Truuine


[Truuine - Nahe Moraband - Gletscherhöhlen der Gala - VIP-Bereich der Nebenbühne]
Agustin, Aren, Ridley Solaris sowie weitere Galagäste


Agustin hörte den Ausführungen des Gouverneurs aufmerksam zu und nahm schließlich doch einen vorsichtigen Schluck aus seinem Glas. Der Geschmack war weniger abschreckend, als der Anblick des darin befindlichen Tieres zunächst vermuten ließ. Begeisterung löste das Getränk bei ihm trotzdem nicht aus. Wesentlich interessanter war ohnehin, was Solaris über die militärische Lage zu berichten hatte.

Dass die Offensive derart eindeutig zugunsten des Imperiums verlief, überraschte Agustin angesichts der ihm bekannten Kräfteverhältnisse kaum. Etwas anderes tat es hingegen durchaus. Der Governor hatte den ursprünglichen Angriff zur Errichtung des Brückenkopfes persönlich angeführt und gedachte offenbar, auch bei einer weiteren Offensive selbst einzugreifen. Agustins Blick wanderte für einen Augenblick zu jenem Lichtschwert, dessen Existenz ihm aus den Holonachrichten längst bekannt gewesen war. Offenbar handelte es sich tatsächlich um mehr als ein bloßes Symbol seiner Verbindung zum Sith-Orden.

Der Bastioner wusste durchaus zu schätzen, wenn ein Mann bereit war, für seine eigenen Entscheidungen Risiken einzugehen. Trotzdem wäre Agustin selbst niemals auf die Idee gekommen, sich während des Dubrillioner Bürgerkrieges mit einem Blaster an die Spitze eines Sturmangriffs zu stellen. Nicht aus mangelnder Bereitschaft zum persönlichen Risiko, sondern weil ein toter Governor seiner Verwaltung denkbar wenig nutzte. Jedoch wusste er auch, dass Aren durchaus auch dazu neigte, selbst Hand anzulegen. Wohl ein Überbleibsel aus seiner Zeit beim Militär.

Ein leichtes Schmunzeln zog über seine Züge.


"Sie haben sich seit unserem letzten Treffen offenbar einige neue Betätigungsfelder erschlossen"

Bemerkte Agustin und deutete mit seinem Glas kaum merklich in Richtung des Lichtschwertes.

"Ich kann den Reiz durchaus nachvollziehen, eine Offensive persönlich zu führen. Versuchen Sie lediglich, Truuine dabei nicht seinen Governor zu nehmen. Das beste Militär der Galaxis ersetzt nur schwer den Mann, bei dem am Ende sämtliche Fäden zusammenlaufen."

Der Tonfall blieb trocken genug, dass die Worte weniger wie eine Belehrung denn wie die Feststellung Mannes wirkten.

Bei den folgenden Worten des
Gouverneurs hob Agustin schließlich leicht eine Augenbraue. Ein Planet, geformt durch ambitionierten und zielstrebigen Willen. Es war eine Formulierung, die ebenso gut aus seinem eigenen Mund hätte stammen können. Vielleicht erklärte genau das einen Teil der Sympathie, die er bereits bei ihrem ersten Treffen für Solaris entwickelt hatte. Der junge Governor besaß jene Eigenschaft, die Agustin bei Verwaltern deutlich höher bewertete als Herkunft, gesellschaftlichen Rang oder gepflegte Rhetorik: Er wollte die Zügel in die Hand nehmen und gestalten. Und offenbar konnte er es auch.

Agustin ließ seinen Blick erneut durch die Gletscherhalle schweifen. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung war keine bloße kulturelle Spielerei. Sie zog Kapital, Einfluss und Aufmerksamkeit an. Auf einer Welt, die vor wenigen Jahren noch darum gekämpft hatte, überhaupt als ernstzunehmender Bestandteil des Imperiums wahrgenommen zu werden, war allein die Zusammensetzung der heutigen Gästeliste ein politischer Erfolg.


