten. Dennoch ein mehr als faires Angebot, das sich fast schon wie unverschämtes Glück anfühlte, in Wahrheit aber natürlich direkt daraus resultierte, wie Ridley den letzten Vertrauensvorschuss verwandelt hatte. Prada investierte nicht ins Blaue hinein. Und auch nicht aus der Güte seines Herzens heraus.

Er hatte die Früchte seiner letzten Investition erkannt und wollte nun einen höheren Einsatz anlegen.


“Ich danke Ihnen für das großzügige Angebot, Moff Prada! Wir sollten uns zu diesem Thema noch einmal persönlich zusammensetzen, nachdem unsere Teams-”

“Oh, da komme ich ja wie aufs Stichwort!”, unterbrach Ridley eine unbekannte Stimme. Hen drehte sich um und erkannte einen Mann um die dreißig, der in diesem Moment durch die Menge trat und sich ihrer Gruppe anschloss. Gekleidet war er in eine Paradeuniform des Sternenjägercorps, trug jedoch die Rangplakette eines Sektoradjutanten zur Schau. Darüber funkelte eine violette Bandschnalle mit den Buchstaben Aurek und Cresh, und darunter ein Orden, den selbst Ridleys Laienauge als Kreuz der Aufopferung, dritter Klasse, erkannte. Erst dann fiel hens Blick auf den Gehstock, auf den er sich stützte.

“Entschuldigen Sie bitte die Unterbrechung, meine Herren. Moff Prada, Moff Vayliuar…”, fuhr der Mann an Ridleys Gesprächspartner gewandt fort. Ein dünnes Lächeln zupfte an dem perfekt geschnittenen Schnurrbart. “Mein Name ist Sterros Milan van Begrretz, Sektoradjutant für Wirtschaft im Manaan-Sektor. Moff Ranganathan hat mich gebeten, ein Auge auf unseren guten Herrn Solaris zu haben. Aktuell wird unser Moff leider von wichtigen Geschäften auf Manaan festgehalten.”

Ridley runzelte die Stirn. Das war das erste Mal, dass hen davon hörte, dass ein hem vorgesetzter Verwalter den Weg nach Truuine zurückgelegt hatte. Ganz zu schweigen davon, dass ein Manaaner Sektoradjutant zur Gala gekommen war. Den Fremden hatte hen noch nie gesehen und der Name van Begrretz war hem bisher als frisch ernannter Gouverneur von Britaxis Minor im Gedächtnis gewesen. Wobei ‘frisch’ natürlich im Verhältnis gesehen werden musste. Wann hatte hen von der Ernennung des Mannes gehört, vor einem Jahr?

“Guten Tag, Sektoradjutant van Beggretz”, begrüßte Ridley den Mann, halb versucht nachzufragen, was aus dem alten Sektoradjutant für Wirtschaft im Manaan-Sektor geworden war. Hatte hen nicht erst vor zwei oder drei Monaten noch einen Bericht an ihn abgesetzt? Wie standen die Chancen, dass der Mann den Wirrungen des Machtwechsels zum Opfer gefallen war?

Van Begrretz ignorierte hens Begrüßung ohne eine Miene zu verziehen und fuhr stattdessen an die Moffs gewandt fort:


“Ich kam nicht umhin, Ihr äußerst großzügiges Angebot zu überhören, Moff Prada. Ich empfehle jedoch, eine eingehende Prüfung vorzunehmen, mit wem Sie sich da einlassen. Solaris mag exzellent darin sein, den Tatsachen einen wirklich schönen Anstrich zu verpassen, jedoch empfiehlt es sich, ein wenig an der Oberfläche zu kratzen, um die tatsächlichen Gegebenheiten zu enthüllen.”

Der Sektoradjutant lächelte gutmütig und warf Ridley dann einen Seitenblick zu.

“Es ist eine Gewohnheit, die er sicher aus einer routinemäßigen Verschleierung seiner wahren Abstammung übernommen hat. Schönheitsoperationen, um offensichtlich nichtmenschliche Augen und Hände unkenntlich zu machen. Auf Kosten der Verwaltung! Können Sie sich das vorstellen?”

Während van Begrretz gesprochen hatte, war Ridleys wohlgepflegte Politikermaske für einen Moment verrutscht. Hens Mund war aufgeklappt und nun kroch hem eine tiefe Röte über die Wangen bis unter die Haarwurzeln.

Derweil arbeitete hens Verstand fieberhaft. Offensichtlich hatte sich ein Feind nach Truuine verirrt, der die perfekte Gelegenheit ausgemacht zu haben glaubte, hem einen Dolch in den Rücken zu rammen. Hen hätte es kommensehen müssen. Ranganathan hatte sich zu lange zu ruhig verhalten.

Wie jedoch damit umgehen? Van Begrretz war hens Vorgesetzter. Ihm resolut zu widersprechen, würde ihm nur eine Entschuldigung liefern, Sanktionen zu verhängen. Dazu war sein Auftakt klug gewählt. Hen hatte sich wirklich Augen und Hände ersetzen lassen, aber auf HENS Kosten. Das Detail anzufechten bestätigte implizit alles andere, was der Sektoradjutant von sich gegeben hatte.


“Die bionischen Verbesserungen fanden im Einklang mit meiner arkanianischen Kultur und auf eigene Kosten statt, Sektoradjutant”, erwiderte hen kühl. “Da wurden in den Turbulenzen Ihres kürzlichenn Amtsantrittes sicherlich ein paar Dinge durcheinandergeworfen. Gratulation übrigens, ich fürchte, ich hatte noch nicht die Gelegenheit.”

Das erste Mal richteten sich van Begrretz’ grüne Augen direkt auf Ridley. Sein Mund hatte das Lächeln nicht eingebüßt. Im Gegenteil, es war noch breiter geworden.

“Was sicherlich nicht durcheinandergeworfen wurde, sind die Berichte über Ihre…Sonderinteressen der letzten paar Monate”, gab der Mann zurück. Dann wandte er sich wieder an Prada und Vayliuar: “Das war wirklich ganz kurios! Hatten Sie schonmal mit einem Gouverneur zu tun, der des Regierens überdrüssig geworden ist? Der seinen Planeten quasi als Wochenendjob betreut? Wie war das?” Er warf Ridley einen weiteren Seitenblick zu und schnaubte verächtlich. “Dreimonatige Grundausbildung innerhalb seiner eigenen Planetaren Sicherheitskräfte, um ein bisschen Krieg zu spielen? Kommen Sie, Gouverneur, erzählen Sie doch den Herren Moffs welchen…Rang” Es war fast schon lustig zu hören, wie viel Verachtung in ein einiges Wort van Begrretz legen konnte. Fast. “Sie sich selbst nach Ihrem kleinen Abenteuerurlaub verliehen haben… Nein, Moment, ich weiß es wieder: Private 1st Class.”

Nur mit Mühe konnte Ridley sich davon abhalten, nicht die Fäuste zu ballen. In hens Brust regte sich die Dunkle Seite und verlangte danach das Kerlchen vor hem auf seinen Platz zu verweisen. Doch das war nicht möglich. Das wäre ein Fehler gewesen.

“Ich habe auch während der Ausbildung mehr als zehn Stunden pro Tag als Gouverneur gearbeitet. Auch wenn es mir neu ist, dass wir im Manaan-Sektor Erfolg am Stundenzettel messen und nicht an Ergebnissen.”

“Ergebnisse wie die verschleppte Rebellion auf imperialem Territorium, die Sie die ganze Zeit über mit vielleicht zehn Minuten Bombardement hätten zerquetschen können? Und die nun genug Mittel hat, um Ihren Streitkräften ein ernstzunehmender Gegner zu sein?” Er grinste gehässig. “Und überhaupt, geschlafen haben Sie dann wohl in einem Taschenuniversum, in dem die Zeit langsamer vergeht, was?”

“Meine Fähigkeiten als Sith erlauben es mir, mein Ruhebedürfnis mit knapp vier Stunden Meditation pro Tag zu erfüllen”, gab hen zurück, sah jedoch jetzt schon, dass es sinnlos war. Der Mann hatte gar nicht die Absicht, sich ernsthaft mit Ridleys herbeigeredeten Verfehlungen zu beschäftigen. Sinn und Zweck der Aktion war hens Ansehen gegenüber hens Geschäftspartnern mit einer Flut aus Anschuldigungen, Verdrehungen und Halbwahrheiten in den Dreck zu ziehen. Auf jeden Punkt, dem hen widersprach, schüttelte van Begrretz einfach zwei neue aus dem Ärmel. Es war keine Situation, in der hen sich schon einmal wiedergefunden hatte und nichts, wogegen hen eine Strategie parat hatte.

Vielleicht hätte hen es kommensehen müssen. Doch wie?

Irgendetwas war offensichtlich schief gegangen, war hen doch weder über die Anwesenheit des Sektoradjutanten, noch über seine Absichten gewarnt worden. Hen hätte Geld darauf gesetzt, dass das mit der systematischen Überarbeitung von hens Verwaltungsapparates zu tun hatte.


“Ahh, natürlich. Meditation. Wie konnte ich das nur verwechseln…”, erwiderte van Begrretz und warf den Moffs einen amüsiert-wissenden Blick zu.

[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich ] Ridley, Agustin und Aren, sowie (NPCs) Sektoradjutant van Begrretz und weitere Galagäste
 
[Truuine - Nahe Moraband - Gletscherhöhlen der Gala - VIP-Bereich der Nebenbühne]
Agustin, Aren, Ridley Solaris, Sterros Milan van Begrretz sowie weitere Galagäste


Agustin hatte den Neuankömmling mit einem knappen, höflichen Nicken begrüßt und ihm anschließend schweigend zugehört. Je länger Sektoradjutant van Begrretz sprach, desto deutlicher wurde allerdings, dass dessen Auftreten weniger einer dienstlichen Intervention als einer gezielten persönlichen Demontage seines eigenen Gouverneurs diente. Der Bastioner verzog keine Miene. Weder die Anschuldigungen hinsichtlich Solaris’ Abstammung noch die zunehmend spöttischen Bemerkungen über dessen militärische Ausbildung entlockten ihm eine sichtbare Reaktion.

Dabei hielt er einige der vorgebrachten Punkte durchaus für berechtigt. Ein Gouverneur, der während einer anhaltenden Rebellion eine militärische Grundausbildung absolvierte, sich regelmäßig persönlich an Kampfhandlungen beteiligte und darüber hinaus erhebliche Zeit in seine Ausbildung zum Sith investierte, hätte unter Agustins unmittelbarer Aufsicht mit ausgesprochen unangenehmen Fragen rechnen müssen. Ein solches Maß an persönlicher Entfaltung gestattete der Bastioner seinen Untergebenen gewöhnlich nicht. Sie waren schließlich nicht dazu eingesetzt worden, ihre individuellen Interessen zu verwirklichen, sondern die ihnen übertragenen Aufgaben zu erfüllen.

Allerdings hatte
Solaris Ergebnisse vorzuweisen. Beträchtliche sogar. Das allein entschuldigte nicht jede Eigenmächtigkeit, veränderte aber die Grundlage einer jeden Beurteilung. Ein fähiger Gouverneur durfte sich gewisse Freiheiten herausnehmen, solange der Nutzen die damit verbundenen Risiken überstieg. Sollte dieses Verhältnis irgendwann kippen, würde Agustin keinerlei Schwierigkeiten damit haben, seine Einschätzung entsprechend zu korrigieren. Persönliche Sympathien spielten dabei eine untergeordnete Rolle.

Wesentlich weniger Verständnis brachte er hingegen für das Verhalten des
Sektoradjutanten auf. Der Mann hatte offenbar die Gelegenheit erkannt, einen politischen Rivalen vor zwei Moffs in Verlegenheit zu bringen, und dabei vollkommen außer Acht gelassen, dass er gleichzeitig eine wirtschaftliche Verständigung gefährdete, von der sein eigener Sektor profitieren konnte. Wäre einer seiner Adjutanten auf die Idee gekommen, vor auswärtigen Würdenträgern in vergleichbarer Weise die Autorität eines ihm unterstellten Gouverneurs zu untergraben, hätte Agustin dessen Eignung für das Amt noch am selben Tag neu bewerten lassen. Und ihn vermutlich kurz darauf ersetzt.

Dass
van Begrretz ihm persönlich vollkommen gleichgültig war, erleichterte die Abwägung erheblich. Agustin kannte den Mann nicht, schuldete ihm nichts und erwartete von ihm gegenwärtig auch nichts. Ridley Solaris hingegen hatte sich über einen langen Zeitraum als nützlicher Kontakt erwiesen, die bisher gewährte Unterstützung in greifbare Resultate verwandelt und bot nun Aussicht auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit von beträchtlichem Umfang. Weshalb sollte Agustin eine solche Verbindung aufs Spiel setzen, nur um einem ehrgeizigen Sektoradjutanten bei der Austragung seiner persönlichen Fehde behilflich zu sein?

Ob Solaris sich dabei gerade gedemütigt fühlte, interessierte ihn im Grunde ebenso wenig. Er war nicht hier, um das verletzte Ehrgefühl eines Gouverneurs wiederherzustellen. Er war hier, weil Truuine über Ressourcen verfügte, die Myto und Prefsbelt in den kommenden Kriegsjahren dringend gebrauchen konnten. Sollte eines Tages ein anderer Mann an Solaris’ Stelle treten, der diese Interessen zuverlässiger bediente, würde Agustin vermutlich ebenso bereitwillig mit diesem zusammenarbeiten.

Bis dahin allerdings bestand nicht der geringste Anlass, eine funktionierende Beziehung zugunsten eines Unbekannten zu opfern. Als
van Begrretz schließlich geendet hatte, ließ Agustin einen kurzen Augenblick verstreichen. Er betrachtete den Sektoradjutanten mit derselben ausdruckslosen Ruhe, mit der er zuvor seinen Ausführungen zugehört hatte.

“Ihre Einschätzung ist zur Kenntnis genommen, Sektoradjutant.”

Keine Nachfrage. Kein Widerspruch. Nicht einmal der Versuch, eine der Anschuldigungen zu entkräften. Agustin hatte nicht die Absicht, einem Mann, dessen Bedeutung für seine eigenen Vorhaben gegenwärtig gegen null tendierte, mehr Aufmerksamkeit als unbedingt erforderlich zu schenken. Damit wandte er sich wieder Solaris zu. Die Bewegung war beiläufig, beinahe unscheinbar und gerade deshalb eindeutig. Für Agustin war die Angelegenheit erledigt.

“Governor Solaris, wir waren bei der Abstimmung unserer wirtschaftlichen Vorhaben stehen geblieben. Ich sehe bislang keinen Anlass, an meinen Vorschlägen etwas zu ändern.”

