Weltraum (Neutral)

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Quartier] C-06 „Mira“ und Jake Relis / Dr. Ralena Anne Moore, Samin und Dany in der Sitzecke beim Cockpit / Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Jake musste schmunzeln. Das hatte er in diesem Gespräch schon erstaunlich oft getan – nicht, um jemanden in Sicherheit zu wiegen oder eigene Unsicherheiten zu überspielen, sondern einfach, weil ihm danach gewesen war. Keiner von beiden hatte am Anfang gewusst, was dieses Gespräch bringen würde. Und nun saßen sie hier, einander gar nicht mehr so fremd, jeder um das eine oder andere Geheimnis des anderen reicher und durch das damit verbundene Vertrauen ein Stück näher zusammengerückt.
Er hatte festgestellt, dass er Mira mochte. Man konnte sich gut mit ihr unterhalten, und mit ihrer Meinung hielt sie wirklich nicht hinterm Berg. Bei ihr wusste man, woran man war – zumindest, wenn sie es wollte. Jake mochte das. Überhaupt stand ihr die Selbstsicherheit, die inzwischen wieder durchkam, deutlich besser als die Ratlosigkeit darüber, wohin mit den eigenen Gefühlen.

„Alles gut, Mira. Es ist lange her, und es tut auch ganz gut, das mal wieder rauszulassen. Die Zeiten, in denen ich versucht habe, den Verlust im Glas zu versenken, sind lange vorbei. Danke, dass du zugehört hast.“
Onkel, Dad … sie würde schon sehen. Zumindest Onkel wäre schön. Der Gedanke ließ seinen Mundwinkel noch einmal zucken. Bevor Mira ihn allein im Quartier zurückließ, gab er ihr noch seine Einschätzung mit auf den Weg.

„Du bist schon schwer in Ordnung, Kleines.“

Als die Tür hinter ihr geschlossen war, blieb Jake einen Moment sitzen. Dann streifte sich mithilfe von Zehenspitzen und Fersen die Stiefel ab, um endlich aus dem grauen Overall zu kommen. Seine üblichen Sachen trug er darunter, wenn auch nach der Zeit unter dem zusätzlichen Stoff etwas zerknittert. Er zog den Saum seines Hemdes zurecht und klappte, noch auf Socken, auf der Suche nach einem Spiegel einige der großen Schranktüren auf. Dahinter fanden sich Kleidung und die üblichen Alltagsgegenstände einer oder vielleicht auch zweier Frauen. Auf den Einlegeböden lagen zusammengelegte Shirts und schlichte Tops neben einem kleinen Stapel Hosen. Darüber hingen Jacken, eine Bluse und ein Kleid, das zwischen den praktischen Alltagssachen beinahe ein wenig fehl am Platz wirkte. Ein weicher, etwas ausgeleierter Pullover war mehr zwischen die übrigen Sachen geschoben als ordentlich gefaltet worden. Weiter unten standen ein Paar robuste Stiefel und deutlich leichtere Schuhe. In einem offenen Fach lagen ein zusammengerollter Gürtel, eine Haarbürste und mehrere Haarbänder, von denen sich eines um den Bürstengriff gewickelt hatte.

Jake ließ den Blick kurz über die unterschiedlichen Kleidungsstücke wandern. Moore und Mira konnten sich ohne Zweifel die Klamotten teilen. Ob sie es tatsächlich taten und wem hier was gehörte, ließ sich allerdings kaum erkennen. Neben sorgfältig gefalteten Handtüchern stand eine kleine Tasche mit Pflegeartikeln; davor lag ein einzelner Ohrring, dessen Gegenstück sich offenbar andernorts herumtrieb. Er musste unwillkürlich schmunzeln. Besonders an Bord eines Raumschiffs fanden die kleinen Dinge Wege, verloren zu gehen. Wie oft er schon was gesucht hatte!
Die geschlossenen Schubladen ließ er geschlossen. Er suchte schließlich einen Spiegel und wollte keine Bestandsaufnahme ihres Privatlebens machen. Als er ihn endlich auf der Innenseite einer der Türen entdeckte, hängte er den Overall ordentlich auf einen freien Bügel, schob die benachbarte Jacke ein Stück zur Seite, damit nichts eingeklemmt wurde, und betrachtete sein Spiegelbild.

Das cremefarbene - früher hätte er einfach Besch gesagt, aber das hatte Jules ihm ausgetrieben - Hemd saß locker an seinem Oberkörper. Sein leicht strukturierter Stoff hatte ein paar zusätzliche Falten abbekommen, aber bei Jakes Garderobe fiel das kaum ins Gewicht. Der Kragen stand offen; die Ärmel schob er wieder bis zu den Unterarmen hoch. Darüber trug er seine dunkelbraune, beinahe schwarze Weste mit den großen aufgesetzten Taschen. Er strich sie mit beiden Händen glatt und zupfte sie an den Schultern zurecht.

Die dunkelblaue Hose mit den roten Streifen an den Außenseiten der Beine war ebenfalls etwas verrutscht. Jake rückte den breiten, abgewetzten Ledergürtel zurecht, bis dessen kantige Metallschnalle wieder mittig saß. Anschließend prüfte er mit einem beiläufigen Griff den Sitz des tief hängenden Blasterholsters an seiner rechten Seite und richtete den Lederriemen, der es am Oberschenkel hielt. Stoff, Leder und Metall zeigten deutliche Gebrauchsspuren. Alles war eingetragen, vertraut und dort, wo seine Hände es erwarteten.
Er fuhr sich einmal durch das blonde Haar, was dessen ohnehin eigenwillige Ordnung nur bedingt verbesserte, legte den Kopf leicht schief und testete die bewährten Jake-Relis-Fingerpistolen™ an seinem Spiegelbild. Dazu das passende Grinsen. Saß noch. Altbewährt.

Sein Blick wanderte an sich hinunter zu den Socken. Na gut. Die Stiefel fehlten noch.

Er schlüpfte wieder in die hohen, dunklen Lederstiefel, zog die Hosenbeine darin zurecht und warf einen letzten Blick in den Spiegel. Schon besser. Mit einem zufriedenen Zucken des Mundwinkels schloss er die Schranktür. Dann trat er zu seinem Blaster sicherte diesen im Holster. Dass Mira die ganze Zeit in ihrem gepanzerten Anszug rumgesessen hatte, hinterließ den Eindruck, das es auf Zanbar vielleicht Probleme geben konnte, die nur eine bewaffnete Konfrontation klären würde. Seinen Werkzeugkoffer hob er noch aus dem Weg, und platzierte ihn im schrank bei dem Overall. Ungesicherte Lasten konnten in Problemfällen zu tödlichen Lasten werden. Er strich noch einmal sein Hemd glatt und trat dann wieder auf den Gang. Schaute im Vorbeigehen kurz bei den Kids durch den Schottrahmen, hob grüßend die Hand. Die Kids schienen sich nicht gegenseitig umzubringen, was er schon mal als ein gutes Zeichen auffasste.


Dann fielen ihm Sanas gerötete Augen auf. Also nicht das Rot ihrer Iris, sondern das gleiche Rot, dass er zuvor auch bei Mira gesehen hatte. Tränen. 'Grrrr. Keinen Tränen auf der Seastar!'
Behutsam trat er ein und fand den Weg zu Sana und einem ihm fremden Mädchen (Naeva).