"Mit ambitioniertem und zielstrebigem Willen lassen sich erstaunlich viele Probleme lösen"

Ein kühles Lächeln begleitete die Worte.

"Bei unserem ersten Treffen wollten Sie Truuine wirtschaftlich entwickeln und gleichzeitig aus seiner strategischen Bedeutungslosigkeit herausführen. Wenn ich mich heute hier umsehe, würde ich sagen, dass zumindest der erste Teil inzwischen weit über das Planungsstadium hinaus ist."

Agustin nahm einen weiteren, diesmal weniger skeptischen Schluck des Squigs.

"Welcher Wirtschaftszweig steht denn noch in den Startlöchern?"

Die Frage war keineswegs nur höfliches Interesse. Der Myto-Sektor würde in den kommenden Kriegsjahren gewaltige Mengen an Rohstoffen, Versorgungsgütern und industrieller Kapazität benötigen. Falls Solaris auf Truuine etwas entwickelte, das sich sinnvoll in diese Strukturen einbinden ließ, bestand wenig Anlass, damit zu warten, bis irgendein Beamter auf Bastion zufällig dieselbe Idee bekam.

Für einen kurzen Moment sah Agustin zu
Aren hinüber. Erst am vergangenen Abend hatten sie mehrere Stunden darüber gesprochen, wie eng sich die wirtschaftlichen Strukturen ihrer Sektoren künftig miteinander verzahnen ließen. Zweifelsohne, dachte der Bastioner, musste diese Rechnung zeitnah um mehr als zwei Namen erweitert werden.

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Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
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Wie erwartet zog Ridleys Erwähnung teilweise selbst an vorderster Front mitzukämpfen, die Aufmerksamkeit von hens Gesprächspartnern auf sich. Amüsiert kommentierte Prada, dass hen sich seit ihrem letzten Treffen wohl neue Betätigungsfelder erschlossen hatte und deutete mit seinem Glas auf hens Lichtschwert. Dann wieder ernst empfahl er jedoch vorsichtig zu sein, da das beste Militär eben nicht jemanden ersetzen konnte, bei dem am Ende alle Fäden zusammenliefen. Ridley nickte.

“Ein wohlkalkuliertes Risiko, Moff Prada, dass das Nützliche mit dem Nötigen verbindet”, erklärte hen und nahm einen weiteren Schluck von hens Drink. “Dem Gegner ein freies Schussfeld auf den Sturmangriff zu nehmen und so viele der Vorteile einer Verteidigungsstellung zu negieren, ist natürlich ein äußerst nützlicher Effekt. Für die Moral, für die Kriegskasse…für Ausgleichszahlungen an Verletzte und Hinterbliebene. Aber es ist natürlich auch eine Aufgabe, die meine Akolythen, die Schülerin meines Vizegouverneurs, oder schlicht Vizegouvereur Severide selbst durchführen können.”

Hens Augen fanden Matthew, der sich heute bewusst in schwarzgoldene Sithroben gekleidet am Rand der Menge aufhielt, und prostete ihm zu. Dann fokussierte sich hens Blick auf eine bekannte Gestalt leicht versetzt zwischen hem und dem Vizegouverneur. Cestus Varro nahm Haltung an und salutierte, als sich ihre Augen begegneten, dann nickte er mit einem leichten Lächeln. Ridley nahm das als Zeichen, dass sich die Gespräche mit Gouverneur T’rsop und Sektoradjutant Zesh als erfolgreich erwiesen hatten. Gerne hätte Ridley sich bei dem noch-Major nach dem aktuellen Stand erkundigt, doch das Gespräch mit den beiden Moffs war schlicht und ergreifend gerade wichtiger.

Ridley schenkte dem Mann ein Nicken als Antwort und wandte sich dann wieder Prada zu:


“Dennoch sehe ich diese Aktivität als nötig an, um meine eigenen Fähigkeiten zu schärfen. Im Training lässt sich nur begrenzt viel simulieren, sodass Praxis an einem gewissen Punkt nötig ist, um weiterzukommen. Noch besser, wenn es kontrollierte Praxis ist, mit freundlichen Soldaten im Rücken, einem medizinischen Team auf Standby und weiteren Sith an der Seite.”