Er nahm sein Glas wieder zur Hand und gestattete sich einen kurzen Blick zu Aren. Vielleicht würde sein alter Freund die Angelegenheit anders beurteilen. Agustin selbst hatte seine Entscheidung bereits getroffen. Nicht aus Loyalität gegenüber Ridley, nicht aus Abneigung gegen van Begrretz und schon gar nicht aus einem Bedürfnis heraus, irgendjemanden vor einer öffentlichen Demütigung zu schützen. Der eine Mann war für seine Pläne von Wert. Der andere bislang nicht. Recht viel komplizierter musste die Sache nicht sein. Außerdem kam es dem Bastioner auch durchaus gelegen, dass der Sektor Adjutant ihm mit seiner Intervention durchaus noch etwas zusätzliche Verhandlungsmasse verschaffte, die er sofort kapitalisieren wollte.

Denn ihm war durchaus bewusst, dass sich die Ausgangslage gerade zu seinen Gunsten verschoben hatte. Die Neutroniumvorkommen Naars versprachen langfristig erhebliche Vorteile für die Rüstungs- und Schiffbauindustrie der Myto- und Prefsbelt-Sektoren. Ein bevorzugtes Bezugsrecht würde nicht nur die Versorgung eigener Produktionsstätten absichern, sondern Agustin zugleich zusätzlichen Einfluss auf die industriellen Lieferketten des imperialen Nordens verschaffen. Vor wenigen Minuten wäre eine derart weitreichende Forderung angesichts der bereits angebotenen Unterstützung allerdings etwas hoch gegriffen gewesen. Nun hatte van Begrretz die Verhandlungsposition seines eigenen Gouverneurs geschwächt und Agustin damit ungewollt eine Gelegenheit eröffnet. Solaris konnte die gerade infrage gestellte Zusammenarbeit öffentlich bekräftigen und Agustin sich dafür eine zusätzliche Gegenleistung sichern. Eine bemerkenswert günstige Konstellation, die der Sektoradjutant mit seiner Intervention überhaupt erst geschaffen hatte. Einerseits würde nun Solaris' Stolz eine Rolle spielen, andererseits die Tatsache, dass sich Agustin und Aren nicht von den teilweise ernstzunehmenden Warnungen des anderen Verwalters beinflussen ließen.


"Governor Solaris, ich denke, wir können unsere bisherige Verständigung sogar noch etwas konkretisieren. Im Gegenzug für die Unterstützung Ihrer wirtschaftlichen Expansion würde ich gerne sicherstellen, dass der Myto-Sektor künftig bevorzugten Zugriff auf einen vereinbarten Teil der Neutroniumförderung von Naar erhält. Selbstverständlich unter Berücksichtigung bereits bestehender Verpflichtungen."

Agustin gönnte sich einen kurzen Blick zu van Begrretz. Dass ausgerechnet der wirtschaftliche Sektor Adjutant des Sektors dieser Unterhaltung beiwohnte, verlieh der Angelegenheit eine zusätzliche, durchaus willkommene Note.

"Die Einzelheiten können unsere zuständigen Stellen ausarbeiten. Für den Augenblick würde mir Ihre grundsätzliche Zusage vollkommen genügen."

Der Bastioner stellte sein Glas beiseite und streckte Ridley Solaris die rechte Hand entgegen.

"Sind wir uns einig, Governor?"

Agustin lächelte dünn. Sein Angebot stand noch immer im Raum, und es war jetzt sogar um eine konkrete Gegenleistung ergänzt worden. Was van Begrretz davon hielt, spielte für den Moff keine Rolle. Sollte Ridley einschlagen, hätten sie soeben vor den Augen seines Kritikers eine politische Verständigung erzielt. Damit konnten die beiden Moffs noch deutlich mehr äußerst relevante Zusagen aus dem Deal herauskitzeln, indem sie Ridley in seiner persönlichen Fehde geringfügig aber spürbar zur Hand gingen. Besser hätte es kaum laufen können.

[Truuine - Nahe Moraband - Gletscherhöhlen der Gala - VIP-Bereich der Nebenbühne]
Agustin, Aren, Ridley Solaris, Sterros Milan van Begrretz sowie weitere Galagäste
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Gouverneur Enric Kreeger, Valeria Kreeger und vielen weiteren

T'rsop lauschte der beratend gemeinten Mahnung von Enric bezüglich der Verwendung von korrupten Arbeitern und Firmen. Der Mensch konnte also weitsichtig planen. Etwas, das bei Wesen ihrer kurzen Lebensspanne leider nicht immer gegeben war. So nickte der Gouverneur von Prefsbelt IV seinem Amtskollegen anerkennend zu.
"Genau. Ein Austausch dieser Personen sollte aber unauffällig und natürlich geschehen. Merken zu viele zu früh, dass groß sauber gemacht wird, könnte das noch ein letztes Aufbäumen des Überlebenskampfes mit sich bringen - und vorangegangene Arbeit wieder unnötig zurückwerfen.
Auf der anderen Seite bieten Korrupte aber auch ein Besonderes an Arbeitskraft: Wenn man sie entlarvt hat und vor die richtigen Konsequenzen stellt, werden sie fast Übernatürliches leisten, um vor der Bestrafung bewahrt zu bleiben.
Währenddessen arbeiten wir daraufhin, dass Personen, mit der richtigen Einstellung und Haltung ausgebildet werden und nachrücken können.
Natürlich besteht bis dahin die Gefahr fort, dass sie sich von einem Reicheren oder Mächtigeren doch wieder kaufen lassen - und sollte so eine Person da sein, ist diese Wahrscheinlichkeit enorm hoch. Daher muss der Staat selbst immer dafür sorgen, die mächtigste und reichste 'Person' im Einflussgebiet zu sein. Hier müssen Politik, Verwaltung und Geheimdienst ein Fleisch werden."


Dem Gelehrten kamen beim Sprechen noch einige Themen und Aufgaben in den Sinn, welche er zurück auf Prefsbelt IV dringend erledigen sollte. Er sollte sich unbedingt mit dem ISB treffen, um das Ziel der gemeinsamen Arbeit zu besprechen und konkrete Schritte zur Heilung der Gesellschaft anzustreben. Außerdem sollte er mit den einflussreichen Anhängern Kerns in Kontakt treten und schauen, ob - oder besser: wie - sie sich gewinnen ließen. Und dann müsste er niedrigschwellig bewusst machen, dass Zusammenhalt und Bindung an die Gesellschaftsidentität und das Prinzip der guten Weiterentwicklung unterbewusst verankert würden. Das vermerkte er sich mental.
Und leitete die ersten beiden Punkte nach diesem Tag direkt an seine Assistentin auf Prefsbelt IV weiter.

Als sich das Gespräch der Kultur zuwandt, hob der Pau'aner fasziniert und ein wenig irritiert leicht eine Braue, als
Valeria den Blick auf die Notwendigkeit guter Lebensbedingungen vorangehend zu kulturellen Errungenschaften lenkte. Zum Einen hatte die Dame natürlich Recht - zum Anderen fühlte sich T'rsop aber auch in seinem Stolz gestochen. Als ob er das nicht wüsste! Ihr sollte doch klar sein, dass er in diesem Gespräch pointierte Skizzen darlegte und nicht ausgefallene detaillierte Konzepte - es war doch keine Vorlesung.
Er ließ sich allerdings nichts davon anmerken und umschloss mit seiner Hand nachdenklich sein Kinn.


"Meine Dame, hier kann ich Ihnen nicht widersprechen - Kultur setzt ein gewisses Maß an Grundversorgung voraus. Und dennoch möchte ich Ihren Blick schärfen: Kultur und Gesellschaftsbildung sind die höchsten Aufgaben von Verwaltung und Führung..."
Die Gedanken des Pau'aners drifteten kurz und prägnant in eine andere Zeit zurück. In eine Zeit, als er blutjung und voller Feuer gerade eine Bergbau-Firma seiner Eltern übernommen hatte. Und vor sich einen wütenden Mob unter Führung von Mitarbeitervertreterin An'kchau vor sich hatte.
"Wissen Sie, in einem anderen Leben habe ich persönlich erlebt, wie eine perfekt getimete Komödie unzufriedene und streikende Arbeiter wieder versöhnt, ohne dass direkt irgendeine ihrer Forderungen erfüllt wurde. Der archaische Satz gilt doch bis zu einem gewissen Grad: 'Gib der Menge Brot und Spiele, dass ihre Sorge verfliege.'"

Er lächelte schmunzelnd, als er die subtilste Veränderung in der Mimik der Menschenfrau wahrnahm und den veränderten Glanz in ihren Augen sah.
"Nein, ich bin weder ein Narr noch ein Tyrann im heutigen Sinne. Dies ist ganz und gar nicht meine Absicht.
Denn nur ein zufriedenes - ein wirklich zufriedenes - und gut versorgtes Volk kann die nächsten Schritte gehen und die Kultur und Wissenschaft wahrlich beflügeln. Ich wollte nur aufzeigen, wie wichtig und mächtig die Kultur ist. Sie unterscheidet uns als einziges von den intellektlosen Tieren. Und sie hat die stärkste identitätsstiftende Kraft.
Sie zu vervollkommnern, darauf arbeite ich hin. Ich strebe die bestmögliche Entwicklung unserer Gesellschaft an."


Den zweiten Teil von Valerias Antwort konnte er etwas entspannter beantworten - und war wieder fasziniert, wie praktisch seine beiden Gesprächspartner doch dachten. Doch auch hier ließ er sich einen Moment Zeit mit der Antwort und ließ seinen Blick dabei etwas durch die Eishöhlen gleiten, um sein Auge zu erfreuen - schließlich wollte er bei so einem wichtigen Thema nicht aus der Hüfte schießen. Planung und Überlegung waren schließlich die Eltern von Erfolg.

Schließlich hatte er eine Antwort gefunden, die ihm den
Kreegers und der Sache würdig erschien:
"Bei den Künstlern wäre eine zu starke Einbindung von Externen nicht förderlich, sondern hinderlich. Wir haben auf Prefsbelt IV selbst eine Kulturidentität, die ich da gut einpflegen werde, um die Personen in ihrer Identität abzuholen und stärker mit dem Imperium zu verquicken.
Was ich allerdings als äußerst wertvoll schätzen würde, wären Personen, die mit externer Brille darauf schauen könnten, wie die Gesellschaft auf meine Methoden reagiert - ich habe zwar vollsten Vertrauen in mich und unsere Experten, bin aber nicht tot in Verblendung. Eine externe Sicht schützt besser vor interner Betriebsblindheit.
Wenn Sie da jemandem parat hätten, wäre ich sehr dankbar.
Und zum Anderen: Monspolis und unsere Akademie haben ihre Pforten auch stets weit offen für fähige Gastdozenten; dies ist nicht ganz so dringend, aber falls einer Ihrer Profs oder Gelehrten mal einen Bildungsurlaub oder Außensemester machen möchte, wäre das auch noch eine gute Möglichkeit."


T'rsop wandte sich dankbar wieder Enric zu, nachdem dieser tatsächlich einen konkreten Vorschlag zur ersten Verbindung und Zusammenarbeit unterbreitete:
"Ah, gut zu wissen. Dann werde ich in Bälde und mit großer Vorfreude noch detaillierter als es jetzt in unserem Gespräch in der Öffentlichkeit sinnvoll wäre an Legatin Tessan wenden."
Als der Gouverneur von Byss dann noch den Orden der Sith als Ansprechpartner für Themen der Wissenschaft nannte, konnte es der Pau'aner nicht unterdrücken, kurz bei seinem breiten Grinsen seine spitzen Zähne zu zeigen, bevor er sich wieder fing und auch diesen Hinweis zur Kenntnis nahm. Mit der Betonung, dass es für ihn eine Ehre wäre, endlich mit dem legendären Orden der Sith in Kontakt zu kommen.
Was diese Machtnutzer wohl für ein tieferes Verständnis von... eigentlich allem haben mussten, wenn er die Legenden mit der offiziellen Propaganda des Imperiums und der Gegenpropaganda der Republik übereinanderlegte und einen gewissen Mittelwert als Wahrheit annahm.

Als der markante Mann vor ihm dann anfing, sein Urteil über Personenkult etwas zu relativieren - und dem Gelehrten damit implizit aufzeigte, dass er doch recht nah an gefährlicher Systemkritik war (warum musste das Miteinander von Personen, Kulturen und Politiken nur komplizierter sein als der Zusammenhang der Galaxis selbst?) - hörte
T'rsop aufmerksam zu und blickte dabei tief in die Augen von Enric.
Sein Amtskollege schien wirklich sehr stark hinter der Idee von Eiden zu stehen. Nicht nur als Werkzeug, sondern als Prämisse. Und doch war da etwas in seiner Ausdrucksweise, unter seiner Betonung und hinter seiner Haltung - was der Pau'aner nicht greifen konnte. Was ihn aber genug irritierte, um sich sicher zu sein, dass der Gouverneur von Byss es nicht ganz so einfach sah - und dennoch vollends hinter seinem Gesagten stand. Das schien ein Geheimnis zu sein, dessen Lüftung höchst interessant wäre.
Und dann diese Absolutsetzung der Imperatorin - verfassungs- und propagandagemäß richtig... und dennoch hatten sie in der Vergangenheit auch Herrscher gehabt, die noch schlimmer waren und größeren Schaden angerichtet hatten als
Robert selbst.
Die Imperatorin, oder der Imperator, waren wichtige Motoren und das Herz für die Entwicklung der Gesellschaft. Sie könnten am effektivsten die verschiedenen Strömungen zum Gewässer der Gesinnung vereinen - müssten aber im Ernstfall auch dieses Ziels wegen beseitigt werden, wenn sie ihre Aufgabe verfehlten.

Aber anstelle, dass er darauf einging und damit vermutlich alle Brücken, die gerade durch guten Willen und Anerkennung der Fähigkeiten des jeweils anderen hielten und fern von stabil waren, einriss, entgegnete er:

"Und gerade deswegen sollten wir unserer Imperatorin dabei keine Steine in den Weg legen, indem wir unsere Entwicklung durch Dummheit oder Faulheit blockieren. Als gute Verwalter - und so sehe ich auch meinen Eid - helfen wir der Imperatorin bei der Umsetzung, eine höhere Daseinsstufe als Ganzes zu erreichen. Oder eben auch schädliche Verwalter aus der Machtposition zu entfernen.
Und dass die Sith uns in Wissen und Weisheit voraussind, sollten wir ebenfalls dankbar als Quelle der Weisung nutzen. Sie haben das Recht zur Herrschaft mehr verdient, als wir, die wir weder die physische noch die spirituelle Seite der Macht nutzen können - und daher auf dem vielleicht wichtigsten Auge blind sind."