„Hi, Sana wir kennen uns schon. Aber du und ich nicht.“ Dabei deutete er zwischen sich und der Unbekannten hin- und her, bevor er leise meinte, um nicht die Aufmerksamkeit der restlichen Kindermeute zu wecken. „Hey, ich bin Jake. Ich kam nicht umher zu bemerken, dass hier Tränen geflossen sind.“ Er deutete mit einem Zeigefinger in sein Gesicht, schaute zwischen den Beiden her und landete schließlich wieder bei Sana, um zu verdeutlichen, dass ihm das nicht entgangen war. Denn wo weinte man, wenn nicht mit dem Gesicht?

Dann meinte er mit einem aufmunternden Schmunzeln. „Keine Tränen auf Seastar. Nicht wenn ich irgendwie helfen kann.“ Er deutete mit dem Daumen den Gang runter. „Ich habe eben schon welche getrocknet. Alles okay bei euch? Braucht ihr irgendwas?“, fragte er dann besorgt.


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Samin, Dany, Moore; Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren


Bei der Vorstellung, gemeinsam mit Dany und Sana nach Bakura einige schöne Planeten zu besuchen, musste Samin lächeln. Das klang beinahe nach einem unerreichbaren Traum. Verdammt, wann hatte sie das letzte Mal Urlaub gemacht?

Nie. Sie hatte noch nie Urlaub gemacht.
Und ein richtiges Zuhause? Das letzte, was dem relativ nahekam, war ein kilometerlanger Supersternzerstörer namens Intimidator. Nicht die Art von Zuhause, die sie für Sana in Zukunft vorsah. Die Mandalorianerin stellte sich wohl auch eher eine Art Basis vor, zu der sie zwischen ihren Aufträgen zurückkehren würde. Zumindest interpretierte die Chiss ‚einen Ort, von dem aus sie arbeiten konnte‘ so. Samin sah vor ihrem inneren Auge vielmehr einen sicheren Planeten, am besten Abseits vom Krieg, mit einer Schule für Sana, freundlichen Nachbarn und möglichst wenig Ärger. Ein wenig beneidete sie Dany darum, dass ihre Familie noch immer ein normales Leben auf Shinbone lebte und sie jederzeit zurückkehren konnte, sofern sie es denn wollte. Für Samin gab es diese Möglichkeit nicht. Sowohl ihre gebürtige Heimat - das Chiss-Reich -, als auch die imperiale Staatsangehörigkeit waren von nun an nur noch alte Stationen in ihrem Lebenslauf. Spätestens mit der Desertion hatte sie diese Türen geschlossen. Und selbst wenn nicht, würde sie ihrer Tochter die Familie Nuruodo niemals zumuten wollen.


„Ich würde gerne irgendwo wohnen, wo Sana eine richtige Kindheit haben kann. Oder zumindest den Rest davon.“

Samin griff sich mit einer Hand an das schmale Kinn und sah in Richtung Cockpitdecke. Dass sie ja eigentlich für eine Freundin gefragt hatte, war schon wieder völlig vergessen.

„Wie sieht es auf Zanbar denn aus?“

Die Augen wanderten wieder herab. Zuerst zur Mandalorianerin, dann zur Sephi.

„In das Imperium zurück kann ich jedenfalls nicht. Chandrila und Bespin fallen damit raus. Und die Neue Republik ist nicht weniger eine Verbrechensorganisation als die Black Sun.“

Die Chiss nickte Moore kurz zu.

„Nichts für ungut. Auch wenn Naboo klasse klingt. Ich gehe das Risiko nicht ein, dass diese Jedi-Spinner Sana in die Hand bekommen, wo ich sie gerade weit genug von den Sith weggebracht habe.“

Jene berichtete inzwischen von den verschiedenen Stationen ihres Lebens. Professorin, Sector Rangers, Republikanischer Geheimdienst? Was hatte die Frau eigentlich noch nicht gemacht? Bald kam noch raus, dass sie selbst eine waschechte Jedi war. Spätestens dann musste sich Samin langsam doch noch mal Gedanken machen.

„Ein paar Millionen Credits Sachschaden?“

Samin klang verblüfft. Dabei hatte sie im Dienst des Imperiums sicherlich ebenfalls eine entsprechende Summe an schrottreifen Jägern hinterlassen. Ihr Name ‚Crash‘ kam nicht von ungefähr. Wobei die großen Klappen ihrer Staffelkammeraden und jener, die nicht dabei gewesen waren, natürlich nie die wahren Hintergründe kannten. Einen jeder Defender, den Samin an den Boden brachte, hatte sie an die technische und anatomische Leistungsfähigkeit getrieben, war jedes Mal siegreich davongekommen und hatte am Ende Situationen überlebt, die weniger exzellenten Piloten das Leben gekostet hätte. Jeder Crash war ein Tod, den sie nicht gestorben war.

Die Chiss verträumte fast, wie die Sephie wieder auf Sana zu sprechen kam. Der Name ihrer Tochter riss sie natürlich gleich aus ihren Gedanken. Moore war sehr nachsichtig mit ihr. Ob Sana erwartete, dass Samin auf alles eine passende Antwort hatte, war in ihrem Kopf gar tatsächlich nicht die Frage. Samin verlangte es wirklich von sich selbst. Und sie konnte mit einer weiteren Sache rechthaben. Wenn sie wollte, dass sie ihre Tochter kennenlernte, musste sie ihr auch Gelegenheit dazu geben. Sie nickte, lächelte zurückhaltend und nahm sich vor, genau das bei nächster Gelegenheit zu tun.

Als Moore schließlich eine kleine Box hervorholte und ihnen den Inhalt präsentierte beugte sich Samin neugierig vor. Was bei der Spucke des Imperators, waren Neural-Comlinks? Die flachen Geräte sahen ziemlich unscheinbar aus. Die Worte der Sephi machten sie derweil jedoch direkt skeptisch.


„Was tun die? Werden die implantiert?“

Sie betrachtete die Geräte noch genauer, ohne eines herauszunehmen. Die Dinger wirkten ihr höchst suspekt.

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[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Gefecht an einer Staubfront – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, republikanische X-Wings und Piraten-Uglies



Tylas Bestätigung kam durch, während Zarev seine Flugbahn weiter nach außen versetzte. Wenigstens hatte sie die Neuankömmlinge ebenfalls gesehen. Zwischen den Staubschichten schnitten inzwischen grüne und blaue Salven hindurch, und er musste genauer hinsehen, um überhaupt noch unterscheiden zu können, welcher Feuerstoß von wem kam. Ein Ugly geriet unter republikanischen Beschuss; kurz darauf flammte an dessen Antrieb etwas auf.

Offenbar hatten die Piraten ebenso wenig Interesse an den X-Wings wie sie selbst. Zarev hätte diese Gemeinsamkeit unter anderen Umständen vielleicht gewürdigt. Hier draußen machte sie es hauptsächlich schwieriger, eine freie Flugbahn zu finden.

Auf Tylas Meldung, dass sie einen neuen Anflugvektor brauchte, suchte er ihre Maschine zwischen den wechselnden Konturen.


"Acht Sende dir einen neuen Anflugvektor"

Schnell übermittelte Zarev Tyla über mehrere Pings einen neuen Anflugvektor, da tauchten vor ihm die gekreuzten Flächen eines X-Wings auf. Die Silhouette wurde rasch größer. Zarev nahm den Steuergriff fester in die Hand und begann, seinen Anflug seitlich zu versetzen. Ein frontaler Schlagabtausch mit besseren Waffen und einem Schildgenerator auf der anderen Seite war kein Geschäft, bei dem ihm die Bedingungen gefielen.

Tylas nächste Meldung kam gerade recht. Sie wollte nach unten wegziehen und dem herankommenden Ugly den Weg abschneiden.