Beiläufig hatte Ridley im Sprechen damit begonnen, den rechten Ärmel von hens Uniform hochzukrempeln, was ein komplexes Muster auf Narben an hens Unterarm enthüllte.

“Ich habe mich auf die Ausbildung zum Sith - neben meinen anderen Pflichten - nur eingelassen, da die Neue sogenannte Republik äußerstes Interesse daran bewiesen hat, mich mit einem Attentat auszuschalten. Wenn ich mich grade nicht verzähle, waren es bislang ein halbes Dutzend Anläufe, einer kreativer als der andere. Wie der schändliche Mord an unserem geliebten Imperator Allegious bewiesen hat, ist die Entsendung eines Jedi-Attentäters nur die nächste Eskalationsstufe. Ich beabsichtige, dafür bereit zu sein. Was jedoch Praxiserfahrung und…weiteres, extrakurrikulares Engagement im Orden verlangt.”

Hen zuckte mit den Schultern und lächelte entwaffnend. “Was zusammenlaufende Fäden angeht…ja. Mein Ableben wäre in der Tat ärgerlich. Doch agiert mein Team autonom genug, dass mein Projekt auch einen Enthauptungsschlag überlebt, bis die imperiale Hierarchie einen Nachfolger benennen kann. Dezentralisierung und Delegation - schlicht aus Risikomanagement. Da ich mein Team von Grund auf neubesetzen konnte, gibt es auch kaum Widerstände durch Inkompetenz, Bequemlichkeit, oder Vetternwirtschaft. Für den Moment zumindest.”

Moff Pradas nächster Kommentar bezog sich auf einen von Ridleys Sätzen, der ihm offensichtlich positiv aufgefallen war. Mit ambitioniertem und zielstrebigem Willen ließen sich viele Probleme lösen.

Ridley nickte und lauschte den nächsten Worten von hens gegenüber, der den Bogen noch einmal zu ihrem letzten Treffen spannte und sich dann erkundigte, von welchem Wirtschaftszweig in den Startlöchern hen denn gesprochen hatte.


“Moff Vayliuar werde ich hiermit zwar nichts Neues erzählen, da die Fourb-Gruppe natürlich involviert ist - aber es geht um die wirtschaftliche Erschließung von Truuines Monden. Aktuell wird über die Lieferung von Eis von Kyyne nach Cona verhandelt, doch der wirklich interessante Teil wird im Bergbau auf Naar liegen. Unter der aggressiven Salzsole liegen wertvolle Materialien wie etwa Neutronium verborgen, die besonders im Schiffsbau geschätzt werden.”

Ridley nahm einen Schluck von hens sich langsam dem Ende zuneigenden Drink, um hens Zunge noch einmal zu befeuchten.

“Es ist ein komplexes Projekt mit nicht zu unterschätzenden Hindernissen, aber zusammen mit der Fourb-Gruppe die den unterirdischen Abbau übernimmt und der Verwaltung von Quarzite, die uns einen soliden Weltraumaufzug zum Abtransport bauen wird, scheinen die größten Probleme unter Kontrolle zu sein.”

Ridley lächelte, warf einen Blick in hens Glas und richtete hens Augen dann wieder auf hens Gegenüber.

“In der Tat haben wir viele unserer wirtschaftlichen Ziele erreicht. Truuines Bevölkerung hat sich verdoppelt, Wirtschaftszweige werden aufgebaut und diversifiziert, und aufwendige Infrastrukturprojekte mittels immer neuer Arbeiterlieferungen umgesetzt. Was strategische Bedeutungslosigkeit angeht boxen wir mit knapp acht Millionen Einwohnern zwar deutlich oberhalb unserer Gewichtsklasse was Kolto, Schiffsbau und Verarbeitung kriegswichtiger Materialien angeht, aber es fehlt an Größenordnung. So wie ich das sehe, muss Truuine ab diesem Punkt skalieren. Eine Werft im Orbit, Ansiedelung einer Pharmaindustrie, um das meiste aus unserem Kolto zu machen, Bergbau im großen Stil auf Naar.”