Bei seinem letzten Satz ließ er wieder vieles seiner wirklichen Bewunderung der Sith ins Offensichtliche fließen - auch, um seine zuvor doch fast gefährlichen Gedanken wieder vernünftig einzurahmen.

Als sie zum nächsten Thema übergingen, empfand der Gouverneur von Prefsbelt IV einen Aha-Moment. Denn das Ehepaar wies ihn darauf hin, dass er die Offiziere völlig falsch einschätzen würde und er auf die Personen und nicht das außen Sichtbare achten sollte.

T'rsops Augen weiteten sich. War er, ausgerechnet er, klassizistisch? Er ließ seinen Blick über die Gäste der Gala gleiten. Über Gäste, gegen die er persönlich nichts hatte, aber auch wusste, dass sie nicht an seinen Intellekt heranreichten.
Er rieb sich mit seinem Daumen in einer Furche seines Kinns. Ja - es war so offensichtlich für ihn, dass er es nicht wahrgenommen hatte. Und damit war er lange Zeit einer weiteren Perspektive beraubt gewesen. Er war zwar immer noch vollends davon überzeugt, dass der Intellekt entscheiden sollte über die Position und Stellung einer Person - und sah sich weiterhin absolut im Recht, dass er keine Zeit mit ihm zu sehr unterlegenen Denkern verschwenden würde - aber nun hatte er eine Reflexionsebene mehr, die ihm sicherlich helfen würde.
Er blickt
Enric an und nickte verstehend und dankbar, während er gedankenverloren eine weitere Furche am Kinnbereich mit dem Fingernagel nachzog.
Und als
Valeria dann noch explizit praktische Ideen vorbrachte, lächelte er wieder.

"Hmm. Ein offener Gesprächsabend... vielleicht themenbegleitet und mit einem kleinen Konzert als Abschluss... mit einem in der Vorbereitung sicher im Dreieck hüpfenden Vikas und dem guten Gregor als Vorbereiter und Moderatoren...
Das wird eine gute Sachen werden. Als Ideengeber werden Sie natürlich auch eingeladen, wenn Sie wollen und es Ihre Verantwortungen zulassen."


„Sie müssen dafür keine vollkommen geheilte Gesellschaft abwarten“, fügte Enric hinzu. „Der Krieg wird Ihnen diese Zeit ohnehin nicht lassen.“
T'rsop horchte überrascht auf. Ihm entging nicht, dass der Gouverneur von Byss hier einen Faden aus dem Gespräch aufgriff, in dem der Gelehrte über die Entwicklung der Gesellschaft philosophiert hatte. Enric schien nicht zwischen Ideal und Wechselbeziehung zwischen Ideal und Realpolitik zu unterscheiden. Oder ihn für dumm zu halten.
Dies konnte der Pau'aner nicht unkommentiert stehen lassen.


"Natürlich warte ich dazu nicht eine vollkommene Gesellschaft ab! Sie müssen verstehen, dass ich dem Ideal der Evolution der Gesellschaft anhange und diese im absoluten Sinne nicht die nächste Ebene oder Dimension erreichen kann, ohne vorher alle Krankheiten ausgemerzt zu haben.
Das heißt aber nicht, dass ich das abwarte. Das Gegenteil ist der Fall! Um diese nächste Stufe zu erreichen, arbeite ich aktiv daraufhin, dass die Gesellschaft heiler, gesünder und kräftiger wird. Wir können uns nicht passiv weiterentwickeln. Nicht als begeisterte und individuelle Wesen jedenfalls.
Das Ideal steht über der Realpolitik und leitet und prägt diese. Also machen Sie sich keine Sorgen, dass ich nur auf der faulen Haut liegen würde"
, der Pau'aner war stolz und gleichzeitig sauer auf sich.

Er war nicht in eine laute Wut ausgebrochen, wie er es bei ähnlichen Gelegenheiten war. Aber auf der anderen Seite wurde seine Stimme an ein-zwei Punkten doch etwas scharf - in sehr subtiler Weise. Aber er war sich sicher, dass die beiden
Kreegers das mitbekommen hatten. Auch wenn er das Gegenteil hoffte.
Aber wie auch immer. Die beiden waren sehr schlau und lebten Politik und Können - auf einem der schwierigsten Posten im Imperium. Und sie waren ihm trotz allem sympathisch.
Also würde er den in ihm entstandenen und riskanten Plan in die Tat umsetzen und politisches Kontakteknüpfen durch Wahrheit versuchen.
Seine Spannung stieg, während seine Gegenüber zweifelsohne Für und Wider abwägten und ihn noch besser einschätzen wollten. Er hatte viel von sich preisgegeben und sich verwundbar gemacht. Verwundbarer, als er die letzten Jahrzehnte - mit Ausnahme von Gregor und Theranos, und diese bezeichnete er anders als die Kreegers als seine Freunde - jemals gewesen war.
Aber er war sich auch sicher, dass er schlau genug war, um auch mit etwaigen Rückschlägen fertig zu werden. Wie schmerzhaft und peinlich sie auch werden würden.

Und dann erhielt er die Antwort von
Enric. Mit großer Selbstbeherrschung verhinderte T'rsop, erleichtert auszuatmen und strahlte auch weiterhin Gelassenheit aus.
Innerlich aber jubelte er. Denn seine Strategie hatte geklappt! Es gab ein konkretes Miteinander. Ihm war durchaus bewusst, dass er zunächst in dieses mehr Aufmerksamkeit stecken müsste als in die meisten Aufgaben auf Prefsbelt IV. So ein Machtmensch und begnadeter Verwalter wie
Enric würde jeden kleinen Fehler eher früher als später bemerken und Konsequenzen daraus ziehen. Zurecht.
Aber der Gouverneur von Prefsbelt IV sah sich dadurch nicht unter Druck gesetzt, sondern lediglich in erhöhter Aufmerksamkeit. Schließlich wusste er, dass er im Strukturieren und Analysieren gut war.


T'rsop lächelte uns ließ den Blick bei seiner Antwort wieder gleichmäßig den Kontakt beider Gesprächspartner suchen:

"Vielen Dank. Das gefällt mir - einfach und direkt umsetzbar. Nicht lange um den Brei herumtanzend. Ich danke für diese Chance.
Nur eines"
, er wurde etwas ernster, blieb aber offen und höflich, "ich will so offen sein, da man sich ja ein wenig kennen sollte - wenn Sie mir einen Rat entgegen meiner eigenen Einschätzung erteilen, erwarte und erhoffe ich, dass Sie mir diesen durch die Vernunft und Argumente begründen und nicht allein aus Ihrer Erfahrung heraus. Dann und nur dann werde ich bereit sein, meinen Stolz zu schlucken und meine Richtung zu korrigieren.
Aber sollte dieser Fall eintreten, dann werde ich auch Kurskorrektur beim Schiff vornehmen - ich habe zu viel vor und zu eine große Verantwortung, als dass ich es wissentlich riskieren würde, in ein Asteroidenfeld zu rasen.
Die besagte Liste mit Ausarbeitung kommt in Bälde. Und wie gesagt: Wenn ich Ihnen behilflich sein kann, werde ich das sehr gerne. Traditionsvermittlung und -verbindung, gerade in Bezug auf Byss, ist unheimlich wertvoll und höchst interessant."

So hatten die beiden Gouverneure also den Grund gelegt für eine Verbindung zwischen ihnen. Die Zukunft würde zeigen, ob diese zur Allianz oder zu Groll und Rivalität werden würde. Aber nun gab es kein Zurück mehr.
Als
Enric zur Besiegelung das Glas hob und etwas offener wurde, stellte der Pau'aner verstimmt fest, dass er schon ausgetrunken und damit nichts mehr zum Anstoßen hatte. Selbst seine Essensplatte war inzwischen leer.
Also lächelte er - ohne Zähnezeigen - stellte sich etwas bewusster hin und klatschte so subtil wie möglich zweimal in seine Hände.


"Auf dieses gute Ende und den gemeinsamen Weg."
Noch einmal blickte er beide Menschen offen an. Er merkte, dass ihm langsam die Kräfte für den politischen Tanz schwanden und seine sozialen Quellen langsam versiegten und neuen Regen brauchten. Aber er wollte auch nicht wirken, als ob er fliehen wollte - so sehr dies vielleicht auch zutraf.
Daher zwang er sich, kurz bevor die Stille zwischen ihnen peinlich zu werden drohte, zu fragen:

"Darf ich dieses so interessante und fähige Paar noch einladen, zu einem gemeinsamen Essen oder zumindest Snack oder Kulturspaziergang? Es wäre Gouverneur Solaris als Gastgeber ja unhöflich gegenüber, nicht ein Paar Einzelheiten seiner Mannigfaltigkeiten der Gala aufzusuchen und zu würdigen. Auch wenn wir in unserem Trialog sicherlich auch in der letzten Kaschemme wunderbar die Zeit vergessen könnten."

[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Gouverneur Enric Kreeger, Valeria Kreeger und vielen weiteren



 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich ] Ridley, Agustin und Aren, sowie (NPCs) Sektoradjutant van Begrretz und weitere Galagäste

Vielleicht kam das Ridley nur so vor, oder vielleicht war es auch hens Unterbewusstsein, das hem eine Nachricht zukommen lassen wollte. Doch in diesem Moment hatten die Augen Pradas viel mit denen eines Reptils gemein.

Der Moff war unaufgeregt. So ganz anders als Ridley, dier sich in diesem Moment unter der freudigen Sabotage des Sektoradjutanten wandt und fieberhaft nach einem Ausweg suchte.

Seine nächsten Worte waren damit dann auch im Einklang. Er nahm die Einschätzung des Sektoradjutanten zur Kenntnis. Kühl, klar, gelassen. Dann wandte er sich wieder an Ridley, klarstellend, dass sich an seinen Vorhaben nichts geändert hatte. Das Herz der Gouverneursperson machte einen Satz, während sich ein Gefühl in hens Brust ausbreitete, das dem Moment eines knapp an hens Kopf vorbeigegangenem Blasterschuss nicht unähnlich war.

Oder der Realisation nach Allegious’ Tod, dass hen nur aufgrund von hens Verbindung zu Matthew keinen Säuberungen zum Opfer gefallen war.

Mal wieder überlebt. Wieder nicht durch kluges Vorgehen im Moment der Gefahr selbst, aber diesmal immerhin aufgrund von hens Leistungen.

Wie hen es hasste, die Situation nicht unter Kontrolle zu haben.

Auch van Begrretz schien von der Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein.
“Aber…”, begann er, bevor er sich offensichtlich eines Besseren besann. Er machte nicht physisch einen Schritt zurück und doch konnte hen förmlich sehen, wie sich die Rädchen hinter der hellen Stirn zu drehen begannen.

“Das freut mich zu hören, Moff Prada. Ich denke, meine bislang erzielten Ergebnisse sprechen für sich”, antwortete Ridley nun selbst, während hen aufmerksam vom Sektoradjutanten zum Moff und zurück schaute. Prada mochte nicht van Begrretz’ Empfehlung gefolgt zu sein, doch hatte hen auch nicht den Eindruck, dass er auf hens Seite war. Nicht wirklich.

Etwas, das sich schon bei den nächsten Worten des Mannes bestätigte. Er wollte weitere Zusagen, einen konkreten Anteil des auf Naar geförderten Neutroniums für den Myto-Sektor. Ridley zwang sich zu einem Lächeln, während hen diese neue Information über Prada verarbeitete und abspeicherte. Der Moff hatte hens Blut im Wasser geschmeckt, vergossen von dem Dolch in hens Rücken. Und nun versuchte er, einen größeren Bissen Fleisch herauszureißen, als bis gerade angedacht gewesen war.

Es war eine willkommene Erinnerung daran, wie Prada hen sah. Sehen musste. Nicht als Verbündeten oder gar Protégé, sondern als Ressource. Als einen Reisenden, der zufällig in derselben Richtung unterwegs war, und dem man ein paar Goldstücke abluchsen konnte, wenn er ins Wanken kam. Und vermutlich war dieses Mindset einer der Gründe, warum Prada sich heute in der Position befand, an der er stand.

Fast musste Ridley van Begrretz danken, dass er das Verhältnis sichtbar gemacht hatte, in denen die beiden Geschäftspartner zueinander standen. Auch Prada würde hem einen Dolch in den Rücken rammen, wenn dies irgendwann einen höheren Gewinn versprach. Es war wichtig, dass hen dies niemals vergaß. Und tunlichst daran arbeitete hens Nutzen zu erhalten, oder Prada nicht hens sprichwörtlichen Rücken zuzudrehen.


“Ich denke wir-”, begann Ridley, doch ein weiteres Mal wurde hen von der Stimme des Sektoradjutanten unterbrochen. Eine steile Falte bildete sich auf hens Stirn. Hen zwang hen sich zu einem Lächeln.

“Mein Vorgänger mag gerne beide Augen zugedrückt haben, während unser guter Herr Solaris exklusiv Ressourcen an fremde Sektoren verscherbelt hat…aber ich gedenke das ein kleines bisschen anders zu handhaben”, erklärte van Begrretz und hob entschuldigend die Hände. “Sie werden verstehen, dass der Manaan-Sektor nicht einfach nur ein Rohstofflieferant bleiben soll. Teil unserer Strategie ist die Stärkung lokaler Wertschöpfungsindustrie und - wo dies nicht möglich ist - wird natürlich der eigene Supersektor bevorzugt. Kuat Drive Yards wird sicherlich erfreut über eine frische Neutroniumquelle sein…”

Ridley biss die Zähne aufeinander. Das war er also, der alternative Angriffsvektor. Wenn die Moffs nicht auf die Demontierungsversuche des Sektoradjutanten ansprangen, dann sollte der Deal eben an Wirtschaftsdirektiven scheitern. Ganz egal, ob dem Manaan-Sektor dabei eine lukrative, wirtschaftliche Zusammenarbeit verloren ging. Was für ein Spiel spielte Ranganathan? Vermutlich eines, dessen Zielbedingung die Zerstörung Ridleys war. Nicht, dass hen ihm das unbedingt verdenken konnte.

“Was ich mir jedoch vorstellen könnte…”

Ridley hob eine Augenbraue. Sollte das etwa doch keine grundsätzliche Verneinung sein?

“...wäre eine Beteiligung Manaans an Ihrem Deal. Sozusagen eine Entschädigung für Rohstoffe, die den Supersektor unverarbeitet und unkompetitiv verlassen. Wie dies dann aussähe - und wer dafür aufkommt - könnten wir dann im Detail verhandeln. Aber in jedem Fall sollte ich dabei im Raum sein. Meinen Sie nicht?”

Nun kamen diese verdammten grünen Augen ein weiteres Mal auf Ridley zu ruhen. Hen blickte von Prada zu van Begrretz. Da langten ja beide zu, wie es ihnen gefiel. Und hen konnte einfach. Nichts. Dagegen. Tun. Langsam nickte hen.