„Gesehen. Danke, Acht!“

Ihr TIE zog unter ihm durch. Zarev rollte in die entgegengesetzte Richtung und nahm seinen Jäger aus dem direkten Anflug auf den Republikaner. Er wollte Abstand gewinnen, ohne den X-Wing hinter dem eigenen Solarflügel verschwinden zu lassen. Für einen kurzen Augenblick bekam er dessen Flächen noch seitlich zu sehen, dann schob sich wieder Staub dazwischen.

Weiter unten leuchtete unter Tylas Beschuss ein Schild auf.

War ja klar, selbst diese zusammengewürfelten Bastarde hatten Schilde. Er würde nach dem Einsatz ernsthaft darüber nachdenken müssen, ob man für einen brauchbaren Ausrüstungsstandard zunächst das Sternjägerkorps verlassen und irgendeinem bewaffneten Schrottsammler beitreten musste.

Aurens Warnung vor weiteren Uglies riss ihn aus dem Gedanken.



„Noch mehr?“, entfuhr es ihm im Helm.

Er sah in die gemeldete Richtung und erkannte zusätzliche Triebwerkslichter hinter den bereits bekannten Maschinen. Damit wurde seine ursprüngliche Zählung endgültig wertlos. Die Aussicht, sich durch das Durcheinander hindurch abzusetzen, gefiel ihm dagegen ausgesprochen gut.


„Neun, verstanden. Vor den Piraten kreuzen, dann unten weg.“

Zarev richtete seine Flugbahn entsprechend aus und behielt die Staubkante im Blick, hinter der sie sich sammeln sollten. Er musste sich dazu zwingen, bei dem beabsichtigten Anflug zu bleiben, statt jedem Lichtblitz mit einer neuen Bewegung auszuweichen. Eine zu frühe Kurve würde ihn womöglich genau dort festhalten, wo er überhaupt nicht bleiben wollte.

Zwischen den fremden Jägern leuchteten erneut Waffen auf. Zarev zog die Nase seines TIEs nach unten und rollte aus der bisherigen Fluglage, während über ihm Schüsse durch den Dunst verschwanden. Die Gurte spannten sich über seinen Körper. Er hielt die Bewegung durch, gab wieder Schub und suchte den markierten Bereich.


„Neun bricht nach unten weg!“

Als Hardlights Aufforderung zum Rückzug kam, war er bereits dabei, unter dem Gefecht hindurchzuziehen. Er ließ die Staubfront zwischen sich und den Beschuss kommen und kontrollierte seine Anzeigen. Kein Trefferhinweis. Die Triebwerke reagierten, die Steuerung ebenfalls. Für den Moment genügte ihm das vollkommen.

Auf Aurens Statusabfrage sendete er seine Kennung und näherte sich dessen Position.


„Neun, hinter der Staubkante. Keine Trefferanzeigen, Maschine reagiert normal, wie siehts bei euch und euren TIE´s aus?“

Kurz darauf erkannte er Hardlights TIE durch den Dunst und wenig später auch die zweite vertraute Maschine. Zarev merkte erst jetzt, wie fest er die Zähne zusammengebissen hatte. Er lockerte den Kiefer und schluckte gegen die Trockenheit im Mund an.

Drei Jäger. Das sah bereits erheblich besser aus als die Aussicht, allein durch diesen Nebel zurückzufinden.

Er nahm auf Befehl Leistung heraus und überließ Tyla die Beobachtung des Gefechts. Den übrigen Raum abzusuchen war bei diesen Sensoren eine undankbare Aufgabe, aber wenigstens wusste er wieder, worauf er seine Aufmerksamkeit richten sollte. Er wechselte zwischen den Rückmeldungen und den sichtbaren Lücken im Dunst, wobei er auch die Bereiche oberhalb und unterhalb ihrer bisherigen Flugbahn prüfte.


„Neun übernimmt den übrigen Raum.“

Die etwas geringere Triebwerksleistung ließ das Summen in seiner Kanzel ruhiger werden. Zarev nutzte den Augenblick, um die Temperaturanzeige und die Energieversorgung zu kontrollieren. Alles blieb im Rahmen. Beim anschließenden Blick nach draußen versuchte er zusätzlich, auffällige Wärmekontraste auszumachen, die sich unabhängig von den Gasfeldern bewegten.

Seine Infrarotsicht gab ihm gelegentlich etwas mehr als die gewöhnlichen Konturen. Eine sichere Übersicht bekam er damit trotzdem nicht.



Dann meldete Hardlight den beschädigten X-Wing.
Zarev wandte den Kopf und suchte die angegebene Richtung. Durch eine Lücke bekam er den Republikaner zu sehen, dazu die beiden Piraten, die ihm nachsetzten. Der Antriebsbereich des X-Wings glühte ungleichmäßig. Sie waren gerade erst aus diesem Durcheinander herausgekommen, und an Aurens Tonfall hörte er bereits, dass es dabei nicht bleiben würde.

Die nächsten Befehle bestätigten seinen Verdacht.
Er atmete hörbar aus. Ein Anflug, dann wieder hinaus. Wenigstens hatte Hardlight diesen Teil ausdrücklich dazugesagt.


„Verstanden, Sieben. Ein Anflug.“ Zarev erhöhte die Leistung und suchte die beiden Uglies. „Acht, ich nehme den weiter außen. Ich komme von Steuerbord rein.“

Der TIE beschleunigte, und unter der Anspannung regte sich ein wenig Angriffslust. Dieser Pirat vor ihm war mit dem beschädigten Republikaner beschäftigt. Zarev wollte die Gelegenheit nutzen, bevor sich das änderte.

Er hielt den Anflug zunächst flach, suchte einen freien Schusswinkel und führte die Nase vor die erkennbare Flugbahn des Uglies. Die Zielmarkierung sprang noch immer unzuverlässig über sein Display. Zarev orientierte sich an der sichtbaren Maschine und gab einen kurzen Feuerstoß ab, einer seiner Schüße traf.

Aber beim Versuch, unmittelbar nachzusetzen, antwortete nur eine seiner Kanonen.

Er sah auf die Waffenanzeige. Die Steuerbordkanone war wieder bereit, während der Ladebalken der Backbordkanone auffällig langsam weiterwanderte. Zarev drückte den Auslöser erneut, bekam einen einzelnen Schuss und ließ mit einem scharfen Fluch los.



„Im Hangar ging’s doch noch, du undankbarer Schrotthaufen!“

Sein erster Impuls war, die Feuersteuerung aufzurufen. Dafür hätte er allerdings den Gegner aus den Augen lassen müssen. Er unterdrückte den Griff zum entsprechenden Schalter und korrigierte stattdessen seine Flugbahn.

Ausgerechnet seine Maschine. Die er durchgesehen, nachgezogen und beinahe zärtlicher behandelt hatte als alles andere auf diesem Träger.


„Neun, Backbordlaser lädt verzögert.“

Die Kanone fiel immerhin nicht vollständig aus. Er musste ihr nur mehr Zeit zwischen den Feuerstößen geben, was ihn in diesem Augenblick fast ebenso sehr ärgerte. Ein paar Sekunden zuvor hatte er noch gedacht, endlich eine brauchbare Gelegenheit zu haben.

Zarev wartete, bis beide Bereitschaftsanzeigen wieder aufleuchteten, passte seinen Vorhalt an und drückte den Auslöser bewusst kurz. Dieses Mal feuerten beide Kanonen. Die grünen Blitze jagten dem Ugly entgegen, doch ob sie trafen, konnte er zwischen den wechselnden Konturen nicht sicher erkennen.