Für einen Moment überlegte Ridley, ob hen etwas vergessen hatte.

“Und dasselbe natürlich auch beim ewigen Thema der Bevölkerungssteigerung. Eine weitere Verdopplung in absehbarer Zeit wäre ein guter Anfang - auch wenn wir noch keine guten Pläne in der Schublade haben, wie das abgesehen von bewährten Methoden anzufangen ist.”


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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Schiffswerft im Orbit des Planeten / GSD 'Fides'] - mit Commander Dur Tovi, Captain Thade Skywalker und Lieutenant Commander Baran Gargatosh

Commander Tovi stöhnte, als das Signal des baldigen Austritts aus dem Hyperraum ihn aus seinem traumlosen Schlummer riss. Und dann erneut, als sich seine Wirbelsäulenverletzung beim Aufstehen meldete.
Bevor er wieder auf die Brücke ging, trank er ein Glas Wasser und betrachtete seine bürokratische Arbeit. Auf die versendeten Beileidsbekundungen und Anträge auf Beihilfen. Auf die doch erheblich lang gewordene Schadensliste, die mit Sicherheit in den nächsten Stunden noch um einiges durch die Techniker- und Medizinteams ergänzt werden würde. Auf seine Nachrichten an die Truppen in der ehemaligen Piratenbasis. Auf seine persönlichen Kampfnotizen und die inzwischen vom Schiffcomputer fertig analysierten und kategorisierten Daten der letzten Gefechte. Wohlgemerkt nur analysiert und kategorisiert - eine Interpretation ließ sich der Commander stets erst von der Technologie geben, nachdem er selbst und seine Mitoffiziere Deutungen gegeben hatten. Er wollte sein eigenständiges Denken wahren und schärfen. Schließlich strebte er noch ein Paar Beförderungen an.

Dann fiel sein Blick auf seine zuletzt verschickte Nachricht. Eine Direktnachricht an das Büro vom Truuiner
Gouverneur Ridley Solaris. Eine Nachricht, in der Tovi sein ehrliches Lob für das Vorgehen des Gouverneurs mit einem dienstlichen Anliegen verband, welches der Commander schon seit einiger Zeit anstrebte:


"Sehr geehrter Gouverneur Solaris.
Es war mir eine Pflicht und zugleich Ehre, dass ich Ihnen bei der Befriedung und Sicherung des neutralen Raums bei Ihrem Planeten helfen durfte. Besonders geehrt hat mich die Zusammenarbeit mit Captain Skywalker und Lieutenant Commander Gargatosh.
Aus der Befriedung wurde anschließend direkt noch eine Rettungsmission für einen Imperialen Konvoi auf dem Handelsweg zwischen Gyndine und Fabrin.
Bei dieser gab es härteren und organisierteren Widerstand der Piraten, als es normalerweise üblich ist. Es waren sogar zwei Chimären-Marauders bei den Gesetzlosen. Dies und im Zusammenhang mit der strategischen Basis im neutralen Raum lässt mich vermuten, dass diese Piraten Teil einer großen Organisation sein könnten und nicht einfache Räuber.
Falls Sie weitere militärische Operationen dagegen planen - auch in Zusammenarbeit mit den umliegenden Systemen - stünde ich mit der 'Fides' bereit.
Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Sie in Ihrem Kampf gegen Schmuggel und Piraterie auf ganzer Linie siegen werden.