“Ich bin sicher, wir finden eine Lösung, die für alle Parteien akzeptabel ist”, knirschte Ridley, mit aller Würde, die hen aufbringen konnte. Hen musste wohl einfach zu akzeptieren lernen, bei diesem Deal ausgenommen zu werden wie ein Empire-Day-Nuna. Und das war wohl genau das Ziel. Wenn die Zusammenarbeit schon nicht unterbunden werden konnte, dann sollte sie wohl so unlukrativ wie möglich für Truuine werden. Keine dumme Strategie.

Mechanisch streckte hen die Rechte aus und schlug in die dargebotene Hand Pradas ein. Ob es wohl auffiel, wenn van Begrretz vor Beginn der Verhandlungen ausrutschte und rein zufällig mit dem Gesicht in ein aktiviertes Lichtschwert fiel?

Vermutlich.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich ] Ridley, Agustin und Aren, sowie (NPCs) Sektoradjutant van Begrretz und weitere Galagäste
 
[Truuine - Nahe Moraband - Gletscherhöhlen der Gala - VIP-Bereich der Nebenbühne]
Agustin, Aren, Ridley Solaris, Sterros Milan van Begrretz sowie weitere Galagäste


Agustin registrierte die erneute Intervention des Sektoradjutanten mit unveränderter Miene. Offenbar hatte der Mann begriffen, dass sich die wirtschaftliche Verständigung nicht durch persönliche Anschuldigungen verhindern ließ und versuchte nun, wenigstens einen Teil des zu erwartenden Gewinns zu beanspruchen. Dagegen hatte der Bastioner grundsätzlich nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Die Interessen des Manaan-Sektors waren durchaus legitim und wäre die Situation umgekehrt gewesen, hätte Agustin kaum anders gehandelt. Wenngleich er sich vermutlich eine etwas elegantere Herangehensweise ausgesucht hätte.

Entscheidend war lediglich, dass eine zusätzliche Beteiligung nicht zulasten der Wirtschaftlichkeit des gesamten Vorhabens gehen durfte. Er hatte schließlich nicht vor, seinen eigenen Sektor mit vermeidbaren Kosten zu belasten, nur damit ein weiterer Verwalter seine Unterschrift unter eine Vereinbarung setzen konnte.


"Selbstverständlich, Sektoradjutant van Begrretz. Ich habe keinerlei Interesse daran, die wirtschaftlichen Belange Manaans zu übergehen. Wenn Ihre Verwaltung bereit ist, sich an den entsprechenden Investitionen und infrastrukturellen Voraussetzungen zu beteiligen, lässt sich sicherlich auch eine angemessene Beteiligung an den Erträgen vereinbaren."

Agustin schenkte dem Mann ein knappes, geschäftsmäßiges Lächeln. Dass dieser wenige Augenblicke zuvor noch versucht hatte, den gesamten Austausch zu sabotieren, spielte für ihn inzwischen keine Rolle mehr. Solange van Begrretz etwas zum Gelingen der Angelegenheit beizutragen hatte, durfte er gerne daran mitwirken.

"Meine Sektoradjutantin für Wirtschaft, Lira Vex, wird sich diesbezüglich mit Ihnen in Verbindung setzen. Sie können dann gemeinsam mit den zuständigen Stellen Truuines die Einzelheiten ausarbeiten. Ich denke, wir sind uns einig, dass eine tragfähige Vereinbarung allen beteiligten Sektoren zugutekommen sollte."

Damit war für Agustin auch dieser Punkt vorerst geklärt. Die wirtschaftlichen Details gehörten ohnehin in die Hände seiner Fachleute. Als Solaris schließlich die ihm angebotene Hand ergriff, erwiderte Agustin den Handschlag mit festem Griff und einem schmalen Lächeln.

Der junge Gouverneur hatte sich bemerkenswert würdevoll geschlagen. Innerhalb weniger Minuten war er von seinem eigenen Vorgesetzten öffentlich angegriffen und anschließend von zwei Seiten mit zusätzlichen wirtschaftlichen Forderungen konfrontiert worden. Trotzdem hatte er die Angelegenheit zu einem vorläufigen Abschluss gebracht, ohne sich zu einem unüberlegten Ausbruch hinreißen zu lassen. Das respektierte Agustin durchaus.

Vielleicht war die heutige Begegnung für
Ridley sogar eine wertvolle Lektion gewesen. Auf dieser politischen Ebene und in dieser Liga, in der sie spielten, gab es keine Freundschaft. Jedenfalls keine, auf die man sich verlassen konnte, sobald bedeutende Interessen auf dem Spiel standen. Jeder verfolgte seine eigenen Ziele, jeder suchte nach Vorteilen und jeder nutzte die Schwächen anderer, sobald sich eine Gelegenheit bot. Agustin selbst bildete davon keine Ausnahme.

Nun, beinahe keine. Sein Blick wanderte kurz zu
Aren. Ihre Verbindung war über längere Zeit gewachsen, hatte politische Veränderungen, persönliche Rückschläge und den gemeinsamen Aufstieg überstanden. Ein seltenes Verhältnis gegenseitigen Vertrauens, das weit über bloße Zweckmäßigkeit hinausging. Doch dieser Kreis war geschlossen. Agustin hatte weder die Absicht noch das Bedürfnis, ihn um weitere Personen zu erweitern. Alle anderen Akteure waren für ihn Ressourcen, Kapital oder Schachfiguren. Solaris würde gut daran tun, seinen eigenen Kreis so klein wie möglich zu halten und alle anderen Personen außerhalb genauso zu betrachten, wie es der Bastioner tat.

Das alles bedeutete allerdings nicht, dass Agustin die Fähigkeiten anderer Männer nicht anerkennen konnte.
Solaris hatte heute bewiesen, dass er auch unter erheblichem politischen Druck Haltung bewahren konnte. Eine Eigenschaft, die in den kommenden Jahren vermutlich noch wichtiger werden würde als sämtliche Wirtschaftsprojekte auf Truuine.

Agustin löste den Handschlag und nickte seinem Gegenüber anerkennend zu.


"Ausgezeichnet, Governor. Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit."

[Truuine - Nahe Moraband - Gletscherhöhlen der Gala - VIP-Bereich der Nebenbühne]
Agustin, Aren, Ridley Solaris, Sterros Milan van Begrretz sowie weitere Galagäste
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Eisige Weiten / Basislager / Containerhangar ] Xie, Vorn und Cestus, sowie (NPCs) je ein Zug Aquatrooper und blaue Legionäre

Xie Yazhus Rosenquarzaugen blieben für einen Moment an Major Cestus Varro hängen, als dieser verspätet den Raum betrat…doch er ließ sich davon nicht unterbrechen. Vor der Besprechung hatte er noch überlegt später anzufangen, um auf den Mann zu warten, sich jedoch aufgrund der Dringlichkeit der Situation dagegen entschieden. Und ihm das Gröbste bereits per Holonachricht zukommen lassen.

Ungestört beendete der Agent also seine Einweisung, bevor sein Blick auf den Akolythen fiel, der als einziger Fragen hatte. Wobei nein. Meri war jetzt der Schüler. Kein Akolyth mehr. Sein ehemaliger Kollege hatte sich schwer verwundet abgesetzt und Gouverneur Solaris verraten.

Meri hatte die klügere Wahl getroffen und daher war es auch wenig verwunderlich, dass seine Fragen auf vernünftiger Grundlage beruhten. Krude formuliert – sicher – aber die Grundgedanken waren solide.

Bevor Xie jedoch antworten konnte, erhob Varro seine Stimme. In knappen Worten stellte er sich vor, erklärte, dass er dazu eingeteilt worden war den anwesenden Zug des Skybridge Bataillon zu führen und dass er bereits erste Informationen erhalten hatte.

Xie lächelte wissend.


„Seien Sie willkommen, Major. Diese Informationen liegen uns bereits vor“, erklärte der Arkonier und wandte sich dann wieder dem Akolythen – verdammt noch eins, Schüler! – zu: „Was das Sprengen von Verbindungen angeht, so wäre dies keine erfolgversprechende Strategie. Da es ein Erdwärmekraftwerk ist, kann Wärmeproduktion nicht gänzlich abgeschaltet werden. Die Sprengung der Verbindungen würde lediglich einen kontrollierten – und abschaltbaren! – Transfer unterbrechen und ihn unkontrolliert werden lassen.“

Xie nickte Meri zu. Eine gute Frage verdiente eine ernsthafte Antwort.

„Was den zweiten Teil Ihrer Frage angeht…dies ist in der Tat die Schwierigkeit Ihrer Mission. Sie werden Ihre Position gegen einen verzweifelten Gegner halten müssen, bis dieser entscheidet, dass Kapitulation und Gefangenschaft dem Tod vorzuziehen ist. Auch deswegen entsenden wir ein spezialisiertes, qualifiziertes Kommando mit angemessener Mannstärke. Auch Sie haben in Ihrer Grundausbildung eine Übung durchgespielt, bei der sie ein entsprechendes Verteidigungsgefecht sogar gewonnen haben. Ich bin sicher, diese Erfahrung wird Ihnen nun zugutekommen, Private 1st Class Meri.“

Soweit die Einwände, nun zur letzten Frage des Mannes. Wie sah Plan B aus? Konnte es überhaupt so etwas geben? Für einen Moment erlaubte Xie sich über die Frage zu reflektieren und setzte dann wieder an:

„Es gibt zwei Möglichkeiten, sofern sich der Plan als nicht praktikabel erweist. Die erste ist Rückzug, oder Kapitulation Ihrerseits. Ein Rückzug als Flucht nach vorn wird sicherlich schwierig sein. Kapitulation ginge mit Kriegsgefangenschaft einher und würde entweder in Ihrer späteren Befreiung oder Ihrer Rückführung im Rahmen eines Gefangenenaustausches resultieren.“

Natürlich wäre dies eine äußerst unschöne Entwicklung für das Gouverneursbüro. Xie kannte den Befehlshabenden Offizier der Planetenverteidigung nur flüchtig, doch würde der Mann sicherlich einiges zu sagen haben, wenn eine Mission zur Kriegsgefangenschaft bei Rebellen führte.

„Die zweite Möglichkeit ist eine versuchte Gefangennahme der Regierung Port Ryloths. Selbstverständlich schätzen wir dies als eine kompliziertere Mission als die Einnahme des Kraftwerks ein. Im Notfall könnte es jedoch relevant werden, weswegen wir Ihnen alle Informationen über Layout der Stadt und vermutetem Aufenthaltsort der Regierenden zukommen lassen werden. Über hochrangige Gefangene sollten Sie ebenfalls in der Lage sein eine Kapitulation zu erzwingen.“

Zufrieden nickte er und strich sich über seine Uniform.

„Gibt es noch weitere Fragen? Wenn nicht, würde ich Sie nun zu den LAAT/is begleiten.“


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Eisige Weiten / Basislager / Containerhangar ] Xie, Vorn und Cestus, sowie (NPCs) je ein Zug Aquatrooper und blaue Legionäre
 
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Die kleine Schärfe in T’rsops Stimme entging Enric Kreeger ebenso wenig wie dessen Bemühen, sie wieder einzufangen. Er kannte das Bedürfnis, eine Bemerkung unverzüglich richtigstellen zu müssen, sobald sie das eigene Urteil in Zweifel zu ziehen schien. Bei anderen erkannte er es gewöhnlich früher als bei sich selbst. Der Pau’aner hatte viel von seiner Befähigung gesprochen, von Vernunft, Analyse und einem Jahrhundert geistiger Arbeit. Nun genügte eine beiläufige Mahnung zur Dringlichkeit, um ihn zu einer Verteidigung seines Fleißes zu bewegen. Enric ließ ihn ausreden. Wer sich in einem Gespräch vorschnell gegen einen Vorwurf verwahrte, den niemand erhoben hatte, gab mitunter mehr preis als mit einer sorgfältig erwogenen Antwort. Seine Augenbraue ging unwillkürlich in die Höhe, doch war es für einen Mann, der sein Leben lang Privilegien genoss schwerer zu verstehen, wie es einem Nichtmenschen gehen könnte, der sich alles in seinem Leben hatte erkämpfen müssen.

„An Ihrer Bereitschaft zu arbeiten habe ich keinen Zweifel geäußert“, erwiderte er schließlich. Seine Stimme blieb ruhig, doch die Worte waren deutlich genug, um auch in der Erinnerung ihre Form zu behalten. „Meine Bemerkung galt der Zeit, die Ihnen dafür zur Verfügung steht. Darüber verfügen im Krieg auch andere.“

Er gönnte dem Satz einen Augenblick und verzichtete auf eine weitere Erläuterung. T’rsop war ein Amtskollege. Enric hatte ihn weder zu prüfen noch vor seiner Frau zurechtzuweisen, und eine beginnende Verbindung sollte genug Raum lassen, um eine Meinungsverschiedenheit ohne Gesichtsverlust hinter sich zu bringen. Gleichwohl hätte er es begrüßt, wenn der Gelehrte seinen eigenen Anspruch auf gründliche Auslegung gelegentlich auch den Worten anderer zugestanden hätte.
Valéria hingegen hatte dessen Ausführungen über die versöhnten Arbeiter mit jener aufmerksamen Höflichkeit verfolgt, die Enric seit ihren ersten gemeinsamen gesellschaftlichen Verpflichtungen vertraut war. Als der Pau’aner angeboten hatte, ihren Blick zu schärfen, war ihr Lächeln für einen Moment stiller geworden. Sie hatte weder unterbrochen noch die Gelegenheit genutzt, ihm die Bequemlichkeit eines Erfolges vor Augen zu führen, bei dem zunächst nur die Arbeiter auf etwas verzichtet hatten.

„Eine gelungene Komödie kann Menschen wieder miteinander ins Gespräch bringen“, sagte sie jetzt. „Was nach dem letzten Vorhang geschieht, dürfte darüber entscheiden, wie lange die Versöhnung trägt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie für Ihre Veranstaltungen ebenso gute Verantwortliche finden wie damals für die Aufführung.“

Die Worte waren freundlich, ihre Aufmerksamkeit bereits auf den nächsten brauchbaren Gedanken gerichtet. Enric schätzte diese Fähigkeit an ihr. Sie konnte eine Behauptung begrenzen, ohne anschließend neben deren Überresten stehen bleiben zu müssen. Gleichzeitig waren Komödien in einem System wie dem Galaktischen Imperium ein gefährliches Instrument. Gelächter war nur einen Muskel davon entfernt sich über Dinge zu amüsieren, die nicht amüsant waren. In Lachen verpackte Systemkritik war immer noch eine Kritik, die ein Lauffeuer auslösen konnte.