Er ließ den Abzug los. Hinterherzuziehen und sich dabei erneut mitten im Gefecht festzubeißen, gehörte nicht zu ihrem Auftrag. Zarev begann, seinen Jäger aus dem Anflug zu nehmen, und suchte gleichzeitig nach Tyla.

Seitlich voraus zuckte grünes Feuer auf. Er bekam Hardlights TIE und den beschädigten X-Wing noch für einen Augenblick gemeinsam ins Blickfeld, dann platzte der republikanische Rumpf hinter dem Cockpit auseinander. Die Aufhellung zeichnete sich grell gegen den Dunst ab, während Trümmer aus der auseinanderbrechenden Maschine hervorschossen.

Zarev zog seine Flugbahn weiter von dem Bereich weg. Für einen Moment fiel die angestaute Anspannung von ihm ab, und ein raues, begeistertes Lachen entwich ihm.


„Boom, HaHa! Das war mal ein Feuerball! Guter Schuss, Sieben!“

Noch während sein Lachen langsam verklang, flackerten seitlich des Gefechts weitere Triebwerkslichter auf. Zwei zusätzliche X-Wings schoben sich durch eine dünnere Nebelschicht, während ihnen aus einer anderen Richtung mehrere ungleichmäßig geformte Jäger entgegenkamen. Zarev erkannte die zusammengewürfelten Aufbauten gerade rechtzeitig, bevor auch dort die ersten Waffen aufleuchteten. Grüne und blaue Salven kreuzten sich zwischen den Staubfeldern, und er passte seine Flugbahn an, um außerhalb dieses neuen Schlagabtauschs zu bleiben.

Augenscheinlich begannen die Republikaner und die der Piraten sich immer mehr anzugreifen, das könnte der Moment sein das Schlachtfeld zu verlassen.
Er warf einen verärgerten Blick auf die noch immer nachladende Backbordkanone und betätigte die Sendetaste.


„Sieben, da kommen noch mehr X-Wings und Uglies dazu. Sollten wir nicht langsam zurück das der Absolution melden?“

Zarev suchte Hardlights Maschine im Dunst und hoffte, dass sein Rottenführer diese Frage als ausreichend deutlichen Vorschlag verstand. Sie hatten eine republikanischen Konvoi gefunden, die Piraten inzwischen ebenfalls und reichlich Gelegenheit gehabt, sich von deren Bewaffnung zu überzeugen. Seiner Ansicht nach durfte man eine Aufklärung damit durchaus als erledigt betrachten.

Er hielt die Nase seines TIEs in Bewegung und prüfte, ob ihm einer der Neuankömmlinge besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die durften sich seinetwegen noch stundenlang gegenseitig die Verkleidungen vom Rumpf schießen. Er hätte seine eigene inzwischen ausgesprochen gern wieder über einem imperialen Wartungssteg gesehen. Falls Hardlight jetzt den Rückkurs befahl, würde Zarev ihm jedenfalls mit einer Begeisterung folgen, die mehr als vorbildlicher Gehorsam durchgehen konnte.



[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – am Rand des Gefechts – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, republikanische X-Wings und Piraten-Uglies
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder

Sana hob den Kopf von Naevas Schulter und erwiderte Jakes Gruß. Bei seiner Bemerkung über die Tränen senkte sie den Blick auf die Flasche zwischen ihnen.

„Ich hab gar nicht geweint. Wir haben nur geredet.“

Sie hörte selbst, dass ihre Stimme noch etwas rau klang, und hoffte, dass er sich mit ihrer Antwort zufriedengab.

„Ich bin Naeva“, sagte ihre Freundin. „Und woher kennt ihr euch eigentlich? Und wer bist du überhaupt?“

„Er kennt Samin noch von früher. Irgendwie.“

Viel mehr hätte Sana ihr allerdings auch nicht sagen können. Ihre Mutter hatte ihn im Gang sofort erkannt und nach den beiden Ohrfeigen so lange umarmt, dass Sana neugierig am Schott stehen geblieben war. Wie lange die beiden sich schon kannten und wo Jake vorher gewesen war, wusste sie genauso wenig wie Naeva.

Bei seinem Hinweis auf die Tränen, die er bereits getrocknet hatte, sah Sana zu dem Gang, in den er gedeutet hatte. Ob Mira auch geweint hatte? Vorhin hatte sie sich gewünscht, dass jemand sie beruhigte, bevor noch etwas kaputtging. Jake hatte sich kurz zwischen sie gestellt und war Mira anschließend nachgegangen. Jetzt versuchte Sana sich vorzustellen, wie er mit ihr in dem Quartier gesessen und geredet hatte. Vielleicht hatte Mira ihm erzählt, weshalb sie wegen des Spiels so wütend geworden war.


„Was ist denn mit Mira? Ich hab mich vorhin ganz schön erschrocken und das war echt... scheiße.“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere, Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

„Hi Naeva, freut mich.“ Jake begrüßte sie mit einem freundlichen Lächeln und einem leichten Nicken. Angeblich hatte es keine Tränen gegeben. Ganz überzeugt war er davon zwar nicht, aber er wollte auch niemanden drängen. Zumindest schienen sie inzwischen versiegt zu sein, und so ließ er es fürs Erste dabei bewenden.

„Genau, Samin und ich haben eine ganze Weile zusammen in derselben Staffel gedient, und sie ist mir schnell ans Herz gewachsen. So ziemlich wie eine kleine Schwester.“ Bei diesen Worten wurde sein Lächeln ein wenig weicher. „Klar ist sie nicht meine richtige kleine Schwester, aber manchmal sucht man sich seine Familie auch aus. Das nennt man dann Wahlfamilie. Dazu gehören die Wesen, mit denen man sich gerne umgibt und die mehr sind als bloße Freunde. Die mit einem durch dick und dünn gehen, mit einem lachen und auch mal weinen.“ Dabei neigte er den Kopf sachte in Sanas Richtung.

Einen Augenblick lang ließ er den Blick zwischen den beiden schweifen. „Wesen, mit denen man sich sehr verbunden fühlt und die da sind, wenn man sie braucht. Vor allem dann.“ Er betonte die letzten Worte ein wenig, ohne dabei seine ruhige, freundliche Art abzulegen. „Das macht gute Freunde aus: dass sie auch zu einem stehen, wenn es schwierig wird.“ Ein feines Schmunzeln umspielte seine Lippen, als er von Naeva zu Sana schaute. „Ich glaube, ihr wisst, was ich meine.“

Jake ließ ihnen einen Moment, bevor er weitersprach. Sein Lächeln verblasste etwas, und er strich sich nachdenklich mit den Fingerspitzen über die Bartstoppel am Kinn. „Manchmal hat man ohnehin schon einen schlechten Tag, und dann geht auch noch das Letzte schief, über das man wenigstens ein bisschen Kontrolle zu haben glaubte. Dann weiß man plötzlich nicht mehr, wohin mit seinen Gefühlen. Mira hat in dem Moment leider keinen anderen Weg gesehen, sie zum Ausdruck zu bringen. Aber wir haben geredet.“

Er hielt kurz inne, legte den Kopf leicht schief und verzog den Mund zu einem selbstironischen Lächeln. „Okay, eigentlich habe anfangs nur ich die ganze Zeit geredet.“ Mit einer kleinen Bewegung der Hand räumte er diese Korrektur ein. „Irgendwann haben wir dann beide geredet und uns darüber unterhalten, weshalb sie das mit dem Tisch gemacht hat.“

„Es ging überhaupt nicht um das Spiel. Das hatte ganz andere Gründe. Aber sie hat gedacht, wenigstens das Spiel kontrollieren zu können.“
Er hob die Schultern ein wenig und ließ sie wieder sinken. „Nur ist es eben ein Glücksspiel. Man kann zwar lernen, einzuschätzen, was kommen könnte, aber sicher wissen kann man es nie.“ Für einen Moment suchte er nach den passenden Worten. „Und dann ist das Fass, in das sie all ihre Probleme und Gefühle gestopft hatte, na ja …“ Er zog die Brauen leicht zusammen und öffnete die zuvor locker aneinandergelegten Hände. „Nicht übergelaufen, sondern explodiert.“

„Das fand sie selbst auch gar nicht gut“
, fügte er etwas leiser hinzu. „Aber es hat geholfen, darüber zu reden, Erfahrungen auszutauschen und die Dinge auch mal von einer anderen Seite zu betrachten. Irgendwann haben wir dann einfach geplaudert, und ich glaube, sie kann jetzt besser mit dem umgehen, was sie so belastet hat.“ Sein Gesicht entspannte sich wieder, und ein kleines, zuversichtliches Lächeln kehrte zurück.