Ein Anliegen habe ich aber noch - in Anbetracht des Krieges und der Bedrohung durch die Piraten. Ich kommandiere ein Trägerschiff (GSD). Allerdings sind alle meiner vier Staffeln normale TIE-Jäger. Effizient und optimal für die Präsenz in befriedeten Gebieten. Allerdings leider doch zu schwach für Kampfeinsätze, die sich nun in Zukunft für uns mehren würden. Würden Sie bei der Admiralität und den militärischen Werften mich bei meinem Antrag auf ein-zwei Geschwader von TIE-Abfangjägern unterstützen?
Denn ich denke, dass meine Mannschaft und ich mit noch besseren Maschinen und Ausrüstung den Dienst für die Ordnung des Imperiums noch besser leisten können. Auf Kosten jeglicher Rebellion.
Ich bedanke mich vielmals und hochachtungsvoll.
Lang lebe das Imperium!"


Vielleicht würde Tovi ja jetzt endlich etwas aufstocken können. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, wusste er tief in seinem Inneren, dass er bis jetzt aus einer Mischung von seinen politisch aneckenden Meinungen und seinen bis jetzt ausgebliebenen strategischen Sternleistungen diesen Antrag mehrfach verwehrt bekommen hatte.
Noch weniger einzugestehen für ihn, und dafür umso bewusster, war, dass er bis vor kurzem auch keine schweren Missionen zu bewältigen hatte. Die letzten Stunden waren seit seiner Beteiligung am Eleminieren eines anderen Piratennests vor über sechs Jahren.

Aber vielleicht würde sich für ihn ja jetzt die Möglichkeit ergeben, in Ausstattung und Einsätzen und daher mittelfristig im Rang aufzusteigen. Und endlich an entscheidenderen Punkten die Sicherheit und das Wohl der Imperialen Bevölkerung zu wahren.
Bei den Gedanken daran konnte er einem zufriedenen Lächeln nicht widerstehen.
Noch einmal unter Schmerzen gestreckt und der Commander ging schnellen - und vorsichtigen - Schrittes aus seinem Büro raus und betrat die wenige Meter entfernte Brücke.

Nach der Übergabe des Kommandos kam nun sicherlich gleich eine der nervigeren Aufgaben eines Schiffskommandanten. Kaum hatte er diesen Gedanken, wurden sie auch schon von der Werft kontaktiert:

"GSD 'Fides'. Senden Sie uns ihre Schiffscodes und nennen Sie Ihr Anliegen", ertönte die monotone Stimme eines Manner, der in seinen Zwanzigern oder Sechzigern sein konnte und den lieben langen Tag nichts anderes machte, als diese Routineaufgaben zu erfüllen.

Tovi nickte dem Sensoroffizier zu, damit dieser die Berechtigungs- und Verifizierungscodes der 'Fides' übermittelte. Zeitgleich antwortete der Commander:
"Hier spricht Commander Dur Tovi von der 'Fides'. Wir kommen, zusammen mit Captain Thade Skywalker - 546 - und Lieutenant Commander Baran Gargatosh - MAR -, zurück von unserer Befriedungsmission im Asteroidenfeld nahe der Handelsroute von Gyndine und Fabrin. Dort haben wir auch dem Imperialen Konvoi mit der Kennung IM-3495-D gegen einen Piratenüberfall beigestanden sowie einen Carrack erbeutet. Wir haben Schäden erlitten und bitten um Reparaturmaßnahmen."
Die Kennung las der Commander von seinem Datapad aus den Schlachtdaten ab, wusste er doch, wie wichtig eine genaue Dokumentation zur Überprüfung und Zuordnung war - und damit für eine schnelle Bearbeitung.

"Commander Tovi. Übersenden Sie uns die Schadensdaten und wir werden sehen, wann wir Sie reinschieben können", verkündete die monotone Stimme einige Minuten später. Einige Minuten, die dem Kommandanten der 'Fides' wie eine Ewigkeit vorkamen und insbesondere im Kontrast zu der Schlacht, in der in Sekundenbruchteilen Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden mussten, seine Nerven mehr anspannten als manch Angriff auf sein Schiff.
Aber
Tovi blieb zunächst ruhig. Er wusste, dass alles seine Ordnung haben musste. Nur wenn alles korrekt ausgefüllt war, würde die richtige Familie die Belobigung oder Sterbebenachrichtigung ihres Sohnes erhalten; der Sternenzerstörer die richtige Menge an richtigem Treibstoff; das Lazarett seine neuen Bacta-Lieferungen; die Soldaten ihren Urlaub.