Auch der nun genauer umrissene Wunsch nach einer externen Beurteilung der prefsbeltischen Maßnahmen war brauchbarer als die anfängliche Suche nach verfügbaren Künstlern und Gelehrten.
Enric nickte.

„Dann sollte Ihre Ausarbeitung vor allem den Untersuchungsauftrag benennen. Welche Maßnahmen, welcher Zeitraum und welche Unterlagen zugänglich sein sollen. Legatin Tessan wird prüfen, welche Fachleute dafür infrage kommen. Die Vermittlung erfolgt über mein Büro.“

Er sprach den letzten Satz so selbstverständlich aus wie die übrigen. Die Verbindung war zwischen ihnen angebahnt worden; ihre ersten Schritte sollten dort zusammenlaufen, wo er sie überblicken konnte. Ein externer Gutachter würde Einblick in die Folgen von T’rsops Entscheidungen erhalten, möglicherweise auch in die Unterschiede zwischen dessen Erwartungen und dem tatsächlichen Verhalten seiner Bevölkerung. Für Enric lag darin ein Wert, der über den höflichen Austausch von Empfehlungen hinausging. Er würde sehen können, wie der Pau’aner mit Erkenntnissen umging, die sich weniger bereitwillig seinem Ideal fügten als die Gedanken dieses Nachmittags.

Als T’rsop schließlich die Bedingungen formulierte, unter denen er einen widersprechenden Rat anzunehmen bereit sei, sah Enric ihn einen Moment schweigend an. Vernunft und Argumente sollten es sein, Erfahrung allein genügte ihm nicht. Eine verständliche Forderung, vorgetragen mit einer Entschiedenheit, die den Eindruck erweckte, der neue Gouverneur rechne bereits damit, seine Selbstständigkeit verteidigen zu müssen. „Du bittest um Beziehungen, doch zuerst möchtest du festlegen, wie man dir widersprechen darf.“ Enric empfand darüber einen Anflug von Unwillen. Der Pau’aner hatte ihn um Zusammenarbeit ersucht und begann nun, vorsorglich Grenzen gegen eine Bevormundung zu ziehen, für die der Gouverneur bislang wenig Zeit aufgewendet hatte. Zugleich erinnerte ihn diese Empfindlichkeit an einige der fähigeren Männer, die er in seinen eigenen Apparat geholt hatte. Stolz war verwendbar. Er konnte jemanden dazu bringen, eine unzureichende Arbeit dreimal zu überarbeiten, bevor er sie einem Vorgesetzten vorlegte. Man musste nur wissen, wann derselbe Stolz begann, Fehler zu verteidigen.

„Sie dürfen begründeten Rat erwarten“, antwortete er so diplomatisch, wie es ihm möglich war. „Erfahrung gewinnt ihren Wert daraus, dass sie Folgen sichtbar macht, die eine schlüssige Überlegung zunächst übersehen hat. Ich werde Ihnen sagen können, worauf meine Einschätzung beruht. Die Entscheidung für Prefsbelt IV bleibt selbstverständlich Ihre.“

Er ließ den Blick auf T’rsop ruhen und ergänzte mit kaum verändertem Ton:

„Den gleichen Maßstab werden wir an Ihre Empfehlungen anlegen.“

Damit war für ihn genug gesagt. Die kleinen Handbewegungen, mit denen sein Gegenüber das fehlende Glas ersetzte, quittierte er mit einer höflichen Neigung des Kopfes, bevor er trank. Es gab Menschen, die selbst bei einer so einfachen Verrichtung wie einem gemeinsamen Trinkspruch etwas Eigenes hinzufügen mussten. Enric würde sich daran gewöhnen können, sofern die wichtigeren Dinge verlässlich blieben.

Die Einladung zum Essen oder zu einem Spaziergang gab dem Gespräch schließlich eine Richtung, die auch Valéria willkommen zu sein schien. Sie wandte den Kopf zu einem der breiten Durchgänge, hinter dem die Bewegung der Besucher in die tieferen Bereiche des Gletschers führte. Von dort drang Musik herüber, nur einzelne Töne, durch das Eis und die Entfernung weich geworden.

„Die Ausstellungshalle würde mich interessieren“, sagte sie. „Wir haben bisher viel darüber gesprochen, was Kunst bewirken soll. Ich würde gern sehen, was hier tatsächlich geschaffen wurde.“

Enric sah sie kurz an, und ein schwaches Lächeln berührte seinen Mund.

„Dann nehmen wir Ihren Vorschlag gern an, Gouverneur. Die Ausstellungshalle.“


Er wartete, bis ein vorbeikommender Bediensteter ihre Gläser entgegengenommen hatte, und bot Valéria seinen Arm. Beim Aufbruch ordnete er seinen Schritt so, dass der Pau’aner bequem neben ihnen gehen konnte. Die Vorstellung, ihre Unterhaltung in einer Kaschemme fortzusetzen, ließ er unkommentiert. Er bezweifelte, dass T’rsop dieselbe Gleichgültigkeit gegenüber dem Rahmen aufgebracht hätte, wenn er tatsächlich auf einer klebrigen Bank zwischen dem Lärm schlecht gestimmter Instrumente und dem Atem betrunkener Fremder hätte sitzen müssen. Menschen wie dieser Gelehrte unterschätzten gelegentlich, wie viel Mühe anderer ihnen erlaubte, die Bedingungen ihres Wohlbefindens für nebensächlich zu halten.

Hinter dem Durchgang weitete sich der Weg zu einer Galerie, deren Brüstung den Blick in die darunterliegende Höhle freigab. Licht lag in langen, blassen Streifen unter ihren Füßen. Weiter unten bewegten sich Besucher über eine der Brücken; aus dieser Höhe erschienen die hellen Köpfe und dunklen Schultern beinahe wie Bestandteile einer langsam veränderlichen Einlegearbeit. Ein Servicedroide hielt am Rand eines Zugangs, bis eine Gruppe vorbeigegangen war, und glitt dann mit seinem beladenen Tablett weiter. Enric hörte die Absätze seiner Frau auf dem befestigten Boden, das gedämpfte Echo fremder Schritte und, dahinter, das beständige Murmeln einer Gesellschaft, die es verstand, selbst Muße mit Verabredungen zu füllen.

Auf dem Weg zur Ausstellungshalle blieb Valéria vor einer Vitrine stehen. Unter ihrer transparenten Haube lag ein mechanisches Uhrwerk, dessen geöffnete Fassung den Blick auf ein dichtes Gefüge fein gearbeiteter Räder freigab. Ein vergrößertes Hologramm darüber machte die Bewegung der kleinsten Teile sichtbar. Enric trat näher, ehe er die Entscheidung dazu ganz bewusst getroffen hatte. Sein Blick folgte der Kraftübertragung bis zur Unruh, verweilte an einer Lagerung und kehrte zu dem wirklichen Werk zurück.

„Du hast die Werkzeuge bereits im Kopf“, sagte Valéria leise.

„Der Zugang zum Federhaus ist unnötig umständlich.“

„Es könnte auch einfach schön sein.“

Er betrachtete die feinen Gravuren der Platine. Zwischen dem Blattwerk waren winzige Tiere verborgen, deren Körper sich erst beim zweiten Hinsehen aus den Linien lösten. Die Hand, die sie geschnitten hatte, musste außerordentlich sicher gewesen sein.

„Das ist es“, gab er zu.


Für einen Augenblick erinnerte ihn das kaum hörbare Ticken an einen Tisch auf Byss, auf dem mehrere Zeitmesser nebeneinander gelegen hatten, weil die elektronischen Anzeigen wieder ausgefallen waren. Damals hatte niemand nach Gravuren gefragt. Man hatte ihre Abweichungen verglichen und die nächsten Meldetermine festgelegt. Er schob die Erinnerung beiseite und richtete sich wieder auf; die Vitrine hatte seine Aufmerksamkeit verdient, doch Valéria hatte um einen Spaziergang gebeten.

Wenig später erreichten sie den Eingang der Ausstellungshalle. Die Beleuchtung wurde wärmer, aufgestellte Wände gliederten den weiten Raum, und zwischen Skulpturen, Bildern und schimmernden Kristallarbeiten hatten sich kleine Gruppen gebildet.
Enric ließ den Blick über die nächstgelegenen Werke wandern, während Valérias Hand ruhig auf seinem Arm lag. Hier würde sich vielleicht mehr über den Pau’aner erfahren lassen als durch eine weitere Erklärung seiner Regierungsgrundsätze.


„Welchem Werk würden Sie zuerst Ihre Zeit widmen, Gouverneur?“, fragte er. „Sie haben lange mit Künstlern gearbeitet. Mich interessiert, was Sie selbst zum Stehenbleiben bringt.“

Der Gouverneur ließ den Blick über die ausgestellten Werke gleiten und wartete darauf, welchem davon der Pau’aner seine Aufmerksamkeit schenken würde.

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[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Stand von Imperialis Sensus]
Theranos Zesh, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Kanto Garison, Kael Reed; weiter entfernt Ridley Solaris, Kal Andrim, Lucien Velcrest, Agustin Prada, Aren Vayliuar, T'rsop, Lucien Velcrest, Cestus Varro, Nira Merash, Matthew Severide und allerhand weiterer Gäste



Theranos hatte Kaels Ausführungen mit wachsendem Interesse verfolgt. Der Lieutenant nahm seine Aufgabe offensichtlich ernst, und bereits nach den ersten Kostproben wurde deutlich, dass er keineswegs vorhatte, sich auf einige gefällige Bemerkungen zu beschränken. Er prüfte die verschiedenen Ausführungen, verglich ihre Eigenschaften und stellte Fragen, die weit über jene hinausgingen, die Theranos bei einer gewöhnlichen Verkostung erwartet hätte. Besonders gefiel ihm, dass Reed die Unterschiede zwischen den Weinen nachvollziehbar beschrieb und dabei offenbar wenig Interesse daran hatte, dem Gastgeber lediglich dessen eigene Produktbeschreibungen zu bestätigen.

Als Kael anmerkte, er wolle bei den kommenden Sorten zunächst nur wissen, was sich in seinem Glas befinde, nickte Theranos zustimmend. Der Wunsch war verständlich. Schließlich konnte eine ausführliche Beschreibung bereits Erwartungen schaffen, bevor der erste Tropfen überhaupt die Zunge berührt hatte.

„Einverstanden, Lieutenant. Dann werde ich mich bei den nächsten Proben auf die Bezeichnung beschränken. Was wir uns bei der Entwicklung gedacht haben, können wir anschließend gerne besprechen. Ich bin ohnehin neugierig, ob Ihre Eindrücke mit unseren Vorstellungen übereinstimmen.“

Die anschließende Beurteilung der speziell angefertigten Gläser nahm Theranos mit besonderer Aufmerksamkeit auf. Dass Kael deren gestalterischen Anspruch anerkannte, freute ihn, doch wesentlich interessanter war dessen nüchterner Hinweis auf die tatsächliche Funktion. Ein gutes Glas durfte einem Wein durchaus helfen, seine Eigenschaften zur Geltung zu bringen. Die Vorstellung, damit geschmackliche Schwächen kaschieren zu können, wäre allerdings auch Theranos reichlich fragwürdig erschienen.

„Da bin ich vollkommen Ihrer Meinung. Unsere Gläser sollen in erster Linie ihren Zweck erfüllen und darüber hinaus schön anzusehen sein. Ein guter Entwurf sollte schließlich beides miteinander verbinden können.“

Bei Kaels Bemerkung über angeblich geschmacksverändernde Kelchränder musste Theranos schmunzeln.

„Wenn wir irgendwann behaupten sollten, unsere Gläser könnten aus einem schlechten Wein einen hervorragenden machen, dürfen Sie mich gerne persönlich zur Verantwortung ziehen. Ich hoffe allerdings, dass wir niemals in die Verlegenheit geraten, mit solchen Versprechen werben zu müssen.“

Dass der Lieutenant daraufhin den Classic ausdrücklich in einem neutralen Verkostungsglas und in der dafür vorgesehenen Ausführung von Imperialis Sensus vergleichen wollte, gefiel Theranos. Einen tatsächlichen Unterschied zu untersuchen war ihm wesentlich lieber, als sich ausschließlich auf die Behauptungen eines Herstellers zu verlassen. Er gab dem Personal deshalb die entsprechende Anweisung und überließ Kael anschließend wieder dessen Arbeit.

Während der Lieutenant sich durch die verschiedenen Weine probierte, hielt Theranos sich mit weiteren Erklärungen bewusst zurück. Er beobachtete lediglich gelegentlich, welche Proben Reed länger beschäftigten, welche er ein zweites Mal ansetzte und bei welchen sein Blick für einen Moment nachdenklicher wurde. Mehr als einmal hätte Theranos gerne schon nachgefragt, doch er widerstand der Versuchung. Schließlich hatte er selbst um eine möglichst unbeeinflusste Beurteilung gebeten.


Ganz anders verlief die Verkostung offenbar für seine beiden übrigen Gäste.

Lilivienne hatte sich zunächst höflich auf seine Ausführungen eingelassen und mehrere Proben gekostet, bevor sie mit einem durchaus verständlichen Pragmatismus erklärte, dass ihr der Wein gefalle und sie ihm die weitere Auswahl für ihren Keller auf Bastion überlassen wolle.

Theranos empfand darüber keine Enttäuschung, wenngleich er für einen Augenblick bedauerte, dass sie sich weniger für die geschmacklichen Einzelheiten interessierte, als er ursprünglich angenommen hatte. Andererseits hatte sie ihn ausdrücklich um eine Vorstellung gebeten, und ein Gast durfte schließlich selbst entscheiden, wie ausführlich er sich mit einem Getränk beschäftigen wollte.

Vor allem aber hatte sie ihm gerade das Vertrauen ausgesprochen, eine geeignete Auswahl für ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen zusammenzustellen. Das war für Theranos als Gastgeber und Unternehmer durchaus ein schönes Kompliment.

„Sehr gerne, Gouverneurin. Ich werde Ihnen eine abwechslungsreiche Auswahl zusammenstellen lassen, damit Sie für unterschiedliche Anlässe entsprechend ausgestattet sind. Ich denke, es wäre schade, Ihren Gästen auf Bastion ausschließlich jene Sorten anzubieten, die wir heute bereits gemeinsam probieren konnten.“

Er wandte sich kurz an eine Mitarbeiterin seines Standes und bat sie, eine entsprechende Zusammenstellung vorzubereiten. Diese sollte neben den einzelnen Produktlinien auch Empfehlungen für gesellschaftliche Anlässe, Speisenbegleitungen und die jeweiligen Stillwein- beziehungsweise Frizzante-Ausführungen enthalten.

Theranos ließ seinen Blick kurz über die Präsentation wandern.