„Sich ein bisschen Luft zu verschaffen und die Dinge auszusprechen, kann helfen, sich selbst zu sortieren. Man hört sich dabei ja auch selbst zu und merkt manchmal erst dann, was eigentlich los ist.“ Er tippte sich leicht mit einem Finger an die Schläfe. „Da nimmt man manches noch mal ganz anders wahr, als wenn man alles nur mit sich selbst ausmacht.“ Nach einem kurzen, nachdenklichen Nicken ließ er die Hand wieder sinken. „Ich glaube nicht, dass Mira noch mal die Beherrschung verliert. Jetzt duscht sie erst mal, um die ganze Anspannung loszuwerden. Wärme kann da wahre Wunder wirken. Und dann wird sie wieder ganz die Alte sein.“

Dann wandte er sich Sana etwas mehr zu. „Du hast dich übrigens gar nicht schlecht geschlagen.“ Sein Lächeln wurde breiter, und er nickte ihr anerkennend zu. „Ich habe gesehen, wie du die anderen beobachtet hast. Wie du versucht hast, in ihren Gesichtern irgendetwas zu entdecken, das verrät, was für Karten sie haben. Du hast schnell erkannt, dass das oft wichtiger ist als das, was man tatsächlich auf der Hand hat.“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Bluffen gehört bei solchen Spielen dazu. Man spielt schließlich nicht nur seine Karten, sondern vor allem seine Mitspieler.“

„Und ich würde behaupten, dass ich ganz gut darin bin, andere einzuschätzen.“
Für einen Moment lag ein verschmitzter Zug um seinen Mund, ehe sein Blick wieder sanfter wurde. „Deshalb dachte ich, dass hier vielleicht Tränen im Spiel gewesen wären. Aber ich kann mich irren. Niemand liegt immer richtig.“ Mit einem kleinen Schulterzucken ließ er die Bemerkung stehen. Sein Blick ruhte nur kurz auf Naeva, bevor er sich wieder beiden zuwandte, ohne auf eine Erklärung zu bestehen.

„Ihr scheint euch auch schon lange zu kennen.“ Jake ließ den Blick zwischen den beiden schweifen. „Ich habe das Ganze gar nicht so richtig mitbekommen. Ihr wart irgendwie auf Bastion in Gefahr, und Samin hat euch vor den Sith gerettet?“ Er legte den Kopf ein wenig schief, seine Gesichtszüge wurden aufmerksameren. „Das war bestimmt unheimlich aufregend. Vielleicht auch ziemlich gruselig.“

Einen Moment lang zog er nachdenklich die Brauen zusammen und überlegte, ob er selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht hatte. Eigentlich nicht. Wenn überhaupt, dann eher das Gegenteil. „Ich habe mal ’nen Jedi gekannt. Tylaar Zaith.“ Er hob einen Finger, hielt kurz inne und nahm mit einem schiefen Grinsen einen zweiten dazu. „Okay, zwei, aber Adrian war noch ’n Padawan. Der zählt nicht wirklich.“ Der spitzbübische Zug um seinen Mund verriet, dass diese Einordnung wohl kaum einer ernsthaften Prüfung standhalten sollte.

„Und Tylaar war schwer in Ordnung. Er hat sich nicht mal beschwert, dass ich mein altes Schiff ohne sein Wissen besichtigt und seinen Wein verkostet hatte.“ Jake zog den Kopf ein wenig zwischen die Schultern, doch das kaum verhohlene Grinsen passte nicht recht zu der angedeuteten Unschuldsmiene. „Okay, im ersten Moment schon, aber das hat keine zwanzig Sekunden gedauert und dann war es ganz das Gegenteil. Wir haben ziemlich schnell gemeinsam über die Flachpfeifen von Inspekteuren am Raumhafen von Coronet gemeckert. Die haben wirklich an jeder winzigen Modifikation am Schiff etwas auszusetzen …“ Er verdrehte die Augen und hob eine Hand, als könnte er die damaligen Beanstandungen selbst heute noch immer einzeln aufzählen.

Dann stockte er. Die erhobene Hand sank wieder herab, und sein Grinsen wurde ein wenig verlegen. „Äh, ich rede ziemlich viel.“ Er fuhr sich kurz mit der Rechten durch den blonden Haarschopf und sah die beiden entschuldigend an. „Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, fragt einfach. Ich versuche, sie zu beantworten.“ Mit einer kleinen, einladenden Handbewegung überließ er ihnen das Wort.


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Bei dem Lob für ihre Beobachtungen beim Sabacc musste Sana ein wenig lächeln. Sie hatte tatsächlich versucht, an den Gesichtern zu erkennen, wer gute Karten hatte und wer nur so tat. Jake schien darin schon ziemlich geübt zu sein. Ob er auch bei jemandem etwas erkannte, der genau wusste, worauf er achtete? Vielleicht konnte er ihr das beim nächsten Spiel zeigen. Gerade hörte sie ihm wieder gern zu, da fing er noch einmal mit ihren Tränen an.

„Ich hab doch gesagt, dass ich nicht geweint hab.“

Ihre Antwort fiel leiser aus als zuvor. Wenn er es ihr trotzdem ansah, konnte er es doch einfach dabei belassen. Sie wollte ihm jetzt erst recht nichts von dem erzählen, was sie mit Naeva besprochen hatte.

Während er weiterredete, dachte Sana noch einmal an Mira. Bei seiner Erklärung hatte sie darauf gewartet, was nun mit ihr passieren würde. Für einen solchen Ausbruch hätte es im Heim Schläge gegeben, erst recht, wenn dabei etwas kaputtgegangen wäre. Schon das Schreien hätte gereicht. Dann hatte man sich schnell wieder beruhigen müssen, auch wenn einem überhaupt nicht danach war.

Jake hatte mit Mira geredet und irgendwann hatte sie ihm wohl auch erzählt, was mit ihr los gewesen war. Jetzt duschte sie und würde anschließend wieder zu ihnen kommen. Sana war froh, dass sie ruhiger war, verstand aber noch immer nicht, wie sie wegen des Spiels so ausrasten konnte. Dass sie eigentlich etwas anderes wütend gemacht hatte, änderte wenig daran, wie schnell alles gegangen war. Ob Mira sich schon vorher den ganzen Tag so gefühlt hatte, ohne dass Sana es bemerkt hatte? Sie hatte noch immer das herausgerissene Metall vor Augen.

Als Jake von einem Jedi erzählte, hörte sie wieder genauer hin. Sana sah zu Naeva hinüber, die ebenfalls aufmerksam zuhörte. Erst als er ihnen schließlich Gelegenheit zu Fragen gab, lächelte ihre Freundin ein wenig.