Doch all dieses Wissen konnten nichts gegen seinen Frust und seine Ungeduld gegenüber dem Werftoffizier ausrichten. Zu sehr war es ein Kontrast zu dem Führen eines Kampfschiffes - und zu sehr sehnte sich der Kuati nach dem Ende des heutigen dienstlichen Tages, einer Dokumentation über Schiffbau und endlich eine Dusche.
Er nickte dem Sensoroffizier erneut zu, damit dieser den Schadenskatalog übermittelte. Mit einem Blick auf die nun in Sichtweite schwebende Werft, bekam der Commander die berechtigte Sorge, ob diese eher kleine Werft überhaupt die Geschütze seines Schiffes reparieren und ersetzen könnte. Zumindest den Hüllenbruch sollten sie gut in den Griff bekommen.
Notfalls müsste die 'Fides' ohne volle Feuerkraft zur nächsten großen militärischen Werft fliegen.


"Bitte haben Sie einen Moment Geduld. Wir schauen, ob Platz für Sie da ist", kam die nächste Aktualisierung des Status.
"Ob Platz für Sie da ist?", dachte
Tovi erzürnt. Und wies dann noch einmal darauf hin:
"Als Teil der Imperialen Flotte, die gerade von einem militärischen Einsatz zurück ist, haben die 'Fides', die 'Huntress' und die 'Reconquista' Priorisierung A+", wies er sein unbekanntes Gegenüber in sachlicher Sprache hin, in die er aber die scharfe Betonung eines Offiziers einbaute.
Nach einer weiteren kurze Pause kam die - doch etwas entschuldigend klingende - Antwort:

"Selbstverständlich Commander. Bitte haben Sie noch etwas Geduld. Wir sollten bald fertig sein."

Der Commander nickte zufrieden und fragte sich, warum er das hatte extra sagen müssen - es stand doch alles (zumal detaillierter und rechtlich stichfester in den übermittelten Daten. Das war wohl ein Geheimnis der Bürokratie.

Während sie also warteten schaute
Tovi aus dem Brückenfenster und sah mit gedrehtem Kopf auch die anderen beiden - die nun ja anderen drei - Schiffe ihrer Einsatztruppe. Die 'Reconquista' sah mindestens so schlecht aus wie die 'Fides'. Captain Skywalker schien am besten weggekommen zu sein.
Stolz und Ehre fühlte er in seiner Brust, als er an die beiden anderen Offiziere dachte. Es waren nur zwei relativ kurze Schlachten gewesen - und doch hatten sie sich als gutes Team entpuppt und waren ein Beweis für die Qualität der Imperialen Akademien. Ohne einander wäre vermutlich jedes ihrer Schiffe komplett zerstört oder zum Rückzug gezwungen worden.

Und nun würden sie gleich ihre Abschlussbesprechung haben. Er hatte von
Skywalker schon die Anfrage bekommen, ob des Platzes und der Einfachheit halber wieder auf der 'Fides' getagt werden könne. Was Tovi natürlich niemals verneint hätte - sein Schiff wurde dadurch ja zu so etwas wie der Besprechungszentrale und das Hauptquartier. Was er natürlich niemandem sagte, sich aber an dem Gedanken gütlich tat.
Daher zog er sein Kommlink und öffnete einen allgemeinen Schiffskanal:
"Tagungsraum herrichten und für eine Besprechung vorbereiten. Schildert den Weg dahin aus - wenn ich es recht gesehen habe, ist der direkte Lift zu diesem Raum von den Schäden betroffen und nicht nutzbar. Und bereitet einen angemessenen Empfang vor."
Dieser angemessene Empfang würde anstatt Sturmtrupplern zwar mit Unteroffizieren vorlieb nehmen müssen - aber so war das halt, wenn die komplette Schiffsdivision an Trupplern entweder in einer befriedeten Piratenbasis auf Abholung wartete.