„Ihre Majordomus kann die Aufstellung gerne mit unserem Personal durchgehen und gegebenenfalls anpassen lassen. Um die sichere Lieferung nach Bastion werden wir uns anschließend kümmern.“

Das Angebot einer angemessenen Kompensation nahm er mit einem freundlichen Lächeln entgegen.

„Was die Bezahlung betrifft, bleibt mein Versprechen vom gestrigen Abend selbstverständlich bestehen. Die bereits zugesagten Flaschen betrachten Sie bitte als Geschenk. Sollten Sie darüber hinaus Ihren Keller mit noch mehr Flaschen von Imperialis Sensus ausstatten wollen, finden wir für eine größere bzw. immer wiederkehrende Bestellungen gewiss eine für beide Seiten angenehme Lösung.“

Dass Lilivienne ihm die Auswahl überließ, nahm Theranos durchaus ernst. Er würde sich bei der Zusammenstellung nicht allein an den teuersten oder repräsentativsten Produkten orientieren, sondern tatsächlich darauf achten, dass die verschiedenen Weine sinnvoll miteinander harmonierten und unterschiedliche Geschmäcker abdeckten. Ein gut ausgestatteter Weinkeller sollte seinen Besitzer schließlich auch dann nicht im Stich lassen, wenn dessen Gäste andere Vorlieben besaßen als er selbst.

Als die Gouverneurin anschließend vorschlug, gemeinsam mit Kanto den gegenüberliegenden Stand von Quarzite zu besichtigen, nickte Theranos verständnisvoll.

„Aber selbstverständlich. Ich möchte Sie keineswegs davon abhalten, sich auch die anderen Ausstellungen anzusehen. Gouverneur Garison hat Ihnen schließlich ebenfalls einiges im Bereich von Quarzite zu zeigen, und ich bin überzeugt, dass Sie dort noch die eine oder andere interessante Entdeckung machen werden.“

Er wandte sich kurz Kanto zu.

„Und Gouverneur Garison, vergessen Sie das Getränk den Governor nicht. Ich habe Ihnen eine Verkostung zugesagt, und diese würde ich später oder gerne in Ihrem Beisein durchführen. Ich werde mich später gerne persönlich davon überzeugen, was Ihre Quarzite-Essenz mit unserem Luxa Solis anstellt.“

Ein amüsiertes Lächeln begleitete die Worte.

Dass Lilivienne sich schließlich bei Kanto unterhakte und die beiden gemeinsam aufbrachen, entging Theranos natürlich nicht. Offenbar hatten sie tatsächlich einen angenehmen Gesprächspartner im jeweils anderen gefunden. Angesichts ihrer aristokratischen Herkunft und der gemeinsamen gesellschaftlichen Umgangsformen überraschte ihn das kaum. Ein wenig amüsierte ihn allerdings die Selbstverständlichkeit, mit der Kanto innerhalb kürzester Zeit sowohl zu einer geschäftlichen Verbindung mit Bastion als auch zu einer persönlichen Begleitung der Gouverneurin gekommen war.

Der Mann versteht es jedenfalls, Gelegenheiten zu nutzen.

Theranos betrachtete die beiden noch für einen Moment, ehe er sich wieder dem Lieutenant zuwandte. Der Stand Quarzites lag unmittelbar gegenüber, und angesichts der überschaubaren Entfernung bestand ohnehin kein Anlass für eine umfangreiche Verabschiedung. Vermutlich würden sie sich im Verlauf des Nachmittags noch mehrfach begegnen.


Kael war unterdessen zu einer Einschätzung gelangt, die Theranos aufrichtige Freude bereitete.

Der Wein funktionierte.
Es war eine kurze Feststellung, doch gerade aus dem Mund eines Mannes mit Reeds Hintergrund besaß sie Gewicht. Theranos hörte aufmerksam zu, als der Lieutenant die klare Frucht, die feine Perlage und insbesondere den Ausklang des Luxa Solis hervorhob. Dass Kael ausgerechnet jene etwas herbere Limettennote als entscheidenden Gegenpol zur weicheren Frucht betrachtete, gefiel ihm besonders.

„Das freut mich zu hören, Lieutenant. Gerade diese Balance war uns bei Luxa Solis ausgesprochen wichtig. “

Als Reed anschließend die Unterschiede zwischen Stillwein und Frizzante ansprach, nickte Theranos langsam. Seine Fragen nach Säurestruktur, Kohlensäure und Herstellungsverfahren waren nachvollziehbar, reichten allerdings bereits tief in die praktische Kellerarbeit hinein.

„Was die analytischen Werte betrifft, können Sie sich selbstverständlich gerne unsere technischen Produktdatenblätter ansehen. Die haben wir für sämtliche Linien hier am Stand verfügbar. Dort finden Sie die entsprechenden Angaben zu den einzelnen Weinen, darunter auch die relevanten Werte für Säure, Restzucker, Alkoholgehalt und die jeweiligen Frizzante-Ausführungen.“

Theranos deutete auf den Beratungsbereich, in dem die Produktunterlagen bereitgehalten wurden.

„Die Unterlagen können Sie gerne in Ruhe durchgehen. Wenn Sie darüber hinaus Fragen zu einzelnen Verfahren oder Entscheidungen während der Vinifikation haben, würde ich Sie gerne mit Caelis Marron zusammenbringen. Er verantwortet einen wesentlichen Teil unserer praktischen Weinentwicklung und könnte Ihnen manche Einzelheit sicherlich präziser erläutern als ich.“

Ein leichtes Lächeln folgte.

„Bei unseren vollständigen Kellerprotokollen würde ich mich allerdings zunächst mit ihm abstimmen. Sie werden verstehen, dass wir einige Details unserer Herstellung durchaus als Betriebswissen betrachten. Ich möchte Ihnen ungern aus Begeisterung für dieses Gespräch Informationen überlassen, die mein Geschäftspartner anschließend mit wesentlich weniger Begeisterung vermisst.“

Das war keineswegs als Misstrauen gegenüber Kael gemeint. Theranos schätzte dessen offenes Interesse und war bereit, die freigegebenen Analysedaten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig betrieb er gemeinsam mit Caelis ein Unternehmen, dessen Entwicklung und wirtschaftliche Interessen er ernst nahm. Gerade ein Vertreter eines etablierten Getränkeunternehmens dürfte nachvollziehen können, weshalb nicht sämtliche Produktionsunterlagen ohne Weiteres öffentlich zugänglich waren.

Wesentlich unerwarteter fand Theranos hingegen Kaels anschließende Überlegungen zu einer möglichen Signaturrebe.



Arvessa.

Er wiederholte den Namen gedanklich, während Reed die Eigenschaften von Petite Arvine und Nascetta erläuterte. Die Vorstellung, bestimmte gewünschte Eigenschaften langfristig stärker in einer eigenen Rebe zu verankern, hatte durchaus ihren Reiz. Theranos beschäftigte sich gerne mit Innovationen, sofern sie auf einem nachvollziehbaren Ziel beruhten und mehr versprachen als einen werbewirksamen Namen.
Als Kael später mit Erbaluce und Timorasso sogar einen zweiten Ansatz für Classic vorstellte, wurde sein Interesse noch größer.

„Arvessa und Valeruce. Ich muss gestehen, die Namen gefallen mir bereits.“


Theranos lächelte kurz, ehe seine Miene wieder nachdenklicher wurde.

„Und Ihre Überlegungen dahinter finde ich tatsächlich spannend. Eine eigene Rebe mit einer entsprechend charakteristischen Aromatik könnte langfristig natürlich ein ausgesprochen interessantes Alleinstellungsmerkmal werden. Allerdings wäre das ein Projekt, bei dem wir vermutlich über viele Jahre sprechen und dessen Erfolg sich nicht einfach anhand eines Entwicklungsplans garantieren ließe.“

Er betrachtete den verbliebenen Luxa Solis in seinem Glas.

„Ich würde nur ungern den Eindruck vermitteln, als wäre eine eigene Rebsorte die Voraussetzung dafür, einen unverwechselbaren Wein zu schaffen. Ich glaube durchaus, dass Herkunft, Auswahl, Verarbeitung und eine über Jahre konsequent gepflegte Handschrift ebenfalls einen eigenständigen Charakter ergeben können.“

Sein Blick kehrte zu Kael zurück.

„Aber als Weiterentwicklung? Durchaus. Ich werde mir beide Vorschläge notieren und mit Caelis besprechen. Vielleicht ergibt sich daraus tatsächlich ein gemeinsames Forschungs- oder Züchtungsprojekt. Und sollte es so weit kommen, wäre ich durchaus daran interessiert, Ihre Überlegungen genauer kennenzulernen.“

Dass Theranos solche Ideen nicht sofort in konkrete Vorhaben verwandelte, hatte weniger mit mangelnder Begeisterung als mit Erfahrung zu tun. Gerade in seiner politischen Arbeit hatte er oft genug erlebt, wie einfach große Visionen formuliert und wie schwierig sie anschließend wirtschaftlich umgesetzt werden konnten. Ein Unternehmen musste wissen, wann es wachsen wollte und wann es vernünftiger war, zunächst die Qualität des bereits Geschaffenen zu sichern.

Bei Classic fiel Kaels Urteil schließlich besonders positiv aus.
Theranos hatte bereits während der Verkostung bemerkt, dass Reed dieser Linie etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte. Dass ihm der zurückhaltendere, trockenere Charakter persönlich besser gefiel als Luxa Solis, überraschte ihn daher kaum.


Auch die Bemerkung über die Glasform freute ihn ebenfalls. Kael hatte den Unterschied geprüft und einen nachvollziehbaren, wenn auch kleinen Effekt festgestellt. Genau darauf hatte Theranos gehofft.

„Und dass unsere Glasform Ihren Vergleich bestanden hat, freut mich besonders. Gerade weil der Unterschied offenbar nicht übertrieben ausfällt. Ich möchte schließlich ein gutes Glas entwickeln lassen, kein technisches Wunderwerk versprechen, das anschließend nur in der Werbung funktioniert.“

Kaels Fragen zur Nussigkeit und biologischen Säureumwandlung nahm er erneut für die technische Besprechung mit Caelis auf. Theranos kannte die angestrebten Eigenschaften und die wesentlichen Entwicklungsentscheidungen, doch er würde keine detaillierten Kellerverfahren aus dem Gedächtnis behaupten, solange die genauen Produktionsaufzeichnungen wenige Schritte entfernt verfügbar waren.

Auch Rosa Aurea erhielt eine Beurteilung, die Theranos zunächst zufriedenstellend fand, wenngleich Kael einen durchaus berechtigten Einwand formulierte.
Warum sollte ein Kunde in einigen Jahren ausgerechnet diesen Rosé kaufen?
Theranos ließ die Frage einen Augenblick auf sich wirken.

„Das ist tatsächlich ein Punkt, den wir uns langfristig stellen müssen. Gerade bei einem zugänglichen Rosé reicht es nicht, dass er bei einer ersten Verkostung gefällt. Die Gäste müssen sich später auch an ihn erinnern und einen Grund haben, wieder danach zu fragen.“

Seine Stimme wurde etwas nachdenklicher.

„Allerdings ist Rosa Aurea gerade erst vorgestellt worden. Ich möchte zunächst sehen, wie er außerhalb unseres unmittelbaren Umfeldes aufgenommen wird. Vielleicht werden wir an seinem Profil noch einzelne Dinge verfeinern. Vielleicht zeigt sich aber auch, dass gerade seine Ausgewogenheit von unseren Kunden geschätzt wird, die Zeit wird es Zeigen.“

Er lächelte leicht.

„Nicht jede unserer Kreationen muss zwingend die ungewöhnlichste Flasche auf einem Empfang sein. Manchmal ist es durchaus ein Vorteil, wenn ein Wein einfach angenehm zu trinken ist.“


Argentum schien bei Reed dagegen deutlich mehr Neugier zu wecken, was Theranos wiederum besonders freute. Der ungewöhnliche Vin Gris gehörte zu jenen Kreationen, bei denen er selbst gespannt gewesen war, ob die Zurückhaltung in der Aromatik als Eleganz oder als mangelnde Eigenständigkeit aufgefasst werden würde.
Dass Kael die feinere Struktur und die zurückhaltende Frucht ausdrücklich würdigte, nahm er daher mit Genugtuung zur Kenntnis.
Bei dessen Einordnung der Farbe und der Bezeichnung Ramato musste Theranos einen Augenblick überlegen. Gerade die Wahrnehmung solcher feinen Farbtöne hing stark von Beleuchtung, Glas und Hintergrund ab, und der Lieutenant hatte seine Beobachtung durchaus nachvollziehbar begründet.

„Ihre Beschreibung der Farbgebung finde ich interessant. Gerade hier am Stand wirkt Argentum je nach Licht tatsächlich etwas unterschiedlich. Dass Sie stärker einen kupferrosa Einschlag wahrnehmen, werde ich mir jedenfalls ansehen. Auch Ihre Anmerkungen zur Phenolik und zur Maischestandzeit nehme ich gerne mit.“

Er betrachtete die entsprechende Flasche.

„Argentum soll zurückhaltend bleiben. Deshalb möchte ich auch vermeiden, dass wir seine feineren Eigenschaften bei späteren Anpassungen durch zu viel Intensität verlieren. Ich bin gespannt, wie sich diese Linie langfristig entwickelt.“


Bei Rubor Nobilis wurde das Gespräch schließlich etwas interessanter.
Theranos hörte zu, als Kael die weiche Tanninstruktur und die ausgeprägte Frucht bestätigte, anschließend jedoch die fehlende Spannung bemängelte.

Die Frage blieb für einen Moment in seinem Kopf hängen.
Theranos musste zugeben, dass ihn diese Formulierung ein wenig störte. Schließlich waren die Samtigkeit, die weichen Gerbstoffe und der harmonische Charakter genau jene Eigenschaften gewesen, die er und Caelis bei Rubor Nobilis hatten erreichen wollen. Dass der Lieutenant sie nun beinahe als Schwäche betrachtete, ließ ihn für einen Augenblick die Stirn runzeln.
Er hielt die Kritik keineswegs für unberechtigt. Aber sie widersprach zumindest teilweise seiner eigenen Vorstellung davon, was dieser Wein sein sollte.

„Bei Rubor Nobilis möchte ich Ihnen allerdings in einem Punkt widersprechen, Lieutenant.“

Theranos sagte es ruhig, ohne den freundlichen Tonfall ihrer bisherigen Unterhaltung zu verlieren.

„Dass der Wein weich, harmonisch und zugänglich ausfällt, war durchaus beabsichtigt. Ich schätze kräftigere Rotweine ausgesprochen, aber ich wollte bei dieser Linie gerade vermeiden, dass man sich erst durch eine ausgeprägte Tanninstruktur oder eine besonders dominante Würze arbeiten muss, um Freude daran zu haben.“

Er nahm das entsprechende Glas zur Hand und betrachtete den dunkelroten Inhalt.