„Kann man überhaupt so schnell denken, wie du redest?“

Sana hatte gleich mehrere Fragen, doch die nach ihrer Mutter fiel ihr zuerst ein. Sie versuchte sich Samin mit den anderen Piloten beim Essen vorzustellen oder nach einem Flug, wenn sie frei hatten. Ob sie dann auch so viel lachte wie vorhin mit Dany? Seit ihrem Gespräch auf der Couch brachte Sana solche Fragen kaum über die Lippen, wenn ihre Mutter vor ihr stand. Jake kannte sie schon lange und saß nun direkt bei ihnen.

„Wie war Samin denn früher? Also, wenn ihr frei hattet.“

Auf der Scrapwing hatte sie gern neben ihrer Mutter gestanden, als die ihr die Werkzeuge gezeigt hatte. Was sie sonst mit ihr machen könnte, wenn Samin nach Bakura wirklich zurückkam, konnte sie sich noch kaum vorstellen. Naeva kam auf seine Frage nach Bastion zurück.

„Sana und ich kennen uns seit Jahren, aus dem Heim. Die anderen waren auch dort. Samin und Sane haben uns da weggebracht.“

Sana dachte an das, was Jake über seine Familie gesagt hatte. Bei einer Familie hatte sie bisher an die Leute gedacht, die ins Heim gekommen waren, um eines der Kinder abzuholen. Sie hatte sich oft ausgemalt, wie es wäre, wenn abends eine Mutter oder ein Vater auf sie wartete und fragte, wie ihr Tag gewesen war. Mit Naeva hatte sie sich abends unterhalten, wenn sie längst hätten schlafen sollen. Ihre Freundin hatte neben ihr gesessen, wenn wieder eines der anderen Kinder gegangen war und Sana sich gefragt hatte, weshalb niemand sie wollte. Auch vorhin war sie zu Naeva gegangen und hatte sich an ihr festgehalten.

Nun stellte sie sich vor, dass Naeva jemandem erklärte, Sana gehöre zu ihrer Familie. Der Gedanke gefiel ihr so sehr, dass sie ihre Hand auf die ihrer Freundin legte. Vorhin hatte Naeva noch wissen wollen, ob sie bei ihnen bleiben würde, wenn Samin zurückkam. Sana hatte sich gewundert, dass sie daran zweifelte. Sie wollte doch weiterhin bei ihr sein und bei den anderen, von denen sie manche fast ebenso lange kannte. Auch wenn eines von ihnen sie ärgerte, wollte sie es weiter bei sich haben.


„Wir waren fast zwei Wochen in einem Container. Bis The Wheel.“

Beim Umladen hatten sie ganz still sein müssen. Sana hatte Stimmen draußen gehört und sich gewünscht, dass endlich jemand die Tür aufmachte. Gleichzeitig hatte sie Angst gehabt, dass die falschen Leute sie hörten.

„Jetzt sollen wir auf Zanbar bleiben“, sagte Naeva. „Weißt du, bei wem wir da wohnen sollen? Ich würd gern mitreden, bevor die alles fertig geplant haben. Zumindest Sana und ich wollen zusammen in ein Zimmer.“

Sana nickte. Darüber hatten sie gesprochen, aber gefragt hatte sie bisher niemand. Erst waren sie in Moores Wohnung untergekommen, dann auf die Seastar gebracht worden und nun ging es nach Zanbar. Jedes Mal hatte sie erst erfahren, wohin es als Nächstes ging, wenn die Erwachsenen es bereits miteinander besprochen hatten.

Sie hätte allerdings auch nicht sagen können, an welchen anderen Ort sie wollte. Die Namen waren ihr fremd und sie wusste nicht, wo sie bleiben konnten, ohne dass jemand sie fand. Naeva sollte bei ihr bleiben und Samin nach Bakura wirklich wiederkommen. Was sie sich sonst für Zanbar wünschte, darüber musste sie noch nachdenken. Dazu wollte sie wenigstens wissen, wer dort auf sie wartete und wie sie leben würden, bevor sie wieder ihre Tasche nehmen und mitgehen musste.


„Und bei diesem Jedi bist du einfach aufs Schiff gegangen?“, fragte Naeva.

Sana musste an das Namensschild an Jakes Overall denken und an die Tür, die gar nicht kaputt gewesen war.


„Er hat versucht, uns zu klauen.“

„Was?“

„Hat Dany gesagt. Samin hat ihn vorhin danach gefragt.“

Naeva blickte wieder zu Jake. Sana wollte ebenfalls hören, was er dazu sagte, aber noch mehr beschäftigte sie, dass er sich überhaupt auf das Schiff dieses Jedi getraut hatte. Er hatte dort sogar dessen Wein getrunken.

Wenn auf Bastion von Jedi die Rede gewesen war, dann als Feinde, vor denen man sich hüten musste. Sana kannte die Bilder von Lichtschwertern und Soldaten, die durch die Luft geschleudert wurden. Schlimmer fand sie die Geschichten darüber, was Jedi im Kopf eines anderen anrichten konnten. Angeblich brachten sie Menschen dazu, ihnen zu gehorchen und schreckliche Dinge zu tun. Manche sollten davon sogar verrückt geworden sein.

Sie wusste nicht, wie man sich dagegen wehren konnte. Wenn jemand sie dazu brachte, etwas zu wollen, würde sie dann überhaupt noch merken, dass es von ihm kam? Jake hatte mit diesem Mann offenbar ganz normal geredet und sogar mit ihm über die Leute am Raumhafen geschimpft. Ihr wäre schon an der Schiffstür unheimlich gewesen. Seit sie wusste, dass sie und Naeva selbst machtempfänglich waren, fragte sie sich auch, ob ein Jedi das bei ihnen sofort bemerken würde.


„Hat der nicht versucht, dich zu irgendwas zu zwingen? Mit der Macht, mein ich.“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren //

Dany musste angesichts Moores Antwort etwas grinsen. Einige Jahrhunderte vor sich haben. Das klang ziemlich verlockend, wenn man einmal darüber nachdachte. Genügend Zeit, um alles Mögliche auszuprobieren und trotzdem noch ein paar Jahrhunderte übrig zu haben, falls man sich irgendwann etwas anderes überlegen sollte. Und offenbar hatte die Silberhaarige von dieser Möglichkeit bereits ausgiebig Gebrauch gemacht.

Professorin, Sector Rangers, irgendwelche Verwicklungen mit dem republikanischen Geheimdienst und eine Menge angerichteter Sachschäden. Dany hob bei letzterem leicht die Augenbrauen. Ein paar Millionen Credits? Shab...vielleicht sollte sie Moore irgendwann fragen, wie man es eigentlich schaffte, so viel Ärger anzurichten und trotzdem in einer luxuriösen Yacht durch die Galaxis zu reisen. Andererseits hatte sie das Gefühl, dass die Antwort darauf wieder mehrere Stunden in Anspruch nehmen würde.

Vorerst hörte sie jedenfalls zu, als das Gespräch erneut auf die Kinder kam.
Samin machte sich offensichtlich ziemlich viele Gedanken darüber, wie sie sich gegenüber Sana verhalten sollte. Dany konnte ihr da kaum mit Erfahrung weiterhelfen. Sie hatte selbst keine Kinder und bislang auch nicht vorgehabt, welche zu bekommen. Aber irgendwie erschien ihr Moores Ratschlag vernünftig. Ihre eigenen Eltern hatten schließlich auch nicht immer alles richtig gemacht. Das hatte Dany ihnen schon oft genug vorgehalten, meistens dann, wenn sie irgendeine Entscheidung der beiden gerade ganz besonders bescheuert gefunden hatte.