Schließlich, nach einer weiteren Stunde des Wartens und einer des Andockens an die Werft, öffnete er den Kanal zu
Skywalker und Gargatosch:
"Captain Skywalker, Lieutenant Commander Gargatosh. Wir sind soweit. Es würde mich sehr freuen, Sie gleich wieder im Besprechungssaal der 'Fides' willkommen zu heißen."

Einsatzstatus der 'Fides':

Schilde: 80%
Hülle: 52% - Schäden: leichter Hüllenbruch auf der Steuerbordseite, zerstörte Leitungen und Turbolifts im angrenzenden Bereich
Geschütze: 70% - Schäden: zerstörte Geschütze: 2 Zwillingsturbolaser (Steuerbord), beschädigte Geschütze: 1 Zwillingsturbolaser (Bug), 2 Vierlingslaserkanonen (Steuerbord), beschädigte Zielerfassung Torpedowerfer (Bug)
Protonentorpedowerfer: Front 06/20, Heck 14/20
Das Schiff befindet sich in Reparatur und Aufmunitionierung.
Jägereskorte: Staffel 1 10/12 TIE/ln, Staffel 2 12/12 TIE/ln, Staffel 3 9/12 TIE/ln, Staffel 4 10/12 TIE/ln
Truppenmoral: Hoch


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Agustin, Aren, Ridley Solaris sowie weitere Galagäste


Agustin hörte den Ausführungen des Gouverneurs aufmerksam zu. Ein halbes Dutzend Attentatsversuche waren selbst für imperiale Verhältnisse eine bemerkenswerte Bilanz. Unter diesen Umständen erschien ihm die Entscheidung, sich im Sith-Orden ausbilden zu lassen, durchaus nachvollziehbar. Noch interessanter fand er allerdings, dass Solaris seinen Verwaltungsapparat offenbar so aufgebaut hatte, dass dieser auch ohne ihn funktionieren konnte. Ein Problem, mit dem sich Agustin in den vergangenen Wochen selbst intensiv beschäftigt hatte. Mit dem Unterschied, dass er auf Dubrillion über Jahre gewachsene Strukturen hatte aufbrechen müssen, während der junge Governor seine Verwaltung weitgehend nach eigenen Vorstellungen hatte gestalten können. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

"Bei der Dezentralisierung unserer Verwaltungsapparate scheinen wir uns mit erstaunlich ähnlichen Problemen beschäftigt zu haben. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung versichern, dass es wesentlich einfacher ist, Kompetenzen zu verteilen, als anschließend tatsächlich darauf zu verzichten, sie selbst auszuüben."

Ein schmales Schmunzeln begleitete die Worte, ehe Agustins Aufmerksamkeit wieder den wirtschaftlichen Plänen Truuines galt. Die Erschließung Naars war angesichts seiner Rohstoffvorkommen ausgesprochen interessant. Dass Aren über die Fourb-Gruppe bereits daran beteiligt war, überraschte ihn dagegen kaum. Sein alter Freund verstand es bekanntlich, sich vielversprechende Gelegenheiten frühzeitig zu sichern. Was Agustin allerdings wesentlich stärker beschäftigte, war die angestrebte Größenordnung der wirtschaftlichen Expansion. Acht Millionen Einwohner waren eine überschaubare Grundlage für derart ambitionierte Vorhaben.

"Eine Orbitalwerft, pharmazeutische Industrie und großflächiger Rohstoffabbau. Bei lediglich acht Millionen Einwohnern dürfte die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte mittelfristig zu Ihrem größten Problem werden. Selbst dann, wenn Ihnen eine weitere Verdopplung der Bevölkerung gelingt."

Agustin nahm einen weiteren Schluck seines inzwischen beinahe geleerten Getränks und warf Aren einen kurzen Seitenblick zu. Die wirtschaftlichen Verflechtungen ihrer beiden Sektoren hatten sie erst am vergangenen Abend ausführlich diskutiert. Vielleicht bot sich hier tatsächlich eine Gelegenheit, den Kreis zu erweitern.