„Ich verstehe, was Sie mit zusätzlicher Spannung meinen, und ich möchte keineswegs ausschließen, dass sich hier noch etwas verbessern lässt. Aber ich würde ungern aus jedem unserer Weine eine geschmackliche Herausforderung machen. Ein Wein darf seinen Gästen gelegentlich auch einfach gefallen, ohne sie erst von seiner Komplexität überzeugen zu müssen.“


Ein kleines Schmunzeln begleitete den letzten Satz.

„Vielleicht ist das in diesem Fall tatsächlich eine Frage unterschiedlicher Vorlieben. Sie bevorzugen offenbar eine etwas ausgeprägtere Struktur, während ich bei Rubor Nobilis bewusst einen weicheren Charakter angestrebt habe.“

Theranos stellte das Glas wieder ab.

„Ihre Hinweise zur Frizzante-Ausführung finde ich trotzdem interessant. Gerade dort könnte eine andere Balance zwischen Frucht, Gerbstoffen und Perlage durchaus sinnvoll sein. Ich werde das mit Caelis besprechen. Und wer weiß, vielleicht entsteht aus Ihren Überlegungen irgendwann sogar eine zusätzliche, etwas kräftiger strukturierte Rotweinlinie.
Ich verspreche Ihnen allerdings nicht, dass wir Rubor Nobilis deshalb sofort vollständig verändern. Dafür mag ich ihn in seiner gegenwärtigen Form zu sehr, dennoch könnte man überlegen, eine Alternative Variante zu machen.“


Die Bemerkung war halb scherzhaft gemeint, doch Theranos stand tatsächlich dahinter. Er hatte Kael um eine ehrliche Einschätzung gebeten und würde dessen Hinweise ernst nehmen. Gleichzeitig wollte er nicht sämtliche Entscheidungen über die Identität seiner Produkte aus der Hand geben, nur weil ein erfahrener Fachmann andere persönliche Vorlieben besaß.

Als Kael schließlich seine Gesamtbeurteilung zusammenfasste, hörte Theranos aufmerksam zu.
Luxa Solis als vermutlich stärkstes Verkaufsargument, Classic als persönlicher Favorit des Lieutenants, Rosa Aurea als zugänglicher Rosé mit noch ausbaufähiger Eigenständigkeit, Argentum als interessante Entwicklung und Rubor Nobilis als jener Wein, über den man sich vermutlich am längsten streiten könnte.

Das war insgesamt ein erfreuliches Urteil.
Vielleicht sogar ein besseres, als Theranos vor der Verkostung erwartet hatte.

Dennoch merkte er, dass sein eigener Stolz bei manchen Bemerkungen noch immer ein wenig mitsprach. Gerade bei Rubor Nobilis hätte er Kael am liebsten noch einige weitere Argumente für dessen bewusst harmonischen Charakter geliefert. Er ließ es aber lieber bleiben. Nicht jede Meinungsverschiedenheit musste unmittelbar ausdiskutiert werden, und vielleicht würde er nach einem späteren Gespräch mit Caelis selbst manches anders beurteilen.

„Dann möchte ich mich zunächst einmal für Ihre ausführliche und vor allem ehrliche Einschätzung bedanken, Lieutenant. Sie haben mir durchaus einige interessante Überlegungen mitgegeben.“

Theranos warf einen Blick auf die verschiedenen Gläser.

„Besonders freut mich, dass Sie in Classic und Argentum offenbar jene Eigenständigkeit erkennen, die wir erreichen wollten. Und bei Luxa Solis scheint zumindest unsere Vorstellung eines zugänglichen, fruchtbetonten Weines mit einem klareren Ausklang aufgegangen zu sein.“


Er lächelte leicht.

„Was Rosa Aurea und Rubor Nobilis betrifft, haben wir nun jedenfalls genügend Gesprächsstoff für unsere nächste interne Verkostung. Ich bin mir sicher, dass Caelis Ihre Anmerkungen mit Interesse aufnehmen wird, auch wenn er Ihnen möglicherweise ebenso wenig in jedem Punkt zustimmt wie ich.“

Für einen Moment ließ Theranos die Eindrücke Revue passieren.
Es war ein eigenartiger Unterschied, ob man als Sektoradjutant über industrielle Großprojekte sprach oder als Mitgründer eines Weingutes vor einem erfahrenen Fachmann stand, der einem erklärte, was er bei den eigenen Produkten anders machen würde. In seiner politischen Arbeit war Theranos gewohnt, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten festzulegen und Verantwortung für deren Umsetzung zu übernehmen. Bei einer Weinverkostung gab es diese Art von Autorität nicht.

Er konnte eine Produktionsentscheidung treffen, eine neue Produktlinie finanzieren oder eine bestimmte Gestaltung durchsetzen.
Ob einem Gast das Ergebnis gefiel, lag allerdings vollkommen außerhalb seiner Macht.
Und auch wenn er sich das gelegentlich anders gewünscht hätte, war vielleicht gerade das einer der reizvollsten Aspekte seiner privaten Leidenschaft.
Theranos nahm einen kleinen Schluck Wasser, bevor er sich wieder vollständig Kael zuwandte.

„Darf ich Ihnen meinerseits eine Frage stellen, Lieutenant?“

Er ließ dem Chiss einen kurzen Augenblick, ehe er fortfuhr.

„Sie haben sich inzwischen einen recht gründlichen Eindruck von unseren Produkten und unserem Auftreten verschafft. Wenn Sie also einmal den rein önologischen Teil für einen Moment beiseitelassen und Imperialis Sensus als Unternehmen betrachten: Was nehmen Sie von dieser kleinen Verkostung und unserer Präsentation insgesamt mit?“

Theranos deutete mit einer offenen Hand auf den Stand.

„Mich interessiert, wo Sie bei einer noch jungen Marke wie unserer die größten Chancen und vielleicht auch die größten Schwierigkeiten sehen.
Schließlich vertreten Sie mit Imperial Spirits ein Unternehmen, das sich bereits in einer wesentlich größeren Größenordnung bewegt. Ich wäre ein schlechter Unternehmer, würde ich mir die Gelegenheit entgehen lassen, jemanden mit entsprechenden Erfahrungen nach seiner Meinung zu fragen.“


Dabei lag in seiner Stimme weder falsche Bescheidenheit noch der Wunsch, sich bei Kael einzuschmeicheln. Theranos wusste um seine eigenen Stärken in Wirtschaft, Organisation und langfristiger Planung. Gleichzeitig war er realistisch genug, um zu erkennen, dass ein Unternehmen für hochwertige Getränke andere Herausforderungen mit sich brachte als eine planetare Verwaltung oder der Bau einer Großwerft.

„Und wenn ich schon die Gelegenheit habe, würde mich Imperial Spirits selbst ebenfalls interessieren. Ich kenne selbstverständlich den Namen und Ihren geschäftlichen Hintergrund, aber ein Unternehmen ausschließlich aus öffentlichen Informationen zu beurteilen, ist bekanntlich nur bedingt aufschlussreich.“

Ein freundliches, beinahe neugieriges Lächeln trat auf sein Gesicht, er lehnte sich leicht an den Rand des Präsentationstisches und verschränkte die Hände locker vor sich.

Er war tatsächlich gespannt auf die Antwort.

Nicht nur, weil Reed möglicherweise interessante Anregungen für Imperialis Sensus hatte. Theranos mochte Personen, die sich intensiv mit ihrem Fachgebiet beschäftigten und bereit waren, ihre Ansichten auch dann zu vertreten, wenn sie nicht zwangsläufig auf Zustimmung stießen. Der Lieutenant hatte während dieser Verkostung bereits gezeigt, dass er sich weder durch einen Rang noch durch eine aufwendig gestaltete Präsentation davon abhalten ließ, seine eigene Meinung zu formulieren.

Und vielleicht bot sich daraus sogar eine Gelegenheit, die weit über diese erste Verkostung hinausreichte.


[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Stand von Imperialis Sensus]
Theranos Zesh, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Kanto Garison, Kael Reed; weiter entfernt Ridley Solaris, Kal Andrim, Lucien Velcrest, Agustin Prada, Aren Vayliuar, T'rsop, Lucien Velcrest, Cestus Varro, Nira Merash, Matthew Severide und allerhand weiterer Gäste
 
[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - Imperiales Basislager - Containerhanger - Akolyth Vorn und wichtige NPCs: Command Sergeant Rayk Sperber, ISB Agent Xie, Major Cestus + weitere Soldaten unterschiedlichster Einheiten und ihre (Unter)offiziere ]

Das grotesk hässliche Trockenobst in Humanoidengestalt kam gar nicht erst dazu zu antworten. Ein bisher stiller oder neuer oder anderweitig bedeutungsloser Mann fing an zu reden und es dauerte diesmal gar nicht so lange, da erkannte Vorn ihn sogar, obwohl er es wirklich zu vermeiden versucht hatte. Imperiale Offiziere waren schließlich auf Grund ihrer IMPERIALEN Ausbildung immer nahezu nutzlos und ihre Gedanken ebenso langweilig wie unnatürlich, denn sie schafften es die Zeit auf eine Weise zu verlangsamen, dass sich die Gehirnwindungen gegenseitig auffraßen. Doch diesmal sprach der eine Offizier, den Vorn zu respektieren gelernt hatte. Passenderweise nannte ihn die Abscheulichkeit auch nur Major, weshalb sich der Machtnutzer auch diesmal mit keinen unwichtigen Informationen befassen musste. Magga sein dank, manchmal hatte er wirklich schlicht und einfach nur Glück.

Der Mann hatte jedoch nichts erwähnenswertes zu sagen. Der Machtnutzer drehte sich dennoch gerade so ausreichend um, sodass er ihn erblicken konnte. Imperiale trugen gerne Helme und schafften es so spielend leicht Vorn zu entgehen. Deshalb schaute er sich den Major an, um ihn später wieder zu finden. Keiner der anderen Offiziere um ihn herum waren irgendetwas wert. Jeder verschissene Droide war auf der selben Stufe. Ihr vom Imperium verliehener Rang war nutzlos, genau so aus dem Arsch gezogen wie die Namen von Gamorreanern. Nur Vorns eigene Erfahrung und damit Meinung konnte man Gewicht beimessen und diese besagte: Ausschließlich der
Major hatte sich bewiesen, alle anderen konnten sich mit Aster gepflegt ins eigene Knie fi**en!

WAS auch immer! Das
Trockenobst antwortete schließlich auf Vorns Aussagen. Und das auf unbefriedigende Weise. Warum sollte es kein Problem sein, wenn die Verbindungen gesprengt werden würden? Ach, die Hitze würde sowieso entstehen? Ach ja? Und wenn diese dank der fehlenden Rohre nicht mehr abfließen konnte, wo würde sich diese zuerst stauen? Womöglich IN DIESEM SELBEN KRAFTWERK, IN WELCHEM SIE SICH BEFANDEN???

Er sprach es nicht an. Es hatte eine Weile gedauert, doch inzwischen vermutete der Machtnutzer, dass er einfach nur nicht die schw***telige Redensart des Imperiums verstand und DESHALB meldete sich niemand anders, denn für alle anderen war es klar. Die vielen jämmerlichen Qualitäten eines Imperialen durften nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie durchaus zu so etwas wie Intelligenz fähig waren und sei es auch nur in der Gruppe.

Erdwärmekraftwerk. Also Magma oder Lava? War das der Plan, den er bis jetzt nicht verstanden hatte, weil die Worte nicht gefallen waren? Das Imperium verlor sich eben gerne in Belanglosigkeiten und ausschweifendem Blabla. Alles, nur nicht das Offensichtliche in Worte fassen, DAS konnten sie gut.

Um nun aber jetzt wirklich absolut ehrlich zu sein: Vorn war das alles sowieso scheißegal. Er hatte ja ohnehin nicht vor, diese Kampagne bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Selbst der noch halbwegs respektable Major mochte ein Opfer der Umstände werden. Also schwieg er und biss sich gedanklich auf die Lippen. Er wollte nur so lange überleben, bis er ein Raumschiff fand.

Folglich waren die nächsten Ausführungen des Xenos schon mehr von dem, das der Akolyth hören wollte. Ja, alles würde hart beschissen werden, aber tja, was hatten sie schon für eine Wahl oder? Zuerst würden sie sich gegen all jene Rebellen, die nicht gerade die Außenmauern verteidigten, zur Wehr setzen müssen. Falls das Oberkommando derselbigen sich danach nicht ergeben würde, womit jawohl keiner ERNSTHAFT rechnen würde, sollten sie versuchen diese Regierung selbst anzugreifen und gefangenzunehmen. Natürlich auch nur dann, falls sie selber nicht in selbige Gefangenschaft geraten würden. Da dies aber ein rein fiktionales Konzept war, schwappte es über Vorn hinweg wie Wind über Stein. Seine Gedanken kreisten um Plan B.

Also nicht den vom ihm selbst angesprochenen Plan B, sondern seinem eigenen Plan B. Von Truuine entkommen, indem er ein rebellisches Raumschiff samt Piloten entführte. Dafür müsste er tatsächlich das Kraftwerk verlassen und in Richtung Zentrum marschieren, denn laut Holokarte konnte er verfi**t nochmal gar nichts herauslesen. Wo auch immer die Fluchtschiffe der Rebellen waren, sie taten ihm nicht den Gefallen, sie offen für alle Augen zu platzieren. Sein Gefühl sagte ihm aber, dass sie wahrscheinlich NICHT in der Nähe des Kraftwerks standen, dafür aber schon eher in der Nähe der vermuteten rebellischen Regierung. Vorn hatte also ohnehin keine Motivation bei ihrem ursprünglichen Ziel zu bleiben. Das Kraftwerk mit seiner Lava konnte ihm gestohlen bleiben. Er war schon einmal beinahe von flüssigem Gestein entweder begraben oder in die Luft gesprengt worden. Er konnte auf eine Wiederholung verzichten.

Deshalb grunzte der Mensch nur in sich hinein und winkte halbherzig ab. Er war weder zufrieden, noch fühlte er sich missverstanden. Ein typischer imperialer Tag. Ohne Eigenleistung konnte man in diesem Reich nur verzweifeln. An für sich hatte er aber bereits eine Entscheidung getroffen, wie auch immer diese am Ende im Detail aussehen würde. Sergeant Ahnungslos konnte bitte gerne von einem der weißen Wookieeabkömmlinge zerfetzt werden oder anderweitig grausam sterben. Vorn würde sich dem Major erneut anschließen. Ihm und seiner Truppe kompetenter Soldaten, die seinen Schild zu schätzen und ihn vor allem zu nutzen wussten...