Trotzdem hatte sie nie daran gezweifelt, dass sie es gut mit ihr meinten. Als Moore schließlich nach dem Material ihrer Erbstücke fragte, richtete sich Dany etwas auf.


"Beskar? Gute Frage. Die Sachen sind schon ziemlich alt. Ich hab sie jedenfalls nie auf ihre genaue Zusammensetzung untersuchen lassen."

Sie deutete mit dem Daumen in Richtung des Ganges.

"Kannst sie dir bei Gelegenheit ja mal ansehen. Vielleicht findest du ja mehr darüber heraus als ich."

Die nächste Frage ließ sie kurz nachdenklich werden. Der Weg der Ramikade? Sicher, ihre Familie hatte eine kriegerische Vergangenheit und Dany war durchaus stolz darauf. Aber das bedeutete doch nicht, dass sie unbedingt in irgendeinem Krieg kämpfen musste. Ihre Eltern waren schließlich nicht ohne Grund nach Shinbone ausgewandert.

"Ramikade? Eher nicht. Ich hab nichts dagegen, mich mit anderen anzulegen, wenn es sein muss. Aber für irgendeinen Warlord in den Krieg ziehen? Weiß nicht. Meine Eltern wollten mit genau solchen Geschichten eigentlich nichts mehr zu tun haben."

Sie zuckte leicht mit den Schultern.

"Ich bin gern Kopfgeldjägerin. Ist schließlich das, was ich mir selbst ausgesucht habe. Ich würde nur gerne irgendwann so gut darin sein, dass ich mir meine Aufträge wirklich aussuchen kann. Und wenn ich nicht mehr arbeiten müsste ..."

Dany überlegte einen Augenblick. Die Vorstellung, irgendwann einfach überhaupt nichts mehr tun zu müssen, war zwar reizvoll, aber wahrscheinlich würde sie sich nach ein paar Wochen zu Tode langweilen. Sie mochte es schließlich durchaus, unterwegs zu sein, neue Orte kennenzulernen und sich gelegentlich mit irgendwelchen Schwierigkeiten herumzuschlagen. Nur eben nicht ständig und nicht unbedingt für ein paar lächerliche Credits.

"Keine Ahnung. Vielleicht einfach weniger arbeiten. Ein ordentliches Schiff, eine eigene Bleibe und genug Credits, dass ich nicht jeden beschissenen Auftrag annehmen muss. Klingt für mich eigentlich schon ziemlich gut."

Sie grinste etwas. Besondere Ansprüche hatte sie damit wohl nicht. Jedenfalls keine, die auch nur annähernd an den Lebensstil ihrer Auftraggeberin heranreichten. Als Samin schließlich erklärte, dass sie für Sana vor allem einen sicheren Ort suchte, nickte Dany verständnisvoll. Die Chiss wollte ihrer Tochter offenbar etwas ermöglichen, das bisher nicht funktioniert hatte. Eine gewöhnliche Kindheit, mit Schule, Freunden und einem Zuhause, in dem man nicht ständig befürchten musste, von irgendwelchen Soldaten oder Sith aufgespürt zu werden.

Dany dachte kurz an Shinbone. Dort hatte es zwar ebenfalls Gefahren gegeben, aber zumindest hatte sie selbst nie das Gefühl gehabt, ohne jede Sicherheit aufzuwachsen. Schulen, medizinische Versorgung und all die anderen Dinge des täglichen Lebens waren selbstverständlich gewesen. Dass gelegentlich Piraten aufgetaucht waren, hatte daran grundsätzlich wenig geändert. Trotzdem würde sie der Chiss wohl kaum empfehlen, mit einem Kopfgeld von vier Millionen Credits ausgerechnet in diese Ecke zu ziehen. Und Zanbar?


"Wie es auf Zanbar aussieht, kann ich dir leider auch nicht sagen. Ich war schließlich noch nie dort. Aber wir können uns ja ansehen, ob es überhaupt infrage kommt. Wenn man seine Ruhe haben will, muss ein Planet voller bewaffneter Mandalorianer vielleicht nicht unbedingt die schlechteste Wahl sein."

Sie grinste leicht.

"Andererseits wahrscheinlich auch nicht die beste, wenn die sich gegenseitig wieder die Köpfe einschlagen"

Dany hatte schließlich nicht vergessen, weshalb ihre Eltern ihre ursprüngliche Heimat verlassen hatten. So stolz sie auf ihre Herkunft war, musste sie sich doch eingestehen, dass die Geschichte ihres Volkes nicht gerade von Stabilität und Frieden geprägt war.

Moores anschließende Erzählung über die verschiedenen Orte, an denen sie sich bereits wohlgefühlt hatte, ließ sie dagegen wieder aufhorchen. Naboo, Chandrila, Bespin. Dany kannte diese Welten hauptsächlich aus dem Holonet und hatte sich bislang nie besonders viele Gedanken darüber gemacht, dort einmal einen längeren Aufenthalt zu verbringen. Dabei klang es durchaus verlockend, einen ganzen Abend auf einer Terrasse zu verbringen, ohne sich ständig Gedanken über den nächsten Auftrag machen zu müssen.

Noch mehr beschäftigte sie allerdings Moores Bemerkung über Heimat. Ein Ort wurde erst durch die Menschen, mit denen man dort lebte, und die gemeinsamen Erinnerungen zu einem richtigen Zuhause. Dany musste unwillkürlich an ihre Dawn Chaser denken. Der alte Frachter war zwei Jahre lang ihr Zuhause gewesen. Ein ziemlich heruntergekommenes zwar, aber trotzdem. Sie hatte dort gegessen, geschlafen, ihre Ausrüstung verstaut und sich nach ihren Aufträgen zurückgezogen. Eigentlich hatte sie das Schiff sogar ziemlich gemocht, obwohl sie ständig darüber geflucht hatte.

Nur war sie dort eben meistens allein gewesen. Vielleicht hatte Moore recht. Vielleicht war es am Ende tatsächlich weniger entscheidend, wo man sich niederließ, als vielmehr, mit wem man sein Leben verbrachte.

Dany ließ den Blick kurz zu
Samin wandern. Vor wenigen Tagen hatte sie noch keine Ahnung gehabt, dass diese Frau überhaupt existierte. Jetzt planten sie bereits gemeinsame Flugstunden und Schießtraining.

Schon ziemlich verrückt. Als Moore ihnen schließlich ihre Hilfe bei der Suche nach einer Bleibe anbot, nickte Dany dankbar.


"Danke. Vielleicht komme ich tatsächlich darauf zurück. Du hast vermutlich schon mehr schöne Planeten besucht, als ich überhaupt kenne."

Die Aussicht auf ein gemeinsames Training mit den A'kazz klang dagegen nach einer ganz anderen Art von Vergnügen. Dany war gespannt darauf, wie diese Mandalorianer eigentlich kämpften. Sie kannte bisher hauptsächlich das, was ihr Vater ihr beigebracht hatte und ihre eigenen Erfahrungen als Kopfgeldjägerin. Mit ausgebildeten mandalorianischen Kriegern hatte sie noch nie besonders viel zu tun gehabt.

Das konnte interessant werden. Vielleicht sogar ziemlich schmerzhaft.

Dann holte Moore allerdings eine kleine Box hervor und präsentierte ihnen zwei merkwürdige technische Geräte. Dany beugte sich etwas vor und betrachtete die flachen Module neugierig. Neural-Comlinks? Das klang erst einmal nach irgendeiner weiteren Erfindung der Wissenschaftlerin. Und nach allem, was sie inzwischen über Moore wusste, bedeutete das wahrscheinlich, dass diese Dinger wesentlich mehr konnten als ein gewöhnliches Funkgerät.