"Ich würde jedenfalls nicht ausschließen, dass sich einige Ihrer Vorhaben mit unseren Interessen im Norden verbinden lassen. Myto und Prefsbelt verfügen über industrielle Kapazitäten und etablierte Wirtschaftsstrukturen, während Aren bereits unmittelbar an Ihren Projekten beteiligt ist. Vielleicht sollten wir unsere zuständigen Verwaltungen bei Gelegenheit an einen Tisch bringen und prüfen, wo eine Zusammenarbeit sinnvoll wäre."

Doch Agustin dachte bereits einen Schritt weiter. Der Mangel an Arbeitskräften war ihm keineswegs fremd. Auf Dubrillion hatte er im Zuge der Niederschlagung des südlichen Aufstandes und der anschließenden Neuordnung der betroffenen Gebiete beträchtliche Bevölkerungsgruppen unter staatliche Kontrolle gebracht. Nicht alle davon waren für anspruchsvolle industrielle Tätigkeiten geeignet, doch beim Aufbau von Infrastruktur, bei Transportarbeiten und in der Rohstoffgewinnung bestanden andere Anforderungen als in den Entwicklungsabteilungen einer Werft. Und angesichts des bevorstehenden Krieges war ohnehin damit zu rechnen, dass das Imperium früher oder später weitere Gebiete und damit zusätzliche Arbeitskräfte unter seine Kontrolle bringen würde.

"Was Ihren unmittelbaren Personalbedarf betrifft, könnte ich Ihnen darüber hinaus zusätzliche Gefangene und Arbeitskräfte aus dem dubrillianischen Süden zur Verfügung stellen. Ich werde prüfen lassen, welche Kontingente wir entbehren können."

Der Bastioner sprach darüber mit derselben nüchternen Selbstverständlichkeit, mit der er zuvor über industrielle Kapazitäten und wirtschaftliche Zuständigkeiten gesprochen hatte.

"Und sobald der Krieg weitere Welten unter unsere Kontrolle bringt, könnte ich mich bei den zuständigen Stellen dafür starkmachen, dass ein Teil des dort neu gewonnenen Humankapitals bevorzugt Truuine zugewiesen wird. Damit werden Sie Ihren Bedarf an Fachkräften sicherlich nicht vollständig decken können, aber zumindest die arbeitsintensiven Teile Ihrer Infrastruktur- und Erschließungsprojekte ließen sich erheblich beschleunigen."

Der Moff hielt einen Augenblick inne. Selbstverständlich war dieses Angebot nicht vollkommen uneigennützig. Wenn der Myto-Sektor die wirtschaftliche Entwicklung Truuines unterstützte, musste daraus langfristig auch ein entsprechender Nutzen für die eigenen Interessen erwachsen. Der Bastioner setzte das Glas ab und wandte sich wieder vollständig Solaris zu.

"Im Gegenzug würde ich natürlich erwarten, dass die daraus entstehenden Rohstofflieferungen und industriellen Erzeugnisse bevorzugt Myto, Prefsbelt und den übrigen strategisch wichtigen Sektoren des Nordens zugutekommen. Gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Krieg wäre es ausgesprochen sinnvoll, unsere Versorgungs- und Produktionskapazitäten enger miteinander zu verzahnen. Schließlich soll sich eine solche Zusammenarbeit für alle Beteiligten auszahlen."

Ein schmales, geschäftsmäßiges Lächeln erschien auf seinen Zügen. Es war schon bemerkenswert, wie viele wirtschaftliche und politische Möglichkeiten sich auf einer Veranstaltung eröffneten, deren eigentlicher Zweck darin bestand, Kunstwerke zu betrachten. Abella hätte an dieser Feststellung vermutlich wenig Freude gehabt. Agustin hingegen war zunehmend überzeugt davon, dass die Reise nach Truuine eine ausgezeichnete Entscheidung gewesen war. Und das zum zweiten Mal.

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