[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - Imperiales Basislager - Containerhanger - Akolyth Vorn und wichtige NPCs: Command Sergeant Rayk Sperber, ISB Agent Xie, Major Cestus + weitere Soldaten unterschiedlichster Einheiten und ihre (Unter)offiziere ]
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Nahe Moraband / Gletscherhöhlen der Gala / Ausstellungsflächen / Stand von Imperialis Sensus] Kael Reed, SA Theranos Zesh, Sarina (NSC), Ramo Carroon (NSC), in der Nähe Lilivienne Évarielle d'Oridin, Kanto Garison und weitere Galagäste

Dass Gouverneurin d'Oridin die Zusammenstellung ihres künftigen Weinkellers schließlich Theranos überließ, nahm Kael noch mit. Sie hatte etwas gefunden, das ihr schmeckte und überließ ihm den Rest. Auch wenn sie das alle nicht gerne hörten, für einen Großteil der Reichen und Schönen hörte es auch genau da auf. Als sie kurz darauf gemeinsam mit Gouverneur Garison in Richtung des gegenüberliegenden Quarzite-Standes aufbrach, kehrte seine Aufmerksamkeit ohnehin unmittelbar zu Theranos zurück.

Dass Zesh ihm die technischen Produktdaten ohne Weiteres zugänglich machte und bei den vollständigen Kellerprotokollen die Grenze zog, war ungefähr das, was Kael an seiner Stelle selbst getan hätte. Immerhin musste er dem Sektoradjutanten nicht erklären, weshalb man einem Vertreter eines anderen Getränkekonzerns nicht aus Begeisterung die eigene Produktion offenlegte. Dass Theranos zusätzlich auf Marron verwies und auch Arvessa und Valeruce zunächst mit ihm besprechen wollte, schadete dem Eindruck keineswegs. Eine neue Rebe ließ sich schnell benennen, Erprobungen für Cuvées oder Reinsortige Ausbauten erforderten dann neben Anbau auch exponentiell mehrere Stunden Arbeit, auch wenn diese sich vielleicht aus der Sicht eines anderen vielleicht auszahlen mochte.


„Die Datenblätter reichen mir fürs Erste. Bei allem, was darüber hinausgeht, sprechen wir ohnehin besser gemeinsam mit ihrem Partner.“ Auch bei der Bedeutung eigener Rebsorten lag Theranos nicht falsch. Man brauchte sie nicht, um einem Wein über Jahre einen erkennbaren Charakter zu geben. „Da widerspreche ich Ihnen nicht. Luxa und Classic funktionieren jetzt schon ohne eigene Rebe. Arvessa und Valeruce waren kein Reparaturvorschlag. Wenn Sie Herkunft, Selektion und Ausbau über Jahre sauber genug führen, können Sie auch so eine Handschrift aufbauen.“ Sein Blick ging kurz zu den beiden Flaschen. „Die Kreuzungen wären für mich eher etwas für später, falls Sie irgendwann stärker über die Rebe selbst arbeiten wollen. Nicht etwas, das Sie brauchen, damit die Weine überhaupt funktionieren.“

Mr. Marron musste bei einem solchen Gespräch ohnehin an den Tisch. Er verantwortete einen wesentlichen Teil der praktischen Entwicklung und Kael hatte wenig Interesse daran, über dessen Kopf hinweg Züchtungsprojekte vorzuschlagen oder einzubringen, wobei ihm das ja ohnehin nicht zustand. Beim Rubor Nobilis lagen ihre Vorstellungen weiter auseinander, nicht Problematisch, einfach eine Sache von Grundsatzpräferenzen. Theranos hatte einen weichen, harmonischen Rotwein bauen wollen und genau diesen Wein bekommen. Kael fehlte daran weiterhin die Spannung, nur machte seine persönliche Vorliebe aus einer bewusst umgesetzten Stilentscheidung noch keinen Fehler.

„Beim Rubor müssen wir uns nicht einigen. Wenn genau diese Weichheit Ihr Ziel war, haben Sie sie erreicht. Mir fehlt trotzdem Spannung und das wird sich vermutlich auch nicht ändern. Das heißt aber nicht, dass Sie den Stillwein meinetwegen umbauen sollten.“ Er nahm das entsprechende Glas noch einmal kurz in die Hand, ohne daraus zu trinken, und stellte es anschließend wieder zurück. „Bei der Frizzante-Ausführung würde ich genauer hinsehen. Da verändert die Perlage genug, dass die gewünschte Harmonie für mich nicht mehr ganz so selbstverständlich funktioniert. Das ist aber ein anderes Thema.“

Auch bei Rosa Aurea hatte Theranos ihn etwas weiter interpretiert, als Kael gemeint hatte. Er verlangte nicht von jedem Wein Widerstand oder irgendeine intellektuelle Aufgabe. Ein unkomplizierter Premiumwein durfte unkompliziert sein, nur deshalb nicht weniger sorgfältig angegangen werden. Das zeichnete Exzellenz in seinem Augen nunmal aus. „Beim Rosa haben Sie mich übrigens denke ich etwas missverstanden. Ein Wein muss nicht kompliziert sein, damit ich ihn gut finde. Innerhalb des Marktes kommt aber unweigerlich der Punkt an dem er eine Art... Grund braucht, weshalb der Kunde wieder genau Ihren kauft. Das Pflaster ist hart umkämpft.“

Dass Theranos zunächst abwarten wollte, wie Rosa Aurea außerhalb des eigenen Umfelds angenommen wurde, war vernünftig. Die Reaktion tatsächlicher Kunden würde irgendwann ohnehin mehr sagen als eine weitere Diskussion am Probiertisch. Bei Argentum galt im Grunde dasselbe. Zesh hatte verstanden, welche Punkte Kael interessierten, wollte die zurückhaltendere Linie nicht mit zusätzlichen Eingriffen erschlagen und würde gemeinsam mit Marron sehen müssen, was nach den ersten größeren Rückmeldungen überhaupt verändert werden sollte. Mit Caelis Marron wollte Kael sich trotzdem unterhalten, nur nicht hier. Für ein ernsthaftes Gespräch über Produktion und Vinifikation fehlten ihm am Stand schlicht die notwendigen Grundlagen. Er wollte die Anlagen sehen, das Labor, die Produktionswege und das Material, mit dem tatsächlich gearbeitet wurde. Ohne einen gemeinsamen Sachstand konnte man erstaunlich lange intelligent über Kellerarbeit reden und am Ende trotzdem über zwei verschiedene Betriebe gesprochen haben und das half am Ende niemandem. Theranos' nächste Frage lag näher an dem Grund, weshalb Kael überhaupt auf Truuine war. Für eine erste Einschätzung hatte er inzwischen genug gesehen. Für wesentlich mehr fehlten ihm Zahlen.

„Als Unternehmen haben Sie bisher mehr richtig gemacht als falsch wenn sie mich fragen. Sie wissen, dass Sie ein kleines Haus sind und versuchen nicht, etwas anderes vorzutäuschen. Das hilft. Das Sortiment ist noch überschaubar genug, dass man erkennt, was zusammengehört und bei den Weinen steht wenigstens tatsächliche Arbeit hinter dem Namen.“ Kael ließ den Blick kurz zwischen Theranos und den Produkten wandern. „Marron scheint zu wissen, was er im Keller tut. Sie kennen wiederum ziemlich genau die Leute, denen Sie das Zeug verkaufen wollen. Beides verschafft Ihnen einen Vorsprung. Und in Ihrem Segment müssen Sie auch nicht sofort große Mengen produzieren. Entscheidend ist eher, ob die geringe Menge gewollt ist oder ob Sie schlicht nicht mehr herstellen können.“

Beides band das Unternehmen derzeit auffällig eng an seine Gründer. Theranos war Sektoradjutant und kannte Gouverneure, Unternehmer, Militärs und Angehörige der imperialen Oberschicht persönlich, nicht über eine Händlerkartei. Marron schien gleichzeitig erheblich tiefer im eigentlichen Produkt zu stecken, als seine geringe Sichtbarkeit am Stand vermuten ließ. Für den Augenblick funktionierte diese Aufteilung. Wie viel davon noch funktionierte, wenn Zesh nicht neben jeder Flasche stand oder Marron einmal andere Prioritäten hatte, wusste Kael schlicht noch nicht. Dass Imperialis Sensus inzwischen zusätzlich mit Glas, Schmuck und Interieur arbeitete, machte die Sache nicht einfacher. Ein breiteres Luxushaus konnte dieselben Kunden über mehrere Bereiche erreichen und den Namen schneller bekannt machen, sich aber genauso gut auf zu viele Dinge verteilen und dabei die Qualität der einzelnen Sparten verlieren. Bei einem so jungen Unternehmen ließ sich daraus noch kein belastbares Urteil ziehen.

„Bei Glas, Schmuck und Interieur wäre ich deshalb noch vorsichtig. Wenn daraus tatsächlich ein Luxushaus werden soll, kann das sehr gut funktionieren. Wenn Sie zu früh zu viele Produktgruppen aufbauen, leiden irgendwann die einzelnen Bereiche darunter. Im Moment kann ich Ihnen nicht sagen, wo bei Ihnen diese Grenze liegt. Bevor ich Ihnen da eine ernsthafte belastbare Eigene Meinung liefern könnte fehlt mir aus meiner Position heraus aber zuviel. Was produzieren Sie tatsächlich? Nicht theoretische Kapazität, sondern reale Jahresmengen je Linie. Und wie weit können Sie hochgehen, ohne Rohstoffe, Lieferanten oder Qualitätsniveau zu verändern? Wie verkaufen Sie im Moment? Direkt, über Händler, Gastronomie und Hotellerie oder läuft ein großer Teil noch über persönliche Kontakte und Veranstaltungen wie diese? Und wo wollen Sie hin? Größeres Premiumsegment, bewusst knappe Luxusproduktion oder irgendwann beides über verschiedene Linien? Je nachdem sieht Ihr nächster Schritt ziemlich anders aus.“

Theranos hatte im Gegenzug nach Imperial Spirits gefragt. Öffentlich wurde der Name meist für alles verwendet, was irgendwie zum Familienunternehmen gehörte, intern war die Trennung nüchterner. Imperial Spirits Incorporated war weiterhin das produzierende Stammhaus mit Getränken, Wein, Feinkost, zentralen Qualitätsstandards und einem wesentlichen Teil der eigentlichen Produktion. Handel, Produzentenanbindung, Repräsentation, Veranstaltungen und Forschung lagen inzwischen in spezialisierten Teilen der Imperial Spirits Group.

„Imperial Spirits ist inzwischen weit mehr als das ursprüngliche Getränkeunternehmen. Unser Stammhaus produziert weiterhin selbst und setzt die Grundstandards. Für Handel, Logistik, Veranstaltungen, Forschung und einige andere Bereiche haben wir eigene Gesellschaften. Meine Entourage von der Agency hier gehört dazu. Safetrade kümmert sich um Handel und die Anbindung kleinerer Produzenten. Wenn wir zusätzliche Forschungskapazitäten abseits unserer Stammexpertise brauchen, greifen wir auf die angegliederten Gesellschaften dort zurück, im Prinzip so etwas wie eine kontrollierte Wettbewerbsumgebung in House." Genau diese Entscheidung würde auch auf Imperialis Sensus irgendwann zukommen. Nicht alles selbst aufzubauen bedeutete schließlich nicht automatisch, Kontrolle über das eigene Produkt abzugeben, aber sich in manchen Bereichen eben in Teils fähigere Hände zu begeben, erzielte meist einfach bessere Ergebnisse. „Eine Zusammenarbeit muss bei uns auch nicht mit einer Übernahme anfangen. Es gibt Beteiligungen, gemeinsame Projekte und Produzenten, die ihre eigenen Märkte und einen großen Teil ihrer Unabhängigkeit behalten, dafür aber auf Beschaffung, Logistik oder Vertrieb der Gruppe zugreifen. Je nach Modell kann das beim Vertrieb anfangen und bei gemeinsamer Produktion oder Entwicklung enden. Was davon sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Partner ab.“

Die Weine waren gut genug, dass der Gedanke nicht länger nur theoretisch blieb. Nicht alle trafen seinen Geschmack und nicht alle hätte er genauso gebaut, aber keiner davon hatte ihm das Gefühl gegeben, vor einem hübschen Stand mit austauschbarem Inhalt zu stehen. Für seinen Auftrag auf Truuine war Imperialis Sensus damit bislang deutlich interessanter als alles andere, was ihm auf der Veranstaltung begegnet war und definitiv wertvoller als mit 30 weiteren x-beliebigen selbstverliebten Verwaltern zu palavern.

„Haben Sie und Mr. Marron eigentlich schon einmal darüber gesprochen, ob Sie alles, was Sie für Wachstum brauchen, wirklich selbst aufbauen müssen? Wenn Sie irgendwann an den Punkt kommen, an dem Produktentwicklung, Produktion oder Vermarktung schneller wachsen könnten als Ihre eigenen Strukturen, wäre eine größere Gesellschaft eine Möglichkeit.“ Kael hob die Hand nur kurz. „Das ist noch kein Angebot. Ich habe weder Ihre Produktionszahlen noch Ihre Kalkulation gesehen und bei uns müssten sich dafür ohnehin noch andere Leute mit dem Unternehmen beschäftigen. Ich werde es intern weitergeben, wenn sie möchten, das kann ich anbieten.“

Gerade bei einem späteren Züchtungsprojekt könnten zusätzliche Laborflächen, Versuchsanlagen und Kapital interessant werden, ohne dass Imperialis Sensus deshalb die Kontrolle über seine Produkte abgeben musste. Bevor Kael ernsthaft darüber sprechen wollte, musste er allerdings Marron treffen und sehen, worauf dessen Arbeit tatsächlich aufbaute.

„Mit Herrn Marron würde ich mich gern unterhalten, nur nicht hier. Wenn wir darüber reden, möchte ich vorher Ihre Anlagen gesehen haben. Keller, Labor, Produktionswege, Ausgangsmaterial.“ Kael wandte sich kurz zur Seite. „Geben Sie SA Zesh bitte meine direkten Geschäftskontakte und nehmen Sie seine auf. Die technischen Datenblätter ebenfalls, soweit sie für uns freigegeben sind.“ Die Agentin trat an ihn heran, zückte ihr Datapad und bestätigte knapp. „Und setzen Sie einen Folgetermin mit auf die Liste. Nach meiner Schulung und Versetzung, vorher mit beiden abstimmen. Ich möchte den Termin selbst wahrnehmen. Wenn der Dienstplan es zulässt.“

Sarina machte sich an die Arbeit. Kael nahm noch einmal Wasser und wandte sich wieder Theranos zu.

[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Nahe Moraband / Gletscherhöhlen der Gala / Ausstellungsflächen / Stand von Imperialis Sensus] Kael Reed, SA Theranos Zesh, Sarina (NSC), Ramo Carroon (NSC), in der Nähe weitere Galagäste
 
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