Samins Frage nach möglichen Implantaten ließ Dany allerdings ebenfalls etwas skeptischer werden. Sie war schließlich durchaus bereit, neue Technik auszuprobieren. Aber irgendetwas in ihrem Schädel hineinzuschrauben gehörte nicht unbedingt zu den Dingen, die sie freiwillig auf ihre Liste setzen würde.

Die Mandalorianerin betrachtete die beiden Module noch einmal eingehend.


"Und was genau machen die Dinger? Kann man damit sprechen, ohne den Mund aufzumachen, oder wie?"

Das wäre für einen Einbruch in eine imperiale Forschungseinrichtung natürlich ziemlich praktisch. Besonders wenn man sich unbemerkt verständigen musste. Andererseits hatte Dany inzwischen auch erfahren, dass Moore und Mira sogar Gefühle und Gedanken miteinander austauschen konnten. Und bei dem Gedanken, dass plötzlich jemand in ihrem eigenen Kopf herumstöbern könnte, hörte der Spaß für sie dann doch ziemlich schnell auf.

Sie sah Moore mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen an.


"Aber du kannst damit nicht einfach meine Gedanken lesen, oder? Weil, shab, das wäre schon ein bisschen unheimlich."

// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren //
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere / Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Samins ungläubige Nachfrage entlockte Moore ein ausgesprochen zufriedenes Lächeln. Die damaligen Schätzungen hatte sie noch irgendwo gespeichert, zusammen mit einigen weniger freundlichen Beurteilungen ihrer Person, die sie gelegentlich durchaus mit Vergnügen las.

„Ja. Ich war wohl etwas ... nachdrücklich, als es darum ging, die Zusammenarbeit zu beenden.“

Sie ließ die offene Box etwas sinken und wandte sich Dany zu.

„Das mit den Aufträgen kann ich gut verstehen. Ich hänge auch an meiner Arbeit, werde aber reichlich ungehalten, wenn jemand meint, er müsste mir vorschreiben, womit ich mich beschäftigen soll. Es ist angenehm, sich das aussuchen zu können. Und wegen deiner Erbstücke, da würde ich tatsächlich die Schmiede auf Zanbar fragen. Das ist eine der Schmiedewelten der Mandalorianer, mit Beskar und alten Rüstungen kennt man sich dort erheblich besser aus als ich. Zeigen darfst du sie mir natürlich trotzdem gern. Mich interessiert vor allem, was in den Systemen steckt. Die Mandalorianer, die ich kenne, lassen allerdings niemanden an die tieferen Systeme ihrer Rüstungen. Dazu sind ihre Netze so gründlich vom öffentlichen Holonet getrennt, dass selbst ich von außen nicht hineinkomme.“

Bei den letzten Worten schwang ein wenig Bedauern mit. Zanbar hatte sie zum Glück auch aus anderen Gründen gern besucht. Sie erinnerte sich an den Blick von einer der Hochflächen, an die feuchten grünen Niederungen weit unter ihr und die belebten Straßen Watchpoints, durch die sie anschließend gegangen war.

„Ich glaube, es wird euch dort gefallen. Überall diese weiten Sumpfdschungel und dazwischen die aufragenden Plateaus, auf manchen davon ganze Ansiedlungen. Einige sind wirklich hübsch und Watchpoint ist eine moderne Metropole. Ihr könnt dort durch Wohnviertel gehen, einkaufen, euch irgendwo zum Essen hinsetzen ... Manche Leute würden sich wundern, wenn sie sähen, wie die Mandalorianer leben. Es ist das eine Mandalore oder Concord Dawn zu besuchen, Welten die von Jahrtausenden Krieg gezeichnet wurden, in den anderen Teilen der Uvete sieht das anders aus...“

Moore sah wieder zu Samin. Die Chiss würde sich selbst ein Bild davon machen müssen, wo ihre Tochter bleiben sollte, doch die Sephi freute sich beinahe schon darauf, ihr Zanbar zu zeigen.

„Wenn die Kinder erst einmal irgendwo sicher sind, dann auf Zanbar. Davon bin ich überzeugt. Und wenn wir ankommen, nehmt euch die Zeit, aus dem Fenster zu sehen. Schon im Orbit bekommt man ein recht eindrückliches Gefühl dafür, wie klein diese Yacht eigentlich ist. Ähnliches Schauspiel wie auf dem Rad...“

Sie erinnerte sich an die gewaltigen dunklen Flanken über dem Grün des Mondes und daran, wie lange sie damals am Fenster geblieben war. Die Fragen nach ihren Comlinks brachten sie allerdings wieder zum Lachen. Sie stellte die Box auf dem Sitzpolster ab und nahm eines der Module heraus, dessen gewölbte Unterseite sie den beiden Frauen zuwandte.

„Die bleiben außen, Samin. Ich muss euch dafür nichts implantieren.“

Mit der freien Hand hob sie das Haar im Nacken an und zeigte ihnen die Stelle unmittelbar unter dem Schädelansatz.

„Hier legt ihr es an. Das Gerät liegt auf der Haut und feine Nadeln stellen den Kontakt zum Nervensystem her. Unter den Haaren fällt es kaum auf. Und ja, Dany, damit könnt ihr sprechen, ohne den Mund aufzumachen. Untereinander und mit mir. Ihr müsst daran denken, jemandem etwas mitzuteilen. Die Schnittstelle erkennt diese Absicht und überträgt, was ihr sagen möchtet.“

Moore ließ das Haar wieder fallen. Bei der Frage nach fremden Gedanken hielt sie einen Moment inne, erinnerte sich an ihre eigene Hand, die einem fremden Willen gehorcht hatte, während sie selbst nur zusehen konnte. Sie sah Dany wieder an.

„Gedankenlesen ist damit nicht möglich, Dany. Ihr teilt mit, was ihr jemandem sagen möchtet. Alles andere bleibt bei euch. Und ich habe bei der Entwicklung ausdrücklich dafür gesorgt, dass damit niemand fremde Gedanken kontrollieren kann.“ Sie ließ das Modul auf ihrer offenen Handfläche liegen. „Und das wirklich Hübsche ist, dass ich euch Informationen direkt einspielen kann. Ton oder kleine Datenpakete. Einen Lageplan etwa, den die Software als HUD vor euren Augen darstellt. Ich kann euch darauf zeigen, wo es weitergeht, während ihr euch bewegt und die Hände frei habt. Auf Bakura muss ich euch dann nicht erst umständlich beschreiben, welche Tür ich meine, ich kann sie euch einfach zeigen.“

Den Lageplan hatte sie gedanklich bereits aufgerufen und musste sich ein wenig zurückhalten, ihnen gleich noch die möglichen Wege durch die Anlage zu erklären. Erst einmal sollten die beiden selbst ausprobieren können, wie sich so eine Verbindung anfühlte.

„Das braucht zu Beginn ein bisschen Übung. Ihr müsst euch beim Senden verständlich machen und bei eingehenden Informationen unterscheiden lernen, was ihr selbst wahrnehmt und was euch die Schnittstelle liefert. Daran gewöhnt sich das Gehirn recht gut. Die Software beruht auf meinem aktuellen HNAI und ist sicher und gut erprobt. Mit den Routinen arbeiten Mira und ich schließlich jeden Tag.“

Moore legte das Modul neben das zweite zurück und nahm die Box wieder auf. Sie hielt sie den beiden Frauen offen hin.

„Wenn ihr mögt, setzt sie euch an. Ich kann euch zeigen, wie ihr euch gegenseitig erreicht.“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere / Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
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